Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehr als 150 Tote bei Anschlägen in Bagdader Schiitenviertel.
Aufständische greifen irakisches Gesundheitsministerium an.
Irakische Regierung plant angeblich Treffen mit Aufständischen
Fr.24.11.06 - Bei der folgenschwersten Anschlagsserie seit dem Beginn des Irak-Kriegs
im März 2003 sind in der Hauptstadt Bagdad mehr als 150 Menschen
ums Leben gekommen. Nach Angaben von Ärzten und
Sicherheitskräften wurden bei den Explosionen im Schiitenviertel
Sadr City mindestens 152 Menschen getötet und 236 weitere
verletzt. Das Innenministerium verhängte eine unbefristete
Ausgangssperre. Wenige Minuten vor den Explosionen in Sadr City griffen
etwa hundert Bewaffnete das von dem Schiiten Ali el Schemmari
geführte Gesundheitsministerium in Bagdad an.
Sicherheitskräfte vertrieben die Angreifer.
Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums sagte dem Fernsehsender
El Irakija, die Polizei gehe davon aus, dass acht mit Sprengstoff
präparierte Autos nach Sadr City gefahren seien. Vier der
Autobomben seien explodiert. Eine weitere Autobombe sei gefunden und
der Fahrer des Wagens festgenommen worden. Nach den drei weiteren
vermuteten Autobomben werde noch gesucht. Die Armee habe das Gebiet
umstellt. Die schlimmste Detonation ereignete sich auf einem belebten
Markt. In dem 2,5 Millionen Einwohner zählenden Viertel Stadtteil
Sadr City, einer Hochburg von Anhängern des radikalen
Schiitenführers Moktada Sadr, werden häufig Anschläge
und Gewalttaten verübt.
Gesundheitsminister Schemmari, selbst ein Anhänger von Moktada
Sadr, befand sich nach eigenen Angaben zusammen mit rund 2000
Mitarbeitern in seinem Ministerium, als die mit Fahrzeugen
angerückten maskierten Angreifer das Gebäude mit
Schnellfeuerwaffen unter Beschuss nahmen. Fünf Menschen seien
verletzt worden. Die Attacke habe mit Mörserschüssen vom
benachbarten Viertel El Fahdel aus angefangen. Am späten
Nachmittag habe die Armee die Angreifer auseinandertreiben können.
Erst am Montag war Vize-Gesundheitsminister Hakim el Samili einem
Anschlag entkommen, bei dem zwei seiner Leibwächter ums Leben
kamen. Ein weiterer Vize-Minister, Ammar el Saffar, wurde am Sonntag
entführt. Von ihm gab es seither kein Lebenszeichen. Vergangene
Woche hatten Unbekannte in Polizeiuniformen das Bildungsministerium,
das von einem Sunniten geleitet wird, gestürmt und dutzende
Menschen entführt.
In ihren Bemühungen um eine Eindämmung der Gewalt plant die
irakische Regierung nach einem Zeitungsbericht für kommende Woche
ein Treffen mit Vertretern mehrerer aufständischer Gruppierungen.
An der eintägigen Konferenz, die am 28. oder 29. November
stattfinden solle, würden neben Ministerpräsident Nuri el
Maliki auch Vertreter der USA, Großbritanniens und der
Koalitionstruppen teilnehmen, berichtete die britische Zeitung "The
Times" am Donnerstag unter Berufung auf den Minister für die
nationale Aussöhnung, Akram el Hakim. Auch Vertreter der verbotenen
Baath-Partei von Ex-Präsident Saddam Hussein werden demnach
erwartet. Bei dem Treffen solle unter anderem eine Folgekonferenz
für Dezember oder Januar vorbereitet werden. Das britische
Außenministerium konnte zunächst nicht bestätigen, dass
britische Diplomaten an dem Treffen teilnehmen würden.
Das irakische Fernsehen berichtete am Donnerstag, US-Vizepräsident
Dick Cheney halte sich in Bagdad auf, vermutlich um amerikanische
Soldaten zum Thanksgiving-Fest zu besuchen. Die amerikanische Botschaft
und die Streitkräfte konnten dies jedoch zunächst nicht
bestätigen. Cheney Büro hatte am späten Mittwochabend
für (den heutigen) Freitag eine Reise des Vizepräsidenten nach
Saudi-Arabien angekündigt, von einem Irak-Besuch war jedoch nicht
die Rede. Aus Sicherheitsgründen wurden in der Vergangenheit
Reisen von US-Präsident George W. Bush und Cheney in den Irak nicht
vorab angekündigt, jedoch sofort nach der Ankunft bekannt gegeben.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 24.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundvierzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.24.11.05 - Britische Studie: Irak-Konflikt wird Jahrzehnte dauern +++ USA
erwägen Truppenreduzierung im Irak +++ Umfrage: 63 Prozent der
US-Bürger für Truppenabzug aus dem Irak 2006 +++ Neue
Militäroffensive im Irak +++ Iran sagt Talabani Unterstützung im
Kampf gegen Aufstand zu +++ Mordanschlag auf sunnitischen Stammesführer +++
Konzerne greifen nach irakischen Ölquellen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Beisetzung Gemayels als Massenprotest gegen Syrien. Weiter Gewalt im
Gazastreifen. Hamas-Führer verhandelt in Kairo über
Gefangenenaustausch
Fr.24.11.06 - Begleitet von lautstarken Protesten gegen Syrien hat am Donnerstag die
Beisetzung des christlich-libanesischen Politikers Pierre Gemayel
begonnen. Applaus, Gewehrschüsse und Kirchenglocken begleiteten den
Sarg des ermordeten Ministers durch die Straßen von Beirut. In
der Menschenmenge wurden Bilder des syrischen Präsidenten Baschar
al Assad verbrannt.
