Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsechsundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
UN-Generalsekretär Annan: USA sitzen im Irak fest
Mi.22.11.06 - Die USA sitzen nach Einschätzung von UN-Generalsekretär Kofi
Annan im Irak fest. «Sie können nicht bleiben und sie
können nicht gehen», sagte er am Dienstag in Genf. Annan
forderte die US-Regierung auf zu prüfen, wann der beste Zeitpunkt
für einen Abzug aus dem Land sei. Es dürfe nicht zu einer
weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage kommen. Ziel müsse
sein, den Irak zu verlassen, wenn die dortigen Behörden eine
«vernünftige, sichere Umgebung» gewährleisten
könnten.
Den Krieg im Irak und das Unvermögen des UN-Sicherheitsrats, die
Invasion der US-geführten Koalitionstruppen zu verhindern,
bezeichnete er als das, was er mit Blick auf seine zehnjährige
Amtszeit am meisten bedauere. «Ich glaube fest daran, dass der
Krieg hätte verhindert werden können», sagte er vor
Journalisten. «Die (Waffen-)Inspekteure hätten ein wenig mehr
Zeit haben müssen.» Annans Amtszeit läuft zum
Jahresende aus.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 22.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundzwölften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.22.11.05 - Irak-Konferenz fordert Zeitplan für US-Abzug. Rumsfeld
schließt Truppenabzug aus +++ US-Soldaten erschiessen fünf
Angehörige einer Familie +++ Irakischer El-Kaida-Zweig weist
Gesprächsangebot Talabanis zurück +++ USA bezeichnet Berichte
über Tod Sarkawis als unglaubwürdig...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
US-Präsident Bush will pazifischen Staaten NATO-Partnerschaft
anbieten
Mi.22.11.06 - US-Präsident George W. Bush will beim NATO-Gipfel in der kommenden
Woche in Riga drei pazifischen Staaten eine Partnerschaft mit dem
atlantischen Bündnis anbieten. Dabei handelt es sich um Japan,
Australien und Südkorea, wie der Staatssekretär im
Außenministerium Nicholas Burns am Dienstag in Washington
mitteilte. Ferner sollen auch die neutralen europäischen Staaten
Schweden und Finnland zu Partnerschaftsvereinbarungen mit der NATO
eingeladen werden. Damit soll die militärische Kooperation
zwischen der NATO und diesen fünf Staaten verstärkt werden.
Burns äußerte sich zuversichtlich, dass die übrigen 25
NATO-Staaten dem amerikanischen Vorschlag einer globalen Partnerschaft
zustimmen werden. Für die USA sei dies ein vordringliches Thema
bei dem bevorstehenden Gipfel in der lettischen Hauptstadt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Libanesischer Industrieminister Gemayel bei Anschlag getötet.
Attentat löst international Entsetzen aus. Weltsicherheitsrat gibt
grünes Licht für Hariri-Tribunal. UN-Bericht: Israel nahm im
Libanon 'Kollektivbestrafung' vor. Raketenangriff auf Sderot
während Besuchs von UN-Hochkommissarin. Palästinenser laut UN
zunehmend auf Lebensmittelhilfe angewiesen
Mi.22.11.06 - Wenige Stunden vor einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zum Mord an dem
libanesischen Ex-Regierungschef Rafik Hariri ist im Libanon der
anti-syrische Industrieminister Pierre Gemayel bei einem Anschlag
getötet worden. Eine Gruppe von Bewaffneten stoppte in einem
Vorort Beiruts die Fahrzeugkolonne des 34-Jährigen und
eröffnete das Feuer, meldete die amtliche Nachrichtenagentur ANI.
Gemayel erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Der UN-Sicherheitsrat
billigte derweil die Einsetzung eines Tribunals, vor dem die
Verantwortlichen für den Mord an Hariri zur Rechenschaft gezogen
werden.
Augenzeugen berichteten, der Politiker habe seinen Wagen selbst
gefahren. Die Angreifer hätten ihm in den Kopf geschossen. Die
Fahrerseite war von Kugeln durchlöchert. Der Minister wurde nach
Angaben aus Sicherheitskreisen schwer verletzt ins nahe gelegene
Krankenhaus von Dora gebracht, wo er kurz darauf seinen Verletzungen
erlag.
Gemayel war maronitischer Christ und gehörte dem anti-syrischen
Lager im Libanon an. Der 34-Jährige war der Sohn des ehemaligen
Präsidenten Amine Gemayel und der Neffe des 1982 ermordeten
Staatschefs Beschir Gemayel. Er soll am Donnerstag beerdigt werden. Die
Behörden ordneten ab Mittwoch zudem eine dreitägige
Staatstrauer an.
Der Sohn des ermordeten libanesischen Ex-Ministerpräsidenten Rafik
Hariri, Saad Hariri, beschuldigte Libanons Nachbarland Syrien, hinter
der Tat zu stecken. Dem US-Nachrichtensender CNN sagte er: "Einer
unserer wichtigsten Verteidiger eines freien und demokratischen Libanon
ist getötet worden. Wir glauben, dass Syrien da überall seine
Finger im Spiel hat."
Angesichts der ohnehin zunehmend instabilen Lage im Libanon löste
das Attentat international Entsetzen aus. Der französische
Staatschef Jacques Chirac bezeichnete den Anschlag als
"schändliches Attentat". Der US-Außenstaatssekretär
Nicholas Burns sagte, die US-Regierung sei "schockiert" über das
Attentat. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sagte: "Der
Libanon hat wieder einmal einen schweren Tribut dafür gezahlt, in
Frieden und Unabhängigkeit leben zu wollen."
Der UN-Botschafter der USA, John Bolton, drängte auf die rasche
Einsetzung des geplanten internationalen Tribunals zum Hariri-Mord. Das
Attentat auf Gemayel zeige, "warum wir dieses Tribunal so schnell wie
möglich einsetzen müssen", sagte Bolton in New York. Gemayels
Ermordung sei augenscheinlich "ein weiterer terroristischer Anschlag in
Beirut".
