Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertneunundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush äußert sich unzufrieden über
Eskalation der Gewalt im Irak. Aufständische töten in zwei
Tagen neun US-Soldaten im Irak. Schiitenführer: US-Truppen sollten
zunächst im Irak bleiben. Iraks Ministerpräsident Al-Maliki
weist Äußerungen Annans über Lage im Irak zurück
Di.05.12.06 - US-Präsident George W. Bush hat sich unzufrieden über die
Eskalation der Gewalt im Irak gezeigt. Die USA seien mit den
Fortschritten bei den Bemühungen um ein Ende des
Blutvergießens nicht zufrieden, sagte Bush nach einem Treffen mit
dem irakischen Schiitenführer Abdul Asis al Hakim am Montag in
Washington. Das mehr als einstündige Gespräch bezeichnete der
Präsident als sehr konstruktiv. Er habe Al Hakim und dem
irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki dabei die weitere
Unterstützung der USA zugesichert.
Der einflussreiche Schiitenführer hat US-Präsident George W.
Bush gebeten, die amerikanischen Truppen vorerst nicht aus dem Irak
abzuziehen. Sie müssten die irakischen Sicherheitskräfte in
die Lage versetzen, den Terrorismus selbst bekämpfen zu
können.
«Der Irak sollte in der Lage sein, die Probleme des Iraks zu
lösen», erklärte er nach dem Gespräch mit Bush.
Sein Land begrüße auch die Hilfe anderer Staaten, auch aus
dem Nahen Osten, doch dürften sie nicht den politischen Prozess im
Irak umgehen.
Bush sagte, man habe über die Notwendigkeit gesprochen, der
irakischen Regierung so schnell wie möglich die Mittel dafür
zu verschaffen.
Aufständische haben im Irak am Wochenende neun amerikanische
Soldaten getötet. Die US-Armee teilte am Montag mit, bei einer
Sprengstoffattacke im Nordirak seien am Sonntag zwei Soldaten
getötet und zwei weitere verletzt worden. Ein Soldat starb bei
einem Gefecht in Bagdad. In Tadschi nördlich der Hauptstadt und in
der Unruhe- Provinz Anbar im Westen waren bereits am Samstag insgesamt
sechs Soldaten ums Leben gekommen.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat die
Äußerungen von UN-Generalsekretär Kofi Annan
zurückgewiesen, der die Lage im Irak als «viel schlimmer als
in einem Bürgerkrieg» beklagt hatte. «Die Situation im
Irak als Bürgerkrieg zu bezeichnen, schönt das frühere
Regime, das für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit bekannt
ist», sagte Al-Maliki am Montag in Bagdad mit Blick auf die
Herrschaft des früheren Staatschefs Saddam Hussein.
Annan hatte zuvor in einem BBC-Interview erklärt: «Als wir
vor einigen Jahren die Kämpfe im Libanon und anderswo hatten,
nannten wir das einen Bürgerkrieg. Dies hier ist viel
schlimmer.» Er stimmte der Einschätzung zu, dass das Leben
für normale Iraker inzwischen schlimmer sei als zu Zeiten Saddam
Husseins. Damals habe ein brutaler Diktator geherrscht, doch
hätten sich die Leute auf die Straße getraut. Die irakische
Regierung sei bislang nicht in der Lage, die Gewalt unter Kontrolle zu
bringen.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 05.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertfünfundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.05.12.05 - Aufständische planten offenbar Angriff auf irakisches
Sondertribunal +++ Vertreter von Schiitenführer Sadr erschossen +++ Keine
Lösung im Entführungsfall Osthoff in Sicht +++ Friedensbewegung sieht in
Osthoffs Entführung Warnung an Berlin...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512050.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Umstrittener UN-Botschafter Bolton tritt ab
Di.05.12.06 - Der umstrittene Botschafter der USA bei den UN, John Bolton, hat seinen
Rücktritt eingereicht. Das teilte das Weiße Haus am Montag
mit. Zuvor war klar geworden, dass der künftig demokratisch
beherrschte Senat einer Fortsetzung seiner im Januar ablaufenden
Amtszeit nicht zustimmen wird.
Der Rückzug gilt damit als schwere Niederlage für
Präsident George W. Bush: Er hatte den vordem als entschiedener
UN-Kritiker hervorgetretenen Bolton im Sommer 2005 am Kongress vorbei
auf seinen Posten gesetzt, nachdem die Demokraten im Senat seine
Bestätigung blockiert hatten.
Bush sagte, er sei «nicht glücklich» über den
Rücktritt. Bolton hätte es verdient, in seinem Amt
bestätigt zu werden. Der scheidende Botschafter sei ein
«unerschütterlicher Verteidiger von Freiheit und
Frieden» gewesen und habe sich stets für Menschenrechte und
Menschenwürde stark gemacht. Wen der Präsident als Nachfolger
nominieren wird, wurde zunächst nicht bekannt.
