Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertundsechsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Anhänger von Al Sadr beenden Boykott der irakischen Regierung.
Wieder mehr als ein Dutzend Tote bei Anschlag in Bagdad
Fr.22.12.06 - Die Anhänger des radikalen schiitischen Predigers Muktada al Sadr
wollen ihren dreiwöchigen Boykott der irakischen Regierung
beenden. Al Sadr habe ihnen erlaubt, ihre Ämter wieder
auszuüben, verlautete am Donnerstagabend aus der Umgebung des
Geistlichen. Seine Anhänger hatten mit ihrem Boykott von Regierung
und Parlament auf das Treffen von Ministerpräsidenten Nuri
al-Maliki mit US-Präsident George W. Bush in Jordanien reagiert.
Die schiitische Vereinigte Irakische Allianz und die Al-Sadr-Bewegung
seien übereingekommen, die Probleme zu überwinden,
erklärte der Abgeordnete Abdul Karim al Anisi von Al-Malikis
Dawa-Partei. «Innerhalb von zwei Tagen wird die Al-Sadr-Bewegung
in die Regierung und das Parlament zurückkehren.»
Auch während des Besuchs von US-Verteidigungsminister Robert Gates
hat die Gewalt im Irak unvermindert angehalten. In Bagdad sprengte sich
am Donnerstag ein Selbstmordattentäter vor einer Polizeischule in
die Luft. Mindestens 14 Menschen kamen nach Behördenangaben ums
Leben, mehr als 20 wurden verletzt. Gates beriet unterdessen weiter mit
den US-Kommandeuren vor Ort, ob eine vorübergehende Aufstockung der
Truppen sinnvoll wäre, um die prekäre Sicherheitslage in den
Griff zu bekommen.
Am Mittwoch hatten zwei Selbstmordattentäter in Bagdad mindestens
19 Menschen in den Tod gerissen. Unter den Opfern des Anschlags vom
Donnerstag befanden sich mindestes zwei Polizisten. Ferner fiel der
Trainer der olympischen Radsportler einem Attentat zum Opfer. Er wurde
vorige Woche von Bewaffneten aus seinem Haus am Rande der Hauptstadt
entführt und später erschossen, wie die Behörden
mitteilten. Bei neuen Kämpfen wurden auch drei weitere US-Soldaten
getötet.
Das US-Verteidigungsministerium will weitere 99,7 Milliarden Dollar (76
Milliarden Euro) für die Militäreinsätze im Irak und in
Afghanistan beantragen, wie die Nachrichtenagentur AP aus Kreisen des
Pentagons erfuhr. Stimmen Präsident George W. Bush und der Kongress
zu, stiege der Gesamtetat für die Kriege allein in diesem Jahr auf
170 Milliarden Dollar. Insgesamt hat der Krieg im Irak bislang rund 350
Milliarden Dollar gekostet. Rechnet man den Einsatz in Afghanistan und
den Kampf gegen den internationalen Terrorismus hinzu, haben die
US-Steuerzahler laut einer Kongress-Studie bereits 500 Milliarden
Dollar aufgebracht.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 22.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertzweiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.22.12.05 - Saddam Hussein will im Gefängnis geschlagen worden sein +++
Wahlbeteiligung im Irak lag bei 70 Prozent. Irakische Parteien planen
Proteste gegen Parlamentswahl +++ Vorläufige Ergebnisse bei Parlamentswahlen
im Irak: Ethnische und religiöse Teilung des US-besetzten Landes
bekräftigt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Einsatz deutscher Kampfflugzeuge in Afghanistan umstritten
Fr.22.12.06 - Die NATO-Anfrage nach deutschen Tornado-Kampfflugzeugen für die
Luftaufklärung in Afghanistan sorgt in Deutschland für Streit
unter den Fraktionen. Während Vertreter der Unionsparteien den
Einsatz durch das geltende Mandat gedeckt sehen, fordern SPD und
Grüne einen neuen Beschluss des Bundestags. Die Linksfraktion will
einer Ausweitung des Einsatzes der Bundeswehr auf keinen Fall
zustimmen. Die FDP erklärte am Donnerstag, man werde die Bitte der
Allianz zunächst «unvoreingenommen» prüfen.
Das Verteidigungsministerium hält den Einsatz so genannter
Recce-Tornados für denkbar. Ein Sprecher stellte aber klar, es
gebe noch keine Vorfestlegung. Die Entscheidung falle wahrscheinlich
Ende Januar.
Im Gespräch sind nach Informationen der Nachrichtenagentur AP
fünf oder sechs Tornados, für die insgesamt 250 Soldaten
gebraucht werden. Die personelle Obergrenze des deutschen ISAF-Mandats
im Norden und in Kabul von 3.000 Soldaten ist jedoch nahezu
ausgeschöpft. Derzeit sind 2.990 Mann im Einsatz.
