Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertneunundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Rund 100 Menschen aus Bildungsministerium in Bagdad entführt.
Syrien angeblich zu Gesprächen mit USA über Irak bereit
Mi.15.11.06 - Bewaffnete Männer in Polizeiuniform haben am Dienstag fast hundert
Menschen aus dem irakischen Bildungsministerium in Bagdad in ihre
Gewalt gebracht. Bei den Verschleppten handelt es sich nach Angaben des
Ministers um Mitarbeiter und Besucher. Fünf ranghohe Polizisten
wurden festgenommen. Bis zum Abend kamen mindestens 15 der
Entführten wieder frei.
Nach der Freilassung von zunächst drei Geiseln am Nachmittag
wurden später zwölf weitere in dem überwiegend von
Schiiten bewohnten Stadtteil Karrada gefunden, wo es zu der
Massenentführung am Morgen gekommen war, wie die
Nachrichtenagentur AFP aus Sicherheitskreisen erfuhr. Sie seien mit
verbundenen Augen und unverletzt aufgefunden worden.
Im Irak gibt es immer wieder professionell organisierte
Massenentführungen durch als Polizisten verkleidete Kidnapper.
Sunniten prangern seit langem an, hinter diesen Taten stünden
schiitische Todesschwadronen, die sich im Schatten des von Schiiten
kontrollierten Innenministeriums bewegten. Bildungsminister Abed Diab
el Udschaili ist Mitglied der sunnitischen Eintrachtsfront.
Nach der Entführung sagte die Behörde alle Vorlesungen an den
Universitäten von Bagdad ab. Die Maßnahme solle gelten, bis
die Entführung aufgeklärt sei, sagte Udschaili im
Fernsehsender Irakia. "Wir sind nicht bereit, weitere Professoren zu
verlieren, wenn gleichzeitig tausende Polizisten in Bagdad stationiert
sind", begründete er die Entscheidung.
Bei einem Autobombenanschlag auf den wichtigsten Bagdader Markt starben
zehn Menschen. Bei einem Autobombenanschlag im Schiitenviertel Sadr
City von Bagdad wurden mindestens sieben Menschen getötet und 25
weitere verletzt. Bei einem Einsatz der US-Armee im Bagdader
Schiitenviertel Schula wurden mindestens sechs Zivilisten getötet.
US-Soldaten lieferten sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen Gefechte
mit Milizen des radikalen Schiitenführers Moktada Sadr. Die
US-Soldaten hätten Verstärkung aus der Luft angefordert;
daraufhin sei von Kampfhubschraubern aus das Feuer auf mehrere
Positionen der Milizen eröffnet worden.
Im Oktober hatte die US-Armee verstärkt Razzien im Bagdader
Schiitenviertel Sadr City vorgenommen und nach einem verschleppten
Soldaten gesucht. Das Viertel mit zwei Millionen Einwohnern wurde
zeitweise vollständig abgeriegelt. Der irakische Regierungschef
Nuri el Maliki setzte nach einer Woche die Aufhebung der Blockade durch.
Syrien ist staatlichen Medien zufolge zu Gesprächen über eine
Stabilisierung des Iraks bereit.
Die Regierung warte nun ab, ob die USA auf das Land zugingen und den
Weg dafür freimachten, hieß es am Dienstag in einem Kommentar
der Tageszeitung "Tischrin". Der Iran äußerte sich derweil
unentschlossen zu dem Vorschlag. Der britische Premierminister Tony
Blair hatte als engster Verbündeter von US-Präsident George
W. Bush gefordert, die beiden Erzfeinde der USA in eine Lösung im
Irak einzubeziehen.
"Syrien ist zu einem Dialog mit den USA bereit, um Sicherheit und
Stabilität zu erreichen", hieß es in dem Kommentar. Das Land
strecke aufrichtig seine Hand aus und warte auf eine Antwort. "Der Ball
liegt in ihrem Feld."
Der iranische Außenminister Manucher Mottaki reagierte
zurückhaltender. Iran habe zu der Frage von Verhandlungen mit den
USA keine Entscheidung getroffen, sagte er am Dienstag in Teheran.
Sollten die USA deswegen anfragen, werde die Regierung den Vorschlag
prüfen. "Prüfen bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass
wir eine positive Antwort geben", fügte er hinzu.
Bush hatte am Vorabend Voraussetzungen für eine Beteiligung der
beiden irakischen Nachbarstaaten genannt. Der Iran müsse wie von
der internationalen Gemeinschaft gefordert im Konflikt um sein
Atomprogramm einlenken und Syrien seine Einmischung im Libanon beenden,
sagte er nach Gesprächen mit dem israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Die USA werfen beiden Staaten vor,
die irakischen Aufständischen zu unterstützen.
Angesichts der anhaltenden Gewalt in dem Golfstaat und ihrer Niederlage
bei der US-Kongresswahl wegen ihrer Irak-Politik ist die US-Regierung
derzeit auf der Suche nach politischen Alternativen zu ihrem bisherigen
Vorgehen. Bush hat in der vergangenen Woche einen "frischen Blick" auf
die Irak-Strategie angekündigt.
