Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsiebenundachtzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Präsident Bush will Irak-Politik mit Demokraten abstecken. Mehr
als hundert Tote durch Gewalt in Bagdad. Schiitenführer Al Hakim
gegen internationale Irak-Konferenz. Saudi-Arabien dementiert
Irak-Äußerungen von Sicherheitsberater
So.03.12.06 - Der wegen seiner Irak-Politik zunehmend unter politischen Druck
geratene US-Präsident George W. Bush will sich künftig
stärker mit der Opposition im eigenen Land absprechen. Er werde
mit den Führern beider Parteien zusammenarbeiten, um einen
"größeren Konsens" zu erreichen, kündigte Bush am
Samstag in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an. Das
Militär überprüfe die Optionen für den Irak. Er
freue sich auf den Bericht des nach dem früheren
Außenminister James Baker benannte überparteilichen
Ausschusses, der einen "neuen Ansatz" für den Konflikt vorstellen
soll. Bei den Kongresswahlen im November hatten Bushs Republikaner eine
herbe Schlappe erlitten; künftig stellen die Demokraten sowohl im
Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit.
Bei einer Serie von Bombenanschlägen in einem Stadtteil der
irakischen Hauptstadt Bagdad sind mindestens 51 Menschen getötet
und 86 verletzt worden. Drei mit Sprengladungen präparierte
Fahrzeuge seien innerhalb von Sekunden in dem überwiegend von
Schiiten bewohnten Geschäftsviertel Rusufa explodiert, hieß
es von Sicherheitskräften. Auch in anderen Teilen des Landes kamen
wieder zahlreiche Menschen gewaltsam ums Leben, darunter bereits am
Vortag auch ein US-Soldat.
Der Anschlag in Rusufa habe einer Patrouille der irakischen Armee
gegolten, die in gepanzerten Militär-Jeeps durch das Viertel
gefahren sei, hieß es weiter. Erst am Vortag hatten irakische und
amerikanische Soldaten in dem Viertel einen Großeinsatz
geführt, bei dem es zu Schusswechseln mit Aufständischen kam.
In anderen Stadtteilen Bagdads wurden am Samstag die Leichen von
insgesamt 44 Menschen gefunden.
Außerhalb der irakischen Hauptstadt wurden bei gewaltsamen
Auseinandersetzungen 15 Iraker getötet, darunter fünf
Soldaten und drei Polizisten. Die US-Armee gab den Tod eines Soldaten
bekannt, der am Freitag in der westlichen Provinz El Anbar ums Leben
gekommen war.
Der irakische Schiitenführer Abdul Asis al Hakim hat sich gegen
eine internationale Irak-Konferenz ausgesprochen. Ein solches Treffen,
wie von UN-Generalsekretär Kofi Annan vorgeschlagen, sei illegal
und unrealistisch, sagte der Vorsitzende des Obersten Rates für die
Islamische Revolution im Irak (SCIRI) am Samstag in der jordanischen
Hauptstadt Amman. Nur die demokratisch gewählte Regierung von
Ministerpräsident Nuri al-Maliki sei legitimiert, die Probleme des
Landes zu lösen.
Al Hakim spielte Befürchtungen über einen lang anhaltenden
Bürgerkrieg im Irak herunter. Der Konflikt basiere auf politischen
Differenzen und nicht auf Fehden zwischen verfeindeten Volksgruppen. Er
äußerte sich nicht zur Badr-Brigade, die mit SCIRI verbunden
ist. Diese schiitische Miliz wird wird für zahlreiche blutige
Übergriffe auf irakische Sunniten verantwortlich gemacht, was Al
Hakim stets zurückgewiesen hat. Der SCIRI-Vorsitzende trifft am
Montag in Washington mit US-Präsident George W. Bush zusammen.
Saudi-Arabien hat Äußerungen eines Regierungsberaters
zurückgewiesen, das Königreich werde im Falle eines US-Abzugs
massiv im Irak intervenieren.
Der Artikel von Sicherheitsberater Nawaf Obaid in der "Washington Post"
entbehre jeder Grundlage, hieß es in einem am Freitag
veröffentlichten Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur SPA
unter Berufung auf offizielle Kreise. Der Autor sei kein Vertreter
Saudi-Arabiens. Die Regierung unterstütze nach wie vor die Einheit
und die Stabilität des Irak unter Einschluss aller religiösen
Gruppen.
