Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertfünfundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irakischer Präsident Talabani lehnt Baker-Hamilton-Bericht ab.
Deutschland prüft Ausbau der Irak-Hilfe. Elf Tote bei neuen
Angriffen im Irak. Weiterer US-Soldat getötet - Seit Monatsbeginn
bereits 43 US-Soldaten im Irak ums Leben gekommen
Mo.11.12.06 - Der irakische Präsident Dschalal Talabani hat am Sonntag die
Empfehlungen der amerikanischen Baker-Hamilton-Kommission in scharfer
Form zurückgewiesen. Der Bericht sei «nicht fair, nicht
gerecht» und gefährde die irakische Souveränität,
sagte Talabani in Bagdad. Als Beispiel für einige der «sehr
gefährlichen Artikel» nannte der Präsident die
Empfehlung, Mitglieder der einst regierenden Baath-Partei in ihre
Ämter zurückkehren zu lassen. Talabani kündigte an, die
irakische Regierung werde ihre Ansichten in einem Bericht an
US-Präsident George W. Bush darlegen.
Bush wollte in den nächsten Tagen mit führenden Mitarbeitern
über eine neue Irak-Strategie beraten. Diskutiert werden derzeit in
Washington verschiedene Möglichkeiten der USA. So wird auch
erwogen, die Truppen deutlich zu verstärken, um der Gewalt im Irak
Herr zu werden. Andere Vorschläge zielen darauf, die
Nachbarländer Syrien und Iran stärker in eine Stabilisierung
des Iraks miteinzubeziehen. Der Iran bot dabei auch seine Hilfe schon
an, allerdings nur, wenn die USA ihre Einstellung zum Iran
änderten, wie Außenminister Manutschehr Mottaki in Bahrain
sagte.
Bush wird am Montag zu Beratungen zunächst im
Außenministerium erwartet, dann steht ein Treffen mit
unabhängigen Experten im Weißen Haus an. Am Dienstag gibt es
dann eine Videoschaltung mit den Kommandeuren im Irak und US-Botschafter
Zalmay Khalilzad, am Mittwoch trifft Bush im Pentagon Mitarbeiter des
Verteidigungsministeriums.
Der scheidende US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der
maßgeblich an der Entscheidung zur Invasion im Irak zum Sturz des
Regimes von Saddam Hussein beteiligt war, verabschiedete sich am Sonntag
von den Truppen im Irak. Vor mehr als 1.200 Angehörigen des
Luftwaffenstützpunkts Al Assad in der Provinz Anbar sagte
Rumsfeld, die wahre Stärke der US-Streitkräfte liege nicht im
Pentagon oder in den Waffen, sondern im Patriotismus und in der
Entschlossenheit der Soldaten. Später besuchte Rumsfeld auch eine
Kaserne in Balad, 80 Kilometer nördlich von Bagdad.
Der vorher nicht angekündigte Besuch war Rumsfelds 15. im Irak
seit Kriegsbeginn im März 2003. Seine Ablösung unmittelbar
nach der Niederlage der regierenden Republikaner bei der Kongresswahl
vom 7. November steht in Zusammenhang mit den zunehmenden Forderungen
nach einem Kurswechsel in der Irak-Politik.
Bereits am Freitag verabschiedete sich Rumsfeld vom Pentagon in
Washington. Als schwersten Tag seiner nahezu sechsjährigen Amtszeit
bezeichnete er den Tag, an dem er von den Misshandlungen im
Gefängnis von Abu Ghraib erfuhr. Am 17. Dezember hat Rumsfeld
seinen letzten Arbeitstag als Verteidigungsminister. Sein Nachfolger ist
der ehemalige CIA-Direktor Robert Gates.
Die deutsche Regierung prüft nach Angaben von Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) eine Ausweitung der Ausbildungshilfe für die
irakische Armee. Eine solche Hilfe könne es allerdings nur
«außerhalb des Irak» geben, sagte Merkel am Sonntag in
Berlin nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten
Hosni Mubarak. Auch Deutschland habe ein Interesse, dass der Aufbau im
Irak vorangehe und das Land in der Lage sei, seine Sicherheit
künftig selber zu gewährleisten. Den Baker-Bericht nannte
Merkel eine «realistische Beschreibung der Lage», aus der
die US-Regierung nun ihre Konsequenzen ziehen müsse.
Bei neuen Angriffen im Irak sind am Sonntag mindestens elf Menschen ums
Leben gekommen. Neun Iraker seien von Bewaffneten im Westen Bagdads
getötet worden, berichteten Sicherheitsdienste. Die Täter
seien in ein Haus im Stadtteil Dschihad eingedrungen, hätten dort
Männer und Frauen getrennt und schließlich fünf
Brüder getötet. Einer der Ermordeten sei Polizist gewesen. Im
Anschluss drangen die Bewaffneten den Angaben zufolge in das Nachbarhaus
ein, wo sie einen Vater und drei seiner Söhne töteten.
Ebenfalls in Bagdad wurde ein Leibwächter des ehemaligen
irakischen Vize-Ministerpräsidenten Ahmed Tschalabi getötet.
In Tikrit nördlich von Bagdad kam ein Krankhauswächter bei
einem Angriff auf sein Auto um Leben.
Ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz hat westlich von Bagdad
einen US-Soldaten in den Tod gerissen und einen weiteren verwundet. Der
Anschlag ereignete sich am Sonntag bei einer Routinepatrouille, wie das
Militärkommando mitteilte. Seit Beginn des Monats Dezembers sind
damit bereits 43 US-Soldaten ums Leben gekommen. Die Gesamtzahl der
amerikanischen Opfer seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003
erhöhte sich laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AP auf
mindestens 2.931.
Ein Neffe des gestürzten irakischen Staatschefs Saddam Hussein ist
am Samstag aus einem Gefängnis westlich von Mossul im Norden des
Iraks entkommen. Ein Beamter habe Ajman Sabaui bei der Flucht geholfen,
teilte ein Polizeisprecher mit. Sabaui ist der Sohn von Sabaui Ibrahim
Hassan al Tikriti, einem Halbbruder Saddam Husseins. Der Neffe wurde im
vergangenen Jahr zu insgesamt 21 Jahren Haft verurteilt.
