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Irak am neunhundertundneunten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Rund ein Dutzend irakische Polizisten und drei US-Soldaten
getötet. Wieder 47 Leichen in Bagdad gefunden
Mo.25.12.06 - Anschläge sowie Kämpfe mit Aufständischen haben rund ein
Dutzend irakischen Polizisten und drei US-Soldaten das Leben gekostet.
Vor einer Polizeistation in Mukdadija, knapp 100 Kilometer
nordöstlich von Bagdad, sprengte sich am Sonntag ein
Selbstmordattentäter in die Luft und riss mindestens sieben Beamte
mit sich in den Tod. Die Wache wurde dann auch noch mit sechs
Mörsergranaten beschossen.
Bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe sind in
Bagdad drei US-Soldaten getötet worden. Ein weiterer Soldat wurde
verletzt, wie die amerikanischen Streitkräfte am Sonntag in der
irakischen Hauptstadt mitteilten. Der Vorfall ereignete sich bereits am
Samstag im Osten Beiruts.
In Samawa, rund 370 Kilometer südöstlich von Bagdad, griffen
schiitische Milizionäre das Polizeihauptquartier ebenfalls mit
Granaten an. Auch Verwaltungsgebäude der umliegenden Provinz
Muthana wurden unter Beschuss genommen. Nach Behördenangaben kamen
mindestens fünf Polizisten ums Leben, etwa 40 Milizionäre
wurden festgenommen. Muthana wurde im Juli als erste irakische Provinz
von den damaligen britischen Besatzungstruppen den irakischen
Sicherheitskräften übergeben.
In Chanagin nahe der iranischen Grenze detonierten am Sonntagmorgen
zwei Bomben am Straßenrand. Bei dem koordinierten Angriff wurden
nach Polizeiangaben rund 20 Zivilpersonen zum Teil schwer verwundet.
Beim Einschlag einer Mörsergranate in Bakuba wurden bereits am
Samstag sechs Zivilpersonen getötet. Am Samstag wurden in Bagdad
auch wieder 47 Leichen gefunden, die zum Teil Spuren von Misshandlungen
aufwiesen. Offensichtlich handelte es sich um die Opfer von blutigen
Auseinandersetzungen verfeindeter Volksgruppen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 25.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertf&uu;nfundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.25.12.05 - Mindestens 19 Tote bei Angriffen an Heiligabend +++ Sistani fordert
Regierung der nationalen Einheit +++ Familien entführter Friedensaktivisten im Irak
bitten um Freilassung +++ Proteste in von Briten betriebenem
Gefängnis +++ IWF gewährt Irak Kredit über 685
Millionen Dollar auf Abruf...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k05122450.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Olmert will sich schon bald mit Mubarak treffen. Weitere Treffen mit
Abbas angekündigt
Mo.25.12.06 - Nach seinem überraschenden Treffen mit dem palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas plant der israelische
Ministerpräsident Ehud Olmert eine baldige Begegnung mit dem
ägyptischen Staatsoberhaupt Husni Mubarak. Dies sei bei einem
Telefongespräch am Sonntag vereinbart worden, erklärte Olmerts
Sprecherin Miri Eisin. Weitere Einzelheiten nannte sie nicht. Ein
Regierungsbeamter erklärte jedoch, der ägyptische
Außenminister Ahmed Abul Gheit werde bereits am kommenden Mittwoch
Israel besuchen.
Am vergangenen Donnerstag hatte Olmert bereits Jordanien besucht, um
mit König Abdullah II. über eine Wiederbelebung des
Friedensprozesses im Nahen Osten zu beraten. Beobachtern zufolge will
die israelische Regierung enger mit den moderaten Kräften in der
Region zusammenarbeiten, um dem palästinensischen Präsidenten
Mahmud Abbas im Machtkampf mit der Hamas-Regierung den Rücken zu
stärken. Sowohl Jordanien als auch Ägypten haben
Friedensverträge mit Israel geschlossen.
Nach dem überraschenden Treffen mit dem palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas hat der israelische Ministerpräsident
Ehud Olmert am Sonntag weitere Gespräche mit dem
gemäßigten Palästinenserpräsidenten
angekündigt.
Während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem sagte
Olmert, gemeinsam wollten sie sich für die Umsetzung ihrer
politischen Pläne einsetzen. Beide Politiker wollen den
festgefahrenen Friedensprozess in Nahost wiederbeleben.
