Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertneunundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Zahl der Toten von Sadr City steigt auf über zweihundert.
Racheakte nach blutiger Terrorserie. UN warnen vor 'Zyklus
unkontrollierbarer Gewalt'. Londoner Irak-Kriegsgegner protestiert seit
2000 Tagen
Sa.25.11.06 - Nach der verheerenden Anschlagserie in Bagdads Schiiten-Vorstadt
Sadr-City mit über 200 Toten hat am Freitag eine Serie blutiger
Racheakte die sunnitischen Viertel der Stadt erschüttert.
Ein Korrespondent des Nachrichtensenders Al-Arabija berichtete von
schweren Zusammenstößen im nördlichen Stadtteil Hurrija,
nachdem Bewaffnete dort vier Moscheen in Brand gesteckt hätten. Es
habe mehr als 30 Tote gegeben, meldeten arabische Medien unter Berufung
auf Augenzeugen.
Ein Zeuge berichtete, zuerst hätten Milizionäre Handgranaten
auf Wohnhäuser geworfen. Als die Menschen dann in den Moscheen
Zuflucht gesucht hätten, seien auch diese angegriffen worden.
«Sie haben die Moscheen und unsere Frauen und Kinder mit Benzin
übergossen und dann angezündet», schluchzte er.
Die Vereinten Nationen warnten vor einem «Zyklus
unkontrollierbarer Gewalt». Die politischen Führer der
Sunniten und Schiiten riefen ihre Anhänger zur Mäßigung
auf. Auch das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten,
Großajatollah Ali Husseini al- Sistani, appellierte nach Angaben
des Staatsfernsehens an alle Iraker, keine Vergeltung zu üben. Die
Regierung bemühe sich um ein Treffen der politischen Führer im
Land, um die angespannte Lage unter Kontrolle zu bringen, sagte
Vize-Ministerpräsident Salam al-Subai dem Sender Al-Arabija.
Einzig der radikale Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr, der in dem
Bagdader Vorort Sadr-City seine größte Gefolgschaft hat, gab
sich kämpferisch. Bei seiner Freitagspredigt in der
mittelirakischen Stadt Kufa forderte er vom Vorsitzenden des
sunnitischen Rates der Religionsgelehrten, Harith al-Dhari, eine
«Fatwa» (islamisches Rechtsgutachten), dass die Tötung
von Schiiten verbiete. Augenzeugen berichteten am Freitagabend von
Zusammenstößen zwischen Milizionären der Sadr-Bewegung
und US-Soldaten in Sadr-City.
Die Abgeordneten und Minister der Sadr-Bewegung drohten ihren
Rückzug aus Regierung und Parlament an, falls sich
Ministerpräsident Nuri al-Maliki wie geplant am kommenden Mittwoch
in Amman mit US- Präsident George W. Bush treffen sollte.
In Sadr-City wurden unterdessen die Opfer der Anschläge vom Vortag
beigesetzt. In den anderen Vierteln von Bagdad blieben die Iraker wegen
einer am Donnerstag verhängten unbefristeten Ausgangssperre zu
Hause. Während das Gesundheitsministerium am Freitag erklärte,
in Sadr-City seien 138 Menschen getötet und 201 weitere verletzt
worden, sprach der staatliche Fernsehsender Al-Irakija von über
200 Toten und rund 250 Verletzten. Auf Straßen und Plätzen
des dicht bewohnten Bagdader Vororts, in dem etwa zwei Millionen
Menschen leben, waren am Donnerstag kurz hintereinander sechs
Autobomben detoniert und mehrere Mörsergranaten eingeschlagen.
In Tel Afar im Norden des Landes sprengten sich zwei
Selbstmordattentäter auf zwei Automärkten in die Luft.
Krankenhausärzte zählten 24 Tote und 45 Verletzte. In Bagdad
feuerten Unbekannte nach Angaben des Rates der Religionsgelehrten
mehrere Mörsergranaten auf den Sitz der sunnitischen Vereinigung.
Der zur Sadr-Bewegung gehörende Parlamentsabgeordnete Nosab
al-Rubai sagte Al-Dschasira, die sunnitischen Extremisten und die
US-Besatzer seien zwei Seiten der gleichen Medaille.
Der UN-Sondergesandte für den Irak, Aschraf Qazi, sprach von
«verabscheuenswürdigen Gewaltverbrechen». Diese drohten
die Kluft zwischen Schiiten und Sunniten weiter zu vertiefen und das
Land «jeder Aussicht auf eine Zukunft in Frieden, gegenseitiger
Toleranz und Einheit» zu berauben. EU-Außenkommissarin
Benita Ferrero-Waldner zeigte sich «zutiefst besorgt»
über die zunehmende Gewalt im Irak. Sie erklärte in
Brüssel, die EU wolle dem Irak weiter bei der Schaffung von
Frieden, Stabilität und Wohlstand helfen.