(Quellen: ddp, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 11.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhunderteinunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Laut Polizei vier Zivilisten bei NATO-Angriff in Afghanistan
getötet
Mo.11.12.06 - Bei einem NATO-Luftangriff in Afghanistan sind nach Angaben der Polizei
vier Zivilisten getötet worden. Die NATO habe ein Haus zwischen den
Orten Daulat Schah und Alischang, 80 Kilometer östlich von Kabul,
bombardiert, in dem sie Taliban-Kämpfer vermutete, sagte
Polizeisprecher Abdul Karim Omeriar. Ein weiterer Zivilist sei verletzt
worden. Die internationale Afghanistan-Truppe ISAF wollte lediglich
bestätigen, dass es in der Gegend am Samstag einen
"Zusammenstoß mit einer kleinen Zahl Aufständischer" gegeben
habe. Berichte über zivile Opfer lägen aber nicht vor, sagte
ISAF-Sprecher Dominic Whyte. Ende Oktober hatte die ISAF
eingeräumt, sie habe bei einem Einsatz im Süden Afghanistans
zwölf Zivilisten getötet.
(Quelle: afp)
Taliban verstärken Terror gegen Lehrer
Mo.11.12.06 - Die islamisch-fundamentalistische Taliban-Miliz in Afghanistan
verschärft ihre Terrorkampagne gegen alle Lehrer. Im Osten des
Landes wurden bei einem Überfall zwei Lehrerinnen und drei
Angehörige erschossen. Die beiden Schwestern erhielten vorher
Todesdrohungen. Die Taliban hätten den Frauen in einem Brief
geschrieben, dass sie ihren Beruf aufgeben müssten, sagte am
Samstag der Direktor des Schulamtes der Provinz Kunar, Gulam Ullah Wekar.
Die Taliban beschlossen kürzlich bei einem Treffen ihrer
Führung eine neue Liste mit 30 Regeln, die seitdem im Internet
kursiert. Zwei dieser Punkte bedrohen alle Lehrer, «die unter dem
gegenwärtigen Marionettenregime arbeiten, weil dies das System der
Ungläubigen stärkt». Seit Beginn des Jahres wurden nach
Angaben des Bildungsministeriums in Kabul 20 Lehrer bei Anschlägen
getötet. Außerdem wurden 198 Schulen niedergebrannt, ein
Viertel mehr als ein Jahr zuvor.
Unterdessen kündigte der Leiter der amerikanischen
Drogenbehörde, John Walters, an, dass Mohnfelder in Afghanistan
künftig mit dem Einsatz von Herbiziden vernichtet werden sollen.
Die Regierung von Präsident Hamid Karsai habe dem zugestimmt, sagte
Walters. In Afghanistan hat die Ernte von Schlafmohnkapseln, die als
Ausgangsprodukt für die Herstellung von Opium und Heroin dienen,
in diesem Jahr einen Rekordstand erreicht. Walters sagte: «Die
Einnahmen aus der Opiumproduktion stärken den Aufstand und
belasten die jungen politischen Institutionen Afghanistans mit der
Geißel der Korruption.»
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Massenkundgebung der prosyrischen Opposition im Libanon. Israelischer
Armeevertreter für Friedensgespräche mit Syrien.
Palästinensischer Ministerpräsident Hanija lehnt Neuwahlen in
Palästinensergebieten ab
Mo.11.12.06 - Mit einer Massendemonstration hat die prosyrische Opposition den Druck
auf die libanesische Regierung am Sonntag noch einmal erhöht.
Hunderttausende Anhänger der schiitischen Hisbollah-Miliz
strömten in Beirut zusammen. Der sunnitische
Ministerpräsident Fuad Siniora, der einen Rücktritt bislang
ablehnt, rief die Opposition auf, an den Verhandlungstisch
zurückzukehren.
Der christliche Oppositionspolitiker und Hisbollah-Verbündete
Michel Aoun stellte Siniora ein Ultimatum von einigen Tagen, um der
Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zuzustimmen. Sonst werde
die Kampagne noch einmal verschärft. Die libanesische Presse
spekulierte, die nächsten Schritte könnten der Aufruf zu
zivilem Ungehorsam sowie Rücktritte im Parlament sein.
Die Hisbollah fordert gemeinsam mit ihrem Verbündeten, der Amal,
ein Drittel der Kabinettsposten. Damit hätten die beiden
schiitischen Parteien ein Vetorecht.
Mehrere Zufahrtsstraßen wurden von Soldaten und Polizisten
abgeriegelt und Sinioras Amtssitz mit Stacheldraht gesichert. Der
bedrängte Regierungschef mahnte am Sonntag, der Libanon dürfe
nicht zu einer «Arena der Kriege anderer» werden. Dabei
spielte er auf Syrien und den Iran an, die die Hisbollah
unterstützen. In der nordlibanesischen Hafenstadt Tripoli
demonstrierten Zehntausende für die Regierung.
Siniora und die meisten seiner Minister halten sich seit Anfang
Dezember im Sitz des Ministerpräsidenten in der Beiruter
Innenstadt auf. Deutschlands Außenminister Frank-Walter
Steinmeier sprach nach seinem Besuch in Beirut Anfang Dezember von
einem Belagerungszustand ums Parlament. Die jüngste politische
Krise verschärfte sich nach der Ermordung des antisyrischen
Industrieministers Pierre Gemayel am 21. November. Die
Hisbollah-Minister hatten kurz zuvor die Regierung Siniora verlassen.
Die Polizei nannte zunächst keine Zahl für die
Kundgebungsteilnehmer am Sonntag. Die Demonstration könnte nach
Einschätzung von Beobachtern eine der größten in der
libanesischen Geschichte werden. Offenbar war der Zulauf noch
großer als am 1. Dezember, als die Hisbollah 800.000 der vier
Millionen Libanesen auf die Straßen brachte.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte die Rolle
Syriens im Nahost-Konflikt. «Ich kann nicht erkennen, dass Syrien
konstruktive Schritte unternehmen will», sagte Merkel am Sonntag.
