Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Rund 100 Iraker am Montag getötet. Irakischer Minister entgeht nur
knapp einem Bombenanschlag. Angeblich kurzzeitig US-Truppenaufstockung
im Irak. Iran lädt im Irak-Konflikt zu Gipfeltreffen. Irak und
Syrien nehmen diplomatische Beziehungen wieder auf
Di.21.11.06 - Der anhaltenden Gewalt im Irak sind am Montag mindestens 100
Einheimische zum Opfer gefallen. Landesweit wurde bis zum späten
Abend der gewaltsame Tod von 25 Menschen bei Anschlägen in Bagdad,
Ramadi, Bakuba und Kirkuk gemeldet. Zudem wurden die Leichen von 75
Irakern gefunden, die verschleppt und gefoltert worden waren. Die
Gesamtzahl der getöteten Iraker seit Anfang November erhöhte
sich damit auf 1.419. Schon nach 20 Tagen weist der November also die
höchste Opferbilanz binnen eines Monats seit April 2005 auf. Im
gesamten Oktober hatte die Zahl der Gewaltopfer bei 1.216 gelegen.
Der irakische Staatsminister Mohammed Abbas Auraibi ist am Montag nur
knapp einem Bombenanschlag entgangen. Der am Straßenrand
versteckte Sprengsatz detonierte, als sein Konvoi daran vorbei fuhr.
Zwei seiner Leibwächter wurden verwundet. «Ich kehrte gerade
von einem Besuch in Amarrah zurück, als unser Konvoi angegriffen
wurde», sagte Auraibi der Nachrichtenagentur AP. Am Sonntag hatten
Aufständische den stellvertretenden Gesundheitsminister Ammar al
Saffar in Bagdad entführt, der wie Auraibi zu den Schiiten
gehört. Erst vor knapp einer Woche waren Dutzende Menschen aus
einem Ministerium entführt worden, in dem vor allem Sunniten
arbeiten.
Die irakische Polizei fand am Montagmorgen auch die Leichen von 14
Sunniten, die zuvor von Bewaffneten in Polizeiuniformen aus ihren
Häusern im Stadtteil Dora entführt worden waren. Die Leichen
wiesen Spuren von Folter auf. Inzwischen sind viele sunnitische und
schiitische Familien aus den Stadtvierteln geflohen, in denen sie zur
Minderheit gehörten.
Der beliebte Fernsehschauspieler Walid Hassan wurde auf einer Fahrt
durch die irakische Hauptstadt erschossen. Er hatte in einer
Fernsehserie mitgewirkt, die sich über die US-geführten
Koalitionstruppen und die Regierung ebenso lustig machte wie über
die Aufständischen und Milizen. Auch ein
Universitätsprofessor wurde auf dem Heimweg südlich von
Bagdad getötet, wie die Polizei weiter mitteilte.
Auf der Suche nach Entführten sind irakische und amerikanische
Streitkräfte am Montag auch wieder in den schiitischen Stadtteil
Sadr City eingedrungen. Eine Moschee wurde bei dem Einsatz
beschädigt, Festnahmen gab es den Angaben zufolge nicht. Gesucht
wurden auch rund 30 Verdächtige, die für zahlreiche
Entführungen verantwortlich sein sollen.
Die US-Streitkräfte gaben den Tod zweier Soldaten am Wochenende
bekannt. Damit erhöhte sich die Zahl der getöteten
US-Soldaten in diesem Monat auf 47. Auf der Suche nach Entführten
drangen irakische und amerikanische Streitkräfte am Montag erneut
in den schiitischen Bagdader Stadtteil Sadr City ein. Eine Moschee
wurde bei dem Einsatz beschädigt.
Die USA erwägen einem Zeitungsbericht zufolge ein kurzfristige
Aufstockung ihrer Truppen im Irak, um die Situation vor Ort zu
verbessern.
Wie die "Washington Post" am Montag weiter berichtete, skizzierte eine
Expertenkommission des US-Verteidigungsministeriums drei
grundsätzliche Optionen: Abzug, Aufstockung oder Kürzen der
Truppenstärke, wobei Letzteres in Verbindung mit einem insgesamt
längeren Aufenthalt verbunden wäre. Dem Blatt zufolge werden
die Experten wohl eine Kombination der Optionen empfehlen, die aus einer
kurzfristigen Aufstockung der Truppen bestehe sowie einem langfristigen
Training der irakischen Sicherheitskräfte. Die Zeitung berief sich
in ihrem Bericht auf Kreise des Verteidigungsministeriums.
Die drei Optionen hätten die Arbeitstitel "Go Home", "Go Big" und
"Go Longer", schrieb die Zeitung. "Go Home", also der rasche Abzug aller
Soldaten aus dem Irak, sei verworfen worden, da dies vermutlich dazu
führte, dass das Land am Golf vollständig in einen
Bürgerkrieg versänke. Für die Option "Go Big", die
Aufstockung der Truppen um Tausende Soldaten, seien nicht genügend
Einsatzkräfte vorhanden. Daher habe die Expertengruppe einen Mix,
"Go Long", entworfen: langfristig solle die Präsenz von
US-Kampfkräften reduziert, dabei aber Training und Beratung der
irakischen Kräfte verstärkt werden. Auf Basis eines Mix der
Möglichkeiten würde das Truppenaufgebot der USA für eine
kurze Zeit um 20.000 bis 30.000 aufgestockt werden. Derzeit sind 140.000
US-Soldaten im Irak im Einsatz.
