Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsiebenundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Außenministerin Rice 'sehr stolz' auf Beitrag zum Sturz Saddam
Husseins. Bombe reißt Dutzende Tagelöhner in Bagdad in den
Tod. US-Präsident Bush berät neue Irak-Strategie mit
führenden Generälen
Mi.13.12.06 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat Kritik an ihrer Rolle im
Irak-Krieg zurückgewiesen. Sie sei "sehr stolz", am Sturz des
irakischen Machthabers Saddam Hussein und an der "Befreiung von 25
Millionen Irakern" im März 2003 mitgewirkt zu haben, sagte sie am
Montag (Ortszeit) in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP.
Andererseits äußerte sie sich überzeugt, dass es "viele,
viele Dinge", gebe, "die wir hätten anders machen können,
vielleicht anders machen sollen". Den nur langsam vorangehenden
Wiederaufbau, den Aufstand gegen die US-Trupppen und "insbesondere" die
Gewalt zwischen der Minderheit der unter Saddam Hussein regierenden
Sunniten und der Bevölkerungsmehrheit der Schiiten bezeichnete
Rice als "sehr schlecht".
Ein Bombenanschlag hat am Dienstag in der Innenstadt von Bagdad bis zu
71 Menschen das Leben gekostet und mehr als 200 zum Teil schwer
verletzt. Ein Selbstmordattentäter lockte Tagelöhner zu
seinem Fahrzeug und zündete dann seinen Sprensatz. Die Polizei
erklärte, bei den meisten Opfern handele es sich um Schiiten aus
Armenvierteln der irakischen Hauptstadt.
Nach dem Anschlag wurden verstümmelte Leichen am Straßenrand
zusammengetragen und notdürftig mit Papier bedeckt. Zwei Iraker
saßen weinend daneben auf dem Bürgersteig. Die Detonationen
rissen Krater in den Tajaran-Platz und setzte zehn Wagen in Brand. Auf
der Straße waren Blutspuren zu sehen. Ein Sprecher des
Innenministeriums gab die Zahl der Todesopfer mit 63 an. Aus
Polizeikreisen verlautete, bis zu 71 Menschen seien getötet worden.
Ministerpräsident Nuri Al-Maliki wies die Verantwortung für
den Anschlag Anhängern des früheren Präsidenten Saddam
Hussein und extremistischen Sunniten zu. Die irakischen
Sicherheitskräfte würden die Verbrecher jagen und sie der
Justiz übergeben, erklärte der schiitische Politiker.
Parlamentspräsident Mahmud al Maschhadani erklärte, die
Iraker erlebten solche Gewalt inzwischen «jeden Morgen».
Der Tajaran-Platz liegt in der Nähe mehrerer Ministerien und einer
Tigris-Brücke, die zur so genannten Grünen Zone führt.
Auf den großen Plätzen der Hauptstadt versammeln sich jeden
Morgen Dutzende Iraker und hoffen, Arbeit auf einer Baustelle, bei der
Müllanfuhr oder als Anstreicher zu finden. An kleinen Ständen
werden Tee und Brote als Frühstück angeboten.
Mitte November wurden bei einem Anschlag nach dem gleichen Muster 22
Tagelöhner getötet. Am Dienstag wurden bei der Explosion von
zwei am Straßenrand versteckten Bomben neun Menschen verletzt,
wie die Polizei mitteilte. Am Montag waren landesweit mindestens 66
Menschen getötet oder tot aufgefunden worden.
Ein Kameramann des AP-Fernsehnachrichtendienstes APTN wurde am Dienstag
im Nordirak von Aufständischen erschossen, wie die Polizei
mitteilte. Der 35 Jahre alte Aswan Ahmed Lutfallah ließ seinen
Wagen in einem Industriegebiet der Stadt Mossul reparieren, als in der
Nähe Kämpfe zwischen Rebellen und der Polizei ausbrachen.
Lutfallah eilte dorthin, um zu drehen. Aufständische entdeckten
den Kameramann, näherten sich und erschossen ihn, wie
Polizeioffizier Abdul-Karim Ahmed Chalaf auf Grundlage erster
Erkenntnisse weiter mitteilte.
In Kirkuk im Norden des Landes demonstrierten rund 1.500 Menschen gegen
eine von der amerikanischen Baker-Hamilton-Kommission vorgeschlagene
Verschiebung des Referendums über die Zukunft der Stadt. Der
irakischen Verfassung zufolge soll Ende kommenden Jahres über den
Status von Kirkuk abgestimmt werden. Die Kurden wollen die Stadt ihrer
selbstverwalteten Region anschließen. Die Baker-Hamilton-Gruppe
hat eine Verschiebung vorgeschlagen.
US-Präsident George W. Bush beriet im Bemühen um eine neue
Irak-Strategie mit führenden Generälen. Es sei "vermutlich
wahrscheinlicher", dass Bush die neue Strategie für den Irak erst
im neuen Jahr bekannt geben werde, sagte ein leitender Beamter in
Washington. An der Videokonferenz beteiligten sich der Kommandeur der
Koalitionstruppen im Irak, General George Casey, der Befehlshaber des
US-Zentralkommandos, General John Abizaid, der Chef des Vereinigten
Generalstabs, General Peter Pace und der US-Botschafter im Irak, Zalmay
Khalilzad.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 13.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertdreiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.13.12.05 - Offenbar erneut Gefangene in Gefängnis des irakischen
Innenministeriums misshandelt +++ Nach der Wahl sollen die Amerikaner
abziehen: Viele Sunniten fordern Ende des US-Einsatzes +++ Bush gibt Zahl
der getöteten Iraker mit 30.000 an...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
UN-Generalsekretär Annan warnt vor Explosion der Gewalt. UN
stellen sich voll hinter libanesische Regierung. Libanesisches Kabinett
hält an Hariri-Tribunal fest. Nach Erschießung von drei
Kindern: Wut und Trauer in den palästinensischen Autonomiegebieten
Mi.13.12.06 - Der scheidende UN-Generalsekretär Kofi Annan hat in seiner letzten
Rede im Weltsicherheitsrat vor einer Explosion der Gewalt im Nahen
Osten gewarnt. Die Spannungen seien «nahe der
Zerreißgrenze» und dafür seien Israelis und
Palästinenser gleichermaßen verantwortlich.