Südkorea kündigte unterdessen die Halbierung seiner im Irak
stehenden Verbände an. Deren zum 31. Dezember auslaufendes Mandat
solle jedoch um ein Jahr verlängert werden, zitierte die
Nachrichtenagentur Yonhap einen Regierungsvertreter. Derzeit sind knapp
über 2300 südkoreanische Soldaten im nordirakischen Erbil im
Einsatz.
Der britische Dauerprotestierer gegen den Irak-Krieg, Brian Haw, hat am
Donnerstag den 2000. Tag in Folge vor dem Parlamentsgebäude in
London demonstriert. "Ich habe hier 2000 Tage und Nächte verbracht,
um allen Frieden, Hoffnung, Liebe und Gerechtigkeit zu wünschen",
sagte der 57-Jährige durch ein Megaphon. Dieses darf er
während der Arbeitszeiten eigentlich nicht mehr benutzen. Die
einzige Ausnahme: Mittwochs, bevor Premierminister Tony Blair sich den
Fragen der Abgeordneten im Unterhaus stellt, darf Haw eine halbe Stunde
durch das Megaphon sprechen.
Zu Haws Unterstützung versammelten sich rund fünfzig
Menschen, unter ihnen der linke Labour-Abgeordnete John McDonnell.
Dieser sagte, Haw erinnere die Abgeordneten jeden Tag an die Folgen
ihres Entschlusses für den Irak-Krieg. Die Polizei hatte bei einer
Razzia im Mai Plakate, Bilder und Banner von Haw entfernt. Der
Protestierer musste auch schon vor Gericht erscheinen, da ihm
vorgeworfen wurde, mit seinem Protest gegen Gesetze zu verstoßen.
(Quelle: rtr, dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 25.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundfünfzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.25.11.05 - US-Diplomat: Blair wurde vor Irak-Krieg vom Weißen Haus
getäuscht +++ Mehr als 40 Tote bei Anschlägen +++ US-General
für Gespräche mit Teil der Aufständischen im Irak.
Dänische Regierung erwägt derweil einen Abzug ihrer Truppen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511250.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahostkonflikt
Schiiten beanspruchen weiter Veto bei Entscheidungen im Libanon. Kritik
an israelischem Verteidigungsminister Perez nimmt zu. Israel weist
Angebot der Palästinensergruppen zurück. Neunfache Mutter
sprengt sich im Gazastreifen in die Luft
Sa.25.11.06 - Die schiitischen Milizen Hisbollah und Amal haben am Freitag ihren
Anspruch auf ein Vetorecht bei allen politischen Entscheidungen im
Libanon bekräftigt. In einer gemeinsamen Erklärung von
Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah und Amal-Chef Nabih Berri
hieß es: «Wir bestehen auf unserem legitimen Recht, eine
wirkliche Beteiligung an den politischen Entscheidungsprozessen zu
fordern.»
Die von den USA unterstützte Regierung von Ministerpräsident
Fuad Saniora wollte am (heutigen) Samstag abschließend über
die Einrichtung eines von den Vereinten Nationen einberufenen
internationalen Gericht beschließen. Dieses soll den Mord an dem
früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri aufarbeiten, der
2005 Opfer eines Attentats wurde.
Nach dem Krieg im Libanon und den anhaltenden palästinensischen
Raketenangriffen wünschen etwa 80 Prozent der Israelis den
Rücktritt von Verteidigungsminister Amir Perez. Einer am Freitag
von der Zeitung "Maariv" veröffentlichten Umfrage zufolge gaben 78
Prozent der Befragten an, Perez solle zurücktreten. Nur 17 Prozent
wollten ihn weiter als Verteidigungsminister. In einer Umfrage der
Zeitung "Jediot Ahronot" sprachen sich 80 Prozent der Befragten für
einen Rücktritt von Perez aus, 18 Prozent waren dagegen. Weitere 72
Prozent erklärten, Ministerpräsident Ehud Olmert solle den
ehemaligen Gewerkschafter entlassen.
Israel hat ein eingeschränktes Waffenstillstandsabkommen radikaler
Palästinensergruppen abgelehnt. Die bewaffneten
Palästinensergruppen hätten nur eine begrenzte Waffenruhe
vorgeschlagen, erklärte eine israelische Regierungssprecherin am
Freitagmorgen. Der Vorschlag beschränke sich auf den Abschuss
palästinensischer Raketen vom Gazastreifen aus, während Israel
im Gegenzug "an allen Fronten" seine Einsätze beenden solle. "Das
ist nicht seriös", betonte die Sprecherin. Ein Sprecher des
Islamischen Dschihad hatte zuvor gesagt, die Palästinenser seien
bereit, keine Raketen mehr auf Israel abzufeuern, wenn Israel dafür
seine Militäreinsätze im Gazastreifen und im Westjordanland
einstelle.
