Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Wieder mehr als 100 Gewaltopfer. Iraks Regierung spielt
Massenentführung herunter
Do.16.11.06 - Der anhaltenden Gewalt im Irak sind wieder mehr als 100 Menschen zum
Opfer gefallen. Polizei, Krankenhäuser und Leichenschauhäuser
meldeten am Mittwoch 105 Tote. Mehr als die Hälfte der Toten
wurden in der Hauptstadt Bagdad gefunden, viele Leichen wiesen
Folterspuren und Schusswunden auf. Andere wurden bei Anschlägen
und Angriffen getötet.
Der blutigste Anschlag wurde in Bagdad verübt: Bei der Explosion
einer Autobombe kamen elf Menschen ums Leben, 32 wurden verletzt. Der
Sprengsatz explodierte nach Polizeiangaben in der Nähe einer
Tankstelle im Stadtteil Bab Schargi.
In Mossul wurden eine irakische Journalistin und ihr Fahrer erschossen.
Bei Kämpfen im Westen des Irak wurden am Dienstag vier US-Soldaten
getötet. Die Zahl der getöteten US-Soldaten stieg damit auf
2857. Die zunehmenden Opferzahlen haben US-Präsident George W.
Bush innenpolitisch stark unter Druck gesetzt. Vor allem seine
umstrittene Irak-Politik gilt als Ursache für die Niederlage
seiner Republikaner bei der Kongresswahl in der Vorwoche.
Die irakische Regierung hat sich am Mittwoch bemüht, die
Massenentführung aus dem Bildungsministerium herunter zu spielen.
Es handele sich bei der Geiselnahme nicht um Terrorismus, sondern um
einen Konflikt rivalisierender Milizen, sagte Ministerpräsident
Nuri Al-Maliki in einer vom Fernsehen ausgestrahlten Erklärung. Die
Entführung, über deren Ausmaß weiter Unklarheit
herrschte, verstärkt den Druck auf den Regierungschef, gegen
sunnitische und schiitische Milizen vorzugehen.
In einer Rede in der Bagdader Universität sagte Maliki, die
Hochschulen blieben geöffnet und sollten frei sein von
religiösen Einflüssen. Seine Worte zielten darauf ab, Sorgen
von Wissenschaftlern über ihre Sicherheit zu zerstreuen. In der
Vergangenheit waren wiederholt Hochschullehrer von Attentätern
umgebracht worden.
Bewaffnete Männer in Polizeiuniformen hatten am Dienstag ein
Gebäude des Bildungsministeriums gestürmt und Dutzende
Mitarbeiter sowie Besucher verschleppt. Nach wie vor gehen die Aussagen
über die Zahlen der Geiseln weit auseinander. Ein Mitarbeiter
Malikis sprach von etwa 40 Verschleppten, deren Mehrheit wieder
freigelassen worden sei. Angaben eines Regierungssprecher zufolge wurden
70 Menschen entführt. Das Bildungsministerium bekräftigte
dagegen, es seien mindestens 100 Männer als Geiseln genommen
worden. 40 von ihnen seien inzwischen frei gekommen.
"Sie schlugen uns, sie beleidigten uns und dann ließen sie uns
laufen", zitierte der Ministeriumssprecher einen freigelassenen
Hausmeistergehilfen. Ein von Schiiten betriebener Fernsehsender
berichtete, 25 Menschen seien noch vermisst. Nach der offenbar
minutiös geplanten Geiselnahme wurden nach Angaben des
Innenministeriums fünf Polizeiführer festgenommen und
verhört. Augenzeugen hatten berichtet, die Polizei habe der
Entführung tatenlos zugesehen.
