Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Designierter US-Verteidigungsminister Gates glaubt nicht an Sieg im
Irak. Mehr als 30 Tote bei Anschlägen. Regierungschef
Maliki gegen UN-Friedenskonferenz zum Irak
Mi.06.12.06 - Der designierte US-Verteidigungsminister Robert Gates sieht sein Land
auf der Verliererseite im Irakkrieg und hat vor einer Ausweitung des
Konflikts gewarnt. Vor dem Streitkräfteausschuss des Senats sagte
er auf die Frage, ob die USA den Krieg gewinnen: «Nein.»
Die nächsten ein oder zwei Jahre würden darüber
entscheiden, ob sich die Lage im Irak langsam aber stetig bessere,
«oder ob wir uns der sehr realen Gefahr und der möglichen
Realität eines regionalen Flächenbrandes stellen
müssen», betonte 63 Jahre alte frühere CIA-Direktor zum
Auftakt seines Bestätigungsverfahrens im Senat in Washington.
Gates zeigte sich für einen möglichen Strategiewechsel im
Irak bereit. «Alle Optionen sind auf dem Tisch», sagte er.
Als Verteidigungsminister stünde er einer großen Bandbreite
von Ideen und Vorschlägen offen gegenüber. Gates war bis zu
seiner Nominierung Mitglied der unabhängigen Expertenkommission
zur Irak-Politik unter Leitung von Ex-Außenminister James Baker
und dem Demokraten Lee Hamilton, die an diesem Mittwoch ihre Ergebnisse
vorlegt.
«Die Entwicklungen im Irak über die nächsten ein oder
zwei Jahre werden den gesamten Nahen Osten formen und die globale
Politik auf viele Jahre sehr stark beeinflussen», sagte Gates.
Das Ergebnis des Irakkrieges sei von grundlegender Bedeutung für
die US-Politik in der gesamten nahöstlichen Region. «Wir
müssen gemeinsam an der Entwicklung einer Strategie arbeiten, die
den Irak nicht im Chaos versinken lässt und die unsere
langfristigen Interessen in und Hoffnungen für die Region
schützt», forderte er.
Gates war von Präsident George W. Bush unmittelbar nach dem
Rücktritt von Donald Rumsfeld für den Chefposten im Pentagon
nominiert worden. Rumsfeld hatte nach der schweren Schlappe für
Bushs Republikaner bei den Kongresswahlen vom 7. November sein Amt
niedergelegt. Die Abstimmungsergebnis gilt als Denkzettel der
Wähler für den Kurs der Regierung Bush im Irak.
Gates' Bestätigung durch den Senat gilt als sicher. Mit der
Zustimmung wird bereits in dieser Woche gerechnet, wodurch er noch in
diesem Jahr seine Arbeit als Verteidigungsminister aufnehmen
könnte.
Mutmaßliche sunnitische Extremisten haben am Dienstag in Bagdad
15 schiitische Regierungsangestellte erschossen. Bei einem
Autobombenanschlag im Westen der irakischen Hauptstadt kamen weitere 15
Menschen ums Leben.
Am heutigen Mittwoch legt die überparteiliche Sonderkommission zur
Irak-Politik ihre Empfehlungen vor. Das Gremium steht unter Leitung des
ehemaligen US-Außenministers James Baker und des ehemaligen
demokratischen Abgeordneten Lee Hamilton. Es wird erwartet, dass die
Kommission einen schrittweisen Abzug der US-Truppen bis zum Jahr 2008
vorschlägt. Außerdem wird dem Vernehmen nach ein Kurswechsel
der amerikanischen Streitkräfte empfohlen - weg von
Kampfeinsätzen, hin zu mehr Ausbildung und Unterstützung der
irakischen Truppen. Weiter rechneten Beobachter damit, dass sich die
Baker-Hamilton-Kommission für größere diplomatische
Bemühungen in der Region ausspricht, die auch den Iran und Syrien
einschließen.
Im Irak fielen unterdessen wieder Dutzende Menschen Anschlägen zum
Opfer. Bewaffnete Männer zündeten am Dienstagmorgen im Norden
von Bagdad eine Autobombe, um einen Kleinbus zu stoppen, in dem
Mitarbeiter der schiitischen Religionsbehörde saßen. 15
Insassen wurden erschossen, sieben weitere verletzt. Die
Religionsbehörde kümmert sich um die Verwaltung der
schiitischen Moscheen im Irak.
In der Nähe einer Tankstelle im Westen der irakischen Hauptstadt
explodierten am Dienstag fast zeitgleich zwei Autobomben. Mindestens 15
Menschen wurden getötet und 25 weitere verletzt. Im Stadtteil
Jarmuk, der überwiegend von Sunniten bewohnt wird, fielen zwei
irakische Soldaten einem Anschlag zum Opfer. Ihr Konvoi wurde von einer
am Straßenrand gelegten Bombe getroffen.
Die irakische Front gegen die von UN-Generalsekretär Kofi Annan
vorgeschlagene internationale Friedenskonferenz zum Irak verstärkt
sich. Nach Staatspräsident Dschalal Talabani und dem
einflussreichen Schiitenführer Abdel Asis el Hakim lehnte auch der
schiitische Regierungschef Nuri el Maliki eine solche Konferenz wegen
"neuerlicher Bevormundung des irakischen Volks" ab. Hakim forderte
während seines Besuchs in Washington mehr Waffen von der
US-Regierung. Außerdem wandte er sich dagegen, umgehend
US-Truppen aus dem Irak abzuziehen.
Maliki erklärte, gemäß der irakischen Verfassung
könne die Regierung einer UN-Konferenz zum Irak nicht zustimmen,
weil durch sie das irakische Volk erneut international bevormundet
werde. Der irakische Ministerpräsident kritisierte zugleich Annans
Äußerungen, wonach die derzeitige Lage im Irak "viel
schlimmer" als in einem Bürgerkrieg sei und es den Menschen unter
Saddam Hussein besser gegangen sei als heute. Damit schöne Annan
"das für seine Verbrechen bekannte frühere Regime", sagte
Maliki. Annan hatte vergangene Woche vorgeschlagen, alle irakischen
Konfliktparteien unter Vermittlung der Vereinten Nationen an einen
Tisch zu bringen.
Hakim, der Chef der größten Schiitenpartei im Irak, forderte
in Washington, sein Land müsse die Mittel bekommen, um den gegen
die Schiiten und die Regierung in Bagdad kämpfenden sunnitischen
Rebellen wirksam Einhalt gebieten zu können. Die irakische
Regierung habe darum gebeten, "dass die US-Truppen vorerst im Irak
bleiben, dabei aber mehr Verantwortung an die irakischen
Streitkräfte abgeben", sagte Hakim nach einem Treffen mit
US-Außenministerin Condoleezza Rice.
US-Präsident George W. Bush betonte bei einem Treffen mit Hakim,
dass Iran und Syrien ihre "destruktiven Aktivitäten", die die
irakische Regierung schwächten, aufgeben müssten. Hakim von
der Partei Oberster Rat für die Islamische Revolution im Irak
(SCIRI), sprach sich gemeinsam mit Bush für eine Stärkung der
irakischen Regierung aus.
