Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehr als 60 Tote im Irak am Wochenende. Ex-US-Außenminister Henry
Kissinger glaubt nicht an militärischen Erfolg im Irak. Syrien
fordert Zeitplan für ausländischen Truppenabzug aus dem Irak.
Human Rights Watch: Prozess gegen Saddam Hussein war unfair
Mo.20.11.06 - Bei zwei blutigen Anschlägen auf Zivilisten sind im Irak am
Sonntag mindestens 43 Menschen getötet worden. 19 weitere Menschen
starben nach Angaben aus Sicherheitskreisen bei amerikanischen und
irakischen Razzien gegen «Terroristen».
23 Menschen starben, als sich ein Selbstmordattentäter in Hilla
inmitten von Bauarbeitern in die Luft sprengte, die auf einem Platz der
vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadt auf Arbeit warteten. Nach
Polizeiangaben wurden 44 weitere Menschen verletzt. Auf einem Busbahnhof
im Südosten von Bagdad explodierten am Sonntag kurz hintereinander
vier Autobomben. Nach Angaben von Augenzeugen und Polizisten starben
mindestens 15 Menschen. 54 weitere Iraker seien bei dem Anschlag am
Maschtal-Bahnhof verletzt worden, hieß es. Bei weiteren Attacken
von Extremisten starben insgesamt fünf Menschen.
Die Polizei in Basra dementierte unterdessen arabische Medienberichte,
wonach die vier am Donnerstag im Südirak entführten Amerikaner
befreit worden sein sollen. Ein Polizeisprecher sagte, von den
Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma fehle jede Spur. Die Polizei hatte
am Freitag berichtet, die Leiche eines bei diesem Zwischenfall
ebenfalls entführten österreichischen Mitarbeiters der selben
Firma sei in der Wüste gefunden worden. Der Österreicher sei
anhand seiner Papiere identifiziert worden.
Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger hat den Glauben an
einen militärischen Erfolg im Irak nach eigenen Worten verloren.
Kissinger erklärte in einem BBC-Fernsehinterview, er halte einen
«militärischen Sieg», bei dem es eine irakische
Regierung gebe, die das ganze Land kontrolliere, die den
Bürgerkrieg und die Gewalt zwischen den Volksgruppen unter
Kontrolle bekomme, nicht mehr für möglich. Auch der
Befehlshaber der US-Truppen im Irak, General John Abizaid, räumte
ein, dass militärische Gewalt allein dort nicht für
Stabilität sorgen könne. Wenn es überhaupt einen
Fortschritt in der Region geben solle, dann müsse die US-Regierung
in einen Dialog mit den Nachbarstaaten treten - auch mit dem Iran,
sagte Kissinger.
Zugleich warnte er jedoch vor einem raschen Abzug der britischen und
amerikanischen Truppen aus dem Irak, weil dies für die gesamte
Region auf Jahre hinaus «katastrophale Folgen» haben
könnte. Kissinger regte er eine internationale Irakkonferenz mit
den Nachbarstaaten und den UN-Vetomächten an.
Dänemark erwägt die Verlegung seiner etwa 500 im Südirak
stationierten Soldaten nach Bagdad. Außenminister Per Stig
Møller sagte dazu am Samstagabend im TV-Sender DR2, dies sei
«ein ausgezeichneter Gedanke, den wir überlegen
werden». Die Möglichkeit einer Verlegung in das hart
umkämpfte Bagdad nannte der Minister jedoch «derzeit rein
hypothetisch».
Der syrische Außenminister Walid Moallem hat bei seinem Besuch in
Bagdad einen Zeitplan für den Abzug ausländischer Truppen aus
dem Irak gefordert. Ein solcher Schritt könnte der Gewalt Einhalt
gebieten, sagte Moallem am Sonntag nach einer Unterredung mit dem
irakischen Außenminister Hoschjar Sebari. Er sagte seinem
Gesprächspartner die volle Unterstützung Syriens bei den
Bemühungen um mehr Sicherheit im Irak zu und erteilte jeglicher
Form des Terrorismus eine Absage.
Der Besuch galt als wichtiger Schritt zur Wiederaufnahme diplomatischer
Beziehungen zwischen Bagdad und Damaskus, die 1982 abgebrochen wurden.
Ob darüber bereits eine Einigung erzielt wurde, wurde
zunächst nicht bekannt. Moallem wollte auch noch Gespräche
mit Staatspräsident Dschalal Talabani und Ministerpräsident
Nuri al-Maliki führen. Der Irak hat Syrien wiederholt vorgeworfen,
es ermögliche ausländischen Kämpfern die Einreise.
