Aktuelle Nachrichten
Irak am achthunderteinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Baker-Kommission empfiehlt Diplomatie-Initiative im Irak und
Rückzug der US-Kampftruppen bis 2008. Deutsche Politiker
zurückhaltend bei aktiver Hilfe für Irak. Sieg im Irak nach
Einschätzung des britischen Premierministers Blair derzeit
nicht in Sicht. Acht Tote bei Anschlag auf Markt in Bagdad. Erneut zehn
US-Soldaten im Irak getötet. Irakische Sicherheitskräfte
unterwandert
Do.07.12.06 - Die so genannten Baker-Kommission hat vor einem Chaos im Nahen Osten
gewarnt und einen Strategiewechsel in der US-Politik empfohlen.
Der Irak befinde sich in einer «ernsten und sich
verschlechternden» Lage, heißt es in dem mit Spannung
erwarteten Bericht der überparteilichen Kommission, der am
Mittwoch in Washington US-Präsident George W. Bush überreicht
wurde.
Die 142-seitige Studie empfiehlt einen Rückzug der US-Kampftruppen
bis 2008 sowie Verhandlungen der USA mit dem Iran und Syrien. Bush
hatte stets einen Zeitplan für einen Truppenabzug sowie
Gespräche mit Teheran und Damaskus abgelehnt. «Angesichts
der Möglichkeiten des Irans und Syriens, die Ereignisse im Irak zu
beeinflussen, und ihres Interesses an der Vermeidung eines Chaos im
Irak, sollten die USA sie konstruktiv einbinden», empfiehlt die
Kommission.
Dringend notwendig sei auch eine neue US-Initiative zur Lösung des
israelisch-palästinensischen Konflikts, so das Papier. Die
bisherige Strategie müsse geändert und neue Optionen
wahrgenommen werden, um den «Albtraum der Gewalt» zu
beenden, betonte der republikanische Ex- Außenminister James
Baker, der gemeinsam mit dem Demokraten Lee Hamilton die
zehnköpfige Kommission geleitet hatte. Für die Lösung
der Probleme im Irak gebe es keine «Zauberformel», sagte
Baker. Aber es sei «Zeit für einen neuen Weg vorwärts,
für einen neuen Ansatz». Die Regierung im Irak erreiche
derzeit nicht die angestrebten Ziele der nationalen Versöhnung und
der Kontrolle der Sicherheit.
Es gehe nun um einen «verantwortungsvollen» Rückzug
der US-Kampftruppen, die rasche Übertragung der Verantwortung
für die Sicherheit im Land auf die irakische Regierung und eine
neue diplomatische Initiative in der Region, betonte Hamilton.
Während die US-Kampftruppen reduziert werden sollten, müssten
künftig mehr US-Militärs die irakischen
Sicherheitskräfte trainieren und - in irakische Verbände
integriert - unterstützen. Bis 2008 sollten - «vorbehaltlich
unerwarteter Entwicklungen der Sicherheitslage» - alle
US-Kampftruppen den Irak verlassen.
Die Kommission warnt eindringlich vor einer drohenden negativen
Entwicklung in Nahost. «Wenn sich die Lage weiter verschlechtert,
können die Folgen schwerwiegend sein. (...) Ein Abgleiten ins
Chaos könnte den Zusammenbruch der irakischen Regierung und eine
humanitäre Katastrophe bewirken.» Dann drohten
Interventionen der Nachbarstaaten sowie eine Zunahme der
sunnitisch-schiitischen Spannungen. Auch die Terrororganisation El
Kaida würde einen Propagandasieg verbuchen und ihre
Operationsbasis im Irak erweitern. «Die globale Rolle der USA
könnte sich verringern, die Polarisierung der Amerikaner
zunehmen.»
Bush betonte, dass er die 79 Vorschläge der Kommission «sehr
ernst nehmen» werde. Der Bericht biete eine Chance für eine
neue Einigkeit in der Irak-Politik der USA. Das Land sei des
«politischen Gezänks» in Washington leid, sagte Bush.
Nun gehe es darum, überparteilich gemeinsame Grundlagen zu finden.
Ein Sieg im Irak ist nach Einschätzung des britischen
Premierministers Tony Blair derzeit nicht in Sicht. Der Westen
müsse aber weiterhin versuchen, den Einsatz zu einem Erfolg zu
machen und die selbst gesetzten Ziele zu verwirklichen, sagte Blair am
Mittwoch im Unterhaus in London. Am Vortag hatte bereits der
designierte US- Verteidigungsminister Robert Gates bei einer
Anhörung auf die Frage, ob die USA dabei seien, den Krieg zu
gewinnen, mit Nein geantwortet.
Blair will heute in Washington mit Bush über die Entwicklung im
Irak beraten. Blair wirbt bereits seit längerer Zeit für eine
diplomatische Gesamtlösung für den Nahen Osten, an der auch
Staaten wie Syrien und der Iran beteiligt werden.
Deutsche Außenpolitiker haben den Baker-Bericht als
Eingeständnis des Scheiterns gewertet. Der außenpolitische
Sprecher der SPD-Fraktion, Gert Weisskirchen, sagte der
«Frankfurter Rundschau» laut Vorabmeldung, in Washington
werde das Desaster erkannt, aber ein Ausweg sei nicht erkennbar. Es
drohe ein Sicherheitsvakuum. Offenbar wollten die USA die Europäer
zu größerer Präsenz im Irak überreden. Aber selbst
verstärkte Hilfe bei der Polizeiausbildung dürfe es auf
keinen Fall im Land selbst geben, sagte Weisskirchen.
