Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertneunundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush sieht Lage im Irak weit von Sieg entfernt.
Neuerliche Massenentführung im Irak
Fr.15.12.06 - US-Präsident George W. Bush hat seine Entscheidung verteidigt,
erst im kommenden Jahr eine neue Irak-Strategie vorzustellen. Der Feind
im Irak sei weit davon entfernt, geschlagen zu werden, räumte Bush
am Mittwoch nach Beratungen mit führenden Generälen und
Beamten des Verteidigungsministeriums in Washington ein. Er werde jedoch
keine übereilte Entscheidung treffen. Sollten die USA im Irak
«die Nerven verlieren», werde das Land an den Feind fallen.
Die USA würden im Irak nicht aufgeben, betonte der Präsident.
Dazu seien «die Einsätze zu hoch und die Konsequenzen zu
gravierend». Während der Beratungen in den vergangenen Tagen
habe er einige interessante Vorschläge gehört und einige, die
in eine Niederlage führen würden. «Und solche Ideen
lehne ich ab», erklärte Bush. Weiter sagte er, er werde der
irakischen Regierung nicht die Hilfe verweigern, die sie brauche, um
ihre Arbeit zu tun.
Die überparteiliche Baker-Hamilton-Kommission hat in der
vergangenen Woche eine neue diplomatische Initiative und die Beteiligung
Syriens und des Irans bei der Suche nach einer Lösung für den
Irak angemahnt. Washington lehnt direkte Verhandlungen mit Damaskus und
Teheran jedoch ab. Ursprünglich hatte es geheißen, Bush
werde sich noch vor Weihnachten zu dem neuen Irak-Kurs
äußern.
Bei einer Massenentführung im Irak sind am Donnerstag erneut bis
zu 70 Menschen verschleppt worden. Bewaffnete in Militäruniformen
entführten Dutzende Menschen in einem Geschäftsviertel von
Bagdad, wie die Polizei mitteilte.
Die Entführer im Viertel Al Sanak fuhren mit etwa zehn
Geländewagen vor und nahmen Geschäftsleute und Passanten mit.
Die Angaben über die Zahl der Entführten schwankten zwischen
21 und 70. Andere Geschäftsinhaber schlossen ihre Läden und
flohen aus dem Gebiet. Mehrere Stunden später wurden nach
Polizeiangaben mindestens 25 der Entführten wieder freigelassen,
ein schiitischer Fernsehsender sprach von 29 Freigelassenen. Der
Angriff richtete sich offenbar gegen Sunniten. Mitte November waren aus
einen Regierungsinstitut mindestens 50 Iraker verschleppt worden.
Die Polizei im Stadtteil Sadr City wurde nach Warnungen vor
Anschlägen mit Autobomben in erhöhte Alarmbereitschaft
versetzt. Es seien Hinweise eingegangen, nach denen Aufständische
zehn Bomben in den Stadtteil gebracht hätten und weitere
einschmuggeln wollten. In Bagdad entdeckte die Polizei die Leichen von
45 Männern, 17 weitere Leichen wurden in der überwiegend von
Schiiten bewohnten Provinz Wasit entdeckt.
Beim Versuch, eine Autobombe zu entschärfen, wurden am
Mittwochabend in Sadr City zwei Polizisten getötet. Eine weitere
Bombe in der Nähe wurde ohne Zwischenfall entschärft. Ein
Selbstmordattentäter rammte mit seinem Auto einen Kontrollpunkt
der irakischen Streitkräfte. Ein Soldat und eine Zivilperson
wurden getötet.
Ein Selbstmordattentäter rammte mit seinem Auto einen
Kontrollpunkt der irakischen Streitkräfte. Ein Soldat und eine
Zivilperson wurden getötet. Südlich der Hauptstadt wurden die
Leichen von fünf Menschen gefunden.
Angesichts der anhaltenden Gewalt forderte der US-Senator John McCain
die Stationierung von 15.000 bis 30.000 weiteren amerikanischen Soldaten
im Land. Nur so könne man die Kämpfe zwischen den
Religionsgruppen in den Griff bekommen und die demokratisch
gewählte Regierung stabilisieren, sagte er in Bagdad.
Senator McCain besuchte den Irak gemeinsam mit anderen Mitgliedern des
Kongresses. Er betonte auf einer Pressekonferenz in Bagdad, die
amerikanischen Kommandeure im Irak hätten nicht um die
Stationierung weiterer Soldaten gebeten. Die Senatorin Susan Collins
erklärte, sie sei nicht überzeugt, dass eine Verstärkung
der Truppen zu einem dauerhaften Frieden im Irak führen könne.
Die US-Delegation traf im Irak Ministerpräsident Nuri al Maliki,
Präsident Dschalal Talabani und andere Vertreter der Regierung.