Olmert bestätigte vor den Ministern die vereinbarte Freigabe von
100 Millionen Dollar zurückgehaltener Steuereinnahmen. Er sprach
von humanitärer Hilfe für die Palästinenser «die
unter anderem unter der verfehlten Politik ihrer Regierung leiden, die
nicht Teil der anerkannten internationalen Gemeinschaft ist». Es
solle sichergestellt werden, dass das Geld an die Bevölkerung und
nicht an die radikal-islamische Hamas-Regierung gehe.
Bei ihrem Treffen am Samstagabend hatten Olmert und Abbas zudem einen
Abbau von Militärsperren im Westjordanland vereinbart.
Zunächst wollen beide Seiten sich bemühen, die vor einem Monat
für den Gazastreifen vereinbarte Waffenruhe auf das Westjordanland
auszuweiten. Gemeinsame Ausschüsse sollen zudem über einen
Gefangenenaustausch verhandeln.
Der frühere israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas
forderte unterdessen einen Militäreinsatz, um den anhaltenden
Raketenbeschuss durch militante Palästinenser zu beenden. Die
Regierung müsse sobald wie möglich einen breit angelegten
Einsatz anordnen, sagte der jetzige Verkehrsminister nach Angaben aus
Kabinettskreisen am Sonntag. Seit der Vereinbarung einer Waffenruhe
Ende November haben militante Palästinenser vom Gazastreifen aus
mehr als 50 Raketen auf Israel abgeschossen, zuletzt zwei am Sonntag.
Olmert und Abbas hatten am Samstag noch über eine Ausweitung des
Abkommens auf das Westjordanland gesprochen.
(Quellen: ap, dpa)
Äthiopien bestätigt Luftangriffe gegen Islamisten in Somalia
Mo.25.12.06 - Äthiopien hat am Sonntag Luftangriffe gegen die islamistischen
Milizen im benachbarten Somalia geflogen. Die Regierung führe eine
Gegenoffensive gegen Kämpfer des Rats der Islamischen Gerichte und
ausländische Terrorgruppen, sagte ein Sprecher. Damit wurde
erstmals der Einsatz äthiopischer Truppen in Somalia und ein
Eingreifen der äthiopischen Regierung in den Konflikt zwischen
Regierungstruppen und Islamisten bestätigt. Augenzeugen berichten
schon seit Wochen, dass äthiopische Soldaten in Somalia im Einsatz
sind.
Die äthiopische Luftwaffe beschoss Augenzeugen zufolge die
somalische Stadt Belet Weyne, eine Hochburg der Islamisten, sowie
mehrere umliegende Dörfer in bis zu 20 Kilometern Entfernung. Ein
Einwohner in Belet Weyne berichtete, es seien eine strategisch wichtige
Straße sowie ein Anwerbezentrum der Islamisten getroffen worden.
Diese hatten zuvor geschworen, alle äthiopischen Soldaten aus dem
Land am Horn von Afrika vertreiben zu wollen.
Im Umkreis von Baidoa, dem Sitz der international anerkannten, aber
weitgehend machtlosen Übergangsregierung, lieferten sich somalische
Regierungseinheiten und Kämpfer der Milizen am Sonntagmorgen
heftige Kämpfe. Soldaten schossen mit schweren Waffen auf
Stellungen der Miliz südlich der Stadt. Auch zwei weitere
Ortschaften waren von den Gefechten betroffen, darunter die
Islamisten-Hochburg Bandiradley. Der Übergangsregierung zufolge
wurden bei Gefechten in den vergangenen Tagen mehr als 600 Islamisten
getötet, die Milizen töteten nach eigenen Angaben rund 400
äthiopische und Regierungssoldaten. Für beide Angaben gab es
zunächst jedoch keine Bestätigung.
Äthiopien unterstützt die somalische Übergangsregierung,
hat aber eine direkte Beteiligung an den Kämpfen im Nachbarland
bislang stets bestritten. Bestätigt wurde lediglich die Entsendung
von militärischen Beratern und Ausbildern. Beide Länder haben
in den vergangenen 45 Jahren zwei Kriege gegeneinander geführt.
Äthiopien hat eine der größten Armeen in der Region.