Der Unionspolitiker Andreas Schockenhoff sagte, ein schrittweiser
US-Rückzug werde die Krise im Irak nach innen eher noch
verstärken. Auch er warnte davor, aus einem Abzug Verpflichtungen
für andere NATO-Partner abzuleiten. SPD-Fraktionschef Peter Struck
sagte der «Bild»-Zeitung, dass die USA einer großen
Fehleinschätzung erlegen seien. «Sie wollten Befreier sein -
werden aber als Besatzer wahrgenommen. Aus diesem Dilemma kommen sie
nur schwer heraus.»
Im Irak sind derweil zehn US-Soldaten bei Angriffen Aufständischer
getötet worden. Die Truppen seien an vier verschiedenen Orten von
Rebellen beschossen worden, sagte ein Militärsprecher in
Washington.
Bei einem Mörsergranaten-Anschlag auf einen Markt in Bagdad sind
am Mittwoch mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Etwa 40 weitere
wurden nach Polizeiangaben verletzt. Der Anschlag wurde am Vormittag im
Souk Haradsch im Norden der irakischen Hauptstadt verübt.
Eine knappe halbe Stunde später sprengte sich ein
Selbstmordattentäter im schiitischen Stadtviertel Sadr City in die
Luft. Der mutmaßliche sunnitische Extremist zündete seinen
Sprengsatz in einem Bus und riss zwei Menschen mit in den Tod.
Mindestens 15 Menschen erlitten Verletzungen, wie die Polizei mitteilte.
Ein ranghoher Sicherheitsbeauftrager entging unterdessen nur knapp
einem Mordanschlag. Die Attentäter schossen im Westen von Bagdad
auf das Auto von Muhssin Kassim al Jassiri, der der Wachmannschaft des
Bildungsministeriums vorsteht. Sein Fahrer wurde getötet.
Künftig sollen zunehmend einheimische Sicherheitskräfte die
Lage im Irak stabilisieren. Bisher konnten diese Terror und Gewalt
allerdings nicht eindämmen. Als größtes Problem gilt
die Unterwanderung durch Aufständische und Anhänger des alten
Systems von Saddam Hussein. Der zahlenmäßige Umfang der
Sicherheitskräfte variiert je nach Quelle.
Die Streitkräfte des Saddam-Regimes sind im Mai 2003 von den
Amerikanern aufgelöst worden. Viele militärische
Hinterlassenschaften wurden zerstört. Die neuen
Sicherheitskräfte werden mit Unterstützung der USA,
Großbritanniens, Australiens und Jordaniens aufgestellt. Die NATO
unterstützt die Ausbildung.
Die wichtigsten Säulen sind Armee und Polizei. Außerdem
verfügt das Bagdader Innenministerium über eigene Truppen.
Nach Angaben des Außenministeriums in Washington standen im
November insgesamt rund 323 000 Mann «trainierte und
ausgerüstete» Sicherheitskräfte, darunter Polizisten
und Militär, zur Verfügung. Dagegen gibt es nach offiziellen
Angaben aus Bagdad im Irak derzeit allein über 250 000 Soldaten
und etwa 220 000 Polizisten.
Besonders die Polizei sei von aufständischen Milizen und
Terroristen unterwandert, gab im vergangenen Jahr der nationale
irakische Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai zu. Nach US-
Erkenntnissen sind vor allem Mitglieder der «Mahdi-Armee»
des radikalen Schiitenpredigers Muktada al-Sadre und der pro-iranischen
Badr-Organisation hier eingeschleust worden.
(Quellen: dpa, ap, afp)
Auszüge aus dem Baker-Bericht
Im Bericht der unabhängigen US-Kommission unter der Leitung des
ehemaligen republikanischen US-Außenministers James Baker und des
Demokraten Lee Hamilton wird ein Strategiewechsel in der amerikanischen
Irak-Politik gefordert.
Im Folgenden Auszüge aus dem am Mittwoch in Washington
vorgestellten Bericht sowie Zitate von der Pressekonferenz Bakers und
Hamiltons:
«Wir glauben, dass es ein Fehler für die USA wäre, das
Land zu früh zu verlassen. (...) Wir empfehlen keinen
übereilten Truppenrückzug aus dem Irak, weil es zu einem
Blutbad und einem erweiterten regionalen Krieg führen
könnte.»
«Die Iraker wurden von einem albtraumhaften, tyrannischen Regime
befreit, nur um nun den Albtraum brutaler Gewalt zu erleben.»
«Die Lage im Irak ist ernst und verschlechtert sich. Es gibt
keinen Weg, der einen Erfolg garantiert. (...) Es gibt keine
Zauberformel, die die Probleme des Iraks lösen wird.»
«Die USA sollten deutlich die Zahl der Soldaten erhöhen,
einschließlich von Kampftruppen, die eingebettet in die
irakischen Armee-Einheiten diese unterstützen. (...) Wir empfehlen
eine fünffache Verstärkung der US-Truppen, die das irakische
Militär ausbilden, von (...) 4000 auf 20 000 Mann. Wir empfehlen
nicht, die Gesamtstärke der US-Truppen - wie vorgeschlagen - um
100 000 bis 200 000 Mann zu erhöhen. (...) Zusätzliche
Streitkräfte dieser Größenordnung sind einfach nicht
vorhanden.»
