Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Neue Irak-Strategie noch vor Jahresende? Deutschland soll sich an
Irak-Gruppe beteiligen. US-Präsident Bush knüpft
Gespräche mit Syrien und Iran an Bedingungen. Arabische Welt sieht
im Irak-Bericht eine Niederlage der USA. Elf US-Soldaten an einem Tag
im Irak getötet. Der Krieg im Irak hat seit Beginn im März
2003 mindestens 2.919 US-Soldaten das Leben gekostet
Fr.08.12.06 - US-Präsident George W. Bush wird eventuell noch vor Jahresende
einen Kurswechsel in der Irak-Strategie vornehmen. Zuvor müsse Bush
jedoch die Empfehlungen der so genannten Baker-Kommission mit zwei
weiteren von ihm in Auftrag gegebenen Studien zur Irak-Politik
vergleichen.
Das sagte Präsidentensprecher Tony Snow am späten
Mittwochabend (Ortszeit) dem US-Sender CNN. «Wir hoffen, dass wir
bis dahin alles zusammengetragen haben, so dass der Präsident
vielleicht zum Jahresende einen neuen Weg nach vorn verkünden
kann», sagte Snow.
Die Studie der vom früheren US-Außenminister James Baker und
dem Demokraten Lee Hamilton geleiteten unabhängigen Kommission
hatten unter anderem einen Rückzug der US-Kampftruppen bis 2008
sowie Verhandlungen mit dem Iran und Syrien empfohlen. Der
Präsident hat außerdem zwei weitere Studien beim Nationalen
Sicherheitsrat und dem Generalstab in Auftrag gegeben.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier kündigte
an, er werde am (heutigen) Freitag ausführlich mit
US-Außenministerin Condoleezza Rice über die Empfehlungen der
Baker-Kommission reden. Er wolle vor allem in Erfahrungen bringen,
"welchen Empfehlungen der Kommission die Regierung gegebenenfalls folgen
wird", sagte er in Berlin vor seiner Abreise in die USA.
Der unabhängige Expertenrat unter Leitung des ehemaligen
US-Außenministers James Baker hat unter anderem Deutschland als
Mitglied der Unterstützungsgruppe vorgeschlagen, die Syrien und den
Iran in die Bemühungen um eine Stabilisierung des Iraks einbinden
soll.
Eine deutsche Beteiligung an einer internationalen
Irak-Unterstützungsgruppe ist in der Regierungskoalition auf ein
positives Echo gestoßen.
Deutschland und Europa könnten dabei helfen, auch mit Syrien und
dem Iran eine Zusammenarbeit bei der Befriedung des Iraks zu erreichen,
sagte der Koordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen,
Karsten Voigt, am Donnerstag.
Einen Dialog mit den beiden Nachbarstaaten des Iraks bezeichnete Voigt
als unbedingt nötig. Auch der SPD-Außenexperte Walter Kolbow
sprach sich für eine Beteiligung an der vorgeschlagenen Gruppe aus.
Deutschland könne in eine solche diplomatische Initiative seine
breite internationale Akzeptanz einbringen, sagte der
Vize-Fraktionsvorsitzende der SPD. "Man hört auf uns. Wir sind
außenpolitisch in Europa und international angesehen", sagte
Kolbow. Es liege im deutschem Interesse, dass sich in der gesamten
nahöstlichen Region ein intensiver Friedensprozess entwickle.
Die Gruppe soll der Baker-Kommission zufolge die irakische Regierung
dabei unterstützen, den Golfstaat zu stabilisieren. Die Experten
haben vorgeschlagen, Länder wie Deutschland, Japan und
Südkorea zu beteiligen, "die bereit sein könnten, zur
Lösung der politischen, diplomatischen und Sicherheitsprobleme des
Iraks beizutragen". Die Unterstützungsgruppe soll Teil der breit
angelegten diplomatischen Initiative der USA werden, die die Experten
als Grundlage für den Kurswechsel im Irak fordern.
"Die Unterstützungsgruppe soll spezielle Herangehensweisen an die
Nachbarländer entwickeln, die deren Interessen, Perspektiven und
mögliche Beiträge in Betracht ziehen", heißt es in dem
Baker-Bericht, der am Vortag vorgelegt wurde. Neben Iran und Syrien
sollen demnach auch die Türkei und Jordanien als angrenzende
Staaten einbezogen werden sowie Schlüsselstaaten der Region wie
Ägypten. Mitglieder könnten demnach außer dem Irak und
der USA die übrigen vier Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat, die
Vereinten Nationen (UN) und die Europäische Union (EU) sein.
