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Irak am neunhundertundzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Britische Soldaten stürmen Polizeikommissariat in Basra. Zehn Tote bei Anschlag mit Autobombe in Bagdad. US-Armee nimmt vier iranische Militärangehörige im Irak fest

Di.26.12.06 - Britische Soldaten haben im Morgengrauen ein Polizeikommissariat der südirakischen Stadt Basra gestürmt. Nach Angaben eines britischen Militärsprechers lagen der Truppe ernstzunehmende Informationen vor, dass die Polizisten die Hinrichtung von 178 Gefangenen planten. An der Erstürmung des Gebäudes, in dem die für Schwerverbrechen zuständige Sondereinheit SCU untergebracht war, seien viele Soldaten beteiligt gewesen. Das Gebäude werde zerstört und die Sondereinheit aufgelöst, teilte der Sprecher weiter mit.

US-Soldaten haben derweil bei einer Razzia im Irak vier hochrangige iranische Militärberater festgenommen, die auf Einladung der irakischen Regierung in das Zweistromland gekommen waren. Der irakische Präsident Dschalal Talabani habe die Vertreter der iranischen Behörden selbst eingeladen und sei "unzufrieden" mit den Festnahmen, sagte sein Sprecher Hiwa Osman. Talabani habe die Iraner vor einem Monat förmlich eingeladen, als er in Teheran gewesen sei. Er habe die Einladung im Rahmen eines Sicherheitsabkommens zwischen dem Iran und dem Irak ausgesprochen.Die vier Iraner sollen in Anschläge auf irakische Sicherheitskräfte verwickelt sein, berichtete die «New York Times». US-Soldaten hätten «eine Menge Material» sichergestellt. Bei der Razzia seien auch zwei iranische Diplomaten festgenommen worden. Die Diplomaten seien den irakischen Behörden übergeben und danach freigelassen worden. Die USA werfen Iran vor, schiitische Milizen und Todesschwadronen zu unterstützen.

Bei der Explosion einer Autobombe in Bagdad sind Polizeiangaben zufolge mindestens zehn Menschen getötet worden.

Der Sprengsatz sei in einer belebten Einkaufsstraße eines überwiegend schiitischen Viertels der detoniert, erklärte am Montag ein Polizeivertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte. 15 weitere Menschen seien bei dem Attentat verletzt worden. Die Straße war bereits oft Ziel extremistischer Anschläge

Sunnitische Aufständische haben in der Vergangenheit oft schiitische Hochburgen im Zentrum des Irak mit Bomben angegriffen. Der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten in dem Land ist nach Ansicht des scheidenden UN-Generalsekretärs Kofi Annan bereits zum Bürgerkrieg eskaliert.

(Quellen: ap, rtr, dpa)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05. 2005 bis 26.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
 
 

Vor einem Jahr:
 
Irak am fünfhundertsechsundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mo.26.12.05 - Schiiten demonstrieren gegen Wiederholung der Wahl im Irak +++ Anhaltender Gewalt fallen mindestens 16 Menschen zum Opfer +++ USA stoppen Übergabe von Gefängnissen an Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512260.htm#news

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.

Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Jordanien lädt Abbas und Hanija zu Versöhnungsgesprächen ein. Olmert ruft Syrien zu Anstrengungen für Nahost-Frieden auf. Kassam-Raketenbeschuss auf israelische Stadt. Israel räumt trotz Angriffen Straßensperren

Di.26.12.06 - Zur Beilegung des innerpalästinensischen Machtkampfs zwischen der Hamas und der Fatah unternimmt Jordanien einen Vermittlungsversuch. Ministerpräsident Maruf al Bachit lud seinen palästinensischen Kollegen Ismail Hanija von der Hamas-geführten Regierung sowie Präsident Mahmud Abbas von der Fatah zu Versöhnungsgesprächen nach Amman ein, wie die amtliche jordanische Nachrichtenagentur Petra am Montag meldete. Gastgeber des Treffens ist offenbar der jordanische König Abdullah. Ein Termin wurde nicht genannt.

