Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertundvierten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Laut Experten steht Irak kurz vor der Auflösung. Streit zwischen
US-Regierung und Stabschefs wegen Irak
Mi.20.12.06 - Dem Irak droht nach einer Analyse der renommierten International Crisis
Group (ICG) der Zerfall. "Der Irak steht kurz vor der Auflösung",
heißt es in einem Bericht der internationalen
regierungsunabhängigen Organisation. "Das Land und seine
Institutionen drohen im Chaos zu versinken." Dadurch werde die
Stabilität der gesamten Region bedroht.
Laut ICG ist die Empfehlung der Baker-Kommission für eine neue
Irak-Strategie der US-Regierung ein "erster wichtiger Schritt", jedoch
"vollkommen unzureichend", um den Zerfall des Irak und einen regionalen
Krieg zu vermeiden. Die amerikanische Baker-Kommission hatte vor allem
den Abzug eines Großteils der US-Truppen aus dem Irak
vorgeschlagen sowie einen Dialog Washingtons mit Syrien und dem Iran.
"Alle politischen Akteure im Irak, die in die Gewalt verwickelt sind,
müssen an den Verhandlungstisch geholt und unter Druck gesetzt
werden, einen Kompromiss zu akzeptieren", schlägt die
International Crisis Group vor. Die irakische Regierung und die
Sicherheitskräfte dürften nicht als "Verbündete"
behandelt werden, die als einzige Unterstützung genössen. Sie
müssten vielmehr als "Teil der zahlreichen Akteure des Konflikts"
angesehen werden.
Zwischen der Regierung von US-Präsident George W. Bush und den
Stabschefs der Streitkräfte gibt es einem Zeitungsbericht zufolge
massive Differenzen über die künftige Strategie im Irak.
Die Generalstabschefs hätten sich einmütig gegen einen
Vorschlag aus dem Präsidialamt ausgesprochen, kurzfristig die Zahl
der US-Soldaten im Irak zu erhöhen, berichtete die "Washington
Post" am Dienstag unter Berufung auf Regierungsvertreter. Die
Militärs bemängelten insbesondere, dass das Präsidialamt
nach wie vor keinen klar definierten Arbeitsauftrag für den Einsatz
habe und die Truppenpräsenz lediglich deshalb steigern wolle, weil
es nur begrenzte Alternativen dazu gebe. Eine kurzfristige Entsendung
nutze dem US-Einsatz langfristig nicht.
Das Präsidialamt erwägt dem Bericht zufolge, zusätzlich
15.000 bis 30.000 Soldaten über einen Zeitraum von sechs bis acht
Monaten in den Irak zu entsenden, um auf die sich verschlechternde Lage
dort zu reagieren. Zurzeit sind etwa 134.000 US-Soldaten in dem Land
stationiert.
Das US-Verteidigungsministerium hatte am Montag in einem Bericht an den
Kongress mitgeteilt, dass sich die Sicherheitslage im Irak in den
vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert.
Von Mitte August bis Mitte November sei die Zahl der Anschläge im
Vergleich zu den drei vorangegangenen Monaten um 22 Prozent gestiegen,
hieß es in dem Pentagon-Bericht. Jede Woche werden demnach im
ganzen Land fast 960 Angriffe verübt, pro Tag sind das 137. Als
größte Gefahr für die Sicherheit stuft das Pentagon
mittlerweile die Miliz des radikalen Schiitenführers Moktada Sadr
noch vor dem irakischen Ableger von El Kaida ein.
(Quellen: afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 20.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.20.12.05 - Schiiten-Allianz belegt bei Parlamentswahl im Irak ersten Platz +++ Paris
hofft nach Osthoff auf Freilassung eigener Geisel. Video zeigt
Tötung einer US-Geisel im Irak +++ US-Armee entlässt im Irak acht
frühere Regierungsverantwortliche aus Haft...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512200.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Präsident Bush will US-Streitkräfte personell aufstocken
Mi.20.12.06 - US-Präsident George W. Bush will die Streitkräfte personell
aufstocken. Dabei gehe es aber nicht nur um den Krieg im Irak, sondern
um den weltweiten Kampf gegen islamische Extremisten, sagte Bush am
Dienstag in einem Interview der «Washington Post». Er habe
seinen neuen Verteidigungsminister Robert Gates aufgefordert, einen
entsprechenden Plan auszuarbeiten. Eine Zahl nannte Bush nicht. Er
fügte aber hinzu, er stimme mit Regierungsbeamten in der
Einschätzung überein, dass die derzeitige Personaldecke der
Streitkräfte zu dünn für den Kampf gegen den Terrorismus
ist.
Bush sprach von einem «ideologischen Krieg», in den die USA
verwickelt seien. Dieser «wird noch eine Weile dauern und wir
werden Streitkräfte brauchen, die in der Lage sind, unsere
Bemühungen zu unterstützen und die uns dabei helfen, einen
Frieden zu erreichen». Konkret sprach sich Bush für
Verstärkungen der Bodentruppen - Heer und Marineinfanterie - aus.
Hohe Generäle und Politiker haben in jüngster Zeit Bedenken
gegen weitere Truppenverlegungen in den Irak geltend gemacht. Dies
werde weitgehend ineffektiv sein, wenn diese Truppenverstärkung
nicht von neuen politischen und wirtschaftlichen Schritten begleitet
werde, warnen sie.
Der demokratische Senator Edward Kennedy sprach sich unterdessen gegen
jede weitere Truppenverlegungen in den Irak aus. «Anstatt die
Dinge besser zu machen, wird der Plan des Präsidenten, mehr
Soldaten in den Irak zu schicken, die Sache dort nur noch schlimmer
machen, so wie es auch viele Generäle sehen», sagte Kennedy.
