Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertzweiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Bush vergleicht Irak mit Vietnamkrieg. US-Befehlshaber im Irak: Gewalt
allein bringt keine Stabilität. Konfrontation zwischen Iraks
Führung und Sunniten. Österreichische Geisel im Irak
getötet. Niederländische Soldaten misshandelten irakische
Gefangene. Lebenslänglich für US-Soldat wegen Mordes an
Irakerin. Zustimmung zu Bushs Irakpolitik auf neuem Umfrage-Tiefpunkt
Sa.18.11.06 - US-Präsident George W. Bush will aus dem Vietnamkrieg Lehren
für den gegenwärtigen Einsatz im Irak ziehen. Anders als 1975
in Südostasien komme es im Mittleren Osten darauf an, einen langen
Atem zu haben, sagte Bush am Freitag nach seiner Ankunft zum
Gipfeltreffen des Asien-Pazifik-Forums (APEC) in der vietnamesischen
Hauptstadt Hanoi.
«Es dauert einfach eine lange Zeit, bis die Ideologie der
Hoffnung und der Freiheit die Ideologie des Hasses überwunden
hat», sagte Bush. Zwar gebe es in den USA immer die Forderung nach
schnellen Erfolgen. Aber für einen Erfolg sei Geduld nötig,
erklärte der US-Präsident. Der Krieg im Irak sei «ein
großartiger Kampf». Und der Besuch in Vietnam stimme ihn
hoffnungsvoll, dass sich ehemals verfeindete Länder im Interesse
des gemeinsamen Nutzens annähern könnten.
Bush ist der vierte US-Präsident, der Vietnam besucht - nach
Lyndon Johnson und Richard Nixon während des Vietnamkriegs und Bill
Clinton im Jahr 2000. Im Krieg zwischen Nord- und Südvietnam kamen
58.000 US-Soldaten ums Leben; die US-Truppen mussten sich 1975 vor den
kommunistischen Vietkong aus Saigon zurückziehen.
Der Befehlshaber der US-Truppen im Irak hat den Kampf gegen Terror und
Extremisten im Irak mit den großen ideologischen
Auseinandersetzungen des vergangenen Jahrhunderts verglichen.
«Stellen Sie sich das als eine Chance vor, den Faschismus in den
20er Jahren zu bekämpfen - wenn wir nur den Mumm dazu gehabt
hätten», sagte General John Abizaid am Freitag in einem
Vortrag in einem Forum der Harvard-Universität in Cambridge.
Abizaid räumte ein, dass militärische Gewalt allein im Irak
keine Stabilität hervorbringen könne.
Er wandte sich aber dagegen, die bisher ausgebliebene Befriedung
Iraks als Zeichen einer scheiternden USA zu werten. «Es ist zu
früh für die Feststellung, wir seien gescheitert»,
sagte Abizaid. «Wir können nicht darüber reden, als ob
es eine Katastrophe oder ein Scheitern wäre.» Letztendlich
werde sich der Irak stabilisieren. «Wenn ich denken würde,
es sei aussichtslos, würde ich es Ihnen sagen», sagte der
General. «Es ist schwer. Es ist hart. Wir können es
packen.»
Der irakische Regierungssprecher Ali al-Dabbagh hat am Freitag Berichte
dementiert, wonach das irakische Innenministerium einen Haftbefehl gegen
den einflussreichsten sunnitischen Religionsgelehrten des Landes,
Scheich Harith al-Dhari, ausgestellt haben soll.
Der Generalsekretär des Rates der Religionsgelehrten, der sich
derzeit in Jordanien aufhält, sei lediglich «zur Vernehmung
einbestellt worden», sagte Al-Dabbagh im Interview mit Al-Arabija.
Al-Dhari wird vorgeworfen, er schüre mit seinen
Äußerungen den Hass zwischen Schiiten und Sunniten. Das
Generalsekretariat
des Rates erklärte, die Regierung von Ministerpräsident Nuri
al-Maliki habe nun ihren «moralischen Bankrott» bewiesen und
solle zurücktreten, bevor sie gestürzt werde.
Gleichzeitig rief der Rat die Iraker auf, «mit Ruhe und
Selbstdisziplin» auf diese «Provokation» zu reagieren,
um Blutvergießen zu verhindern. Beobachter in Bagdad rechnen mit
gewaltsamen Reaktionen seitens der sunnitischen Aufständischen,
falls die Ermittlungen gegen Al-Dhari nicht gestoppt werden.
Im Süden des Iraks ist nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein
Österreicher getötet worden, der am Donnerstagabend zusammen
mit vier Amerikanern entführt worden war. Ein Polizeisprecher
sagte, die Leiche des Mannes, der für eine Sicherheitsfirma
gearbeitet habe, sei am Freitag in der Wüste bei Al-Subair gefunden
worden. Von den entführten Amerikanern fehle noch jede Spur. Neun
irakische Mitarbeiter der Sicherheitsfirma seien von den Kidnappern
inzwischen wieder freigelassen worden.
Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, der Österreicher sei
bei einem Gefecht zwischen US-Truppen und den Entführern
getötet worden, bei dem außerdem vier weitere Menschen ums
Leben gekommen seien. Dies bestätigte die US-Armee zunächst
nicht. Im Südirak ist das britische Militär stationiert. Nach
ersten Informationen hatten die Sicherheitsleute einen aus 19 Lastwagen
bestehenden Konvoi begleitet, der von Kuwait nach Nassirija, 350
Kilometer südlich von Bagdad, fahren sollte. Bei Safwan stellten
sich ihnen die schwer bewaffneten Kidnapper in den Weg.