Der palästinensischen Regierungssprecher Ghasi Hamad sagte in Gaza, Hanija werde wahrscheinlich in den nächsten Tagen zu dem Treffen nach Jordanien reisen. Präsident Abbas hält sich bereits sein Montag in Amman auf. Der Machtkampf zwischen der radikalislamischen Hamas und der gemäßigteren Fatah ist in den vergangenen Wochen eskaliert. Nachdem die Bemühungen um die Bildung einer Einheitsregierung gescheitert sind, will Abbas gegen den Willen der Hamas-Regierung Neuwahlen durchsetzen. Den blutigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten fielen bereits 17 Menschen zum Opfer. Auch Katar und Ägypten haben sich um Vermittlung in dem Konflikt bemüht.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat den syrischen Präsidenten Baschir el Assad zu Anstrengungen für eine Friedensregelung im Nahen Osten aufgerufen. Assad solle sich nicht hinter "lärmenden Erklärungen verstecken", sondern etwas für einen "wirklichen Friedensprozess" tun, forderte Olmert bei einer Sitzung seiner Kadima-Fraktion im israelischen Parlament. Olmert ordnete zudem eine Reihe von Erleichterungen zu Gunsten der Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen an. Radikale Palästinenser beschossen vom Gazastreifen aus wieder Israel  mit selbst gebauten Raketen.

Olmert sagte, Assad solle die Unterstützung des "Terrorismus" aufgeben. Er hoffe, dass dann ein Dialog mit Syrien aufgebaut werden könne. Allerdings müsse Syrien die Unterstützung der palästinensischen Hamas-Bewegung und der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah aufgeben und "alle Verbindungen zum Iran abbrechen". Auf dieser Grundlage habe er "keinen Zweifel, dass Verhandlungen eröffnet werden können", fügte Olmert hinzu.

Der israelische Ministerpräsident hatte wiederholt Aufrufe Assads zu Verhandlungen abgelehnt und zur Begründung auf die militärische Unterstützung der Hisbollah und der Hamas durch Syrien hingewiesen. Direkte Verhandlungen zwischen Syrien und Israel gab es zuletzt im Jahr 2000.

Israel will im Westjordanland etwa 60 Militärsperren abbauen und damit die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung verbessern. Angesichts neuer Raketenangriffe militanter Palästinenser aus dem Gazastreifen droht die vor einem Monat vereinbarte Waffenruhe aber wieder zu scheitern.

Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez sagte nach Angaben seines Büros am Montag, er habe die Armee angewiesen. 59 Straßensperren abzubauen, davon 27 sofort. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hatte dies bei einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Samstag vereinbart.

Mit den Erleichterungen für die Palästinenser will Israel die moderaten Kräfte um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas stärken. Abbas steht unter erheblichem innenpolitischen Druck, seit er vorvergangene Woche gegen den Willen der regierenden islamistischen Hamas vorgezogene Wahlen ausgerufen hatte.

Israels Verteidigungsminister Amir Perez sprach sich für die Freilassung einiger palästinensischer Häftlinge aus. Dafür solle nicht zur Bedingung gemacht werden, dass die Palästinenser zuvor den entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit auf freien Fuß setzten, sagte Perez. Jedes Jahr würden um die Weihnachtstage Gefangene freigelassen, und auch in diesem Jahr sollte es eine solche wohlwollende Geste geben. Auch der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erwägt, mehrere Palästinenser freizulassen,

Am Montag schlug eine von militanten Palästinensern abgefeuerte Kassam-Rakete im Bereich einer «strategisch wichtigen Einrichtung» in der israelischen Küstenstadt Aschkelon ein, wie eine Armeesprecherin bestätigte.

Sie nannte keine Einzelheiten. Israelische Medien berichteten, in der Anlage seien mehrere Gebäude beschädigt worden. In der Vergangenheit hatten militante Palästinenser mehrmals versucht, ein Kraftwerk in Aschkelon zu treffen.

Insgesamt wurden am Montag drei Raketen in das israelische Grenzgebiet abgefeuert. Seit Beginn der Waffenruhe vor einem Monat haben militante Palästinenser nach israelischen Angaben mehr als 55 Kassam-Raketen auf Israel geschossen.

Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez betonte nach den neuen Angriffen, Israel werde gegen militante Palästinenser vorgehen, die Raketen abfeuern. Bislang unterließ die israelische Armee Gegenangriffe, selbst wenn Soldaten militante Palästinenser beim Abschießen von Raketen beobachten.

