Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertachtundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush berät mit Baker-Kommission über
Irak-Strategie. Blair: Syrien und Iran in die Bemühungen
um ein Ende der Gewalt im Irak einbinden. Iran schließt
Gespräche mit Westen über
Lage im Irak nicht aus. Mindestens 20 Tote bei Anschlag auf Bus in
Bagdad
Di.14.11.06 - Knapp eine Woche nach dem Sieg der Demokraten bei der Kongresswahl hat
US-Präsident George W. Bush mit einer ranghohen Expertenkommission
über den künftigen Kurs im Irak beraten. Festlegungen zur
Strategie wurden dabei noch nicht getroffen, jedoch mehren sich die
Zeichen für einen Kurswechsel in der Irak-Politik der USA und
ihres britischen Verbündeten.
Der Präsident und die so genannte Baker-Kommission hätten das
Treffen zu einem Gedankenaustausch über die Irak-Politik genutzt,
sagte Bushs Sprecher Tony Snow in Washington. Bush und die
Kommissionsmitglieder äußerten sich nicht zum Inhalt ihrer
Gespräche. Am heutigen Dienstag will das Gremium per
Video-Schaltkonferenz mit Großbritanniens Premierminister Tony
Blair beraten. Bush sagte bei einem Treffen mit dem israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert im Weißen Haus: "Ich bin
gespannt auf interessante Ideen." Zugleich betonte er, ein Rückzug
der US-Truppen hänge von der Lage im Irak ab.
Die überparteiliche Kommission war im März vom US-Kongress
eingesetzt worden. An ihrer Spitze stehen der frühere
Außenminister James Baker und der ehemalige demokratische
Abgeordnete Lee Hamilton. Das Gremium soll Empfehlungen zum Fortgang
des Irak-Einsatzes erarbeiten.
Der Iran hat unterdessen Gespräche mit dem Westen über die
Lage im Nahen und Mittleren Osten einschließlich des Irak nicht
ausgeschlossen.
Sollten die USA ein solches Gespräch offiziell vorschlagen, werde
die Regierung in Teheran darüber nachdenken, sagte
Außenministeriumssprecher Mohammed Ali Hosseini am Montag der
Nachrichtenagentur Reuters.
Er reagierte damit auf die Forderung von Großbritanniens
Premierminister Tony Blair, Syrien und der Iran in die Bemühungen
um ein Ende der Gewalt im Irak einzubinden.
Blair drängte in einer außenpolitischen Rede am Montag in
London darauf, die Irak-Strategie zu überdenken. Die Irak-Krise
lasse sich nicht isoliert lösen, sondern nur innerhalb einer
Gesamtstrategie, die alle Konflikte im Nahen Osten umfasse. "Ein
Großteil der Antwort in Bezug auf den Irak liegt nicht im Irak
selbst, sondern außerhalb, in der Region, wo die gleichen
Kräfte an einem Strang ziehen", sagte er mit Blick auf Syrien und
den Iran. Insbesondere müsse auf den Iran Druck ausgeübt
werden, sagte Blair.
Bush lehnte direkte Verhandlungen seines Landes mit dem Iran ohne
Vorbedingungen ab. Wenn die iranische Führung mit den USA in
Dialog treten wolle, müsse sie zunächst "die Anreicherung von
Uran nachprüfbar aussetzen", sagte Bush nach dem Treffen mit
Olmert. Mit seinen Äußerungen reagierte Bush auf
Spekulationen, die USA könnten das Land in eine diplomatische
Lösung zur Beilegung der Krise im Irak einbeziehen.
Eine Bombenexplosion in einem Kleinbus hat am Montag im Osten Bagdads
mindestens 20 Menschen in den Tod gerissen. 18 weitere wurden nach
Polizeiangaben verletzt. Die Detonation ereignete sich kurz nach Mittag
an einer Kreuzung im überwiegend von Schiiten bewohnten
Stadtviertel Schaab. Derartige Anschläge auf Busse wurden bereits
früher von sunnitischen Aufständischen verübt, offenbar
als Vergeltung für Anschläge von Schiiten auf Sunniten.
Im nordirakischen Mossul erschossen Unbekannte am Montag einen
Kameramann des Fernsehsenders Al Scharkijah. Wie die Polizei mitteilte,
wurde Mohammed al Ban getötet, als er am Morgen sein Haus
verließ. Seine Frau erlitt Verletzungen. Im vergangenen Monat war
bereits eine Moderatorin des Senders in Bagdad erschossen worden. Mit
dem Tod Al Bans stieg die Zahl der Journalisten, die seit Beginn des
Irak-Kriegs im Frühjahr 2003 dort ums Leben kamen, auf mindestens
89. Zudem kamen 35 Medienmitarbeiter wie Fahrer, Übersetzer oder
Leibwächter ums Leben.
