Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertundachten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Erzbischof von Canterbury kritisiert Irak-Krieg. US-Generäle
stimmen Aufstockung von Truppen im Irak zu. Wieder Tote bei Angriffen
So.24.12.06 - Der Erzbischof von Canterbury hat scharfe Kritik an der Irak-Politik
der britischen Regierung geübt. Der Irak-Krieg habe zu einer
Gefährdung von Christen im gesamten Nahen Osten geführt,
schrieb das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Rowan
Williams, in einem am Samstag in der Zeitung «The London
Times» veröffentlichten Kommentar. Weil keine Strategie
entwickelt worden sei um zu verhindern, dass Christen als
«Unterstützer des kreuzfahrenden Westens» gesehen
würden, habe sich deren ohnehin schwierige Lage weiter
verschlechtert.
Dies gelte für Länder wie den Irak, Iran, Israel, die
Türkei, Ägypten und die palästinensischen Gebiete.
Entsprechende Warnungen habe die von den USA geführte Koalition vor
Beginn des Kriegs ignoriert. Er rief die Gläubigen zu Weihnachten
zum Gebet für Bethlehem auf. Außerdem sollten sie derer
gedenken, «die von unserer Kurzsichtigkeit und Ignoranz
gefährdet wurden».
Die Regierung in London wies die ungewöhnlich scharfe Kritik des
Erzbischofs zurück. Man glaube nicht, dass die britische
Irak-Politik unter Christen Leid verursache, erklärte das
Außenministerium. Vielmehr seien dafür Extremisten
verantwortlich, die wahllos gemäßigte Muslime und Christen
angriffen, um allen ihren Lebensstil aufzuzwingen.
Ranghohe Generäle der US-Armee haben nach einem Zeitungsbericht
Pläne von US-Präsident George W. Bush zur Aufstockung der
Truppen im Irak überraschend unterstützt. Die Generäle
hätten in einer Empfehlung die Entsendung neuer Kampftruppen in den
Irak vorgeschlagen, berichtete die "Los Angeles Times" am Samstag unter
Berufung auf Informationen aus dem US-Verteidigungsministerium. Zahlen
werden in der Empfehlung noch nicht genannt. Bei Armeeoffizieren sei
jedoch eine Erhöhung um 20.000 Soldaten im Gespräch, das
seien etwa fünf zusätzliche Kampfbrigaden, berichtete die
Zeitung.
Beim Einschlag einer Mörsergranate in der irakischen Stadt Bakuba
sind am Samstag sechs Zivilpersonen getötet worden. Das teilte die
irakische Polizei mit. Südlich von Bagdad wurde ein Offizier des
Militärgeheimdienstes aus einem fahrenden Auto heraus erschossen.
In der westlich von Bagdad gelegenen Stadt Ramadi griffen amerikanisch
geführte Truppen das mutmaßliche Versteck militanter
Kämpfer an. Nach US-Angaben wurde dabei eine Person getötet.
Neun weitere seien in dem Versteck einer Zelle der Gruppe Al-Kaida im
Irak festgenommen worden.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 24.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertvierundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.24.12.05 - Tausende Iraker demonstrieren gegen Wahlergebnis. UN lehnen
Überprüfung der Wahl ab +++ Mindestens fünfzehn Tote bei
Anschlägen +++ Rumsfeld und Blair kündigen Truppenreduzierung an +++
Majestätsbeleidigung auf Kurdisch: Schriftsteller im Nordirak zu 30 Jahren
Haft verurteilt – wegen Kritik an Parteiführern...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Bundeswehrverband lehnt deutschen Tornado-Einsatz in Afghanistan ab
So.24.12.06 - Der Bundeswehrverband lehnt den Einsatz deutscher
Aufklärungs-Tornados über Afghanistan ab. Sein Sprecher
Wilfried Stolze sagte im Bayerischen Rundfunk, dadurch würden
deutsche Soldaten «eingebunden in die Operationsführung und
Taktik der Briten und Amerikaner».
Es sei zu befürchten, dass die Bundeswehr dann auch im Süden
Afghanistans tätig werden müsste. «Wir wollen mit der
Bundeswehr nicht in den Süden Afghanistans», sagte Stolze.
Die Bundesregierung lässt bislang trotz positiver Signale aus dem
Auswärtigen Amt eine mögliche Ausweitung des
Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan mit
Tornado-Aufklärungsflugzeugen offen. «Die Bundesregierung ist
noch nicht zu einem abschließenden Urteil gekommen», sagte
Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin. Eine
Entscheidung solle im Januar fallen.
Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), hatte
am Donnerstag gesagt, es gebe eine «grundsätzliche
Bereitschaft», der NATO-Anfrage nach Aufklärungsflugzeugen
für Afghanistan nachzukommen. Steg betonte, wenn sich
Regierungsmitglieder wie Parlamentarische Staatssekretäre oder
Staatsminister zu der NATO- Anfrage äußerten, seien dies
persönliche Einschätzungen, aber keine Regierungsmeinung. Der
Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Jäger, stellte sich
hinter die Aussage Erlers: «Es wäre bestürzend, wenn
diese grundsätzliche Bereitschaft nicht da wäre.»
Unterdessen hält die Debatte darüber an, ob für einen
solchen Einsatz ein neues Mandat des Bundestages nötig wäre.
Der Sprecher des Bundeswehrverbandes forderte dies. Im
Südwestrundfunk wies Stolze darauf hin, dass es im Süden
Afghanistans auch um Anti-Terror-Kampf gehe. Die im Norden stationierte
Bundeswehr sei dagegen hauptsächlich für den Wiederaufbau des
Landes tätig.
