Aktuelle Nachrichten
Irak am achthunderteinundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Neun Tote bei Autobombenanschlag und Kämpfen. Iraks
Ministerpräsident Maliki: Politiker können für Ende der
Gewalt sorgen. Iran bietet Vermittlung im Irak an. Ungeduld von
US-Parlamentariern mit irakischer Regierung wächst. US-Einsatz im
Irak länger als Militäraktion im Zweiten Weltkrieg
Mo.27.11.06 - Die Kämpfe im Irak dauern an: So sind bei einem Autobombenanschlag
rund 40 Kilometer südlich von Bagdad fünf Iraker ums Leben
gekommen. Das US-Militär gab derweil bekannt, Soldaten der
Koalitionstruppen hätten bei einem Einsatz in Bakuba vier militante
Extremisten getötet.
Nach den verheerenden Anschlägen der vergangenen Tage hat Iraks
Ministerpräsident Nuri al-Maliki die rivalisierenden
Regierungsfraktionen mit Nachdruck aufgefordert, die Gewalt im Land zu
beenden.
"Diejenigen, die eine weitere Verschlechterung und ein
Blutvergießen stoppen können, sind die Politiker", sagte
Maliki am Sonntag. "Lasst uns ehrlich sein, die Sicherheitslage spiegelt
die politischen Unstimmigkeiten wider." Die Politiker müssten ihre
Differenzen ausräumen und verstehen, dass es in diesem Kampf keine
Gewinner oder Verlierer gebe.
Am Donnerstag waren bei Anschlägen in einem Schiiten-Viertel von
Bagdad mehr als 200 Menschen getötet worden. Offenbar als
Vergeltung für die Bombenattentate steckten Bewaffnete am Freitag
mehrere sunnitische Moscheen in der Hauptstadt in Brand und töteten
30 Menschen.
Die US-Zeitung «New York Times» berichtet, die am Aufstand
im Irak beteiligten radikalen Gruppen verfügten über so
große Einnahmen, dass sie sogar schon Terrorgruppen im Ausland
mitfinanzieren könnten.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat unterdessen den
USA seine Hilfe bei der Beruhigung der Lage im Irak angeboten. Im
Gegenzug müsse die US-Regierung aber ihre Versuche zur
Einschüchterung des Irans sowie Pläne zu dessen Invasion
aufgeben, sagte Ahmadinedschad am Sonntag vor einer
paramilitärischen Einheit, die mit den Revolutionären Garden
verbunden ist. Die USA und ebenso Großbritannien müssten
einsehen, dass sie in der Region in eine Sackgasse geraten seien.
Ahmadinedschad hatte für Samstag die Präsidenten des Iraks
und Syriens, Dschalal Talabani und Baschar al Assad, zu Gesprächen
über den Konflikt eingeladen. Talabani konnte Bagdad jedoch nicht
verlassen, weil der Flughafen nach dem Blutbad an Schiiten in Sadr City
vorerst geschlossen blieb. Aus Damaskus verlautete, auch Assad sei zu
Gesprächen mit Washington bereit, um die Lage im Irak in den Griff
zu bekommen. Dafür würden aber Gegenleistungen erwartet, etwa
amerikanische Hilfe beim Rückerhalt der von Israel annektierten
Golanhöhen.
Angesichts der nicht enden wollenden Gewalt im Irak verlieren
führende US-Parlamentarier zunehmend das Vertrauen in die
irakische Regierung. Vor dem geplanten Treffen von US-Präsident
George W. Bush mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri
al-Maliki am Mittwoch in Amman forderten sie die eigene Regierung auf,
mehr Druck auf die irakische Führung auszuüben, um die Lage
endlich in den Griff zu bekommen.
Wenn Al-Maliki nicht Führung zeige und die Lage unter Kontrolle
bringe und mithin selbst zum Problem werde, müssten die USA einige
harte Entscheidungen treffen, sagte der republikanische Senator Trent
Lott am Sonntag im Fernsehsender Fox News. Und der demokratische
Senator Richard Durbin sagte im ABC-Fernsehen, man müsse den
Irakern jetzt klar machen, dass das amerikanische Engagement im Irak
nicht unbegrenzt sei, wenn sie ihr Land nicht auf vernünftige
Weise regieren könnten.
Der republikanische Senator Chuck Hagel, ein möglicher
Präsidentschaftskandidat für die Wahl 2008, forderte am
Sonntag in einem Beitrag in der «Washington Post» eine
parteiübergreifende Rückzugsstrategie. Sollte Präsident
Bush dies nicht schaffen, würden die USA einen hohen Preis
bezahlen. Noch sei es nicht zu spät, sich ehrenvoll aus dem Irak
zurückzuziehen.
Der Militäreinsatz der USA im Irak dauert inzwischen länger
als die amerikanische Beteiligung am Zweiten Weltkrieg. Mit drei Jahren
und gut acht Monaten seit 19. März 2003 wurde am Sonntag die
Kriegsdauer der Zeit vom Dezember 1941 bis August 1945 eingestellt. Zwar
erklärte US-Präsident George W. Bush die Kampfhandlungen im
Irak am 1. Mai 2003 offiziell für beendet, dennoch sprechen
Analysten angesichts der anhaltenden Gewalt und der darauf folgenden
Militäreinsätze von einer Fortsetzung des Krieges.