Eine Expertenkommission der Vereinten Nationen wertet die israelischen
Angriffe auf Zivilisten im Libanon als "Kollektivbestrafung" und
"offenkundige Verletzung des internationalen Menschenrechts". Dies geht
aus einem im Internet veröffentlichten Abschlussbericht des
UN-Ermittlerteams hervor. Der UN-Menschenrechtsrat hatte im September
den brasilianischen Botschafter Joao Clemente Baena Soares, den
tansanischen Richter Mohamed Chande Othman und den griechischen
Professor Stelios Perrakis mit Ermittlungen zu den israelischen
Angriffen auf Zivilisten während der Libanon-Offensive beauftragt.
Die Experten stellten in ihrem 125-seitigen Bericht ein "eindeutiges
Muster von exzessiver, wahlloser und unangemessener Anwendung von
Gewalt" durch die israelische Armee gegen libanesische Zivilisten fest.
Während des 34-tägigen Kriegs im Sommer hatte Israel seine
Angriffe auf zivile Ziele damit gerechtfertigt, dass diese durch die
radikalislamische Schiitenmiliz Hisbollah genutzt würden. Der
Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein Teil der Angriffe auf
Infrastruktur lediglich um der "Zerstörung willen" ausgeführt
worden seien. Auch der massive Einsatz von Streubomben sei
militärisch nicht begründet gewesen.
Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, ist in
der israelischen Stadt Sderot einem Raketenangriff
palästinensischer Extremisten knapp entgangen.
Die Raketen seien am Dienstag ein paar hundert Meter entfernt von
Arbour und ihrer Gruppe eingeschlagen, sagte ein UN-Sprecher. "Sie war
in einem Auto. Aber die Delegation hatte gerade kurz angehalten, als wir
sehr laute Explosionen hörten. Zwei Rauchsäulen stiegen auf."
Sanitäter sagten, ein etwa 40-jähriger Fabrikarbeiter sei bei
dem Anschlag schwer verwundet worden.
Die Raketen schlugen kurz nach einem im Gazastreifen groß
angelegten Einsatz des israelischen Militärs ein. Bei der Offensive
wurde nach Krankenhausangaben ein hochrangiges Hamas-Mitglied
getötet, das bewaffnet gewesen sein soll. Zudem wurde eine
70-jährige Frau bei den Gefechten zwischen Soldaten und Extremisten
erschossen. Krankenhausmitarbeitern zufolge war aber nicht klar, welche
Seite den tödlichen Schuss abgegeben hatte.
Arbours Besuch in Sderot ist Teil ihres fünftägigen
Nahost-Besuchs. Kurz vor ihrer Ankunft in der israelischen Grenzstadt,
die häufig Ziel von Raketenangriffen ist, war sie im Gazastreifen.
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas habe sie bei einem
Treffen mit Nachdruck klar gemacht, dass er sich mit all seiner
Autorität für ein Ende des Beschusses mit Kassam-Raketen
einsetzen solle. "Die Hochkommissarin vertritt die Position, dass
Kassam-Raketen nach internationalem Recht illegal sind. Der Grund
dafür ist, dass die Raketen ungenau sind."
In den palästinensischen Autonomiegebieten sind nach Angaben der
Vereinten Nationen immer mehr Menschen auf Lebensmittelhilfe
angewiesen. 1996 habe man nur 37 000 Menschen versorgt. Heute seien es
rund 600 000, sagte die zuständige Direktorin des
Welternährungsprogramms, Naila Sabra, der Nachrichtenagentur dpa.
Die Situation sei Besorgnis erregend. Nach Angaben der UN-Organisation
stieg die Arbeitslosenquote im Gazastreifen auf fast 40 Prozent und im
Westjordanland auf rund 30 Prozent.
(Quellen: rtr, dpa, afp)
USA stellen dem Sudan Ultimatum
Mi.22.11.06 - Die US-Regierung hat dem Sudan nur noch eine Frist bis zum 1. Januar
eingeräumt, um einer UN-Schutztruppe für die sudanesische
Krisenregion Darfur zuzustimmen. Sollte die Regierung in Khartum bis
dahin nicht einlenken, werde es einen Plan B geben, sagte der
Sudan-Beauftragte des Weißen Hauses, Andrew Natsios, am Montag in
Washington. Er hoffe, dass die moderaten Kräfte im Sudan dies
verstünden.
Nach den Worten von Natsios gibt es mit der sudanesischen Regierung
bislang keine Einigung über die Stärke der UN-Schutztruppe
sowie deren Kommandeur.
In der Krisenregion Darfur kämpfen von der Regierung
unterstützte arabisch-muslimische Reitermilizen seit drei Jahren
gegen Rebellen. Dabei richten sie immer wieder Massaker unter der
nicht-arabischen Zivilbevölkerung an. In dem Konflikt sind bislang
mehr als 200 000 Menschen getötet und vier Millionen Menschen
vertrieben worden.
Der persönliche Sudan-Beauftragte von US-Präsident George W.
Bush wollte sich nicht näher dazu äußern, welche
alternative Strategie die US-Regierung verfolgen wollten, falls die
Führung in Khartum nicht einlenken werde. Drohungen seien nicht
sehr sinnvoll, sagte Natsios.
Das Stichdatum 1. Januar begründete Natsios damit, dass dann das
Mandat der Truppen der Afrikanischen Union auslaufe,
UN-Generalsekretär Kofi Annan aus dem Amt scheide und der neue
US-Kongress seine Arbeit aufnehmen werde.
(Quelle: dpa)
Kämpfe vor Oberstem Gericht im Kongo ausgebrochen
Mi.22.11.06 - Vor dem Obersten Gericht im Kongo sind am Dienstag Kämpfe
ausgebrochen. Das Gerichtsgebäude in Kinshasa stand in Flammen.
Nachdem Schüsse gefallen waren, erschienen Mitglieder der
UN-Friedenstruppe in Panzerwagen vor dem Gerichtsgebäude.
Schüsse waren nach etwa 45 Minuten nicht mehr zu hören, doch
brachen in den umliegenden Straßen Kämpfe aus. Autos wurden
in Brand gesteckt. Die Menschen im Gebäude wurden von UN-Soldaten
in Sicherheit gebracht.
