Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertdreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Weltsicherheitsrat gibt Truppen im Irak ein weiteres Jahr.
UN-Generalsekretär Annan regt internationale Irak-Konferenz an.
Hisbollah bildet im Libanon offenbar irakische Kämpfer aus. El
Kaida und sunnitischer Aufstand im Westen Iraks angeblich nicht mehr zu
stoppen
Mi.29.11.06 - Der Weltsicherheitsrat hat das Mandat für die von den USA
geführte multinationale Truppe im Irak um ein weiteres Jahr
verlängert. Alle 15 Mitgliedsstaaten des höchsten UN-Gremiums
stimmten der von Washington eingebrachten Resolution 1723 zu.
Damit können die 160 000 Mann starken Kräfte noch bis zum 31.
Dezember 2007 im Irak bleiben. Der irakische Ministerpräsident
Nuri al-Maliki hatte schriftlich um Fortsetzung der militärischen
Unterstützung gebeten.
Al-Maliki hatte in einem bei den Vereinten Nationen kursierenden Brief
an den Präsidenten des Sicherheitsrats erklärt, das irakische
Volk wolle weiterhin selbst eine stabile und friedliche Demokratie
aufbauen und die Grundlage für eine gesunde Wirtschaft schaffen.
«Diese Vision für die Zukunft des Iraks kann aber nur mit
Hilfe der internationalen Gemeinschaft Wirklichkeit werden.»
Dem Vorschlag Al-Malikis entsprechend heißt es in der Resolution,
das verlängerte Mandat solle zur Jahresmitte nochmals
überprüft und gegebenenfalls auf Wunsch der Regierung in
Bagdad früher beendet werden. Auch der Entwicklungsfonds für
den Irak soll voraussichtlich ein Jahr länger laufen.
Angesichts der drastisch verschlechterten Sicherheitslage im Irak hat
UN-Generalsekretär Kofi Annan eine internationale Konferenz
vorgeschlagen. Bei sorgfältiger Vorbereitung und Mitwirkung aller
Beteiligten könnte eine solche Konferenz an einem Ort
außerhalb des Iraks hilfreich sein, sagte Annan am Dienstag in
New York.
Jetzt seien drastische Maßnahmen erforderlich, um die Eskalation
der Gewalt zu stoppen, erklärte der scheidende
UN-Generalsekretär. Er sprach sich dafür aus, den Iran und
Syrien in die Überlegungen der internationalen Gemeinschaft mit
einzubeziehen. «Sie sollten Teil einer Lösung werden»,
sagte Annan. «Und wir sollten sie mit hinein nehmen und sie dazu
bringen, mit uns zusammenzuarbeiten und eine Mitverantwortung zu
übernehmen.»
Dazu befragt erklärte der amerikanische UN-Botschafter John
Bolton: «Wir nehmen das gebührend zur Kenntnis.»
US-Präsident George W. Bush hat Gespräche mit dem Iran
ausgeschlossen, solange das Land an seinem Programm der
Urananreicherung festhält.
Auch der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin sprach sich für
«eine konstruktive Interaktion» mit den irakischen
Nachbarländern aus. Vorrangig sei eine nationale Versöhnung.
Tschurkin kritisierte, dass die von den USA vorgelegte und einstimmig
verabschiedete Resolution nicht auf den politischen Prozess im Irak
eingehe. Der französische UN-Botschafter Jean-Marc de La
Sablière äußerte sich ebenfalls besorgt über die
sich verschlechternde Lage. «Wir teilen alle das gleiche Ziel,
nämlich dem Irak dabei zu helfen, nicht in den drohenden
Bürgerkrieg zu stürzen.»
Die amerikanische Irak-Studiengruppe unter Leitung des früheren
Außenministers James Baker ist bislang noch uneins, wie lange die
US-Truppen im Irak bleiben sollten. Dies verlautete am Montag aus
Teilnehmerkreisen. Die überparteiliche Kommission sollte ihre
Beratungen ursprünglich bis Dienstag abschließen. Jetzt wird
erwartet, dass die Gruppe ihren Bericht im Dezember vorlegen wird.
Die schiitische Hisbollah-Miliz bildet angeblich im Libanon irakische
Milizionäre aus, darunter Mitglieder der Mehdi-Armee des radikalen
irakischen Schiitenführers Moktada Sadr. Die Hisbollah habe bislang
zwischen 1000 und 2000 Kämpfer im Umgang mit Waffen, Bomben und
Geheimdiensttechniken geschult, berichtet die "New York Times " unter
Berufung auf einen US-Geheimdienstoffizier. Zudem habe die Hisbollah
einige Ausbilder in den Irak entsandt.
Der Iran fungiere als Vermittler zwischen den radikalen Schiiten im
Libanon und im Irak, heißt es in dem Bericht. Es habe offenbar im
vergangenen Winter oder Anfang des Jahres eine "strategische
Entscheidung in Damaskus, Teheran und der libanesischen Hisbollah
gegeben, Sadr mehr Unterstützung zu leisten und so den Druck auf
die USA zu erhöhen", sagte der Geheimdienstler der Zeitung. Diese
Informationen gingen auf "menschliche und elektronische Quellen"
zurück sowie auf Verhöre von Gefangenen.
Der sunnitische Aufstand im Westirak und der Vormarsch der
Terrororganisation El Kaida in der Region sind nach Einschätzung
des US-Geheimdienstes nicht mehr zu stoppen. Die soziale und politische
Lage in der westlichen Provinz El Anbar sei an einen Punkt gelangt, an
dem ein militärisches Eingreifen den Widerstand nicht mehr brechen
könne, heißt es in einem Geheimbericht des
Marineinfanteristen-Korps vom August, aus dem die US-Tageszeitung
"Washington Post" am Dienstag zitierte. Die sunnitische Bevölkerung
kämpfe täglich ums Überleben und lebe in Furcht vor
"Pogromen" durch die schiitische Mehrheit. Die El Kaida sei ihre
einzige Hoffnung im Widerstand gegen die Übermacht des Iran und
habe daher immer größeren Einfluss.
