Aktuelle Nachrichten
Irak am achthunderteinundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Neue Massenentführung in Bagdad - 60 verschleppt
Fr.17.11.06 - Zwei Tage nach der Massenentführung von bis zu 150 Beamten in
Bagdad haben Extremisten am Donnerstag in der irakischen Hauptstadt etwa
60 Menschen entführt.
Der staatliche Fernsehsender Al-Irakija meldete, «kriminelle
Terroristen» hätten im Westteil der irakischen Hauptstadt
sechs Kleinbusse gestoppt und alle Fahrgäste verschleppt. Die Busse
hätten sie mitgenommen. Ein Kleinbus bietet Platz für
ungefähr elf Menschen.
Zwei Tage zuvor hatten Unbekannte bis zu 150 Menschen aus dem Institut
für Kulturforschung in Bagdad entführt. Rund 80 von ihnen sind
nach Angaben des Hochschulministeriums noch in der Gewalt der
Geiselnehmer.
Bei Attacken von Extremisten kamen in der irakischen Hauptstadt am
Donnerstag zehn Menschen ums Leben. Nach Polizeiangaben wurden sieben
von ihnen in einer Bäckerei im Stadtteil Sajuna erschossen. Drei
weitere Iraker starben bei der Explosion einer Autobombe und eines mit
Sprengstoff präparierten Mofas.
Die US-Armee berichtete unterdessen, zwei amerikanische Soldaten seien
am Dienstag und Mittwoch in der Provinz Dijala und in Bagdad erschossen
worden. Die Armee teilte außerdem mit, die US-Luftwaffe habe am
Donnerstag mehrere Gebäude in Al-Jussifija südlich von Bagdad
bombardiert. Dabei seien neun «Terroristen» getötet
worden, von denen mehrere Sprengstoffwesten getragen hätten. Die
Soldaten nahmen neun Verdächtige gefangen.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 17.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundsiebten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.17.11.05 - Neue Foltervorwürfe: Im Gebäude des irakischen
Innen-Ministeriums wurden Häftlinge mit 'Zeichen von
körperlicher Misshandlung' entdeckt +++ Seit Beginn der jüngsten
Militär-Offensive in West-Irak wurden nach Angaben der
US-Streitkräfte mindestens 80 Aufständische getötet +++
US-Armee hungert Zivilbevölkerung im Irak aus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511170.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israel weist neue Nahost-Friedensinitiative zurück. Israelische
Kampfflugzeuge zerstören nach Raketenangriff militanter
Palästinenser Häuser in Gaza
Fr.17.11.06 - Israel hat laut Medienberichten eine neue Nahost-Friedensinitiative
Spaniens, Frankreichs und Italiens zurückgewiesen.
Außenministerin Zipi Liwni sagte ihrem spanischen Amtskollegen
Miguel Angel Moratinos, ihr Land akzeptiere keine Initiativen, die
nicht vorab abgesprochen seien, wie die israelische Zeitung
«Haaretz» berichtete.
«Israel befasst sich nicht mit privaten Initiativen»,
zitierte die Zeitung zudem einen namentlich nicht genannten
israelischen Regierungsvertreter. Die israelische Regierung arbeite nur
mit dem so genannten Nahost-Quartett, das die USA, die Europäische
Union, Russland und die Vereinten Nationen umfasst, zusammen, sagte
dieser.
Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez
Zapatero hatte zuvor nach einem Treffen mit dem französischen
Staatschef Jacques Chirac im nordostspanischen Gerona angekündigt,
das mittelfristige Ziel der Initiative sei eine Friedenskonferenz mit
Beteiligung aller Konfliktparteien. Frankreich und Italien hätten
dem Vorstoß ebenso zugestimmt wie EU-Chefdiplomat Javier Solana,
sagte Zapatero. Nun sollten Deutschland und Großbritannien
für das Vorhaben gewonnen werden.
Die Initiative will zunächst ein Ende jeglicher Gewalt zwischen
Israelis und Palästinensern, die Bildung einer
palästinensischen Regierung der nationalen Einheit sowie einen
Austausch von Gefangenen erreichen. Offiziell soll die Initiative auf
dem EU-Gipfeltreffen Mitte Dezember vorgestellt werden.
Nach dem tödlichen Raketenangriff militanter Palästinenser
auf die israelische Stadt Sderot haben israelische Kampfflugzeuge und
Hubschrauber in der Nacht zum Donnerstag im Gazastreifen die Häuser
mehrere palästinensischer Extremisten zerstört.
Wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, handelte
es sich unter anderem um Häuser führende Mitglieder der
radikalen Hamas und der Volkswiderstandskomitees. Niemand sei verletzt
worden, da die Bewohner vom israelischen Militär vor den Angriffen
gewarnt worden seien.
Die Luftangriffe in Gaza-Stadt und anderen Teilen des Gazastreifens
erfolgten nur Stunden nach dem palästinensischen Raketenangriff auf
Sderot, bei dem am Mittwoch eine Frau getötet und zwei weitere
Israelis schwer verletzt worden waren. Nach palästinensischen
Angaben beschossen Kampfhubschrauber am späten Mittwochabend
zunächst in Gaza-Stadt zwei Häuser mit Raketen. Zwei weitere
Angriffe erfolgten im Norden des Gazastreifens, ein fünfter in
Rafah im Süden. Alle angegriffenen Häuser seien komplett
zerstört worden.
Der palästinensische Raketenangriff auf die nahe der Grenze zum
Gazastreifen gelegene Stadt Sderot war der folgenschwerste seit acht
Monaten. Eine 57-jährige Israelin wurde getötet, als eine
Kassam- Rakete unweit des Hauses des israelischen Verteidigungsministers
Amir Perez einschlug. Ein Leibwächter des Ministers und ein
17-Jähriger wurden schwer verletzt. Zu dem Angriff bekannten sich
die Hamas und die Organisation Islamischer Dschihad. Sie bezeichneten
die Attacke als Vergeltung für den israelischen Artillerieangriff
auf die palästinensische Stadt Bet Hanun, bei dem vor einer Woche
18 Menschen getötet worden waren.
(Quelle: dpa)
Sudanesische Delegation stimmt Friedenstruppe von UN und AU zu
Fr.17.11.06 - Die Verhandlungen über eine gemeinsame Friedenstruppe von
Vereinten Nationen und Afrikanischer Union in der sudanesischen
Darfur-Region stehen offenbar vor einem Durchbruch. Afrikanische,
arabische und europäische Delegationen sowie
UN-Repräsentanten einigten sich am Donnerstagabend in Addis Abeba
prinzipiell auf eine bislang vom Sudan kategorisch abgelehnte
UN-Beteiligung an dem Friedenseinsatz, wie UN-Generalsekretär Kofi
Annan mitteilte.