Die Kommission drängte Bush dazu, die vorgeschlagene diplomatische
Initiative noch vor Jahresende zu starten. Kürzlich hatte auch der
engste Verbündete Bushs im Irak, der britische Premierminister Tony
Blair, eine Beteiligung Syriens und Irans gefordert. Bush hat Syrien
und den Iran wiederholt als Schurkenstaaten bezeichnet und ihnen
vorgeworfen, Terror-Gruppen und den Aufstand im Irak zu
Die Reaktionen im US-Kongress auf den Bericht fielen unterschiedlich
aus. Die Kommission habe sowohl einige interessante als auch
offensichtlich naive Empfehlungen vorgelegt, sagte die republikanische
Abgeordnete Heather Wilson. «Ich habe ein Steak zum Abendessen
erwartet, und wir haben nur Vorspeisen bekommen.» Hingegen
erklärte der demokratische Senator John Kerry, der Bericht
unterstreiche, dass es für die Probleme im Irak keine
militärische Lösung gebe.
Die irakische Regierung erklärte am Donnerstag, der Bericht sei
keine Überraschung. Der Irak könne nicht auf Dauer von
ausländischen Truppen gesichert werden und müsse dies in
eigene Hände nehmen, sagte der stellvertretende
Ministerpräsident Barham Saleh dem Fernsehsender Al Arabija. Seine
Regierung stimme mit den meisten Empfehlungen überein. In einigen
Details aber gebe es eine andere Haltung.
Die arabische Welt sieht in dem Irak-Bericht aus Washington einen Beleg
für das Scheitern der US-Politik. In diesem Sinne
äußerten sich am Donnerstag Intellektuelle und
Politikwissenschaftler in Kairo und anderen Hauptstädten
arabischer Länder. Dabei wurde zum Teil auch die Sorge laut, dass
der Bericht dem Aufstand im Irak weitere Nahrung geben könnte.
«Dieser Bericht bedeutet ein Eingeständnis der Grenzen
amerikanischer Macht», sagte der Leiter des Al-Ahram-Zentrums
für Politische und Strategische Studien in Kairo, Abdel Moneim
Said. «Kurzfristig wird Amerika einen erheblichen Verlust seiner
Reputation und Glaubwürdigkeit in der Region erleiden.» Der
Al Kaida müsse der Geruch des Sieges in der Nase liegen, aber es
sei ein negativer Sieg, weil er aus der Niederlage der USA im Irak
resultiere.
Mustafa Bakri, ein mehrfach als US-Kritiker hervorgetretener
Leitartikler der ägyptischen Boulevardzeitung «Al
Osboa», sprach im staatlichen Fernsehen vom «Ende
Amerikas». Bakri, der die syrische Politik unterstützt, rief
die arabischen Länder dazu auf, «den Augenblick zu nutzen,
da Amerika nun in seiner schwächsten Phase ist».
Der Chefredakteur der libanesischen Tageszeitung «Al
Achbar», Joseph Samaha, meinte, dass sich der Irak zum
«Holocaust der amerikanischen Ansprüche» entwickelt
habe. Dies sei der arabischen Welt auch schon vor dem Bericht klar
geworden. In Jordanien erklärte der Chefredakteur der Zeitung
«Al Arab Al Jawm», Taher al Adwan, der Iran könnte das
sich abzeichnende Machtvakuum im Irak füllen, falls die arabischen
Ländern nicht selbst aktiv würden, um das Scheitern der USA
auszugleichen. Wichtig sei daher jetzt eine gemeinsame Haltung der
arabischen Welt.
US-Präsident George W. Bush hat unterdessen Gespräche mit
Syrien und dem Iran an Bedingungen geknüpft. Die beiden
Länder könnten mit Billigung der USA an internationalen
Gesprächen über den Irak teilnehmen, wenn sie ihre
Unterstützung für "Terroristen" aufgäben und die "junge
Demokratie" im Irak unterstützten.
"Wenn sich Syrien und der Iran nicht diesem Konzept verpflichten,
brauchen sie gar nicht erst aufzutauchen", sagte Bush nach einem
Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair in Washington.
Zugleich bekräftigte er seine Forderung, der Iran müsse vor
Gesprächen zunächst sein Atomprogramm aufgeben.
Der ehemalige demokratische Kongressabgeordnete und
Kommissionsvorsitzende Lee Hamilton, sagte CNN, angesichts der sich
verschlechternden Lage im Irak dränge die Zeit. Es gehe "nicht um
Monate, sondern um Wochen, vielleicht sogar um Tage".
Am Tag des Baker-Hamilton-Berichts zur US-Politik im Irak sind elf
amerikanische Soldaten bei Anschlägen getötet worden. Allein
fünf Soldaten einer Spezialeinheit kamen während eines
Kampfeinsatzes in der Nähe der nordirakischen Stadt Kirkuk ums
Leben, wie die US-Streitkräfte am Donnerstag mitteilten.
Die zunehmende Zahl von Kriegstoten verschärft den Druck auf
US-Präsident George W. Bush, seinen Kurs zu ändern und den
Empfehlungen der «Irak-Studiengruppe» zu folgen. In der
ersten Dezemberwoche kamen im Irak mindestens 31 Soldaten ums Leben,
nachdem es im November 69 und im Oktober 105 gewesen waren. Insgesamt
hat der Einsatz seit März 2003 mindestens 2.919 US-Soldaten das
Leben gekostet.