Eine neunfache Mutter hat sich im Gazastreifen in die Luft gesprengt
und dabei drei israelische Soldaten verletzt. Die 57-jährige
Palästinenserin habe die Tat als Vergeltung für den
israelischen Artillerieangriff auf Beit Hanun im Gazastreifen
verübt, sagte ihre Tochter. Bei dem Angriff Anfang November waren
auch 19 palästinensischen Zivilisten getötet worden.
Zu dem Attentat der Palästinenserin bekannte sich der bewaffnete
Hamas-Flügel. "Sie war von dem, was passiert ist, sehr bewegt",
sagte die Tochter mit Blick auf Beit Hanun. "'Ich will nur noch als
Märtyrerin sterben', hat sie gesagt", berichtete einer ihrer
Söhne. Es war das erste Selbstmordattentat seit Januar 2005, zu dem
sich die Hamas bekannte.
Bei mehreren israelischen Militäreinsätzen im Gazastreifen
wurden am Donnerstag mindestens fünf Palästinenser
getötet. Eine 57-jährige palästinensische
Selbstmordattentäterin sprengte sich in Dschabalija im Norden des
Gazastreifens in der Nähe von israelischen Soldaten in die Luft und
verletzte drei der Soldaten, wie eine israelische Armeesprecherin
mitteilte.
Nach dem Attentat griff die Armee mit Artillerie an und tötete
einen Palästinenser. In Beit Lahija im nördlichen Gazastreifen
wurden nach Angaben von Ärzten und Sicherheitskräften zwei
Aktivisten der Volkswiderstandskomitees bei einem Luftangriff
getötet, als sie in einem Auto unterwegs waren. Israelische
Bodentruppen töteten in der Nähe von Dschabalija ein Mitglied
des Islamischen Dschihad, wie die Gruppe und ein Arzt mitteilten. Zwei
weitere Palästinenser wurden bei Einsätzen nahe Beit Lahija
und Dschabalija getötet.
(Quelle: afp, ap)
Mindestens 30 Tote bei Kämpfen in Sri Lanka
Sa.25.11.06 - Bei Kämpfen zwischen der Armee und tamilischen
Unabhängigkeitskämpfern in Sri Lanka sind mindestens 30
Menschen getötet worden. Wie das Verteidigungsministerium in
Colombo mitteilte, töteten die Sicherheitskräfte im Osten der
Insel 19 Kämpfer der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE). Dort
seien auch vier Polizisten ums Leben gekommen. Zudem hätten
Rebellen im Osten zwei Zivilisten getötet. Bei Kämpfen im
Norden starben laut Verteidigungsministerium fünf Rebellen.
Flugzeuge bombardierten mehrere Stellungen der Tamilen-Rebellen im
Bezirk Mullaitivu im Nordosten des Landes.
In Sri Lanka kämpfen Regierungstruppen und LTTE-Kämpfer trotz
eines im Februar 2002 geschlossenen Waffenstillstandes immer wieder
gegeneinander. In dem Konflikt, in dem die Rebellen für die
Autonomie des Nordostens von Sri Lanka kämpfen, starben seit 1972
mindestens 60.000 Menschen, davon allein 3400 seit Anfang 2006.
(Quelle: afp)
Russische Medien sehen in Tod von Exspion ein Komplott
Sa.25.11.06 - Russische Medien und Abgeordnete sehen in dem Tod des Exspions
Alexander Litvinenko in London eine gegen Russland gerichtete
Verschwörung. Als Urheber wird dabei einer der prominentesten
Kritikers und Gegner von Präsident Wladimir Putin ins Spiel
gebracht: der in Großbritannien im Exil lebende Milliardär
Boris Beresowski.
Beresowski kam nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 bei
zweifelhaften Privatisierungsgeschäften zu einem Vermögen und
war während der Zeit von Präsident Boris Jelzin eine der
einflussreichsten Personen. Unter Putin fiel er dann in Ungnade und floh
nach Großbritannien, um einer Anklage wegen Geldwäsche zu
entgehen.
Der Tod Litvinenkos sei für Russland und seine Sicherheitsdienste
bedeutungslos, hieß es im russischen Fernsehen. Sie hätten
keinen Grund, ihn umzubringen. Es handele sich wohl um ein weiteres
Spiel von Beresowski, wurde in mehreren Interviews angedeutet.
Vielleicht gab es einen Konflikt zwischen Litvinenko und Beresowski, aus
dem dieser den größtmöglichen Profit ziehen wollte,
sagte der Abgeordnete Nikolai Kowaljow. Und auch der Abgeordnete
Konstantin Kosatschew sagte, es handele sich ganz klar um eine Aktion
gegen das moderne Russland.
Litvinenko beschuldigte auf dem Sterbebett Putin, er habe den
Giftanschlag auf ihn verüben lassen. Die britische
Gesundheitsschutzbehörde teilte mit, in Litvinenkos Urin sei eine
hohe Dosis des radioaktiven Isotops Polonium-210 gefunden worden. Der
britische Innenminister John Reid nannte den Tod des 43-Jährigen am
Freitag einen «beispiellosen Vorgang». Putin wies die
Vorwürfe zurück und nannte den Tod des Exspions eine
Tragödie.
