Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertachtundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Frauen und Kind bei US-Luftangriff im Irak getötet.
UN-Generalsekretär Annan: Situation im Irak viel schlimmer als
Bürgerkrieg
Mo.04.12.06 - Bei einem amerikanischen Luftangriff gegen einen mutmaßlichen
Unterschlupf von Aufständischen sind westlich von Bagdad acht
Menschen getötet worden, darunter zwei Frauen und ein Kind.
Die US-Streitkräfte teilten am Sonntag mit, nach dem
nächtlichen Angriff seien die Leichen von fünf als Terroristen
bezeichneten Männern, der beiden Frauen und des Kindes gefunden
worden. Bei anschließenden Gefechten mit Bodentruppen seien ein
weiterer Kämpfer getötet und drei seiner Gesinnungsgenossen
gefangen genommen worden.
Einwohner der angegriffenen Ortschaft Al-Lihaib sprachen von bis zu 24
Toten und mehreren dem Erdboden gleich gemachten Häusern. Eine
Bestätigung aus einer unabhängigen Quelle lag nicht vor. Der
Ort liegt in der westirakischen Provinz Anbar, einer Hochburg
sunnitischer Aufständischer. Dort war vorige Woche bei Gefechten
zwischen Milizen und US-Soldaten ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-16
abgestürzt. Die Leiche des Piloten ist vermutlich in der Hand der
Aufständischen.
Die Situation im Irak ist nach Einschätzung von
UN-Generalsekretär Kofi Annan schlimmer als in einem
Bürgerkrieg. «Als wir vor einigen Jahren die Kämpfe im
Libanon und anderswo hatten, nannten wir das einen Bürgerkrieg.
Dies ist viel schlimmer», sagte Annan der BBC in einem Interview,
das am Montag ausgestrahlt werden sollte.
Die Situation sei äußerst gefährlich. Die
internationale Gemeinschaft müsse dem Land beim Wiederaufbau
helfen, forderte der scheidende Generalsekretär der Vereinten
Nationen.
Er stimmte der Einschätzung zu, dass das Leben für normale
Iraker inzwischen schlimmer sei als zu Zeiten von Saddam Hussein.
Damals habe ein brutaler Diktator geherrscht, doch hätten sich die
Leute auf die Straße getraut und die Kinder hätten zur
Schule gehen können, ohne dass sich ihre Eltern wie heute fragen
mussten, ob sie ihr Kind wiedersehen würden.
«Die irakische Regierung war nicht in der Lage, die Gewalt unter
Kontrolle zu bringen», sagte Annan. Ohne Sicherheit aber
könne es keinen Wiederaufbau geben. Am Wochenende wurden bei
Gewalttaten im Irak wieder mehr als 60 Menschen getötet.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 04.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertvierundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Mindestens acht Tote bei Gewalttaten in Afghanistan
Mo.04.12.06 - In Süd-Afghanistan sind bei einem Selbstmordanschlag und einer
anschließenden Schießerei am Sonntag mindestens acht
Menschen getötet worden.
Polizei und Augenzeugen berichteten, drei Zivilisten seien umgekommen,
als der Attentäter einen Armeekonvoi angegriffen habe. Soldaten
hätten anschließend fünf weitere Zivilisten erschossen.
Die Nato berichtete, bei der Schießerei in der Stadt Kandahar
seien drei ihrer Soldaten verwundet worden. Die Umstände des
Zwischenfalls würden untersucht, sagte ein Sprecher auf die Frage,
wie viele Zivilisten erschossen worden seien.
Zu dem Selbstmordanschlag bekannten sich die radikal-islamischen
Taliban, die in der Provinz Kandahar ihre Hochburg haben. Dort sind
sowohl Truppen der Nato als auch der USA stationiert, die sich
zunehmenden Angriffen der erstarkten Rebellen ausgesetzt sehen. Unter
Führung der USA hatte eine Militärallianz die Taliban vor
fünf Jahren von der Macht vertrieben. Im Laufe dieses Jahres, dem
verlustreichsten seit dem Sturz der Taliban, sind etwa 4000 Menschen
getötet worden.
Die Bundeswehr ist im relativ ruhigen Norden des Landes und in der
Hauptstadt Kabul im Einsatz.