Auch der verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im
Bundestag, Rainer Arnold, plädierte für eine neue Entscheidung
des Parlaments. Für ihn sei es «eindeutig», dass der
Bundestag neu gefragt werden müsse, sagte er der
«Frankfurter Rundschau» (Samstag). Die Grenze zum
Anti-Terror-Kampf sei in diesem Fall «fließend»,
meinte er zur Begründung. Der Vorsitzende des Auswärtigen
Ausschusses des Bundestags, Ruprecht Polenz (CDU), wie hingegen darauf
hin, dass ein von der Zeit und vom Umfang begrenzter Einsatz vom
bestehenden Mandat gedeckt sei. In den «Westfälischen
Nachrichten» (Samstag) appellierte er aber an die
Bundesregierung, den Bundestag kontinuierlich zu informieren.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Vermittlungsmission der Arabischen Liga im Libanon ohne Ergebnis
beendet. Abbas von Olmert in Jerusalem empfangen - Israel gibt 100
Millionen Dollar eingefrorene palästinensische Gelder frei.
Erzbischof von Canterbury kritisert Grenzanlage in Betlehem
So.24.12.06 - Die Vermittlungsbemühungen der Arabischen Liga zur Lösung der
politischen Krise im Libanon waren nach den Worten ihres
Generalsekretärs Amr Mussa weder erfolgreich, noch sind sie
gescheitert. Er hinterlasse den Konfliktparteien «einen Tisch
voller Vorschläge», um einen Ausweg zu finden, sagte Mussa
nach viertägigen Gesprächen in Beirut. Er rief alle
Beteiligten zur Ruhe auf und erklärte, möglicherweise werde er
im neuen Jahr zu weiteren Gesprächen nach Beirut zurückkehren.
Mussa hat wiederholt versucht, zwischen den verfeindeten politischen
Fraktionen im Libanon zu vermitteln. Die anti-syrische Mehrheit im
Parlament fordert die baldige Wahl eines neuen Präsidenten. Die
pro-syrische Opposition unter Führung der schiitischen Hisbollah
verlangt ihrerseits den Rücktritt von Ministerpräsident Fuad
Siniora und hat zu diesem Zweck schon mehrere Massendemonstrationen
veranstaltet.
Ein überraschend angesetztes Treffen mit dem israelischen
Regierungschef Ehud Olmert hat dem in Bedrängnis geratenen
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas am Samstag den
Rücken gestärkt. Olmert sicherte dem Chef der
Autonomiebehörde nach Angaben des Abbas-Vertrauten Sajeb Erakat
zu, 100 Millionen Dollar (rund 75 Millionen Euro) eingefrorener
palästinensischer Gelder frei zu geben. Auch die
Reisebeschränkungen im Westjordanland sollen gelockert werden. Es
war der erste israelisch-palästinensische Gipfel seit nahezu zwei
Jahren.
Abbas und er wollten künftig als «wahre Partner»
zusammenarbeiten, erklärte Olmert nach der Unterredung. Beide
Seiten seien sich einig, dass dieses Treffen der erste Schritt zum
Aufbau eines neuen Vertrauensverhältnisses und einer ertragreichen
Zusammenarbeit sei. Olmert begrüßte Abbas, der im Machtkampf
mit der militanten Hamas in den Autonomiegebieten zunehmend unter Druck
gerät, am Abend in seiner Residenz in Jerusalem.
Auch aus israelischen Regierungskreisen verlautete nach dem rund
zweistündigen Treffen, Olmert habe Abbas einige
Zugeständnisse zugesichert, die dessen Position stärken
könnten. In der Gefangenen-Frage habe es aber keine Einigung
gegeben, hieß es. Die Palästinenser fordern die Freilassung
von palästinensischen Häftlingen in Israel. Olmert hat jedoch
wiederholt erklärt, vor einem solchen Schritt Israels müsse
der im Juni von militanten Palästinensern entführte Soldat
Gilat Schalit freikommen.
Erakat bestätigte, dass es zu keiner Einigung gekommen sei. Beide
Seiten hätten sich aber verständigt, einen Ausschuss dazu
einzurichten. Er kündigte eine Liste mit den Namen der Gefangenen
an, die freigelassen werden sollten.
Olmert und Abbas vereinbarten weitere Treffen, wie Erakat sagte. Der
zuvor letzte israelisch-palästinensische Gipfel fand im Februar
2005 in Ägypten zwischen Abbas und dem damaligen Regierungschef
Ariel Scharon statt. Olmert und Abbas trafen im Juni lediglich am Rande
eines Frühstücks in Jordanien zusammen.
Abbas reiste inmitten großer politischer Probleme nach Jerusalem.
Seit seiner Ankündigung, Neuwahlen gegen den Willen der Hamas
durchzusetzen, ist der Machtkampf in den palästinensischen
Gebieten gewaltsam eskaliert. Bei einem Anschlag im Gazastreifen wurde
am Samstag ein ranghoher palästinensischer Sicherheitsbeamter
schwer verletzt. Außerdem wurden nach Krankenhausangaben sein
Leibwächter und ein unbeteiligtes Mädchen verletzt.
Ziel des Anschlags war der stellvertretende Direktor des
Sicherheitsdienstes in Rafah, der im Machtkampf zwischen Fatah und
Hamas auf der Seite von Präsident Abbas steht. Der
Sicherheitsdienst machte die Hamas für den Anschlag auf Hassan
Dscharbuh verantwortlich. Dscharbuhs Zustand wurde als kritisch
beschrieben. Seit Beginn der Eskalation der Spannungen zwischen Fatah
und Hamas vor knapp zwei Wochen wurden bei Kämpfen 17 Menschen
getötet und dutzende verletzt.
Das Nahost-Quartett will die Direkthilfe für die
Palästinenser unter Umgehung der Hamas-geführten
Autonomiebehörde fortsetzen. Die USA, die Europäische Union,
die Vereinten Nationen und Russland erklärten am Freitag in einer
Stellungnahme, die Palästinenser seien auf Hilfe angewiesen. Die
Finanzhilfe sollte zum Ende des Jahres auslaufen. Mit der Entscheidung
des Quartetts wird sie weitere drei Monate fortgesetzt, wie das
amerikanische Außenministerium in Washington erklärte.