In der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad wurde ein Mitglied
des Stadtrats getötet, ein weiteres wurde verletzt. Bewaffnete
beschossen in Wasirija das Auto, in dem die beiden fuhren. Die
irakischen Streitkräfte meldeten in der Region am Sonntag den Fund
von 50 Leichen. Sie sollten am Montag geborgen werden. In Bakuba wurde
nach Polizeiangaben der sunnitische Scheich Namis Karim auf dem Weg zu
einer Moschee niedergeschossen. Außerdem fand die Polizei in
Bakuba die Leichen von zwei erschossenen Frauen, und in der Innenstadt
wurde eine weitere Zivilperson niedergeschossen. Im Westen Bagdads
entdeckte die Polizei vier Leichen. Die Opfer waren gefesselt und wurden
vor ihrem Tod offenbar gefoltert.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 14.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundvierten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Rumsfeld wird erneut in Deutschland wegen Kriegsverbrechen angezeigt
Di.14.11.06 - Wenige Tage nach seinem Rücktritt wird der ehemalige
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erneut bei der deutschen
Bundesanwaltschaft wegen Kriegsverbrechen angezeigt. Wie die
«Frankfurter Rundschau» (Dienstagausgabe) vorab berichtete,
soll die Strafanzeige einer deutschen Bürgerrechtsorganisation
gegen Rumsfeld, US-Vizepräsident Richard Cheney und 15 weitere
hohe Vertreter von US-Militär und Zivilverwaltung am Dienstag der
Strafverfolgungsbehörde in Karlsruhe zugehen. Ihnen würden
Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit dem Vorgehen im irakischen
US-Gefängnis Abu Ghraib und im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay
vorgeworfen.
Die Anzeige des Republikanischen Anwältinnen- und
Anwältevereins (RAV) in Berlin umfasse knapp 300 Seiten. Der
RAV-Vorsitzende Wolfgang Kaleck vertritt den Angaben zufolge elf
Ex-Insassen von Abu Ghraib und einen Gefangenen aus Guantanamo. Seine
Mandanten hätten Schlaf- und Nahrungsentzug, unbequeme
Körperhaltungen und sexuelle Misshandlungen ertragen müssen.
In einem Fall habe Rumsfeld nachweislich direkt Einfluss genommen. Die
Bundesanwaltschaft müsse dann solche Vergehen verfolgen, wenn zu
befürchten sei, dass sie sonst straflos blieben.
Allerdings hatte es der damalige Generalbundesanwalt Kay Nehm im
Februar 2005 abgelehnt, gegen Rumsfeld und andere US-Offizielle wegen
des Folterskandals in Abu Ghraib zu ermitteln. «Vorrangig
zuständig» seien die USA, betonte Nehm. Anders könne
dies nur sein, «wenn lediglich zum Schein oder ohne ernsthaften
Verfolgungswillen ermittelt» werde, hieß es damals auf eine
Anzeige von US-Menschenrechtlern hin.
(Quelle: ddp)
Bewegung gegen Streubomben wird größer
Di.14.11.06 - Die weltweite Bewegung gegen den Einsatz von Streubomben ist nach
Angaben unabhängiger Organisationen in jüngster Zeit deutlich
größer geworden. Zwei Dutzend Länder hätten sich
inzwischen der Forderung nach einem Abkommen zum Verbot dieser Waffen
angeschlossen, erklärte am Montag in Genf Thomas Nash von der
Cluster Munition Coalition, einer in London ansässigen Gruppe.
Zu den Ländern, die sich der Forderung nach Aushandlung eines
internationalen Abkommens angeschlossen hätten, zählten auch
Deutschland, Mexiko, Argentinien and Neuseeland, sagte Nash.
Österreich habe in dieser Frage die Führung übernommen
und auf der laufenden Konferenz zur Kontrolle konventioneller Waffen
offiziell den Antrag gestellt, mit den Verhandlungen für ein
solches Abkommen zu beginnen.
Streubomben wurden und werden von den USA und anderen
Streitkräften auf dem Balkan, in Afghanistan und im Irak
eingesetzt. Stark in die Kritik geraten sind die Streubomben nach dem
jüngsten Einsatz durch Israel im Libanon. Tausende der kleinen
Bomben sind nicht explodiert und stellen so eine große Gefahr
für die Zivilbevölkerung dar.
(Quelle: ap)
Pakistan gegen US-Anti-Terror-Kampf auf seinem Gebiet
Di.14.11.06 - Pakistan duldet auf seinem Gebiet keine US-Angriffe gegen
mutmaßliche El-Kaida-Verstecke. "Wir haben immer gesagt, dass wir
selbst in der Lage sind, gegen terroristische Aktivitäten
vorzugehen", sagte der pakistanische Ministerpräsident Shaukat Aziz
dem US-Nachrichtensender CNN. "Unsere Streitkräfte sind gut
ausgerüstet, wir erlauben keinem Land, unsere
Souveränität zu verletzen."
US-Präsident George W. Bush hatte im September erklärt, er
sei bereit, den Chef des Terrornetzwerks El Kaida, Osama bin Laden, und
andere Terroristen aufzuspüren und zur Strecke zu bringen, selbst
wenn dies einen Einsatz in Pakistan bedeute. Das Land ist einer der
wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den Terrorismus.