In dem Gericht war eine Anhörung über Betrugsvorwürfe im
Zusammenhang mit der Präsidentenwahl angesetzt. Die Anwälte
von Vizepräsident Jean-Pierre Bemba hatten beim Obersten
Gerichtshof Einspruch gegen das Wahlergebnis eingelegt, demzufolge der
ehemalige Rebellenführer auf 42 Prozent der Stimmen kam.
Amtsinhaber Joseph Kabila gewann nach Angaben der Unabhängigen
Wahlkommission mit 58 Prozent. Der Oberste Gerichtshof muss diese Zahlen
bis zum 30. November bestätigen.
(Quelle: ap)
Weltweite Aidsepidemie erreicht neuen Höchststand
Mi.22.11.06 - Mehr Infektionen, mehr Tote: Trotz einzelner Lichtblicke hat die
weltweite Aidsepidemie mit 39,5 Millionen Infizierten einen neuen
Höchststand erreicht.
Bis zum Jahresende werden sich weltweit 4,3 Millionen Menschen neu mit
dem Aidserreger HIV angesteckt haben. 2,9 Millionen Aidstote verzeichnet
der Weltaidsbericht 2006, der in aktualisierter Fassung am Dienstag vom
Aidsbekämpfungsprogramm UNAIDS der Vereinten Nationen in Genf und
Berlin vorgestellt wurde. Deutschlands Bundesentwicklungsministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) betonte: «Inzwischen sind fast
die Hälfte der Infizierten weltweit Frauen, vor zehn Jahren waren
es nur 12 Prozent.»
Die Bundesregierung werde bei der G8- und EU-Ratspräsidentschaft
das Thema Aids und die besondere Unterstützung für Frauen und
Mädchen hochrangig auf die Agenda setzen, betonte die Ministerin.
Rund 400 Millionen Euro will Deutschland 2007 für den Kampf gegen
die Immunschwächekrankheit weltweit einsetzen.
In Deutschland stagniert die Zahl neuer Infektionen auf hohem Niveau:
Im ersten Halbjahr 2006 wurden 1197 neue Fälle gemeldet. Vor allem
bei Männern, die Sex mit Männern haben, hat sich die Zahl der
Neuansteckungen von 2001 bis 2005 wieder mehr als verdoppelt.
«Aber auch Migranten sind hier zu Lande weit schlechter über
HIV und Aids informiert als Deutsche», kritisierte Ulrich Heide,
Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung in Berlin. «Wir alle wissen
nicht erst seit der Vogelgrippe, dass Infektionskrankheiten vor keiner
Grenze Halt machen.» Allein in den vergangenen 18 Monaten
hätten Betroffene aus 112 Herkunftsländern, die in Deutschland
leben, bei der Aidsstiftung um Hilfe gebeten.
Nach wie vor wird Afrika südlich der Sahara am stärksten von
dem Immunschwächevirus heimgesucht: Dort leben fast zwei Drittel
aller Infizierten (63 Prozent). Zwar sei der Anteil der Infizierten in
einigen Ländern der Region zurückgegangen, diese Trends seien
aber weder stark noch weit verbreitet genug, um die Epidemie wirklich zu
schwächen, betonte UNAIDS. Fast drei Viertel (72 Prozent) aller
Aids- Todesfälle gab es im Süden Afrikas (2,1 Millionen). Den
stärksten Anstieg der HIV-Infektionen verzeichnet der Bericht in
Ost- und Zentralasien sowie Osteuropa. Dort gab es 2006 etwa ein
Fünftel (21 Prozent) mehr Infizierte als noch 2004.
Weltweit erhalten nach UNAIDS-Angaben nur etwa ein Viertel der 6,8
Millionen Bedürftigen Medikamente. Im Kampf gegen Aids fehle viel
Geld: 2006 stünden weltweit voraussichtlich 8,9 Milliarden
US-Dollar (6,9 Millionen Euro) zur Verfügung. Benötigt
würden aber 14,9 Milliarden Dollar. Zahlreiche Hilfsorganisationen
klagen, dass die reichen Länder hinter zugesagten Hilfszahlungen
zurückbleiben. Würden die vorhandenen Behandlungs- und
Vorbeugemethoden umgesetzt, ließen sich bis Ende 2020 etwa 29
Millionen neue Infektionen verhindern, berichtete UNAIDS. Allein bis
2015 würde das 24 Milliarden Dollar Behandlungskosten sparen.
In Asien, der am zweitstärksten betroffenen Region, leben 8,6
Millionen Menschen mit HIV/Aids. In Indien sind 5,7 Millionen infiziert,
es ist damit vor Südafrika (5,5 Millionen) das Land mit den
meisten Betroffenen. Zunehmend werden Inderinnen infiziert, weil sich
ihre Männer bei Prostituierten anstecken - in Bombay sind laut
UNAIDS bis zu 54 Prozent der Prostituierten HIV-positiv. Verseuchte
Drogenspritzen haben 44 Prozent der 650 000 Betroffenen in China
infiziert.
In den reichen Ländern West- und Zentraleuropas sowie den USA
leben insgesamt 2,4 Millionen HIV-Infizierte, etwa 290 000 steckten sich
2006 neu an. Mitverantwortlich für die kaum sinkenden Zahlen sei
auch der durch die neuen Medikamente hervorgerufene Gedanke,
«dass HIV kein Todesurteil mehr sein muss», sagte
UNAIDS-Direktor Bertil Lindblad. «Vor 15 Jahren war Aids in den
Großstädten sichtbar, heute ist das nicht mehr der
Fall.» Die Gefährlichkeit der Krankheit müsse wieder
mehr ins Bewusstsein der Menschen rücken. «Schließlich
wird die Zahl der Menschen mit HIV/AIDS auch bei uns jedes Jahr
größer», sagte Heide.