Über weitere Verlängerungen werde man danach beraten.
Der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, der sich mit anderen
Kirchenführern vor Weihnachten zu einem viertägigen Besuch im
Heiligen Land aufhielt, kritisierte die israelische Grenzanlage um die
Geburtsstätte Jesu in Bethlehem. «Der 'Sicherheitszaun'
erstickt die schrumpfende Stadt fast», sagte der Erzbischof und
verwies auf dramatische Armut, grassierende Arbeitslosigkeit und
praktische Härten wie beschwerliche Wege zur Schule, zur Arbeit
oder in Krankenhäuser.
Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, der katholische Erzbischof von England
und Wales, begleitete Williams auf der Reise durch das Heilige Land.
Beide wollten damit ihre Solidarität mit Christen in der Region
ausdrücken, sagte er dem Sender BBC.
(Quelle: ap)
Sicherheitsrat beschließt einstimmig Sanktionen gegen Iran
So.24.12.06 - Nach monatelangem Ringen hat der UN-Sicherheitsrat einstimmig
Sanktionen gegen den Iran beschlossen. Das höchste UN-Gremium
stellte sich am Samstag geschlossen hinter eine entsprechenden
Resolution zum Atomstreit mit Teheran. Das iranische
Außenministerium wies die Entschließung umgehend
zurück und nannte sie ungültig und unrechtmäßig.
Teheran halte an seiner Urananreicherung fest.
«Die neue Resolution wird kein Hindernis auf dem Weg des
iranischen nuklearen Fortschritts sein», hieß es in einer
im staatlichen Fernsehen verlesenen Erklärung des Ministeriums.
Der Iran betonte darin erneut die friedlichen Zwecke seines
Atomprogramms. Der iranische UN-Botschafter Dschavad Sarif
erklärte vor dem Sicherheitsrat, sein Land werde bestraft, obwohl
es lediglich sein Recht ausübe, ein Programm zur Nutzung der
Atomenergie zu entwickeln. Gegen Israel hingegen werde nichts
unternommen, sagte er mit Blick auf den von Ministerpräsident Ehud
Olmert eingeräumten Status Israels als Atommacht.
In Washington wurde die UN-Entschließung als «starke
Botschaft an den Iran» begrüßt.
Außenstaatssekretär Nicholas Burns erklärte aber
weiter: «Wir glauben nicht, dass diese Resolution allein
ausreichend ist.» Er äußerte die Hoffnung, dass das
UN-Votum den Weg für schärfere bilaterale Maßnahmen
einzelner Regierungen frei machen würde. Er hoffe vor allem auf
eine aktive Zusammenarbeit Russlands mit den USA.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die
Iran-Resolution als wichtiges Signal. Sie sei ein bedeutender Schritt,
nachdem der Iran seinen Verpflichtungen und Zusagen gegenüber der
Staatengemeinschaft nicht nachgekommen sei, erklärte Merkel am
Samstagabend in Berlin. Ganz wichtig sei die einstimmige Annahme der
Resolution. Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter
Steinmeier erklärte, die einstimmige Verabschiedung sei ein
wichtiges Signal der Geschlossenheit. Deutschland werde gemeinsam mit
seinen Partnern beharrlich weiter auf eine diplomatische Lösung
hinarbeiten, betonte er. Das Angebot der fünf Vetomächte und
Deutschlands vom Juni bleibe auf dem Tisch. Der Vorschlag beinhaltet
eine Reihe von politischen und wirtschaftlichen Anreizen.
Auch Frankreich rief den Iran auf, an den Verhandlungstisch
zurückzukehren. Teheran stehe nun vor der Entscheidung, mit der
internationalen Gemeinschaft zu kooperieren oder sich weiter zu
isolieren, erklärte Außenminister Phlippe Douste-Blazy.
Israel nannte die UN-Resolution einen wichtigen Schritt in den
Bemühungen, iranische Atomwaffen zu verhindern.
Mit der Resolution soll der Druck auf den Iran erhöht werden, die
Urananreicherung einzustellen und neue Gespräche aufzunehmen. Die
Entschließung des Weltsicherheitsrats weist alle Regierungen an,
den Export von Materialien und Technologie in den Iran zu verbieten,
die das dortige Nuklear- oder Raketenprogramm stützen
könnten. Weiter soll das Vermögen einer Reihe von Unternehmen
und Einzelpersonen mit Bezug zum iranischen Atomprogramm eingefroren
werden, die auf einer UN-Liste verzeichnet sind. Sollte der Iran
weiterhin nicht einlenken, werden weitere Sanktionen angedroht.
Am aktuellen Entwurf wurden bis zuletzt Änderungen vorgenommen.
Insbesondere Russland hatte immer wieder Einwände vorgebracht. So
wurden zunächst vorgesehene Reisebeschränkungen fallen
gelassen. Auch China und Katar haben eine schärfere Resolution
abgebremst, auf die vor allem die USA gedrungen haben.
Der Westen befürchtet, dass der Iran sein Atomprogramm nicht nur
zu friedlichen Zwecken und zur Stromgewinnung betreibt, sondern
längerfristig nach Atomwaffen strebt. Der Iran hat erklärt,
er wolle die Atomkraft ausschließlich für zivile Zwecke
nutzen.
(Quelle: ap)
Iran bestätigt Gas-Geschäft mit China über 16 Milliarden
Dollar
So.24.12.06 - China will mit Milliardeninvestitionen ein Erdgasvorkommen im
Persischen Golf erschließen und gemeinsam mit dem Iran ausbeuten.
Das iranische Ölministerium bestätigte laut der
Nachrichtenagentur Khabar in Teheran das Vorhaben über die
Entwicklung des nördlichen Pars-Gasfeldes.
Demnach soll China das Vorkommen binnen acht Jahren erschließen.
