Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsechsundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Baker bekräftigt Forderung nach US-Dialog mit Syrien und Iran.
Irak und Syrien eröffnen nach mehr als 20 Jahren Botschaften.
Irakische Soldaten sollen Bevölkerung in Bagdad schützen
Di.12.12.06 - Die Leiter der unabhängigen Kommission für eine neue
Irak-Strategie der USA haben Forderung nach der Aufnahme eines Dialogs
mit dem Iran und Syrien bekräftigt. Das führende
Kommissionsmitglied Lee Hamilton betonte am Sonntag im Fernsehsender
NBC, Teheran und Damaskus könnten zu einem Frieden im Irak und in
der gesamten Nahost-Region beitragen. Eine Isolierung beider in der
Region einflussreichen Staaten werde zu nichts führen. Der
ehemalige US-Außenminister James Baker rief Washington auf, im
Fall Irans den Atomstreit getrennt von der Diskussion um die
Sicherheitslage im Irak zu betrachten. Baker verwies auf die
erfolgreiche Zusammenarbeit der USA und Irans nach dem Sturz der
Taliban-Regierung in Afghanistan. Seinerzeit hätten beide
Länder gemeinsam Wiederaufbauhilfe geleistet.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten haben der Irak und Syrien wieder
Botschaften im jeweiligen Nachbarland eröffnet. In Anwesenheit von
Vertretern beider Staaten wurden die jeweiligen Flaggen auf den
Gebäuden gehisst. Die Botschaften stehen in den Hauptstädten
Damaskus und Bagdad. Ein Sprecher des syrischen Außenministeriums
würdigte die Botschaftseröffnung als Unterstützung der
Bemühungen des Iraks, seine territoriale Einheit und
Souveränität wiederzuerringen.
Die irakische Regierung hat nach eigenen Angaben ihre Anstrengungen zum
Schutz der Bevölkerung in Bagdad verstärkt. Es werde alles
getan, damit die Menschen nicht Opfer sektiererischer Gewalt
würden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.
Beispielsweise hätten Soldaten in Ghasalija, einem überwiegend
von Sunniten bewohnten Viertel, am Montag 23 Iraker befreit, die an
einem angeblichen Kontrollpunkt festgesetzt worden seien.
Ein Extremist sei bei dem Einsatz getötet, vier weitere seien
festgenommen worden, sagte Ministeriumssprecher Mohammed al Askari auf
einer Pressekonferenz. Die jüngsten Angriffe auf Sunniten im
Stadtteil Hurrija im Nordwesten von Bagdad haben die Angst vor einer
konzertierten Kampagne militanter Schiiten geweckt. Die Sunniten werfen
den schiitisch dominierten Sicherheitskräften vor, nicht genug
gegen die Gewalt zu unternehmen. Am Wochenende entsandte die Armee rund
600 Soldaten nach Hurrija.
Auch am Montag wurde die irakische Hauptstadt wieder von mehreren
Anschlägen erschüttert. Bei einem Selbstmordanschlag auf ein
von der Polizei genutztes Haus in Dora kam ein Polizist ums Leben,
fünf weitere wurden verwundet. In der Nähe der
Mustassirija-Universität verletzte ein Sprengsatz am Morgen sieben
Menschen. Eine dreiviertel Stunde später wurde ein Student bei der
Explosion einer Autobombe getötet, zwei weitere Studenten und zwei
Polizisten erlitten Verletzungen.
Am Sonntagabend riss ein Bombenanschlag in Bagdad drei amerikanische
Soldaten in den Tod, zwei weitere wurden verwundet. Die Patrouille wurde
nach US-Militärangaben im Norden der Stadt angegriffen. Seit
Anfang Dezember sind damit bereits 46 US-Soldaten ums Leben gekommen.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 12.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.12.12.05 - Regierung schließt Landesgrenzen vor der Parlamentswahl +++ Erneut
Anschläge im Irak +++ Zahl der seit Kriegsbeginn ums Leben gekommenen
US-Soldaten steigt auf mindestens 2.141 +++ Keine neuen Erkenntnisse im
Fall Osthoff. Arabische Botschafter fordern Freilassung der im Irak
entführten deutschen Archäologin...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512120.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Annan kritisiert in seiner Abschiedsrede die Regierung Bush
Di.12.12.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat in seiner Abschiedsrede
unverhohlen Kritik an der Regierung von US-Präsident George W.
Bush geübt und ein Bekenntnis zu Menschenrechten und
Rechtsstaatlichkeit abgelegt. Die USA dürften im Kampf gegen den
Terror nicht ihre demokratischen Ideale opfern, sagte Annan laut
Manuskript am Montag in der Bibliothek des früheren amerikanischen
Präsidenten Harry Truman im US-Staat Missouri.
Wenn es so aussehe, dass die USA ihre Ideale und Ziele aufgäben,
seien «die Freunde im Ausland natürlich beunruhigt und
verwirrt», erklärte der scheidende Generalsekretär,
dessen Amt am 1. Januar der Südkoreaner Ban Ki Moon
übernimmt. Die USA trügen besondere Verantwortung in der
Welt, weil sie über außergewöhnliche Macht
verfügten.