(Quelle: ap)
Rückschlag für Friedensprozess in Nordirland
Sa.25.11.06 - Der Friedensprozess für Nordirland hat am Freitag einen
Rückschlag erlitten. Der protestantische Politiker Ian Paisley
lehnte es ab, die Führung einer gemeinsamen Regierung mit der
katholischen Sinn Fein zu übernehmen. Der Vorsitzende der
Democratic Unionist Party (DUP) bekräftigte seine Bedingung, dass
sich die Sinn Fein vorher zur Unterstützung der mehrheitlich
protestantischen Polizei in Nordirland verpflichten müsse.
Nach der Rede Paisleys erzwang der protestantische Extremist Michael
Stone mit einer Bombendrohung die Räumung des Parlaments. Er warf
eine Tasche in das Foyer de Parlamentsgebäudes und rief, dass sie
eine Bombe enthalte. Stone wurde zu Boden gerissen und verhaftet, das
Gebäude wurde evakuiert.
Der britische Premierminister Tony Blair und der irische Regierungschef
Bertie Ahern hatten den Konfliktparteien eine Frist bis zum 24. November
gesetzt, um die zusammengebrochene Regierung zu erneuern und abwechselnd
den Regierungschef zu stellen. Jetzt soll am 30. Januar ein neues
Parlament für die britische Provinz gewählt werden.
Die Teilung der Regierungsverantwortung ist ein Kernstück des
Karfreitagsabkommens von 1998. Die gemeinsame Regierung brach 2002 im
Streit zwischen der DUP und der Sinn Fein zusammen.
(Quelle: ap)
Frankreich: Le Pen erreicht in Umfragen Rekordwerte
Sa.25.11.06 - Bei den Präsidentschaftwahlen in Frankreich in fünf Monaten
hat der Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen einer Umfrage zufolge so gute
Chancen wie noch nie: Der Studie des Institutes CSA für die
Tageszeitung "Le Monde" zufolge wollen derzeit 17 Prozent von 1002
Befragten für Le Pen stimmen. Zum selben Zeitpunkt vor der letzten
Wahl 2002 hatte Le Pen in einer CSA-Umfrage nur neun Prozent erreicht;
bei der tatsächlichen Wahl am 21. April 2002 kam er im ersten
Durchgang dann auf 16,86 Prozent und zog damit in die Stichwahl gegen
Amtsinhaber Jacques Chirac ein.
Dass der Chef der Partei Front National (FN) in der Wählergunst so
kräftig zulegte, erklärte CSA-Chef Stèphane
Rozès in "Le Monde" unter anderem mit der Lage in den
Vorstädten. Ein Teil der traditionellen Wählerschaft der
gemäßigten Rechten sei aber auch enttäuscht über
das Management der an Massenprotesten gescheiterten Reform des
Kündigungsschutzes, sagte Rozès. Auf eine teilweise in
Frankreich vertretene Hypothese, dass Le-Pen-Wähler inzwischen
weniger Hemmungen haben, ihre Wahlabsichten kundzutun, ging er dabei
nicht ein.
Le Pen hat noch nicht alle notwendigen 500 Patenschaften unter
Frankreichs gut 36.000 Bürgermeistern und 4000 anderen
gewählten Volksvertretern zusammen, um bei der Wahl im April und
Mai antreten zu können. Sollte er die Zulassung verfehlen,
würden seine Anhänger laut CSA vor allem den Konservativen
Nicolas Sarkozy unterstützen, der in der ersten Runde um acht
Punkte auf 37 Prozent zulegen würde.
Der Chef der Regierungspartei UMP läge demnach dann gleichauf mit
der Sozialistin Ségolène Royal, die wiederum durch
Le-Pen-Anhänger fünf Punkte zulegen würde. Sarkozy hatte
die Bürgermeister als potenzielle Wahlpaten am Donnerstag
ermuntert, auch anderen Kandidaten zur Zulassung zu verhelfen.
(Quelle: afp)
EU-Kommission will Energiemarkt neu ordnen
Sa.25.11.06 - Die EU-Kommission will im kommenden Jahr die Kontrolle großer
Energiekonzerne über die Versorgungsleitung aufbrechen und so die
Preise senken. Das kündigte EU-Kommissionspräsident Jose
Manuel Barroso am Freitag auf dem europäisch-russischen
Gipfeltreffen in Helsinki an, ohne in die Details zu gehen. Der
russische Präsident Wladimir Putin äußerte keine
Vorbehalte gegen diesen EU-Plan, betonte aber, dass sich Moskau die
Kontrolle und Vermarktung seiner Energiereserven nicht nehmen lassen
werde.
