Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Überfallkommando erschießt 21 männliche Dorfbewohner
bei Bagdad. Sunnitischer Führer ruft zu Boykott der irakischen
Regierung auf. Radikale Gruppen im Irak auf keine Auslandshilfe
angewiesen. Rumsfeld genehmigte angeblich Folter an Häftlingen im
Irak
So.26.11.06 - Ein Überfallkommando schwer bewaffneter Männer hat in der
Nacht zum Samstag nordöstlich von Bagdad gezielt 21 männliche
Dorfbewohner umgebracht. Die Bluttat wurde laut Polizeiangaben in dem
Dorf Imam Mansur, 75 Kilometer nordöstlich von Bagdad, verübt.
Die Täter seien in fünf Wagen vorgefahren, hätten die
männlichen Dorfbewohner in die Felder verschleppt und dort
erschossen. Unter den Opfern war ein zwölfjähriger Junge. Der
Überfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle
ein, bei denen gezielt Schiiten umgebracht wurden.
Der oberste Führer der Minderheit der Sunniten im Irak, Harith al
Dhari, hat die arabischen Regierungen und die internationale
Gemeinschaft aufgefordert, der von den Schiiten geführten
irakischen Regierung die Unterstützung zu entziehen. Andernfalls
werde sich die Gewalt im Irak auf den gesamten Nahen Osten ausweiten,
sagte der Leiter der einflussreichen sunnitischen Vereinigung
muslimischer Gelehrter am Samstag in Kairo. Al Dhari, der in Jordanien
lebt, wird von der irakischen Regierung wegen Anstachelung zum
Terrorismus gesucht. Sie hatte Mitte November einen Haftbefehl gegen
ihn ausgestellt. Den Haftbefehl nehme er nicht ernst, sagte Al Dhari
dazu am Samstag. Die Sunniten im Irak werfen der von dem schiitischen
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki geführten Regierung
mangelnde Bereitschaft vor, die schiitischen Milizen aufzulösen.
Diese werden wiederum für Angriffe gegen die Sunniten
verantwortlich gemacht.
Aufständische Gruppen im Irak kassieren nach einem Zeitungsbericht
durch kriminelle Machenschaften jedes Jahr bis zu 200 Millionen Dollar.
Das sind umgerechnet 153 Millionen Euro. Die Einnahmen seien so
groß, dass damit sogar Terrorgruppen im Ausland gesponsort werden
könnten, schreibt die «New York Times». Die Zeitung
beruft sich auf einen geheimen Bericht der US-Regierung. Alleine durch
Entführungen kassierten militanten Gruppen umgerechnet 27
Millionen Euro.
Die US-Armee gab unterdessen bekannt, dass sie bei zwei Einsätzen
im Norden von Bagdad insgesamt 22 mutmaßliche "Terroristen"
getötet habe. Bei einem Einsatz in Tadschi seien die US-Soldaten
beschossen worden, hätten das Feuer erwidert und "zehn Terroristen
getötet", erklärte die US-Armee. Bei dem Feuergefecht seien
auch eine schwangere Frau und ein junger Mann verletzt worden, der Mann
sei später seinen Verletzungen erlegen.
Die US-Soldaten beschlagnahmten den Angaben zufolge zahlreiche
Schnellfeuerwaffen und Boden-Luft-Raketen. Wo der zweite Einsatz mit
zwölf Getöteten ausgeführt wurde, teilten die
US-Streitkräfte nicht genau mit. Sie sprachen von einem Einsatz
"nördlich von Bagdad".
US-Vizepräsident Dick Cheney bemühte sich unterdessen bei
einem Besuch in Saudi-Arabien um Unterstützung angesichts der
ausufernden Gewalt im Irak. Offenbar versuchte Cheney die sunnitische
Königsfamilie zur Einflussnahme zu bewegen.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnte
vor einer Teilung des Iraks. Dadurch werde ein offener Bürgerkrieg
ausbrechen, sagte Erdogan während eines Besuchs in Jordanien. In
der Hauptstadt Amman wollen am Mittwoch und Donnerstag
US-Präsident George W. Bush und der irakische Regierungschef Nuri
al-Maliki zusammentreffen.