Der 34-jährige Gemayel wurde am Dienstag von einem unbekannten
Täter in seinem Auto erschossen. Der Mordanschlag rief
international Bestürzung und Sorge um die politische Entwicklung im
Libanon hervor. Das Attentat auf Gemayel erinnert an die Ermordung des
früheren Regierungschefs Rafik Hariri im Februar 2005. Danach fand
sich Syrien unter internationalem Druck zum Rückzug seiner Truppen
aus dem Libanon bereit.
Der Zorn der Trauerversammlung richtete sich am Donnerstag auch gegen
Staatspräsident Emile Lahud, der als Parteigänger Syriens
gilt. Auf Transparenten wurde sein Rücktritt verlangt. Lahud hielt
sich am Donnerstag im Präsidentenpalast auf, die
Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gebäude wurden massiv
verstärkt.
Gemayels Vater, der ehemalige Präsident Amin Gemayel, rief ebenso
wie die Kirche der maronitischen Christen im Libanon zur Ruhe auf. 16
Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs im Libanon wächst die
Sorge vor einer neuen Eskalation der Spannungen. Gemayels
Phalange-Partei war im Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 die
größte christliche Miliz, die gegen die
islamisch-schiitischen Milizen Amal und Hisbollah kämpfte.
Hauptgegner der antisyrischen Kräfte ist heute die an der Regierung
beteiligte Hisbollah. Vor dem Attentat hatte die Hisbollah ihre Absicht
erklärt, den von den USA unterstützten
Ministerpräsidenten Fuad Siniora zu stürzen.
Die Vereinten Nationen sagten ihre Unterstützung bei der
Aufklärung des Mordes an Gemayel zu. Der Sicherheitsrat folgte
damit am Mittwoch einer Bitte der libanesischen Regierung. Die
internationale Ermittlerkommission, die bereits das Attentat auf Hariri
untersucht, soll den Behörden nun auch bei der Aufklärung des
Anschlags auf Gemayel helfen. Der Sicherheitsrat verurteilte einstimmig
die Ermordung Gemayels und äußerte sich besorgt über die
möglichen Folgen. Gemayel sei «ein Symbol der Freiheit und
der politischen Unabhängigkeit» des Landes gewesen,
erklärte der Sicherheitsrat.
Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch haben Hoffnungen auf
ein Ende der Gewalt im Gazastreifen neuen Auftrieb gegeben. Fünf
Monate nach der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit
traf der politische Führer der Hamas-Bewegung, Chaled Maschaal, am
Donnerstag zu Gesprächen in Kairo ein. Die ägyptische
Regierung hat sich bereit erklärt, als Vermittlerin einen
Gefangenenaustausch mit Israel herbeizuführen.
Vorerst aber ging die Gewalt im Gazastreifen weiter. In der Nähe
des Flüchtlingslagers Dschebalija sprengte sich eine
palästinensische Selbstmordattentäterin in die Luft. Soldaten
entdeckten die Frau und schleuderten eine Granate in deren Richtung,
wie der Militärrundfunk berichtete. Bei der darauf folgenden
Explosion seien zwei Soldaten leicht verletzt worden. Zu dem Anschlag
bekannte sich die radikalislamische Hamas. Bei der Attentäterin
habe es sich um eine 57 Jahre alte Frau gehandelt, hieß es.
Bei einem israelischen Luftangriff in Beit Lahija wurden nach
palästinensischen Angaben zwei Militante getötet. Die
israelischen Streitkräfte bestätigten den Angriff. Sie hatten
zuvor bereits bei einem Einsatz im nördlichen Gazastreifen zwei
Palästinenser erschossen. Bei einem der Toten handelte es sich
nach Angaben der Hamas um eines ihrer Mitglieder. Nach dem von Panzern
begleiteten Vorstoß zogen sich die Truppen wieder zurück.
Im Süden Israels schlugen am Donnerstag erneut mehrere Raketen aus
dem Gazastreifen ein, ohne größeren Schaden anzurichten. In
den vergangenen Tagen wurden zwei Bewohner bei der Explosion solcher
Geschosse getötet.
Maschaal und seine Delegation in Kairo wollten mit dem ägyptischen
Geheimdienstchef Omar Suleiman auch über die geplante Bildung
einer palästinensischen Einheitsregierung sprechen. «Am
meisten aber beschäftigt uns die Freilassung unserer
palästinensischen Gefangenen», sagte der stellvertretende
Leiter der Hamas-Führung in Damaskus, Mussa Abu Marsuk. Ein erster
Vermittlungsversuch im Oktober war gescheitert. Die Hamas fordert die
Freilassung von 1.400 palästinensischen Gefangenen in drei Stufen.
Schalit wurde am 25. Juni von militanten Kämpfern aus dem
Hamas-Umfeld entführt und wird vermutlich im Gazastreifen
festgehalten. Seine Geiselhaft war Auslöser einer israelischen
Offensive im Gazastreifen, bei der bislang mehr als 200
Palästinenser ums Leben kamen.