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz
(CDU), sagte im Bayerischen Rundfunk, die Tornados würden für
Aufklärungszwecke in ganz Afghanistan gebraucht, vor allem auch im
Süden. «Das Mandat deckt eine solche Möglichkeit
ab», betonte Polenz. Die Erfolge der Bundeswehr im Norden des
Landes dürften nicht dadurch gefährdet werden, dass es im
Süden nicht vorangehe.
Der SPD-Verteidigungspolitiker Hans-Peter Barthels sagte der
«Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Man kann das
machen, aber es bräuchte ein neues Mandat.» Nach seiner
Einschätzung würde dem auch die SPD-Fraktion zustimmen.
«Es ist einfacher, zu einem ergänzenden Mandat zu kommen,
als zu sagen, der Einsatz ist vom bisherigen Mandat gedeckt.»
Nach Einschätzung der FDP wäre ein Einsatz möglich, wenn
nur die Bundeswehr über Fähigkeiten verfügt, die
Lücke in der NATO zu schließen. Die stellvertretenden
Vorsitzenden der FDP-Fraktion Birgit Homburger und Werner Hoyer
erklärten, nun müsse die Bundesregierung darlegen, «ob
und in welchem Umfang gegebenenfalls auch andere Bündnispartner
diese Fähigkeiten bereitstellen könnten und ob die Anfrage
der NATO an Deutschland für die Erfüllung des
ISAF-Gesamtauftrages unabweisbar ist».
Der Verteidigungsexperte der Grünen-Fraktion, Winfried Nachtwei,
sagte der «Netzeitung» zur NATO-Anfrage: «Falls die
Bundesregierung zu einem Ja kommen würde, wäre eine neue
Bundestagszustimmung unverzichtbar.» Seine eher ablehnende
Haltung begründete Nachtwei damit, dass die Anfrage
«deutlich über die bisherigen Mandats-Grenzen hinausgeht,
weil die gewünschte Unterstützung eindeutig auch eine
Kampfunterstützung durch Tornado-Aufklärer einschließen
würde».
Der Vorsitzende der Linksfraktion, Gregor Gysi, sagte im rbb-Inforadio,
Bundeskanzlerin Angela Merkel habe erklärt, dass es einen
Bundeswehr-Einsatz im Süden Afghanistans nur in
Ausnahmefällen geben werde, in denen Hilfe gefragt sei. «Da
kann die Bundesregierung jetzt nicht einfach drehen und sich in die
ziemlich fürchterlichen kriegerischen Auseinandersetzungen im
Süden Afghanistans einbeziehen lassen.» Zumindest müsse
sie dann ein neues Mandat vom Bundestag holen. Seine Fraktion werde
aber gegen eine Ausweitung stimmen, betonte Gysi.
(Quelle: ap)
Sieben Tote bei Bombenanschlägen in Afghanistan
Fr.22.12.06 - Zwei Bombenanschläge in Afghanistan haben am Donnerstag sieben
Menschen das Leben gekostet. Vier Zivilpersonen starben bei der
Explosion eines Sprengsatzes in der Nähe des Flughafens Herat im
Westen des Landes, wie die Polizei mitteilte. Ziel war nach Angaben
eines Sprechers offenbar eine Polizeipatrouille, bei den Todesopfern
handelt es sich um Passanten. Sechs Personen wurden verletzt. In der
südlichen Provinz Chost starben drei Polizisten, als eine am
Straßenrand versteckte Bombe explodierte. Zwei weitere Polizisten
erlitten Verletzungen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinenser und Israelis bereiten Spitzentreffen vor. Trotz
Waffenruhe wieder Kämpfe zwischen Hamas und Fatah in Gaza.
Militante Palästinenser feuern wieder Raketen auf Israel.
Deutschland und Russland für Nahost-Quartett-Sitzung im Januar
Fr.22.12.06 - Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hofft auf ein
Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert noch
in diesem Jahr. Es sei «kein Geheimnis», dass er gern ein
Gespräch noch im Dezember führen würde, erklärte
Abbas auf einer Pressekonferenz mit dem italienischen
Außenminister Massimo D'Alema am Donnerstag in Ramallah. Bei den
Vorbereitungen gebe es Fortschritte, sagte Abbas.
Der amerikanische Präsident George W. Bush unterzeichnete am
Donnerstag ein Gesetz, mit der Finanzhilfen an die Hamas-geführte
palästinensische Regierung blockiert werden. Gleichzeitig wird ein
Fonds über 20 Millionen Dollar (15,2 Millionen Euro) geschaffen,
mit dem Demokratie, Menschenrechte, Pressefreiheit und Frieden zwischen
Israel und den Palästinensern vorangebracht werden sollen. Der
palästinensische Präsident Abbas erhält aber weiterhin
Geld aus den USA. Das neue Gesetz entspricht bereits der Politik des
Weißen Hauses.