«Eine militärische Lösung wird die Gewalt im Irak nicht
beenden. Wir müssen den Irakern helfen, sich selbst zu
helfen.»
«Die Ereignisse im Irak könnten unsere Empfehlungen
überholen. Aus diesem Grund glauben wir, dass Entscheidungen mit
einiger Dringlichkeit von unseren führenden Politikern getroffen
werden sollten.»
«Wir empfehlen keine Teilung des Iraks. (...) Das könnte zu
einem humanitären Desaster und einem breit angelegten
Bürgerkrieg führen.»
Quelle: dpa, 06.12.2006
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 07.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.07.12.05 - Mindestens 43 Tote bei blutigstem Anschlag im Irak seit Februar:
Attentäter zünden Sprengsätze in Polizeischule +++ Offenbar
Amerikaner im Irak entführt +++ Moslem-Organisationen fordern
Freilassung von Geiseln im Irak +++ US-Verteidigungsminister Rumsfeld:
Aufstand im Irak stärker als erwartet +++ Zeuginnen sagen im Prozess
gegen Saddam Hussein aus +++ 'Allah steh uns bei!': Der Alltag im Irak als Überlebenskampf -
Von den Öl-Dollars sieht die Bevölkerung nichts...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Afghanistan: Acht Tote bei Selbstmordanschlag in Kandahar
Do.07.12.06 - Ein Selbstmordattentäter hat sich am Mittwoch in der
südafghanischen Stadt Kandahar in die Luft gesprengt und sieben
Menschen mit in den Tod gerissen. Bei den Opfern handelt es sich laut
Polizei um zwei Amerikaner, vier afghanische Polizisten sowie einen
Dolmetscher. Drei weitere Menschen wurden verletzt. Ziel des Anschlags
war eine Gruppe, die gerade das Gelände einer US-Sicherheitsfirma
verließ. Es war der sechste Selbstmordanschlag in der Provinz
Kandahar in den vergangenen neun Tagen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israels Außenministerin Livni verteidigt Tiefflüge über
dem Libanon. Vize-Ministerpräsident Peres: Einheitsregierung der
Palästinenser wäre nur Fassade. UN wollen um 450 Millionen
Dollar für die Palästinenser bitten
Do.07.12.06 - Die israelische Außenministerin Zipi Livni hat die umstrittenen
Tiefflüge über dem Libanon am Mittwoch verteidigt. Die
Flüge seien für die Aufklärung erforderlich, sagte sie
nach einem Treffen mit ihrem französischen Kollegen Philippe
Douste-Blazy in Paris.
Ein Scheinangriff der israelischen Streitkräfte auf UN-Stellungen
im Libanon hätte Ende Oktober fast zu einem Zwischenfall
geführt. Die französischen UN-Truppen standen nach Angaben des
Verteidigungsministeriums nur Sekunden davor, die israelischen Jets
abzuschießen.
Livni erklärte, die Flüge seinen eine
Vorsichtsmaßnahme, um Raketen der libanesischen Hisbollah-Miliz zu
orten. Die Grenze zu Syrien, die als Schmuggelroute für Waffen
gilt, sei nach wie vor offen. Douste-Blazy appellierte an Israel, die
UN-Resolution vom 14. August zu respektieren. Diese schreibt vor, dass
die libanesische Regierung gegen den Waffenschmuggel vorgeht. Zugleich
fordert sie von Israel, die libanesischen Grenzen zu respektieren - und
damit die Überflüge einzustellen.
Eine Einheitsregierung der Palästinenser wäre Israel zufolge
nur eine Fassade, hinter der die radikale Hamas weiter ihre
israelfeindliche Politik betreiben würde.
Vize-Ministerpräsident Schimon Peres sagte am Mittwoch im
israelischen Hörfunk, in einer von der Hamas und der
gemäßigteren Fatah-Bewegung gebildeten Regierung der
nationalen Einheit würde die Hamas das Sagen haben. "Die Hamas will
die Fatah als Schutz benutzen, eine Fassade, damit sie an Geld kommen
kann." Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas von der Fatah hat
erklärt, die Gespräche über eine solche Regierung seien
in eine Sackgasse geraten, sie jedoch noch nicht für gescheitert
erklärt.
Die Hamas setzt sich für die Vernichtung Israels ein. Seitdem sie
die Regierung stellt, hat der Westen seine direkte Hilfe für die
Palästinenser-Regierung ausgesetzt.
Die Vereinten Nationen wollen derweil die internationale Gemeinschaft
um Finanzhilfe in Höhe von 450 Millionen Dollar (339 Millionen
Euro) für die Palästinenser bitten. Zur Begründung
verwiesen die UN am Mittwoch auf Armut und Arbeitslosigkeit im
Gazastreifen und im Westjordanland. Das Geld solle für die
Schaffung von Arbeitsplätzen, für direkte finanzielle
Unterstützung und für Lebensmittelhilfen ausgegeben werden,
sagte der Leiter des UN-Büros für die Koordinierung
Humanitärer Angelegenheiten, David Shearer. Außerdem sollten
das Gesundheits- und das Bildungssystem gestärkt werden. Die
palästinensische Wirtschaft ist wegen des internationalen Boykotts
der Hamas-Regierung weitgehend zusammengebrochen. Die Vereinten
Nationen wollten ihren Spendenaufruf am (heutigen) Donnerstag
veröffentlichen.