(Quellen: dpa, ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 29.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundneunzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Bush fordert von NATO-Partnern mehr Truppen für Afghanistan
Mi.29.11.06 - Vor Beginn des NATO-Gipfels in Lettland hat US-Präsident George W.
Bush von den Bündnispartnern mehr Truppen für Afghanistan
gefordert. "Die Verbündeten müssen die Mittel bereitstellen,
die die NATO-Kommandeure verlangen", unterstrich Bush.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer nannte es
"inakzeptabel", dass in Südafghanistan immer noch 20 Prozent der
benötigten Truppen fehlten. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) unterstrich dagegen vor ihrer Abreise nach Riga, die
Bundeswehr sei und bleibe im vergleichsweise ruhigen Norden
Afghanistans.
Die Sicherheitslage am Hindukusch ist Hauptthema bei dem NATO-Gipfel in
der lettischen Hauptstadt Riga, der am Abend offiziell mit einem
Abendessen der 26 NATO-Staats- und Regierungschefs beginnen sollte. Im
Vorfeld forderte Bush, die NATO-Bündnispartner müssten in
Afghanistan auch "schwierige Aufgaben akzeptieren". Der britische
Premier Tony Blair sagte in Kopenhagen, die "Glaubwürdigkeit der
NATO" stehe auf dem Spiel: "Wenn wir in Afghanistan keinen Erfolg
haben, wird die ganze Welt weniger sicher sein."
US-Truppen sowie britische, kanadische und niederländische
Soldaten sind derzeit in heftige Kämpfe mit den radikalislamischen
Taliban verwickelt. Erst am Montag waren in Südafghanistan zwei
kanadische Soldaten bei einem Selbstmordattentat getötet worden.
Die deutsche Bundeswehr leitet dagegen das Kommando im vergleichsweise
ruhigen Norden Afghanistans. Die von der NATO geführte
Internationale Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) umfasst rund
32.000 Soldaten aus 37 Ländern. Nach Einschätzung der NATO
fehlen aber rund 2500 Mann. Deutschland ist mit rund 2800 Soldaten der
drittgrößte Truppensteller.
Trotz aller Kritik zeigte sich NATO-Generalsekretär de Hoop
Scheffer zuversichtlich, dass der Afghanistan-Einsatz schließlich
erfolgreich sein werde. "Afghanistan ist 'Mission Possible'",
unterstrich er. Aufgeschlossen zeigte er sich dabei für den
Vorschlag des französischen Präsidenten Jacques Chirac, eine
"Kontaktgruppe" für Afghanistan nach Vorbild des Kosovo
einzurichten. Sie soll die Zusammenarbeit der internationalen Akteure
besser koordinieren. Der Kosovo-Kontaktgruppe gehören neben
Deutschland noch Frankreich, Großbritannien, Italien, Russland
und die USA an.
Die deutsche Regierung erneuerte ihre Vorbehalte: "In Notfällen
helfen wir im Süden", sagte Merkel dem Fernsehsender N24. "Aber
unser Platz ist ansonsten im Norden, wo 40 Prozent der afghanischen
Bevölkerung leben."
(Quelle: afp)
US-Berufungsgericht beschäftigt sich mit Klage El Masris gegen CIA
Mi.29.11.06 - Der Anwalt des Deutsch-Libanesen Khaled el Masri hat bei einer
Anhörung vor einem Berufungsgericht im US-Staat Virginia die
Zulassung der Klage seines Mandaten gegen den Geheimdienst CIA
gefordert. Bei einem Prozess müssten nicht zwangsläufig
Staatsgeheimnisse offen gelegt werden, argumentierte Anwalt Ben Wizner
am Dienstag in Richmond. El Masri wurde nach eigenen Angaben von der
CIA verschleppt und misshandelt.
Ein Gericht untergeordneter Instanz hatte die Klage im Mai abgewiesen
und dies damit begründet, dass ein Prozess Staatsgeheimnisse und
damit die öffentliche Sicherheit gefährden könnte.
«Die Welt beobachtet diesen Fall», sagte Wizner vor dem
Berufungsgericht. Und das nicht, um Staatsgeheimnisse zu erfahren,
sondern um zu sehen, ob einem unschuldigen Opfer des amerikanischen
Anti-Terror-Kampfs Gerechtigkeit widerfahre.
El Masri wirft der CIA vor, ihn Anfang 2004 nach seiner Festnahme in
Mazedonien nach Afghanistan verschleppt zu haben. Dort sei er
geschlagen und monatelang in einem CIA-Gefängnis festgehalten
worden, obwohl schon bald festgestanden habe, dass er bei seiner
Festnahme Opfer einer Verwechslung geworden sei. Im vergangenen
Dezember reichte Al Masri in den USA Klage gegen den früheren
CIA-Direktor Tenet und drei private Unternehmen ein. Er fordert eine
Entschädigung von mindestens 75.000 Dollar (57.000 Euro). Er habe
Vertrauen in das amerikanische Rechtssystem und die Gericht, sagte El
Masri am Dienstag nach der Anhörung.
Der Fall des Deutschen libanesischer Abstammung ist auch Gegenstand im
BND-Ausschuss des deutschen Bundestags. Dieser soll klären, was
die damalige Bundesregierung über die Verschleppung wusste und ob
deutsche Sicherheitsbehörden an der Vernehmung in Kabul beteiligt
waren.
(Quelle: ap)
Verfassungsrechtliche Zweifel an Bushs Terrorliste
Mi.29.11.06 - Ein amerikanischer Bundesrichter hat die Befugnis von US-Präsident
George W. Bush in Frage gestellt, ausländische Organisationen als
terroristisch einzustufen. Die nach den Anschlägen vom 11.
September 2001 erlassene Verordnung dazu sei so unpräzise, dass
sie als verfassungswidrig zu bewerten sei, erklärte
Bezirksrichterin Audrey Collins in Los Angeles.
Das Urteil vom 21. November wurde am Dienstag veröffentlicht. Ein
Sprecher des Justizministeriums erklärte, vor der Entscheidung
über mögliche Rechtsmittel werde die Urteilsbegründung
geprüft.