(Quellen: rtr, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 16.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundfünften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.16.11.05 - Bush verteidigt erneut Begründung für Irak-Krieg +++ US-Senat
will regelmäßige Rechenschaftberichte über Fortschritte
im Irak +++ Pentagon räumt Einsatz von Phosphor als Waffe im Irak
ein +++ US-Soldaten sollen Iraker in Löwenkäfig geworfen haben +++
Bei mehreren US-Luftangriffen 50 Aufständische getötet +++
UN-Bericht: Amerikanische und irakische Truppen verstießen bei
Militäroperationen im Westirak gegen das Völkerrecht +++ Hunderte
demonstrieren in Rom gegen US-Kriegsführung im Irak +++ 'Ernsthaft
verschlechterte' soziale und wirtschaftliche Bedingungen für die
Menschen im Irak: Rotes Kreuz fordert Millionenhilfe vor nahendem Winter...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Tödlicher Raketenangriff auf israelische Stadt Sderot. Israels
Parlament will Untersuchung des Libanon-Kriegs
Do.16.11.06 - Bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser auf die
israelische Stadt Sderot sind am Mittwoch eine Passantin getötet
und ein Wachmann von Verteidigungsminister Amir Perez schwer verletzt
worden. Nach dem ersten tödlichen Raketenangriff seit dem
israelischen Abzug aus dem Gazastreifen im September vergangenen Jahres
sprachen die Hamas-Bewegung und der Islamische Dschihad von einem
Vergeltungsakt für den Tod von 18 Palästinensern bei einem
israelischen Panzerangriff in der vergangenen Woche.
Das Geschoss explodierte nur etwa 150 Meter vom Haus des
Verteidigungsministers in Sderot. Perez berief eine Sondersitzung des
Sicherheitskabinetts ein und erklärte: «Terrororganisationen
werden einen hohen Preis zahlen.» David Baker vom Büro des
israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert sagte, der Einsatz der
Streitkräfte gegen die palästinensischen Raketenkommandos sei
noch keineswegs beendet. Die Verteidigung der eigenen Bürger habe
besonderen Vorrang. Der Abschuss der meist primitiv gebauten Raketen
aus dem Gazastreifen hat seit 2001 neun Israelis das Leben gekostet.
Hamas-Sprecher Fausi Barhum bezeichnete den Raketenangriff als Akt der
Selbstverteidigung. Die regierende Hamas-Bewegung bereitet zurzeit eine
gemeinsame Regierung mit der gemäßigteren Fatah des
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas vor.
Am Grenzübergang Rafah nahmen ägyptische Beamte unterdessen
einen palästinensischen Parlamentsabgeordneten fest, weil er einen
Koffer mit zwei Millionen Dollar bei sich führte. Das Geld wurde
beschlagnahmt, wie ägyptische Sicherheitsbehörden am
Dienstagabend mitteilten. Der Hamas-Abgeordnete Muschir al Masri wurde
kurze Zeit später wieder freigelassen. Er kam dem Vernehmen nach
aus Saudi-Arabien. Die Hamas-Regierung versucht offenbar, Geld aus dem
Ausland in die Autonomiegebiete einzuschmuggeln, um so die Auswirkungen
des westlichen Finanzboykotts zu mildern.
Das israelische Parlament hat am Dienstag die Einrichtung einer
staatlichen Kommission zur Untersuchung des jüngsten Libanon-Kriegs
gefordert. Israelische Medien berichteten, die Opposition habe dabei
die geringe Anwesenheit von Abgeordneten genutzt: Elf von 120
Parlamentariern stimmten für, zehn gegen den Vorschlag
linksorientierter sowie nationalreligiöser Abgeordneter.
Es handelte sich um eine symbolische Abstimmung, weil die Knesset nicht
die Befugnis hat, die Einrichtung einer solchen Kommission anzuordnen.
Dies können nur die Regierung selbst oder der Rechnungshof tun.
Die israelische Regierung hat bereits eine Untersuchung des
Libanon-Kriegs durch einen ehemaligen Richter gebilligt. Kritiker des
Ministerpräsidenten Ehud Olmert forderten jedoch die Einrichtung
einer unabhängigen staatlichen Kommission. Das Abstimmungsergebnis
wurde als Schlappe für Olmert gewertet.
Das Verhalten Olmerts sowie der Militärführung während
des einmonatigen Kriegs wurde in den vergangenen Monaten auch in Israel
immer wieder heftig kritisiert. Die Vorwürfe lauteten unter
anderem, der Krieg sei nicht gut vorbereitet gewesen und habe auch die
erwünschte Schwächung der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz
nicht erzielt.
(Quellen: dpa, ap)
Eritrea: USA schüren Konflikte am Horn von Afrika
Do.16.11.06 - Der eritreische Präsident Issaias Afeworki hat den USA
vorgeworfen, Konflikte am Horn von Afrika zu schüren. Als Beispiele
nannte Afeworki in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP
am Mittwoch den eritreischen Unabhängigkeitskampf, den Grenzstreit
mit dem Erzfeind Äthiopien und die Unruhen in Somalia. Washington
missbrauche die Regierung in Addis Abeba als "Marionette", um die
Region zu destabilisieren. Vor allem in Somalia fache Washington die
Kämpfe an, wo sich Islamisten-Milizen und die Truppen der
schwachen Übergangsregierung gegenüberstehen.