(Quelle: ap)
Strafgerichtshof erwägt Einleitung von Verfahren wegen Darfur - In
der Krisenregion brauchen vier Millionen Menschen dringend Hilfe
Fr.24.11.06 - Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag steht wegen Verbrechen
in der sudanesischen Krisenregion Darfur vor der Einleitung von
Verfahren. Es sei gelungen, die schwersten Vorkommnisse und einige der
mutmaßlich dafür Verantwortlichen zu identifizieren,
erklärte Chefankläger Luis Moreno-Ocampo am Donnerstag in Den
Haag. Den Ermittlern lägen Beweise für Verbrechen gegen die
Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wie Mord, Raub, Folter, Angriffe auf
Zivilpersonen und gewaltsame Vertreibungen vor.
Ermittler hätten in 17 verschiedenen Ländern mit Opfern und
Augenzeugen gesprochen, sagte Moreno-Ocampo. Wegen der andauernden
Gewalt seien in Darfur selbst aber keine Ermittlungen möglich
gewesen. Die sudanesischen Behörden hätten einen Bericht
vorgelegt, wonach von 2003 bis 2004 von allen Konfliktparteien schwere
Verbrechen begangen worden seien. Der Gerichtshof der Vereinten
Nationen, der 2002 seine Arbeit aufnahm, schreitet nur ein, wenn ein
Land nicht willens oder in der Lage ist, selbst gegen Verdächtige
vorzugehen.
In der Krisenregion sind nach UN-Angaben vier Millionen Sudanesen
dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Arabische Milizen und
Rebellen hätten ihre Angriffe auf die Bewohner des Gebiets
verstärkt wieder aufgenommen, erklärte der UN-Koordinator
für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, am Mittwoch in New York.
Dörfer würden geplündert und niedergebrannt. Egeland
sprach von einer dramatischen Verschlechterung der Lage seit seinem
ersten Besuch in Darfur 2004. Damals hätten eine Million Menschen
dringend Hilfe benötigt. Egeland warf der sudanesischen Regierung,
den von ihr unterstützten arabischen Milizen und Rebellengruppen
vor, den Konflikt anzuheizen. Die internationale Gemeinschaft
kritisierte Egeland, weil sie es entgegen der 2005 auf einem UN-Gipfel
getroffenen Zusagen versäumt habe, die Zivilbevölkerung zu
schützen.
Seit Beginn des Konflikts im Jahr 2003 kamen in Darfur mehr als 200.000
Menschen ums Leben. 2,5 Millionen Einwohner wurden vertrieben.
(Quelle: ap)
Kongo: Kabila stellt Bemba-Milizen Ultimatum
Fr.24.11.06 - Der im Amt bestätigte kongolesische Präsident Joseph Kabila
hat der Miliz seines Konkurrenten Jean-Pierre Bemba ein Ultimatum zum
Verlassen der Hauptstadt gestellt. Bembas Truppen sollen Kinshasa binnen
48 Stunden verlassen, wie die britische BBC am Donnerstagmorgen
berichtete.
Ansonsten würden sie von der Armee mit Gewalt aus der Stadt
entfernt, habe Kabila gedroht. Die Spannungen in der Hauptstadt wuchsen
am Donnerstag in Erwartung einer Entscheidung des Obersten Gerichtes,
bei dem Bemba das Ergebnis der Stichwahl vom 29. Oktober wegen
angeblicher Wahlfälschung angefochten hatte. Dem BBC-Bericht
zufolge bezogen Armee-Einheiten wichtige Positionen in Kinshasa. Bemba
hat nach Schätzungen etwa 600 Kämpfer seiner früheren
Rebellenarmee in der Stadt.
Anhänger Bembas hatten sich am Dienstag vor dem
Gerichtsgebäude in Kinshasa eine Schießerei mit der Polizei
geliefert. Nach Angaben eines UN-Sprechers wurden rund 150 UN-Soldaten
eingesetzt, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Neben der UN-
ist auch eine EU- Friedenstruppe im Kongo im Einsatz, an der 780
Bundeswehrsoldaten beteiligt sind. Die Deutschen sollen am 30. November
abziehen.
Nach Angaben der unabhängigen Wahlkommission wurde Kabila mit 58
Prozent im Amt bestätigt, Bemba erhielt 42 Prozent. Beobachter
hatten die Wahl als weitgehend frei und fair bezeichnet.
(Quelle: dpa)
Frankreich verstärkt Truppen in der Zentralafrikanischen Republik
Fr.24.11.06 - Frankreich hat seine Truppen in der Zentralafrikanischen Republik nach
Rebellenangriffen im Norden des Landes verstärkt. Sorge bereitete
auch die Lage in der Region Darfur im benachbarten Sudan, erklärte
das Verteidigungsministerium in Paris am Donnerstag. Deshalb seien
weitere hundert Soldaten in die Zentralafrikanische Republik geschickt
worden, wo jetzt 300 Mann stationiert seien. Der UN-Sicherheitsrat
hatte sich am Mittwoch tief besorgt über die Lage in der
Zentralafrikanischen Republik geäußert, wo drei Städte
an der Grenze zum Tschad von Rebellen angegriffen wurden. Die
Streitkräfte seien nicht in der Lage, die Angriffe abzuwehren,
hieß es. Die Lage in der Zentralafrikanischen Republik ist sehr
instabil. Seit der Unabhängigkeit des Landes von Frankreich 1960
kam es dort immer wieder zu Staatsstreichen und Aufständen.
(Quelle: ap)
China und Pakistan wollen bilateralen Handel verdreifachen
Fr.24.11.06 - China und Pakistan wollen eine gemeinsame Freihandelszone schaffen und
den bilateralen Handel verdreifachen. Ein entsprechendes Abkommen stand
beim Besuch des chinesische Präsidenten Hu Jintao in Islamabad auf
der Tagesordnung, wie pakistanische Diplomaten am Donnerstag
mitteilten. Demnach wird für die kommenden fünf Jahre ein
Handelsvolumen von 15 Milliarden Dollar (11,5 Milliarden Euro)
angestrebt. Im vergangenen Jahr betrug es 4,26 Milliarden Dollar, was
bereits einem Wachstum von 39 Prozent entsprach.