SCIRI unterhält eine eigene Miliz, die so genannten Badr-Brigaden,
denen ebenso wie der Mehdi-Armee des Schiitenpredigers Moktada Sadr
tödliche Anschläge auf Sunniten vorgeworfen werden. Teheran
soll die Badr-Brigaden mit Waffen und Geld unterstützen. Hakim
lebte während der Herrschaft des irakischen Machthabers Saddam
Hussein im iranischen Exil. Ihm werden noch immer enge Verbindungen zum
Nachbarland nachgesagt.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 06.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.06.12.05 - Vereinte Nationen werfen USA Verletzung von Irak-Mandat vor +++
UN-Menschenrechtsbeauftragter: Irakische Regierung begeht schwere
Menschenrechtsverletzungen +++ Schicksal der im Irak entführten
Deutschen weiter ungewiss. Osthoff-Mutter appelliert erneut an
Entführer. Zentralrat der Muslime in Deutschland bittet
Islamstaaten um Hilfe +++ Französischer Ingenieur in Bagdad
entführt +++ Verhandlung im Saddam-Prozess fortgesetzt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512060.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Nahost-Konflikt
Hisbollah ruft zu weiterem Massenprotest in Beirut auf. Armeechef warnt
vor Eskalation im Libanon
Mi.06.12.06 - Die südlibanesische Hisbollah-Miliz hat gestern den fünften
Tag in Folge ihre Proteste gegen die vom Westen gestützte
Regierung fortgesetzt.
Zur Beerdigung eines während der Aufläufe getöteten
Demonstranten strömten am Dienstagmorgen erneut tausende Menschen
in die Hauptstadt Beirut. Die Trauerfeier sollte gegen Mittag beginnen.
"Gemartert durch die Milizen der Regierung", stand auf einem der Banner,
die die Anhänger der pro-syrischen Hisbollah mit sich trugen.
Der schiitische Muslim Ahmed Mahmud war am Sonntag auf dem Heimweg von
einer Demonstration in einem Stadtviertel erschossen worden, der von
anti-syrischen Sunniten dominiert wird. Der von einer anti-syrischen
Mehrheit im Parlament unterstützte Ministerpräsident Fuad
Siniora hat die Tat verurteilt und Ermittlungen eingeleitet.
"Wir wollen, dass diese Feier für die Einheit des Libanons
begangen wird und für die Schaffung einer Regierung der nationalen
Einheit", sagte der schiitische Abgeordnete Ali Bessi, als er am
Montagabend zu dem Massenauflauf aufrief. Die radikal-schiitische
Hisbollah beansprucht eine Sperrminorität in der Regierung, die sie
als Marionette der USA beschimpft.
Angesichts der anhaltenden Proteste im Libanon gegen die Regierung von
Ministerpräsident Fuad Siniora hat der Oberkommandierende der
Streitkräfte vor einer Eskalation gewarnt. Es bestehe die Gefahr,
dass die Lage außer Kontrolle gerate, zitierten am Dienstag
mehrere Zeitungen General Michel Suleiman. Das Fehlen einer politischen
Lösung und das Aufleben der Gewalt zwischen den verschiedenen
Volksgruppen schwächten die Ressourcen und die Neutralität
der Streitkräfte, sagte der General den Berichten zufolge.
Die Streitkräfte könnten deshalb schon bald nicht mehr in der
Lage sein, die Situation in allen Teilen des Landes zu kontrollieren,
wurde Suleiman zitiert. Ein ranghoher Offizier wollte die
Äußerungen des Generals weder bestätigen noch
dementieren. Normalerweise dürfen sich die Spitzen der
Streitkräfte im Libanon nicht zu politischen Themen
äußern.
Der Drusenführer Walid Dchumblatt, der dem Regierungslager
angehört, rief am Dienstag zu einem Dialog mit der Opposition auf.
Zugleich warf er der syrischen Regierung vor, den Libanon zu
unterwandern.
Auch Deutschland und Frankreich riefen Syrien dazu auf, jegliche
Einmischung in libanesische Angelegenheiten einzustellen. In einer
gemeinsamen Erklärung forderten Berlin und Paris am Dienstag,
«dass Syrien nicht länger Kräfte unterstützt, die
Libanon und die Region destabilisieren wollen». Die
Erklärung wurde am Rande eines Treffens von Bundeskanzlerin Angela
Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac
im saarländischen Mettlach veröffentlicht. Der Libanon
müsse «seine Souveränität in international
anerkannten Grenzen und unter der ausschließlichen Hoheitsgewalt
seiner Regierung ausüben können», hieß es darin.
«Dazu bringen Frankreich und Deutschland ihre entschlossene
Unterstützung für die von Fuad Siniora geführte legitime
Regierung Libanons zum Ausdruck.»
(Quellen: rtr, ap)
Heftige Kämpfe im Osten von Sri Lanka
Mi.06.12.06 - Bei heftigen Kämpfen im Osten von Sri Lanka sind am Dienstag
zahlreiche Menschen getötet worden. Die Regierungsstreitkräfte
sprachen von 16 Toten in den Reihen der tamilischen Rebellen.
Im Zentrum der Gefechte stand die Umgebung der Stadt Batticaloa, die in
der Hand der Regierungstruppen ist. In der Ortschaft Vavuniya wurden
außerdem zwei muslimische Bewohner erschossen. Die Polizei machte
tamilische Rebellen dafür verantwortlich. Die Befreiungstiger von
Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit mehr als 20 Jahren für einen
unabhängigen Staat im Nordosten der Insel Ceylon. Die jüngste
Runde von Friedensgespräche im Oktober in Genf brachte keine
Fortschritte zur Lösung des Konflikts. Der 2002 vereinbarte
Waffenstillstand ist in diesem Jahr zusammengebrochen, seit Januar kamen
mindestens 3.500 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
Militär übernimmt Macht auf den Fidschi-Inseln
Mi.06.12.06 - Nach monatelangem Machtkampf hat die Armee auf den Fidschi-Inseln die
Regierung von Ministerpräsident Laisenia Qarase gestürzt. Das
Militär habe die Regierung übernommen und Qarase entlassen,
sagte Armeechef Voreqe Bainimarama . Zuvor waren in der Hauptstadt Suva
schwerbewaffnete Soldaten vor dem Haus des Regierungschefs aufmarschiert
und hatten ihn sowie mehrere seiner Minister unter Hausarrest gestellt.
Der Streit drehte sich unter anderem um ein umstrittenes
Amnestievorhaben der Regierung Qarase, durch das den Drahtziehern des
Putsches im Jahr 2000 Straffreiheit zugesichert werden sollte.
Bainimarama und seine Anhänger warfen der Regierung zudem
Korruption vor. Der ehemalige Bankier Qarase regierte seit sechs Jahren
auf den Fidschi-Inseln. Der Sturz seiner Regierung ist bereits der
vierte Putsch in dem Land innerhalb von zwei Jahrzehnten.
