Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertfünfundachtzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Experten für Irak-Abzug - US-Präsident Bush gegen
Strategiewechsel. Insgesamt 86 Leichen im Irak binnen 24 Stunden
entdeckt
Fr.01.12.06 - US-Präsident George W. Bush hat dem irakischen
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki seine volle Unterstützung
und die Fortsetzung des US-Militäreinsatzes im Irak zugesichert.
Nachdem ein internes Papier des Weißen Hauses mit starken
Zweifeln an den Führungsqualitäten Al-Malikis bekannt geworden
war, nannte Bush den irakischen Regierungschef nach einem Treffen am
Donnerstag in Amman einen «starken Führer» und den
«richtigen Mann für den Irak».
Die US-Streitkräfte im Irak sollen nach dem Willen der beiden
Politiker schneller als bislang geplant die Verantwortung für die
Sicherheit an die Regierungskräfte Bagdads übergeben.
Angesichts «der gemeinsamen Sorgen wegen der religiös
motivierten Gewalt gegen unschuldige Iraker» versicherte Al-Maliki
in einer gemeinsamen Erklärung «verstärkte
Anstrengungen für eine nationale Versöhnung».
Bush und Al-Maliki wandten sich entschieden gegen eine Teilung des
Iraks in drei Regionen nach ethnisch-religiösen Gesichtspunkten.
«Eine Teilung des Iraks würde lediglich zu einer Zunahme der
religiös motivierten Gewalt führen», so Bush. Der
irakische Ministerpräsident habe ihm gegenüber betont, dass
das irakische Volk eine solche Teilung auch nicht möchte. Die drei
größten Volksgruppen sind die Kurden, die schiitischen und
die sunnitischen Araber.
Die US-Truppen werden nach den Worten Bushs allerdings so lange im Irak
bleiben und die Regierung Al-Malikis stärken, bis diese
vollständig die Verantwortung für die Sicherheit
übernehmen könne. Al-Maliki sei ebenso unzufrieden mit der
Sicherheitslage und dem Mangel an Erfolgen im Kampf gegen die
Extremisten wie er selbst, sagte der US-Präsident, der vor
«überzogenen Erwartungen» warnte. Einen Zeitplan
für einen US-Truppenabzug könne es nicht geben.
Al-Maliki sei darüber enttäuscht, «dass wir ihm zu
langsam die Mittel in die Hand geben, die notwendig sind, das irakische
Volk zu schützen», sagte Bush. «Unser heutiges Treffen
wird die Möglichkeiten des Ministerpräsidenten
verstärken, die harte Arbeit zu tun, die notwendig ist, die Gewalt
zu stoppen.» Al-Maliki betonte, dass seine Regierung weiter offen
sei für die Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten Iran und Syrien,
warnte aber vor «Versuchen der Einmischung». Er widersprach
Darstellungen, dass es einen starken iranischen Einfluss gebe.
In Bagdad stieß das Treffen auf keine große Resonanz. Vor
allem sunnitische Politiker zeigten sich enttäuscht von den aus
ihrer Sicht mageren Ergebnissen. Al-Maliki müsse vor allem die
Milizen auflösen und einen Zeitplan für den Abzug der
US-Truppen vorlegen. Die regierungsnahe Zeitung «Al-Sabah»
schrieb am Donnerstag, die irakische Regierung sei «wegen des
Drucks von innen und außen» kaum noch
manövrierfähig.
Der in den USA mit Spannung erwartete Bericht einer unabhängigen
Kommission des US-Kongresses zur Irak-Politik schlägt nach
Informationen der «New York Times» bereits für 2007
einen phasenweisen Teilabzug der US-Truppen aus dem Irak vor. Die
Kongress- Kommission unter Leitung von Ex-Außenminister James
Baker lässt dem Zeitungsbericht zufolge aber offen, wann dieser
Teilabzug beginnt und wie viele Soldaten in jeder Phase abgezogen
werden. Derzeit kämpfen rund 150 000 US-Soldaten im Irak.
Der schiitische Regierungschef Al-Maliki war trotz der Forderungen
mehrerer irakischer Gruppen nach einem Verzicht auf das Treffen mit Bush
nach Amman gekommen. Vier Minister und 30 Parlamentsabgeordnete der
Bewegung des radikalen irakischen Schiiten-Führers Muktada al-Sadr
hatten aus Protest gegen das Treffen vorübergehend ihre Ämter
niedergelegt. Allerdings sagte Al-Maliki ein für Mittwochabend
geplantes Dreiertreffen mit Bush und dem jordanischen König
Abdullah II. kurzfristig ab. Bush sprach am Abend lediglich mit dem
König, der für neue Schritte zur friedlichen Lösung des
israelisch- palästinensischen Konflikts warb.
Der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, Dan Bartlett, hatte
Spekulationen zurückgewiesen, wonach Al-Maliki aus Verärgerung
über ein kritisches Memorandum von US-Sicherheitsberater Stephen
Hadley abgesagt habe. Die «New York Times» hatte das Papier
zitiert, in dem die Fähigkeiten Al-Malikis bezweifelt werden, die
wachsende Gewalt zwischen den Religionsgruppen im Irak unter Kontrolle
zu bekommen.