Die Taliban erhoben am Sonntag zudem den Anspruch, in der Provinz
Kandahar einen Nato-Hubschrauber abgeschossen zu haben. Das Bündnis
und die afghanische Regierung bestätigten die Angaben nicht.
(Quelle: rtr)
Die Grünen in Deutschland lehnen Ausstieg aus Militärengagement in
Afghanistan ab
Mo.04.12.06 - Die Grünen in Deutschland lehnen einen Ausstieg aus dem
militärischen Engagement für Afghanistan ab. Nach einer
hitzigen Debatte beim Parteitag in Köln am Sonntag stimmten die
rund 750 Delegierten für einen Antrag des Bundesvorstandes, der
den militärischen Schutz des Wiederaufbaus weiterhin
befürwortet. Die von der Parteilinken geforderte
«Exitstrategie» lehnte der Parteitag ab.
In der Debatte hatte der Parteilinke Hans-Christian Ströbele von
seiner Partei eine Rückbesinnung auf ihre Wurzeln in der
Friedenspolitik gefordert. «Ich möchte, dass von diesem
Parteitag das Signal ausgeht, dass Bündnis90/Die Grünen
weiterhin eine Partei der Gewaltfreiheit und des Friedens sind»,
sagte er. Deshalb müsse ohne Tabus darüber geredet werden, wie
es zu einem Ende des Militäreinsatzes in Afghanistan kommen
könne.
Grünen-Chefin Claudia Roth hielt Ströbele entgegen: «Es
geht um Afghanistan im Hier und Jetzt und nicht um Prinzipien.»
Die internationale Schutztruppe ISAF sei weiterhin notwendig für
den Wiederaufbau. Ein Signal zum Ausstieg sei nicht grüne
Friedenspolitik. Ströbele stellte klar, er sei nicht für einen
bedingungslosen Abzug, sondern für die Nutzung des Zeitfensters,
um eine Exitstrategie zu entwickeln.
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sagte: «Es wäre die
falsche Entscheidung, wenn wir das Signal aussenden würden, wir
machen als Deutsche die Exitstrategie.» Dies wäre für
die Afghanen ein Zeichen: «Die lassen uns allein, und die Taliban
können wieder kommen.» Sein Stellvertreter Jürgen
Trittin nannte es nicht verantwortbar, in einer ernsten Zuspitzung der
Lage darüber nachzudenken, den Schutz abzuziehen - nicht nur
für die Bevölkerung, sondern auch für die zivilen
Aufbauhelfer. Die Grünen stünden für den Zusammenhang
zwischen zivilem Aufbau und militärischer Absicherung -
«gerade als Friedenspartei». Ströbele und den
Parteilinken warf er vor: «Ihr denunziert grüne
Außenpolitik.»
Auch Fraktionsvize Krista Sager nannte einen Rückzug der
internationalen Staatengemeinschaft aus Afghanistan ein verheerendes
Signal. «Es gibt keinen Aufbau ohne militärische
Schutzkomponente.» Die ehemalige Staatsministerin im
Auswärtigen Amt, Kerstin Müller, nannte einen Abzug zum
jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv. Der Parteilinke Winfried Hermann
sagte hingegen, es müsse «erlaubt sein, darüber
nachzudenken, wie man eine Exitstrategie formulieren kann».
Weitgehende Einigkeit bestand darin, zwischen der internationalen
Schutztruppe ISAF und der US-geführten Antiterror-Operation
Enduring Freedom zu unterscheiden. Ströbele bezeichnete die Art der
amerikanischen Kriegsführung als «Jobmaschine für neue
Terroristen». «Da dürfen wir nicht mitmachen»,
forderte er. Ein Einsatz der Bundeswehr im gefährlichen Süden
Afghanistans, wo die ISAF neben Enduring Freedom operiert, müsse
«vorbehaltlos ausgeschlossen bleiben», verlangte der
Parteilinke. Auch der Grünen-Außenpolitikexperte Winfried
Nachtwei sagte, die Forderung nach mehr Soldaten und Kampftruppen in
den Süden «ist ein völliger Irrweg».