(Quelle: afp)
Mexiko: Symbolfigur des Aufstands in Oaxaca verhaftet
Mi.06.12.06 - Die mexikanische Polizei hat einen der führenden Köpfe des
Aufstands von Oaxaca verhaftet. Wenige Stunden nach einer
Pressekonferenz in Mexiko-Stadt wurde Flavio Sosa verhaftet und wegen
Entführung, Raub, Körperverletzung und Sachbeschädigung
angeklagt. Sosa gilt als Symbolfigur der Aufstandsbewegung und
gehört zu den Mitbegründern der Volksversammlung von Oaxaca
(APPO).
Vor seiner Verhaftung erklärte Sosa vor Journalisten in der
mexikanischen Hauptstadt, er wolle die Verhandlungen mit der
Bundesregierung wiederaufnehmen. Außerdem wolle er der
«Verfolgung durch die Polizei und durch die Killer von Ulises
Ruiz» entkommen - Ruiz ist der Gouverneur des mexikanischen
Staates Oaxaca, dessen Ablösung die Aufständischen fordern.
Sosa wurde in ein Hochsicherheitsgefängnis westlich von
Mexiko-Stadt gebracht. Er werde unter anderem beschuldigt, Autos und
Gebäude in Oaxaca in Brand gesetzt zu haben, teilte die
Staatsanwaltschaft mit. Die Aufständischen, die seit Mai weite
Teile der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht hatten, wurden Ende
Oktober von der Bundespolizei zurückgedrängt. Für Samstag
rief die APPO zu einer Demonstration auf.
(Quelle: ap)
Atomstreit: Noch keine Einigung über Sanktionen gegen Iran
Mi.06.12.06 - Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland haben bei ihren
Beratungen über Sanktionen gegen den Iran in Paris Fortschritte,
aber noch keine Einigung erzielt. Das teilte das französische
Außenministerium am Dienstagabend mit.
Die Diplomaten konnten sich weiter nicht auf Reisebeschränkungen
und das Einfrieren von Vermögenswerten im Zusammenhang mit dem
iranischen Atomprogramm einigen. Russland widersetze sich dem,
erklärte ein hochrangiger europäischer Diplomat.
Die Fragen sollten in den kommenden Tagen beraten werden. «Wir
stehen kurz vor einem Abschluss dieses Prozesses», hieß es
in einer Erklärung des Ministeriums.
Mit den Strafmaßnahmen soll Teheran zur Aussetzung seiner
Urananreicherung gezwungen werden. Der Iran hatte eine vom
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gesetzte Frist missachtet, sein
Programm der Urananreicherung bis zum 31. August einzustellen.
Russland hatte bereits vor dem Treffen in Paris seine ablehnende
Haltung gegenüber Sanktionen bekräftigt. Weit reichende
Maßnahmen gegen den Iran wären unverantwortlich und
kontraproduktiv, sagte Außenminister Sergej Lawrow.
Der europäische Entwurf für eine UN-Resolution würde die
Lieferung von allem Material verbieten, das der Iran für sein
Atomprogramm verwenden könnte. Dazu hat Russland sein
Einverständnis erklärt.
(Quelle: ap)
Ahmadinedschad droht Europa mit Verschlechterung von Beziehungen
Mi.06.12.06 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat Europa mit einer
Verschlechterung der Beziehungen gedroht. Die Regierung in Teheran werde
jede Entscheidung der Europäer gegen das iranische Atomprogramm als
feindseligen Akt betrachten, sagte Ahmadinedschad am Dienstag vor
mehreren tausend Teilnehmern einer Kundgebung in der nordiranischen
Stadt Sari.
An die Adresse der europäischen Staaten gerichtet sagte
Ahmadinedschad wörtlich: «Wenn Sie versuchen, Schritte gegen
die Rechte der iranischen Nation zu ergreifen, sei es in Ihrer
Propaganda oder in internationalen Organisationen, dann wird die
iranische Nation dies als einen Akt der Feindseligkeit
betrachten.» Bei einer Fortsetzung dieses Kurses, werde der Iran
die Beziehungen zu Europa überdenken, fügte Ahmadinedschad
hinzu.
(Quelle: rtr)
'Weimarer Dreieck': Deutschland, Frankreich und Polen in
Russland- und Türkei-Politik uneins
Mi.06.12.06 - Deutschland, Frankreich und Polen bleiben in der Russland- und
Türkei-Politik uneins. Beim Gipfeltreffen des «Weimarer
Dreiecks» im saarländischen Mettlach demonstrierten zwar
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident
Jacques Chirac am Dienstag bei den heiklen Themen den Schulterschluss.
Der polnische Präsident Lech Kaczynski bekräftigte aber in
beiden Fragen seine abweichende Haltung.
Kaczynski blieb bei seiner Blockade der Verhandlungen zwischen der EU
und Moskau über ein neues Partnerschaftsabkommen und schlug
gegenüber Ankara deutlich moderatere Töne an als Merkel und
Chirac. In ihrer Besorgnis über die mysteriösen Morde an
Kreml-Kritikern zeigten sich die drei Gipfelteilnehmer allerdings
einig. Gemeinsam forderten sie die russische Regierung auf, die
Aufklärung der Fälle der erschossenen Journalistin Anna
Politkowskaja und des vergifteten Ex-Spions Alexander Litvinenko
voranzutreiben.
Das sechste Gipfeltreffen des «Weimarer Dreiecks» sollte
eigentlich bereits Anfang Juli stattfinden, wurde aber wegen einer
Erkrankung Kaczynskis verschoben. Alle drei Staats- und Regierungschefs
bekannten sich zu diesem Gesprächsformat und vereinbarten eine
Fortsetzung der Konsultationen für 2008 in Polen. Neben der
Aufstellung einer gemeinsamen Gefechtseinheit bis 2012 einigten sie
sich unter anderem auf eine Zusammenarbeit bei der Diplomatenausbildung.
Beim Hauptstreitthema zwischen den drei Ländern gab es allerdings
keine wesentliche Annäherung: Die Differenzen in der
Russland-Politik konnten nicht verringert werden. Beim jüngsten
EU-Russland-Gipfel hatte Polen die Aufnahme von Verhandlungen über
die Erneuerung eines 1997 geschlossenen Partnerschaftsvertrags
blockiert. Kaczynski bekräftigte, dass eine Aufhebung des
russischen Fleischembargos gegen Polen Voraussetzung für die
Einwilligung seiner Regierung in die Aufnahme von Gesprächen mit
Moskau sei. Chirac drückte dagegen aufs Tempo. «Unser Wunsch
ist es, dass die Verhandlungen so schnell wie möglich in Angriff
genommen werden können», sagte er.
Den Streit über die deutsch-russische Ostsee-Pipeline bezeichnete
Kaczynski als bilaterales Problem zwischen Deutschland und Polen.
«Heute sprechen wir in einem anderen Format», sagte er. Bei
dem Bau der Leitung fühlen sich Polen und die baltischen
Ostsee-Anrainer übergangen.
In der Türkei-Frage unterstützten Merkel und Chirac die
Empfehlung der EU-Kommission, die Beitrittsverhandlungen teilweise
auszusetzen. Gleichzeitig sprachen sie sich für eine
Überprüfung dieses Schritts zwischen der Wahl in der
Türkei im Herbst 2008 und der Europawahl im Frühjahr 2009 aus.