Unterdessen geht dort das Blutvergießen unvermindert weiter.
Polizei und US-Armee fanden binnen 24 Stunden die Leichen von 86
Menschen. In einem Massengrab in der Nähe von Baakuba, rund 60
Kilometer von Bagdad, wurden 28 Tote entdeckt, wie die US-Armee am
Donnerstag erklärte. In der irakischen Hauptstadt wurden nach
Angaben irakischer Sicherheitskräfte binnen eines Tages 58 weitere
Leichen gefunden. Mindestens 15 weitere Menschen starben bei
Anschlägen und Gefechten. Das Internationale Komitee vom Roten
Kreuz (IKRK) nannte die Zustände «zutiefst
erschütternd». Entführungen und Ermordungen sind im
Irak an der Tagesordnung. Nach Angaben der UNO wurden in dem Land in
den vergangenen vier Monaten mehr als 13.000 Zivilisten getötet.
(Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 01.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhunderteinundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.01.12.05 - Bush verteidigt seine Irak-Politik: Sieht Verbesserungen bei irakischen
Sicherheitskräften - Entscheidung über Rückzug allein auf
Basis militärischer Fakten - Plan 'für den Sieg im Irak' +++
Schicksal der im Irak entführten Susanne Osthoff offen +++ Neun Tote
bei Beschuss von Kleinbus +++ US-Strategen sehen düstere Zukunft für
Irak-Engagement...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512010.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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USA benoten das Sicherheitsrisiko von Millionen Flugpassagieren
Fr.01.12.06 - Die US-Behörden haben Millionen von Flugpassagieren aus dem
Ausland nach ihrem individuellen Sicherheitsrisiko benotet. Die
Reisenden dürfen diese Noten weder einsehen noch anfechten, und
die Daten sollen 40 Jahre lang aufbewahrt werden. Dies ergaben
Recherchen der Nachrichtenagentur AP zu dem System, das als
«Automated Targeting System» (ATS) bezeichnet wird.
Die Noten beruhen auf einer Vielzahl von gesammelten Daten wie
Herkunftsort, frühere Reisen oder die Art der Ticket-Bezahlung.
Ein Computerprogramm berechnet daraus eine Note, die das Risiko eines
terroristischen oder kriminellen Hintergrunds bewertet. Die Daten
werden anhand der Passagierlisten vor der Landung in den USA erhoben
und geprüft. Nach Angaben des Ministeriums für Heimatschutz
(Homeland Security) treffen jährlich 87 Millionen Menschen auf dem
Luftweg in den USA ein. Ihre Daten gehen in die ATS-Analyse ein, wie
Jayson Ahern von der Zoll- und Grenzschutzbehörde des
Heimatschutzministeriums bestätigte.
Das ATS-System erlaube es den Grenzbeamten, gezielt auf Reisende zu
achten, die zuvor noch nicht als potenzielle Terroristen oder
Kriminelle aufgefallen seien, sagte Ahern am Donnerstag der
Nachrichtenagentur AP in Washington. Diese könnten dann gezielt
durchsucht und befragt werden. Das ATS-System ersetze nicht das Urteil
der Beamten.
Die Existenz des vor vier Jahren eingeführten Programms war bisher
öffentlich nicht bekannt. Einen ersten Hinweis gab es Anfang
November im «Federal Register», einer Sammlung von
Verordnungen und Bestimmungen des Bundes. Juristen, Kongressmitarbeiter
und selbst Beamte der Exekutive gaben an, sie seien zunächst der
Auffassung gewesen, dass es sich bei ATS nur um ein Kontrollsystem
für das Frachtwesen handle.
Nachdem er über die tatsächliche Reichweite des Programms
unterrichtet wurde, sagte der Anwalt der Bürgerrechtsorganisation
Electronic Frontier Foundation (EFF), David Sobel: «Das ist
gemessen an der Zahl der betroffenen Personen wahrscheinlich das am
meisten in die Privatsphäre eingreifende System, das die Regierung
eingerichtet hat.»
Bill Anthony von der Zoll- und Grenzschutzbehörde gab an, dass
täglich etwa 45 kriminellen Ausländern die Einreise
verweigert werde. In welchem Umfang Erkenntnisse aus dem ATS-System
dazu beitragen, konnte er nicht sagen.
Nach der Erklärung der Regierung zu ATS im «Federal
Register» können die Daten an einzelne US-Staaten, an
Gemeindeverwaltungen und auch an ausländischen Stellen
weitergegeben werden. «Alle können es einsehen, nur die
Betroffenen nicht», sagte der auf Einwanderungsrecht
spezialisierte Dozent an der Cornell Law School, Stephen Yale-Loehr.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
US-Außenministerin Rice ruft zu neuem Anlauf im
Nahost-Friedensprozess auf. Bemühungen um neue
Palästinenserregierung offenbar gescheitert. Israelische Soldaten
erschießen jungen Palästinenser
Fr.01.12.06 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat Israel und die
Palästinenser zu einem neuen Anlauf im Friedensprozess aufgerufen.