Syrien hat erklärt, es sei unmöglich, die lange Grenze
zwischen beiden Ländern zu kontrollieren.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat den Prozess gegen
den früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein als
fehlerhaft bezeichnet und gefordert, die gegen ihn verhängte
Todesstrafe aufzuheben. "Der Prozessverlauf war zutiefst unfair und das
Urteil ist deshalb unseriös", teilte die Organisation am Sonntag
(Ortszeit) in New York mit. Human Rights Watch hatte den Prozess in
Bagdad zehn Monate lang beobachtet und dutzende Interviews mit den
Richtern, Anwälten und Staatsanwälten gemacht und einen
entsprechenden fast 100-seitigen Bericht angefertigt.. Danach sei das
Gericht von der irakischen Regierung beeinflusst gewesen und habe nicht
unabhängig handeln können.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 20.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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London und Islamabad wollen moderaten Islam stärken
Mo.20.11.06 - Mit der Unterstützung gemäßigter Islamschulen und der
Schaffung von Arbeitsplätzen wollen Großbritannien und
Pakistan den Terrorismus bekämpfen. Außerdem müssten die
aufständischen Taliban in Afghanistan und Pakistan besiegt werden,
erklärten Premierminister Tony Blair und der pakistanische
Staatschef General Pervez Musharraf am Sonntag in Lahore. Beide
Politiker sprachen sich ferner für eine Lösung des
Nahostkonflikts aus, der als einer der Ursachen für die Verbreitung
des weltweiten Islamismus gilt.
Der Kampf gegen den Terror werde noch lange andauern, sagte Blair, der
Pakistan zum dritten Mal besuchte. Er und Musharraf sprachen sich
dafür aus, die Gewalt in Afghanistan mit militärischen
Mitteln, wirtschaftlichem Wiederaufbau und der Bekämpfung des
Opiumhandels einzudämmen. Zur Kontrolle der
afghanisch-pakistanischen Grenze werde London den Drogenfahndern zwei
Hubschrauber zur Verfügung stellen, sagte Blair. Außerdem
stimmte er der sofortigen Freigabe von 20 Millionen Pfund (30 Millionen
Euro) zur Bekämpfung von Armut zu. Ferner erhöht
Großbritannien die geplanten Mittel für pakistanische
Religionsschulen, in denen eine gemäßigte Form des Islams
gelehrt werden soll, von 236 Millionen auf 480 Millionen Pfund.
Drei der vier Attentäter, die im Juli 2005 tödliche
Anschläge auf den öffentlichen Nahverkehr in London
verübten, hatten Familienbeziehungen nach Pakistan. Zwei von ihnen
waren in den Monaten vor den Anschlägen in Pakistan.
(Quelle: ap)
USA üben in Sachen Afghanistan weiterhin Druck auf Berlin aus
Mo.20.11.06 - Die USA beharren darauf, die Bundeswehr im gefährlichen Süden
Afghanistans in die Pflicht nehmen. Die «Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung» zitierte einen hohen Beamten des
US-Verteidigungsministeriums mit den Worten, die deutschen Vorbehalte
«vertragen sich nicht mit einem solidarischen Verhalten».
Berlin müsse «einen Schritt weiter» gehen als bisher.
Der deutsche Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung verteidigte
die Position seines Landes.
Jung sagte ebenfalls in der «FAS», Deutschland habe sich
«von Anfang an mit großer Entschlossenheit seiner
Verantwortung für Afghanistan gestellt». So habe man die
Führung für die gesamte Nordregion in der internationalen
Stabilisierungsmission ISAF übernommen. «Deutschland wird in
Notlagen im Rahmen des bestehenden Bundestagsmandats helfen und
unterstützen», unterstrich der CDU-Politiker.
Auch der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von
Klaeden, wies den Vorwurf aus Kreisen der NATO-Verbündeten als
«sachlich falsch» zurück, Deutschland sei
unsolidarisch. Von Klaeden wies in der «BZ am Sonntag»
darauf hin, dass Bundeswehrsoldaten bei Not am Mann auch im Süden
eingesetzt werden können. Es habe bereits Unterstützung beim
Lufttransport und mit Fernmeldern gegeben. Der stellvertretende
Vorsitzende der Unionsfraktion, Andreas Schockenhoff, räumte in der
«Frankfurter Rundschau» ein: «Wir müssen uns
realistischerweise darauf einstellen, dass der Druck wächst, das
Engagement zu intensivieren.»
Strikt gegen einen Einsatz deutscher Soldaten in Südafghanistan
sprach sich der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber aus.
Dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» sagte er, das Mandat sollte
auf keinen Fall ausgeweitet werden. Auch 82 Prozent der Deutschen sind
laut einer vom «Spiegel» in Auftrag gegebenen Umfrage von
TNS Infratest dagegen, dass sich die Bundeswehr an Kampfeinsätzen
im Süden beteiligt.
Der ranghohe Pentagon-Beamte forderte in der «FAS» indes:
«Der Befehlshaber in Afghanistan muss die Deutschen morgens
anrufen können und ein Bataillon für den Einsatz im Süden
anfordern. Das muss dann abends dort sein.» Es sei nicht
hinnehmbar, dass ein Land sich grundsätzlich gegen die Verlegung
seiner Einheiten in bestimmte Landesteile sperre: «Wir hassen
solche Vorbehalte.»