Bushs Entscheidung für Bolton im vergangenen Jahr hatte zu einer
der bisher größten Kraftproben mit den Demokraten im
Kongress geführt. Sie hielten den für seinen brüsken
Stil bekannten Bolton für die denkbar schlechteste Wahl, nachdem
er sich in der Vergangenheit wiederholt abfällig über die UN
geäußert und sie praktisch als nutzlos bezeichnet hatte.
Bush griff dann zu einem gesetzlich erlaubten Verfahrenstrick. Er
nutzte die Sommerpause des Senats, um ein Bestätigungsverfahren zu
umgehen. Dabei berief er sich auf ein «dringendes nationales
Interesse». In einem solchen Fall muss ein Präsident nicht
auf eine Bestätigung durch den Senat warten.
Mit der konstituierenden Sitzung des vor einem Monat neu gewählten
Kongresses wäre Boltons Amtszeit jedoch im Januar abgelaufen. Bush
hatte ihn im November neu nominiert, aber die Demokraten, die
künftig in der Kammer die Mehrheit haben, machten deutlich, dass
Bolton auf keine Zustimmung hoffen könne. «Das kommt
überhaupt nicht in Frage», sagte der künftige
Vorsitzende des Auswärtigen Senatsausschusses, Joseph Biden.
Er habe sich seinerzeit für Bolton entschieden, weil er Amerikas
Werte repräsentierte und ein entschiedener Befürworter von
UN-Reformen gewesen sei, sagte Bush am Montag. Bolton habe seinem Land
mit «außergewöhnlicher Hingabe und Geschick»
gedient. So habe er es beispielsweise geschafft, wichtige Koalitionen
zu bilden, fügte Bush unter anderem mit Blick auf die jüngste
Iran-Resolution im Tauziehen um das Teheraner Atomprogramm fort. Der
Präsident nannte es weiter «zutiefst
enttäuschend», dass Boltons Bestätigung an der
«Obstruktion» einer «Hand voll Senatoren»
gescheitert sei.
(Quelle: dpa)
NATO-Soldaten töten mindestens 70 Taliban in Afghanistan
Di.05.12.06 - Soldaten der NATO-geführten internationalen Schutztruppe haben in
der südlichen Unruheprovinz Helmand nach eigenen Angaben mindestens
70 Taliban-Kämpfer getötet. Wie ein Sprecher der ISAF-Truppen
in Kandahar mitteilte, wurde eine Patrouille im Bezirk Musa Kala von
einer großen Zahl Aufständischer angegriffen. Hubschrauber
und Kampfjets seien den Soldaten zu Hilfe gekommen; die Kämpfe
zogen sich demnach über fast vier Stunden hin. Etwa "70 bis 80
Aufständische" seien getötet worden.
Im September hatten die Stammesführer in Musa Kala in einem
Abkommen mit den britischen ISAF-Truppen zugestimmt, die Taliban aus der
Region zu vertreiben. Die Briten hatten daraufhin ihre Soldaten aus dem
Gebiet zurückgezogen. In diesem Jahr sind offiziellen Angaben
zufolge bei Kämpfen in Afghanistan mehr als 3700 Menschen
getötet worden, viermal so viele wie im vergangenen Jahr.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Libanons Armee nach Massenprotesten in Alarmbereitschaft. Syrien
drängt Deutschland zu zentraler Rolle in Nahost. Israel will
Militäraktionen im Westjordanland einschränken. Israelischer
Minister erwägt erstmals Freilassung Marwan Barghutis. Israelische
Soldaten töten militanten Palästinenser im Westjordanland
Di.05.12.06 - Nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Mannes am Rand der prosyrischen
Massenproteste in Beirut ist die libanesische Armee in der Hauptstadt in
Alarmbereitschaft versetzt worden. Etwa 30 gepanzerte Fahrzeuge und
rund 200 Soldaten zogen am Montag in dem Innenstadtviertel auf, in dem
es in der Nacht zuvor Auseinandersetzungen zwischen durchziehenden
Demonstranten und der mehrheitlich antisyrischen Bevölkerung
gegeben hatte. Wenige Meter vor Regierungssitz von
Ministerpräsident Fuad Siniora lagerten prosyrische Demonstranten
in hunderten Zelten.
Am Sonntag waren mehr als 100.000 Menschen gegen die Regierung auf die
Straße gegangen. Bei den gewalttätigen Protesten im Beiruter
Stadtteil Kaskas waren nach Krankenhausangaben ein 20-jähriger Mann
getötet und zwölf weitere Menschen verletzt worden.
Syrien hat Deutschland zu einer zentralen Rolle bei der Lösung der
Konflikte im Nahen Osten aufgefordert.
Mit der Übernahme der Präsidentschaften in der
Europäischen Union (EU) und der Gruppe der sieben führenden
Industriestaaten und Russlands (G-8) könne Deutschland
entscheidenden Einfluss auf die Vermittlungsbemühungen nehmen,
sagte der syrische Außenminister Walid al-Mualem am Montag nach
einem Gespräch mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter
Steinmeier in Damaskus. Die Regierung in Berlin müsse die Chance
nutzen, die im Moment für eine Wiederbelebung des
Nahost-Friedensprozesses bestehe.