Annan kritisierte die fünfmonatige israelische Offensive im
Gazastreifen nach de Entführung eines Soldaten durch militante
Palästinenser im Sommer. «Die Anwendung militärischer
Gewalt in dicht bevölkerten zivilen Gebieten ist ein stumpfes
Instrument, das nur mehr Tod, Zerstörung, Schuldzuweisungen und
Rache produziert», sagte der UN-Generalsekretär, der am 31.
Dezember nach zehn Jahren an der Spitze der Weltorganisation
ausscheidet. «Und wie wir gesehen haben, trägt es nicht viel
dazu bei, das ersehnte Ziel zu erreichen, terroristische Angriffe zu
stoppen.»
Annan hielt den Palästinensern vor, sie würden ohne einen
Gewaltverzicht nicht ihr Ziel eines souveränen Staats erreichen.
«Kein Widerstand gegen Besatzung kann Terrorismus
rechtfertigen», erklärte er.
Annan sprach sich für eine Wiederbelebung des Nahostquartetts aus,
in dem sich die Vereinten Nationen, die USA, EU und Russland um eine
Friedenslösung bemühen. «Die Spannungen in der Region
sind nahe der Zerreißgrenze», mahnte er. «Die
Gelegenheit für eine Zwei-Staaten-Lösung wird nur bis dahin
bestehen.» Sollte sie verpasst werden, würden die Menschen,
die ohnehin bereits unter dem Konflikt litten, einer neuen Dimension
von Leid und Schmerz ausgesetzt. «Und die Extremisten der Welt
würden neuen Auftrieb für ihre Rekrutierungsbemühungen
bekommen», fügte er hinzu.
Die libanesische Regierung hat am Dienstag erneut die Einsetzung eines
internationalen Tribunals zum Mord am früheren Regierungschef
Rafik Hariri gefordert. Die Minister bekräfigten ihre Entscheidung
vom 25. November und forderten damit die pro-syrische Opposition
heraus. Zuvor hatte Präsident Emile Lahoud seine Zustimmung zu dem
Tribunal verweigert.
Nach der Verfassung liegt die Entscheidung nun beim Parlament, wo die
Regierung über eine Mehrheit verfügt. Allerdings wird
erwartet, dass Parlamentspräsident Nabih Berri sich weigert, eine
Sitzung zu dem Thema einzuberufen. Berri stellte sich auf die Seite der
Regierungsgegner, die erklärten, das Kabinett unter
Ministerpräsident Fuad Siniora habe seine
verfassungsgemäße Legitimität verloren. Das Tribunal
soll dazu beitragen, die Wahrheit über den Mordanschlag auf Hariri
im Februar 2005 ans Licht zu bringen, wie Siniora erklärt hat.
Eine von den UN eingesetzte Ermittlungskommission macht den syrischen
und den libanesischen Geheimdienst für den damaligen
Bombenanschlag verantwortlich.
Der Weltsicherheitsrat hat sich derweil aus Sorge über die
gefährliche Eskalation des Libanon-Konfliktes voll hinter die
Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora gestellt. Diese sei
demokratisch gewählt und legitim, stellte der Sicherheitsrat in
einer so genannten Präsidentenerklärung fest. Gleichzeitig
verurteilte das höchste UN-Gremium jeden Versuch, den Libanon zu
destabilisieren. Der Sicherheitsrat versprach, das Recht des Landes auf
Souveränität und politische Unabhängigkeit
uneingeschränkt zu unterstützen.
Nach der Erschießung von drei kleinen Kindern haben tausende
Menschen am Dienstag in den palästinensischen Autonomiegebieten
ihrer Trauer und Wut Luft gemacht. Die Proteste und Trauermärsche
im Gazastreifen und im Westjordanland verliefen weitgehend ohne
Zwischenfälle. Lediglich in Chan Junis im südlichen
Gazastreifen schossen Anhänger der Hamas auf Demonstranten von der
rivalisierenden Fatah. Diese hatten die Hamas für die Tat
verantwortlich gemacht. Vier Menschen wurden verletzt.
Unbekannte Täter hatten am Montag in Gaza auf das Auto eines
ranghohen Geheimdienstoffiziers geschossen und dessen Söhne im
Alter von drei, sechs und neun Jahren getötet. Der Vater der
Brüder, Baha Baluscheh, ist Mitglied der Fatah-Bewegung von
Präsident Mahmud Abbas. Baluschehs Kollegen machten die regierende
Hamas für den Anschlag verantwortlich. Ein Hamas-Sprecher wies
dies zurück.
Bei einem Protestzug in Gaza schossen Hamas-Anhänger in die Luft.
Am Abend gingen dann die Fatah-Anhänger auf die Straße und
riefen die Namen getöteter Gesinnungsgenossen. Danach riegelten
sie die Hauptstraße mit brennenden Autoreifen ab. Zuvor waren
bereits 1.000 Studenten, die der Fatah nahe stehen, durch die Stadt
gezogen. In Nablus im Westjordanland protestierten rund 1.500 Menschen,
in Dschenin nahmen etwa 300 Kinder an einer Demonstration teil. In
Hebron forderten 1.000 Menschen den Rücktritt der Hamas-Regierung.