(Quellen: afp, rtr, ap)
UN beschließen regionale Eingreiftruppe für Somalia
Do.07.12.06 - Der UN-Sicherheitsrat hat am Mittwoch der Entsendung einer regionalen
Eingreiftruppe für Somalia zugestimmt. Die Soldaten sollen die
geschwächte somalische Regierung vor dem wachsenden Druck
islamischer Milizionäre schützen, wie es in einer von den USA
vorgelegten Resolution hieß, die der Sicherheitsrat einstimmig
verabschiedete. Darin werden die Islamisten aufgerufen, die Gewalt zu
stoppen und sich gemeinsam mit der Übergangsregierung um eine
friedliche Lösung zu bemühen. Die Milizionäre haben seit
Juni die Hauptstadt Mogadischu sowie einen Großteil
Südsomalias besetzt.
Das Land am Horn von Afrika versank nach dem Sturz des
langjährigen Machthabers Mohammed Siad Barre 1991 in Anarchie. Die
mit Hilfe der Vereinten Nationen eingesetzte Übergangsregierung
ist nahezu machtlos.
(Quelle: ap)
Nachfrage nach Bio-Kraftstoffen sorgt für teures Getreide in China
Do.07.12.06 - Das Interesse an Bio-Kraftstoffen hat in China für einen
erheblichen Anstieg der Getreidepreise gesorgt. Die Preise von Mais,
Soja und Weizen reichen wegen der Nachfrage chinesischer sowie
ausländischer Investoren nach alternativen Treibstoffen an
Rekordpreise heran, wie die englischsprachige Zeitung "China Daily" am
Mittwoch berichtete. Aufgrund der wachsenden Bedeutung alternativer
Energien würden die Getreidepreise weiter steigen, sagte
Agrarwissenschaftler Wang Jimin voraus. An der Warenbörse im
nordöstlichen Dalian legte der Getreidepreis im Oktober und
November laut "China Daily" um knapp ein Fünftel zu und erreichte
damit ein Zehnjahreshoch.
(Quelle: afp)
EU-Kommission strebt Handelsabkommen mit Asien und Lateinamerika an
Do.07.12.06 - Die EU-Kommission will sich um bilaterale Handelsabkommen mit mehreren
asiatischen und lateinamerikanischen Staaten bemühen.
Handelskommissar Peter Mandelson erklärte am Mittwoch in
Brüssel, er wolle die EU-Mitgliedstaaten um ein Mandat für
entsprechende Verhandlungen bitten.
In Asien will Mandelson mit Indien, Südkorea und dem Verband
Südostasiatischer Staaten (ASEAN) verhandeln. Die Vertiefung der
Handelsbeziehungen mit den Ländern Zentralamerikas und der
Andengemeinschaft soll im Rahmen von Assoziierungsabkommen erfolgen,
die auch einen verstärkten politischen Dialog einschließen
sollen. Langfristig strebt die Kommission eine Freihandelszone zwischen
der EU, Zentralamerika und der Andengemeinschaft an.
Mit den geplanten bilateralen Verhandlungen reagiert die EU auf das
Scheitern der Gespräche im Rahmen der Welthandelsorganisation
(WTO). Mandelson bekräftigte am Mittwoch jedoch, die EU strebe
weiterhin eine Wiederaufnahme der WTO-Verhandlungen an.
Zwiespältig äußerte er sich der Handelskommissar zur
Rolle der USA. Auf der einen Seite sei es zu befürchten, dass es
nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den jüngsten Kongresswahlen
zu «Reibereien zwischen dem Kongress und der republikanischen
Regierung» kommen werde. Andererseits habe er die Hoffnung, dass
die Demokraten die Bedeutung der Welthandelsgespräche
«für den Multilateralismus insgesamt» erkennen
würden.
(Quelle: ap)
UN-Studie: Jede fünfte Frau in Kolumbien Opfer von Gewalt
Do.07.12.06 - Gewalt gegen Frauen ist in Kolumbien traurige Realität: Jede
fünfte Frau wird mindestens einmal im Leben Opfer von Gewalt durch
ihren Partner, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie der
Vereinten Nationen zeigte. Statistisch gesehen wird alle sechs Tage eine
Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht. In 90 Prozent aller
Fälle von physischer Gewalt in dem südamerikanischen Land ist
diese gegen Frauen gerichtet. Frauen seien in Kolumbien genau so
bedroht wie in Afghanistan, Ruanda oder im Kongo, sagte die
UN-Mitarbeiterin Donny Meertens.
(Quelle: afp)
Studie: Starke Vorurteile gegen psychisch Kranke in Europa
Do.07.12.06 - Psychisch Kranke in der Europäischen Union haben gegen viele
Vorurteile zu kämpfen: Nach einer von der EU-Kommission
vorgestellten Erhebung sehen 37 Prozent der Befragten in Menschen mit
psychischen Problemen eine Gefahr für andere. Mehr als ein
Fünftel glauben, dass seelisch Kranke nie ganz gesund werden
können und 14 Prozent geben den Betroffenen selbst die Schuld an
ihren Problemen.
Gesundheitskommissar Markos Kyprianou nannte das Thema geistige
Gesundheit eine der drängendsten Herausforderungen der
EU-Gesundheitspolitik: Immerhin habe jeder vierte EU-Bürger
mindestens einmal im Leben mit psychischen Problemen zu kämpfen.