Berlin erwartet weiteren Druck von Seiten der NATO in dieser Frage beim
Gipfel in Riga Ende des Monats. Wie die «Leipziger
Volkszeitung» unter Berufung auf Regierungskreise meldete, ist die
Bundesregierung daher bemüht, die Debatte über das
militärische Engagement in Afghanistan zu entspannen. Zwar sei
nicht an eine Ausweitung des Mandats gedacht, aber an eine
«flexiblere Regelung» für praktische Hilfeleistungen.
Der Vorwurf gegen die Bundeswehr, sie sei wegen unterlassener
Hilfeleistung am Tod von zwölf kanadischen Soldaten in Afghanistan
mitschuldig, ist nach einer Meldung des Nachrichtenmagazins
«Focus» offenbar haltlos. Deutsche Stellen seien nicht um
Verstärkung für in Bedrängnis geratene kanadische
Soldaten gebeten worden, berichtete das Magazin.
Der britische Abgeordnete Frank Cook rückte laut
«Focus» von verschiedenen Medien ihm zugeschriebene
Äußerungen zurecht und sagte, die Kanadier hätten zwar
beim britischen General David Richard um Verstärkung gebeten. Vom
Kommando der NATO-Truppen in Südafghanistan sei dann aber die
Antwort gekommen, geeignete Kontingente aus fünf Staaten, darunter
Deutschland, könnten jedoch nicht geschickt werden, weil der
Gesetzgeber der jeweiligen Länder Kampfeinsätze in
Südafghanistan untersage. Weder der deutsche Kontingentführer
noch die Bundesregierung seien kontaktiert worden.
(Quelle: ap)
Deutschland peilt weiter ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat an
Mo.20.11.06 - Deutschland will an seinem Bestreben nach einem ständigen Sitz im
Weltsicherheitsrat festhalten. «Wir haben eine
Koalitionsvereinbarung, in der wir deutlich gemacht haben, dass wir bei
einer UN-Reform dieses nicht zur absoluten Priorität machen. Aber
wir halten das Interesse Deutschlands weiter aufrecht für den Fall,
dass Europa einen zusätzlichen Sitz bekommt», sagte die
Kanzlerin der dpa in Berlin. Das Thema Reform der Vereinten Nationen
wird auch auf dem CDU- Parteitag in Dresden am nächsten Sonntag
debattiert.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israels Armee setzte Streumunition im Libanon entgegen Befehl ein
Mo.20.11.06 - Der vielfach kritisierte Einsatz israelischer Streubomben während
des Libanon-Kriegs ist nach Angaben der Militärführung nicht
genehmigt gewesen. Generalstabschef Dan Halutz habe verboten, diese Art
von Munition abzufeuern, verlautete am Sonntagabend aus
Verteidigungskreisen in Jerusalem. Die Luftwaffe habe sich an den
Befehl gehalten, das Heer jedoch nicht. Halutz habe zwischenzeitlich
eine Untersuchung eingeleitet, meldete das israelische Armeeradio.
Wegen des Einsatzes von Streubomben ist Israel international heftig
kritisiert worden, da die Sprengkörper vielen Zivilpersonen
schwere, teils tödliche Verletzungen zufügten. Israel hat
immer betont, es habe sich an die einschlägigen internationalen
Konventionen gehalten. Diese erlauben den Einsatz von Streubomben,
allerdings nicht in Wohngebieten. Halutz ist wegen des Libanon-Kriegs
wiederholt zum Rücktritt aufgerufen worden.
(Quelle: ap)
Mehrere Äthiopier bei Kämpfen mit somalischen Islamisten
getötet
Mo.20.11.06 - Islamische Milizionäre in Somalia haben nach Augenzeugenberichten
einen äthiopischen Militärkonvoi angegriffen und mindestens
sechs Soldaten getötet. Etwa 20 weitere Äthiopier seien
verletzt worden, hieß es. Der Angriff habe sich am Sonntag nahe
der südlichen Stadt Bardaleh ereignet. Es handelte sich um das
erste Gefecht zwischen den islamistischen Milizen, die weite Teile
Somalias kontrollieren, und den äthiopischen Truppen, die die
nahezu machtlosen Übergangsregierung in Baidoa unterstützen.
Milizsprecher Sheik Abdirahim Ali Mudey bestätigte der
Nachrichtenagentur AP, dass vier äthiopische Militärlastwagen
zerstört und einige Soldaten getötet worden seien. Er machte
dafür allerdings regionale Aufständische verantwortlich, die
die Invasion Äthiopiens in Somalia ablehnten. Das Land am Horn von
Afrika versank nach dem Sturz des langjährigen Machthabers
Mohammed Siad Barre 1991 in Anarchie.
(Quelle: ap)
CIA hat keine Beweise für Atombombenbau im Iran
Mo.20.11.06 - Dem US-Geheimdienst CIA liegen bislang keine stichhaltigen Beweise
für die Entwicklung von Atomwaffen im Iran vor. Eine streng geheime
Analyse der CIA widerspreche Annahmen der Regierung in Washington
über den Stand eines Atombombenprogramms. Das schreibt ein
amerikanische Star-Journalist im «New Yorker». Für die
Analyse seien unter anderem mit Hilfe von Satelliten Daten gesammelt
worden. Wasserproben und Rauch aus Schornsteinen von Fabriken sowie
Kraftwerken seien zudem auf Radioaktivität untersucht worden.