(Quelle: afp)
Nordwest-Pakistan: Islamisten wollen Tugend-Ministerium nach
Taliban-Vorbild einführen
Di.14.11.06 - Die Abgeordneten der im Nordwesten von Pakistan regierenden
islamistischen Koalition haben am Montag die Einführung eines so
genannten Tugend-Ministeriums beschlossen. Vorbild ist dabei das
berüchtigte Ministerium zur Verhinderung des Lasters und zur
Förderung der Tugend der bis Ende 2001 in Afghanistan regierenden
radikalislamischen Taliban. Diese haben im Nordwesten Pakistans weiter
zahlreiche Anhänger.
Die neue Behörde wird von einem Geistlichen geleitet. Sie soll
tugendhaftes Verhalten fördern und Laster beseitigen. Zur
Durchsetzung soll sie auch eine eigene Polizei bekommen. Dem
beschlossenen Gesetzestext zufolge soll die Behörde die Korruption
bekämpfen, Kinderarbeit beseitigen sowie die Rechte von Frauen und
Minderheiten garantieren.
Das Gesetz muss noch vom Gouverneur der Provinz unterzeichnet werden.
Wann dies geschieht, war noch unklar. Im vergangenen Jahr, als die
Abgeordneten schon einmal ein ähnliches Gesetz beschlossen, lehnte
er dies ab. Dabei kritisierte er besonders die Einrichtung der eigenen
Polizeieinheit für die Behörde.
(Quelle: ap)
Annan: Politik vertieft Kluft zwischen Islam und Westen
Di.14.11.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat politische Spannungen statt
religiöser Unterschiede für die wachsende Kluft zwischen dem
Islam und dem Westen verantwortlich gemacht. «Das Problem ist
niemals der Glaube; es sind die Gläubigen und wie sie sich
gegenüber einander verhalten», sagte Annan während
einer Konferenz zur Allianz der Kulturen am Montag in Istanbul. Ohne
eine Lösung des Nahost-Konflikts könne es auch keine
umfassende Lösung der Spannungen zwischen westlichen Ländern
und dem Islam geben, sagte Annan.
Gewalt werde von Angst, Missverständnissen und wirtschaftlichem
Ungleichgewicht geschürt, erklärte der scheidende
UN-Generalsekretär. Weitere Gründe seien Kriegseinsätze
westlicher Staaten in muslimischen Ländern und der Konflikt
zwischen Israel und den Palästinensern.
Annan nahm in Istanbul an einer Tagung der von den Vereinten Nationen
unterstützten Initiative zur Allianz der Kulturen teil. Ein
Gremium aus 20 Experten - darunter der ehemalige iranische
Präsident Mohammad Chatami und der südafrikanische Erzbischof
Desmond Tutu - stellte dort in einem Bericht ihre Einschätzungen
vor, wie Frieden auf der Welt vorangetrieben werden könnte. Unter
anderem wurde in dem Bericht zur Wiederaufnahme von
Friedensverhandlungen im Nahen Osten aufgerufen. Mitfinanziert wird die
Initiative von der Türkei und Spanien. Die Menschheit könne
entweder zusehen, wie sich Terror und Gewalt immer weiter ausbreiteten,
oder sie könne selbst «ein gemeinsames Verständnis von
Menschlichkeit» weiterverbreiten, sagte der türkische
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Blair fordert völlig neue Nahoststrategie
Di.14.11.06 - Zur Lösung der Konflikte im Irak und Nahen Osten muss der Westen
nach Überzeugung des britischen Premierministers Tony Blair eine
völlig neue Strategie entwickeln. Im Zentrum der Neuausrichtung
müsse die Lösung des israelisch-palästinensischen
Konflikts liegen, sagte Blair am Montagabend in einer
außenpolitischen Grundsatzrede in London. Danach müsse der
Libanon stabilisiert werden und dann moderate Araber und Muslime
für eine Friedenslösung in diesen Ländern und im Irak
geeint werden.
Im Irak seien Kräfte von außen für die Gewalt
verantwortlich, sagte er weiter. Diese Kräfte müssten dann
auch außerhalb Iraks verfolgt werden, forderte Blair. Dem Iran
warf er vor, schiitische Milizen im Irak, die Hisbollah im Libanon und
die extremsten Elemente der Hamas in den palästinensischen
Autonomiegebiete zu unterstützen. «Sie legen uns Steine auf
den Weg zum Frieden und stellen uns als Aggressoren hin, sie hetzen die
arabische Straße auf und schüren Aufruhr in unserer
demokratischen Politik», sagte Blair. Der Westen müsse diese
Punkte einen nach dem anderen auflösen und vom Iran verlangen,
seine Unterstützung für Extremisten und sein Programm
für Urananreicherung aufzugeben. «Wenn das der Fall ist, ist
eine neue Partnerschaft möglich», erklärte Blair.
«Im anderen Fall drohen ihm die Konsequenzen dafür:
Isolation.»