Auch die Serie von Anschlägen mit Opfern in der irakischen
Bevölkerung dauerte am Donnerstag weiter an. Dabei wurden
mindestens sieben Menschen getötet, unter ihnen sechs Polizisten
sowie ein siebenjähriges Mädchen. Am Mittwoch wurden
mindestens 75 Menschen getötet oder tot aufgefunden. Unter anderem
drangen Bewaffnete in eine Schule in Bagdad ein und erschossen den
sunnitischen Rektor.
(Quellen: dpa, afp, rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 08.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertachtundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.08.12.05 - US-Offiziere wussten seit langem von Misshandlungen im Irak +++
Krankenhaus im Nordirak überfallen +++ Saddam Hussein boykottiert
seinen Prozess: Richter sollen 'zur Hölle fahren' +++ Westliche
Geiseln rufen zum Truppenabzug auf +++ Terrororganisation Al Kaida ruft
alle aufständischen Gruppen im Irak zu Einheitsfront auf +++ Bush
beschreibt ökonomischen Fortschritt +++ Irak hofft auf Aufstockung
deutscher Wiederaufbau-Hilfe +++ Oberste UN-Wahlhelferin fristlos entlassen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Libanesische prosyrische Opposition plant Großdemonstration am
Wochenende. Israels Ministerpräsident Olmert sieht keine
Möglichkeit für Verhandlungen mit Syrien. PLO-Ausschuss
rät zu Neuwahlen in palästinensischen Autonomiegebieten
Fr.08.12.06 - Die libanesische Opposition um die schiitische Hisbollah-Miliz hat
für das Wochenende zu einer Großdemonstration gegen die
Regierung aufgerufen. Die Hisbollah und andere prosyrische Parteien
forderten ihre Anhänger am Donnerstag auf, an der
«historischen und entscheidenden» Protestaktion am Sonntag
in Beirut teilzunehmen. Auf diese Weise wolle man den Druck auf die
Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora verstärken,
damit eine neue Regierung der nationalen Einheit gebildet werden
könne.
Die Opposition im Libanon organisiert bereits seit sieben Tagen
Proteste auf den Straßen der Hauptstadt, um den Rücktritt
des prowestlichen Kabinetts von Siniora zu erzwingen. Die Hisbollah
fordert gemeinsam mit ihrem Verbündeten, der Amal, ein Drittel der
Kabinettsposten. Damit hätten die beiden schiitischen Parteien ein
Vetorecht. Siniora hatte die Opposition am Mittwoch zu Verhandlungen
aufgerufen. Die Probleme des Libanons ließen sich nicht durch
Massenproteste lösen, sagte er.
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sieht gegenwärtig keine
Möglichkeit für eine Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen
mit Syrien. Nach der Veröffentlichung des Baker-Berichts in Tel
Aviv sagte er, Grund sei das Verhalten des Nachbarstaats. Olmert verwies
etwa auf «subversive Aktivitäten gegen eine Stabilität
im Libanon». Die gestern veröffentlichte Baker-Studie
empfiehlt einen Rückzug der US-Kampftruppen aus dem Irak bis 2008
sowie Verhandlungen der USA mit dem Iran und Syrien.
In Israel verlautete erstmals aus Militärkreisen, dass die beiden
im Juli von der Hisbollah verschleppten Soldaten den Überfall
möglicherweise nicht überlebten. Der Zustand eines der beiden
Soldaten sei damals lebensbedrohlich gewesen, der des andere kritisch,
hieß es am Mittwoch. Wenn die Verletzten nicht sofort
medizinische Hilfe erhalten hätten, müsse man um ihr Leben
fürchten, sagte der Militärexperte des Fernsehsenders Israel
TV, Joav Limor. Der Überfall vom 12. Juli, bei dem drei Israelis
getötet wurden, hatte schließlich zur israelischen Offensive
im Libanon und zum Krieg mit rund 1.000 Toten geführt.
Angesichts der festgefahrenen Bemühungen um eine Regierung der
nationalen Einheit in den palästinensischen Gebieten rät eine
PLO-Kommission zu Neuwahlen: Der Ausschuss der Palästinensischen
Befreiungsorganisation habe Präsident Mahmud Abbas am Mittwochabend
die Auflösung der Hamas-Regierung und neue Abstimmungen empfohlen,
sagte ein Vertrauter von Abbas. Der Präsident hatte in der
vergangenen Woche erklärt, die Verhandlungen mit der militanten
Hamas seien an einem toten Punkt angelangt. Er bat danach den
PLO-Ausschuss um Rat.
