Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Blair räumt indirekt 'ziemliches Desaster' im Irak ein.
Ex-US-Außenminister Baker traf syrische Vertreter
So.19.11.06 - Der britische Premierminister Tony Blair hat die US-geführte
Invasion im Irak in einem Fernsehinterview indirekt als Desaster
bezeichnet. Auf die Feststellung eines Journalisten des Senders El
Dschasira, der Einmarsch im März 2003 sei "ein ziemliches Desaster"
gewesen, sagte Blair zustimmend: "Das ist es gewesen." Schnell fuhr er
fort, dies sei nicht so aufgrund von Planungsfehlern, sondern wegen der
Kämpfe von aufständischen Sunniten gegen radikale Schiiten.
Downing Street versuchte, das indirekte Eingeständnis Blairs
herunterzuspielen. "Der Premierminister benutzt das Wort Desaster
nicht", sagte ein Regierungssprecher. Blair habe heraugestellt, dass die
Gewalt im Irak "natürlich höchst bedauerlich, tragisch und
sehr, sehr schwierig ist". Dies sei aber Ergebnis einer
"böswilligen Einmischung von außen", nicht eines drei Jahre
alten Planungsfehlers, sagte der Sprecher weiter.
Blair lehnte in dem Interview mit dem englischsprachigen Programm von
El Dschasira einen Abzug der britischen Truppen aus dem Zweistromland
ab. Das Militär werde so lange dort bleiben, wie es von der
irakischen Regierung benötigt werde. Großbritannien ist der
wichtigste Verbündete der USA im Irak.
In der südirakischen Stadt Basra traf derweil der britische
Finanzminister und voraussichtliche Nachfolger Blairs, Gordon Brown, zu
einem unangekündigten Truppenbesuch ein. Nach Angaben eines
britischen Militärsprechers führte Brown bei dem
eintägigen Aufenthalt auch Gespräche mit irakischen
Politikern, darunter Vize-Regierungschef Barham Saleh. Derzeit sind etwa
7200 britische Soldaten vornehmlich im Süden des Irak stationiert.
Sicherheitskräfte setzten die Suche nach zwei von fünf im
Irak verschleppten Ausländern fort. Eine US-Geisel war nach
irakischen Angaben am Freitag tot aufgefunden worden, zwei weitere
US-Bürger konnten von der Polizei befreit werden. Bei der Suche
erhielten die irakischen Sicherheitskräfte Hilfe von der britischen
Armee. Derzeit würden Geheimdienstinformationen gesammelt, sagte
ein Militärsprecher. Er habe keine Informationen über das
Schicksal der Geiseln. Auch der kuwaitische Arbeitgeber der vier
US-Bürger und eines Österreichers erklärte, nichts
über den Verbleib der Verschleppten zu wissen.
Der frühere US-Außenminister und Vorsitzende der so
genannten Iraq Study Group (ISG), James Baker, hat einem Zeitungsbericht
zufolge mehrmals syrische Vertreter getroffen, um über eine
mögliche Zusammenarbeit zu sprechen. Wie die Zeitung "New York
Times" am Samstag unter Berufung auf den syrischen Botschafter in den
USA, Imad Mustafa, berichtete, kam Baker unter anderem im September mit
dem syrischen Außenminister Walid Muallem zusammen.
Das Treffen in New York sei sehr "vielversprechend" gewesen, wurde
Mustafa zitiert. Der Botschafter beriet demnach mehrmals mit Mitgliedern
der ISG darüber, was Syrien zur Verbesserung der Lage im Irak tun
könne "und was nicht". Die von dem Republikaner Baker und dem
früheren demokratischen Abgeordneten Lee Hamilton geleitete ISG
soll Empfehlungen zum Fortgang des Irak-Einsatzes erarbeiten. Ein
Abschlussbericht wird im Dezember erwartet.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 19.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundneunten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.19.11.05 - Anschläge auf schiitische Gläubige und ausländische
Journalisten: Mindestens 82 Tote +++ US-Abgeordnete lehnen sofortigen Abzug
der US-Truppen aus Irak ab +++ UN fordern internationale Untersuchung
über Gefangene im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511190.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Karsai bittet um weitere internationale Hilfe für Afghanistan
So.19.11.06 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat die internationale
Gemeinschaft um weitere Unterstützung für sein Land gebeten.