Als Negativbeispiel nannte sie die anhaltende Weigerung Syriens, den
Libanon anzuerkennen. «Unsere gesamte Unterstützung gilt
Herrn Siniora», sagte Merkel.
Ein ranghoher israelischer Armeevertreter hat sich für die
Aufnahme von Friedensgesprächen zwischen Israel und Syrien
ausgesprochen. Es sei eine Sackgasse erreicht, sagte der namentlich
nicht genannte Militär laut einem Beitrag der israelischen Zeitung
"Maariv" (Sonntagausgabe). "Die derzeitige Situation mit Syrien ist
nicht gut", wurde der Armeevertreter zitiert. "Es sei wichtig, etwas
anderes zu tun, und es herrschen die entsprechenden Bedingungen
dafür. Wir sind es leid, uns herauszuhalten. Etwa muss getan
werden." In Syrien werde derzeit überlegt, in welche Richtung das
Land steuern solle, sagte der Armeevertreter weiter. Wenn Israel so
weitermache wie bisher, treibe es Damaskus in die Arme des Iran.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hatte sich am
Donnerstag gegen Friedensverhandlungen mit Syrien ausgesprochen. Er
lehnte damit einen Vorschlag der Kommission unter Leitung des
früheren US-Außenministers James Baker ab.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija hat den
Vorschlag der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO)
für Neuwahlen in den Palästinensergebieten abgelehnt. Er halte
die Aufforderung zu Neuwahlen für "respektlos gegenüber dem
palästinensischen Volk", sagte Hanija während eines Besuchs
in Teheran im iranischen Fernsehen. "Ich denke, das wird die Krise und
die Spannungen verschärfen und eine negative Auswirkung haben."
Das PLO-Exekutivkomitee hatte am Samstag empfohlen, zur Beilegung der
politischen Krise die Präsidentschafts-und Parlamentswahl
vorzuziehen.
Seit den Wahlen im Januar, bei denen die Hamas überraschend
deutlich gegen die bis dahin dominierende Fatah von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gewann, steckt die
palästinensische Führung in der Krise. Die EU und die USA
stufen die Hamas als terroristische Organisation ein und stellten
deswegen ihre Finanzhilfen für die Palästinenser ein. Die
Autonomiebehörde ist seither praktisch zahlungsunfähig.
Monatelange Gespräche zwischen Fatah und Hamas über eine
Regierung der nationalen Einheit endete in der Sackgasse. Die PLO wird
von der Fatah dominiert.
(Quellen: afp, ap)
Golfstaaten erwägen gemeinsames Atomprogramm
Mo.11.12.06 - Die Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrats (GCC) erwägen ein
gemeinsames Programm für die friedliche Nutzung der Atomenergie.
Man habe eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben, hieß es am
Sonntag zum Abschluss eines zweitägigen GCC-Gipfeltreffens in
Riad. Dabei wolle man sich an internationale Bestimmungen und Gesetze
halten. Politische Macht werde mit einem solchen Atomprogramm nicht
angestrebt, betonte der saudiarabische Außenminister Prinz Saud
al Faisal.
Beobachtern zufolge dürfte die Ankündigung dennoch bei vielen
westlichen Regierungen große Bedenken auslösen - auch mit
Blick auf dem Atomstreit mit dem GCC-Nachbarn Iran. Dem
Golf-Kooperationsrat gehören neben Saudi-Arabien noch Kuwait, die
Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain und Oman an. Diese
Länder haben sich wiederholt besorgt darüber
geäußert, dass der internationale Atomstreit mit dem Iran
eskalieren könnte.
(Quelle: ap)
Miliz in Darfur tötet mehr als 20 Menschen
Mo.11.12.06 - Sudanesische Milizionäre haben in der Krisenregion Darfur einen
Flüchtlingskonvoi überfallen und mindestens 22 Menschen
getötet. Die als Dschandschawid bezeichnete arabische Miliz feuerte
Granaten auf die Flüchtlinge ab, die am Samstag in die Ortschaft
El Geneina zurückkehren wollten, wie ein Sprecher der
Afrikanischen Union (AU), Noureddine Mezni, erklärte.
Die Milizionäre steckten die Leichen in Brand, wie ein Mitarbeiter
einer Hilfsorganisation erklärte, der seinen Namen nicht nennen
wollte. Er sprach von bis zu 30 Todesopfern. Die sudanesische Polizei
habe die Leichen in ein Flüchtlingslager in der Nähe gebracht.
Daraufhin sei es in El Geneina zu Unruhen gekommen. AU-Sprecher Mezni
sagte, die Besatzung eines Hubschraubers und acht AU-Soldaten seien als
Geiseln genommen worden. Auch ein AU-Stützpunkt in El Geneina sei
angegriffen worden.
(Quelle: ap)
3.000 Singhalesen fliehen vor Kämpfen in Sri Lanka
Mo.11.12.06 - Der im Sommer neu aufgeflammte Bürgerkrieg in Sri Lanka geht
zunehmend zu Lasten der Zivilbevölkerung. Nach schweren
Artilleriegefechten im östlichen Bezirk Trincomalee flohen am
Wochenende rund 3.000 singhalesische Bewohner von drei Dörfern in
buddhistische Tempel der Umgebung. Ein Militärsprecher nannte am
Sonntag die Zahl von 40 getöteten Tamilen und zwei toten Soldaten
in den eigenen Reihen. Die tamilischen Rebellen sprachen hingegen von 30
getöteten Soldaten. Beide Seiten berichten auch von einer
steigenden Zahl von Toten in der Zivilbevölkerung.