Im Prozess wegen der Vergewaltigung und Ermordung eines
14-jährigen Mädchens im Irak verzichten die
US-Streitkräfte darauf, gegen einen angeklagten Soldaten die
Todesstrafe zu fordern. Dem 22-Jährigen droht damit bei einer
Verurteilung lebenslange Haft. Das Verfahren soll am 2. April
stattfinden. Einer der insgesamt vier Angeklagten wurde bereits zu 90
Jahren Gefängnis verurteilt. Den Männern wird vorgeworfen, am
12. März in Mahmudija südlich von Bagdad eine 14-Jährige
vergewaltigt und das Opfer anschließend mit seinen Eltern und
seiner sechsjährigen Schwester getötet zu haben. Nach Angaben
von Ermittlern versuchten sie, die Leiche des Mädchens zu
verbrennen, um alle Hinweise auf ihre Tat zu beseitigen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 15.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertfünfunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.15.12.05 - US-Präsident Bush verteidigt Irak-Krieg erneut. Angriff auf ein
weiteres Land nicht ausgeschlossen +++ 7655 Kandidaten bewerben sich im
Irak um 275 Abgeordnetenmandate. Sarkawi kündigt vor Wahl
Offensive im Irak an +++ Irakischer UN-Botschafter räumt
Häftlingsmisshandlungen ein +++ 'Frauen haben im heutigen Irak keinen Schutz' +++
Medien: Erstmals Kontakt zu Osthoff-Entführern. Osthoff-Schwester appelliert an deutsche
Bevölkerung +++ Pentagon überwacht offenbar routinemäßig
Friedensaktivisten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512150.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Heereschef fordert mehr Soldaten
Fr.15.12.06 - Der Stabschef des amerikanischen Heeres, General Peter Schoomaker, will
mehr Soldaten. Ohne eine Aufstockung der aktiven Truppe und die
Zuweisung einer größeren Zahl von Reservisten könne das
Heer seine Aufgabe nicht mehr erfüllen, sagte der General am
Donnerstag vor einem Kongressausschuss. Er verwies darauf, dass das
Heer stark eingebunden sei in den Kampf gegen den Terrorismus im Irak,
in Afghanistan und anderswo. Er wünsche sich eine Aufstockung des
500.000 Mann starken Heeres über die 30.000 Soldaten der
vergangenen Jahre hinaus, sage Schoomaker. Eine genaue Zahl nannte er
nicht. Das Heer könnte jedoch pro Jahr um 6.000 bis 7.000 Soldaten
aufgestockt werden, meinte der General.
(Quelle: ap)
USA bieten Nordkorea angeblich schriftliche Sicherheitsgarantien an
Fr.15.12.06 - Die USA haben Nordkorea laut einem Medienbericht schriftliche
Sicherheitsgarantien angeboten, damit das Land sein umstrittenes
Atomprogramm aufgibt. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap
zitierte am Donnerstag Diplomatenkreise, wonach Vertreter der USA dies
bei Gesprächen Ende November in Peking vorgeschlagen haben sollen.
"Die US-Delegation hat angeregt, dass sie eine solche
Sicherheitsgarantie in schriftlicher Form im Namen von Präsident W.
Bush geben könnte", hieß es. Das bedeute, dass die USA weder
Nordkorea angreifen, noch dort einmarschieren würden. Im Gegenzug
müsse Pjöngjang weitreichende Zugeständnisse machen.
Eine unabhängige Bestätigung für den Bericht gab es
nicht.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israelisches Oberstes Gericht erlaubt gezielte Liquidierung. Israel
blockiert Rückkehr des palästinensischen Regierungschefs
Hanija nach Gaza
Fr.15.12.06 - Das israelische Oberste Gericht hat Militäreinsätze zur
gezielten Tötung von militanten Palästinensern mit Auflagen
erlaubt. In einer am Donnerstag veröffentlichten Entscheidung
lehnten die Richter einen Antrag auf ein Verbot solcher Einsätze ab.
Die Richter forderten aber, die Armee müsse alle Anstrengungen
unternehmen, das Leben von Passanten und Unbeteiligten zu schonen. Die
Familien unschuldiger Opfer solcher Einsätze müssten
Entschädigung erhalten.
Es könne nicht vorab entschieden werden, dass jede gezielte
Liquidierung nach internationalem Recht verboten sei, so wie auch eine
generelle Erlaubnis vorab nicht möglich sei, entschieden die
Richter. «Mitglieder terroristischer Organisationen haben den
Status von Zivilisten. Aber der nach internationalem Recht verfügte
Schutz für Zivilisten gilt nicht für die Zeit, in der sich
Zivilisten direkt an Kampfhandlungen beteiligen», erklärten
die Richter. Jede gezielte Liquidierung müsse deswegen als
Einzelfall vorab geprüft werden.
Mehrere Interessengruppen hatten im Jahr 2002 Klage gegen solche
Einsätze angestrengt. Die israelische Armee tötet militante
Palästinenser im Westjordanland und dem Gazastreifen gezielt. Ziel
sind Anführer radikaler Gruppen und die Hintermänner von
Anschlägen auf Israelis.
Der palästinensische Regierungschef Ismail Hanija hat nach einer
von Israel verfügten Schließung des Grenzübergangs
Rafah Spendengelder in Millionenhöhe in Ägypten
zurückgelassen.
Hanija kehrte am Donnerstagabend nach eigenen Angaben ohne die Gelder,
die er während einer mehr als zweiwöchigen Auslandsreise
gesammelt hatte, in den Gazastreifen zurück, wie Augenzeugen
berichteten.
Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez hatte eine
Schließung des Grenzübergangs angeordnet, um den zur
radikal-islamischen Hamas gehörenden Hanija zu hindern,
Spendengelder in das Palästinensergebiet zu bringen. Nach
israelischen Berichten handelt es sich um 35 Millionen US-Dollar (rund
26 Millionen Euro).
Bewaffnete Hamas-Anhänger hatten als Reaktion den gesperrten
Grenzübergang gestürmt. Auf ägyptischer Seite gab es
Schießereien zwischen Palästinensern und Soldaten, bei denen
mindestens acht Menschen verletzt wurden. Wegen der Schießereien
waren die für den Betrieb des Grenzübergangs nötigen
EU-Beobachter zunächst nicht zurückgekehrt.