(Quelle: ap)
Ausnahmezustand über weite Teile des Tschad verhängt
Di.14.11.06 - Die Regierung des Tschad hat nach Auseinandersetzungen zwischen
arabischen und nicht-arabischen Volksgruppen den Ausnahmezustand
über weite Teile des Landes verhängt. Bei den
Zusammenstößen im Osten des Tschad nahe der Grenze zum Sudan
waren mehr als 300 Menschen getötet worden. Der Ausnahmezustand
gelte ab sofort in den drei am schwersten betroffenen Regionen, in
weiteren Gebieten werde er ausgeweitet, teilte das Kabinett nach einer
Krisensitzung mit. Die Regierung macht den Sudan für die
Kämpfe verantwortlich.
Alle privaten Zeitungen und Radiosender des Tschad stellte das Kabinett
unter Zensur. Künftig seien Berichte verboten, die die
öffentliche Ordnung und die nationale Einheit gefährdeten.
Seit rund zwei Wochen liefern sich schwerbewaffnete arabische
Reitermilizen Kämpfe mit den schwarzafrikanischen Dorfbewohnern im
Osten des Landes. Die Herkunft dieser Milizen ist unklar. Einwohner und
Experten von Hilfsorganisationen beschreiben sie als sehr brutal und
gut organisiert. Mit den üblichen Landstreitigkeiten zwischen
Nomaden und sesshaften Bauern hätten die neuen
Auseinandersetzungen nichts zu tun, hieß es.
Dorfbewohnern zufolge kommen die Angreifer nicht aus der Region.
Vielmehr handle es sich um Mitglieder der berüchtigten
Dschandschawid-Miliz, die seit 2003 mit Unterstützung Khartums
gegen schwarzafrikanische Rebellen und Einwohner der Krisenregion
Darfur vorgeht. Auch die tschadische Regierung warf dem Nachbarland
vor, hinter den jüngsten Angriffen zu stehen. Sie sei Teil einer
umfassenden Strategie Khartums zur "Destabilisierung" des Tschad.
(Quelle: afp)
Folter in Tschetschenien weiter weit verbreitet
Di.14.11.06 - Folter ist in Tschetschenien weiter weit verbreitet und wird
systematisch angewandt, wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights
Watch am Montag mitteilte. Das UN-Komitee gegen Folter müsse
handeln, forderte die Organisation. Sie hat nach eigenen Angaben
zwischen Juli 2004 und September 2006 mindestens 115 Fälle von
Folter in Tschetschenien erfasst.
Die meisten seien Opfer der Gewalt durch die Sicherheitskräfte
geworden, die dem vom Kreml unterstützten Ministerpräsidenten
Ramsan Kadyrow unterstehen, hieß es. Es gebe Beschreibungen von
mindestens zehn ungesetzlichen Gefängnissen in Tschetschenien.
Unter anderem gehörten Schläge, Verbrennungen und
Elektroschocks zum Folterarsenal. Darüber hinaus werde auch
psychologischer Druck mit Scheinhinrichtungen und der Androhung von
Vergewaltigungen ausgeübt.
(Quelle: ap)
Polen blockiert Verhandlungen über neues EU-Abkommen mit Russland
Di.14.11.06 - Polen blockiert die Aufnahme von Verhandlungen über ein neues
EU-Russland-Abkommen. Die polnische Außenministerin Anna Fotyga
weigerte sich am Montag bei einem Treffen mit ihren EU-Kollegen in
Brüssel, der EU-Kommission ein Mandat für die Aushandlung
eines neuen Partnerschafts- und Kooperationsabkommens mit Russland zu
erteilen. Die EU-Botschafter sollen sich nun darum bemühen, bis
zum EU-Russland-Gipfel am 24. November doch noch eine Lösung zu
finden.
Falls Polen auf seinen Forderungen beharrt, dürfte dies jedoch
schwierig werden. Warschau will Verhandlungen mit Russland erst
zustimmen, wenn Moskau Importbeschränkungen für polnische
Agrarprodukte aufhebt und die internationale Energie-Charta
ratifiziert. Das Verhandlungsmandat kann nur einstimmig beschlossen
werden.
«Wir alle haben an Polen appelliert, die Blockade
aufzuheben», sagte die für Außenbeziehungen
zuständige EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner nach den
Beratungen in Brüssel. Zugleich äußerte sie
Verständnis für die Verärgerung Warschaus über die
von Russland verhängten Importbeschränkungen für
polnische Lebensmittel. EU-Experten würden ein weiteres Mal nach
Polen reisen, um die Unbedenklichkeit polnischer Fleisch- und
Pflanzenprodukte zu zertifizieren.
Für unrealistisch halten die EU-Kommission und die übrigen
Mitgliedstaaten indes die Forderung Warschaus nach einer Ratifizierung
der Energie-Charta, die Russland schon vor mehr als zehn Jahren
unterzeichnete. Es scheine erfolgversprechender, «möglichst
viele Grundsätze der Energie-Charta» in das geplante neue
Partnerschaftsabkommen einzubeziehen, verlautete aus Diplomatenkreisen.