Die Islamisten übertrugen in der Hauptstadt Mogadischu am Sonntag
patriotische Lieder über den Krieg Somalias gegen Äthiopien im
Jahr 1977. Am Samstag riefen sie muslimische Kämpfer aus dem
Ausland zur Teilnahme an ihrem «Heiligen Krieg» auf.
«Muslime sind Brüder und helfen einander»,
erklärte Sheik Yusuf Indahaadde, der Sicherheitschef des Rats der
Islamischen Gerichte.
Somalia versank nach dem Sturz des langjährigen Machthabers
Mohammed Siad Barre 1991 in Anarchie. Die mit Hilfe der Vereinten
Nationen installierte Übergangsregierung kontrolliert lediglich
noch die Stadt Baidoa und wird vom Bündnis islamischer Milizen
zunehmend unter Druck gesetzt. Dieses hat in den vergangenen Monaten die
Kontrolle über weite Teile Südsomalias übernommen.
(Quelle: ap)
Iran hält trotz UN-Sanktionen an Urananreicherung fest
Mo.25.12.06 - Der Iran hält trotz der vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen
Sanktionen unvermindert an seinem Atomprogramm fest. Die Vereinten
Nationen müssten akzeptieren, dass der Iran atomaren Brennstoff
herstellen könne, sagte Präsident Mahmud Ahmadinedschad am
Sonntag. Mit der UN-Entscheidung habe der Westen die Chance für
freundschaftliche Beziehungen zu Teheran verspielt. Der
Weltsicherheitsrat verabschiedete am Samstag einstimmig eine Resolution,
mit der der Iran wegen der Urananreicherung mit Sanktionen belegt wird.
Die Weltmächte würden es schon bald bereuen,
Strafmaßnahmen verhängt zu haben, sagte Ahmadinedschad laut
einem Bericht der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA.
Chefunterhändler Ali Laridschani kündigte an, das Atomprogramm
werde mit Hochdruck fortgesetzt. Noch am Sonntag werde in der Anlage
Natans, dem Standort von rund 3.000 Zentrifugen, mit der
Urananreicherung begonnen, wurde er von der Zeitung «Kajhan»
zitiert.
Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, der Iran wolle
seine Beziehungen zur Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
überdenken. Die UN-Resolution wies das Außenministerium
bereits am Samstag zurück und nannte sie ungültig und
unrechtmäßig. «Die neue Resolution wird kein Hindernis
auf dem Weg des iranischen nuklearen Fortschritts sein»,
hieß es in einer im staatlichen Fernsehen verlesenen
Erklärung. Der Iran betonte darin erneut die friedlichen Zwecke
seines Atomprogramms.
Der iranische UN-Botschafter Dschawad Sarif erklärte vor dem
Sicherheitsrat, sein Land werde bestraft, obwohl es lediglich sein Recht
ausübe, ein Programm zur Nutzung der Atomenergie zu entwickeln.
Gegen Israel hingegen werde nichts unternommen, sagte Sarif mit Blick
auf den von Ministerpräsident Ehud Olmert eingeräumten Status
Israels als Atommacht.
Der UN-Sicherheitsrat einigte sich am Samstag nach monatelangem Ringen
auf die Sanktionen. Die Entschließung weist alle Regierungen an,
den Export von Materialien und Technologie zu unterbinden, die das
iranische Nuklear- oder Raketenprogramm stützen könnten.
Weiter soll das Vermögen einer Reihe von Unternehmen und
Einzelpersonen mit Bezug zum iranischen Atomprogramm eingefroren werden.
Die Namen sind auf einer UN-Liste verzeichnet. Sollte der Iran
weiterhin nicht einlenken, werden weitere Strafmaßnahmen angedroht.
Mit der Resolution soll der Druck auf den Iran erhöht werden, die
Urananreicherung einzustellen und neue Gespräche aufzunehmen. Am
Entwurf wurden bis zuletzt Änderungen vorgenommen, insbesondere
Russland hatte immer wieder Einwände vorgebracht. Auch China und
Katar haben eine schärfere Resolution abgebremst, auf die vor allem
die USA gedrungen haben.
In Washington wurde die Entschließung begrüßt.
US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte, sie sei ein
starkes Signal an die iranische Regierung, ihre internationalen
Verpflichtungen zu akzeptieren. Das chinesische Außenministerium
erklärte, man hoffe auf eine ernsthafte Umsetzung der Resolution.