Am Sonntag wurde der Tod von zwei weiteren US-Soldaten gemeldet, die
nach Angaben der Streitkräfte neuen Kämpfen in der Provinz
Anbar westlich von Bagdad zum Opfer fielen. Nach einer Statistik der
Nachrichtenagentur AP erhöhte sich die Zahl der seit Kriegsbeginn
im Irak getöteten US-Soldaten damit auf 2.874. Allein 55 kamen im
noch laufenden November ums Leben.
Politische Beobachter haben wiederholt hervorgehoben, dass seit dem
Überschreiten der 2.000-Marke ein deutlicher Abfall der
Unterstützung für den Irak-Krieg in der amerikanischen
Öffentlichkeit zu verzeichnen ist. Beim Vietnam-Krieg bedurfte es
für diesen Meinungsumschwung erst des Todes von mehr als 20.000
Soldaten.
Der Vietnam-Krieg, in dem insgesamt 58.000 US-Soldaten ums Leben kamen,
markiert mit acht Jahren und fünf Monaten den bisher längsten
Militäreinsatz der USA. Länger als der Irak-Krieg dauerten
außerdem der Revolutions- beziehungsweise
Unabhängigkeitskrieg (rund sieben Jahre) sowie der Bürgerkrieg
(rund vier Jahre). Im Bürger- beziehungsweise Sezessionskrieg von
1861 bis 1865 gab es mit mindestens 620.000 auch die bislang meisten
Todesopfer unter US-Soldaten. Im Zweiten Weltkrieg lag diese Zahl unter
den US-Truppen bei 406.000, im Ersten Weltkrieg bei 116.000.
(Quellen: dpa, rtr, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 27.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.27.11.05 - Zehn Tote bei zwei Bombenanschlägen +++ Mehrere bewaffnete Gruppen im
Irak angeblich zu Gesprächen bereit +++ US-Armee beginnt neue
Operation +++ Irakischer Ex-Premier Allawi beklagt Menschenrechtslage...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Afghanistan: Schwere Kämpfe und Anschlag - Über 60 Tote
Mo.27.11.06 - Kurz vor einem NATO-Gipfel, der sich auch mit dem wachsenden Druck auf
die ISAF-Schutztruppe beschäftigt, sind bei schweren Kämpfen
und einem Selbstmordanschlag in Afghanistan mehr als 60 Menschen
getötet worden.
Gefechte in Südafghanistan - darunter auch Kämpfe im Distrikt
Pandschwai, wo Deutschland eine Straße bauen will, - kosteten nach
Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF vom Sonntag rund 55
radikal-islamische Rebellen und einen ISAF- Soldaten das Leben. Bei
einem Selbstmordanschlag in der südostafghanischen Provinz Paktika
riss der Attentäter am Sonntag nach offiziellen afghanischen
Angaben sieben Zivilisten in den Tod.
Bei dem am Dienstag beginnenden NATO-Gipfel in Riga wird es auch um den
umkämpften Süden Afghanistans gehen. NATO-Verbündete wie
die USA und Großbritannien wünschen sich deutsche Truppen im
Kampfgebiet, was die Bundesregierung ablehnt. Deutschland will sich aber
stärker beim Wiederaufbau im Süden engagieren und plant den
Bau einer 4,5 Kilometer langen Straße im unruhigen Distrikt
Pandschwai. Die Bundeswehr ist mit derzeit rund 2900 Soldaten der
drittgrößte Truppensteller in Afghanistan.
Die NATO-geführte ISAF teilte am Sonntag mit, im Distrikt
Pandschwai in der Provinz Kandahar sei es zu einer Anzahl von Gefechten
gekommen. ISAF-Soldaten seien am Samstag von Rebellen beschossen worden
und hätten das Feuer erwidert. Die ISAF habe zudem Luftangriffe
geflogen. Fünf Rebellen seien getötet und drei ISAF- Soldaten
verletzt worden. Zu Gefechten sei es am Vortag auch in der Provinz
Urusgan gekommen. Dort hätten zahlreiche Rebellen ISAF- Truppen
angegriffen. Die Soldaten hätten zurückgeschossen, die
Schutztruppe habe Luftangriffe geflogen. Etwa 50 Rebellen seien
getötet worden, auch ein ISAF-Soldat sei ums Leben gekommen.
Zur Nationalität des getöteten und verletzten Soldaten machte
die ISAF wie üblich keine Angaben. In Urusgan sind vor allem
Niederländer, in Kandahar vor allem Kanadier stationiert.
Bei einem Selbstmordanschlag in der südostafghanischen Provinz
Paktika riss ein Attentäter am Sonntag sieben Zivilisten mit in den
Tod, 20 Menschen wurden verletzt. Provinzgouverneur Akram Khepilwak
sagte, der Attentäter habe sich in einem Restaurant in der
Provinzhauptstadt Urgun in die Luft gesprengt. Ein anwesender
Armeekommandeur sei unverletzt geblieben.
Bei einem Selbstmordanschlag auf die ISAF in der südafghanischen
Provinz Logar wurden am Samstag zwei afghanische Zivilisten ums Leben.
Soldaten kamen nicht zu Schaden. In der Hauptstadt Kabul explodierte am
Samstag ein an einer Straße versteckter Sprengsatz nahe einem
Fahrzeug der afghanischen Armee. Niemand wurde verletzt.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Geplantes UN-Tribunal zu Hariri-Mord schürt Spannungen im Libanon.
Erster Tag der Waffenruhe in Gaza weitgehend eingehalten. Israel will
Sicherheitsgespräche mit Palästinensern wieder aufnehmen
Mo.27.11.06 - Trotz Warnungen der Hisbollah hat das libanesische Kabinett einem
internationalen Sondergericht zur Aufarbeitung des Mordes am
früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri zugestimmt. Diese
Entscheidung dürfte die innenpolitischen Spannungen weiter
schüren: Der prosyrische Präsident Emile Lahoud übte
umgehend scharfe Kritik und die schiitische Hisbollah-Miliz
kündigte Massenproteste gegen die von den USA unterstützte
Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora.