Die frühere US-Kommandeurin des Gefängnisses Abu Ghraib,
Janis Karpinski, hat Ex-US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
vorgeworfen, die Folter von irakischen Häftlingen direkt angeordet
zu haben. "Ich habe ein von Rumsfeld unterzeichnetes Memorandum
gesehen", in dem er die Anwendung von Folter während der
Verhöre autorisierte, sagte Karpinski der spanischen Tageszeitung
"El Pais" (Samstagsausgabe). Zu den darin erlaubten Methoden hätten
Schlafentzug, das Abspielen lauter Musik und die Störung der
Esszeiten gehört.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 26.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundsechzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israelisch-palästinensische Waffenruhe im Gazastreifen vereinbart.
Hamas droht mit dritter Intifada. Weiter schwere Spannungen in der
libanesischen Staatsführung. Israelische Truppen legten laut UN
Minen im Libanon
So.26.11.06 - Israel und die Palästinenser haben eine Waffenruhe für den
Gazastreifen vereinbart, die am (heutigen) Sonntag um 06.00 Uhr
Ortszeit in Kraft treten soll. Das teilten Sprecher des israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert und des palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas am späten Samstagabend mit.
Abbas habe Olmert telefonisch darüber informiert, dass er mit
allen palästinensischen Gruppierungen eine Vereinbarung über
die Einstellung gewaltsamer Aktionen gegen Israel erzielt habe, sagte
eine Sprecherin des israelischen Regierungschefs, Miri Eisin. Zugleich
habe der Präsident Olmert ersucht, ebenfalls alle
Militäraktionen im Gazastreifen einzustellen und alle Soldaten
zurückzuziehen. Dem habe Olmert zugestimmt.
Israel hatte auf wiederholte Raketenangriffe militanter
Palästinenser vom Gazastreifen aus mit einer Militäroffensive
reagiert.
Die Hamas hat derweil mit einer dritten Intifada in den
palästinensischen Autonomiegebieten gedroht. Innerhalb der
kommenden sechs Monate müsse in Verhandlungen «eine echte
politische Perspektive» eröffnet werden, sagte der
politische Führer der islamisch-fundamentalistischen Organisation,
Chaled Maschaal, am Samstag in Kairo. «Wir haben uns mit dem
nationalen Abkommen zur Errichtung eines palästinensischen Staates
in den Grenzen vom 4. Juni 1967 bereit erklärt», sagte
Maschaal. «Sie müssen diese Chance nutzen.» Sollten
die Verhandlungspartner im kommenden halben Jahr kein Abkommen
erzielen, werde die Hamas erstarken und der Widerstand werde sich zu
einem «dritten Aufstand» auswachsen.
Nach der Ermordung von Industrieminister Pierre Gemayel halten die
Spannungen in der libanesischen Staatsführung an. Der pro-syrische
Parlamentspräsident Nabih Berri warf Ministerpräsident Fuad
Siniora vor, zum wiederholten Male "illegal" das Kabinett einberufen zu
haben. Dringlichkeitssitzungen der Regierung dürften nur vom
Staatspräsidenten anberaumt werden, erklärte Berri.
Siniora wollte bei der für Samstag einberufenen Kabinettssitzung
die Einsetzung des UN-Tribunals zur Aufklärung des Mordes an dem
ehemaligen Minsiterpräsidenten Rafik Hariri vorantreiben.
Allerdings zeigte sich Siniora bereit, die Kabinettssitzung um mehrere
Tage zu verschieben, wenn die pro-syrischen Kräfte Entgegenkommen
zeigten.
Vor zwei Wochen hatten sechs pro-syrische Minister, fünf von ihnen
Mitglieder der Schiitenparteien Hisbollah und Amal, ihren Rücktritt
erklärt. Sie warfen der anti-syrischen Mehrheit vor, die Macht zu
monopolisieren. Traditionell wird im Libanon versucht, alle
gesellschaftlichen Kräfte in der Regierung zusammenzuführen.