(Quellen: afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 15.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundfünften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Bürgerrechtler fordern gerichtlichen Stopp von
Abhörmaßnahmen
Mi.15.11.06 - Die Amerikanische Union für Bürgerrechte (ACLU) fordert einen
sofortigen Stopp jeglicher Abhörmaßnahmen ohne richterlichen
Befehl. Sie reichte am Dienstag beim Berufungsgericht in Cincinnati
Klage ein mit dem Ziel, das Urteil einer niedrigeren Instanz umgehend
umzusetzen. Ein Gericht in Detroit hatte im August entschieden, dass
das Abhörprogramm der US-Regierung die Grundrechte auf Schutz der
Privatsphäre und freie Meinungsäußerung sowie die
Gewaltenteilung aushöhle. Dagegen legte das Justizministerium
Berufung ein.
Das Appellationsgericht in Cincinnati entschied im Oktober, bis zu
einem endgültigen Urteil dürfe die Regierung ihre bisherige
Praxis fortsetzen. US-Präsident George W. Bush hat stets betont,
dass dies im Kampf gegen den Terrorismus unabdingbar sei. Die ACLU
hielt dem in ihrer Klagebegründung entgegen, der Präsident
dürfe keine Machtbefugnisse erhalten, mit denen er sich über
jeden Beschluss des Kongresses hinwegsetzen könnte.
(Quelle: ap)
Nato will in Afghanistan-Streit Druck auf Berlin erhöhen
Mi.15.11.06 - Deutschland muss sich auf weiteren Druck aus der Nato einstellen,
Bundeswehrsoldaten für den umkämpften Süden Afghanistans
bereitzustellen.
Mehrere Regierungschefs und der Nato-Generalsekretär wollten dies
zum Thema des Gipfels der Staats- und Regierungschefs in zwei Wochen in
Riga machen, sagte ein Nato-Sprecher am Dienstag in Brüssel. Er
rechne mit entsprechenden Forderungen nicht nur aus der
Führungsnation im Süden, Kanada, sondern auch aus
Großbritannien und den Niederlanden.
Auch führende Nato-Kommandeure wollten vor Riga und darüber
hinaus weiter Druck machen, damit Deutschland und andere ihren Soldaten
mehr Bewegungsfreiheit geben, sagte der Sprecher. Jüngste
Äußerungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel seien
möglicherweise ein Zeichen neuer Flexibilität.
Die deutsche Regierung hatte erst am Montag erneute Forderungen von
Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer nach einem
größeren Engagement im Süden zurückgewiesen. Merkel
verwies zugleich aber auf die Möglichkeit, dass Deutschland im
Notfall auch im Süden Afghanistans helfen könne. Dies sei vom
Bundestags-Mandat abgedeckt. Bislang sind vereinzelt deutsche Soldaten
der Internationalen Schutztruppe (Isaf) für logistische Hilfe im
Süden, kämpfen aber nicht.
Deutschland leitet den Einsatz der von der Nato geführten Isaf im
Norden. Die Region gilt trotz immer neuer Anschläge als relativ
ruhig. Im Gegensatz dazu liefert sich die Nato im Süden heftige
Kämpfe mit den aufständischen Taliban. Dabei gab es zahlreiche
Tote.
Derzeit gebe es keine Anfrage an Deutschland oder andere, Truppen in
den Süden zu schicken, sagte der Nato-Sprecher. Ohnehin gehe es
nicht um eine dauerhafte Verlegung. Die Alliierten müssten aber zur
Solidarität bereit sein. Während der Kämpfe mit den
Taliban im Sommer seien Hilferufe des Oberbefehlshabers in Afghanistan
von anderen Ländern abgelehnt worden. Dies solle sich nicht
wiederholen.
"Jedes Land würde hoffen, dass andere einspringen, wenn die Dinge
außer Kontrolle geraten. Die Solidarität darf nicht in Frage
gestellt werden", sagte der Sprecher. Zwar müsse Deutschland selbst
entscheiden. Vor allem in Kanada gebe es aber eine erhitzte Debatte, in
der nach der Solidarität anderer gefragt werde. "Deutschland und
andere sollten dies berücksichtigen", sagte der Sprecher.
(Quelle: rtr)
Indien und Pakistan nehmen Friedensverhandlungen wieder auf
Mi.15.11.06 - Nach mehrmonatiger Unterbrechung haben Indien und Pakistan ihre
Friedensgespräche wieder aufgenommen. Der pakistanische
Außenstaatssekretär Riaz Mohammad Khan und sein indischer
Kollege Shivshankar Menon kamen in der indischen Hauptstadt Neu Delhi zu
einem Treffen zusammen. Die Erzrivalen, die beide über die
Atombombe verfügen, lieferten sich seit der Unabhängigkeit
1947 drei Kriege.
Die Beziehungen zwischen den Nachbarstaaten hatten sich nach den
Anschlägen in Bombay im Juli weiter verschlechtert. Damals starben
186 Menschen. Indien vermutete den pakistanischen Geheimdienst hinter
den Anschlägen, Pakistan weist diesen Vorwurf zurück.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Hisbollah-Chef: Libanons Regierung bald am Ende. Hamas spricht Israel
weiter das Existenzrecht ab. Israels Armee verteidigt sich gegen
Hinrichtungs-Vorwürfe von NGO
Mi.15.11.06 - Die libanesische Regierung steht nach den Worten des Hisbollah-Chefs
Sajjed Hassan Nasrallah vor ihrem Ende und soll bald durch ein "sauberes
Kabinett" ersetzt werden.