"Nach dem Krieg im Libanon gibt es ein günstiges Zeitfenster",
sagte Mualem. "Dieses Fenster steht im Moment offen. Ich bin
überzeugt, dass Syrien, die arabische Welt und die Europäer
die Chance haben, dieses Fenster zu vergrößern und die USA
davon zu überzeugen, den Frieden zu einem ihrer wichtigsten
außenpolitischen Ziele zu machen." An Steinmeier gewandt sagte er
weiter: "Deutschland als das Herz Europas muss eine wichtige Rolle dabei
übernehmen. Wir hoffen, dass es in dieser Region die Rolle
übernimmt, die seiner Wirtschaftskraft entspricht."
Steinmeier schloss mit den Gesprächen in Damaskus seine
Nahost-Reise ab, auf der er die im Januar beginnende deutsche
EU-Ratspräsidentschaft vorbereiten wollte. Die EU bildet gemeinsam
mit den USA, mit den Vereinten Nationen (UN) und Russland das
Nahost-Quartett, das in der Region vermittelt. Dabei betrachtet
Deutschland Syrien als wichtigen Partner für eine langfristige
Stabilität in der Region, die durch den arabisch-israelischen
Konflikt, die Auseinandersetzungen im Libanon und die anhaltende Gewalt
im Irak gefährdet ist.
In seinen Gesprächen in Damaskus forderte Steinmeier
Delegationskreisen zufolge die syrische Regierung auf, ihren Einfluss
auf die südlibanesische Hisbollah zu nutzen und auf ein Ende der
Massendemonstrationen zu drängen, mit denen die radikal-schiitische
Miliz derzeit die Regierung in Beirut zu Fall bringen will.
Steinmeier ist seit Donnerstag im Nahen Osten unterwegs. Er führte
Gespräche in Jordanien, mit den Palästinensern im
Westjordanland und im Gazastreifen sowie in Israel.
Zur Förderung eines neuen Waffenstillstands im Nahen Osten will
Israel seine Militäroperationen im Westjordanland
einschränken. Künftig sollen nur noch ranghohe Kommandeure zur
Anordnung von Razzien gegen radikale Palästinenser befugt sein und
nicht mehr die Offiziere niederen Ranges vor Ort, wie am Montag aus
Militärkreisen verlautete. Auch sei eine generelle Reduzierung der
Aktionen der Streitkräfte geplant. Über Nacht wurden
allerdings wieder mindestens 15 mutmaßliche Extremisten
festgenommen.
Nach dem Tod eines 15-jährigen Palästinensers, der im
Westjordanland von israelischen Soldaten erschossen wurde, hatte die
Hamas am Sonntag Gespräche über eine Ausweitung der Waffenruhe
aufgekündigt. Der Islamische Dschihad erklärte ebenfalls, die
Militäroperationen im Westjordanland machten die Vereinbarung
für den Gazastreifen vom 26. November hinfällig.
Die israelische Regierung hob indessen ihr Interesse an einer
weitergehenden Waffenruhe hervor. Allerdings werde man weiterhin gegen
eine akute terroristische Bedrohung vorgehen. Der Waffenstillstand
für den Gazastreifen beendete Ende November eine fünfmonatige
Offensive der israelischen Streitkräfte gegen mutmaßliche
Raketenwerfer. Gleichwohl wurden seitdem bereits 15 weitere Raketen auf
Israel abgefeuert. Israel schoss am Samstag ein palästinensisches
Fischerboot vor der Küste des Gazastreifens in Brand.
Ein israelischer Minister hat am Montag eine Freilassung des
inhaftierten Palästinenserführers Marwan Barghuti erwogen.
"Ich wäre einverstanden mit einer solchen Freilassung, wenn sie
dazu führen würde, dass sich die palästinensische
Autonomiebehörde wirklich gegen den Terrorismus stellt und den
Waffenhandel von Ägypten nach Gaza unterbindet", sagte
Umweltminister Gideon Esra im staatlichen Rundfunk. Eine Freilassung
Barghutis komme aber nur in Frage, wenn zuerst der israelische Soldat
Gilad Schalit auf freien Fuß gesetzt werde, unterstrich der
ehemalige Minister für innere Sicherheit. Schalit war am 25. Juni
in der Nähe des Gazastreifens entführt worden.
Israelische Soldaten haben bei einer Razzia im Westjordanland am Montag
einen militanten Palästinenser getötet, wie die
Streitkräfte mitteilten. Die Truppen hätten das Haus eines
gesuchten Extremisten in Tulkarem umstellt, der einen Anschlag gegen
Israel geplant haben soll. Der Mann sei aufgefordert worden, sich zu
ergeben, habe jedoch versucht, zusammen mit einem Begleiter zu
flüchten. Die Soldaten schossen daraufhin auf die beiden
Männer, von denen einer getötet und der andere verletzt wurde.