(Quelle: dpa)
Apec-Staaten wollen Nordkorea zu Atomverzicht drängen
Mo.20.11.06 - Die Apec-Staaten haben sich im Wesentlichen auf eine Erklärung
verständigt, die Nordkorea zu einem Verzicht auf sein Atomprogramm
drängen soll.
In der Substanz seien sich die Mitglieder des
Asiatisch-Pazifischen-Wirtschaftsforums (Apec) einig, sagte Stephen
Hadley, der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident George W.
Bush, am Samstag. Strittig seien lediglich noch einige Formulierungen.
"Ich denke, wir sind zufrieden mit der Erklärung." Die Teilnehmer
machten sich zudem für eine Fortsetzung der
Welthandelsgespräche stark. Die gegenwärtige Blockade
müsse aufgebrochen und die Verhandlungen fortgesetzt werden, um
bald eine Lösung zu finden.
Die Erklärung zu Nordkorea werde nicht Teil des offiziellen
Abschlusskommuniques sein, sagte ein US-Regierungsvertreter. Sie werde
wohl eine Verurteilung des nordkoreanischen Atomwaffentests vom Oktober
beinhalten. Außerdem werde die Regierung in Pjöngjang
voraussichtlich aufgefordert, ihre Nuklearaktivitäten einzustellen
und zu den Sechs-Parteien-Gesprächen über sein Atomprogramm
zurückzukehren.
Bush hatte im Vorfeld des Apec-Gipfels den südkoreanischen
Präsidenten Roh Moo Hyun und den japanischen Regierungschef Shinzo
Abe getroffen. Bei den Mitgliedern der Sechs-Parteien-Gespräche
besteht Uneinigkeit über den Umgang mit Nordkorea. So treten die
USA und Japan für einen harten Umgang mit der Führung in
Pjöngjang ein, während die Nachbarstaaten China und
Südkorea auf Dialog und Kooperation setzen. Ein Termin für die
nächsten Sechs-Parteien-Gespräche ist nicht bekannt.
Die Einigung über die Fortsetzung der Welthandelsgespräche
sieht der Apec-Erklärung unter anderem vor, dass größere
Mitgliedstaaten ihre Agrar-Subventionen zurückfahren. Darüber
hinaus sollen Zölle gesenkt und der Dienstleistungsbereich
geöffnet werden. Weitere Details waren in der Vereinbarung nicht
enthalten. Diplomaten zeigten sich jedoch skeptisch, ob
tatsächlich die Welthandelsrunde wiederbelebt werden kann. Die so
genannte Doha-Runde war im Juli im Streit um Beihilfen für die
Landwirtschaft in den USA und der Europäischen Union gescheitert.
Die französische Handelsministerin Christine Lagarde erwartet von
den Verhandlungspartnern USA und den Entwicklungsländern keine
Zugeständnisse. Die EU sei mit ihrem letzten Angebot bereits an die
Schmerzgrenze gegangen, sagte Lagarde dem "Handelsblatt"
(Montagsausgabe). Zudem habe der Sieg der Demokraten bei den US-Wahlen
die Lage erschwert. Ein hochrangiger Vertreter der EU hatte zuvor beim
G-20-Treffen in Melbourne die USA dazu aufgefordert, einen ersten
Schritt zu tun, um die Gespräche wieder zu beleben.
(Quelle: rtr)
USA und Russland unterzeichnen WTO-Abkommen in Hanoi
Mo.20.11.06 - Russland und die USA haben ein lang erwartetes Abkommen für den
russischen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) unterzeichnet. Die
Vereinbarung wurde am Rande des Gipfeltreffens des Asien-Pazifik-Forums
(APEC) in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi geschlossen. Mit der
Übereinkunft gilt das entscheidende Hindernis für einen
Beitritt der letzten großen Industrienation zu der Organisation
als überwunden. Die USA hatten den russischen Beitritt unter
anderem wegen des Streits um den Schutz von Urheberrechten blockiert.
Das Abkommen unterzeichneten die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab und
der russische Minister für wirtschaftliche Entwicklung, German
Gref. Der Prozess ist damit jedoch noch nicht abgeschlossen. Im
US-Kongress verfügen die oppositionellen Demokraten seit den von
US-Präsident George W. Bushs Republikanern verlorenenen Wahlen vom
7. November über die Mehrheit. Die Demokraten sind als
Anhänger einer stärker protektionistischen Haltung bekannt und
könnten Einwände dagegen erheben, Russland den Status von
"ständigen normalen Handelsbeziehungen" (PNTR) zu gewähren.
Außerdem muss Moskau multilaterale Abkommen mit allen Mitgliedern
der in Genf ansässigen WTO schließen.
Bush wollte im Laufe des Sonntags am Rande des APEC-Gipfels mit dem
russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammentreffen. Russland
strebt seit 1993 in die WTO, deren Mitglieder sich verpflichten, sich
beim Handel nicht durch unfaire Zölle oder Gesetze zu behindern.