Bei dem fünfstündigen Treffen am Mittwochabend seien mehrere
Optionen für den Kurs des Präsidenten zur Sprache gekommen,
hieß es. Sajeb Erakat, ein enger Vertrauter von Abbas, sagte dazu,
es sei zu früh, um schon Schlüsse zu ziehen. Abbas werde sich
am Samstag mit dem PLO-Exekutivkomitee treffen, um über die
weitere Strategie zu sprechen. In der nächsten Woche werde er sich
an die Öffentlichkeit wenden.
Die Hamas, die wegen ihrer Weigerung zur Anerkennung Israels
international unter Druck ist, wies den Vorschlag von Neuwahlen
zurück. Ein solcher Schritt würde die Entscheidung des
palästinensischen Volkes umgehen, sagte Sprecher Fausi Barhum mit
Blick auf den Wahlsieg der Hamas im Januar. Die Hamas sei weiterhin zu
Gesprächen über eine Regierung der nationalen Einheit bereit.
Ägyptische Sicherheitskräfte entdeckten unterdessen einen
weiteren Schmuggeltunnel zwischen dem Gazastreifen und Ägypten. Der
Zugang auf ägyptischer Seite sei in einer Küche in einem
Wohnhaus in unmittelbarer Nähe der Grenze gefunden worden,
verlautete am Donnerstag aus Sicherheitskreisen. Der Tunnel, der
vermutlich sowohl dem Personen- als auch dem Waffenschmuggel gedient
habe, stamme aus den 90er Jahren.
(Quellen: dpa, ap)
Somalias Islamisten kritisieren Truppenentscheidung der UN
Fr.08.12.06 - Die Islamisten in Somalia haben ablehnend auf den Beschluss des
UN-Sicherheitsrates zur Entsendung von Friedenssoldaten in das
nordostafrikanische Land reagiert.
Die Soldaten der Afrikanischen Union (AU) würden mit ihrer
Präsenz nur "Öl ins Feuer gießen", sagte ein Sprecher
der Bewegung der Islamischen Gerichte der Nachrichtenagentur Reuters.
Seine Bewegung sei sehr enttäuscht über die Verabschiedung der
Resolution durch die Vereinten Nationen (UN).
Der Sicherheitsrat hatte den Entwurf am Mittwoch einstimmig angenommen.
Die afrikanische Friedenstruppe soll nach dem Willen der
Staatengemeinschaft zur Stärkung der Übergangsregierung von
Präsident Abdullahi Yusuf mit Sitz in Baidoa beitragen.
Gleichzeitig drängte der Sicherheitsrat die Regierung Yusufs jedoch
auch zu Friedensverhandlungen mit ihren islamistischen Rivalen.
Vertreter der Übergangsregierung lobten die Entscheidung des
Sicherheitsrates bedankten sich bei ihrem wichtigsten Fürsprecher,
den USA.
In Somalia kämpfen Regierungstruppen und Islamisten seit
längerem erbittert um die Herrschaft in dem Land am Horn von
Afrika. Im Juni übernahmen die muslimischen Kämpfer die
Kontrolle über die Hauptstadt Mogadischu, wo sie von den USA
unterstützte Kriegsherren vertrieben. Die Islamisten streben die
Einführung der islamischen Scharia an. Seit dem Sturz des Diktators
Mohamed Siad Barre Anfang der neunziger Jahre gibt es in Somalia
faktisch keine staatliche Regierung mehr.
(Quelle: rtr)
WFP beklagt Hungerkrise in Somalia
Fr.08.12.06 - Nach einer verheerenden Dürre und wochenlangen
Überschwemmungen leiden zigtausende Somalier Hunger. Noch immer
seien die Auswirkungen der katastrophalen Dürre des vergangenen
Jahres zu spüren, erklärte das UN-Welternährungsprogramm
(WFP) am Donnerstag. «Wenn die Kühe und Ziegen tot sind,
werden sie auch nicht mehr lebendig, wenn der Regen einsetzt»,
sagte Sprecherin Penny Ferguson.
Wegen der ausgetrockneten Erde konnte der jüngste Regen nicht
einsickern, und die Folgen der heftigen Niederschläge der
vergangenen Wochen waren umso schlimmer. An den schweren
Überschwemmungen in Somalia, Kenia und Äthiopien leiden nach
UN-Angaben bis zu 1,8 Millionen Menschen. Bislang starben laut WFP
bereits 230 Menschen in den Fluten und an Krankheiten, die sich in den
Überschwemmungsgebieten verbreiteten.
(Quelle: ap)
Chinas Wirtschaft soll im kommenden Jahr um acht Prozent wachsen
Fr.08.12.06 - Chinas Wirtschaft wird auch im kommenden Jahr kräftig wachsen: Die
offizielle Schätzung für 2007 liege bei acht Prozent, sagte
der Vize-Direktor des amtlichen Wirtschaftsforschungsinstituts, Zheng
Xinli, am Mittwoch in Peking. Die Regierung erwarte aber ein weit
größeres Wachstum; er persönlich gehe von zehn Prozent
aus, sagte Zheng vor Journalisten am Rande einer Wirtschaftskonferenz
der Kommunistischen Partei. Die Führung in Peking hatte in den
vergangenen Jahren stets eine weit niedrigere Wachstumsschätzung
abgegeben als die dann tatsächlich erzielte. Für 2006 etwa
prognostizierte die Regierung rund acht Prozent; in den ersten neun
Monaten des Jahres legte die chinesische Wirtschaft dann bereits um 10,7
Prozent zu. Für das Gesamtjahr werden nun 10,5 Prozent erwartet,
wie Zheng sagte.