«Die Arbeit ist noch nicht erledigt», sagte Karsai am
Samstag auf einer Afghanistan-Konferenz in Neu-Delhi. Um den Kampf gegen
den Terror zu gewinnen, «brauchen wir die dauerhafte
Partnerschaft zuverlässiger und standhafter
Verbündeter». Am Wiederaufbau des Landes sollten sich auch in
Zukunft Regierungen und internationale Hilfsorganisationen beteiligen.
An dem zweitägigen Treffen in Indien nehmen Vertreter aus 19
Ländern teil.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israels Vize-Ministerpräsident Lieberman nennt Abbas 'nicht
relevant'. Menschlicher Schutzschild gegen Luftangriff im Gazastreifen
So.19.11.06 - Der neue stellvertretende israelische Ministerpräsident Avigdor
Lieberman hat sich gegen Verhandlungen mit dem palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas ausgesprochen. «Abbas ist einfach
nicht relevant, wir sollten ihn ignorieren», sagte der
ultranationalistische Politiker am Samstag im israelischen Radio.
Zugleich erteilte Lieberman bestehenden Friedensverträgen eine
Absage.
Ein Festhalten an den Oslo-Abkommen und dem jüngsten
internationalen Friedensplan, der Roadmap, führe zu «einer
weiteren Runde des Konflikts», sagte Lieberman in dem Interview.
«Es gefährdet unsere Zukunft», fügte er hinzu. Als
verlässlichen Partner für Friedensverhandlungen nannte er
Jordanien. Abbas habe dagegen «keine Autorität, keine
Macht».
Zugleich beklagte Lieberman, Israel gehe nicht hart genug gegen die
palästinensische Hamas und die militante Organisation Islamischer
Dschihad vor. Sämtliche Führungsmitglieder liefen frei herum,
sagte er und forderte: «Sie müssen alle verschwinden, ... da
darf es keinen Kompromiss geben.»
Israel müsse wieder die Kontrolle über die Grenze zwischen
dem Gazastreifen und Ägypten übernehmen, forderte Lieberman
weiter. Nur so könne Waffenschmuggel unterbunden werden. Israel hat
die Kontrolle über die Grenze mit dem Rückzug aus dem
Gazastreifen im vergangenen Jahr abgegeben. «Wir haben von Tonnen
von Waffen gehört, von Raketen, wir haben vom Schmuggel hunderter
Millionen Dollar nach Gaza gehört», sagte Lieberman.
Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat, ein enger
Vertrauter von Abbas, nannte Liebermans Äußerungen ein
«Rezept für weiteres Blutvergießen, Gewalt, Extremismus
und Hass». Lieberman sei in der Vergangenheit stecken geblieben.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert holte Liebermans
Partei Israel Beitenu Ende Oktober in die Regierung, um sich damit eine
breitere parlamentarische Mehrheit zu sichern. Israel Beitenu stellt elf
Abgeordnete in der 120 Mitglieder umfassenden Knesset.
Hunderte Palästinenser haben am Samstag im Gazastreifen einen
menschlichen Schild zum Schutz eines Gebäudes vor einem drohenden
israelischen Luftangriff geformt. Die Menschen strömten zum Haus
eines Palästinensers, nachdem dieser von den israelischen
Streitkräften zum Verlassen des Gebäudes aufgefordert worden
war. Diese Warnung geht in der Regel Luftangriffen voraus, um zivile
Opfer zu vermeiden. Die Menge skandierte antiisraelische und
antiamerikanischen Parolen. Der Bewohner des Hauses in Beit Lahija ist
bei einer Extremistengruppe für die Herstellung von Raketen
verantwortlich, die auf Israel gefeuert werden.
(Quelle: ap)
Situation in Darfur laut UN so schlimm wie seit 2003 nicht mehr
So.19.11.06 - Die Situation in der westsudanesischen Krisenregion Darfur ist nach
UN-Angaben so schlimm wie seit Jahren nicht mehr. Regierung und Milizen
terrorisierten die Menschen dort, sagte der UN-Koordinator für
humanitäre Hilfe, Jan Egeland, am Samstag in einem AP-Interview
nach seiner Rückkehr aus Darfur. «Die Regierung bewaffnet
ihre arabischen Milizen mehr als je zuvor.» Er habe die
Befürchtung, dass die Gewalt wieder so schlimm werde wie 2003.