Das israelische Außenministerium forderte den israelischen Botschafter bei den Vereinten Nationen auf, dem Weltsicherheitsrat und dem künftigen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unverzüglich eine Protestnote zu schicken. "Israel hat bisher Zurückhaltung an den Tag gelegt (...), aber wir warnen den UN-Sicherheitsrat, dass diese nicht mehr lange anhalten kann", hieß es.

(Quellen: ap, dpa, afp)
 


 

Äthiopien erklärt Islamisten Krieg

Di.26.12.06 - Nach der Kriegserklärung gegen die islamistischen Milizen in Somalia hat Äthiopien den Flughafen von Mogadischu bombardiert. Nahe der Grenze zwischen beiden Ländern fiel nach heftigen Kämpfen die Islamisten-Hochburg Beledweyne. Gefechte wurden auch aus anderen Orten gemeldet. Die Zahl der Toten wurde auf mehrere Hundert geschätzt. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht.

Äthiopien unterstützt die international anerkannte Übergangsregierung Somalias gegen die Union islamischer Gerichte, die seit dem Fall Mogadischus im Juni den Großteil des Landes kontrolliert.

Die EU warnte vor einer Ausweitung der Kämpfe zu einem Flächenbrand in der gesamten Region am Horn von Afrika.

(Quelle: dpa)


 

 

Analyse: Islamisten wollen 'Groß-Somalia'

Es herrscht wieder Krieg in Somalia. Äthiopische Streitkräfte kämpfen seit Sonntag offen an der Seite der schwachen Übergangsregierung gegen islamistische Milizen, die in dem ostafrikanischen Land einen Gottesstaat und ein «Groß-Somalia» errichten wollen.

Nur Stunden nach der Kriegserklärung Äthiopiens gegen die Union islamischer Gerichte meldete Addis Abeba, dass seine Streitkräfte mit Hilfe der Luftwaffe erste Geländegewinne gegen die Islamisten erzielt hätten. Bei den Gefechten sollen bislang mehrere Hundert Menschen getötet worden sein, unabhängige Angaben gibt es nicht. Die Europäische Union warnt, der Konflikt könne sich zu einem Flächenbrand ausweiten.

«Um uns gegen den Angriff der Union der Islamischen Gerichte zu wehren, sind wir heute gezwungen, in den Krieg zu ziehen», erklärte der äthiopische Ministerpräsident Meles Zenawi. Äthiopien müsse seine Souveränität gegen «Terroristen» und deren «anti-äthiopische Verbündete» verteidigen. «Wir wollen diesen Krieg so schnell wie möglich beenden.» Auf auf großen Zuspruch dürfte er bei den Somaliern nicht stoßen.

Die Islamisten, die seit Beginn des Jahres mehr und mehr Städte eingenommen haben, wurden von der Bevölkerung nach Jahren in Chaos und Anarchie zwar als Garanten für Stabilität willkommen geheißen - auch wenn sie sich vielfach Sympathien verscherzten, indem sie zum Beispiel in Mogadischu Kinovorstellungen verboten. Zuvor aber litten die Menschen unter der Willkür rivalisierender regionaler Kriegsherrn, die mit Hilfe ihrer Milizen Steuern eintrieben und ihre Macht demonstrierten. Als die Islamisten im Juni Mogadischu einnahmen, fielen erstmals seit Jahren die Grenzen zwischen den einzelnen Stadtvierteln, die Sicherheitslage verbesserte sich, und Putzkolonnen säuberten die Straßen der durch Krieg verwahrlosten Hauptstadt.

Gegenüber der internationalen Gemeinschaft gaben die Chefs der Islamischen Gerichte sich kompromissbereit und ließen sich sogar auf eine erste Runde von Friedensverhandlungen mit der geschwächten Übergangregierung ein. Doch nach innen lautete die Botschaft anders. Das Endziel ihres Chefs, Scheich Hassan Dahir Aweys, heißt «Groß-Somalia», ein islamischer Staat, der auch die von ethnischen Somaliern bewohnten Regionen in den Nachbarländern umfasst. «Wir werden nichts unversucht lassen, um unsere somalischen Brüder in Kenia und Äthiopien zu integrieren und ihnen zu ermöglichen, in Freiheit mit ihren Familien zu leben», sagt Aweys, der auf die Unterstützung von Äthiopiens Erzfeind Eritrea setzen kann.