Allerdings erklärten die sudanesischen Unterhändler, sie
müssten erst noch ihre Vorgesetzten in Khartum konsultieren, bevor
eine endgültige Zustimmung der Regierung erfolgen könne. Der
Fortschritt wurde auf einer internationalen Konferenz in Äthiopien
erzielt, die Annan am Donnerstag eröffnete. An dem Treffen nahmen
hohe Regierungsvertreter der AU, der Arabischen Liga, der EU, des
Sudans sowie der USA, China und Russlands teil. Ein Zeitplan wurde
nicht bekannt. Noch offene Fragen sollten bis zum Ende des Jahres
geklärt werden, sagte Annan an.
Die künftige Friedenstruppe für Darfur könnte bis zu
27.000 Mann stark sein, hieß es. Bislang war geplant, die 7.000
Mann starke AU-Truppe durch 20.000 Soldaten mit UN-Mandat
abzulösen, die die Bevölkerung der Region vor weiteren
Übergriffen schützen sollen.
Seit Beginn des Konflikts im Jahr 2003 kamen etwa 200.00 Menschen ums
Leben. 2,5 Millionen Einwohner wurden vertrieben. Die als
Dschandschawid bezeichneten arabischen Milizen haben in den vergangenen
Tagen ihre Angriffe auf Dörfer in Darfur verstärkt.
Internationale Beobachter berichteten von mehreren Todesopfern.
(Quelle: ap)
Kongos Vize-Präsident will Wahlniederlage nicht anerkennen
Fr.17.11.06 - Ungeachtet zahlreicher internationaler Appelle akzeptiert der
Wahlverlierer Jean-Pierre Bemba das Ergebnis der
Präsidentschaftswahl im Kongo nicht. «Ich kann das Ergebnis
nicht anerkennen, da es die Wahrheit ... nicht widerspiegelt»,
hieß es in einer am Donnerstagabend in Kinshasa verbreiteten
Erklärung.
Bemba nannte als Grund, dass die unabhängige Wahlkommission nur
auf zwei seiner sechs Beschwerden wegen angeblichen Wahlbetrugs
geantwortet habe. Außerdem kritisierte er, dass er das Ergebnis
nicht wie geplant zuvor mitgeteilt bekommen, sondern wie alle anderen
aus dem Fernsehen erfahren habe.
Nach Angaben der unabhängigen Wahlkommission wurde Präsident
Joseph Kabila mit 58 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Der
Präsident der Wahlkommission hatte bei der Bekanntgabe des
Ergebnisses betont, dass alle Einsprüche geklärt seien.
Am Donnerstag war die Lage in Kinshasa ruhig. «Wir fahren ganz
normal Patrouille», sagte der Sprecher der EU-Mission im Kongo,
Peter Fuss. Die politischen Gespräche der vergangenen Tage
hätten dazu geführt, dass es nicht zu Gewaltausbrüchen
gekommen sei. Die UN- Truppen hatten die Präsenz der
Blauhelmsoldaten in der Stadt verstärkt.
Nach Augenzeugenberichten lieferten sich allerdings jugendliche
Anhänger Bembas Auseinandersetzungen mit der Polizei und bewarfen
Autos mit Steinen. Über mögliche Opfer wurde zunächst
nichts bekannt.
Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses am Mittwochabend war es in
mehreren Städten im Osten des Landes zu Jubeldemonstrationen
für Kabila gekommen. Kabila rief seine Landsleute zur Ruhe auf.
EU-Chefdiplomat Javier Solana appellierte an Kabila und Bemba,
«sich zusammen zu tun und ohne Zeitverzögerung dazu
beizutragen, die Demokratische Republik Kongo und ihr Volk wieder auf
einen Weg zum Wohlstand zu bringen». Die EU sei zur Hilfe bei der
«ungeheuren Aufgabe» des Wiederaufbaus bereit. Bemba sei
auf Grund seines guten Abschneidens «einer der
unumgänglichen politischen Akteure für die Zukunft des
Kongos». Bereits zuvor hatten die Vereinten Nationen, die
Europäische Union und die Weltbank die kongolesischen Politiker
aufgefordert, das Wahlergebnis anzuerkennen.
Das Ergebnis muss noch vom Obersten Gericht bestätigt werden. Die
Amtseinführung des neuen Präsidenten ist für den 10.
Dezember geplant. Internationale Beobachter hatten die Wahl als
weitgehend frei und fair bezeichnet.
(Quelle: dpa)
Weltklimagipfel in Nairobi: US-Senatoren drängen Bush zum Umdenken
beim Klimaschutz
Fr.17.11.06 - Drei einflussreiche Senatoren haben US-Präsident George W. Bush
zum Umdenken beim Klimaschutz aufgefordert. Die Initiative der
Demokraten Barbara Boxer und Jeff Bingaman sowie des Parteilosen Joseph
Lieberman wurde am Donnerstag von Umweltschützern auf dem
Weltklimagipfel in Nairobi als Zeichen begrüßt, dass der neue
US-Kongress dem Thema Priorität einräumen werde.
Die drei Politiker dürften nach dem Wahlsieg der Demokraten
Schlüsselposten im Senat übernehmen: Boxer soll dem
Umweltausschuss vorstehen, Bingaman dem Energieausschuss. Der den
Demokraten nahe stehende Lieberman dürfte den Vorsitz im
Senatsausschuss für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten
erhalten.
Präsident Bush hat das Kyoto-Protokoll abgelehnt, weil die dort
formulierten Verpflichtungen der amerikanischen Wirtschaft schaden
könnten. Die Senatoren schrieben ihm nun, die USA spielten in den
internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz keine ausreichend
große Rolle und täten zu wenig, um ihren CO2-Ausstoß zu
senken.
«Das ist ein starkes Signal, dass der Klimawandel im neuen
Kongress ganz oben auf der Tagesordnung stehen wird», sagte Jeremy
Symons von der National Wildlife Federation. Auf der UN-Konferenz in
Nairobi beschäftigen sich Vertreter aus mehr als 180 Staaten mit
der Suche nach einem Folgeabkommen für das 2012 auslaufende
Kyoto-Protokoll.
Die australische Regierung, die wie die USA den Vertrag boykottiert,
kündigte am Donnerstag eine Klimaschutzinitiative auf dem
bevorstehenden APEC-Gipfel an. Ministerpräsident John Howard
erklärte sich grundsätzlich mit einem weltweiten System zum
Handel mit Emissionsrechten einverstanden. Zugleich unterstrich er,
dieses dürfe der australischen Wirtschaft keine
Wettbewerbsnachteile bringen. Deshalb müssten auch Staaten wie
China und Indien eingebunden werden. Kyoto verpflichtet nur die
Industrienationen.