Vielmehr müsse es eine politische Lösung geben, die die
verfeindeten Parteien zusammenbringe und bewirke, dass die Iraker die
Zukunft in die eigene Hand nähmen. Der frühere
Außenminister Colin Powell und der Befehlshaber der
US-Streitkräfte im Irak, General John Abizaid, stimmten darin
überein, dass neue Truppen diesen Prozess nur verzögern
würden, sagte Kennedy und fügte hinzu: «Derzeit sind
wir eine Krücke für die Iraker, und unsere Soldaten bezahlen
den Preis dafür.»
(Quelle: ap)
Blairs Außenpolitik ohne Einfluss auf Washington
Mi.20.12.06 - Großbritanniens Premierminister Tony Blair hat nach einer Analyse
des renommierten britischen Think Tanks Chatham House keinerlei Einfluss
auf die Außenpolitik von US-Präsident George W. Bush. "Der
größte Misserfolg von Tony Blairs Außenpolitik war
ihre Unfähigkeit, die Bush-Regierung in entscheidender Weise zu
beeinflussen, trotz der militärischen, politischen und
finanziellen Opfer, die das Vereinigte Königreich gebracht hat",
heißt es in einem Bericht des auf Außenpolitik
spezialisierten Londoner Instituts.
"Die nach dem 11. September getroffene Entscheidung, im Irak
einzumarschieren, war ein schwerwiegender Fehler, und das derzeitige
Debakel wird viele Jahre lang politisch widerhallen", heißt es in
dem vom scheidenden Institutsdirektor Victor Bulmer-Thomas verfassten
Bericht. Es sei falsch gewesen, den Krieg mit dem Argument zu
rechtfertigen, der damalige irakische Präsident Saddam Hussein habe
Massenvernichtungswaffen besessen. Das Urteil, ob Blair mit dieser
Behauptung übertrieben habe, stehe noch aus.
Blair habe "auf harte Weise gelernt", dass "Loyalität in der
internationalen Politik wenig zählt", analysiert Bulmer-Thomas.
Während die Beziehungen zu den USA für Großbritannien
als "speziell" bezeichnet würden, hätten die USA sie nie mehr
als "eng" genannt. Chatham House empfiehlt der britischen Regierung,
sich stärker auf die Entwicklung enger Beziehungen zu den anderen
europäischen Staaten zu konzentrieren, anstatt "bedingungslose
Unterstützung" für die US-Außenpolitik zu gewähren.
(Quelle: afp)
UN-Generalsekretär Annan scheidet mit Kritik an US-Politik aus dem
Amt - 'Irak-Krieg war schlimmster Moment'
Mi.20.12.06 - Mit Kritik an den USA hat sich UN-Generalsekretär Kofi Annan aus
dem Amt verabschiedet. Der "schlimmste Moment" seiner zehnjährigen
Amtszeit sei der Irak-Krieg gewesen, von dem die Vereinten Nationen die
USA trotz aller Anstrengungen nicht hätten abhalten können,
sagte Annan auf seiner letzten Pressekonferenz als
Generalsekretär. Annan riet den USA dringend von einem
militärischen Vorgehen gegen den Iran nach Vorbild des Irak-Kriegs
ab. Dies wäre "katastrophal", sagte er. Angesichts der Lage in der
sudanesischen Krisenregion Darfur mahnte Annan ein rasches Eingreifen
der internationalen Gemeinschaft an.
Der scheidende Generalsekretär ging auch auf den
Korruptionsskandal um das Irak-Programm "Öl gegen Lebensmittel"
während seiner Amtszeit ein. In dem Fall habe es "einiges
Missmanagement" gegeben, räumte er ein. Es seien wohl auch
"mehrere UN-Mitarbeiter" in den Skandal verwickelt. Er hoffe aber, dass
die Affäre nicht die Errungenschaften der Vereinten Nationen etwa
beim Schutz der Menschenrechte und beim Kampf gegen die Armut in den
Schatten stelle. Ein weiterer "schmerzhafter Moment" sei der
Bombenanschlag auf die UN-Mission in Bagdad gewesen, bei dem im Sommer
2003 insgesamt 22 Menschen starben, sagte Annan.
Den Vereinten Nationen trug Annan auf, die humanitäre Krise in der
sudanesischen Region Darfur zu lindern. "Ich hoffe, dass es im
kommenden Jahr einen UN-Einsatz vor Ort geben wird, der dem leidenden
Volk von Darfur effektiv Sicherheit und Schutz bringt." Der
frühere schwedische Außenminister Jan Eliasson, den er am
Vortag zum Sudan-Beauftragten ernannt habe, werde weltweit mit den
Regierungen zusammenarbeiten und eine Lösung anmahnen.
Annan wird sein Amt offiziell zum Jahreswechsel abgeben. Sein
Nachfolger ist der frühere südkoreanische Außenminister
Ban Ki Moon. Der aus Ghana stammende UN-Diplomat Annan hatte sein Amt
1997 mit klarer Rückendeckung der USA angetreten. Das
Verhältnis zwischen dem Generalsekretär und der Weltmacht
verschlechterte sich in den vergangenen Jahren deutlich. Vor allem
Annans unablässige Kritik am Irak-Einsatz hatte die Beziehungen
abkühlen lassen. Auch in Bezug auf den Umgang der USA mit
Terrorverdächtigen und die geplante Reform der Weltorganisation
bestanden deutliche Meinungsunterschiede.
(Quelle: afp)
USA und Nordkorea sprechen direkt miteinander
Mi.20.12.06 - Die Finanzsanktionen der USA gegen die Regierung in Pjöngjang
standen am Dienstag im Mittelpunkt bilateraler Gespräche über
das nordkoreanische Atomprogramm. Washington hatte im vergangenen Jahr
Strafmaßnahmen gegen Nordkorea verhängt, weil die Regierung
an Geldfälschung und Geldwäsche beteiligt sein soll. Wegen
dieser Sanktionen boykottierte Nordkorea dann 13 Monate lang die
Sechs-Parteien-Gespräche über sein Atomprogramm, die am
Montag in Peking wieder aufgenommen wurden.