Das geförderte Gas werde zwischen beiden Parteien gleich
aufgeteilt. Informierte Kreise im chinesischen Ölkonzern CNOOC
hatten das Geschäft nach einem Pressebericht am Freitag in Peking
bereits bestätigt.
Experten kommentierten nach chinesischen Berichten, der Iran wolle mit
der Vereinbarung demonstrieren, dass es trotz der Androhung von
UN-Sanktionen wegen seines Atomprogramms weiterhin internationale
Unternehmen gebe, die mit Teheran Geschäfte machten. China und der
Iran diskutieren auch schon länger über die gemeinsame
Erschließung eines Ölfeldes.
China besteht im Atomstreit zusammen mit Russland auf einer
Abschwächung eines Resolutionsentwurf des Westens, der strikte
Sanktionen durchsetzen will. Teheran beteuert, das Atomprogramm
ausschließlich zur Energiegewinnung nutzen zu wollen. Der Westen
befürchtet, dass der Iran am Bau einer Atombombe arbeitet.
(Quelle: dpa)
Islamisten in Somalia rufen Ausländer zur Teilnahme an Dschihad auf
So.24.12.06 - Die Islamisten in Somalia haben am Samstag muslimische Kämpfer aus
dem Ausland zur Teilnahme an ihrem Heiligen Krieg aufgerufen.
«Muslime sind Brüder und helfen einander»,
erklärte Sheik Yusuf Indahaadde, der Sicherheitschef des Rats der
Islamischen Gerichte. Das islamistische Bündnis, das seit Monaten
weite Teile Somalias kontrolliert, hat vor allem äthiopischen
Soldaten den Kampf angesagt, die die schwache Übergangsregierung
unterstützen.
Äthiopien bestreitet, dass seine Soldaten an den jüngsten
Kämpfen auf der Seite der Regierungstruppen beteiligt sind, und
hat erklärt, lediglich militärische Berater und Ausbilder
entsandt zu haben. Den schweren Kämpfen fielen seit Dienstag
hunderte Menschen zum Opfer.
Somalia versank nach dem Sturz des langjährigen Machthabers
Mohammed Siad Barre 1991 in Anarchie. Die mit Hilfe der UN eingesetzte
Übergangsregierung ist nahezu machtlos, der Rat der Islamischen
Gerichte hat seit Juni die Hauptstadt Mogadischu und weite Teile im
Süden Somalias unter seine Kontrolle gebracht.
(Quelle: ap)
Frankreich: Hunderte Obdachlose kampieren in Paris an der Seine
So.24.12.06 - Am Ufer der Seine und am Kanal Saint-Martin im Pariser Szeneviertel
Magenta kampieren zahlreiche Obdachlose in Zelten. Das Bild der
armseligen Herbergen verstört nicht nur Touristen, die auf
Ausflugsschiffen um die Ile de Paris fahren. Seit die Organisation
Kinder von Don Quichote am Wochenende hunderte neue Zelte aufstellen
ließ und die Bevölkerung aufforderte, für eine Nacht
unter freiem Himmel ihre Wohnung zu verlassen, beherrscht das Schicksal
der Obdachlosen die Schlagzeilen und ist zum Wahlkampfthema geworden.
«Für die meisten Menschen sind die Wohnungslosen ein Teil
der Stadt, wie Bäume und Autos», sagte Jean-Baptiste Legrand,
Filmproduzent und Initiator der Zeltaktion. «Das soll sich
ändern, wenn man ihr Schicksal für eine Nacht teilt.»
Dutzende Pariser sind seinem Aufruf gefolgt. Einer von ihnen ist der
Sprecher der Grünen, Yann Wehrling, der über seine
Erfahrungen in einem Blogg berichtet. «Als hätte ich eine
Nacht im Zug verbracht», schreibt er. Der unglaubliche
Straßenlärm, die Kälte, die Angst vor einen
Überfall hätten ihn am Schlafen gehindert. «Die
Verzweiflung vieler Obdachloser kann ich besser verstehen.»
In ganz Frankreich gibt es zwischen 90.000 und 150.000 «Sans
Abri», Menschen ohne festen Wohnsitz. Die angespannte
Wohnsituation in Paris trägt dazu bei, dass viele Arbeitslose ihre
Wohnung verlieren oder keinen neuen Mietvertrag erhalten - dies ist
selbst für Arbeiter mit geringem Einkommen schwer. Vor einem Jahr
begann die Organisation Ärzte der Welt, die ersten Zelte an sie zu
verteilen, mehr als 400 sind es inzwischen geworden. «Es ist eine
erste Hilfe für die Betroffenen, und das Thema ist auf die
politische Agenda gerückt», bilanzierte ihr Präsident
Pierre Micheletti.
Der Einzug des Winters ins vorweihnachtliche Paris hat die
Aufmerksamkeit der Medien noch gesteigert. Jeden Abend rieseln die
Bilder der Zeltreihen am Kanal in die warmen Wohnstuben. Innenminister
und Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy witterte die Brisanz.
Prompt versprach er, im Fall seiner Wahl werde er dafür sorgen,
dass in zwei Jahren «niemand mehr auf dem Bürgersteig
schlafen und an Kälte sterben muss».
Sozialministerin Catherine Vautrin ärgerte sich über ihren
Kollegen. «Niemand wird vom Staat gezwungen, im Freien zu
übernachten», sagte sie. Es gebe in der Region Paris 450
Plätze in Notunterkünften, die den Wohnungslosen zur
Verfügung stünden. Doch das Angebot wird von den Betroffenen
oft abgelehnt. Es gebe nie genügend Betten, es sei gewalttätig
und dreckig dort, sagt ein 38-Jähriger Camper am Kanal
Saint-Martin, der seinen Namen nicht nennen möchte. «Und am
Morgen steht man völlig kaputt wieder auf der Straße.»