Der Augenblick müsse genutzt werden, sagte Rice am Donnerstag nach
einem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud
Abbas in Jericho. Zuletzt hatten die Konfliktparteien eine Waffenruhe
im Gazastreifen vereinbart und der israelische Regierungschef Ehud
Olmert seine Bereitschaft zu weitgehenden Zugeständnissen
erklärt.
Rice, die in Jerusalem auch mit Olmert und ihrer israelischen Kollegin
Zipi Livni zusammenkam, sagte, die Bemühungen in Richtung einer
Zwei-Staaten-Lösung müssten nun intensiviert werden. Offenbar
unter Bezug auf den Ausbau jüdischer Siedlungen im Westjordanland
sagte die Außenministerin, dabei müssten alle Handlungen
vermieden werden, die ein endgültiges Friedensabkommen
vorwegnehmen könnten.
Abbas erklärte auf der gemeinsamen Pressekonferenz, die
monatelangen Verhandlungen mit der Hamas über die Bildung einer
gemeinsamen Regierung seien an einem toten Punkt.
Ministerpräsident Ismail Hanija widersprach der Einschätzung,
die Gespräche seien gescheitert. Berater von Abbas wiesen aber
darauf hin, dass Hanija, der Verhandlungspartner des Präsidenten,
den Gazastreifen für eine wochenlange Reise verlassen habe.
Wie Abbas' Berater Sajeb Erakat mitteilte, will dieser nun das
PLO-Exekutivkomitee zusammenrufen, um über das weitere Vorgehen zu
beraten. Ein anderer Abbas-Vertrauter sagte, der Präsident wolle
zu drastischen Maßnahmen greifen. Dazu könnten die
Entlassung der Regierung oder ein Referendum über Neuwahlen
gehören.
In einem Beitrag für die Vollversammlung der Vereinten Nationen
sprach sich Abbas für eine internationale Friedenskonferenz zur
Lösung des Nahost-Konflikts aus. Die Einhaltung ihrer Ergebnisse
sollte vom Nahost-Quartett garantiert werden, erklärte Abbas am
Mittwoch in einer Rede, die vom palästinensischen UN-Beobachter
Rijad Mansur verlesen wurde.
Nach 26 Tagen Gefangenschaft ließ Israel am Mittwoch einen
palästinensischen Hamas-Minister frei. Das teilten Angehörige
von Abdel Rahman Seidan mit. Die israelischen Behörden hätten
keine Beweise für eine Beteiligung des Politikers an gewaltsamen
Aktionen gegen Israel gefunden, hieß es.
Israelische Soldaten haben am Donnerstagabend im Westjordanland einen
16-jährigen Palästinenser erschossen, wie Angehörige und
Augenzeugen mitteilten. Der Vorfall ereignete sich in der Ortschaft
Beita bei Nablus. Der Jugendliche habe die Soldaten mit Steinen
beworfen, berichteten die Augenzeugen. Dagegen erklärten die
israelischen Streitkräfte, die Soldaten hätten auf einen
Palästinenser geschossen, der drei Brandsätze und eine
Rohrbombe auf sie geworfen habe.
(Quelle: ap)
UN ziehen nach schweren Kämpfen Personal aus Süden des Sudans
ab
Fr.01.12.06 - Nach den ersten längeren Kämpfen im Süden des Sudans
seit einem Friedensabkommen vom vergangenen Jahr haben die Vereinten
Nationen (UN) Personal aus der Region in Sicherheit gebracht.
UN-Generalsekretär Kofi Annan kritisierte die Auseinandersetzungen
zwischen der Armee der islamistischen Regierung und ehemaligen Rebellen
als Verstoß gegen den vereinbarten Waffenstillstand.
Der örtlichen Presse zufolge kamen bei den vor drei Tagen
begonnenen Kämpfen mindestens ein Dutzend Menschen ums Leben. Die
UN sprachen von einem toten Mitglied der ehemaligen Rebellenorganisation
SPLA. Es habe heftige Schusswechsel gegeben. Unklar ist demnach, wer
die Zusammenstöße begonnen hat. Die Vereinten Nationen
hätten inzwischen 240 zivile Beschäftigte aus der Stadt
Malakal abgezogen. Annan sagte, UN-Kommandeure versuchten zwischen
einer SPLA-Delegation und Militäroffizieren in Malakal zu
vermitteln.
Das Friedensabkommen wurde im Januar vergangenen Jahres geschlossen und
beendete den seit 1983 dauernden Bürgerkrieg zwischen arabischen
Moslems aus dem Norden und den hauptsächlich im Süden
angesiedelten Animisten und Christen. Die UN haben mehr als 10.000
Friedenssoldaten im ölreichen Süden des Landes stationiert, um
den Waffenstillstand zu überwachen. In der west-sudanesischen
Krisenregion Darfur dagegen dürfen bisher keine UN-Soldaten
eingesetzt werden.