Vizeministerpräsident Barham Saleh erklärte derweil, bei der
Entführung von sechs Kleinbussen in West-Bagdad am Donnerstag seien
40 Menschen getötet worden. Saleh sagte in einem Interview des
Nachrichtensenders Al-Arabija, diese Entführung und die
Verschleppung Dutzender Beamter aus einem staatlichen Institut in Bagdad
am vergangenen Dienstag seien Skandale, die man nicht herunterspielen
solle. «Dass so viele Leute am helllichten Tag aus einer
staatlichen Institution heraus entführt werden konnten, ist ein
Skandal», erklärte der kurdische Politiker.
Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte lediglich den Tod
von sieben der insgesamt rund 60 Fahrgäste der Kleinbusse, in denen
vor allem Schiiten gesessen hatten. Zwei Beamte, die bei der
Massenentführung im Institut für Kulturforschung verschleppt
und später wieder freigelassen worden waren, erklärten, die
Entführer seien Polizisten gewesen. Diese hätten sie
geschlagen. Andere Entführungsopfer seien schwer gefoltert und
später auf einer Müllhalde «abgeladen» worden,
sagten sie der arabischen Zeitung «Al- Sharq Al-Awsat»
(Freitagausgabe). Von den bis zu 150 Verschleppten befindet sich nach
Angaben des Hochschulministeriums inzwischen etwa die Hälfte auf
freiem Fuß.
Die US-Armee teilte am Freitag mit, ein amerikanischer Soldat sei am
Donnerstag in der Provinz Dijala getötet worden.
Niederländische Soldaten sollen bei ihrem Einsatz im Irak vor drei
Jahren Gefangene misshandelt haben. Das berichtet die Tageszeitung
«de Volkskrant». Angehörige des niederländischen
militärischen Geheimdienstes hätten Gefangene bei
Verhören starken Lichtquellen und lauten Geräuschen
ausgesetzt. Häftlinge seien mit Wasser begossen worden, um sie vom
Schlafen abzuhalten, schreibt das Blatt. Ein Ministeriumssprecher habe
zugegeben, dass es Vorfälle gegeben habe, «die nicht zu den
Vorschriften passen».
Wegen der Vergewaltigung und Ermordung einer 14-jährigen Irakerin
hat ein US-Militärgericht einen US-Soldaten zu lebenslanger Haft
verurteilt. Der 23-jährige James Barker kannjedoch unter bestimmten
Bedingungen vorzeitig entlassen werden, sagte eine Armeesprecherin in
Fort Campbell im US-Bundesstaat Kentucky. Das Urteil lautet auf 90
Jahre Gefängnis. In einem anderen Verfahren verurteilte ein
Militärgericht in Kalifornien einen US-Soldaten zu eindreiviertel
Jahren Gefängnis, weil er an der Ermordung eines irakischen
Familienvaters beteiligt war.
Es war das erste Mal, dass ein US-Soldat wegen eines im Irak
verübten Verbrechens zu lebenslang verurteilt wurde. Barker hatte
sich in acht Anklagepunkten schuldig bekannt, darunter Mord und
Vergewaltigung, und war so der drohenden Todesstrafe entgangen. Wegen
des brutalen Überfalls im März müssen sich vier von
Barkers Kameraden ebenfalls vor Gericht verantworten.
Die fünf Männer - allesamt Angehörige der angesehenen
101. Luftlandedivision - sollen die Vergewaltigung des Mädchens im
irakischen Mahmudijah geplant haben, nachdem sie die 14-Jährige auf
der Straße gesehen hatten. Die Soldaten drangen der Anklage
zufolge in das Haus der Familie ein, erschossen Vater, Mutter und deren
sechsjährige Tochter, bevor sie sich mindestens zu zweit an deren
14-jähriger Schwester vergingen und sie dann ebenfalls erschossen.
Anschließend zündeten sie die Leiche an.
Der mutmaßliche Anführer der Gruppe, der 21-jährige
Steven Green, steht seit Anfang des Monats vor einem Zivilgericht. Ihm
droht wie zwei weiteren Angeklagten die Todesstrafe. Green war noch vor
Bekanntwerden der Tat im Juni wegen Persönlichkeitsstörungen
unehrenhaft aus der Armee entlassen worden.
Ein Militärgericht in Kalifornien verurteilte den 23-jährigen
Marineinfanteristen Tyler Jackson zu 21 Monaten Gefängnis, weil er
an der Ermordung eines Irakers beteiligt war. Mit dem Urteil ist Jackson
der dritte US-Soldat, der wegen des Mordes an einem irakischen
Familienvater hinter Gitter muss. Der junge Mann hatte sich schuldig im
Sinne der Anklage bekannt und mehrfach Bedauern über die Tat
geäußert. Am Vortag hatte das Gericht im kalifornischen Camp
Pendleton einen 20-jährigen Kameraden von Jackson zu eineinhalb
Jahren Haft verurteilt.
Die Zustimmung zur Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush in
der amerikanischen Öffentlichkeit hat einen neuen Tiefpunkt
erreicht. In einer Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur AP
erklärten sich nur noch 31 Prozent der Befragten damit
einverstanden, wie Bush mit dem Irak-Konflikt umgeht. Im Vormonat waren
es 36 Prozent gewesen, der bisherige Tiefpunkt von 33 Prozent war im
Juni und August registriert worden. Die größte
Unzufriedenheit äußerten konservative und republikanische
Männer - die Wählergruppe, die Bush 2004 entscheidend mit in
eine zweite Amtszeit verholfen hatte. Bei den Zwischenwahlen zum
Kongress hatten Bush und seine Republikaner in der vergangenen Woche die
Mehrheit in Abgeordnetenhaus und Senat verloren.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 18.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundachten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.18.11.05 - Im US-Kongress wächsender Unmut über Irak-Politik von Bush.