Nach Angaben der Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen hat sich
die Lage in Darfur verschlechtert, seit die Regierung und eine
Rebellengruppen im Mai ein Friedensabkommen unterzeichneten. Seit
Beginn des Konflikts im Jahr 2003 kamen in Darfur etwa 200.000 Menschen
ums Leben. 2,5 Millionen Einwohner wurden vertrieben. Egeland sagte auf
einer Pressekonferenz, er sei zuversichtlich, dass die
grundsätzliche Zustimmung der sudanesischen Regierung zu einer
gemeinsamen Friedenstruppe von UN und Afrikanischer Union einen
effektiven internationalen Einsatz in Darfur ermöglichen werde.
(Quelle: ap)
Russland mahnt zur Zurückhaltung in Konflikten um Atomprogramme
So.19.11.06 - Russland hat am Samstag auf dem Asien-Pazifik-Forum (APEC) zur
Zurückhaltung in den Konflikten um die Atomprogramme Nordkoreas und
des Irans gemahnt. Die internationale Gemeinschaft müsse in diesen
Konflikten standhaft bleiben, gleichzeitig aber auch vorsichtig
agieren, erklärte Außenminister Sergej Lawrow. Eine zu
harsche Reaktion könnte nach russischer Ansicht die Bemühung
zur Lösung der Konflikte untergraben. Wenn annehmbare
Vereinbarungen gefunden würden, dann stärke dies auch den
Atomwaffensperrvertrag, der die Weiterverbreitung dieser Waffen
verhindern soll. Wenn die Lage aber in eine Sackgasse gerate, dann
erhöhe sich auch die Gefahr der Weiterverbreitung der Atomwaffen,
mahnte Lawrow. Russland hat sich schon gegen einen Resolutionsentwurf
für den UN-Sicherheitsrat gewandt, der Sanktionen gegen den Iran
vorsieht.
(Quelle: ap)
Tote bei Gefechten in Sri Lanka mit Tamilen-Rebellen
So.19.11.06 - In Sri Lanka haben sich tamilische Rebellen erneut See- und
Landgefechte mit Sicherheitskräften geliefert.
Beide Seiten gaben am Samstag an, Schiffe des Gegners versenkt zu
haben. Bei einem Rebellenangriff an Land wurden nach Polizeiangaben
fünf Soldaten und vier Zivilisten getötet. Seit dem Scheitern
der Friedensgespräche ist die Gewalt in Sri Lanka wieder voll
entbrannt.
Vor der nordwestlichen Küste des Inselstaats versenkte die Marine
nach eigenen Angaben drei Schiffe der tamilischen Befreiungstiger. Diese
wiederum meldeten, sie hätten zwei Marineboote versenkt. Zehn
Besatzungsmitglieder seien dabei ums Leben gekommen. Sowohl Marine als
auch Rebellen bestritten die Darstellung der jeweils anderen Seite.
Bei einem Überfall auf einen Militär-Laster im
nördlichen Bezirk Vavunija kamen nach Polizeiangaben fünf
Soldaten ums Leben. Anschließend sei es zu einer Schießerei
gekommen, bei der vier Zivilisten getötet worden seien. Ob diese
Opfer von Rebellen- oder Armeefeuer geworden seien, sei unklar. Die
Rebellen wiesen Angaben des Militärs zurück, sie seien
für den Anschlag auf den Laster verantwortlich.
In diesem Jahr sind bei Kämpfen zwischen den Rebellen und
Regierungstruppen mehr als 3000 Menschen ums Leben gekommen. Die
Rebellenorganisation LTTE kämpft seit mehr als 20 Jahren für
mehr Unabhängigkeit im Norden und Osten des Landes. Bei
Zusammenstößen ist häufig unklar, was wirklich vorfiel,
da die Angaben der Konfliktparteien meist stark voneinander abweichen.
Es wird davon ausgegangen, dass beide Seiten versuchen, die eigenen
Verluste herunterzuspielen und die des Gegners zu übertreiben.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Union und SPD sehen erstes Jahr der großen Koalition positiv
So.19.11.06 - Ein Jahr nach Abschluss des Koalitionsvertrags haben Union und SPD eine
überwiegend positive Bilanz der bisherigen Arbeit von Schwarz-Rot
gezogen. Die Regierung habe sicher nicht alles richtig gemacht,
insgesamt sei die Bilanz aber besser als in den Medien dargestellt,
sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) kündigte an, den Kurs entschlossen weiter zu
verfolgen. Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) warf einzelnen
Unions-Ministerpräsidenten vor, ihre eigenen Interessen über
die der Bundesrepublik zu stellen.