(Quelle: rtr)
Sudanesischer Präsident lehnt UN-Soldaten in Darfur weiter ab
Fr.01.12.06 - Der sudanesische Präsident Omar al Baschir hat die Entsendung von
UN-Soldaten in die Krisenregion Darfur erneut abgelehnt. «Wir
wollen eine afrikanische Streitmacht», sagte Baschir am
Donnerstag nach Gesprächen der Afrikanischen Union (AU) im
nigerianischen Abuja. Denkbar sei technische und finanzielle
Unterstützung der Vereinten Nationen für die derzeit etwa
7.000 Soldaten der Afrikanischen Union, «aber keine
UN-Truppe», unterstrich Baschir.
Die Afrikanische Union beschloss ebenfalls am Donnerstag eine
Verlängerung der AU-Mission um ein halbes Jahr. Das bisherige
Mandat für die Truppe läuft am 31. Dezember aus.
UN-Generalsekretär Kofi Annan bemüht sich derzeit darum, die
AU-Mission in eine so genannte Hybridmission gemeinsam mit den
Vereinten Nationen zu überführen.
Der UN-Menschenrechtsrat in Genf kündigte unterdessen an, er werde
sich auf Antrag von 29 Staaten in einer Dringlichkeitssitzung mit der
Situation in Darfur befassen, wo in den vergangenen drei Jahren mehr
als 200.000 Menschen getötet worden.
(Quelle: ap)
Französische Luftangriffe in Zentralafrikanischer Republik
Fr.01.12.06 - Französische Kampfflugzeuge haben Rebellen in der
Zentralafrikanischen Republik angegriffen. Die Maschinen des Typs
Mirage attackierten Stellungen der Rebellen in den Ortschaften Ouadda
und Ndele im Norden des Landes, wie ein französischer
Militärsprecher am Donnerstag in Paris mitteilte. Die
Streitkräfte folgten nach seinen Angaben einer Bitte der
Regierungstruppen, die in beiden Ortschaften auf massiven Widerstand
stießen.
Die Rebellen hätten sich aus Ouadda zurückgezogen und die
Stadt den Regierungstruppen überlassen, sagte der
Rebellenkommandeur Diego Albator Yao. Die Ortschaft Ndele werde von
seinen Kämpfern aber weiter gehalten. Die französische
Luftwaffe griff schon zu Beginn der Woche in den Bürgerkrieg ein.
Frankreich hat seine Truppenstärke in der Zentralafrikanischen
Republik kürzlich von 200 auf 300 verstärkt. Die
französischen Soldaten sollen die Regierung im Kampf gegen die
Rebellen unterstützen und die Grenzen zum Tschad und zum Sudan
sichern. Beide Nachbarländer sind ebenfalls von Bürgerkriegen
betroffen. Die Regierung in Bangui wirft dem Sudan vor, die Rebellen in
der Zentralafrikanischen Republik zu unterstützen, was von Khartum
zurückgewiesen wird.
(Quelle: ap)
Papst zollt Islam mit überraschender Geste Respekt
Fr.01.12.06 - Mit einer überraschenden Geste hat Papst Benedikt XVI. bei seinem
Besuch in der Blauen Moschee in Istanbul dem Islam seinen Respekt
erwiesen. Wie türkische Fernsehsender zeigten, wandte sich das
katholische Kirchenoberhaupt gen Mekka und verharrte einige Minuten
leicht gebeugt mit geschlossenen Augen. Zuvor hatte der Papst in einer
gemeinsamen Erklärung mit dem ökumenischen Partriarchen von
Konstantinopel, Bartholomäus I., mehr religiöse Freiheiten in
der Türkei angemahnt. Die Verständigung mit der orthodoxen
Kirche ist eines der Hauptanliegen der Reise von Benedikt XVI.
Die Geste des Papstes in der Blauen Moschee folgte auf die
Erläuterungen des Großmuftis Mustafa Cagrici, wie sich
Muslime zum Gebet verneigen. Zum Abschluss des etwa 30-minütigen
Besuchs tauschten der Papst und der Großmufti Geschenke aus. Kurz
nachdem das katholische Kirchenoberhaupt die Moschee verlassen hatte,
rief der Muezzin zum Abendgebet.
Benedikt ist erst der zweite Papst nach Johannes Paul II., der ein
muslimisches Gotteshaus betritt. Johannes Paul II. war im Jahr 2001 in
einer Moschee in Damaskus.
Die Beachtung der Religionsfreiheit sei ein notwendiges Kriterium
für einen EU-Beitritt, erklärte der Papst gemeinsam mit
Bartholomäus I.. Zudem betonte Benedikt die Bedeutung der
christlichen Wurzeln für Europa:
Alle christlichen Gemeinschaften seien aufgerufen, das Bewusstsein
Europas für seine christlichen Wurzeln, Traditionen und Werte zu
erneuern, um ihm neue Kraft zu geben, sagte Benedikt XVI. nach einer
Messe, die er in Istanbul zusammen mit Bartholomäus I. gefeiert
hatte. Die Verständigung mit der orthodoxen Kirche ist eines der
Hauptanliegen der Reise von Benedikt XVI.
