Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertundzweiten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Blair fordert im Irak Sieg der Demokratie über den Terrorismus.
Erneut Massenentführung in Bagdad. Drei US-Soldaten im Irak
getötet. Polizei findet in der irakischen Hauptstadt mehr als 50
Leichen
Mo.18.12.06 - Der britische Premierminister Tony Blair hat im Irak zu seinem Sieg der
Demokratie über den Terrorismus aufgerufen. Aufgabe der
internationalen Gemeinschaft und der Iraker sei es, gemeinsam den Wunsch
des Volkes nach einer Demokratie zu erfüllen, sagte Blair auf
einer Pressekonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri
al-Maliki in Bagdad.
«Als ich das erste Mal in dieses Land kam, gab es keine
funktionierende Demokratie», sagte Blair. «Heute gibt es
sie.» Terroristen, frühere Anhänger des gestürzten
Staatschefs Saddam Hussein und alle Gegner der Demokratie im Irak seien
für die Gewalt verantwortlich. Blair sagte weiter, er habe mit
Al-Maliki über die Lage in Basra gesprochen, wo die meisten
britischen Soldaten stationiert sind. Die Vorbereitungen für die
Übernahme der Kontrolle durch die irakischen Truppen verliefen gut.
Der Premierminister reist derzeit durch die Region, um für den
Frieden zu werben. Sein Besuch im Irak war aus Sicherheitsgründen
zuvor nicht angekündigt worden.
Während einer Versöhnungskonferenz zur Eindämmung der
Gewalt im Irak sind bei einer neuerlichen Massenentführung in
Bagdad rund zwei Dutzend Männer verschleppt worden. Die bewaffneten
Angreifer hätten mit ihren Geländewagen ein Gebäude des
Roten Halbmondes in der Innenstadt umstellt und etwa 25 Männer
entführt, sagte ein leitender Mitarbeiter des irakischen
Innenministeriums.
Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Entführer
hätten 25 Menschen verschleppt, vor allem Mitarbeiter des Roten
Halbmondes. Ein AFP-Fotograf berichtete, der Angriff habe sich gezielt
gegen das Büro der Hilfsorganisation in der Innenstadt gerichtet.
In irakischen Sicherheitskreisen war von knapp dreißig
Entführten die Rede. Die Angreifer trugen demnach
Militäruniform und verschleppten nur Männer; Frauen nahmen sie
nicht mit. Die irakische Polizei und das US-Militär riegelten das
Gebiet ab.
Regierungschef Maliki hatte am Samstag eine zweitägige
Versöhnungskonferenz eröffnet, bei der es vor allem um die
Gewalt im Irak gehen sollte. "Die irakische Armee öffnet ihre
Türen für Offiziere und Soldaten der Ex-Armee, die ihrer
Heimat dienen wollen", sagte Maliki eingangs. Wer nicht eingegliedert
werden könne, bekomme vom Staat eine Pension gezahlt. Nach dem
US-geführten Einmarsch im Irak im Frühjahr 2003 hatte die
Besatzungsmacht die damalige irakische Armee aufgelöst und
zehntausende Baath-Mitglieder aus öffentlichen Ämtern
entlassen.
Die irakische Polizei hat am Samstag mehr als 50 Leichen in der
Hauptstadt Bagdad gefunden. Alle Opfer seien Männer und alle seien
am selben Tag getötet worden, teilte die Sicherheitskräfte
mit. 15 von ihnen wurden demnach am selben Ort, in Gasalijah im
Nordwesten des Hauptstadt, gefunden. Die Sicherheitskräfte finden
täglich Dutzende Leichen im Irak, viele von ihnen weisen Spuren von
Hinrichtungen auf. Landesweit wurden am Samstag mindestens elf weitere
Menschen getötet, darunter neun Zivilisten.
Bei einem Angriff auf eine US-Patrouille wurden nördlich von
Bagdad drei amerikanische Soldaten getötet. Das teilten die
US-Streitkräfte am Sonntag mit. In der Nähe ihres Fahrzeugs
sei ein an der Straße versteckter Sprengsatz gezündet worden,
der drei Soldaten getötet und einen weiteren verwundet habe. Die
Zahl der im Irak getöteten US-Soldaten stieg in diesem Monat damit
auf 57; seit der Invasion im März 2003 zum Sturz von Saddam
Hussein kamen im Irak nach einer AP-Zählung mindestens 2.945
Militärangehörige ums Leben.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 18.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Straßenkämpfe in der Nähe von Abbas' Residenz in Gaza.
Angriff auf Konvoi des palästinensischen Außenministers.