Am 18. November 2005 hatten Union und SPD den Koalitionsvertrag
unterzeichnet und damit die zweite große Koalition in der
Geschichte der Bundesrepublik besiegelt. Konkret lobte Steinbrück
im Deutschlandfunk die Bemühungen bei der Haushaltskonsolidierung,
der Sicherung der sozialen Systeme oder der Förderung des
Mittelstandes. Steinbrück sagte, eine Regierung müsse
entscheiden, was richtig ist: "Dabei darf man nicht nur auf Umfragen
achten." Zugleich räumte der SPD-Politiker ein, dass das Wachstum
im nächsten Jahr zurückgehen könne. Ein Grund dafür
sei auch die für 2007 beschlossene Erhöhung der Mehrwertsteuer.
Merkel unterstrich im Vorfeld der Haushaltsdebatte im Bundestag die
Notwendigkeit, den eingeschlagenen Sanierungskurs fortzusetzen. "Wir
werden die geringste Neuverschuldung seit der deutschen
Wiedervereinigung haben", sagt Merkel in ihrem neuen Video-Podcast zum
Etat 2007. Es gehe auch darum, wieder mehr Spielräume für
Investitionen in die Zukunft zu bekommen und ausländischen
Investoren zu signalisieren, dass in Deutschland "gut mit dem Geld
gewirtschaftet" werde.
Müntefering sagte der Zeitung "Die Welt", es sei erkennbar, dass
die "strukturelle Mehrheit" von Schwarz-Rot im Bundesrat bisher nicht
ausreichend greife. "Hier kochen zu viele Ministerpräsidenten der
Union ihr eigenes Süppchen." Namentlich nannte Müntefering die
Ministerpräsidenten von Bayern und Nordrhein-Westfalen, Edmund
Stoiber (CSU) und Jürgen Rüttgers (CDU).
FDP-Partei- und Fraktionsvize Rainer Brüderle kritisierte
Schwarz-Rot als "Angsthasen". Im RBB-Inforadio sagte er, CDU und SPD
hätten keines der großen Problemfelder angepackt, obwohl sie
eine 73-Prozent-Mehrheit im Bundestag und eine Zwei-Drittel-Mehrheit im
Bundesrat hätten.
(Quelle: afp)
NRW-CDU dringt weiter auf sozialeres Profil der Bundespartei
So.19.11.06 - Die nordrhein-westfälische CDU will nach ihrem umstrittenen
Vorstoß zum Arbeitslosengeld I weiter für ein sozialeres
Profil der Bundespartei werben. «Wir werden unseren Anspruch
deutlich machen, dass wirtschaftliche Vernunft und soziale
Gerechtigkeit zusammengehören», sagte der
Generalsekretär des Landesverbandes, Hendrik Wüst, in einem
Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp in Düsseldorf. Auch
zukünftig werde es sicherlich Vorschläge dazu aus dem
Landesverband geben. Nur mit dieser Balance könne die CDU auf
Bundesebene wieder Wahlergebnisse von mehr als 40 Prozent erreichen.
Er beobachte, dass auch an der Parteispitze die Zustimmung zu diesem
Kurs steige, betonte Wüst. Der Politiker zeigte sich zugleich
zuversichtlich über einen Erfolg der Initiative zum
Arbeitslosengeld. Er gehe fest von einer Zustimmung des
Bundesparteitages Ende des Monats zum Antrag der NRW-CDU und einer
Überweisung an die Unions-Bundestagsfraktion aus.
Die «Heftigkeit der Debatte» in den vergangenen Wochen und
die Zustimmung aus der Bevölkerung werde es unmöglich machen,
den Vorstoß «zu den Akten zu legen», sagte Wüst
weiter. Zugleich gerate die SPD zunehmend unter Druck, sich dem
Vorschlag anzuschließen. «Die Sozialdemokraten können
an ihrer Basis kaum noch erklären, warum sie gegen den
Vorstoß sind», ergänzte er.
Die NRW-CDU will die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I wieder
stärker an die Beitragsdauer koppeln. Zudem soll die Höhe des
so genannten Altersschonvermögens steigen.
(Quelle: ddp)
Mehrheit der Bundesbürger laut Umfrage für Mindestlohn
So.19.11.06 - Ungeachtet des koalitionsinternen Streits über die Einführung
von Mindestlöhnen haben sich die Bundesbürger in einer Umfrage
klar für deren Einführung ausgesprochen. 70 Prozent finden
laut der Infratest-Umfrage im Auftrag der SPD die Löhne im unteren
Einkommensbereich zu niedrig, schreibt die «Bild»-Zeitung.