In Istanbul protestierten einige Dutzend Demonstranten gegen den Besuch
des Papstes. Sie hielten Plakate mit Aufschriften wie "Die Türkei
wird keine Kolonie werden" hoch. Besonders der Besuch des Papstes in
der Hagia Sophia erregte den Zorn einiger Demonstranten.
Die Kirche wurde im sechsten Jahrhundert vom byzantinischen Kaiser
Justinian geweiht und war jahrhundertelang religiöser Mittelpunkt
der orthodoxen Christenheit. Nach der Eroberung der Stadt durch die
türkischen Osmanen 1453 wurde sie in eine Moschee umgewandelt.
1934 zog ein Museum in den Prachtbau ein.
(Quelle: afp)
Deutschland
Regierung schließt Kampfeinsatz der Bundeswehr im Sudan aus
Fr.01.12.06 - In der Debatte um einen zukünftigen Bundeswehreinsatz im Sudan hat
die Bundesregierung Kampfeinsätze ausgeschlossen und
Verteidigungsminister Franz Josef Jung gegen Kritik in Schutz genommen.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte am Donnerstag in Berlin, es sei
keine Ausweitung des Sudan-Einsatzes geplant. Vor allem ein Einsatz
kämpfender Bodentruppen sei von niemandem beabsichtigt.
Unterdessen wurde das Engagement deutscher Soldaten im Kongo formell
abgeschlossen.
Das Bundeskabinett hatte am Mittwochabend eine Verlängerung des
derzeitigen Mandats für die sudanesische Krisenregion Darfur um
sechs weitere Monate beschlossen. Zuvor war der Verteidigungsminister
auf Kritik gestoßen, weil er dieses Engagement im Rahmen einer
UN-Mission öffentlich in Aussicht gestellt hatte. Insbesondere aus
den Reihen der Koalitionsfraktionen gab es Verärgerung über
eine vermeintliche Missachtung des Parlaments.
Jung stellte dazu klar, dass die UN-Mission lediglich die Fortsetzung
des jetzt bereits laufenden Bundeswehr-Engagements für die
Afrikanische Union sei, allerdings unter anderem Kommando. Ursache des
Streits sei ein Missverständnis: Es sei zu wenig bekannt, was die
Bundeswehr bereits heute in der Region tue. «Das, was wir
für die Afrikanische Union machen, das können wir nicht bei
den Vereinten Nationen verweigern», sagte Jung. Die
Bundesregierung nahm Jung daher ausdrücklich gegen Kritik in
Schutz. Er habe die volle Unterstützung des gesamten Kabinetts.
Zuvor hatte Unionsfraktionschef Volker Kauder die Regierung
aufgefordert, die Entscheidungshoheit des Bundestages bei
Bundeswehr-Auslandseinsätzen zu respektieren. Die Fraktionen seien
sauer, weil über das hochsensible Thema in der Öffentlichkeit
spekuliert werde, ohne dass das Parlament damit befasst worden sei,
sagte der CDU-Politiker der «Berliner Zeitung». Es
dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, als wären die
Abgeordneten nur noch Vollzugsorgan der Regierung.
Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen sagte derselben Zeitung:
«Die Art und Weise, wie Herr Jung Außen- und
Sicherheitspolitik betreibt, ist nicht seriös.» Über
einen möglichen Sudan-Einsatz der Bundeswehr sei in den
Koalitionsfraktionen noch nicht beraten worden.
Das Bundeswehr-Mandat für den Sudan hat eine Obergrenze von 200
Soldaten. Derzeit ist allerdings nur ein deutscher Offizier im
Hauptquartier der so genannten AMIS-Mission der Afrikanischen Union im
Einsatz. In der Vergangenheit hatte die Bundeswehr als logistische
Hilfe Truppen und Generatoren transportiert.
Derweil ist der Einsatz deutscher Soldaten im Kongo nach viermonatiger
Dauer mit Ablauf des Donnerstags offiziell abgeschlossen worden. Das
Verteidigungsministerium nannte die internationale Operation zur
Absicherung der Wahlen im Kongo unter deutschem Kommando erfolgreich.
Die rund 780 deutschen Soldaten in Kinshasa und Gabuns Hauptstadt
Libreville sollen nun Schritt für Schritt abgezogen werden. Nach
derzeitigem Stand würden alle bis Weihnachten zurück sein,
sagte ein Sprecher.
(Quelle: ap)
Bundestag erhöht Rentenbeiträge und senkt
Arbeitslosenversicherung
Fr.01.12.06 - Die Beitragsanhebung in der Rentenversicherung ist beschlossene Sache.
