Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Generalstab offenbar gegen Truppenaufstockung. Roter Halbmond im
Irak fühlt sich von US-Truppen behindert
Sa.16.12.06 - Der US-Generalstab hat sich einem Pressebericht zufolge gegen eine
massive Aufstockung der US-Truppen im Irak ausgesprochen. Wie die
"Washington Post" berichtete, schlugen die ranghöchsten Vertreter
von Marine, Marineinfanterie, Heer und Luftwaffe bei einem Treffen mit
US-Präsident George W. Bush und Vizepräsident Dick Cheney
vielmehr eine Aufgabenverlagerung für die im Irak stationierten
US-Soldaten vor. Der einflussreiche Senator John McCain plädierte
hingegen bei einem Besuch in Bagdad für eine
Truppenverstärkung um 15.000 bis 30.000 Mann.
Um der Anarchie im Irak Herr zu werden, sollten die US-Truppen aus
Sicht der Armeeführung stärker die irakische Armee
unterstützen und weniger Jagd auf Aufständische machen,
hieß es in dem Bericht der "Washington Post". Die
Militärchefs forderten zudem einen stärkeren Einsatz der USA
in den Bereichen der politischen Versöhnung, des wirtschaftlichen
Wiederaufbaus und der Schaffung von Arbeitsplätzen.
Eine andere Auffassung vertrat der republikanische Politiker McCain,
der mit vier Senatoren-Kollegen am Mittwoch im Irak eintraf. "Jeder
erkennt, dass wir seit Beginn des Krieges nicht genügend Truppen im
Land hatten", sagte McCain. Die Sicherheitslage verschlechtere sich
stetig. Um diese Tendenz umzukehren, müssten fünf bis zehn
zusätzliche Brigaden in den Irak entsandt werden.
Am Mittwoch hatte die "Los Angeles Times" berichtet, das
US-Verteidigungsministerium erwäge eine Truppenaufstockung als
Demonstration militärischer Stärke im Irak. Die
Baker-Kommission hatte im Gegensatz dazu empfohlen, die US-Kampftruppen
bis Anfang 2008 abzuziehen.
Die Empfehlungen dieser unabhängigen Kommission, der Sieg der
Demokraten bei den Kongresswahlen im November und die anhaltende Gewalt
im Irak haben den Druck auf Bush erhöht, seine Strategie zu
ändern. Anfang des Jahres will er seine neue Irak-Politik
vorstellen. Er werde diese schwierige Entscheidung nicht
überstürzt treffen, sondern zur "angemessenen Zeit" vor die
Nation treten, sagte Bush am Mittwoch nach Beratungen im
US-Verteidigungsministerium.
Die britische Regierung als engster US-Verbündeter erklärte
sich bereit, die Rolle Großbritanniens im Irak-Krieg in einer
Parlamentsdebatte zu diskutieren.
Der Irakische Rote Halbmond fühlt sich in seiner Arbeit von den
US-Truppen stärker behindert als durch Angriffe
Aufständischer. Dies erklärte der Vizepräsident der
Organisation, Dschamal al Karbuli, am Freitag in Genf. Die US-Truppen im
Irak seien ein größeres Problem als andere Kräfte,
sagte er. Der Rote Halbmond gehört zur internationalen
Rotkreuzbewegung mit Sitz in Genf.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 16.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.16.12.05 - Zufriedenheit über hohe Beteiligung bei Parlamentswahl im Irak.
Urnengang weitgehend gewaltfrei verlaufen. US-Regierung sieht sich in
ihrer Irak-Politik bestätigt +++ Italien zieht 300 Soldaten aus dem
Irak ab +++ Republikanische Abgeordnete im amerikanischen
Repräsentantenhaus wollen mit Gesetz baldigen Abzug der US-Truppen
aus dem Irak unmöglich machen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
EU will Neuanlauf im Nahost-Friedensprozess. Assad ruft Bush und Olmert
zum Dialog mit Syrien auf. US-Außenministerin Rice lehnt
Zugeständnisse an Iran und Syrien ab. Machtkampf zwischen Hamas und
Fatah droht zu Bürgerkrieg auszuwachsen
Sa.16.12.06 - Die Europäische Union stellt sich hinter die Bemühungen der
deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), für den
Friedensprozess in der Region das so genannte Nahost-Quartett
wiederzubeleben. Der EU-Gipfel in Brüssel zeigte sich am Freitag
besorgt, dass sich der Nahe Osten «in einer der schwersten Krisen
seit Jahren» befinde. Daher wurden die anderen drei
Quartett-Mitglieder UNO, USA und Russland sowie die Partner in der
Region aufgerufen, gemeinsam den Stillstand im Friedensprozess zu
beenden.
Ausdrücklich begrüßten die EU-Staats- und
Regierungschefs die Bereitschaft Israels und der palästinensischen
Autonomiebehörde, wieder in direkte Spitzengespräche
einzutreten. Zudem wurden Gespräche mit der EU zur Fortsetzung der
Finanzhilfen in Aussicht gestellt, sollte es dem palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas gelingen, eine Regierung der nationalen
Einheit zu bilden, die den Grundsätzen des Quartetts entspreche.
Nach erfolgreichen israelisch-palästinensischen Verhandlungen
sollte das Quartett nach Ansicht des EU-Gipfels die Federführung
zur endgültigen Lösung des Konflikts übernehmen und
dafür «zu gegebener Zeit» auch eine
Nahost-Friedenskonferenz einberufen.