(Quellen: rtr, ap, afp)
USA hoffen nach Chavez-Wahl auf bessere Beziehungen zu Venezuela
Di.05.12.06 - Nach der klaren Wiederwahl des linksgerichteten venezolanischen
Präsidenten Hugo Chavez haben die USA die Hoffnung auf positive
und konstruktive Beziehungen geäußert. Washington suche
Gelegenheiten, eng mit der Regierung in Caracas zusammenzuarbeiten,
erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums am Montag.
Eine Gratulation an Chavez sprach er aber nicht aus.
Der venezolanische Präsident bezeichnete seinen Wahlsieg als
Rückschlag für die USA. «Es ist eine weitere Niederlage
für den Teufel, der versucht, die Welt zu beherrschen»,
sagte Chavez vor seinen Anhängern. «Nieder mit dem
Imperialismus. Wir brauchen eine neue Welt.»
Der bolivianische Präsident Evo Morales gratulierte Chavez und
sprach mit Blick auf die jüngsten Wahlerfolge von Linkspolitikern
von einer Stärkung der Demokratien in Lateinamerika. Der Sozialist
Morales war im vergangenen Jahr als erster Indio zum Staatschef in
Bolivien gewählt worden.
Chavez war am Sonntag mit deutlicher Mehrheit für weiter sechs
Jahre im Amt bestätigt worden. Nach Angaben der Wahlbehörde
vom Montagabend erhielt er nach Auszählung der Stimmen aus 90
Prozent aller Wahllokale 62 Prozent, sein Widersacher Manuel Rosales
kam nur auf 37 Prozent.
(Quelle: ap)
Konflikte in früheren Sowjetrepubliken im Fokus der OSZE
Di.05.12.06 - Der Konflikt um die armenische Exklave Berg-Karabach und
Separationsbestrebungen in Georgien haben am Montag das Treffen der
OSZE-Außenminister in Brüssel bestimmt. Auf der Tagesordnung
standen ferner Beratungen über die abtrünnige moldawische
Region Transnistrien sowie eine Debatte, ob Kasachstan 2009 den Vorsitz
der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
übernehmen soll.
Vor allem in Bezug auf den Streit um Berg-Karabach gebe es einen
Hoffnungsschimmer für eine dauerhafte Lösung, erklärte
der belgische Außenminister Karel de Gucht, dessen Land derzeit
den OSZE-Vorsitz innehat, zu Beginn der zweitägigen Konferenz. In
der vergangenen Woche meldeten die Staatschefs von Armenien und
Aserbaidschan Fortschritte in ihren Verhandlungen über die Zukunft
der zwischen ihnen umstrittenen Region.
Berg-Karabach ist ein überwiegend von Armeniern bewohntes Gebiet
in Aserbaidschan. Mit Unterstützung armenischer Truppen vertrieben
Partisanen Ende der 80er Jahre die aserbaidschanischen
Streitkräfte. 1994 beendete ein Waffenstillstand den Krieg, in
dessen Verlauf rund 30.000 Menschen getötet wurden und eine Million
aus ihrer Heimat flüchten mussten.
In der Frage über den Vorsitz Kasachstans in der 56 Staaten
umfassenden Organisation ist die OSZE gespalten. Während
frühere Sowjetrepubliken und weitere europäische Länder
die Kandidatur unterstützen, bekunden vor allem die USA und
Großbritannien Zweifel und verweisen auf eine unbefriedigende
Menschenrechtslage in der zentralasiatischen Republik.
(Quelle: ap)
Chirac und Merkel wollen türkische Beitrittsverhandlungen
einfrieren
Di.05.12.06 - Frankreich und Deutschland unterstützen nach Angaben von
Staatspräsident Jacques Chirac die Empfehlung der EU-Kommission,
die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei in acht Bereichen
einzufrieren. Beide seien aber auch dafür, einen festen Termin
für die Überprüfung dieser Entscheidung festzulegen,
teilte das französische Präsidialamt am Montagabend in Paris
mit. Chirac trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel am (heutigen) Dienstag
bei den deutsch-französischen Konsultationen im Saarland.
Dem Élysée-Palast zufolge könnte diese
Überprüfung in 18 Monaten erfolgen. Die EU-Kommission empfahl
das Aussetzen eines Teils der Verhandlungen in der vergangenen Woche,
nachdem die Türkei nicht der EU-Forderung nachgab, ihre Häfen
und Flughäfen für Schiffe und Flugzeuge aus dem EU-Mitglied
Zypern zu öffnen. Die endgültige Entscheidung, ob und in
welchem Umfang die Beitrittsverhandlungen fortgesetzt werden sollen,
liegt beim Brüsseler EU-Gipfel, der am 14. und 15. Dezember
zusammenkommt.
Die Türkei beharrt darauf, dass die EU den ersten Schritt macht
und Handelsrestriktionen mit der nur von ihr anerkannten
Türkischen Republik Nordzypern lockert. Die türkische
Regierung kritisierte die Empfehlung der EU-Kommission am Montag als
unfair. «Es ist uns nicht möglich, die Empfehlung der
Kommission als objektiv und gerecht zu akzeptieren», sagte
Regierungssprecher und Justizminister Cemil Cicek. «Die
Türkei erwartet von der EU objektive und gerechte Entscheidungen
und Positionen.» Die EU solle die Bedeutung der Türkei als
strategisch wichtigem Land mit einer Brückenfunktion zwischen
Europa und dem Nahen Osten bedenken.
Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi bezeichnete die
Aussetzung eines Teils der Verhandlungen als «eine technische
Frage». Italien wünsche, dass die Tür der EU für
die Türkei offen bleibe und sichergestellt werde, «dass die
Regeln für EU-Integration für alle gleich sind», sagte
Prodi in Athen. Der griechische Ministerpräsident Konstantinos
Karamanlis sagte, Griechenland unterstütze weiterhin eine
türkischen EU-Beitritt, Ankara müsse sich aber an die
vereinbarten Kriterien halten.
(Quelle: ap)
Großbritannien: Blair stellt Modernisierungsplan für
britische Atomwaffen vor
Di.05.12.06 - Der britische Premierminister Tony Blair hat im Unterhaus einen
milliardenschweren Modernisierungsplan für die britischen
Atomstreitkräfte vorgestellt. Auch noch dem Ende des Kalten Kriegs
bestünden weiterhin gefährliche Drohungen, sagte Blair am
Montag und nannte ausdrücklich Nordkorea und den Iran.
«Unter diesen Umständen wäre es unklug und
gefährlich für Großbritannien, als einzige der
Atommächte seine unabhängige atomare Abschreckung
aufzugeben», sagte Blair.
Der britische Premierminister, der im kommenden Jahr sein Amt an
Schatzkanzler Gordon Brown übergeben wird, versuchte mit
Detaillösungen Kritikern in seiner eigenen Labour-Partei
entgegenzukommen. So bezeichnete er es als möglich, die Zahl
atomarer Sprengköpfe von derzeit 200 auf 160 zu verringern. Die
Zahl der mit Atomwaffen bestückten U-Boote könnte von derzeit
vier auf drei reduziert werden. Die neue, verkleinerte Flotte
würde dennoch allein an die 20 Milliarden Pfund (30 Milliarden
Euro) kosten.
Blair teilte mit, dass die USA die gemeinsame Weiterentwicklung der von
beiden Staaten derzeit genutzten Trident-D5-Rakete zugesagt
hätten. Auch die Planung einer in den 40er Jahren anstehenden
Nachfolgerrakete habe US-Präsident George W. Bush schriftlich
zugesagt.
Die Entscheidungen über die Zahl der U-Boote und der neuen Raketen
soll nach Blairs Angaben erst das nächste Parlament treffen, das
2009 gewählt wird. Der konservative Oppositionsführer David
Cameron unterstützte Blairs Atomwaffenprogramm, betonte aber, dass
man sich die Option auf ein viertes mit Atomwaffen bestücktes
U-Boot offen halten sollte.
(Quelle: ap)
Deutschland
Bundesweiter Aktionstag gegen die Gesundheitsreform
Di.05.12.06 - «Kommen Sie morgen wieder» statt «Der Nächste
bitte»: Aus Protest gegen die Folgen der Gesundheitsreform haben
rund 40.000 niedergelassene Ärzte am Montag ihre Praxen
geschlossen und ihrer Wut Luft gemacht. Am bundesweiten Aktionstag
unter dem Motto «Patient in Not» fiel jede dritte
Sprechstunde aus. «Mehr als 100.000 Menschen haben
mitgemacht», sagte der Sprecher der Bundesärztekammer,
Hans-Jörg Freese. Bei Protestzügen, Kundgebungen und anderen
Aktionen beteiligten sich demnach mehrere zehntausende
Praxismitarbeiter und Beschäftigte von 300 Krankenhäusern
sowie Apotheker.
Das Werbeplakat spricht eine deutliche Sprache: Ein Spiegelei mit
eklig-grünem Schimmer hat die Politik ihren Patienten gebrutzelt:
«Da ist was faul», behaupten Interessenvertreter der
Heilberufe und machen Stimmung gegen den mühsam ausgehandelten
Gesundheitskompromiss. «Wir wehren uns gegen eine Reform, die das
gesamte Gesundheitssystem auf den Kopf stellt. Alles wird schlechter
werden, nichts wird besser. Der Patient wird der Zahlmeister dieser
Reform sein», sagte der Chef der Ärztegewerkschaft Marburger
Bund, Frank Ulrich Montgomery im N24-Interview.
In Hannover machten 2.000 Mediziner ihrem Unmut mit Pfiffen, Buhrufen
und lauten Huptönen aus mitgebrachten Signalhörnern Luft. Auf
Transparenten sagten sie «Nein zur Reform» und
erklärten die Proteste zum «Sklavenaufstand». Für
die niedersächsische Ärztekammer sprach Vizepräsident
Gisbert Voigt von einem Rückschritt zur Staatsmedizin der DDR:
«Frau Merkel, wagen Sie endlich mehr Demokratie und befreien Sie
sich von Ullas Fesseln. Beenden Sie endlich diesen Unsinn», rief
er unter dem lauten Beifall.