Nordkorea erklärte sich zur Rückkehr an den Verhandlungstisch
bereit, nachdem die USA zugesagt hatten, auch über die
Finanzsanktionen zu sprechen. Nordkorea schließt eine Einstellung
seiner nuklearen Aktivitäten aus, solange die UN-Sanktionen und
die US-Finanzrestriktionen in Kraft sind. Washington macht dagegen ein
Ende des nordkoreanischen Atomprogramms zur Vorbedingung für eine
Normalisierung der Beziehungen.
Neben den USA und Nordkorea nehmen auch Südkorea, Russland, China
und Japan an den Verhandlungen in Peking teil. Die Vertreter
Pjöngjangs kamen am Dienstag mit den Delegationen fast aller
anderen Länder zu direkten Gesprächen zusammen. Japan, das
besonders hart auf den ersten Atomtest Nordkoreas im Oktober reagiert
hatte, gehörte aber nicht dazu.
Zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde hatte Nordkorea am Montag wenig
Verhandlungsbereitschaft erkennen lassen und Forderungen nach einer
Aufhebung aller Sanktionen sowie Unterstützung im Energiesektor
erhoben. Nach Angaben aus südkoreanischen Delegationskreisen gab
es kleinere Fortschritte in den Gesprächen. Einzelheiten wurden
aber nicht genannt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Neues Blutvergießen bei Kämpfen zwischen Hamas und Fatah -
Palästinenser einigen sich erneut auf Waffenruhe
Mi.20.12.06 - Nach einem blutigen Tag mit sechs Toten im Gazastreifen haben sich die
rivalisierenden Palästinensergruppen Hamas und Fatah am Dienstag
zum zweiten Mal binnen zwei Tagen auf eine Waffenruhe verständigt.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kündigte in Ramallah
im Westjordanland an, dass noch am Abend im Gazastreifen eine
"vollständige Waffenruhe" in Kraft trete. Angesichts
bürgerkriegsähnlicher Zustände im Gazastreifen hatten
der Fatah-Chef und der zur Hamas gehörende Ministerpräsident
Ismail Hanija die Palästinenser zuvor zum Gewaltverzicht
aufgerufen, um die nationale Einheit zu wahren.
Nach Inkrafttreten des neuen Waffenstillstandsabkommens würden
keine Bewaffneten mehr zu sehen sein, es werde keine Schüsse mehr
geben und keine "chaotischen Militäraufgebote", versprach Abbas.
Hanija bestätigte das Inkrafttreten einer neuen Waffenruhe.
Fatah und Hamas hatten sich bereits am Sonntagabend auf eine Waffenruhe
geeinigt. Sie reagierten damit auf heftige Gewalt, die durch Abbas'
Ankündigung vorgezogener Neuwahlen am Samstag ausgelöst
worden war. Seitdem kamen elf Menschen ums Leben; zahlreiche weitere
wurden vorübergehend entführt. Am Dienstagabend wurde ein
wenige Stunden zuvor im Westjordanland entführter
Hamas-Funktionär auf freien Fuß gesetzt. Seine
Entführer hätten ihn geschlagen und gesagt, sie gehörten
der Fatah an, berichtete der 40-jährige Mohammed el Charuf nach
Angaben von Sicherheitskräften.
Der palästinensische Innenminister Said Siam kündigte am
Abend Maßnahmen an, um die Gewalt zu beenden. "Bewaffnete
Männer" dürften nicht mehr auf den Straßen des
Gazastreifens fahren, sagte Siam an der Seite von Sicherheitsbeamten im
palästinensischen Fernsehen. Die Mitglieder der Hamas-treuen
Spezieleinheit unter seinem Kommando würden sich auf die
Positionen zurückziehen, auf denen sie sich vor Beginn der
Kämpfe am Samstag befunden hätten. Die Straßensperren
würden aufgehoben; die Entführten würden von beiden
Seiten freigelassen.
Hamas und die Fatah lieferten sich am Dienstagmorgen eine
Schießerei vor einem Krankenhaus in Gaza. Mindestens drei
Menschen kamen ums Leben, fast 20 wurden verwundet. Unter den
Verletzten befanden sich auch fünf Kinder, die auf dem Weg zur
Schule ins Kreuzfeuer der verfeindeten palästinensischen Gruppen
gerieten.
Die Schießerei begann, als ein Mitglied des Fatah-dominierten
Geheimdienstes wegen eines Beinbruchs in die Schifa-Klinik eingeliefert
werden sollte. Milizionäre der Hamas, die die Klinik bewachten,
wollten die bewaffneten Begleiter des Patienten nicht einlassen und
versuchten, diese festzunehmen. Kurz darauf schossen beide Seiten
aufeinander. Dabei wurden ein Hamas-Polizist sowie zwei
Sicherheitsbeamte der Fatah getötet. Die Hamas meldete ferner die
Entführung eines ihrer Aktivisten.
Die Kämpfe breiteten sich auch auf andere Gebiete von Gaza aus,
wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Das Hauptquartier des
palästinensischen Geheimdienstes wurde mit Mörsern und
Granaten angegriffen. Ferner wurde das Auto des Gouverneurs des
nördlichen Gazastreifens beschossen. Der Fatah-Politiker Ismail Abu
Schamallah blieb jedoch unverletzt.
Auch an der Residenz von Präsident Mahmud Abbas fielen
Schüsse. Maskierte Angreifer feuerten auf Wachen an einem
Kontrollposten. Allerdings hielt sich Abbas nicht in Gaza, sondern in
Ramallah im Westjordanland auf.
Israelische Soldaten töteten am Dienstag im Westjordanland einen
gesuchten Palästinenser. Zwei weitere mutmaßliche Extremisten
wurden verletzt festgenommen, wie die Streitkräfte mitteilten. Die
Männer waren demnach in einem Auto in Nablus unterwegs. Als sie
versuchten zu fliehen, begannen die Soldaten zu schießen. Bei dem
Getöteten handele es sich um ein 24-jähriges Mitglied der
Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, teilte diese Gruppe mit.