Die Demokraten, die diesen Monat bei den US-Kongresswahlen die Mehrheit
errangen, haben angekündigt, in den nächsten Monaten für
einen Abzug der US-Soldaten aus dem Irak zu sorgen. Die nach Ansicht
vieler Amerikaner gescheiterte Irak-Politik von US-Präsident George
W. Bush hatte wesentlich zu der Wahlniederlage seiner Republikanischen
Partei beigetragen. Bush hatte sich bereits kurz nach der Wahl offen
für Änderungen des Irak-Kurses gezeigt.
Der Iran hat die Präsidenten des Iraks und Syriens zu einem
Gipfeltreffen am kommenden Wochenende nach Teheran eingeladen. Mahmud
Ahmadinedschad, Dschalal Talabani und Baschar al Assad wollten dort
über die Sicherheitslage im Irak beraten, teilten irakische
Abgeordnete am Montag mit.
Sowohl Talabani als auch Assad nähmen teil, verlautete aus der
Umgebung des irakischen Präsidenten. Ein Sprecher Ahmadinedschads
erklärte dagegen, er wisse nichts von einem Besuch Assads. Die
diplomatische Initiative steht offenbar im Zusammenhang mit
Überlegungen in den USA, Teheran und Damaskus in die Lösung
der Irak-Krise einzubeziehen.
Der Irak und Syrien wollen ihre 1982 abgebrochenen diplomatischen
Beziehungen noch in dieser Woche wieder aufnehmen. Dies teilte ein
irakischer Regierungssprecher am Montagabend in Bagdad mit. Die
Vereinbarung erfolgte beim Besuch des syrischen Außenministers
Walid Moallem, der am Sonntag in die irakische Hauptstadt gereist war.
Es war der erste hochrangige Kontakt zwischen den beiden Ländern
seit dem Sturz von Staatschef Saddam Hussein im Frühjahr 2003.
Die Regierung in Damaskus brach die diplomatischen Beziehungen 1982
unter dem Vorwurf ab, der Irak unterstütze den Aufruhr der in
Syrien verbotenen Muslimischen Bruderschaft. Während des
iranisch-irakischen Kriegs von 1980 bis 1988 stand Syrien auf Seiten
des Irans. Gleichwohl wurden 1997 zumindest wieder Handelsbeziehungen
zum Irak aufgenommen. In jüngster Zeit hat der Irak Syrien
wiederholt vorgeworfen, ausländischen Kämpfern die Einreise
über seine Grenze zu ermöglichen.
Die EU und die irakische Regierung nahmen Verhandlungen über ein
Handels- und Kooperationsabkommen auf. «Dies ist ein großer
Moment», sagte die EU-Kommissarin für
Außenbeziehungen, Benita Ferrero-Waldner, bei einer
Pressekonferenz mit dem irakischen Wirtschaftsminister Barham Salih in
Brüssel.
(Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 21.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundelften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Nahost-Konflikt
Amnesty wirft Israel und Hisbollah Kriegsverbrechen vor.
Palästinensische Regierungsgespräche vorerst ausgesetzt.
Ägypten will zwischen palästinensischen Parteien vermitteln.
Bewohner des Gazastreifens bilden erneut menschliche Schutzschilde um
israelische Angriffe zu verhindern. Palestinensische Raketen gehen auf
israelische Stadt Sderot nieder. Zwei Hamas-Mitglieder bei israelischem
Raketenangriff getötet
Di.21.11.06 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat sowohl Israel
als auch der Hisbollah Kriegsverbrechen im Libanon vorgeworfen. Beide
Seiten hätten den Tod von Zivilpersonen in Kauf genommen,
heißt es im jüngsten Amnesty-Bericht über den 34 Tage
dauernden Konflikt. Während des Krieges kamen nach Angaben der
Organisation mehr als 1.000 Zivilpersonen im Libanon ums Leben, rund
ein Drittel davon Kinder.
Die israelischen Truppen seien verantwortlich für «wahllose
und unverhältnismäßige Angriffe in großem
Maßstab», schreibt Amnesty und verurteilt konkret den
Einsatz von Streubomben in bewohnten Gebieten, die noch immer eine
tödliche Gefahr darstellten. Die Hisbollah habe ihrerseits
offensichtlich keine Vorkehrungen zum Schutz der libanesischen
Bevölkerung getroffen. Zumindest in einigen Fällen seien
Raketen in Dörfern gelagert oder aus Wohngebieten abgeschossen
worden.
Die Bildung einer palästinensischen Koalitionsregierung ist am
Montag wieder ins Stocken geraten. Die Gespräche seien vorerst
ausgesetzt, erklärte ein Berater von Präsident Mahmud Abbas.