Am ehesten leiden nach der EU-Studie Frauen, Senioren, Rentner und
Menschen, die viel zu Hause sind - beziehungsweise Menschen, auf die
gleich mehrere dieser Merkmale zutreffen - unter psychischen Problemen.
Die Zahl der Europäer, die in den zwölf Monaten vor der
Erhebung unter schweren Depressionen litten, wurde auf knapp 19
Millionen geschätzt. Etwa 13 Prozent der EU-Bürger habe in
diesem Zeitraum wegen psychischer Probleme professionelle Hilfe gesucht.
(Quelle: afp)
Deutschland
'Bürgerrechte in Gefahr' - Empörung über
Abhöraktion im Fall El Masri
Do.07.12.06 - Die Abhöraktion der Staatsanwaltschaft gegen den Anwalt des
verschleppten Deutsch-Libanesen Khaled el Masri hat Empörung
ausgelöst. Vertreter von SPD, FDP, Grünen und der
Journalistenverband sprachen am Mittwoch von einem ungeheuerlichen
Vorgang.
Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy
(SPD), nannte das Vorgehen der Staatsanwaltschaft unzulässig,
Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sah
einen «ganz großen Skandal». Medienberichten zufolge
hat die Staatsanwaltschaft München Telefongespräche zwischen
El Masris Anwalt Manfred Gnjidic und Journalisten des
«Stern» und des ZDF abgehört.
Der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld verteidigte
die Abhöraktion. Er sagte der dpa: «Dass wir bei dem Anwalt
eine Telefonüberwachung geschaltet hatten, ist keineswegs etwas
Neues. Dass sich diese Abhörmaßnahme gegen Journalisten
richtete, muss ich aber deutlich zurückweisen.» Es sei nicht
auszuschließen, dass es während der Maßnahme auch
einmal ein Telefonat mit einem Journalisten gegeben habe. «Wir
wissen ja nicht von vorneherein, wer da alles anruft.» Ob dabei
Telefonate von Journalisten aufgezeichnet und zu den Akten genommen
worden seien, könne er derzeit nicht bestätigen.
«Das ist eine klare Kompetenzüberschreitung und nicht
rechtskonform», sagte Edathy dem «Kölner
Stadt-Anzeiger» (Donnerstag). Der SPD-Innenexperte Dieter
Wiefelspütz sagte dem Blatt: «Es ist ein abenteuerlicher
Vorgang, wenn das Opfer einer schweren Menschenrechtsverletzung nun
auch in Deutschland zum Justizopfer gemacht wird.»
Grünen-Chefin Claudia Roth sprach von einem Anschlag auf die
Pressefreiheit. Der Deutsche Journalisten- Verband (DJV) protestierte
ebenfalls scharf.
FDP-Fraktionsvize Leutheusser-Schnarrenberger sagte der
«Netzeitung»: «Die Bürgerrechte sind ganz
konkret in Gefahr.» Der FDP-Innenexperte Max Stadler warnte,
derartige Maßnahmen entwerteten das Grundgesetz.
«Künftig muss man also, wenn man eine Straftat anzeigt,
damit rechnen, dass man als Opfer selbst abgehört wird, ebenso der
eigene Anwalt.»
Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken erklärte, die
Abhöraktion sei ein weiterer Beweis, dass die Strafprozessordnung
Journalisten nicht ausreichend schütze. «Die staatlichen
Ermittler haben die Journalisten erneut benutzt, um an Informationen zu
gelangen, die von der Pressefreiheit geschützt sind.» Die
Strafprozessordnung müsse überarbeitet und der Schutz der
Journalisten vor Lauschangriffen und Durchsuchungen angemessen
verankert werden. Auch Roth und Leutheusser-Schnarrenberger forderten
ein Einschreiten des Gesetzgebers.
Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» hat die
Staatsanwaltschaft München I Abschriften von fünf Telefonaten
und einer SMS als wichtig für die Ermittlungen gegen die bislang
unbekannten Entführer El Masris bewertet und angeordnet, die
Protokolle zu den Akten zu nehmen. Der «Stern» schrieb,
allein drei von sechs protokollierten Telefonatverbindungen
beträfen «Stern»- Redakteure. Der Anwalt hat bereits
beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde gegen das Abhören seines
Telefons eingelegt. Eine Bitte des Karlsruher Gerichts zur
Stellungnahme sei vergangene Woche eingegangen, bestätigte das
bayerische Justizministerium der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe eine
Frist bis Mitte Januar.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit mehr als zwei Jahren, wer El
Masri Anfang 2004 nach Afghanistan verschleppt und monatelang
festgehalten hat. Nach eigenen Aussagen war er von amerikanischen
Diensten verschleppt worden. Derzeit befasst sich in Berlin auch der
BND-Untersuchungsausschuss mit dem Fall. Er will aufklären, ob und
was deutsche Stellen von der Entführung wussten. Am 14. Dezember
will der Ausschuss zur Aufklärung der Arbeit der Geheimdienste bei
der internationalen Terrorbekämpfung auch Ex-Außenminister
Joschka Fischer (Grüne) befragen.
(Quelle: dpa)
Sozialverbände befürchten Ausweitung der Armut
Do.07.12.06 - Angesichts der neuen Armutsstudie des Statistischen Bundesamts warnt
der Paritätische Wohlfahrtsverband vor immer mehr Fällen
sozialer Ausgrenzung. Die Zahlen seien alarmierend und sehr hoch, sagte
Geschäftsführer Werner Hesse. Ver.di forderte am Mittwoch als
Konsequenz einen gesetzlichen Mindestlohn. «Die Untersuchung
zeigt, dass selbst Menschen mit einem Vollzeitjob immer häufiger
von Armut bedroht sind», sagte Gewerkschaftschef Frank Bsirske.