(Quellen: afp, ap)
Bulgarische Krankenschwestern in Libyen zum Tode verurteilt
Mi.20.12.06 - Im Berufungsprozess um die angebliche Ansteckung libyscher Kinder mit
Aids sind die sechs Angeklagten - fünf bulgarische
Krankenschwestern und ein palästinensischer Arzt - zum Tode
verurteilt worden. Das Berufungsgericht in Tripolis bestätigte
damit ein Todesurteil aus erster Instanz aus dem Jahr 2004. Die sechs
Verurteilten wollen nun Berufung einlegen. Sie würden den Obersten
Gerichtshof Libyens als letzte Instanz anrufen, sagte der Verteidiger
Othman El Bisanti. Die EU-Kommission zeigte sich angesichts des Urteils
"schockiert".
Das Oberste Gericht hatte im Dezember vergangenen Jahres der
Berufungsklage stattgegeben, weil die Vorinstanz entlastende Aussagen
ausländischer Aids-Experten nicht berücksichtigt habe. Auch
eine neue wissenschaftliche Studie entlastete die Angeklagten. Den
Krankenschwestern wurde vorgeworfen, 426 Kindern in einem Krankenhaus
bewusst HIV-verseuchte Transfusionen verabreicht zu haben. Mehr als 50
Kinder sind seitdem an Aids gestorben. Drei der Angeklagten sagten aus,
ihre Geständnisse seien durch Folter erzwungen worden. Der Fall
hatte starke internationale Proteste hervorgerufen.
In Paris sagte der gleichfalls für die Angeklagten tätige
französiche Anwalt Emmanuel Altit, der Prozess sei "weder
gesetzmäßig noch gerecht" gewesen. "Alle Tatsachen, die die
Unschuld der Krankenschwestern belegen, wurden nicht in Betracht
gezogen", sagte er.
"Ich bin schockiert über diese Entscheidung, es ist eine
große Enttäuschung", sagte EU-Justizkommissar Franco Frattini
in Brüssel. Er forderte die Regierung in Tripolis auf, die
Entscheidung zu widerrufen. Frattini sprach von einer
"gefährlichen Geste", die "ein Hindernis" für die
Zusammenarbeit des nordafrikanischen Landes mit der Europäischen
Union darstelle.
Sollte das Urteil vollstreckt werden, wäre dies ein
Rückschlag in den Beziehungen Libyens zu Europa: Das Land hatte mit
der EU eine Zusammenarbeit im Kampf gegen die illegale Einwanderung
vereinbart. Auch die Bundesregierung wollte sich nach der Übernahme
der EU-Ratspräsidentschaft am 1. Januar für eine weitere
Annäherung an Libyen einsetzen.
Einer der 18 Beobachter Bulgariens im Europaparlament, Ewgeni Kirilow,
forderte in dem Fall umgehend "ein stärkeres politisches Vorgehen"
der EU. Bulgarien tritt der Europäischen Union zum 1. Januar bei.
(Quelle: afp)
Chávez strebt sozialistische Einheitspartei in Venezuela an
Mi.20.12.06 - Die politische Organisation des venezolanischen Präsidenten Hugo
Chávez, die Bewegung Fünfte Republik (MVR), hat den Weg
für die Bildung einer Einheits-Regierungspartei frei gemacht. Auf
einer ordentlichen Sitzung beschloss sie ihre Auflösung, um die vom
Staatschef und Parteivorsitzenden Chávez in der vergangenen
Woche angekündigte Bildung der neuen Partei zu erleichtern. Diese
soll nach Chávez' Vorstellungen unter dem Namen Vereinte
Sozialistische Partei Venezuelas den Weg zum "Sozialismus des 21.
Jahrhunderts" ebnen. Dabei hatte der venezolanische Präsident auch
die anderen ihn unterstützenden Parteien aufgefordert, der neuen
Einheitspartei beizutreten.
MVR-Geschäftsführer Willian Lara kündigte an, die Partei
werde Anfang des kommenden Jahres vor dem Nationalen Wahlrat offiziell
ihre Auflösung bekanntgeben. Die Vereinte Sozialistische Partei
soll davor gegründet werden. Insgesamt unterstützen 21
Parteien und politische Gruppierungen Präsident Chávez,
konkret zu den Vereinigungsplänen geäußert hat sich
zunächst allerdings keine davon. Lediglich die Kommunistische
Partei kündigte an, in einer Sitzung des Zentralkomitees einen
möglichen Beitritt zur neuen Chávez-Partei zu prüfen.
Kritiker werfen Chávez vor, er wolle die Pluralität in
Venezuela einschränken. Dem widersprach Lara: Lediglich die
Regierungsparteien sollten in einer einzigen Bewegung zusammengefasst
werden; die Opposition werde weiterhin aus verschiedenen Gruppierungen
bestehen. "In Venezuela wird es weiterhin ein Mehrparteiensystem geben.
Es ist lediglich nötig, dass wir Revolutionäre uns
vereinigen", sagte Lara.
(Quelle: afp)
EU-Bürger laut Umfrage gegen Türkei als Bündnismitglied
Mi.20.12.06 - Nur 16 Prozent der Deutschen können sich einer Umfrage zufolge die
Türkei als EU-Mitglied vorstellen. Europaweit votieren immerhin 28
Prozent für einen Beitritt der Türkei. Dies geht aus dem
nationalen Bericht der Eurobarometer-Umfrage hervor, den die Vertretung
der Europäischen Kommission in Deutschland am Dienstag in Berlin
vorstellte. Kürzlich hatten die EU-Außenminister nach
monatelangem Streit mit der Türkei über Zypern die
Beitrittsverhandlungen mit Ankara eingeschränkt.