Sogar 59 Prozent der FDP-Wähler unter den insgesamt 1.000
Befragten sprachen sich demnach für Mindestlöhne aus.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) will Ende November
sein Niedriglohn-Konzept vorlegen. Geplant ist, dass Arbeitgeber und
Gewerkschaften je nach Branchen Löhne vereinbaren, die nicht
unterschritten werden dürfen. Die CDU hat sich gegen
Mindestlöhne jedweder Form ausgesprochen.
(Quelle: ap)
Soziale Unterschiede am Arbeitsmarkt verschärfen sich
So.19.11.06 - Immer weniger abhängig Beschäftigte in Deutschland arbeiten
noch in normalen Arbeitsverhältnissen. Das geht nach einem
«Spiegel»-Bericht aus einer Untersuchung der IG Metall
hervor. Betroffen sei vor allem der Nachwuchs. So sei allein im
Organisationsbereich der Gewerkschaft jeder vierte Arbeitnehmer unter
30 Jahren in einem so genannten prekären Arbeitsverhältnis
angestellt: Fast 19 Prozent verfügten lediglich über
befristete Arbeitsverträge, knapp 6 Prozent seien als
Leiharbeitnehmer tätig.
(Quelle: dpa)
Medien: Siemens-Bestechungsaffäre hat größere Dimension
So.19.11.06 - Die Affäre um schwarze Kassen und veruntreute Firmengelder beim
Technologiekonzern Siemens hat Magazinberichten zufolge eine
größere Dimension als bekannt.
"Focus" und "Der Spiegel" berichteten am Samstag vorab, die
Ermittlungsbehörden vermuteten Schmiergelder in dreistelliger
Millionenhöhe in der Siemens-Kommunikationssparte Com. Die
Staatsanwaltschaft spricht bisher von etwa 20 Millionen Euro. Der
Münchener Staatsanwalt Anton Winkler sagte, er könne eine
höhere Zahl "derzeit nicht bestätigen".
Laut "Focus" wurden 40 Millionen Euro allein auf dem Konto eines
Managers der Landesgesellschaft in Griechenland gefunden. In
Österreich seien 60 Millionen Euro eingefroren worden. Der
"Spiegel" berichtete, die Schmiergelder könnten unter anderem
verwendet worden sein, um einen 250 Millionen Euro schweren Auftrag
für das Sicherheitssystem der Olympischen Spiele 2004 in Athen zu
erhalten. Medienberichten zufolge hat die Schweizer Bundesanwaltschaft
in Bern einen zweistelligen Millionenbetrag in Franken eingefroren.
Siemens wollte sich zu den Ermittlungen nicht äußern,
räumte aber ein, dass dem Konzern bereits seit einem Jahr Hinweise
auf Unregelmäßigkeiten vorliegen. Aus der Schweiz sei damals
der Verdacht der Geldwäsche geäußert worden, worauf eine
bis heute nicht beendete interne Untersuchung eingeleitet worden sei.
Der Vorstand habe sich regelmäßig über die Fortschritte
berichten lassen.
Der "Spiegel" berichtet, die zuständigen Abteilungen hätten
versäumt, Anzeige gegen die betreffenden Mitarbeiter zu erstatten.
Ein Siemens-Sprecher wies dies als "Schmarrn" zurück. Nachdem in
der Schweiz ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden
sei, habe es in Deutschland keinen Anlass für eine Anzeige
gegeben. Über weitere Konsequenzen werde erst nach Abschluss der
internen Untersuchung entschieden.
Am Mittwoch waren 30 Siemens-Standorte in München und Erlangen
durchsucht worden, fünf Verdächtige wurden daraufhin
verhaftet, darunter ein früherer Bereichsvorstand von Com. Ob das
Geld, das aus der Siemens-Kasse auf Konten von Tarnfirmen in der Schweiz
und Liechtenstein transferiert worden sein soll, für
Schmiergeldzahlungen verwendet wurde, wird noch geprüft.
(Quelle: rtr)
Hamburg steckt 90 Millionen Euro in arme Stadtteile
So.19.11.06 - Mit 90 Millionen Euro will die Stadt Hamburg in den kommenden fünf
Jahren arme Stadtteile fördern und vor allem Kinder besser
betreuen. Bürgermeister Ole von Beust kündigte das Projekt am
Samstag bei einer Tagung der CDU-Bürgerschaftsfraktion an, wie die
Fraktion mitteilte. Finanziert werden die zusätzlichen Mittel aus
dem Haushalt und erwarteten Steuermehreinnahmen.