Neue Gespräche seien zunächst nicht vereinbart worden, sagte
Nabil Amr in Ramallah. Vor den Verhandlungspartnern liege noch viel
Arbeit. «Wir haben uns erst auf die erste Meile einer mehr als
1.000 Meilen langen Wegstrecke geeinigt», erklärte Amr. Die
gemäßigtere Fatah von Abbas und die radikalislamische Hamas
bemühen sich seit Monaten um die Bildung einer Regierung der
nationalen Einheit.
Ägypten will im Ringen um eine palästinensische Regierung der
nationalen Einheit vermitteln. Die verschiedenen palästinensischen
Parteien kämen in Kürze nach Ägypten, sagte
Präsident Husni Mubarak am Montagabend auf einer Pressekonferenz
in Kairo. «Wir werden versuchen, ihnen zu einer Einigung zu
verhelfen.» Es gebe nach wie vor viele Differenzen, aber er
hoffe, dass bald eine Lösung gefunden werden könne, sagte
Mubarak.
Mit einem gezielten Raketenangriff auf ein Auto hat die israelische
Luftwaffe am Montagabend in der Stadt Gaza zwei Aktivisten der
radikalislamischen Hamas-Bewegung getötet. Vier weitere Menschen,
darunter ein einjähriges Mädchen, wurden nach
Krankenhausangaben schwer verletzt. Die Hamas drohte Israel in einer
Erklärung mit Vergeltung.
Der Angriff habe einem mit Terror-Aktivisten besetzten Auto gegolten,
teilten die israelischen Streitkräfte mit. Das Auto war vor dem
Haus eines bekannten Hamas-Aktivisten im östlichen Stadtteil
Schadschaijeh nahe der Grenze zu Israel geparkt. Bei den Opfern handelt
es sich der Hamas zufolge um einen Kommandeur der Organisation und
dessen Leibwächter.
An einer Straßensperre im Westjordanland erschossen israelische
Soldaten bereits am Sonntagabend einen vermeintlich bewaffneten
Palästinenser. Bei einer Untersuchung stellte sich nach Angaben der
Streitkräfte jedoch heraus, dass der Mann lediglich eine
Spielzeugpistole bei sich trug. Er habe diese geschwenkt, als er auf den
Kontrollposten im Jordantal nördlich von Jericho zugegangen sei.
Ein Palästinenser hatte dort im August einen israelischen Soldaten
erschossen.
Bewohner des Gazastreifens haben unterdessen ihre Taktik fortgesetzt,
mit menschlichen Schutzschilden israelische Angriffe auf militante
Führer zu verhindern. Am Montag strömten zahlreiche
Palästinenser, darunter auch Anhänger der Fatah, zum Haus
eines Hamas-Aktivisten in Beit Lahija, nachdem die israelischen
Streitkräfte diesen telefonisch zum Verlassen seines Hauses
aufgefordert hatten. Diese Warnung geht in der Regel Luftangriffen
voraus, um zivile Opfer zu vermeiden. Bereits am Wochenende verhinderten
hunderte Palästinenser mit einem ähnlichen Einsatz
israelische Angriffe auf Häuser von zwei militanten Führern.
Am frühen Montag gingen auf die israelische Stadt Sderot fünf
Raketen nieder. Verletzt wurde niemand. Am Sonntag schlugen in Sderot
neun palästinensische Raketen ein, ein Bewohner wurde schwer
verletzt. Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez forderte
Präsident Abbas nach Angaben des Ministeriums am Sonntagabend
telefonisch auf, dem Raketenbeschuss ein Ende zu setzen. Abbas rief
Perez laut einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur
WAFA auf, die militärische Eskalation zu stoppen.
Die UN-Hochkommissarin für Flüchtlinge, Louise Arbour, traf
am Montag zu einer fünftägigen Reise in der Region ein. Auf
ihrem Programm stehen Unterredungen mit der palästinensischen und
der israelischen Führung und Gespräche mit Betroffenen des
Konflikts auf beiden Seiten. Bei einem Besuch in Beit Hanun im
nördlichen Gazastreifen, wo kürzlich bei einem israelischen
Angriff 19 Menschen ums Leben kamen, versicherte sie den Bewohnern, dass
die Welt sie nicht vergessen habe. Zugleich rief sie die Führer
beider Seiten auf, den Kreislauf der Gewalt zu stoppen und mehr zu tun,
um Zivilpersonen zu schützen.
(Quelle: ap)
WHO: Afrika braucht für Entwicklung bessere medizinische
Versorgung - Erfolge lokaler Gesundheitsprojekte gelobt
Di.21.11.06 - Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den Erfolg lokaler und
regionaler Projekte in Afrika gelobt, insgesamt aber ein dunkles Bild
der Lage auf dem Kontinent gezeichnet. Uganda habe im Kampf gegen Aids
auf den Ärztemangel reagiert, indem Krankenschwestern
weitergebildet wurden, heißt es in einem am Montag vorgelegten
WHO-Bericht.
Auf diese Weise seien mehr Patienten erreicht und Leben gerettet
worden, erklärte Antoine Kaboré, der bei der WHO für
die Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria in Afrika
zuständig ist. Auf Mauritius werden nahezu alle Geburten von
ausgebildeten Fachkräften begleitet - mit dem Erfolg, dass die
Säuglingssterblichkeit auf das Niveau der Industrienationen sank.