Barrosos Ankündigung bezog sich auf den EU-Binnenmarkt. «Wir
müssen einen wirklichen Binnenmarkt für Energie in Europa
haben», sagte er. «Es herrscht ein klarer Mangel an
Wettbewerb.» Die EU will am 10. Januar ihre
Veränderungsvorschläge für den europäischen
Energiemarkt vorlegen. Damit soll eine Preissenkung erreicht werden und
neuen Unternehmen die Chance gegeben werden, sich gegen die noch immer
den Markt kontrollierenden früheren Staatsmonopole zu behaupten.
Dem Vernehmen nach soll mehr Wettbewerb durchgesetzt werden, indem den
etablierten Konzernen die Kontrolle über die Versorgungsleitungen
genommen wird.
Putin machte deutlich, dass er derartige Eingriffe in Russland nicht
hinnehmen werde. «Die Aufteilung oder Auftrennung von Firmen in
transportierende und produzierende Unternehmen ist eine rein nationale
Angelegenheit in der Zuständigkeit der Russischen Föderation,
und niemand außer uns kann diese Entscheidung treffen»,
sagte Putin.
Barroso sagte, die EU könne ein wichtiger Markt für russische
Rohstoffe sein. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, in
Energiefragen sei ein fairer Wettbewerb wichtig. Putin stellte klar,
dass Russland nicht die Europäische Energiecharta ratifizieren
werde, die ausländischen Firmen ungehinderten Zugang zu seinen
Energiereserven bieten würde. Er sei aber bereit, einige Elemente
daraus in ein künftiges Kooperationsabkommen mit der EU
einzuarbeiten.
Die EU und Russland haben am Freitag einen seit 20 Jahren andauernden
Streit über Gebühren für europäische
Fluggesellschaften beigelegt. Beide Seiten verständigten sich
darauf, die für Flüge über Sibirien erhobenen
Gebühren bis Ende 2013 auslaufen zu lassen, wie ein Sprecher von
EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot in Brüssel mitteilte. Die
Abschaffung der Gebühren war eine der Bedingungen, an die die EU
ihre Zustimmung zu einem WTO-Beitritt Russlands geknüpft hat.
Allein in diesem Jahr mussten europäische Fluggesellschaften fast
300 Millionen Euro an Russland zahlen.
(Quelle:ap )
Deutschland
Bundesregierung verschärft Anstrengungen im Klimaschutz
Sa.25.11.06 - Angesichts steigender Treibhausgas-Emissionen in Deutschland
verschärft die Bundesregierung ihre Anstrengungen im Klimaschutz.
So soll der maximale Kohlendioxidausstoß in den Jahren 2008 bis
2012 auf 465 Millionen Tonnen begrenzt werden, wie Umweltminister Sigmar
Gabriel (SPD) am Freitag in Berlin mitteilte. Ursprünglich sollte
das Limit bei 482 Millionen Tonnen liegen.
Dies sei ein «ziemlich ambitioniertes Ziel», betonte
Gabriel. An die Unternehmen würden nun wesentlich weniger
Emissionsrechte ausgegeben als in einem Entwurf vom Sommer zunächst
vorgesehen.
Mit der Verschärfung des so genannten Allokationsplans 2 reagiert
die Bundesregierung auf die Tatsache, dass die deutsche
Energiewirtschaft in den Jahren 2003 und 2004 jeweils rund 13 Millionen
Tonnen mehr Kohlendioxid in die Luft geblasen hat als gedacht. Die
EU-Kommission hatte daher eine strengere Zielvorgabe gefordert, damit
Deutschland das Klimaschutzziel des Kyoto-Protokolls erreichen
könne.
Gabriel zufolge sind in der neu festgelegten Obergrenze auch Anlagen
berücksichtigt, die bisher nicht zum Emissionshandel verpflichtet
waren. Die zusätzliche Ausstoßmenge schlage hier mit 14
Millionen Tonnen Kohlendioxid zu Buche.
(Quelle: ddp)
Merkel wirbt für Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen
Sa.25.11.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirbt für den Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen. Merkel sagte der
«Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Freitagausgabe), es gebe
hier große Vorbehalte bei vielen Menschen und bei den Kirchen. Sie
betonte: «Ich glaube, dass wir deutlich machen müssen, dass
es hier nicht um den Konsum von gentechnisch veränderten
Lebensmitteln geht. Solche Veränderungen werden in Deutschland auf
hohe Barrieren stoßen.»
Merkel erläuterte, es gehe vor allem um nachwachsende Rohstoffe
und alternative Energien. Die Bundeskanzlerin fügte hinzu:
«Wir reden über den Chemiestandort Deutschland.»
Für die «ganzen chemischen enzymatischen Reaktionen»
brauche man diese Form der Gentechnik.
Merkel argumentierte: «Wenn wir nicht bereit sind, das auch bei
uns zuzulassen, dann werden Forschungsstandorte weggehen und
schließlich auch die Produktionsstandorte wegfallen. Das wäre
für Deutschland ein großer Nachteil.»