Auch die deutsche Wirtschaft erhofft sich durch die russische
WTO-Mitgliedschaft bessere Bedingungen für Investitionen in
Russland. Vietnam, der Gastgeber des APEC-Gipfels, hat sich nach
ebenfalls zähen Verhandlungen mit den USA den Beitritt zur WTO als
150. Mitgliedsstaat bis Ende des Jahres gesichert.
Die US-Regierung hatte unter anderem wegen der Film- und Musikpiraterie
sowie anderer Urheberrechtsverstöße in Russland Vorbehalte
gegen Moskaus Aufnahme in WTO gehabt. Zu den anderen Streitfragen
zählten die Forderung der USA nach einer weiteren Öffnung des
russischen Banken- und Versicherungsmarkts sowie die Importzölle
auf Agrarprodukte. Beim G-8-Gipfel im Juli in St. Petersburg war das
Abkommen wider Erwarten nicht zustande gekommen. Danach hatten sich die
USA und Russland zuversichtlich gezeigt, im Herbst eine Einigung
erzielen zu können.
(Quelle: afp)
10.000 demonstrierten gegen Bush-Besuch in Indonesien
Mo.20.11.06 - Einen Tag vor dem Besuch von US-Präsident George W. Bush in
Indonesien haben dort 10.000 Menschen gegen dessen Außenpolitik
demonstriert. In Sprechchören und auf Transparenten wurde Bush am
Sonntag in Jakarta als Kriegsverbrecher und Terrorist beschimpft. Ein
Mann zog eine Puppe über die Straße, die den
US-Präsidenten darstellen sollte. Bush wird am Montag in der Stadt
Bogor zu Gesprächen mit dem indonesischen Präsidenten Susilo
Bambang Yudhoyono erwartet. Die Behörden haben 18.000 Polizisten
und Angehörige militärischer Eliteeinheiten in Bogor in
Bereitschaft versetzt.
(Quelle: ap)
Aufklärung über chinesische Praxis der Organentnahme gefordert
Mo.20.11.06 - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat China am Sonntag
aufgefordert, Zahlen über die Entnahme von Organen hingerichteter
Häftlinge vorzulegen. China müsse offenlegen, wie viele
Menschen jährlich hingerichtet und wie viele Organtransplantationen
vorgenommen würden, erklärte ein Sprecher der Organisation in
Hongkong. Die Tageszeitung «China» hatte
Vizegesundheitsminister Huang Jiefu am Donnerstag mit den Worten
zitiert, Hingerichteten würden regelmäßig Organe zu
Transplantationszwecken entnommen. Dies geschehe aber nur mit dem
Einverständnis der Häftlinge oder deren Familien.
Abgesehen von einer kleinen Zahl von Verkehrsopfern kämen die
meisten Organe von hingerichteten Gefangenen, wurde Huang zitiert.
Bereits in der Vergangenheit haben chinesische Behördenvertreter
die Praxis eingeräumt, sie zugleich aber als legal verteidigt.
Kritiker sagen dagegen, viele Organe würden ohne Zustimmung der
Gefangenen entnommen. Sie vermuten finanzielle Interessen, ethische
Aspekte würden nicht berücksichtigt. Der Sprecher von Human
Rights Watch in Hongkong, Nicholas Bequelin, sagte, die Praxis werfe
Fragen zur chinesischen Justiz, zum Einsatz der Todesstrafe, zur
ärztlichen Ethik und zu Unregelmäßigkeiten beim
Organhandel auf.
Experten vermuten, dass in China mehr Hinrichtungen vollstreckt werden
als insgesamt in allen anderen Ländern, die die Todesstrafe
verhängen. Laut Amnesty International wurden in China 2005
mindestens 1.770 Menschen hingerichtet, das entspricht etwa 80 Prozent
der Hinrichtungen weltweit. Zahlen darüber hat China nie
veröffentlicht.
(Quelle: ap)
Schuldenerlass für Nicaragua
Mo.20.11.06 - Die Interamerikanische Entwicklungsbank (IADB) hat Nicaragua einen
Großteil seiner Schulden erlassen. Damit solle das
zweitärmste Land der westlichen Hemisphäre bei Projekten zur
Förderung der Infrastruktur unterstützt werden, teilte
IADB-Präsident Enrique Bolanos am Samstag in Managua mit. Die
Einzelheiten des Schuldenerlasses stehen noch nicht fest, sollen sich
aber auf ein Volumen von 700 bis 900 Millionen Dollar erstrecken. Bei
einer Gesamtverschuldung von 2,4 Milliarden Dollar war die IADB mit
Forderungen von 1,4 Milliarden Dollar bislang der größte
Gläubiger Nicaraguas. Die Entscheidung bedeutet, dass die neue
linksgerichtete Regierung von Präsident Daniel Ortega bei
Amtsantritt am 10. Januar nach Angaben von Bolanos nur noch mit einer
Schuldenlast von etwa 1,58 Milliarden Dollar konfrontiert ist.