Das Kabinett fasste den Beschluss ohne Beteiligung der
zurückgetretenen Hisbollah-Minister am Samstag, vier Tage nach der
Ermordung von Industrieminister Pierre Gemayel. Das Gericht soll von
den Vereinten Nationen eingerichtet werden und außerhalb des
Libanons über vier prosyrische libanesische Generäle richten,
die im Zusammenhang mit dem Hariri-Mord im vergangenen Jahr angeklagt
sind.
Präsident Lahoud, der der Einrichtung des Tribunals zustimmen
muss, bezeichnete die Kabinettsentscheidung als «null und
nichtig». Ein führendes Mitglied der Hisbollah, Scheich
Hassan Esseddine, sagte, über Ort und Zeit der Proteste werde noch
entschieden. Die Regierung repräsentiere nur einen Teil des
libanesischen Volkes, sagte er dem Sender Al Arabija.
Siniora verteidigte die Zustimmung zu dem Tribunal. Die Entscheidung
sei nicht als Provokation gegen die Hisbollah und deren Verbündete
zu verstehen, ließ der Regierungschef erklären. Das
internationale Tribunal werde dazu beitragen, die Wahrheit über
den Mordanschlag auf Hariri im Februar 2005 ans Licht zu bringen. Eine
von den UN eingesetzte Ermittlungskommission macht den syrischen und
den libanesischen Geheimdienst für den Bombenanschlag
verantwortlich. Die Vereinten Nationen sollen auch bei der
Aufklärung des Mordes an Gemayel am vergangenen Dienstag helfen.
Die schiitischen Milizen Hisbollah und Amal haben am Freitag ihren
Anspruch auf ein Vetorecht bei allen politischen Entscheidungen im
Libanon bekräftigt. In einer gemeinsamen Erklärung von
Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah und Amal-Chef Nabih
Berri hieß es: «Wir bestehen auf unserem legitimen Recht,
eine wirkliche Beteiligung an den politischen Entscheidungsprozessen zu
fordern.»
Siniora hatte sich noch vor der Sondersitzung des Kabinetts bereit
erklärt, die Entscheidung über das Tribunal um einige Tage
aufzuschieben, wenn die zurückgetretenen Minister wieder in die
Regierung einträten. Die Hisbollah lehnte dies jedoch ab.
Nach einem brüchigen Beginn ist die zwischen Israelis und
Palästinensern vereinbarte Waffenruhe im Gazastreifen im weiteren
Verlauf des ersten Tages weitgehend eingehalten worden. Bis zum
frühen Morgen wurden keine weiteren Verstöße gemeldet.
Kurz nach Inkrafttreten hatten militante Palästinenser gestern
noch weitere Raketen auf das israelische Grenzgebiet abgefeuert. Der
israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatten sich zuvor auf die
Waffenruhe verständigt.
Die israelischen Streitkräfte wollen erstmals seit dem Amtsantritt
der Hamas-Regierung im Frühjahr die Sicherheitsgespräche mit
den palästinensischen Sicherheitskräften wieder aufnehmen.
Das verlautete am Sonntag aus israelischen Militärkreisen. Ziel
sei es, militante Palästinenser daran zu hindern, weiter Raketen
auf Israel abzufeuern. Die fortgesetzten Raketenangriffe vom
Gazastreifen aus waren ein Grund für die jüngste israelische
Militäroffensive dort.
Vor der Verkündung der Waffenruhe stellte die Hamas-Bewegung ein
Ultimatum für Verhandlungen mit Israel und drohte mit einer dritten
Intifada. Der politische Führer der islamisch-fundamentalistischen
Organisation, Chaled Maschaal, erklärte am Samstag in Kairo, er
gebe Friedensgesprächen sechs Monate Zeit. Wenn dann keine
Einigung erzielt sei, werde sich der Widerstand neu formieren.
Maschaals Äußerungen waren die bislang deutlichste
Bestätigung für die Bereitschaft der Hamas, Verhandlungen
zwischen Abbas und Israel zu akzeptieren. Zugleich war es das erste Mal,
dass Maschaal eine Frist setzte und dies mit einer expliziten Drohung
verband.
Innerhalb der kommenden sechs Monate müsse «eine echte
politische Perspektive» eröffnet werden, sagte der
Hamas-Führer und verwies auf ein Abkommen zur Errichtung eines
palästinensischen Staates in den Grenzen vom 4. Juni 1967. Sollten
sich die Verhandlungspartner im kommenden halben Jahr nicht einigen,
werde die Hamas erstarken und der Widerstand werde sich zu einem
«dritten Aufstand» auswachsen.
(Quelle: ap)
Linkskandidat Correa laut Hochrechnung bei Wahl in Ecuador vorn
Mo.27.11.06 - Der linksgerichtete Politiker Rafael Correa hat nach ersten
Hochrechnungen die Präsidentenstichwahl in Ecuador gewonnen.
Demnach erhielt der 43-jährige Wirtschaftswissenschaftler am
Sonntag 56,9 Prozent der Stimmen, während der rechtsliberale
Geschäftsmann Alvaro Noboa auf 43,1 Prozent kam.