In Gaza haben sich Anhänger von Hamas und Fatah in der Nacht zum
heutigen Freitag heftige Gefechte geliefert. Zu den
Straßenkämpfen kam es in der Nähe des Hauses des
palästinensischen Außenministers Mahmud Sahar und des
Amtssitze von Präsident Mahmud Abbas. Abbas hielt sich jedoch
nicht in Gaza auf. Die Gefechte dauerten etwa 20 Minuten, nach Angaben
der Behörden wurde niemand verletzt. Aus Hamas-Kreisen verlautete,
Kämpfer der Organisation hätten versucht, zwei am Vortag
verschleppte Gesinnungsgenossen zu befreien. Dabei sei es zu einer
Schießerei mit den Entführern gekommen, die der Fatah
angehörten.
Eine von militanten Palästinensern abgeschossene Rakete traf am
Donnerstag ein Haus im nördlichen Gazastreifen, dabei wurde ein
zweijähriger Junge verletzt. Nach israelischen Angaben schossen die
Palästinenser in Beit Hanun zwei Geschosse Richtung Israel ab.
Einer der Starts misslang jedoch und die Rakete schlug im Schlafzimmer
eines Hauses in der Nähe ein.
Seit Beginn der Waffenruhe mit Israel im Gazastreifen am 26. November
sind nach israelischen Angaben 40 Raketen im Grenzgebiet eingeschlagen.
Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez drohte am Mittwoch, die
«Politik der Zurückhaltung» werde nicht andauern,
sollten die Raketenangriffe weitergehen. «Israel wird die
Sicherheit seiner Bürger nicht aufs Spiel setzen»,
erklärte Perez. Israel hatte nach der Vereinbarung seine Truppen
aus dem Gazastreifen abgezogen, Militäreinsätze im
Westjordanland jedoch fortgesetzt.
Die radikalislamische Hamas meldete den Tod eines ihrer Mitglieder, das
in der vergangenen Woche schwer verletzt worden war. Der 22-Jährige
hatte Schusswunden erlitten, als die israelische Marine auf ein
palästinensisches Boot feuerte. Die Streitkräfte
erklärten, die Besatzung des Bootes sei möglicherweise in
Schmuggel verwickelt gewesen und habe Warnschüsse missachtet.
Deutschland und Russland wollen im Januar eine Sitzung des
Nahost-Quartetts erreichen, um die Bemühungen um eine
Annäherung zwischen Israel und den Palästinensern zu
unterstützen. Deutschlands Außenminister Frank-Walter
Steinmeier sagte am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem russischen
Kollegen Sergej Lawrow in Moskau: "Wir sind beide der Auffassung, dass
wir ... mit Ehrgeiz daran arbeiten sollten, dass eine Sitzung des
Quartetts baldmöglichst stattfindet, möglichst noch im
Januar." Lawrow sagte, Russland unterstütze die Pläne für
ein baldiges Treffen.
In dem Quartett wollen sich die USA, Russland, die Europäische
Union und die Vereinten Nationen um Fortschritte in der Krisenregion
bemühen. Steinmeier sagte, er habe über das Ziel einer
Wiederbelebung des Quartetts mit dem künftigen
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gesprochen und wolle auch mit den
USA klären, wann eine Sitzung stattfinden solle. Deutschland
vertritt im ersten Halbjahr 2007 die EU im Quartett.
(Quellen: ap, dpa, rtr)
Hunderte Tote bei Kämpfen in Somalia
Fr.22.12.06 - Ungeachtet einer Einigung auf Friedensgespräche sind in Somalia
bei neuen schweren Kämpfen nach Angaben der Konfliktparteien mehr
als 300 Menschen getötet worden. Die Islamisten, die außer
der Hauptstadt Mogadischu auch weite Teile des Landes kontrollieren,
sprachen davon, dass Somalia sich im «Krieg» mit dem
Nachbarland Äthiopien befinde.
Die Eskalation der Gewalt schürt Sorgen, dass sich der Konflikt zu
einem Flächenbrand am Horn von Afrika ausweiten könnte.
Die Islamisten erklärten, ihre Milizen hätten bei Gefechten
nahe der südlichen Stadt Baidoa, dem Sitz der in Bedrängnis
geratenen Übergangsregierung, mehr als 200 äthiopische
Soldaten getötet und weitere 200 verwundet. Die Regierung wiederum
teilte mit, bei den Gefechten seien 100 Islamisten getötet worden.