Industrieminister Gemayel, der Führer der maronitisch-christlichen
Falange-Partei (Kataib), war am Dienstag in Beirut ermordet worden.
Israelische Truppen haben während des Krieges gegen die Hisbollah
im Sommer nach UN-Feststellungen Minen im Südlibanon verlegt. Das
UN-Koordinationszentrum für Maßnahmen gegen Minen teilte am
Samstag mit, dass dies aus Ermittlungen über eine Explosion am
Freitag hervorgehe, bei der zwei europäische
Sprengstoff-Räumexperten und ein libanesischer Arzt verletzt
worden waren. «Das ist der erste Beweis, dass israelische Truppen
2006 neue Minen im Libanon legten», hieß es in einer
Erklärung des UN-Koordinationszentrums.
Der Südlibanon ist mit Minen übersät. Israelische
Truppen legten 2000 bei ihrem Abzug nach 18-jähriger Besetzung
Minenfelder an, die Hisbollah legte danach ebenfalls Minen, um
israelische Vorstöße zu gefährden. Der Zwischenfall am
Freitag begann damit, dass ein libanesischer Hirte mit seiner
Ziegenherde in das nicht markierte Minenfeld bei dem Dorf Deir Mimas
zog, hieß es. Eine Ziege habe eine Minenexplosion in dem drei
Kilometer von der israelischen Grenze gelegenen Gebiet ausgelöst.
Die UN-Experten - ein Brite und ein Bosnier - und der Arzt hätten
die Explosion gehört und hätten versucht, dem Hirten zu
helfen. Die drei hätten eine weitere Explosion ausgelöst, der
Hirte sei unverletzt geblieben. Die libanesische Regierung fordert seit
langem von Israel, Karten über Minenfelder herauszugeben. Israel
steht bereits wegen des Einsatzes von Streubomben in der Kritik.
(Quellen: afp, ap)
Somalias Islamisten bringen tausende Kämpfer in Stellung
So.26.11.06 - Somalia steht kurz vor dem Beginn eines offenen Konfliktes zwischen den
Milizen der islamischen Gerichte und den von Äthiopien
ausgebildeten Truppen der Übergangsregierung. Die Islamisten
brachten nach Angaben von Augenzeugen tausende Kämpfer in
Stellungen nahe dem Sitz der Übergangsregierung in Baidoa 250
Kilometer nordwestlich von Mogadischu. "Wir warten auf den Beginn der
Schlacht", sagte der militärische Anführer der islamistischen
Truppen, Scheich Muktar Robow, am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Er
warf dem Nachbarland Äthiopien vor, Panzer, Flugzeuge und
Hubschrauber in Baidoa zur Unterstützung der
Übergangsregierung stationiert zu haben.
(Quelle: afp)
Rebellen dringen im Osten Tschads weiter vor
So.26.11.06 - Die Rebellen der Union der Kräfte für Demokratie und Wandel
(UFDD) haben im Osten Tschads weitere Geländegewinne erzielt.
UFDD-Kämpfer drangen in die Stadt Abéché in der
Nähe der Grenze zum Sudan ein, wie Rebellensprecher und
Regierungsvertreter übereinstimmend über Satelliten-Telefone
mitteilten. Unklar war zunächst noch, ob die Rebellen die Stadt
vollständig unter ihre Kontrolle brachten. Abéché
ist die größte Stadt in der grenznahen Region. In den
vergangenen Wochen hatten die Rebellen bereits mehrere andere Orte
unter ihre Kontrolle gebracht.
Die Afrikanische Union (AU) verurteilte die "Angriffe gegen den
Tschad", ohne dabei direkt auf den Sudan Bezug zu nehmen. Die
tschadische Regierung hatte den Nachbarstaat in den vergangenen Monaten
wiederholt beschuldigt, die Rebellen zu unterstützen. Er sei
über die "Bewegungen militärischer Gruppen sehr beunruhigt",
erklärte AU-Kommissionspräsident Alpha Oumar Konaré.
Die Afrikanische Union setze sich für den Respekt der
territorialen Einheit ihrer Mitgliedsstaaten ein und lehne nicht
verfassungsgemäße Mittel der Machtergreifung ab.