Hamas und Fatah vereinbaren Waffenruhe
Mo.18.12.06 - Der Machtkampf der Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah ist
nach der Ankündigung von Neuwahlen voll entbrannt. In der Nähe
der Residenz von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Gaza
haben sich Mitglieder seiner Garde Kämpfe mit bewaffneten
Hamas-Anhängern geliefert. Vermummte Kämpfer der radikal-
islamischen Hamas stürmten ein Ausbildungslager der Garde von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und töteten einen
Mann.
Stunden später feuerten Heckenschützen auf einen Konvoi des
zur Hamas gehörenden Außenministers Mahmud al-Sahar, wie das
Innenministerium mitteilte. Abbas hatte am Samstag gesagt, er habe sich
für vorgezogene Wahlen des Parlamentes und des Präsidenten
entschieden, um das Volk über den weiteren Weg entscheiden zu
lassen. Bemühungen um eine Einheitsregierung waren zuvor
gescheitert. Die Hamas sprach von einem «Putsch».
In Gaza gingen zehntausende Anhänger der rivalisierenden
Bewegungen auf die Straße. Bei Zusammenstößen zwischen
den Konfliktparteien gab es mehrere Verletzte. Bei dem Angriff auf das
Ausbildungslager seien auch vier Mitglieder der Präsidentengarde,
einer Eliteeinheit, verletzt worden, teilte die palästinensische
Polizei mit. Das Feuergefecht habe etwa 20 Minuten gedauert, bevor
Verstärkung anrückte und die Angreifer flüchteten. Das
offizielle palästinensische Fernsehen identifizierte die Angreifer
als Kämpfer der Hamas, die mit Ismail Hanija auch den
Ministerpräsidenten stellt. Auch nach dem Angriff auf al-Sahar gab
es heftige Schießereien.
Abbas sagte, er werde nicht zulassen, dass sich die Situation zu einem
Bürgerkrieg entwickele. Er wolle nun mit der zentralen
Wahlkommission einen Wahltermin suchen. Bei seiner Rede vor Fatah-
Funktionären und religiösen Würdenträgern in
Ramallah betonte Abbas ausdrücklich, die Bildung einer
Einheitsregierung mit Beteiligung der Hamas und seiner Fatah bleibe eine
Option. Er bezeichnete Hanija als «ehrenwerten Mann», den
er sich weiter an der Spitze einer künftigen Regierung vorstellen
könne.
Zum Auftakt seiner Rede machte Abbas aber die Hamas für die
Zuspitzung des Konflikts und internationale Sanktionen gegen ihre
Regierung verantwortlich. Diese wird weitgehend vom Ausland boykottiert,
weil sich die Hamas weigert, der Gewalt abzuschwören und Israel
anzuerkennen. Hamas hatte im Januar die Parlamentswahl gewonnen, Abbas
die nach dem Tod des langjährigen Palästinenserführers
Jassir Arafat durchgeführte Präsidentwahl 2005.
Ein führender Berater von Abbas sagte, die Neuwahlen könnten
erst für Mitte kommenden Jahres angesetzt werden. Dafür gebe
es juristische und technische Gründe, sagte Chefunterhändler
Sajeb Erekat. Abbas müsse ein Dekret unterzeichnen. Danach sei eine
Frist von 90 Tagen für eine Aktualisierung der Wählerlisten
vorgesehen. Abbas ordnete unterdessen einen Umbau der Fatah-Spitze an.
Angesichts der Gewalt riefen die EU und der scheidende UN-
Generalsekretär Kofi Annan Hamas und Fatah auf, die Gewalt
einzustellen und ihren Dialog über die Bildung einer gemeinsamen
Regierung wieder aufzunehmen. Eine Sprecherin des Weißen Hauses in
Washington sagte, die USA hofften, dass vorgezogenen Wahlen ein Ende
der Gewalt mit sich brächten.
Die beiden verfeindeten Palästinenserorganisationen Fatah und
Hamas haben sich derweil auf eine Waffenruhe geeinigt. Die Fatah rief
ihre Kämpfer auf, nicht mehr zu schießen, es sei denn, ihr
Leben ist in Gefahr. Dennoch gingen die Schießereien zwischen den
Anhängern beider Gruppierungen im Gazastreifen in der Nacht zum
Montag zunächst weiter. Am Sonntag waren drei Palästinenser
bei den Auseinandersetzungen ums Leben gekommen.