Die Regierungsstreitkräfte seien zwei Kilometer weit in das
Rebellengebiet vorgestoßen, sagte ein Sprecher der Befreiungstiger
von Tamil Eelam (LTTE), Rasiah Ilanthirayan, und fügte hinzu:
«Wir haben zurückgeschlagen und sie zu ihren
Ausgangspositionen zurückgedrängt.» Die LTTE
kämpft seit mehr als 20 Jahren für einen eigenen Staat der 3,1
Millionen Tamilen, die sich von der singhalesischen
Mehrheitsbevölkerung diskriminiert fühlen. Ein 2002 unter
norwegischer Vermittlung geschlossener Waffenstillstand ist in diesem
Jahr faktisch zusammengebrochen.
(Quelle: ap)
Erste Regionalwahl in Aceh seit Friedensschluss
Mo.11.12.06 - In der indonesischen Provinz Aceh haben am Montag die ersten
Regionalwahlen seit dem Ende eines jahrzehntelangen Untergrundkriegs
stattgefunden. Für das Amt des Gouverneurs und Sitze in den
regionalen und kommunalen Parlamenten kandidierten auch ehemalige
Rebellen der Unabhängigkeitsbewegung GAM. «Diese Wahlen sind
wichtig für alle in Aceh, für alle früheren Kämpfer
und für die Zukunft», sagte der frühere
Rebellenoffizier Irwandi Yusuf, der sich um das Amt des Gouverneurs
bewirbt. Amtsinhaber Azwar Abubakar sagte zu dem unter dem Eindruck der
Tsunami-Katastrophe im August 2005 geschlossenen Friedensvertrag:
«Sie haben Gewehrkugeln mit Stimmzetteln ersetzt - und wenn die
GAM gewinnt, nun, schön für sie. Das ist Demokratie. Jeder
ist bereit, das zu akzeptieren.»
Die rohstoffreiche Provinz im Norden Sumatras hatte 130 Jahren fast nur
bewaffnete Konflikte gekannt: Nach dem Kampf gegen die
niederländischen Kolonialherren den gegen die japanischen
Invasoren, danach der Aufstand gegen die Zentralregierung in Jakarta.
(Quelle: ap)
Chiles Ex-Diktator Pinochet ist tot
Mo.11.12.06 - Der frühere chilenische Militärmachthaber Augusto Pinochet
ist tot. Der 91-Jährige starb nach Angaben des
Militärhospitals in der Hauptstadt Santiago de Chile, in das er
eine Woche zuvor wegen eines Herzinfarkts eingeliefert worden war. Der
Tod sei infolge von Komplikationen eingetreten, zu denen es nach der
Verlegung auf die Intensivstation gekommen sei. Pinochet litt zudem
unter einer Diabetes-Erkrankung. Die britische Regierung würdigte
in einer ersten Reaktion die demokratischen Fortschritte des Landes
seit dem Ende der Junta-Herrschaft Pinochets.
Pinochet war wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen angeklagt und
Ende November im Zusammenhang mit Ermittlungen im Fall der
"Todeskarawane" zeitweise erneut unter Hausarrest gestellt worden. Die
Justiz ermittelte dabei wegen der Verschleppung zweier Menschen
während eines Militäreinsatzes gegen Oppositionelle nach dem
von Pinochet im September 1973 angeführten Putsch gegen den
demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador
Allende.
Militär und Polizei töteten während der Gewaltherrschaft
Pinochets (1973 bis 1990) Schätzungen zufolge mehr als 3000
Menschen. Laut einem offiziellen Bericht wurden bis zu 30.000
Pinochet-Gegner eingesperrt und gefoltert. Juristisch konnte der
Diktator jedoch nicht zur Verantwortung gezogen werden: Immer wieder
wurde er aus gesundheitlichen Gründen für
verhandlungsunfähig erklärt und wurden Verfahren gegen ihn
vorläufig eingestellt.
Auch nach dem jüngsten Herzinfarkt hatte ein Gericht den
Hausarrest gegen ihn aufgehoben. Opfer des ehemaligen
Militärmachthabers wollten deshalb gerichtlich klären lassen,
ob es sich bei dem jüngsten Herzinfarkt um eine Inszenierung zur
Vermeidung eines Prozesses handelte. Zuvor hatte es Meldungen gegeben,
Pinochet habe sich erstaunlich schnell von dem Herzinfarkt erholt.
Von Pinochets einstigen Verbündeten äußerte nur die
frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher Trauer
über den Tod des 91-jährigen Generals. Die USA, die Pinochets
Militärherrschaft viele Jahre stillschweigend duldeten,
bezeichneten Pinochets Militärherrschaft «als eine der
schwierigsten Perioden der Geschichte dieser Nation», wie der
Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, mitteilte. «Unsere
Gedanken sind mit den Opfern seiner Herrschaft und deren
Familien», sagte er.
Wie Fratto würdigte auch die britische Außenministerin
Margaret Beckett die Leistung des chilenischen Volkes, seit Pinochets
Abgang 1990 eine «offene, stabile und blühende
Demokratie» aufgebaut zu haben. Menschenrechtsorganisationen von
Amnesty International bis Human Rights Watch bedauerten, dass sich
Pinochet für seine brutale Herrschaft nie habe vor Gericht
verantworten müssen. Allerdings stellte der Lateinamerika-Direktor
von Human Rights Watch, Jose Miguel Vivanco, fest: «Pinochet hat
seine letzten Jahre damit verbracht, ein immer dichter
zusammenziehenden Netz von Anklagen abzuwehren. Er ist als völlig
diskreditierte Persönlichkeit in dem Land gestorben, das er einst
beherrschte.» Amnesty forderte, aus dem Fall Pinochet
Konsequenzen für eine künftig effektivere Strafverfolgung von
Menschenrechtsverstößen zu ziehen.
Der Tod Pinochets hat am Sonntag bei der schwindenden Zahl seiner
Anhänger Trauer, Tausenden anderen jedoch Freudenkundgebungen
ausgelöst. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, die
beiden Lager auseinander zu halten. Gegen jugendliche Aktivisten unter
den Pinochet-Gegnern, die zum Präsidentenpalast in Santiago zogen,
ging sie mit Wasserwerfern und Tränengas vor. Chiles Regierung von
Präsidentin Michelle Bachelet teilte mit, dass Pinochet kein
Staatsbegräbnis erhalten werde.