Allerdings dürften nicht Sanktionen das Ziel sein, sondern eine
friedliche Verhandlungslösung. Israel nannte die Resolution einen
wichtigen Schritt in den Bemühungen, iranische Atomwaffen zu
verhindern.
Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, die
Resolution sei ein bedeutender Schritt, nachdem der Iran seinen
Verpflichtungen und Zusagen gegenüber der Staatengemeinschaft nicht
nachgekommen sei. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
betonte, Deutschland werde gemeinsam mit seinen Partnern beharrlich
weiter auf eine diplomatische Lösung hinarbeiten. Das Angebot der
fünf Vetomächte und Deutschlands vom Juni bleibe auf dem
Tisch. Auch Frankreich rief den Iran auf, an den Verhandlungstisch
zurückzukehren.
(Quelle: ap)
Viele Tote bei Kampf zwischen Soldaten und Rebellen in Kolumbien
Mo.25.12.06 - Im Dschungel Kolumbiens haben Rebellen am Samstag nach
Militärangaben eine Armeepatrouille in einen Hinterhalt gelockt und
mindestens 14 Soldaten getötet.
Bei dem Gefecht seien auch mehrere Angreifer gestorben, sagte der
Kommandeur der bewaffneten Einsatzkräfte, Freddy Padilla, ohne
genaue Zahlen zu nennen. Es war einer der folgenschwersten Angriffe auf
Regierungstruppen in diesem Jahr.
Dem Militär seien Informationen über einen bevorstehenden
Angriff der linksgerichteten Rebellengruppe Farc auf ein Dorf im
Süden Kolumbiens zugespielt worden, sagte Padilla. Daraufhin seien
die Soldaten ausgerückt, um das Vorhaben zu unterbinden. "Sie
fanden ein Lager im Dschungel und wurden angegriffen."
Erst kürzlich wurden 17 Soldaten auf einer Dschungel-Patrouille
getötet. Der Regierung, die für ihren Kampf gegen die Rebellen
von den USA alljährlich mehrere Millionen Dollar Militärhilfe
erhält, ist es zwar gelungen, die Farc in die Dschungel- und
Gebirgsregionen zurückzudrängen und so die Gewalt in den
Städten zu verringern. Doch noch immer streifen
schätzungsweise 17.000 Aufständische durch das Land. Der
Konflikt dauert seit vier Jahrzehnten an. Die USA erhoffen sich durch
ihre Unterstützung eine Eindämmung des Anbaus und Handels von
Drogen.
(Quelle: rtr)
EU-Kommisssionspräsident Barroso will Macht der großen
Energiekonzerne beschneiden
Mo.25.12.06 - EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso will die Macht
der großen Energiekonzerne massiv beschneiden und so einen
weiteren Anstieg der Strompreise verhindern. «Eine bessere,
klarere Trennung von Stromerzeugung und Netzbetrieb könnte ein
guter Weg zu mehr Wettbewerb und damit zur Dämpfung der
Preissteigerungen sein», sagte Barroso der «Bild am
Sonntag». In einem Strategiepapier zur Energiepolitik werde die
EU-Kommission im Januar fordern, dass Monopolstellungen großer
Energiekonzerne das Funktionieren des Marktes nicht behindern
dürften. «Wir haben nichts gegen Großunternehmen, aber
sie sollten nicht gegen die Interessen der Verbraucher handeln»,
betonte Barroso. So lange der Öl- und Gaspreis auf dem Weltmarkt
steige, werde allerdings eine schnelle Senkung der Energiekosten in
Europa kaum möglich sein.
(Quelle: ap)
Deutschland weiterhin drittgrößter Beitragszahler für
UN-Haushalt
Mo.25.12.06 - Deutschland leistet auch in den kommenden Jahren den
drittgrößten Beitrag zum Haushalt der Vereinten Nationen. In
einer von der UN-Vollversammlung in New York verabschiedeten Resolution
wurde der Beitragssatz Berlins für die Jahre 2007 bis 2009 auf 8,6
Prozent festgesetzt, das sind 0,1 Prozent weniger als bisher. Am meisten
zum zwei Milliarden Dollar umfassenden UN-Etat tragen weiterhin die USA
bei, sie übernehmen wie bisher 22 Prozent.