(Quelle: ddp)
Deutsche für längeren ALG-I-Bezug für langjährige
Beitragszahler
Sa.25.11.06 - Die Deutschen unterstützen den in der CDU diskutierten Vorschlag
für einen längeren Bezug des Arbeitslosengeldes I für
langjährige Beitragszahler. Vor dem am Montag in Dresden
beginnenden CDU-Bundesparteitag sprachen sich im
ZDF-«Politbarometer» 80 Prozent der Befragten für die
von Parteichefin Angela Merkel unterstützte Forderung des
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers aus.
Lediglich 16 Prozent sind gegen den Vorschlag von Rüttgers, jenen
Bürgern, die nach langer Erwerbstätigkeit arbeitslos werden,
eine längere Bezugsdauer von ALG I zu ermöglichen. Finanziert
werden sollte dies nach Ansicht von 48 Prozent der Befragten durch
zusätzliche Steuermittel, 25 Prozent sprechen sich für eine
kürzere Bezugszeit für diejenigen aus, die noch nicht so lange
Beiträge bezahlt haben, und 12 Prozent sind für eine
Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.
Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen befragte vom 21. bis 23.
November 1310 Wahlberechtigte.
(Quelle: ddp)
Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger warnt CDU vor
Linksruck
Sa.25.11.06 - Vor Beginn des CDU-Bundesparteitags in Dresden hat der
baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger parteiinterne Forderungen nach einer stärkeren sozialen
Ausrichtung der CDU zurückgewiesen und seine Partei vor einem
Linksruck gewarnt. «Die beste Sozialpolitik ist, dass jeder, der
arbeiten kann und will, Arbeit bekommt», sagte der CDU-Politiker
der «Welt am Sonntag» einer Vorabmitteilung vom Freitag
zufolge.
Stattdessen gebe es aber in Deutschland Sozialleistungen in einem
Umfang wie sonst nirgends auf der Welt. «Mit mehr Leistungen
werden wir nicht mehr Gerechtigkeit und nicht mehr soziale Zufriedenheit
erreichen», wird Oettinger zitiert. Er glaube deshalb nicht, dass
ein Linkskurs die CDU bei Wahlen und Umfragen nach vorne bringen
würde.
Damit wies Oettinger zugleich eine Initiative von Nordrhein-Westfalens
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zurück,
dessen CDU-Landesverband auf dem Bundesparteitag am kommenden Montag
einen Antrag mit der Forderung nach der Koppelung des Arbeitslosengeldes
I an die Beitragsjahre stellen will. Je mehr eingezahlt werde, desto
mehr solle ausgezahlt werden.
Oettinger will gegen den Antrag stimmen und stattdessen auf einen
Beschluss zur Lockerung des Kündigungsschutzes dringen. «Uns
geht es vor allem um einen flexibleren Arbeitsmarkt und eine Lockerung
des Kündigungsschutzes», sagte der CDU-Politiker der Zeitung.
Er glaube, dass dadurch viele Unternehmen viele neue Arbeitsplätze
schaffen könnten.
Um die SPD zu einer Aufgabe ihrer bisherigen ablehnenden Haltung zu
bewegen, ist laut Oettinger eine Paketlösung denkbar, bei der die
Union der Einführung eines Mindestlohnes zustimmen soll. «Ich
halte Überlegungen, der SPD beim Mindestlohn entgegenzukommen, um
dadurch eine Lockerung des Kündigungsschutzes zu erreichen, nicht
für sachfremd», sagte der Ministerpräsident, der in
diesem Zusammenhang das so genannte dänische Arbeitsmarkt-Modell
lobte, wo es kaum Kündigungsschutz, dafür aber ein relativ
hohes Arbeitslosengeld gibt.
Oettinger rief seine Partei dazu auf, bei den nächsten
Bundestagswahlen 2009 am Ergebnisziel von mehr als 40 Prozent der
Stimmen festzuhalten. «Wenn die wirtschaftliche Entwicklung sich
wie in diesem Jahr positiv fortsetzt und das auf dem Arbeitsmarkt
ankommt, wird die CDU über 40 Prozent liegen», sagte der
Ministerpräsident.
(Quelle: ap)
SPD und Union wollen Arbeitnehmer an Unternehmensgewinnen beteiligen
Sa.25.11.06 - Ungeachtet des Streits über die Auszahlungsdauer von
Arbeitslosengeld I sind sich SPD- und Unionsspitze im Grundsatz
über eine baldige Neuregelung der Gewinnbeteiligung von
Arbeitnehmern einig: Die SPD will die so genannten Investivlöhne
noch in dieser Legislaturperiode gesetzlich festschreiben, wie
Parteichef Kurt Beck in einem Interview sagte. Zuvor hatten sich bereits
Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel sowie der bayerische
Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber positiv zu
dem Vorhaben geäußert.
Beck sagte, es werde «sehr bald» einen konkreten Vorschlag
für die Förderung und Absicherung der Beteiligung von
Arbeitnehmern am Firmenkapital geben. Die Koalition solle vor der
nächsten Bundestagswahl 2009 ein Gesetz auf den Weg bringen. Kern
des SPD-Konzepts ist Beck zufolge, das Geld der Arbeitnehmer durch
Bürgschaften oder Rückversicherungen vor dem Verlust durch
Insolvenz zu schützen. Zudem könne der Staat die
Mitarbeiterbeteiligung unterstützen, indem er sie etwa wie die
betriebliche Altersvorsorge nachgelagert besteuere.