Der frühere US-Vizepräsident Al Gore, der derzeit mit seinem
Dokumentarfilm «Eine unbequeme Wahrheit» für ein
Umdenken in der Klimapolitik wirbt, lobte Howards Äußerungen
über den Emissionshandel als «vorsichtigen ersten
Schritt». Doch wäre ein Kyoto-Beitritt die bessere
Entscheidung.
Indien pocht darauf, dass die weltweite Klimaschutzpolitik nicht zu
Lasten des Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern gehen
dürfe. Niemand habe die heutigen Industriestaaten früher mit
Verweis auf den Ausstoß von Treibhausgasen an ihrer
wirtschaftlichen Entwicklung gehindert, sagte der indische
Finanzminister P. Chidambaram.
Der deutsche Bundesumweltminister Sigmar Gabriel mahnte, das deutsche
und europäische Engagement beim Klimaschutz reiche nicht aus, wenn
nicht andere Länder mit an Bord kämen. Man müsse sich
deshalb um die Einbindung von Staaten wie China und Indien bemühen.
Dann würden auch die USA mitmachen, sagte Gabriel, der sich
derzeit in Nairobi aufhält, dem Bayerischen Rundfunk. Er lehnte
den Vorschlag einer CO2-Steuer ab: «Die CO2-Steuer beinhaltet die
Gefahr, dass bezahlt wird, aber kein CO2 gesenkt wird.» Die
Klimapolitik der Europäischen Union setze dagegen auf das System
des Emissionshandels.
(Quelle: ap)
Deutscher Naturschutzring: Atomenergie hilft Klima nicht
Fr.17.11.06 - Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat die Forderung der
Internationalen Energieagentur IEA strikt zurückgewiesen, mehr
Atomenergie zum Schutz des weltweiten Klimas einzusetzen. Der DNR legte
eine Studie dazu vor, derzufolge 2100 neue Atomkraftwerke mit einer
Leistung von je 1000 Megawatt gebaut werden müssten, damit die
Hälfte der globalen Stromerzeugung durch Atomenergie gedeckt werden
könnte. Derzeit gibt es demnach weltweit 442 Atomkraftwerke, die
16 Prozent der Stromerzeugung leisten. Die Aussicht auf einen solche
Zunahme der Atomkraft nannte DNR-Generalsekretär Helmut
Röscheisen ein "wahres Horrorgemälde".
In der von dem deutschen Atomexperten Klaus Traube verfassten Studie
weist der DNR darauf hin, dass der größte Teil dieser neuen
Atomkraftwerke vor allem in den Entwicklungsländern gebaut werden
und dafür etwa fünf Billionen Euro aufgebracht werden
müssten. Heute seien in den Entwicklungsländern mit 80 Prozent
der Weltbevölkerung nur vier Prozent der
Atomenergie-Kapazitäten installiert. Diese seien zudem
überwiegend in China und Indien, wo der Anteil des Atomstroms aber
weniger als drei Prozent des Stromverbrauches betrage. Knapp zwei
Drittel der AKW-Kapazitäten entfallen demnach auf nur vier Staaten:
USA, Frankreich, Japan und Deutschland.
Atomexperte Traube verwies darauf, dass die heutigen 442 Atomkraftwerke
66.800 Tonnen Uran pro Jahr benötigten. Beim Zubau weiterer 2100
Kraftwerke bis zum Jahre 2030 wären auch bei einem besseren
Wirkungsgrad 260.000 Tonnen jährlich erforderlich. Die Reichweite
der bekannten Uranvorräte würde sich dann aber von heute 70
auf nur noch 18 Jahre reduzieren.
In Deutschland betrug der Anteil des Atomstroms an der Stromerzeugung
laut DNR im vergangenen Jahr 26,3 Prozent. Strom deckte demnach aber nur
20,4 Prozent des Endenergieverbrauchs, Atomstrom somit nur 5,4 Prozent
des Endenergiebedarfs.
Atomenergie kann nach Ansicht des DNR problemlos ersetzt werden etwa
durch die Verdoppelung des Anteils der Kraft-Wärme-Koppelung an der
Stromerzeugung von derzeit elf auf 22 Prozent bis 2012. Der DNR
forderte daher eine Energieeffizienz-Strategie der Bundesregierung mit
dem Ziel, den Energieverbrauch pro Jahr um mindestens drei Prozent zu
reduzieren. Bis 2020 könnte der heute viel zu hohe Energieverbrauch
nahezu halbiert werden. Die restliche Energieversorgung könne dann
vorwiegend mit erneuerbaren Energien gedeckt werden.
(Quelle: afp)
US-Senat stimmt Lieferung von nuklearen Brennstoffen an Indien zu
Fr.17.11.06 - Der amerikanische Senat hat mit großer Mehrheit der Lieferung von
nuklearen Brennstoffen an Indien zugestimmt. Die mit 85 gegen 12
Stimmen getroffene Entscheidung ist eine wichtige Bestätigung
für Präsident George W. Bush in einer seiner zentralen
außenpolitischen Positionen. Sie markiert eine Abkehr von der
seit Jahrzehnten geltenden Politik für eine Nichtweiterverbreitung
von Atomwaffen und fand nun auch im neu gewählten Senat eine klare
Unterstützung, in dem die demokratische Opposition wie im
Repräsentantenhaus die Mehrheit hat. Sowohl der republikanische
Senator Richard Lugar als auch der demokratische Senator Joseph Biden
sagten, man erhoffe sich von der Entscheidung einen Anstoß
für den weiteren Ausbau der amerikanisch-indischen Beziehungen.
Lugar sagte, er hoffe, dass Indien - mittlerweile wie Pakistan eine
Atommacht - künftig auf Atomwaffentests verzichte und mit den USA
für die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen zusammenarbeitet.
(Quelle: ap)
USA wollen klares Signal von Nordkorea vor Atom-Gesprächen
Fr.17.11.06 - Die USA erwarten von Nordkorea, dass das Land seine Bereitschaft zur
Aufgabe seines Atomprogrammes klar signalisiert.
Die Wiederaufnahme von Gesprächen über das nordkoreanische
Atomprogramm mache nur Sinn, wenn es Aussicht auf Erfolg gebe, sagte
US-Außenministerin Condoleezza Rice am Donnerstag am Rande des
Asien-Pazifik-Gipfels in Hanoi. "Nachdem die Nordkoreaner einen Atomtest
gemacht haben, denke ich, dass sie etwas tun müssen, um zu zeigen,
dass sie sich tatsächlich für eine nukleare Abrüstung
einsetzen."