Demokrat fordert sofortigen Truppenabzug der USA aus dem Irak +++
Südkorea will Truppen im Irak um ein Drittel verringern.
US-Regierung überrascht +++ US-Armee im Irak verliert zehn Soldaten
innerhalb 48 Stunden +++ Iraks Innenminister kündigt Aufklärung
der Foltervorwürfe an +++ Ziehen die US-Truppen aus dem Irak ab, Herr Ellsberg?:
Sie bleiben ewig, sagt der Mann, der mit der Weitergabe geheimer
Pentagon-Papiere an die Presse den Vietnamkrieg beenden half...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511180.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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NATO verärgert über Deutschlands Afghanistan-Politik
Sa.18.11.06 - Vor dem NATO-Gipfel in Riga Ende des Monats nehmen die Spannungen
zwischen Deutschland und anderen Bündnispartnern wegen der
gefährlichen Lage in Afghanistan weiter zu.
Zeitungsberichten zufolge soll ein Vertreter Großbritanniens bei
der am Freitag zu Ende gegangenen NATO-Parlamentarierversammlung im
kanadischen Québec unterlassene Hilfeleistung auch der Bundeswehr
beklagt haben. Das Verteidigungsministerium in Berlin dementierte die
Darstellung. Unklar blieb aber, ob es im Sommer von der Schutztruppe
ISAF einen Hilferuf für im Süden des Landes bedrängte
Kanadier gab, auf den anderen Nationen nicht reagierten. Zwölf
Soldaten starben.
NATO-Generalsekretär Jaap der Hoop Scheffer dringt darauf, dass
die Mitgliedstaaten Beschränkungen für ihre Armeen aufheben.
Nach Berichten der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», der
«Märkischen Allgemeinen» und der
«Süddeutsche Zeitung» (Freitagausgaben) sprachen
deutsche Bundestagsabgeordnete in Québec von einem
«Riesenthema» und ungewöhnlichen Auseinandersetzungen
in dem NATO-Parlament.
Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU)
bekräftigte bei einem Truppenbesuch in Neubrandenburg die Position
der Regierung, keine Soldaten in den umkämpften Süden
Afghanistans zu schicken, sondern die Kräfte weiter im Norden und
in Kabul zu konzentrieren. Allerdings erlaubt das Bundestagsmandat die
Nothilfe auch im Süden. Dafür erwartet Berlin aber eine
gezielte Anfrage der NATO, die es bisher nicht gegeben habe. Die
Bundeswehr hat bislang einige Fernmelder und Sanitäter im
Süden eingesetzt sowie beim Lufttransport geholfen.
Der FDP-Parlamentarier Rainer Stinner zitierte laut «FAZ»
einen britischen Konferenz-Teilnehmer, der sich über einen Fall von
unterlassener Hilfeleistung beklagte - dies habe letztlich zwölf
kanadische Soldaten das Leben gekostet. Während der Operation
«Medusa» im Sommer habe der ISAF-Kommandeur 150 Mann aus
Kampftruppen zur Unterstützung erbeten, weil kanadische Einheiten
in schwere Bedrängnis geraten seien. Der deutsche
Kontingentführer habe daraufhin mitgeteilt, er hätte zwar
Soldaten, die er schicken könnte, doch bekomme er aus Berlin keine
Erlaubnis dazu.
Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, sagte in
Berlin, der damalige Kontingentführer, General Markus Kneip,
dementiere, eine solche Antwort gegeben zu haben. Ferner habe es weder
eine Anfrage der NATO noch eine «singuläre Anfrage» an
die Bundeswehr gegeben, in Gefahr geratenen Kanadiern zu helfen. Es sei
nicht richtig, dass die Soldaten gestorben seien, weil Deutschland nicht
geholfen habe. Allerdings teilte Raabe nicht mit, was Kneip geantwortet
hat. Es blieb auch unklar, ob es eine Anfrage gab, die in dieser
Notsituation nicht auf dem Dienstweg gestellt wurde.
Den Zeitungsberichten zufolge herrscht unter den britischen,
kanadischen und niederländischen Kollegen gegenüber den
Deutschen eine Stimmung nach dem Motto «Ihr da oben trinkt Bier,
während wir die Knochen hinhalten». Deutschland sei aber
unter anderem von Spanien, Italien und Griechenland unterstützt
worden. Die deutschen Bundestagsabgeordneten hätten sich bei der
Abstimmung über einen Antrag enthalten, der die Beseitigung
nationaler Vorbehalte fordert, um prompte Einsätze zu garantieren.
Die Parlamentarische Versammlung der NATO hat keine
Entscheidungsbefugnis, gilt aber als wichtiger Gradmesser für die
politische Stimmung in den Mitgliedsländern.
(Quelle: dpa)
Norwegen kündigt Konferenz zu Streubomben an
Sa.18.11.06 - Norwegen hat eine internationale Konferenz zu Streubomben angeregt, um
ein Verbot der Waffen voranzutreiben. Das Treffen solle in Oslo
stattfinden, erklärte Außenminister Jonas Gahr Stoere am
Freitag. Eingeladen seien auch verschiedene UN- und humanitäre
Organisationen sowie das Rote Kreuz. Einen Termin nannte Stoere nicht.