Der syrische Präsident Baschar el Assad hat derweil die
Regierungen in Israel und den Vereinigten Staaten aufgerufen, mit seinem
Land in Verhandlungen zu treten. "Viele Stimmen in Israel"
sprächen sich für einen Dialog mit der Regierung in Damaskus
aus, sagte Assad der italienischen Zeitung "La Repubblica"
(Freitagausgabe). Er forderte Israels Ministerpräsidenten Ehud
Olmert daher auf, einen Dialogversuch zu unternehmen - "um zu sehen, ob
wir bluffen". Unter Berufung auf den Bericht der Baker-Kommission
für eine neue US-Strategie im Irak rief Assad auch
US-Präsident George W. Bush auf, mit Damaskus in den Dialog zu
treten.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hat indes Zugeständnisse
an den Iran und Syrien im Gegenzug für ein Engagement dieser
Länder bei der Stabilisierung des Iraks abgelehnt. Sie
fürchte, dass die "Kompensation", die Syrien oder Iran für ihr
Mitwirken verlangen könnten, zu hoch zu sei, sagte Rice der
"Washington Post " (Freitagausgabe). So wolle sie nicht mit Syrien
über die Souveränität des Libanon verhandeln oder dem
Iran die Atomwaffe erlauben. Falls beide Länder ein Interesse an
einem stabilen Irak hätten, dann sollten sie sich auch ohne Anreize
der USA dort engagieren, sagte Rice weiter.
Der Machtkampf im palästinensischen Gaza-Streifen droht zu einem
Bürgerkrieg auszuwachsen.
Nach einem Angriff auf ihren Regierungschef Ismail Hanija schickte die
radikal-islamische Hamas-Bewegung am Freitag ihre bewaffnete
Extremisten-Miliz in Gazas Straßen. Die Männer seien mit
Sturmgewehren und Granatenwerfern bewaffnet und hätten an den
Hauptstraßen Positionen bezogen, sagten Hamas-Vertreter.
Die Bewegung warf der Fatah-Bewegung unter dem gemäßigten
und vom Westen unterstützten Präsidenten Mahmud Abbas vor,
Hanija ermorden zu wollen. Abbas müsse umgehend die zu ihm loyalen
Sicherheitskräfte wieder abziehen, forderte ein Sprecher. Abbas
hatte Truppen unter seinem Kommando nach Gaza geschickt, nachdem
Attentäter am Montag die drei kleinen Söhne eines engen
Vertrauten kaltblütig vor einer Schule erschossen hatten. Es ist
unklar, wer hinter dem Anschlag steckte.
Hamas-Sprecher Ismail Rudwan beschuldigte Mohammed Dahlan, einen
hochrangigen Fatah-Politiker und Abgeordneten mit engen Verbindungen zu
Abbas, für den Beschuss von Hanijas Wagenkolonne am
Grenzübergang Rafah am Donnerstagabend verantwortlich zu sein. Er
nannte keine Belege für seinen Vorwurf. Bei der Schießerei
wurden ein Leibwächter Hanijas getötet und weitere verletzt.
"Die schmutzigen Hände, die den Konvoi des Ministerpräsidenten
angegriffen haben, werden ihrer Bestrafung nicht entgehen", sagte er.
Ein Fatah-Sprecher wies die Vorwürfe zurück. Die Fatah habe
den Vorfall verurteilt und verlange eine offizielle Untersuchung, sagte
Taufik Abu Chussa.
Hanija hatte wegen der drohenden Eskalation im Gazastreifen eine
Auslandsreise abgebrochen und war über die
ägyptisch-palästinensische Grenze zurückgekehrt, die
einer internationalen Vereinbarung zufolge von der Präsidentengarde
bewacht wird. Israel verweigerte zunächst seine Zustimmung zur
Einreise Hanijas. Nachdem der Regierungschef 35 Millionen Dollar an
Spenden für seine international boykottierte Regierung
zurückließ, durfte er die Grenze jedoch überqueren. Auf
der palästinensischen Seite erwarteten ihn Hunderte von
Anhänger. Bei den Schießereien zwischen Hamas- und
Fatah-Kämpfern noch direkt am Grenzübergang wurden mindestens
20 Menschen verletzt.
Hanija rief seine Anhänger zur Opferbereitschaft auf. Vor
zehntausenden Anhängern seiner Hamas sagte Hanija am Freitag in
Gaza, das Prinzip sei «Sieg oder Märtyrertum». Die
Hamas werde ihren Kurs trotz des Leids fortsetzen. Bei einer mehr als
zweiwöchigen Auslandsreise habe er dafür vom Iran, dem Sudan
und anderen Staaten Unterstützung bekommen. «Wir haben uns
der Hamas angeschlossen, um Märtyrer zu werden, nicht um Minister
zu werden», sagte Hanija. Die Hamas beging derweil am Freitag den
19. Jahrestag ihrer Gründung. In einem Stadion in Gaza
versammelten sich mehrere zehntausend Hamas-Anhänger.
In Ramallah im Westjordanland kam es am Freitag bei einer Kundgebung
der Hamas zu blutigen Auseinandersetzungen. Augenzeugen berichteten, es
sei auf Demonstranten geschossen worden. Ein Hamas- Anhänger wurde
getötet, drei weitere Menschen wurden verletzt. Uniformierte
Polizisten waren mit Knüppeln gegen die nicht genehmigte
Demonstration der Hamas vorgegangen.