Die Hochrechnung der unabhängigen Bürgervereinigung
Participacion Ciudadana beruht auf Ergebnissen aus 1.607 der 36.000
Wahllokale. Die Organisation gab die statistische Fehlerquote der
Hochrechnung mit weniger als einem Prozent an. Das Ergebnis der
Hochrechnung entspricht den zuvor veröffentlichten Prognosen
aufgrund von Wählernachfragen. Noboa wies die Prognosen
zurück und erklärte, er erwarte bei der Auszählung der
Stimmen einen Sieg.
Bei einem Sieg Correas würde Ecuador in den immer
größeren Kreis der südamerikanischen Staaten treten,
die von der Linken regiert werden. Dazu gehören bereits Venezuela,
Chile, Bolivien, Brasilien, Argentinien und Uruguay.
Correa war bereits Favorit in der ersten Runde der Präsidentenwahl
am 15. Oktober. Mit 22,8 Prozent der Stimmen kam er aber nur auf den
zweiten Platz hinter Noboa, der 26,8 Prozent erhielt. Um das
Wählerpotenzial der elf ausgeschiedenen Kandidaten hinter sich zu
sammeln, dämpfte Correa vor der Stichwahl seine radikale Rhetorik.
Für Unruhe an den New Yorker Finanzmärkten sorgte seine
Ankündigung, im Fall eines Wahlsiegs die Rückzahlung von
Schulden zu reduzieren und das Geld für Sozialprogramme zu
verwenden.
Der Sieger der Präsidentenwahl steht vor der schwierigen Aufgabe,
den Andenstaat politisch und wirtschaftlich zu stabilisieren. Seit 1996
hatte Ecuador acht verschiedene Präsidenten. Drei von ihnen
verloren ihr Amt unter dem Druck von Straßenprotesten. Correa war
im vergangenen Jahr für 106 Tage Finanzminister unter
Präsident Alfredo Palacio, der im April 2005 Präsident Lucio
Gutierrez abgelöst hatte.
(Quelle: ap)
Chile: Pinochet rechtfertigt Putsch gegen Allende
Mo.27.11.06 - Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet hat an seinem
91. Geburtstag erneut den Putsch vom 11. September 1973 gegen den
gewählten Präsidenten Salvador Allende gerechtfertigt.
Während Opfer der Militärdiktatur (1973-1990) und
Menschenrechtsgruppen seit Jahren auf ein Wort des Bedauerns von
Pinochet warten, beglückwünschte er am Samstag stattdessen die
Streitkräfte.
Die Militärs hätten Chile «mit Mut und
Opferbereitschaft» vor dem Totalitarismus bewahrt und die heutige
Demokratie erst ermöglicht, stand in einem von Pinochets Frau
Lucía Hiriat vor einigen hundert Anhängern des Ex-Diktators
verlesenen Brief. Zugleich übernahm Pinochet die politische
Verantwortung für die Zeit der Militärdiktatur. Insgesamt
wurden unter seiner Herrschaft Schätzungen zufolge etwa 3500
Menschen umgebracht und zehntausende gefoltert oder ins Exil getrieben.
Zur Überraschung der Anwesenden zeigte sich Pinochet dann noch
selbst vor seiner Residenz in Santiagos Nobelstadtteil La Dehesa. Mit
Hilfe von zwei Angestellten erhob er sich aus seinem Rollstuhl und
grüßte seine Anhänger. Obwohl er an Diabetes leidet und
eigentlich eine strenge Diät befolgen müsste, wirkte Pinochet
erstaunlich übergewichtig. Seine Anhänger brachten ihm mehrere
Geburtstagsständchen dar.
Zurzeit steht Pinochet in drei Verfahren unter Anklage. Dabei geht es
um Mord, Entführung, Folter und Unterschlagung.
(Quelle: dpa)
Mexiko: Aufständische in Oaxaca setzen Finanzamt in Brand
Mo.27.11.06 - Bei schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und
linksgerichteten Demonstranten in der mexikanischen Stadt Oaxaca sind
mindestens 43 Menschen verletzt worden. Die Aufständischen griffen
Polizisten am Samstag und Sonntag mit Steinen, Brandsätzen und
Feuerwerkskörpern an. Am Sonntag wurden ein Gericht in einem
Gebäude aus der spanischen Kolonialzeit sowie ein Finanzamt in
Brand gesetzt. Die Polizei verhaftete nach eigenen Angaben 152 Personen.
Der Aufstand der Volksversammlung von Oaxaca (APPO) dauert bereits mehr
als ein halbes Jahr. Die Anhänger linksgerichteter und
anarchistischer Gruppen sowie indianische Aktivisten fordern den
Rücktritt von Gouverneur Ulises Ruiz, dem sie Wahlbetrug und
Unterdrückung von Dissidenten vorwerfen. Ende Oktober griff die
Bundespolizei ein und vertrieb die Rebellen vom Zocalo, dem zentralen
Platz der Stadt.
Am Wochenende rückten die Aufständischen dem Zocalo immer
näher und versuchten offenbar, die Polizei auf dem Platz
einzuschließen. Die Bewohner des Stadtzentrums beobachteten am
Sonntag entsetzt, wie Gebäude in Flammen aufgingen und wie
vereinzelt Geschäfte geplündert wurden. «Wir haben
Angst vor den APPO-Leuten», sagte die Bewohnerin Josefina Quiros.
Erstmals seit Monaten trat Gouverneur Ruiz öffentlich in der
Hauptstadt des Staates Oaxaca auf. Er kündigte ein entschlossenes
Vorgehen gegen die Aufständischen und die Entfernung von
Barrikaden an. Seit Beginn des Aufstands wurden bei
Zusammenstößen neun Menschen getötet, unter ihnen ein
New Yorker Kameramann.