In Hessen nahmen rund 2.500 Ärzte, Apotheker und Krankenschwestern
an einem landesweiten Aktionstag gegen die Gesundheitsreform teil. Die
Demonstranten zogen mit Trillerpfeifen und Transparenten unter anderem
mit der Aufschrift «Wir stehen vor dem Gesundheitskollaps»
durch die Wiesbadener Innenstadt.
In Brandenburg hatten etwa 80 Prozent der Praxen geschlossen, um gegen
die Regierungspläne zu protestieren. «Längere
Wartezeiten, weitere Wege, Rationierung von Gesundheitsleistungen sowie
eine Zerschlagung bewährter medizinischer Strukturen sind die
Folge», rief der Vorsitzende der Kassenärztlichen
Vereinigung Brandenburg, Hans-Joachim Helming auf einer Kundgebung in
Potsdam.
Die Bereitschaft zum Protest sei im Osten deutlich geringer
ausgeprägt als im Westen, sagte der Geschäftsführer des
Hartmann-Bundes in Sachsen-Anhalt, Andreas Kaiser. Viele Ärztinnen
und Ärzte fürchteten schlicht um ihre Existenz, wenn sie sich
an Protesten beteiligen und deshalb Patienten abweisen sollten.
In Nordrhein-Westfalen blieb am Montag jede zweite der rund 14.400
Praxen geschlossen - darunter auch die des Düsseldorfer
Allgemeinmediziners Ralph Eisenstein: «Die Patienten haben
Verständnis für unsere Aktionen», ist er
überzeugt. «Denn sie haben gemerkt, dass es indirekt sie
trifft, wenn es uns Ärzten ans Leder geht.» Sein
Landesverband der niedergelassenen Ärzte befürchtet einen
Aderlass im Gesundheitssystem: «Wir schätzen, dass jeder
zweite Facharzt in den nächsten zehn Jahren aufgeben muss, wenn
wir die Reform nicht verhindern können.»
Dennoch müssen kämpferische Ärzte bei ihren
zögerlichen Kollegen Überzeugungsarbeit leisten, wenn es um
einen Streik geht: «Manche haben Hemmungen, wenn es darum geht,
auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren.» Streikende
Ärzte steckten zudem in einer Ethik-Falle: «Wir machen
diesen Job, weil wir Menschen helfen wollen. Doch wenn wir die Arbeit
niederlegen, müssen wir unsere Patienten
vernachlässigen.»
Genau an dieser unerwünschten Nebenwirkung des Ärzteprotests
übt der Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte
(VdÄÄ) scharfe Kritik: «Wir lehnen es ab, dass die
Patienten zu Geiseln berufsständischer Interessen gemacht
werden», sagt Wulf Dietrich, der Vorsitzende des VdÄÄ.
In Wirklichkeit richte sich die Kampagne namens «Patient in
Not» gar nicht gegen patientenfeindliche Aspekte der Reform.
Vielmehr gehe es den Veranstaltern nur um die Einkommen aus der
Behandlung von Privatpatienten: «Zweiklassenmedizin ist ihren
Augen gewünscht und unvermeidlich.»
Unter dem Motto: «Geiz macht krank» trafen sich am
Nachmittag mehrere tausend Ärzte und Apotheker in der Erfurter
Innenstadt und gaben symbolisch ihre Kittel ab. «Die Kittel
stehen für die 12.500 Ärzte, die seit dem Jahr 2000
Deutschland auf Grund der schlechten Arbeitsbedingungen verlassen
haben», erklärte das Bündnis der Ärzte
Thüringens.
Viele Ärzte seien inzwischen gefrustet und zweifelten am Sinn der
Proteste, sagte der Sprecher der Berliner Ärztekammer, Sascha
Rudat. Im Laufe des Jahres habe es schon vier nationale Protesttage
gegeben und dennoch sei die Kritik der Ärzte bei den Verhandlungen
zur Gesundheitsreform in keinster Weise berücksichtigt worden.
«Viele Ärzte haben das Gefühl, das nützt alles
nichts», sagte Rudat. Dennoch blieb in Berlin am Montag jede
zweite der rund 6.000 Arztpraxen geschlossen.
(Quelle: ap)
SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach rügt Ärzteproteste
Di.05.12.06 - Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die
Ärzteverbände wegen deren Protesten gegen die
Gesundheitsreform scharf angegriffen. «Die niedergelassenen
Ärzte sind die einzige Gruppe, von der im Zuge der Reform kein
Sparbeitrag verlangt wird», sagte er der «Berliner
Zeitung». Er warf den Ärzten vor, im Windschatten der Reform
höhere Honorarforderungen durchsetzen zu wollen und dafür die
Patienten in Haft zu nehmen.