Die Organisation Emmaus forderte die Franzosen auf, sich bei ihren
Abgeordneten und Bürgermeistern für die Einrichtung kleiner
Übergangsheime in ihrer Nachbarschaft einzusetzen. Diese Zentren
würden von den «Sans Abris» besser angenommen als die
herkömmlichen Notunterkünfte. «So könnte man die
Situation am ehesten in den Griff bekommen», sagte Fabien Tuleu
dem Sender Europe-1.
(Quelle: ap)
Problematisches Wohlstandsgefälle in Deutschland
So.24.12.06 - Das Wohlstandsgefälle in Deutschland wird nach Einschätzung
der Kirchen und Sozialverbände zunehmend problematisch. Der
Vorsitzende der Sozialverbandes VdK, Walter Hirrlinger, warnte am
Samstag in der ddp-Kolumne der Woche vor immer neuen Kürzungen und
Belastungen für die Bürger. Die Grenze des Zumutbaren sei
längst überschritten. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, rügte derweil
die Maßlosigkeit unter Konzernmanagern, deren Einkommen im
krassen Gegensatz zu dem der übrigen Gesellschaft stehe.
Es gebe Großkonzerne, in denen das Management Gehälter
beziehe, deren Höhe jedes normale Maß übersteige,
kritisierte Huber. Der Bischof führte als Beispiel
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an und betonte: «Das
Durchschnittseinkommen liegt in Deutschland bei rund 40 000 Euro im
Jahr. Wenn ein Manager 20 Millionen Euro verdient, sprengt das jede
Vorstellung von Gerechtigkeit.» Zu Recht werde die Frage
gestellt, wie viele Arbeitsplätze sich von einem solchen Gehalt
sichern ließen.
Hirrlinger erinnerte vor allem an die vielen älteren Menschen, die
den ständig neuen Belastungen hilflos ausgeliefert seien. Seit
2004 gingen Renten-Nullrunden und höhere Aufwendungen für die
Kranken- und Pflegeversicherung vor allem auf Kosten der Rentner und
chronisch Kranken. «Wohin man blickt in der Sozialpolitik, man
blickt stets auf Baustellen bei Rente und Gesundheit. Die nächste
Baustelle wird die Reform der Pflegeversicherung sein», sagte
Hirrlinger. Mit Blick auf das geringe Rentenniveau warnte er vor einer
Verarmung von Teilen der Gesellschaft.
Diese Verarmung äußert sich einer Studie zufolge auch bei
den Kindern sehr deutlich. So gehe jedes zweite Kind aus Familien mit
geringem Einkommen morgens ohne Frühstück in die Schule,
berichtete der Berliner «Tagesspiegel am Sonntag» unter
Berufung auf eine Umfrage des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW). Damit bestätige das Institut den
Verdacht von Armutsforschern, dass Kinder aus armen Familien
häufiger als andere ohne Frühstück in die Schule kommen.
Diese Kinder seien unkonzentrierter und zeigten schlechtere
Schulleistungen.
In der unteren Einkommensgruppe seien
«Vernachlässigungstendenzen» erkennbar, sagte
DIW-Forscher Jürgen Schupp und fügte hinzu: «Das ist
ein Problem.» Die Vorsitzende des Bundeselternrates, Anja Ziegon,
forderte als Konsequenz kostenlose Schulmahlzeiten für alle
Kinder. «Wenn fast die Hälfte der Kinder im Grundschulalter
nicht mit einem vollen Magen zur Schule kommen, muss die Gesellschaft
reagieren», verlangte auch Norbert Hocke aus dem Vorstand der
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
(Quelle: ddp)
Kinder in Deutschland auch von Wohlstandsverwahrlosung betroffen
So.24.12.06 - Kindesverwahrlosung spielt sich nicht nur im unteren sozialen Milieu
ab: Auch in der Mittel- und Oberschicht gibt es nach Angaben des
Bielefelder Jugendforschers Klaus Hurrelmann Kinder, die nicht die
notwendige Zuwendung erfahren. Davon könne man zum Beispiel
sprechen, wenn in Familien die Leistungsfähigkeit des Kindes im
Mittelpunkt stehe, ohne dessen Persönlichkeit zu
berücksichtigen, sagte Hurrelmann der Nachrichtenagentur AP. Die
Beziehung von Eltern und Kind werde beherrscht von der Frage:
«Schafft das Kind die schulischen Anforderungen?»
Eine Form der Vernachlässigung sei es auch, wenn Eltern ihren
Kindern keine ausreichende emotionale Zuwendung schenkten, sondern ihnen
stattdessen «materielle Ressourcen» zuspielten, betonte der
Wissenschaftler. Sie nutzten die ihnen zur Verfügung stehende Zeit
nicht für den Aufbau einer Beziehung zu ihrem Kind, «sondern
kaufen sich heraus». Folge seien Kinder, die nie an Grenzen
stießen, die keine Spielregeln beherrschten und sich nicht in
Gruppen einfügen könnten.
Sie hätten - und da gebe es eine Parallele zu verwahrlosten
Kindern aus der Unterschicht - Probleme damit, Bindungen aufzubauen.
«Das Bindungslose, das wäre der Inbegriff von
Wohlstandsverwahrlosung», sagte der Soziologe. Er schätzte
die Zahl der Kinder aus der Unterschicht, bei denen durch Verwahrlosung
eine Gefahr für Leib und Leben bestehe, auf etwa ein Prozent.
Ebenso hoch sei schätzungsweise der Anteil der Kinder, die durch
Wohlstandsverwahrlosung akut gefährdet seien.
(Quelle: ap)
Schmidt und Beck weisen Kritik an Gesundheitsreform zurück
So.24.12.06 - Die teils happigen Beitragserhöhungen der Krankenkassen haben den
Streit über die Gesundheitsreform neu entfacht.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wies Klagen der Wirtschaft über
eine massive Belastung der Unternehmen zurück und machte die
Arbeitgeber für die Erhöhungen mitverantwortlich. Ebenso wie
SPD-Chef Kurt Beck betonte sie am Samstag gegenüber
Nachrichtenagentur AP, die Beitragssteigerungen hätten nichts mit
der Gesundheitsreform zu tun.