In einem als persönliche Meinungsäußerung
gekennzeichneten Artikel Obaids hatte es am Mittwoch geheißen,
Hauptziel der saudiarabischen Politik werde es sein, bei einem US-Abzug
aus dem Irak die pro-iranischen Schiiten-Milizen davon abzuhalten,
sunnitische Muslime abzuschlachten. Neben der Unterstützung mit
Geld und Waffen könne der Erdölreichtum des engen
US-Verbündeten als Druckmittel eingesetzt werden.
(Quellen: ap, rtr, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 03.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertdreiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.03.12.05 - Laut US-Streitkräfte weniger Selbstmordanschläge. Zahl der
getöteten US-Soldaten überdurchschnittlich hoch. Bombe
tötet zehn US-Soldaten +++ Schiiten und Sunniten in Bagdad
demonstrieren gemeinsam gegen Razzien der Polizei und der
Streitkräfte +++ Schiitenführer Sadr fordert Entführer zu
Freilassung der deutschen Archäologin Osthoff auf +++ Entführer
von vier Mitarbeitern einer Hilfsorganisation drohen mit Tötung
ihrer Geiseln: Freilassung aller Häftlinge in amerikanischen und
irakischen Gefangenenlagern gefordert +++ Propaganda-Programm des Pentagons
im Irak stößt auf scharfe Kritik...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512030.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Anbau von Opium steigt in Afghanistan 2006 um 61 Prozent
So.03.12.06 - Der Anbau von Opium in Afghanistan ist in diesem Jahr um 61 Prozent
gewachsen. Nach Angaben der US-Regierung sind in dem zentralasiatischen
Land mittlerweile 172.600 Hektar mit Mohnpflanzen bewirtschaftet.
Insbesondere in den Unruheprovinzen Helmand und Urusgan sind laut
US-Drogenbehörde viele neue Felder entstanden. Dort wuchsen die
Mohnplantagen um 132 Prozent, in den restlichen 31 Provinzen nur um
durchschnittlich 18 Prozent.
"2006 war ein Rekordjahr der Drogenvernichtung, deswegen ist die
Nachricht, dass der Anbau gestiegen ist, sehr enttäuschend", teilte
der Direktor der US-Behörde, John Walters mit. Die wachsende
Drogenindustrie sei eine Bedrohung für die innere Stabilität
Afghanistans.
Afghanistan wird nach US-Angaben somit im nächsten Jahr 5644
Tonnen Opium produzieren können. Wenn das gesamte Opium zu Heroin
verarbeitet würde, wären es 664 Tonnen reines Heroin. 2001,
als noch die Taliban an der Macht waren, standen nur 1685 Hektar zur
Verfügung, das ist rund hundertmal weniger als 2006.
Die Taliban hatten damals den Mohnanbau als Sünde bezeichnet, nach
ihrem Fall aber ihre Taktik geändert. Jetzt werde mit dem
Drogenanbau und -handel der anti-westliche Kampf gefördert, teilte
die US-Behörde weiter mit. Insbesondere in Helmand und Urusgan sind
die Taliban wieder auf dem Vormarsch und liefern sich fast täglich
Kämpfe mit den NATO-Soldaten.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Hisbollah-Anhänger setzen Proteste gegen Regierung in Beirut fort.
EU-Spitzenpolitiker stärken Libanons Regierung den Rücken.
UN-Vollversammlung plädiert für eigenen Staat der
Palästinenser. Ringen um palästinensische Einheitsregierung
geht weiter
So.03.12.06 - Führende europäische Politiker haben der unter massivem Druck
stehenden libanesischen Regierung von Ministerpräsidenten Fuad
Siniora demonstrativ den Rücken gestärkt. Deutschlands
Außenminister Frank-Walter Steinmeier traf am Samstagnachmittag
in der Hauptstadt Beirut ein.
Nach den Worten eines Sprechers der libanesischen Regierung stand das
Treffen mit Steinmeier ungeachtet der Proteste der pro-syrischen
Opposition wie geplant auf dem Programm Sinioras. Im Laufe des Tages
hatte auch die britische Außenministerin Margaret Beckett dem
libanesischen Regierungschef ihre Aufwartung gemacht.