Das chilenische Heer, dessen Oberbefehlshaber Pinochet während
seiner gesamten Junta-Herrschaft war, teilte mit, der Verstorbene werde
am Montag und Dienstag in der Militärakademie aufgebahrt.
Pinochets Sohn Marco Antonio sagte, sein Vater werde entsprechend
seines Wunsches eingeäschert. Er habe befürchtet gehabt, dass
sein Grab von seinen Gegnern geschändet werde.
Vor dem Militärkrankenhaus, in dem Pinochet zuletzt behandelt
wurde, versammelten sich tausende seiner Anhänger. Sie riefen:
«Lang lebe Pinochet!» Doch anderswo in der Hauptstadt wurde
die Nachricht von seinem Tod gefeiert, auf dem zentralen Platz
versammelten sich hunderte, die mit Sekt anstießen, chilenische
Fahnen schwenkten und Konfetti regnen ließen. Zu
Zusammenstößen mit der Polizei kam es, als einige
Demonstranten in Richtung Präsidentenpalast zogen und
vorbeifahrende Autos mit Steinen bewarfen. Zudem errichteten sie
brennenden Barrikaden auf einer Hauptstraße.
(Quellen: afp, ap)
Designierter Präsident Ecuadors gegen Freihandelsabkommen mit USA
Mo.11.12.06 - Der designierte Präsident Ecuadors, Rafael Correa, will kein
Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten unterschreiben. Die von
den USA vorgeschlagene Vereinbarung wäre sehr schädlich
für sein Land, sagte Correa am Sonntag nach Gesprächen mit
dem peruanischen Präsidenten Alan Garcia in Lima. Er verwies
darauf, dass Ecuador den Dollar im Jahre 2000 zur nationalen
Währung erhoben hat, um der damaligen Hyper-Inflation Einhalt zu
gebieten. Deshalb habe das Land nicht die Möglichkeit, etwaige
wirtschaftliche Probleme mit Währungsschwankungen auszugleichen.
Der linksgerichtete Politiker, der am 15. Januar die
Präsidentschaft antritt, hat sich wiederholt kritisch über
den Dollar als Staatswährung geäußert. Er hat der
Bevölkerung jedoch versprochen, für die nächsten vier
Jahre nichts daran zu ändern.
(Quelle: ap)
Südamerika nimmt sich EU-Integration zum Vorbild
Mo.11.12.06 - Nach dem Vorbild der Europäischen Union will Südamerika die
politische und wirtschaftliche Integration vorantreiben. Die erst vor
zwei Jahren gegründete Südamerikanische Staatengemeinschaft
(CSN) beschloss auf einem Gipfeltreffen in der bolivianischen Stadt
Cochabamba die Einrichtung einer Studiengruppe in Rio de Janeiro, die
alle Möglichkeiten einer Festigung der bislang noch sehr lockeren
Gemeinschaft erkunden soll. Dabei wurde auch die Bildung eines
gemeinsamen Parlaments ins Auge gefasst.
«Wir wollen, dass Südamerika für immer eine Region des
Friedens ist, die bei der Lösung der Wirtschaftsprobleme seiner
historisch im Stich gelassenen Mehrheit zusammenarbeitet», sagte
der bolivianische Präsident Evo Morales am Samstag mit Blick auf
die Armut der indianischen Bevölkerung. Morales rief dazu auf,
«die offenen Adern Lateinamerikas zu schließen» - in
Anlehnung an das Werk von Eduardo Galeano aus dem Jahr 1971, in dem die
kapitalistische Ausbeutung des Kontinents angeprangert wird.
Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva mahnte,
dass der Integrationsprozess nicht einfach sein werde. «Wir
müssen Geduld haben», sagte Lula da Silva. Ungeduldiger
zeigte sich der venezolanische Präsident Hugo Chavez. «Wir
brauchen ein politisches Viagra», sagte der linksgerichtete
Politiker. «Wir treffen Entscheidungen und haben nicht die Kraft,
sie umzusetzen. Sie stecken in diesen riesigen Papierbergen fest.»
Die «Comunidad Sudamericana de Naciones» (CSN) wurde 2004
in Peru gegründet. Die Diskussion über eine
südamerikanische Union wird ab Freitag fortgesetzt, wenn die
Staaten der Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur - Brasilien, Argentinien,
Venezuela, Paraguay und Uruguay zu ihrem halbjährlichen Treffen in
Brasilia zusammenkommen.
(Quelle: ap)
Frankreichs Linke mit gemeinsamer Präsidentschaftskandidatin
Mo.11.12.06 - Die Chancen für die frühere Umweltministerin
Ségolène Royal auf das Präsidentenamt in Frankreich
sind gestiegen: Ex-Innenminister Jean-Pierre Chevènement von der
linksnationalistischen MRC zog in Absprache mit den Sozialisten seine
Kandidatur zugunsten von Royal zurück. "Das ist ein sehr wichtiger
Augenblick für die Geschichte der Linken", sagte
Chevènement auf einer Parteiveranstaltung in Paris. Die
Delegierten sprachen sich mit 84 Prozent für die
Unterstützung Royals aus. Zuvor hatten die Sozialisten zugesagt,
bei den Parlamentswahlen in zehn Wahlkreisen Kandidaten der MRC zu
unterstützen.
Die Zusammenarbeit in der Linken sei "kein gekünstelter
Zusammenschluss", sondern eine auf lange Sicht angelegte Allianz,
begrüßte Royal die Wahlunterstützung. Damit würden
Anhänger und Gegner der EU-Verfassung im linken Spektrum wieder
vereint, erinnerte sie auf das unterschiedliche Stimmverhalten der
jeweiligen Parteianhänger bei der Ablehnung der EU-Reform durch
das Referendum in Frankreich. Nach den Vereinbarungen zwischen beiden
Parteien wollen MRC und Sozialisten ein Programm aufstellen, das eine
"nachhaltige Alternative zu einer Politik der Rechten" darstellen soll.