Hanija hatte seine Auslandsreise am Donnerstag vorzeitig beendet. Aus
Kreisen der Regierung in Gaza war am Mittwoch verlautet, Jordanien,
Saudi-Arabien, Oman und der Libanon hätten Hanija offizielle
Treffen verweigert. Hanija hatte das Ausland besucht, um
Unterstützung für die Palästinenser und seine Politik zu
erhalten.
(Quelle: dpa)
Ban Ki Moon als neuer UN-Generalsekretär vereidigt
Fr.15.12.06 - Der frühere südkoreanische Außenminister Ban Ki Moon
ist am Donnerstag als neuer Generalsekretär der Vereinten Nationen
vereidigt worden. Der 62-jährige löst zum Jahreswechsel den
bisherigen Amtsinhaber Kofi Annan (68) ab, der zehn Jahre lang an der
Spitze der Weltorganisation stand.
In seinem Amtseid vor der UN-Vollversammlung in New York sagte Ban zu,
nur den Interessen der Vereinten Nationen zu dienen und keine Weisungen
von Regierungen oder anderen Organisationen anzunehmen. Indirekt
ließ er in seiner abwechselnd auf Englisch und Französisch
gehaltenen Rede auch Kritik an Annans Amtsführung anklingen.
Ohne seinen Vorgänger zu nennen, sagte Ban: «Eine meiner
Hauptaufgaben wird es sein, dem manchmal schwachen
(General-)Sekretariat neues Leben einzuhauchen und neues Vertrauen zu
geben.» Zugleich werde er die höchsten ethischen Standards
setzen.
Dem scheidenden Generalsekretär waren trotz seiner großen
friedenspolitischen Verdienste Mängel bei der internen
Amtsführung angekreidet worden. Vor allem Fälle von
hauseigener Korruption trugen ihm den Ruf ein, zu wenig durchzugreifen.
Gleichwohl ehrte die Vollversammlung Annan mit «tiefer
Dankbarkeit» für seine unermüdlichen Verdienste um
Sicherheit, Frieden und Menschenrechte. Die Vertreter der 192
Mitgliedsländer standen mehrmals gemeinsam auf und spendeten ihm
lange Applaus.
Annan ließ zum Abschied erneut Kritik am Irak-Krieg der USA
anklingen: Frieden und Sicherheit könnten auf Dauer nicht gewahrt
werden, wenn sie nicht im Respekt vor den Gesetzen und den
Menschenrechten wurzelten. «Ich scheide mit der Sicherheit, dass
die UNO heute mehr tut als je zuvor - und es besser tut als je zuvor,
aber unsere Arbeit ist noch längst nicht abgeschlossen.»
Ban gilt als erfahrener, aber eher farbloser Diplomat, dem das Charisma
Annans fehlt. Der Südkoreaner war nach dem Rückzug mehrerer
Mitbewerber im Oktober vom Sicherheitsrat einstimmig für den
Posten nominiert worden. Er ist der erste Asiate in dem Spitzenamt seit
35 Jahren.
(Quelle: dpa)
UN verabschieden erste Konvention zum Schutz von Behinderten
Fr.15.12.06 - Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat am Mittwoch zum ersten
Mal eine Konvention zum Schutz der Rechte behinderter Menschen
verabschiedet. Darin wurden die Mitgliedsländer aufgefordert,
Menschen mit Behinderungen vor Ausbeutung und Misshandlung zu
schützen. Auch die Rechte der Behinderten wurden aufgelistet, wie
das Wahlrecht für Blinde und der barrierefreie Zugang zu
Gebäuden.
Die neue Konvention wurde von den Vertretern aller 192
Mitgliedsländer einstimmig angenommen. Verfasst wurde der Text von
einem Ausschuss unter dem Vorsitz des neuseeländischen
UN-Botschafters Don MacKay. Er erklärte, seine Regierung sei
zuversichtlich, dass die Konvention für die zehn Prozent der
Weltbevölkerung, die mit einer Behinderung lebten, etwas bedeute.
Theoretisch sei eine Konvention zum Schutz von Behinderten gar nicht
nötig, sagte MacKay weiter. In der Realität sei dies aber
anders. Die bestehenden Instrumente zum Schutz der Menschenrechte
hätten oftmals die Grundrechte behinderter Menschen nicht
ausreichend geschützt. Damit die Konvention in Kraft treten kann,
muss sie von 20 Mitgliedsländern ratifiziert werden.
(Quelle: ap)
Buschmänner in Botswana dürfen in die Kalahari
zurückkehren
Fr.15.12.06 - Die Buschmänner in Botswana dürfen nach einer Entscheidung
des Obersten Gerichts vom Mittwoch in ihre Stammesgebiete in der
Kalahari zurückkehren. Die Mitglieder des Stammes Basarwa hatten
der Regierung in dem Prozess vorgeworfen, sie 2002 aus dem Reservat
vertrieben zu haben, um dort Diamantvorkommen auszubeuten. Die Regierung
wies das zurück und erklärte, man habe die Tiere im Central
Kalahari Game Reserve schützen wollen. Außerdem seien die
Buschmänner entschädigt worden.
Vertreter der Basarwa zeigten sich erfreut über das Urteil.
«Ich bin nur glücklich», sagte Junanda Gakeleyone.
«Ich will sofort nach Hause zurück gehen.» Er sang und
tanzte gemeinsam mit seinen Stammesbrüdern. Das Gericht entschied
jedoch auch, dass die Regierung nicht verpflichtet sei, die
Buschmänner in der Kalahari zum Beispiel mit Wasser zu versorgen.
Rund 2.000 Basarwa haben sich in zwei neuen Siedlungen niedergelassen.