(Quelle: afp)
Deutschland und China vertiefen Zusammenarbeit beim Umweltschutz
Fr.08.12.06 - Deutschland und China vertiefen die Zusammenarbeit im Umweltschutz.
Deutschlands Umweltminister Sigmar Gabriel sei bei einem Besuch in
Peking mit dem Minister der staatlichen Umweltschutzbehörde, Zhou
Shengxian, übereingekommen, einen «Strategischen
Umweltdialog» einzurichten. Dazu gehörten die
Weiterführung der bisherigen Umweltforen sowie jährliche
Treffen auf Abteilungsleiterebene zu konkreten Projekten und
Investitionen, wie das Bundesumweltministerium am Donnerstag in Berlin
mitteilte.
Im Mittelpunkt des ersten Treffens in der zweiten Jahreshälfte
2007 sollen demnach unter anderem die Themen Chemikalien und
Umweltnotmaßnahmen sowie Wasser/Abwasser stehen. Gabriel und sein
chinesischer Kollege kamen zudem überein, die Zusammenarbeit im
Bereich Chemikalienmanagement auszuweiten.
(Quelle: ap)
Widerstand gegen Putschisten auf den Fidschi-Inseln
Fr.08.12.06 - Die Putschisten auf den Fidschi-Inseln stoßen auf den
geschlossenen Widerstand der einflussreichen Stammeschefs.
Der Große Rat der Stammeschefs, eine traditionelle Autorität
im Land, verurteilte den Staatsstreich der Militärführung als
illegal. Er rief die Soldaten am Donnerstag im Rundfunk auf, ihre Waffen
niederzulegen und in ihre Dörfer zurückzukehren.
Das Militär hatte am Vortag damit gedroht, jeden Widerstand
notfalls mit Gewalt im Keim zu ersticken. Armee-Chef Frank Bainimarama
rief den Notstand aus und löste das Parlament auf.
Die Razzien und Festnahmen gingen unterdessen weiter. Ranghohe Beamte,
die gegen den Putsch waren, wurden aus ihren Ämtern entfernt,
darunter der Polizeichef und sein Stellvertreter.
Wahlen sollen vielleicht erst in zwei Jahren wieder zugelassen werden.
Allein das Militär werde darüber entscheiden, sagte der von
der Armee eingesetzte kommissarische Ministerpräsident Jona
Baravilala Senilagakali.
Bainimarama hatte sich an Stelle von Präsident Ratu Josefa Iloilo
am Dienstag zum neuen Präsidenten erklärt. Der Rat der
Stammeschefs sagte, er betrachte Iloilo nach wie vor als
rechtmäßigen Staatschef. Auch die Absetzung von
Vizepräsident Ratu Joni Madraiwiwi und Ministerpräsident
Laisenia Qarase sei illegal.
Der erst im Mai wiedergewählte Regierungschef Qarase rief zu
gewaltlosen Demonstrationen auf. "Ich denke, dass 99 Prozent der
Fidschianer für die Demokratie sind", sagte Qarase in einem
Radiointerview. Er fügte hinzu, dass der Wille des Volkes
stärker sein werde als die Macht der Waffen.
Beobachter gehen davon aus, dass die Militärs den Widerstand gegen
den Putsch unterschätzt haben könnten. Neben den Stammeschefs
hat auch die einflussreiche methodistische Kirche den Staatsstreich
verurteilt.
Der jüngste Putsch, der ohne Blutvergießen ablief, ist der
vierte innerhalb von 20 Jahren auf den Fidschi-Inseln. Die
internationale Gemeinschaft reagierte mit scharfer Kritik darauf.
(Quelle: rtr)
Rechte Milizen in Kolumbien brechen Friedensprozess ab
Fr.08.12.06 - Aus Protest gegen die Verlegung inhaftierter Anführer in ein
Hochsicherheitsgefängnis haben die rechtsgerichteten Milizen in
Kolumbien am Mittwoch den Friedensprozess mit der Regierung abgebrochen.
Eine Sprecher der so genannten Vereinigten
Selbstverteidigungskräfte (AUC), Ernesto Baez, warf der Regierung
von Präsident Alvaro Uribe in einem Interview des Fernsehsenders
CMI vor, sich nicht Vereinbarungen zu halten.
Der Entscheidung war ein dreistündiges Treffen von AUC-Vertretern
mit dem Unterhändler der Regierung vorausgegangen. Der Versuch, den
Streit beizulegen, scheiterte jedoch.