Hunderte Menschen flohen nach Angaben der somalischen
Nachrichtenagentur Shabelle vor den Gefechten, bei denen Raketen,
Artillerie und Mörsergranaten abgefeuert wurden.
Ein Sprecher der Union der Islamischen Gerichte (UIC), Scheich Ibarahim
Shukri Abu Zainab, sagte Shabelle weiter, die Milizen kämpften
gegen Äthiopier, nicht gegen Soldaten der vom Westen
unterstützten Übergangsregierung. Äthiopien bestreitet,
dass seine Soldaten in Kampfhandlungen verwickelt sind. Das Nachbarland
hat nach eigenen Angaben lediglich mehrere hundert Mann zur Ausbildung
der Regierungssoldaten nach Somalia geschickt. Das vorwiegend
christlich geprägte Äthiopien mit einer starken somalischen
Minderheit will eine islamistische Regierung in Somalia verhindern.
«Wie es aussieht, hat Äthiopien den umfassenden Krieg
begonnen», sagte der UIC-Chef Scheich Hassan Dahir Aweys, dem die
USA Verbindungen zum Terrornetz El Kaida vorwerfen. «Die Gefechte
werden die gesamte Region in Brand stecken. Für Äthiopien
wird das verheerend.» Islamistensprecher Abu Zainab
erklärte, die Milizen hätten die Stadt Idaale, 70 Kilometer
südwestlich von Baidoa, eingenommen. Eine unabhängige
Bestätigung gab es nicht. Augenzeugen sagten jedoch,
äthiopische Soldaten unterstützten die Regierungstruppen und
sprachen von allein 40 getöteten Zivilisten in und um Idaale.
Die Gefechte waren am späten Dienstagabend ausgebrochen, nachdem
ein von den Islamisten gesetztes Ultimatum zum Abzug der Äthiopier
abgelaufen war. Erst am Mittwoch hatten die Konfliktparteien bei einem
Besuch des EU-Gesandten Louis Michel weiteren Verhandlungen zugestimmt.
Ein genaues Datum wurde aber nicht festgelegt.
Die Spannungen in Somalia, das seit 15 Jahren ohne funktionierende
Zentralregierung ist, haben sich bereits seit Monaten immer mehr
verschärft. Anfang Dezember hatte der Weltsicherheitsrat der
Entsendung einer rund 8000 Mann starken afrikanischen Friedenstruppe
nach Somalia zum Schutz der Übergangsregierung zugestimmt. Die
Islamisten wiesen das jedoch als «Kriegserklärung»
zurück, obwohl Somalias Nachbarn daran nicht beteiligt sein
sollten.
(Quelle: dpa)
Chávez unterstützt Ecuador im Streit um Kolumbiens
Herbizid-Einsatz
Fr.22.12.06 - Im Streit um Kolumbiens Einsatz von Pflanzenvernichtungsmitteln an der
Grenze zu Ecuador ist der venezolanische Präsident Hugo
Chávez dem designierten ecuadorianischen Staatschef Rafael Correa
beigesprungen. Kolumbien müsse andere Mittel zur Vernichtung von
Kokapflanzungen im Grenzgebiet finden, sagte Chávez am Mittwoch
bei Correas Ankunft in Caracas. In Venezuela würden illegal
angebaute Kokapflanzen auf tausenden von Hektar im Berggebiet von
Perijá an der Grenze zu Kolumbien mit der Hand ausgerissen. Es
gehe nicht an, im Kampf gegen den Rauschgifthandel Umwelt und Menschen
zu gefährden. "Der Imperialismus nutzte den Anti-Drogen-Kampf als
Vorwand, in unsere Länder einzudringen, unserer Bevölkerung
Gewalt anzutun und sich mit seinem Militär bei uns breit zu
machen", fügte Chávez hinzu.
(Quelle: afp)
Kritik an EU-Einigung zu Fischfang-Quoten
Fr.22.12.06 - Die von den EU-Agrarministern beschlossene Verringerung der Fangquoten
und Seetage in der Kabeljaufischerei reicht nach Ansicht von
Wissenschaftlern nicht aus. EU-Fischereikommissar Joe Borg zeigte sich
dagegen zufrieden.
«Das entspricht nicht den Anforderungen, die wir als
Wissenschaftler stellen», sagte Siegfried Ehrlich von der
Hamburger Bundesforschungsanstalt für Fischerei der
Nachrichtenagentur dpa. Der Kieler Meeresbiologe Rainer Froese
kritisierte: «Das ist viel zu wenig.» Die Minister hatten in
der Nacht beschlossen, die Fangquote für Kabeljau je nach Gebiet
zwischen 14 und 20 Prozent sowie die Zahl der Seetage für Fischer
(FI-N.SW - Nachrichten) um 7 bis 10 Prozent zu verringern. Der
Kabeljau-Bestand in den Gewässern der Europäischen Union
bleibt gefährdet.