Die Feuerpause wurde kurz nach Mitternacht in Gaza-Stadt
verkündet. Zu der Pressekonferenz erschien aber lediglich ein
Vertreter der kleinen Gruppierung Demokratische Front für die
Befreiung Palästinas, die gemeinsam mit Ägypten die
Feuerpause vermittelt hatte. Vertreter von Hamas und Fatah zeigten sich
bei der Pressekonferenz nicht.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert kündigte
«außerordentliche Anstrengungen» an, um mit Abbas
Friedensverhandlungen aufnehmen zu können. In einem Interview sagte
Olmert, Israel sei bereit, aus einem Großteil der besetzten
Palästinensergebiete abzuziehen und jüdische Siedlungen
aufzugeben.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Iran: Rafsandschani hat Aussicht auf Sitz in Versammlung der Experten
Mo.18.12.06 - Bei der Wahl zur einflussreichen Versammlung der Experten im Iran hat
der frühere Präsident Haschemi Rafsandschani laut einem
Bericht des staatlichen Fernsehens vom Sonntag gute Aussichten auf
einen Sitz. Nach einer teilweisen Auszählung der Stimmen kam
Rafsandschani auf mehr als 1,5 Millionen Stimmen, sein Hauptkonkurrent,
Ayatollah Mohammad Taki Mesbah Jasdi, auf 860.000 Stimmen.
Rafsandschani gilt als Gegner von Präsident Mahmud Ahmadinedschad,
Jasdi als dessen geistlicher Mentor.
Auch bei der Wahl neuer Stadt- und Gemeinderäte lagen die
konservativen Gegner Ahmadinedschads inoffiziellen Ergebnissen zufolge
in Führung. Aus der Wahl sei aber keine einzelne Partei als klarer
Sieger hervorgegangen, schrieben Teheraner Zeitungen. Die halbamtliche
Nachrichtenagentur Mehr berichtete, in Teheran lägen unter den
Kandidaten die Anhänger Ahmadinedschads hinter denen, die den
konservativen, aber gemäßigteren Bürgermeister Mohammad
Bagher Kalibaf stützten.
Die Wahl neuer Stadt- und Gemeinderäte vom Freitag galt als Test
für die öffentliche Zustimmung zur Politik Ahmadinedschads.
Zur Wahl standen 233.000 Kandidaten, darunter 5.000 Frauen. Sie wurden
von Parlamentsausschüssen überprüft, die von Hardlinern
kontrolliert werden. Berichten zufolge wurden rund 10.000 Bewerber
abgelehnt. Für die Versammlung der Experten bewarben sich rund 180
Kandidaten. In der Versammlung sind 86 ranghohe Geistliche vertreten,
die den obersten geistlichen Führer Irans kontrollieren und dessen
Nachfolger wählen.
Ahmadinedschad wird von einigen Konservativen kritisiert, sein
Augenmerk zu stark auf eine Konfrontation mit dem Westen und zu wenig
auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Iran
gerichtet zu haben. In der seit einigen Jahren stark
zurückgedrängten Reformbewegung hoffte man auf ein Zeichen
der Unterstützung durch die Wähler.
Die Kommunalwahl wurde 1999 vom damaligen reformorientierten
Präsidenten Mohammad Chatami eingeführt, die Abstimmung vom
Freitag war die dritte derartige Wahl.
(Quelle: ap)
102 Bootsflüchtlinge vor Senegals Küste vermisst
Mo.18.12.06 - Bei einem Flüchtlingsdrama vor der senegalesischen Küste sind
vermutlich mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Fischer
retteten am Samstag vor der nördlichen Stadt Saint-Louis 25
Senegalesen aus dem Meer, die sich Anfang Dezember mit 102 weiteren
Männern zu den Kanarischen Inseln aufgemacht hatten, wie
Augenzeugen und Behörden berichteten. Über das Schicksal der
anderen Flüchtlinge ist bisher nichts bekannt.
Die jungen Männer waren nach Auskunft der Überlebenden am 3.
Dezember in der Region Ziguinchor im äußersten Süden des
Landes in See gestochen. Nach eigenen Angaben waren sie mit einem
GPS-Navigator ausgestattet.
Über die Vorkommnisse an Bord gab es widersprüchliche
Berichte. Ein Überlebender sagte, ein Unwetter vor der
marokkanischen Küste habe sie zur Umkehr gezwungen. Die
Vorräte seien bereits aufgebraucht gewesen. Andere berichteten, die
Gruppe sei zerstritten gewesen. Die 102 Vermissten seien ins Wasser
gefallen oder geworfen worden. Wieder andere Überlebende bestritten
dies. Nach Angaben des Notdienstes in Saint-Louis litten die
Flüchtlinge unter Durchfall, weil sie "etwa ein dutzend Tage lang"
Meerwasser getrunken hatten.
(Quelle: afp)
EZB-Präsident Trichet für niedrige Lohnabschlüsse in
Europa - Deutscher Gewerkschaftsbund reagiert mit
Unverständnis
Mo.18.12.06 - Trotz des Aufschwungs in Deutschland hat sich der Präsident der
Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, für
niedrige Lohnabschlüsse ausgesprochen. «Die Tarifpartner
sollten nicht vergessen, dass die Arbeitslosigkeit sich in Europa auf zu
hohem Niveau bewegt», sagte er dem «Tagespiegel»
(Montagausgabe) laut Vorabmeldung. Wenn man nachhaltiges Wachstum und
Arbeitsplätze schaffen wolle, müsse man verantwortlich handeln.