«Ich kann den Ärger über die aktuellen
Beitragserhöhungen verstehen», sagte Beck. «Ich
wundere mich nur, dass das auf die Gesundheitsreform geschoben
wird.» Mit den Erhöhungen würden vielmehr Probleme bei
den Kassen deutlich, die sich teils seit Jahren angehäuft
hätten: «Diese Probleme aber nicht wahrzunehmen, ist keine
Lösung.»
Die Reform bringe den Kassen Entlastung und keine Belastung, sagte
Schmidt. Sie hielt den Arbeitgebern entgegen, ihre Vertreter in der
Selbstverwaltung der Kassen hätten deren Schulden und deren
Beitragserhöhungen mit beschlossen. «Es ist daher keine
überzeugende Position, öffentlich Kostensteigerungen zu
beklagen, aber intern bei Beitragssatzanhebungen mitzumachen»,
rügte die SPD-Politikerin. «Dahinter steckt offenkundig die
Vorstellung, den Beschäftigten Kostensteigerungen alleine
aufzutragen. Das ist mit mir nicht zu machen.»
Trotz der jüngsten Erhöhungen blieben der paritätisch
finanzierte Beitragssatz unter 14 Prozent und die gesamten
Lohnnebenkosten unter 40 Prozent: «Das haben die Arbeitgeber
immer verlangt. Jetzt ist es so weit und sie reagieren wieder nur mit
Klagen.»
«Die Koalition muss sich jetzt zusammenreißen, damit die
Gesundheitsreform nicht ganz nach hinten losgeht», sagte
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt der «Bild»-Zeitung.
Es könne nicht sein, dass die Beitragssätze ein neues
Rekordniveau erreichten, ohne dass auch nur versucht werde,
gegenzusteuern. Höhere Kassenbeiträge seien «Gift
für Wachstum und Beschäftigung» sagte
DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun demselben Blatt. Kanzlerin
Angela Merkel müsse die Gesundheitsreform wieder zur Chefsache
machen, forderte Handwerkspräsident Otto Kentzler ebenfalls in
«Bild», und Einzelhandelspräsident Josef Sanktjohanser
bescheinigte der Gesundheitspolitik völliges Versagen.
Derweil hielt der baden-württembergische Ministerpräsident
Günther Oettinger die Zustimmung seines Landes zur
Gesundheitsreform «völlig offen». Darüber werde
erst wenige Tage vor der Bundesratssitzung entschieden, sagte der
CDU-Politiker der. «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung». Er bekräftigte seine Skepsis
gegenüber der Reform, seit ein Gutachten unter anderem für
Baden-Württemberg erheblich höhere Belastungen ausgerechnet
hatte als angenommen. «Solange Ulla Schmidt das nicht
entkräftet, ist für mich die Geschäftsgrundlage für
meine Zustimmung zur Gesundheitsreform nicht mehr vorhanden.»
Schmidt verwies dazu auf das bis 3. Januar erbetene Gutachten der
Ökonomen Bert Rürup und Eberhard Wille: «Nachdem das
sich das so genannte Kieler Gutachten über angeblich rasant
wachsende Lasten für einzelne Länder als an den Haaren herbei
gezogen heraus gestellt hat, wäre es gut, die Ausarbeitung der
Professoren Wille und Rürup abzuwarten.»
(Quelle: ap)
Spitzelaffäre bringt CSU um den Weihnachtsfrieden
So.24.12.06 - In der so genannten CSU-Spitzelaffäre deutet nichts auf einen
Weihnachtsfrieden hin. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber
(CSU) meldete sich erstmals in der Angelegenheit zu Wort und ging zum
Gegenangriff über. Er warf seiner parteiinternen Kritikerin, der
Fürther Landrätin Gabriele Pauli (CSU),
parteischädigendes Verhalten vor. Den Vorwurf, ein Spitzelsystem
errichtet zu haben, wies Stoiber als «absoluten Unsinn»
zurück. Unterdessen wächst offenbar an der Parteibasis der
Widerstand gegen den Regierungschef. Stoibers langjähriger
Büroleiter Michael Höhenberger war wegen der Affäre am
Freitag zurückgetreten. Pauli hatte ihm vorgeworfen, wegen ihrer
Kritik am CSU-Chef nach kompromittierenden Informationen aus ihrem
Privatleben gesucht zu haben. «Ich hätte das nie
zugelassen», sagte Stoiber. Es handele sich um «die Aktion
eines einzelnen Mitarbeiters», der ihn nicht davon informiert
habe. Daraus seien die richtigen Konsequenzen gezogen worden. Der
CSU-Chef betonte, er habe sich nichts vorzuwerfen. Pauli hingegen
schädige die Partei und betreibe «das Geschäft des
politischen Gegners».
CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann kritisierte das Vorgehen der
Staatskanzlei in dem Fall. «Höhenberger hat sich falsch
verhalten», sagte Herrmann und fügte hinzu: «Die
Staatskanzlei machte den Fehler, das totschweigen zu wollen.» Er
nannte Vorwürfe Paulis, wonach es ein Bespitzelungssystem in der
Partei gebe, «ausgemachten Unsinn», mahnte aber zugleich:
«Die Staatskanzlei sollte sich auf gute Politik konzentrieren,
und nicht auf die Suche nach Gegnern von Edmund Stoiber».
Unterdessen regt sich an der CSU-Basis breiterer Widerstand dagegen,
dass Stoiber 2008 automatisch wieder als Spitzenkandidat antritt.
Für eine Mitgliederbefragung sprachen sich in der
»Süddeutschen Zeitung« unter anderem der Schweinfurter
CSU-Landrat Harald Leitherer und der dortige CSU-Landtagsabgeordnete
Gerhard Eck aus.