Mit den Stimmen der großen Koalition erhöhte der Bundestag
die Beiträge von 19,5 auf 19,9 Prozent vom kommenden Jahr an. Im
Gegenzug senkten die Abgeordneten den Beitragssatz für die
Arbeitslosenversicherung zum Jahreswechsel von 6,5 auf 4,2 Prozent. Die
Opposition warf der Bundesregierung vor, die Bürger zu
schröpfen.
(Quelle: dpa)
Konjunktur drückt Arbeitslosenzahl unter vier Millionen
Fr.01.12.06 - Dank guter Konjunktur und mildem Wetter ist die Arbeitslosigkeit in
Deutschland erstmals seit Oktober 2002 wieder unter die
Vier-Millionen-Marke gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit
(BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, sank die Zahl der
Erwerbslosen im Vergleich zum Oktober um 89 000 auf 3,995 Millionen. Das
waren 536 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um
0,2 Prozentpunkte auf 9,6 Prozent.
Der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise erklärte,
neben der «robusten» konjunkturellen Entwicklung und dem
damit verbundenen Beschäftigungsaufbau wirke sich auch die immer
bessere Betreuung der Arbeitslosen aus. Der Rückgang sei deutlich
stärker als November 2005.
Nach den Hochrechnungen der BA lag die Zahl der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei nun 26,88 Millionen
und damit um 317 000 höher als im November 2005. Besonders gesucht
seien Arbeitskräfte in den Branchen Zeitarbeit, Gesundheit, Verkehr
und Nachrichtenübermittlung, Einzelhandel und im Gastgewerbe. Auch
auf dem Bau sei die Trendwende geschafft.
Erfreulich sei auch, dass wieder mehr junge Arbeitslose eine Chance
hätten, betonte Weise. Gegenüber dem Vorjahr seien rund 100
000 Menschen unter 25 Jahren weniger arbeitslos gemeldet. Allerdings
sind laut BA noch immer 426 000 Menschen unter 25 Jahren auf Jobsuche.
Weise sagte weiter, die Reformen in der Arbeitsmarktpolitik zeigten nun
Wirkung. Es herrsche eine positive Grundstimmung auf dem Arbeitsmarkt.
Die Aufgabe der kommenden Monate sei, gering qualifizierte Menschen
wieder in Arbeit zu bringen. Kritisch äußerte sich Weise zum
Beschluss des CDU-Parteitages, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes
stärker nach Beitragsjahren zu staffeln. Man müsse
überlegen, ob man damit «nicht ein Vorruhestandsmodell
für große Unternehmen schafft», mahnte der BA-Chef.
Insgesamt waren bei der Bundesagentur im November 806 000 offene
Stellen gemeldet, im Vergleich zum Vorjahr waren dies 216 000 mehr. In
den alten Bundesländern sank die Zahl der Arbeitslosen um 66 000
auf 2,672 Millionen, die Quote reduzierte sich von 9,4 auf 8,0 Prozent.
In Ostdeutschland sind nun 1,323 Millionen Menschen arbeitslos. Dies
sind 23 000 weniger als im Vormonat, die Quote sank von 16,9 Prozent auf
15,5 Prozent.
Wegen der geringeren Zahl an Hilfeempfängern stieg der
Finanzüberschuss der BA überraschend auf 9,9 Milliarden Euro.
Weise rechnet nun sogar mit einem Jahresüberschuss von 10,5 bis
11,0 Milliarden Euro. Bisher war von höchstens zehn Milliarden Euro
die Rede.
(Quelle: ddp)
Einzelhändler überraschen erneut mit Umsatzeinbußen
Fr.01.12.06 - Trotz starker Konjunktur, sinkender Arbeitslosigkeit und anstehender
Steuererhöhung konnten die deutschen Einzelhändler im Oktober
nicht mehr verkaufen.
Der Umsatz der Branche sei nominal um 0,3 Prozent und preisbereinigt
(real) um 0,2 Prozent zum September gesunken, teilte das Statistische
Bundesamt am Donnerstag mit. Bereits im September waren die Umsätze
um knapp drei Prozent zurück gegangen. Nach Einschätzung von
Volkswirten passen die Daten immer weniger zur guten Konjunktur und den
positiven Arbeitsmarktzahlen. Auch im Vergleich zum vergangenen Jahr
schlossen die Einzelhändler den Oktober mit nominal 0,3 Prozent
weniger in den Kassen ab. Real verkauften sie 0,8 Prozent weniger. Der
große Schwung sei nicht zu sehen, sagte Ralph Solveen von der
Commerzbank.
"Wenn man die Daten ernst nimmt, sind sie schlecht", sagte Solveen. Von
Reuters befragte Analysten hatten mit einem realen Plus von 1,5 Prozent
zum September und von 1,0 Prozent zum Vorjahresmonat gerechnet. Sie
zeigten sich angesichts der positiven Konjunkturdaten skeptisch, dass
die Daten zuverlässig seien. Der Handel habe in den vergangenen
Jahren immer weniger Anteil am privaten Konsum, erläuterte Peter
Meister von der BHF-Bank: "Es gibt neue Vertriebsformen, und
Dienstleistungen werden bedeutender."