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) kritisierte die
Äußerungen des EZB-Präsidenten als
«überflüssige und einseitige Ermahnungen».
EGB-Vizechef Reiner Hoffmann sagte der «Frankfurter
Rundschau» (Montagausgabe): «Offenbar will Herr Trichet von
seiner eigenen Verantwortung für die Arbeitslosigkeit in Europa
ablenken.» Die Arbeitnehmer in Europa hätten in den
vergangenen Jahren bereits übermäßig viel
Lohnzurückhaltung geübt. Darunter leide die Nachfrage in der
europäischen Wirtschaft.
Mit Unverständnis reagierte auch der Deutsche Gewerkschaftsbund
(DGB). «Gefahr für den Arbeitsmarkt geht nicht von den
Tarifverhandlungen aus, sondern von der Zinspolitik der
Europäischen Zentralbank», sagte DGB-Vorstandsmitlied Claus
Matecki der Zeitung. Sechs Mal habe die EZB innerhalb eines Jahres den
Leitzins angehoben und damit die Konjunktur geschwächt. Matecki
rief Trichet auf, die Politik der Zinserhöhungen zu beenden und
sich «nicht länger gegen eine Belebung der
Binnennachfrage» zu stellen.
Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, stellte sich
hinter die Forderung der Gewerkschaften nach deutlich höheren
Tarifabschlüssen im kommenden Jahr. «Die Beschäftigten
haben sich nach Jahren des Verzichts höhere Lohnzuwächse
verdient», sagt Gysi in einem vorab veröffentlichten
Interview der Zeitschrift «Super Illu». Das stärke
ihre Kaufkraft und nutze auch den kleinen und mittleren Unternehmen.
Notenbankchef Trichet hob als positiv hervor, dass Deutschland wieder
die Maastricht-Kriterien erfüllt, forderte aber weitere Reformen.
Zwar habe etwa das verarbeitende Gewerbe in Deutschland Kosten gespart,
dieser Prozess müsse aber weiter gehen. «Das Ziel ist,
flexibel zu werden, sich an eine Umgebung anzupassen, die sich sehr
schnell verändert. Das ist wichtig für Deutschland, die
wichtigste Volkswirtschaft Europas», wird Trichet zitiert.
Die Mehrwertsteuer-Erhöhung bewertete der Franzose als nicht
besonders negativ. Zwar werde das Wirtschaftswachstum nun etwas
gebremst. «Aber es gibt nicht mehr viele, die denken, dass das der
deutschen Volkswirtschaft - und damit der europäischen
Volkswirtschaft - sehr schwer schaden wird.»
(Quelle: ap)
Wirtschaftsexperten: Arbeitslosigkeit geht in Deutschland 2007 um bis
zu 500 000 zurück
Mo.18.12.06 - Deutschlands führende Wirtschaftsexperten sagen für 2007
einen kräftigen Rückgang der Arbeitslosigkeit um bis zu 500
000 voraus. "Ich gehe davon aus, dass die Arbeitslosenzahl im
Jahresschnitt von 4,5 Millionen in diesem Jahr sich 2007 der
Vier-Millionen-Marke annähern wird», sagte der Vorsitzende
der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, der «Bild»-Zeitung
(Montagausgabe). Auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert
Walter, geht von einem Rückgang um 500 000 aus, Ifo-Präsident
Hans Werner Sinn um 400. 000.
Trotz der Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 rechnen die drei
Ökonomen mit einem moderaten Anstieg der Inflation. «Der
Preisanstieg wird bei 2,3 Prozent liegen. Angesichts der kräftigen
Mehrwertsteuererhöhung ist das eine sehr moderate
Inflation», betonte Sinn. Rürup geht ebenfalls von einer
Teuerungsrate von 2,3 Prozent aus, Walter prognostiziert eine Inflation
von 2 Prozent.
Die drei Experten gehen für 2007 von stärkeren
Lohnerhöhungen im Vergleich zu den Vorjahren aus. «Es wird
kräftigere Lohnerhöhungen als in den Vorjahren geben. Ich
rechne aber damit, dass im Branchendurchschnitt die
Tarifabschlüsse unter drei Prozent liegen», sagte
Rürup. Walter geht von durchschnittlich 2 Prozent mehr Lohn aus,
Sinn von 2,2 Prozent.
(Quelle: ddp)
Verfassungsgerichtspräsident Papier für Stärkung der
Parlamente
Mo.18.12.06 - Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen
Papier, hat eine Stärkung der Parlamente in Bund und Ländern
angemahnt. In der vergangenen Zeit seien große gesetzliche
Vorhaben in "irgendwelchen 'Elefantenrunden' oder schlussendlich im
Vermittlungsausschuss innerhalb der Nacht beschlossen worden", sagte
Papier im Deutschlandfunk. Der Bundestag sei dann vielfach nur noch in
der Lage gewesen, "dies gewissermaßen abzunicken", kritisierte er.