Die Etat-Resolution wurde am Freitagabend einstimmig angenommen.
Zweitgrößter Beitragszahler bleibt Japan, allerdings wurde
dessen Quote von bislang 19,5 auf 16,6 Prozent deutlich reduziert.
Großbritannien ist künftig für 6,6 Prozent des Etats
verantwortlich (bislang 6,1 Prozent) und liegt damit auf dem vierten
Platz. An fünfter Stelle liegt Frankreich mit 6,3 Prozent (bislang
6,0 Prozent). Angehoben wurden unter anderem auch die Beiträge
Russlands, nämlich von 1,1 auf 1,2 Prozent, sowie die Zahlungen
Chinas (von 2,0 auf 2,7 Prozent) und Indiens (von 0,42 auf 0,45
Prozent). Die Beiträge der insgesamt 192 Mitglieder werden alle
drei Jahre vom Haushalts-Ausschuss der UN festgesetzt.
(Quelle: ap)
Ifo:Nachfrageboom in der deutschen Industrie ungebrochen
Mo.25.12.06 - Der Nachfrageboom in der deutschen Industrie hat im Dezember angehalten.
Die Bestellungen hätten kräftiger zugenommen als im Vormonat,
berichtete das Münchner Ifo-Institut am Freitag in der
Detailauswertung seiner Dezemberumfrage unter rund 7000 Unternehmen.
"Der Optimismus in Bezug auf das Auslandsgeschäft war ungebrochen",
schrieben die Forscher. Der Ifo-Index hatte zum Jahresende
überraschend auf den höchsten Stand seit der
Wiedervereinigung zugelegt.
Unterm Strich hätten mehr als 40 Prozent der befragten
Industriefirmen ihre Geschäftslage als gut bezeichnet, teilte das
Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mit. Damit sei der
Rekordwert vom November deutlich übertroffen worden. "Zu
große Lagerbestände waren fast nirgendwo ein Thema." Für
das erste Halbjahr 2007 rechneten die Befragten mit einer weiteren
Verbesserung. Zum ersten Mal seit langem überwogen die
Unternehmen, die ihre Beschäftigung steigern wollen.
"In der Investitionsgüterindustrie wurde die derzeitige
Geschäftslage noch euphorischer beurteilt als bisher", schrieben
die Ökonomen. Die Auftragsbestände hätten vielerorts nur
noch mit einer deutlichen Ausweitung der Überstunden bewältigt
werden können. Außerdem wuchs die Überzeugung, dass
sich der Boom in den nächsten sechs Monaten fortsetzen wird.
Durchweg positiv liefen die Geschäfte auch im
Vorleistungsgütergewerbe. Und auch in der Konsumgüterindustrie
- ohne Ernährungsgewerbe - hätten sich Lagebeurteilung und
Geschäftserwartungen verbessert.
Ein besseres Geschäftsklima registrierte das Ifo auch im
Einzelhandel, der seine Lage nur wenig schlechter beurteilte. Die
Erwartungen, die in den letzten fünf Monaten wegen der
Mehrwertsteuererhöhung im Januar kontinuierlich nach unten tendiert
hatten, besserten sich deutlich. Sechs Prozent der Firmen gingen von
einer Verringerung ihrer Mitarbeiterzahl aus. Vor einem Jahr war der
Wert noch drei Mal so hoch.
(Quelle: rtr)
Verbraucherzentralen sehen massiven Kaufkraftverlust 2007
Mo.25.12.06 - Mit den Steuererhöhungen Anfang 2007 droht den Bundesbürgern
im kommenden Jahr ein massiver Kaufkraftverlust. Nach Berechnungen des
Bundesverbandes der Verbraucherzentralen haben die Deutschen 24
Milliarden Euro weniger zur Verfügung. Das sagte die Vorsitzende
des Verbandes, Edda Müller, der "Hamburger Morgenpost am Sonntag".
2007 wird laut Müller für die Verbraucher teuer. Dabei gehe es
um die "Erhöhung der Versicherungssteuer, die Streichung der
Pendlerpauschale, die Beitragserhöhungen bei der Renten- und
Krankenversicherung und dann die höhere Mehrwertsteuer".