Annan erwähnte in seiner letzten großen Rede als
UN-Generalsekretär nicht einmal den Namen des amerikanischen
Präsidenten Bush, lobte aber mehrfach dessen Vorgänger
Truman, der nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle bei der
Gründung der Vereinten Nationen spielte. «Wie Präsident
Truman sagte: Die Verantwortung der großen Staaten ist es zu
dienen, und nicht die Völker der Welt zu beherrschen», sagte
Annan.
Truman sei überzeugt gewesen, dass Sicherheit kollektiv und
unteilbar sein müsse. Daher habe er sich angesichts der
nordkoreanischen Aggression gegenüber Südkorea 1950 an die
Vereinten Nationen gewandt. Gegen solche Bedrohungen könne keine
Nation allein für Sicherheit sorgen, indem sie die Vormacht
über alle anderen anstrebe, erklärte Annan weiter. Er hielt
seine Rede im Truman Presidential Museum and Library in Independence.
Annan plädierte erneut für eine Reform des
UN-Sicherheitsrats, dessen Zusammensetzung noch immer die Welt von 1945
widerspiegele. Die Veto-Mächte müssten die besondere
Verantwortung akzeptieren, die mit ihrem Privileg verbunden sei.
«Der Sicherheitsrat ist nicht einfach eine weitere Bühne,
auf der nationale Interessen ausgelebt werden», setzte der
Generalsekretär eine weitere Spitze in Richtung der US-Regierung,
mit deren UN-Botschafter John Bolton er angespannte Beziehungen
unterhielt.
Bolton hat nach dem Wahlsieg der Demokraten bei der Kongresswahl
inzwischen erklärt, dass er keine neue Amtszeit mehr anstrebt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israels Ministerpräsident Olmert deutet israelischen
Atomwaffenbesitz an. Hisbollah-Chef Nasrallah stimmt Libanon-Plan der
Arabischen Liga zu. Deutschland beharrt auf Wiederbelebung des
Nahost-Quartetts. Israel blockt UN-Untersuchungskommission ab.
Maskierte Palästinenser erschießen in Gaza drei Kinder und
Fahrer
Di.12.12.06 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat sein Land
erstmals in eine Reihe mit Atommächten wie die USA, Frankreich und
Russland gestellt. Er brach damit ein Tabu der israelischen Politik,
Atomwaffenbesitz nicht offiziell zu bestätigen. Olmerts
Äußerung am Montag im Fernsehsender SAT.1 löste in der
israelischen Öffentlichkeit umgehend einen Sturm aus.
Olmerts Büros erklärte, die Äußerung des
Ministerpräsidenten sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.
Olmert habe an anderer Stelle des Interviews mehrmals die
Bestätigung verweigert, das Israel Atomwaffen besitze.
Auf die Frage nach der iranischen Drohung, Israel zerstören zu
wollen, sagte Olmert aber: «Iran hat offen, öffentlich und
ausdrücklich damit gedroht, Israel von der Landkarte ausradieren
zu wollen. Kann man sagen, dies ist das gleiche Niveau, wenn man nach
Atomwaffen strebt, wie Amerika, Frankreich, Israel, Russland?»
Israel drohe niemandem mit der Vernichtung, betonte Olmert.
Israel hat bisher stets erklärt, nicht als erster Staat Atomwaffen
im Nahen Osten einzuführen. Der Besitz von Atomwaffen wurde
offiziell weder bestätigt noch dementiert.
Auch der designierte amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates
hat bei seiner Senats-Anhörung in der vergangenen Woche Aufsehen
mit der Feststellung ausgelöst, Israel sei eine Atommacht.
Ausländische Experten schätzen bislang nur, dass Israel
hunderte von Atombomben besitzt.
Der Generalsekretär der schiitischen Hisbollah, Hassan Nasrallah,
hat einem Plan der Arabischen Liga zur Überwindung der Krise im
Libanon zugestimmt. Nasrallah habe «dem arabischen
Unterhändler eine positive Antwort gegeben», sagte der
Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah am Sonntagabend in Beirut.
Zuvor hatte bereits der Gesandte der Arabischen Liga, Mustafa Ismail,
dem arabischen Sender Al-Arabija in Damaskus gesagt, dass der
Hisbollah-Chef ihm sein «grundsätzliches
Einverständnis» zu den Vorschlägen der Liga mitgeteilt
habe. Einzelheiten zu dem Plan, mit dem die innenpolitische Krise im
Libanon überwurden werden soll, wurden nicht bekannt.
Am Sonntag hatten erneut Hunderttausende pro-syrische Oppositionelle in
Beirut den Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten
Fuad Siniora und Neuwahlen gefordert. Nasrallahs Stellvertreter Scheich
Naim Kasim warf Siniora vor, den Libanon an die amerikanische
Interessenpolitik ausgeliefert zu haben.
Die Opposition hatte mit den Protesten rund um den Regierungspalast am
1. Dezember begonnen. «Wir werden unser Recht so lange weiter
ausüben, bis diese Regierung stürzt», sagte Kasim.
Die deutsche Regierung beharrt auf der Wiederbelebung des so genannten
Nahost-Quartetts als eines der wichtigsten Instrumente im
Friedensprozess für die Region. Der stellvertretende
Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Montag in Berlin ungeachtet
skeptischer Beurteilungen, eine Lösung der Nahostkrise sei ohne die
vier Akteure EU, Vereinte Nationen, USA und Russland in dem
Verhandlungsgremium nicht vorstellbar.