Kuhn erinnerte daran, dass die Grünen-Fraktion kürzlich zum
ersten Mal seit Jahren gegen die Verlängerung des
Enduring-Freedom-Mandats im Bundestag gestimmt hatte, weil «die
Art und Weise, wie der Krieg im Süden unter US-Führung
geführt wird, ist völlig
unverhältnismäßig». Auch Müller sagte, die
Antiterrormission schüre Hass und Gewalt. Das
Enduring-Freedom-Mandat habe sich erledigt. Aber ISAF sei weiter
erforderlich, weil der Wiederaufbau sonst scheitere.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Krise im Libanon spitzt sich weiter zu - Präsident Siniora will
Hisbollah-Forderungen nicht nachgeben. Deutscher Außenminister
Steinmeier zu Gesprächen in Syrien. Waffenstillstand im
Gazastreifen wieder in Frage gestellt: Israelische Soldaten töten
15-jährigen Palästinenser im Westjordanland. Israel erneut
aus Gazastreifen mit Rakete beschossen
Mo.04.12.06 - Der Machtkampf im Libanon ist weiter eskaliert. Mit
Massendemonstrationen bekräftigte die schiitische Hisbollah ihre
Rücktrittsforderungen an Ministerpräsident Fuad Siniora.
Dieser betonte am Sonntag, seine Regierung werde dem Druck prosyrischer
Kräfte auf der Straße nicht nachgeben. Deutschlands
Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief bei seinem Besuch in
Beirut alle Beteiligten auf, sich in der überaus angespannten Lage
ihrer Verantwortung bewusst zu sein.
Die Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten kosteten am
Sonntagabend ein erstes Menschenleben. Ein 20-jähriger Schiit
wurde bei Zusammenstößen im überwiegend von Sunniten
bewohnten westlichen Stadtteil Tarik Dschdideh erschossen, wie die
Polizei mitteilte. Wer die tödlichen Schüsse abgab, war
zunächst unklar. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen waren zuvor
etwa 100 schiitische Jugendliche auf einen sunnitischen Friedhof
vorgedrungen, außerdem wurden Autos und Geschäfte
zertrümmert oder in Brand gesetzt
Die Hisbollah hat eine ganze Serie von Protesten angekündigt, um
die Regierung zu Fall zu bringen, die ihrer Ansicht nach westlichen
Interessen dient. Auch der christliche Politiker Michel Aoun hat sich
mit den Schiiten verbündet. Unter anderem haben die
Regierungsgegner ein Zeltlager im Zentrum von Beirut errichtet. Die
Hisbollah und die mit ihr verbündete, ebenfalls schiitische Partei
Amal fordern zudem ein Drittel der Kabinettsposten. Damit hätten
sie ein Vetorecht.
Sinioras Regierung wird von sunnitischen und christlichen Parteien
gestützt. Sie vermutet hinter den Hisbollah-Protesten einen
Putschversuch, der von Syrien und dem Iran aus gesteuert werde.
Sinioras Koalition will den syrischen Einfluss in der Politik weiter
zurückdrängen. Im vergangenen Jahr führten
Massenproteste nach der Ermordung des ehemaligen
Ministerpräsidenten Rafik Hariri zum Abzug der syrischen Truppen
nach fast 30 Jahren Besetzung.
Steinmeier bekräftigte, dass die deutsche Regierung der legitim
gewählten Regierung Siniora beistehe. Er appellierte an alle
Parteien im Libanon, gemeinsam ein freies Land zu schaffen. In einer in
mehreren libanesischen Medien veröffentlichten Erklärung
betonte der Minister, die Beiruter Regierung stehe vor der
Herausforderung, die «juristische Aufarbeitung des Mordes an
Rafik Hariri und so vieler anderer durchzusetzen». Erst vor knapp
zwei Wochen fiel Industrieminister Pierre Gemayel von der christliche
Phalange-Partei einem Attentat zum Opfer.
Neben Steinmeier versicherten am Wochenende auch die britische
Außenministerin Margaret Beckett, der französische
Premierminister Dominique de Villepin und der italienische
Ministerpräsident Romano Prodi ihre Unterstützung. Die
staatlichen syrischen Medien bezeichneten unterdessen die Proteste der
Hisbollah als Ausdruck der Realität und nationalen Einheit. In
einem Artikel hieß es: «Wird die Regierung antworten, oder
ist sie entschlossen, den Libanon ins Ungewisse zu führen?»
Steinmeier fliegt zum Abschluss seiner fünftägigen
Nahost-Reise am (heutigen) Montag nach Damaskus. Dort will er
Präsident Baschar al Assad und Außenminister Walid Muallem
eine klare Botschaft überbringen: Wenn Syrien sich aus seiner
internationalen Isolation befreien will, muss es die
Souveränität des Libanons respektieren.