Acht der 35 Verhandlungskapitel sollen unter Verschluss bleiben, bis
die Türkei ihre Häfen und Flughäfen für Schiffe und
Flugzeuge aus dem EU-Staat Zypern öffnet. Der Umfrage zufolge sind
93 Prozent der Deutschen (85 Prozent aller Europäer) davon
überzeugt, dass die Türkei vor einem Beitritt erst weit
reichende Verbesserungen auf dem Gebiet der Menschenrechte erreichen
muss. Dem stimmen auch 73 Prozent der Befragten in der Türkei zu.
Darüber hinaus erwartet die große Mehrheit sowohl in
Deutschland als auch in Europa, dass die Türkei noch weitere
Fortschritte auf wirtschaftlichem Gebiet erreichen muss. Befürchtet
wird vermehrte Einwanderung aus der Türkei in andere
Mitgliedstaaten. Zudem erklären die meisten, die kulturellen
Unterschiede würden dagegen sprechen.
Auch die anderen Kandidaten haben einen schweren Stand. Die EU
verhandelt derzeit neben der Türkei auch mit Kroatien. Mazedonien
hat ebenfalls einen Kandidatenstatus. Langfristig hat das Bündnis
auch Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Albanien einen
Beitritt in Aussicht gestellt.
Skeptisch sehen die deutschen Befragten auch den Beitritt Bulgariens
und Rumäniens zum Jahreswechsel. 56 Prozent sind gegen einen
Beitritt Bulgariens, sogar 64 Prozent gegen den Rumäniens.
Knapp zwei Wochen vor Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft
durch die Bundesregierung wissen 59 Prozent der Deutschen nichts davon.
Allerdings glauben 70 Prozent der Befragten, dass der Ratsvorsitz
für Deutschland von großer Bedeutung ist - unabhängig
davon, ob sie bisher davon gehört haben oder nicht. Die
sechsmonatige deutschen EU-Ratspräsidentschaft beginnt am 1. Januar.
Laut Umfrage halten 40 Prozent Deutschen eine gemeinsame
europäische Verfassung für hilfreich im Hinblick auf die
weitere europäische Entwicklung, europaweit sind 53 Prozent
dafür. Auch in den Niederlanden (59 Prozent) und in Frankreich (56
Prozent) hat eine Mehrheit eine positive Einstellung zur
Europäischen Verfassung. Beide Länder hatten die Verfassung in
Referenden abgelehnt. Es wird erwartet, dass der Prozess bis zur
Präsidentschaftswahl in Frankreich kommenden Mai auf Eis liegen
wird. Kanzlerin Angela Merkel strebt eine Lösung bis zur Europawahl
2009 an.
Die Themen Kampf gegen den Terrorismus, Energiepolitik und Umweltschutz
sind für die Mehrheit der Befragten in Europa internationale
Themen. 40 Prozent erkennen in der Globalisierung eine Chance für
Unternehmen, neue Märkte zu erschließen.
Die Daten wurden zwischen dem 8. September und dem 4. Oktober von dem
Konsortium TNS Opinion & Social erhoben. Das Eurobarometer erfasst
30 Länder: die 25 Mitgliedstaaten, die zwei Beitrittskandidaten
Bulgarien und Rumänien sowie die zwei Bewerberländer Kroatien
und Türkei und den nördlichen Teil der Insel Zypern.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.eu-kommission.de/
EU-Grenzwert für Verunreinigung von Bio-Ware unwahrscheinlich
Mi.20.12.06 - Ein Grenzwert für die Verunreinigung von Bio-Produkten durch
genetisch veränderte Pflanzen ist auf EU-Ebene offenbar nicht
durchzusetzen: Die EU-Landwirtschaftsminister verständigten sich
am Dienstag auf Grundlinien einer neuen Ökolandbau-Verordnung, die
keinen festen Grenzwert vorsehen. Vereinbart wurde lediglich, dass die
Verunreinigung «möglichst gering» gehalten werden
sollte, wie aus Diplomatenkreisen verlautete.
Gegen eine eindeutige Obergrenze hatte sich unter anderem
EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel ausgesprochen. Ein
Grenzwert wäre eine erhebliche Belastung für Öko-Bauern,
sagte Fischer Boel den Agrarministern. Bio-Bauern müssten
erhebliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, um ihre Pflanzen
vollständig vor einer Mischung mit gentechnisch veränderten
Feldfrüchten zu schützen, argumentierte die EU-Kommissarin.
Zudem wäre es sehr aufwändig, die Einhaltung eines Grenzwerts
zu kontrollieren.
Bei den Beratungen geht es um eine Überarbeitung der EU-Verordnung
für den Ökolandbau. Deutschland und einige andere
Mitgliedstaaten hatten sich dafür ausgesprochen, bei dieser
Gelegenheit Grenzwerte für die Verunreinigung durch genetisch
veränderte Organismen festzulegen.
Nach den Beratungen der Minister ist nun das EU-Parlament am Zug.
Sollte es sich für strengere Vorschriften aussprechen, so
könnte dies auch die Verhandlungen im Rat beeinflussen.
(Quelle: ap)
Deutsche Städte planen 'Krisengipfel' zur Heroin-Abgabe
Mi.20.12.06 - Im anhaltenden Streit um die Fortführung der Heroin-Abgabe an
hunderte Schwerstabhängige erhöhen die Kommunen den Druck auf
die große Koalition. Nach Informationen der "Saarbrücker
Zeitung" planen die Städte Köln, Bonn, Frankfurt/Main,
München, Karlsruhe, Hannover und Hamburg im Februar einen
"Krisengipfel" zur Heroin-Therapie. Angesichts der Erfolge der
Behandlungen mit Diamorphin, einem synthetischen Heroin, wollen die
Kommunen das bis Juli 2007 begrenzte Programm weiterführen. Eine
Verlängerung scheiterte bislang am Widerstand der
CDU/CSU-Gesundheitspolitiker im Bundestag.