Nur wenige harrten in dem Reservat aus. Die Regierung erklärte, die
Lebensbedingungen der Buschmänner hätten sich in den
Siedlungen verbessert. Sie würden medizinisch versorgt und
könnten ihre Kinder zur Schule schicken.
Vertreter der Basarwa führten dagegen an, das traditionelle Leben
der Buschmänner sei zerstört worden. Immer mehr würden
Opfer von Alkoholismus und Aids. Das Reservat ist etwa so groß wie
die Schweiz.
(Quelle: ap)
Staatsanwalt ermittelt weiter gegen Chiles Militärmachthaber
Fr.15.12.06 - Der spanische Staatsanwalt Carlos Castresana hat angekündigt, dass
der Prozess gegen die Verantwortlichen der chilenischen
Militärherrschaft auch nach dem Tod von Ex-Diktator Augusto
Pinochet fortgesetzt werden soll. "Die Frage ist nun, wer der
nächste ist und wie weit wir bei der nächsten Gelegenheit
kommen", sagte Castresana in Mexiko, wo er zur Zeit für die
Vereinten Nationen arbeitet. Unterdessen wurde in Chile nach einem Eklat
auf der Trauerfeier für Pinochet dessen Enkelsohn aus der Armee
ausgeschlossen.
Nach Ansicht Castresanas gibt es noch immer "hunderte" Schuldige der
Verbrechen während der Diktatur. Der Staatsanwalt forderte, den Weg
der Aufarbeitung mit "Geduld und Beständigkeit" fortzuschreiten:
"Wir können uns nicht den Luxus erlauben, Straflosigkeit
zuzulassen." Auf Grundlage der von Castresana formulierten ersten Klage
gegen Pinochet in Spanien im Jahr 1996 eröffnete der spanische
Ermittlungsrichter Baltasar Garzón das erste Verfahren gegen den
ehemaligen Militärmachthaber. Im Oktober 1998 wurde Pinochet in
London unter Hausarrest gestellt, nachdem Garzón einen
Auslieferungsantrag wegen Völkermordes, Terrorismus und Folter
gestellt hatte. Da Pinochet jedoch Prozessunfähigkeit bescheinigt
wurde, konnte er 15 Monate später in seine Heimat
zurückkehren.
Der nun aus der Armee entlassene Pinochet-Enkel und Armeeoffizier
Augusto Pinochet Molina hatte während der Militärzeremonie
für seinen Großvater am Dienstag überraschend das Wort
ergriffen. Dabei verteidigte der 33-Jährige dessen Putsch gegen den
gewählten Präsidenten Salvador Allende 1973. "Er war ein
Mann, der auf der Höhe des Kalten Krieges das marxistische Modell
besiegt hat, das sein totalitäres Modell nicht durch Wahlen,
sondern direkt durch militärische Mittel durchsetzen wollte", sagte
er. Zugleich beklagte er, seine Familie sei in den letzten Lebensjahren
seines Großvaters "von Richtern schikaniert worden, die mehr
hinter dem Ruhm her waren als hinter der Gerechtigkeit".
(Quelle: afp)
Serbien, Montenegro und Bosnien werden NATO-Partner
Fr.15.12.06 - Die ehemals jugoslawischen Republiken Serbien, Montenegro und
Bosnien-Herzegowina sind näher an die NATO herangerückt. Das
transatlantische Bündnis nahm sie am Donnerstag in ihr Programm
Partnerschaft für Frieden auf. Der serbische Präsident Boris
Tadic sprach nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Jaap de
Hoop Scheffer von einem «ersten Schritt» auf dem Weg zur
Mitgliedschaft.
Die Staats- und Regierungschefs der NATO hatten auf ihrem Gipfel in
Riga im November beschlossen, Serbien, Montenegro und Bosnien in die
Partnerschaft für Frieden aufzunehmen. Ziel ist es, alle sechs
ehemaligen jugoslawischen Republiken nach dem von Krieg begleiteten
Zerfall der Föderation Anfang der 90er Jahre in eine gemeinsame
Allianz einzubinden, um Spannungen zu entschärfen.
Slowenien ist bereits NATO-Mitglied. 2008 sollen auch Kroatien und
Mazedonien in die Partnerschaft für den Frieden aufgenommen werden.
Gegen die Aufnahme Serbiens waren in Riga Bedenken wegen mangelhafter
Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag formuliert
worden. Andererseits wurde befürchtet, dass eine Isolierung
Belgrads nationalistischen Tendenzen zu einer Zeit Auftrieb geben
könnte, in der die Verhandlungen über die Zukunft der
serbischen Provinz Kosovo in eine entscheidende Phase treten.
Weiterer Kandidat zur Aufnahme in die Partnerschaft für den
Frieden 2008 ist Albanien.
(Quelle: ap)
Weltbank: US-Rezession könnte Gefahr für Weltwirtschaft werden
Fr.15.12.06 - Die Entwicklung der Weltwirtschaft hat nach Einschätzung der
Weltbank mit einer drohenden Rezession in den USA einen
gefährlichen Wendepunkt erreicht. Wenn die Immobilienmärkte
der reichen Länder schneller geschwächt würden als
bereits erwartet, könne es zu einer Rezession kommen, warnte
Weltbank-Analyst Hans Timmer am Mittwoch bei der Vorstellung des
halbjährlichen Weltwirtschaftsberichts in Washington. Eine solche
Konjunkturflaute könne auch für die Entwicklungsländer
spürbare Auswirkungen haben
(Quelle: afp)
EU-Haushalt 2007 von 115,5 Milliarden unter Dach und Fach
Fr.15.12.06 - Der EU-Haushalt 2007 ist unter Dach und Fach. Den 27
Mitgliedsländern der Europäischen Union stehen Mittel in
Höhe von 115,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Steigerung
gegenüber dem laufenden Jahr liegt bei etwa 3,2 Prozent.