(Quelle: dpa)
IAEA will Iran Hilfe beim Bau von Forschungsreaktor verweigern
Mi.22.11.06 - Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) will einen Antrag
Irans auf technische Hilfe beim Bau eines plutoniumproduzierenden
Forschungsreaktors bei Arak aller Voraussicht nach ablehnen. Darauf
einigte sich am Dienstag ein Großteil der 35 Teilnehmerstaaten bei
einem Treffen in Wien, wie aus Diplomatenkreisen verlautete. Im
Gegenzug sollten sieben andere iranische Projekte genehmigt werden. Die
Diplomaten betonten jedoch, dass es sich um eine vorläufige
Einigung handele, die vermutlich am Donnerstag formal beschlossen werden
solle.
Es werde erwartet, dass der Beschluss einvernehmlich falle werden,
erklärten vier Verhandlungsteilnehmer. Der iranische Chefdelegierte
Ali Aschgar Soltanieh warf den Gegnern des Projekts in Arak
Diskriminierung vor. Zugleich werde die Gefahr ignoriert, die von der
mutmaßlichen Atommacht Israel ausgehe, sagte Soltanieh laut
Redemanuskript, das der Nachrichtenagentur AP vorab vorlag, vor einem
hinter verschlossenen Türen tagenden IAEA-Ausschuss.
Zu Beginn der Beratungen am Montag hatten sich bereits sowohl die USA
als auch die EU entschieden gegen den Antrag Teherans auf Hilfe beim Bau
des Schwerwasserreaktors in Arak ausgesprochen. Die EU erklärte,
der Reaktor würde in der Zukunft eine beträchtliche Menge
Plutonium produzieren, was mit Blick auf die Nichtweiterverbreitung von
Atommaterial ein großes Risiko darstellen würde. China und
Russland haben demgegenüber keine Einwände gegen eine
Unterstützung des Projekts.
Bei fünf der übrigen Projekte geht es dem Vernehmen nach um
Unterstützung in Verwaltungs- und Sicherheitsfragen. Ein Antrag
befasst sich mit juristischer Hilfe für den von Russland gebauten
Reaktor Buschehr, der siebte mit Hilfe bei der Entwicklung nuklearer
Ressourcen auf medizinischem Gebiet.
(Quelle: ap)
Indien und China wollen Handel bis 2010 verdoppeln
Mi.22.11.06 - Die asiatischen Großmächte China und Indien wollen bis 2010
ihren bilateralen Handel verdoppeln. Als Zielgröße nannten
der chinesische Präsident Hu Jintao und der indische
Ministerpräsident Manmohan Singh am Dienstag in Neu-Delhi ein
Volumen von 32 Milliarden Euro. Beide sicherten sich gegenseitig zu, auf
ihre jeweiligen politischen Interessen Rücksicht zu nehmen. Seit
einem Grenzkrieg im Jahr 1992 kam es immer wieder zu Spannungen
zwischen den beiden Nachbarn.
«Es gibt genug Platz für beide Länder, um sich in
gegenseitiger Unterstützung gemeinsam zu entwickeln und dabei
sensibel zu bleiben für die Sorgen und Wünsche des jeweils
anderen Landes», sagte Singh nach Gesprächen mit Hu. Als
wichtiges Instrument nannten beide den bilateralen Handel, der vor zwei
Jahrzehnten verschwindend gering war und in diesem Jahr ein Volumen von
etwa 16 Milliarden Euro erreichen wird.
Hu und Singh unterzeichneten 13 Vereinbarungen zur Zusammenarbeit in
Wirtschaft und Landwirtschaft, in der Energieversorgung sowie zu
Wissenschaft und Bildung. Außerdem vereinbarten sie die
Einrichtung eines chinesischen Konsulats in Kalkutta und eines indischen
Konsulats in Guangzhou.
Der Besuch Hus ist der erste eines chinesischen Präsidenten in
Indien seit zehn Jahren. Hu kündigte an, die Bemühungen um
eine Klärung der noch offenen Fragen zum Grenzverlauf zu
verstärken. «Wir sind beide der Überzeugung, dass eine
baldige Beilegung der Grenzfrage im fundamentalen Interesse unserer
beiden Länder liegt», sagte der Gast aus Peking.
Nicht erwähnt wurde der Tibet-Konflikt. In Nordindien leben
120.000 Exiltibeter, unter ihnen auch ihr geistliches Oberhaupt, der
Dalai Lama. Bei der Ankunft Hus am Montag wurden vier Demonstranten
verhaftet, die am Flughafen auf einem Transparent «Freiheit
für Tibet» forderten. Im Zentrum von Neu-Delhi demonstrierten
mehr als 1.000 Tibeter, angeführt von buddhistischen Mönchen,
gegen den Staatsbesuch.
Hu bleibt noch bis Donnerstag in Indien und besucht unter anderem
Bombay. Anschließend wird er in Pakistan erwartet.
(Quelle: ap)
China will eines der größten Solarkraftwerke der Welt bauen
Mi.22.11.06 - China will eines der größten Solar (Kopenhagen: SOLARB.CO -
Nachrichten) -Kraftwerke der Welt bauen. Die umgerechnet rund 600
Millionen Euro teure Anlage mit einer Leistung von 100 Megawatt soll in
der nordwestlichen Provinz Gansu entstehen, wie die Nachrichtenagentur
Xinhua am Dienstag berichtete. Die mit staatlichen Geldern
geförderte Anlage soll binnen fünf Jahren fertiggestellt sein.
China hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 rund 16 Prozent
seiner Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Das Land hat das
Kyoto-Protokoll 1998 unterzeichnet, ist aber weiterhin der
weltgrößte Verbraucher von Kohle und nach den USA der
zweitgrößte Verursacher von klimaschädlichen
Treibhausgasen. Jedes Jahr baut das Land wegen des Wirtschaftsbooms
zahlreiche neue Kohlekraftwerke.
(Quelle: afp)
Historisches Friedensabkommen für Nepal unterzeichnet
Mi.22.11.06 - Nach einem Jahrzehnt der Gewalt mit mehr als 12.500 Toten haben
Regierung und Rebellen in Nepal ein historisches Friedensabkommen
unterzeichnet. Sieben Monate nach den gewaltsamen Protesten, die
König Gyanendra zur Aufgabe seiner Machtbefugnisse zwangen,
setzten Übergangsministerpräsident Girija Prasad Koirala und
Rebellenführer Prachanda in Kathmandu ihre Unterschrift unter das
Abkommen. Es sieht die Beteiligung der Maoisten an der Regierung vor,
die im Gegenzug ihre "Volksbefreiungsarmee" und ihr Waffenarsenal unter
UN-Aufsicht stellen sollen.