Er wies darauf hin, dass Stundenlöhne von drei oder vier Euro, wie
sie etwa im Friseurhandwerk oder im privaten Bewachungsgewerbe gezahlt
würden, für ein menschenwürdiges Leben nicht
ausreichten. «Das ist arbeitende Armut.»
Besonders hart trifft es laut Bsirske Alleinerziehende und
Teilzeitkräfte. «Es gibt Branchen und Regionen, wo wir eine
anständige Bezahlung nicht tarifvertraglich geregelt
kriegen», erklärte Bsirske. Er bezeichnete einen solchen
Mindestlohn in Höhe von 7,50 Euro als dringend erforderlich.
«In nahezu allen unseren westlichen Nachbarländern gibt es
das, warum soll das bei uns nicht funktionieren?», fragte er.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband wies darauf hin, dass es sich
um Zahlen aus dem Jahr 2004 handele: «Das hat sich
weiterentwickelt: Es gab die Einführung des Arbeitslosengeldes II,
wieder keine Rentenerhöhung, die finanziellen Kürzungen bei
den Ländern», sagte Hesse der «Berliner
zeitung». Sein Verband erwarte deshalb steigende Zahlen für
die kommenden Jahre.
Schon jetzt zeige sich eine Besorgnis erregende Entwicklung: «Man
geht nicht mehr zum Arzt, man ist nicht mehr in der Lage, seine Kinder
mit Schulmaterialien oder Pausenbroten zu versorgen», sagte Hesse.
Der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, sagte
derselben Zeitung zu der in der Studie definierten Armutsgrenze von 856
Euro, darunter fielen «Hunderttausende, wenn nicht Millionen von
Rentnern». Allein mehr als zwei Millionen Rentnerinnen
müssten monatlich mit 650 Euro auskommen.
Laut der am Dienstag veröffentlichten Statistik ist jeder Achte in
Deutschland arm oder lebt an der Grenze zur Armut. Betroffen waren im
Jahr 2004 rund 10,6 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Kinder
unter 16 Jahren. Danach sind wesentlich mehr Ostdeutsche von Geldnot
und sozialer Ausgrenzung bedroht als Westdeutsche: In den neuen
Ländern sind es 17, in der alten Bundesrepublik nur 12 Prozent.
Armutsrisiken sind vor allem Arbeitslosigkeit und fehlende
Bildungsabschlüsse. Vier von zehn Arbeitslosen sind
armutsgefährdet, ebenso ein Viertel der Menschen ohne
abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung, aber nur fünf Prozent
der Erwerbstätigen.
(Quelle: ap)
SPD und Grüne lehnen Gewerkschaftsvorschlag für ALG I ab
Do.07.12.06 - SPD und Grüne haben den Gewerkschaftsvorschlag abgelehnt, die
Zahlung des Arbeitslosengeldes I an das Alter zu koppeln. Die SPD
verfolge einen anderen Weg, sagte ihr Arbeitsmarktexperte Wolfgang
Grotthaus am Mittwoch im rbb-Inforadio. Die Richtung sei nicht eine
stärkere Alimentierung, sondern mehr Menschen in Arbeit zu bringen
oder erst gar nicht erwerbslos werden zu lassen.
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte
Pothmer, erklärte, der DGB-Vorschlag greife auf Regelungen
vergangener Tage zurück - je älter der Arbeitssuchende, desto
länger der Arbeitslosengeldbezug. Dieses alte Konzept berge die
Gefahr, alte Probleme neu zu beleben. Denn die früher
längeren Laufzeiten seien von den Unternehmen genutzt worden, um
Ältere aus dem Erwerbsleben zu drängen. Mit dem
Arbeitslosengeld sei die Übergangsphase vor dem Renteneintritt
finanziert worden.
Zustimmung kam dagegen von der Fraktion Die Linke. «Der Vorschlag
des DGB, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I für ältere
Arbeitnehmer zu verlängern, findet unsere volle
Unterstützung», erklärte die arbeitsmarktpolitische
Sprecherin der Fraktion, Kornelia Möller. Mit seinem Entwurf
schaffe der DGB mehr Gerechtigkeit für ältere Arbeitnehmer,
ohne dass andere die Zeche zahlen müssten.
Der DGB hatte am Dienstag nach Informationen der «Berliner
Zeitung» ein detailliertes Konzept verabschiedet, das eine
Staffelung der Bezugsdauer von ALG I vorsieht. Maßgeblich
dafür solle aber vor allem das Alter der Jobsuchenden sein und
nicht wie von der CDU geplant die Dauer der Beitragszahlung.
(Quelle: ap)
Deutsche skeptisch beim Investivlohn
Do.07.12.06 - Die Deutschen sind in der Investivlohn-Frage gespalten. Einer
Forsa-Umfrage vom Mittwoch zufolge würden es nur 47 Prozent der
Arbeiter und Angestellten begrüßen, wenn sie statt einer
Lohnerhöhung eine Kapitalbeteiligung erhalten könnten.
Dagegen sind 49 Prozent der gegenteiligen Auffassung.