Größter Haushaltsposten mit knapp 55 Milliarden Euro ist die
Landwirtschaft, gefolgt von 54,4 Milliarden Euro für Strukturfonds,
Forschung und Energie. Im wochenlangen Streit um die Finanzen hatte die
Volksvertretung mehr Mittel für Bereiche wie
Wettbewerbsfähigkeit und Forschung verlangt.
(Quelle: dpa)
Barroso fordert 'erneuerten Konsens' zur Erweiterung der EU
Fr.15.12.06 - Zum Auftakt des EU-Gipfels in Brüssel hat
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso einen
«erneuerten Konsens zur Erweiterung» gefordert. Wichtig
sei, dass die EU bei einer weiteren Vergrößerung
handlungsfähig bleibe, sagte Barroso am Donnerstag bei seiner
Ankunft am Tagungsort in Brüssel. Der luxemburgische
Ministerpräsident Jean-Claude Juncker machte deutlich, dass vor
der Aufnahme weiterer Staaten in die EU institutionelle Reformen
notwendig seien.
«Man muss sein Haus in Ordnung bringen, ehe man neue Einwohner
aufnimmt», sagte Juncker. Er hoffe, dass es der bevorstehenden
deutschen Ratspräsidentschaft gelingen werde, «einige Dinge
auf die richtige Bahn zu bringen, vor allem was den Verfassungsprozess
anbelangt».
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte vor ihrer
Abreise nach Brüssel erneut ihre Entschlossenheit zur
Wiederbelebung dieses Prozesses. «Wir brauchen einen
Verfassungsvertrag für Europa», sagte die Kanzlerin im
Bundestag. «Unser Auftrag während der
Ratspräsidentschaft ist es, einen Fahrplan für das weitere
Vorgehen zu liefern.» Dieser müsse bis zum Ende der
Präsidentschaft im Juni 2007 vorliegen.
Merkel betonte, sie werde sich dafür einsetzen, dass die
zukünftige Verfassung auf elementaren Werten wie Freiheit,
Gerechtigkeit, Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Achtung der
Menschenrechte beruhe.
Die Erweiterung sieht Merkel eng mit der Verbreitung dieser Werte
verbunden: «Sie hat Demokratie und Frieden auf den
Europäischen Kontinent gebracht.» Zugleich betonte die
Kanzlerin, es sei erforderlich, dass in den Verhandlungen mit neuen
Kandidaten die Beitrittskriterien eingehalten werden. Dies sage sie
nicht als Drohung, sondern als Ansporn.
Mit der Debatte über eine neue Erweiterungsstrategie reagiert die
EU auf Kritik, die insbesondere im Zusammenhang mit dem bevorstehenden
EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens am 1. Januar laut geworden
war. Noch in ihrem letzten Fortschrittsbericht zu den beiden Staaten
von Ende September stellte die EU-Kommission Defizite vor allem im
Justizbereich fest.
Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sprach sich vor
Beginn des Gipfels für einen baldigen Abschluss des
Erweiterungsprozesses aus. Nach dem Beitritt Bulgariens und
Rumäniens und der frühestens 2009 erwarteten Aufnahme
Kroatiens müsse Schluss sein, weil sich die EU sonst «mit
Sicherheit übernehmen würde», sagte der CSU-Chef beim
Spitzentreffen der Europäischen Konservativen in Brüssel.
Ein Vertreter der finnischen Ratspräsidentschaft betonte vor
Beginn des Gipfels jedoch, die EU werde die Verpflichtungen
gegenüber einzelnen Staaten bekräftigen, denen man eine
Beitrittsperspektive gegeben habe. Neben den Beitrittskandidaten
Türkei, Kroatien und Mazedonien zählen dazu auch Serbien,
Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Albanien. Diese haben zwar noch
keinen Kandidatenstatus, dürfen sich aber berechtigte Hoffnung
darauf machen.
Der Präsidentschaftsvertreter erklärte zwar ebenso wie
Juncker: «Es ist wichtig, dass die Union auch in Zukunft
reibungslos funktionieren kann.» Dies bedeute aber nicht, dass
die Erweiterung zum Opfer des festgefahrenen Reformprozesses werde. Man
sage nicht «Nein» zu künftigen Erweiterungsrunden.
(Quelle: ap)
Jeder zweite Ostdeutsche unzufrieden mit politischem System
Fr.15.12.06 - Fast jeder zweite Bürger in Ostdeutschland ist einer
Allensbach-Umfrage zufolge unzufrieden mit dem politischen System und
der Demokratie in Deutschland. In Westdeutschland sind es dagegen nur
knapp 20 Prozent - rund drei Viertel der Bürger dort sind mit dem
politischen System einigermaßen oder sehr zufrieden, wie die am
Donnerstag veröffentlichte Erhebung des Instituts für
Demoskopie Allensbach ergab. In den ostdeutschen Bundesländern
äußerte sich weniger als die Hälfte der Befragten
zufrieden über das politische System.
Im gesamtdeutschen Durchschnitt lag der Anteil der einigermaßen
zufriedenen Bürger bei knapp 60, der der sehr zufriedenen bei zehn
Prozent. Etwa ein Viertel zeigte sich nicht zufrieden mit dem
politischen System und der Demokratie in Deutschland. Sieben Prozent
waren unentschieden.