Papier sprach sich zugleich gegen die weitere Einführung von
Volksentscheiden und Volksbegehren aus, um die gegenwärtige Krise
des Parlamentarismus zu überwinden: "Ich glaube, man muss beim
Parlament selbst ansetzen. Wir müssen die Parlamente wieder
stärken."
Papier kritisierte gleichzeitig "einen Hang zur
Überreglementierung" in Deutschland. «Ich meine die Tendenz
in der Politik, dass immer dann, wenn mögliche oder vermeintliche
Probleme in der Gesellschaft auftreten, sofort die Gesetzesmaschine
angeworfen wird und Normen produziert werden», kritisierte Papier
im Deutschlandfunk (Köln). Dies geschehe «ohne Rücksicht
darauf, ob diese Normen überhaupt jemals irgendjemand vollziehen
kann - Gesetzgebung also als symbolische Politik». Er sehe die
«Gefahr einer Überforderung des Staates», der sich
«gewissermaßen verzettelt».
Der BVerfG-Präsident betonte, es gebe in Deutschland kein
Gesetzesdefizit, sondern allenfalls ein Vollzugsdefizit. Ein
Überhang an Normen könne zu Problemen bei der Umsetzung
führen und dies wiederum eine eher wachsende Politik-Verdrossenheit
in der Bevölkerung bewirken, mahnte Papier. «Bevor man die
Gesetzesmaschine anwirft, sollte man mal überdenken: Muss der
Staat sich dieses Feldes annehmen?»
In manchen Fällen könne es eher geboten sein, darauf zu
vertrauen, «dass die gesellschaftlichen Kräfte kraft
Selbstbestimmung und Selbstverantwortung hier Regulierungen vornehmen
können», sagte Papier. Als Bespiel nannte er den Bereich des
Dopings.
(Quellen: afp, dpa)
Bundesregierung startet Technologie-Offensive
Mo.18.12.06 - Die Bundesregierung will der Technologiebranche in Deutschland mit
einer Reihe von Maßnahmen auf die Sprünge helfen. «Made
in Germany» müsse auch in diesem Bereich wieder ein Siegel
für Güte und Qualität werden, sagte Bundeskanzlerin
Angela Merkel am Samstag in einer Videoansprache im Internet. Am
heutigen Montag kommt sie in Potsdam mit Nutzern und Entwicklern von
Informations- und Kommunikationstechnologie zusammen.
Eine Arbeitsgruppe habe diesen «IT-Gipfel» vorbereitet und
konkrete Vorhaben erarbeitet, sagte die CDU-Vorsitzende. Als Beispiele
nannte sie eine Qualitätsoffensive für die
Kundenfreundlichkeit von Call-Centern, das Ersetzen von Barcodes auf
Produkten in Supermärkten durch Radiochips, und die Entwicklung
einer neuen Internet-Suchmaschine.
Merkel wies darauf hin, dass die Bundesregierung im Rahmen ihrer
High-Tech-Strategie sechs Milliarden Euro mehr für Forschung und
Entwicklung ausgebe. «Aber das reicht natürlich nicht»,
betonte sie. Man müsse für Nutzer und Entwickler die
richtigen Rahmenbedingungen setzen.
Neben mehreren Bundesministern wollen an dem IT-Gipfel die
Vorstandsvorsitzenden der Branchenriesen teilnehmen. In acht
Arbeitsgruppen soll ein gemeinsames Programm zur Stärkung des
Technologie-Standortes Deutschland entwickelt werden. Die Gruppen sollen
von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, Forschungsministerin
Annette Schavan (beide CDU), Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU),
Telekom-Vorstand René Obermann,
ebay-Deutschland-Geschäftsführer Stefan Groß-Selbeck und
Arcor-Vorstand Harald Stöber geleitet werden. Der Präsident
des Branchenverbandes BITKOM, Willi Berchthold, will das Treffen
gemeinsam mit Glos und dem Brandenburger Ministerpräsidenten
Matthias Platzeck (SPD) eröffnen.
Merkel trifft sich laut Plan am Mittag zunächst zu einem
Arbeitsessen mit den Managern. Anschließend stehen eine Rede und
eine Diskussion mit IT-Studenten und Forschern auf den Programm. Erst im
November hatte die Bundesregierung ein Aktionsprogramm
«Informationsgesellschaft Deutschland 2010» vorgelegt, das
Grundlage der Potsdamer Gespräche sein soll. Erstmals hatte Merkel
auf der CeBIT im vergangenen März zu einem solchen Treffen nach dem
Vorbild des nationalen Energiegipfels aufgerufen.