Viele Streubomben explodieren nach ihrem Abwurf zunächst nicht und
stellen eine große Gefahr für Zivilpersonen dar. Einer Studie
der Gruppe Handicap International zufolge sind 98 Prozent der
Todesopfer durch Streubomben Zivilpersonen, darunter viele Kinder. Das
Europaparlament hat sich in den vergangenen Tagen für ein Verbot
der Waffen ausgesprochen, die Vereinten Nationen fordern, den Einsatz
von Streubomben sofort zu beenden. UN-Schätzungen zufolge hat
Israel hat bei den Kämpfen im Libanon im Juli und August rund vier
Millionen Streubomben eingesetzt, von denen knapp die Hälfte
möglicherweise noch nicht explodiert sind.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
UN-Vollversammlung verurteilt israelische Militäroffensive.
Islamischer Dschihad erwägt Einstellung von Raketenangriffen.
Abbas und Hanijah verhandeln über gemeinsame Regierung
Sa.18.11.06 - Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat Israel zur Einstellung
seiner Militäroffensive im Gazastreifen aufgefordert. Mit 156
gegen sieben Stimmen bei sechs Enthaltungen verurteilte das Plenum am
Freitag in New York die Tötung zahlreicher Palästinenser in
der Grenzstadt Beit Hanun. Die USA, Israel, Australien und vier
pazifische Staaten stimmten gegen die Entschließung, die EU
dagegen geschlossen dafür.
Die Arabische Liga hatte die Sondersitzung beantragt, nachdem die USA
mit ihrem Veto im Sicherheitsrat die Verabschiedung einer
ähnlichen Resolution zur israelischen Offensive in Beit Hanun
verhindert hatten. Im Gegensatz zu Sicherheitsresolutionen sind
Entschließungen der Vollversammlung nicht bindend.
Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman bezeichnete die Resolution
als «Farce» und «Zirkus», weil darin nicht die
Politik der regierenden radikalislamischen Hamas erwähnt werde.
Die Palästinenser hätten den Gazastreifen zu einer
Abschussrampe für Raketen auf israelische Grenzstädte
gemacht, kritisierte Gillerman.
In der Resolution wurde die israelische Offensive «zutiefst
verurteilt», bei der in Beit Hanun nach palästinensischen
Angaben 82 Menschen getötet wurden, darunter 19 Mitglieder einer
Familie, deren Haus von israelischen Artilleriegranaten getroffen
wurde. UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde aufgefordert, die
Vorgänge in Beit Hanun zu untersuchen.
Der Islamische Dschihad erwägt unterdessen nach eigenen Angaben
die Einstellung seiner Raketenangriffe vom Gazastreifen auf Israel. Die
Waffenruhe müsse dann aber von beiden Seiten eingehalten werden,
sagte Chedr Habib, einer der Spitzenfunktionäre der Organisation,
am Freitagabend nach Gesprächen mit dem palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas. Abbas habe betont, dass ein
Waffenstillstand im nationalen Interesse der Palästinenser liege
und deshalb unabdingbar sei.
Der Islamische Dschihad hat sich bislang den Aufrufen des
Präsidenten stets widersetzt, keine Raketen auf Israel mehr
abzufeuern und keine Selbstmordanschläge mehr zu verüben.
Sollte er einlenken, wäre dies ein großer Erfolg für
Abbas.
Im Westjordanland umzingelten israelische Truppen das Haus eines
Hamas-Aktivisten in Kalkilija. Es kam es zu Schießereien und zu
gewaltsamen Auseinandersetzungen mit rund 200 Anwohnern. Dabei wurden
nach israelischen und palästinensischen Angaben drei
Palästinenser getötet und mehr als 30 verletzt, zwei von
ihnen schwer.
Im Ringen um die Schaffung einer Einheitsregierung haben
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Ministerpräsident
Ismail Hanijah von der regierenden Hamas-Organisation neue
Gespräche geführt. Das Treffen fand nach
palästinensischen Angaben an einem geheimen Ort im Gazastreifen
statt. Fatah-Führer Abbas und die Hamas erklären bereits seit
Tagen, dass die Bildung einer Einheitsregierung unmittelbar bevor
stehe. Die Palästinenser erhoffen sich aus einer Regierung von
Fatah- und Hamas-Mitgliedern auch ein Ende der internationalen
Finanzsanktionen.
(Quellen: ap, afp)
Darfur-Konflikt vor Ausweitung - Mobilmachung im Tschad
Sa.18.11.06 - Der Bürgerkrieg in der sudanesischen Region Darfur droht auf
weitere Länder der Region überzugreifen.
Die Regierung des Tschads habe der benachbarten Zentralafrikanischen
Republik militärische Unterstützung im Kampf gegen Rebellen
aus dem Sudan angeboten, sagte Tschads Ministerpräsident Pascal
Yoadimnadji am Freitag. "Es heißt, wenn das Haus des Nachbarn
brennt, hilft man ihm, sonst springt das Feuer auch auf das eigene Haus
über." Die Rebellen würden von der sudanesischen Regierung
unterstützt. Es handle sich daher um einen Krieg, der den
umliegenden Ländern von der sudanesischen Regierung aufgezwungen
werde. Yoadimnadji rief zudem zu einer Mobilisierung der
Bevölkerung im Tschad gegen den Konflikt auf.
Nach Angaben Yoadimnadjis haben die Rebellen mehrere Städte im
Nordosten der Zentralafrikanischen Republik besetzt und rücken
weiter in den Westen und den Süden des Landes vor. Auch in den
Tschad seien über die gemeinsame Grenze mit dem Sudan mehrfach
sudanesische Rebellen eingefallen. Infolge dessen seien in den
vergangenen Wochen über 300 Menschen bei Unruhen zwischen den
Volksstämmen umgekommen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte die Situation an der Grenze
zwischen dem Tschad und dem Sudan diese Woche als "sehr fragil und
unbeständig" bezeichnet. Er sagte zudem, die Vereinten Nationen
(UN) zögen es in Betracht, Beobachter in die Region zu entsenden.