Es war der erste Besuch eines chinesischen Staatschefs in Pakistan seit
zehn Jahren. Hu reiste aus Indien an, wo er ebenfalls eine Ausweitung
des bilateralen Handels vereinbart hatte. Ferner wurde eine
verstärkte Zusammenarbeit Chinas und Indiens bei der
wirtschaftlichen Nutzung der Kernenergie beschlossen. Beobachter
rechneten damit, dass in Islamabad wiederum eine mögliche
Unterstützung Chinas für das pakistanische Atomprogramm
erörtert werden könnte.
Am letzten Tag von Hus Indien-Besuch setzte sich der Tibet-Aktivist
Lhakpa Tsering vor dem Hotel des Präsidenten in Bombay in Brand,
um gegen die chinesische Herrschaft in seiner Heimat zu protestieren.
Polizisten löschten die Flammen und nahmen Tsering fest.
(Quelle: ap)
Polen provoziert Eklat vor EU-Russland-Gipfel
Fr.24.11.06 - Unmittelbar vor Beginn eines Gipfeltreffens zwischen der
Europäischen Union und Russland ist es zum Eklat gekommen: Polen
verhinderte gegen den Willen der 24 anderen EU-Länder den
Startschuss für ein neues Partnerschaftsabkommen mit Russland, wie
die finnische EU-Ratspräsidentschaft in Brüssel mitteilte.
"Bei dem EU-Russland-Gipfel am (heutigen) Freitag werden die
Verhandlungen nicht beginnen", sagte ein Sprecher der Finnen.
Bei dem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in
der finnischen Hauptstadt Helsinki wollte die EU das neue
Partnerschaftsabkommen auf den Weg bringen. Dieses solle "ehrgeiziger"
sein als eine seit 1997 geltende Abmachung, sagte
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Insbesondere
wollten die EU-Staaten damit Garantien für eine sichere
Energieversorgung durch Russland erreichen.
Dies scheitert aber nun vorerst am Veto Polens. Warschau hatte als
Bedingung für sein Ja zu dem Abkommen ein Ende des russischen
Einfuhrverbots für bestimmte landwirtschaftliche Produkte aus
Polen gefordert. Zudem verlangt die polnische Regierung, dass Russland
die internationale Energiecharta ratifiziert, was Moskau aber seit
zwölf Jahren ablehnt.
Brüsseler Diplomaten sei es auch in fünfstündigen
Verhandlungen in Brüssel nicht gelungen, den Knoten zu
zerschlagen, sagte der Sprecher der Ratspräsidentschaft. Auch ein
Kompromissvorschlag stimmte Warschau nicht milde. Die Finnen hatten
unter anderem vorgeschlagen, die Verhandlungen über das
Partnerschaftsabkommen mit Russland sollten nur unter Vorbehalt
begonnen werden und könnten jederzeit ausgesetzt werden. Auch die
Bundesregierung hatte bis zuletzt versucht, Warschau zum Einlenken zu
bewegen.
Die EU-Kommission bemühte sich zugleich, ihre Solidarität mit
Polen zu zeigen. Das Handelsembargo der Russen für polnische
Agrarprodukte sei eine "Überreaktion", sagte
Kommissionspräsident Barroso. Er sprach von "legitimen Sorgen"
Warschaus.
Die EU-Kommission bemühte sich zugleich, den Eindruck zu
zerstreuen, der EU-Russland-Gipfel drohe ohne sein geplantes Kernthema
zur Farce zu werden. "Ob mit oder ohne Verhandlungsbeginn: Der Gipfel
hat eine lange Tagesordnung", sagte eine Sprecherin von
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Dort werde es unter
anderem um den geplanten Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation
WTO gehen sowie um Energiethemen. Auch die Menschenrechte wolle die
EU-Kommission erneut ansprechen.
(Quelle: afp)
Vergifteter russischer Exspion wirft Kreml Mord vor
Fr.24.11.06 - Der nach einer schweren Vergiftung gestorbene russische Exspion
Alexander Litvinenko hat in einem letzten Interview den Kreml für
seinen Tod verantwortlich gemacht. Litvinenko starb am späten
Donnerstagabend auf der Intensivstation der Londoner
Universitätsklinik an einem Herzversagen, wie das Krankenhaus
mitteilte. Zum Zeitpunkt seines Todes stand er unter dem Einfluss
starker Beruhigungsmittel. Die Londoner Polizei teilte mit, es werde
wegen unbekannter Todesursache ermittelt. Die Ärzte konnten bis
zuletzt nicht klären, womit und wie Litvinenko möglicherweise
vergiftet wurde.
Litvinenko selbst erklärte, er sei am 1. November vergiftet
worden, als er zum Mord an der Kremlkritikerin und Journalistin Anna
Politkowskaja recherchierte. Sein Haar fiel aus, seine Kehle schwoll an
und sein Immun- und Nervensystem wurde schwer geschädigt. Nur
wenige Stunden bevor er am Donnerstag das Bewusstsein verlor
erklärte Litvinenko in einem Interview mit der Zeitung «The
Times», er sei vom Kreml zum Schweigen gebracht worden.