Bei ihrem Treffen wollen die Städte zugleich die Bundesländer
auffordern, möglichst schnell eine entsprechende Initiative im
Bundesrat zur Fortführung der Heroin-Abgabe einzubringen. Die
Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD),
begrüßte den Vorstoß der Städte. "Die Union muss
sich jetzt überlegen, ob sie den Willen ihrer eigenen Kommunen
weiter ignoriert", sagte Bätzing der Zeitung. Die Entscheidung der
Koalition, die Programme zur Heroinabgabe an Schwerstabhängige
auslaufen zu lassen, war auch von Linkspartei und Grünen heftig
kritisiert worden.
(Quelle: afp)
Immer mehr Krankenkassen erhöhen Beiträge
Mi.20.12.06 - Die Welle der Beitragserhöhungen bei den Krankenkassen rollt
weiter. Die drei Allgemeinen Ortskrankenkassen Bayern Rheinland/Hamburg
und Saarland kündigten am Dienstag an, ihre Sätze um bis zu
0,9 Prozentpunkte anzuheben. Etwas günstiger kommen die
Versicherten der Gmünder Ersatzkasse (GEK) weg, wo der Beitrag nur
um 0,3 Punkte steigt. Zwischen den Krankenkassen werden inzwischen rund
zehn Prozent der Beitragseinnahmen umverteilt.
Die AOK Bayern begründete ihre Steigerung um 0,9 Punkte auf 14,5
Prozent des Bruttolohns mit einem geringeren Bundeszuschuss, der
höheren Mehrwertsteuer und der allgemeinen Teuerung. Sprecher
Michael Leonhart sagte: «Letztendlich handelt es sich im
Vergleich zu anderen Kassen um eine moderate Erhöhung.» Im
laufenden Jahr erwartet die AOK Bayern einen Überschuss von neun
Millionen Euro. Mit 4,1 Millionen Versicherten ist sie die
größte Kasse im Freistaat.
Die AOK Rheinland/Hamburg, die ab Januar 14,3 Prozent verlangen will,
beklagte in ihrer Mitteilung die generell schwachen Einnahmen und die
Steigerung der Kosten wegen der alternden Bevölkerung und der sich
weiter entwickelnden Medizin. Die Kasse hat mehr als drei Millionen
Mitglieder. Im Saarland steigen die Beiträge von 14,6 auf 15,8
Prozent, wie die Kasse mitteilte.
Auch die Techniker Krankenkasse hatte am Montag eine Steigerung um 0,3
Prozentpunkte bekannt gegeben. Die AOK Niedersachsen will von ihren
Versicherten 0,6 Prozentpunkte mehr verlangen. Einige Allgemeine
Ortskrankenkassen planen laut «Frankfurter Rundschau» sogar
Beitragssprünge bis zu 1,6 Punkte auf teils mehr als 16 Prozent
des Bruttoeinkommens.
GEK-Verwaltungsratschef Ludwig Huber erklärte, eine solide und
langfristige Kassenführung erlaube keine andere Entscheidung. Auch
diese gesetzliche Versicherung führte die Erhöhung auf die
Mehrwertsteuer, teurere Behandlungen und den gekürzten
Bundeszuschuss zurück.
Auch im kommenden Jahr können die GEK-Versicherten wohl nicht auf
eine Entlastung hoffen: «Leider lässt die geplante
Gesundheitsreform für 2007 keine spürbare Entlastung auf der
Kostenseite erwarten», erklärte die GEK, die etwa 1,5
Millionen Versicherte hat.
Wie der Bundesverband der Betriebskrankenkassen unterdessen mitteilte,
stieg der Finanzausgleich zwischen den Kassen im laufenden Jahr auf
14,55 Milliarden Euro und ist damit gut doppelt so hoch wie der
Länderfinanzausgleich.
Der Risikostrukturausgleich, der die unterschiedlichen Einkommen und
Krankheitsrisiken bei Versicherten verschiedener Kassen zum
Großteil ausgleicht, hatte bei seiner Einführung 1995 ein
Volumen von 8,94 Milliarden Euro. In diesem Jahr flossen den Angaben
zufolge allein 3,55 Milliarden Euro von West nach Ost. Die Allgemeinen
Ortskrankenkassen erhalten über den Ausgleich 12,98 Milliarden
Euro; Zahler sind die Betriebskrankenkassen (8,74 Milliarden Euro) und
die Angestellten-Ersatzkassen (4,2 Milliarden Euro).
(Quelle: ap)
Hamburg und Berlin investieren am meisten ins Bildungssystem
Mi.20.12.06 - Die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen investieren
überdurchschnittlich viel Geld in ihre Bildungseinrichtungen.
Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und
Brandenburg hinken dagegen bei den Bildungsausgaben hinterher. Das geht
aus einem am Dienstag vom Rheinisch-Westfälischen Institut für
Wirtschaftsforschung (RWI) vorgestellten Bericht über das
Bildungssystem in Deutschland hervor.
Ernüchterndes Fazit: Selbst in den führenden deutschen
Bundesländern liegt der Anteil der Hochschulabsolventen an der
Gesamtbevölkerung unter dem Durchschnitt der entwickelten
Industrienationen - und er sinkt offenbar weiter. Das RWI hatte für
seine Studie die aktuellsten verfügbaren Daten zum deutschen
Bildungssystem verwendet - die zum Teil allerdings mehrere Jahre alt
sind.
Danach gab im Jahr 2003 Hamburg mit 8.400 Euro pro Kopf das meiste Geld
für seine Schüler und Studierenden aus. Die rote Laterne hatte
Nordrhein-Westfalen: Das bevölkerungsreichste Bundesland brachte
gerade einmal 6.500 Euro pro Kopf auf. Der Bundesdurchschnitt lag bei
7.000 Euro. Mit hohen Bildungsausgaben glänzten neben den
Stadtstaaten vor allem Bayern und Baden-Württemberg.