Steg verwies auch auf den vergangene Woche in den USA
veröffentlichten Baker-Report zum Irak, in dem ebenfalls die
Wiederbelebung des Quartetts gefordert wird. Der Sprecher sagte, die
Bundesregierung habe diese Forderung schon lange davor erhoben. Es gehe
darum, den politischen Prozess wieder in Gang zu setzen. Die
Bundesrepublik wolle die EU-Präsidentschaft im kommenden Jahr dazu
nutzen, dem Quartett mehr Bedeutung zu verleihen. Auch der designierte
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vertrete die Stärkung des
Quartetts.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Wochenende
erklärt: «Vor allen Dingen glauben wir, dass das
Nahost-Quartett wieder belebt werden sollte, und hier hat die
Europäische Union eine aktive Rolle.» Diese Erklärung
hatte die Kanzlerin auf ihrer Internet-Seite per Video-Podcast
abgegeben. Deutshlands Außenminister Steinmeier war nach Angaben
von Sprecher Jens Plötner bereits vor sechs Monaten mit einem
solchen Vorschlag an die Öffentlichkeit getreten. Zunächst sei
der Vorstoß nicht aufgegriffen worden, jetzt gewinne er jedoch
politisch an Fahrt.
Unterdessen kritisierte der israelische Ministerpräsident Ehud
Olmert die deutschen Bemühungen um eine Einbeziehung Syriens in den
Nahost-Friedensprozess. In einem Interview des Nachrichtensenders N24
rügte er den Besuch Steinmeiers in Syrien eine Woche zuvor.
«Ich denke, es war ein Fehler», sagte Olmert.
Er warf Syrien unter anderem vor, in Terrorakte gegen die libanesische
Regierung verwickelt zu sein, Extremisten und Terroristen zu
unterstützen. Olmert hatte seine Kritik bereits am Sonntag vor
einer Woche im direkten Gespräch mit Steinmeier angebracht. Das war
ein Tag vor der umstrittenen Reise, als Steinmeier in Jerusalem war.
Olmert trifft heute in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und
Bundespräsident Horst Köhler zusammen.
Rund einen Monat nach dem israelischen Panzerangriff in Beit Hanun im
Gazastreifen hat Israel eine UN-Untersuchungskommission abgeblockt. Der
Leiter der Kommission, der südafrikanische
Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, habe nicht die notwendige
Reiseerlaubnis erhalten, verlautete aus Kreisen der Vereinten Nationen
in Genf. Tutu erklärte, die «mangelnde Kooperation»
Israels sei sehr bedauerlich.
Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte am Montag,
man habe Tutus Team keine Absage erteilt. «Unsere endgültige
Entscheidung stand noch aus», erklärte Mark Regev. In Israel
waren Befürchtungen laut geworden, Tutu wolle ausschließlich
israelisches Fehlverhalten untersuchen, nicht jedoch Verbrechen
palästinensischer Extremisten. «Manchmal ist es eine
Entscheidung, keine Entscheidung zu treffen», sagte Tutu dazu. Er
wies darauf hin, dass er die Aufgabe auf Bitten des
UN-Menschenrechtsrats kurzfristig übernommen habe und dafür
andere Verpflichtungen abgesagt habe.
Tutu wollte die Ermittlungen am Wochenende mit einem sechsköpfigen
Team aufnehmen. Nach UN-Angaben wollte sich der frühere Erzbischof
vor Ort ein Bild von der Situation machen und Vorschläge
erarbeiten, wie die Zivilbevölkerung künftig besser
geschützt werden könne. Sein Bericht sollte dem
Menschenrechtsrat in Genf noch in dieser Woche zugehen. Bei dem Angriff
im Rahmen einer Militäroffensive im nördlichen Gazastreifen am
8. November waren 19 Palästinenser ums Leben gekommen.
Der innerpalästinensische Machtkampf nimmt immer grausamere
Züge an: In Gaza schossen unbekannte Täter am Montag auf das
Auto eines ranghohen Geheimdienstmitarbeiters, Baha Baluscheh, und
töteten drei seiner Kinder. Baluscheh ist ein Gefolgsmann der
Fatah-Bewegung von Präsident Mahmud Abbas und Gegner der
regierenden Hamas. Ein Hamas-Sprecher distanzierte sich jedoch von der
Tat.
Außer den drei Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren wurde
nach Krankenhausangaben auch ein Erwachsener getötet. Vier weitere
Menschen wurden verletzt. Baluscheh selbst saß nicht in dem Wagen,
dessen Insassen wegen verdunkelter Scheiben von außen nicht zu
erkennen waren. Die Täter hätten aus zwei Fahrzeugen heraus
geschossen, verlautete aus Sicherheitskreisen. Das Auto sei von etwa 60
Kugeln getroffen worden.
Der Überfall fand in der Palästina-Straße statt, in der
neun Schulen liegen. Unter den Kindern auf der Straße brach Panik
aus. Sichtlich mitgenommen erzählt die zwölfjährige
Fadwa, die ihren kleinen Bruder Wael zur Schule bringen wollte, von den
Ereignissen: «Die Schüsse kamen aus einem Wagen. Wir schrien,
und die Kinder rannten los. Ich weinte und habe Wael verloren.»