Zuletzt hatte mit Joschka Fischer 2004 ein deutscher
Außenminister Syrien besucht. Eine im August geplante
Syrien-Reise Steinmeiers war nach einer israelfeindlichen Rede von
Staatspräsident Assad abgesagt worden.
Der erst eine Woche alte Waffenstillstand im Gazastreifen ist wieder in
Frage gestellt worden. Nach dem Tod eines 15-jährigen
Palästinensers, der im Westjordanland von israelischen Soldaten
erschossen wurde, kündigte die Hamas Gespräche über eine
Ausweitung der Waffenruhe auf. Der Islamische Dschihad erklärte am
Sonntag, die Militäroperationen im Westjordanland machten die
Vereinbarung für den Gazastreifen hinfällig. Israel wiederum
reagierte empört auf einen neuen Raketenbeschuss auf sein
Territorium, bei dem aber niemand verletzt wurde.
Der 15-Jährige hatte bei Nablus Steine auf Soldaten geworfen und
wurde von einer Kugel tödlich getroffen, wie Augenzeugen
berichteten. Die israelischen Streitkräfte bestätigten, dass
auf Steine werfende Jugendliche geschossen worden sei.
Verteidigungsminister Amir Perez erklärte auf einer
Kabinettssitzung, die Militäroperationen im Westjordanland
würden weitergehen, solange dort Anschläge geplant
würden. Über eine Ausweitung der Waffenruhe fiel deshalb
keine Entscheidung, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete.
Dagegen betonte der palästinensische Präsident Mahmud Abbas,
ein beiderseitiger Waffenstillstand müsse auch fürs
Westjordanland gelten. Die Hamas hielt dem entgegen, die
Palästinenser sollten sich lieber auf ihre Koalitionsverhandlungen
konzentrieren. Abbas hatte die Bemühungen um eine Regierung der
nationalen Einheit am Donnerstag für gescheitert erklärt. Am
Wochenende sprach er sich aber für eine Fortsetzung der
Verhandlungen aus, damit der internationale Finanzboykott enden
könne.
Die von Abbas' Fatah dominierte Palästinensische
Befreiungsorganisation (PLO) rief das Hamas-Kabinett zum sofortigen
Rücktritt auf, um damit den Weg für Koalitionsgespräche
zu ebnen. Ministerpräsident Ismail Hanija wies dies entschieden
zurück. Ein Regierungsrücktritt vor einer Einigung auf die
Nachfolger würde zu «Chaos auf den Straßen»
führen, sagte er. Abgeordnete der Fatah plädierten für
Neuwahlen.
Der Präsident hat zwar das Recht, die derzeitige Regierung zu
entlassen, doch würde ein neues Kabinett dann mit Sicherheit nicht
von der Hamas-Mehrheit im Parlament gebilligt. Auch Neuwahlen kann
Abbas laut der palästinensischen Verfassung nicht von sich aus
ansetzen.
Die Zukunft der palästinensischen Regierung stand am Samstag auch
im Mittelpunkt der Gespräche des deutschen Außeniministers
Frank-Walter Steinmeier mit Abbas in Gaza. Steinmeier sicherte den
Palästinensern die Hilfe Deutschlands bei der Suche nach Frieden
im Nahen Osten zu. Auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und
die französische Präsidentschaftskandidatin
Ségolène Royal, die am Wochenende im Nahen Osten weilten,
sagten Abbas ihre Unterstützung zu.
(Quellen: afp, ap)
Chavez als Präsident von Venezuela mit großem Vorsprung
wiedergewählt
Mo.04.12.06 - In Venezuela hat der linksgerichtete Amtsinhaber Hugo Chavez die
Präsidentenwahl klar gewonnen. Der 52-Jährige erhielt nach
Auszählung von Stimmen aus 78 Prozent der Wahllokale 61 Prozent,
auf seinen schärfsten Herausforderer Manuel Rosales entfielen nach
offiziellen Angaben vom Sonntagabend 38 Prozent. Rosales räumte
seine Niederlage ein.
«Lang lebe die sozialistische Revolution» und «Nieder
mit dem Imperialismus», rief Chavez nach Bekanntgabe des
Ergebnisses seinen jubelnden Anhängern vom Balkon des
Präsidentenpalastes in Caracas zu. Er werde seine Bemühungen
fortsetzen, Venezuela in eine sozialistische Gesellschaft umzuwandeln.