«Ich will überleben, nur um es ihnen zu zeigen»,
erklärte Litvinenko. «Die Bastarde haben mich gekriegt, aber
sie werden nicht jeden kriegen.»
Litvinenkos Freund Andrei Nekrasov sagte der Nachrichtenagentur AP,
seine Frau Marina, sein Vater Walter und sein zehnjähriger Sohn
Anatoli seien in den letzten Stunden bei ihm gewesen. «Ich kann
es nicht anders sagen: sie haben wieder einen von uns erschlagen. Es
war ein unglaublich professioneller und zugleich sadistischer
Mord», sagte Nekrasov. «Sie haben ihn aus Hass ermordet,
aus Rachsucht. Es gibt einen Machtkampf in Moskau und er wurde ein
Opfer davon.»
Litvinenko war ein ausgesprochener Kremlkritiker. Er war nach einem
Treffen mit einem italienischen Sicherheitsexperten in einem Londoner
Sushi-Restaurant Anfang November erkrankt. Seine Freunde haben die
russische Regierung beschuldigt, einen Giftanschlag veranlasst zu
haben. Der russische Auslandsgeheimdienst hat den Vorwurf scharf
zurückgewiesen. «Litvinenko ist nicht die Art Person,
für die wir bilaterale Beziehungen aufs Spiel setzen
würden», zitierte die Nachrichtenagentur Interfax am
Mittwoch einen Geheimdienstsprecher.
Die Ärzten haben nach eigenen Angaben keine Hinweis darauf, warum
sich der Gesundheitszustand Litvinenkos so dramatisch verschlechterte.
Der Chefarzt der Intensivstation am Londoner Universitätsklinikum,
Geoff Bellingan, erklärte, die Mediziner seien überzeugt,
dass Litvinenko nicht mit einem Schwermetall wie Thallium vergiftet
wurde. Auch eine radioaktive Substanz sei allem Anschein nach nicht die
Ursache seines Leidens. Der Chefarzt wies ferner Spekulationen
zurück, dass Fremdkörper im Darm des Patienten für
dessen schlechten Zustand verantwortlich sein könnten.
Die BBC hatte unter Berufung auf Krankenhauskreise berichtet, aus
Röntgenaufnahmen gehe hervor, dass Litvinenko drei
Gegenstände dichter Struktur verschluckt habe. Bellingan
erklärte dagegen, die vermeintlichen Fremdkörper auf den
Röntgenbildern seien in Wahrheit Flecke, die von der Behandlung
des Patienten mit Preußisch-Blau herrührten. Diese
Farbstoffsubstanz wird in der Medizin häufig als Mittel zur
Bindung von Giften wie Thallium und Cäsium eingesetzt.
Litvinenko trat zu Sowjetzeiten dem Geheimdienst KGB bei und stieg bei
dessen Nachfolgeorganisation, dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB,
zum Oberst auf. Im November 2000 floh er aus Russland und bat in
Großbritannien um Asyl. Zwei Jahre zuvor hatte er seine
Vorgesetzten beim FSB öffentlich beschuldigt, ihm die Tötung
des russischen Milliardärs Boris Beresowski befohlen zu haben, der
damals zum Machtzirkel des Kremls gehörte. Außerdem
beschuldigte Litvinenko FSB-Beamte, 1999 Bombenanschläge auf
Wohnhäuser in Russland koordiniert zu haben. Diese kosteten rund
300 Menschen das Leben und lösten den zweiten Tschetschenien-Krieg
aus.
(Quelle: ap)
Deutschland
Siemens-Schwarzgeld weltweit verschoben - Millionen gingen bis
nach Nigeria und Syrien - Siemens will hart durchgreifen
Fr.24.11.06 - Das in der Siemens-Korruptionsaffäre veruntreute Geld ist nach
Medienberichten in alle Welt geflossen. Nach Informationen der
«Süddeutschen Zeitung» sind Millionenzahlungen unter
anderem bis nach Nigeria und Syrien gegangen. Ein Teil der rund 200
Millionen Euro soll dabei über Geheimkonten in Österreich
sowie in der Schweiz verschoben worden sein. Siemens kündigte am
Donnerstag an, in der Affäre hart durchzugreifen.
Dem Zeitungsbericht zufolge soll ein Siemens-Angestellter einen Teil
der von Mitarbeitern veruntreuten 200 Millionen Euro bar auf geheime
Konten bei der Raiffeisen-Landesbank Tirol in Innsbruck eingezahlt
haben. Etwa 70 Millionen Euro seien über drei Konten der Bank in
Innsbruck in der zweiten Hälfte der 90er Jahre geflossen und von
dort in zahlreiche Länder weitergereicht worden.
Fast fünf Millionen Euro seien für hochrangige
Persönlichkeiten in Nigeria bestimmt gewesen, unter anderem den
ehemaligen Telekommunikationsminister, den vormaligen Direktor der
dortigen Telekommunikationsgesellschaft und einen Direktor von Freedom
Radio Nigeria, heißt es in dem Bericht. Eine kleinere Summe sei
nach Syrien gegangen. Eine der größten Einmalzahlungen aus
Innsbruck in Höhe von fünf Millionen Euro sei für die
US-Investmentbank Goldman Sachs bestimmt gewesen.
Bereits vergangene Woche waren bei einer Großrazzia laut
«Süddeutscher Zeitung» Konten in Salzburg entdeckt
worden, auf die nach Aussage von Beschuldigten weit mehr als 100
Millionen Euro geflossen sein sollen. Weitere 35 Millionen bis 40
Millionen Euro seien über Konten in der Schweiz verschoben worden.