Erst nach einer halben Stunde habe sie ihren Bruder wieder gefunden. Er
hatte sich in einem Falafel-Stand versteckt.
Polizisten versuchten, die Kinder zu beruhigen und zu ihren Eltern zu
bringen. Hunderte Mütter und Väter strömten ins
Krankenhaus, um etwas über das Schicksal ihrer Kinder zu erfahren.
Hamas-Sprecher Fausi Barhum verurteilte den Anschlag als
«schreckliches, hässliches Verbrechen an unschuldigen
Kindern». Die Täter schadeten den Interessen der
Palästinenser, indem sie Chaos verbreiteten, sagte Barhum. Der
Abgeordnete Sajeb Erakat, ein enger Vertrauter von Präsident Abbas,
äußerte sich besorgt über die Folgen des Anschlags und
eine mögliche Eskalation der Lage. «Wenn das so weitergeht,
wird unser schlimmster Albtraum wahr», nämlich blutige
Kämpfe unter den Palästinensern, sagte Erakat.
Abbas bemüht sich seit Monaten um die Bildung einer Regierung der
nationalen Einheit, erklärte die Gespräche vor kurzem jedoch
als gescheitert. Als möglichen Ausweg aus dem Machtkampf mit der
Hamas erwägt der Präsident Neuwahlen. Die Hamas lehnt dies ab.
Diese würden zu einem Chaos führen, warnte
Ministerpräsident Ismail Hanija am Wochenende.
(Quellen: dpa, ap)
Iranische Studenten stören Rede von Ahmadinedschad
Di.12.12.06 - Mit Zwischenrufen wie «Tod dem Diktator» haben Studenten
eine Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in der
Aula der Technischen Hochschule von Teheran unterbrochen. Sie setzten
am Montag ferner ein Bild des Präsidenten in Brand und
ließen einen Feuerwerkskörper krachen. Anhänger
Ahmadinedschads antworteten mit Sprechchören zu Gunsten des
Staatsoberhaupts und übertönten damit die Protestierenden.
Berichte über Festnahmen lagen zunächst nicht vor. Seit dem
Amtsantritt des Hardliners Ahmadinedschad im Sommer 2005 hat es im Iran
kaum regierungsfeindliche Demonstrationen gegeben.
(Quelle: ap)
Ex-Rebellenführer deutlicher Wahlsieger in Aceh
Di.12.12.06 - Ein ehemaliger Rebellenführer ist in der indonesischen Provinz
Aceh nach inoffiziellen Ergebnissen schon im ersten Wahlgang zum neuen
Gouverneur gewählt worden.
Bei den ersten direkten Wahlen seit dem historischen Friedensschluss
zwischen der Zentralregierung und den Aceh-Rebellen vor 18 Monaten
setzte sich Irwandi Yusuf mit 39 Prozent der Stimmen überraschend
deutlich durch, wie das «Indonesian Survey»-Institut in der
Provinzhauptstadt Banda Aceh mitteilte. Die Fehlerquote lag bei nur
zwei Prozentpunkten. Für den Sieg nötig waren 25 Prozent der
Stimmen.
Irwandi saß vor zwei Jahren als Kämpfer der
Separatistenbewegung «Freies Aceh» (GAM) im Gefängnis,
als der Tsunami kam und er mit knapper Not aus dem überfluteten
Gebäude fliehen konnte. Der Tierarzt, der in den USA studiert
hatte, ging ins Exil und kehrte im August 2005 zurück, als die
Rebellen mit der Regierung nach fast 30 Jahren Kampf mit 20 0000 Toten
Frieden schlossen. Die Separatisten ließen die Forderung nach
Unabhängigkeit fallen, die Zentralregierung gewährte im
Gegenzug weitgehende Autonomie, Straffreiheit für die Rebellen und
erlaubte ihnen die Beteiligung an den Wahlen.
Irwandi war seit Anfang der 90er Jahre im Widerstand gegen die
Regierung in Jakarta aktiv und leitete die Jugendbewegung. Er war bei
den Wahlen mit Rückendeckung der ehemaligen Guerillas angetreten,
während die zivile Führung, die bis heute aus dem Exil in
Schweden agiert, einen anderen Kandidaten unterstützte. Dieser kam
nach dem vorläufigen Ergebnis mit 14 Prozent auf den zweiten
Platz. Kandidaten, die der Zentralregierung nahe standen, endeten
entgegen den Vorhersagen weit abgeschlagen.
«Die alte Garde ist weg vom Fenster, die frühere
Befreiungsbewegung muss jetzt das Regieren lernen», sagte Sidney
Jones von der renommierten «International Crisis Group»,
die in der Krisenprävention arbeitet. Sie müsse sich auf
Widerstand in der Verwaltung einstellen.
Die Provinz war vom Tsunami vor knapp zwei Jahren schwer verwüstet
worden. 177 000 Menschen kamen ums Leben, eine halbe Million wurde
obdachlos. 70 000 leben noch in Baracken, die meisten arbeitslos.