Laut von Beust will die Stadt bis 2011 in 67 Grundschulen die
Klassenfrequenz des ersten Schuljahres um ein Viertel auf 18
Schüler senken. Gefördert werden vor allem Schulen, in denen
viele benachteiligte Schüler unterrichtet werden. Dafür soll
es allein im nächsten Jahr Mittel für rund 50, bis 2011
für insgesamt rund 200 zusätzliche Lehrer geben. An
Ganztagesschulen sollen zusätzliche Erzieher eingestellt werden.
Für Kinder, die schlecht Deutsch sprechen, wird ein
verpflichtendes und gebührenfreies Vorschuljahr eingeführt.
Außerdem sollen in armen Stadtteilen wie Wilhelmsburg,
Altona-Altstadt oder Billstedt Nachbarschaftszentren eingerichtet und
von der Stadt bezahlt werden.
Hamburg erlebt seit Jahren einen Boom, der vor allem vom florierenden
Hafen und Flugzeugbau angefeuert wird. Gleichzeitung stehen Stadtteile
auf der Kippe, die von hoher Arbeitslosigkeit und hohem
Ausländeranteil geprägt werden. Von Beust hatte schon
früher Hilfen für diese Viertel angekündigt.
(Quelle: ap)
WASG-Bundesparteitag: Rückendeckung für Parteifusion mit der
Linkspartei.PDS
So.19.11.06 - Sieben Monate vor der geplanten Vereinigung mit der Linkspartei.PDS hat
die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) ihrem
Vorstand Rückendeckung für die Endphase der Parteineubildung
gegeben. Der Bundesparteitag der WASG bei Paderborn sprach sich am
Samstag dafür aus, die gemeinsame Partei «Die Linke»
bis Juni 2007 zu gründen, und räumte mit einer
Satzungsänderung eine weitere Hürde aus dem Weg.
Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine forderte in Geseke-Eringerfeld bei
Paderborn, die Linke müsse noch stärker anstelle der
Rechtsextremen zur «Auffangbewegung» für die
Ausgegrenzten werden. WASG-Vorsitzende Klaus Ernst warb um
Kompromissbereitschaft. Die Zugeständnisse gingen für beiden
Seiten teils an die Grenze des Erträglichen, es dürfe aber
keine «Dogmen» geben.
In der Debatte um das künftige Programm geriet der Parteitag zu
einer Generalabrechnung mit der Berliner Linkspartei. Die Delegierten
verabschiedeten eine Erklärung, die die Fortsetzung der Koalition
mit der SPD wegen allzu großer Zugeständnisse ablehnt.
Forderungen, die Parteifusion von einem Ausstieg aus der Koalition
abhängig zu machen, fielen aber durch.
Auch Ernst attackierte die Berliner Linkspartei scharf. Diese habe wohl
«nicht alle Tassen im Schrank», als ersten Akt bei der
Neuauflage von Rot-Rot den Ladenschluss freizugeben. Der Gewerkschafter
betonte aber: «An dem darf die neue Partei einfach nicht
scheitern.« Lafontaine verurteilte die Politik des Berliner
Landesverbands als »Fehlentwicklung«, die die
Glaubwürdigkeit der Linken gefährde.
Der beschlossene Leitantrag sieht die neue Partei in der Tradition der
Arbeiterbewegung als Gegengewicht zu »Neolibaralismus und den
Angriffen des Kapitals«. Heftige Diskussionen gab es zur Rolle
des von der Linkspartei propagierten »demokratischen
Sozialismus«. Insgesamt fiel der Widerstand gegen die
Parteifusion auf dem sechsten und voraussichtlich vorletzten
Bundesparteitag der WASG schwächer aus als noch im Mai in
Ludwigshafen. Erstmals war die Mehrheit der Delegierten von Mitgliedern
bestimmt, die nach Einleitung der Fusion eingetreten waren. Nach
kontroverser Debatte hoben die 274 Delegierten mit knapper Mehrheit
überraschend eine Regelung auf, nach der Vorstandsmitglieder ab
2007 nicht mehr zugleich Abgeordnete hätten sein dürfen.
Ernst und sein Vorstandskollege Axel Troost, die beide für die
Links-Fraktion im Bundestag sitzen, können sich damit am Sonntag
zur Wiederwahl stellen.
Ärger droht der Parteispitze aber noch von der Berliner
WASG-Rebellin Lucy Redler, die sich am Sonntag ebenfalls um einen Sitz
im Vorstand bewirbt. Sie hielt Ernst entgegen, bei Kernanliegen der
Partei sei Dogmatik notwendig. »Ich bin dogmatisch gegen
Sozialabbau und Privatisierung«, sagte sie.