(Quelle: ap)
EU verlangt von Deutschland mehr Klimaschutz - Strengere Zielvorgaben
für die Industrie gefordert
Mo.20.11.06 - Nach der ergebnislos verlaufenen Klimakonferenz von Nairobi droht der
Bundesregierung nun in der Europäischen Union (EU) eine herbe
Schlappe. Nach Informationen der Zeitung «Die Welt» will
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas den vom Bundesumweltministerium
eingereichten «Nationalen Allokationsplan 2» (NAP 2) zur
Verteilung von Emissionsrechten zurückweisen. Bundesumweltminister
Sigmar Gabriel (SPD) versuche nun mit Nachbesserungen, den Verweis aus
Brüssel noch zu verhindern.
Der Allokationsplan legt fest, wie viel klimaschädliche
Kohlendioxid-Emissionen die Industrie in den Jahren 2008 bis 2012
ausstoßen darf. Das Umweltministerium hat laut «Welt»
im NAP 2 eine Gesamtmenge von 482 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2)
beantragt. Zudem sehe der Plan vor, dass neu gebaute Kraftwerke 14
Jahre lang eine Vollausstattung mit Emissionszertifikaten erhalten,
also keine weiteren Klimaschutz-Leistungen erbringen müssen.
Beide Punkte würden von der EU-Kommission kritisiert. So fordere
die EU-Kommission einen maximalen CO2-Ausstoß Deutschlands von
465 Millionen Tonnen bis 2012. Diese strengere Zielvorgabe sei
nötig, weil Deutschland sonst das Klimaschutzziel des
Kyoto-Protokolls zu verfehlen drohe.
Die Zusage der Politik, neue Kraftwerke 14 Jahre lang von jeder
Reduktionsverpflichtung auszunehmen, sei eine «versteckte
Subvention für Kohlekraftwerke», hieß es der Zeitung
zufolge in EU-Kreisen. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn
sagte, der Emissionshandel sei «die offene Flanke" Gabriels. Bei
seinen Eckpunkten zum NAP 2 bekämen die großen Stromkonzerne
mehrere Milliarden Euro in die Tasche gesteckt. Zudem werde die
Kohleverstromung zementiert.
Scharfe Kritik an Gabriel kam auch von Grünen-Fraktionschefin
Renate Künast: «Der drohende blaue Brief aus Brüssel
zeigt eindeutig: Der selbsternannte Umweltkaiser Gabriel steht ohne
Kleider da.» Eine glaubwürdige Umweltpolitik hätte nach
Ansicht Künasts die Energiekonzerne zu schärferen
Schadstoff-Reduzierungen verpflichtet.
Aus dem Bundesumweltministerium hieß es, die erst jetzt
vorliegenden Emissionsdaten der Jahre 2003/2004 erforderten eine
Anpassung des Allokationsplans. In welchem Umfang dies nötig sei,
müsse eine Auswertung zeigen. Die Ergebnisse lägen in rund
anderthalb Wochen vor. Bis dahin seien alle Zahlen spekulativ.
Der Umweltverband BUND verlangte unterdessen ein energischeres Handeln
im Kampf gegen die Erderwärmung. Zum Abschluss ihrer
Bundesversammlung sprachen sich die Delegierten des Verbandes am
Wochenende dafür aus, die Förderung von erneuerbaren Energien
sowie von Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz zu
verstärken. Hauptaufgabe der deutschen EU-Ratspräsidentschaft
müsse die Durchsetzung eines europäischen Aktionsplanes zum
Energiesparen sein, sagte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt.
Deutschland müsse seine Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um
mindestens 40 Prozent senken, die EU um 30 Prozent im Vergleich zu 1990.
Auch die Links-Fraktion sieht nach der erfolglosen Klimakonferenz in
Nairobi nun die EU am Zuge. Mit der EU-Ratspräsidentschaft halte
Deutschland 2007 «einen Schlüssel für die
Wiederbelebung der internationalen Klima-Verhandlungen in den
Händen», sagte die Umweltexpertin der Fraktion, Eva
Bulling-Schröter, und forderte, Klimapolitik müsse zur
Chefsache werden.
(Quelle: ddp)
Energiekonzern EnBW fordert Verschiebung des Atomausstieges
Mo.20.11.06 - Der Energiekonzern EnBW hat sich für die Verschiebung des
geplanten Atomausstieges ausgesprochen. «Der Ausstieg aus der
Kernenergie in seiner heutigen Terminierung ist mit den
energiewirtschaftlichen und ökologischen Zielen dieses Landes
objektiv nicht vereinbar», sagte EnBW-Chef Utz Claassen der
«Leipziger Volkszeitung» laut Vorabmeldung.
Nach Darstellung des Vorstandsvorsitzenden führt der Ausstieg
zwangsläufig zu steigenden Strompreisen in Deutschland. Zudem sei
es unmöglich, die Kraftwerkskapazitäten allein mit
regenerativer Energie zu ersetzen. «Deshalb müssen die
Lücken durch neue Kohle- oder Gaskraftwerke geschlossen werden.
Das aber führt automatisch zu einem höheren CO2-Ausstoß
und damit zu einem Verstoß gegen das Kyoto-Protokoll.»