Fischereikommissar Joe Borg zeigte sich dennoch zufrieden und sagte,
die EU sei weiter auf dem Weg, schonender mit den Beständen
umzugehen. Die EU-Agrar- und Fischereiminister legen jedes Jahr die
Höchstfangmenge, deren Aufteilung auf die EU-Staaten (Quoten) und
die dafür nötigen Vorgaben für die Flotten fest. Ein
wichtiges Instrument, auf die schwankenden Bestände der Fischarten
zu reagieren, ist das Variieren der erlaubten Fangtage.
Borg sagte, ihm sei klar gewesen, dass sein ursprünglicher
Vorschlag nicht habe durchgehen können. «Die Pläne sind
von Anfang an heftig kritisiert worden, den einen waren sie zu schwach,
den anderen zu streng», sagte er.
Der deutsche Agrar-Staatssekretär Gert Lindemann sagte nach den
Verhandlungen: «Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt.»
Quoten und Fangmengen seien entsprechend der Schwäche der
Bestände angepasst worden. «Dies ist ein guter Schritt in
Richtung einer deutlichen Bestandserholung», sagte er. «Auf
der anderen Seite haben wir mit dem nicht im Bestand gefährdeten
Seelachs Alternativen geschaffen, die der deutschen Fischerei eine
Existenzsicherung ermöglichen.»
Unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft, die am 1. Januar beginnt,
sollen zügig Pläne beschlossen werden, die den ebenfalls
überfischten Beständen an Schollen und Seezungen die Chance
zur Erholung gibt. Allerdings ist deren Wirkung nicht garantiert.
Für Seezungen wurden die Fangmengen 2007 um 15 Prozent und für
Schollen um 12,5 Prozent verringert.
«Der Erholungsplan für Kabeljau aus dem Jahr 2004 hat nicht
die erhofften Verbesserungen gebracht», sagte Borg, der die
Höchstfangmenge des Kabeljaus ursprünglich um ein Viertel
senken wollte. Nun seien die Mengen an der schottischen Westküste
und in der keltischen See um 20 Prozent, in den restlichen Fanggebieten
um 15 Prozent und in den gemeinsamen Gewässern mit Norwegen um 14
Prozent gesenkt worden. Je nach dem, welche Maschengröße ihre
Netze haben, verlieren die Fischer zwischen 7 und 10 Prozent ihrer
Fangtage.
Borg sagte, es gebe aber auch Beispiele, bei denen sich eine
vorsorgende Fischereipolitik bewähre. So hätten sich die
Bestände an Seehecht und Seezunge in der Biskaya so gut erholt,
dass die Fangmengen für 2007 für den Seehecht um 20 und
für die Seezunge um 12 erhöht werden könne.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Grüne verklagen Bundesregierung
Fr.22.12.06 - Die Grünen-Fraktion im Bundestag hat die Regierung wegen ihrer
Auskunftspraxis zum Thema Geheimdienste verklagt.
Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck teilte am Donnerstag mit,
dass eine Organklage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe
eingereicht worden sei.
Die Bundesregierung antworte auf Fragen der Opposition zur
Tätigkeit der Geheimdienste entweder ausweichend oder mit Hinweis
auf die Geheimhaltungsbedürftigkeit gar nicht, hieß es zur
Begründung. Dies Praxis sei der beste Beleg dafür, dass sich
die Demokratie seit Antritt der großen Koalition in einem
«parlamentarischen Ausnahmezustand» befinde.
Beck erklärte, das in der Verfassung verankerte Fragerecht der
Abgeordneten werde eklatant verletzt. Als Beleg seien beim
Bundesverfassungsgericht zwei Antworten der Bundesregierung auf kleine
Anfragen der Grünen-Fraktion eingereicht worden.
(Quelle: ap)
Arbeitsminister Müntefering fordert erneut hohe Lohnabschlüsse
Fr.22.12.06 - Bundesarbeitsminister Franz Müntefering hat sich erneut für
höhere Lohnabschlüsse im kommenden Jahr ausgesprochen. Nach
zehn Jahren Lohnzurückhaltung müsse sich nun vor allem bei den
niedrigen und mittleren Einkommen etwas tun, sagte der SPD-Politiker
dem Nachrichtenmagazin «Focus» laut einer Vorabmitteilung
vom Donnerstag. Die Tarifabschlüsse in der kommenden Runde
müssten die Konjunktur mit stützen. «Die Leute
müssen etwas in der Tasche haben, damit es Impulse für den
Binnen- und Arbeitsmarkt gibt», sagte Müntefering, und
erneuerte in diesem Zusammenhang auch seine Forderung nach
branchenbezogenen Mindestlöhnen. Kombilöhne hingegen sollten
nur für bestimmte Gruppen eingeführt werden, sagte der
Minister.