Eben diese Ambitionen sind es, die bei der äthiopischen Regierung die Alarmglocken schrillen lassen. Äthiopien und Somalia haben zuletzt 1977 gegeneinander Krieg geführt, mit sowjetischen Panzern auf beiden Seiten. Die somalischen Truppen erreichten damals die Stadt Harar im Osten Äthiopiens und wurden dann zurückgetrieben.

Heute sind die Kräfteverhältnisse anders. Die Islamisten, denen die USA sogar Verbindungen zu Terroristen vorwerfen, waren bisher zwar militärisch erfolgreich. Sie hatten aber auch nur relativ schlecht ausgerüstete Milizen der Warlords als Gegner. Die äthiopische Armee gilt dagegen als die führende Militärmacht der Region. Allerdings gibt es auch Befürchtungen, dass die Islamisten eine Guerillataktik verfolgen und etwa Anschläge in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba verüben könnten.

Quelle: dpa, 25.12.2006

 


 


 

Bericht sieht drastischen Rückgang iranischer Ölexporte

Di.26.12.06 - Der Iran leidet laut einer wissenschaftlichen Analyse unter einem starken Rückgang der Einnahmen aus dem Ölexport. Sollte der Trend anhalten, könnten die Einnahmen der Analyse zufolge bis 2015 praktisch versiegen. Die wirtschaftlichen Probleme könnten das Land destabilisieren, erklärte der Wirtschaftsgeograph Roger Stern von der Johns-Hopkins-Universität in dem am Montag in der Zeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» in Washington veröffentlichten Bericht.

Der Iran nimmt mit Ölexporten jährlich etwa 50 Milliarden Dollar ein. Der Rückgang wird auf jährlich zehn bis zwölf Prozent geschätzt. Damit könnte sich der Export in weniger als fünf Jahren halbieren und bis 2015 ganz zum Erliegen kommen. Die Ablehnung ausländischer Investitionen zur Entwicklung neuer Ölquellen und mangelhafte staatliche Planung trügen zu den Problemen bei.

Die Analyse stützt den von den USA und anderen westlichen Staaten geäußerten Verdacht, dass der Iran die Entwicklung von Atomwaffen vorantreibe. Doch kann es laut Stern sein, dass das Land die Atomkraft für zivile Zwecke tatsächlich «so dringend benötigt, wie es das behauptet». Die Ölförderung gehe zurück, und Öl und Gas werden im Iran zu hoch subventionierten Preisen verkauft. Zugleich werde es versäumt, Einnahmen aus der Ölförderung zu reinvestieren. Angesichts einer explodierenden Nachfrage zu Hause und schlechtem Management könne die Atomkraft, von Russland finanziert, einen real vorhandenen Bedarf für mehr Strom decken.

Der Iran produziert täglich etwa 3,7 Millionen Barrel (das Fass zu 159 Liter) Öl, etwa 300.000 Barrel weniger als von der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) für das Land vorgesehen. Die Differenz bedeutet laut Stern einen Verlust von 5,5 Milliarden Dollar jährlich. 2004 machten die Gewinne aus dem Ölgeschäft 65 Prozent der staatlichen Einnahmen aus. Außerdem würden Lecks in den Raffinerien nicht abgedichtet. «Das summiert sich zu einem Verlust von zehn bis elf Milliarden Dollar jährlich», erklärte Stern. «Das bietet das Bild einer zusammenbrechenden Industrie.»

In einigen Jahren werde der Iran daher möglicherweise politisch viel konzilianter reagieren. Eine Militäraktion der USA gegen Teheran wäre deswegen nicht ratsam, sagte Stern. «Das einzige, was das Land derzeit einen könnte, wäre, es zu bombardieren. Hier ist ein Problem, das sich vielleicht von selbst löst.»

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland

Umweltbundesamt ermahnt Industrie zu weiteren Klimaschutz-Anstrengungen

Di.26.12.06 - Das Umweltbundesamt (UBA) hat die Wirtschaft zu größeren Anstrengungen im Klimaschutz ermahnt. «Die Industrie kann mehr tun», sagte UBA-Präsident Andreas Troge dem «Handelsblatt» (Mittwochausgabe). Er verstehe daher die Aufregung um die Forderungen der EU-Kommission nicht. Troge warnte davor, den Emissionshandel als Instrument des Klimaschutzes zu zerreden.