Richterin Collins folgte der Argumentation der Organisation
Humanitarian Law Project, die gegen die Terroreinstufung der
Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) in Sri Lanka und der kurdischen
PKK geklagt hatte. Die unbeschränkte Befugnis des Präsidenten
zur Erstellung von Schwarzen Listen erinnere an die McCarthy-Ära,
erklärte der Anwalt David Cole.
Die Entscheidung bedeutet, dass die US-Regierung nicht länger
Vermögenswerte der LTTE und der PKK blockieren darf. Das Urteil
habe keine direkte Auswirkung auf die mehreren hundert anderen als
terroristisch eingestuften Gruppen, sagte Cole. Es stelle die Liste der
Regierung aber auch grundsätzlich in Frage.
Für zulässig hielt die Richterin die Strafandrohung gegen
Personen oder Gruppen, die als terroristisch eingestufte Organisationen
mit Dienstleistungen unterstützen. Gegen diesen Teil der
Entscheidung will das Humanitarian Law Projekt Berufung einlegen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Neue Bemühungen um Frieden. Israel will sich trotz Verletzung der
Waffenruhe weiter zurückhalten
Mi.29.11.06 - Nach der jüngsten Waffenstillstandsvereinbarung für den
Gazastreifen laufen die Bemühungen für eine Wiederbelebung des
Nahost-Friedensprozesses wieder auf Hochtouren. Nach Angaben aus
Ramallah will US-Außenministerin Condoleezza Rice am Donnerstag in
Jericho mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas
zusammentreffen. Die Europäische Union äußerte sich auf
einer Nahost-Konferenz im finnischen Tampere am Dienstag optimistisch
über die Chancen für eine dauerhafte Friedensregelung.
Rice fährt am Mittwochabend gemeinsam mit US-Präsident George
W. Bush vom NATO-Gipfel in Riga nach Jordanien, wo ein Treffen mit dem
irakischen Präsidenten Nuri al-Maliki geplant ist. Die US-Botschaft
in Amman äußerte sich zunächst nicht zum möglichen
Abstecher von Rice ins Westjordanland. Der palästinensische
Chefunterhändler Sajeb Erakat bekräftigte jedoch, dass die
USA die Waffenruhe im Gazastreifen als Sprungbrett für neue
diplomatische Initiativen nutzen wollten. Ein Besuch in Jerusalem stand
nach israelischen Angaben allerdings nicht auf der Tagesordnung.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hatte den
Palästinensern am Montag für den Fall eines Gewaltverzichts
weit reichende Zugeständnisse in Aussicht gestellt. Am Ende echter
Friedensgespräche könnte ein unabhängiger
palästinensischer Staat im Westjordanland und im Gazastreifen
stehen, sagte er. Die regierende Hamas wies das Angebot als Finte
zurück. Die gemäßigtere Fatah von Abbas erklärte
dagegen, die Palästinenser seien zu Gesprächen über ein
neues Friedensabkommen bereit.
Abbas und Olmert hatten sich am Wochenende überraschend auf die
Waffenruhe im Gazastreifen geeinigt, die am frühen Sonntagmorgen in
Kraft trat. Israel erlaubte auch, dass Abbas nahe stehende Einheiten
der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) von Jordanien
kommend in den Gazastreifen einreisen dürften, um im Grenzgebiet zu
Israel für Sicherheit zu sorgen. Dabei geht es vor allem darum,
Extremisten am Abschuss von Raketen zu hindern.
Trotz vereinzelter Verstöße gegen die vereinbarte Waffenruhe
im Gazastreifen will sich Israel weiter zurückhalten. Das
bekräftigte Ministerpräsident Ehud Olmert am Dienstagabend,
nachdem palästinensische Extremisten zwei Raketen auf Israel
abgefeuert hatten.
Es sei ein wenig frustrierend, dass der Beschuss nicht gestoppt worden
sei, erklärte Olmert. Er hoffe, dass auch die Palästinenser
ihre Verpflichtungen aus der am Wochenende erzielten
Waffenstillstandsvereinbarung erfüllten. Verteidigungsminister
Amir Perez warnte aber, die Geduld habe irgendwann ein Ende. Wer einer
Waffenruhe zustimme, müsse auch in der Lage sein, sie umzusetzen.
Auf der Konferenz in Tampere erklärte EU-Chefdiplomat Javier
Solana, das Nahost-Quartett aus EU, UN, USA und Russland habe zum
gegenwärtigen Zeitpunkt eine Grund legende Verantwortung für
die Region. Deshalb sollte sie Vorkehrungen für eine
Überwachung der Waffenruhe ergreifen. «Dies wäre eine
wichtige vertrauensbildende Maßnahme», sagte Solana.
Nach Angaben des finnischen Außenministers und
EU-Ratsvorsitzenden Erkki Tuomioja bekannten sich alle Teilnehmer zum
Ziel einer friedlichen Koexistenz von Israelis und Palästinensern.
Anwesend waren Vertreter der EU, Israels und der palästinensischen
Autonomiegebiete sowie aus Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien,
Marokko, Algerien, Tunesien und der Türkei.
(Quelle: ap)
Kongo: Bemba akzeptiert Niederlage bei Präsidentschaftswahl
Mi.29.11.06 - Der Verlierer der Präsidentschaftswahl im Kongo, Jean-Pierre
Bemba, hat seine Niederlage anerkannt. Er wolle sich nun auf eine
"starke und republikanische Opposition" konzentrieren, hieß es in
einer in seinen Fernsehsendern verlesenen Erklärung - einen Tag
nachdem der Oberste Gerichtshof der Demokratischen Republik Kongo
Bembas Einspruch als unbegründet abgewiesen hatte. Die Lage in der
Hauptstadt Kinshasa blieb angespannt. Den offiziell zum Wahlsieger
erklärten amtierenden Staatspräsidenten Joseph Kabila
erreichten Glückwünsche unter anderem von der EU, der UNO und
aus Frankreich.