Im Jahr 2007 müsse die CSU «intensiv darüber
diskutieren, wer die besten Erfolgsaussichten als
Ministerpräsident hat», forderte auch der
Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, Roland Fleck (CSU).
Derzeit sei nicht erkennbar, dass dies der Amtsinhaber sei. Der
Nürnberger CSU-Bürgermeister Klemens Gsell sagte:
«Bislang haben wir mit Stoiber eine Zweidrittelmehrheit erreicht,
künftig müssen wir versuchen, trotz Stoiber eine Mehrheit zu
erringen.» Michael Hofmann von der Ingolstädter CSU
kritisierte, Stoiber habe das Maß verloren, wie wichtig er
eigentlich sei.
Stoiber räumte einer Mitgliederbefragung über seine erneute
Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2008 wenig Chancen ein.
Darüber sei gerade erst beim letzten CSU-Parteitag im Oktober
abgestimmt worden. »Das Ergebnis war Ablehnung mit 20 zu 1000
Stimmen.« Allerdings könne jeder beim nächsten
Parteitag neuerlich einen Antrag für eine Mitgliederbefragung
stellen.
Bayerns FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sprach
angesichts der CSU-Krise von einer Blockade der Partei. Demontage und
Selbstdemontage der früheren Identifikationsfigur Stoiber
hätten grausame Formen angenommen und machten nicht einmal mehr
eine Weihnachtspause.
(Quelle: ddp)
Gewalt hinter Gittern
So.24.12.06 - Gewalt unter Gefangenen ist laut einer Studie alltägliches
Geschehen in den nordrhein-westfälischen Haftanstalten. Das Problem
sei in den vergangenen Jahren unterschätzt worden, sagte
Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) am Freitag
bei der Vorstellung des von ihr in Auftrag gegebenen Gutachtens in
Düsseldorf. Sie kündigte zugleich weitere Konsequenzen aus
dem Foltermord an einem 20-jährigen Häftling in der
Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg vor rund sechs Wochen an.
Laut Studie des Kriminologischen Dienstes NRW ist mehr als die
Hälfte der Täter jünger als 25 Jahre. In den meisten
Fällen geht es um Körperverletzungen. Gewalt entstehe dabei in
der Regel nicht im Gefängnis, sondern werde von außen
hineingetragen. So sind fast zwei Drittel der Täter bereits wegen
früherer Gewaltdelikte verurteilt und inhaftiert worden. Die
Ministerin will daher Methoden für eine verbesserte Analyse von
Gewaltpotenzialen bei der Einweisung von Häftlingen entwickeln
lassen.
Ein entsprechender Auftrag werde im Januar an den Kriminologischen
Dienst und die Gefängnisse vergeben, sagte
Müller-Piepenkötter. Durch die bereits angekündigten
baulichen und personellen Verbesserungen im Strafvollzug könnten
Gefangene dann auch konsequenter getrennt werden. Die Ministerin
kündigte zudem an, dass die Mitarbeiter in den Anstalten besser
geschult werden sollen, um Verhaltensauffälligkeiten vor allem bei
jungen Gefangenen frühzeitig erkennen zu können. Die
Häftlinge sollen auch eine konstante Betreuung durch feste
Ansprechpartner erhalten.
Geplant sei ferner, das Beschäftigungsangebot in den Anstalten
auszubauen, insbesondere an den Wochenenden. Auch Familienkontakte
sollen verstärkt ermöglicht werden. Die Drogenberatung werde
intensiviert. Im Kampf gegen Gewalt in Gefängnissen gebe es keine
Patentlösung, sagte die Ministerin. Ziel sei daher, mit einem
Bündel von Maßnahmen Verbesserungen zu erreichen.
Für das Gutachten waren 638 Vorfälle im vergangenen Jahr
untersucht worden. Nach Erkenntnissen der Forscher ist Gewalt unter
Gefangenen zumeist nicht geplant. Nur in Ausnahmefällen würden
Waffen eingesetzt. Weniger als zehn Prozent der Fälle seien mit
schwerwiegenden Folgen für die Opfer verbunden gewesen. Die
Täter selbst wiesen oftmals persönliche Probleme auf,
insbesondere Drogenabhängigkeit und Selbstmordgefährdung.
Der SPD-Fraktionsvize im Düsseldorfer Landtag, Ralf Jäger,
kritisierte, die Studie beschreibe nicht die Wirklichkeit in den
Haftanstalten. Die Schlussfolgerung, dass Gewalt in die Gefängnisse
hineingetragen werde, sei eine «Zumutung».
Der rechtspolitische Sprecher der Landes-FDP, Robert Orth,
kündigte an, dass die Ergebnisse der bereits im Frühjahr in
Auftrag gegebenen Studie in das geplante neue Jugendstrafvollzugsgesetz
einfließen sollten.
(Quelle: ddp)
Bundesverfassungsgericht kippt Verbot von Neonazi-Kundgebung
So.24.12.06 - Eine für Heiligabend in Minden geplante rechtsextreme Versammlung
darf nun doch stattfinden. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe
kippte ein Verbot des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster,
ließ die Versammlung aber nur eingeschränkt zu, wie eine
Gerichtssprecherin am Samstag auf Nachfrage sagte. Danach darf das
Treffen zwischen 11.00 und 13.00 Uhr stattfinden und nicht, wie
beantragt, bis 16.00 Uhr.
Das OVG hatte unter anderem geurteilt, dass die Kundgebung die durch
das Grundgesetz geschützte Sonn- und Feiertagsruhe störe und
damit eine Verbotsverfügung der Polizei und ein erstinstanzlichen
Urteil des Verwaltungsgerichts Minden bestätigt. Das
Bundesverfassungsgericht habe dagegen das Grundrecht auf
Versammlungsfreiheit höher gewertet, sagte die Sprecherin weiter.