Nach Massendemonstrationen in Beirut vom Freitag protestierten am
Samstag immer noch rund 5000 pro-syrische Libanesen gegen die
Regierung. Sie hatten die Nacht zum Samstag in Zeltlagern rund um den
Regierungspalast verbracht und wollen ihren Protest solange fortsetzen,
bis die vom Westen unterstützte Regierung zurücktritt.
Beckett sicherte Siniora die Solidarität ihres Landes zu.
«Dies ist eine Gelegenheit für mich, die Unterstützung
Großbritanniens für die Regierung des Libanons und die
Bemühungen um Stabilität und Demokratie zu
bekräftigen», sagte sie nach einem Treffen mit Siniora.
Ägyptens Präsident Husni Mubarak warnte unterdessen in Kairo
nach einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow
vor ausländischer Einmischung in die Angelegenheiten des Libanons.
Zuvor hatte Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin mit
seinem libanesischen Kollegen telefoniert. Siniora hatte dabei betont,
er sei «entschlossen, seine Arbeit trotz des Drucks
fortzusetzen». Die französische
Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal stattete
derweil der Familie des ermordeten Industrieministers Pierre Gemayel
einen Kondolenzbesuch ab.
Steinmeier hatte angesichts der Massenproteste bereits am Freitag
erklärt, die Regierung Siniora habe sich weltweit Respekt
erworben. Hunderttausende pro-syrischer Demonstranten hatten am Freitag
gegen die Regierung protestiert. Die Schiiten-Bewegungen Hisbollah und
Amal wollen zusammen mit den Anhängern des christlichen
Oppositionspolitikers Michel Aoun die Regierung Siniora zum
Rücktritt zwingen. Für die Hisbollah ist Syrien neben dem
Iran der wichtigste Verbündete. Sinioras Kabinett hat die
Aufklärung der Attentate der vergangenen zwei Jahre zu einem ihrer
Hauptziele erklärt. Syrien steht im Verdacht bei einem oder
mehreren Attentaten die Fäden gezogen zu haben.
Syrien bekundete unterdessen seine Unterstützung für die
Demonstranten. Die Regierungszeitung «Tishrin» schrieb, die
Proteste spiegelten den Wunsch der Libanesen wider, die «fremde
Bevormundung» zu beenden.
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat in einer Resolution das
Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung und einen eigenen
Staat bekräftigt. Die Entschließung wurde am Freitag in New
York mit 157 gegen 7 Stimmen bei 10 Enthaltungen angenommen. Die
Staatengemeinschaft begrüßte auch die am 26. November
verkündete Waffenruhe für den Gazastreifen und rief die
Konfliktparteien dazu auf, auf dieser Grundlage den Weg zu Verhandlungen
zu beschreiten.
Eine weitere Resolution erklärt jeden Versuch Israels, die Stadt
Jerusalem in seine Gesetzgebung und Verwaltung einzubeziehen für
null und nichtig. In zusätzlichen Entschließungen wird unter
anderem der israelische Abzug von den Golanhöhen verlangt. Die
Entschließungen sind rechtlich nicht bindend und haben vor allem
politische Signalwirkung. Die USA, Israel, die Marshall-Inseln,
Mikronesien und Palau stimmten gegen alle sechs
propalästinensischen Resolutionen.
Die Bemühungen der Palästinenser um eine Regierung der
nationalen Einheit sind abermals in der Sackgasse gelandet. Die
Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) rief die
Hamas-Regierung zum Rücktritt auf, um damit den Weg für
Koalitionsverhandlungen frei zu machen. Ein Hamas-Sprecher wertete dies
am Samstag als Putsch, mit dem die demokratische Entscheidung des
Volkes für die Hamas außer Kraft gesetzt werden solle.
Abgeordnete der Fatah des palästinensischen Präsidenten
Mahmud Abbas plädierten für Neuwahlen.
Abbas hatte die Bemühungen um eine Einheitsregierung am Donnerstag
für gescheitert erklärt, schloss aber neue Verhandlungen
nicht aus. Der Exekutivrat der PLO, der Dachorganisation der meisten
palästinensischen Gruppen einschließlich der Fatah,
erklärte den Rücktritt der Hamas zur Vorbedingung für
erfolgreiche Koalitionsverhandlungen. Dagegen hat
Ministerpräsident Ismail Hanija von der Hamas stets betont, er
werde erst nach einer Einigung auf die Nachfolgeregierung
zurücktreten. Präsident Abbas hat zwar das Recht, die
Regierung zu entlassen, doch würde ein neues Kabinett dann mit
Sicherheit nicht von der Hamas-Mehrheit im Parlament gebilligt.