(Quellen: ap, dpa)
EU fordert Erklärung nach Olmerts Äußerungen zu Israels
Atomwaffen
Mi.13.12.06 - Die finnische EU-Ratspräsidentschaft hat nach den
Äußerungen von Israels Ministerpräsident Ehud Olmert
zum Atomwaffenbesitz seines Landes Erklärungen gefordert. "Ich
denke, dass sich Herr Olmert noch näher erklären müsste,
was diese Information tatsächlich bedeutet", sagte der finnische
Verteidigungsminister Seppo Kääriäinen der "Berliner
Zeitung" (Mittwochausgabe). Die EU werde sehr genau beobachten, welche
Reaktion die israelische Erklärung in der Nahost-Region
hervorrufe. Er hoffe, "dass das internationale Krisenmanagement, das im
Sommer in Libanon begann, ohne Beeinträchtigungen fortgesetzt
werden kann".
(Quelle: afp)
Israels geheimes Atomarsenal ist kein Geheimnis
Mit Äußerungen zu israelischen Atomwaffen hat
Ministerpräsident Ehud Olmert ein Loch in den Schleier des
Geheimnisses um das Atomprogramm seines Landes gerissen. «Olmerts
nuklearer Versprecher», titelten israelische Zeitungen am
Dienstag in gleich lautenden Schlagzeilen.
Nicht nur in Israel löste Olmert, der sein Land in eine Reihe mit
Atommächten wie den USA, Russland und Frankreich stellte, Wirbel
aus. Die israelische Opposition ist über einen Bruch des
offiziellen Schweigegebotes empört.
Zwar schätzen internationale Experten, Israel könne bis zu
200 Atomsprengköpfe hergestellt haben, aber offiziell wurde das in
Israel bisher weder bestätigt noch dementiert. Diese offizielle
Politik «strategischer Zweideutigkeit» soll Feinde im
Unklaren lassen. Außerdem soll ein Wettrüsten in der Region
verhindert werden, bei dem Israel seinen Vorteil nur
einbüßen könnte. Zudem wären
Handelsbeschränkungen für Rüstungsgüter
wahrscheinlich.
Dabei ist kein Geheimnis mehr, dass Israel Atomwaffen hat. Neu ist
aber, dass westliche Politiker es mit dem Streben des Irans nach
Atomwaffen oder den schwierigen Bemühungen um eine atomwaffenfreie
Zone im Nahen Osten immer direkter in Verbindung bringen. Inmitten des
diplomatischen Ringens um das Atomprogramm des verfeindeten Irans
könnten die Äußerungen israelischen Interessen schaden.
Den Auftakt machte im März der damalige britische
Außenminister Jack Straw, der im Nahen Osten vier Staaten mit
atomarem Drohpotenzial ausmachte. Libyen und der Irak hätten
diesen Weg aufgegeben, der Iran müsse diesen Schritt noch machen.
«Sobald das erreicht ist, können wir uns in dieser Sache um
Israel kümmern», sagte Straw. Die israelische Regierung
schwieg damals.
Deutlicher wurde der designierte US-Verteidigungsminister Robert Gates
in der vergangenen Woche, als er Israel erstmals öffentlich zu den
Atomwaffenstaaten zählte. Er sagte vor dem
Streitkräfteausschuss des Senats zu möglichen Gründen
des Irans für ein Streben nach Atombomben: «Sie sind von
Mächten mit Atomwaffen umgeben: Pakistan im Osten, die Russen im
Norden, die Israelis im Westen und uns im Persischen Golf.»
Israelische Politiker betonen die Rolle des Irans als Aggressor. In den
vergangenen Wochen wurden wieder schärfere Töne gegen die
iranische Führung angeschlagen. Der iranische Präsident
Mahmud Ahmadinedschad plane einen «Holocaust für den
jüdischen Staat», sagte Ex-Ministerpräsident Benjamin
Netanjahu in einer Rede in den USA. «Es ist 1938 und der Iran ist
Deutschland. Und der Iran tut alles, um sich mit Atomwaffen zu
rüsten», sagte Netanjahu und rief zum Handeln auf.
In Israel gilt es als Trugschluss, dass es keine militärischen
Mittel gegen die verbunkerten, iranischen Atomanlagen geben
könnte. Notfalls, so lautete eine vor einem Jahr verbreitete
«Arbeitsthese» des israelischen Militärs, müsse
der Iran mit schmerzlichen Angriffen auf die Infrastruktur des Landes
von dem Streben nach Atomwaffen abgebracht werden.
Dass nun aber auch der Druck auf Israel wachsen könnte,
internationalen Inspektionen seiner Atomanlagen zuzustimmen, erwarteten
israelische Experten am Dienstag nicht. Der israelische Atomfachmann
Itzchak Ben Israel von der Universität Tel Aviv sagte, Olmerts
Äußerungen hätten die Politik der strategischen
Zweideutigkeit nicht beschädigt. «Es hat weder geschadet
noch genützt», meinte er.
Quelle: dpa, 12.12.2006
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Rice will atomare Entwaffnung Nordkoreas binnen zwei Jahren
Mi.13.12.06 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat sich für eine
atomare Entwaffnung Nordkoreas binnen zwei Jahren ausgesprochen. "Ich
bin erfreut, dass die Gespräche wieder anlaufen, aber sie
müssen sehr bald Ergebnisse zeigen", sagte Rice am Montag
(Ortszeit) in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.
Spätestens bis zum Ende der Amtszeit von US-Präsident George
W. Bush im Januar 2009 dürfe Nordkorea über keine Atomwaffen
mehr verfügen. Sollte sich Pjöngjang an das im September 2005
unterzeichnete Protokoll halten, wonach es die Entwicklung von
Atomwaffen aufgeben will, würden die USA Nordkorea Hilfen im
Wirtschafts- und Energiebereich sowie verbesserte politische Beziehungen
anbieten, betonte Rice.