Der SPD-Vorsitzende fügte hinzu, er sehe bei dem Thema neue
Chancen, nachdem sich auch Bundeskanzlerin Merkel positiv
geäußert habe. Er warte nun die Beschlüsse des
CDU-Parteitages ab und werde dann einen Vorschlag vorlegen.
Anschließend wolle er auch mit Merkel darüber reden.
Merkel hatte angekündigt, auf dem am Montag in Dresden beginnenden
CDU-Parteitag mit einem Vorschlag zu Investivlöhnen neue Akzente
setzen zu wollen. Stoiber sprach in einem Interview von einem
«großen und starken Vorschlag der Kanzlerin, den die CSU
voll unterstützt». Das erfolgreiche Prinzip solle nicht nur
für Manager gelten.
Unterdessen bemühte sich die CDU im Streit über die
Auszahlungsdauer von Arbeitslosengeld I um Geschlossenheit vor dem
anstehenden Parteitag, auf dem über den Vorschlag des
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers, die Bezugsdauer des ALG I für ältere
Arbeitnehmer zu verlängern, abgestimmt werden soll. Nach Merkel
bekundeten auch Bundestagspräsident Norbert Lammert und die
Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) grundsätzliche
Unterstützung für Rüttgers Antrag.
SPD-Parteichef Beck nahm derweil Bundespräsident Horst Köhler
vor Kritik aus Reihen der Union in Schutz, der Rüttgers Vorschlag
abgelehnt hatte. Beck sagte, er halte es für unangemessen, dass
ausgerechnet Unionspolitiker mit dem Bundespräsidenten kritisch ins
Gericht gehen. Wer auf der einen Seite öffentlich Freude bekunde,
wenn Köhler sich auch tagespolitisch äußere, der
dürfe nun auf der anderen Seite auch nicht überempfindlich
sein
(Quelle: ap)
Verbindliche Einladungen zur Vorsorge sollen Kinder schützen
Sa.25.11.06 - Um Kinder besser vor Misshandlung und Vernachlässigung zu
schützen, wollen Bund und Länder verbindliche Einladungen zu
Vorsorgeuntersuchungen einführen. Darauf verständigten sich
die Jugend- und Familienminister am Freitag auf einer Sondersitzung in
Berlin. «Es bleibt beim freiwilligen Arztbesuch, aber wir wollen
ein verbindliches Einladungswesen einrichten», kündigte
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) an.
«Es muss uns gelingen, die drei bis vier Prozent der Kinder zu
erreichen, die heute nicht zu den Vorsorgeuntersuchungen kommen»,
sagte die Ministerin. «Bei diesen Kindern muss in jedem Einzelfall
geklärt werden, ob es ihnen gut geht oder nicht.» Mit
verbindlichen Einladungen könnten die Gesundheitsämter
kontrollieren, welche Eltern mit ihren Kindern zum Arzt gegangen sind
und welche nicht. Diese Daten könnten dann an die Jugendämter
weitergegeben werden, skizzierte von der Leyen die bisherige Planung der
Fachpolitiker.
Wenn ein Verdacht auf Vernachlässigung oder Misshandlung vorliege,
könne der Staat dann gegen den Willen der Eltern eingreifen.
«Wenn der Verdacht besteht, dass das Kindeswohl gefährdet
ist, darf das Jugendamt ins Haus, auch gegen den Willen der
Eltern», sagte von der Leyen. Dies sei bereits im vergangenen Jahr
durch klare Handlungsvorgaben für die Jugendämter im Kinder-
und Jugendhilferecht klargestellt worden.
Wichtig seien außerdem möglichst frühe Hilfsangebote an
Schwangere und Eltern von Neugeborenen. «Risikofamilien
müssen entdeckt und von Anfang an begleitet werden», sagte
von der Leyen. Das bisherige Frühwarnsystem sei gut, doch
müsse die Zusammenarbeit von Hebammen, Jugendämtern,
Ärzten und Betreuern verbessert werden.
Von der Leyen sprach sich gegen Pflichtuntersuchungen aus. Länder,
die Pflichtuntersuchungen einführten, gingen ein
verfassungsrechtliches Risiko ein. Vorgeschriebene Arztbesuche
könnten als unverhältnismäßiger Eingriff in das im
Grundgesetz geschützte Elternrecht interpretiert werden, sagte die
Ministerin. «Pflichtuntersuchungen würden die 95 Prozent der
Eltern, die sich gut um ihre Kinder kümmern, unter Generalverdacht
stellen», sagte von der Leyen.