«Eine neue Ära hat begonnen», rief der für sechs
Jahre wiedergewählte Staatschef: «Wir haben gezeigt, dass
Venezuela rot ist.»
Rosales kündigte an, er werde in der Opposition bleiben.
«Wir werden diesen Kampf fortsetzen», sagte er. Einer
seiner Berater, Teodoro Petkoff, sagte am Abend, dass der Wahlverlauf
im Großen und Ganzen zufriedenstellend gewesen sei. Es habe
einige Unregelmäßigkeiten gegeben, die meisten seien
allerdings beseitigt worden. Mehr als 125.000 Soldaten waren zur
Sicherung der Abstimmung aufgeboten. Zudem waren internationale
Wahlbeobachter im Einsatz, unter anderem aus der EU.
Auf Chavez entfielen am Sonntag den Angaben zufolge fast sechs
Millionen Stimmen, Rosales erhielt 3,7 Millionen. Die Wahlbeteiligung
lag bei 62 Prozent. Der seit 1998 amtierende Präsident hat sich
mit Sozialprogrammen vor allem die Unterstützung der armen
Bevölkerung erworben. Der US-Gegner hat Präsident George W.
Bush als Teufel bezeichnet und sich mit dem Iran verbündet.
Mit seinem prokubanischen Kurs verschreckte der Linksnationalist die
Unternehmenselite und Oberschicht des Landes. Dank kräftig
sprudelnder Einnahmen aus dem Ölexport hat sich aber die soziale
Lage in dem südamerikanischen Land verbessert
Im Wahlkampf warf Chavez Rosales vor, eine Marionette Washingtons zu
sein. Rosales konzentrierte seinen Wahlkampf auf Themen wie den Kampf
gegen Verbrechen und Korruption.
(Quelle: ap)
Deutschland
Korruptionsverfahren um Schreiber möglicherweise vor dem Aus
Mo.04.12.06 - Dem seit elf Jahren laufenden Korruptionsverfahren um die Lieferung von
Fuchs-Panzern an Saudi-Arabien droht das Aus. Das
Bundesjustizministerium in Berlin bestätigte am Sonntag auf
Anfrage der Nachrichtenagentur AP einen Bericht der ARD-Sendung
«Report München», nach der die schweizerische Justiz
entscheidende Beweismittel zurückgezogen hat. Im Laufe des
Verfahrens war bereits der frühere Staatssekretär Holger
Pfahls verurteilt worden.
Nach diesen Angaben ist dies im Rechtshilfeverkehr zwischen Staaten
nicht unüblich. Im konkreten Fall bedeute es, dass die Schweizer
Justiz der Staatsanwaltschaft Augsburg im Verfahren gegen den
Geschäftsmann Karlheinz Schreiber um Schmiergeldzahlungen für
Waffengeschäfte unzulässiges Beweismaterial überlassen
habe. So könne die Schweiz im Rechtshilfeverkehr zwar Unterlagen
über Steuerbetrug weitergeben, nicht aber Beweismittel zu
Fällen der Steuerhinterziehung. Dies sei aber offenbar
versehentlich geschehen.
Das Bundesjustizministerium hat das entsprechende Schreiben des Berner
Bundesamtes für Justiz nach den Worten eines Sprechers an die
zuständigen Justizbehörden in Augsburg weitergeleitet.
Staatsanwaltschaft und die zuständige Kammer des dortigen
Landgerichts müssten jetzt entscheiden, ob und wie das Verfahren
weiter betrieben werden könne. Auf die Vermutung von «Report
München», das Verfahren gegen Schreiber wegen Bestechung und
Steuerhinterziehung könnte auf Grund dieser Entwicklung nun
platzen, wollte das Bundesjustizministerium nicht eingehen.
Schreiber selbst äußerte sich in der «Augsburger
Allgemeinen»: «Wenn die Augsburger Justiz tatsächlich
die Kontobelege aus der Schweiz nicht verwenden darf, wird dies
unabsehbare Konsequenzen haben». Das sei «kein
Weihnachtsgeschenk für die Augsburger Staatsanwaltschaft».