"Diese Regierung wird gehen", sagte der Anführer der
radikal-schiitischen Miliz Zeitungsberichten vom Dienstag zufolge. Es
werde eine neue Regierung geben, die den Libanon wieder aufbauen werde,
fügte er hinzu. Die mit Syrien verbündete Hisbollah hat sich
am Wochenende aus der Regierung unter Ministerpräsident Fuad
Siniora zurückgezogen, die von anti-syrischen Kräften
dominiert und vom Westen unterstützt wird.
Sinioras Kabinett habe jede Glaubwürdigkeit verloren, sagte
Nasrallah dem Bericht der Zeitung "Al-Safir" zufolge am Montag vor den
Anhängern weiter. Die Hisbollah werde aber die Stabilität des
Landes bewahren.
Nasrallah hatte mit Massenprotesten gedroht und damit die Furcht vor
neuer Gewalt zwischen den verschiedenen Volks- und Religionsgruppen im
Libanon geschürt. Er fordert mehr Einfluss seiner schiitischen
Bewegung und ihrer pro-syrischen Verbündeten in der Regierung.
Die Hisbollah hat mit Übergriffen auf Israel im Juli den Krieg im
Südlibanon ausgelöst. Internationalen Forderungen zufolge soll
sie entwaffnet werden. Die Deutsche Marine hilft der UN-Friedenstruppe
im Südlibanon dabei, Waffenschmuggel an die Hisbollah zu
unterbinden und die Waffenruhe mit Israel zu bewahren.
Die radikalislamische Hamas will Israel auch nach der Bildung einer
neuen palästinensischen Regierung nicht anerkennen. Entsprechende
internationale Forderungen seien «illegal und illegitim»,
sagte Mussa Abu Marsuk, führender Funktionär der Hamas in
Syrien. Präsident Mahmud Abbas erklärte am Dienstag, es gebe
noch keine Einigung auf einen neuen Ministerpräsidenten. Mohammed
Schabir, dessen Name am Vortag genannt worden war, sei lediglich einer
von mehreren möglichen Kandidaten.
Noch sei kein Nachfolger für Ismail Hanija festgelegt worden,
sagte Abbas. Aus Hamas-Kreisen war zuvor verlautete, man habe sich mit
Abbas' Fatah auf Schabir geeinigt. Der frühere Präsident der
Islamischen Universität in Gaza gilt als Pragmatiker.
In der geplanten Regierung der nationalen Einheit werde die Hamas nicht
den Ton hinsichtlich der Beziehungen zu Israel angeben, deutete
Sprecher Abu Marsuk an. «Es ist nicht die Hamas, die sich zu
diesem Thema äußert», sagte er in einem
Telefoninterview. Die Richtlinienkompetenz in der Außenpolitik
liegt bei Abbas, der als Vorsitzender der Palästinensischen
Befreiungsorganisation (PLO) auch offizieller Verhandlungspartner
für Israel ist.
Sowohl Israel als auch die USA signalisierten ihre Bereitschaft, unter
bestimmten Voraussetzungen mit der neuen palästinensischen
Regierung zu verhandeln. Wichtigste Forderung ist die Anerkennung
Israels. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte nach
einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush am Montag, er wolle
sich in Kürze mit Abbas treffen. Der Sprecher des
US-Außenministeriums, Sean McCormack, erklärte, die
jüngsten Entwicklungen hätten gezeigt, dass die Hamas
unfähig zur Regierung sei.
Der britische Premierminister Tony Blair forderte unterdessen eine
vollkommen neue Nahost-Strategie. Im Mittelpunkt müsse die
Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts liegen,
sagte Blair am Montagabend in einer außenpolitischen
Grundsatzrede in London. Danach müsse der Libanon stabilisiert
werden, anschließend müssten moderate Araber und Muslime
für eine Friedenslösung in diesen Ländern und im Irak
geeint werden.
Zu Gesprächen über eine Wiederbelebung des Friedensprozesses
zwischen Israel und den Palästinensern wollen am (heutigen)
Mittwoch in Kairo Vertreter des Nahost-Quartetts mit Abbas
zusammentreffen. Beteiligt sind die USA, die EU, Russland und die
Vereinten Nationen.
Im Flüchtlingslager von Nablus im Westjordanland erschossen
israelische Soldaten am Dienstagmorgen einen militanten
Palästinenser. Augenzeugen zufolge war das Opfer Mitglied der
Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), einer
radikalen Abspaltung der PLO. Die israelischen Streitkräfte
teilten mit, sie hätten in dem Lager zwei bewaffnete Männer
ausfindig gemacht und auf sie geschossen. Einer der beiden sei
getroffen worden.
Die israelische Armee hat sich gegen den Vorwurf einer israelischen
Menschenrechtsorganisation verteidigt, sie habe im Westjordanland zwei
verletzte Palästinenser regelrecht hingerichtet. Wie die Armee am
Dienstag in einer Stellungnahme erklärte, wurden in Jamun im
Westjordanland am 8. November fünf Palästinenser bei einem
Schusswechsel getötet. Die beiden von der Organistaion B'Tselem
erwähnten Palästinenser Taher Abahra und Mahmud Abu Hassan
seien in einem Haus getötet worden, nachdem "Anwohner behauptet
hatten, dass sich dort niemand aufhält", erklärte die Armee
weiter. "Die Soldaten haben dann mehrere Verdächtige gesehen und
das Feuer in ihre Richtung eröffnet." Ob die beiden Männer zum
Zeitpunkt ihrer Erschießung bereits verletzt waren,
präzisiert die Erklärung nicht.