«Einige kleine Projekte waren erfolgreich, aber sie müssen
vervielfacht werden», forderte Kaboré.
Laut WHO-Bericht leben 60 Prozent der weltweit mit Aids Infizierten in
Afrika, obgleich der Kontinent nur 11 Prozent der Weltbevölkerung
stellt. 90 Prozent aller Malaria-Fälle treten in Afrika auf und
weniger als 60 Prozent der südlich der Sahara lebenden Menschen
haben sauberes Trinkwasser. Dort gibt es noch immer Krankheiten wie
Lepra, Flussblindheit oder den Drachenwurm.
Die neue WHO-Generaldirektorin Margaret Chan will Afrika zu einem
Schwerpunkt ihrer Arbeit machen.
(Quelle: ap)
Nepals König für Angriffe auf Demokratiekundgebung
verantwortlich
Di.21.11.06 - Eine Kommission der nepalesischen Regierung hat König Gyanendra
für das blutige Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die
Demokratiebewegung im April dieses Jahres verantwortlich gemacht. Dabei
waren mindestens 19 Demonstranten getötet und hunderte verletzt
worden. Die Kommission schlägt in ihrem am Montag vorgelegten
Bericht vor, Gyanendra deshalb zu bestrafen. Wie dies aussehen
könnte, blieb aber noch unklar. In Nepal gibt es derzeit kein
Gesetz, das Strafen für den König vorsieht. Die Proteste im
April führten schließlich dazu, dass Gyanendra das von ihm
aufgelöste Parlament wieder einsetzen musste. Danach wurde die
Macht des Königs eingeschränkt und ihm der Oberbefehl
über die Streitkräfte entzogen.
(Quelle: ap)
Mehrere Tote bei Bombenanschlag auf Zug in Indien
Di.21.11.06 - Ein Sprengstoffanschlag auf einen Passagierzug im Osten Indiens hat
mindestens acht Menschen in den Tod gerissen. Etwa 60 weitere Personen
wurden zum Teil schwer verletzt, wie die Polizei mitteilte. Wegen des
kritischen Zustands einiger der Verwundeten wurde mit weiteren
Todesopfern gerechnet. Der Anschlag ereignete sich am Montag in der
Nähe des Bahnhofs von Belacoba in West-Bengalen, rund 550
Kilometer nördlich von Kalkutta.
Zwei Eisenbahnwaggons wurden verwüstet. Die Wucht der Explosion
war so groß, dass bei einem Wagen die Seite und das Dach
weggesprengt wurden. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.
Der Innenminister des Unionsstaates West-Bengalen, Prasad Ranjan Roy,
erklärte, unter Verdacht stünden entweder Maoisten oder
Separatisten aus dem Nachbarstaat Assam. In der Region sind mehrere
maoistische Rebellengruppen aktiv, doch haben diese bislang nur selten
Zivilpersonen angegriffen.
(Quelle: ap)
80 Prozent der Japaner lehnen Atomwaffen ab
Di.21.11.06 - Trotz einer möglichen nuklearen Bedrohung durch Nordkorea lehnt
eine große Mehrheit der Japaner ein eigenes Atomwaffenprogramm
weiter ab. In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage
erklärten rund 80 Prozent, Japan solle seine Politik beibehalten
und keine Atomwaffen auf seinem Staatsgebiet zulassen. Knapp 46 Prozent
der Befragten halten aber eine Diskussion über diese Prinzipien
für akzeptabel, wie die Zeitung «Yomiuri» berichtete.
Mehrere prominente Politiker, darunter Außenminister Taro Aso,
haben sich dafür ausgesprochen, dass die Regierung über die
Entwicklung von Kernwaffen zumindest nachdenken müsse.
Ministerpräsident Shinzo Abe lehnt dies ab.
(Quelle: ap)
Venezuela verlässt Handelsgemeinschaft mit Kolumbien und Mexiko
Di.21.11.06 - Venezuela hat am Sonntag formell seine bisherige Handelsgemeinschaft
mit Kolumbien und Mexiko verlassen. Präsident Hugo Chavez hatte den
Austritt aus dem Dreierblock bereits im Mai verkündet, musste
jedoch 180 Tage warten, bevor diese Entscheidung in Kraft treten konnte.
Stattdessen trat Venezuela im Juli der südamerikanischen
Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur bei, um laut Chavez die
Hegemonieansprüche der USA auf Lateinamerika abzuwehren. Zu den
Mercosur-Mitgliedern gehören neben Venezuela Brasilien,
Argentinien, Uruguay und Paraguay, assoziierte Staaten sind Bolivien,
Chile, Kolumbien, Ecuador und Peru. Peru hat inzwischen Interesse
angemeldet, dem alten Dreierblock beizutreten.