Außerdem mache sich Deutschland von Öl- und
Gas-Förderländern noch abhängiger, kritisierte Claassen.
(Quelle: ap)
Debatte über Bleiberecht geht weiter
Mo.20.11.06 - Nach der Einigung der Innenminister über das Bleiberecht für
langjährig geduldete Ausländer ist der Ruf nach weitergehenden
Regelungen laut geworden.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer,
lobte den Kompromiss am Samstag, bezeichnete ihn aber lediglich als
ersten Schritt. Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD)
sprach sich dafür aus, Ausländern generell Zugang zum
Arbeitsmark zu verschaffen, wenn sie seit vier Jahren in Deutschland
leben. Das aber lehnt die Union ab.
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Fritz Rudolf Körper
bestand auf dem Vorschlag der großen Koalition, der den
Betroffenen eine großzügigere Frist zur Arbeitsplatzsuche
gewährt hätte als von den Ländern geplant. "Die
Innenminister haben einen Zwischenschritt beschlossen", sagte er der
"Financial Times Deutschland". Im Bundesrat müssten sich die
Länder erneut mit den Vorschlägen der großen Koalition
befassen.
Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang
Bosbach, betonte im NDR, die Union bleibe bei ihrer Position, dass
geduldete Ausländer zunächst eine Stelle finden müssten,
bevor ihnen Bleiberecht gewährt werde. Bosbach begrüßte
die Vereinbarung der Innenminister, wonach die Betroffenen bis Ende
September Zeit erhalten sollen, einen Arbeitsplatz zu finden. Der
CDU-Politiker war an dem Vorschlag der großen Koalition beteiligt,
der eine Zwei-Jahres-Frist vorsah.
Trotz seiner Korrekturwünsche verteidigte Körting die
Vereinbarung der Innenminister. "Wir haben für viele Leute Gutes
getan", sagte er dem RBB-Inforadio. Denn jene, die nun bis Ende
September einen Job suchen könnten, um ein Bleiberecht zu bekommen,
hätten sonst keine Chance auf einen dauerhaften Aufenthalt in
Deutschland.
Böhmer nannte die Einigung der Innenminister ein richtiges Signal
an die Betroffenen. Notwendig sei allerdings, dass geduldete
Ausländer bei der Suche nach einem Job künftig
gleichberechtigt wie Deutsche oder EU-Bürger zu behandeln seien,
sagte sie laut Deutschlandfunk.
Die Innenminister der Länder hatten sich am Freitag in
Nürnberg darauf verständigt, dass langjährig geduldete
Ausländer ein Bleiberecht erhalten sollen, wenn sie eine Arbeit
haben, ausreichend Deutsch können und keinen kriminellen oder
extremistischen Hintergrund haben. Wer bis Ende September keine Stelle
findet, muss mit Abschiebung rechnen.
(Quelle: rtr)
Wulff warnt CDU vor Linksruck
Mo.20.11.06 - Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hat die CDU vor
einem Linksruck gewarnt. Opportunismus und Populismus würden vom
Wähler immer bestraft, sagte Wulff in einem Interview der
«Welt am Sonntag». «Deshalb ist eine Linksverschiebung
der Union mir mir nicht zu machen», stellte der CDU-Politiker
dar. «Kurs halten, heißt das Gebot der Stunde.»
Auf dem Bundesparteitag der CDU in Dresden am kommenden Wochenende
erwartet Wulff eine klare Bestätigung der Reformziele der Partei.
Er plädierte dafür, dass die CDU für einen Reformkurs und
ehrliche Politik eintrete, «auch wenn sie schwerer zu vermitteln
ist als unehrliche». Langfristig sei dies der bessere Weg.
(Quelle: ap)
Widerstand gegen Unternehmensteuerreform im SPD-Parteirat
Mo.20.11.06 - Im SPD-Parteirat gibt es Widerstand gegen die geplante
Unternehmensteuerreform der Bundesregierung. "Es wird regen
Nachfragebedarf geben", sagte der Parteiratsvorsitzende Claus
Möller der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mit Blick auf
die nächste Sitzung am Montag. Möller ist SPD-Landeschef in
Schleswig-Holstein. Es gebe zahlreiche Stimmen, die eine jährliche
Nettoentlastung der Unternehmen um fünf Milliarden Euro für
"unzeitgemäß" hielten. "Der Glaube, dass Steuersenkungen
immer zu mehr Wirtschaftswachstum führen, entspringt
Voodoo-Finanzpolitik", kritisierte der saarländische
SPD-Landeschef Heiko Maaß in der "FAS" die Reform.
"Bei Nullrunden für Rentner passt das vielen nicht in die
Landschaft", sagte Möller. Die massive Steuersenkung um
durchschnittlich zehn Prozent für Unternehmen dürfe deshalb
nicht dauerhaft zu Einnahmeausfällen in Höhe von fünf
Milliarden Euro führen. "Aufgrund der desolaten Situation der
öffentlichen Haushalte ist es schlichtweg nicht vermittelbar, dass
der Staat Unternehmen Steuergeschenke macht", sagte Maas.