Merkel wollte dies aber nicht als eine Verschärfung des Kurses
gegenüber der Türkei verstanden wissen. «Wir wollen
keine Ultimaten in irgendeiner Weise setzen», sagte die
Kanzlerin. Kurz vor dem Gipfeltreffen hatte sie mit dem türkischen
Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert.
Die EU-Kommission hatte das Aussetzen eines Teils der Verhandlungen in
der vergangenen Woche empfohlen, weil sich Ankara weiter weigert,
Häfen und Flughäfen für Schiffe und Flugzeuge aus Zypern
zu öffnen. Die Entscheidung soll auf dem EU-Gipfel am 14. und 15.
Dezember fallen.
Kaczynski wollte zu dem Vorschlag der EU-Kommission nicht klar Stellung
beziehen und betonte, dass die Verhandlungen fortgesetzt werden
müssten. Chirac schloss sich Merkels Haltung vorbehaltlos an.
«Ich glaube, dass die Position der polnischen Seite nicht weit
entfernt von der deutsch-französischen ist», fügte er
hinzu.
Vor dem Dreier-Gipfel hatten sich Merkel und Chirac zu einem
bilateralen Gespräch getroffen. In einer gemeinsamen
Erklärung appellierten Deutschland und Frankreich
anschließend an Syrien, jegliche Einmischung in libanesische
Angelegenheiten einzustellen.
(Quelle: ap)
Brüssel kritisiert Merkels Vorstoß in Türkei-Krise
Mi.06.12.06 - Die EU-Kommission hat eine Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) zur Beitrittskrise mit der Türkei scharf kritisiert.
Ultimaten hätten in der Vergangenheit "keinerlei Resultat
gebracht", sagte eine Sprecherin von EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn
in Brüssel. Mit Blick auf den Vorschlag Merkels zu einer
18-monatigen Verhandlungspause warnte der türkische Regierungschef
Recep Tayyip Erdogan die EU vor "falschen Entscheidungen".
Merkel will bei den EU-Partnern eine 18-monatige Frist durchsetzen,
innerhalb derer die europäischen Staats- und Regierungschefs
über weitere Beitrittsverhandlungen mit der Türkei entscheiden
sollen. Dabei muss jede Entscheidung einstimmig fallen. Das mit Ankara
zerstrittene Zypern könnte somit den ganzen Prozess blockieren.
Nötig sei eine "ausgewogene Lösung", sagte die
Rehn-Sprecherin. Es sei nötig, der Türkei die Konsequenzen
ihres Verhaltens klarzumachen. Zugleich aber müsse wegen der
strategischen Bedeutung des Landes "der Beitrittsprozess am Leben
erhalten" werden. Die EU-Kommission hatte vor rund einer Woche eine
Teilaussetzung der vor einem Jahr begonnenen Beitrittsgespräche mit
der Türkei empfohlen. Grund ist die Weigerung Ankaras, ihre
Häfen und Flughäfen wie zugesagt für die griechische
Republik Zypern zu öffnen, die seit 2004 EU-Mitglied ist.
(Quelle: afp)
Neue EU-Länder noch nicht reif für den Euro
Mi.06.12.06 - Die Wirtschaft in den osteuropäischen EU-Ländern hat sich
noch nicht ausreichend an die Europäische Wirtschafts- und
Währungsunion angepasst.
Keiner der von der EU-Kommission und der EZB überprüften
EU-Neulinge erfüllt bisher die Bedingungen für einen Beitritt
zum Euro-Gebiet. Während in den drei großen Ländern
Polen, Ungarn und Tschechien die zu hohe Staatsverschuldung das
Haupthindernis ist, haben die kleinen Baltenstaaten mit
übermäßiger Inflation zu kämpfen. Die Inseln Zypern
und Malta kommen ihrem Ziel der Euro-Einführung derzeit am
nächsten.
Europäische Kommission und Europäische Zentralbank (EZB)
veröffentlichten am Dienstag ihre Konvergenzberichte, mit denen sie
alle zwei Jahre die Euro-Reife der EU-Länder untersuchen, die dem
Währungsgebiet noch nicht angehören. Großbritannien und
Dänemark werden nicht überprüft, weil sie nach einer
Ausnahmeregelung nicht zum Beitritt verpflichtet sind. "Auch wenn sich
der Weg zum Euro als schwieriger erweist als manche ursprünglich
dachten, ist die Belohnung die Mühe wert", erklärte
EU-Währungskommissar Joaquin Almunia. Nur die gut vorbereiteten
Länder könnten in der Währungsunion wirtschaftlich gut
gedeihen.
In den Berichten gehen die beiden Institutionen alle Länder nach
den Vorgaben zu Inflationsrate, Zinsen, Wechselkurs, Staatsfinanzen und
dem rechtlichen Kriterium der politischen Unabhängigkeit der
Zentralbank durch. Die Analyse umfasst neun Länder - acht der im
Mai 2004 in die EU aufgenommenen ost- und südosteuropäischen
Länder sowie Schweden. Slowenien wird als erster EU-Neuling den
Euro im kommenden Jahr einführen. Litauen war bereits im
Frühjahr zum Konvergenztest angetreten und hatte diesen wegen der
zu hohen Teuerungsrate im Referenzmonat knapp verpasst. Die EZB wies
erneut darauf hin, dass die wirtschaftliche Anpassung nicht nur zu einem
bestimmten Zeitpunkt erreicht sein, sondern dauerhaft Bestand haben
müsse.
"Viele der überprüften Länder haben bei der
wirtschaftlichen Konvergenz Fortschritte gemacht, aber in einigen
Ländern hat es Rückschläge gegeben", lautete das Fazit
der EZB. Der Preisanstieg lag nur in vier der neun Länder unter dem
aktuellen Grenzwert von 2,8 Prozent: in Tschechien, Zypern, Polen und
Schweden. Am weitesten lagen Estland und die Slowakai mit Raten von gut
vier Prozent sowie Lettland mit fast sieben Prozent Inflation über
dem Limit. Als Gründe dafür weist die EZB auf das
kräftige Wachstum in den Ländern hin, die im wirtschaftlichen
Aufholprozess stecken. Auch die hohen Ölpreise sowie Steuer- und
Gebührenerhöhungen im Zuge des EU-Beitritts trieben die Preise
nach oben. Eine sparsame Haushaltspolitik, mäßige
Lohnerhöhungen und Reformen am Arbeitsmarkt sind nach Ansicht der
EZB die besten Rezepte gegen Inflation.
In fünf der neun Länder überschreitet die staatliche
Neuverschuldung die Obergrenze von drei Prozent des
Bruttoinlandsprodukts - darunter Polen, Ungarn und Tschechien. Drei
Länder weisen eine Gesamtverschuldung über 60 Prozent auf. Mit
zehn Prozent vom BIP ist das Defizit in Ungarn am höchsten. Nach
Einschätzung von Analysten wird das Land frühestens 2014 der
Euro-Zone beitreten können, wie eine Umfrage kürzlich ergab.