Royal wäre in der Geschichte Frankreichs die erste Frau an der
Staatsspitze.
Mit scharfer Kritik reagierte Royal auf einen Hitler-Vergleich, den
Frankreichs Innenminister und Präsidentschaftsmitbewerber Nicolas
Sarkozy im Fernsehen angestellt hatte. Während einer Diskussion
zwischen möglichen und erklärten
Präsidentschaftskandidaten in der Regierungspartei UMP sagte
Sarkozy mit Blick auf ein Treffen von Royal in Beirut mit
Hisbollah-Vertretern, auch Hitler sei gewählt gewesen, "das machte
ihn aber nicht zu einem respektablen Gesprächspartner". Royals
Sprecher Julien Dray warf Sarkozy vor, solche Sprüche würden
den Opfern des Völkermords an den Juden einen schlechten Dienst
erweisen. Dies stelle eine "schleichende Banalisierung" der Schoah dar.
Royals Treffen in Beirut und Äußerungen während ihrer
jüngsten Nahost-Reise werden von den französischen
Konservativen scharf kritisiert. Unter den Abgeordneten, mit denen die
Sozialistin zusammengekommen war, war auch ein Vertreter der
schiitischen Hisbollah. Der Hisbollah-Vertreter hatte in diesem
Gespräch Israels Vorgehen im Libanon mit dem Nationalsozialismus
verglichen.
(Quelle: afp)
Scharfe Kritik der UN-Menschenrechtskommissarin an reichen Ländern
Mo.11.12.06 - Die Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen, Louise Arbour,
hat den reichen Ländern Engstirnigkeit und Gleichgültigkeit
gegenüber der globalen Armut vorgeworfen. Zum 58. Jahrestag der
Unterzeichnung der UN-Menschenrechtserklärung forderte Arbour am
Sonntag eine Umschichtung der Staatsausgaben für Rüstung und
Agrarsubventionen zugunsten von Entwicklungshilfe und
Armutsbekämpfung.
Arbour erinnerte an die Selbstverpflichtung der reichen Staaten, 0,7
Prozent ihres Sozialprodukts für die Entwicklungshilfe auszugeben,
was nur von wenigen Regierungen eingehalten wird. Gleichzeitig werde das
Zehnfache von Ausgaben in die Militärbudgets gesteckt, kritisierte
Arbour. Und für Subventionen der Landwirtschaft werde vier Mal so
viel Geld ausgegeben wie für die Armutsbekämpfung. Wenn sich
daran nichts ändere, sei das Ziel der Vereinten Nationen
gefährdet, die weltweite Armut bis 2015 um die Hälfte zu
verringern. Die Armut müsse endlich als ein Thema der
Gerechtigkeit und der Menschenrechte betrachtet werden, dem sich jedes
Land stellen müsse.
(Quelle: ap)
'Bankier der Armen' nimmt Friedensnobelpreis entgegen
Mo.11.12.06 - Der als "Bankier der Armen" gepriesene Bangladescher Ökonom
Muhammad Yunus hat den Friedensnobelpreis 2006 erhalten. In Anwesenheit
der norwegischen Königsfamilie überreichte der Leiter des
Nobel-Komitees, Ole Danbolt Mjøs, dem 66-jährigen
Wirtschaftsprofessor im Rathaus von Oslo die mit 1,1 Millionen Euro
dotierte Auszeichnung. Armut sei eine Bedrohung für den Frieden,
sagte Yunus bei der Zeremonie. Aus Armut entstünden
"Frustrationen, Feindseligkeiten und Wut", die Frieden in der
Gesellschaft unmöglich machten. Seine Erfahrung lehre ihn aber,
dass Armut überwunden werden könne.
Mit dem Preis wollte das norwegische Nobel-Komitee laut Mjøs
"die Aufmerksamkeit auf den Dialog mit der muslimischen Welt lenken,
auf die Situation der Frauen und auf den Kampf gegen die Armut". Neben
Yunus wurde die von ihm 1983 gegründete Grameen Bank geehrt, die
Mikrokredite an Arme vergibt, die bei einer normalen Bank keine Chance
hätten. Diese Kleinstkredite werden besonders häufig von
Frauen genutzt.
Stellvertretend für die rund sieben Millionen Kunden seiner Bank
brachte Yunus Mosammat Taslima Begun mit zur Preisverleihung. Mit einem
Darlehen von umgerechnet rund 15 Euro entkam die Dorfbewohnerin, die
heute im Verwaltungsrat der Bank sitzt, dem Elend. Sie kaufte sich eine
Ziege; heute besitzt sie mehrere Mangobäume und eine Schneiderei
und erstand für ihren Mann eine Fahrradrikscha.
"Armut sollte in einer zivilisierten Gesellschaft keinen Platz haben",
sagte Yunus. Auch der Terrorismus könne nicht mit
militärischen Mitteln besiegt werden, sondern nur durch die
Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen. Für seine Worte
erhielt Yunus stehende Ovationen. Die für die Gala am Abend
angereiste Hollywood-Schauspielerin Sharon Stone war zu Tränen
gerührt.
Zu den Gratulanten zählte unter anderen die deutsche
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Yunus habe mit
den Mikrokreditprogrammen "Millionen von Armen eine Perspektive auf ein
besseres Leben aus eigener Kraft" geöffnet, erklärte sie in
Berlin. Auch die Vorstandssprecherin der deutschen Kreditanstalt
für Wiederaufbau (KfW), Ingrid Matthäus-Maier,
beglückwünschte den Preisträger. "Die von Professor
Yunus entwickelte Idee der Mikrofinanzierung ist einer der wichtigsten
Förderansätze für die Bekämpfung von Armut und
für die Entwicklung von Wohlstand."
(Quelle: afp)
Deutschland
BND bezahlte angeblich rund 20 Auslandskorrespondenten
Mo.11.12.06 - Während der Regierungszeit von Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) sind angeblich rund 20 Auslandskorrespondenten deutscher Medien
vom Bundesnachrichtendienst (BND) bezahlt worden. Diese Korrespondenten
seien als geführte Informanten eingesetzt worden und hätten
Honorare zwischen 150 und 1000 Euro je Auslandsmeldung an den BND
erhalten, schreibt das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf
interne BND-Akten, die zur Vorbereitung des derzeit laufenden
BND-Untersuchungsausschusses ausgewertet wurden.