(Quelle: afp)
Wahlsieg von Präsident Kabila im Kongo offiziell bestätigt
Do.16.11.06 - Amtsinhaber Joseph Kabila hat die Präsidentenwahl im Kongo mit 58
Prozent der Stimmen gewonnen. Das Ergebnis wurde offiziell
bestätigt. Vereinte Nationen, Europäische Union und Weltbank
forderten die Politiker des afrikanischen Landes auf, das Wahlergebnis
anzuerkennen. Vizepräsident Jean-Pierre Bemba hatte mehrere
Beschwerden wegen angeblichen Wahlbetrugs eingelegt. Beobachter
bezeichneten die Wahl aber als weitgehend frei und fair. Berichte
über neue gewalttätige Zusammenstöße gab es bisher
nicht.
(Quelle: dpa)
Klimagipfel in Nairobi: Annan fordert weltweit geltende CO2-Steuer
Do.16.11.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat auf dem Klimagipfel in Nairobi
die Einführung einer weltweiten CO2-Steuer gefordert. Mit den
Einnahmen solle den Auswirkungen des Klimawandels begegnet werden, sagte
Annan.
«Auf diese Weise könnten wir die Ungerechtigkeit des
Klimawandels lindern: Diejenigen, die bislang am wenigsten zum
Klimawandel beigetragen haben, leiden bereits jetzt am stärksten
unter den Folgen», sagte Annan. Er hoffe, dass sich die
Konferenzteilnehmer auf die Finanzierung und Verwaltung eines so
genannten Anpassungsfonds einigen. «Das wäre ein großer
Schritt vorwärts», fügte er hinzu.
Annan kritisierte das seiner Ansicht nach unzureichende Engagement
vieler Politiker. Es herrsche ein «erschreckender Mangel an
Führungswillen» sagte er. Die Regierungschefs sollten endlich
ernst mit dem Kampf gegen den Klimawandel machen. «Der weltweite
Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer
Zeit», sagte er. «Wenn wir scheitern, dann müssen
unsere Kinder dafür zahlen.»
Die Konferenz, an der etwa 6000 Delegierte teilnehmen, soll die Weichen
für die Zeit nach 2012 stellen, wenn das Kyoto-Protokoll
ausläuft.
(Quelle: dpa)
Hintergrund: Erderwärmung trifft Afrika besonders hart
Riesige Augen blicken aus den frühzeitig gealterten, ausgezehrten
Gesichtern in die Kamera. Für westeuropäische
Medienkonsumenten sind diese Bilder des Hungers aus Afrika zur
traurigen Gewohnheit geworden. Schon heute ist der schwarze Kontinent
unbeschreiblich arm. Die Erderwärmung wird diese Armut in den
nächsten Jahren verstärken. Vor allem die Industrie- und
Schwellenländer beschleunigen mit ihrem Ausstoß an
Treibhausgasen den Klimawandel, die Negativfolgen wie Dürren und
Überschwemmungen bekommen aber ausgerechnet die afrikanischen
Staaten besonders drastisch zu spüren, warnen Experten auf der
UN-Klimakonferenz, die derzeit in der kenianischen Hauptstadt Nairobi
tagt.
"Armut und der Klimawandel sind miteinander verbunden. Es sind die
Armen dieser Welt, die an seinen Folgen überproportional leiden",
erklärt die britische Hilfsorganisation Christian Aid. Warum der
Treibhauseffekt besonders Afrika in Mitleidenschaft zieht,
erklären folgende Zahlen der UNO: 70 Prozent der afrikanischen
Bevölkerung lebt demnach von der Landwirtschaft. Die Ernten sind
zu 95 Prozent von Regenfällen abhängig. Jede Dürre kann
so zu einer neuen Hungerkatastrophe führen.
Die britische Organisation Oxfam verweist auf das Beispiel Kenia, dem
diesjährigen Gastgeberland der 12. internationalen Klimakonferenz.