Auch unter den Teilnehmerstaaten des Asien-Pazifik-Gipfels herrscht
Rice zufolge tiefe Skepsis darüber, ob Nordkorea tatsächlich
sein Streben nach Atomwaffen aufgibt.
Nordkorea hatte am 9. Oktober erstmals eine Atomwaffe getestet. Wenige
Wochen später willigte das Land ein, multilaterale Gespräche
über eine Aufgabe seines Atomprogramms wieder aufzunehmen.
Diplomaten zufolge könnten diese noch vor Ende des Jahres beginnen.
Die Gespräche, an denen Nordkorea, Russland, China, Japan,
Südkorea und die USA teil nehmen, liegen seit einem Jahr auf Eis.
Nordkorea hatte den Verhandlungstisch aus Protest gegen
US-Finanzsanktionen verlassen.
(Quelle: rtr)
Japan und China vereinbaren gemeinsame Studie zur Kriegsgeschichte
Fr.17.11.06 - Japan und China wollen ihren Streit über die Geschichte des
Zweiten Weltkriegs mit einer gemeinsamen historischen Studie beilegen.
Die Außenminister beider Staaten, Taro Aso und Li Zhaoxing,
vereinbarten am Donnerstag während ihrer Vorgespräche zum
APEC-Gipfel in Hanoi, dazu zwei Expertengruppen einzurichten. Erste
Ergebnisse sollen im Jahr 2008 vorgelegt werden, wie aus japanischen
Delegationskreisen weiter verlautete.
Die gegensätzliche Interpretation der Geschichte beider Staaten im
Zweiten Weltkrieg gab in den vergangenen Jahren immer wieder Anlass zu
Spannungen. Peking wirft Japan vor, in seinen Geschichtsbüchern die
während der Besetzung Chinas verübten Grausamkeiten zu
verschweigen. Für Verstimmung sorgen auch die wiederholten Besuche
von japanischen Regierungsmitgliedern am Kriegsschrein in Tokio.
«Diese gemeinsame Studie verfolgt den Zweck, das objektive
Verständnis der Geschichte zu vertiefen», sagte ein
japanischer Regierungsbeamter. Die Vereinbarung ist Teil der
jüngsten Entspannungsbemühungen zwischen beiden Staaten. Aso
and Li vereinbarten bei ihrem Treffen in Hanoi den Angaben zufolge auch,
eine gemeinsame Erkundung von Erdgasvorkommen im Ostchinesischen Meer
anzustreben. Japan hat China aufgefordert, seine einseitigen Bohrungen
einzustellen, bis es eine Vereinbarung über die Abgrenzung der
Wirtschaftszonen in dem Seegebiet gibt.
(Quelle: ap)
Japans Parlament beschließt Patriotismus-Gesetz für Schulen
Fr.17.11.06 - Die rechte Parlamentsmehrheit in Japan hat eine Reform zur
Förderung des Patriotismus an den Schulen verabschiedet. Die
linksgerichtete Opposition boykottierte die Abstimmung am Donnerstag im
Unterhaus in Tokio. Die in der Bevölkerung heftig umstrittene
Gesetzesvorlage fordert die Lehrer dazu auf, den Schülern "den
Respekt vor Tradition und Kultur und die Liebe für die Nation und
das Vaterland" zu vermitteln. Die Lehrergewerkschaft sträubt sich
gegen die Gesetzesreform und wirft der Regierung einen Rückfall in
imperialistische Zeiten vor.
Umfragen zufolge lehnen mehr als 60 Prozent der japanischen Lehrer die
Initiative der Regierung ab. Etwa 80 Prozent sind demnach der Ansicht,
der neue Ministerpräsident Shinzo Abe befasse sich nicht
hinreichend mit Problemen wie der wachsenden Kluft zwischen Arm und
Reich. Abe sagte kurz vor der Parlamentsabstimmung, für sein
Kabinett sei "die Wiederbelebung der Erziehung" das wichtigste Thema.
Der Gesetzentwurf soll vor dem 15. Dezember vom Senat verabschiedet
werden. Auch dort stellen die Konservativen die Mehrheit.
(Quelle: afp)
Schwere Unruhen im Pazifikstaat Tonga
Fr.17.11.06 - Im Pazifikstaat Tonga ist es am Donnerstag im Anschluss an eine
Demonstration für demokratische Reformen zu schweren Unruhen
gekommen. Wie Augenzeugen berichteten, griffen Gruppen junger
Männer Geschäfte und auch ein Hotel an, Läden wurden
geplündert. Die Journalistin Mary Fonua berichtete der
Nachrichtenagentur AP telefonisch, das Gebäude der
Elektrizitätsgesellschaft Shoreline sei niedergebrannt worden.
Rauch steige an mehrere Stellen der Hauptstadt Nuku'alofa auf.
«Das sind richtige Unruhen», sagte ein Reporter im
neuseeländischen Rundfunk.
Zuvor hatten sich tausende Menschen in der Hauptstadt zu einer
Kundgebung versammelt, um demokratische Reformen in dem fast feudalen
Inselstaat zu fordern. Anlass der Kundgebung war die letzte Sitzung des
Parlaments in diesem Jahr. Als dort aber keine Reformen beschlossen
wurden, kam es zu den Ausschreitungen. Beim Büro des
Ministerpräsidenten, am Parlament, am Finanzministerium und am
Gericht wurden die Fensterscheiben eingeworfen. Autos wurden
umgestürzt und angezündet. Auch ein Supermarkt im
Stadtzentrum, der Ministerpräsident Fred Sevele gehört und der
von seiner Tochter geleitet wird, wurde gestürmt und
geplündert. Die Polizei versuchte, die Ordnung wiederherstellen.
(Quelle: ap)
Frankreichs Sozialisten küren Royal zur
Präsidentschaftskandidatin
Fr.17.11.06 - Die sozialistische Politikerin Ségolène Royal tritt im
kommenden April als erste Frau bei einer französischen
Präsidentenwahl an. Die 53-jährige frühere
Umweltministerin gewann am Donnerstag nach Parteiangaben mit 60,62
Prozent bereits die erste Runde einer Mitglieder-Urwahl für die
Nominierung des Präsidentschaftskandidaten. Ihre Konkurrenten, der
frühere Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn und Expremier
Laurent Fabius, erkannten den Sieg Royals an.
Royal hatte sich schon vor der offiziellen Verkündung ihres Sieges
durch die Parteizentrale siegessicher gezeigt. Sie fühle sich
geehrt, auf diese Weise zur Präsidentschaftskandidatin gekürt
zu werden und sagte an ihre Mitbewerber und die Gesamtpartei gerichtet:
«Jetzt ist die Stunde der Einheit.