Bei einem Großteil der angeworbenen Reporter handele es sich um
freiberufliche Journalisten. In einem Falle habe ein Korrespondent mit
Finanzhilfe des BND in Osteuropa ein Pressebüro gegründet, um
seine Spionagetätigkeit besser tarnen zu können.
(Quelle: afp)
Türkei-Politik entzweit die Koalition
Mo.11.12.06 - Die Türkei-Politik entzweit die große Koalition. In einem
ungewöhnlichen Appell warnte Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) am Wochenende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor
einer «unangemessenen Reaktion» gegenüber der
Türkei wegen des Zypern-Konflikts. Die Union wies dies in scharfer
Form zurück. Entgegen der bisherigen Regierungspolitik forderte
CSU-Chef Edmund Stoiber den Stopp der EU-Verhandlungen mit Ankara.
«Die neuen Verhandlungen mit der Türkei müssen sofort
und vollständig auf Eis gelegt werden, bis sich die Türkei an
die Verträge hält», sagte der bayerische
Ministerpräsident. «Die Türkei hat versprochen, Zypern
bis Ende 2006 völkerrechtlich anzuerkennen.» Wenn sie davon
nichts mehr wissen wolle, verstoße sie gegen den Grundsatz,
Verträge einzuhalten, und zeige, «dass sie kein
europäisches Land ist».
Die türkische Regierung weigert sich, das EU-Mitglied Zypern
vollständig anzuerkennen. Deshalb hatte die finnische
EU-Ratspräsidentschaft vorgeschlagen, Teile der langfristig
angelegten Beitrittsverhandlungen auszusetzen. Merkel will vor
Fortsetzung dieser Verhandlungen einen EU-Bericht abwarten, der 2008
oder 2009 vorliegen soll.
Steinmeier sagte, er habe mit Merkel gesprochen und «ich habe ihr
Argumente genannt, die dafür sprechen, auf unangemessene
Reaktionen zu verzichten». Er fügte hinzu: «Sollte
sich die Türkei von Europa abwenden, wäre dies ein schwerer
strategischer Verlust für die EU.» Steinmeier plädierte
für eine EU-Reaktion mit Augenmaß. «Wir dürfen
nicht in einem Maße überreizen, dass der
Annäherungsprozess, für den wir viele Jahre gebraucht haben,
in einer Woche zu Fall gebracht wird.»
Unionsfraktionschef Volker Kauder reagierte verärgert. Steinmeiers
öffentliche Ratschläge an die Kanzlerin seien
«völlig unnötig», sagte der Merkel-Vertraute. Die
Kanzlerin habe sich in der Türkeifrage «klug und
konsequent» verhalten. «Ich warne die SPD davor, falsche
Signale an die Türkei zu senden.» Der stellvertretende
Unionsfraktionschef Andreas Schockenhoff sagte: «Ich kann dem
Außenminister nur raten, hier nicht eine grundsätzlich
andere Position zu vertreten als die Kanzlerin.»
Vor einem Abbruch der Verhandlungen warnte aber auch
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. «Die Verhandlungen
dürfen nicht scheitern», sagte der CDU-Politiker.
SPD-Fraktionschef Peter Struck bekräftigte, dass es für die
von der CDU gewünschte privilegierte Partnerschaft keine Mehrheit
in der Koalition gebe. Die Koalitionsvereinbarung, wonach mit der
Türkei über eine EU-Vollmitgliedschaft verhandelt werde,
gelte weiter. SPD-Chef Kurt Beck forderte, dass die
Beitrittsverhandlungen im guten Geiste fortgesetzt werden.
Am (heutigen) Montag beraten die EU-Außenminister über das
weitere Vorgehen. Ein Kompromissangebot aus Ankara, zunächst einen
Hafen für zyprische Schiffe zu öffnen, hat die EU als
unzureichend zurückgewiesen. Erweiterungskommissar Olli Rehn und
der deutsche Kommissar Günter Verheugen forderten am Wochenende
weitere Zugeständnisse. Die Türkei müsse ihre
Verpflichtungen aus der Zollunion mit der Europäischen Union
vollständig erfüllen, sagte Verheugen .
(Quelle: ap)
Weiter Streit um Lohnerhöhungen
Mo.11.12.06 - Angesichts der guten Konjunkturentwicklung streiten Politiker und
Ökonomen weiter über deutliche Lohnerhöhungen. CSU-Chef
Edmund Stoiber erklärte am Wochenende, wenn die Wirtschaft
spürbar wachse, müsse es auch spürbare Lohnzuwächse
geben. Dagegen warnte sein Parteikollege, Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos, vor «undifferenzierten Lohnerhöhungen».
Wegen solcher Forderungen kritisierte der CDU-Politiker Jürgen
Rüttgers die SPD und verlangte stattdessen Bewegung beim Thema
Arbeitslosengeld. Ökonomen warnten vor den Folgen kräftiger
Lohnsteigerungen.
Stoiber sagte, der einsetzende Aufschwung müsse allen zu Gute
kommen. Es gehe auch deshalb wieder aufwärts, «weil die
Arbeitnehmer in den mageren Jahren bereit waren, auf höhere
Löhne zu verzichten und länger zu arbeiten». Stoiber
will außerdem in der großen Koalition den von Rüttgers
initiierten CDU-Beschluss durchsetzen, das Arbeitslosengeld I nach
Beitragsjahren zu staffeln.
Glos mahnte, dass die deutsche Wettbewerbsposition, die sich in den
letzten Jahren verbessert habe, nicht durch undifferenzierte
Lohnerhöhungen gefährdet werden dürfe.
Lohnerhöhungen seien Sache der Tarifpartner. Viel entscheidender
sei die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
Rüttgers kritisierte, dass die SPD Lohnerhöhungen fordert.