Die Zukunft der palästinensischen Regierung stand auch im
Mittelpunkt der Gespräche von Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier in der Region. Er wurde am Samstag zu
Gesprächen mit Abbas in Gaza erwartet, anschließen wollte er
nach Beirut weiterreisen. Am Vorabend hatte sich Steinmeier in Jericho
mit dem palästinensischen Chefunterhändler Sajeb Erakat und
Mustafa Barghuti vom PLO-Exekutivrates getroffen.
Die israelischen Streitkräfte verstießen am Samstagmorgen
erstmals gegen die seit einer Woche geltende Waffenruhe: Ein
Patrouillenboot der Marine schoss ein palästinensisches
Fischerboot vor der Küste von Gaza in Brand, wie aus
palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Es habe keine
Opfer gegeben. In Gaza erlag ein elfjähriger Junge Verletzungen,
die er vor zwei Wochen bei einer israelischen Militäroffensive in
der Stadt Beit Lahija erlitten hatte, wie Mediziner mitteilten.
(Quellen: ap, rtr, dpa)
Mehr als 150 Tote bei Kämpfen im Süden des Sudans
So.03.12.06 - Bei mehrtägigen Kämpfen in der südsudanesischen Stadt
Malakal sind mindestens 150 Menschen getötet und 400 schwer
verletzt worden, wie ein UN-Sprecher am Samstag bestätigte. Die im
Nil treibenden Leichen drohten eine der wichtigsten Trinkwasserquellen
für die Stadt zu verseuchen, sagte UN-Vertreter Peter Maxwell der
Nachrichtenagentur AP. Malakal liegt rund 640 Kilometer südlich
von Khartum. Dort hatten sich frühere Rebellen der
Volksbefreiungsbewegung und Regierungstruppen heftige Kämpfe
geliefert. Am Freitag wurde eine Waffenruhe vereinbart. Es war offenbar
der bislang schwerste Verstoß gegen den Waffenstillstand von 2005.
(Quelle: ap)
Sudan sagt Verlängerung der AU-Friedensmission in Darfur zu
So.03.12.06 - Der Sudan hat nach Angaben der Afrikanischen Union (AU) einer
Verlängerung der AU-Mission in der sudanesischen Krisenprovinz
Darfur um sechs Monate zugestimmt. Der Sudan habe dabei akzeptiert, dass
die Kontrolle über das Kommando über den Einsatz bei den
Vereinten Nationen liegen werde, sagte der Vorsitzende des
AU-Ausschusses für Frieden und Sicherheit, Dijnnit Said, am
Donnerstag am Rande des AU-Gipfels in Abuja. Bei den Truppen werde es
sich im wesentlichen um afrikanische Soldaten handeln,
möglicherweise werde die AU-Mission aber Unterstützung von
UNO-Einheiten benötigen. Die AU werde nun über den Umfang des
Einsatzes entscheiden und in Abstimmung mit UN-Generalsekretär Kofi
Annan die Kommandostrukturen festlegen.
(Quelle: afp)
Kuba feiert ohne Fidel Castro 50 Jahre Revolution
So.03.12.06 - In Abwesenheit des erkrankten Präsidenten Fidel Castro hat Kuba am
Samstag in Havanna den Beginn der Revolution vor 50 Jahren gefeiert.
Mit einer großen Militärparade gedachten mehrere
hunderttausend Kubaner der Landung der Yacht «Granma» auf
der Karibikinsel.
Mit der «Granma» waren Castro, Che Guevara und 80 andere
Revolutionäre am 2. Dezember 1956 aus Mexiko zurückgekehrt,
um den Diktator Fulgencio Batista zu verjagen. Den Vorsitz bei den
Feierlichkeiten führte Fidels Bruder Raúl Castro, der seit
Anfang August an der Spitze des Staates steht. Zugleich wurde am
Samstag der 80. Geburtstag von Fidel Castro nachgefeiert.