Strauss-Kahn kam den Angaben zufolge auf 20,83 Prozent, Fabius auf
18,54. Schon nach Auszählung von 40 Prozent der Stimmen wurde
Royal in der Nacht zum Freitag zur Erstrundensiegerin erklärt.
Fast 85 Prozent der 219.000 stimmberechtigten Parteimitglieder nahmen
an der Urwahl teil.
Der Stabschef des Generalsekretariats, Stephane Le Foll, sagte am
späten Donnerstagabend, die ersten Ergebnisse zeigten ziemlich
klar, «dass es nur eine Runde geben wird, und wir können
sagen, dass Ségolène Royal bereits die Kandidatin der
Sozialistischen Partei ist.» Die Parteimitglieder hatten bis
22.00 Uhr die Möglichkeit, ihre Stimmen abzugeben.
Die französische Öffentlichkeit hatte sich schon vor dem
Ausgang der sozialistischen Kandidatenkür auf ein
Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Royal und dem Favoriten von Mitte-rechts,
Innenminister Nicholas Sarkozy, eingestellt. Einer am Donnerstag
veröffentlichten Umfrage zufolge könnte Sarkozy in der ersten
Runde der Präsidentschaftswahl am 22. April 34 Prozent der Stimmen
erhalten, Royal 30 Prozent. In der Stichwahl am 6. Mai liegen Sarkozy
und Royal derzeit gleichauf bei 50-50.
(Quelle: ap)
In Europa gedeiht die Selbstzensur
Fr.17.11.06 - Es ist gar nicht so lange her, dass sich Karikaturisten und
Kabarettisten kaum Gedanken über die Kunstfreiheit machen mussten.
Religionskritische Beiträge waren für sie ebenso
selbstverständlich wie Kritik an der Regierung. Heute jedoch sorgen
in Europa immer häufiger Fälle von Selbstzensur für
Unmut. Denn seit 2005 ist alles anders.
Damals spaltete der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen
die Gemüter. Mit den heftigen Reaktionen von Muslimen in aller Welt
hatte niemand gerechnet. Doch dieser Aufschrei sollte nicht der einzige
bleiben. Als Papst Benedikt XVI. im September in Regensburg den
byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos mit einer
Äußerung über den Islam zitierte, reagierten Muslime mit
Empörung. Diese und andere Vorfälle haben dazu geführt,
dass in Europa derzeit heftig darüber diskutiert wird, was es
eigentlich heißt, sich anderen Religionen gegenüber tolerant
zu verhalten. Darf man nun überhaupt keine Kritik mehr an
Andersgläubigen üben? Wo enden Kunst und Ironie und wo
beginnt die Beleidigung?
Die Debatte konzentriert sich vor allem auf den Islam. Die heftigen
Reaktionen der islamischen Minderheiten in Europa auf von ihnen als
Beleidigung empfundene Vorgänge haben Angst ausgelöst. Unter
dieser Voraussetzung gedeiht die Selbstzensur. Kulturelle
Veranstaltungen werden abgesagt oder entschärft. In Berlin war
zeitweise eine Inszenierung von Mozarts Oper «Idomeneo» vom
Spielplan genommen, weil in einer Szene der Kopf des Propheten Mohammed
zur Schau gestellt wird. In Spanien haben Dörfer auf Bräuche
verzichtet, die seit Jahrhunderten existieren, weil dabei traditionell
der Kopf einer Mohammed-Puppe mit Feuerwerkskörpern in die Luft
gesprengt wird. Dies sind nur zwei von unzähligen Beispielen
für die derzeit in Europa praktizierte Selbstzensur. Es sei
verständlich, dass Muslime sich durch derartige Handlungen verletzt
fühlen, sagen die einen. Andere schütteln angesichts der
neuen Sensibilität verständnislos den Kopf.
Doch ist es überhaupt mit dem Recht auf Kunstfreiheit vereinbar,
Veranstaltungen aus Angst vor negativen Reaktionen abzusagen? Manche
Beobachter sind der Ansicht, dass die Europäer viel zu vorsichtig
geworden sind und so selbst die Grundfeste ihrer Gesellschaft
erschüttern. «Wir machen uns selbst etwas vor, wenn wir
glauben, dass wir unsere Freiheit nicht beschneiden», sagt einer
der führenden italienischen Politikwissenschafter, Angelo
Panebianco.
Ist es aber richtig, Leben aufs Spiel zu setzen, nur um die freie
Meinungsäußerung zu bewahren? Die Herausgeber der
dänischen Karikaturen merken dazu an, dass Provokation ein
wirksames politisches Werkzeug sei, um das Recht auf Freiheit geltend zu
machen. Der französische Philosoph Bernard-Henry Levy glaubt
jedoch, dass es gefährlich und unaufrichtig ist, die Macht von
Wörtern zu unterschätzen. «Wörter sind nicht
harmlos», sagte er der Zeitung «Corriere della Sera».
«Sprache ist nicht neutral. Sie ist voll von Bedeutung und
Gewalt.»
Doch was heißt dies nun für den Alltag? Wie man sich
verhalten sollte, ist vielfach umstritten - Verunsicherung macht sich
breit. Als im September der «Idomeneo» vom Spielplan
genommen wurde, warnte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel davor,
aus Angst Selbstzensur zu üben. Nun kommt die Oper im Dezember
doch auf die Bühne kommen. Ein Sieg für die Freiheit?
(Quelle: ap)
Inflation in Euro-Zone verlangsamt - Energiepreise sinken
Fr.17.11.06 - Die Inflation in der Euro-Zone hat sich im Oktober dank niedrigerer
Energiekosten etwas verlangsamt.
Die Verbraucherpreise sanken zum Vormonat um 0,1 Prozent, wie das
Europäische Statistikamt (Eurostat) am Donnerstag auf Basis
endgültiger Berechnungen mitteilte. Die Jahresteuerung fiel auf 1,6
Prozent nach 1,7 Prozent im September. Dies entsprach den
durchschnittlichen Markterwartungen. Die Europäische Zentralbank
(EZB) sieht bei einer Teuerung von knapp unter 2,0 Prozent mittelfristig
Preisstabilität gewährleistet.
Energie verbilligte sich zum Vormonat um 1,8 Prozent und zum Vorjahr um
0,5 Prozent. Ohne Berücksichtigung der stark schwankenden Kosten
für Energie und Nahrungsmittel legte die Inflation dagegen zu. Die
entsprechende Kernrate betrug 1,6 Prozent nach 1,5 Prozent im September.