«Der BDI hat sich doch bereits 2000 verpflichtet, die Kohlendioxidemissionen aus seinem Bereich um 45 Millionen Tonnen bis 2010 zu senken», sagte Troge. Der Industrieverband hatte kürzlich in einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel geklagt, die Entscheidung der EU-Kommission über den deutschen Zuteilungsplan für Emissionsrechte 2008 bis 2012 belaste das Investitionsklima nachhaltig. Umweltminister Sigmar Gabriel hatte dagegengehalten, die Vorgabe aus Brüssel sei noch immer milder als die Selbstverpflichtung der Industrie.

Die Bundesregierung will Industrie und Energiekonzernen in dem Zeitraum jährlich Rechte zum Ausstoß von 465 Millionen Tonnen Kohlendioxid zubilligen. Die EU-Kommission will die Menge auf rund 453 Millionen Tonnen senken und zudem die Sonderregelungen für neue Kraftwerke kippen

Auch Troge sieht diese Sonderregeln kritisch. «Die 14 Jahre währende feste Zuteilung der Zertifikate für Neuanlagen ist eingeführt worden, weil sie Investitionsanreize setzen sollte. Kraftwerksbetreiber wollen langfristig kalkulieren. Gegen langfristige Zusagen ist aber einzuwenden, dass dann an anderer Stelle, also etwa in den Bereichen Verkehr und Haushalt, die fehlenden Emissionsverminderungen zusätzlich erbracht werden müssen. Das kann für die Gesellschaft wesentlich teurer werden», sagte der UBA-Präsident der Zeitung.

Nach Ansicht Troges gibt es beim Klimaschutz «noch enorme Reserven im Verkehrsbereich». Im Moment sehe es nicht danach aus, als könnte die europäische Automobilindustrie ihre Selbstverpflichtung zur Reduktion der Kohlendioxidemissionen bis 2008 erfüllen. Die Politik dürfe daher nicht zögern, zu ordnungsrechtlichen Mitteln zu greifen, sagte Troge.

(Quelle: ap)
 


 

Bsisrke hält Großteil der Gesundheitsreform für verfassungswidrig

Di.26.12.06 - Ver.di-Chef Frank Bsirske hat die Verfassungsmäßigkeit der in der Gesundheitsreform vorgesehenen Neuregelung des Isolvenzrechts für Krankenkassen in Frage gestellt. Ausdrücklich warnte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP vor einer Pleitewelle auch für gut wirtschaftende Kassen, wenn diese Regelung so umgesetzt werde. «Hier steckt jede Menge Sprengstoff drin», betonte er. Als Folge würden dann Patienten nur noch gegen Vorkasse behandelt, sagte Bsirske.

Nach der bisherigen Fassung der Gesundheitsreform soll das Insolvenzrecht künftig auch für Krankenkassen gelten. Danach müssten die Kassen Pensionsverpflichtungen als Rückstellungen bilanzieren, woran sie bislang häufig rechtsaufsichtlich gehindert worden seien. Damit werde das ganze System zusammenstürzen, sagte Bsirske. Die Beiträge müssten drastisch angehoben werden. Er habe «erhebliche Zweifel», ob die politisch Verantwortlichen die Wirkung einer solchen Änderung überhaupt überblicken könnten, sagte Bsirske.

Gleichzeitig bekräftigte der ver.di-Vorsitzende seine Befürchtung, dass durch die Reform das System der Solidarität im Gesundheitswesen gänzlich ausgehöhlt werde. Der eigentliche Kern der Reform sei eine «Teilprivatisierung des Krankheitsrisikos». Damit seien private Zusatzversicherungen, die ausschließlich von den Arbeitnehmern bezahlt werden, nicht mehr zu vermeiden. Das sei eine hochproblematische Entwicklung, die zudem mit handwerklichen Fehlern einhergehe.