Die Münchner Staatsanwaltschaft und Siemens wollten den Bericht
nicht kommentieren.
Der Siemens-Vorstand teilte mit, dass er keine ungesetzlichen
Geschäftspraktiken von Mitarbeitern dulde. «Wir müssen
Unregelmäßigkeiten schonungslos aufklären und
ahnden», erklärte Vorstandschef Klaus Kleinfeld.
Mitarbeiter, bei denen sich der Verdacht auf ein ungesetzliches
Verhalten erhärte, würden unmittelbar suspendiert. Das
Unternehmen kündigte zugleich an, die für alle Mitarbeiter
verbindlichen Richtlinien für korrektes Geschäftsgebaren zu
verschärfen.
Die Angaben der Staatsanwaltschaft, wonach der entstandene Schaden mit
200 Millionen Euro mittlerweile zehn Mal höher liegt als zu Beginn
der Ermittlungen, kommentierte Kleinfeld nicht. Das Unternehmen nehme
die Vorwürfe sehr ernst und werde «in vollem Umfang mit den
Ermittlungsbehörden kooperieren», hieß es lediglich.
Ein Geldbote und fünf weitere ehemalige und aktive
Siemens-Mitarbeiter sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Ermittler
sprechen inzwischen von «Bandenbildung». Zwei der sechs
inhaftierten Mitarbeiter waren am Mittwoch im Zusammenhang mit den
Korruptions- und Untreuevorwürfen verhaftet worden. Sie
gehören der Staatsanwaltschaft zufolge den Abteilungen Interne
Revision und Rechnungswesen für die Kommunikationssparte (Com) an.
(Quelle: ddp)
Deutsche Unternehmen im Stimmungshoch
Fr.24.11.06 - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich wenige Wochen vor der
Mehrwertsteuererhöhung überraschend aufgehellt und
signalisiert ein robustes Wachstum über den Jahreswechsel hinaus.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im November auf 106,8 von 105,3
Punkten im Vormonat, wie das Münchner Institut für
Wirtschaftsforschung (Ifo) am Donnerstag mitteilte. Damit wurde wieder
das Niveau vom 15-Jahres-Hoch im Juni erreicht. Die rund 7000 befragten
Unternehmen bewerteten sowohl ihre ihre Geschäftsaussichten als
auch ihre aktuelle Lage positiver. "Diese Umfrageergebnisse lassen eine
Fortsetzung des konjunkturellen Aufschwungs erwarten", sagte
Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem leichten
Rückgang auf 105,2 Zähler gerechnet. Der Teilindex für
die Erwartungen auf Sicht von sechs Monaten stieg auf 100,1 von 99,2
Punkten im Vormonat. Der Lageindex stieg auf 113,9 von 111,9
Zählern und markierte damit ein neues 15-Jahres-Hoch. Optimistisch
ist vor allem das Verarbeitende Gewerbe, das Lage und Aussichten
positiver beurteilt. "Weiter steigende Chancen sahen die
Industrieunternehmen im ohnehin schon starken Exportgeschäft",
sagte Sinn. Der Einzelhandel schätzt seine Lage zwar positiver ein,
blickt wegen der Steuererhöhung aber mit größerer
Skepsis nach vorn.
Der Dax konnte seine Gewinne nach Veröffentlichung der Daten nur
zeitweise ausbauen. Der Bund-Future drehte deutlich ins Minus und
notierte zuletzt 17 Ticks niedriger bei 118,05 Punkten, nachem er vor
der Bekanntgabe des Index noch leicht im Plus gelegen hatte. Der Euro
legte leicht zu und stieg auf 1,2970 Dollar von zuvor 1,2939 Dollar.
Experten zeigten sich vom zunehmenden Optimismus der Unternehmen
überrascht. "Die gute Stimmung ist unbeschreiblich", sagte Andreas
Scheuerle von der DekaBank. "Das zeigt, dass nach ein wenig Skepsis
wegen der Mehrwertsteuererhöhung und einem schwachen Wachstum in
den USA die Unternehmen wieder zuversichtlich sind", ergänzte Dirk
Schumacher von Goldman Sachs. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im
Schnitt einen Rückgang des Erwartungsindex auf 98,8 Punkte und
einen Anstieg des Lageindex auf 112,0 Punkte vorausgesagt.
Die deutsche Wirtschaft steuert in diesem Jahr auf das kräftigste
Wachstum seit dem Boomjahr 2000 zu. Experten rechnen mit einem Anstieg
des Bruttoinlandsproduktes von rund 2,5 Prozent. Die kräftigsten
Wachstumsimpulse kamen zuletzt von den Exporten und dem private Konsum.
Der Außenhandel steuerte zwei Drittel des Wachstums von 0,6
Prozent im Sommerquartal bei, die Binnenwirtschaft ein Drittel, wie das
Statistische Bundesamt mitteilte. Die privaten Konsumausgaben legten
dabei um kräftige 0,7 Prozent zu. Wegen der
Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel haben Verbraucher viele
Anschaffungen vorgezogen und damit den lange schwächelnden Konsum
angekurbelt. Die auf 19 von 16 Prozent steigende Mehrwertsteuer wird
Experten zufolge das Wachstum Anfang kommendes Jahr dämpfen.
(Quelle: rtr)
Wirtschaftswachstum belebt Arbeitnehmereinkommen noch nicht
Fr.24.11.06 - Die Arbeitnehmer in Deutschland profitieren noch immer kaum von der
jüngsten Konjunkturbelebung.