(Quelle: ap)
Schweizer votieren für Millionen-Subventionen für Osteuropa
Mo.27.11.06 - In einer Volksabstimmung haben sich die Schweizer mit knapper Mehrheit
dafür entschieden, die neuen EU-Mitgliedsstaaten mit einer
Milliarde Franken (650 Millionen Euro) zu fördern. 53,4 Prozent
stimmten für den Vorschlag der Bundesregierung in Bern, wie die
Behörden mitteilten. Die EU-Kommission begrüßte die
Entscheidung der Schweiz für den Finanzbeitrag zur Verbesserung
der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in den neuen
EU-Mitgliedsstaaten.
Wegen der positiven Auswirkungen der EU-Erweiterung vom Mai 2004 auf
die Schweizer Wirtschaft hatte die Bundesregierung in Bern der
EU-Kommission zehn Jahresraten zu jeweils 100 Millionen Schweizer
Franken zugesagt. Die Gegner des Vorhabens erzwangen jedoch die
Abhaltung einer Volksabstimmung. Von den Schweizer Arbeitgebern werden
die Zahlungen befürwortet, da der Handel mit Osteuropa lukrativ
ist. Mit dem Geld sollen Projekte in Polen, Ungarn, Tschechien,
Litauen, der Slowakei, Lettland, Estland, Slowenien, Zypern und Malta
gefördert werden.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte
in Brüssel: "Ich freue mich über die positive Entscheidung
der Schweizer Bürger, die auch in ihrem eigenen Interesse ist."
Die Schweiz profitiere von einem privilegierten Zugang zum
europäischen Binnenmarkt. Mit jedem neuen EU-Mitglied würden
deshalb auch die Möglichkeiten für die Schweiz und ihre
Wirtschaft steigen. "Der Ausgang der heutigen Abstimmung zeigt, dass
die Schweizer Wähler dies verstanden haben."
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner erklärte: "Wir
begrüßen die Wahl des Schweizer Volkes." Mit dieser
Abstimmung hätten die Schweizer ihre Bereitschaft gezeigt,
Verantwortung für den Frieden in Europa sowie die wirtschaftliche
und soziale Entwicklung in den neuen EU-Mitgliedstaaten zu
übernehmen.
(Quelle: afp)
Frankreich: Royal tritt 2007 für die Sozialisten an
Mo.27.11.06 - Zehn Tage nach dem klaren Votum der Parteimitglieder haben die
französischen Sozialisten am Sonntag in Paris die frühere
Familienministerin Ségolène Royal zu ihrer Kandidatin
für die Präsidentenwahl im kommenden April erklärt.
«Eine neue Hoffnung ist auf der Linken entstanden, die bis zum
Sieg 2007 wachsen will», sagte die 53-Jährige in ihrer ersten
Ansprache als Kandidatin. Sie rief «alle Franzosen» auf,
«den Mut aufzubringen, sich den Veränderungen zu stellen,
ohne das Ideal der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und
Gerechtigkeit» aufzugeben.
Royal will ihren Wahlkampf um die vier Themen Bildung, Kampf gegen
Gewalt, Erhöhung der Kaufkraft und Umweltschutz führen. Die in
Weiß gekleidete Präsidentin der Region Poitou-Charente
begrüßte die 1300 Delegierten des Nominierungskongresses mit
einem strahlenden Lächeln. Die Delegierten feierten Royal im Stehen
mit anhaltendem Beifall.
Beim Votum der Parteimitglieder über die
Präsidentenkandidatur hatte sich Royal mit 60,65 Prozent im ersten
Wahlgang durchgesetzt. Am Sonntag rief sie ihre unterlegenen
Konkurrenten Laurent Fabius und Dominique Strauss-Kahn auf, sich ihr
anzuschließen. In Umfragen werden Royal gute Aussichten
eingeräumt, den voraussichtlichen Kandidaten der Neogaullisten,
Innenminister Nicolas Sarkozy, 2007 zu schlagen und erste Frau an der
Spitze Frankreichs zu werden.
(Quelle: dpa)
Türkei: Rund 25.000 protestieren in Istanbul gegen Papst-Besuch
Mo.27.11.06 - Kurz vor der Türkei-Reise von Benedikt XVI. haben am Sonntag rund
25.000 Menschen in Istanbul gegen den Besuch protestiert. Der Papst
solle zu Hause bleiben oder sich gezielt für die Gleichstellung
von Islam und Terror entschuldigen, hieß es auf
Spruchbändern unter Bezug auf die Regensburger Papst-Rede mit dem
umstrittenen islamkritischen Zitat. Der Vatikan bestätigte
derweil, das Oberhaupt der Katholiken werde in Istanbul auch die Blaue
Moschee besuchen, eine der bedeutendsten muslimischen Stätten.
Vatikan-Sprecher Federico Lombardi wertete dies als Zeichen des
Respekts vor allen Muslimen. Es wäre Benedikts erster Gang als
Papst in ein muslimisches Gotteshaus. Sein Vorgänger Johannes Paul
II. hatte 2001 in Damaskus als erster Papst überhaupt eine Moschee
besucht.
Benedikt selbst würdigte in einer Ansprache vom Fenster seines
Amtssitzes die reiche Geschichte und Kultur der Türkei. Deshalb
wolle er «dem lieben türkischen Volk» sowie den
Politikern dieses Landes seine Wertschätzung und aufrichtige
Freundschaft bekunden. Die auf dem Peterplatz versammelten
Gläubigen rief der Papst dazu auf, für ein gutes Gelingen
seiner Reise zu beten.