EZB und Kommission geben keine Prognosen darüber ab, wann sich
welches Land für den Euro qualifizieren wird. Doch dem Test zufolge
ist Zypern seinem Ziel, 2008 in den Euro-Club aufgenommen zu werden,
schon recht nahe. Der Inselstaat erfüllt schon drei Kriterien, die
übrigen beiden sind schon in Reichweite. Malta kann erst ein
Kriterium abhaken, ist aber bei den anderen Voraussetzungen auf gutem
Weg.
(Quelle: rtr)
UN-Tagung zu Flüchtlingselend im Mittelmeer
Mi.06.12.06 - Eine bessere Koordination bei der Rettung von schiffbrüchigen
Flüchtlingen im Mittelmeer haben die Vereinten Nationen in den
Mittelpunkt einer Tagung in Palermo gestellt. Vertreter des
UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR), einem Mitorganisator des
eintägigen Forums, sowie Schiffskapitäne und Flüchtlinge
tauschten sich am Dienstag über Erfahrungen aus und diskutierten
über rechtliche Regelungen.
Immer wieder würden Flüchtlinge in völlig
seeuntauglichen Booten sich selbst überlassen, beklagte
UN-Sprecherin Laura Boldrini. Jedes Jahr versuchen tausende Afrikaner,
das Mittelmeer zu überqueren und Zuflucht in Europa zu finden. Die
Boote steuern vor allem italienisches Staatsgebiet an. Bleiben darf in
der Regel nur, wer nachweisen kann, dass bereits eine Arbeitsstelle auf
ihn wartet.
Häufig berichteten Flüchtlinge von vorbeifahrenden Schiffen,
die den in Bedrängnis geratenen Afrikanern nicht zu Hilfe
kämen, sagte Boldrini. Nach der Aufsehen erregenden Aufnahme
schiffbrüchiger Flüchtlinge an Bord der «Cap
Anamur» im Juni 2004 müssen sich derzeit drei Deutsche in
Italien vor Gericht verantworten. Dem früheren Vorsitzenden der
Hilfsorganisation, Elias Bierdel, dem Kapitän des Rettungsschiffs
sowie dem ersten Offizier wird Schlepperei vorgeworfen. Ihnen drohen bis
zu zwölf Jahre Haft.
(Quelle: ap)
Zahl der Flüchtlinge auf den Kanaren steigt über 30.000
Mi.06.12.06 - Seit Januar sind mehr als 30.000 Flüchtlinge aus Afrika an den
Küsten der Kanarischen Inseln gelandet. Mit der Ankunft von drei
Flüchtlingsbooten seit Freitag sei diese Zahl überschritten
worden, teilte die Präfektur der spanischen Inselgruppe mit. Mit
der Landung von 151 Flüchtlingen in einem Boot am Morgen auf der
Insel Gomera seien 30.259 Menschen auf den Kanaren angekommen. Die
bisher meisten illegalen Einwanderer hatten die spanischen Inseln vor
der afrikanischen Küste im Jahr 2002 erreicht - damals wurden aber
gerade einmal 9929 Flüchtlinge gezählt.
Die italienische Marine griff am Montagmorgen vor der Insel Lampedusa
rund 110 illegale Einwanderer auf. Wie die italienische
Nachrichtenagentur ANSA berichtete, stieß ein Armeeschiff etwa 20
Kilometer vor der Küste auf das Boot der aus Nordafrika stammenden
Flüchtlinge. An Bord war den Angaben zufolge auch eine schwangere
Frau. Die Küstenwache begleitete das Schiff anschließend zu
einem Auffanglager auf Lampedusa. Laut dem italienischen
Innenministerium sind seit Jahresanfang mehr als 16.000 illegale
Einwanderer über das Mittelmeer nach Italien gelangt.
(Quelle: afp)
Europa-Gericht prüft Todesschüsse auf G-8-Demonstranten in
Genua
Mi.06.12.06 - Der Tod eines Italieners bei gewalttätigen Protesten gegen den
G-8-Gipfel von Genua beschäftigt nach fünf Jahren den
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte: Das Gericht in
Straßburg hörte am Dienstag die Beschwerde der
Angehörigen des 23-jährigen Gipfel-Demonstranten Carlo
Giuliani, der am 20. Juli 2001 von einem jungen Militärpolizisten
erschossen worden war. Zu einem späteren Datum soll entschieden
werden, ob die Richter diese Beschwerde förmlich annehmen und den
Fall genauer prüfen.
(Quelle: afp)
Vatikan war früher als bisher bekannt über Holocaust
informiert
Mi.06.12.06 - Der Vatikan hat im Zweiten Weltkrieg früher als bisher belegt
über das Ausmaß des Massenmords der Deutschen an den Juden
Bescheid gewusst. Das geht aus Dokumenten hervor, die von der
israelischen Historikerin Dina Porat ausgewertet wurden. Die Professorin
für Jüdische Geschichte an der Universität von Tel Aviv
fand die Belege in einem Briefwechsel zwischen dem Gesandten der Jewish
Agency in den 40er Jahren in Istanbul, Haim Barras, und dem
seinerzeitigen Apostolischen Nuntius dort, Giuseppe Roncalli.
Roncalli wurde als Johannes XXIII. 1958 Nachfolger von Papst Pius XII.,
dessen Schweigen im Angesicht des Holocausts seit Jahrzehnten kritisiert
wurde. Barlas' Briefe befinden sich in einem Privatarchiv in Israel,
dessen Besitzer nicht öffentlich genannt werden wollen. Sie
erlaubten Porat aber, die Dokumente durchzusehen.
Barlas und Roncalli schlossen in Istanbul Freundschaft und schrieben
sich Briefe - meist auf Französisch, das beide fließend
beherrschten. Daraus geht laut Porat hervor, dass Roncalli vorsichtig
Kritik am Schweigen des Vatikans zu dem immer deutlicher werdenden
Nazi-Völkermord übte.
So habe Roncalli auf eine Bitte von Barlas hin 1943 den slowakischen
Präsidenten brieflich gebeten, die Deportationen von Juden in die
Todeslager zu stoppen. Am 23. Juni 1944 habe Barlas eine Kopie eines
30-seitigen Berichts erhalten, die als
«Auschwitz-Protokolle» bekannt wurden. Diese Protokolle
wurden von zwei aus dem Konzentrationslager entkommenen Juden erstellt
und machten klar, dass Auschwitz ein Vernichtungslager für Juden
und andere Menschen war, die von den Nationalsozialisten als
minderwertig betrachtet wurden.
Barlas hielt in seinen größtenteils auf Hebräisch
geschriebenen Aufzeichnungen fest, dass er Roncalli die Protokolle am
24. Juni 1944 zuschickte. Roncalli habe per Telegramm noch am selben Tag
eine Kurzfassung an den Vatikan weiter geleitet. Dies stehe im
Widerspruch zu offiziellen Angaben des Vatikans, erst im Oktober 1944
die «Auschwitz-Protokolle» erhalten zu haben.