(Quelle: rtr)
Arbeitslosenraten in Ostdeutschland unter den höchsten der EU
Fr.17.11.06 - Die Arbeitslosenraten in Ostdeutschland zählen zu den
höchsten in der gesamten EU. Mit einer Erwerbslosenquote von 22,3
Prozent im vergangenen Jahr lag Halle im Vergleich von 252 EU-Regionen
auf dem 7. Platz, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten
Liste der EU-Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Nur in drei
osteuropäischen Regionen sowie in den französischen
Übersee-Départements Französisch-Guyana, Guadeloupe und
La Réunion war die Arbeitslosigkeit noch höher.
Neben der Region Halle zählten im vergangenen Jahr auch
Mecklenburg-Vorpommern, Dessau und der Großraum Leipzig zu den
zehn EU-Regionen mit der höchsten Arbeitslosigkeit. Insgesamt lag
die Erwerbslosenquote in acht deutschen Regionen über 18 Prozent,
das ist das doppelte des EU-Durchschnitts von neun Prozent. So viele
Regionen kamen außer in Deutschland nur in Polen über die
18-Prozent-Marke.
Unter den besten zehn Regionen mit einer besonders niedrigen
Arbeitslosigkeit von maximal 3,5 Prozent ist dagegen keine einzige
deutsche vertreten. Am niedrigsten war die Arbeitslosenrate 2005 in den
englischen Grafschaften Herefordshire, Worcestershire und Warwickshire
mit 2,6 Prozent. Die beste deutsche Region - Freiburg - kam auf 6,4
Prozent.
Besonders hoch lag die Erwerbslosenquote EU-weit unter Jugendlichen und
jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 24 Jahren. Im
süditalienischen Kalabrien etwa waren 2005 laut Eurostat 46 Prozent
dieser Altersgruppe arbeitslos, auch auf Sizilien, in Nordgriechenland
und drei polnischen Regionen lagen die Raten über 40 Prozent. In
Deutschland hielt auch hier Halle den traurigen Rekord mit einer
Jugenderwerbslosigkeit von 27,6 Prozent.
(Quelle: ap)
Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland auf Sieben-Jahres-Hoch
Fr.17.11.06 - Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ist im Sommer so stark
gestiegen wie seit sieben Jahren nicht mehr.
Im dritten Quartal arbeiteten rund 39,3 Millionen Erwerbstätige in
Deutschland, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Das
sind 0,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und als im Frühjahr. "Man
kann mit Fug und Recht behaupten, der Aufschwung ist am Arbeitsmarkt
angekommen", sagte der Konjunkturexperte der DekaBank, Andreas
Scheuerle. Damit steigen die Chancen auf einen nachhaltigen Aufschwung.
Fachleute werteten die Zahlen als gutes Zeichen für die
Konjunktur, die sich zunehmend auf inländische Wachstumskräfte
stützen könne. Die Menschen bräuchten sich mittlerweile
nicht mehr so stark um ihre Arbeitsplätze sorgen und könnten
wieder zuversichtlicher nach vorn blicken, sagte Scheuerle: "Damit
steigen auch die Einkommen und die Konsumfähigkeit der privaten
Haushalte." Allein auf den privaten Konsum entfallen rund 60 Prozent
des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP).
Untermauert werden die guten Daten durch die jüngste Zunahme der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Anfang November hatte
Frank-Jürgen Weise, Vorstandschef der Nürnberger Bundesanstalt
für Arbeit (BA), darauf verwiesen, dass die
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung seit einem halben Jahr
steige. Nach ersten Berechnungen der BA waren im August 26,56 Millionen
Beschäftigte voll beitragspflichtige - das sind rund 258.000 mehr
als vor einem Jahr. Im Oktober war die Zahl der Arbeitslosen zudem auf
ein Vier-Jahres-Tief gesunken. "Der Durchbruch am Arbeitsmarkt ist da",
hatte Bundesarbeitsminister Franz Müntefering damals die guten
Zahlen kommentiert.
Mittlerweile kämen die Unternehmen an
Kapazitätsengpässe, gerade auch die exportorientierten, sagte
Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim: "Sie waren schlank
aufgestellt, und nun im Zuge der anhaltenden konjunkturellen Besserung
sind sie auf der Suche nach neuen Mitarbeitern." Wenn insgesamt mehr
investiert werde, dächten Firmenchef über Neueinstellungen
nach.
Die Volkswirte des Kölner Bankhauses gehen davon aus, dass sich
der positive Trend am Arbeitsmarkt trotz der erwarteten Wachstumsdelle
wegen der Mehrwertsteuererhöhung auch 2007 fortsetzen wird. In
diesem Jahr rechnen die meisten Volkswirte mit einem Wirtschaftswachstum
von rund 2,5 Prozent, das sich im kommenden Jahr deutlich
abschwächen dürfte.
(Quelle: rtr)
KfW-Umfrage: Mittelstand ist Jobmotor der deutschen Wirtschaft
Fr.17.11.06 - Die mittelständischen Betriebe in Deutschland sorgen einer Umfrage
zufolge für mehr Arbeitsplätze als große Konzerne.
"Ausschließlich kleine und mittlere Unternehmen haben in den
Jahren 2003 bis 2005 in Deutschland neue Arbeitsplätze geschaffen",
erklärte die KfW-Bankengruppe am Donnerstag zu ihrem
Mittelstandspanel 2006. Mittelständler hätten insgesamt
400.000 Stellen geschaffen, während Großunternehmen und
öffentlicher Dienst in der gleichen Zeit unterm Strich über
100.000 Arbeitsplätze abgebaut hätten.
"Der Mittelstand ist Jobmotor in der deutschen Wirtschaft", sagte die
Vorstandsvorsitzende der staatlichen Förderbank, Ingrid
Matthäus-Maier. "Die entscheidende Triebfeder für
Neueinstellungen in kleinen und mittleren Unternehmen sind
Investitionen." Im vergangenen Jahr hätten zwar von den insgesamt
3,5 Millionen Mittelständlern nur 1,4 Millionen und damit etwas
weniger als 2004 investiert. Das Investitionsvolumen sei 2005 aber mit
168 Milliarden Euro stabil geblieben. Tendenziell investierten
große und exportorientierte Mittelständler mehr als kleinere,
hieß es. Die im laufenden Jahr anziehende Inlandsnachfrage
könnte die Investitionsbereitschaft der kleineren Betriebe
erhöhen.
Jüngste Daten zum Bruttoinlandsprodukt hatten signalisiert, dass
die Investitionen dem deutschen Wirtschaftswachstum im Sommer Impulse
verliehen haben.