(Quelle: afp)
EU-Beobachter bescheinigen Gültigkeit der Präsidentenwahl in
Mexiko
So.26.11.06 - EU-Beobachter haben in einem am Samstag vorgelegten Abschlussbericht
die Gültigkeit der Präsidentenwahl in Mexiko vom 2. Juli
bescheinigt. Zwar habe es Unregelmäßigkeiten gegeben, doch
die Abstimmungsergebnisse seien gültig, erklärte der Leiter
der Beobachtermission, Jose Ignacio Salafranca aus Spanien. Die Wahl
sei frei und transparent gewesen und die Ergebnisse stellten den
legitimen Willen des mexikanischen Volkes dar, hieß es in der
Erklärung Salafrancas, die von der mexikanischen
Generalstaatsanwaltschaft verbreitet wurde. Die EU-Beobachter leiteten
ihren Bericht einem Sonderermittler beim Generalstaatsanwalt zu. Laut
offiziellem Ergebnis ging Felipe Calderón von der Nationalen
Aktionspartei (PAN) des scheidenden Präsidenten Vicente Fox aus
der Wahl knapp als Sieger hervor. Der unterlegene Andrés Manuel
López von der Partei der Demokratischen Revolution (PRD) erkennt
das Ergebnis aber nicht an und bezichtigt die Regierung des
Wahlbetrugs. Der Oppositionsführer ließ sich am Dienstag zum
Gegenpräsidenten ausrufen. Calderón soll am 1. Dezember als
neuer Präsident vereidigt werden. Die Opposition hat
angekündigt, die Zeremonie im Kongress zu stören.
(Quelle: ap)
Italienische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglichen
Wahlbetrugs
So.26.11.06 - Als Reaktion auf die Dokumentation zweier Journalisten über
versuchten Wahlbetrug hat die italienische Staatsanwaltschaft
Ermittlungen aufgenommen. Enrico Deaglio und Beppe Cremagnani hatten in
einem Dokumentarfilm erklärt, bei der Parlamentswahl im April
seien vom Innenministerium tausende leere Wahlzettel als Stimmen
für die Mitte-Rechts-Regierung des früheren
Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gezählt worden. Der
Berlusconi-Vertraute und ehemalige Außenminister Gianfranco Fini
wies die Vorwürfe am Samstag zurück.
Bei Wahlbetrug hätte sein Lager nicht mit 24.000 Stimmen verloren,
erklärte Fini. Vielmehr habe es Unregelmäßigkeiten von
Seiten der Mitte-links-Fraktion gegeben. Giuseppe Pisanu, unter
Berlusconi Innenminister, sprach von grundlosen Anschuldigungen.
Die Staatsanwaltschaft in Rom begann am Freitag mit Ermittlungen und
will die Zahl der leeren Stimmzettel aus Wahllokalen und die Daten des
Innenministeriums vergleichen.
Das Mitte-links-Bündnis unter dem jetzigen
Ministerpräsidenten Romano Prodi hatte bei der Wahl Anfang April
mit der hauchdünnen Mehrheit von rund 24.000 Stimmen gewonnen.
Berlusconi hatte damals von Unregelmäßigkeiten gesprochen
und erklärt, einige leere Wahlzettel seien mit Stimmen für
Mitte-links ausgefüllt worden.
Die 90-minütige Dokumentation von Deaglio und Cremagnani mit dem
Titel «Tötet die Demokratie!» lag am Freitag als DVD
dem Magazin «Diario» bei. Der Film lief zuvor in einigen
Kinos, wurde aber nicht im Fernsehen gezeigt. Die Ausgabe sei
landesweit ausverkauft, teilte «Diario» mit.
(Quelle: ap)
Kein UN-Verbot der Grundschleppnetzfischerei
So.26.11.06 - Mit ihrem Nein haben vier Fischereistaaten ein geplantes UN-Verbot der
Grundschleppnetzfischerei verhindert. Russland, Island, China und
Südkorea stimmten nach wochenlangen Beratungen in New York gegen
einen Resolutionsentwurf, der den unkontrollierten Fischfang mit Netzen
am Meeresboden untersagen sollte. Laut einem Bericht der US-Akademie der
Wissenschaften aus dem Jahr 2002 werden durch Grundschleppnetzfischerei
zahlreiche Lebewesen auf dem Meeresgrund vernichtet.