Doch nicht nur bei den Bildungsausgaben, auch bei den Schwerpunkten der
Bildungspolitik gibt es offenbar sehr große Unterschiede zwischen
den Bundesländern. So glänzte Nordrhein-Westfalen trotz
niedriger Bildungsausgaben mit der niedrigsten Quote von
Schulabbrechern. Nur 6,9 Prozent der Schüler verließen hier
im Schuljahr 2002/2003 die Schule ohne Hauptschulabschluss. In Sachsen
Anhalt lag die Quote mehr als doppelt so hoch.
Den höchsten Anteil an Abiturienten hatte dagegen mit 28 Prozent
Brandenburg, vor Hessen und Thüringen. Am Ende der Skala rangierte
hier Bayern, wo nicht einmal jeder fünfte Schüler die
allgemeine Hochschulreife erwarb.
Besorgnis erregend für die Wirtschaftsforscher: Der im
internationalen Vergleich ohnehin zu niedrige Anteil der
Hochschulabsolventen an der Bevölkerung sinkt offenbar. Lag er 2004
bei den 35- bis 44-Jährigen noch bei 27 Prozent, so sank dieser
Wert in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen auf nur noch 23
Prozent. Zum Vergleich: Der OECD-Durchschnitt liegt bei 34,8 Prozent.
(Quelle: ap)
Kinderkommission plant Verfassungsinitiative
Mi.20.12.06 - Die Kinderkommission des Bundestags will die Rechte von Kindern im
Grundgesetz verankern und plant dazu eine Verfassungsinitiative. Anfang
2007 solle ein entsprechender interfraktioneller Gesetzentwurf gestartet
werden, teilte die Bundestagsverwaltung am Dienstag in Berlin mit. Die
Kommission sei durch eine Expertenanhörung darin bestärkt
worden, dass eine solche Verfassungsänderung erforderlich und die
Zeit hierfür reif sei.
Die Kinderkommission hofft nach eigenem Bekunden auf breite
Unterstützung der geplanten Initiative. Im Vorfeld hatte bereits
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihre Sympathie
für einen solchen Schritt bekundet und betont, es gebe spezifische
Rechte in der Kindheit, «die nicht selbstverständlich mit
allgemeinen Menschenrechten abgegolten sind».
(Quelle: ddp)
Unionspolitiker fordern schärferes Vorgehen gegen Arbeitslose
Mi.20.12.06 - In der Diskussion um den Arbeitslosen Henrico Frank haben sich
Unionspolitiker für eine härtere Gangart ausgesprochen. Der
wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion Laurenz Meyer sagte
der «Bild»-Zeitung: «Das Verhalten von Henrico Frank
ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die wirklich Arbeit suchen.
Wenn er angebotene Arbeit ablehnt, muss die Unterstützung
gekürzt werden.» Frank hatte ein für Dienstag geplantes
Treffen mit SPD-Chef Kurt Beck abgesagt, der ihm mehrere Stellenangebote
übermittelte.
Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des
Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs (CDU): «Der Fall
zeigt klar, unsere Systeme sind nicht scharf genug. Was wirft das
für ein Licht auf all die anderen Arbeitslosen!» Beck hatte
dem Arbeitslosen acht Stellenangebote übermitteln lassen. Der
gelernte Baufacharbeiter, der nach eigenen Worten seit sechs Jahren
arbeitslos ist, hatte den rheinland-pfälzischen
Ministerpräsidenten auf dem Weihnachtsmarkt in Wiesbaden wegen der
Hartz-IV-Gesetze angegriffen. Daraufhin hatte der SPD-Chef ihn
aufgefordert, sich zu waschen und zu rasieren, dann werde er auch Arbeit
bekommen. Zugleich hatte er ihm versprochen, bei der Arbeitssuche zu
helfen.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel nannte den gesamten Vorgang in der
«Bild»-Zeitung eine «schäbige Posse». Beck
bedankte sich dem Blatt zufolge bei den Unternehmen, die dem Mann Arbeit
angeboten hatten. Er habe seinen Teil der Zusage erfüllt. Der
SPD-Vorsitzende sagte weiter: «Ich hoffe, dass Herr Frank jetzt
Arbeit findet. Es ging mir darum, ihm zu helfen - und nicht um eine
politische Demonstration.»
Eine Vertreterin der Mainzer Staatskanzlei erklärte am Montag,
zwei Mitarbeiter seien nach Wiesbaden zu Franks Wohnung gefahren. Sie
hätten geklingelt, aber er sei nicht da gewesen. Daraufhin
hätten sie das Schreiben mit den Stellenangeboten unter Zeugen in
den Briefkasten geworfen.
Bei einer improvisierten Pressekonferenz in Wiesbaden trat Frank dann
zwar auf, lehnte aber jede persönliche Stellungnahme ab. Statt
seiner sagte die Vorsitzende des Wiesbadener Hartz-IV-Forums, Brigitte
Vallenthin, die Jobangebote würden geprüft und dann bewertet.
Sie bekräftigte, der 37 Jahre alte und seit sechs Jahren
arbeitslose gelernte Baufacharbeiter habe im Rahmen seiner
ehrenamtlichen Tätigkeit für das Forum einen Termin mit den
christlichen Kirchen und sei daher verhindert gewesen.
(Quelle: ap)
115 - Die Nummer gegen Behördenkummer
Mi.20.12.06 - Bald gibt es eine Nummer gegen Behördenkummer: Von März an
sollen Bürger unter der Servicehotline 115 ihrem Ärger
über Ämter und Verwaltungen Luft machen können.
Bundesweit soll die 115 sieben Tage die Woche rund um die Uhr für
Beschwerden oder Fragen erreichbar sein. Die Bundesregierung
begrüßte entsprechende Vorschläge aus Ländern und
Kommunen; ein Konzept des Instituts für Interdisziplinäre
Studien zu Politik, Recht, Administration und Technologie (ISPRAT) liegt
bereits vor. Vorbild ist der Bürgerservice 311 in mehr als 20
US-Städten.