Da dieses Abkommen Russland zugleich Vorteile biete, bestehe die
Chance, dass Moskau in diesem Rahmen auch die Prinzipien der
Energie-Charta übernehme.
Die EU-Kommission machte unterdessen deutlich, dass sie eine Aufnahme
Russlands in die WTO an bestimmte Bedingungen knüpft. Russland
dürfe europäischen Fluggesellschaften, die Sibirien
überfliegen, keine Gebühren mehr in Rechnung stellen,
forderte ein Sprecher von EU-Handelskommissar Peter Mandelson am
Montag. «Es sind Fortschritte erzielt worden, aber wir sind noch
nicht am Ziel», sagte der Sprecher, Peter Power. Russland hat
einer Abschaffung der Gebühren zwar grundsätzlich zugestimmt,
will aber eine Übergangsfrist bis 2013. Die
Überflug-Gebühren bringen Moskau jährlich rund 240
Millionen Euro ein.
(Quelle: ap)
EU-Kommission plant Sozialgarantie
Di.14.11.06 - Die EU-Kommission will kurz vor der entscheidenden Abstimmung des
Europa-Parlament über die EU-Dienstleistungsrichtlinie eine
öffentliche Sozialgarantie abgeben. Evelyne Gebhardt (SPD), die
für die Dienstleistungsrichtlinie zuständige
Berichterstatterin, sagte dem «Reutlinger General-Anzeiger»
(Dienstagausgabe), die EU-Kommission habe «definitiv
zugesagt», an diesem Mittwoch eine verbindliche Erklärung
vor dem Plenum des Europa-Parlaments abzugeben.
Gebhardt betonte: «Die Kommission wird öffentlich das
Versprechen abgeben, dass die Rechte der Arbeitnehmer auf keinen Fall
von der Dienstleistungsrichtlinie angetastet werden.» Aufgrund
dieser «Sozialgarantie», rechne sie mit dem Zustandekommen
einer großen Mehrheit von Sozialdemokraten und Konservativen
für den vorliegenden Kompromiss bei der Liberalisierung der
europäischen Dienstleistungsmärkte. «Nun wird es in
ganz Europa einen Sog der Arbeitnehmerrechte nach oben geben»,
sagte Gebhardt voraus.
(Quelle: ddp)
Großbritannien: Muslimische Anwältin mit Schleier muss Fall
abgeben
Di.14.11.06 - Einer muslimischen Rechtsanwältin in Großbritannien, die
auch vor Gericht ihren Ganzkörperschleier nicht ablegen wollte,
hat ihr Arbeitgeber ihren Fall entzogen. Shabnam Mughal wurde am Montag
in dem Prozess durch einen männlichen Kollegen ersetzt. Die
Entscheidung sei im Interesse des Mandanten getroffen worden,
erklärte die Kanzlei. Ein Richter hatte in der vergangenen Woche
bemängelt, er könne wegen des Schleiers Mughals
Ausführungen nicht verstehen. Das Verfahren in Stoke-on-Trent
wurde daraufhin vertagt.
Die 27-Jährige hat erklärt, sie habe das Recht, auch vor dem
Tribunal für Asyl- und Einwanderungsfragen den Schleier zu tragen,
der ihren gesamten Körper außer den Augen bedeckt. Der
Vorsitzende des Tribunals, Richter Henry Hodge, erklärte in der
vergangenen Woche, über die Zulassung von Schleiern solle im
Einzelfall entschieden werden. Sofern eine Anwältin die Zustimmung
ihres Mandanten haben und von allen Beteiligten im Gerichtssaal gut
verstanden werde, gebe es keinen Grund, ihr den Schleier zu verbieten.
Der Lordoberrichter für England und Wales, Lord Phillips, sprach
sich dagegen für eine eindeutige Richtlinie aus.
Mughals Kollege Abdul Khan, der ihren Fall nun übernommen hat,
erklärte, die Entscheidung sei nicht wegen des Schleiers der
Muslimin getroffen worden. Die Kanzlei wolle lediglich sicherstellen,
bestmöglich die Interessen ihrer Mandanten verfolgen zu
können. Mughal werde weiterhin ihren Schleier tragen, betonte
Khan. Ihr ehemaliger Mandant, Jagdev Singh, zeigte sich von der
Entscheidung der Kanzlei enttäuscht.
(Quelle: ap)
Deutschland
Bundesregierung gegen neues NPD-Verbotsverfahren
Di.14.11.06 - Die Bundesregierung hat sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen ein neues
NPD-Verbotsverfahren ausgesprochen. In der Regierung werde nicht an
einem Vorstoß gearbeitet, ein neues Verfahren einzuleiten, sagte
der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Montag in Berlin.
Dafür seien die Bedingungen im Moment nicht erfolgsversprechend,
da die rechtsextremistische Partei weiter durch den Verfassungsschutz
beobachtet werden solle.