Schatzmeister Thomas Händel machte auf die stagnierende
Mitgliederentwicklung aufmerksam. Nach dem Boom im Vorjahr habe die
WASG seit Jahreswechsel nur rund 300 Mitglieder hinzugewonnen und
verharre nun bei etwa 12 000. Links-Fraktionschef Gregor Gysi
unterstrich die Bedeutung einer gesamtdeutschen
»Linkskraft« als Alternative zur SPD. »Die SPD hat
aufgehört, sozialdemokratisch zu sein", kritisierte er.
Um die Fusion juristisch abzusichern, vollzog der Parteitag aus
parteienrechtlichen Gründen die Umwandlung in einen eingetragenen
Verein. Die Linkspartei will am kommenden Wochenende zum Verein werden.
Lafontaine rief dazu auf, nun alle Kräfte auf die
Bürgerschaftswahl in Bremen im Frühjahr zu konzentrieren. Die
Linke müsse dort zeigen, dass sie nicht nur im Osten erfolgreich
sein könne. 2009 wolle er als Spitzenkandidat im Saarland
Ministerpräsident werden.
(Quelle: ddp)
Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG):
http://www.wasg.de/
Tausende Brandenburger demonstrieren in Halbe gegen Neonazis
So.19.11.06 - Am Vortag des Volkstrauertags haben mehrere tausend Menschen in
Brandenburg gegen Rechtsextremismus demonstriert: In der Gemeinde Halbe,
wo in den Vorjahren regelmäßig Neonazi-Aufmärsche
stattfanden, nahmen nach Veranstalterangaben rund 3500 Menschen an
einem "Tag der Demokraten" teil. Brandenburgs Ministerpräsident
Matthias Platzeck (SPD) rief zu verstärkten Anstrengungen gegen
Rechts auf. "Nazis dürfen keinen Fußbreit Raum mehr in Halbe
oder anderswo bekommen", forderte er. In Seelow, wohin die
Rechtsextremen wegen der für Halbe verhängten Auflagen
auswichen, versammelten sich rund 1000 Neonazis und 600
Gegendemonstranten.
Das Bundesverfassungsgericht hatte eine von Neonazis angemeldete
Demonstration zum Waldfriedhof Halbe auf den Bahnhofsvorplatz
beschränkt. Daher waren nach Polizeiangaben nur rund ein Dutzend
Rechtsextreme angereist, die von der Verlegung der Kundgebung in das
rund hundert Kilometer entfernte Seelow nicht unterrichtet waren.
In Seelow versammelten sich rund 1000 Rechtsextreme und etwa 600
Gegendemonstranten. Zu den Gegendemonstrationen hatten unter anderem der
Bürgermeister von Seelow sowie Vereine und gesellschaftliche
Gruppen aufgerufen. Hundertschaften der Polizei aus Brandenburg, Berlin,
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt sowie der Bundespolizei trennten
die Demonstrationsteilnehmer der beiden Lager.
Die Neonazi-Kundgebung war von dem Hamburger Rechtsextremisten
Christian Worch angemeldet worden. Er zählt zu den führenden
Köpfen der Szene und gilt als maßgeblicher Organisator von
Neonazi-Demonstrationen, darunter auch der so genannten
Rudolf-Heß-Gedenkmärsche.
Platzeck forderte mehr Gegenwehr "aus der Mitte der Gesellschaft" gegen
Rechtsextremismus. Das Land Brandenburg werde alles tun, um
rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien und Gruppierungen daran
zu hindern, den öffentlichen Raum zu besetzen.
Auf dem Waldfriedhof in Halbe liegen rund 28.000 Soldaten begraben, die
im Zweiten Weltkrieg gefallen sind, darunter Angehörige der
Waffen-SS. Das hatte den größten deutschen Soldatenfriedhof
nach dem Fall der Mauer zu einer Versammlungsstätte werden lassen,
an der sich am Vortag des Volkstrauertags Rechtsextremisten aus dem
gesamten Bundesgebiet trafen. In diesem Jahr erstmals gelungen, die
Rechtsextremen durch hohe Auflagen vom Erscheinen abzuhalten. Statt
dessen wichen sie auf eine ebenfalls angemeldete Demonstration nach
Seelow aus, wo bei einem der blutigsten Kämpfe im Zweiten Weltkrieg
100.000 Soldaten und Zivilisten ihr Leben verloren.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Megastau - Eine Milliarde Autos bevölkern die Welt -
2050: Zwischen 1,4 und 2,7 Mrd. Kfz erwartet
So.19.11.06 - Bis 2050 wird die derzeitige Zahl von rund 600 Mio. Autos auf 1,4 bis
2,7 Mrd. ansteigen. Das hat eine WIFO-Studie ergeben, die beim Earth
System Science Partnership in Peking präsentiert wurde, berichtet
das Wissenschaftsmagazin Nature. Das bedeutet auch, dass die
CO2-Emissionen sich bis 2050 verdoppeln oder sogar vervierfachen werden.