Raúl Castro, der auch Verteidigungsminister ist, verlas eine
Grußbotschaft im Namen des kubanischen Volkes und Fidels, dem er
die Truppenparade widmete. Er rief die Kubaner zur Einheit auf, um dem
«Imperialismus» die Stirn zu bieten und ihn zu besiegen.
Gleichzeitig bot er den USA, die Kuba wegen des kommunistischen Systems
seit Jahrzehnten mit einem Embargo belegt haben, erneut Gespräche
«auf der Basis der Gleichheit und des gegenseitigen
Respektes» zur «Beendigung der Differenzen» an.
Zum Auftakt der Geburtstagsfeierlichkeiten für Fidel Castro war
bereits Mitte der Woche ein Brief des Revolutionsführers verlesen
worden. Darin entschuldigte sich Castro, an den Feiern nicht teilnehmen
zu können, weil er zu schwach sei. Castro erholt sich seit Ende
Juli von einer schweren Operation. Dennoch war bis zuletzt darüber
spekuliert worden, ob er die große Parade zu seinen Ehren nutzen
würde, um sich noch einmal dem Volk zu zeigen.
Castro hatte Ende Juli wegen seiner zum Staatsgeheimnis erklärten
Krankheit verfügt, dass sein eigentlicher Geburtstag am 13. August
erst am 2. Dezember nachgefeiert werden solle. Seither ist er nicht
mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. Es wurden lediglich Videos
und Fotos veröffentlicht, die belegen sollten, dass es dem Kranken
stets besser gehe. Das letzte Video stammt von Ende Oktober.
Zu der Feier sind vor allem befreundete Staatschefs nach Kuba gekommen,
darunter die Präsidenten von Bolivien, Evo Morales, von Haiti,
René Preval und der designierte Präsident von Nicaragua,
Daniel Ortega. Der Präsident von Venezuela, Hugo Chávez,
der engste Verbündete Castros, war wegen der
Präsidentschaftswahlen in seinem Land an diesem Wochenende
verhindert.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Verfassungsschützer für Nutzung von Folter-Geständnissen
So.03.12.06 - Im Kampf gegen den Terrorismus müssen nach den Worten von
Verfassungsschutz-Präsident Heinz Fromm auch Informationen genutzt
werden, die möglicherweise durch Folter erlangt wurden.
Der Zeitung "Bild am Sonntag" sagte Fromm, für die
Aufklärungsarbeit der Nachrichtendienste müsse gelten, allen
Gefährdungshinweisen nachzugehen, die sie bekämen. Die
Möglichkeit, dass die Informationen "nicht nach unseren
rechtsstaatlichen Grundsätzen erlangt worden sein könnten,
darf nicht dazu führen, dass wir sie ignorieren", sagte er laut
Vorabbericht vom Samstag. Denn es gehe darum, Terroranschläge zu
verhindern. Die Anschlaggefahr in Deutschland sei erheblich, und durch
die Auslands-Einsätze der Bundeswehr im Anti-Terror-Kampf sei die
Bedrohung gestiegen.
Es gebe allerdings keine Belege für US-Medienberichte, nach denen
die islamistische Extremistenorganisation Al-Kaida zu Weihnachten einen
Anschlag in Europa verüben wolle, sagte Fromm. Die Gefahr sei
unabhängig von irgendwelchen Daten wie Weihnachten erheblich.
"Diese Art von Terrorismus orientiert sich aber
erfahrungsgemäß nicht an solchen Umständen. Man
schlägt zu, wenn die Planungen abgeschlossen sind und die
Gelegenheit da ist", sagte Fromm. Daher könnten Anschläge zu
jeder Zeit passieren. Dabei seien auch Selbstmordattentate möglich.
"Ein Ereignis wie in London kann auch in Deutschland eintreten", sagte
Fromm. Dies machten die versuchten Anschläge mit Kofferbomben in
deutschen Regionalzügen deutlich.
(Quelle: rtr)
Roth und Bütikofer als Grünen-Vorsitzende wiedergewählt
- Grüne wollen radikale Reformen für mehr Klimaschutz
So.03.12.06 - Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Reinhard Bütikofer
sind mit deutlichen Abschlägen für zwei weitere Jahre im Amt
bestätigt worden. Bei den Vorstandswahlen auf dem Parteitag am
Samstag in Köln erhielt Roth 66,5 Prozent der Stimmen
gegenüber 77,9 Prozent im Jahre 2004, Bütikofer 71,81 Prozent
gegenüber 85,1 Prozent. Zuvor hatten die Delegierten angesichts
des Klimawandels einen radikalen Umstieg auf erneuerbare Energien
gefordert, eine Nullemissionsstrategie jedoch verworfen.