Das Bundesverfassungsgericht hatte beim ersten NPD-Verbotsverfahren im
Jahr 2003 entschieden, dass die Beobachtung während eines
Verfahrens vollständig eingestellt
(Advertisement)
werden muss. Steg betonte, in der Regierung gebe es keinen Dissens
darüber, dass eine politische Auseinandersetzung mit der NPD und
ihren Sympathisanten erfolgen müsse. Steg bezeichnete die NPD als
verfassungsfeindliche Partei, deren öffentliches Auftreten jeden
Demokraten empören müsse.
Auch Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) ist gegen die
Neuauflage eines NPD-Verbotsverfahrens. Sein Sprecher Stefan Giffeler
erklärte, Müntefering rate zu Vorsicht. Er habe darauf
verwiesen, dass zunächst viele Fragen zu klären seien. Ein
formales Prüfverfahren der Bundesregierung habe der SPD-Politiker
nicht in Aussicht gestellt, sagte Giffeler und wies damit anders
lautende Meldungen zurück.
(Quelle: ap)
Extremismusforscher für Abzug der V-Leute aus der NPD
Di.14.11.06 - Der Extremismusforscher Hajo Funke hält den Abzug der V-Leute aus
der NPD für überfällig. «Wir wissen seit Jahren,
dass sich die NPD zur dominanten und radikalsten aller
verfassungsfeindlichen Partei entwickelt hat», sagte der an der
Freien Universität Berlin arbeitende Wissenschaftler den
«Stuttgarter Nachrichten» (Dienstagausgabe). Auch mit
V-Leuten habe man die NPD nicht im Griff.
Funke wirft den demokratischen Parteien vor, Rechtsextremismus zu wenig
öffentlich zu verurteilen. Funke: «Die Politik weiß
offenbar nicht, wie sie die gesellschaftliche Erosion vermeiden und
radikale Ansichten in der Unter- wie in der Mittelschicht einfangen
kann.» Während sich radikale Parteien vor allem in Schulen
und Stadtteilen mit sozialen Brennpunkten offensiv vermarkteten, fehle
den im Bundestag vertretenen Parteien die Begabung, «Politik mit
Sex-Appeal» zu vertreten.
Auch der Links-Fraktionsvize Bodo Ramelow fordert ein Ende der
Überwachung der NPD durch den Verfassungsschutz: «Die
V-Leute gehören zurückgezogen, sagte Ramelow am Montag in der
N-24-Sendung «Was erlauben Strunz». Die Hürden
für ein Verbotsverfahren gegen die NPD seien hoch, ein erneutes
Scheitern könnte die NPD «adeln», warnte Ramelow. Er
schlug allerdings vor, Parteien, die als «geheime Sekten»
agierten, «das Privileg des Parteienstatuts» zu entziehen.
(Quelle: ddp)
Telekom wechselt Führung aus - Obermann löst Ricke ab
Di.14.11.06 - Der amtierende Telekom-Mobilfunkvorstand René Obermann wird
Nachfolger des zurückgetretenen Konzernchefs Kai-Uwe Ricke. Das
teilte der Konzern in Bonn mit. Der 43-jährige Obermann trete sein
Amt mit sofortiger Wirkung an, hieß es. Der Wechsel an der
Konzernspitze beflügelte den Kurs der T-Aktie. An der Frankfurter
Börse kletterte das Papier um 3,2 Prozent und stand damit an der
Spitze des Deutschen Aktienindices (Dax). Dem "Handelsblatt" zufolge
werden zwei weitere Vorstände das Unternehmen verlassen.
Wegen anhaltenden Kundenschwunds und schlechter Zahlen hatte der
Aufsichtsrat der Telekom am Vorabend Rickes Ablösung nach vier
Jahren im Amt bekanntgegeben. Dem Vernehmen nach war das Vorgehen
sowohl mit dem Großaktionär Bund als auch dem US-Investor
Blackstone abgestimmt. Ricke war wiederholt kritisiert worden, weil er
einerseits massiv Personal abbaute, zugleich der Telekom aber weiter
die Kunden wegliefen und der Aktienkurs seit vier Jahren nicht mehr
nachhaltig stieg.
Erst am Donnerstag hatte die Deutsche Telekom (Xetra: 555750 -
Nachrichten) mitgeteilt, dass sie auch im dritten Quartal weniger
verdient hatte als im Vorjahr und mit einem milliardenschweren
Sparprogramm gegensteuern will. Der Nettogewinn sank zwischen Juli und
September um 34 Prozent auf 980 Millionen Euro. Das Präsidium des
Aufsichtsrates und Ricke hätten sich einvernehmlich über sein
Ausscheiden aus dem Unternehmen zum 13. November verständigt,
teilte die Telekom mit.
Ricke hatte seinen Chefposten vor fast genau vier Jahren, Mitte
November 2002, angetreten. Dabei hatte er von seinem Vorgänger Ron
Sommer einen gigantischen Schuldenberg übernommen und deswegen
einen harten Sanierungskurs eingeschlagen. Zuletzt hatte Ricke
versucht, mit neuen Pauschaltarifen verlorene Kunden
zurückzugewinnen.