(Quelle: ap)
 


 

IG-BAU-Chef Wiesehügel kritisiert Hartz-IV-Reform als ungerecht

Di.26.12.06 - Zwei Jahre nach dem Start von Hartz IV hat der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt, Klaus Wiesehügel, die Arbeitsmarktreform als ungerecht kritisiert. Insbesondere die Zumutbarkeitsregeln für die Annahme eines neuen Jobs müssten dringend gelockert werden, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende der Nachrichtenagentur AP. «Die Arbeitslosen müssen auch Möglichkeiten bekommen, Jobs, die überhaupt nicht ihrer Qualifikation entsprechen, abzulehnen», sagte Wiesehügel.

Bislang könnten Arbeitslose auf jeden Job vermittelt werden, völlig unabhängig von ihrer Vorbildung und Persönlichkeit, kritisierte Wiesehügel. Dabei hätten sie keine Chance, die angebotene Stelle abzulehnen, ohne ihre Hartz-IV-Ansprüche zu verlieren. Der IG-BAU-Vorsitzende kritisierte zugleich das Ausmaß der Vermögensanrechnung bei Langzeitarbeitslosen: «Die Menschen müssen alles abgeben, was sie für das Alter angespart haben.» Die Freibeträge müssten erhöht werden, ansonsten drohten «katastrophale Auswirkungen».

Die Forderung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU), Älteren länger Arbeitslosengeld I auszuzahlen, bezeichnete Wiesehügel als grundsätzlich richtig. «Es kann ja nicht sein, dass der, der fast sein ganzes Leben gearbeitet hat und dann durch einen Schicksalsschlag arbeitslos wird, genauso wenig bekommt wie jemand, der nur ein Jahr beschäftigt war», sagte Wiesehügel. Die von Rüttgers vorgeschlagene Finanzierung zu Lasten jüngerer Arbeitsloser halte er aber für falsch.

In der Debatte über die Einführung von Mindestlöhnen sagte Wiesehügel, nötig sei eine branchenspezifische Lösung, wie es sie unter anderem im Bauhauptgewerbe und bei den Gebäudereinigern gebe. In Branchen, in denen die Tarifbindung zu niedrig sei oder sich die Tarifparteien nicht einigen könnten, solle ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden, sagte der Gewerkschaftschef. Kombilöhne dagegen, wie von Teilen der Union gefordert, seien teuer und unwirksam. Entsprechende Modellprojekte hätten jeweils nur ein paar Hundert Arbeitslosen Stellen verschafft.

(Quelle: ap)
 


 

IG Metall kündigt Proteste im Januar gegen Rente mit 67 an

Di.26.12.06 - Die IG Metall hat für Januar Proteste gegen die von der Bundesregierung beschlossene Rente mit 67 angekündigt. «In den Betrieben rumort es, die Empörung bei den Arbeitnehmern über diese Pläne der Großen Koalition sind enorm», sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters der Nachrichtenagentur AP. Die Gewerkschaft werde der Entwicklung nicht tatenlos zusehen: «Die IG Metall wird im Januar zu Demonstrationen und Protesten gegen die Einführung der Rente mit 67 auffordern.»

Nur jeder fünfte Arbeitnehmer gehe heute mit 65 aus dem aktiven Erwerbsleben in die Rente, alle anderen seien längst ausgeschieden, weil die hohen Belastungen nicht auszuhalten seien. «Rente mit 67 ist nichts anderes als ein massives Programm zur breiten Absenkung der Rentenbezüge», sagte Peters. Wer es sich leisten könne, werde noch mehr in die private Vorsorge stecken. Die anderen Arbeitnehmer liefen Gefahr, in Altersarmut zu geraten.

«Unsere Zukunftsvision besteht jedoch nicht in der Stärkung der privaten Rentenfonds und des Kapitalmarktes mit allen Verlustrisiken für die Rentner, sondern in der Stärkung und Sicherung der solidarischen Rentenversicherung», sagte Peters. Nötig seien vernünftige Ausstiegsszenarien für die Arbeitnehmer. Mit 40 Versicherungsjahren müsse man auch vor dem 65. Lebensjahr ohne Abschläge in den wohlverdienten Ruhestand gehen können. Zusätzlich sei eine Verlängerung der Altersteilzeit oder eine gleichwertige Nachfolgeregelung nötig.

(Quelle: ap)
 
 
 
 

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