(Quelle: dpa)
Verfassung zur Unabhängigkeit von Berg-Karabach angenommen
Di.12.12.06 - Mit überwältigender Mehrheit haben die Armenier in
Berg-Karabach einen Verfassungsentwurf für die Unabhängigkeit
des Kaukasus-Gebiets gebilligt. Nach ersten Ergebnissen des Referendums
vom Sonntag zeichne sich eine Zustimmungsquote von 98 Prozent ab,
erklärte der Vorsitzende der Wahlkommission, Sergej Nassibjan, am
Montag. Die Wahlbeteiligung wurde mit rund 85 Prozent angegeben. In der
neuen Verfassung wird Berg-Karabach als souveräner demokratischer
Staat beschrieben.
Die EU erklärte, sie erkenne weder das Referendum noch sein
Ergebnis an. Es sei nicht konstruktiv zu versuchen, die Bemühungen
zur Lösung des Streits über das Gebiet in dieser Weise zu
beeinflussen, erklärte die finnische EU-Ratspräsidentschaft in
einer Pressemitteilung. Der aserbaidschanische Außenminister
Elmar Mammadjarow sagte in Baku, das Votum werde die internationalen
Bemühungen negativ beeinflussen.
Berg-Karabach, ein überwiegend von Armeniern bewohntes Gebiet
innerhalb Aserbaidschans, hat sich schon Ende der 80er Jahre für
unabhängig erklärt. Dies sollte mit dem Referendum nun
abermals bekräftigt werden. Auf die erste
Unabhängigkeitserklärung folgte ein sechsjähriger Krieg
gegen Aserbaidschan, der rund 30.000 Menschen das Leben kostete und mehr
als eine Million in die Flucht trieb - überwiegend
Aserbaidschaner. 1994 wurde ein Waffenstillstand erzielt. Der
internationale Status von Berg-Karabach, das nur von Armenien als Staat
anerkannt wird, ist weiterhin ungeklärt.
(Quelle: ap)
Menschenrechtler sehen Pinochet-Tod als 'Weckruf' für Justiz
Di.12.12.06 - Nach dem Tod des früheren chilenischen Diktators Augusto Pinochet
haben Menschenrechtler eine striktere Ahndung von
Menschenrechtsverbrechen weltweit gefordert. Die Regierungen in aller
Welt sollten den Tod des Militärmachthabers als "Weckruf"
verstehen, erklärte Amnesty International (ai) in London. Pinochet
war am Sonntag in Santiago de Chile an den Folgen eines Herzinfarktes
gestorben. Zu Lebzeiten wurde er für kein Verbrechen während
seiner Herrschaft belangt. Gegner des Generals lieferten sich in
Santiago de Chile Straßenschlachten mit der Polizei.
Eine ai-Sprecherin rief die chilenischen Behörden auf, auch nach
dem Tod Pinochets die Verfahren gegen weitere Vertreter der
Militärjunta nicht einzustellen: "Sein Tod muss nicht das Ende der
Geschichte sein." Der spanische Ermittlungsrichter Baltasar
Garzón, der 1998 die Verhaftung Pinochets in London erreicht
hatte, sprach sich für eine Fortsetzung der juristischen Verfahren
gegen den ehemaligen Diktator aus, um Entschädigungen zu
erreichen. Auf Veranlassung des damaligen britischen Innenministers
Jack Straw durfte Pinochet im März 2000 nach Chile
zurückkehren.
Pinochet hatte am 11. September 1973 in einem Militärputsch mit
Unterstützung der USA den sozialistischen Präsidenten
Salvador Allende gestürzt. Unter Pinochets Oberbefehl töteten
Militär und Polizei von 1973 bis 1990 nach Angaben von
Menschenrechtlern mehr als 3000 Menschen. Laut einem offiziellen
Bericht wurden bis zu rund 30.000 Pinochet-Gegner eingesperrt und
gefoltert. Auch der Vater der jetzigen Präsidentin Michelle
Bachelet wurde im Gefängnis getötet.
In Chile wurde der Ex-General zuletzt wegen der Verschleppung und
Ermordung zweier Sicherheitsleute Allendes unter Hausarrest gestellt -
ein chilenisches Berufungsgericht erklärte dieses wie alle
übrigen laufenden Verfahren jetzt für beendet.
Auf Anweisung Bachelets soll Pinochet am Dienstag ohne Staatsakt,
sondern lediglich als ehemaliger Oberbefehlshaber der Armee, mit
militärischen Ehren beigesetzt werden. In Santiago de Chile
lieferten sich Pinochet-Gegner und Polizisten Straßenschlachten.
Es gab mehrere Festnahmen. 42 Polizisten wurden verletzt.
Die frühere britische Regierungschefin Margaret Thatcher
allerdings zeigte sich "tief betrübt" über den Tod Pinochets.
Der Diktator hatte die Regierung Thatcher während des
Falkland-Kriegs gegen Argentinien 1982 unterstützt.
(Quelle: afp)
UNICEF: Millionen Mädchen leiden unter Gewalt und Diskriminierung
Di.12.12.06 - Für Millionen Mädchen und Frauen weltweit sind laut UNICEF
Gewalt und massive Diskriminierung bittere Realität. Als
Mädchen geboren zu werden, komme in vielen Ländern Asiens und
Afrikas sogar einem Todesurteil gleich. In China und Indien werden nach
Schätzungen jährlich eine Million weiblicher Föten
gezielt abgetrieben.