In der Türkei hat die Regensburger Papst-Rede vom 12. September
heftige Proteste ausgelöst. Zur Großdemonstration am Sonntag
hatte eine Gruppierung aufgerufen, deren Führung sich nach eigenen
Worten von dieser Rede zutiefst beleidigt fühlte. Die
Demonstranten stellten auf der Straße vom Istanbuler Flughafen
ins Stadtzentrum zahlreiche Schilder mit Parolen gegen den Papst auf.
Rund 4.000 Polizisten waren im Einsatz, um Ausschreitungen zu
verhindern.
Außenminister Abdullah Gül erklärte, der Papst-Besuch
könne dazu beitragen, einige der Missverständnisse zwischen
Christen und Muslimen auszuräumen. Entscheidend sei, welche
Signale Benedikt während seines Aufenthalts in der Türkei
aussenden werde.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann,
erhofft sich von der Reise Verbesserungen für die Katholiken in
dem muslimischen Land. Noch genieße die katholische Kirche in der
Türkei keine volle Religionsfreiheit, sagte Lehmann der
«Bild am Sonntag» und fügte hinzu: «Für den
nicht immer spannungsfreien Dialog mit dem Islam kann der Besuch
wichtige Impulse geben.» Ebenso wichtig sei eine weitere
Annäherung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche,
die dem Papst ein Herzensanliegen sei.
(Quelle: ap)
Muslime fühlen sich als Fremdkörper der deutschen Gesellschaft
Mo.27.11.06 - Trotz aller Versuche der Annäherung fühlt sich ein
Großteil der deutschen Muslime nach Angaben der Islamischen
Gemeinschaft Deutschland (IGD) noch immer als Fremdkörper der
Gesellschaft. Nach dem Karikaturenstreit und der Papstrede in der
Regensburger Universität habe sich die Situation für deutsche
Muslime zugespitzt, sagte deren Präsident, Ibrahim El Zayat, am
Samstag auf der 28. IGD-Jahreskonferenz in Hamburg.
«Wir müssen uns den künftigen Herausforderungen der
Gesellschaft stellen und damit umgehen», sagte El Zayat vor rund
3000 Konferenzteilnehmern. Er verwies darauf, dass laut einer Studie des
Instituts für Demoskopie Allensbach lediglich sechs Prozent der
Deutschen Sympathien für den Islam empfänden. Die Schere
zwischen eigener Wahrnehmung und Außenwirkung sei sehr groß,
sagte er. Zugleiche verwies er auf das religiöse Vorbild in
Gestalt des Propheten Mohammed und forderte seine Glaubensbrüder
zu Barmherzigkeit und Gewaltablehnung auf.
Den Umgang mit Muslimen in Deutschland kritisierte der Vorsitzende des
Islamrats für die BRD, Ali Kizilkaya. «Weshalb müssen
wir ständig für unsere Rechte kämpfen und werden unter
Generalverdacht gestellt?», fragte der Chef des
konservativ-orthodoxen Islamrats. Immer noch werde mehr über
Muslime als mit ihnen gesprochen. Die Integration bezeichnete Kizilkaya
als einen Prozess, der die Einheit der Muslime erfordere.
Mehr Respekt für Andersdenkende forderte der Vorsitzende des
Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler. Nur so
könne vermieden werden, dass es künftig nichts Heiliges mehr
gebe und Gewalt und Brutalität das Gesellschaftsbild bestimmten.
«In dieser pluralistischen Gesellschaft muss es eine Vielfalt von
Ideen geben», betonte Köhler.
Der im Osten Deutschlands geborene Muslim sagte, er habe in der
ehemaligen DDR für Presse- und Meinungsfreiheit kämpfen
müssen, die er nun verteidige. Das deutsche Grundgesetz sichere
ideale Voraussetzungen für eine freie und werteorientierte
Gemeinschaft. Auch die in Deutschland lebenden Muslime respektierten
diese Werte und stünden zur Verfassung. Zu den Zielen des
Zentralrats der Muslime gehörten daher die Integration und der
offene Austausch der Kulturen.
Die von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) initiierte
Islamkonferenz bezeichnete Köhler als einen Schritt in die richtige
Richtung. Auch wenn er anfangs sehr skeptisch gewesen und die Besetzung
der Konferenz unglücklich gewählt worden sei, erkenne er
«die Bemühungen der deutschen Politik um einen Dialog, der
aus einer Notwendigkeit heraus erwachsen" sei. Aber auch eine Konferenz
könne nicht die schwerwiegende Frage beantworten, ob der Islam und
die Muslime zur deutschen Gesellschaft gehörten oder nicht.
(Quelle: ddp)
Kritik an hektischer und fehlerhafter Gesetzgebung nimmt zu
Mo.27.11.06 - Die Kritik an der Gesetzgebungsarbeit von Bundestag und Bundesrat nimmt
zu. Der Präsident des Bundesfinanzhofes, Wolfgang Spindler, sagte
dem Nachrichtenmagazin «Focus», sein Gericht habe dem
Bundesverfassungsgericht in den vergangenen vier Jahren drei Mal so
viele Steuer-Paragrafen zur Überprüfung vorgelegt wie im
gleichen Zeitraum zuvor.