Müller forderte die Verbraucher auf, wegen der
Mehrwertsteuererhöhung bei den Packungsgrößen und
Preisen besonders gut aufzupassen. Vor allem in Drogeriemärkten
seien die Preiserhöhungen schon vorgezogen worden. "In vielen
Fällen werden die Preiserhöhungen auch dadurch verschleiert,
dass man für den gleichen Preis geringere Packungsinhalte bekommt",
warnte Müller.
(Quelle: afp)
Kritik an Hartz-IV-Reform auch aus der Praxis
Mo.25.12.06 - Zwei Jahre nach ihrer Einführung erntet die Arbeitsmarktreform
Hartz IV auch aus der Praxis Kritik. Laut dem Geschäftsführer
der ARGE Job-Center-Bremerhaven, Heinz Haushahn, bereitet nach wie vor
die von der Bundesagentur für Arbeit gestellte Software für
die Bearbeitung der Fälle und für Auszahlungen besondere
Probleme. «Jede kleinste Änderung, jedes Update führt
nach wie vor zu Blackouts», sagte Haushahn der Nachrichtenagentur
AP. Solche Systemausfälle könnten die betroffenen
Hilfeempfänger nicht verstehen, zudem frustrierten sie die
Mitarbeiter.
Bemerkenswert sei auch, dass die Gesetzgebung zu Hartz IV seit der
Einführung am 1. Januar 2005 schon vier Mal geändert worden
sei. «Das besagt alles, was ich davon halten könnte»,
sagte Haushahn. «Einen solchen Klops umzusetzen, dazu bedarf es
allerhand Nerven.» Das 117.000 Einwohner zählende
Bremerhaven ist die Kommune mit den meisten
Arbeitslosengeld-II-Empfängern pro Kopf der Bevölkerung in
den alten Bundesländern. Ende November 2006 zählte die ARGE
Job-Center-Bremerhaven knapp 12.000 Bedarfsgemeinschaften mit 23.100
Betroffenen. Damit ist jeder fünfte Einwohner auf Arbeitslosengeld
II angewiesen.
Grundsätzlich habe er die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe begrüßt, sagte Haushahn. Auch seien Probleme
behoben worden, etwa die Möglichkeit für unter
25-Jährige, mit Hilfe der Regelungen leicht einen eigenen
Hausstand zu gründen.
Unterm Strich verzeichnet der Behördenchef erste Erfolge der
Hartz-IV-Gesetzgebung. Seit Mitte dieses Jahres sei die Zahl der
Bedarfsgemeinschaften langsam gesunken - um etwa 500. Dies sei auf
gelungene Bemühungen etwa zur Integration in den ersten
Arbeitsmarkt, Förderung von Weiterbildung oder Vermittlung in
Ein-Euro-Jobs zurückzuführen. Dafür hätten in
Bremerhaven 22,6 Millionen Euro zur Verfügung gestanden. Man werde
diese Mittel bis Jahresende zu 98 Prozent verbraucht haben und erreiche
mit dieser Zielgenauigkeit bundesweit einen Spitzenplatz unter den
ersten zehn Kommunen.
(Quelle: ap)
Zentralrat der Muslime: Vorurteile sind geblieben
Mo.25.12.06 - Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland,
Aiman Mazyek, hat eine gemischte Jahresbilanz gezogen. Die Muslime
seien 2006 - im Jahr der Islamkonferenz und des Integrationsgipfels -
stärker sichtbar geworden. «Das ist auch ein
Fortschritt», sagte Mazyek dem Berliner
«Tagesspiegel».
Er bezweifle aber, dass die Qualität der öffentlichen Debatte
besser geworden sei. Muslime würden im Zusammenhang mit den
Konflikten in Nahost nach wie vor mit Gewalt assoziiert. Die
«niederschmetternden Folgen» könne man in aktuellen
Umfragen nachlesen - selbst in den Eliten gebe es weniger
Hemmschwellen, Vorurteile zu produzieren. Die Zukunft der Muslime in
Deutschland sehe er derzeit eher skeptisch.