(Quelle: ap)
Ministerium kritisiert deutliche Beitragserhöhungen der
Krankenkassen
Fr.22.12.06 - Das Bundesgesundheitsministerium hat am Donnerstag die Welle von
Beitragserhöhungen der gesetzlichen Krankenkassen als
überzogen kritisiert. Nach Darstellung des Ministeriums
müssten die Kassen mit etwa 0,4 Prozentpunkten auskommen
können. Die Krankenkassen wiesen die Kritik zurück und
machten ihrerseits die Politik für die Höhe der
Beitragssteigerungen verantwortlich. Weitere Kassen beschlossen
unterdessen Beitragserhöhungen um bis zu 1,6 Prozentpunkte.
Aus Sicht des Gesundheitsministeriums müssten die Kassen für
2007 rechnerisch mit einer Mini-Erhöhung des Beitrags um 0,2
Prozentpunkte auskommen. Damit wären sowohl die Kürzung des
Bundeszuschusses als auch die Mehrwertsteuererhöhung abgedeckt,
erklärte Ministeriumssprecher Klaus Vater am Donnerstag. Hinzu
kämen erwartete Kostensteigerungen. Fachleute setzen dafür
noch einmal 0,2 Prozentpunkte an. «Der Rest ist Abbau von
Verbindlichkeiten», betonte Vater. «Erhöhungen von
weit über 0,5 Prozent ergeben sich also durch Schuldenabbau.»
Vor allem Allgemeine Ortskrankenkassen hatten in den vergangenen Tagen
erheblich höhere Beitragsanhebungen beschlossen. Im Durchschnitt
wollen sie kommendes Jahr 0,9 Prozentpunkte aufschlagen, in
Einzelfällen sogar bis zu 1,6 Prozentpunkte wie im Fall der AOK
Rheinland-Pfalz. Vater nahm dies als Beleg für die
«Reformbedürftigkeit der Kassen-Organisation». Die
Gesundheitsreform sei die Antwort: «Nach der Reform wird es
solche Entwicklungen nicht mehr geben.»
Die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen wiesen die
Kritik des Ministeriums zurück. Die Entscheidungen der
Verwaltungsräte «sichern die guten Leistungen der
gesetzlichen Krankenkassen für ihre Versicherten», betonten
sie. Die aktuellen Beitragserhöhungen seien politisch hausgemacht.
«Die große Koalition selbst hat schon bei der Vereinbarung
der Eckpunkte zur Gesundheitsreform das Ziel der Stabilisierung der
Finanzen aufgegeben. Notwendige Beitragssatzerhöhungen können
nicht durch von der Politik schön gerechnete Daten vermieden
werden.»
Gründe für die Beitragserhöhungen seien die steigende
Mehrwertsteuer, die Reduzierung der Steuerzuschüsse für die
gesetzlichen Krankenkassen und die Kostendynamik im Gesundheitswesen.
Auch die Gesundheitsreform wird nach Auffassung der
Spitzenverbände nicht zu einer Entlastung, sondern zu einer
Belastung der Kassen in Höhe von 450 Millionen Euro führen.
Die nach eigener Darstellung größte deutsche Krankenkasse,
die Barmer, erhöht nach Beschluss vom Donnerstag ihren
Beitragssatz um 0,6 Prozentpunkte. Damit werden für
Barmer-Mitglieder ab Januar insgesamt 15,3 Prozent des Bruttolohns bis
zur Bemessungsgrenze fällig - einschließlich des
Sonderbeitrags von 0,9 Prozentpunkten, den die Arbeitnehmer alleine
zahlen.
Bei der AOK Rheinland-Pfalz liegt der Beitragssatz ab Januar bei 16,4
Prozent. Die AOK Hessen hat eine Erhöhung ihres Beitragssatzes um
0,5 Prozentpunkte auf dann 15,8 Prozent (einschließlich des
Sonderbeitrags der Arbeitnehmer) beschlossen.
Die größte Betriebskrankenkasse, die Deutsche BKK in
Wolfsburg, in der Mitarbeiter von VW, Post und Telekom versichert sind,
setzte den Beitrag um 0,8 Punkte auf 15,1 Prozent herauf. Die
Kaufmännische Krankenkasse (KKH) erhöht ihren Beitragssatz
zum Jahreswechsel um 0,7 Prozentpunkte auf dann 14,8 Prozent.