Spindler nannte das «symptomatisch für den derzeitigen
Zustand des Steuerrechts». Von 1997 bis 2001 habe es vier, seit
2002 bereits zwölf derartige Vorlagen gegeben. Dadurch entstehe
eine Rechtsunsicherheit, die alle Beteiligten am Besteuerungsverfahren
erheblich beeinträchtige. Auch Bundespräsident Horst
Köhler hat sich dem «Focus» zufolge Anfang Oktober bei
einem Treffen mit den Spitzen der Verfassungsorgane über die
sinkende Qualität der Normgebung beklagt.
Die Grünen machen die Koalition von CDU/CSU und SPD für die
schlechte Qualität vieler Gesetze verantwortlich. Der
«Focus» zitierte die Vizepräsidentin des Bundestags,
Katrin Göring-Eckardt (Grüne), mit den Worten: «Viele
handwerkliche Fehler sind gepaart mit einer großkoalitionären
Überheblichkeit. Union und SPD denken, sie könnten machen,
was sie wollen.»
(Quelle: ap)
DGB-Vorsitzender Sommer kritisiert SPD-Politik als arbeitnehmerfeindlich
Mo.27.11.06 - DGB-Chef Michael Sommer hat die SPD scharf kritisiert. Die
Sozialdemokraten betrieben eine Politik, die nicht den Arbeitnehmern
diene, sagte Sommer in einem am Sonntag vorab veröffentlichten
Interview der Zeitschrift «Super Illu». Als Beleg nannte der
Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes die Gesundheitsreform,
die Rente mit 67 sowie die Steuerpolitik. Sommer kritisierte auch die
Union, während er sich wohlwollend über die Politik der
Linkspartei.PDS äußerte.
Sommer bekräftigte, dass die Gesundheitsreform aus Sicht des DGB
nicht nur handwerklich Murks sei, sondern auch die Abkehr von der
solidarischen Krankenversicherung einleite. Die Rente mit 67 sei ein
Rentenkürzungsprogramm. Zur Steuerpolitik der SPD sagte er, es
könne nicht sein, dass man der breiten Masse der Bevölkerung
eine um drei Prozentpunkte erhöhte Mehrwertsteuer aufbürde,
während den Unternehmern abermals milliardenschwere Steuergeschenke
gemacht werden sollten.
Auch die Union sei trotz der Vorschläge des
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers für eine Verlängerung der
Arbeitslosengeld-I-Zahlungen noch lange keine Arbeitnehmerpartei.
Rüttgers habe zwar mit einem betont arbeitnehmerfreundlichen
Programm 2005 die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewonnen. Der
CDU-Politiker regiere aber in einer Koalition mit der FDP, und vieles
von seiner tatsächlichen Politik habe mit sozialer Gerechtigkeit
nichts zu tun, kritisierte Sommer. Der Vorschlag zum Arbeitslosengeld I
habe den «Pferdefuß», dass die Jüngeren
dafür zahlen sollten. Es sei allerdings begrüßenswert,
dass Rüttgers das Thema soziale Sicherheit überhaupt
anspreche, betonte der DGB-Chef.
Die «alte PDS» zeige dagegen in Berlin, dass sie willens
und bereit sei, realistische Politik mitzugestalten, sagte Sommer der
Zeitschrift zufolge. Die Weiterführung des rot-roten Senats sei
für die Hauptstadt und ihre Probleme der beste Weg. Der DGB-Chef
warnte die Linkspartei.PDS aber gleichzeitig vor einer reinen
Oppositionspolitik auf Bundesebene». Alles nur besser wissen und
immer nur fordern das reicht nicht aus», sagte er.
(Quelle: ap)
Linkspartei 'e.V.' - Umwandlung in eingetragenen Verein beschlossen
Mo.27.11.06 - Die Linkspartei.PDS hat sich in einen eingetragenen Verein umgewandelt
und damit eine wichtige Voraussetzung für die Vereinigung mit der
Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) geschaffen. Die
Delegierten eines außerordentlichen Bundesparteitages stimmten am
Sonntag in Berlin nahezu geschlossen der Änderung des Statuts zu.
Die Umwandlung in so genannte rechtsfähige Vereine ist
Voraussetzung für die Parteifusion nach dem Umwandlungsgesetz. Die
WASG hatte diesen Schritt schon vor einer Woche vollzogen.
Neben der grundsätzlichen Zustimmung zur Fusion traten auf dem
Sonderparteitag jedoch auch inhaltliche Differenzen zutage. So
wächst der Widerstand gegen die Weigerung der WASG, sich zu Ziel
und Werten eines «demokratischen Sozialismus» zu bekennen.
Linkspartei-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch forderte,
die gemeinsame Partei «Die Linke» müsse den
Schlüsselbegriff «in ihren Programm ganz weit
voranstellen».
Linkspartei-Vize Katina Schubert mahnte, für viele Mitglieder
stelle sich die Frage, ob sie in der neuen Partei eine Heimat
hätten, wenn sich das Konzept nicht im Programm finde. «Die
Stärke dieser Partei liegt auf absehbare Zeit im Osten, und die
dürfen wir nicht kaputtmachen», warnte sie. Auch die
Vizevorsitzende der Links-Fraktion im Bundestag, Petra Pau, lehnte den
Programmentwurf ab: «Der demokratische Sozialismus wird zur
Privatsache erklärt und die PDS ihrer Seele beraubt.»
Der Statutenänderung stimmten die rund 340 Delegierten bei nur
zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung zu. Da rund 50 gewählte
Delegierte bei dem nur dreistündigen Sonderparteitag fehlten,
ergab sich rechnerisch eine Mehrheit von 84,7 Prozent.