Mazyek kritisierte auch die eigenen Reihen: Dem verbreiteten Bild des
rückwärts gewandten gläubigen Muslims setze man nicht
genug entgegen. Etablierte Muslime hätten Angst vor einer
öffentlichen Rolle. «Wer bestens integriert ist, will oft
eher nicht als Moslem sichtbar werden, weil er sich in dieser
islamophoben Zeit davor fürchtet.» Die Kopftuch-Frage habe
gezeigt, dass nicht nur Nichtmuslime Klischees produzierten. Es gebe
auch «auf unserer Seite einige, die aus dem Kopftuch mehr machen
wollen, als der Islam vorschreibt». Man könne «auch
fragen, ob wir wirklich für das Kopftuch vor die Gerichte ziehen
mussten». Andererseits sei dies für muslimische Frauen die
letzte Möglichkeit gewesen, einem Berufsverbot zu entgehen.
(Quelle: dpa)
Protestanten und Katholiken wollen Dialog mit Muslimen
Mo.25.12.06 - Protestanten und Katholiken in Deutschland streben einen intensiveren
Dialog mit Vertretern des Islam an. Die Bischöfin der
Evangelischen Landeskirche Hannover, Margot Käßmann, sagte
am Sonntag, der Dialog müsse auch dazu dienen, den eigenen
Standort klar zu machen. Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper
sieht viele Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
mit Muslimen - «zum Beispiel in Fragen der Gerechtigkeit und des
Friedens, aber auch zum Wohl der Familie».
Käßmann sagte, bei dem Dialog dürften die eigenen
Grundsätze nicht vergessen werden. Man wolle hier keine
Vermischung, sondern müsse den eigenen Glauben kennen, um
dialogfähig zu werden. Dies sehe sie als eine schwierige Balance.
Im Übrigen müssten gerade die Kirchen «für die
Freiheit des Wortes, die Freiheit des Menschen, die Gleichheit von Mann
und Frau, für unsere Verfassungsgrundsätze einstehen».
Käßmann betonte: «Es gibt viele Muslime, mit denen wir
großartig im Dialog sind, aber sobald es Radikalisierung und
Fundamentalismus gibt, müssen wir sagen: Gewalt ist nach
christlichem Maßstab kein Weg, den ein Christ, eine Christin in
irgendeiner Weise gehen kann.«
Kardinal Walter Kasper sprach mit Blick auf den Islam von einer
Herausforderung für die katholische Kirche. Dies gelte nicht
zuletzt deswegen, «weil Muslime mitten in Europa leben, in
Deutschland, in England, Frankreich und anderswo», sagte er und
fügte hinzu: «Wir wollen keinen Zusammenstoß der
Kulturen, wir wollen Zusammenarbeit und Freundschaft.»
Der Kardinal wandte sich gegen Darstellungen, Muslime seien nicht
gutwillig und entzögen sich dem Dialog. Die Mehrheit der Muslime
sei friedlich. Unter ihnen seien «vielleicht zehn Prozent, die
ein radikalisiertes, im Grund kein religiöses Verständnis vom
Islam haben, welche die Religion vielmehr für andere Zwecke in
schlimmer Weise missbrauchen».
Verständnis zeigten sowohl Käßmann als auch Kasper
für die Haltung des Kölner Kardinals Joachim Meisner, der
interreligiöse Feiern von Christen und Muslimen untersagt hatte.
Im Prinzip sei das auch die Haltung der evangelischen Kirche, sagte
Käßmann. »Wir sagen ganz klar: Wir können
anwesend sein, wenn Muslime beten mit Respekt vor ihrem Gebet, und
Muslime können anwesend sein bei unserem Gebet in Respekt vor
unserer Religion. Aber das einfach zu vermischen, das geht mir oft zu
schnell», begründete sie ihre Position.
Ähnlich argumentierte Kasper, der zur Haltung Meisners sagte:
«In der Sache bin ich ganz einverstanden. Wir sollten dem Gebet
der anderen mit großem Respekt begegnen. Gemeinsam zu beten ist
jedoch nicht möglich, und dies übrigens auch aus Respekt vor
den anderen und ihrer von uns verschiedenen religiösen
Überzeugung.»
(Quelle: ddp)
Datenschützer warnt vor ausufernder Überwachung des Internets
Mo.25.12.06 - Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat vor einer ausufernden
Überwachung des Internets gewarnt. Es sei «irreführend
zu glauben, dass man allen Gefahren mit verstärkter
Überwachung des Netzes vorbeugen könnte», kommentierte
Schaar in einem Interview der Nachrichtenagentur AP die Diskussion um
Bombenbauanleitungen und Aufrufe terroristischer und krimineller
Gruppen im weltweiten Netz. In Gefahr gerate durch solche Bestrebungen
jedoch die Privatsphäre.