Der Sudan hat mehrfach bestritten, Rebellen im Tschad und in der
Zentralafrikanischen Republik zu unterstützen.
In Darfur sind seit Beginn des Bürgerkriegs 2003 etwa 200.000
Menschen getötet und mehr als zweieinhalb Millionen vertrieben
worden. Viele Menschen flüchteten in den Tschad. Derzeit sind in
Darfur 7000 Friedenssoldaten der Afrikanischen Union (AU) stationiert.
Die UN wollen die Truppen mit weiteren Soldaten unterstützen.
(Quelle: rtr)
EU-Afrika-Konferenz: Ruf nach mehr Eigenverantwortung afrikanischer
Regierungen
Sa.18.11.06 - Mit teils scharfer Kritik an der europäischen Entwicklungspolitik
ist am Freitag eine dreitägige EU-Afrika-Konferenz in Brüssel
zu Ende gegangen. Mehrere afrikanische Politiker warfen der EU
Bevormundung vor. «Hört auf, euch in die
Entscheidungsprozesse afrikanischer Länder einzumischen. Lasst uns
von unseren Fehlern lernen!» erklärte etwa der ugandische
Präsident Yoweri Museveni. Entwicklungshilfekommissar Louis Michel
nahm die Kritik an, betonte jedoch, er werde die Afrikaner mit ihren
Forderungen nach mehr Eigenverantwortung beim Wort nehmen.
«Unsere Entwicklungspolitik ist noch immer paternalistisch, noch
immer neokolonial», räumte Michel auf seiner
Abschlusspressekonferenz ein. «Wenn die Afrikaner uns sagen: Ihr
sollt uns nicht konditionieren - ich bin einverstanden.»
Allerdings sei er nicht bereit, sich gleichzeitig anzuhören, dass
an allen Problemen Afrikas Europa schuld sei. «Die Verantwortung
für die Entwicklung Afrikas liegt heute zuallererst bei den
Afrikanern», erklärte Michel.
Museveni, der Uganda seit 20 Jahren regiert und in diesem Jahr erstmals
eine - von internationalen Beobachtern kritisierte - Mehrparteienwahl
ausrichtete, hatte vor allem die EU-Forderungen nach einer guten
Regierungsführung bemängelt. Er hob hervor, dass sich auch
afrikanische Staaten, die seit Jahrzehnten demokratisch seien,
wirtschaftlich weitaus weniger entwickelt hätten als etwa das
undemokratisch regierte China.
Auch der äthiopische Ministerpräsident Menes Zenawi warnte
davor, «Demokratie von außen aufzuzwingen», sei es
durch Gewalt oder durch finanzielle Mittel. Die reichen Staaten sollten
die eigenen Programme der Entwicklungsländer für eine
Demokratisierung unterstützen, «wenn sie um solche
Unterstützung bitten, das wäre schon genug».
Andere afrikanische Politiker erklärten hingegen, sie sähen
durchaus eine Verbindung zwischen politischen Reformen und Entwicklung.
So betonte der burundische Präsident Pierre Nkurunziza: «Gute
Regierungsführung erfordert Investitionen.» Wenn man zum
Beispiel die Korruption beim Zoll bekämpfen wolle, müsse auch
in Technik investiert werden, um die Arbeit der Zöllner besser
kontrollieren zu können.
(Quelle: ap)
UN-Klimakonferenz in Nairobi: Überprüfung von Kyoto-Protokoll
soll 2008 beginnen
Sa.18.11.06 - Nach zähen Verhandlungen hat sich die UN-Klimakonferenz in Nairobi
zum Abschluss ihrer zweiwöchigen Tagung auf eine
Überprüfung des Kyoto-Protokolls ab 2008 geeinigt. Ein Datum
für das Ende der Revision wurde jedoch ebensowenig festgelegt wie
die Vorbedingungen. Diese ist die Grundlage für ein Folgeabkommen
zu den internationalen Klimaschutz-Verpflichtungen, die 2012 auslaufen.
Das nächste Gipfeltreffen soll vom 3. bis zum 14. Dezember 2007
auf der indonesischen Insel Bali stattfinden.
Umfang und Inhalt der Überprüfung sollten auf dem
nächsten Klimagipfel festgelegt werden, heißt es in der
Resolution. Eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll war
eines der vorrangigen Anliegen der UN-Klimakonferenz in Nairobi. Aus
Sorge um ihre wirtschaftliche Entwicklung hatten viele aufstrebende
Entwicklungs- und Schwellenländer der Überprüfung des
Klimaschutzabkommen enge Grenzen setzen wollen, um zu verhindern, dass
auch sie zur Verminderung von Treibhausgasen gezwungen werden. Das
aktuelle Abkommen nimmt bisher nur die Industriestaaten in die Pflicht.
Die Europäische Union machte am Ende Zugeständnisse, wie
Teilnehmer sagten. In dem Abschlusspapier heißt es nun, die
Revision bedeute keine Festlegung für die anschließenden
Verhandlungen und "keine neuen Verpflichtungen für irgendeine
betroffene Partei". Im Gegenzug habe China sich mit dem nun
beschlossenen Startdatum für die Prüfungen einverstanden
erklärt.