Hunderte Politiker, Diplomaten und Journalisten applaudierten bei der
Unterzeichnung des Friedensabkommens in einem Konferenzzentrum in der
Hauptstadt Kathmandu. Danach soll das gegenwärtige Parlament
aufgelöst und durch ein neues Übergangsparlament ersetzt
werden, in dem die Rebellen 73 von 330 Sitzen erhalten. Sie sollen
zudem an der bis zum 1. Dezember zu bildenden Übergangsregierung
beteiligt werden. Die rund 35.000 Kämpfer der Rebellen sollen
unter UN-Aufsicht gestellt werden. Auch die Waffen der rund 90.000 Mann
starken Regierungsarmee sollen teilweise abgegeben werden.
Die Maoisten und die sieben nepalesischen Parteien hatten das
historische Abkommen Anfang November angekündigt.
Rebellenführer Prachanda sicherte ferner zu, dass seine
Organisation dem bewaffneten Kampf abschwöre. Die Guerilla werde
in eine politische Organisation umgewandelt.
Nicht geregelt wurde der Status des Königs, der zwischen beiden
Lagern strittig ist. Diese Frage soll nach der Bildung einer
verfassungsgebenden Versammlung im kommenden Jahr angegangen werden.
Während die Rebellen die Monarchie rundum abschaffen wollen, ist
Gyanendra für viele Nepalesen eine Inkarnation des Hindu-Gottes
Vishnu. Nach den dreiwöchigen Massenprotesten hatte der König
einen Großteil seiner uneingeschränkten Machtbefugnisse
aufgegeben, die er sich im Februar 2005 selbst eingeräumt hatte.
So musste er das Parlament wieder einsetzen und seine Direktherrschaft
beenden. Er hat nun nur noch repräsentative Aufgaben.
(Quelle: afp)
Opposition in Mexiko ruft Gegenregierung aus
Mi.22.11.06 - Elf Tage vor dem Amtsantritt des neuen mexikanischen Präsidenten
Felipe Calderón hat die bei der Wahl knapp unterlegene Linke
eine Gegenregierung ausgerufen. Vor 100.000 Anhängern auf dem
Zócalo, dem zentralen Platz von Mexiko-Stadt, ließ sich
Oppositionsführer Andrés Manuel López Obrador am
Dienstag zum Gegenpräsidenten ausrufen. Um eine Konfrontation zu
vermeiden, sagte die Regierung eine Parade zum Jahrestag der
Mexikanischen Revolution von 1910 ab.
«Ich verspreche, loyal und patriotisch als legitimer
Präsident von Mexiko zu dienen», sagte López Obrador.
Er werde die Macht der großen Konzerne und der
«neofaschistischen Oligarchie» beschneiden. Seiner
Parallelregierung gehören zwölf Mitglieder an, sechs Frauen
und sechs Männer. Er werde drei Tage in der Woche in der
Hauptstadt sein und die übrige Zeit durchs Land reisen,
kündigte der ehemalige Bürgermeister von Mexiko-Stadt an.
López Obrador und seine Partei der Demokratischen Revolution
(PRD) verfügen zwar über keine verfassungsrechtliche
Legitimität, beanspruchen aber eine moralische Führungskraft.
In dem offiziellen Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom 2. Juli
sehen sie die Folge von Manipulationen zugunsten von Calderóns
Nationaler Aktionspartei (PAN), die auch den scheidenden
Präsidenten Vicente Fox stellt.
Für den 1. Dezember hat die Opposition angekündigt, die
Vereidigung Calderóns im Kongress zu stören. «Wir
werden Calderón die ganze Zeit daran erinnern, dass er ein
illegitimer Führer ist», sagte am Dienstag die
55-jährige Politikwissenschaftlerin Beatriz Zuniga. «Er hat
nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung. Dieser Mann wird seine
Amtszeit nicht zu Ende führen.»
Calderón berief unterdessen seine ersten Minister und
kündigte an, dass er die Schaffung neuer Arbeitsplätze in den
Mittelpunkt seiner Regierung stellen wolle. Dies sei der einzig
wirksame Weg zur Bekämpfung der Armut. Finanzminister wird Agustin
Carstens, der bislang stellvertretender Direktor des Internationalen
Währungsfonds (IWF) war. Zum Arbeitsminister berief er Javier
Lozano.
In der Stadt Oaxaca, einem Zentrum der linksgerichteten
Protestbewegung, kam es unterdessen erneut zu Zusammenstößen
zwischen Aufständischen und der Polizei. Teilnehmer eines Marschs
zum Tag der Revolution stürmten ein Hotel, schlugen Fenster ein
und setzten Autos ins Brand. Auf dem seit Ende Oktober von der Polizei
besetzten Zentralplatz Zócalo bewarfen sie die Beamten mit
Steinen, Brandsätzen und Feuerwerkskörpern. Diese gingen mit
Tränengas und Pfefferspray gegen die Menge vor. Zur
Unterstützung der Aufstandsbewegung in Oaxaca blockierten mehrere
tausend Bewohner indianischer Dorfgemeinschaften Fernstraßen im
südmexikanischen Staat Chiapas.
(Quelle:ap )
Ifo: Weltwirtschaft steht nur vor leichter Konjunkturabkühlung
Mi.22.11.06 - Die Chancen für ein anhaltend kräftiges Wachstum der
Weltwirtschaft sind einer Umfrage zufolge gut.