Die Behörden hatten am Freitag 59 inhaftierte Anführer der
Milizen von einem normalen Gefängnis in ein
Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Präsident Uribe war den
Inhaftierten vor, aus ihren Zellen heraus Morde befohlen zu haben. Die
gefangenen Anführer hatten sich im Rahmen des Friedensprozesses den
Behörden gestellt.
Die paramilitärischen Einheiten wurden in den 60er Jahren mit
Billigung der damaligen Regierungen gegründet, um in Ergänzung
zu den Streitkräften linksgerichtete Rebellen zu bekämpfen.
Uribe hat den Milizionären im Gegenzug zu ihrer freiwilligen
Entwaffnung weitgehende Amnestie angeboten. Mehr als 30.000
Kämpfer wurden seit 2003 im Rahmen des Friedensprozesses bereits
entwaffnet.
(Quelle: ap)
Türkei zum Einlenken im Zypern-Streit bereit
Fr.08.12.06 - Die Türkei ist zum Einlenken im Streit mit der EU um Zypern
bereit. Eine entsprechende Mitteilung der finnischen
EU-Ratspräsidentschaft vom Donnerstag in Helsinki, wonach die
Türkei einen Hafen und einen Flughafen für Transporte aus
Zypern öffnen will, wurde allerdings in Ankara zunächst weder
bestätigt noch dementiert.
Die EU-Kommission sieht in der türkischen Zypern-Initiative
«einen wichtigen Schritt hin zur vollen Umsetzung des
Ankara-Protokolls». Eine Sprecherin von EU-Erweiterungskommissar
Olli Rehn sagte jedoch am Donnerstag in Brüssel, die Kommission sei
derzeit noch nicht über die Einzelheiten des türkischen
Vorschlags informiert. Sofern Berichte darüber sich
bestätigten, so müsse dieser jedoch «einen positiven
Einfluss auf die Gespräche über das weitere Vorgehen bei der
Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen haben».
Die Kommission bemühe sich gemeinsam mit der finnischen
Ratspräsidentschaft um Klärung der Einzelheiten. Auf die
Frage, ob die Bereitschaft zur Öffnung eines Hafens und eines
Flughafens seitens der Türkei an Vorbedingungen geknüpft sei,
antwortete sie: «Dies ist nicht der Moment, um zu spekulieren. Wir
würden gerne die Lage besser kennen, bevor wir uns dazu
äußern.»
Die EU-Außenminister wollen am kommenden Montag beraten, ob die
Erweiterungsverhandlungen gebremst werden müssen, weil die
Türkei Schiffen und Flugzeugen aus der griechisch dominierten
Republik Zypern den Zugang zur Türkei verweigert.
Im türkischen Außenministerium hieß es am Donnerstag,
es werde derzeit über die Öffnung gesprochen. Türkische
Nachrichtensender berichteten, Ankara erwarte im Gegenzug, dass dem seit
1974 von türkischen Soldaten besetzten Nordzypern direkter Handel
über den Hafen Famagusta und den Flughafen Ercan ermöglicht
werde. Ein EU- Diplomat sagte in Brüssel, die Gespräche
schienen derzeit «in die richtige Richtung» zu laufen. Ob
dies allerdings ausreiche, um eine Verzögerung der
Beitrittsgespräche in letzter Minute abzuwenden, bleibe bis zum
Bekanntwerden der Details abzuwarten.
Die griechische und die zyprische Regierung haben sich skeptisch
über ein mögliches Einlenken der Türkei im Streit mit der
EU um Zypern geäußert. «Die bislang vorliegenden
Informationen sind unklar und nur abschnittsweise bekannt», meinte
der Sprecher des griechischen Außenministeriums, Giorgos
Koumoutsakos, am Donnerstag in Athen. Außerdem verlange das so
genannte Ankara-Protokoll, das Bedingung für
EU-Beitrittsverhandlungen sei, die Öffnung aller Häfen und
Flughäfen der Türkei für zyprische Schiffe und Flugzeuge.
Auch Nikosia reagierte skeptisch. «Wir wissen nicht, womit Ankara
seine Vorschläge verknüpft. Alles ist noch verschwommen.
Sollte die Türkei jedoch die Öffnung eines Flughafens in den
besetzten Gebieten im Norden der Insel mit der Öffnung eines Hafens
und eines Flughafens für zyprische Schiffe und Flugzeuge
verbinden, würden wir dies ablehnen», meinte ein Sprecher des
zyprischen Präsidenten Tassos Papadopoulos im zyprischen
staatlichen Rundfunk (RIK).
(Quelle: dpa)
Deutsche Arbeitslosigkeit auch im internationalen Vergleich hoch
Fr.08.12.06 - In Deutschland sind einem internationalen Vergleich zufolge besonders
viele Menschen arbeitslos.