(Quelle: ap)
Mexiko: López Obrador ruft sich zum Gegenpräsidenten aus
Di.21.11.06 - Knapp fünf Monate nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl
in Mexiko hat sich der unterlegene Kandidat Andrés Manuel
López Obrador als Gegenpräsident vereidigen lassen. Er sei
der rechtmäßige Staatschef, sagte der linksgerichtete
Politiker am Montagabend vor mehreren tausend Anhängern auf dem
Zócalo, dem zentralen Platz im Herzen von Mexiko-Stadt.
López Obrador berief auch eine Parallelregierung.
Felipe Calderón von der rechtsliberalen Regierungspartei PAN,
der die Wahl am 2. Juli mit weniger als einem Prozentpunkt Vorsprung
gewann, tritt sein Amt am 1. Dezember an. López Obrador will mit
seiner selbst ernannten Regierung Calderón das Leben schwer
machen. Seine Anhänger haben bereits angekündigt, die Feier
zur Amtseinführung des neuen Präsidenten im Kongress zu
blockieren. Der frühere Bürgermeister von Mexiko-Stadt wirft
der Regierung Wahlbetrug vor. Das höchste Wahlgericht hat den
Ausgang der Abstimmung bestätigt.
(Quelle: ap)
EU verkürzt Frist im Zypern-Streit mit der Türkei
Di.21.11.06 - Im Zypern-Streit mit der Türkei hat die finnische
EU-Ratspräsidentschaft die Frist für Ankara verkürzt: Die
Türkei habe nur noch bis Anfang Dezember Zeit, um sich zu bewegen,
sagte der finnische Ministerpräsident und EU-Ratsvorsitzende Matti
Vanhanen in Helsinki. Er habe "keinerlei Absicht", den Beitrittsstreit
mit der Türkei zum Thema auf dem Gipfeltreffen der
europäischen Staats- und Regierungschefs Mitte Dezember in
Brüssel zu machen. "Die Entscheidung wird davor fallen."
Die EU-Kommission hatte der Türkei am 8. November in ihrem
Fortschrittsbericht noch eine Frist bis zum EU-Gipfel am 14. und 15.
Dezember gesetzt. "Die wahre Deadline läuft aus, bevor die
EU-Kommission ihre Empfehlungen veröffentlicht", sagte Vanhanen
nun. Die Empfehlung von EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn soll nach
Angaben des finnischen Regierungschefs "in der ersten Dezemberwoche"
vorliegen.
Über mögliche Sanktionen gegen die Türkei sollen nach
den Worten Vanhanens dann die EU-Außenminister am 11. Dezember in
Brüssel entscheiden. "Der Dezembergipfel wird sich mit anderen
Dingen befassen, unter anderem der Zukunft des
EU-Erweiterungsprozesses." Damit soll offenbar der Druck von dem
Gipfeltreffen genommen werden.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte sich am
Wochenende "sehr besorgt" über die Haltung der Türkei im
Streit um die geteilte Mittelmeerinsel Zypern gezeigt. Ankara weigert
sich, wie zugesagt die türkischen Häfen und Flughäfen
für den griechischen Süden Zyperns zu öffnen, der seit
2004 EU-Mitglied ist. "Die Türkei ist Verpflichtungen hinsichtlich
der Zollunion eingegangen, die sie nun einhalten muss", sagte Vanhanen.
Er wiederholte zugleich die Drohung Barrosos, dass eine fortgesetzte
Weigerung Ankaras zum Einlenken "Auswirkungen auf den Beitrittsprozess"
haben werde.
Blockiert die Türkei weiter eine Lösung, kann die EU einzelne
der rund 35 Verhandlungskapitel mit der Türkei auf Eis legen. Am
wahrscheinlichsten ist es, dass die Kapitel zu Handelsfragen ausgesetzt
werden. Einen vollständigen Abbruch der erst vor einem Jahr
aufgenommenen Beitrittsverhandlungen muss die Türkei aber vorerst
nicht fürchten.
(Quelle: afp)
Deutschland
Steuerquellen sprudeln im Oktober noch etwas kräftiger
Di.21.11.06 - Der Anstieg der Steuereinnahmen hat sich im Oktober gegenüber dem
Vormonat nochmals verstärkt.
Die gesamten Einkünfte - ohne Gemeindesteuern - erhöhten sich
mit 9,7 Prozent erneut deutlich, hieß es in dem am Montag
veröffentlichten Monatsbericht des Finanzministeriums. Die
Entwicklung nähre die Hoffnung, dass die Neuverschuldung des Bundes
2006 an die 30-Milliarden-Euro-Marke heranreiche. Veranschlagt sind
bisher im Haushaltsplan 38,2 Milliarden Euro.
Im Vormonat waren 7,9 Prozent mehr Steuergelder in die
öffentlichen Kassen geflossen. Für die ersten zehn Monate des
Jahres ergab sich damit ein Anstieg von acht Prozent.
Der Bundeshaushalt wies nach den ersten zehn Monaten einen
Rückgang der Ausgaben von 1,9 Prozent auf, während die
Einnahmen 1,1 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum ausfielen. Vor
allem die Steuereinnahmen schlugen im Bundeshaushalt mit einem Plus von
7,2 Prozent zu Buche, drastisch mehr als der eingeplante Zuwachs von
zwei Prozent. Die Nettokreditaufnahme erreiche bei einer
Finanzierungslücke von 40,8 Milliarden Euro Ende Oktober ein
Volumen von 30,5 Milliarden Euro.