Einst galt die Region Mtitoandei im Herzen des ostafrikanischen Land
als fruchtbar. Doch blieb in den vergangenen zehn Jahren der Regen aus.
Mit ihm verschwanden auch so gut wie alle der ehemals 300 Bauern.
Während am Kilimandscharo die Gletscher schmelzen und das Innere
des Kontinentes langsam auszutrocknen droht, könnten
Küstenmetropolen wie das nigerianische Lagos laut den
Negativszenarios in einem Jahrhundert unter Wasser stehen. Die Zahl der
von Überflutungen in den Küstengebieten bedrohten Einwohner
wird von einer Million im Jahr 1990 auf 70 Millionen im Jahr 2080
steigen, heißt es in einem anlässlich der Konferenz in
Nairobi veröffentlichten UN-Bericht.
Die internationale Gemeinschaft müsse dem Klimawandel genau so
viel Beachtung schenken wie der Vermeidung von Kriegen und dem Kampf
gegen Massenvernichtungswaffen, fordert UN-Generalsekretär Kofi
Annan. Das 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll war nur der Anfang. Die
Unterzeichnerstaaten verpflichteten sich darin zur Reduzierung ihres
Treibhausgas-Ausstoßes. Industrieländer können sich die
Förderung von Umweltprojekten zur Verringerung der CO2-Produktion
in Entwicklungsländern anrechnen lassen.
Afrika hat von dieser Form der umweltfreundlichen Aufbauhilfe so gut
wie gar nicht profitiert. Von den mehr 400 Projekten, die im Zuge des
so genannten Clean Development Mechanism (CDM) genehmigt worden sind,
sind gerade einmal neun auf dem afrikanischen Kontinent angesiedelt.
An Ideen mangelt es nicht: So könnte unter der Sahara in
großem Stil Kohlendioxid eingelagert werden, schlägt die
Expertin für Umweltrecht bei der Kanzlei Jones Day, Francoise
Labrousse, vor. Potenzielle Investoren würden vor allem von
fehlender Infrastruktur und unsicheren Rechtsfragen abgeschreckt, sagt
der Chefökonom der Französischen Entwicklungsagentur AFD,
Pierre Jacquet.
Während Politiker und Experten weiter langwierig über neue
Strategien zur Abschwächung und Anpassung an den Klimawandel
verhandeln, bleibt Betroffenen wie in den Hochwasserregionen von
Mosambik oder den Dürregebieten der Sahel-Zone keine Zeit zum
Luftholen. Sie kämpfen schon jetzt um das "pure Überleben",
sagt der aus Ghana stammende UN-Chef Annan.
Quelle: afp, 15.11.2006
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Umweltschützer verklagen US-Regierung wegen mangelnden
Klimaberichts
Do.16.11.06 - Umweltaktivisten in den USA haben die Regierung verklagt, weil diese
noch keinen Bericht über die Auswirkungen des Klimawandels auf das
Leben der Menschen vorgelegt hat. Mit der am Dienstag in San Francisco
eingereichten Klage sollen die zuständigen Behörden den
Antragstellern zufolge gezwungen werden, wissenschaftliche Daten
über die Erderwärmung und deren Folgen für die Umwelt,
Wirtschaft und Gesundheit zu veröffentlichen. Dazu seien sie laut
einem Gesetz aus dem Jahre 1990 verpflichtet.
Die Erderwärmung sei heut zu Tage eine der ernsthaftesten
Bedrohungen der Menschheit, heißt es in der Klageschrift. Ohne
gesicherte Daten sei es kommunalen Entscheidungsträgern aber
unmöglich, angemessene Konsequenzen zu ziehen. Die Klage wurde von
den Umweltgruppen Greenpeace und Friends of the Earth sowie dem Zentrum
für biologische Vielfalt eingereicht.
(Quelle: ap)
Türkei lehnt Nachgeben im Zypern-Konflikt ab
Do.16.11.06 - Die Türkei hat am Mittwoch ihre harte Haltung im Zypern-Konflikt
bekräftigt. Die Regierung werde sich von der EU nicht erpressen
lassen, sagte Außenminister Abdullah Gül am Mittwoch im
türkischen Nordteil der zyprischen Hauptstadt Nikosia.