SPD-Chef Kurt Beck warb derweil erneut für eine Beteiligung am
betrieblichen Vermögen. Dies sei die «Chance, eine
Veränderung auch in der Vermögensverteilung zu
erreichen». Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident
betonte im Mainzer Landtag, die Verteilung in Deutschland sei
«deutlich auseinander geklafft» zugunsten der
Kapitalinhaber. Er fügte hinzu: «Das müssen wir wieder
zusammenführen.»
Zugleich verteidigte der SPD-Chef seine Forderung nach höheren
Löhnen. Mit einer Einmischung in die Tarifautonomie habe dies
«nichts zu tun». Beck erinnerte daran, dass die
Effizienzgewinne der Unternehmen «teilweise mit sehr harten
Schnitten für die Arbeitnehmer» erreicht worden seien. Die
SPD sei deshalb dafür, «dass ein angemessener Lohnanteil
jetzt möglich ist».
CSU-Generalsekretär Markus Söder mahnte dagegen, eine
»vernünftige Beteiligung« der Arbeitnehmer am
Aufschwung sei zwar gerecht. Es dürfe aber keine überzogenen
Forderungen der Gewerkschaften oder gar einen Arbeitskampf geben. Sonst
werde das »zarte Pflänzchen Aufschwung«
möglicherweise »kaputt gemacht«. Söder nannte es
richtig, die Beschäftigten in Zukunft mit Investivlöhnen am
Unternehmenserfolg zu beteiligen.
Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der Unions-Fraktion, Gerald
Weiß (CDU), forderte, noch in dieser Legislaturperiode die
Rahmenbedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen zu verbessern. Er
betonte: «Wir haben jetzt eine historische Chance, dieses Thema
schnell über die Bühne zu bekommen.« Er könne sich
gut vorstellen, dass die Union mit der SPD eine zügige Einigung
erziele.
Scharfer Widerspruch kam vom Präsidenten des Hamburgischen
Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar. Er sagte: «Es
ist für mich schon schwer zu verstehen, warum der Investivlohn
jetzt wieder aus der Mottenkiste geholt wird.» Es dürfe
keine Pflicht für Beschäftigte geben, Geld in ihr Unternehmen
zu investieren - dies wäre »ein ordnungspolitischer
Fehler«.
(Quelle: ddp)
Metaller protestieren gegen geplante Rente mit 67
Do.07.12.06 - Mehrere tausend Beschäftigte der niedersächsischen
Metallindustrie haben am Mittwoch in Salzgitter gegen die Rentenpolitik
der Bundesregierung demonstriert. Mit Transparenten wie
«Salzghetto - Ohne Ausbildung keine Zukunft» machten
Mitarbeiter und Auszubildende der Salzgitter AG, von Volkswagen, Bosch
und MAN auf einer Kundgebung ihrem Unmut über geplante
Rentenkürzungen Luft und plädierten für die Beibehaltung
der Altersteilzeitreglung. Die IG Metall sprach von etwa 4000
Teilnehmern, die Polizei von 3000.
Der Protest richtete sich nach Angaben der Gewerkschaft gegen die von
der großen Koalition geplante Einführung der Rente mit 67.
Die derzeitige Altersteilzeitreglung sei
«Beschäftigungsbrücke zwischen Jung und Alt»,
sagte ein IG-Metall-Sprecher. Aus diesem Grund hätten sich auch
zahlreiche Jugendliche an der Protestaktion beteiligt. Wenn sich die
Bundesregierung mit ihren Plänen durchsetze, würden viele
Arbeitnehmer in die Altersarmut getrieben, und Kinder hätten es
noch schwerer, einen Ausbildungsplatz zu finden, sagte der Erste
Bevollmächtigte der IG-Metall-Verwaltungsstelle Salzgitter,
Wolfgang Räschke.
Der Protest sei notwendig gewesen, weil Aufforderungen der Gewerkschaft
an alle Abgeordneten im Land, sich in den Betrieben ein Bild von der
Arbeitswelt zu machen, größtenteils ignoriert worden seien.
Kaum ein Abgeordneter habe bisher den Arbeitern in den Betrieben
erklärt, wie sie bis zum 67. Lebensjahr durchhalten können,
betonte die IG Metall.
Die Proteste in Salzgitter seien erst der Anfang, sagte
IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. Wenn Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) und Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) weiterhin an
der Rente mit 67 festhalten, "sollten sie sich warm anziehen. Wir werden
die Proteste auch 2007 fortführen», betonte Meine.
(Quelle: ddp)
Atomkraftgegner protestieren im niedersächsischen Landtag gegen
Endlagerpolitik
Do.07.12.06 - Begleitet von Rangeleien mit der Polizei haben Atomkraftgegner im
niedersächsischen Landtag gegen die Endlagerpolitik der
Landesregierung protestiert. Im Plenarsaal entrollten sie am Mittwoch
nach Angaben der Bürgerinitiative Umweltschutz
Lüchow-Dannenberg Transparente und versuchten, sich am Rednerpult
anzuketten. Weitere als Nikoläuse verkleidete Demonstranten
versperrten mit symbolischen Atommülldosen für etwa 20 Minuten
die Eingangstür zum Landtagsgebäude in Hannover.
Zuvor war es bei einer nicht angemeldeten Demonstration vor dem Landtag
zu Handgreiflichkeiten zwischen Atomkraftgegnern und der Polizei
gekommen. Nach Angaben der Polizei war zunächst ein Bus mit
mehreren Personen vor dem Gebäude in der Innenstadt vorgefahren.