Der Parteivorsitzende Lothar Bisky sprach von einem
«entscheidenden Baustein» für den «politischen
Meilenstein» einer gesamtdeutschen Linken. Links-Fraktionschef
Gregor Gysi forderte beide Seiten auf, »so mache kleinkarierte
Debatte" einzustellen und nun geschlossen für einen Einzug in den
Bremer Landtag im Mai zu kämpfen.
Die Entscheidung über die Bildung der gemeinsamen Partei
«Die Linke» fällt Ende März 2007 auf parallelen
Parteitagen unter einem Dach in Dortmund sowie in anschließenden
Urabstimmungen. Die politische Parteineugründung soll dann im Juni
2007 formal durch Beitritt der WASG zur Linkspartei erfolgen.
(Quelle: ddp)
Siemens-Affäre: Konzernspitze gerät zunehmend unter Druck
Mo.27.11.06 - In der Affäre um schwarze Kassen bei Siemens gerät die
Konzernspitze zunehmend unter Druck. Medienberichten zufolge soll der
Vorstand bereits seit längerem über die mutmaßlichen
Schmiergeldzahlungen informiert gewesen sein.
Ein Siemens-Sprecher wies einen Bericht des Nachrichtenmagazins
«Focus» zurück, nach dem Siemens-Vorstandschef Klaus
Kleinfeld wegen der Affäre von der Staatsanwaltschaft vernommen
werden soll. «Das ist absolute Spekulation», sagte der
Sprecher. Es liege keinerlei Zeugenvorladung für Kleinfeld vor.
Siemens werde weiterhin die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mit
voller Kraft unterstützen. Die Staatsanwaltschaft München I
wollte zum aktuellen Ermittlungsstand keine Stellungnahme abgeben.
«Wir äußern uns derzeit nicht zu Inhalten», sagte
Oberstaatsanwalt Anton Winkler auf Anfrage.
Bei einer Großrazzia in dem Konzern waren vor einigen Tagen auch
die Büros von Kleinfeld und weiterer Vorstände durchsucht
worden. Siemens hatte stets betont, dass der Vorstandschef von der
Staatsanwaltschaft nur als Zeuge gesehen werde. Wegen der
Finanz-Affäre sitzen mittlerweile sechs Beschuldigte in
Untersuchungshaft. In den vergangenen Tagen waren schrittweise immer
neue Details ans Licht gekommen.
Laut Staatsanwaltschaft sollen bei dem Konzern vermutlich mehr als 200
Millionen Euro veruntreut worden sein. Die Behörde hatte von einer
«Bande» gesprochen, zu der auch ehemalige
Bereichsvorstände gehörten. Sie soll das Geld für die
Finanzierung schwarzer Kassen im Ausland eingesetzt haben. Kleinfeld und
der Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hatten am Vortag in
einem Brief an die Mitarbeiter einen «großen Schaden»
für das Unternehmen durch die Finanz-Affäre eingeräumt.
Nach übereinstimmenden Berichten des «Focus» und der
«Süddeutschen Zeitung» hat ein ehemaliger leitender
Angestellter der Siemens-Kommunikationssparte (Com), der als
Schlüsselfigur in der Affäre gelte, am 16. November ein
umfangreiches Geständnis abgelegt und dabei auch einen
früheren Vorstand des Konzerns belastet. Demnach habe er den
Ex-Vorstand bereits Anfang 2004 wegen drohenden Ärgers mit der
Justiz vor weiteren Zahlungen gewarnt, dieser habe also über
schwarze Kassen und Korruptionspraktiken Bescheid gewusst.
Der beschuldigte frühere Siemens-Mitarbeiter arbeite mittlerweile
nicht mehr bei Siemens, er sei vor wenigen Monaten an die Spitze eines
anderen Unternehmens gewechselt, hieß es in der «SZ».
Laut «Focus» haben die Strafverfolger in München
inzwischen eine zwölfköpfige Sonderkommission unter dem Namen
«Netzwerk» gegründet.
Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete
unterdessen, in der Affäre seien 100 Millionen Euro über das
Wüstenemirat Dubai abgeflossen, unter anderem über eine Firma
namens Fiberlite. Von dort aus sei ein Teil der Gelder über
Briefkastenfirmen in der Karibik auf die Schweizer Konten eines
ehemaligen griechischen Siemens-Managers gegangen. Der Grieche sei bis
Anfang April in der Chefetage des griechischen Siemens-Com-Ablegers
beschäftigt gewesen. Über ihn, so vermuteten Ermittler,
könnten Bestechungsgelder an staatliche Institutionen geflossen
sein. Dabei habe es unter anderem Zahlungen für Aufträge im
Rahmen der Olympischen Spiele 2004 gegeben. Über diese Vermutungen
hatte bereits vor einigen Tagen auch die «Süddeutsche
Zeitung» berichtet.
Die CSU forderte das Unternehmen zu einer raschen und
vollständigen Aufklärung der Vorwürfe auf. Sie sieht bei
der schnellen Aufklärung des Skandals die Unternehmensführung
in der Pflicht. «Gegen solche Machenschaften muss man hart
durchgreifen», sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder
dem «Tagesspiegel». «Es ist wichtig, dass Siemens-Chef
Kleinfeld hier mit eisernem Besen kehrt. Denn hier steht die
Glaubwürdigkeit eines der wichtigsten deutschen Unternehmen auf
dem Spiel.» Zuvor war bereits aus der SPD Kritik an Heinrich von
Pierer, dem Vorgänger von Klaus Kleinfeld und heutigen
Aufsichtsratsvorsitzenden des Münchner Konzerns, laut geworden.
(Quelle: dpa)