(Quelle: rtr)
Gewerkschaften für Verlängerung der Bezugsdauer von
Arbeitslosengeld
Fr.17.11.06 - Führende Gewerkschafter haben sich kritisch über die strikte
Ablehnung der SPD nach einer Verlängerung der Bezugsdauer des
Arbeitslosengeldes I für Ältere gezeigt. «Ich habe ein
Problem mit diesen harschen Zurückweisung durch Franz
Müntefering», sagte die frühere stellvertretende
DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer dem «Handelsblatt»
(Donnerstagausgabe). Sie wolle sich dafür einsetzen, dass die
jüngste Verkürzung der Bezugsdauer entschärft werde,
kündigte das SPD-Präsidiumsmitglied an.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers (CDU) hatte vorgeschlagen, die Bezugsdauer des
Arbeitslosengeldes I künftig an die Zeit der Beitragszahlung zu
koppeln. Auf dem CDU-Parteitag am Wochenende in Dresden soll über
den Vorstoß abgestimmt werden.
Engelen-Kefer betonte zwar, Müntefering verweise zu Recht darauf,
dass es inakzeptabel sei, dafür jüngere Arbeitslose zu
belasten. Doch dürfe man nicht ignorieren, dass die mit den
Hartz-IV-Reformen erhoffte Verbesserung der Beschäftigungschancen
für Ältere bisher nicht eingetreten sei. Sie schlug vor,
Arbeitslosen künftig ab 50 und nicht wie jetzt ab 55 Jahren 18
Monate Arbeitslosengeld I zu zahlen.
Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
(NGG), Franz-Josef Möllenberg, äußerte sich kritisch zu
der Debatte. «Rüttgers blickt links, um rechts
abzubiegen», sagte er dem Blatt. Doch tue er dies politisch sehr
geschickt, indem er ein verbreitetes Gerechtigkeitsgefühl
anspreche. «Leider ist die SPD in diese Falle getappt»,
sagte Möllenberg. Er rief die SPD auf, gemeinsam mit den
Gewerkschaften über eine Verlängerung der Bezugsdauer des
Arbeitslosengeldes zu beraten.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch rief hingegen in der
Diskussion zur Gelassenheit auf. Es gehe um die Frage, ob die
Abhängigkeit des Arbeitslosengeldes I wie heute über das Alter
definiert werde, oder wie Rüttgers es wolle, über die
Länge der Einzahlung, sagte der CDU-Politiker der
«Welt». «Keines dieser Modelle ist ideal.»
Nach dem Vorschlag von Rüttgers würden ältere
Erwerbslose längeren Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben,
jüngere dagegen kürzeren. Auch bei mehrfacher Erwerbslosigkeit
würde sich der Anspruch verringern. Derzeit wird Arbeitslosengeld
I generell zwölf Monate gezahlt. Über 55-Jährige
können die Versicherungsleistung maximal 18 Monate erhalten.
(Quelle: ap)
Lafontaine will wieder Ministerpräsident im Saarland werden
Fr.17.11.06 - Linksfraktionschef Oskar Lafontaine will 2009 bei der Landtagswahl im
Saarland als Spitzenkandidat der Linkspartei antreten. Das kündigte
der ehemalige SPD-Ministerpräsident des Landes am Mittwochabend
bei einem Betriebs- und Personalräteempfang im saarländischen
Bildstock an. Im Saarland hatte die Partei bei der Bundestagswahl im
vergangenen Jahr 18,5 Prozent der Stimmen geholt. Der frühere
SPD-Bundesvorsitzende Lafontaine war im Mai 2005 aus der SPD
ausgetreten und hatte sich den Linken angeschlossen. Von 1985 bis 1998
war Lafontaine Ministerpräsident im Saarland.
(Quelle: afp)
FDP will Abschiebestopp für geduldete Ausländer
Fr.17.11.06 - Wegen der erwarteten Bleiberechtsregelung hat die FDP einen generellen
Abschiebestopp für in Deutschland geduldete Ausländer
gefordert. «Es wäre unerträglich, wenn die Zeitspanne
zwischen Einigung und In-Kraft-Treten dazu genutzt würde, von der
Einigung möglicherweise Begünstigte in letzter Sekunde
abzuschieben», sagte der innenpolitische Sprecher der
FDP-Bundestagsfraktion, Max Stadler, der «Netzeitung».
Die Bleiberechtsregelung müsse «praktisch sofort in Kraft
treten», forderte der Politiker. Stadler nannte einen
Abschiebestopp die «konsequente Lösung» für die
Probleme der Geduldeten. Derzeit sind schätzungsweise rund 190.000
Ausländer in Deutschland geduldet.
(Quelle: ap)
BGH: Motassadeq auch wegen Beihilfe zum Mord schuldig
Fr.17.11.06 - Im jahrelangen juristischen Tauziehen um die Mitverantwortung des
Marokkaners Mounir El Motassadeq für die Anschläge vom 11.
September 2001 hat der Bundesgerichtshof (BGH) den Schuldspruch gegen
den 32-Jährigen wieder verschärft. Im Revisionsverfahren
sprachen die Karlsruher Richter Motassadeq auch der Beihilfe zum Mord an
den Insassen der vier Flugzeuge schuldig, die bei den Anschlägen
in den USA zum Absturz gebacht worden waren. Nun muss das
Oberlandesgericht Hamburg (OLG) ein neues Strafmaß festsetzen.
Motassadeq muss mit bis zu 15 Jahren Gefängnis rechnen.
Motassadeq war im vergangenen Jahr nur wegen Mitgliedschaft in einer
terroristischen Vereinigung zu sieben Jahren Haft verurteilt, vom
Vorwurf der Beihilfe zum Mord aber freigesprochen worden. Der
Bundesgerichtshof folgte mit seinem Entscheidung weitgehend der Revision
der Bundesanwaltschaft gegen das Hamburger Urteil.
Unklar ist noch, ob Motassadeq nach dem Karlsruher Urteil wieder in
Haft genommen werden würde. Der Haftbefehl gegen den früheren
Elektrotechnikstudenten war im vergangenen Februar unter Auflagen
außer Vollzug gesetzt worden.
Laut BGH wusste Motassadeq, dass die Todespiloten der Hamburger
Terrorzelle um Mohammed Atta in den USA vier Passagiermaschinen
entführen und damit Selbstmordanschläge begehen wollten. Weil
der Angeklagte sie dabei logistisch unterstützte, sei er auch
schuld an der Beihilfe zum Mord an den 246 Passagieren und
Besatzungsmitgliedern in den vier zum Absturz gebrachten Flugzeugen.
Das OLG hatte Motassadeq im August 2005 vom Beihilfevorwurf noch
insgesamt freigesprochen, weil er von der Dimension der Anschläge
am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das
Pentagon in Washington nichts gewusst habe. Dem BGH zufolge kann
Motassadeq jedoch seiner Mitverantwortung für die 246 Toten in den
Flugzeugen nicht entgehen, nur weil die Attentäter wesentlich mehr
Menschen ermordeten, als er sich vorgestellt hatte.