"Im übergeordneten Interesse der Nation und dem Wunsch, den
Frieden zu retten und das Land vor einem Abrutschen in Chaos und Gewalt
zu bewahren, nehme ich den Kampf für einen Wechsel in einer
starken und republikanischen Opposition auf", erklärte Bemba.
Über die Art und Weise, wie das Oberste Gericht seinen Einspruch
behandelt habe, sei er "sehr enttäuscht und frustriert", betonte
er gleichzeitig. Die Richter hatten am Montag entschieden, dass der
Einspruch gegen das Ergebnis der Stichwahl vom 29. Oktober wegen
angeblicher Unregelmäßigkeiten, Wahlbetrug und
Manipulationen unbegründet sei.
Ein Vertrauter Kabilas, Informationsminister Henri Mova Sakanyi,
äußerte die Hoffnung, dass Bemba es ernst meine. Die Lage in
Kinshasa, wo Bemba tausend Mann unter Waffen hat, blieb auch am
Dienstag angespannt. Schon nach der ersten Wahlrunde im Sommer hatte es
mehrfach Ausschreitungen gegeben, als Anhänger der beiden
Kandidaten aneinandergerieten; seit August kamen dabei etwa
dreißig Menschen ums Leben.
UN-Generalsekretär Kofi Annan gratulierte dem alten und neuen
Präsidenten, Kabila, zu seinem Wahlsieg. Gleichzeitig
würdigte Annan die "Entschlossenheit" der Kongolesen, mit der sie
"die ersten demokratischen Wahlen in dem Land seit mehr als 40 Jahren"
ermöglicht hätten, sagte sein Sprecher in New York.
Kabila hatte sich bei der Wahl mit 58,05 Prozent der Stimmen gegen
Vizepräsident Bemba durchgesetzt, der 41,95 Prozent der Stimmen
erhielt. Einheimische und ausländische Wahlbeobachter hatten den
Urnengang als weitestgehend "transparent" bezeichnet. Der
35-jährige Kabila steht seit dem Mord an seinem Vater,
Laurent-Désiré Kabila, 2001 an der Spitze des
Staates.
(Quelle: afp)
Unterhändler ringen um Wiederaufnahme der Atomgespräche mit
Nordkorea
Mi.29.11.06 - Im Ringen um einen Termin für die Wiederaufnahme der
Atomgespräche mit Nordkorea sind Unterhändler beteiligter
Länder in Peking zusammengekommen. Der US-Gesandte Christopher Hill
traf sich nach chinesischen Angaben am Dienstag mit dem
stellvertretenden Pekinger Außenminister Wu Dawei sowie dem
Nordkoreaner Kim Kye Kwan. Weiter gab es Gespräche mit den
Gesandten aus Südkorea und Japan. An den auf Eis liegenden
multinationalen Gesprächen zum nordkoreanischen Atomprogramm ist
auch noch Russland beteiligt.
(Quelle: ap)
Militärführung von Fidschi im Machtkampf mit Regierung
Mi.29.11.06 - Die Militärführung im Pazifikstaat Fidschi hat sich am
Mittwoch auf einen offenen Machtkampf mit der Regierung eingelassen.
Nach einem ergebnislosen Vermittlungsgespräch mit
Ministerpräsident Laisenia Qarase kündigten die
Streitkräfte am Mittwoch ein Manöver an. Dabei wollen die
Truppen die Sicherung von Schlüsselstellungen in der Hauptstadt
Suva üben. Beobachter sehen darin eine Demonstration der
Stärke gegenüber der Regierung.
Qarase traf zuvor zum ersten Mal seit zehn Monaten mit dem
Streitkräftechef Commodore Frank Bainimarama zusammen, der
wiederholt mit dem Sturz der Regierung gedroht hat. Nach den
Gesprächen in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington
sprach Qarase von Fortschritten. Der Verzicht auf eine gemeinsame
Erklärung wurde aber als Indiz gewertet, dass die
Streitkräfte ihre Drohung mit einem Militärputsch weiter
aufrechterhalten.
In New York äußerte sich UN-Generalsekretär Kofi Annan
besorgt über die Möglichkeit eines gewaltsamen Umsturzes in
Fidschi. Er rief zu einer friedlichen Beilegung der Krise auf und wies
darauf hin, dass Fischi einen bedeutenden Beitrag zu Friedensmissionen
der Vereinten Nationen leiste.
(Quelle: ap)
Correa kündigt radikale Reformen in Ecuador an
Mi.29.11.06 - Noch vor Bekanntgabe des Wahlergebnisses in Ecuador hat der
linksgerichtete Politiker Rafael Correa radikale Reformen
angekündigt. Sein Wahlsieg sei «eine deutliche Botschaft an
unsere traditionelle politische Klasse, dass unsere Bürger
tiefgreifende Änderungen wollen», sagte Correa am Montag in
Quito. Seine erste Amtshandlung im Anschluss an die Vereidigung am 15.
Januar werde die Ansetzung einer Volksabstimmung zur Einsetzung einer
Versammlung ein, die eine neue Verfassung vorlegen solle.
Bis Montagabend waren 70,3 Prozent der Stimmen bei der
Präsidentenstichwahl vom Sonntag ausgezählt. Auf Correa
entfielen zu diesem Zeitpunkt nach Angaben des Wahlgerichts 61,8 Prozent
der Stimmen. Der rechtsliberale Kandidat Alvaro Noboa kam auf 38,2
Prozent. Während Correas Anhänger das Wahlergebnis auf den
Straßen feierten, lehnte Noboa eine Anerkennung seiner Niederlage
zunächst noch ab.
(Quelle: ap)
Mexiko: Rebellen in Oaxaca für neue Verhandlungen mit Regierung
Mi.29.11.06 - Die Rebellenbewegung in der mexikanischen Stadt Oaxaca hat die
Regierung zu neuen Verhandlungen aufgefordert. «Sie haben uns
nicht besiegt», sagte Adolfo Lopez von der Volksversammlung von
Oaxaca (APPO) am Montag vor Journalisten. Die Rebellen fordern die
Ablösung von Gouverneur Ulises Ruiz, dem sie Wahlbetrug und
Unterdrückung von Dissidenten vorwerfen. Die Verhandlungen
darüber waren Ende Oktober nach der Entsendung der Bundespolizei
nach Oaxaca abgebrochen worden.