Schreiber beklagte sich über die «unfaire deutsche
Justiz». Alle Verfahren in Augsburg seien «so gelaufen, als
wäre seine Schuld schon bewiesen», erklärte der nach
Kanada geflüchtete Unternehmer.
Nach rechtskräftigen Urteilen des Landgerichts Augsburg hatte der
Lobbyist Schreiber den ehemaligen Rüstungsstaatssekretär
Holger Pfahls sowie zwei Manager des ThyssenKrupp-Konzerns im
Zusammenhang mit dem Waffengeschäft geschmiert. Der Prozess gegen
den möglicherweise ebenfalls involvierten Politikersohn Max
Strauß wegen Verdachts der Steuerhinterziehung soll ab 11.
Dezember neu aufgerollt werden.
Von «Report München» befragte Experten
äußerten nun die Auffassung, dass auch dieses Verfahren auf
Grund des Berner Verwertungsverbotes gefährdet sein könnte.
Dies gelte auch für die von Deutschland geforderte Auslieferung
Schreibers, der sich in Kanada aufhält. Angesichts der neuen
Situation sei mit einer Auslieferung Schreibers nicht mehr zu rechnen.
(Quelle: ap)
SPD-Chef Beck fordert höhere Lohnabschlüsse
Mo.04.12.06 - Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat sich für höhere
Lohnabschlüsse als in den vergangenen Jahren in Deutschland
ausgesprochen. "Es ist Zeit für eine Lohnpolitik, die den
Arbeitnehmern angemessene Lohnerhöhungen zubilligt", sagte Beck der
"Bild am Sonntag". "Das war wegen der wirtschaftlichen Schwäche
und der internationalen Konkurrenz eine Zeit lang nicht möglich."
Er setze da auf die Vernunft der Tarifvertragsparteien, sagte der
Parteichef. "Aus Gründen der Gerechtigkeit, aber auch
volkswirtschaftlich ist es erforderlich, dass wir der wirtschaftlichen
Lage angemessene Lohnabschlüsse bekommen."
In den vergangenen Jahren seien die Abschlüsse sehr
zurückhaltend ausgefallen, sagte Beck. "Aber jetzt müssen wir
anständige Lohnanteile haben, weil wir damit auch die
Binnenkonjunktur stützen und den Menschen wieder mehr
Handlungsfähigkeit und Anerkennung geben."
(Quelle: afp)
SPD für soziale Marktwirtschaft und verantwortungsvolle Unternehmer
Mo.04.12.06 - Die SPD bekennt sich in ihrem Grundsatzprogramm zur konsequenten
Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft und zu einer starken
Bürgergesellschaft. Wir bekennen uns zum technologischen
Fortschritt», heißt es in dem 65 Seiten langen Entwurf, den
die Programmkommission unter Leitung von Parteichef Kurt Beck am Sonntag
abschließend beriet. Dazu brauche es fairen Wettbewerb für
langfristiges Wachstum.
Am Ziel der Vollbeschäftigung hält die SPD fest. Das
erfordere ein hohes Wirtschaftswachstum und eine unterstützende
Bildungs-, Gleichstellungs- und Familienpolitik. Vollbeschäftigung
bedeute aber nicht, dass jeder ein Leben lang in der gleichen Firma
einen sicheren Arbeitsplatz hat». Ausdrücklich soll die
Frauenerwerbsquote auf das Niveau vergleichbarer europäischer
Länder gehoben werden.
Als Leitbild für das 21. Jahrhundert beschreiben die
Sozialdemokraten den vorsorgenden Sozialstaat. Dieser soll die Menschen
befähigen, ihr Leben selbstbestimmt zu meistern. Er fördert
existenzsichernde Erwerbsarbeit, hilft bei der Erziehung, setzt auf
Gesundheitsprävention und verhindert Armut.» Aber in dem
Programmentwurf heißt es auch: Der Sozialstaat ist auf die neuen
Formen der Arbeit noch nicht genügend eingestellt.» Der
Abstand zwischen Arm und Reich vergrößere sich wieder.
Um Globalisierung fair zu gestalten, bedarf es nach Überzeugung
der SPD der Mitbestimmung durch die Arbeitnehmer. Sozialabbau, das
Aushöhlen des Tarifsystems und pauschale
Arbeitszeitverlängerungen sind in einer globalisierten Wirtschaft
die falschen Ansätze», heißt es in dem Entwurf. Solide
Staatsfinanzen werden als Voraussetzung für Wohlstand und
Arbeitsplätze sowie als Verpflichtung für künftige
Generationen genannt.