Die Familienministerin begrüßte die Entscheidung des
Bundesrats, die Länderinitiativen zur Kindesmisshandlung
zunächst in den Ausschüssen zu beraten. Hessen und das
Saarland hatten am Freitag in der Länderkammer die Einführung
von Pflichtuntersuchungen gefordert.
(Quelle: ap)
Mannesmann-Prozess vor dem Ende: Ankläger stimmen Einstellung zu
Sa.25.11.06 - Der Düsseldorfer Mannesmann-Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Josef
Ackermann und fünf Mitangeklagte steht vor dem Ende: Die
Staatsanwaltschaft erklärte sich am Freitag mit einem Antrag der
Verteidiger auf Einstellung des Verfahrens einverstanden. Im Gegenzug
sollen die Angeklagten insgesamt 5,8 Millionen Euro Geldauflagen zahlen,
davon allein Ackermann 3,2 Millionen. Ackermann und die übrigen
Beschuldigten wären in diesem Fall nicht vorbestraft. Der
58-Jährige kündigte im Gerichtssaal an, er werde das Geld
"aus eigener Tasche" zahlen. Das Düsseldorfer Landgericht will
kommende Woche über eine Einstellung des spektakulären
Prozesses entscheiden.
Über eine Einstellung des Untreue-Verfahrens gegen Geldauflagen
war bereits im Vorfeld spekuliert worden, nachdem der Bundesgerichtshof
Ende vergangenen Jahres die Freisprüche für alle Angeklagten
aus einem ersten Strafprozess aufgehoben hatte. Die Staatsanwaltschaft
hob bei der Verhandlung am Freitag hervor, eine Verfahrenseinstellung
gegen alle Beschuldigten sei "kein Handel mit der Gerechtigkeit",
sondern entspreche der Rechtslage und sei damit "sachgerecht". Weder die
"mögliche Schwere der Schuld noch das öffentliche Interesse"
stünden einem solchen Vorgehen entgegen.
Ausdrücklich verwiesen die Strafverfolger darauf, dass der Prozess
um Millionenprämien bei Mannesmann im Zuge der Übernahme durch
Vodafone "in der Öffentlichkeit zu einer breiten Diskussion
über die Angemessenheit von Sonderzahlungen an Manager"
geführt habe. Auch in Unternehmenskreisen habe das Verfahren "ein
ausgeprägtes Problembewusstsein" hervorgerufen. Zugleich
unterstrich die Staatsanwaltschaft, die sechs Angeklagten hätten in
ihrem Berufsleben "Beachtliches geleistet" und seien zudem erstmals mit
derartigen Tatvorwürfen konfrontiert worden.
Nach dem Willen der Ankläger soll Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser
mit 1,5 Millionen Euro die zweithöchste Summe zahlen. Der einstige
Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk soll eine Million Euro zahlen,
Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel 60.000 Euro, Ex-Konzernbetriebsratschef
Jürgen Ladberg 12.500 Euro und der frühere
Direktionsmitarbeiter Dietmar Droste 30.000 Euro. Das Geld soll nach
dem Willen der Staatsanwaltschaft zu 60 Prozent in die Staatskasse
fließen und der Rest an gemeinnützige Einrichtungen.
Derweil berichtete der "Tagesspiegel" (Samstagsausgabe), es sei die
persönliche Entscheidung Ackermanns gewesen, die 3,2 Millionen Euro
aus eigener Tasche zu bezahlen. Die Deutsche Bank sei auch bereit
gewesen, die Geldauflage aus der Kasse des Hauses zu zahlen, berichtete
das Blatt unter Berufung auf das Umfeld Ackermanns weiter. Der
58-Jährige sei von den Aktionären der Bank gedrängt
worden, die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung der Geldauflage zu
betreiben, um der Deutschen Bank wieder voll und ganz als Vorstandschef
zur Verfügung stehen zu können.
Aktionärsschützer begrüßten das absehbare Ende des
Mannesmann-Prozesses. Die entsprechenden Anträge seien
"nachvollziehbar", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen
Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf.
"Je länger das Verfahren dauert, desto mehr wächst die
Bereitschaft beider Seiten, sich auf einen solchen Freispruch zweiter
Klasse einzulassen." Seinen Zweck habe der Prozess ohnehin erfüllt:
"Die Aufsichtsräte sind sensibler für solche Bonuszahlungen
geworden und diese sind heute vertraglich abgesichert."
Ackermann steht im Mittelpunkt des spektakulären Strafverfahrens,
das seit dem 26. Oktober in Düsseldoref neu aufgerollt wird. In dem
Prozess geht es um die Rechtmäßigkeit von Prämien und
Abfindungen in Höhe von 57 Millionen Euro, die nach der
Mannesmann-Übernahme Anfang 2000 an amtierende und frühere
Konzernmanager geflossen waren. In einem ersten Verfahren waren die
Angeklagten im Juli 2004 freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof
hob diese Urteile jedoch Ende 2005 auf und verwies den Fall an eine
andere Kammer des Düsseldorfer Gerichts zurück.
(Quelle: afp)