Unterdessen verlegten die Behörden 141 bei Unruhen in Oaxaca
verhaftete Personen in ein weit entferntes Gefängnis.
Die 107 Männer und 34 Frauen, die am Wochenende festgenommen
wurden, würden als äußerst gefährlich betrachtet
und seien daher nach El Rincon im nordmexikanischen Staat Nayarit
gebracht worden, teilten die Bundesbehörden mit.
Bei schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und
linksgerichteten Demonstranten wurden am Wochenende in Oaxaca mindestens
43 Menschen verletzt. Der Aufstand der APPO dauert bereits mehr als ein
halbes Jahr. Zur Unterstützung der Rebellen blockierten
Demonstranten am Montag eine Hauptstraße in Mexiko-Stadt. Es kam
zu Zusammenstößen mit der Polizei, drei Menschen wurden
verletzt.
(Quelle: ap)
Bolivianischer Senat verabschiedet Landreform
Mi.29.11.06 - Das bolivianische Parlament hat unter dem Druck der Straße und
des linksgerichteten Präsidenten Evo Morales ein Gesetz zur
Landreform verabschiedet. Mehrere tausend indianische Demonstranten aus
allen Teilen des Andenstaates strömten am Dienstag in die
Hauptstadt La Paz, um die Initiative des Präsidenten zu
unterstützen.
Das Gesetz sieht vor, dass nicht genutztes Land von
Großgrundbesitzern beschlagnahmt und an landlose Arme verteilt
wird. Dabei geht es um 200.000 Quadratkilometer - das ist mehr als die
Hälfte der Fläche von Deutschland. «Es ist nicht
möglich, meine Freunde, dass so viel Land in der Hand so weniger
ist und dass so viele Hände ohne Land sind», sagte Morales
am Dienstag vor 10.000 Anhängern.
Um die Verabschiedung des Gesetzes zu blockieren, boykottierten die
Abgeordneten der konservativen Oppositionspartei Podemos eine Woche
lang die Beratungen des Senats. Morales drohte daraufhin damit, den
Kongress zu umgehen und das Gesetz durch ein Präsidialdekret in
Kraft zu setzen. Einer der 13 Senatoren von Podemos kehrte am Dienstag
in die Abgeordnetenkammer zurück und ermöglichte mit seiner
Stimme die Verabschiedung des Gesetzes.
(Quelle: ap)
Kritik an Diskriminierung ethnischer Minderheiten in Europa
Mi.29.11.06 - Europa bekommt bei der Bekämpfung von Diskriminierung und
rassistisch motivierten Straftaten noch immer schlechte Noten: In ihrem
am Dienstag in Brüssel vorgestellten Jahresbericht kritisiert die
Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit (EUMC) vor allem einen folgenschweren Mangel an
Daten. «Diese Datenlücken können dazu führen, dass
anhaltende Diskriminierungen unbemerkt bleiben», warnte
EUMC-Direktorin Beate Winkler.
So ist nach Erkenntnis der EUMC das wahre Ausmaß und Wesen von
rassistisch motivierten Gewalt- und Straftaten wegen fehlender oder
ineffektiver Datenerhebung noch immer schwer zu erfassen. Nur zwei der
25 EU-Mitgliedstaaten verfügten in diesem Bereich über
umfassende Datenerhebungssysteme, nämlich Finnland und
Großbritannien.
Als Kernaussage des Berichts nannte EUMC-Verwaltungsratsvorsitzende
Anastasia Crickley laut Redetext die Forderung, dass die EU-Staaten und
EU-Organe sowie die Zivilgesellschaft ihre Anstrengungen im Kampf gegen
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit verstärken müssten.
«Rassismus darf in unserer vielfältigen Gesellschaft keinen
Platz haben», betonte sie.
Der Jahresbericht 2006 zieht eine Bilanz zu den Entwicklungen im
vergangenen Jahr und untersucht dabei sowohl Vorfälle von
Diskriminierung als auch die Reaktionen in den 25 EU-Staaten. Er ist
nach fünf Kernbereichen gegliedert: rassistisch motivierte Gewalt-
und Straftaten, Beschäftigung, Bildung, Wohnungswesen sowie
Rechtsvorschriften. Vorbildliche Initiativen zur Überbrückung
der Gräben werden an zahlreichen Stellen der Analyse vorgestellt.
Als Beispiele für Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt führt
der Bericht Wohnungsanzeigen an, in denen ausländische
Interessenten ausdrücklich abgelehnt werden. Ungeachtet eines
entsprechenden gesetzlichen Verbots seien solche Anzeigen in einigen
Mitgliedstaaten anzutreffen. Aus Belgien etwa seien auch Fälle
dokumentiert, in denen sich Hausbesitzer geweigert hätten,
Wohnungen an Menschen mit ausländischen Namen zu vermieten. Es
herrsche aber ein wachsendes Bewusstsein für die Rolle, die dem
Wohnungswesen bei der Integration von Migranten und ethnischen
Minderheiten zukomme, erklärt der Bericht. In zahlreichen
EU-Mitgliedstaaten seien innovative Initiativen dazu angelaufen.
Im Bildungsbereich sei eine teilweise oder sogar vollständige
Segregation in Teilen der EU noch immer gang und gäbe,
bemängelt der Bericht. Vor allem die Lage der Roma bedürfe der
besonderen Aufmerksamkeit. Die der EUMC gemeldeten
Diskriminierungsfälle umfassten darüber hinaus unter anderem
rassistische oder antisemitische Verhaltensweisen von Lehrern und
Mitschülern und gescheiterte Versuche von Schulen, betriebliche
Praktikumsplätze für Angehörige ethnischer Minderheiten
zu beschaffen.
«Diskriminierung von ethnischen Minderheiten findet nach wie vor
in der gesamten EU statt», erklärte Crickley.