(Quellen: afp, ddp, rtr)
Somalischer Präsident hält Tür zu
Friedensgesprächen für zugeschlagen
Sa.16.12.06 - Friedensgespräche mit der islamischen Bewegung in Somalia sind
für Präsident Abdullah Yusuf keine Option mehr. Die
Führer der Gruppe hätten seiner Regierung den Krieg
erklärt, sagte Yusuf in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.
Sie seien diejenigen, die die Tür zu Friedensgesprächen
zugeschlagen hätten.
Das Land am Horn von Afrika versank nach dem Sturz des
langjährigen Machthabers Mohammed Siad Barre 1991 in Anarchie. Die
mit Hilfe der Vereinten Nationen eingesetzte Übergangsregierung ist
nahezu machtlos, der Rat der Islamischen Gerichte hat seit Juni die
Hauptstadt Mogadischu und weite Teile im Süden Somalias unter seine
Herrschaft gebracht. In den vergangenen Wochen nahmen die Spannungen
zwischen der Regierung und dem Rat Islamischer Gerichte zu. Die
Islamisten drohten mit einem Heiligen Krieg ab Dienstag, sollten
äthiopische Truppen, die die Regierung unterstützen, das Land
nicht verlassen. Die Kämpfe könnten jeden Moment beginnen,
sagte Yusuf. Von seiner Regierung gingen die Kämpfe jedoch nicht
aus.
(Quelle: ap)
USA und Venezuela nehmen Dialog wieder auf
Sa.16.12.06 - Die Vereinigten Staaten und Venezuela haben den bilateralen Dialog
wieder aufgenommen. Er habe ein "sehr positives" Gespräch mit dem
venezolanischen Außenminister Nicolás Maduro geführt,
sagte der US-Botschafter in Caracas, William Brownfield. Für die
Zukunft sei wichtig, dass beide Regierungen besser verstünden, was
die andere Seite denke. Die Beziehungen der beiden Länder sind
gespannt und von einem Ringen um Einfluss in anderen
lateinamerikanischen Staaten geprägt. Venezuelas
linkspopulistischer Präsident Hugo Chávez nennt den
kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro sein Vorbild.
"Sie wissen, dass wir Venezolaner ausreichend Gründe haben, dem
Wort der US-Regierung zu misstrauen", sagte Maduro. Die USA hätten
aber die "neue Realität" in Lateinamerika erkannt und anerkannt,
dass Venezuela keine Bedrohung für die Region sei, sagte der
venezolanische Chefdiplomat. Sein Land sei nun zu einem respektvollen
Dialog bereit.
(Quelle: afp)
Venezuela führt sozialen Pflichtdienst ein
Sa.16.12.06 - Das venezolanische Parlament hat einen sozialen Pflichtdienst für
alle Bürger zwischen 15 und 50 Jahren eingeführt. Das am
Donnerstag (Ortszeit) beschlossene Gesetz verpflichtet die Bürger,
zwei Jahre lang fünf Stunden pro Monat Sozialarbeit leisten. Zur
Koordinierung des Dienstes wurde ein nationales Institut geschaffen.
Alle öffentlichen Institutionen und privaten Firmen sind dem
Gesetzestext zufolge verpflichtet, ein "Sozialdienst-Netz"
einzuführen, dass den Dienst der eigenen Mitarbeiter koordiniert.
(Quelle: afp)
EU behandelt Beitrittskandidaten künftig strenger
Sa.16.12.06 - Beitrittsverhandlungen mit der EU sollen künftig nicht mehr
automatisch zu einer Aufnahme führen. Deutschlands Bundeskanzlerin
Angela Merkel sagte zum Abschluss des EU-Gipfels am Freitag, einen
«Garantieschein für die Mitgliedschaft» gebe es nicht.
Die EU-Staats- und Regierungschefs bekräftigten gleichzeitig die
Beitrittsperspektive für die Staaten des westlichen Balkans.
Allerdings wurde auch die Aufnahmefähigkeit der EU weiter in den
Vordergrund gerückt.
Deutschland übernimmt am 1. Januar für ein halbes Jahr die
EU-Ratspräsidentschaft. Sie habe «den Ehrgeiz, die EU ein
Stück voranzubringen», sagte Merkel, forderte aber
gleichzeitig «realistische Erwartungen».
Merkel betonte, sie habe keine Erweiterungsmüdigkeit in der EU
festgestellt. So seien die EU-Chefs einig gewesen, dass eine
Beitrittsperspektive für die Staaten des westlichen Balkans
«in unserem ureigensten Interesse liegt». Der finnische
Regierungschef und scheidende EU-Ratspräsident Matti Vanhanen
betonte: «Wir haben keine neuen Kriterien aufgestellt. Die
Tür ist offen.» Angesichts der Vorbehalte der Bürger
gegen neue Erweiterungsrunden mahnte EU-Kommissionspräsident
José Manuel Barroso, die davon ausgehende positive Dynamik
besser zu vermitteln.
Die EU verhandelt derzeit mit Kroatien und der Türkei. Mazedonien
hat ebenfalls einen Kandidatenstatus. Langfristig hat die EU auch
Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Albanien einen Beitritt in
Aussicht gestellt. Ausdrücklich betonten die EU-Chefs am Freitag,
dass auch Serbien der EU weiterhin willkommen sei. Allerdings forderten
sie eine bessere Kooperation mit dem internationalen Strafgerichtshof
in Den Haag. Ein Beitrittstermin soll allen Kandidaten künftig
erst dann genannt werden, wenn die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss
stehen.