(Quelle: afp)
Hintergrund: Trotz Sperrvertrag immer mehr Atom-Mächte
Internationalen Verträgen zum Trotz hat sich der Kreis der
Atommächte stetig vergrößert. Neben dem offiziellen
Fünfer- Club USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und
China gelten inzwischen auch Indien, Pakistan und Israel als
De-facto-Atommächte.
Nordkorea hat Anfang Oktober dieses Jahres einen Sprengsatz getestet,
doch die USA erkennen das Land nicht als Atommacht an. Auch der Iran
steht im Verdacht, den Bau von Nuklearwaffen anzustreben.
Die Bemühungen, die Verbreitung von Kernwaffen einzudämmen,
reichen bis in die 60er Jahre zurück: Erst nach der Kuba-Krise, die
die Welt 1962 an den Rand eines Atomkrieges brachte, begannen die
Supermächte der nuklearen Aufrüstung mit Verträgen zu
begegnen.
Neben dem Abkommen zum Stopp von Atomtests (1963) schlossen sie 1968
den Atomwaffensperrvertrag. Demnach dürfen die fünf
offiziellen Atommächte keine Nuklearwaffen an Dritte geben oder sie
bei deren Entwicklung unterstützen; Mitgliedsländer ohne ein
solches Arsenal dürfen diese Waffen weder entwickeln noch
herstellen. Das Zusatzprotokoll von 1997 weitet die Informationspflicht
der Unterzeichner sowie die Rechte der Inspekteure aus.
Mittlerweile gehören dem Vertrag 188 Staaten an. Die
Bundesrepublik trat ihm 1975 bei. Dagegen verweigern Indien, Pakistan
und Israel ihre Unterschrift. Folglich können sie
völkerrechtlich nicht an den Pranger der UN gestellt werden;
theoretisch könnten die UN aber dennoch Sanktionen gegen diese
Länder verhängen. Nordkorea erklärte 2003 seinen Austritt
aus dem Vertrag.
Der Reiz, mit Hilfe der Atombombe zu einer Großmacht
aufzusteigen, ließ in den vergangenen Jahrzehnten weitere
Länder an Nuklearwaffen werkeln. Dazu zählen Ägypten,
Libyen, der Irak, Argentinien, Brasilien und Südafrika. Sie gaben
ihre Pläne jedoch wieder auf.
Quelle: dpa, 12.12.2006
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Verhandlungen über US-Sanktionen gegen Iran vertagt
Mi.13.12.06 - Die Verhandlungen über UN-Sanktionen gegen Iran haben am Dienstag
einen unerwarteten Rückschlag erlitten. Der russische
UN-Botschafter Witali Tschurkin wandte sich scharf gegen einen
Vorstoß der USA, das Schicksal eines weißrussischen
Oppositionellen im New Yorker Sicherheitsrat zu erörtern. Die
fünf Vetomächte und Deutschland verschoben daraufhin ein
Treffen, bei dem Details der wegen des iranischen Atomprogramms
geplanten Sanktionen geklärt werden sollten.
Der US-Diplomat William Brencick hatte im Sicherheitsrat zuvor das Los
des weißrussischen Oppositionellen Alexander Kosulin zur Sprache
gebracht, der am Dienstag nach 54 Tagen einen Hungerstreik beendete.
Kosulin hatte damit gegen seine Verurteilung zu fünfeinhalb Jahren
Gefängnis wegen der Organisation eines nicht genehmigten Protests
demonstriert. «Wir haben dieses Problem mit dem Ziel angesprochen,
die Notlage dieses Individuums hervorzuheben und was das für den
Zustand der Demokratie in diesem Land bedeutet», verlautete aus
US-Kreisen. Der britische UN-Botschafter Emyr Jones Parry kommentierte:
«Es war nicht der beste Zeitpunkt.»
In einem neuen Resolutionsentwurf wird genauer aufgeführt, welche
Materialien und Technologie nicht mehr an den Iran geliefert werden
sollen. Russland und China hatten sich bisher darüber beschwert,
die Vorschläge seien zu allgemein. Auch der russischen Forderung
wurde entsprochen, das mit russischer Hilfe gebaute Atomkraftwerk
Buschehr nicht mehr zu erwähnen. Buschehr soll Ende kommenden
Jahres als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz gehen.
(Quelle: ap)
Annan fordert Entsendung von Menschenrechtsermittlern nach Darfur
Mi.13.12.06 - Angesichts der anhaltenden Gewalt in Darfur hat UN-Generalsekretär
Kofi Annan den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen zum sofortigen
Handeln aufgerufen. Das Gremium müsse umgehend eine
Ermittlungsdelegation in die sudanesische Krisenregion entsenden, sagte
Annan am Dienstag in einer Videobotschaft an die in Genf tagenden
Ratsmitglieder aus 47 Ländern. Weitere Menschenrechtsverletzungen
müssten verhindert und die Verantwortlichen für bisherige
Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.
Bislang haben sich die afrikanischen Länder im
UN-Menschenrechtsrat gegen einen europäischen Vorschlag zur
Entsendung einer unabhängigen Ermittlungsdelegation nach Darfur
ausgesprochen. Auch hat es sechs Monate gedauert, bis sich der Rat
überhaupt mit der dortigen Lage befasst hat. Annan hat daran
wiederholt scharfe Kritik geübt. Bei der Sitzung vom Dienstag
betonte auch die Ratsvorsitzende Louise Arbour, das grausame Schicksal
der Menschen in Darfur sei viel zu lange vernachlässigt worden.