«Gleichzeitig gibt es sowohl aus dem öffentlichen als auch
aus dem privaten Sektor mehr und mehr Initiativen zur Bekämpfung
von Diskriminierung und Rassismus. Wir sind zwar ein Stück
vorwärts gekommen, haben aber noch einen weiten Weg vor uns.»
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.eumc.europa.eu/
Papst betont in Türkei Gemeinsamkeiten mit Islam - Aufruf zum
Gewaltverzicht
Mi.29.11.06 - Papst Benedikt XVI. hat seine mit Spannung erwartete Türkei-Reise
mit einem Bekenntnis zu den Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam
begonnen. Christen und Muslime teilten den Glauben an den
«heiligen Charakter und die Würde des Menschen», sagte
das katholische Kirchenoberhaupt am Dienstag in Ankara. Zugleich
forderte der Papst einen Verzicht auf durch Religion gerechtfertigte
Gewalt und erinnerte die Türkei an die in ihrer Verfassung
garantierte Religionsfreiheit.
Bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Amts für
Religionsangelegenheiten, Ali Bardakoglu, sagte Benedikt XVI.:
«Christen und Muslime gehören zur Familie derer, die an den
einen Gott glauben." Der beste Weg voranzukommen, sei ein
«authentischer Dialog» zwischen Christen und Muslimen.
Dieser müsse auf dem Glauben basieren und vom ehrlichen Wunsch
geleitet sein, einander besser kennen zu lernen, die Unterschiede zu
respektieren und die Gemeinsamkeiten zu erkennen. Den Konflikt um seine
Regensburger Äußerungen zum Islam, für die ihn
Bardakoglu kritisiert hatte, erwähnte Benedikt XVI. in seiner
Ansprache nicht.
Vor Diplomaten sagte der Papst am Abend, die politischen
Autoritäten jedes demokratischen Landes hätten die Aufgabe,
allen Menschen die tatsächliche Glaubensfreiheit zu garantieren
und ihnen die freie Religionsausübung zu gewährleisten. Das
bedeute natürlich auch, dass die Religionen ihrerseits nicht nach
direkter politischer Macht strebten und vor allem absolut darauf
verzichten sollten, «Gewaltwandwendung als legitimen Ausdruck der
Religion zu rechtfertigen».
Unmittelbar nach seiner Ankunft in Ankara hatte sich Benedikt XVI. am
Mittag mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip
Erdogan zu einem rund 20-minütigen Gespräch
zurückgezogen. Der Ministerpräsident bezeichnete die
Papst-Reise anschließend als einen sehr wichtigen Besuch für
die Botschaft des Friedens und der Toleranz. Das Treffen war erst kurz
vor der Reise anberaumt worden. Ursprünglich hatte es
geheißen, Erdogan habe für eine Begegnung mit dem
Kirchenoberhaupt keine Zeit.
Anschließend legte der Papst im Mausoleum von Staatsgründer
Mustafa Kemal Atatürk einen Kranz nieder. In seinem Eintrag in das
Gästebuch bezeichnete Benedikt XVI. die Türkei als
«Begegnungspunkt verschiedener Religionen und Kulturen und
Brücke zwischen Asien und Europa». Die viertägige Reise
findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Weitere
Stationen sind Ephesus und Istanbul. Der Papst selbst wertete seinen
Besuch vor Journalisten nicht als politische Reise, «sondern als
eine Pastoralreise, die den Dialog und die gemeinsame Bemühung um
den Frieden zum Ziel hat».
Der Präsident des Päpstlichen Rates für den
interreligiösen Dialog, Kardinal Paul Poupard, sagte, er setze
große Hoffnung in die Reise. Mit Blick auf die Diskussion zum
EU-Beitritt der Türkei betonte der Kurienkardinal, der Heilige
Stuhl habe immer eine neutrale Position eingenommen, in diesem
Zusammenhang aber stets auf die Bedeutung der Religionsfreiheit
hingewiesen.
Nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal
Karl Lehmann, kann ein muslimisches Land wie die Türkei
prinzipiell eines Tages «durchaus» zur EU gehören.
«Vielleicht« könne der Papstbesuch auf seine Weise
dazu beitragen. Allerdings müsse die Regierung in Ankara der in
der Türkei lebenden christlichen Minderheit die gleichen Rechte
einräumen, wie sie die Muslime in Deutschland hätten.
(Quelle: ddp)
OECD rechnet für die deutsche Wirtschaft mit stabilem Wachstum
Mi.29.11.06 - Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr der OECD zufolge trotz
der Mehrwertsteuererhöhung kräftig wachsen.
Für die größte europäische Volkswirtschaft
erwartet die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) 2007 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent, wie die
Organisation der rund 30 Industriestaaten am Dienstag mitteilte. Die
kräftige Auslandsnachfrage und dynamische
Ausrüstungsinvestitionen dürften das Wachstum in Deutschland
in diesem und im kommenden Jahr ankurbeln, erklärte die OECD. "Der
Effekt der Mehrwertsteuererhöhung auf den Konsum der privaten
Haushalte wird das BIP-Wachstum 2007 um einen viertel Prozentpunkt
mindern." Doch 2008 würden die privaten Haushalte wahrscheinlich
wieder mehr konsumieren.
Bislang habe das dynamische Wachstum zu keinen inflationären
Spannungen geführt. "Die Erhöhung des
Mehrwertsteuerregelsatzes um drei Prozentpunkte und eine Anhebung der
Versicherungsteuer dürften die Inflation vorübergehend um
einen Prozentpunkt steigen lassen", erklärte die OECD. Das gelte
vor allem Anfang kommenden Jahres. Gemeinsam mit dem raschen
Lohnwachstum in der Industrie werde dies auf die Verbraucherpreise
wirken.
Ein Wachstumsrisiko kommt der OECD zufolge vom Wechselkurs: "Eine
deutliche Aufwertung des Euro könnte den Aufschwung untergraben",
hieß es. Auch eine längere Schwächephase der
US-Wirtschaft oder der globalen Wirtschaft wären eine Gefahr.