"Wegen der Belastung der öffentlichen Haushalte muss die Reform
weitgehend aufkommensneutral erfolgen", verlangte Nordrhein-Westfalens
SPD-Chef Jochen Dieckmann in der "FAS." "Da haben wir eine
grundunterschiedliche Haltung gegenüber Peer Steinbrück und
der Bundesregierung", ergänzte in der selben Zeitung Hannelore
Kraft, SPD-Fraktionschefin im Düsseldorfer Landtag. "Politisch ist
die Steuersenkung hier nicht zu verkaufen, wo Unternehmen wie BenQ,
Allianz und Siemens (Xetra: 723610 - Nachrichten) ihre Leute feuern."
Die formulierte Kritik kann auch als Widerstand der Partei gegen den
SPD-Vorsitzenden Kurt Beck sowie seinen Stellvertreter
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück gesehen werden, heißt
es dem Bericht zufolge. Beide hatten die SPD um Unterstützung
gebeten.
Union und SPD hatten sich Anfang November nach langem Ringen auf ein
Konzept zur Reform der Unternehmensteuern geeinigt, das Firmen in
Deutschland deutlich entlasten soll. Für Unternehmen soll ab 2008
statt bisher im Schnitt 38,7 Prozent nur noch eine
Gesamt-Steuerbelastung von knapp unter 30 Prozent gelten. Die
Körperschaftsteuer soll künftig statt bei bisher 25 Prozent
nur noch bei 15 Prozent liegen. Außerdem sollen auch die
Grundlagen für die Berechnung der Gewerbesteuer geändert
werden. Somit sinkt die Belastung für Unternehmen auf rund 29,2
Prozent.
(Quelle: afp)
Arbeitgeber für kürzere Bezugsdauer von Arbeitslosengeld
Mo.20.11.06 - Die Arbeitgeber sind einem Zeitungsbericht zufolge für eine
weitere Verkürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes. Ziel
müsse sein, den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung dauerhaft
unter 4,2 Prozent zu bringen, heißt es in einer Stellungnahme der
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), die dem
«Handelsblatt» nach einem eigenen Bericht vorliegt. Demnach
soll die Bezugsdauer auf ein Jahr begrenzt und eine Wartefrist von vier
Wochen eingeführt werden. Ältere Arbeitslose können das
Arbeitslosengeld I bislang 18 Monate lang beziehen. Der
Versicherungsbeitrag soll zum 1. Januar von 6,5 Prozent auf 4,2 Prozent
des Bruttolohns sinken.
(Quelle: ap)
Sozialverband VdK gegen Pflegezeit
Mo.20.11.06 - Der Sozialverband VdK hat den Vorschlag der Landessozialminister zur
Einführung einer Pflegezeit als realitätsfern und nicht
umsetzbar zurückgewiesen. Es sei für die Betroffenen nicht
zumutbar, sich bis zu drei Jahre von der Arbeit befreien zu lassen und
die Angehörigen zu pflegen, sagte VdK-Präsident Walter
Hirrlinger der Chemnitzer «Freien Presse» (Montagausgabe).
Unternehmen könnten nicht über einen so langen Zeitraum die
Arbeitsstelle freihalten. Hirrlinger schlug vor, die Freistellung nicht
über sechs Monate auszudehnen. Das wäre für beide Seiten
vertretbar.
Der Verbandspräsident sprach sich für eine Stärkung der
ambulanten Pflege aus. Immer mehr Pflegebedürftige zögen es
vor, zu Hause zu bleiben. Außerdem sei es wegen der
demographischen Entwicklung unmöglich, die nötigen
Bettenkapazitäten zur Verfügung zu stellen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft und Technik
UN-Generalsekretär Annan warnt vor Gefahren der Biotechnologie
Mo.20.11.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Biotechnologie als
große Chance bezeichnet, zugleich aber vor ihren Gefahren gewarnt.
Die Biotechnologie helfe bei der Entwicklung neuartiger Medikamente wie
Impfstoffen, beim Umweltschutz und der Nahrungsmittelversorgung von
Armen und Reichen, sagte Annan in Genf. Gleichzeitig berge sie aber
große Gefahren, wenn sie zur Entwicklung von Biowaffen eingesetzt
werde oder es bei der Forschung zu fatalen Unfällen komme.
Als Beispiel für die beiden Seiten der Biotechnologie führte
Annan die Entschlüsselung der Genome des Polio- und des
tödlichen Spanischen Grippevirus an. In den "richtigen Händen"
und mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen sei dies wertvolles
Wissen über Viren. In den "falschen Händen" drohten jedoch
"katastrophale" Folgen.
Die Welt stehe an einer Schwelle wie schon einmal in der 50er Jahren zu
Beginn des Atomzeitalters. Damals hätten "weitsichtige Bürger,
Wissenschaftler, Diplomaten und internationale Staatsdiener die enormen
möglichen Auswirkungen der Atomkraft erkannt", sagte Annan in
seiner Rede. Sie hätten nach Wegen gesucht, die Atomtechnologie
für den zivilen Nutzen zu beherrschen und gleichzeitig die
Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern.
(Quelle: afp)