Bei einigen Produktgruppen sind Solveen zufolge allerdings die
Vorzieheffekte durch die Mehrwertsteuererhöhung zu sehen. So konnte
der Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln 1,2 Prozent mehr absetzen als
vor einem Jahr und ein nominales Umsatzplus von 0,6 Prozent
verzeichnen. Dabei liefen vor allem Einrichtungsgegenstände,
Haushaltsgeräte und Baubedarf gut: real plus 4,6 Prozent im
Vorjahresvergleich. Die Verkäufer von Lebensmitteln,
Getränken und Tabakwaren verkauften real 3,9 Prozent weniger als
vor einem Jahr und nahmen 1,5 Prozent weniger ein. Die stärksten
Einbußen musste der Versandhandel mit knapp sechs Prozent
verkraften.
Insgesamt hat die Branche in diesem Jahr bisher von Januar bis Oktober
real 0,2 Prozent mehr verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
In den Kassen konnten die Einzelhändler ein Plus von 0,9 Prozent
verbuchen. Auch das Weihnachtsgeschäft dürfte gut laufen,
sagte Meister. Wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer werde es wohl
eine kleine Delle im ersten Quartal geben, aber insgesamt laufe die
Konjunktur gut: "Es gibt also keinen Grund für das nächste
Jahr pessimistisch zu sein."
(Quelle: rtr)
6000 Verfassungsbeschwerden gegen Vorrats-Datenspeicherung
Fr.01.12.06 - Mehr als 6000 Bürger wollen bislang in Karlsruhe
Verfassungsbeschwerde einlegen gegen die geplante Speicherung ihrer
Telekommunikationsdaten auf Vorrat. Dies teilte der Arbeitskreis
Vorratsdatenspeicherung in Berlin mit. Der bundesweite Zusammenschluss
von Bürgerrechtlern, Datenschützern und Internet-Nutzern
fordert, das Gesetzesvorhaben zumindest solange auszusetzen, bis der
Europäische Gerichtshof (EuGH) über eine Klage gegen die
EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung entschieden hat. Die
Kläger sehen in der verdachtlosen Speicherung ihrer Daten einen
Verstoß gegen das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung.
Nach dem unlängst von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries
(SPD) vorgelegten Gesetzentwurf zur Umsetzung der Richtlinie sollen alle
Verbindungsdaten des Telefon-, Handy- und E-Mail-Verkehrs für
jeweils sechs Monate gespeichert werden, um diese Daten bei Bedarf
für Fahndungszwecke nutzen zu können. Bei Handy-Telefonaten
und SMS soll auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten
werden. Anonyme E-Mail-Konten und Anonymisierungsdienste sollen verboten
werden. Mit Hilfe der gespeicherten Daten können Bewegungsprofile
erstellt, geschäftliche Kontakte rekonstruiert und
Freundschaftsbeziehungen identifiziert werden.
Der Arbeitskreis verwies auf einen Bericht des Bundeskriminalamts (BKA)
vom November 2005, wonach im Jahr zuvor nur 381 Straftaten wegen
fehlender Telekommunikationsdaten nicht aufgeklärt werden konnten.
Dabei handelte es sich vor allem um Internetbetrug, Austausch von
Kinderpornografie und Diebstahl.
(Quelle: afp)
Bundestag verlängert Stasi-Überprüfungen
Fr.01.12.06 - Der Bundestag hat grünes Licht für weitere
Stasi-Überprüfungen gegeben. In den nächsten fünf
Jahren sollen aber nur noch Inhaber von Spitzenämtern in Politik
und Verwaltung gecheckt werden können - die bisherige Regelanfrage
für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst wird nicht
verlängert.
Das Parlament beschloss am Donnerstag mit breiter Mehrheit im zweiten
Anlauf die Novelle des Stasi-Unterlagengesetzes. Nur die Linkspartei
stimmte dagegen. Unterdessen löste die Beschäftigung
zahlreicher früherer Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für
Staatssicherheit (MfS) in der Stasi- Unterlagenbehörde fast 17
Jahre nach Auflösung des DDR- Geheimdienstes Kritik und
Bestürzung aus.
Die bisherige Regelanfrage bei der Stasi-Unterlagenbehörde
läuft zum 21. Dezember nach 15 Jahren aus. Wegen Streitigkeiten in
der Koalition und Protesten von Opferverbänden war die
Verabschiedung des ursprünglichen Entwurfes von SPD, Union und
Grünen Anfang November zunächst nicht zu Stande gekommen.
Opfer hatten einen Aufarbeitungs-Schlussstrich befürchtet.
Als Kompromiss wurde nun die ursprüngliche Absicht gestrichen, nur
bei einem konkreten Verdacht zu überprüfen. Dafür
erhalten Wissenschaftler einen deutlich erweiterten Zugang zu den
Unterlagen der Behörde. Ohne Nachfolgeregelung wären
überhaupt keine Überprüfungen mehr möglich gewesen.