(Quellen: afp, ap)
Acht Aktivisten für Frauenrechte in Kairo festgenommen
Mi.15.11.06 - Bei einer Kundgebung für mehr Frauenrechte in Ägypten sind
acht Aktivisten festgenommen worden. Die überwiegend weiblichen
Demonstranten protestierten am Dienstag in Kairo gegen einen
kürzlichen Zwischenfall, bei dem nach ihrer Darstellung junge
Frauen auf offener Straße sexuell belästigt wurden,
während Polizisten tatenlos zuschauten. Die Behörden haben
diesen Vorwurf zurückgewiesen. Die Demonstranten versuchten, vor
das Metro-Kino zu ziehen, vor dem sich der Vorfall abgespielt haben
soll. Sie wurden jedoch von hunderten Polizisten abgedrängt und in
einem nahe gelegenen Café zusammengepfercht, wie Augenzeugen
berichteten. Dort seien dann auch die Festnahmen erfolgt.
(Quelle: ap)
UNO und Afrikanische Union planen Treffen wegen Krise in Dafur
Mi.15.11.06 - Die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union wollen bei einem
Treffen mit Vertretern der sudanesischen Regierung in Äthiopien am
Donnerstag eine Lösung für die Krise in Darfur finden. Dazu
sollen Vertreter der fünf ständigen Mitglieder des
UN-Sicherheitsrats, der Arabischen Liga, der EU, Gabuns, Kongos und
Ägyptens nach Addis Abeba eingeladen werden, teilte UN-Sprecher
Stephane Dujarric am Montag in New York mit. UN-Generalsekretär
Kofi Annan und AU-Kommissionspräsident Alpha Oumar Konare wollten
bei dem Treffen mit der sudanesischen Regierung eine "gerechte und
anhaltende Lösung finden". Es solle darüber geredet werden,
wie der Friedensprozess vorangebracht werden könne.
(Quelle: afp)
APEC will Doha-Runde für freieren Welthandel wieder beleben
Mi.15.11.06 - Die Teilnehmer des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC)
wollen die Gespräche zur Liberalisierung des Welthandels wieder in
Gang bringen. Wenn die so genannte Doha-Runde scheitern würde,
hätte dies gravierende wirtschaftliche Konsequenzen, heißt es
im Entwurf für die Abschlusserklärung des bevorstehenden
APEC-Gipfels in Hanoi, die der Nachrichtenagentur AP am Dienstag vorlag.
Deshalb wurden die Regierungen der 21 Mitgliedsstaaten zur mehr
Flexibilität bei den zähen Verhandlungen aufgerufen.
Erwogen wird in dem Abschlussdokument auch eine Freihandelszone im
APEC-Raum. Diese könne man sich jedoch nur für die Zukunft zum
Ziel setzen, im Moment sei die Zeit dafür noch nicht reif,
hieße es weiter. Ferner wird die Bedeutung von Sicherheit in der
Region hervorgehoben, da nur so wirtschaftliche Entwicklung und
Wohlstand gewährleistet seien. Im APEC-Raum werden etwa 57 Prozent
der globalen Wirtschaftsleistung erbracht und rund 50 Prozent des
Handels getätigt.
Zum APEC-Gipfel am kommenden Samstag und Sonntag werden unter anderem
US-Präsident George W. Bush und der russische Präsident
Wladimir Putin in Hanoi erwartet. Auch der chinesische Präsident Hu
Jintao und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe werden
zugegen sein. Gastgeber Vietnam wurde gerade in die
Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen.
(Quelle: ap)
Dienstleistungsrichtlinie erneut im EU-Parlament
Mi.15.11.06 - Sie hat tausende Gewerkschafter auf die Straße getrieben. Sie
galt als Vorlage für Lohndumping, für den Durchmarsch des
«polnischen Klempners» in Westeuropa und trug damit indirekt
auch zur Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich bei - die
Dienstleistungsrichtlinie. Am (heutigen) Mittwoch soll der Streit
über das EU-Gesetz endgültig beigelegt werden: Nachdem
Kommission und Rat auf die Forderungen des EU-Parlaments eingegangen
sind, dürften die Abgeordneten die Dienstleistungsrichtlinie in
zweiter Lesung verabschieden.
Anders als vor der letzten Parlamentsabstimmung im Februar sind dieses
Mal keine Massenkundgebungen angekündigt. Denn die jetzige Fassung
der Richtlinie hat mit der ursprünglichen, umkämpften Version
nur noch wenig zu tun.
Selbst die deutsche SPD-Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt, die bis
zuletzt noch Änderungen forderte, hat ihrer Fraktion mittlerweile
die Zustimmung empfohlen. Nachdem Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy
ankündigte, er werde in einer Erklärung vor dem Parlament die
letzten Zweifel ausräumen, zeigte sich Gebhardt zufrieden. McCreevy
werde deutlich machen, «dass nationales Arbeits- und Sozialrecht
in keinem Fall durch die Richtlinie berührt wird», sagte die
SPD-Politikerin der Nachrichtenagentur AP.
Genau diese Befürchtung stand von Anfang an im Mittelpunkt der
Debatte über die Dienstleistungsrichtlinie. Dabei war selbst in der
ursprünglichen Fassung festgelegt, dass Handwerker und andere
Unternehmer, die ihre Dienste in einem anderen EU-Staat arbeiten, die
dort gültigen Mindestlöhne und Wochenarbeitszeiten nicht
überschreiten sollten.