Geladen hat die Kanzlerin ins Hasso-Plattner-Institut, eine der
führenden deutschen Ausbildungsstätten für IT-Entwickler.
Die Einrichtung der Universität Potsdam war 1998 als
Kooperationsprojekt zwischen dem Land Brandenburg und dem Unternehmer
Plattner gegründet worden. Der SAP-Gründer finanziert das
Institut in den kommenden zwanzig Jahren mit 200 Millionen Euro.
Derzeit werden dort 360 Studenten zu Software-Entwicklern ausgebildet.
(Quelle: ap)
Streit um Klimaschutz eskaliert
Mo.18.12.06 - Der Streit um die Auflagen der Europäischen Union zum Klimaschutz
ist am Wochenende in mehrfacher Hinsicht eskaliert. EU-Umweltkommissar
Stavros Dimas forderte die Bundesregierung mit deutlichen Worten zu
schärferen Grenzwerten beim CO2-Ausstoß auf. Die deutsche
Wirtschaft warnte die Bundesregierung dagegen vor jedweder
Kompromissbereitschaft und drohte mit Konsequenzen für
Investitionen und Arbeit. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel wiederum
warnte die Energieversorger vor viel höheren finanziellen
Belastungen, wenn sie ihre eigenen Verpflichtungen nicht einhielten.
Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP betonte der
SPD-Politiker am Sonntag, die Verhandlungen mit der Brüsseler
Kommission über den Emissionshandel seien nach wie vor in vollem
Gange. Dabei setze sich die Bundesregierung auch für die Belange
der deutschen Industrie ein. Allerdings laufe deren weitgehende
Befreiung von der Ökosteuer Ende des Jahres aus, und eine
Verlängerung werde die EU kaum genehmigen, wenn die
Selbstverpflichtung der Wirtschaft zur Senkung der Treibhausgase
mittels Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung nicht eingehalten werden.
Das aber würde die Industrie mit einer Milliarde Euro viel
stärker belasten als die rund 700 Millionen bei Erfüllung der
EU-Umweltauflagen.
Diese gehen nach den Worten von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm aber
auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nach wie vor zu weit. Es könne
keine Rede davon sein, dass die Bundesregierung jetzt doch den
schärferen Umweltauflagen der EU folge, machte Wilhelm in der
«Welt» deutlich: Die Kanzlerin sei verwundert über den
offenen Brief der Wirtschaftsverbände. Darin heißt es,
Klimaschutz lasse sich nur durch einen globalen Ansatz lösen.
«Eine überzogene Vorreiterrolle Europas und innerhalb dessen
noch eine spezielle Vor-Vorreiterrolle Deutschlands» führe
wirtschaftlich zu gravierenden Wettbewerbsnachteilen.
Beim Energiegipfel zugesagte und teilweise bereits in Angriff genommene
Großinvestitionen in die Infrastruktur würden dann
wirtschaftlich in Frage gestellt. «Damit drohen massive
Konsequenzen nicht nur für die Versorgungssicherheit, sondern auch
für Arbeit und Wertschöpfung am Standort Deutschland»,
heißt es weiter in dem Schreiben. Unterzeichnet haben es
BDI-Präsident Jürgen Thumann, die Chefs der Energiekonzerne
E.on, EnBW, Vattenfall und RWE, die Präsidenten der Verbände
von Metall, Automobilindustrie, Informationswirtschaft und chemischer
Industrie sowie unter anderen die Vorstandschefs von BASF und Oetker.
EU-Umweltkommissar Dimas forderte dagegen in der
«Wirtschaftswoche» erneut eine deutliche Reduzierung der
CO2-Emissionen für die Jahre 2008 bis 2012. Das Angebot, sie nur
um zwei Prozent zu senken, nannte er nicht akzeptabel.
«Deutschland muss nachbessern», wird der EU-Kommissar
zitiert, andere Länder leisteten mehr. Schließlich habe sich
Merkel für die bevorstehende deutsche EU-Präsidentschaft
selbst den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben.
Gabriel sagte: «Wir stecken mitten in den Verhandlungen».
Er äußerte sich aber zuversichtlich, noch eine Lösung
zu finden. «Wir sind nur noch zwei Prozent auseinander»,
betonte der Bundesumweltminister. Grünen-Fraktionschefin Renate
Künast unterstützte Gabriel indirekt mit den Worten, die
Industrie stelle mit ihrem offenen Brief die Verhältnisse auf den
Kopf. «Wahr ist, dass der eigentliche Vertrauensbruch von der
Industrie begangen wurde», da sie ihre Versprechungen zur
Verringerung des Schadstoffausstoßes nicht umgesetzt habe,
erklärte Künast.