(Quelle: ap)
Bürger nennen Arbeit der großen Koalition ineffektiv
Fr.15.12.06 - Drei Viertel der Deutschen empfinden die Arbeit der großen
Koalition als ziellos und ineffektiv. Nur 22 Prozent sind der Meinung,
die Regierung arbeite effektiv und zielorientiert. Das hat eine Umfrage
von Infratest dimap im Auftrag des ARD-«Morgenmagazins»
ergeben. Der Aussage, dass sich die Regierung mehr mit parteiinternen
Diskussionen beschäftigt als mit der Sachpolitik, stimmten 79
Prozent der Befragten zu. Für das Rauchverbot sollte nach Ansicht
von 56 Prozent der Bund verantwortlich sein.
(Quelle: dpa)
Sozialverband VdK will Rente mit 67 unter Umständen akzeptieren
Fr.15.12.06 - Der Sozialverband VdK will die schrittweise Einführung der Rente
mit 67 akzeptieren, wenn sich die Beschäftigungssituation
verbessert. Verbandspräsident Walter Hirrlinger forderte in einem
Interview der Hannoverschen «Neuen Presse» eine
Vereinbarung zwischen Politik und Wirtschaftsverbänden. Die
Verbände müssten erklären, dass sie ihren Kurs bei der
Beschäftigung älterer Menschen grundlegend verändern.
«Die Hälfte der Betriebe beschäftigt zurzeit keinen
Mitarbeiter über 50 Jahre, geschweige denn über 55 oder gar
60», kritisierte Hirrlinger demnach. Die Rente mit 67 bedeute
deshalb, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. Dies sei auch
keine Frage der Fortbildung, betonte Hirrlinger. Es seien genug
Fortgebildete vorhanden, die fachlich in der Lage seien
«wenn man sie nur lässt».
(Quelle: ap)
Kritik an Becks 'Tipps' zur Arbeitssuche
Fr.15.12.06 - Für seine 'Tipps' zur Arbeitssuche hat SPD-Chef Kurt Beck zum Teil
scharfe Kritik geerntet. Thea Dückert, stellvertretende
Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagte der Onlineausgabe der
«Welt» am Donnerstag, Beck wäre gut beraten,
Arbeitslose nicht zu stigmatisieren. Rückendeckung erhielt Beck
dagegen vom CDU-Politiker Laurenz Meyer. Der rheinland-pfälzische
Ministerpräsident hatte am Dienstag auf dem Weihnachtsmarkt in
Wiesbaden einem Erwerbslosen geraten, sich zu waschen und zu rasieren,
dann «finden Sie auch einen Job».
Dückert bezeichnete die Äußerung welt.de zufolge als
«obernaiv und elitär». Der SPD-Politiker bediene mit
seinen Bemerkungen klassische Vorurteile gegenüber Arbeitslosen:
«Bei vier Millionen Arbeitslosen kann man nicht ernsthaft
behaupten, dass die Menschen selbst Schuld an ihrem Schicksal
sind», wird sie zitiert. Ähnlich äußerte sich der
Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Dietmar Bartsch:
«Wer am Boden liegt, braucht Hilfe und keine symbolischen
Fußtritte», erklärte er.
Dagegen nahm Meyer, der wirtschaftspolitischer Sprecher der
Unions-Fraktion im Bundestag ist, Beck in Schutz. Die
Äußerung könne «möglicherweise ein
hilfreicher Ratschlag gewesen sein», sagte er laut welt.de.
Ähnlich fasste es Zeitungsberichten zufolge auch der Betroffene,
ein 37-Jähriger, auf: Er hatte den SPD-Chef auf dem Weihnachtsmarkt
wegen der Hartz-IV-Gesetzgebung beschimpft und damit dessen
Äußerung hervorgerufen. Wenig später hatten die beiden
Männer noch einmal miteinander gesprochen, und der 37-Jährige
sagte zu, sich zu waschen und zu rasieren. Im Gegenzug lud ihn Beck in
die Staatskanzlei ein und versprach, ihm bei der Arbeitssuche zu helfen.
John-Philip Hammersen, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA)
in Nürnberg, sagte bei welt.de: «Sicherlich kommt es bei
einer Bewerbungssituation auch auf Äußerlichkeiten an. Es ist
traurig, aber wahr, dass man nur einmal eine Chance hat, einen ersten
Eindruck zu hinterlassen.» Klaus Brandner, wirtschafts- und
arbeitsmarktpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion,
bezeichnete Becks Äußerung als einen
«freundschaftlichen Rat, der in jedem Bewerberseminar vermittelt
wird».
(Quelle: ap)
Naturschutzring fordert klare Ziele für erneuerbare Energien
Fr.15.12.06 - Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat bei der Bundesregierung konkrete
Schritte für mehr Energieeffizienz und klare Ziele beim Thema
erneuerbare Energien angemahnt. «Wir erwarten, dass die deutsche
Regierung während ihrer EU- und G8-Präsidentschaft ihr ganzes
Gewicht in die Waagschale wirft und zusammen mit den europäischen
Partnern für eine tatsächlich nachhaltige Energie- und
Klimapolitik einsteht», sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl
am Donnerstag in Berlin.
Deutschland müsse mit einer jährlichen Steigerung der
Energieeffizienz von drei Prozent vorangehen, forderte Weinzierl. Diese
wichtigen Zukunftsfragen dürften nicht allein unter dem
Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit betrachtet werden. Zugleich betonte
er, der Schutz des Klimas sei für die gesamte Menschheit von
Bedeutung. Ein Schielen auf die Öl- und Gasvorräte Asiens und
Afrikas mache deshalb noch keine zukunftsfähige Energiepolitik aus.