Im Oktober stiegen die Steuereinnahmen des Bundes mit einem Plus von
3,3 Prozent allerdings nur relativ bescheiden, was auf einen
Sonderfaktor im Vorjahr zurückzuführen ist. Für die
ersten zehn Monate nahm der Bund 8,2 Prozent mehr Steuern ein.
Maßgebend für die günstige Entwicklung war vor allem ein
beschleunigter Anstieg bei den Lohnsteuereinnahmen mit 6,6 Prozent im
Oktober. Aber auch die aus den Gewinnen großer Konzerne zu
zahlende Körperschaftsteuer brachte eine Milliarde Euro mehr in die
Kassen des Fiskus als vor einem Jahr. Jedoch war auch hier ein
Sondereffekt maßgebend. Der Zuwachs bei den Steuern vom Umsatz
fiel mit 1,6 Prozent moderat aus, wobei die Mehrwertsteuer ein Prozent
mehr erbrachte.
Die günstige Ausgabenentwicklung des Bundes reflektiert dem
Monatsbericht zufolge die Erfolge am Arbeitsmarkt und die
Umstrukturierung der Bundesagentur für Arbeit. Die
Einnahmeentwicklung spiegelt vor allem die günstige Konjunktur
wider. Wenn die Ausgabenentwicklung weiter plangemäß
verlaufe, "kann davon ausgegangen werden, dass sich die voraussichtliche
Nettokreditaufnahme ausgehend von den veranschlagten 38,2 Milliarden
Euro einer Größenordnung von 30 Milliarden Euro
annähert."
(Quelle: rtr)
Bundesbank sieht Chancen für anhaltenden Wirtschaftsaufschwung
Di.21.11.06 - Die Bundesbank sieht gute Chancen für eine Fortsetzung des
zyklischen Aufschwungs der deutschen Wirtschaft.
Als Beleg führte die Bundesbank am Montag in ihrem Monatsbericht
die gute Industriekonjunktur und die bessere Lage bei den
unternehmensnahen Dienstleistern an. Die konjunkturelle Grundtendenz
dürfte weiter aufwärts gerichtet bleiben. Bereinigt um
Sonderfaktoren wie die Witterung oder die Fußball-WM habe sich die
zyklische Dynamik in den ersten drei Quartalen des Jahres kaum
geändert. "Seit Herbst vorigen Jahres gerechnet, beträgt das
gesamtwirtschaftliche Wachstum auf Jahresbasis rund 3,5 Prozent." Damit
gebe Deutschland auch dem Euro-Raum beachtliche Impulse. Zudem
profitiere der Arbeitsmarkt zunehmend sichtbar von den konjunkturellen
Fortschritten.
"Die deutsche Wirtschaft hat auch nach der Jahresmitte ihre
konjunkturelle Aufwärtsbewegung in zügigem Tempo fortgesetzt",
schrieben die Bundesbank-Ökonomen. Im dritten Quartal war die
Wirtschaft um 0,6 Prozent gewachsen; im ersten und zweiten Quartal um
0,8 beziehungsweise 1,1 Prozent. Für das Gesamtjahr erwarten die
meisten Experten nun eine BIP-Plus von rund 2,5 Prozent. Details zur
Zusammensetzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Sommerquartal werden
am Donnerstag bekannt gegeben.
Die Bundesbank schrieb, zwar gebe es noch keine Details zum BIP im
dritten Quartal. Vieles deute aber darauf hin, dass die Investitionen
über das Niveau des Frühjahrs hinausgegangen seien. "Bei den
Ausgaben für Ausrüstungen ist angesichts einer zunehmenden
Kapazitätsauslastung das Erweiterungsmotiv verstärkt in den
Vordergrund getreten." Dafür sprächen nicht nur das hohe
Niveau an Zuversicht in der Industrie, sondern auch günstige
Meinungsumfragen im Handwerk. "Die Bauinvestitionen wuchsen im Sommer
ebenfalls deutlich, freilich in einem geringeren Ausmaß als in den
Frühjahrsmonaten." Damals war es wegen des langen Winters zu
Nachholeffekten gekommen: "Alles in allem hat sich die
Investitionstätigkeit inzwischen als ein wichtiges konjunkturelles
Standbein neben dem Außenhandel etabliert."
Von den Ausfuhren seien im Sommer wieder deutlich positive Impulse
ausgegangen, hieß es im Bundesbank-Monatsbericht. Vor allem die
Warenexporte hätten erneut kräftig expandiert. "Dem Wert nach
und in saisonbereinigter Rechnung stiegen sie um fünf Prozent
gegenüber der Vorperiode."
"Von der konjunkturellen Belebung (...) gingen auch erneut positive
Impulse für die Beschäftigung aus", hieß es weiter. So
sei die Zahl der Erwerbstätigen weiter gestiegen, um 340.000 im
Vorjahresvergleich. Getragen worden sei die jüngste Zunahme zudem
von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Diese positive
Entwicklung dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden, warnte die
Bundesbank. Denn die für einen nachhaltigen Aufschwung
unverzichtbare Stärkung der Konsumnachfrage habe Fortschritte am
Arbeitsmarkt zur Voraussetzung.