Merkel erinnerte daran, dass die institutionellen Voraussetzungen nicht
ausreichten, um über die laufende Runde hinaus zu erweitern. Sie
stellte einen Zusammenhang mit der Verfassung her, die eine Reform der
Institutionen enthält. Es wird erwartet, dass die deutsche
EU-Ratspräsidentschaft im Juni einen Fahrplan vorlegt, wie die auf
Eis liegende Verfassung wieder belebt werden kann.
Sie habe ihre EU-Kollegen gebeten, jeweils einen Vertrauten zu
benennen, mit denen sie die Chancen einer Wiederbelebung der Verfassung
sondieren könne, sagte Merkel. Der französische
Präsident Jacques Chirac äußerte die Erwartung, dass
die Verhandlungen über die Verfassung bis Ende 2008 abgeschlossen
werden könnten.
Luxemburg und Spanien luden für Ende Januar zu einer Konferenz
für «Freunde der Verfassung» nach Madrid ein. Sie
wende sich an diejenigen EU-Staaten, die den Verfassungsentwurf
ratifiziert hätten, sagte der luxemburgische
Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. Kritik an diesem Vorschlag
übten Frankreich und die Niederlande, wo der Entwurf im
vergangenen Jahr bei Volksabstimmungen abgelehnt worden war. Juncker
bestritt indes, dass die Konferenz eine Spaltung der EU
herbeiführen könnte.
Merkel äußerte sich zurückhaltend zu dem Vorstoß
Spaniens und Luxemburgs. Als EU-Ratspräsidentin werde sie die
Interessen aller EU-Staaten wahrnehmen, sagte die Bundeskanzlerin.
In Einwanderungsfragen wollen die EU-Staaten künftig besser
zusammenarbeiten. In den Schlussfolgerungen heißt es weiter, es
sollten Möglichkeiten geprüft werden, Fachkräfte etwa
aus afrikanischen und anderen Entwicklungsländern befristet in
Europa einzusetzen. Das Dokument greift damit eine Idee auf, für
die sich neben EU-Kommissar Franco Frattini auch Deutschland und
Frankreich stark gemacht hatten.
(Quelle: ap)
Hintergrund: Die Beschlüsse des EU-Gipfels in Brüssel
Der EU-Gipfel in Brüssel hat Leitlinien für die künftige
Erweiterungsstrategie und das Problem der illegalen Einwanderung
erarbeitet. Auch außenpolitische Themen spielten eine Rolle. Ein
Überblick über die wichtigsten Gipfelbeschlüsse:
ERWEITERUNG: Der Gipfel zieht bei der EU-Erweiterung die Bremse an.
Künftige Beitritte werden an das Kriterium der
"Aufnahmefähigkeit" Europas gekoppelt. Im Klartext: keine neuen
Beitritte ohne Reformen in den EU-Institutionen, wie sie die auf Eis
liegende Verfassung vorsieht. Ansonsten droht die EU nach dem Beitritt
Rumäniens und Bulgariens zum 1. Januar mit dann 27 Mitgliedern
beschlussunfähig zu werden.
VERFASSUNG: Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft soll zum
Juni-Gipfel in Brüssel einen Vorschlag zur Wiederbelebung des
Verfassungsprozesses vorlegen.
ZUWANDERUNG: Die Europäische Union setzt in ihrer
Einwanderungspolitik künftig auf eine gezielte Zuwanderung
fehlender Arbeitskräfte. Die legale Einwanderung soll stärker
die "Arbeitsmarktbedürfnisse von EU-Mitgliedstaaten"
berücksichtigen. Dafür soll in enger Zusammenarbeit mit
Nicht-EU-Staaten die "zirkuläre und temporäre Migration
erleichtert werden". Qualifizierte Einwanderer sollen also auf Zeit
nach Europa kommen können.
TÜRKEI: Die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sind nun
teilweise ausgesetzt, acht der 35 Verhandlungskapitel auf Eis gelegt.
Auf ein Ultimatum im Zypern-Streit wird verzichtet. Ankara wird aber
weiter dazu gedrängt, seine Häfen und Flughäfen für
die Republik Zypern zu öffnen. Fortschritte dorthin will die EU
2007, 2008 und 2009 im Jahresrhythmus überprüfen.
IRAN: Der Führung in Teheran wird vorgeworfen, eine "negative
Wirkung" für die Stabilität und die Sicherheit im Nahen Osten
zu haben. Der EU-Gipfel bedauert zudem, dass der Iran im Streit um sein
Atomprogramm einen Stopp der Urananreicherung ablehnte und nicht auf
Kompromisse einging. Dies könne "nur negative Auswirkungen auf die
Beziehungen zwischen der EU und Iran haben". Die geplanten Sanktionen
des UN-Sicherheitsrates werden unterstützt.
SYRIEN: Syrien soll "jegliche Einmischung in die inneren
Angelegenheiten Libanons" beenden und die demokratischen Institutionen
im Nachbarland "uneingeschränkt" respektieren. Mit dem von der
libanesischen Regierung gewünschten UN-Tribunal zur Untersuchung
des Hariri-Mordes soll Damaskus zusammenzuarbeiten.