(Quelle: ap)
Fusion von Bundeskulturstiftung und Länderstiftung geplatzt
Fr.15.12.06 - Das jahrelange Tauziehen hat ein Ende, es gibt vorläufig keine
vereinte nationale Kulturstiftung in Deutschland. Die im
Koalitionsvertrag angestrebte Fusion der Bundeskulturstiftung (Halle)
mit der Kulturstiftung der Länder (Berlin) kommt zumindest in
dieser Legislaturperiode nicht mehr zustande.
Das ist das Ergebnis eines abschließenden Gesprächs zwischen
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und dem niedersächsischen
Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) am Mittwochabend, wie
Neumann mitteilte. Allerdings sollen beide Kulturstiftungen künftig
noch enger zusammenarbeiten.
Die Fusion scheiterte nach dpa-Informationen vor allem an einem
für Neumann nicht akzeptablen zu weitgehendem Vetorecht der
Länder im gemeinsamen Stiftungsrat und ihrem Wunsch, auch bei
anderen Kulturförderungen des Bundes mitzureden. Den
hartnäckigsten Widerstand leistete vor allem Bayern. Außerdem
sahen sich die Länder nicht in der Lage, ihren Finanzanteil in
einer gemeinsamen Stiftung zu erhöhen. Die Bundeskulturstiftung
verfügt über einen Jahresetat von 38 Millionen Euro, die
Länderstiftung über 8 Millionen. Neumann hatte eine
schrittweise Aufstockung des Länderanteils gewünscht.
Öffentlichen Zwist gab es auch wegen des Hauptsitzes einer
künftigen vereinten Kulturstiftung, Halle oder Berlin.
Schon früher hatte Neumann deutlich gemacht, dass sich der Bund
«bei der Wahrnehmung seiner kulturpolitischen Aufgaben für
den Gesamtstaat nicht einschränken lassen wird» und
hinzugefügt: «Eine Fusion um jeden Preis wird der Bund nicht
mitmachen.» Im vergangenen März war bereits der vierte Anlauf
in dem jahrelangen Gerangel um die geplante Fusion gescheitert, um die
Verabschiedung der Föderalismusreform abzuwarten.
Jetzt sei vereinbart worden, «dass Bund und Länder, um
Konflikte im Hinblick auf Fragen der Kompetenz, bürokratische
Abstimmungsverfahren und Mischfinanzierungen zu vermeiden, in dieser
Legislaturperiode von einer Fusion beider Stiftungen absehen»,
sagte Neumann. Allerdings soll die Kooperation beider Stiftungen
deutlich ausgebaut werden. Dazu will Wulff als Vorsitzender der
Ministerpräsidentenkonferenz auf der nächsten Sitzung im
Frühjahr eine entsprechende Vereinbarung zur Zusammenarbeit beider
Stiftungen vorlegen.
Neumann betonte, ihm sei es wichtig gewesen, bis zum Jahresende 2006
Klarheit über den zukünftigen Weg beider Stiftungen zu
schaffen. Mit der jetzt verabredeten engeren Kooperation beider
Stiftungen ließen sich auch Synergieeffekte «und damit ein
Mehrwert für die Kulturförderung in Deutschland»
erreichen. «Diese Lösung ist für den Bund die bessere,
solange das bei einer Fusion von den Ländern gewünschte
Konsultationsverfahren bei neuen Fördermaßnahmen des Bundes
gefordert wird. Das konnte und wollte ich nicht akzeptieren.»
Jetzt wollen beide Seiten punktuell enger zusammenarbeiten wie zum
Beispiel bei kunst- und kulturhistorischen Ausstellungen, Tagungen mit
deutschen und europäischen Kulturstiftungen oder Projekten zur
kulturellen Bildung. Auch soll die Sicherung und Pflege des kulturellen
Erbes wie auch die Förderung zeitgenössischer Kunst
Schwerpunkt bleiben.
(Quelle: dpa)
Vorerst keine Schließungen von Goethe-Instituten
Fr.15.12.06 - Das Goethe-Institut sieht nach einer Erhöhung seines Etats keine
Notwendigkeit mehr für die Schließung ausländischer
Institute. «Die Öffentlichkeit hat begriffen, wie bedeutsam
die Arbeit des Goethe-Instituts ist», sagte Präsidentin Jutta
Limbach am Donnerstag in Berlin. Insgesamt zog das für die
Präsentation deutscher Kultur im Ausland zuständige Institut
auf seiner Jahres-Pressekonferenz eine positive Bilanz.
«Wir haben ein turbulentes Jahr hinter uns», sagte
Generalsekretär Hans-Georg Knopp. Nachdem das Goethe-Institut zu
Beginn des Jahres öffentlich über eine strukturelle
Unterfinanzierung geklagt hatte, erhöhte der Bundestag den Etat um
rund 13,5 Millionen. Knopp betonte, dass man die notwendigen Reformen
nun ohne Einschnitte in das weltweite Institutsnetz angehen könne.
«Es ist eine zentrale Aufgabe des Goethe-Instituts, weltweit
präsent zu sein.»
Auch aus Europa werde sich das Goethe-Institut nicht zurückziehen,
betonte der Generalsekretär. In Ländern, in denen es mehrere
Institute gebe, könnten aber vermutlich nicht alle als
Vollinstitute weitergeführt werden, sondern müssten ihr
Angebotsspektrum bündeln. In Asien und im Nahen Osten will das
Goethe-Institut seine Aktivitäten ausbauen.