Das durchschnittliche Einkommen eines niedergelassenes Arztes vor
Steuern und nach Abzug der Kosten bezifferte der SPD-Politiker auf
8.000 bis 10.000 Euro. Würden die Forderungen der
Ärzteverbände erfüllt, steige dieses Einkommen auf
12.000 Euro. Lauterbach schlug als Gegenmaßnahmen zur
Ärztekampagne vor, die Gesamteinkünfte pro Praxis in den
Praxen für alle Patienten sichtbar auszuhängen. Wenn es nicht
anders geht, muss die Regierung die Ärzteeinkünfte
transparent machen.»
Zudem regte Lauterbach eine neue Gebührenordnung für
Ärzte an, bei der Leistungen einheitlich honoriert und mit
Qualitätszuschlägen für höherwertige Leistungen
ergänzt werden könnten. Auf diese Weise könnten die
Leistungen zwischen Arzt und Kasse direkt erfolgen, die
Zweiklassenmedizin würde zugleich beseitigt, sagte er.
(Quelle: ap)
IG Metall in Niedersachsen will deutlich mehr Lohn fordern
Di.05.12.06 - Angesichts der robusten Konjunktur mehren sich die Stimmen für
einen deutlichen Lohnaufschlag zu Gunsten der Beschäftigten der
Metall- und Elektroindustrie.
Die Forderung für die kommende Tarifrunde werde ein Stück
höher ausfallen als die des vergangenen Jahres, sagte
Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine am Montag im NDR. Er
begründete dies auch mit der zu Jahresanfang anstehenden
Mehrwertsteuererhöhung, die für einen Preisauftrieb von einem
Prozent sorgen werde. "Darauf müssen wir reagieren."
Die IG Metall will bis Februar eine konkrete Lohnforderung nennen.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hatte sich dafür
ausgesprochen, die Beschäftigten wegen der der guten Gewinnlage der
Unternehmen "angemessen an Zuwachs und Erfolg" zu beteiligen. Trotzdem
rechnet die IG Metall mit harten Auseinandersetzungen. "Ich sehe schon,
dass wir mit den Arbeitgebern wieder in heftige Konflikte kommen",
sagte Meine.
Im Frühjahr waren für die Branche Lohnerhöhungen um drei
Prozent vereinbart worden. Die Gewerkschaft hatte zunächst
fünf Prozent mehr Gehalt verlangt.
(Quelle: rtr)
Wirtschaftsforscher uneins über Höhe von Lohnzuwächsen
Di.05.12.06 - Das bisher stärkste Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem
Jahrzehnt rechtfertigt nach Auffassung führender
Wirtschaftsforscher höhere Löhne.
Angesichts von noch immer knapp vier Millionen Arbeitslosen ist aber
strittig, wie stark der Anstieg ausfallen sollten.
Für einen selbsttragenden Aufschwung seien stärkere
Lohnzuwächse notwendig, sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger
der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Nur dann könne der
private Verbrauch zulegen. Der Vorsitzende der Sachverständigen,
Bert Rürup, warnte davor, den "beschäftigungsfreundlichen
Verteilungsspielraum" zu überziehen. Die positive konjunkturelle
Entwicklung sei auch ein Ergebnis der Lohnzurückhaltung der
vergangenen Jahre.
Hintergrund der Debatte ist, dass die Wirtschaft mit rund 2,5 Prozent
in diesem Jahr so stark wachsen dürfte wie seit dem Boomjahr 2000
nicht mehr. Während die Arbeitnehmerentgelte nach Daten der
Bundesbank von 2001 bis 2005 um 0,2 zulegten, stiegen die Unternehmens-
und Vermögenseinkommen um 5,5 Prozent.
Dreh- und Angelpunkt für einen nachhaltigen Aufschwung ist
Bofinger zufolge der private Konsum, auf den rund 60 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes entfallen. "Aber selbst in einem konjunkturell so
tollen Jahr wie diesem kommt nichts für den privaten Verbrauch
rüber", sagte er. Das deutsche Wachstum sei noch immer zu
abhängig von der Weltwirtschaft. Lohnerhöhungen zwischen 2,5
und 3,0 Prozent seien sinnvoll, um den Aufschwung zu stabilisieren.
Dabei sollten sich die Tarifpartner am Produktivitätsfortschritt
orientieren und am Stabilitätsziel der Europäischen
Zentralbank, die eine Inflation von knapp unter zwei Prozent anstrebt.
Rürup hielt dagegen: "Zu glauben, man müsse nur die
Löhne erhöhen und der Konsum boomt, ist zu kurz gedacht." Der
private Verbrauch hänge nicht nur von der Höhe der
Lohnabschlüsse ab, sondern mehr noch von den Zukunftserwartungen
der Arbeitnehmer. "Diese hängen nicht zuletzt von der Entwicklung
am Arbeitsmarkt ab." Eine Orientierung an Produktivität und
Preiserhöhungen sei zwar richtig, sagte der Wirtschaftsweise
Reuters. Dabei müsse man aber Preiserhöhungen in Rechnung
stellen, von denen die Unternehmen profitierten. Steige die Inflation
etwa wegen der Mehrwertsteuererhöhung an, komme das Geld dem Staat
zu und nicht den Firmen.