Jede Minute stirbt eine Frau an Komplikationen während der
Schwangerschaft oder bei der Geburt - mehr als eine halbe Million im
Jahr. Das kritisiert UNICEF in seinem Jahresbericht, der am Montag in
Berlin vorgestellt werden sollte, genau 60 Jahre nach Gründung des
UN-Kinderhilfswerks.
Rund 14 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren bekommen pro
Jahr ein Kind, viele von ihnen wurden vorher zwangsverheiratet.
«Wo die Menschenrechte von Frauen mit Füßen getreten
werden, leiden immer auch Kinder», betonte die UN-Organisation.
«Die weibliche Hälfte der Menschheit wird bis heute in allen
Regionen der Welt benachteiligt», hieß es in dem Bericht
«Zur Situation der Kinder in der Welt 2007».
Eine Stärkung der Frauen gehöre «zu den
vordringlichsten Aufgaben, vor denen die Welt gegenwärtig
steht», betonte UNICEF Deutschland (Köln). Diese
Stärkung sei eine «doppelte Dividende», da Frauen mit
mehr Bildung und Unabhängigkeit sich auch für eine bessere
Entwicklung von Kindern einsetzten. Tatsächlich werde ihnen aber
oft bei grundlegenden Entscheidung wie Arztbesuch des Kindes oder
Geburtsvorsorge jede Mitsprache verweigert.
Mehr als 115 Millionen Kinder im Grundschulalter gehen laut
Kinderhilfswerk nicht zur Schule, die Chancen der Mädchen auf
Bildung sind dabei schlechter als die der Jungen. Von weltweit 771
Millionen Menschen, die nicht lesen und schreiben können, sind zwei
Drittel Frauen.
Weltweit leben laut UNICEF zudem 130 Millionen Frauen und Mädchen
mit verstümmelten Genitalien, jeden Tag kommen 8000 Opfer hinzu.
Vor allem in afrikanischen Ländern, im Nahen Osten und Teilen
Südostasiens werde diese grausame Tradition weiter praktiziert.
Frauenhandel sei ein weltweites Geschäft.
Als besonders brutale Form der Gewalt prangerte UNICEF so genannte
Ehrenmorde in mindestens 14 Ländern an, darunter Jordanien,
Pakistan, Türkei, aber auch in Italien, Großbritannien und
Schweden. In Indien würden junge Frauen bei lebendigem Leib
verbrannt, in Bangladesch jährlich hunderte Frauen durch
Säureattacken schwer verletzt und entstellt. Dramatisch sei zudem
die Entwicklung bei der Aids- Epidemie, die immer mehr Frauen und
Mädchen treffe.
Bei UNICEF kämpfen 7000 Mitarbeiter und zehntausende ehrenamtliche
Helfer in 160 Ländern um das Überleben, den Schutz und die
Entwicklung von Kindern. Dafür hatte UNICEF 1965 den
Friedensnobelpreis erhalten.
(Quelle: dpa)
EU legt Türkei-Streit bei - Zypern will Handelserleichterungen
für isolierten Nordteil zulassen
Di.12.12.06 - Kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel hat die Europäische Union
ihren Streit in der Türkei-Frage mit einem Kraftakt beigelegt. Die
Außenminister der 25 EU-Staaten hätten sich auf ein
"Gesamtpaket geeinigt, das allen Seiten gerecht wird", sagte ein
sichtlich erleichterter deutscher Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) nach rund zehnstündigen Verhandlungen in
Brüssel. Die Einigung sieht vor, acht der 35 Beitrittskapitel mit
der Türkei einzufrieren. Zudem wollen die EU-Staaten die
Fortschritte Ankaras 2007, 2008 und 2009 im Jahresrhythmus
überprüfen.
Nach dem dreiseitigen Beschlusstext der Außenminister sollen acht
Kapitel zu Handels- und Zollfragen auf Eis gelegt werden. Diesen
Vorschlag der EU-Kommission hatte die Bundesregierung unterstützt.
Grund ist die Weigerung der Türkei, ihre Häfen und
Flughäfen wie zugesagt für die Republik Zypern zu
öffnen, die seit 2004 EU-Mitglied ist. Macht die Türkei
Schritte auf die EU zu, können die Kapitel jederzeit wieder
aktiviert werden. Die EU-Kommission soll wie bisher jährlich im
Herbst über eine mögliche Bewegung Ankaras berichten, die
EU-Außenminister können auf dieser Basis dann die
Fortschritte "überprüfen".
"Schlüssel zur Lösung" sei die Bereitschaft Zyperns gewesen,
ihre "Blockade" in der Türkei-Frage aufzugeben, sagte Steinmeier
weiter. Im Januar und damit beim ersten Treffen unter deutscher
EU-Ratspräsidentschaft wollen die EU-Außenminister einen
Text verabschieden, nach dem "Fortschritte bei der wirtschaftlichen
Entwicklung Nordzyperns dringlich sind", wie Steinmeier sagte. Dazu
zählten Finanzhilfen und ein Abkommen, mit der Nordzypern im
kommenden Jahr erstmals wieder direkten Handel mit der EU aufnehmen
könnte.