2006 hat das Goethe-Institut zusammen mit dem Deutschen Akademischen
Austauschdienst (DAAD) und der Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit (GTZ) bereits ein Gemeinschaftsbüro für die
Golfregion in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen
Emirate, gegründet. Außerdem wurde das zerstörte
Institut im togoischen Lomé wieder eröffnet.
Um weitere Millionen einzusparen, sollen unter anderem in der
Münchner Zentrale in den kommenden drei Jahren 70 Stellen abgebaut
werden. Dies solle jedoch sozialverträglich geschehen, betonte der
kaufmännische Direktor des Instituts, Jürgen Maier.
Ein wesentliches Element der Reformen sei außerdem die
Erhöhung der Einnahmen, sagte Maier. Zwar nehme das Goethe-Institut
bereits rund 35 Prozent seiner Kosten selbst ein. Man wolle aber in
Zukunft versuchen, noch mehr Drittmittel einzuwerben, die Einnahmen aus
den Sprachkuren zu steigern und verstärkt mit Stiftungen und
Wirtschaftsunternehmen zusammenzuarbeiten.
Ein Schwerpunkt soll deshalb auch im kommenden Jahr die Förderung
der deutschen Sprache im Ausland bleiben. Insbesondere in Russland und
Indien steige die Nachfrage nach den Sprachkursen des Goethe-Instituts
weiter an, erklärte Generalsekretär Knopp. Seit der
EU-Osterweiterung habe man außerdem die Übersetzung von 800
deutschen Büchern in slawische Sprachen gefördert und die
Bücher den Bibliotheken in Ost- und Mitteleuropa zur Verfügung
gestellt.
Derzeit gibt es 129 Goethe-Institute in 80 Ländern, darunter 13 in
Deutschland. Das Jahresbudget des Instituts beläuft sich auf rund
250 Millionen Euro und wird zu fast zwei Dritteln vom Auswärtigen
Amt finanziert. Rund 90 Millionen Euro erwirtschaftet das
Goethe-Institut selbst, vor allem durch Sprachkurse und Prüfungen.
2006 lernten 163.000 Menschen die deutsche Sprache an den
Auslandsinstituten. 23.000 kamen nach Deutschland, um hier die Sprache
zu lernen.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.goethe.de/
Wissenschaft
Fliegende Säugetiere möglicherweise älter als erste
Vögel
Fr.15.12.06 - Fliegende Säugetiere hat es gut 70 Millionen Jahre früher als
bisher gedacht gegeben - und möglicherweise sogar vor den ersten
Vögeln. Das jedenfalls legt eine Studie in der
Wissenschaftszeitschrift "Nature" nahe: Jin Meng vom Amerikanischen
Museum für Naturgeschichte in New York datierte demnach den
fossilen Fund eines Säugetieres mit Gleitpelz auf mindestens 125
Millionen Jahre. Getauft wurde das Ur-Flughörnchen aus Daohugou in
der zu China zählenden Inneren Mongolei auf den wissenschaftlichen
Namen Volaticotherium antiquus (antikes Flugtier).
Nach seinen versteinerten Knochen zu schließen, war das
Ur-Flughörnchen anders gebaut als alle bekannten Säugetiere
aus dem Erdmittelalter (Mesozoikum), das 251 bis 65 Millionen Jahre vor
unserer Zeit lag und Trias, Jura sowie Kreidezeit umfasste:
Volaticotherium antiquus hatte scharfe Zähne, lange, schmale
Gliedmaßen sowie eine Flughaut. Damit konnte es sich wohl
ähnlich wie heutige Flughörnchen durch die Luft gleitend von
Baum zu Baum bewegen. Offenbar lebte das Tier auf Bäumen und
ernährte sich nachts von Insekten. Die Ur-Hörnchen waren
vermutlich gute Gleiter, aber nicht so wendig wie Fledermäuse, die
im Flug Beute fangen können. Bislang hatte eine vor etwa 51
Millionen Jahren lebende Fledermaus als ältestes fliegendes
Säugetier gegolten.
(Quelle: afp)
Neue Erkenntnisse zur geologischen Geschichte des Mars
Fr.15.12.06 - Die Raumsonde «Mars Express» der ESA hat unter der
Oberfläche des Planeten einen bisher unbekannten, älteren und
raueren Untergrund entdeckt. Damit ergeben sich neue Erkenntnisse zur
geologischen Geschichte des Mars, wie Giovanni Picardi von der
La-Sapienza-Universität in Rom mitteilte. Er leitet die Arbeit mit
der Radarsonde MARSIS an Bord von «Mars Express», deren
Funkwellen erstmals die Marsoberfläche durchdringen können.
MARSIS habe unter den glatten, flachen Ebenen der nördlichen
Marshalbkugel alte Einschlagkrater entdeckt, hieß es in der
Erklärung der europäische Raumfahrtorganisation ESA. MARSIS
habe damit den Beweis erbracht, dass diese verschütteten
Einschlagkrater mit einem Durchmesser von 130 bis 470 Kilometern fast
überall in den Bodenschichten des nördlichen Flachlandes zu
finden sind. Die Forschungsergebnisse werden in der Ausgabe vom
Donnerstag der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.
Studien über die Entwicklung des Mars helfen auch, die frühe
Erdgeschichte besser zu verstehen, wie die ESA erklärte. Einige der
Kräfte, die vor mehreren Milliarden Jahren wirkten, sind auf der
Erde schwieriger nachzuweisen, weil ihre Spuren durch Tektonik und
Erosion ausgelöscht wurden.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.marsis.com/
http://www.esa.int/