Die sozialen Sicherungssysteme sollen stärker durch Steuern als
durch Beiträge finanziert werden. Das Verhältnis von niedriger
Steuerquote und hoher Abgabenquote in Deutschland wollen wir
ändern», heißt es. Gleichzeitig soll am Grundsatz der
Besteuerung nach Leistungsfähigkeit festgehalten werden, denn eine
gerechte Einkommensverteilung ist nicht nur sozial gerecht, sondern auch
ökonomisch vernünftig».
Die Sozialdemokraten wollen zudem für eine neue Kultur der
Selbstständigkeit» eintreten. Die Bedingungen für
Unternehmensgründungen sollen verbessert und damit der Mittelstand
gestärkt werden. Gleichzeitig machen sie aber auch auf die
Verpflichtungen eines verantwortungsvollen Unternehmertums aufmerksam.
Unternehmerische Freiheit und soziale Verantwortung sind zwei Seiten
derselben Medaille», schreiben sie in dem Entwurf.
Die Verbindung von Freiheit und Gleichheit bildet die Grundlage
für unser Verständnis von Gerechtigkeit», heißt es
weiter. Freiheit bedeute dabei, selbstbestimmt zu leben. Unter
Gerechtigkeit werden die gleichen Chancen, also der Zugang zu Bildung,
Arbeit, Kultur und Demokratie, unabhängig von der sozialen Herkunft
verstanden.
Eigentum verpflichtet», heißt es weiter. Ungerecht sei,
wenn jemand die Vorteile aus hohem Einkommen oder Vermögen
genieße und keinen angemessenen Beitrag für die Allgemeinheit
leiste. Auch die Herausforderungen an die europäische
Gemeinschaft, für eine nachhaltige Außen- und
Sicherheitspolitik und eine wirkungsvolle Klimapolitik sind in dem
Entwurf aufgeführt.
Die SPD will auf einem Parteitag im Herbst kommenden Jahres ein neues
Grundsatzprogramm beschließen. Es löst das Berliner Programm
aus dem Jahr 1989 ab. Die Partei hatte die Programmdebatte schon
mehrfach unterbrochen, bedingt durch die vorgezogenen Bundestagswahlen
und Wechsel an der Parteispitze.
(Quelle: ap)
Grüne fordern grundlegenden Umbau der Sozialsysteme
Mo.04.12.06 - Die Grünen fordern einen grundlegenden Umbau der sozialen
Sicherungssysteme.
In einem Beschluss des Kölner Parteitags heißt es, der
Sozialstaat in Deutschland stecke in einer Krise, die die Gesellschaft
destabilisiere. "Wir müssen die sozialen Sicherungssysteme neu
denken", sagte die Sozialpolitikerin Brigitte Pothmer am Sonntag. Die
Delegierten berieten über verschiedene Modelle zur Reform der
bestehenden Systeme. Eine Entscheidung zwischen den Modellen soll erst
in einem Jahr fallen. Vier Wochen vor dem Start der deutschen
EU-Präsidentschaft forderten die Grünen die Regierung auf,
ihre Führungsrolle für Auswege aus der Verfassungskrise,
besseren Klimaschutz und Hilfe für Flüchtlinge zu nutzen.
Pothmer warf der großen Koalition vor, sie habe keine Konzepte
für die Finanzierungs- und Orientierungskrise der Sozialsysteme.
"Es werden neue Antworten verlangt, es werden radikale Antworten
verlangt." Die Grünen sehen die Forderung nach sozialer
Solidarität und Gerechtigkeit als Teil ihrer Kernidentität.
Zur Debatte stehen das vom Vorstand favorisierte Konzept einer
bedarfsorientierten sozialen Grundsicherung, das näher am
bestehenden System liegt, und ein bedingungsloses Grundeinkommen, das
ein grundlegender Kurswechsel wäre. Der Parteitag setzte eine
Kommission ein, die eine Entscheidung beim Parteitag in einem Jahr
vorbereiten soll.