Allerdings hätte diese Einschränkung etwa in Deutschland, wo
es Mindestlöhne nur am Bau gibt, wenig gebracht, wie Gebhardt
hervorhebt. In der aktuellen Fassung der Richtlinie ist nun
festgeschrieben, dass alle Beschäftigungsbestimmungen des
Aufnahmelands «einschließlich derjenigen in
Tarifverträgen» beachtet werden müssen.
Der CDU-Europaabgeordnete Kurt Lechner betont, dass auch im
Vertragsrecht die Bestimmungen des Ziellandes gelten. Ein deutscher
Kunde, der eine Leistung von einer polnischen Handwerksfirma erbringen
lässt, kann sich bei Reklamationen also auf das deutsche Recht
berufen. Diese Änderungen setzten die europäischen
Sozialdemokraten (SPE) und die Abgeordneten der konservativen
Europäischen Volkspartei (EVP) bei der Parlamentsabstimmung im
Februar durch; sie wurden jetzt von Rat und Kommission übernommen.
Zudem können die Mitgliedstaaten Dienstleistern aus dem EU-Ausland
Auflagen machen, «die aus Gründen der öffentlichen
Ordnung, der öffentlichen Gesundheit oder des Schutzes der Umwelt
gerechtfertigt sind». Diese interpretationsbedürftigen
Begriffe bedeuten allerdings auch: Für Handwerker und andere
Unternehmer, die ihre Dienste in einem anderen EU-Staat anbieten wollen,
bleiben zahlreiche Hürden - und rechtliche Unsicherheiten.
Gebhardt fällt trotzdem ein Beispiel ein, wo die
Dienstleistungsrichtlinie Erleichterungen bringe: Wenn etwa ein
deutscher Softwaredienstleister eine Computeranlage in Frankreich
installiere und nachher auch die Wartung übernehmen wolle,
müsse er bislang fünf Tage vor jedem Einsatz die dafür
benötigten Mitarbeiter bei den französischen Behörden
anmelden. «Darauf kann natürlich keine Firma mit einer
kaputten Computeranlage warten, deshalb geht der Auftrag derzeit an die
französische Konkurrenz», sagt Gebhardt. Genau solche
Meldevorschriften würden durch die Dienstleistungsrichtlinie
abgeschafft.
Vor Dezember 2009 wird das Regelwerk allerdings nicht in Kraft treten.
Nach der Parlamentsabstimmung geht die Richtlinie erneut an den Rat, der
sie ohne weitere Änderungen beschließen dürfte. Danach
haben die Mitgliedstaaten drei Jahre Zeit, die Richtlinie umzusetzen.
(Quelle: ap)
Wachstum der Eurozone flaut mit 0,5 Prozent ab
Mi.15.11.06 - Das Wachstum in der Eurozone hat sich zwischen Juli und September
deutlich verlangsamt. Die Wirtschaft der zwölf Euro-Länder
legte im dritten Quartal nur noch um 0,5 Prozent zu, nach 0,9 Prozent im
zweiten Quartal, wie das EU-Statistikamt Eurostat in Brüssel
mitteilte. Stärker wuchs die deutsche Wirtschaft im gleichen
Zeitraum mit 0,6 Prozent. Im Vergleich zum dritten Quartal des
vergangenen Jahres betrug das Wachstum in der Eurozone 2,6 Prozent.
Experten hatten mit etwas besseren Zahlen gerechnet.
Auch in der Gesamt-EU flaute die Wirtschaftsleistung ab: Das Wachstum
in allen 25 EU-Staaten lag im dritten Quartal bei 0,6 Prozent
gegenüber 0,9 Prozent im zweiten Quartal.
(Quelle: afp)
Deutschland
Mitbestimmungskommission gescheitert
Mi.15.11.06 - Die noch von Bundeskanzler Gerhard Schröder eingesetzte
Expertenkommission zur Weiterentwicklung der Unternehmensmitbestimmung
ist nach gut einjähriger Arbeit gescheitert. Wie ihr Vorsitzender
Kurt Biedenkopf am Dienstag erklärte, ist es in der
abschließenden Sitzung am Montag nicht möglich gewesen, sich
auf gemeinsame Empfehlungen zu verständigen. Als Grund nannte er
die Arbeitgeber-Forderung nach Abschaffung der paritätischen
Mitbestimmung.
Laut Biedenkopf sahen sich die Vertreter der Unternehmen in der
Kommission, darunter Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und
Industriepräsident Jürgen Thumann, in der
abschließenden Sitzung außer Stande, den Berichtsentwurf
der wissenschaftlichen Mitglieder im Einzelnen zu beraten, solange
nicht ihrer Grundsatzforderung entsprochen sei, die Beteiligung der
Arbeitnehmer im Aufsichtsrat abweichend vom Mitbestimmungsgesetz von
1976 auf eine Drittelbeteiligung zu reduzieren. Darauf hätten die
anderen Kommissionsmitglieder schon deshalb nicht eingehen können,
weil das nicht dem Auftrag entsprochen hätte, Empfehlungen zur
Weiterentwicklung der Mitbestimmung auf der Basis des geltenden Rechts
zu erarbeiten.