Dagegen sprach der sudanesische Vizegouverneur Farah Mustafa von einer
Verdrehung der Tatsachen. Letztlich wolle man die sudanesische Regierung
nur dazu zwingen, einer Präsenz internationaler Truppen auf ihrem
Territorium zuzustimmen. Stattdessen sollte der Menschenrechtsrat
lieber die Friedensmission der Afrikanischen Union (AU) in Darfur
unterstützen, forderte Farah.
Der sudanesischen Regierung wird vorgeworfen, die arabischen
Reitermilizen Dschandschawid zu unterstützen. Diesen werden
zahlreiche Übergriffe auf die schwarzafrikanische
Zivilbevölkerung zur Last gelegt. Erst am vergangenen Wochenende
wurden dabei rund 30 Zivilpersonen getötet. Die Kämpfe in
Darfur haben schon mehr als 200.000 Menschen das Leben gekostet, etwa
2,5 Millionen wurden in die Flucht getrieben. Menschenrechtler
befürchten eine massive Ausweitung des Konflikts auf das
Nachbarland Tschad.
Der aus dem Sudan ausgewiesene UN-Gesandte Jan Pronk beklagte sich
unterdessen darüber, er habe vom UN-Sicherheitsrat keine
angemessene Unterstützung erhalten. Er befürchte nun, die
sudanesische Regierung könne den Eindruck gewonnen haben, dass ihr
niemand mehr in die Quere kommen werde, sagte der Niederländer dem
Amsterdamer Sender NOS. Pronk wurde zum Verlassen des afrikanischen
Landes aufgefordert, nachdem er im Internet über Meuterei in der
sudanesischen Armee berichtet hatte, was zu wiederholten
Verstößen gegen die im Mai vereinbarte Waffenruhe in Darfur
geführt habe.
(Quelle: ap)
Vier Regionen in Bolivien richten Autonomieausschuss ein
Mi.13.12.06 - Vier bolivianische Regionen haben die Bildung eines gemeinsamen
Autonomie-Ausschusses verkündet. Ziel sei "die volle
Verwaltungsautonomie" von der Zentralregierung in La Paz, teilten die
Zivilausschüsse und Gouverneure der Provinzen Santa Cruz, Beni,
Pando und Tarija am Sonntagabend (Ortszeit) mit. Der bolivianische
Präsident Evo Morales sagte am Montag, auch wenn die Regionen nicht
von Unabhängigkeit sprächen, sei "schon die Autonomie Verrat
am Vaterland". Bevölkerung und Streitkräfte rief er "zur
Verteidigung des Vaterlandes, zur Benennung der inneren Feinde" auf.
(Quelle: afp)
Russische Polizei durchsucht Büros von Oppositionsgruppe
Mi.13.12.06 - Die russische Polizei hat am Dienstag Büros einer oppositionellen
Gruppe in Moskau durchsucht. Ziel des Einsatzes war die Vereinigte
Bürgerfront des früheren Schach-Weltmeisters und
Kreml-Kritikers Garry Kasparow, wie seine Mitarbeiterin Marina
Litwinowitsch erklärte. Die Beamten hätten Kopien von
Dokumenten gemacht. Man habe ihr gesagt, die Bürgerfront werde
verdächtigt, in extremistische Aktivitäten verwickelt zu sein.
Kasparow erklärte, die Durchsuchung sei ein Beispiel dafür,
wie die russischen Behörden ein kürzlich verabschiedetes
Gesetz zur Bekämpfung von Extremisten gegen Dissidenten
einsetzten. Er betrachte den Kampf für mehr politische Freiheit in
Russland als seine persönliche Mission. Litwinowitsch sagte, mit
der Durchsuchung sollten Aktivisten vor einer für Samstag
geplanten Protestveranstaltung eingeschüchtert werden. Zu der
Versammlung würden mehrere tausend Menschen erwartet. Eine
Demonstration hätten die Behörden untersagt.
(Quelle: ap)
Türkei kritisiert EU-Beitrittspolitik
Mi.13.12.06 - Die teilweise Aussetzung der EU-Beitrittsverhandlungen mit der
Türkei ist vom türkische Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan kritisiert worden.
Während dieser von einer «ernsten Prüfung» der
Beziehungen zwischen Ankara und der EU sprach, begrüßten die
griechische und zyprische Regierung am Dienstag den Beschluss der
EU-Außenminister vom Montagabend.
Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zeigte
sich zufrieden: «Dies ist eine vernünftige und klare
Grundlage für das künftige Vorgehen bei den
Verhandlungen», sagte er. Finnland, das derzeit die
EU-Ratspräsidentschaft führt, begrüßte die
Bereitschaft von griechischen und türkischen Zyprern, unter
Schirmherrschaft der UN erneut nach einer dauerhaften Lösung
für die geteilte Insel zu suchen.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte
die Einigung der Außenminister. «Ich bin sehr
zufrieden», sagte sie in Berlin vor dem Verein der Auslandspresse.
Insbesondere hob sie hervor, dass die EU- Staats- und Regierungschefs
künftig regelmäßig mit dem Thema Türkei-
Verhandlungen befasst werden. Dies sei mehr als ursprünglich
vorgesehen.
Die EU-Außenminister hatten die Verhandlungen über acht von
insgesamt 35 «Kapiteln» der Beitrittsverhandlungen bis auf
weiteres ausgesetzt. Sie reagierten darauf, dass Ankara die
türkischen Häfen und Flughäfen nach wie vor nicht
für Schiffe und Flugzeuge des EU-Mitglieds Zypern öffnet. Die
EU verzichtete auf ein Ultimatum an die Türkei, vereinbarte aber
eine jährliche Überprüfung der weiteren Entwicklung.