(Quelle: ap)
AKW-Betreiber wollen Staat längere Laufzeiten vergolden
Mo.18.12.06 - Die Betreiber der Atomkraftwerke wollen dem deutschen Staat die
Forderung nach längeren Laufzeiten jetzt finanziell attraktiv
machen. Der baden-württembergische Ministerpräsident
Günther Oettinger (CDU) berichtete im Nachrichtenmagazin
«Focus» von entsprechenden Zusagen der Energiekonzerne.
Nach seinen Angaben könnte ein Verzicht auf das vorzeitige
Abschalten von Atomkraftwerken zweistellige Millionenbeträge in die
Staatskasse spülen. Oettinger erwartet demnach solche Summen von
«jedem der großen Energieversorger, die wie EnBW einen
Großteil ihres Stroms aus Kernkraft beziehen». Dafür
müssten die Energieunternehmen den Gewinn aus der längeren
Laufzeit mit dem Staat teilen.
Die EnBW sei dazu bereit, wird der Stuttgarter Regierungschef zitiert:
«Entsprechende Gesprächsergebnisse liegen mir vor.» Der
Stromproduzent wolle «vielleicht sogar die Hälfte der
nachweisbaren Gewinne durch längere Laufzeit für
öffentliche Zwecke bereitstellen», sagte Oettinger. Vorrang
hätte dabei die Entwicklung der erneuerbaren Energien.
(Quelle: ap)
Kirchen kritisieren Waffenexporte
Mo.18.12.06 - Kritik an der Rüstungsexport-Politik der Bundesregierung
äußert die von Protestanten und Katholiken gebildete
Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) in ihrem
Rüstungsexportbericht 2006. Der «Kölner
Stadt-Anzeiger» (Montagausgabe) berichtet, in der Untersuchung
werde vor allem die Lieferung von Waffen in Entwicklungsländer und
in Spannungsgebiete angegriffen. Der jährliche Bericht von
evangelischen und katholischen Entwicklungskommissionen soll offiziell
am heutigen Montag in Berlin vorgestellt werden.
In einer bereits am Sonntag im Internet verbreiteten Pressemitteilung
kritisiert die GKKE, der Anspruch der Bundesregierung, eine restriktive
Rüstungsexport-Politik zu verfolgen, sei unglaubwürdig.
«Wir halten die Politik für expansiv», erklärte
der Evangelische Vorsitzende der ökumenischen Organisation,
Prälat Stephan Reimers. Denn der Wert der exportierten
Kriegswaffen sei um mehr als 40 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro im
Jahr 2005 gestiegen. Bei den Rüstungsgütern gebe es nach den
von der Bundesregierung vorgelegten Zahlen einen Anstieg von 3,8 auf
4,2 Milliarden Euro.
Die besondere Kritik der GKKE gelte den hohen Ausfuhren in
Entwicklungsländer, die zugleich Empfänger öffentlicher
Entwicklungshilfe sind. Die Lieferungen in Länder der
Krisenregionen des Nahen und Mittleren Ostens kritisiert die kirchliche
Organisation als «Abkehr vom Grundsatz, Waffen nicht in
Spannungsgebiete zu liefern».
(Quelle: ap)
NPD will gezielt Elternbeiräte und Vereine unterwandern
Mo.18.12.06 - Die rechtsextremistische NPD will nach eigenen Angaben gezielt
Elternbeiräte und lokale Vereine unterwandern. Der sächsische
Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel kündigte in einem am Sonntag
veröffentlichten Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin
«Focus» entsprechende Schritte an.
Nach seinen Worten sollen sich die NPD-Mitglieder in den Vereinen
zunächst nicht mit ihrer Parteimitgliedschaft zu erkennen geben.
Sie sollten auch «erst einmal nicht agitieren - das wäre
kontraproduktiv», sagte das Mitglied des NPD-Bundesvorstands. Die
Parteimitglieder sollten vielmehr warten, bis Journalisten oder
Initiativen von außen auf die NPD-Zugehörigkeit hinwiesen.
Gansel erwartet, dass sich dann Vereinsmitglieder in vielen Fällen
mit den NPD-Mitgliedern solidarisieren. Schließlich könnte es
dann einen «Überraschungseffekt» geben, sagte er in
dem Interview: «Das ist also der nette NPDler, von dem das keiner
vermutet hätte.»
Der Dresdner Politik-Professor Werner Patzelt appellierte an die
Politiker der demokratischen Parteien, sich um die wachsende Gruppe
frustrierter Menschen in Ostdeutschland zu kümmern, aus denen sich
möglicherweise eine Stammwählerschaft der NPD formieren
könne. Gelinge es nicht, diesen Menschen ein Angebot zu machen,
dann könne sich das «Fenster der Gelegenheit»
dafür bald dauerhaft schließen, warnte der
Politikwissenschaftler laut «Focus».