Zwar ist das Volkseinkommen im Sommer um insgesamt 1,4 Prozent zum
Vorquartal gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in
Wiesbaden mitteilte. Der Zuwachs ist aber allein dem deutlichen Plus bei
Unternehmens- und Vermögenseinkommen zu verdanken, die
Arbeitnehmerentgelte stagnierten dagegen. Der Anstieg der Unternehmens-
und Vermögenseinkommen um 4,3 Prozent spiegelt auch die steigenden
Gewinne der Unternehmen wieder. So hatte im Sommerquartal nach
Reuters-Daten mehr als die Hälfte der Dax-Unternehmen die
Gewinnprognosen übertroffen.
"Bei den Arbeitnehmern kommt nach wie vor wenig an, von einer Belebung
der Masseneinkommen kann man noch nicht sprechen", sagte Volkswirtin
Ulrike Kastens von der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Sie
rechnet aber damit, dass sich das in den kommenden Monaten ändern
wird: "Wenn die Zahl der Arbeitslosen zurückgeht, sollte sich das
auch bei den Masseneinkommen positiv bemerkbar machen."
(Quelle: rtr)
Hartz-IV-Empfänger können nicht mit mehr Geld rechnen
Fr.24.11.06 - Hartz-IV-Empfänger haben keinen Anspruch auf mehr Geld. Das
Bundessozialgericht in Kassel entschied am Donnerstag, dass die
Höhe des Hartz-IV-Regelsatzes nicht verfassungswidrig ist. Nach
Auffassung der Richter sichert die monatliche Unterstützung in
Höhe von 345 Euro für einen Erwachsenen das Existenzminimum.
Mit der Grundsatzentscheidung wies das Gericht die Klage einer
49-jährigen Frau aus Baden-Württemberg zurück. Sie sei
nicht hilfebedürftig, erklärten die Richter.
Die Frau aus dem Landkreis Lörrach hatte bis 2004
Arbeitslosenhilfe bekommen. Nach In-Kraft-Treten der Hartz-IV-Reform
2005 war ihr die Unterstützung gestrichen worden: Mit Verweis auf
das Einkommen ihres Ehemannes und der im Familienhaushalt lebenden
Tochter wurde ihr Antrag auf Hartz IV abgelehnt. Berücksichtigt
wurde dabei die Schwerbehindertenrente des Ehemannes und das Kindergeld
für die Tochter. Das Bundessozialgericht erklärte, dem Ehepaar
stehe damit ein Gesamteinkommen in Höhe von 1.052,44 Euro zur
Verfügung und übersteige damit den vom Landessozialgericht
festgestellten Bedarf in Höhe von 857,85 Euro.
Die Klägerin hatte geltend gemacht, dass die
Hartz-IV-Regelleistung zu niedrig bemessen sei und nicht das gesetzlich
garantierte Existenzminimum widerspiegele. Der Regelsatz sei als
verfassungswidrig anzusehen, da man nicht mit dem Geld auskommen
könne. Sie beklagte außerdem, dass das Einkommen ihres Mannes
zu stark berücksichtigt worden sei. Bei der Arbeitslosenhilfe habe
es einen Freibetrag für dessen Einkommen gegeben.
Dem widersprach der zuständige. Senat des Bundessozialgerichts.
Eine Verfassungswidrigkeit sei nicht zu erkennen. Die Klägerin
könne sich nicht auf die Eigentumsgarantie berufen. Denn schon die
Arbeitslosenhilfe sei nicht beitragsfinanziert gewesen. Die
Klägerin, eine gelernte Industriearbeiterin, habe zudem ausreichend
Gelegenheit gehabt, sich auf die neuen Gesetze einzustellen. Der Senat
folgte auch nicht der Argumentation, wonach die Höhe der
Regelsatzleistungen verfassungswidrig sei.
Nach dem Sozialgesetzbuch II liegt der Regelsatzanspruch für
Erwachsene bei monatlich 345 Euro (neue Bundesländer: 331 Euro).
Leben mehrere Menschen in einer Hartz IV-Bedarfsgemeinschaft, verringert
sich die Regelsatzhöhe auf 90 Prozent und bei Jugendlichen auf 80
Prozent. Neben den monatlichen Regelsatz werden auch die Wohnkosten in
begrenzter Höhe übernommen.
Nach Ansicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes decken jedoch
die 345 Euro nicht den monatlichen Grundbedarf. «Die Höhe des
Regelsatzes müsste auf 415 Euro angehoben werden», sagte
Rudolf Marten vom Stab für Statistik und Modellrechnung im
Paritätischen Wohlfahrtsverband. Der Hauptgeschäftsführer
des Verbandes, Ulrich Schneider, kündigte im ZDF-Morgenmagazin
weitere Rechtsmittel bis hin zu einer Klage beim
Bundesverfassungsgericht an.
Eine Erhöhung des Regelsatzes auf 415 Euro würde etwa vier
Milliarden Euro im Jahr kosten, sagte er. Bei der Reform der
Unternehmenssteuer allein seien Ausfälle von acht Milliarden
eingeplant, erklärte Schneider. Auch der umstrittene Umzug des
Bundesnachrichtendienstes von Pullach nach Berlin bewege sich in einer
Größenordnung von vier Milliarden. «Das Geld ist
da», sagte er, «es geht um die Prioritäten». In
Deutschland leben knapp sieben Millionen Hartz-IV-Empfänger.