Die so genannte Überprüfung des Kyoto-Protokolls soll eine
Einschätzung der Klimaziele für die Jahre 2013 bis 2017
ergeben. Die Änderungsvorschläge müssten dann komplett
verhandelt und anschließend ratifiziert werden. In Nairobi traten
auch der Libanon und Sierra Leone dem Kyoto-Protokoll bei. Damit ist es
bislang von 168 Staaten ratifiziert worden.
Im Kyoto-Protokoll hatten sich Dutzende Industriestaaten verpflichtet,
ihre Treibhausgasemissionen bis 2012 um fünf Prozent im Vergleich
zum Jahr 1990 zu verringern. Nach Expertenmeinung müsste durch das
Folgeabkommen der Kohlendioxidausstoß jedoch noch drastischer
reduziert werden. Der Revisionsprozess müsste zudem bis Ende 2009
abgeschlossen sein, damit das neue Protokoll rechtzeitig ratifiziert
werden kann.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erklärte den
Gipfel in Nairobi bereits vor Abschluss der Gespräche für
gescheitert: Die Konferenzteilnehmer hätten keinen wirksamen
Klimaschutz-Fahrplan vereinbart, kritisierten die Umweltschützer.
(Quelle: afp)
Rund 1,8 Millionen Menschen von Hochwasser in Ostafrika betroffen
Sa.18.11.06 - Bis zu 1,8 Millionen Menschen leiden nach UN-Angaben unter den schweren
Überschwemmungen in Kenia, Somalia und Äthiopien. Häuser
seien weggespült, Ackerland überflutet worden, berichtete das
UN-Koordinationsbüro für humanitäre Angelegenheiten
(OCHA) am Freitag in Genf. Zehntausende Menschen seien obdachlos, viele
litten Hunger. Allein in der somalischen Stadt Belet Weyne verloren
laut OCHA 50.000 Menschen ihre Unterkunft.
«Die Krise hat sich in der letzten Woche deutlich
verschlimmert», sagte Michael Bociurkiw vom Kinderhilfswerk
UNICEF. «Tausende arme Bauernfamilien schlafen nun draußen
und sind Malaria und anderen Krankheiten ausgesetzt.» Das
Hochwasser behindert auch die Programme von Hilfsorganisationen.
Letztere befürchten den Ausbruch von Epidemien.
(Quelle: ap)
Mittelasiatische Staaten wollen stärker kooperieren
Sa.18.11.06 - Die Staats- und Regierungschefs der Türkei und mehrerer
mittelasiatischer Staaten sind am Freitag zum ersten Mal seit sechs
Jahren wieder zu einem Gipfeltreffen zusammengekommen. Im Mittelpunkt
der Beratungen im Badeort Antalya stand die angestrebte engere
Kooperation der Staaten in der Region, die einander auch ethnisch und
sprachlich eng verbunden sind. An dem Treffen nahmen die
Staatspräsidenten der Türkei, Aserbaidschans, Kasachstans und
Kirgistans sowie der Botschafter Turkmenistans teil. Ein Vertreter
Usbekistans war nicht gekommen.
Für die Türkei ist das Treffen angesichts der schwierigen
Verhandlungen über einen EU-Beitritt auch eine Möglichkeit,
die Beziehungen zu den früheren Sowjetrepubliken auszubauen. Die
Kooperation werde auf gegenseitigem Respekt, Gleichheit und gemeinsamen
Interessen beruhen, erklärte der türkische
Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer zur Eröffnung des Gipfels.
(Quelle: ap)
US-Präsident Bush in Hanoi: Lehre aus Vietnamkrieg heißt
Geduld im Irak
Sa.18.11.06 - Eine Lehre aus dem Vietnamkrieg für den Irakkrieg ist nach Ansicht
von US-Präsident George W. Bush für die USA, Geduld zu haben.
«Wir werden erfolgreich sein, wenn wir nicht einfach
aufgeben», sagte Bush am Freitag kurz nach seiner Ankunft in der
vietnamesischen Hauptstadt Hanoi.
Bush nimmt an diesem Wochenende an dem Gipfeltreffen der
Pazifik-Anrainerstaaten (APEC) teil. «Wir neigen dazu, uns raschen
Erfolg in der Welt zu wünschen», aber der «große
Kampf» im Irak zwischen «der Ideologie der Freiheit und der
Ideologie des Hasses» werde eine lange Zeit brauchen.
Der US-Präsident und die vietnamesische Führung betonten in
einer gemeinsamen Erklärung ihr Interesse am weiteren Ausbau der
guten Beziehungen. Vietnams Präsident Nguyen Minh Triet und Bush
begrüßten «den historischen Meilenstein» des
bevorstehenden Beitritts Vietnams zur Welthandelsorganisation (WTO).
Bush versicherte, dass er alles tun werde, damit die kürzlich im
US-Kongress gescheiterte Initiative für die vollständige
Normalisierung der Handelsbeziehungen zu Vietnam noch realisiert werden
kann. Die US-Regierung hofft auf ein positives Votum des Kongresses noch
in diesem Jahr.
In der amerikanisch-vietnamesischen Erklärung wird auch auf die
Bedeutung weiterer Reformen in Vietnam sowie der Rechtsstaatlichkeit und
des Kampfes gegen Korruption verwiesen. Die positive Entwicklung der
beiderseitigen Beziehungen zeige, dass es möglich sei, historische
Konflikte und Differenzen zum gemeinsamen Wohl zu überwinden,
meinte der US-Präsident.