(Quelle: rtr)
CSU-Vorstand unterstützt Rüttgers-Vorstoß
Di.21.11.06 - Der CSU-Vorstand unterstützt die Forderung des
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers (CDU) nach einer längeren Bezugsdauer beim
Arbeitslosengeld I für langjährige Beitragszahler.
CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte am Montag nach
Beratungen des Gremiums in München, es handele sich hierbei um eine
Gerechtigkeitsfrage. Zudem seien von der CSU mehrfach entsprechende
Beschlüsse gefasst worden.
Söder fügte hinzu, dies habe «jeder im Parteivorstand
genauso gesehen». Allerdings waren Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos und CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer, die den
Rüttgers-Vorschlag kritisiert hatten, nicht nach München
gekommen.
Söder sagte, er könne nicht für Glos und Ramsauer
sprechen. Er glaube aber, deren Äußerungen seien
«überinterpretiert» worden. Die «klare
Botschaft» des CSU-Vorstands sei, dass die Partei «ganz
eng» bei der CDU stehen werde, wenn diese dem
Rüttgers-Vorstoß zustimme und damit ihre bisherige Position
bekräftige.
(Quelle: ddp)
Verfassungsrichter Papier sieht bei Sozialumbau viel Spielraum
Di.21.11.06 - Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier sieht
einen weiten Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers beim Um- und
Rückbau des Sozialstaates. Der Staat könne neue
Sozialleistungen einführen, wenn genügend Geld da sei, sagte
Papier der «Süddeutschen Zeitung» (Dienstagausgabe)
laut Vorabbericht. Dies sei in der Vergangenheit immer wieder
geschehen. Der Staat könne aber auch Leistungen kürzen, wenn
sich die Umstände ändern.
Dass sich die Umstände in Deutschland geändert haben, liege
auf der Hand, sagte Papier. Es gebe eine dauerhaft hohe
Arbeitslosigkeit. Der Geburtenrückgang bedrohe das
umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherungssystem, in dem aus den
Beiträgen der arbeitenden Generation die Renten der im Ruhestand
befindlichen Generation finanziert werden. «Auch das
Gesundheitssystem und das System der Pflegeversicherung werden wohl
ohne Reformen unfinanzierbar», sagte Papier. Außerdem
müsse sich der Sozialstaat künftig nicht mehr nur um einen
sozialen Ausgleich in der Gegenwart bemühen, sondern auch um eine
angemessene Lastenverteilung zwischen den Generationen.
Gleichzeitig dürfe der Sozialstaat die Gemeinschaft nicht
dauerhaft überfordern, mahnte Papier. «Je mehr der Staat
sozial gestaltet, je mehr er reglementierend in alle Lebensbereiche der
Bürger eingreift, desto mehr kommt es zu Beschränkungen von
individueller Freiheit, Selbstbestimmung und
Selbstverantwortung», sagte er. Dieser Zusammenhang werde gerne
übersehen.
Dass viele Bürger die Veränderungen negativ wahrnehmen,
erklärte Papier mit einem «Mentalitätsproblem».
«Viele in diesem Land haben sich angewöhnt, stets auf den
Staat und immer weniger auf Selbstbestimmung und Selbstverantwortung zu
setzen. Den Staat als Vollversicherer für alle Lebenslagen zu
begreifen, das kann nicht funktionieren. Das kann der Staat nicht
leisten», sagte Papier.
Eine verfassungsrechtliche Grenze für die Rücknahme von
Sozialleistungen sei das Eigentumsgrundrecht des Artikels 14 im
Grundgesetz, sagte Papier. «Was die Bürger durch eigene
Leistung an Rechten erworben haben, steht unter dem Schutz der
Verfassung», betonte er. Soweit beispielsweise jemand in die
Rentenversicherung eingezahlt und Ansprüche erworben habe,
könne ihm der Staat diese nicht ohne weiteres nehmen. In dem nicht
auf Eigenleistungen gegründeten Bereich der Rentenposition
verfüge der Gesetzgeber dagegen über einen weiter gefassten
Gestaltungsspielraum.
(Quelle: ddp)
Korruptionsaffäre: Auch Vorstandsbüros bei Siemens durchsucht
- Schaden offenbar größer als angenommen
Di.21.11.06 - Ermittler haben im Zuge der Korruptions- und Untreue-Affäre bei
Siemens auch die Büros von Konzernchef Klaus Kleinfeld sowie
weiterer Vorstände durchsucht. Allerdings gelte Kleinfeld nicht als
Beschuldigter, sondern sei lediglich Zeuge im Verfahren, sagte ein
Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft am Montag. Medienberichte,
wonach mehr als 100 Millionen Euro veruntreut worden sein sollen,
bestätigte die Staatsanwaltschaft nicht. Die
Anti-Korruptionsorganisation Transparency International (TI) sprach im
Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre von einem nicht
alltäglichen Fall mit außergewöhnlichen Ausmaßen.