Damit kommt die EU der Türkei in ihrer Forderung entgegen, die
wirtschaftliche Isolierung Nordzyperns aufzuheben und vertagt zugleich
einen Hauptstreitpunkt. Die Türkei hatte den Nordteil der
Mittelmeerinsel 1974 militärisch besetzt, international ist die
Region nicht anerkannt. Die griechische Republik Zypern hatte eine
Annäherung mit dem Norden bisher stets blockiert. Vor zwei Jahren
hatten die Inselgriechen einen UN-Plan zur Wiedervereinigung der Insel
abgelehnt.
"Wir haben eine Türkei-Krise auf dem Europäischen Rat
abgewendet", unterstrich die österreichische Außenministerin
Ursula Plassnik mit Blick auf das Treffen der EU-Staats- und
Regierungschefs am Donnerstag und Freitag in Brüssel.
(Quelle: afp)
Deutschland
Ex-Bundesbank-Chef Welteke erstreitet höhere Pension
Di.12.12.06 - Der frühere Bundesbank-Präsident Ernst Welteke hat vor
Gericht eine höhere Pension von seinem Ex-Arbeitgeber erstritten.
Gut zweieinhalb Jahre nach seinem Rücktritt wegen der so genannten
Adlon-Affäre erzielte Welteke einen Teilerfolg vor dem
Verwaltungsgericht Frankfurt am Main.
Die Frankfurter Richter entschieden, dass Welteke statt der bisher
gezahlten 34 Prozent seines letzten monatlichen Gehalts bei der
Bundesbank (entsprechend rund 8.000 Euro) rund 54 Prozent (rund 12.500
Euro) erhalten müsse. Zur Begründung erklärte das
Gericht, dass Welteke seine Zeit als hessischer Finanz- und
Wirtschaftsminister angerechnet werden müsse.
Welteke hatte allerdings auf Zahlung des doppelten bisher erhaltenen
Betrages geklagt (rund 16.000 Euro). Zudem hatte er in einer zweiten
Klage vom Land Hessen weitere 4.000 gefordert für seine
17-jährige Tätigkeit als SPD-Landtagsabgeordneter. Diese
zweite Klage wies das Gericht ab, lies dagegen allerdings Berufung beim
Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel zu.
Welteke hatte argumentiert, dass er sich als Landtagsabgeordneter die
notwendige Kompetenz für seine spätere Tätigkeit als
Präsident zunächst der Hessischen Landeszentralbank und dann
der Bundesbank erworben habe. Dieser Argumentation folgte das Gericht
nicht.
Welteke war im April 2004 als Bundesbankchef zurücktreten, nachdem
ein von der Dresdner Bank bezahlter Aufenthalt mit seiner Familie zu
Sylvester 2001 im Berliner Luxushotel Adlon bekannt geworden war. Die
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegen Welteke
wegen des Verdachts der Vorteilsnahme im Zusammenhang mit diesem
Hotelaufenthalt waren im Juni 2004 gegen Zahlung von 25.000 Euro
eingestellt worden. Die Kosten für den Hotelaufenthalt für
sich und seine Familie beliefen sich auf 7.660 Euro und waren im April
2004 von Welteke und der Bundesbank je zur Hälfte
zurückgezahlt worden.
Der Bund der Steuerzahler forderte angesichts des Urteils, die Regeln
über die Altersbezüge von Politikern durchsichtiger zu
gestalten. «Ziel einer Reform muss es sein, völlige
Transparenz der Bezahlung der Abgeordneten zu erreichen», sagte
Steuerzahler-Präsident Karl Heinz Däke dem
«Münchner Merkur». Der Bürger müsse sofort
erkennen, welche Bezüge ein Abgeordneter erhalte.
Die Altersbezüge von Politikern und Beamten kritisierte Däke
als nicht gerechtfertigt. «Abgeordnete und Mitglieder der
Bundesregierung erhalten derzeit viel zu früh und zu schnell einen
zu hohen Anspruch auf Ruhegeld. Auch die Pensionszahlungen an ehemalige
Beamte sind zu hoch», sagte er.
Die Klagen von Welteke bezeichnete Däke vor dem Hintergrund der
Kürzungen in der gesetzlichen Rentenversicherung als absurd. Nach
Angaben des Bundes der Steuerzahler müsste ein durchschnittlicher
deutsche Rentner fast 500 Jahre arbeiten, um die Altersbezüge zu
erhalten, die Welteke zugesprochen wurden.
(Quelle: ap)
DGB hält Kürzung der Pendlerpauschale für
verfassungswidrig
Di.12.12.06 - Die ab 2007 geltende Kürzung der Pendlerpauschale ist nach Ansicht
des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) verfassungswidrig. Die Pauschale
nur noch vom 21. Entfernungskilometer an zu zahlen sei mit Blick auf
die Gleichbehandlung von Arbeitnehmern nicht akzeptabel, teilte der DGB
am Montag nach der Vorstellung eines Rechtsgutachtens der
Universität Frankfurt am Main mit.
Auch habe das Bundesverfassungsgericht erst 2002 entschieden, dass
Fahrtkosten von der eigenen Wohnung zur Arbeitsstätte als
Werbungskosten abgerechnet werden dürften. Diese Entscheidung
könne nicht einfach dadurch übergangen werden, dass
Werbungskosten in Sonderausgaben umbenannt würden.