Die EU-Kommission verlangt von der Türkei, bis Dezember den Handel
mit der Republik Zypern zu normalisieren. Ansonsten droht Brüssel
mit negativen Folgen für die Beitrittsverhandlungen. Zypern ist
seit 2004 EU-Mitglied. Die türkische Regierung lehnt es jedoch ab,
Zypern in seine bereits bestehende Zollunion mit der EU einzubeziehen
und seine Schiffs- und Flughäfen für den Handel mit Zypern zu
öffnen.
Die Rede Güls anlässlich des 23. Jahrestags der Errichtung
eines türkisch-zyprischen Staatswesens wurden im türkischen
Fernsehen live übertragen. Der Außenminister lehnte jede
Rolle der EU bei der Lösung des Zypern-Konflikts ab und bestand
darauf, dass allein die Vereinten Nationen eine Vermittlerrolle
einnehmen könnten. «Es ist eine Sackgasse, wenn man
Konzessionen von der Türkei erwartet, indem das Problem von den
Vereinten Nationen auf die EU verlagert wird», sagte Gül.
Eine Öffnung im Handel macht die Türkei von der Bedingung
abhängig, dass die EU ihre Einschränkungen für Kontakte
mit dem türkischen Nordteil von Zypern aufhebt.
Zypern ist seit dem Einmarsch türkischer Truppen 1974 geteilt. Der
türkische Norden wird nur von der Türkei als Staat anerkannt.
Die von Soldaten der UN bewachte «Grüne Linie» zwischen
beiden Teilen der Mittelmeerinsel verläuft mitten durch die
Hauptstadt Nikosia.
(Quelle: ap)
Ankara setzt Militärkontakte zu Frankreich aus
Do.16.11.06 - Die türkisch-französischen Beziehungen haben einen neuen
Tiefpunkt aus: Die Türkei setzte im Streit um die
Massentötung von Armeniern im Ersten Weltkrieg am Mittwoch die
militärischen Beziehungen zu dem NATO-Partner aus.
Heereschef General Ilker Basbug sagte laut einer Meldung der
Nachrichtenagentur Anadolu bei einem Empfang zum Gedenken an die
Gründung der nach einer türkischen Invasion 1974
gegründeten Republik Nordzypern: «Die Beziehungen mit
Frankreich im militärischen Bereich sind ausgesetzt.» Auf
die Frage, ob Besuche ranghoher Delegationen davon betroffen sind,
sagte er: «Es gibt keine ranghohen Besuche zwischen beiden
Ländern.»
Die französische Abgeordnetenkammer beschloss Mitte Oktober trotz
heftigen Widerstands der Türkei und Bedenken der eigenen Regierung
ein Gesetz, wonach das Leugnen eines Völkermordes an den Armeniern
im Osmanischen Reich in den Jahren 1915 bis 1923 zu einem
Straftatbestand wird. Bereits 2001 hatte es den Tod von annähernd
1,5 Millionen Armeniern offiziell als Völkermord anerkannt. Nun
soll dessen Leugnung künftig mit bis zu fünf Jahren
Gefängnis und 45.000 Euro Strafe geahndet werden. Der von den
Sozialisten eingebrachte Entwurf muss noch vom Senat und
Staatspräsident Jacques Chirac gebilligt werden.
Der Streit um die Massentötung von Armeniern und die Zypernfrage
belasten zunehmend auch die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei.
Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy sagte
in der vergangenen Woche, falls die Türkei bis zum Ende des Jahres
nicht alle 25 EU-Mitgliedstaaten, und zwar ausdrücklich auch
Zypern, anerkenne, müsse der Zeitplan für die Aufnahme der
Türkei neu überdacht werden.
(Quelle: ap)
EU-Parlament verabschiedet Dienstleistungsrichtlinie
Do.16.11.06 - Das EU-Parlament hat am Mittwoch die lange umstrittene
Dienstleistungsrichtlinie in zweiter Lesung verabschiedet. Ziel der
Richtlinie ist es, Handwerkern und anderen Dienstleistern
vorübergehende Arbeitseinsätze im EU-Ausland zu erleichtern.
Ein erster Entwurf des früheren EU-Binnenmarktkommissars Frits
Bolkestein stieß im Parlament jedoch auf massiven Widerstand.
Befürchtet wurden Lohn-Dumping und eine Aushöhlung nationaler
Arbeitsrechtbestimmungen. Das nun verabschiedete Kompromisspapier beruht
auf einem Beschluss des EU-Parlaments vom Februar, den Kommission und
Rat weitgehend übernahmen.