Personalvorstand Heinz Klinkhammer werde zum Jahresende sein Amt
niederlegen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf
Unternehmenskreise. Sein Vertrag laufe zwar noch bis September 2008,
der 60-Jährige sei aber amtsmüde, hieß es in den
Kreisen.
Dem Bericht zufolge ist auch Festnetzchef Walter Raizner laut Angaben
aus dem Umfeld der Telekom dabei, sich einen neuen Posten zu suchen.
Raizner war Anfang September vom damaligen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke
entmachtet worden, als der ihm die Verantwortung für den Vertrieb
und die Netztechnik entzog.
(Quelle: afp)
Einkommensunterschiede in Deutschland nehmen weiter zu
Di.14.11.06 - In den vergangenen zehn Jahren sind die Reichen in Deutschland deutlich
reicher und die Armen deutlich ärmer geworden. Das geht nach einem
Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" aus einer neuen Studie des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Danach
hat das ärmste Zehntel der Bundesbürger zwischen 1995 und 2005
rund fünf Prozent seines Anteils am Gesamteinkommen
eingebüßt, das oberste Zehntel dagegen hat gut ein Prozent
hinzugewonnen.
Besonders dramatisch sind die Einkommensunterschiede der Studie zufolge
in Ostdeutschland gewachsen. Während das untere
Bevölkerungszehntel in den neuen Ländern fast 14 Prozent
seiner Einkommensanteile verloren hat, ist das obere Zehntel um gut 5
Prozent wohlhabender geworden.
(Quelle: afp)
SPD will notfalls Verfassungsänderung für kostenfreie Kitas
Di.14.11.06 - Die SPD will in ganz Deutschland gebührenfreie Kita-Plätze
durchsetzen und dafür notfalls auch die Verfassung ändern. Die
SPD wolle die Familienpolitik «auf neue Beine» stellen,
kündigte Fraktionschef Peter Struck in der «Rheinischen
Post» (Montagausgabe) an. Es müsse möglich sein, jeden
Kindergartenplatz in Deutschland gebührenfrei anzubieten. Struck
fragte, ob die 160 Milliarden Euro jährlich für die
Familienförderung nicht sinnvoller ausgegeben werden könnten.
Der SPD-Fraktionschef kündigte in dem Blatt an, seine Partei werde
Ende des Jahres dafür konkrete Schritte vorlegen und das Thema in
der Koalition diskutieren. Sollte es mit der Union keine Einigung in
dieser Frage geben, werde die SPD im Wahlkampf deutliche
sozialdemokratische Akzente in der Familienpolitik setzen.
Die Verfassungsvorschrift, wonach der Bund kein Geld direkt an
Träger von Kindergärten geben darf, hält Struck für
ein «überwindbares Hindernis». Es sei Konsens, dass man
bei der Kinderbetreuung mehr tun wolle. «Dann kann man auch
sagen, für diesen speziellen Bereich ändern wir die
Verfassung», sagte Struck.
(Quelle: ap)
Mieterbund warnt vor Privatisierung städtischer
Wohnungsbestände
Di.14.11.06 - Der Stopp des Verkaufs städtischer Wohnungen in Freiburg ist auf
Zustimmung beim Deutschen Mieterbund und beim Bundesverband deutscher
Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) gestoßen. «Wer
öffentliche Wohnungsbestände verkaufen will, stellt sich gegen
die Interessen der Mehrheit der Bürger», sagte der Direktor
des Mieterbunds, Franz-Georg Rips, am Montag. GdW-Präsident Lutz
Freitag erklärte, mit der Entscheidung blieben der kommunalen
Politik im Bereich der Wohnraumversorgung, Stadtentwicklung und der
Förderung funktionierender Nachbarschaften wichtige
Handlungsmöglichkeiten in eigener Verantwortung erhalten.
Bei einem Bürgerentscheid in Freiburg hatten die Einwohner am
Sonntagabend die Pläne für einen Wohnungsverkauf gekippt.
«Ich hoffe, dass Kommunen und Länder, die ebenfalls
Verkaufsabsichten hegen, aus der Freiburger Entscheidung ihre Lehren
ziehen», sagte Rips. Eine Wohnungspolitik gegen die Interessen der
großen Mehrheit der Bürger müsse scheitern. Der
Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) wollte
7.900 Wohnungen veräußern, um die Schulden abzubauen. Es
stimmten 70,5 Prozent gegen einen Verkauf. Die Stadt darf die Wohnungen
nun drei Jahr lang nicht verkaufen.
Das Stadtoberhaupt und die Mehrheit des Gemeinderates wollten mit dem
Verkauf einen Erlös von 510 Millionen Euro erzielen. Salomon sagte
zu dem gescheiterten Verkaufsplänen: «Das Ergebnis ist
eindeutig.» Da helfe kein Jammern und Wehklagen. Er forderte die
Gegner des Wohnungsverkaufs auf, Vorschläge zur Lösung der
Finanzprobleme vorzulegen, «aber nur solche, die auch realisierbar
sind und finanziell was bringen». Zur Sanierung des Haushalts war
im Wahlkampf unter anderem auch vorgeschlagen worden, die Anteile am
Energieversorger Badenova, die Sparkasse, das Stadttheater, die Messe,
das Konzerthaus, die Stadtwerke und weiteres Bauland zu verkaufen.