Im Übrigen sei offensichtlich gewesen, dass diese Forderung weder
die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter noch der wissenschaftlichen
Mitglieder der Kommission finden würde, erklärte der
ehemalige sächsische Ministerpräsident. Der Bericht soll nun
bis Mitte Dezember allein von den wissenschaftlichen Mitgliedern der
Kommission verfasst werden. Die Stellungnahmen von Arbeitgebern und
Arbeitnehmern sollen als Anlagen beigefügt werden. Der Auftrag an
das Gremium lautet, Empfehlungen für eine «moderne und
europataugliche Weiterentwicklung der deutschen
Unternehmensmitbestimmung» zu erarbeiten.
(Quelle: ap)
Rentner müssen laut Bericht mit Einbußen rechnen
Mi.15.11.06 - Rentner in Deutschland müssen einem Zeitungsbericht zufolge in den
nächsten Jahren mit Einbußen rechnen. Die
«Süddeutsche Zeitung» (Mittwochausgabe) berichtete
unter Berufung auf den Entwurf des Rentenversicherungsberichts, dass
die so genannte Eckrente für langjährige Beitragszahler von
derzeit 1065,76 Euro im nächsten Jahr auf 1061,06 Euro im Westen
sinkt. Im Osten schrumpfe sie von 939,46 Euro auf 935,32 Euro. In den
Folgejahren steige sie nur langsam an und übertreffe den heutigen
Wert erst wieder 2010, hieß es.
Der Entwurf des Rentenversicherungsberichts von Bundesarbeitsminister
Franz Müntefering soll Ende November vom Kabinett verabschiedet
werden. Die Renten waren zuletzt 2003 gestiegen.
(Quelle: ap)
Rechnungshof: Einkommensmillionäre besser prüfen
Mi.15.11.06 - Der Bundesrechnungshof hat den Finanzämtern vorgeworfen, so
genannte Einkommensmillionäre unzureichend zu prüfen und so
erhebliche Steuerausfälle in Kauf zu nehmen. Wie aus dem am
Dienstag in Berlin vorgelegten Jahresbericht hervorgeht, prüft der
Fiskus im Schnitt jährlich nur 15 Prozent der
Einkunftsmillionäre.
Zwischen den Bundesländern gebe es zudem erhebliche Unterschiede -
ein Land prüfe jährlich 60 Prozent der
Einkommensmillionäre, ein anderes nur rund 10 Prozent. Jede
Sonderprüfung habe Mehreinnahmen von durchschnittlich 135 000 Euro
ergeben. Der Rechnungshof forderte das Bundesfinanzministerium auf, bei
den Ländern auf eine deutlich höhere und einheitliche
Prüfquote zu dringen.
Der Rechnungshof kritisierte wie in den Vorjahren, dass der Bund nach
wie vor jährlich bis zu drei Milliarden Euro durch sinnlose
Förderprojekte und unwirtschaftliches Handeln verschwende.
Rechnungshof-Präsident Dieter Engels warnte die große
Koalition, angesichts der Milliarden-Steuermehreinnahmen den Sparkurs
wieder aufzugeben. «Die aktuell guten Zahlen sind ein erster
Silberstreifen am Horizont. Ein Silberstreifen, der nicht dazu
verführen darf, den unerwarteten Steuersegen für konsumtive
Zwecke zu verwenden.»
(Quelle: dpa)
Union und SPD grundsätzlich über Bleiberecht einig
Mi.15.11.06 - Ein Teil der etwa 190.000 in Deutschland lebenden Flüchtlinge darf
auf ein dauerhaftes Bleiberecht hoffen. Union und SPD einigten sich in
Berlin grundsätzlich auf Eckpunkte einer Bleiberechtsregelung, wie
CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach mitteilte. Demnach soll es eine
bundesgesetzliche Regelung geben, über die den Ausländern
neben dem Bleiberecht auch der Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnet
wird. Aus den Reihen der unionsgeführten Länder kommt
Widerstand gegen den Koalitionskompromiss.
Eine Grundvoraussetzung für die Gewährung des Bleiberechts
soll die Dauer des bisherigen Aufenthalts in Deutschland werden. Nach
der Stichtagregelung müssen Familien mit Kindern seit mindestens
sechs Jahren und Alleinstehende seit mindestens acht Jahren in
Deutschland leben. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung,
Maria Böhmer (CDU), geht davon aus, dass mehr als 100.000
Flüchtlinge länger als sechs Jahre in Deutschland leben.
Die Betroffenen müssen zudem nachweislich in der Lage sein, ihren
Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Dafür soll der Zugang zum
Arbeitsmarkt sichergestellt werden. Auch langjährig in Deutschland
lebende Ausländer sollen einen Anspruch auf ein Bleiberecht
bekommen, die nicht arbeiten. Diese müssten sich jedoch um eine
Arbeit bemühen.
"Der ausgehandelte Kompromiss ist Zuwanderung in die Sozialsysteme und
geht damit zu Lasten der Kommunen", sagte Niedersachsens Innenminister
Uwe Schünemann (CDU) der "Netzeitung". Er fügte hinzu: "Das
wurde zu rot-grünen Zeiten von der CDU noch über den
Bundesrat verhindert. Das werden wir wieder so machen." Die Eckpunkte
müssen noch von der Innenministerkonferenz (IMK) beraten werden,
die ab Donnerstag in Nürnberg zusammenkommt.