Die Staatsanwaltschaft geht nach wie vor von 20 Millionen Euro aus, die
Siemens-Manager im Ausland als Schmiergeld eingesetzt haben sollen, um
an lukrative Aufträge zu kommen. Anders lautende Medienberichte, in
denen der Schaden auf mehr als 100 Millionen Euro beziffert wird,
nannte der Sprecher «Spekulation».
Der Untreueverdacht richtet sich einem Siemens-Sprecher zufolge gegen
zehn ehemalige und aktive Siemens-Mitarbeiter sowie zwei Angehörige
aus deren persönlichem Umfeld. Beschuldigt sind nach Angaben der
Staatsanwaltschaft auch zwei Bereichsvorstände der
Kommunikationssparte (Com). Die veruntreuten Summen sollen bereits ab
2002 durch die beschuldigten Com-Mitarbeiter an Drittfirmen im Ausland
«ausgeschleust» worden sein.
Der Konzern bestätigte unterdessen, dass die Führungsspitze
über die Unregelmäßigkeiten seit langem informiert
gewesen sei. «Wir wissen seit dem vergangenen Jahr, dass es ein
strafrechtliches Verfahren in der Schweiz gibt», sagte ein
Sprecher. Dabei sei es um den Verdacht der Geldwäsche gegangen.
Eine daraufhin eingeleitete unternehmensinterne Untersuchung sei noch
nicht abgeschlossen. Deutsche Behörden seien über die
Ermittlungen in der Schweiz nicht informiert worden.
Überrascht vom Ausmaß der Affäre zeigte sich der
stellvertretende Vorsitzende von Transparency International Deutschland,
Peter von Blomberg. Angesichts der Vorwürfe, dass sogar
Bereichsvorstände involviert sein sollen, sei die Affäre
womöglich von außergewöhnlicher Dimension.
Schließlich habe der frühere Vorstandschef Heinrich von
Pierer selbst eine Anti-Korruptionspolitik in dem Konzern erst
eingeführt.
«Jetzt stellt sich die Frage, ob das überhaupt ernst
genommen worden ist oder ob es nur darum ging, den schönen Schein
zu wahren», sagte Blomberg. «Insofern könnte es sich
hier um einen sehr gravierenden, nicht alltäglichen Fall
handeln.» Erfreulich sei allerdings, dass die Vorgänge bei
Siemens jetzt ans Licht gekommen seien. «Vielleicht führt das
dazu, dass die Firmen in Zukunft sensibler mit dem Thema
umgehen», sagte Blomberg.
Vergangene Woche hatte die Staatsanwaltschaft München 30
Büros und Privatwohnungen von Siemens-Mitarbeitern durchsucht.
Bislang wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft fünf
Beschuldigte verhaftet.
(Quelle: ddp)
Aktionsbündnis: Kinderrechte im Grundgesetzt verankern
Di.21.11.06 - Das Aktionsbündnis Kinderrechte hat die Bundesregierung
aufgerufen, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. UNICEF, Deutscher
Kinderschutzbund und Deutsches Kinderhilfswerk erhoffen sich davon eine
deutliche Stärkung der Interessen von Kindern, etwa bei wichtigen
familien- und kinderpolitischen Entscheidungen, beim Umgang mit
Flüchtlingen, bei der Verkehrsplanung oder beim Städtebau, wie
die Kinderschützer zum Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention
mitteilten.
Obwohl Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention 1992 ratifiziert habe,
werde das Kindeswohl bis heute bei vielen Entscheidungen in Verwaltung
und Rechtsprechung nicht ausreichend beachtet, kritisierte das
Aktionsbündnis. Kinderrechte müssten aber einklagbar sein, um
die Position von Kindern in der Gesellschaft zu stärken und bei
strittigen Fragen Klarheit zu schaffen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte bereits Ende August nach
einer Anregung von Altbundespräsident Roman Herzog zugesagt, eine
mögliche Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz zu prüfen.
(Quelle: afp)
Wissenschaft und Technik
Kunststofflinse lindert mehrere Augenleiden auf einmal
Di.21.11.06 - Gleich mehrere Augenleiden auf einen Schlag soll eine neuartige
Kunststofflinse lindern. An der Universitäts- Augenklinik in
Heidelberg ist eine solche Linse weltweit erstmals einer Patientin mit
der Linsentrübung Grauer Star eingesetzt worden.
Die Plexiglaslinse ermögliche scharfes Sehen in der Nähe und
der Ferne und gleiche außerdem wegen ihres besonderen Schliffs
eine starke Hornhautverkrümmung aus, teilte die Klinik am Montag
mit. Patienten könnten so ohne zusätzliche Brille oder
Kontaktlinsen auskommen.
Die etwa 50-jährige Patientin hatte an starker Weitsichtigkeit,
Alterssichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Grauem Star gelitten.
Durch den Einsatz der beiden winzigen Plexiglaslinsen sei ihre
Sehfähigkeit auf fast 80 Prozent gesteigert worden. Der neue
Linsentyp wurde speziell für die Patientin angefertigt. Es handelt
sich um eine gemeinsame Entwicklung der Augenklinik und eines britischen
Unternehmens.
(Quelle: dpa)