Zypern versprach, den Kontakt mit der UN wieder zu beleben und direkten
Handel zwischen dem seit 1974 von türkischen Soldaten besetzten
Norden und der EU sowie EU-Finanzhilfen für den Norden nicht mehr
zu verhindern.
Erdogan sagte vor der Parlamentsfraktion seiner Regierungspartei AKP in
Ankara, die Entscheidung der EU stehe «nicht im Einklang mit der
Dimension», die die gegenseitigen Beziehungen erreicht
hätten. Er verwies auf den Beitrag, den die Türkei auf
globaler und außenpolitischer Ebene leisten könne. Leider sei
«eine solche Vision» in der Europäischen Union nicht
ausreichend entwickelt.
Die geforderte Anerkennung des EU-Mitglieds Zypern bezeichnete Erdogan
als «Ungerechtigkeit». Die Türkei habe das so genannte
Ankara-Zusatzprotokoll, das eine Ausweitung der Zollunion auf die neuen
EU-Mitglieder vorsieht, nur unterzeichnet, weil sie mit einem Ende der
internationalen Isolierung des türkisch kontrollierten Nordens
gerechnet habe. Erdogan bekräftigte den Wunsch nach einer
«gerechten, dauerhaften und umfassenden Lösung» des
Zypernproblems im Rahmen der UN. Nikosia warf er vor, nicht an einer
Lösung interessiert zu sein. In der Erklärung der
EU-Ratspräsidentschaft heißt es unter Hinweis auf die
Bereitschaft zu UN-Verhandlungen, der türkische und der griechische
Bevölkerungsteil sollten nun «die richtige Atmosphäre
dafür schaffen».
«Wichtig ist, dass es eine einheitliche und deutliche Botschaft
an Ankara seitens der 25 (EU-Staaten) gibt», sagte die griechische
Außenministerin, Dora Bakogianni, im griechischen Fernsehen. Die
vereinbarten jährlichen Überprüfungen der Türkei
seien «ein Revisions-Mechanismus, womit es Kontrollen der
Türkei mit Zwischenstopps bis 2009 geben wird». Der
zyprische Außenminister Giorgos Lillikas sagte: «Es gibt
das, was wir wollten: Jährliche Kontrollen des Werdegangs der
türkischen Anpassung.»
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach von einem
«notwendigen Signal» an die Türkei. Wünschenswert
wäre eine noch deutlichere Antwort gewesen, sagte er in
München. Stoiber zeigte sich überzeugt, dass es nicht zu einer
Vollmitgliedschaft, sondern zu einer «freundschaftlichen
Anbindung der Türkei an Europa» kommen werde. Der Vorsitzende
des Europa-Ausschusses des Bundestages, Matthias Wissmann (CDU), sagte,
er rechne nach den türkischen Wahlen 2008 mit «einer
Überprüfung des Ganzen» bei einem EU-Gipfel.
«Sollte die Türkei dann immer noch nicht eingelenkt haben,
sind weitere Konsequenzen nicht auszuschließen.»
(Quelle: dpa)
Deutschland gibt in EU die meisten Subventionen
Mi.13.12.06 - Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr 20 Milliarden Euro
staatliche Subventionen bekommen. Damit liegt Deutschland im
EU-Vergleich mit Abstand an der Spitze, teilte die EU- Kommission in
Brüssel in einem aktuellen Überblick mit.
Frankreich gab 10 Milliarden Euro an Unternehmen, Italien 6 Milliarden
Euro und Großbritannien 5 Milliarden Euro. Insgesamt flossen in
der EU im vergangenen Jahr 64 Milliarden Euro, das war ein
Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 1,5 Prozent. Deutschland
vergibt vier mal soviel Subventionen wie die 10 neuen
EU-Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum
zusammen.
Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte, das
Niveau staatlicher Unterstützung sei weiterhin hoch. Einzelne
Länder kritisierte sie dabei aber nicht. Das Geld fließe
zunehmend zielgerichteter, beispielsweise für Umweltschutz oder
Forschung und Entwicklung. Die Subventionen haben in der gesamten EU
einen Anteil von 0,6 Prozent an der Wirtschaftsleistung. Deutschland
kommt demnach auf einen überdurchschnittlich hohen Wert von 0,9
Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
(Quelle: dpa)
EU-Kommission startet im Streit über Klimaschutz Verfahren gegen
Deutschland
Mi.13.12.06 - Im Streit über den Klimaschutz wachsen die Spannungen zwischen
Berlin und Brüssel. Die EU-Kommission kündigte am Dienstag
rechtliche Schritte gegen Deutschland an. Man werde Berlin schriftlich
auffordern, fehlende Angaben über über Treibhausgasemissionen
einzureichen. Eine solche Verwarnung ist der erste Schritt eines so
genannten Vertragsverletzungsverfahrens, das in letzter Instanz vor dem
Europäischen Gerichtshof (EuGH) enden kann.
Das Bundesumweltministerium erklärte dazu zunächst nur, man
warte die schriftliche Aufforderung aus Brüssel ab, die die
Bundesregierung noch nicht erreicht habe. Es gehe um den
jährlichen Bericht über die deutschen Treibhausgasemissionen.
Die EU-Kommission hatte Deutschland zuletzt aufgefordert, sich im
Rahmen des Emissionshandels ehrgeizigere Ziele zur Verminderung der
Treibhausgase aus Fabriken und Kraftwerken zu stecken.