«Politiker sollten sich nicht in Tarifverhandlungen
einmischen», sagte der CDU-Politiker. Wolle die SPD wirklich als
arbeiterfreundlich gelten, müsse sie sich beim Thema ALG I
bewegen. Die SPD-Fraktion im Bundestag erteilte aber Rüttgers'
Vorschlag dazu eine endgültige Absage.
SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte: «Es gibt für eine
Änderung beim Arbeitslosengeld in dieser Regierung bis 2009 keine
Chancen.» Die Umsetzung der Rüttgers-Vorschläge
hätte eine Benachteiligung der jüngeren Arbeitslosen und der
Frauen mit Unterbrechung der Erwerbstätigkeit zur Folge, sagte er.
Außerdem könnten die Ostdeutschen die geforderten
Erwerbsjahre nicht erreichen.
Der Vorsitzende der Fünf Wirtschaftsweisen, Bert Rürup,
warnte vor kräftigen Lohnerhöhungen, die die Inflation
anheizen und das Wirtschaftswachstum stark bremsen würden. Die
Politik solle sich aus Tarifangelegenheiten heraushalten. Der
Wirtschaftsweise Wolfgang Franz bezeichnete die Forderungen nach
höheren Löhnen als Populismus. Die Lohnzurückhaltung der
vergangenen Jahre sei zwar mit ein Grund für die verbesserte
Arbeitsmarktlage, es gebe aber immer noch rund vier Millionen
Arbeitslose. Wichtiger sei es nun, die hohe Sockelarbeitslosigkeit zu
senken.
Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für
Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, hält den Aufschwung
für sehr robust. Er werde sicherlich noch über das
nächste Jahr hinaustragen, «möglicherweise bis ans Ende
des Jahrzehnts», sagte Sinn. Man dürfe diese konjunkturelle
Aufwärtsbewegung aber nicht für eine Trendwende in der
strukturellen Entwicklung halten. «Dieses Auf und Ab der
Konjunktur hat es immer gegeben», sagte Sinn.
(Quelle: ap)
Widerstand gegen Rente mit 67
Mo.11.12.06 - Der Widerstand gegen die geplante Rente mit 67 wächst.
Während der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) für eine
Verschiebung des Projekts eintritt, will der Sozialverband VdK notfalls
gerichtlich gegen die Regierungspläne vorgehen. VdK-Chef Walter
Hirrlinger forderte vor Inkrafttreten des Gesetzes eine
Überprüfung, ob Ältere überhaupt eine Chance
hätten, bis zum 67. Lebensjahr zu arbeiten. «Sollte das
Gesetz eine solche Klausel nicht enthalten, werden wir klagen oder
unsere Mitarbeiter auffordern, vor Gericht zu gehen», sagte er.
Der Chef des Sachverständigenrats, Bert Rürup, kritisierte
den Umgang von Arbeitgebern mit älteren Mitarbeitern.
Auch in der SPD-Linken wächst die Kritik: So lange die
«exorbitant hohe Arbeitslosigkeit« der über
50-Jährigen nicht sinke, bedeute die Regelung eine
«faktische Rentenkürzung», sagte Ottmar Schreiner,
Chef der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Nach der
Kabinettsentscheidung will sich der Bundestag am kommenden Donnerstag
erstmals mit der Vorlage befassen.
Der DGB plädierte unterdessen dafür, die Entscheidung zu
verschieben. «Solange Ältere keine realistische Chance auf
dem Arbeitsmarkt bekommen, kann man nicht einfach beschließen,
dass die Rente zwei Jahre später kommt. Die Rente mit 67
würde für viele bedeuten, dass sie zwei Jahre länger
arbeitslos sind oder am Ende des Arbeitslebens bei ´Hartz
IV´ landen», sagte DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. Im
Frühjahr 2007 soll das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen werden.
Rürup, der als Vater der Rente mit 67 gilt, verteidigte die
längere Lebensarbeitszeit. Zum höheren Renteneintrittsalter
gebe es «keine sinnvolle Alternative». Allerdings
müssten Arbeitgeber und Gewerkschaften die Reform mit neuen
Tarifverträgen und Arbeitszeitmodellen flankieren. Um die
Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer zu verbessern,
forderte er eine Reform der beruflichen Weiterbildung. «Die
Weiterbildungsquote der älteren Arbeitnehmer ist bei uns
skandalös niedrig», kritisierte Rürup.
(Quelle: ddp)
Linkspartei und WASG beschließen Gründungsdokumente der
'Linken'
Mo.11.12.06 - Der geplante Zusammenschluss von Linkspartei und WASG hat seine vorerst
letzte Hürde genommen. Am Sonntag beschlossen die Vorstände
beider mittlerweile in eingetragene Vereine umgewandelten
Organisationen die Entwürfe der Gründungsdokumente für
die neue Partei «Die Linke». Diese Schritte sind notwendig,
da es rechtlich keine klaren Vorgaben für die Fusion von Parteien
gibt.
Linkspartei-Geschäftsführer Dietmar Bartsch sprach nach der
Sitzung von einem «Meilenstein für die Bildung der neuen
Partei». Mit dieser gemeinsamen Tagung der Vorstände sowie
den Dokumenten sei deutlich geworden, dass sich beide Organisationen
«nicht länger mit sich selbst beschäftigen»
wollten. «Jetzt geht es darum, gemeinsam die Politik der
Bundesregierung anzugreifen», unterstrich Bartsch.
Die Dokumente werden nun als Leitanträge an die parallel tagenden
Bundesparteitage im März 2007 zugeleitet, die sie förmlich
beschließen müssen. Dabei handelt es sich um die
programmatischen Eckpunkte, die Bundessatzung, die Finanzordnung und
die Schiedsordnung. Beschlossen wurden ferner Eckpunkte zum
«Verschmelzungsvertrag», der die Zusammenführung von
Linkspartei und WASG regelt. Die Parteineugründung soll im Juni
2007 nach Urabstimmungen formal durch einen Beitritt der WASG zur
Linkspartei erfolgen.
(Quelle: ddp)