(Quelle: ap)
Kultusministerpräsidentin fordert Eignungstests vor Lehramtstudium
Mo.18.12.06 - Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave
(SPD), hat sich für die Einführung von Eignungstests vor der
Aufnahme eines Lehramtsstudiums ausgesprochen. Die Bundesländer
sollten künftig bereits im Vorfeld testen, ob angehende Lehrer
"auch die geeignete Persönlichkeit für den Beruf mitbringen",
forderte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin im
"Handelsblatt" (Montagsausgabe). Nur so ließe sich herausfinden,
ob künftige Lehrer über die nötige "starke
Persönlichkeit und natürliche Autorität verfügen".
Damit reagiert Erdsiek-Rave auf eine kürzlich an der
Universität Potsdam erarbeitete Studie, für die 2500
Lehramtsstudenten befragt wurden. Die Studie unter Leitung des
Psychologen Uwe Schaarschmidt ergab demnach bei einem "nicht geringen
Teil problematische Voraussetzungen". Dazu gehörten
"Einschränkungen der Widerstandskraft, Defizite in sozialen und
kommunikativen Kompetenzen und ein nur mäßig
ausgeprägtes Selbstbewusstsein". Die Kultusministerkonferenz will
sich bei ihrer nächsten Sitzung im März mit dem Thema befassen.
Derzeit gibt es so gut wie keine Auslese auf dem Weg zum Lehrerberuf.
Angesichts des Lehrermangels vor allem in Fächern wie Physik oder
Mathematik "können wir es uns auch kaum leisten, jemanden
abzulehnen", sagte Erdsiek-Rave. Dies werde sich aber mit sinkenden
Schülerzahlen verändern. Derzeit gibt es gut zwölf
Millionen Schüler, 2020 voraussichtlich nur noch gut zehn Millionen.
"Besorgniserregend" nannte Erdsiek-Rave auch die Erkenntnisse über
die Verfassung der aktiven Lehrer. Nach der Studie gehören rund 60
Prozent zu einer "Risikogruppe". Je ein knappes Drittel sei entweder
"resigniert und verzweifelt" oder "überfordert sich selbst". Diese
massiven Probleme der Lehrer müssten unter anderem mit
Fortbildungen angegangen werden: "Die Lehrer brauchen vor allem
"Konflikttraining und Schulungen zur Teamarbeit".
(Quelle: afp)
Kabelloses Internet bald flächendeckend in Deutschland
Mo.18.12.06 - Im kommenden Jahr beginnt in Deutschland der flächendeckende
Aufbau von kabellosen Breitband-Internetzugängen. Über die so
genannten Wimax-Funknetze können dann auch diejenigen mit sehr
hohen Datenraten im Internet surfen, die bisher von der
Internet-Infrastruktur abgeschnitten waren. Denn nach der jetzt zu Ende
gegangenen Versteigerung der dafür notwendigen Frequenzen durch die
Bundesnetzagentur haben die Bieter den raschen Aufbau der kabellosen
Breitbandnetze angekündigt. Für zusammen 56 Millionen Euro
hatten die Betreiberfirmen Clearwire, Inquam, DBD, Televersa und MGM
die so genannten BWA-Frequenzen (Broadband Wireless Access) erworben.
Wimax gilt als Highspeed-Variante von WLAN - und soll diese Technologie
demzufolge ablösen.
Wimax-Netze sollen vor allen Dingen die Regionen in Deutschland mit dem
Internet versorgen, die mit DSL oder Kabel noch nicht erschlossen sind,
also eher ländliche Gebiete wie zum Beispiel die Oberpfalz,
Niedersachsen oder Niederbayern. Die teilweise bis zu 15 Meter hohen
Wimax-Antennen können Reichweiten von 50 Kilometer erlangen,
allerdings ist für einen reibungslosen Datendurchsatz immer eine
direkte Sichtverbindung nötig. In urbanen Gegenden wird deshalb ein
Versorgungsradius von zwei bis drei Kilometern als realistisch
angesehen. Theoretisch sind in Wimax-Netzen Datentransferraten von
maximal 108 Megabit pro Sekunde möglich. Zur Verfügung stehen
werden Experten zufolge jedoch allenfalls Bandbreiten von maximal 28
Megabit pro Sekunde.
Die Wimax-Technologie wird insbesondere von dem Chiphersteller Intel
gefördert, der als Investor hinter dem Unternehmen DBD (Deutsche
Breitband Dienste) steckt und bereits fleißig entsprechende
Prozessoren für Notebooks und Telefone produziert. In wenigen
Jahren wollen die fünf Wimax-Anbieter ihre kabellose
Internet-Infrastruktur vollendet haben. DBD hat bereits für das
kommende Jahr die Bereitstellung eines Wimax-Zuganges angekündigt.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)