Erwartet werde im nächsten halben Jahr nur eine "moderate
konjunkturelle Abkühlung", lautet das Fazit der am Dienstag
veröffentlichten vierteljährlichen Umfrage des Münchner
Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) unter rund 1000 Experten
aus 89 Ländern. Der dabei ermittelte Indikator für das
Weltwirtschaftsklima sank im vierten Quartal auf das Jahrestief von
104,7 nach zuvor 105,6 Punkten. "Der Rückgang des Klimaindikators
ist erneut ausschließlich auf die weniger zuversichtlichen
Erwartungen für die nächsten sechs Monate
zurückzuführen", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Der Teilindikator für die Erwartungen ging auf 89,5 von 96,5
Zählern zurück. Die Beurteilung der aktuellen Lage verbesserte
sich dagegen zum fünften Mal in Folge und erreichte mit 120,5 nach
115,1 Zählern ein Sechs-Jahres-Hoch. Die aktuelle Wirtschaftslage
schätzten die Befragten in Westeuropa und Asien besser ein,
für die USA dagegen schlechter. Die konjunkturellen Aussichten
hellten sich der Umfrage zufolge in Asien und den USA auf, während
sie sich in Westeuropa eintrübten.
Wegen der etwas ungünstigeren Konjunkturperspektiven und
geringerer Inflationsgefahren setzen weniger Experten auf weiter
steigende Leitzinsen als im Sommer. "In Nordamerika wird sogar mit einem
bald bevorstehenden Ende des Zinsanstiegs gerechnet", sagte Sinn. Der
Dollar gilt als angemessen bewertet. Den Euro und das britische Pfund
halten die Experten dagegen für etwas überbewertet, den
japanischen Yen für unterbewertet.
(Quelle: rtr)
Verheugen will Gesetzesmacht der EU-Staaten einschränken
Mi.22.11.06 - EU-Vizekommissionspräsident Günter Verheugen will das
Mitspracherecht der Nationalstaaten bei der EU-Gesetzgebung
einschränken. "Statt Rahmenrichtlinien brauchen wir wieder mehr
Verordnungen, die direkt in der ganzen EU Rechtskraft erlangen", sagte
Verheugen der "taz" (Mittwochausgabe). Dies gelte besonders für den
Binnenmarkt. In den vergangenen Jahren hatte die EU den Binnenmarkt vor
allem mit Richtlinien reguliert, die von den einzelnen
EU-Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt wurden. Verordnungen
aus Brüssel hingegen müssen ohne Änderung von den
EU-Staaten direkt angewandt werden.
(Quelle: afp)
Deutschland
Rentenniveau sinkt - Beiträge steigen
Mi.22.11.06 - Bei den Renten zeichnen sich nach Medienberichten langfristig
höhere Beiträge ab als im Zusammenhang mit der Rente ab 67
angenommen. Gleichzeitig geht das Rentenniveau im Vergleich mit dem
Durchschnittseinkommen von Arbeitnehmern zurück, wie das
Düsseldorfer «Handelsblatt» und die «Passauer
Neue Presse» vergangenen Donnerstag berichteten. Rentenkürzungen
soll es in den nächsten beiden Jahren aber nicht geben. Der
Rentenversicherungsbericht soll am 29. November im Kabinett beraten
werden.
Das «Handelsblatt» berichtete, in der Endfassung des
Rentenversicherungsberichts werde für 2020 ein Beitragssatz von
20,0 Prozent erwartet. Dies wären 0,1 Punkte mehr als bei der Rente
mit 67 vorgesehen. Die genaue Höhe des Beitrags ist wichtig, weil
die Bundesregierung gesetzlich verpflichtet ist, weitere Einschnitte
bei der Rente vorzunehmen, falls der Beitrag bis 2020 über 20,0
Prozent klettert. Dies sei laut Rentenversicherungsbericht zwar in der
mittleren Prognosevariante weiter nicht zu erwarten, schrieb das Blatt.
Bereits bei einer etwas schwächeren Lohnentwicklung erwarteten
Beamte des Sozialministeriums jedoch einen Satz von 20,3 Prozent. Die
Rentenprognose habe nach Angaben aus Regierungskreisen aufgrund der
aktuellen Steuerschätzung korrigiert werden müssen.
Die «Passauer Neue Presse" berichtete unter Berufung den
jüngsten Rentenbericht von Bundessozialminister Franz
Müntefering (SPD), die nach der Rentenformel eigentlich notwendigen
Kürzungen bei der Rente sollten auch in den nächsten beiden
Jahren nicht vorgenommen werden. Die nicht erfolgten Kürzungen
würden stattdessen ab 2011 mit Rentenerhöhungen verrechnet.
Dann sollten Rentensteigerungen bis zum Abbau des Ausgleichsbedarfs
halbiert werden. Insgesamt sollten die Renten bis zum Jahr 2020 um rund
21 Prozent steigen. Das entspreche einer durchschnittlichen
Steigerungsrate von 1,4 Prozent pro Jahr. Das Sicherungsniveau im
Vergleich zu den Durchschnittseinkommen der Arbeitnehmer gehe dennoch
zurück. Es betrage vor Abzug von Steuern derzeit 52,4 Prozent und
sinke bis zum Jahr 2020 auf 46,6 Prozent.
Große Unterschiede wird es der Zeitung zufolge weiter bei den
Renten in Ost und West geben. Das Rentenniveau liegt derzeit in den
neuen Ländern bei 88,1 Prozent des West-Wertes, bis 2010 ist es
minimal auf 88,3 Prozent gestiegen. Geht die Ost-West-Angleichung der
Renten in diesem Tempo weiter, dauert es rein rechnerisch 238 Jahre, bis
die Ost-Rente Westniveau erreicht. Bei den Beträgen, die
tatsächlich an die Rentner ausgezahlt werden, stellt sich die
Situation jedoch umgekehrt dar. Wegen in der Regel längeren
Berufsausübung liegt die durchschnittliche ausgezahlte Rente im
Osten höher. Derzeit erhalten Männer dort im Schnitt 985,63
Euro monatlich, gegenüber 934,33 Euro, die ein West-Rentner
erhält. Wegen der deutlich höheren Berufstätigkeit der
Frauen in der ehemaligen DDR ist der Unterschied bei den Frauenrenten
sogar noch größer. 825,96 Euro werden derzeit
durchschnittlich an Rentnerinnen in den neuen Ländern gezahlt,
635,61 Euro an Rentnerinnen im Westen.