(Quelle: ap)
EnBW beantragt längere Laufzeit für 30 Jahre altes
Kernkraftwerk
Fr.22.12.06 - Nach dem Essener Energiekonzern RWE hat auch der Karlsruher Versorger
EnBW beim Bundesumweltministerium eine Laufzeitverlängerung
für ein altes Kernkraftwerk beantragt. So soll der 30 Jahre alte
Atommeiler Neckarwestheim I nicht wie geplant 2009, sondern erst 2017
vom Netz gehen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Berlin bekannt gab.
Zur Begründung führte EnBW Sicherheitsaspekte an.
Umweltschützer und Grüne kritisierten den Antrag als faktische
Aufkündigung des Konsenses über den Atomausstieg.
Zuvor hatte bereits RWE im September eine längere Laufzeit
für den Meiler Biblis A beantragt. Deutschlands ältestes
Atomkraftwerk soll bis 2011 statt wie geplant bis 2008 genutzt werden.
Der EnBW-Antrag, den das Umweltministerium im Einvernehmen mit
Wirtschaftsministerium und Kanzleramt prüfen soll, sieht eine
Umschichtung von Laufzeiten vor: Das jüngste deutsche Kernkraftwerk
Neckarwestheim II (1989) soll zu Gunsten von Neckarwestheim I statt
2022 bereits 2017 vom Netz gehen. Dazu sollen die Reststrommengen -
also die Mengen, die Kraftwerke nach dem Atomgesetz noch produzieren
dürfen - übertragen werden. In diesem Fall sollen 46,9
Milliarden Kilowattstunden aus dem neueren Kernkraftwerk auf den
älteren Meiler übertragen werden.
EnBW-Vorstandschef Utz Claassen begründete den Schritt mit einer
höheren Sicherheit für beide Anlagen, da sicherheitstechnische
Infrastruktur wechselseitig verwendet werden könne. Er verwies
darauf, dass der Antrag voll im Einklang mit dem von der
rot-grünen Vorgängerregierung verabschiedeten Atomgesetz
stehe. Demnach könnten auch Restrommengen von älteren auf
jüngere Kraftwerke übertragen werden. Dies bedarf aber der
Zustimmung des Umweltministeriums. Claassen kündigte an, falls die
Regierung den Antrag ablehne, werde man rechtliche Schritte unternehmen.
Er sehe diesen Schritt keinesfalls als Ausstieg aus dem Atomausstieg,
sagte Claassen. Allerdings müsse der Atomkonsens modernisiert
werden, die Laufzeiten verlängert werden. Im internationalen
Vergleich seien 40 Jahre ein «vernünftiges Szenario».
Ein früherer Ausstieg würde hohe Kosten und damit verbunden
einen Preisanstieg verursachen sowie den CO2-Ausstoß stark
erhöhen.
Die Organisationen Greenpeace, Deutsche Umwelthilfe, der
Naturschutzbund (NABU) sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz
(BUND) kritisierten den Antrag heftig. «Wer Atomkraftwerke
länger betreiben will, blockiert die dringend notwendige
Energiewende hin zu einer sauberen Stromproduktion in
Deutschland», kommentierte der Atomexperte von Greenpeace, Thomas
Breuer. Der BUND forderte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, den
Antrag nicht zu genehmigen.
Der NABU erklärte, EnBW spekuliere nur darauf, dass nach 2009 eine
schwarz-gelbe Bundesregierung die Rolle der Atomenergie wieder neu
bewerte. Die Deutsche Umwelthilfe rief dazu auf, die Vertragsbeziehungen
zu EnBW und den anderen Atomkraftbetreibern aufzukündigen.
Die Grünen schlossen sich der Kritik an. «Für dicke
Gewinne will EnBW an einem unbeherrschbaren Risikofaktor
festhalten», sagte Grünen-Vorsitzende Reinhard
Bütikofer. Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast
erklärte, die Stromversorgung Deutschlands sei auch ohne Atomstrom
möglich. Die baden-württembergische SPD-Landeschefin Ute Vogt
sagte, die politische Stoßrichtung des EnBW-Antrags ziele
eindeutig darauf ab, den mühsam erzielten Atomkonsens auszuhebeln.
Dagegen begrüßte der baden-württembergische
Ministerpräsident Günther Oettinger den EnBW-Antrag. Der
CDU-Politiker sagte, er zeige die betriebs- und volkswirtschaftlichen
Vorteile auf, die mit einer Strommengenübertragung verbunden sein
könnten.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema unter:
http://www.enbw.com/
http://www.bund-gegen-atomkraft.de/
http://www.NABU.de/
http://www.greenpeace.de/
Foodwatch hält Gammelfleisch in Deutschland für den
'Normalfall'
Fr.22.12.06 - Verdorbenes Fleisch im Handel ist nach Einschätzung der
Verbraucherinitiative Foodwatch in Deutschland der
«Normalfall». Die Statistik der Lebensmittelkontrolle zeige,
dass regelmäßig ein Drittel aller Fleischproben beanstandet
werde, davon wiederum die Hälfte als gesundheitsschädlich,
sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode am Donnerstag im
rbb. Zu den jüngsten Gammelfleisch-Funden in Berlin sagte er:
«Der Skandal ist kein Einzelfall, der Skandal ist der
Normalfall.»