Bush war vor den Gesprächen mit der vietnamesischen Führung
mit dem australischen Ministerpräsidenten John Howard
zusammengetroffen. Bush dankte Howard für die Unterstützung
Australiens im Irakkrieg. Diskutiert wurden nach Angaben des
Weißen Hauses auch die Perspektiven im Irak nach der Niederlage
der Republikaner bei den Kongresswahlen und der Ablösung von Donald
Rumsfeld als US- Verteidigungsminister. Howard betonte, dass Australien
nicht daran denke, den Einsatz der 1300 australischen Soldaten im Irak
vorzeitig zu beenden.
Bush wurde - anders als im Jahr 2000 der damalige US-Präsident
Bill Clinton - von den Vietnamesen in Hanoi mit wenig Begeisterung
empfangen. Relativ wenige Zaungäste standen an den
Straßenrändern der Hauptstadt, als Bush vorbeifuhr.
(Quelle: dpa)
Ehemaliger uruguayischer Diktator verhaftet
Sa.18.11.06 - Der frühere uruguayische Präsident Juan Maria Bordaberry ist
im Zusammenhang mit vier Morden während des so genannten
schmutzigen Kriegs in dem lateinamerikanischen Land verhaftet worden.
Auch sein damaliger Außenminister Juan Blanco wurde wegen der
Tötung von zwei Parlamentsmitgliedern und zwei mutmaßlichen
linksgerichteten Guerilleros vor 30 Jahren in Haft genommen, wie die
Behörden in Montevideo am Freitag mitteilten.
Uruguay wendet sich erst jetzt der Aufarbeitung der Diktatur von 1973
bis 1985 zu, in der tausende Dissidenten gefoltert und getötet
wurden, verschwanden oder ins Exil flohen. Der heute 78-jährige
Bordaberry wurde 1971 demokratisch gewählt, löste aber 1973
den Kongress auf und riss die Macht an sich. Er wurde 1976 vom
Militär in einem Putsch gestürzt, das bis 1985 an der Macht
blieb.
Bordaberrys Anwälte teilten mit, der ehemalige Präsident
weise jede Beteiligung an den Morden zurück. Der linksgerichtete
Senator Zelmar Michelini und der Präsident des Abgeordnetenhauses
Hector Gutierrez wurden 1976 aus ihren Wohnungen in Buenos Aires
entführt. Ihre von Kugeln durchsiebten Leichen wurden später
mit denen der beiden mutmaßlichen Guerilleros William Whitelaw
und Rosario Barredo gefunden.
(Quelle: ap)
Demonstration gegen G-20-Treffen in Melbourne
Sa.18.11.06 - Gegen das Finanzministertreffen der Gruppe der 20 reichsten Staaten
(G-20) haben am Samstag in Melbourne rund 3.000 Menschen demonstriert.
Eine Gruppe von rund 200 gewaltbereiten Teilnehmern versuchte, die
Polizeiabsperrungen am Konferenz-Hotel zu durchbrechen. Die Polizei
setzte Schlagstöcke ein und verhinderte das. Einige Demonstranten
warfen Steine, einige auch braune und rote Rauchgranaten.
Die Finanzminister und Notenbankchefs der G-20 nahmen unterdessen
Beratungen über eine Sicherung der Energieversorgung, den
Klimawandel und die Lage der Weltwirtschaft auf. Der australische
Finanzminister Peter Costello sagte bei der Eröffnung des seit
1999 jährlich stattfindenden Treffens: «Ich glaube, wenn wir
im Laufe dieses Wochenendes einen Konsens finden zwischen den
Ländern, die an diesem Tisch vertreten sind, wird das den
wirtschaftlichen Wohlstand für alle mehren.»
Im Mittelpunkt der Konferenz stehen die Entwicklung der Ölpreise,
des globalen Energiebedarfs und der Zinsen. Die USA forderten China am
Freitag zu einem schnelleren Abbau seiner Wechselkurskontrollen auf.
Die G-20 verbindet die sieben führenden Industriestaaten (G-7) mit
den Handelsmächten Russland und China sowie Schwellenländern
wie Indien, Brasilien und Südafrika. Auch die EU, die Türkei
und Australien gehören der Staatengruppe an, die 90 Prozent der
globalen Wirtschaftsleistung, 80 Prozent des Welthandels und zwei
Drittel der Weltbevölkerung vertritt. Für Deutschland nimmt
Finanzminister Peer Steinbrück an den Beratungen teil.
(Quelle: ap)
G-20-Treffen:
http://www.g20.org/
Protest gegen G-20:
http://www.stopg20.org/
Deutschland
Nur kleine Gruppe profitiert von Bleiberechtslösung
Sa.18.11.06 - Der Teufel steckt wie so häufig im Detail: Die von der
Innenministerkonferenz beschlossene Lösung zum Bleiberecht für
die bislang lediglich geduldeten Ausländer in Deutschland
dürfte nur auf den ersten Blick für Erleichterung bei den
Betroffenen sorgen. Tatsächlich kommen von dem am Freitag in
Nürnberg erzielten Kompromiss nämlich zunächst nur eine
kleine Gruppe in den Genuss einer Aufenthaltsgenehmigung.
Dabei handelt es sich um maximal 20.000 Betroffene - jene Gruppe
nämlich, die als Familie schon seit mindestens sechs
beziehungsweise alleinstehend seit acht Jahren in Deutschland lebt und
trotz des bislang durch die Vorrangprüfung deutlich erschwerten
Zugangs zum Arbeitsmarkt einen Job gefunden hat, von dem sie auch leben
kann.