(Az: 1 BVQ 41/06)
(Quelle: ddp)
Innenminister Schäuble: Polizei muss private Computer
kontrollieren dürfen
So.24.12.06 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will private Computer
durch Polizei und Verfassungsschutz über das Internet
kontrollieren lassen. «In der Sache kann es keinen Zweifel geben,
dass wir diese Möglichkeit brauchen», sagte er der
«Rheinischen Post» (Samstagausgabe). So, wie aufgrund
richterlicher Entscheidungen Telefone und Post kontrolliert werden
könnten, müsse man auch die neuen Kommunikationsformen
erreichen können. Das sei formal dasselbe wie eine
Hausdurchsuchung.
Schäuble betonte, es handle sich um ein Vorgehen in engen Grenzen.
Zum weiteren Verfahren sagte er: «Weil es eine Debatte gibt, ob
die Rechtsgrundlage hinreichend deutlich ist, prüft die
Bundesjustizministerin gerade, ob man etwas klarstellen muss.»
Kritik an der Haltung Schäubles kam von der Linkspartei. Der
Minister verharmlose, wenn er behaupte, dass die Kontrolle von
Computern formal dasselbe sei wie eine Hausdurchsuchung. «Wer
über das Internet in private Computer einbricht, durchwühlt
klammheimlich die Privat- und Intimsphäre der
Ausgespähten», sagte Links-Fraktionsvize Petra Pau. Das
widerspreche dem Grundgesetz und dem Recht auf informationelle
Selbstbestimmung und somit den Grundlagen der Demokratie.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Düstere Prognosen für die Zukunft des Klimas
So.24.12.06 - Der schon 2006 viel beschworene und viel befürchtete Klimawandel
wird auch im kommenden Jahr eine zentrale Rolle in Politik und
Wissenschaft spielen. Am 1. Februar kommen Spitzenforscher aus aller
Welt in Paris zum Zwischenstaatlichen Ausschuss für
Klimaveränderungen der UNO (IPCC) zusammen. Was sie über die
Entwicklung des Klimas auf unserem Planeten zu sagen haben, wird aller
Voraussicht nach düster und erschreckend sein. "Das, was wir seit
1990 vorhergesehen haben, hat sich bestätigt: ein
durchschnittlicher Anstieg von 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt", sagt der
IPCC-Klimaforscher Jean Jouzel.
"Die zu erwartenden Trends bleiben", sagt auch Hervé Le Treut,
Forschungsdirektor von Frankreichs Nationalem Zentrum für
wissenschaftliche Studien (CNRS). In seinem Bericht von 2001 hatte der
IPCC einen Temperaturanstieg zwischen 1,4 und 5,8 Grad Celsius von den
1990er Jahren bis 2100 vorhergesagt. Auch Simulationen im Labor
bestätigten diese Prognose, sagt Le Treu. Hinzu kämen
inzwischen aber noch andere, zuvor nicht berücksichtigte Faktoren
wie das Abschmelzen der Polarkappen und des Schnees in den Alpen, welche
die Erwärmung beschleunigten. Zudem setze der durchbrochene
Dauerfrost in Sibirien Methangase aus dem Boden frei.
Wenn nicht gehandelt werde, würden die globalen Temperaturen mit
einer 75-prozentigen Wahrscheinlichkeit um zwei bis drei Grad Celsius im
nächsten halben Jahrhundert ansteigen, fürchtet der britische
Wirtschaftswissenschaftler Nicholas Stern in seinem im November
veröffentlichten Klima-Report. Stern sagt der Welt eine Rezession
von "katastrophalem Ausmaß" mit einem klimabedingten
ökonomischen Schaden von mehr als 5,5 Billionen Euro voraus.
Ebenfalls düster klingen die Warnungen von UN-Generalsekretär
Kofi Annan, der in den durch den Klimawandel hervorgerufenen
Umweltschäden eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit sieht,
die ebenso gravierend sei wie Kriege, Waffenhandel und Armut. Auf der
Klimakonferenz in Nairobi beklagte Annan einen eklatanten Mangel an
Führungswillen der politischen Entscheidungsträger in dieser
Frage und rief die Regierenden zu sofortigem Handeln auf. Zwar stellte
sich die Nairobi-Konferenz hinter die Beschlüsse des
Kyoto-Protokolls zur Reduzierung der Treibhausgase. Konkrete
Maßnahmen, wie Kyoto schneller und wirksamer umgesetzt werden
könnte, wurden jedoch vertagt.
Geschwächt werden die Kyoto-Ziele vor allem dadurch, dass das Land
mit dem größten Ausstoß klimaschädlicher Gase -
die USA - seine Unterschrift unter den Vertrag verweigert. Inzwischen
ist zumindest der US-Bundesstaat Kalifornien aus der
Verweigerungshaltung ausgeschert: Der Sunshine State will seine
Emissionen bis 2020 entsprechend Kyoto verringern. Vicki Arroyo, Chefin
der Abteilung Politische Analyse des Pew Center on Global Climate
Change, hält kleinere Veränderungen der US-Politik für
wahrscheinlicher als einen kompletten Sinneswandel.
Kleine Schritte wie klimafreundliche Gesetze könnten den
Grundstock legen für einen größeren Handlungsrahmen.
Andere in den USA durchsetzbare Maßnahmen könnten die
Reduzierung von Abgasen bei der Stromherstellung und auf der
Straße durch Engergiesparen sein, sagt Arroyo. Ob die Politik der
kleinen Schritte die Natur und die Menschheit rechtzeitig vor
größerem Schaden bewahren kann, ist eine andere Frage. Der
Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Claude Mandil, warnt
davor, Abwehrstrategien gegen die Bedrohung durch den Klimawandel weiter
auf die lange Bank zu schieben: "Wir können nicht noch einmal ein
Jahrzehnt warten und hoffen, dass der technische Fortschritt das
Problem schon lösen wird."
(Quelle: afp)