Der Finanzexperte im Sachverständigenrat zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Wiegard, sagte dem
"Handelsblatt", bei Vollbeschäftigung wäre gegen eine
produktivitätsorientierte Lohnpolitik nichts zu sagen. "Angesichts
hoher Arbeitslosigkeit sollte man lieber einen Abschlag machen." Das
hätten die Gewerkschaften zum Glück getan in den letzten
Jahren. In der IG Metall wird für 2007 eine Lohnforderung zwischen
fünf und sieben Prozent diskutiert.
Der Präsident des Hamburger Forschungs-Instituts HWWA, Thomas
Straubhaar, bekräftigte seine grundsätzliche Kritik an einer
überregionalen und zentralen Lohnfindung der Tarifpartner. Vielmehr
müsse es darum gehen, betriebliche Vereinbarungen auszuhandeln.
"Der richtige Lohn kann nur am einzelnen Ort vereinbart werden." Die
Sozialpartner sollten eher als Schiedsrichter wirken, nicht aber als
Spieler, und den Unternehmen helfen, zu Betriebsvereinbarungen zu
kommen.
"Jetzt ist der falsche Moment zu sagen, es geht der Wirtschaft gut,
deswegen müssen wir zentral zu hohen Abschlüssen kommen",
betonte Straubhaar gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die
konjunkturelle Besserung dürfe nicht abgewürgt werden, indem
man "alte Muster aus der Truhe holt", sagte er. "Damit würde man
den Aufschwung schwächen und nicht stärken."
(Quelle: rtr)
GEW: Reform der Schulstruktur ist überfällig
Di.05.12.06 - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält fünf
Jahre nach dem deutschen PISA-Schock eine Reform der Schulstruktur aus
Hauptschule, Realschule und Gymnasium für überfällig.
«Die ungelöste Hauptschulfrage fliegt der Politik zunehmend
um die Ohren», sagte die GEW-Vize-Vorsitzende Marianne Demmer in
einem Gespräch. mit der Nachrichtenagentur dpa.
In Nordrhein-Westfalen würden Ganztagshauptschulen noch
stärker gemieden als die klassischen Halbtagshauptschulen -
«nach dem Motto wo ich nicht schon vormittags gerne bin, muss ich
nicht noch nachmittags sein». In Niedersachsen gingen die
Anmeldezahlen zur Hauptschule «drastisch zurück» und
selbst in der bayerischen CSU werde «mittlerweile über die
schwindende Akzeptanz der Hauptschulen diskutiert», sagte Demmer.
In Schleswig-Holstein, Sachsen und Berlin hätten dagegen die
Landesregierungen den Weg für die Gemeinschaftsschule und für
ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder frei gemacht - wie
dies in den erfolgreichen PISA-Ländern üblich sei. Im
CDU-regierten Hamburg denke eine Enquete-Kommission darüber nach,
aus fünf Schulformen zwei zu machen. «Fünf Jahre nach
dem PISA-Schock ist endlich Bewegung in das 'Tabu-Thema Schulstruktur'
gekommen», sagte Demmer.
«Die Angst vor Auseinandersetzungen mit der Gymnasiallobby darf
nicht dazu führen, sich vor wichtigen Zukunftsfragen zu
drücken.» Auch in der Wirtschaft mehrten sich inzwischen die
kritischen Stimmen über das gegliederte Schulsystem, sagte die
GEW-Vize weiter. «Wer alle Begabungsreserven ausschöpfen
will, muss mit der Benachteiligung von Kindern aus Migrations- und
Unterschichtfamilien Schluss machen.» Demmer: «Und dies geht
nur, wenn Kinder nicht länger bereits mit 10 Jahren in
unterschiedlich anspruchsvolle Schulformen sortiert werden, bei denen
die eine Schulform zum Abitur und die andere in die Arbeitslosigkeit
führt.»
(Quelle: ddp)
E.ON plant Windpark in der Nordsee
Di.05.12.06 - Der Düsseldorfer Energiekonzern E.ON plant den Bau eines
großen Offshore-Windparks in der Nordsee. Wie das Unternehmen am
Montag auf der 5. Maritimen Konferenz des Bundesumweltministeriums in
Hamburg mitteilte, soll er rund 40 Kilometer nordwestlich der
ostfriesischen Insel Juist entstehen. Dazu habe E.ON das Projekt
«Offshore-Windpark Delta Nordsee» von der Enova Gruppe
übernommen. Das vorgesehene Seegebiet sei bereits vom Bundesamt
für Seeschifffahrt und Hydrographie als besonders geeignet
ausgewiesen worden.
In der ersten Phase sollen 80 Windenergieanlagen mit einer Leistung von
jeweils mehr als 3,5 Megawatt errichtet werden, teilte E.ON mit.
Für 48 Anlagen sei bereits die Bau- und Betriebsgenehmigung erteilt
worden, weitere 32 Anlagen seien beantragt. E.ON will den Angaben
zufolge vor den deutschen Küsten bis 2011 Anlagen mit insgesamt
500 Megawatt Leistung installieren und damit die führende Rolle in
der Windenergienutzung übernehmen.
(Quelle: ddp)