Quelle: afp, 15.12.2006
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Fast jeder zweite Deutsche ist ausländerfeindlich
Sa.16.12.06 - Die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland hat einer neuen Studie zufolge
in den vergangenen Jahren «kontinuierlich» zugenommen.
Derzeit sei fast jeder zweite Deutsche fremdenfeindlich eingestellt.
Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den neuen und den alten
Bundesländern. So ist den Angaben vom Mittwoch zufolge die
Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland mit 60,2 Prozent sehr viel
ausgeprägter als im Westen mit 45,9 Prozent.
Die Studie stammt vom Institut für interdisziplinäre
Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Sie ergab
insgesamt bei 48,5 Prozent der Deutschen eine fremdenfeindliche
Einstellung. Am meisten betroffen ist demzufolge
Mecklenburg-Vorpommern, wo 63,7 Prozent der Einwohner eine solche
Haltung an den Tag legen. Es folgen Thüringen mit 61,1 und
Sachsen-Anhalt mit 60,1 Prozent.
Im Westen liegt das Saarland mit 54,2 Prozent an der Spitze. Es folgen
Bayern mit 51,4 und Niedersachsen mit 48,7 Prozent. Der niedrigste Wert
wurde in Berlin mit 36,9 Prozent ermittelt.
Als Zeichen für Fremdenfeindlichkeit galt in der Studie eine
Zustimmung zu den Aussagen «In Deutschland leben zu viele
Ausländer» und «Wenn Arbeitsplätze knapp werden,
sollte man die in Deutschland lebenden Ausländer wieder in ihre
Heimat schicken». Befragt wurden 9968 Bürger.
Der Leiter der Studie, Professor Wilhelm Heitmeyer, äußerte
sich besorgt über die «Verdichtung» von sozialen
Problemen in vielen Regionen Ostdeutschlands. Hier entstehe
«Demokratieentleerung». Gerade in wirtschaftlich
«abwärtsdriftenden Regionen» stießen
zugewanderte Fremde auf Feindseligkeit. Es sei zu befürchten, dass
«das Diskriminierungs- und Gewaltrisiko zunimmt».
Heitmeyer warnte, es sei «riskant, soziale Desintegration mit
Nationalstolz kompensieren zu wollen». Dies habe sich auch bei
der Fußball-Weltmeisterschaft gezeigt. Der Professor fügte
hinzu: «Der ´neue´ Nationalstolz in Schwarz-Rot-Gold
wurde allgemein begrüßt. Die Auswertung der Daten unserer
Längsschnittstudie von 2002 und 2006 zeigt jedoch, dass
Nationalstolz einen signifikanten Einfluss auf fremdenfeindliche
Einstellungen hat: Je höher die Identifikation mit Deutschland und
je größer der Stolz auf die eigene Gruppe, desto
stärker werden Fremdgruppen abgewertet.»
(Quelle: ddp)
Mehr als 30 chinesische Konzerne wollen in Frankfurt an die Börse
Sa.16.12.06 - Mehr als 30 chinesische Unternehmen streben an die Deutsche Börse.
Der Maschinenbauer Shandong Gongyou könne in der ersten Hälfte
2007 das erste Unternehmen sein, sagte Alexander Graf von Preysing von
der Deutschen Börse der Zeitung "Shanghai Security News" vom
Freitag. Eine oder zwei weitere Firmen könnten in den ersten sechs
Monaten des kommenden Jahres folgen. Die Unternehmen, die an einem
Börsengang in Deutschland interessiert seien, kämen aus den
Branchen Autozulieferer, erneuerbare Energien, Informationstechnologie,
Elektronik und Medien, sagte von Preysing weiter. Deutschland biete
"relativ niedrige" Kosten eines Börsengangs und Einnahmen in Euro,
begründete er das Interesse.
(Quelle: afp)
Bund der Vertriebenen distanziert sich von Entschädigungsklagen
Sa.16.12.06 - Der Bund der Vertriebenen hat sich klar von den
Entschädigungsklagen der Preußischen Treuhand gegen Polen
distanziert. «Wir haben uns bereits hundertmal davon
distanziert», sagte die Präsidentin Erika Steinbach am
Freitag der Nachrichtenagentur AP. Die Preußische Treuhand hatte
bereits vor Jahren angekündigt, vor den Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen. Am Freitag teilte sie
mit, dass sie 22 Einzelbeschwerden in Straßburg eingereicht hat.
(Quelle: ap)
Stichwort: Preußische Treuhand
Im Dezember 2000 gründeten Vertriebenenfunktionäre die GmbH
Preußische Treuhand, die inzwischen mit einer Aktiengesellschaft
verbunden wurde. Erklärtes Ziel der Vereinigung ist es, «die
Eigentumsansprüche einzelner Vertriebener zu sichern bzw. zu
erhalten und durchzusetzen bzw. eine angemessene Entschädigung
für den Verlust dieser Werte für die Betroffenen zu
erringen». Zur Durchsetzung ihrer Forderungen hat die Organisation
jetzt beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in
Straßburg erste Einzelbeschwerden eingereicht.
Nahezu 1.000 Personen oder Verbände haben nach Angaben der
Preußischen Treuhand inzwischen Aktien gezeichnet. Die Arbeit der
Organisation wird durch Freistellung von Aktienanteilen, Spenden und
Beteiligungen einzelner Personen an Prozesskosten finanziert.