(Aktenzeichen: Bundessozialgericht 11b AS 1/06 R)
(Quelle: ap)
Terror-Alarm laut Berichten übertrieben
Fr.24.11.06 - Der Terror-Alarm wegen angeblicher Anschlagspläne auf ein
Verkehrsflugzeug in Frankfurt am Main war Medienberichten zufolge
übertrieben. Ermittler hätten den Fall wegen Nichtigkeit
längst zu den Akten gelegt, als die Bundesanwaltschaft am Montag
die Durchsuchung der Wohnungen von sechs Verdächtigen bekannt gab,
berichtete die «Süddeutsche Zeitung» (Freitagausgabe).
Hintermänner habe es keine gegeben. Einer der Verdächtigen
sagte einem SWR-Interview zufolge, alles sei nur ein Scherz gewesen.
Der Zeitung zufolge hatten sich Bundesanwaltschaft und
Bundeskriminalamt nach monatelangen Ermittlungen Ende Oktober nur
deshalb für eine Durchsuchung entschieden, weil sie
fürchteten, sonst keine Verlängerung der
Telefonüberwachung genehmigt zu bekommen. Es habe sich quasi um
eine Aufräumaktion am Schluss einer Untersuchung gehandelt,
zitierte das Blatt Sicherheitskreise. Bei der Durchsuchung seien aber
weder Sprengstoff noch andere gefährliche Gegenstände
gefunden worden.
Berliner Sicherheitsbeamte kritisierte dem Bericht zufolge das Vorgehen
der Bundesanwaltschaft als übereifrig. «Das schürt
Hysterie. Wir müssen in diesem schwierigen Feld jeden Anflug von
Alarmismus vermeiden», wurde ein namentlich nicht genannter
Beamter zitiert. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft argumentierte
dagegen der Zeitung zufolge, man habe keine Panik geschürt und von
Anfang an gesagt, dass der Anschlag nicht einmal in die Nähe der
Umsetzung gelangt war.
Der SWR zitierte laut Vorabbericht vom Donnerstag einen der sechs
Terrorverdächtigen mit den Worten, man habe «Action»
machen wollen. Aber dies sei nicht ernst gemeint gewesen, wurde der
namentlich nicht genannte Jordanier zitiert.
Der in Mainz lebende Mann erzählte demnach, man habe einem Freund,
der auf dem Frankfurter Flughafen arbeite, Geld dafür angeboten,
dass er eine Tasche in ein Verkehrsflugzeug einschleuse. «Wir
geben dir Geld und du tust uns (die) Tasche in ein Flugzeug»,
habe der Verdächtige zu dem Freund gesagt. «Und das war
Spaß. Die Sache ist hier polizeilich ernst genommen (worden),
weil die wissen das nicht, ob das Spaß ist oder Ernst.»
Die Bundesanwaltschaft hatte am vergangenen Freitag sechs Personen
festgenommen, weil sie versucht haben sollen, über einen
Mittelsmann Sprengstoff in ein Flugzeug zu schmuggeln. Bis auf einen
kamen sie tags darauf wieder frei. Laut SWR bleibt die
Anklagebehörde bei ihrer Darstellung, wonach weiterhin ein
Tatverdacht besteht.
Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl-Peter Bruch sagte dem
Magazinbericht zufolge, er gehe weiterhin von einem begründeten
Tatverdacht aus. «Wenn es ein Scherz war, dann war es sehr
leichtfertig und sehr gefährlich», wurde der SPD-Politiker
zitiert. Auch solche Scherze seien strafbar. Das Interview wurde am
Donnerstagabend im SWR-Magazin «Ländersache»
ausgestrahlt werden.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Ältere Gehirne arbeiten effektiver
Fr.24.11.06 - Forscher der University of Oxford haben nachgewiesen, warum junge
Menschen leichter lernen als ältere. Der Grund dafür ist, dass
das Gehirn Erinnerungen verschieden abspeichert. So nehmen junge
Gehirne beispielsweise Informationen leichter auf, ältere speichern
die Informationen jedoch effektiver ab. Für die Wissenschaft
bedeute dies einen neuen interessanten Ansatz, weitere Untersuchungen
seien aber notwendig, so die Forscher.
Genau untersucht wurde das Nervensystem von jungen und alten Ratten,
wobei genau auf die Aktivität der Synapsen geachtet wurde. So wurde
festgestellt, dass die so genannten 'stillen Synapsen'
hauptsächlich bei jungen Menschen während der Speicherung von
Informationen auftreten. Diese Synapsen nehmen aber mit zunehmendem
Alter ab, wodurch die Speicherung von Informationen - also das Lernen -
schwieriger wird. Für ältere Menschen sei das Lernen jedoch
nicht so wichtig, sondern eher das Abrufen gespeicherter Informationen.
Dies wird jedoch oft durch die doppelte oder mehrfache Verwendung
bestimmter Gehirnteile erschwert.
Dass es einen Zusammenhang zwischen der Lernfähigkeit und dem
Gehirn gibt, bestätigt auch Aljoscha Neubauer vom psychologischen
Institut der Universität Graz im Gespräch mit pressetext
(pte). "Die Flexibilität und Plastizität der
Nervenverbindungen im Gehirn nehmen mit zunehmenden Alter ab, wodurch
die Lernfähigkeit beeinträchtigt wird", erklärt Neubauer
gegenüber pressetext. Diese Defizite werden aber für
gewöhnlich durch die so genannte Lebenserfahrung ausgeglichen, die
ein unglaubliches Potenzial besitzt. "Im groben kann man sagen, die
Leistungen im kognitiven Bereich nehmen nicht ab, sondern ändern
sich mit zunehmenden Alter", erklärt Neubauer abschließend.
(Quelle: pte)