Bütikofer erteilte in seiner Bewerbungsrede schwelenden
schwarz-grünen Gedankenspiele erneut eine Absage: «Wir
schmusen nicht mit dem politischen Gegner, insbesondere nicht mit der
Union.» Auch eine Jamaika-Koalition mit Union und FDP sei
«derzeit keine Lösung, die irgendeine Hoffnung
verspricht». Auch Roth bekräftigte, Inhalte gingen ihr vor
Macht, auch wenn sie gerne wieder Regierungsverantwortung
übernehmen würde. Die CDU bewegen sich derzeit auf eine
Maximaldistanz zu den Grünen, vor allem in der Atompolitik,
unterstrich sie.
Auf dem Parteitag besannen sich die Grünen auf ihre Wurzeln in der
Umweltpolitik. Zur Forderung nach einer «neuen
Radikalität» in der Klimapolitik betonte der Umweltpolitiker
Reinhard Loske: «Wer realistisch die Probleme betrachtet, muss
radikale Vorschläge machen.» Über das Ausmaß an
Radikalität hatten die Grünen in einer vierstündigen
Diskussion gestritten. Dabei ging es darum, ob die Emission von
Treibhausgasen in Schritten reduziert oder sofort auf Null gefahren
werden sollen. Damit verbunden war auch ein Streit um die Nutzung von
Übergangstechnologien. Zahlreiche Redner mahnten, die Menschen bei
der Klimaschutzstrategie mitzunehmen, damit sie auch
mehrheitsfähig werde.
Bei der Abstimmung setzte sich der Antrag Loskes durch, in dem für
Deutschland eine Senkung des Treibhausgasausstoßes bis 2050 um
mindestens 80 Prozent gefordert wurde. In der zweiten Hälfte des
Jahrhunderts sollte auf eine Vollversorgung mit erneuerbaren
Energiequellen umgestellt werden. In dem Antrag hieß es:
«Für einen Übergangszeitraum werden wir freilich noch
fossile Energien nutzen müssen.»
Dagegen hatte der Solarexperte Hans-Josef Fell eine
Nullemissionsstrategie ohne Umweg über fossile Energie wie
Öl, Gas und Kohle gefordert. «Wer heute noch auf große
Kohlekraftwerke setzt zusammen mit Laufzeitverlängerungen von
Atomkraftwerken, der baut eine Mauer ins Solarzeitalter», sagte
der unterlegene Fell.
Kuhn forderte Emissionssenkungen nicht nur für den Stromsektor,
sondern auch im Verkehr. Unstrittig war in dem Zusammenhang die
Forderung nach Einführung einer City-Maut und eines Tempolimits
von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen.
Bei den Vorstandswahlen wurde auch Bundesgeschäftsführerin
Steffi Lemke und Bundesschatzmeister Dietmar Strehl wiedergewählt.
Als Beisitzer neu in den Vorstand gewählt wurden die
Thüringer Landesvorsitzende Astrid Rothe-Beinlich und Malte Spitz
von der Grünen Jugend.
Der neu gewählte Bundesvorstand soll laut Lemke auch darüber
entscheiden, wie mit dem am Freitagabend von den Delegierten
abgelehnten neuen Parteilogo weiter verfahren wird. Die Delegierten
hatten kritisiert, dass der Namensteil «Bündnis90» auf
dem neuen Signet kleiner geschrieben wird als der Namensteil «Die
Grünen». Sie bewerteten dies als Marginalisierung der
ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung.
(Quelle: ap)
Ver.di fordert Ausgleich für längere Ladenöffnung
So.03.12.06 - Angesichts verlängerter Öffnungszeiten im Einzelhandel hat
die Gewerkschaft ver.di von den Arbeitgebern umfangreiche
Entschädigungen für die Beschäftigten gefordert.
«Wer abends noch länger im Laden stehen soll, muss
dafür auch angemessene Zuschläge bekommen», sagte die
stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane dem
«Tagesspiegel am Sonntag».