Während die Aktivitäten der Vertriebenenvereinigung in
Deutschland bisher nur wenig Beachtung fanden, sorgten sie in Polen
für erhebliche Unruhe. Im Jahr 2003 setzte der heutige polnische
Präsident und damalige Warschauer Bürgermeister Lech Kaczynski
als Reaktion auf Entschädigungsforderungen aus Deutschland eine
Kommission ein, um die Schäden schätzten zu lassen, die
während des Zweiten Weltkrieges in seiner Stadt von den deutschen
Besatzern angerichtet wurden. Die Untersuchungen ergaben eine
Schadenssumme von 45 Milliarden Euro.
Die Bundesregierung hatte sich schon unter Kanzler Gerhard
Schröder in deutlicher Form von der Preußischen Treuhand
distanziert und sie als «dubiose Organisation» betitelt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel schloss sich dieser Haltung an. Ein von
Warschau gefordertes deutsch-polnisches Abkommen zum gegenseitigen
Verzicht auf Entschädigung lehnt sie allerdings ab.
«Wir glauben, dass das erledigt ist durch die klare Stellungnahme
der Bundesregierung, keinerlei solche Ansprüche zu
unterstützen», sagte Merkel im Oktober beim Antrittsbesuch
des polnischen Ministerpräsidenten Jaroslaw Kaczynski in Berlin.
Zwar wolle man weiter im Gespräch über die
Entschädigungsfrage bleiben. «Aber ich halte einen solchen
Vertrag nicht für die richtige Lösung, weil wir damit die
Dinge komplizierter machen als sie heute sind.»
Auch vom Bund der Vertriebenen (BdV) erhält die Preußische
Treuhand keine Unterstützung. BdV-Präsidentin Erika Steinbach
hat sich bereits mehrfach von der Organisation distanziert.
Quelle: ap, 15.12.2006
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Hessen und Baden-Württemberg stellen Gesundheitsfonds in Frage
Sa.16.12.06 - Hessen und Baden-Württemberg haben den in der Koalition
vereinbarten Gesundheitsfonds noch einmal grundsätzlich in Frage
gestellt. Die Gesundheitsministerinnen beider Länder, Silke
Lautenschläger und Monika Stolz (beide CDU) sagten am Freitag im
Bundesrat, ihre Länder würden der Gesundheitsreform nicht
zustimmen, falls nicht vorher die finanziellen Auswirkungen des Fonds
geklärt seien.
Lautenschläger sagte, Hessen könne nicht über ein
solches Modell abstimmen, ohne zu wissen, was dabei herauskomme.
Würden über den Fonds hohe Millionenbeträge aus Hessen in
andere Bundesländer abfließen, müssten zum Beispiel
Ärztehonorare gekürzt werden. Die Ministerin forderte, sich
zwischen den Beratungen von Bundestag und Bundesrat Zeit zu nehmen, um
die Bedenken auszuräumen.
Ihre baden-württembergische Kollegin Stolz forderte, zunächst
bis Mitte 2008 ein Gutachten über die Finanzflüsse zu
erstellen. «Baden-Württemberg kann einer Reform nicht
zustimmen, wenn nicht einmal ansatzweise klar ist, welche Be-und
Entlastungen damit verbunden sind», sagte die CDU-Politikerin.
Eine Belastung ihres Landes mit 1,6 Milliarden Euro läge in einer
«Größenordnung, die nicht akzeptiert werden
kann». Sie bezog sich damit auf eine Studie, wonach vor allem aus
Bayern und Baden-Württemberg über den Fonds Summen in
Milliardenhöhe an andere Bundesländer abflössen.
Stolz verlangte zudem Änderungen beim Basistarif der Privaten
Krankenversicherung sowie die Rücknahme der Kürzungen bei
Krankenhäusern. «Wir machen keine Fundamentalopposition,
sondern wir versuchen zu verbessern, was unbedingt verbessert werden
muss.» Sie deutete an, dass man notfalls ein Vermittlungsverfahren
zwischen Bundestag und Bundesrat anstreben werde.
(Quelle: ap)
Familienförderung unter der Lupe
Sa.16.12.06 - Insgesamt 145 Leistungen von Vater Staat für Familien im Umfang
von 184 Milliarden Euro jährlich kommen auf den Prüfstand.
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen stellte am Freitag in
Berlin eine Bestandsaufnahme und ein Expertengremium vor, das
sämtliche Leistungen auf ihre Wirkung untersuchen soll. Ziel ist es
festzustellen, ob Gelder gezielter und gegebenenfalls gebündelt
sinnvoller eingesetzt werden können. Erste Ergebnisse werden im
Frühjahr 2008 erwartet.
Von der Leyen nannte als Schwerpunkte die Unterstützung von
Familie mit kleinen Kindern, mit drei oder mehr Kindern und die bessere
Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es stehe nicht zur Disposition zu
kürzen, betonte die CDU-Politikerin. «Es geht darum, bei dem
vorhandenen Geld die beste Wirkung zu entfalten.»
Die Bestandsaufnahme der Familienleistungen wurde von der Leyen zufolge
innerhalb der Bundesregierung und mit Wissenschaftlern abgestimmt. Die
Ministerin wies darauf hin, dass bisherige Zahlen von 41 bis zu 240
Milliarden reichten. Das vorgelegte Finanztableau mit den Leistungen des
Jahres 2005 soll nun eine verlässliche und auch international
vergleichbare Datenbasis bieten.