Anschließend sei es etwa 30 bis 40 Demonstranten gelungen, in den
Landtag zu kommen. Dabei habe es Rangeleien gegeben.
Laut Polizei gab es bei der Protestaktion weder Verletzte noch
Festnahmen. Die Atomkraftgegner hätten gegen das Versammlungsrecht
verstoßen, da vor dem Landtag aufgrund der Bannmeile keine
Demonstrationen erlaubt seien. Zudem deuteten die mitgeführten
Transparente nicht auf eine Spontanaktion hin.
Im niedersächsischen Gorleben befindet sich das einzige
Atommüll-Endlager Deutschlands. Die regelmäßigen
Atommüll-Transporte dorthin werden stets von Tausenden teils
gewaltbereiten Demonstranten begleitet.
(Quelle: ddp)
Studentenwerk verlangt massiven Ausbau der Studienplätze
Do.07.12.06 - Das Deutsche Studentenwerk hat deutlich mehr Geld für die
Hochschulen verlangt und eine bessere Förderung finanzschwacher
Studenten angemahnt. «Wir schaffen mehr Chancengleichheit nur mit
massiven Investitionen in die Bildung und einem massiven Ausbau der
Studienplätze», sagte DSW-Präsident Rolf Dobischat am
Mittwoch in Berlin. Auch ein an Exzellenz und Wettbewerb orientiertes
Hochschulsystem müsse sozial durchlässig sein, besonders
für junge Menschen, die nicht aus finanz- und bildungsstarken
Familien stammen.
Das Deutsche Studentenwerk appellierte deshalb an Bund und Länder,
Sofortmaßnahmen zu ergreifen und das seit 2001 stagnierende
BAföG zu verbessern. Die Freibeträge, Bedarfssätze und
Sozialpauschalen müssten rasch angehoben werden, außerdem
solle die Ausbildungsförderung für finanzschwache Studenten
und Schüler automatisch jährlich an die Preis- und
Einkommensentwicklung angepasst werden, forderten die 61 Studentenwerke
auf ihrer Mitgliederversammlung.
Dobischat erklärte dazu: «Ohne eine starke
Breitenförderung über das BAföG keine Spitze, ohne
Massenförderung keine Begabtenförderung.» Deutschland
sei auf ein starkes BAföG angewiesen, wenn wirklich 40 Prozent
eines Jahrganges ein Studium aufnehmen sollen. Derzeit beziehen 507.000
der rund zwei Millionen Studierenden BAföG.
Dobischat verwahrte sich dagegen, das BAföG mit kommerziellen
Studienkrediten zu vergleichen: «Das BAföG ist eine
Investition in begabte Menschen und damit die Zukunft unseres Landes;
ein Studienkredit ist ein Kredit, er wird nie jene segensreiche
gesellschaftliche Wirkung haben wie das BAföG.» Das
BAföG wird zu 65 Prozent vom Bund, zu 35 Prozent von den
Ländern finanziert und zur Hälfte als Zuschuss, zur
Hälfte als zinsloses Darlehen ausbezahlt.
In Ergänzung zum jüngst beschlossenen Hochschulpakt verlangte
das DSW zusätzliche Investitionen. Nötig seien 700 Millionen
Euro mehr, vor allem für Wohnheime und Mensen.
Dobischat zeigte sich zugleich besorgt, dass angesichts stark
steigender Studierenden-Zahlen und gleichzeitig immer mehr
Zulassungsbeschränkungen der Hochschulen viele studierwillige junge
Menschen vor verschlossenen Türen stehen.
(Quelle: ap)
Rheinland-Pfalz stellt Pläne für Studiengebühren
zurück
Do.07.12.06 - Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat die Pläne
für eine so genannte Landeskinderregelung bei den
Studiengebühren zurück gestellt. Damit werden auch
Studierende, die an einer rheinland-pfälzischen Hochschule
studieren, aber im Land nicht ihren ersten Wohnsitz haben, bis auf
weiteres keine Studiengebühren zahlen müssen. Ein
Gesetzentwurf der Landesregierung sah ursprünglich vor, von
auswärtigen Studenten ab dem kommenden Jahr Studiengebühren
von 500 Euro pro Semester zu verlangen. Für Studierende mit erstem
Wohnsitz in Rheinland-Pfalz sollte das Studium ohnehin
gebührenfrei bleiben.
Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) verwies am Mittwoch in Mainz auf
die zu erwartende Einigung auf den Hochschulpakt 2020. Durch den Pakt
werde Rheinland-Pfalz zusätzliche Bundesmittel erhalten. Diese
seien ausreichend, um bis 2010 insgesamt 5.800 zusätzliche
Studienplätze zu schaffen. Durch die jetzt absehbare Einigung von
Bund und Länder hat sich eine Änderung der Gesamtsituation
ergeben, die noch nicht Anlass zur Entwarnung, wohl aber zur
Entspannung gibt», sagte Ahnen. Die Landesregierung sei dank des
Hochschulpakts zuversichtlich, das Niveau der
rheinland-pfälzischen Hochschulausbildung auch bei steigenden
Studierendenzahlen halten zu können.
Wie der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Hartloff,
erklärte, soll die Landeskinderregelung nun zwar gesetzlich
verankert werden. Sie solle jedoch erst dann zur Anwendung kommen, wenn
die rheinland-pfälzischen Hochschulen durch den Ansturm von
Studenten aus anderen Ländern tatsächlich überzulaufen
drohen.
(Quelle: ap)