Es wird erwartet, dass der Rat die Vorlage im Dezember
beschließt. Danach haben die Mitgliedstaaten drei Jahre Zeit, die
Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. In Kraft treten dürfte
sie damit frühestens im Dezember 2009.
(Quelle: ap)
Deutschland
Union über Bleiberecht zerstritten
Do.16.11.06 - Der Koalitions-Kompromiss zum Bleiberecht für langjährig
geduldete Ausländer steht nach unionsinternem Streit auf der
Kippe. Mehrere unionsgeführte Bundesländer wollen die
Einigung nicht mittragen. Auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach
(CDU) hält ein Scheitern noch für denkbar.
Dagegen begrüßte Fraktionschef Volker Kauder (CDU) den
Kompromiss, der unter der Verantwortung von Innenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) und Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD)
erarbeitet wurde. SPD und Grüne warnten angesichts des
Unions-Widerstands davor, die Vereinbarung in Frage zu stellen oder im
Bundesrat scheitern zu lassen.
Lautstarke Kritik kam von Bayerns Innenminister Günther Beckstein
(CSU): Er werde das Konzept bei IMK nicht unterstützen, sagte er
der Münchner «Abendzeitung» (Donnerstag). «Damit
ist klar, dass es nicht zu Stande kommt.» Eine dpa-Umfrage in den
betreffenden Bundesländern und Medien-Äußerungen der
Innenminister ergaben: Nicht alle Unionsländer sehen das so hart.
Die größten Bedenken hatte der niedersächsische
Innenminister Uwe Schünemann (CDU) geäußert. Er warf
Schäuble Unkenntnis und Praxisferne vor. Die Einigung zeige,
«dass auch beim Bundesinnenminister die Kenntnis über die
Praxis vor Ort nicht sehr ausgeprägt ist», sagte er.
«Dieser Kompromiss bedeutet eine Zuwanderung in die Sozialsysteme
und geht damit zu Lasten der Kommunen.» Die CDU habe dies zu
Zeiten von Rot-Grün im Bundesrat verhindert. «Das werden wir
wieder so machen.»
Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) kritisierte
die Äußerungen Schünemanns. «Durch diese Art der
öffentlich geführten Diskussion, bevor man alle Sachverhalte
kennt, schadet man dem gemeinsamen Anliegen der
Innenministerkonferenz.» In seiner mehr als zehnjährigen
Arbeit in der Innenministerkonferenz habe er ähnliche
Vorgänge noch nicht erlebt. «Die Richtung, die Herr
Schäuble vorgibt, halte ich für richtig.»
Schäuble und Müntefering sowie Fachpolitiker beider
Koalitionsfraktionen hatten sich auf Eckpunkte zum Bleiberecht
verständigt. So sollen auf Dauer Alleinstehende in Deutschland
künftig nach mindestens acht Jahren Aufenthalt bleiben
dürfen, Familien mit Kindern nach sechs Jahren. Wer bleiben darf,
soll sofort Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten, aber auch jeden
angebotenen Job annehmen müssen.
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz warnte davor, den
Kompromiss in Frage zu stellen. «Ich bin stinksauer, wenn das
jetzt zerredet wird», sagte er im Bayerischen Rundfunk. Auch
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warnte die
unionsgeführten Länder vor Widerstand. Die stellvertretende
SPD-Vorsitzenden Ute Vogt würdigte, dass Schäuble und
Müntefering vor allem das Wohl der zumeist in Deutschland
geborenen Kinder im Auge gehabt hätten.
Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf (FDP) sagte:
«Wir müssen langjährig geduldeten, wirtschaftlich und
sozial integrierten Flüchtlingen endlich eine verlässliche
Perspektive für ihre Zukunft geben.» Sachsens Innenminister
Albrecht Buttolo (CDU) hofft wie die Mehrheit seiner Kollegen auf der
IMK-Konferenz auf eine Lösung. Thüringen befürchtet
durch den Koalitions-Kompromiss etwa 6,5 Millionen Euro Zusatzkosten.
Bedenken äußerte auch der DGB. Die
Flüchtlingsorganisation Pro Asyl wies die Befürchtung
zurück, dass durch eine zweijährige Aufenthaltsgenehmigung
der Zuzug in das deutsche Sozialsystem gefördert würde.