Bosbach verwies weiter darauf, dass die große Koalition ein
Gesamtpaket anstrebe, das neben dem Bleiberecht auch die Bereiche
Zuwanderung, Integration und Gefahrenabwehr umfasse. Das Gesamtpaket
soll möglichst in der kommenden Woche stehen.
Auch eine Regelung für den Ehegattennachzug sei gefunden. Das
Mindestalter für den Nachzug eines Ehepartners solle auf 18 Jahre
festgelegt werden, sagte Bosbach der "Netzeitung". Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) hatte ursprünglich 21 Jahre
gefordert. Zudem müssten deutsche Sprachkenntnisse nachgewiesen
werden. Der Druck auf Integrationsunwillige soll dagegen erhöht
werden. Ausländer, die sich "grundlos" weigerten, an einem
Integrationskurs teilzunehmen, müssen Bosbach zufolge mit
Sanktionen rechnen.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Feine Stacheln schaffen sterile Oberflächen
Mi.15.11.06 - Ein Überzug aus mikroskopisch feinen Stacheln könnte
künftig zahlreiche Oberflächen von Keimen frei halten. Die
Bakterien werden an den Spitzen regelrecht zerrissen.
Das berichten Forscher um Alexander Klibanov vom Massachusetts
Institute of Technology (MIT) in Cambridge (US-Staat Massachusetts).
Ihre Studie ist in den «Proceedings» der US-Akademie der
Wissenschaften nachzulesen («PNAS»). Die Gruppe erhofft sich
unter anderem einen neuen Schutz vor Infektionen.
Die Substanz aus der Klasse der so genannten Polyethylenimine (PEI)
bildet eine stachelige Oberfläche, zum Beispiel auf einer
Glasscheibe. An diesen Stacheln zerreiße die Zellwand von
Bakterien ebenso wie die Schutzhülle von Viren, berichten die
Forscher.
Ihnen zufolge wurde die Wirkung der stacheligen Oberflächen bei
verschiedenen Grippeviren sowie bei den Bakterien Escherichia coli und
Staphylococcus aureus, die beide tödliche Erkrankungen hervorrufen
können, erfolgreich getestet. Bereits nach wenigen Minuten waren
alle Erreger zerstört, heißt es in «PNAS». Die
Beschichtung schaffe so sterile Oberflächen, mit deren Hilfe sich
die Übertragung von Krankheitserregern bremsen lasse.
Bislang sorgen vor allem Chemikalien, Hitze und großer Druck
dafür, dass zum Beispiel die Oberflächen von
Operationsinstrumenten von Keimen frei gehalten werden.
(Quelle: dpa)
Fischen mit Schleppnetzen zerstört laut UN-Studie Korallenriffe
Mi.15.11.06 - Das Fischen mit Tiefseenetzen gefährdet nicht nur den Fischbestand
der Weltmeere. Es zerstört auch einzigartige Ökosysteme wie
Korallenriffe und andere Unterwasserlandschaften, wie aus einem am
Mittwoch veröffentlichten Entwurf für einen Umweltbericht der
Vereinten Nationen hervorgeht. Demnach wirbeln die Netze aus Stahl
riesige Staubwolken vom Meeresboden auf, wodurch viel Leben erstickt
werde. Besonders folgenschwer sei der Abbau von Unterwasserbergen, da
diese zahlreichen teilweise noch unbekannten Tierarten Lebensraum
böten.
Einige der zerstörten Korallenbänke seien schon tausende
Jahre alt und könnten nicht mehr ersetzt werden, erklärte der
britische Zoologe Alex Rogers bei einer Tagung in London. Wichtig sei
deshalb eine Umkehr der Beweispflicht, wenn es um Verbote für das
Fischen mit riesigen Schleppnetzen gehe. Regierungen und
Fischereibetriebe sollten nachweisen, dass sie der Umwelt mit dieser
Methode keinen Schaden zufügten, forderte Rogers. Die Vereinten
Nationen wollen im kommenden Monat über ein Moratorium des
Fischens mit riesigen Schleppnetzen beraten. Vor allem Spanien, Japan
und Island haben Widerstand angemeldet.
(Quelle: ap)
Schnellster Computer erneut in USA
Mi.15.11.06 - Der schnellste Computer der Welt ist nach wie vor ungeschlagen die
Rechenanlage «BlueGene/L» von IBM. Der US- Supercomputer
landete am Montag zum fünften Mal in Folge auf Rang eins der
Weltrangliste der 500 schnellsten Rechner, wie aus der am Montag in
Tampa veröffentlichten Liste hervorgeht.
Mit einer Leistung von 280,6 Billionen Rechenschritten pro Sekunde
(Teraflops) ist die Anlage rund 35 000 Mal schneller als ein moderner
Personal Computer. Sie hält die Verfolger deutlich auf Abstand:
Platz zwei errang Listenneuling «Red Storm» des Herstellers
Cray mit 101,4 Teraflops.
Zugleich verpasste Deutschlands schnellster Rechner, das IBM- System
«JUBL» im Forschungszentrum Jülich, den Wiedereinzug in
die Top Ten. Noch vor einem halben Jahr hatte «JUBL» Rang
acht inne. Nun ist die Anlage mit unverändert 37,3 Teraflops auf
Platz 13 abgerutscht. «JUBL» steht Wissenschaftlern auf der
ganzen Welt zur freien Verfügung und dient unter anderem der
Medizin, der Umweltforschung und trägt zur Erforschung der
Geschichte des Universums bei.