Am Samstag hatte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
angekündigt, Polizei und Verfassungsschutz die Möglichkeit
zur Kontrolle privater Computer über das Internet
einzuräumen: «In der Sache kann es keinen Zweifel geben,
dass wir diese Möglichkeit brauchen», sagte der
CDU-Politiker der «Rheinischen Post». Die Behörden
müssten die Möglichkeit haben, die neuen Kommunikationsformen
zu erreichen, ebenso wie unter bestimmten Voraussetzungen auf Grund
richterlicher Entscheidungen Telefone und Post kontrolliert werden
könnten.
Schaar erklärte dagegen: «Man wird auch mit einem
erheblichen Personal- und Sachaufwand nicht ausschließen, dass
ein offenes Netz wie das Internet bestimmte Risiken sowohl für den
Benutzer wie auch für die Gesellschaft beinhaltet.» Er habe
keine Einwände, wenn im Internet gezielt gegen einzelne
Straftäter ermittelt werde. «Aber es kann nicht sein, dass
völlig legales Verhalten, weil es eben überwachbar ist, auch
überwacht wird.»
Der oberste Datenschützer betonte, dass auch in der virtuellen
Welt des Internets die Prinzipien, die in einer langen,
rechtsstaatlichen Entwicklung entstanden seien, gewahrt bleiben
müssten: «Das ist zum Beispiel die Unschuldvermutung, das
heißt, dass der Staat einen in Ruhe lässt, wenn man sich
nichts hat zu Schulden kommen lassen.»
Im autoritären Kaiserreich habe bei Versammlungen immer ein
Wachtmeister dabei sein müssen. «Was wir nicht brauchen, ist
ein Wiederaufgreifen dieser Idee für das Internet, dass sich in
jedem Chatroom ein staatlicher Aufpasser befindet, damit kein falsches
Wort gesagt wird», betonte der Beauftragte.
Die Überwachungsmöglichkeiten im Internet nähmen
wesentlich stärker zu als die Möglichkeiten, sich gegen
Überwachung zu schützen und damit auch die Privatsphäre
zu gewährleisten. Ein Beispiel sei die Entwicklung von Programmen,
die automatisch auf bestimmte Schlüsselwörter reagierten.
«Das ist eine asymmetrische Bedrohung neuer Art», sagte
Schaar. «Gerade wir Datenschützer müssen uns
überlegen, welche Mechanismen erforderlich sind, um eine
Gegenbewegung zu initiieren und die Einzelnen in die Lage zu versetzen,
selbst wesentlich stärker zu kontrollieren, was über sie
Dritten bekannt wird.»
(Quelle: ap)
Wikipedia-Gründer startet Anti-Google
Mo.25.12.06 - Der Gründer des freien Online-Lexikons Wikipedia, Jimmy Wales,
arbeitet nach einem Medienbericht an einer Suchmaschine, die den
Marktführern Google und Yahoo Konkurrenz machen soll.
Mit seinem neuen Projekt will der 40-Jährige nach Informationen
des Online-Nachrichtenportals «Welt.de» die Nutzer
entscheiden lassen, wie Inhalte im Netz gefunden werden. Geld für
sein Vorhaben habe er vom Online-Versandhändler Amazon erhalten.
Anstelle von Computer-Programmen wolle Wales auf die qualitative
Entscheidung der Nutzer setzen. Sie sollen die Rangfolge von
Suchergebnissen per Klick beeinflussen und kommentieren. «Wir
wissen alle, dass Google und Yahoo sehr gute Suchmaschinen sind, aber
wir wissen ebenso gut, dass gemeinschaftliche Arbeit eine mächtige
Technik ist», sagte Wales «Welt.de».
Nach seinen Angaben ist das Projekt erst in einem frühen
Designstadium. «Wir hoffen, dass wir mit einem Vorführ-Modell
im ersten Quartal 2007 auftreten können», sagte Wales. Der
Wikipedia- Gründer warnt vor allzu großen Hoffnungen:
«Erwarten Sie nicht zu viel. Schließlich ist das
gemeinschaftliche Software. Wir möchten diese lieber korrekt
einrichten, als dass wir überzogenen Erwartungen entsprechen. Mit
Wikipedia war es am Anfang genau so.»
(Quelle: dpa)