Für weitere schätzungsweise 40.000 Ausländer, die
ebenfalls schon so lange in Deutschland leben, aber eben keinen
Arbeitsplatz vorweisen können, bleibt die Unsicherheit indes
vorerst bestehen. Sie haben zwar durch die Stichtagsregelung noch bis
zum 30. September 2007 Zeit, einen Job zu finden und auch für den
Alltag taugliche Sprachkenntnisse sowie ausreichend Wohnraum
nachzuweisen.
Was nach dem Stichtag im Falle eines Misserfolgs mit ihnen geschieht,
blieb aber auch nach der Innenministerkonferenz offen. «Ich gehe
davon aus, dass bis dahin die Bundesregierung ein entsprechendes Gesetz
gefunden hat», erklärte dazu der rheinland-pfälzische
Innenminister Karl Peter Bruch (SPD).
Und selbst wer nach dem «Nürnberger Beschluss» in den
Genuss einer Aufenthaltsgenehmigung kommt, erhält diese
zunächst lediglich für zwei Jahre zugeteilt. Erst in einer
zweiten oder dritten Stufe, so erklärte Bayerns Innenminister
Günther Beckstein (CSU), sei dann eine unbefristete
Aufenthaltserlaubnis drin. Bis dahin stehen die Betroffenen weiterhin
auf dem Prüfstand und müssen regelmäßig Nachweise
über ein bestehendes Arbeitsverhältnis vorlegen - auch um
einen Missbrauch auszuschließen.
Denn eines machte die Innenministerkonferenz deutlich: Der Politik geht
es mit ihrem Bleiberechtskompromiss nicht nur darum, einen rechtlichen
Schwebezustand aus der Welt zu schaffen, sondern vor allem darum,
erfolgreiche Integration zu fördern. So sollte klar gestellt
werden, dass Ausländer in Deutschland nicht von, sondern in erster
Linie mit der Gesellschaft leben sollen, die sie zu ihrer neuen Heimat
auserkoren haben. «Der Kompromiss ist ein Angebot an alle, die
Arbeit haben und für sich selbst sorgen können», fasste
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zusammen. «Wir
erwarten dafür aber auch, dass sie sich integrieren».
Entsprechend rigide soll folglich mit jenen bislang geduldeten
Ausländern verfahren werden, die nach der nun vorliegenden Regelung
keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten werden. «Straftäter
und Trickser können ab Montag energisch abgeschoben werden»,
machte Beckstein klar.
Und während sich die Innenminister bei der Vorlage des nach
zähem Ringen gefundenen Beschlusses begeistert gegenseitig auf die
Schulter klopfen und von einem «großen Erfolg» und
«Meilenstein» sprechen, ist der 17. November keineswegs ein
guter Tag für alle geduldeten Ausländer, wie Körting
meinte, sondern vor allem ein guter Tag für die Innenminister
selbst, die damit ein leidiges Thema mehr vom Tisch haben.
(Quelle: ap)
Arbeits- und Sozialminister fordern Einführung von Pflegezeit
Sa.18.11.06 - Die Arbeits- und Sozialminister der Länder haben sich auf ihrer
Jahrestagung im saarländischen Perl-Nennig einstimmig für die
Einführung einer Pflegezeit ausgesprochen. Bei der häuslichen
Pflege solle den Angehörigen ein Anspruch auf unbezahlte
Freistellung von der Arbeit, verbunden mit einem Rückkehrrecht
gewährt werden, sagte der saarländische Sozialminister Josef
Hecken (CDU) am Freitag.
Damit solle die häusliche Pflege gestärkt und der Vorrang vor
der stationären Pflege unterstrichen werden. Die Bundesregierung
habe einer Pflegezeit im Grundsatz zugestimmt. Hecken hat derzeit den
Vorsitz der Ministerkonferenz inne.
Aus Sicht der Länder könnte das Recht auf Freistellung
zunächst für ein Jahr gelten, mit der Option einer zweimaligen
Verlängerung, sagte Hecken. Dagegen sei vom Bund zunächst ein
halbes Jahr ins Gespräch gebracht worden. Offen sei auch noch,
inwieweit diese geplanten Regelungen für Klein- und
Kleinstbetriebe gelten sollten, die längere Personalausfälle
nur schwer verkraften könnten. Bei diesen Fragen seien die
Landesminister «gesprächsbereit», betonte Hecken.
Darüber hinaus forderte die Konferenz eine nachhaltige
Qualitätssicherung bei der stationären Pflege. Dazu soll laut
Hecken ein einheitlicher Kriterienkatalog erarbeitet werden, der zu mehr
Transparenz in diesem Bereich führen soll.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft und Technik
Neuartiger Roboter arbeitet trotz Beschädigung weiter
Sa.18.11.06 - Ein neuartiger Roboter hat die Fähigkeit bewiesen, sich mit dem
Verlust eines seiner vier Beine abzufinden. Wie der Robotik-Experte
Joshua Bongard von der Universität Vermont in der jüngsten
Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" erläutert, beraubte er den
Roboter eines Beines und beauftragte ihn dann, mit der neuen Situation
fertig zu werden. Der Roboter habe spielerisch eine Methode gefunden,
sich auf den drei verbliebenen Beinen fortzubewegen.
Die Erkenntnisse aus dem Roboter-Experiment könnten für die
Raumfahrt von großer Bedeutung sein, sagte Bongard. Wenn Roboter
zu fernen Planeten geschickt würden, müssten sie "in der Lage
sein, ihren Auftrag ohne menschliche Eingriffe fortzusetzen", selbst
wenn sie beschädigt würden und keinen Kontakt zur Erde mehr
hätten. Bongard arbeitet im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde
NASA und des Energieministeriums in Washington.
(Quelle: afp)