Größter Brocken dabei sind die so genannten ehebezogenen
Maßnahmen im Umfang von gut 73 Milliarden Euro, davon allein 34
Milliarden für Hinterbliebenenrenten und 19 Milliarden für das
Ehegattensplitting. Den zweitgrößten Posten bilden mit 42
Milliarden Euro steuerliche Maßnahmen einschließlich des
Kindergelds (36 Milliarden). An dritter Stelle stehen Geldleistungen mit
insgesamt 25 Milliarden Euro: Davon entfallen 2,9 Milliarden auf das
Erziehungsgeld, das zum 1. Januar vom neuen Elterngeld mit
voraussichtlich 3,8 Milliarden abgelöst wird.
Leistungen der Sozialversicherung, vor allem die beitragsfreie
Kranken-Mitversicherung der Kinder, belaufen sich auf ebenfalls 25
Milliarden Euro. Auf Kinderbetreuung, Jugendhilfe und Ähnliches
entfallen schließlich 18 Milliarden. Bildungsleistungen für
Schule und Hochschule (rund 47 Milliarden Euro) wurden dabei nicht mit
einbezogen, um die internationale Vergleichbarkeit zu erleichtern.
Bei dem so genannten Kompetenzzentrum, das die Leistungen auswertet,
wirkt als «Think Tank» eine Gruppe namhafter Wissenschaftler
mit wie der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)
Köln, Michael Hüther, der Forschungsdirektor am DIW Berlin
Gert Wagner und Hans Bertram, Professor für Mikrosoziologie an der
Berliner Humboldt-Universität. Bertram betonte die Notwendigkeit,
Förderung so zu organisieren, dass sie zu dem Zeitpunkt ankomme,
wo sie auch gebraucht werde. Wichtig sei auch, neben Geldleistungen die
richtige Infrastruktur anzubieten.
(Quelle: ap)
'Emma'-Studie: Frauen beklagen Defizite bei Gleichberechtigung
Sa.16.12.06 - Die Mehrheit der deutschen Frauen sieht im Gegensatz zu den
Männern noch Defizite bei der Gleichberechtigung der Geschlechter.
Laut einer Allensbach-Umfrage zum 30-jährigen Jubiläum der
Zeitschrift «Emma» finden 61 Prozent der Frauen, bei der
Gleichberechtigung müsse «noch einiges» getan werden.
Diese Ansicht teile nur ein Drittel der Männer, heißt es in
der am Freitag in Berlin vorgestellten Studie. «Weitgehend»
gleiche Chancen sehen hingegen 32 Prozent der Frauen, aber 55 Prozent
der Männer. Für die Erhebung wurden den Angaben zufolge 2028
Deutsche ab 16 Jahren befragt.
Die «Emma»-Gründerin und Herausgeberin Alice Schwarzer
würdigte ihr Blatt als Zeitschrift feministischer Journalistinnen,
die sich nicht von Moden abhängig gemacht habe. Stattdessen habe
die «Emma» in ihren 275 Ausgaben «erschreckend
früh» brisante gesellschaftliche Themen aufgegriffen. So sei
sexueller Missbrauch von Kindern 1978 noch ein gesellschaftliches Tabu
gewesen.
Nachwuchssorgen plagen die «Emma» offenbar nicht. Sie hat
laut Schwarzer mit Ausnahme der Jugendpublikationen die jüngste
Leserschaft aller deutschen Zeitschriften und Magazine. Laut einer
Befragung von über 3000 der insgesamt rund 100 000 Lesern sind 54
Prozent unter 40 Jahren. Sieben Prozent sind wie Schwarzer über 60
Jahre alt.
Die Studien sind Teil der «Emma»-Jubiläumsausgabe, die
am 19. Dezember erscheint. Seinen runden Geburtstag feiert das Blatt am
26. Januar.
(Quelle: ddp)
GEW ruft zum Boykott von Studiengebühren auf
Sa.16.12.06 - In Baden-Württemberg formiert sich breiter Widerstand gegen die ab
2007 fälligen Studiengebühren. Die Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW) schloss sich am Freitag in Stuttgart den
Boykott-Aktionen an und rief alle Studenten auf, die
Studiengebühren auf Treuhandkonten zu überweisen. Die
Gebühren seien nicht nur unsozial, sondern auch familienfeindlich.
In Baden-Württemberg haben Studentenvertretungen bereits an
zahlreichen Hochschulen einen Gebührenboykott beschlossen und
Treuhandkonten eingerichtet, die von Anwälten betreut werden. Nach
GEW-Angaben gibt es insgesamt 283 000 Studenten im Land, denen bei einem
Studium von zwölf Semestern Schulden in Höhe von 19 000 Euro
drohen, wenn sie wegen der Gebühren einen Kredit aufnehmen
müssen.