Für 2008 rechnet die OECD mit einem arbeitstäglich
unbereinigten Wachstum von 2,4 Prozent, für das laufende Jahr
ebenfalls.
Wegen der anziehenden Konjunktur haben zuletzt die meisten
Wirtschaftsforscher ihre Vorhersagen für Deutschland erhöht.
(Quelle: rtr)
Kaufkraft der Haushalte in Deutschland seit 1991 gesunken
Mi.29.11.06 - Die Verbraucher in Deutschland können sich statistisch gesehen
weniger leisten als vor 15 Jahren. Die Nettoeinkommen der privaten
Haushalte sind seit Anfang der 90er Jahre real - das heißt nach
Abzug der Preissteigerungen - insgesamt um zwei Prozent gesunken.
2005 verfügte jeder Haushalt durchschnittlich netto über 33
700 Euro pro Jahr, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.
Nominal waren das zwar etwa 30 Prozent mehr als 1991 mit 26 000 Euro.
«Nach Abzug der Preissteigerungen für die Lebenshaltung stand
den Haushalten im Durchschnitt aber weniger Einkommen zur
Verfügung», meldeten die Statistiker.
Die Statistik weist als Haushaltseinkommen alle Einkünfte der
Haushaltsmitglieder aus, das heißt neben Lohn oder Gehalt
zählen auch Rente, Sozialhilfe, Kindergeld und Einkommen aus
Vermögen dazu.
Ein wesentlicher Grund für die stagnierenden Haushaltseinkommen
sind die geringen Lohn- und Gehaltssteigerungen der vergangenen Jahre.
Von 1991 bis 2005 stiegen die tariflichen Bruttoeinkommen nach
Berechnungen des WSI-Tarifarchivs um 43 Prozent, inflationsbereinigt
ergab sich ein Tarifplus von nur 8,3 Prozent.
Volkswirte sehen die stagnierenden Einkommen als wesentlichen Grund
für den schwachen Konsum, der in Deutschland seit Jahren stagniert
hat. Der private Verbrauch trägt mit zwei Dritteln zum Wachstum bei
und ist damit ein wesentlicher Pfeiler des Wirtschaftswachstums. Die
geplante Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 wird voraussichtlich
den Verbrauchern 18 Milliarden Euro Kaufkraft entziehen und damit den
gerade anziehenden Konsum erneut schwächen.
Laut Statistik hatten Haushalte von Selbstständigen mit einem
durchschnittlichen Netto-Jahreseinkommen von 106 900 Euro im Jahr 2005
das höchste Einkommen. Allerdings müssen sie im Gegensatz zu
Arbeitnehmern und Beamten ihre Altersvorsorge aus ihrem Nettoeinkommen
bestreiten. Selbstständige verzeichneten in den 15 Jahren seit der
Wiedervereinigung den stärksten Zuwachs von 38 Prozent im Schnitt.
Am geringsten war das Plus bei Arbeitern, deren Nettoeinkommen im
Schnitt um 25 Prozent auf 30 200 Euro anstieg. Das geringste
Nettoeinkommen hatten die Nichterwerbstätigen, die über 21 200
Euro verfügten (plus 28 Prozent).
Die tatsächlichen Einkommen der einzelnen Haushalte können
nach Angaben der Statistiker von den Durchschnittswerten erheblich nach
oben oder unten abweichen. Rechnet man die Einkommen auf Personen je
Haushalt und deren Alter um, so blieb nach Abzug der Preissteigerungen
von 1991 bis 2005 ein realer Einkommenszuwachs von zwei Prozent. Dies
resultiere aus dem ungebrochenen Trend zu kleineren Haushalten.
(Quelle: dpa)
Mehr Geld für Rentner erst 2009
Mi.29.11.06 - Rentner können erst nach zwei weiteren Nullrunden nächstes
und übernächstes Jahr wieder auf etwas mehr Geld hoffen.
Für 2009 sagte die Deutschen Rentenversicherung Bund am Montag eine
«kleine Anpassung» voraus. Präsident Herbert Rische
schätzte sie auf 0,2 Prozent in West- und 0,3 Prozent in
Ostdeutschland.
Die Finanzsituation der Rentenkassen sieht mittelfristig günstiger
aus als noch vor einem Jahr, wie Vorstandsvorsitzende Ursula
Engelen-Kefer auf einer Veranstaltung in Würzburg berichtete. Die
Entwicklung der Beschäftigung und der Löhne wirke sich wohl
eher positiv auf die Einnahmen aus, «wenn auch auf niedrigem
Niveau». 2006 wird die Rentenversicherung voraussichtlich mit
einem Plus von knapp sechs Milliarden Euro abschließen, vor allem
wegen des geänderten Fälligkeitstermins der
Arbeitgeberbeiträge, der dieses Jahr ausnahmsweise 13
Monatsbeiträge in die Kasse spült. Das Finanzpolter
dürfte am Jahresende 52 Prozent einer Monatsausgabe und damit
deutlich mehr als die mindestens vorgeschriebenen 20 Prozent betragen.
Dennoch ist 2007 wieder keine Rentenerhöhung in Sicht. Die
maßgeblichen Bruttolöhne 2006 steigen um 0,6 Prozent; nicht
genug, um die dämpfenden Faktoren auszugleichen. Tatsächlich
müsste die Rente nächstes Jahr sogar um 0,4 Prozent
gekürzt werden, was aber durch eine Schutzklausel verhindert wird.
Die ausgefallenen Rentenkürzungen werden ab 2011 schrittweise
nachgeholt und so verrechnet, dass fällige Rentenerhöhungen
halbiert werden. Genaue Regelungen dazu enthält der Gesetzentwurf
zur Rente mit 67, der voraussichtlich am Mittwoch im Bundeskabinett
beschlossen werden soll. Die Rentenversicherung erwartet demnach
für westdeutsche Rentner Erhöhungen von 0,3 Prozent 2011,
jeweils 1,1 Prozent in den beiden folgenden Jahren und 1,3 Prozent 2014.