Europas schnellster Rechner steht in Barcelona. «Mare
Nostrum» rückte von Platz elf auf den fünften Rang vor.
Der Supercomputer steht in der polytechnischen Universität in
Barcelona und ist in einer alten Kirche untergebracht. Forscher mehrerer
Fachrichtungen nutzen das Gerät. Es hilft den Wissenschaftlern
etwa bei der Erforschung von Genen, der Berechnung von
Klimaveränderungen und Faltung von Eiweißen oder der
Entwicklung neuer Medikamente.
Rechtzeitig zur Veröffentlichung der 28. Liste der «Top
500» stockte das Barcelona Supercomputer Center (BSC) die Anlage
kräftig auf. Die Leistung sei mehr als verdoppelt worden, sagte
Mateo Valero, Direktor des BSC. «Mare Nostrum» kommt nun auf
62,63 Teraflops und verdrängt damit die vorherige Nummer
fünf, den Supercomputer «Tera- 10» des
französischen Herstellers Bull, auf den siebten Platz.
«Mare Nostrum» bestehe derzeit aus rund 2500 flachen
Serverbausteinen, so genannten Blades, sagte Michael Malms von IBM in
Böblingen. Die IBM-Mitarbeiter dort hatten die besonders kompakten
Bausteine des «Mare Nostrum» federführend mitentwickelt.
Seit 1993 veröffentlicht Hans Werner Meuer, Professor an der
Universität in Mannheim, mit drei weiteren Wissenschaftlern die
«Top 500». Zwei Mal im Jahr sorgt die Liste für eine
viel beachtete Leistungsschau, bei der immer höhere Bestmarken
erzielt werden. Die führenden Industrienationen geben jedes Jahr
mehrere Milliarden Dollar für den Bau von Supercomputern aus.
Traditionell dominiert das amerikanische Unternehmen IBM die Branche.
Aus dem Hause kommen insgesamt 239 der 500 schnellsten Rechner der Welt,
darunter vier der fünf schnellsten Anlagen.
Der erste Rechner, der den Spitzenreiter schon bald bei weitem
übertreffen könnte, kommt ebenfalls von IBM - und aus
Deutschland: Derzeit bauen die Forscher im IBM-Entwicklungszentrum in
Böblingen an dem weltweit ersten «Petaflop-Rechner».
Ein Petaflop sind eine Billiarde Rechenschritte pro Sekunde. Die Anlage
wird für das Los Alamos National Laboratory in den USA gebaut und
soll in rund zwei Jahren fertig gestellt sein.
(Quelle: dpa)
Internet-Sicherheit: Hälfte der Softwarepakete mangelhaft
Mi.15.11.06 - Softwarepakete zum Schutz vor den Gefahren aus dem Internet sind
meistens unzuverlässig und unzureichend. Das ist das
ernüchternde Fazit eines Tests von acht "Internet Security Suites"
durch die Fachzeitschrift "Computer Bild", bei dem die Hälfte
solcher Softwarepakete mit "mangelhaft" bewertet wurden. Die getesteten
Sicherheitspakete enthalten einen Virenscanner, eine Firewall, eine
Kindersicherung, ein Anti-Spyware-Programm sowie einen Spamfilter und
kosten zwischen 40 und 70 Euro. Sie mussten bei dem Test 450 000
Computerviren, 20 000 Werbemails und 10 000 Internetangriffe über
sich ergehen lassen.
Das beste der aktuellen Sicherheitspakete wurde von den Experten gerade
mal mit der Note "befriedigend" ausgezeichnet: "Internet Security 2007"
von Kaspersky Labs hinterließ zwar bei der Virenerkennung und der
Virenbeseitigung einen positiven Eindruck, nicht jedoch beim Spamschutz
und bei der Kindersicherung. Die Note "befriedigend" erhielt sonst nur
noch "Norton Internet Security 2007", doch schon die Plätze drei
und vier - "G-Data Internet Security Suite 2007" und "Panda Software
Internet Security 2007" - bekamen nur die Note "ausreichend" verpasst.
Von den restlichen vier Programmpaketen rät "Computer Bild"
komplett ab - sie wurden mit "mangelhaft" bewertet. Beim Test der
"Internet Suite 2007" von F-Secure etwa stürzte in bestimmten
Einstellungen der Rechner ab und konnte nicht mehr gestartet werden. Die
Firewall von "Internet Security 2007" von CA ließ nicht mal das
eigene Programm ins Internet, damit es sich ein Update holen konnte.
Das aktuelle Sicherheitspaket von McAfee ("Internet Security Suite
2007") konnte eine Vielzahl der im Internet kursierenden Viren nicht
erkennen. Und schließlich erzeugte das Paket "Softwin Bit
Defender Internet Security 10" unsichere Firewall-Einstellungen mit
widersprüchlichen und verwirrenden Angaben - der Anwender werde im
unklaren darüber gelassen, was er tun oder einstellen soll.
Vor allem beim Spamschutz und der Kindersicherung zeigen die getesteten
Programmpakete gravierende Mängel. Die Kinderschutzfunktionen
konnten von den Testern meist mit einfachsten Mitteln ausgehebelt werden
- etwa durch das Booten vom USB-Stick. Und der Spamschutz war mit den
Grundeinstellungen der Hersteller nicht zu gebrauchen. Die Experten
raten in dieser Hinsicht, die Spamfilter der E-Mail-Provider zu
benutzen.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)