«Ich wüsste nicht, warum wir im Vergleich zur jetzigen
Regelung Abstriche machen sollten», sagte die Gewerkschafterin
weiter. Es könne nicht sein, dass die Beschäftigten nicht nur
länger arbeiten, sondern dafür auch noch bezahlen sollten.
«Für ihre Experimente sollen die Arbeitgeber gefälligst
selbst aufkommen», fügte sie an.
Derzeit bekommen die Beschäftigten nach 18.30 Uhr 20 Prozent mehr
und nach 20 Uhr 50 Prozent mehr. Den entsprechenden Manteltarifvertrag
haben die Arbeitgeber aber zum Jahresende gekündigt. Ver.di
entgegnet, dass die Konjunktur besser geworden ist. «Ich sehe
nicht ein, warum wir den Beschäftigten in dieser Situation Geld
wegnehmen sollten - die Bedingungen des Manteltarifvertrags müssen
weiter gelten.» Wer Kinder oder Angehörige zu versorgen
habe, müsse ohnehin auf Wunsch ganz aus der längeren
Öffnung herausgehalten werden, sagte die ver.di-Funktionärin.
(Quelle: ap)
Schmiergeldaffäre: Ex-Siemens-Manager packt aus
So.03.12.06 - Im Korruptionsskandal beim Technologiekonzern Siemens hat ein
ehemaliger Mitarbeiter offenbar erstmals detailliert über das
System der schwarzen Kassen berichtet und dabei auch konkrete Adressaten
der Zahlungen genannt. Dabei erhob der 56-Jährige schwere
Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, wie die
«Süddeutsche Zeitung» und das Nachrichtenmagazin
«Der Spiegel» am Samstag berichteten. Siemens wollte sich
mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht zu dem Fall
äußern.
So sollen im Zusammenhang mit einem Sicherheitssystem für die
Olympischen Spiele 2004 in Athen Gelder an dortige
Entscheidungsträger im Innen- und Verteidigungsministerium gezahlt
worden sein, wie «Der Spiegel» vorab berichtete. Demnach
zufolge erhielt der frühere Athener Statthalter des Konzerns
jährlich zwischen acht und zehn Prozent des jeweiligen
Jahresumsatzes von Siemens Griechenland, um die Geschäfte mit
Bargeld zu fördern. Mitunter seien das rund zehn Millionen Euro
gewesen.
Der ehemalige Mitarbeiter soll das System der schwarzen Kassen offenbar
maßgeblich mit aufgebaut haben. Schließlich habe man ihm
gedroht, alles auf ihn zu schieben, wenn das System auffliegt,
berichtete die «Süddeutsche Zeitung». Es habe
versteckte Drohungen gegen ihn und großzügige Angebote
gegeben. Je nachdem, wie er sich verhalte, werde er im Gefängnis
schmoren oder eine sehr großzügige Pension kassieren,
schreibt das Blatt weiter.
Doch der Mann, der rund 30 Jahre bei Siemens gearbeitet haben soll,
entschied sich dazu, auszupacken und ist daher seit Freitag wieder auf
freiem Fuß. «Es hat sich für ihn gelohnt, dass er
intensiv mit den Ermittlungsbehörden kooperiert hat, ohne von
vornherein die Zusage zu haben, dass er aus der Untersuchungshaft
herauskommt», zitiert die «Süddeutsche Zeitung»
seinen Anwalt Wolfgang Kreuzer.
Unterdessen untersucht die Staatsanwaltschaft offenbar auch, welche
Rolle der Siemens-Buchprüfer KPMG spielt. Wie das
Nachrichtenmagazin «Focus» vorab berichtete, seien
KPMG-Firmenräume in München bereits am 17. November durchsucht
worden. Insider hätten berichtet, KPMG sei bei Buchprüfungen
mehrfach auf dubiose Geldströme gestoßen und habe die dem
Unternehmen gemeldet. Die Ermittler untersuchten nun, wer an der
Siemens-Spitze zu welchem Zeitpunkt entsprechende Hinweise von KPMG
erhalten haben könnte.
In der Schmiergeldaffäre sitzen noch fünf Siemens-Mitarbeiter
in Untersuchungshaft. Sie sowie der nun Entlassene stehen im Verdacht,
schwarze Kassen in Österreich und der Schweiz angelegt und mit mehr
als 200 Millionen Euro gefüllt zu haben.
(Quelle: ddp)