Nach dem weltweit vergleichbaren Konzept der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) waren im vergangenen Jahr in Deutschland 9,1
Prozent ohne Job, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag
mitteilte. Die geringste Erwerbslosigkeit verzeichnete Thailand mit 1,9
Prozent, während Südafrika mit 26,6 Prozent die höchste
Arbeitslosenquote meldete. Auch in Südkorea und Neuseeland gingen
mit unter vier Prozent vergleichsweise wenige Menschen erfolglos auf
Jobsuche.
In Europa war die Arbeitslosigkeit 2005 in Irland und der Schweiz mit
jeweils gut vier Prozent am niedrigsten. Aber auch in Österreich,
den skandinavischen Ländern, Großbritannien, Zypern und
Slowenien suchten weniger als sechs Prozent der Erwerbsfähigen
erfolglos nach Arbeit. In Polen hingegen waren fast 18 Prozent ohne Job.
In Australien und den USA lag die Erwerbslosenquote bei rund fünf
Prozent. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland lag auf einem Niveau mit
Spanien, Lettland, Griechenland und Mauritius, allerdings meldeten
Länder wie Rumänien, Portugal, Italien und Ecuador geringere
Quoten. In acht der 43 erfassten Ländern überstieg der
Erwerbslosenanteil die Zehn-Prozent-Marke.
Obwohl das Recht auf Arbeit und der Schutz vor Arbeitslosigkeit zu den
allgemeinen Menschenrechten gehörten, sei die Umsetzung dieses
Rechts auf der ganzen Welt noch nicht verwirklicht, schrieben die
Statistiker: "Nur in Thailand kann von annähernder
Vollbeschäftigung gesprochen werden."
(Quelle: rtr)
Chipkarte für Sozialleistungen soll 2010 kommen
Fr.08.12.06 - Die Bundesregierung will von 2010 an alle Empfänger staatlicher
Sozialleistungen elektronisch erfassen. Wer Geld vom Staat bekommt, muss
dann eine Chipkarte mit digitaler Unterschrift haben.
Die Karte, die der Betroffene selbst bezahlen muss, soll etwa fünf
Euro kosten. Das Kabinett werde voraussichtlich im Januar das Gesetz zur
Einführung des elektronischen Einkommensnachweises
(«Elena») verabschieden, sagte am Donnerstag eine Sprecherin
des Wirtschaftsministeriums in Berlin. Sie bestätigte damit
Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
Betroffen sind alle Bezieher von Kinder-, Arbeitslosen- oder Wohngeld.
Die Regelung gilt auch für Bürger, die einen
Wohnberechtigungsschein oder Prozesskostenhilfe beanspruchen oder
für die ein Gericht Unterhaltsleistungen berechnen muss. Mit
«Elena» soll das Ausstellen von jährlich 60 Millionen
Formularen für 18 verschiedene Verdienstbescheinigungen
überflüssig werden.
Das neue Verfahren, das bereits 2002 von der rot-grünen
Bundesregierung angestoßen wurde, soll in der öffentlichen
Verwaltung und bei Unternehmen mehrere hundert Millionen Euro einsparen.
Dem vorläufigen Gesetzentwurf zufolge sollen die 3,2 Millionen
Arbeitgeber von Mitte des Jahres 2008 an Daten über
Beschäftigungsdauer und Einkommen ihrer mehr als 30 Millionen
Mitarbeiter elektronisch an einen zentralen Datenspeicher senden. Auf
diese Daten könnten - mit Einwilligung der Antragsteller -
Arbeitsagenturen, Kindergeldstellen oder Gerichte zugreifen.
(Quelle: dpa)
CDU bekam die meisten Großspenden
Fr.08.12.06 - Die Union hat nach Darstellung des Wirtschaftsmagazins
«Capital» in den vergangenen Jahren mit weitem Abstand am
meisten Spenden von über 50 000 Euro und mehr erhalten. Seit Mitte
2002 habe die CDU allein von den zehn wichtigsten Parteispendern rund
5,11 Millionen Euro Großspenden bekommen, gefolgt von der CSU mit
2,48 Millionen Euro, berichtet das Blatt in seiner neuen Ausgabe.
Damit entfielen auf beide Unions-Parteien zusammen rund 7,59 Millionen
Euro. Die SPD erhielt den Angaben zufolge 1,77 Millionen Euro. Die FDP
wurde mit 1,05 Millionen Euro und die Grünen mit 240 000 Euro
bedacht.
Mit einer Spendensumme von rund 3,2 Millionen Euro war die
Industriellen-Familie Quandt dem Blatt zufolge seit Inkrafttreten des
neuen Parteiengesetzes Mitte 2002 der größte
Unterstützer politischer Parteien. Nach einer von dem Magazin
vorgenommenen Auswertung aller meldepflichtigen Großspenden
über 50 000 Euro überwiesen die Familienmitglieder Susanne
Klatten, Stefan Quandt und Mutter Johanna Quandt in diesem Zeitraum
zusammen rund 1,34 Millionen Euro.