Unterstützt hatten ein Moratorium unter anderem die USA,
Großbritannien, Norwegen, Australien und Neuseeland. Da sich der
zuständige UN-Ausschuss nicht einstimmig für den Entwurf
aussprach, wird das Dokument vermutlich nicht an die Vollversammlung
weitergeleitet. Mehr als 60 Umweltschutzgruppen hatten sich zwei Jahre
lang um ein Verbot unkontrollierter Grundschleppnetzfischerei
bemüht. Schätzungsweise 200 bis 300 Fischereifahrzeuge aus elf
Ländern betreiben Grundschleppnetzfischerei.
(Quelle: ap)
Deutschland
Union und Grüne betonen Gemeinsamkeiten
So.26.11.06 - Vor den Bundesparteitagen von CDU und Grünen haben führende
Vertreter beider Parteien Koalitionen für die Zukunft
ausdrücklich nicht mehr ausgeschlossen. Die stellvertretende
CDU-Vorsitzende Annette Schavan verwies in der «Berliner
Zeitung» auf die wachsende Zahl an Gemeinsamkeiten. Die Junge
Union lobt ausdrücklich die Reformbereitschaft der Grünen.
Auch deren Fraktionsvorsitzende Renate Künast sieht in der Union
inzwischen einen ernsthaften Kandidaten für gemeinsame
Regierungsbündnisse.
Schavan sagte: «Bei den Grünen gibt es auch zunehmend eine
interessante Debatte über modernes Regieren oder den
Freiheitsbegriff.» Beide Parteien hätten zudem ein
ähnliches Verständnis von Nachhaltigkeit, etwa in Fragen der
Haushaltspolitik oder der Generationengerechtigkeit. Daneben gebe es
aber auch die alten Streitpunkte, etwa in der Energie- oder Atompolitik.
Die Bundesbildungsministerin forderte die Union auf, «den
politischen Gedankenaustausch mit den Grünen ernsthaft
fortzuführen». Es habe in der CDU schon immer Leute mit einem
guten Draht zu den Grünen gegeben. «Diesen Draht sollte man
auch nutzen», betonte sie.
JU-Chef Philipp Mißfelder sagte der Tageszeitung
«B.Z.», er sehe bei den Grünen wesentlich mehr
Offenheit für eine grundlegende Reform der sozialen
Sicherheitssysteme als bei der SPD, die immer noch in ihrer
Verteilmentalität gefangen sei: «Dagegen hat sich die
grüne Wählerschaft sehr verändert, sie ist
reformorientiert.» Dennoch bezeichnete Mißfelder ein
Bündnis der Union mit der FDP als Wunsch-Koalition für die
nächste Legislaturperiode.
«Wenn es dazu nicht reicht, bleibt uns nur eine
schwarz-gelb-grüne Jamaika-Koalition, denn wir wollen 2009 auf gar
keinen Fall die große Koalition fortsetzen», sagte der
JU-Chef. Die Grünen müssten sich aber ohnehin erst
entscheiden, «ob sie den alten Weg von Jürgen Trittin
fortsetzen oder lieber den unideologischen Kurs von Matthias Berninger,
Katrin Göring-Eckardt oder Oswald Metzger stärken».
Künast sagte im Nachrichtenmagazin «Focus»: «Die
CDU ist nicht mehr unser Schreckgespenst.» Schwarz-Grün werde
realer. Bei einer Regierungsentscheidung gehe es für ihre Partei
nur um die Frage, mit wem am meisten Grün durchgesetzt werden
könne. Und bei der Union gebe es eine positive Weiterentwicklung.
So sehe die CDU in der Ausländerpolitik kein Kampfthema an den
Stammtischen mehr. In der Regierung entwickle sie sogar eine positive
Strategie für die Integration. Den Einsatz von Gentechnik in der
Landwirtschaft kritisiere jetzt selbst die CSU.