Die Bürgerinitiative «Wohnen ist Menschenrecht»
reagierte prompt auf die Forderung des Oberbürgermeisters, nachdem
sie ausgelassen den erhofften, aber nicht erwarteten Wahlsieg gefeiert
hatte. Sie bot der Rathausspitze eine Zusammenarbeit bei der Suche nach
Problemlösungen an. Sie wolle nun durch eine breite
Bürgerbeteiligung konsensfähige Lösungen für eine
nachhaltige sozial ausgewogene Lösung der Freiburger
Haushaltsmisere erörtern und erzielen, versprach Bernd Wagner von
der Bürgerinitiative.
Die Rathausspitze will zunächst mit kleinen Schritten und
großen Einschnitten in Kultur, Bildung, Freizeit, Sport, Soziales
und auch beim Personal dafür sorgen, dass die Stadt wieder
handlungsfähig werden kann. «Jetzt werden alle Opfer bringen
müssen», kündigte CDU-Fraktionschefin Martina
Feierling-Rombach an. Nach Einschätzung von Salomon wird der
Verzicht auf den Wohnungsverkauf Freiburg noch tiefer in die
Verschuldung treiben. Es müssten wahrscheinlich weitere Schulden
gemacht werden, spekulierte das Stadtoberhaupt. Aktuell bilanzierte das
Rathaus einen Schuldenstand von 390 Millionen Euro für die Stadt
und 140 Millionen Euro bei der Freiburger Stadtbau.
Der Bürgerentscheid war nach Ansicht der SPD auch eine Abstimmung
über die Politik des Oberbürgermeisters. «Die ist
gescheitert», erklärte SPD-Stadtrat Walter Krögner, und
auch das machtpolitische Gehabe der schwarz-grünen Koalition im
Gemeinderat habe vom Bürger einen Denkzettel erhalten.
(Quelle: ap)
NGO-Bericht: Deutschland beim Klimaschutz 'relativ gut'
Di.14.11.06 - Deutschland steht beim Klimaschutz laut der deutschen
Nichtregierungsorganisation (NGO) Germanwatch "relativ gut" da. Dennoch
bestehe in einigen Sektoren Nachholbedarf, erklärte die
Organisation zur Vorstellung ihres Klimaschutz-Indizes 2007 (KSI) in
Nairobi. Derweil sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kurz
vor seiner Abreise zur UN-Klimakonferenz in Nairobi, bei dem Treffen
müssten die Weichen für ein weltweites Klimaabkommen nach
2012 gestellt werden. Die EU müsse bei der Ausarbeitung eine
Vorreiterrolle übernehmen.
Vor allem zeige der Bericht, dass die "bisherigen Anstrengungen nicht
ausreichten, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern",
erklärte Germanwatch. Angeführt wird der KSI von Schweden;
Deutschland erreicht Platz fünf. Insgesamt sieben europäische
Staaten und drei Schwellenländer bilden die obersten zehn;
zusammen stellen die Länder laut Germanwatch "ein entscheidendes
Potential für eine neue Zukunftskoalition dar".
Bis auf wenige Ausnahmen engagierten sich die größten
Verursacher von Kohlenstoffdioxid dem Bericht zufolge klimapolitisch zu
wenig. Die USA etwa landeten auf Platz 53 von 56 - gefolgt nur noch von
China, Malaysia und Saudi-Arabien. Die 56 aufgeführten Staaten
sind zusammen für mehr als 90 Prozent des weltweiten
Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes verantwortlich.
Ziel des von Germanwatch-Experten entwickelten KSI ist es, mehr
Transparenz in die internationale Klimapolitik zu bringen. Dazu wird
die absolute Höhe der klimaschädigenden Emissionen ins
Verhältnis zum Energieverbrauch, dem Bruttoinlandsprodukt und der
Bevölkerungszahl gesetzt. Zudem werden besonders die
Emissionstrends und die nationale sowie internationale Klimapolitk
jedes Landes bewertet.
Gabriel erklärte: "Die Bundesregierung wird sich dafür
einsetzen, dass die Europäische Union in der internationalen
Klimapolitik eine Vorreiterrolle übernimmt und bis 2020 ihre
Treibhausgas-Emissionen um 30 Prozent gegenüber 1990 reduziert."
Gemeinsamens Ziel Deutschlands und der Europäischen Union sei es,
bis zum Jahr 2009 die Verhandlungen über ein Kyoto-Folgeabkommen
abzuschließen.
Frankreich kündigte an, sich für eine Kohlendioxidsteuer der
EU für Länder einzusetzen, die sich der Verlängerung des
Kyoto-Protokolls nach 2012 verweigern. Premierminister Dominique de
Villepin sagte in Paris, mit der Steuer könnten alle
Industriegüter aus diesen Ländern belegt werden.
(Quelle: afp)