Die öffentliche Verwaltung in Deutschland sei aus Sicht der
Bürger und der Wirtschaft stark zersplittert, erklärte ISPRAT,
dessen Schirmherrschaft beim hessischen Ministerpräsidenten Roland
Koch liegt. Zuständigkeiten seien über verschiedene
Behörden verteilt, einheitliche Gesprächspartner nicht
vorhanden. Lösung des Problems sei eine Servicehotline nach dem
Vorbild der Rufnummer 311 in den USA: Diese bilde eine einheitliche
Plattform für den Zugang von Bürgern und Wirtschaft zur
Verwaltung, zur Integration von Verwaltungsdienstleistungen und zur
Steuerung von Ressourcen.
Besonders konsequent wurde die Hotline 311 in New York umgesetzt: Rund
um die Uhr wird jeder Anruf binnen 30 Sekunden entgegengenommen. Den
Anrufern werden Auskünfte gegeben, Fragen werden beantwortet,
Fälle entgegengenommen, oder die Bürger werden
weitervermittelt. Die Dienstleistung wird in verschiedenen Sprachen
angeboten. Täglich wird der Service, den Bürgermeister Michael
Bloomberg 2003 einführte, von 43.000 Menschen genutzt.
In Deutschland ist die Hotline nach Einschätzung des
Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) nicht sofort einsetzbar.
BDI-Sprecher Carsten Rolle verwies dabei am Dienstag im
ZDF-Morgenmagazin auf New York: Dort habe die Einführung der
Servicerufnummer ein Jahr gedauert, «bei uns mit unseren
föderalen Strukturen wird es noch länger dauern». Am
besten sei es, wenn man mit einigen Pilotprojekten beginne. Wichtig sei
auch, die Mitarbeiter gut zu Schulen: «Ansonsten bringen solche
Callcenter nicht den gewünschten Effekt», meinte Rolle.
Grundsätzlich könne der Bürger durch die Hotline
«besser durch den Behördendschungel geleitet werden»,
sagte Rolle. «Die öffentliche Verwaltung würde dadurch
moderner und attraktiver - also genau das, was gerade auf dem IT-Gipfel
in Potsdam gefordert worden ist», betonte Rolle. Im Idealfall
könnten bestimmte Dienste schon von Callcentern übernommen
werden.
Kritik an der Einführung der 115 kam von den Grünen:
Fraktions- Geschäftsführer Volker Beck sagte der
«Netzeitung», die Bürger blieben auch mit dieser
Hotline «im Gestrüpp föderaler Strukturen
hängen», wenn sich die Verwaltungsstrukturen nicht
veränderten. «Was nützt es, am Wochenende eine zentrale
Nummer anzurufen, wenn aber die kommunale Stelle geschlossen
ist?», fragte er.
(Quelle: ap)
Gesundheit
Druck auf eine Schnittwunde stoppt die Blutung
Mi.20.12.06 - Ein unaufmerksamer Moment, und man hat sich mit dem Küchenmesser
in die Hand geschnitten. «Um die Blutung zu stillen, sollte man
mindestens drei bis fünf Minuten mit dem Finger auf die
Schnittwunde drücken», sagt Klaus Fritz, Sprecher des
Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen. Menschen, die Medikamente
mit dem Wirkstoff ASS, Johanniskraut oder Vitamin D einnehmen,
müssten wegen einer verzögerten Blutgerinnung noch einige
Minuten länger pressen.
Ist die Blutung gestoppt, sollte der Schnitt zum Schutz vor einer
Entzündung desinfiziert werden. «Aus diesem Grund ist es
sinnvoll, immer ein antiseptisches Mittel in der Hausapotheke zu
haben», betont Fritz. Eine verschmutzte Wunde müsse vorher
mit kaltem Wasser ausgewaschen werden. Frische Verletzungen sollten
zudem mit einem Pflaster geschützt werden.
Klafft die Verletzung oder ist der Schnitt besonders tief, sollte ein
Hautarzt, ein Chirurg oder die Notaufnahme im Krankenhaus aufgesucht
werden. «In diesem Fall ist es häufig nötig, die Wunde
zu nähen. Dann heilt sie schneller und vor allem sauberer»,
sagt Fritz.
Egal ob die Verletzung tief oder oberflächlich ist: Nach einer
Schnittwunde sollte man unbedingt ein Blick in den Impfpass werfen.
«Liegt die Tetanusimpfung länger als zehn Jahre zurück,
sollte sie aufgefrischt werden - und zwar noch am selben Tag»,
unterstreicht der Mediziner.
(Quelle: ddp)
Internet
Google und NASA wollen virtuelle Weltraumreisen anbieten
Mi.20.12.06 - Der US-Internetgigant Google will mit Hilfe der
US-Raumfahrtbehörde NASA seinen Kunden künftig virtuelle
Reisen zum Mond und zum Mars anbieten. Dies ist in einem jetzt
unterzeichneten Abkommen zwischen dem Betreiber der weltweit
führenden Online-Suchmaschine und der NASA vorgesehen, wie beide
Seiten mitteilten. Google darf demnach künftig verstärkt
Bilder und Daten der NASA nutzen, um sie der Allgemeinheit zur
Verfügung zu stellen.
So soll es möglich sein, mit Hilfe von Google und der NASA einen
virtuellen Flug über die Mondoberfläche und durch die
Schluchten des Planeten Mars zu unternehmen. Auch sollen die
Google-Nutzer den Flug der US-Raumfähren und der Internationalen
Raumstation ISS in Echtzeit verfolgen und Satellitenbilder zur
Wetterlage betrachten können.
Google und die NASA wollen ihre bereits bestehende Zusammenarbeit auch
noch auf anderen Feldern ausweiten, etwa bei der Lösung von
computerwissenschaftlichen Problemen. Auch will die
Raumfahrtbehörde das Unternehmen mit Daten für dessen
animierte Weltkarte "Google Earth" versorgen. Der Internetriese hatte
bereits vergangenes Jahr angekündigt, im Ames-Wissenschaftszentrum
der NASA in Nordkalifornien eine eigene Großanlage für die
Forschung errichten zu wollen.
(Quelle: afp)