Vor allem Wirtschaftsminister Michael Glos lehnt dies ab. Nach einem
Vermerk aus seinem Ministerium würden die EU-Forderungen zu
Strompreiserhöhungen von etwa zehn Prozent führen, wie die
«Süddeutsche Zeitung» meldete. Das
Wirtschaftsministerium schätzt demzufolge, dass die
Energiekonzerne den Strompreis wegen der EU-Vorgaben um zehn Milliarden
Euro pro Jahr mehr erhöhen werden, als dies nach dem Emissionsplan
der Bundesregierung notwendig wäre. Dies entspreche zwei Cent pro
Kilowattstunde. Aktuell beträgt der Preis knapp 20 Cent pro kwh.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast äußerte
scharfe Kritik an der Klimaschutzpolitik der Bundesregierung. Ein
Vertragsverletzungsverfahren der EU wäre eine «schallende
Ohrfeige» für Bundeskanzlerin Angela Merkel und
Umweltminister Sigmar Gabriel. «Klimaschutz ist bei rot-schwarz
nur eine Luftnummer», erklärte Künast. Klimaschutz und
Energiepolitik sollen ein Schwerpunkt der anstehenden
EU-Ratspräsidentschaft sein.
(Quelle: ap)
BGH verweigert Genehmigung für heimliche Computer-Ausforschung
Mi.13.12.06 - Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) hat es abgelehnt,
die heimliche Ausforschung eines Computers durch Staatsanwaltschaft und
Polizei zu genehmigen. Der Ermittlungsrichter sieht keine gesetzliche
Grundlage für solch eine weit reichende Maßnahme. Der Antrag
von Generalbundesanwältin Monika Harms auf heimliche Durchsuchung
des Personalcomputers eines Beschuldigten wurde bereits am 25. November
2006 abgelehnt. Gegen den Beschluss legte die Generalbundesanwältin
Beschwerde ein. Wann der zuständige 3. Strafsenat des BGH
über die Beschwerde entscheiden wird, war am Dienstag noch offen.
Der BGH gab den Beschluss des Ermittlungsrichters am Dienstag auf
Anfrage bekannt. Darin heißt es, die Grundsätze der
Wohnungsdurchsuchung seien auf die Durchsuchung der Dateien eines
Computers nicht anwendbar. Denn eine Wohnungsdurchsuchung und
Beschlagnahme finde offen statt. Bei Abwesenheit seien sogar Zeugen
hinzuzuziehen. Die elektronische Durchsuchung eines Computers geschehe
aber ohne Wissen des Beschuldigten.
Das Durchforsten der Dateien durch ein eingeschleustes elektronisches
Programm stelle auch keine Telefonüberwachung dar. Denn nach
Abspeichern der Dateien sei der Telekommunikationsvorgang abgeschlossen.
Das habe das Bundesverfassungsgericht kürzlich gerade festgestellt.
Folglich gebe es keine gesetzliche Grundlage für die
Maßnahme. Das sei für solch einen weit reichenden Eingriff in
die informationelle Selbstbestimmung aber erforderlich. Die Dateien
könnten tagebuchähnliche Aufzeichnungen enthalten.
Der Ermittlungsrichter lehnte es auf die Beschwerde der
Generalbundesanwältin ab, seinen Beschluss abzuändern. Am 28.
November 2006 wiederholte er vielmehr seine Auffassung. Er wies darauf
hin, dass die heimliche Durchsuchung eines Computers am ehesten dem
großen Lauschangriff entspreche.
Nun muss der 3. Strafsenat des BGH entscheiden, ob er der
Rechtsauffassung des Ermittlungsrichters folgt oder der Auffassung der
Bundesanwaltschaft. (Aktenzeichen. Bundesgerichtshof 1 BGs 184/2006)
(Quelle: ap)
Schulpreis für Dortmunder Grundschule
Mi.13.12.06 - Die Dortmunder Grundschule Kleine Kielstraße hat am Montag den
mit 50.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis erhalten.
Bundespräsident Horst Köhler überreichte die Auszeichnung
in Berlin, wie die Robert Bosch Stiftung am Montag mitteilte. Die Bosch
Stiftung und die Heidehof Stiftung hatten den Preis in Kooperation mit
dem ZDF und der Zeitschrift "Stern" erstmals ausgeschrieben. Unter dem
Motto "Es geht auch anders" wollen sie damit vorbildliche Schulen
auszeichnen.
Die Dortmunder Grundschule verbinde in einem schwierigen Umfeld
pädagogische Leidenschaft mit professionellem Können und
modernem Qualitätsmanagement, befand die Jury. Zu ihrem Leitbild
zählten zukunftsorientiertes Lernen, professionelle Zusammenarbeit
im Kollegium, Elternarbeit, ganztägige Betreuung und Öffnung
zum Stadtteil. Der Ausländeranteil an der Schule mit rund 400
Schülern beträgt nach eigenen Angaben 83 Prozent. Auch Kinder
mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden integriert.
Vier weitere Anerkennungspreise und jeweils 10.000 Euro gingen an
Schulen in Braunschweig, Hamburg, Jena und Kassel. Untersucht und
bewertet wurden die sechs Kriterien Leistung, Umgang mit Vielfalt,
Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima und Schule als
lernende Institution. Insgesamt hatten sich 481 Schulen aller
Schulformen aus dem gesamten Bundesgebiet an dem Wettbewerb beteiligt.
(Quelle: epd)
Mehr unter:
http://schulpreis.bosch-stiftung.de/content/language1/html/8788.asp
Schule für Kinder, Eltern und Lehrer
Am Montag erhielt die Grundschule Kleine Kielstraße von
Bundespräsident Horst Köhler den Deutschen Schulpreis. Vier
weitere Preise gingen nach Kassel, Braunschweig, Jena und Hamburg. Wie
funktionieren die ausgezeichneten Schulen?... Mehr in der taz vom
11.12.06:
http://www.taz.de/pt/2006/12/12/a0150.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/12/12/a0143.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/12/12/a0144.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/12/12/a0145.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/12/12/a0146.1/text
Wissenschaft
Bundesregierung will geisteswissenschaftliche Forschung stärken
Mi.13.12.06 - Die Bundesregierung will die geisteswissenschaftliche Forschung in
Deutschland stärken. Dafür stellt das Forschungsministerium
bis 2009 rund 64 Millionen Euro zur Verfügung, wie die Behörde
am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Geisteswissenschaften stehen auch
im Mittelpunkt des Wissenschaftsjahres 2007, das am 25. Januar
eröffnet wird.