Der baden-württembergische Landtag hatte Ende 2005 mit den Stimmen
von CDU und FDP ein Gesetz zur Einführung von Studiengebühren
beschlossen. Demnach werden ab dem Sommersemester 2007 an allen
staatlichen Hochschulen und an den Berufsakademien des Landes 500 Euro
pro Semester fällig.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Beschneidung von Männern senkt Aids-Gefahr deutlich
Sa.16.12.06 - Die Beschneidung von Männern kann das Risiko einer Aids-Infektion
halbieren und so zu einem wirksamen Instrument gegen die Ausbreitung der
Immunschwäche werden. Dies zeigten Untersuchungen in Kenia und
Uganda mit beschnittenen und unbeschnittenen Männern, die vom
US-Institut für Allergie- und Ansteckungskrankheiten (NIAID) am
Mittwoch (Ortszeit) in Washington veröffentlicht wurden. In Kenia
wurden demnach 2784 Männer, die zu Beginn der Studie nicht mit dem
HI-Virus infiziert waren, beobachtet. Am Ende lag die Zahl der
Aids-Infizierten bei den Beschnittenen um 53 Prozent unter der der
Unbeschnittenen. Ein ähnliches Bild zeigte sich in Uganda, wo 4996
Männer einbezogen wurden. Hier sank das Risiko bei beschnittenen
Männern um 48 Prozent.
(Quelle: afp)
Erhöhtes Krebsrisiko bei Abgasen von Rapsöl-Kraftstoffen
festgestellt
Sa.16.12.06 - Wissenschaftler haben bei Abgasen von Rapsöl-Kraftstoffen ein
deutlich höheres Krebsrisiko festgestellt als etwa bei
herkömmlichem Mineralöldiesel. Das ist das Ergebnis von
arbeitsmedizinischen Untersuchungen, wie der Hauptverband der
gewerblichen Berufsgenossenschaften am Freitag in Sankt Augustin
mitteilte.
Wissenschaftler des Berufsgenossenschaftlichen Forschungsinstituts
für Arbeitsmedizin in Bochum und Forscher aus Göttingen und
Coburg kamen den Angaben zufolge zu dem Ergebnis, dass das Krebsrisiko
bei Rapsöl-Kraftstoffen um das Zehnfache erhöht ist. Bei einem
weiterentwickelten, weniger zähflüssigen Rapsöl habe das
Krebspotenzial sogar um das 30-fache über dem Niveau von Diesel
und Biodiesel gelegen. Den Angaben zufolge füllen immer mehr
Großabnehmer statt des teureren Biodiesel aus Raps das
günstigere und weniger verfeinerte Ausgangsprodukt Rapsöl in
den Tank.
Vor allem für Berufskraftfahrer seien bei der Verwendung von
Rapsöl Gesundheitsgefahren ausgesetzt. Generell seien aber auch
Arbeitsplätze betroffen, an denen Dieselmotoren unter einer
Überdachung, in Hallen oder unter Tage genutzt würden. Dort
atmeten Beschäftigte die Abgase direkt ein.
(Quelle: ap)
Klimawandel bedroht Arktis-Bewohner
Sa.16.12.06 - 400 000 Ureinwohner der Arktis sind nach Angaben der Gesellschaft
für bedrohte Völker (GfbV) durch Klimawandel und Rohstoffabbau
in ihrem Lebensraum massiv bedroht. Durch die Plünderung der
Bodenschätze stünden die Menschen buchstäblich vor dem
Aus.
Davor warnte die GfbV am Donnerstag in Hamburg bei der Vorstellung
ihres Menschenrechtsreports «Die Arktis schmilzt und wird
geplündert». Der Lebensraum der Arktis-Bewohner werde
rücksichtslos zerstört. Angesichts einer schwindenden
Schneedecke sei es für die Industrie immer interessanter und
technisch einfacher, Öl-, Erdgas-und Teersandreserven in den
Polarregionen zu erschließen.
«Viele Konzerne stehen in den Startlöchern. Für die
Menschen in der Arktis bedeutet das eine rasante Veränderung ihrer
Lebensumwelt, in die sie nicht einbezogen werden», kritisierte der
Polarforscher Arved Fuchs. Der Rohstoffabbau verschärfe die
Probleme, die die Menschen durch den Klimawandel ohnehin schon
hätten. Auf Grönland etwa könnten sie nicht mehr mit dem
Hundeschlitten, sondern nur noch mit dem Boot auf die Jagd gehen.
«Das ist viel gefährlicher, aber das Eis ist einfach nicht
mehr da», sagte Fuchs. Den Menschen fehle damit auch die
Existenzgrundlage.
«Die Menschen werden von einer Entwicklung überrollt, die
ihre gesamte Kultur und Identität mit dem Untergang bedroht»,
heißt es in dem 105 Seiten starken GfbV-Bericht. Entwurzelung,
Alkoholismus und eine hohe Selbstmordrate seien die Folgen. Durch den
Ansturm auf die Bodenschätze würden die Arktis-Bewohner auch
unter Umweltschäden leiden. Die Menschen in der Nähe der
Förderstätten «trinken verseuchtes Wasser, essen
verseuchten Fisch und atmen vergiftete Luft ein», warnte die
GfbV. In der russischen Arktis würden sie zudem unter hohen
Strahlenwerten durch Atommüll aus Sowjetzeiten leiden.
Der Klimawandel in der Arktis vollzieht sich dem Bericht zufolge zwei
Mal schneller als im globalen Durchschnitt. «Es gibt
Schätzungen, wonach das Eis bis 2040 verschwunden ist», sagte
Fuchs. Absurderweise könne gerade die Förderung der
Ölreserven in der Arktis die Entwicklung beschleunigen, weil
letztlich der vermehrte CO2-Ausstoß, die globale Erwärmung
wieder anheize. Die GfbV mahnte in ihrem Report die Bundesregierung, den
G8-Vorsitz 2007 zu nutzen, um die Einhaltung der Menschenrechte in der
Arktis zu gewährleisten.
(Quelle: dpa)