Die Kürzungen bei der Pendlerpauschale sind Teil des
«Steueränderungsgesetzes 2007», das die große
Koalition im Sommer beschlossen hat. Der DGB empfiehlt betroffenen
Arbeitnehmern, gegen ihren Einkommenssteuerbescheid 2007 Einspruch
einzulegen. Bei einem höchstrichterlichen Urteil könnten sich
so Ansprüche auf Rückerstattung unrechtmäßig
einbezogener Lohnsteuern ergeben. Der DGB rechnet mit zahlreichen Klagen
gegen die Neuregelung.
(Quelle: ddp)
Historiker warnt vor zunehmend radikalem Antisemitismus
Di.12.12.06 - Vor einem zunehmend radikalen Antisemitismus haben Experten gewarnt.
Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der
TU-Berlin, Wolfgang Benz, sagte am Montag, die rechtsextremistische
Szene wage sich in jüngster Zeit an immer eindeutigere
Formulierungen. Er sprach auf der internationalen Konferenz «Der
Holocaust im transnationalen Gedächtnis» in Berlin. Er
sagte, die Inhalte und Methoden der Antisemiten seien zwar nicht neu,
sie würden aber immer offener und offensiver propagiert.
Die Rechtsextremisten machten sich dabei eine weit verbreitete,
indirekte Judenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft zu Nutze,
erklärte Benz. Viele Menschen empfänden eine Abneigung gegen
Juden, weil sie die Deutschen an ihre Verbrechen während des
Nationalsozialismus erinnerten und sie daran hinderten, einen
Schlussstrich zu ziehen, sagte Benz. Die Rechtsextremisten zielten auf
diese Ermüdung vieler Menschen ab, die nichts mehr vom Holocaust
hören wollten, und versprächen ihnen stattdessen eine
Erlösung von Schuld und Scham.
Benz warnte außerdem von einer Trivialisierung des Holocaust
durch eine zunehmende Verwendung und Zweckentfremdung des Begriffs.
Wenn Tierschützer vom «Holocaust auf dem Teller» oder
Dresdner NPD-Abgeordnete vom «Bomben-Holocaust»
sprächen, führe dies zu einer Abnutzung des Begriffs und
letztendlich zu einer Relativierung des Völkermords an den Juden,
sagte Benz. Dies sei auch auf deutschen Schulhöfen zu beobachten.
Der Historiker bezeichnete es als Besorgnis erregend, dass
Schimpfwörter wie «Jude» oder «Opfer» bei
Jugendlichen immer beliebter würden.
Benz appellierte außerdem an die Schulen, im Geschichtsunterricht
keine Rücksicht auf muslimische Schüler zu nehmen.
«Wenn sich Schüler weigern, am Unterricht teilzunehmen, weil
der Holocaust Thema ist, ist das unter keinen Umständen
hinzunehmen», sagte der Historiker. Wie in jeder
Zuwanderungsgesellschaft gebe es in Deutschland eine
«Erinnerungskonkurrenz». Trotz verschiedener Traditionen
müsse jedoch ein gesellschaftlicher Konsens über die
Verfassung und die Wahrung der Menschenrechte erreicht werden.
«Dazu gehört, dass auch Schüler türkischer und
arabischer Herkunft Kenntnis von bestimmten Fixpunkten deutscher
Geschichte haben», forderte Benz.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Milchsäurebakterium lindert Schmerzen
Di.12.12.06 - Ein probiotisches Milchsäurebakterium wirkt im Darm des Menschen
auch schmerzlindernd. Wie französische Forscher im
Wissenschaftsmagazin "Nature Medicine" berichteten, hat das Bakterium
Lactobacillus acidophilus NCFM "im Darmbereich eine starke Wirkung gegen
Schmerz, die mit der von Morphium vergleichbar ist". Der
schmerzlindernde Effekt des Bakteriums, das teilweise in probiotischen
Joghurts zu finden ist, tritt demnach nach ungefähr
zehntägiger Einnahme ein und hält an, so lange das Bakterium
aufgenommen wird. Als probiotisch gelten Bakterien, wenn sie eine
gesundheitsfördernde Wirkung auf die Darmflora haben, etwa indem
sie diese vor Krankheitserregern schützen.
Versuche mit Mäusen und Ratten hätten gezeigt, dass deren
Schmerzempfinglichkeit im Grimmdarm - einem Teil des Dickdarms - bei der
Aufnahme des Bakteriums über die Nahrung deutlich herabgesetzt
wird, erklärte Studienkoordinator Pierre Desreumaux vom nationalen
französischen Gesundheits- und Medizinforschungsinstitut in Lille.
Zusammen mit Morphium verabreicht stieg die Wirkung des Schmerzmittels
um 65 Prozent. Zur Überprüfung des Effekts beim Menschen
läuft laut Desreumaux seit Juli in den USA ein erster Test mit 150
Teilnehmern. Die Forscher hoffen, dass durch das Bakterium in Zukunft
auch bei Krebspatienten und nach Darmoperationen die Menge des
verabreichten Morphiums herabgesetzt werden kann.
(Quelle: afp)