Ziel ist es, im Rahmen des Wissenschaftsjahres auf nationaler und
internationaler Ebene Impulse für eine langfristige Stärkung
der Geisteswissenschaften zu geben. Insbesondere
Nachwuchswissenschaftler sollen ermutigt werden,
grenzüberschreitende Forschergruppen aufzubauen. Ein weiterer
Schwerpunkt der Förderinitiative ist die stärkere Kooperation
zwischen Geistes- und Naturwissenschaften.
«Das Jahr der Geisteswissenschaften ist für uns Anlass, die
Vielfalt und Qualität dieser Wissenschaften einer breiten
Öffentlichkeit zu präsentieren», kommentierte
Forschungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Wahrnehmung
geisteswissenschaftlicher Forschungsleistungen sei immer noch gering.
Ziel der Initiative «Freiraum für die
Geisteswissenschaften» sei, Orte für Spitzenforschung in
diesem Bereich zu schaffen und Wissenschaftlern Zeit für die eigene
Forschung zu geben.
(Quelle: ap)
Wissenschaftsjahr 2007: Die Geisteswissenschaften. ABC der Menschheit
http://www.abc-der-menschheit.de/
Bis 2040 könnte Eis am Nordpol geschmolzen sein
Mi.13.12.06 - Forscher haben erneut vor einer dramatischen Beschleunigung des
Klimawandels gewarnt: Sollte der Ausstoß von Treibhausgasen auf
dem bisherigen Niveau anhalten, könnte das Eis am Nordpol bis zum
Jahr 2040 geschmolzen sein, warnte ein Team von Wissenschaftlern des
Nationalen Zentrums für atmosphärische Forschung (NCAR) der
Universität Washington und der kanadischen McGill-Universität.
In den Sommermonaten könnten an den Küsten Grönlands und
Kanadas nur noch geringe Reste von Packeis übrig bleiben. Im
Sommer 2040 könnte dann das letzte "ewige Eis" abschmelzen.
"Unsere Untersuchungen zeigen, dass der Rückgang in den
nächsten Jahrzehnten wesentlich dramatischer ausfallen könnte
als bisher beobachtet", erklärte NCAR-Forscherin Marika Holland in
dem Beitrag für das Fachmagazin "Geophysical Research Letters".
Den Wissenschaftlern zufolge hat die Eisschmelze selbst einen
beschleunigenden Effekt auf die Klimaerwärmung: In seiner
flüssigen Form absorbiere Wasser mehr Sonnenlicht als Eis. Wenn die
Eis-freien Regionen aber zunähmen, verstärke dies automatisch
den Trend zur Erderwärmung. Auch auf die Umwelt in der Artkis
hätte die Eisschmelze verheerende Auswirkungen und könnte zum
Verschwinden ganzer Tierarten beitragen. Eisbären beispielsweise
jagen nur in Gebieten mit Packeis.
(Quelle: afp)
Bereits regionaler Atomkonflikt löst laut Studie Klimakatastrophe
aus
Mi.13.12.06 - Bereits ein regional begrenzter Atomkrieg würde einer Studie
zufolge eine weltweite Klimakatastrophe auslösen. Neben Millionen
Toten werde es zu einem Temperatursturz kommen, der Ernten
zerstören und Hungersnöte auslösen könnte,
heißt es in einem am Montag in San Francisco veröffentlichten
Bericht. Einige der Autoren hatten vor zwei Jahrzehnten schon die
umstrittene Theorie vom «atomaren Winter» vorgelegt.
Unter Verwendung moderner Klima- und Bevölkerungsmodelle kamen die
Experten zu dem Ergebnis, dass ein regionaler Atomkrieg in Israel drei
Millionen Menschen und in China bis zu 17 Millionen Menschen töten
würde. In den USA würde es vier Millionen Todesopfer geben.
Außerdem würden Rauch und Ruß aus den Atomexplosionen
die Sonne verdunkeln und zu einem Temperaturabfall führen. Binnen
eines Jahrzehnts dürften die Temperaturen den Wissenschaftlern
zufolge zwar langsam wieder steigen, aber nicht die Werte vor dem Krieg
erreichen. Damit werde die Vegetationszeit in Teilen von Europa,
Nordamerika und Asien um rund einen Monat verkürzt. Als weitere
Folge werde die Ozonschicht um mehr als 20 Prozent schrumpfen.
Die der Amerikanischen Geophysikalischen Union vorgelegte Studie wurde
als die erste bezeichnet, die Klimaeffekte eines regionalen
Atomkonfliktes untersucht. Ihr Ansatz geht auf den des verstorbenen
Astronomen Carl Sagan zurück, der 1983 mit vier Kollegen die
Theorie vom «atomaren Winter» nach einem Atomkrieg zwischen
den USA und der damaligen Sowjetunion entwickelte. In der nuklearen
Eiszeit würden 90 Prozent der Weltbevölkerung - Milliarden von
Menschen - umkommen, hieß es darin.
Ein nicht an der neuen Studie beteiligter Wissenschaftler, Steve Ghan,
sagte, in dem Klimamodell werde die Rolle von Rauch und Ruß
übertrieben. Sie sei aber wichtig, weil sie darauf hinweise, dass
ein Atomwaffenangriff ein unkalkulierbares Risiko bleibe und auch das
Land des Angreifers nicht von den Folgen verschont bleibe.
(Quelle: ap)