(Quelle: ddp)
Neue Debatte um Computerspiele nach Amoklauf -Experten: Verbot von
Spielen bringt nichts
Mi.22.11.06 - Der Amoklauf eines Ex-Schülers an der Realschule in Emsdetten hat
eine neue Debatte um ein Verbot gewaltverherrlichender Computerspiele
und den Umgang mit Gewalt in der Gesellschaft ausgelöst.
Die bayerische Staatsregierung plädierte für ein umgehendes
Verbot sowohl einschlägiger Computerspiele wie auch von "echten"
Killerspielen, bei denen mit Farbpatronen oder Weichgummi-Bällen
auf Mitspieler geschossen wird. Niedersachsens Innenminister Uwe
Schünemann kündigte eine Bundesrats-Initiative zum Verbot
Gewalt verherrlichender Computerspiele an. Andere Politiker von SPD und
Union zeigten sich zwar offen für schärfere Gesetze,
plädierten zugleich aber für eine tiefergehende Debatte um
Gewalt in der Gesellschaft. Vertreter von Elternverbänden und
Wissenschaftler plädierten zudem für eine stärkere
Werteerziehung.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers sagte am Dienstag nach Gesprächen mit Opfern,
Angehörigen und Polizeibeamten im münsterländischen
Emsdetten, der Vorfall müsse Anlass sein, über das Thema
Gewalt in der Gesellschaft nachzudenken. Es müsse auch
überlegt werden, wie Gewalt verherrlichende Computerspiele, die
einer der Hintergründe für die Tat gewesen seien, aus
Kinderzimmern verbannt werden könnten. Zudem müsse der Einsatz
von Schulpsychologen verbessert werden. "Wir müssen die Frage der
Gewaltbereitschaft im Lande neu diskutieren", bilanzierte der
CDU-Politiker.
Auch die bayerische Familienministerin Christa Stewens zog eine direkte
Verbindung zwischen Computerspielen und dem Amoklauf vom Montag, bei dem
der 18-jährige Täter an einer Realschule in Emsdetten
fünf Menschen durch Schüsse schwer verletzt hatte bevor er
sich dann selbst tötete. Der Fall zeige, was Computerspiele in den
Köpfen Jugendlicher anrichten könnten, sagte die
CSU-Politikerin. Sie forderte die große Koalition in Berlin auf,
rasch Änderungen im Medienschutz Jugendlicher durch Verbote auf den
Weg zu bringen. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag
festgeschrieben, dass ein Verbot von Killerspielen geprüft werden
solle.
Niedersachsens Innenminister Schünemann kündigte in der
"Netzeitung" eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel an, die
Selbstkontrolle der Unterhaltungssoftware abzuschaffen. "Hier muss es
ein völlig neues Überprüfungsgremium geben, das allein in
staatlicher Hand liegt." Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz
sagte, zwar könne eine Verbotsdebatte sinnvoll sein, gleichzeitig
dürfe es keine kurzschlussartige Panik-Reaktion geben. "Wir
brauchen Frühwarnsysteme, und nicht diese vordergründige
Diskussion um das Verbot von Killerspielen", sagte er dem Sender N24.
Die Grünen nannten es kurzsichtig, die Schuld für die Tat
allein bei Computerspielen zu suchen. Computerspiele würden
reflexartig als Sündenbock herangezogen, wenn die Bildungs- und
Jugendhilfepolitik der Länder kaschiert werden solle, erklärte
die Grünen-Abgeordneten Grietje Bettin und Kai Gehring. "Erneute
Verbotsverfahren sind billig", kritisierten die Grünen-Politiker.
Der Chef des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, bemängelte
einen allgemeinen Werteverfall in der Gesellschaft. "Eine Gesellschaft,
die diese Werte verliert, läuft irgendwann selber Amok", schrieb
er in der "Bild"-Zeitung.
Auch Wissenschaftler zweifelten am Sinn eines Verbotes von
Gewalt-Computerspielen. "Mit einem Verbot würde man das Ganze nicht
in den Griff bekommen. Ein Verbot könnte für jüngere
Leute einen noch größeren Anreiz bieten, sich das Spiel zu
besorgen", sagte der Berliner Professor für
Entwicklungspsychologie Herbert Scheithauer der Nachrichtenagentur
Reuters. "Nicht jeder Mensch, der solche Spiele spielt, wird zum
Amokläufer." Gefährdet seien vor allem Jugendliche, die
unkontrolliert Medien konsumierten, wenig Sozialkontakte hätten und
von Gewalt fasziniert seien. "Man muss an die Spieleentwickler
appellieren, solche Spiele nicht zu entwickeln", forderte Scheithauer.
Sein Kollege Hans Merkens plädierte für mehr Vorbeugung. "Ein
Problem ist, dass es im Bereich der Jugendhilfe zu wenig funktionierende
Netzwerke gibt. Man muss mehr in Frühwarnsysteme investieren",
sagte er.
Ein Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft und der Nutzung von
Computerspielen ist auch nach einer Studie der Bundesregierung bislang
nicht klar belegt. Zwar gäben die gewalttätigen Inhalte vieler
Spiele Anlass zur Sorge und ließen stärkere negative
Wirkungen als beim Fernsehkonsum erwarten, heißt es in der Studie
"Medien und Gewalt" des Familienministeriums. Für eindeutige
Aussagen reiche die Forschungslage aber nicht aus.
(Quelle: rtr)
Studenten wollen Sammelklagen gegen Studiengebühren einreichen
Mi.22.11.06 - An den nordrhein-westfälischen Verwaltungsgerichten sollen in den
kommenden Tagen die ersten Sammelklagen gegen die Einführung von
Studiengebühren eingereicht werden. Bisher hätten rund 2000
Studenten dafür ihr Klagerecht an die Allgemeinen
Studierendenausschüsse (AStA) abgetreten, sagten die Organisatoren
des Landes-ASten-Treffens (LAT-NRW) am Dienstag in Düsseldorf. Bis
zum Beginn des Sommersemesters 2007 solle die Zahl auf insgesamt 10 000
steigen.