Für die Linksfraktion ist der Kompromiss unzureichend. Die
Kommunen sind mit dem Koalitions-Kompromiss zum Bleiberecht für
geduldete Ausländer im Grundsatz zufrieden, fordern aber
Nachbesserungen für Menschen ohne Job-Perspektiven.
(Quelle: dpa)
Türkische Auszubildende beim Berufseinstieg benachteiligt
Do.16.11.06 - Türkische Auszubildende haben einer Studie zufolge schlechtere
Chancen auf dem Arbeitsmarkt als andere Ausländergruppen oder
Deutsche. Während fast zwei Drittel aller Deutschen direkt nach
ihrer Lehre einen Arbeitsplatz finden, gelingt dies nur gut der
Hälfte der jungen Türken, wie das Nürnberger Institut
für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Mittwoch mitteilte.
Ihr Risiko, arbeitslos zu werden, liege mit 40 Prozent rund zehn
Prozentpunkte höher als das der Deutschen.
Damit schnitten junge Türken auch im Vergleich zu anderen
Migranten schlechter ab: Die Gruppe der sonstigen Ausländer weise
nämlich ein ähnliches Übergangsmuster wie die Deutschen
auf. Ihre Arbeitslosenquote liege lediglich drei Prozentpunkte
höher. Vor allem bei türkischen Frauen erschwere ein enges und
traditionelles Berufsspektrum die Chancen auf eine Beschäftigung
nach der Ausbildung, erklärten die Forscher. So verteilten sich
mehr als 80 Prozent der Türkinnen auf nur acht von 176 Berufen.
Besonders gefragt seien klassische Jobs wie Verkäuferin und
Friseuse. Im Bankwesen und im Hotel- und Gaststättengewerbe seien
Türkinnen indes seltener vertreten.
Über die Gründe für das schlechtere Abschneiden der
türkischen Auszubildenden ließen die vorliegenden Daten zwar
keine eindeutige Aussage zu, schrieben die Wissenschaftler. Neben einer
möglichen Benachteiligung türkischer Absolventen spielten aber
auch die Wahl der Ausbildungsberufe, die Sprachkenntnisse und die
Abschlussnoten eine Rolle.
Um die Chancen jünger Türken beim Eintritt in den
Arbeitsmarkt zu verbessern, sprachen sich die Forscher für ein
gezieltes Beratungsangebot und frühzeitige Sprachförderung
aus. Zudem sollten verstärkt ausländische Betriebe als
Ausbilder gewonnen werden. «Aber auch deutsche Unternehmen
könnten die Potenziale von Migranten und deren interkulturelle
Kompetenzen stärker nutzen», erklärten die Autoren der
Studie. Gefragen sei hier auch eine gezielte Abstimmung von
Arbeitsmarkt- und Integrationspolitik.
(Quelle: ap)
Immer weniger Kuren werden bewilligt
Do.16.11.06 - Ein strikter Sparkurs der Krankenkassen hat die Zahl der bewilligten
Kuren drastisch sinken lassen. Vergangenes Jahr wurden 136.876
klassische stationäre Maßnahmen zur Rehabilitation und
Vorsorge bewilligt, 41 Prozent weniger als noch vor fünf Jahren,
wie der Deutsche Heilbäderverband am Mittwoch auf AP-Anfrage
bestätigte.
Die Zahl der Eltern-Kind-Kuren sank den Angaben zufolge sogar um 46
Prozent auf 118.792. Bei den klassischen ambulanten
Vorsorgemaßnahmen in Kurorten betrage das Minus den Angaben
zufolge 13 Prozent, bestätigte der Verband einen entsprechenden
Bericht der «Bild»-Zeitung. Insgesamt stieg die
Ablehnungsquote demnach von rund 34 auf 41 Prozent.
Ursache für den Rückgang der Bewilligungen sei neben dem
Sparkurs der gesetzlichen Krankenversicherungen die Angst der Menschen
um ihren Arbeitsplatz, erklärte der Verband. Zahlreiche
Arbeitnehmer stellten gar keinen Antrag mehr aus Furcht, sie
könnten bei ihrem Arbeitgeber als krank gelten und deshalb in
Ungnade fallen, sagte eine Sprecherin des Verbandes der
Nachrichtenagentur AP.
(Quelle: ap)