In einem Parteitagsbeschluss bekennen sich die Grünen zu Europa
als einer Chance, drängende Probleme zu lösen. Im Streit um
die EU-Verfassung, die derzeit auf Eis liegt, fordern sie die Aufteilung
des Textes in zwei Teile. Von den detaillierten
Ausführungsbestimmungen solle ein Vertrag mit Grundrechten und
institutionellen Reformen abgekoppelt werden. Dieser solle dann in einer
europaweite Volksabstimmung am Tag der Europawahl 2009 angenommen
werden. Die Regierung solle dafür sorgen, dass die EU Vorreiter
einer engagierten Klimapolitik werde und eine abgestimmte Lösung
für die Flüchtlinge an der Südgrenze finde. Deutschland
übernimmt am 1. Januar den Vorsitz in der Europäischen Union
und in der Gruppe der sieben führenden Industriestaaten und
Russlands (G 8).
Am Samstagabend waren bei der Wahl der Parteispitze führende
Grünen-Politiker als Mitglieder des Parteirats bestätigt
worden, darunter die Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn.
Zuvor waren die beiden Vorsitzenden der Partei, Reinhard Bütikofer
und Claudia Roth, wiedergewählt worden, jedoch mit klar
schlechteren Ergebnissen als 2004.
(Quelle: rtr)
Spender und ehrenamtliche Helfer werden besser gestellt
Mo.04.12.06 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat pünktlich zur
Vorweihnachtszeit ehrenamtlichen Helfern und gemeinnützigen
Spendern ein Steuergeschenk im Umfang von 400 Millionen Euro in Aussicht
gestellt.
Das Programm "Hilfen für Helfer" umfasst nach Angaben des
Finanzministeriums zehn Punkte für steuerliche Erleichterungen
für ehrenamtlich Tätige und gemeinnützige Organisationen.
"Die Hilfen für Helfer sind eine wichtige Investition in die
Stärkung des Gemeinsinns der Bürgerinnen und Bürger
unseres Landes und eine erste Rendite unseres erfolgreichen
Konsolidierungskurses", sagte Steinbrück am Samstag in Berlin. Das
Gesetzespakt zum Spenden- und Gemeinnützigkeitsrecht soll Anfang
nächsten Jahres im Bundestag beschlossen und dann rückwirkend
zum 1. Januar in Kraft treten.
Stiftungs- und andere gemeinnützige Organisationen
begrüßten die Pläne. Der Bundesverband Deutscher
Stiftungen zeigte sich positiv überrascht, dass Steinbrück
noch über Vorschläge der gemeinnützigen Organisationen
hinausgehe. Er sprach von einem großen und mutigen Schritt
für die Bürgergesellschaft, der die Motivation für ein
Engagement für das Gemeinwohl stärke. "Das Programm bringt
Millionen Menschen, die sich privat engagieren für dieses Land, die
verdiente Anerkennung", erklärte der Verband. Ähnlich
äußerte sich der Deutsche Kulturrat, dessen
Geschäftsführer Olaf Zimmermann hervorhob, dass bei der Reform
"geklotzt und nicht gekleckert" werde. Die Arbeiterwohlfahrt
würdigte die Pläne am Sonntag als wichtiges Signal für
die Verbesserung von Betreuungsmöglichkeiten von kranken und alten
Menschen.
Für bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten sollen die
Bürger künftig 300 Euro von ihrer Steuerschuld absetzen
können. Nutzen können das Menschen, die etwa für eine
gemeinnützige Organisation monatlich 20 Stunden kranke oder
behinderte Menschen unentgeltlich betreuen.
Die steuerfreie Übungsleiterpauschale, die zum Beispiel
ehrenamtliche Trainer in Sportvereinen in Anspruch nehmen können,
soll auf 2100 von 1848 Euro erhöht werden. Die Höchstgrenze
für den Spendenabzug wird auf 20 Prozent der Gesamteinkünfte
aufgestockt. Hinzu kommen bessere Sonderabzugsmöglichkeiten
für Mitgliedsbeiträge an Kulturfördervereine. Die
Besteuerungsgrenze für wirtschaftliche Betätigungen
gemeinnütziger Körperschaften wird auf 35.000 von 30.678 Euro
im Jahr anhoben.
Darüber hinaus soll der Höchstbetrag für die Ausstattung
von Stiftungen mit Kapital auf 750.000 Euro von 307.000 Euro mehr als
verdoppelt werden. Hinzu kommen weitere Verbesserungen für Spender,
darunter eine Entbürokratisierung des Spendenrechts.
(Quelle: rtr)