Die meisten Abtretungserklärungen gingen mit rund 500
beziehungsweise 600 an den Universitäten Köln und Siegen ein,
wie der Koordinator der Kampagne, Daniel Weber, sagte. Insgesamt sei das
Mobilisierungspotenzial noch nicht ausgeschöpft, betonte er. Er
erhoffe sich weitere Abtretungserklärungen zum Sommersemester,
wenn von allen Studenten Gebühren erhoben werden können. Im
Wintersemester gilt dies nur für Studienanfänger. Die Kosten
der Klagen tragen den Angaben zufolge die ASten.
Weber zeigte sich zugleich zuversichtlich, mit den Sammelklagen die
Studiengebühren kippen zu können. Ein solcher rechtlicher
Erfolg werde auch «Signalwirkung» für andere
Bundesländer mit Studiengebühren haben. Der Koordinator
kritisierte, dass die Einführung von Studiengebühren ein
Verstoß gegen den Vertrauensschutz darstellten. Zugleich
könne es Ungleichbehandlungen geben, weil die Hochschulen selbst
über die Einführung der Gebühren entschieden.
Der Düsseldorfer Landtag hatte im März die Einführung
von Studiengebühren beschlossen. Danach können die Hochschulen
im laufenden Wintersemester von Erstsemestern und ab Sommer 2007 von
allen Studenten maximal 500 Euro pro Semester verlangen. Nach Angaben
des Wissenschaftsministeriums zahlt derzeit gut jeder zweite
Studienanfänger an den staatlichen Hochschulen erstmals
Gebühren.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Religiöser Fanatismus laut Studie nicht Hauptursache von Terror
Mi.22.11.06 - Religiöser Fanatismus ist einer neuen Studie zufolge nicht die
Hauptursache für politische Gewalt und Terrorismus. Vielmehr seien
Armut, Misswirtschaft und Unterdrückung die zentralen Gründe,
wie die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh mit Verweis auf eine
weltweite Untersuchung mitteilte. Demnach ist die Zahl der
Terroranschläge und Opfer in den vergangenen Jahren weltweit um
mehr als das Dreifache gestiegen. Der geographische Schwerpunkt von
gewalttätigen Konflikten und politischer Militanz lag den Angaben
zufolge eher in Asien als im Nahen und Mittleren Osten.
Der Studie zufolge stieg die Zahl der Terroranschläge in den
vergangenen fünf Jahren von 700 auf 2.200 pro Jahr an, die Zahl der
dabei getöteten und verletzten Menschen von 4.000 auf 13.000. Der
religiös motivierte, Staaten übergreifende Terrorismus nehme
zwar zu, sei aber nicht das Hauptmotiv politischer Gewalt. So seien nur
26 Prozent aller terroristischen Gruppen weltweit dem religiösen -
und dabei vor allem dem islamistischen - Extremismus zuzuordnen. Dies
entspreche in etwa dem Anteil linksextremistischer militanter
Organisationen. Den größten Anteil an politischer Gewalt
haben demnach mit 36 Prozent nach wie vor nationalistische und
separatistische Bewegungen.
Während die Zahl der Konflikte insgesamt weltweit gestiegen sei,
habe das Ausmaß der Gewalt abgenommen, erbrachte die Studie. 80
Prozent aller terroristischen Anschläge entfallen demnach auf eine
Kerngruppe von Staaten: Russland mit Tschetschenien, Kolumbien, Irak
sowie die Länderdreiecke Indien-Kaschmir-Pakistan und
Thailand-Philippinen-Indonesien. "Auch wenn unsere Bedrohungswahrnehmung
aufgrund der Anschläge in New York, London und Madrid eine andere
ist, so wird politische Gewalt im Regelfall dort ausgeübt, wo sie
aufgrund von sozialer Ungerechtigkeit und der Ausgrenzung von
benachteiligten Gruppen auch entsteht", hob der Autor der Studie, Aurel
Croissant von der Universität Heidelberg hervor.
Als wesentliche Ursachen politischer Gewalt werden Armut, ethnische
Spaltung, Staatsschwäche, Mängel des politischen Systems und
externe Intervention angegeben. "Unsere einseitige Aufmerksamkeit auf
den islamistischen Terrorismus und den Mittleren Osten verstellt den
Blick des Westens auf die eigentlichen Ursachen der politischen Gewalt
sowie geeignete Ansätze ihrer Bekämpfung", folgerte Hauke
Hartmann, Projektleiter der Bertelsmann Stiftung.
(Quelle: afp)
Abkommen über Kernfusionsreaktor ITER in Paris unterzeichnet
Mi.22.11.06 - Nach jahrelangen zähen Verhandlungen ist das Abkommen über
den internationalen Kernfusionsreaktor ITER in Frankreich feierlich
unterzeichnet worden.
In Anwesenheit des französischen Präsidenten Jacques Chirac
setzten Vertreter der Europäischen Union, der USA, Japans, Indiens,
Russlands, Südkoreas und Chinas am Dienstag im Elysee-Palast ihre
Unterschrift unter die Vereinbarung. Mit der Fusionstechnologie
verbindet sich die Hoffnung, billige Energie in großer Menge
erzeugen zu können.
Im vergangenen Jahr hatte Frankreich das Rennen gegen Japan als
Standort für den zehn Milliarden Euro teuren Internationalen
Thermonuklearen Experimentellen Reaktor (ITER) für sich
entschieden. Der Reaktor soll in Cadarache bei Marseille entstehen. Ziel
von ITER ist es, aus Meerwasser Energie zu gewinnen.
Befürworter argumentieren, die Technologie sei umweltfreundlicher
als Atomreaktoren. Kritiker bemängeln, es werde mindestens 50 Jahre
dauern, bis ein kommerziell nutzbarer Reaktor gebaut sei, sofern das
Projekt überhaupt gelinge. Trotz jahrzehntelanger Fusionsforschung
ist es bislang nicht gelungen, einen Versuchsreaktor zu entwickeln, der
mehr Energie erzeugt als er verbraucht.
(Quelle: rtr)