Auch bei der Förderung von regionalen Produkten und Erhaltung der
Heimat ergäben sich Schnittmengen. Zudem packe die Union bei der
Familienpolitik auch grüne Themen an. «Vielleicht kommen wir
in ein paar Jahren mit der CDU so weit, das Ehegattensplitting massiv zu
reduzieren und in Kinderbetreuung zu investieren», betonte die
Fraktionschefin. Die SPD habe sich das nie getraut. Dem ehemaligen
Regierungspartner trauerten die Grünen nicht nach, sagte
Künast. Falls die große Koalition vor 2009 scheitern sollte
und der Bundespräsident keinen Neuwahlen zustimmt, bekomme auch das
Jamaika-Bündnis aus Schwarz-Grün-Gelb eine neue Chance.
(Quelle: ap)
CDU muss laut Seehofer Schutzmacht der kleinen Leute sein
So.26.11.06 - CSU-Vize Horst Seehofer hat die Schwesterpartei CDU vor ihrem
Bundesparteitag zu einer sozialen Ausrichtung ihrer Politik
aufgefordert. Die CDU sei eine Volkspartei, und «Volksparteien
müssen stets die Schutzmacht der kleinen Leute sein», sagte
er der «Bild am Sonntag». Seehofer sprach sich für
eine neue Definition des Begriffes Gerechtigkeit aus. Es gehe ihm
«nicht um den alten Fürsorgestaat». Alle müssten
Teilhabe an Bildung, Arbeit und einer gerechten Einkommens- und
Vermögensbeteiligung haben.
(Quelle: dpa)
DGB-Chef kritisiert SPD scharf
So.26.11.06 - CSU-Vize Horst Seehofer hat die Schwesterpartei CDU vor ihrem
Bundesparteitag zu einer sozialen Ausrichtung ihrer Politik
aufgefordert. Die CDU sei eine Volkspartei, und «Volksparteien
müssen stets die Schutzmacht der kleinen Leute sein», sagte
er der «Bild am Sonntag». Seehofer sprach sich für
eine neue Definition des Begriffes Gerechtigkeit aus. Es gehe ihm
«nicht um den alten Fürsorgestaat». Alle müssten
Teilhabe an Bildung, Arbeit und einer gerechten Einkommens- und
Vermögensbeteiligung haben.
(Quelle: dpa)
DGB unterstützt Pläne für Investivlöhne
So.26.11.06 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unterstützt nach einem
«Spiegel»-Bericht grundsätzlich die Forderungen nach
einer stärkeren Unternehmensbeteiligung von Arbeitnehmern.
Allerdings warnt der DGB zugleich vor allzu großer Euphorie:
«Nicht zuletzt der Zusammenbruch der New Economy hat gezeigt,
welche katastrophalen Folgen Wertschwankungen von erworbenen Aktien
haben können», heißt es dem Nachrichtenmagazin zufolge
in einem Positionspapier des DGB-Bundesvorstands.
In dem Schreiben fordern die Gewerkschafter laut «Spiegel»
zugleich einen Steuerrabatt für Arbeitnehmern: «Insbesondere
bei Kapitalbeteiligungen fehlen steuerliche Anreize.» Dass
Arbeitgeber ihren Beschäftigten derzeit lediglich Aktien im Wert
von maximal 135 Euro steuerfrei anbieten dürften, sei ein zentrales
Hindernis. Der DGB schlägt dem Bericht zufolge deshalb vor, den
Rahmen der Steuerbegünstigung deutlich auf 2.000 Euro
jährlich auszuweiten.
(Quelle: ap)
Staatsrechtler hält Gesundheitsreform für verfassungswidrig
So.26.11.06 - Der Präsident des Berliner Verfassungsgerichtshofs, Helge Sodan,
hält nach einem Bericht des «Focus» die geplante
Gesundheitsreform in mehreren Punkten für grundgesetzwidrig. Unter
anderem rüge er, dass die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern
in gesetzlichen Kassen künftig auch über Steuern finanziert
werden solle, während Privatversicherte weiter Prämien
für Kinder zahlen müssten. Das Ministerium erklärte, die
Einwände seien nicht stichhaltig.