Nach Ansicht der Karlsruher Richter ist es mit Blick auf die Beweislage
allerdings ausgeschlossen, dass Motassadeq über die Morde an den
Flugzeuginsassen hinaus eine Beihilfe bei Mord an den Menschen im World
Trade Center und Pentagon nachgewiesen werden kann. Die Richter
verwiesen den Fall daher nicht mehr zur Neuverhandlung, sondern nur noch
zur Festsetzung einer "der Tat und Schuld angemessenen Strafe" nach
Hamburg zurück.
(Quelle: afp)
Ex-NPD-Abgeordneter Menzel bekennt sich erneut zu Hitler
Fr.17.11.06 - Der aus der NPD-Fraktion ausgeschlossene Abgeordnete Klaus-Jürgen
Menzel hat sich erneut zu Adolf Hitler bekannt und damit im
sächsischen Landtag am Donnerstag für einen Eklat gesorgt.
Während einer Aussprache zu einem Untersuchungsausschuss zum Fall
Stephanie sagte Menzel zum Vorsitzenden der Linksfraktion.PDS, Peter
Porsch, in Anspielung auf dessen österreichische Herkunft:
«Es gibt auch mehrere Sorten Österreicher. Aber wenn ich Sie
so vor mir sehe, dann ist mir der andere immer noch
sympathischer.» Adolf Hitler stammte aus Österreich.
Porsch entgegnete daraufhin Menzel: «Sie sind ein
unverbesserlicher Nationalsozialist. Herr Menzel ist für mich nicht
satisfaktionsfähig.» Die Linksfraktion.PDS beantragte eine
Sondersitzung des Landtagspräsidiums. Laut einem Fraktionssprecher
soll über Sanktionen gegen Menzel beraten werden.
Dieser hatte sich bereits am Wochenende in einem Fernsehinterview zu
Hitler bekannt. Daraufhin hatten Politiker von SPD und CDU Strafanzeige
gegen Menzel wegen Volksverhetzung und Glorifizierung des
Nationalsozialismus erstattet. Aus der NPD-Fraktion wurde Menzel wegen
finanzieller Unregelmäßigkeiten ausgeschlossen.
(Quelle: ap)
Unterricht erreicht viele Schüler nicht
Fr.17.11.06 - Trotz Verbesserungen vieler Schüler gibt es in Deutschland immer
noch Defizite bei der Vermittlung von Mathematik und
Naturwissenschaften. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP
zeigen die Ergebnisse eines 2004 durchgeführten Wiederholungstests
im Rahmen der Pisa-Studie, dass der Unterricht viele Schüler nicht
erreicht. Ein großer Prozentsatz der Zehntklässler konnte in
Mathematik und den Naturwissenschaften innerhalb eines Jahres keine
Fortschritte erzielen oder verschlechterte sich sogar.
Die Teilstudie Pisa-I-Plus wird am (heutigen) Freitag offiziell
vorgestellt. Das deutsche Pisa-Konsortium hat 2004 als Stichprobe
ergänzend den Kompetenzzuwachs von Schülern in Mathematik und
Naturwissenschaften getestet. Für Pisa2003 als Neuntklässler
getestete Schüler wurden ein Jahr später erneut getestet, um
zu sehen, wie sich ihre Kompetenzen geändert haben und welche
Faktoren dies bedingen.
Die Befunde zeigen nach AP-Informationen, dass etwa 60 Prozent der
Schüler in Mathematik ihre Kompetenzen deutlich steigern konnten.
Allerdings stagnierte etwa ein Drittel, acht Prozent zeigten sogar
deutliche Verschlechterungen. Bei den Naturwissenschaften zeigte sich
nur bei 44 Prozent der Schüler ein signifikanter Kompetenzzuwachs.
Bei 19 Prozent waren dagegen die Leistungen in der 10. Klasse sogar
deutlich schlechter als in der 9. Klasse.
Diese Ergebnisse erstaunen vor allem deshalb, weil die Schüler in
Deutschland bei Pisa2003 überdurchschnittlich gut bei der
Problemlösekompetenz abschnitten, die stark mit den mathematischen
und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten zusammenhängt.
Die Studie rückt die Schülerleistungen in einen
Gesamtzusammenhang: So wurden die Schüler nicht nur getestet,
sondern auch nach ihrer Wahrnehmung des Unterrichts befragt. Zudem
wurden auch die Mathematiklehrer befragt und ihre professionellen
Kompetenzen untersucht, und auch die Eltern wurden einbezogen.
Die Gesamtbefunde zeigen den Forschern zufolge unter anderem, dass in
Deutschland der Mathematikunterricht in der Sekundarstufe I nach wie
vor «in einem hohen Maße lehrergeleitet und
variationsarm» sei. Erweiterte Lehr- und Lernformen, individuelle
Arbeitspläne oder neuere mathematikdidaktische Ansätze seien
eher die Ausnahme als die Regel. Die Ergebnisse der Studie
unterstützten die Annahme, «dass ein kognitiv anregender und
effektiv strukturierter Unterricht und die Anpassung des Unterrichts an
das Leistungsniveau die Kompetenzentwicklung unterstützen».
Bei den Naturwissenschaften sehen die Forscher das Problem, dass kein
kontinuierlicher, aufeinander aufbauender Fachunterricht
gewährleistet ist. An vielen Schulen stehen Physik, Chemie und
Biologie immer nur für einzelne Jahre auf dem Lehrplan.
Der Erziehungswissenschaftler Peter Struck verwies darauf, dass die
Daten nicht von 2006 sind. «Seit dem ersten Pisa-Schock 2001 hat
sich in Deutschland viel getan», sagte Struck. Marianne Demmer
von der Lehrergewerkschaft GEW erklärte, es sei zwar unbestritten,
dass es in Deutschland nicht an allen Schulen einen aktivierenden
Unterricht gebe. Es müssten aber auch die Rahmenbedingungen wie
Klassengröße und Personalstärke stimmen.
Mit der Pisa-Studie untersucht die OECD im Abstand von drei Jahren die
Stärken und Schwächen verschiedener Bildungssysteme. Dabei
werden 15-Jährige in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften
sowie in fächerübergreifender Problemlösekompetenz
geprüft. In Deutschland sind die Leistungen auffallend gestreut:
Es gibt überdurchschnittlich viel sehr schlechte, aber auch
überdurchschnittlich viel sehr gute Schüler. Von Pisa2000 zu
Pisa2003 gab es zwar Verbesserungen, davon konnten aber die
Hauptschüler am wenigsten profitieren.
(Quelle: ap)