In Ostdeutschland sind es 0,4 Prozent 2011, 1,5 Prozent 2012 und 3,1
Prozent 2013.
Der Rentenbeitragssatz, der ab 1. Januar von 19,5 auf 19,9 Prozent
steigen soll, kann nach Schätzung der Rentenversicherer wie von der
Bundesregierung geplant bis 2009 stabil bleiben, «wenn keine
Einbrüche in der Wirtschaftsentwicklung eintreten».
Umstritten ist nach wie vor die schrittweise Erhöhung des
gesetzlichen Rentenalters von 65 auf 67 Jahre. Die Arbeitgeber
stünden dem grundsätzlich positiv gegenüber,
erklärte deren Vertreter an der Vorstandsspitze, Alexander Gunkel,
und verwies auf die ablehnende Haltung der Gewerkschaften. Differenzen
gibt es auch über die geplante Ausnahmeregelung für
«besonders langjährige Versicherte»: Danach sollen
Personen mit mindestens 45 Beitragsjahren auch künftig mit 65 ohne
Abschläge in den Ruhestand gehen können.
Gunkel nannte diese Sonderregelung aus Arbeitgebersicht nicht
vertretbar. Neben dem verminderten Spareffekt verwies er auch auf die
Besserstellung bestimmter Personengruppen. Nach Erkenntnissen der
Rentenversicherer würden etwa von den Neurentnern des Jahres 2004
gut 27 Prozent der Männer, aber nur vier Prozent der Frauen die
Kriterien erfüllen. Die Neuerung bedeute daher eine Umverteilung zu
Lasten von Frauen, Erwerbsgeminderten, Arbeitslosen und Menschen mit
lückenhaften Versicherungsverläufen.
Dies bewertete auch die ehemalige stellvertretende DGB-Vorsitzende
Engelen-Kefer kritisch. Sie forderte ein Gesamtkonzept für eine
Rentenreform und sprach sich dafür aus, Unterbrechungen im
Erwerbsleben stärker als bisher über Steuern auszugleichen.
(Quelle: ap)
Merkel warnt CDU vor Spaltung durch Richtungsdebatte
Mi.29.11.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre CDU gewarnt, mit der
Richtungsdebatte eine Spaltung der Union zu riskieren.
"Mein Credo ist, dass wir nicht Grundwerte gegeneinander ausspielen,
sondern uns bei allem der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet
fühlen", sagte die CDU-Vorsitzende am Dienstag zum Abschluss des
zweitägigen Parteitages in Dresden. "Als Volkspartei werden wir
immer wieder Diskussionen mit unterschiedlichen Akzenten haben." Die
leidenschaftliche Debatte um eine Ausweitung des Arbeitslosengeldes und
eine Lockerung des Kündigungsschutzes auf dem Kongress am Montag
hätten gezeigt, dass die Union die Grundwerte Gerechtigkeit,
Solidarität und Freiheit gleichermaßen ernst nehme.
"Lassen Sie uns doch ringen um den besten Weg", rief Merkel den
Delegierten zu. Ziel müsse es bleiben, Deutschland wieder an die
Spitze in Europa zu führen und dabei möglichst viele Menschen
mitzunehmen. Deutschland müsse die drängenden Fragen der
Zukunft wie Energiesicherheit und Klimaschutz vor allen anderen angehen.
"Ich möchte, dass wir die ersten sind." Dafür müsse hier
zu Lande wieder Pioniergeist herrschen. Deutschland komme nicht weiter,
wenn immer nur Nein gerufen und betont werde, was nicht gehe. "Deshalb
heißt es, dass man sich auch mal fragen muss, wie könnte es
denn gehen?"
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Regelmäßiger Verzehr von Obst und Gemüse senkt
tatsächlich Krebsrisiko
Mi.29.11.06 - Nach den Ergebnissen der europaweiten EPIC-Studie senkt der
tägliche Konsum von Obst und Gemüse offenbar deutlich das
Risiko für Mund-, Rachen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs.
Männer profitieren mit einer Risikoreduktion um 12 Prozent in
höherem Maß als Frauen. Dabei besteht eine deutliche
Risikosenkung schon ab 80 Gramm verzehrtem Obst und Gemüse pro Tag.
Ab mehr als 300 Gramm konnte keine weitere Senkung des Risikos mehr
festgestellt werden.
Im Rahmen der Studie, an der auch zwei deutsche Forschungszentren
beteiligt sind, analysierten die Forscher die Daten von 130.633
Männern und 215.271 Frauen, die zwischen 1992 und 1998 zu ihren
Ernährungsgewohnheiten und Lebensumständen befragt worden
waren. Im Nachbeobachtungszeitraum von knapp sechs Jahren erkrankten 255
Männer und 97 Frauen erstmals an Krebs im Bereich von Mund-,
Rachen-, Kehlkopf- oder Speiseröhre.
Wurden täglich mindestens 80 Gramm an Obst oder Gemüse
verzehrt, reduzierte sich das Risiko für die genannten Krebsarten
um durchschnittlich 9 Prozent (12 Prozent bei Männern, 4 Prozent
bei Frauen). Der Konsum von über 300 Gramm pro Tag führt
offenbar zu keiner weiteren Senkung des Erkrankungsrisikos.
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Auftreten der Erkrankung
bezeichnete Prof. Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie, als
bemerkenswert und kommentierte: "Obwohl die Zahl der weiblichen
Studienteilnehmer deutlich größer war, gab es bei den
männlichen Teilnehmern fast zweimal soviel Krebsneuerkrankungen.
Ebenso war eine erhöhte Obst- und Gemüseaufnahme bei
Männern mit einer stärkeren Risikosenkung verbunden". Ersterer
Effekt könnte auf den erhöhten Alkohol- und Zigarettenkonsum
bei Männern zurückzuführen sein. Letzterer ließe
sich damit erklären, dass hauptsächlich Personen mit generell
geringem Konsum von Obst und Gemüse von einer
Verzehrserhöhung profitieren, so Boeing.
(Quelle: bsmo)