«Der Staat ist grundsätzlich zur Förderung aller Kinder
verpflichtet, unabhängig von der Art ihres
Krankenversicherungsschutzes», zitierte das Blatt aus der
Stellungnahme Sodans, der auch Direktor des Deutschen Instituts für
Gesundheitsrecht ist. Die Reform verstoße gegen den Schutz der
Familie und den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz. Sodan warnte auch
vor schwerwiegenden Konsequenzen für die Grundrechte der
Privatversicherer und ihrer Kunden durch die geplanten Neuregelungen
für die private Krankenversicherung.
Ministeriumssprecher Klaus Vater erklärte dazu, die Kritik des
Staatsrecht-Professors Sodan «ist hinfällig». Das
Bundesverfassungsgericht habe dem Gesetzgeber einen sehr weiten
Spielraum gegeben, um die Krankenversicherung zu ordnen und für die
Menschen sicher zu machen. «Die Einwände von Professor Sodan
sind geprüft und schon vor Wochen als nicht stichhaltig verworfen
worden», sagte Vater.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
SPD weist Seehofer-Pläne zur Gentechnikforschung zurück
So.26.11.06 - Die SPD lehnt eine Erleichterung der Gentechnikforschung ab, wie sie
Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) vorschlägt. «In
dieser Form können wir die Eckpunkte nicht akzeptieren»,
sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber der «Passauer Neuen
Presse».
Knackpunkte seien die Regelungen für Haftung und Koexistenz. Wer
auf Gentechnik verzichte, dürfe nicht mit Kosten belastet werden um
nachzuweisen, dass seine Ernte gentechnikfrei ist. Zudem sei der
Haftungs-Schwellenwert von 0,9 Prozent zu hoch. Vielen Landwirten
würden Einbußen auch bei geringerer Verunreinigung durch
gentechnisch veränderte Organismen entstehen, sagte Kelber.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa plant Seehofer, den
Entschädigungsanspruch bei Experimenten mit genmanipulierten
Pflanzen einzuschränken. Er soll nur noch für unmittelbare
Nachbarn gelten. Falls eine Ernte durch Forschungsanbau verunreinigt
ist, soll sie zudem noch verwertet werden dürfen - aber keinesfalls
als Lebensmittel oder Futtermittel. Das geht aus einem Vorschlag
für Eckpunkte aus dem Ministerium hervor. Auf Widerstand
stoßen die Pläne auch bei Grünen, FDP und
Umweltverbänden.
(Quelle: dpa)
Junge Medizinstudenten wissen wenig über Naturwissenschaften
So.26.11.06 - Medizinstudenten starten ihre Hochschullaufbahn mit wenig
naturwissenschaftlichem Wissen. Dies betreffe vor allem die Bereiche
Physik und Chemie, gab der Fachbereich Medizin der Universität
Frankfurt am Main am Freitag die Ergebnisse einer von ihm
durchgeführten Studie bekannt. Dabei habe es keine Unterschiede
zwischen den Bundesländern gegeben.
«Auch wenn wenige Teilnehmer hervorragende Kenntnisse mitbringen,
wurden von den Fragen im Mittel weniger als die Hälfte richtig
beantwortet», sagte der Medizinprofessor Johannes Schulze. Auf
Fragen zur Physik und zur Chemie habe es durchschnittlich weniger als 25
richtige Antworten gegeben, in der Biologie seien immerhin rund 50
Prozent erreicht worden. Die Fragen bezogen sich auf Stoff aus der Ober-
und teils der Mittelstufe.
In der ersten bundesweiten Studie zu naturwissenschaftlichen
Vorkenntnissen hatten rund 3.000 Studienanfänger der Humanmedizin
im Wintersemester 2003/2004 40 offene Fragen zu Biologie, Chemie,
Mathematik und Physik beantwortet. Die Ergebnisse zeigen laut Schulze,
welche Kenntnisse bei Studienanfängern vorausgesetzt werden
können.
(Quelle: ap)