Überprüft werden können Bundes- und Landesminister,
Abgeordnete, hohe Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst,
Richter und höhere Sportfunktionäre.
Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler,
sprach von einer «gelungenen Novellierung». Künftig
könnten nicht nur Stasi-Strukturen, sondern der Machtmechanismus
insgesamt erforscht werden. Das Gesetz sei nicht mit heißer Nadel
gestrickt. Unions-Fraktionsvize Arnold Vaatz (CDU) sagte, das Gesetz
sei «ein klares Signal», dass die Opfer der DDR nicht
vergessen werden. Die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion,
Lukrezia Jochimsen, betonte hingegen: «15 Jahre
Überprüfungen sind genug.» Selbst schwere
Körperverletzung oder Vergewaltigung seien nach 10 Jahren
verjährt.
Zur Beschäftigung früherer Stasi-Bediensteter in ihrer
Behörde wies Birthler Vorwürfe zurück, das Ausmaß
verschwiegen zu haben. Von 52 früheren Stasi-Mitarbeitern sind
nach Birthlers Angaben 11 frühere hauptamtliche MfS-Mitarbeiter
sowie 41 Personen aus dem Wachdienst der Stasi. Zwei der Hauptamtlichen
seien in den Außenstellen der Behörde in Schwerin und Halle
tätig. Die Stasi-Leute seien nach der Wende wegen ihres Wissens
für die Aufarbeitung der Stasi-Akten für unverzichtbar
gehalten worden. Aus arbeitsrechtlichen Gründen seien später
Kündigungen nicht möglich gewesen. Von den Mitarbeitern
arbeiten unter anderem fünf im Archiv, einer als Sachgebietsleiter
und einer an der Erschließung von Stasi-Karteien.
Birthler sagte, nach der Wende seien aus dem damaligen
Geschäftsbereich des Innenministeriums «große
Mengen» ehemaliger Stasi-Mitarbeiter übernommen worden, so
rund 1500 in Polizeibehörden, 300 beim Bundesgrenzschutz sowie in
den öffentlichen Diensten der neuen Länder bis zu 200.
Zugleich sagte sie: «Für die Zahlen kann ich mich aber nicht
verbürgen.»
Die Unions-Bundestagsfraktion äußerte scharfe Kritik. Dass
ausgerechnet dort, wo Stasi-Verstrickungen aufgedeckt werden sollen,
noch frühere Stasi-Mitarbeiter beschäftigt seien, erwecke den
Eindruck, als würden Brandstifter zum Feuerlöschen
eingesetzt, sagte der kultur- und medienpolitische Sprecher, Wolfgang
Börnsen. Arbeitsweise und -auffassung der Behörde
müssten jetzt untersucht werden. Auch der Vorsitzende des
Kulturausschusses im Bundestag, Hans-Joachim Otto (FDP), forderte, dies
nicht hinzunehmen.
Der erste Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Joachim Gauck,
verteidigte die Beschäftigung der früheren Stasi-Leute.
«Wir brauchten solche Insider für die
Aufklärungsarbeit.» Es seien Mitarbeiter gewesen, «die
den Bürgerrechtlern geholfen haben und von ihrer ehemaligen Umwelt
gehasst wurden».
(Quelle: dpa)
Protest gegen Studiengebühren - Studenten besetzen Frankfurter
Arbeitsagentur
Fr.01.12.06 - Bei spontanen Protesten gegen Studiengebühren haben am Donnerstag
in Frankfurt am Main eine Reihe von Studenten zeitweise das Arbeitsamt
besetzt. Wie die Polizei mitteilte, waren rund 300 junge Leute zuvor
von der Universität durch die Innenstadt marschiert. An der
städtischen Arbeitsagentur seien einige der Demonstranten in das
Gebäude eingedrungen und hätten ein Plakatmit der Aufschrift
«Standort, Standort über alles» angebracht. Die Aktion
verlief gewaltfrei.
Um Störungen des Zugverkehrs am Eisenbahnknotenpunkt Frankfurt zu
vermeiden, kontrollierte die Polizei nach eigenen Angaben
vorsichtshalber die Eingänge des Hauptbahnhofes. Versuche
einzelner Demonstranten, auf das Bahnhofsgelände vorzudringen,
wurden von der Bundespolizei verhindert. Bei früheren Kundgebungen
hatten Studenten zeitweise eine Reihe von Gleisen besetzt und den
Bahnverkehr empfindlich gestört.
Der Protestzug der Studenten, der von zahlreichen Beamten gesichert
wurde, verlief nach Angaben eines Polizeisprechers bis zum Nachmittag
in Frankfurt ebenso friedlich wie eine vorübergehende Sitzblockade
der Bundesstraße 27 in Fulda. Dort hatten sich rund 30 Personen
einige Minuten auf die Fahrbahn gesetzt und den Verkehr kurzfristig
behindert.
(Quelle: ap)