Es gebe keinen Anreiz, nur einwandfreies Fleisch in den Handel zu
bringen. «Auch wenn Sie alle Verkehrspolizisten in Deutschland zu
Lebensmittelkontrolleuren ausbilden würden, dann würde sich
das nicht bessern», sagte Bode. «Es ist sehr leicht zu
betrügen. Die Gewinnspannen sind hoch, und es ist schwer, erwischt
zu werden.» Nur wenn die Namen der Geschäftemacher
veröffentlicht würden, «würde präventiv ein
Anreiz bestehen, nicht zu betrügen».
Bode forderte deshalb Berlin zu einer Bundesratsinitiative für ein
neues Verbraucherinformationsgesetz auf. Das bereits von Bundestag und
Bundesrat verabschiedete Verbraucherinformationsgesetz war von
Bundespräsident Horst Köhler wegen verfassungsrechtlicher
Bedenken gestoppt worden.
(Quelle: ap)
Stadt Delmenhorst verhindert mit Hotelkauf NPD-Zentrum
Fr.22.12.06 - Die Stadt Delmenhorst hat es als Sieg gegen Rechts gewertet, dass sie
mit Hilfe von Spendern ein leer stehendes Hotelgebäude gekauft und
damit rechtsextremistische Interessenten ausgestochen hat. «Wir
haben die Rechten, die Nazis abgewehrt», sagte
Oberbürgermeister Patrick de la Lanne am Donnerstag.
Die Stadt hatte am Mittwoch nach monatelangem Ringen über eine
Tochtergesellschaft das zentral gelegene Gebäude gekauft. Damit
vereitelte sie den Plan des Neonazi-Anwalts Jürgen Rieger, darin
ein Schulungszentrum für Rechtsextremisten einzurichten.
Drei Millionen Euro zahlte die Stadt für das Hotel, knapp eine
Million stammt aus Spendengeldern. Das sei ein politischer Preis, sagte
der Oberbürgermeister. Die weitere Nutzung des Hotels sei noch
offen. Er könne sich einen Ideenwettbewerb vorstellen, denn die
Bürger sollen über die Verwendung der Spendengelder selber
entscheiden, sagte de la Lanne. Unklar seien auch noch die Folgekosten,
wie beispielsweise die Betriebskosten.
Um das gegenüber dem Rathaus gelegene Hotel war ein harter Kampf
entbrannt, seit der Hamburger Neonazi-Anwalt Rieger Ende Juli Interesse
an dem Haus bekundet hatte. Er wollte das seit mehr als einem Jahr leer
stehende Gebäude für eine von ihm gegründete Stiftung
ankaufen und es als Hotel und Seminarzentrum für nationale Gruppen
nutzen. Rieger war bereit, die vom Eigentümer Günter Mergel
verlangten 3,4 Millionen Euro zu zahlen.
Rieger sagte der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag, er sei sehr
enttäuscht, dass er das Hotel nicht erhalten habe, zumal der
Eigentümer ihm fest zugesagt hätte. «Da muss im
Hintergrund einiges gelaufen sein», sagte Rieger. Die Stadt habe
Mergel durch diverse Tricks und den öffentlichen Druck quasi
genötigt. Rieger will sich nach eigenen Angaben nun auf ein in
seinem Besitz befindliches Objekt in Hameln konzentrieren. Dort werde
er nun die gestellten Auflagen erfüllen, um Raum für Tagungen
und Konzerte von rechten Gruppen zu schaffen.
Einige Medien hatten die Ernsthaftigkeit von Riegers Interesse
angezweifelt und Preistreiberei vermutet. Laut einem
Verkehrswertgutachten ist das Hotel nur 1,33 Millionen Euro wert. In
Delmenhorst jedoch wurden die Äußerungen Riegers sehr ernst
genommen. Eine Bürgerinitiative begann, Geld zu sammeln, um das
Hotel selbst zu kaufen. Stadt und Hoteleigentümer Mergel
bekämpften einander unterdessen mit juristischen Schachzügen
und Finten. Schließlich beschloss die Stadt, selbst ein
Kaufangebot über maximal drei Millionen Euro vorzulegen.
(Quelle: ap)