Die Professorin für Zeitgeschichte in der römischen
Universität La Sapienza, Emma Fattorini, bezeichnete die Frage, ob
der Vatikan «in diesem oder jenem Monat» das ganze
Ausmaß des Holocausts erfahren habe, als nicht entscheidend.
«Die Frage lautet nicht, ob sie Bescheid wussten oder
nicht», sagte sie. «Mittlerweile ist es eine gesicherte
Tatsache, dass der Vatikan wie alle anderen auch Bescheid wusste.»
Der Vatikan hat jahrelang versucht, das Verhalten von Papst Pius XII.
als «stille Diplomatie» angesichts der
nationalsozialistischen Diktatur zu verteidigen. Vor drei Jahren
veröffentlichte er Dokumente, denen zufolge diese stille Diplomatie
tausenden Juden das Leben rettete.
(Quelle: ap)
Onlinearchiv mit Holocaust-Zeitzeugen
52.000 aufgezeichnete Gespräche mit Zeitzeugen und
Überlebenden des Holocaust:
http://www.vha.fu-berlin.de/
Weiterführende Links der FU-Berlin zum Thema Holocaust:
http://www.vha.fu-berlin.de/links/index.html
Deutschland
Eigener Gewerkschaftsvorschlag für ALG I
Mi.06.12.06 - Die Gewerkschaften gehen in der Debatte um eine längere
Arbeitslosengeld-Zahlung für ältere Erwerbslose laut einem
Bericht auf Distanz zur CDU. Nach Informationen der «Berliner
Zeitung» verabschiedeten die Spitzengremien des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB) am Dienstag abschließend ein
detailliertes Konzept, das eine Staffelung der Bezugsdauer von ALG I
vorsieht. Maßgeblich dafür solle aber vor allem das Alter
der Jobsuchenden sein und nicht wie von der CDU geplant die Dauer der
Beitragszahlung.
Nach den DGB-Vorstellungen sollen Erwerbslose über 45 Jahre
demnach bis zu 15 Monate lang Geld bekommen. Wer älter als 50 ist,
soll 18 Monate oder unter Umständen sogar 24 Monate ALG I beziehen
- je nachdem, wie lange er in den vorangegangenen fünf Jahren
sozialversicherungspflichtig beschäftigt war. Erst danach
würden die Arbeitslosen auf Hartz-IV-Niveau abrutschen.
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach betonte, dass die
Gewerkschaften zwar die Stoßrichtung der CDU für richtig
hielten und ältere Arbeitslose bei Jobverlust nicht binnen kurzer
Zeit auf Fürsorgeniveau zurückfallen dürften. Der
konkrete Vorschlag der CDU würde aber dazu führen, dass ein
55-jähriger Arbeitnehmer erst nach 25 Beitragsjahren 18 Monate
lang Anspruch auf Arbeitslosengeld I hätte. Nach geltendem Recht
reichten dafür schon drei Beitragsjahre aus. Zur Finanzierung des
eigenen Vorschlages fordert der DGB, den Beitragssatz zur
Arbeitslosenversicherung weniger stark zu senken als bisher geplant.
(Quelle: ap)
13 Prozent der Deutschen sind von Armut bedroht
Mi.06.12.06 - In Deutschland sind 13 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht.
10,6 Millionen Menschen müssen mit weniger als 60 Prozent des
Durchschnittseinkommens auskommen, wie aus einer vom Statistischen
Bundesamt veröffentlichten Studie hervorgeht. Damit gelten sie als
armutsgefährdet. Bei Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung
ist das Armutsrisiko demnach deutlich größer als bei jenen
mit einer Ausbildung. Deuschland liege gemeinsam mit Österreich,
Frankreich und Belgien im europäischen Mittelfeld. In Skandinavien
ist die Quote der Armutsgefährdeten etwas niedriger, in
Südeuropa deutlich höher.
Mit der Studie, die sich auf die Zahlen aus dem Jahr 2004 bezieht,
wurde erstmals eine Erhebung auf der Grundlage eines EU-weit
standardisierten Verfahrens vorgenommen. Demnach liegt die Quote
für das Armutsrisiko in jedem Land bei 60 Prozent des jeweiligen
Durchschnittseinkommens. In Deutschland beträgt dieser 60prozentige
Anteil 856 Euro für Alleinstehende.
(Quelle: afp)
Umweltschutz wird wieder ein Topthema
Mi.06.12.06 - Angesichts des Klimawandels wird Umweltschutz wieder ein Topthema
für die Deutschen. Einer neuen Umfrage zufolge nimmt er hinter der
Arbeitslosigkeit nun wieder Platz zwei der wichtigsten Probleme ein. 93
Prozent der Deutschen halten Umweltschutz für wichtig. Dies geht
aus der Studie «Umweltbewusstsein und Umweltverhalten in
Deutschland 2006» hervor, die am Dienstag in Berlin
veröffentlicht wurde.
Die Umfrage wird bereits seit den 90er Jahren in
regelmäßigen Abständen im Auftrag des Umweltbundesamts
von der Universität Marburg organisiert. Bei der offenen Frage nach
den wichtigsten Problemen in Deutschland lässt sich erkennen, dass
der Umweltschutz zuletzt wieder deutlich an Bedeutung gewonnen hat: Von
Platz vier in den Jahren 2000 und 2002 über Platz drei im Jahr
2004 kletterte er auf Platz zwei im Jahr 2006.
Als Hintergrund vermuten die Autoren, dass der Klimawandel nun im
Bewusstsein der Menschen verankert sei. Zwei Drittel der
Bevölkerung möchten der Studie zufolge, dass Deutschland in
der Klimaschutzpolitik international eine Vorreiterrolle einnimmt. Dies
bedeute gegenüber 2004 eine Steigerung um elf Prozent,
gegenüber 2002 sogar um 20 Prozent. Als vorrangige Ziele gelten der
Ausbau der erneuerbaren Energien, die Senkung des Energieverbrauchs und
eine bessere Energieeffizienz, wie es weiter hieß.
«Umweltschutz ist den Menschen in unserem Land wichtig»,
sagte der Präsident des Umweltbundesamts, Andreas Troge.
«Damit das so bleibt, muss die Politik noch deutlicher machen, was
anspruchsvoller Umweltschutz für die Menschen konkret bringt: Eine
lebenswertere Umwelt für uns und unsere Kinder, eine bessere
Gesundheit sowie wirtschaftliche Innovationen mit mehr
Arbeitsplätzen.»
Auch das Bundesumweltministerium sieht sich in seiner Linie
bestätigt, dass Umweltschutz auch als gut für die Wirtschaft
erkannt wird. «Über zwei Drittel der Bevölkerung sind
überzeugt, dass sich eine konsequente Umweltpolitik positiv auf die
Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft auswirkt», meinte die
Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium,
Astrid Klug.
Das in Politik und Öffentlichkeit häufig umstrittene Thema
erneuerbare Energien findet in der Studie deutliche Unterstützung:
87 Prozent wollen demnach einen konsequenten Umstieg auf
Ökoenergien. Annähernd 90 Prozent sind für einen Ausbau
der Solarenergie, über 70 Prozent für den Ausbau von
Offshore-Windenergie. Am Atomausstieg wollen den Angaben zufolge zwei
Drittel festhalten oder ihn sogar beschleunigen. Fast hundertprozentige
Zustimmung finde die Position, dass die Industrie dazu angehalten werden
solle, mehr energiesparende Produkte anzubieten.