"Die Zahl der Autos wird wirklich gigantisch sein, wenn man bedenkt,
dass diese nur zum persönlichen Vergnügen der Menschen da
sind", meint Studienautorin Ina Meyer. Transport ist der
Primärnutzer von fossilen Brennstoffen - und wie es aussieht wird
es auch in Zukunft weiterhin so bleiben, daran ändern auch noch so
ehrgeizige Pläne der Einführung von Biotreibstoffen nichts.
Nach einer Studie des Verkehrsclub Österreich VCÖ sind die
Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs in Österreich seit dem Jahr
1990 um 87 Prozent gestiegen. "Bei einer Fortsetzung der derzeitigen
Verkehrspolitik wird der Verkehr im Jahr 2010 doppelt so viele
Treibhausgas-Emissionen erzeugen wie im Jahr 1990", so VCÖ-Experte
Martin Blum im pressetext-Gespräch. "Eine aktuelle Studie zeigt,
dass die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs ohne Kurswechsel auf 25,8
Mio. Tonnen steigen werden. Das sind um 13 Mio. Tonnen mehr als im Jahr
1990", erklärt Blum.
Jüngste Studien machen deutlich, wie "Auto-verliebt" die Asiaten
sind: Besonders gilt dies für in China. Dort steigt die Zahl der
Kfz jährlich um 6,4 Prozent. Tatsächlich wird derzeit Öl
in erster Linie als Treibstoff für Autos verbraucht. "Die
Autohersteller sind mitverantwortlich für eine Senkung des
CO2-Gehalts", so Meyer. In ihrer Studie hat die Wissenschaftlerin
nämlich auch festgestellt, dass sich das Verhalten der Menschen
kaum ändern werde. Überall werden die Menschen auch weiterhin
den gleichen Prozentsatz ihres Einkommens für das Auto ausgeben.
Nach vorsichtigen Hochrechnungen würde sich daraus eine weltweite
Autoflotte von 1,4 Mrd. Fahrzeugen ergeben.
Bessere Motoren haben bisher dazu geführt, dass der
Treibstoffverbrauch alle 20 Jahre um einen Liter pro 200 Kilometer
gesenkt werden konnte. Das bedeute auch, dass die Emissionen von mehr
als vier Gigatonnen CO2 betragen würden. Das wäre doppelt
soviel als heute. "Aber", wendet Meyer ein, "eine der Regeln zeigt auch,
dass mit höherem Einkommen die Größe des Autos bzw. die
Zahl der Fahrzeuge pro Familie zunimmt." Daher werde die Zahl
unterschätzt. "Wenn alle Erdenbürger so handeln, wie die
durchschnittliche US-Familie gibt es eine Fahrzeugdichte von 0,6 Kfz pro
Person. Das wären weltweit 2,7 Mrd. Autos und acht Gigatonnen
CO2-Ausstoß 2050."
Das wiederum schätzt die Expertin als zu hoch gegriffen, da die
meisten Länder nicht über die notwendige Verkehrsinfrastruktur
verfügen. "Die Wahrheit liegt wahrscheinlich zwischen diesen
beiden Zahlen", subsumiert Meyer. Derzeit lassen Diskussionen um die
Einführung von Fahrzeugen auf Biodiesel- oder Wasserstoffbetrieb
die Vorhersagen von Meyer als pessimistisch erscheinen. Die
Verkehrsentwicklung in China sei jedenfalls erschreckend - und auch die
Geschwindigkeit, mit der die Millionen von Fahrrädern
plötzlich verschwunden sind. Experten wie Jürgen Kropp vom
Potsdam Institut für Klimafolgenforschung glaubt, dass wir in
Zukunft ein ganzes Portfolio an Technologien brauchen. "Dazu kommt
zudem ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz", meint Meyer.
(Quelle: pte)