Auch die von der Familie kontrollierten Unternehmen BMW (1,1 Millionen
Euro) und Altana (795 000 Euro) gehörten zu den Großspendern,
wie es in den Bericht weiter heißt. Zu den wichtigsten Spendern
zählten ferner die Deutsche Bank mit 1,55 Millionen Euro seit Juli
2002, Daimler Chrysler mit 1,2 Millionen Euro und die Allianz mit 1,05
Millionen Euro.
(Quelle: ddp)
Zwei Drittel der Deutschen wollen deutliche Lohnerhöhungen
Fr.08.12.06 - Angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs haben sich mehr als zwei
Drittel der Bundesbürger für deutliche Lohnerhöhungen
ausgesprochen. Nach einer am Donnerstag vom Fernsehsender n-tv
veröffentlichten Umfrage des Forsa-Instituts sind 68 Prozent der
insgesamt 1.000 Befragten der Meinung, dass die Entgelte «wieder
höher ausfallen sollten als im vergangenen Jahr». Im Osten
sind dies sogar 79 Prozent, im Westen 66 Prozent.
Auf die Frage, wem der Aufschwung zu verdanken ist, nannten 15 Prozent
die Große Koalition und 18 Prozent die frühere
Bundesregierung unter Gerhard Schröder. Allerdings seien 60
Prozent der Auffassung, für die konjunkturelle Erholung seien
«ganz andere Dinge verantwortlich, die weder mit der jetzigen
noch mit der Vorgängerregierung etwas zu tun haben»,
heißt es bei Forsa.
(Quelle: ap)
Aachener Friedenspreis scheitert mit Anzeige gegen Merkel und Jung
Fr.08.12.06 - Der Verein «Aachener Friedenspreis» hat mit seiner
Strafanzeige gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) keinen juristischen
Erfolg gehabt. Wie der Vorsitzende Otmar Steinbicker am Mittwoch
mitteilte, lehnte die Bundesanwaltschaft die Einleitung eines
Strafverfahrens ab, weil es «keine Anhaltspunkte für das
Vorliegen einer Straftat» gebe. Das von der Bundeswehr
herausgegebene Weißbuch erfülle nicht den «Tatbestand
der Vorbereitung eines Angriffskriegs», hieß es.
Der Verein hatte das Weißbuch kritisiert, weil es nach Angaben
Steinbickers eine neue Militärdoktrin der Bundesrepublik
Deutschland verfolgt, in der die Bundeswehr «die Rolle einer
weltweit einzusetzenden und präventiv tätigen
Interventionsarmee übernimmt». Die Bundeswehr werde zu
«einem Instrument zur Durchsetzung außenpolitischer,
wirtschaftlicher und weltanschaulicher Ziele mit militärischen
Mitteln».
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Klimaerwärmung bedroht Ozean-Gleichgewicht
Fr.08.12.06 - Mit der globalen Klimaerwärmung droht einer US-Studie zufolge eine
deutliche Abnahme der Meeresalgen. Dadurch schrumpfe nicht nur einer der
wichtigsten Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid, warnen
Forscher im britischen Fachblatt «Nature» (Bd. 444, S. 752).
Das so genannte Phytoplankton sei auch Grundlage der Nahrungskette in
den Ozeanen, betont das Team um Michael Behrenfeld von der Oregon State
University in Corvallis.
Meeresalgen (Phytoplankton) binden nach Angaben der Forscher weltweit
mehr als 100 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Tag. Erstmals konnten die
Wissenschaftler mit Hilfe von Satellitenbeobachtung die Entwicklung der
Algen über fast zehn Jahre untersuchen. Bisher hätten
Forschungsschiffe nur Momentaufnahmen liefern können, schreibt der
Ozeanograph Scott Doney von der Oceanographic Institution in Woods Hole
(US-Staat Massachusetts) in einem begleitenden Kommentar in
«Nature» (S. 695).
Die Langzeitmessungen mit dem Spezialsatelliten «Orbview 2»
zeigen, dass die Algenentwicklung eng an das Klimageschehen gekoppelt
ist. So beobachteten die Forscher zunächst eine starke
Algenzunahme, die an eine Kaltphase des Klimaphänomens ENSO (El
Nino - Soutern Oscillation) gekoppelt war. Anschließend
verringerte sich die Algenkonzentration über mehrere Jahre
kontinuierlich, während sich die Erde in eine ausgedehnte
ENSO-Warmphase bewegte. Je wärmer die Ozeane insgesamt würden,
desto geringer sei der Austausch zwischen kalten und warmen
Wasserschichten. Damit nehme die Produktion des Phytoplanktons ab.
Die beobachtete Abnahme der Planktonproduktion zeige, wie künftige
Klimaänderungen das marine Nahrungsnetz beeinflussen könnten,
schreibt Behrenfeld. Nun seien weitere Untersuchungen zu den
wahrscheinlichen Folgen nötig.
(Quelle: dpa)