Auch der klassische Schutz von Artenvielfalt und Natur sei den Menschen
aber wichtig, hieß es weiter. Rund 95 Prozent der Befragten sehen,
dass der Verlust der biologischen Vielfalt ein sehr großes
Problem darstellt, 92 Prozent finden, dass der Staat mehr dagegen tun
sollte.
Für die Studie wurden von April bis Juni 2006 2.034 Menschen in
ganz Deutschland befragt.
(Quelle: ap)
Verkehrsminister Tiefensee gegen Tempolimit auf Autobahnen
Mi.06.12.06 - Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat die Forderung der
Grünen nach einem Tempolimit auf Autobahnen von 130 Kilometern pro
Stunde zurückgewiesen. "Der überwiegende Teil der Autofahrer
verhält sich bereits ohne Tempo-Limit vernünftig und braucht
daher keine generelle Bevormundung", sagte Tiefensee der "Bild"-Zeitung.
Die Grünen hatten auf ihrem Parteitag am Wochenende in Köln
ein möglichst europaweites Tempolimit von 130 Kilometern pro
Stunde auf Autobahnen gefordert. Dem Parteitagsbeschluss zufolge sollen
zudem bis 2020 mindestens 20 Prozent des Autoverkehrs auf
umweltfreundlichere Verkehrsmittel verlagert werden.
(Quelle: afp)
Fluggesellschaften uneins beim Emissionshandel
Mi.06.12.06 - Die von der Bundesregierung unterstützten Pläne für
zusätzliche Klimaschutzauflagen im europäischen Luftverkehr
stoßen bei den Fluggesellschaften auf gegensätzliche
Reaktionen.
Während British Airways das Vorhaben unterstützt, steht die
Deutsche Lufthansa dem skeptisch gegenüber. Air Berlin fordert aus
Wettbewerbsgründen eine weltweite Regelung. Welche
zusätzlichen Kosten auf Fluggäste zukommen könnten, sei
noch völlig unklar, erklärte der Luftfahrtverband Barig in
Frankfurt. Die Pläne von EU und Bund seien dafür noch zu
unausgegoren.
Die Bundesregierung will nach den Worten von Verkehrsminister Wolfgang
Tiefensee die Fluggesellschaften in den so genannten Emissionshandel
für das Klima schädigende Treibhausgas Kohlendioxid
einbeziehen. Fluggesellschaften müssen dann bei einem höheren
Ausstoß als vorgegeben entsprechende Zertifikate zukaufen.
Deutschland wolle während seiner EU-Ratspräsidentschaft im
ersten Halbjahr 2007 eine Grundsatzeinigung für den Luftverkehr
erzielen, sagte Tiefensee dem "Handelsblatt".
Lufthansa lehnt den Emissionshandel nicht kategorisch ab, bezweifelt
aber den Nutzen. "Es gibt aus unserer Sicht sehr viel wirksamere
Möglichkeiten für mehr Klimaschutz, an erster Stelle einen
einheitlichen europäischen Luftraum", sagte Sprecher Stefan
Schaffrath. Die Koordination des Luftverkehrs durch eine
europäische Flugsicherung hätte kürzere Flugzeiten,
weniger Verspätungen und weniger Warteschleifen zur Folge und ein
Einsparpotenzial von bis zu zwölf Prozent der
Kohlendioxid-Emissionen. Entscheidend sei auch, dass Fluggesellschaften
in sparsame Maschinen investierten. Lufthansa gibt den
Durchschnittsverbrauch ihrer Flotte derzeit pro Passagier mit 4,4 Liter
auf 100 Kilometern an, ein gutes Drittel weniger als 1970.
Nach Berechnungen der Vereinten Nationen sind Fluggesellschaften
weltweit mit 3,5 Prozent am so genannten Treibhauseffekt beteiligt, der
von von Wissenschaftlern für die Erwärmung der
Erdatmosphäre und den Klimawandel verantwortlich gemacht wird. Rund
ein Viertel davon fällt im europäischen Luftverkehr an. Air
Berlin, nach Lufthansa zweitgrößte deutsche
Fluggesellschaft, hält Maßnahmen zum Klimaschutz zwar
für richtig. "Aber es darf hier nicht um eine weitere
Möglichkeit der Finanzminister zum Abkassieren gehen. Wir brauchen
eine weltweite Regelung, ansonsten gäbe es Nachteile für die
Europäer", sagte Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel.
Auch Fluggesellschaften aus Staaten außerhalb der EU sollen
Tiefensee zufolge die Klimaschutzvorgaben erfüllen müssen,
wenn sie Ziele in der EU anfliegen.
"Es gibt aus Sicht der Fluggesellschaften noch viele Fragezeichen, und
eine rein europäische Lösung hätte für das Klima nur
einen kleinen Effekt", sagte Barig-Generalsekretär Martin Gaebges.
Sein Verband vertritt den Großteil der Deutschland anfliegenden
Airlines. Über die Kosten herrsche noch Unklarheit. Die
Schätzungen reichten von unter zehn Euro bis zu 40 Euro
zusätzlich für einen Langstreckenflug. Entscheidend dafür
ist, welche Kohlendioxidmenge als Ausgangsbasis festgelegt wird.
(Quelle: rtr)
Patent auf menschliche embryonale Stammzellen für nichtig
erklärt
Mi.06.12.06 - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Dienstag vor dem
Bundespatentgericht in München mit ihrer Klage gegen ein Patent
zur Herstellung von Nervengewebe aus embryonalen Stammzellen einen
Teilerfolg erzielt. Zwar wurde die Klage zurückgewiesen, die
Vorsitzende Richterin Eva-Maria Schermer erklärte aber die
Verwendung und Gewinnung von Stammzellen aus menschlichen Embryonen im
zur Debatte stehenden Patent des Bonner Neurobiologen Oliver
Brüstle für nichtig.
Schermer betonte, die Verwendung und Gewinnung menschlicher Embryonen
verstoße gegen die öffentliche Ordnung und sei daher mit dem
deutschen Patentrecht nicht vereinbar. Das Patent für die Arbeit
des Bonner Forschers mit nichtmenschlichen Stammzellen bleibe aber
bestehen.
Schermer verwies darauf, dass die kommerzielle und industrielle Nutzung
menschlicher Embryonen durch das Embryonenschutzgesetz verboten sei.
Brüstle will gegen das Urteil Beschwerde beim Bundesgerichtshof
einlegen.
Brüstle hatte sich bereits 1999 eine Methode zur Herstellung von
Nerven-Vorläuferzellen aus embryonalen Stammzellen patentieren
lassen. Kern der Klage von Greenpeace war nun die kommerzielle Nutzung
von geklonten menschlichen Embryonen in Brüstles Verfahren. Die
Organisation warf dem Forscher vor, er nutze Lücken in der
deutschen und europäischen Gesetzgebung, um entgegen einem Verbot
ein Patent zum industriellen Klonen menschlicher Embryonen zu erlangen.
Brüstle ist Direktor am Institut für Rekonstruktive
Neurobiologie der Universität Bonn. Er arbeitet an einer Methode,
mit der geschädigte Nervenzellen im Gehirn ersetzt werden
können, um Krankheiten wie Parkinson oder Multiple Sklerose zu
behandeln.
(Quelle: ddp)
Bildungsexperten streiten über den PISA-Schock
Mi.06.12.06 - Fünf Jahre nach Veröffentlichung der ersten PISA-Studie
streiten Bildungsexperten über die Auswirkungen der Schulstudie.
Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave, sagte am
Dienstag, der OECD-Bildungsbericht habe wichtige Impulse in der
Schulpolitik gesetzt. Berlins neuer Bildungssenator Jürgen
Zöllner (SPD) nannte den so genannten PISA-Schock ein Symbol
für den Systemwechsel im deutschen Bildungssystem. Dagegen hat die
PISA-Studie nach Einschätzung des Lehrerverbandes dazu
geführt, dass die Schüler heute weniger beigebracht bekommen
als früher.
Die erste PISA-Studie war im Dezember 2001 veröffentlicht worden
und hatte dem deutschen Bildungssystem ein ausgesprochen schlechtes
Zeugnis ausgestellt. Bei dem internationalen Leistungsvergleich in
verschiedenen Schulfächern belegten die Schüler lediglich
Plätze im Mittelfeld. Auch bei Folgestudien konnte sich
Deutschland zuletzt nur leicht verbessern.
Erdsiek-Rave betonte, durch die schonungslose Aufdeckung der
Missstände sei das deutsche Bildungssystem «gewaltig in
Bewegung gekommen». Schulen arbeiteten heute eigenständiger
und hätten die dringendsten Probleme angepackt. Als Beispiel
nannte Erdsiek-Rave, die auch Bildungsministerin in Schleswig-Holstein
ist, die Förderung von Spitzenschülern und Schülern mit
Migrationshintergrund.
Zöllner ist überzeugt davon, dass Deutschlands Schulen besser
geworden sind. Es gebe heute eine größere Bereitschaft,
für den Unterricht mehr Geld auszugeben. Auch die Lehrerausbildung
sei «in Gang gekommen». Dies seien «Zeichen und
Beweise für eine positive Entwicklung». Gleichzeitig wies
Zöllner darauf hin, dass im Bildungssystem nicht innerhalb weniger
Jahre ein völlig anderes Ergebnis erzielt werden könne.
SPD-Bildungsexperte Christoph Matschie wertete den PISA-Schock als
«notwendiges Alarmsignal». Die Bildungspolitik habe seitdem
enorm an Bedeutung gewonnen. An Chancengleichheit mangele es jedoch
immer noch. Nach wie vor sei der Bildungserfolg eng mit der sozialen
und ethnischen Herkunft verknüpft, kritisierte Matschie. Zuletzt
hatte eine Nachfolgestudie Mitte November darauf verwiesen, dass
Schüler der Mittelstufe größere Schwierigkeiten in
Mathematik und Naturwissenschaften haben.
Der Präsident des Lehrerverbandes, Josef Kraus, bemängelte:
«Die ganze Schulpolitik und Schulpraxis ist heute ja auf die
Frage ausgerichtet: Wie schneiden wir bei PISA besser ab?». Das
führe zu einer Verarmung des Lehrstoffs. Nötig sei daher eine
Debatte über die Lehrinhalte. Insgesamt beurteilte Kraus die
Leistungen der deutschen Schüler positiv: «Ich halte die
deutschen Schulen schon jetzt für viel besser, als es immer wieder
heißt.» Bei PISA 2009 werde man wahrscheinlich einen
Schritt nach vorne machen.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
China gibt doppelt soviel für Forschung aus wie Deutschland
Mi.06.12.06 - China wird in diesem Jahr voraussichtlich doppelt so viel Geld in
Forschung und Entwicklung stecken wie Deutschland. Dies geht aus einer
am Montag in Paris veröffentlichten Studie der Organisation
für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor.
Demnach wird die Volksrepublik 2006 insgesamt 136 Milliarden Dollar (103
Milliarden Euro) für die Suche nach Innovationen ausgeben,
Deutschland dagegen 63 Milliarden Dollar. Noch vor fünf Jahren
lagen beide Länder bei diesen Investitionen gleichauf.
(Quelle: afp)
Weltraumfahrt
NASA will um das Jahr 2020 erste Mond-Kolonie errichten
Mi.06.12.06 - Die US-Raumfahrtbehörde NASA will um das Jahr 2020 auf dem Mond
eine erste bemannte Station errichten, an der sich andere
Raumfahrtorganisationen beteiligen können. Die von
Sonnenkollektoren mit Energie versorgte Kolonie solle am Südpol des
Erdtrabanten entstehen und nach ihrer Fertigstellung Basis zur
bemannten Erforschung des Sonnensystems werden, erklärte die NASA.
Auf der Mondstation Wasser und Raketentreibstoff erzeugt werden. Damit
soll der erste bemannte Raumflug auf den Mars vorbereitet werden.
Vor dem Bau der Station sollen zunächst unbemannte Missionen zum
Mond geschickt werden. Diese sollen das Terrain erkunden. Wenn alle
Wohn- und Energieerzeugungsmodule in Betrieb sind, soll die Mondbasis
für Missionen bis zu einem halben Jahr genutzt werden. Wie die
Internationale Raumstation ISS soll das milliardenteure Projekt allen
interessierten Raumfahrtorganisationen offenstehen. "Diese Strategie
erlaubt es interessierten Ländern, ihre Kapazitäten und
finanziellen und technischen Beiträge wirksam einzusetzen", sagte
die stellvertretende NASA-Chefin Shana Dale.
Die NASA hatte in den vergangenen Monaten mehr als 1000 Experten von 13
Raumfahrtorganisationen zu einer künftigen Mondmission befragt,
darunter Vertreter aus China, Indien, Russland und der Ukraine, aber
auch Privatunternehmen, die Raumflüge planen. Zentrale Fragen seien
gewesen: "Warum kehren wir zum Mond zurück?" und "Was wollen wir
tun, wenn wir dort ankommen?" Die Mond-Pläne sollen bis Mittwoch
auf der Weltraum-Erforschungskonferenz in Houston im US-Bundesstaat
Texas präzisiert werden.
Die europäische Raumfahrtagentur ESA prüft eine Beteiligung
an der geplanten US-Raumstation auf dem Mond. Das Projekt interessiere
die ESA im Rahmen ihrer "globalen Strategie der Planetenerforschung",
sagte der Leiter der ESA-Koordinationsstelle für bemannte
Raumflüge und Erforschung, Piero Massima, in Paris: "Wir sind heute
auf der Internationalen Raumstation ISS, wir können uns nicht
vorstellen, dass wir nicht auf einer planetaren Basis sein werden -
zunächst auf dem Mond und später auf einem anderen Planeten."
(Quelle: afp)