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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertundelften Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Spannungen im Südirak nach britischem Einsatz gegen Polizei.
Mindestens 36 Menschen kommen bei Bombenattentaten ums Leben. Allein in
Bagdad 25 Tote bei dreifachem Autobombenanschlag. Zahl der US-Toten im
Irak übersteigt die der Opfer von 9/11. Berufungsgericht
bestätigt Todesurteil gegen Saddam Hussein
Mi.27.12.06 - Nach der Erstürmung und Sprengung einer Polizeistation im
südirakischen Basra sind die britischen Streitkräfte in
Alarmbereitschaft versetzt worden. Man rechne mit Angriffen,
erklärte Major Charlie Burbridge am Dienstag. Rund 800 britische
Soldaten hatten bei der Aktion sieben Bewaffnete getötet und 127
Gefangene verlegt, die nach britischen Angaben hingerichtet werden
sollten.
Im Irak kamen am Dienstag erneut mindestens 36 Menschen bei
Bombenattentaten ums Leben. Der schwerste Anschlag ereignete sich im
Westen von Bagdad, wo bei der koordinierten Explosion von drei
Autobomben nach Krankenhausangaben 25 Menschen in den Tod gerissen und
mindestens 55 verletzt wurden.
Die US-Streitkräfte meldeten am Dienstag den Tod von sechs
weiteren Soldaten. Damit kamen nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP seit Kriegsbeginn im März 2003 mehr
Angehörige der US-Streitkräfte im Irak ums Leben (mindestens
2.978) als es Todesopfer bei den Terroranschlägen des 11. September
2001 gab (2.973).
Die Polizeistation in Basra wurde in der Nacht zum Montag
gestürmt. Man habe geheimdienstliche Hinweise erhalten, dass
irakische Polizisten Untersuchungshäftlinge hinrichten wollten,
erklärte ein britischer Militärsprecher. Die 127 Gefangenen,
die Folterspuren aufwiesen, wurden verlegt. Die Polizei in Basra soll
von schiitischen Milizionären unterwandert sein.
Major Burbridge sagte, die Aktion sei Teil einer langfristigen
Strategie, um das Ansehen der irakischen Polizei wiederherzustellen und
sie effektiver und verantwortlicher zu machen. Ein Sprecher des
irakischen Verteidigungsministeriums erklärte am Montag, die
Regierung habe das Vorgehen gebilligt. Doch Kritik kam vom Rat der
Provinz Basra, der nach Angaben eines Abgeordneten nicht informiert war.
Hakim al Maijahi rügte zudem, die Aktion sei überzogen
gewesen. Burbridge sagte, der Gouverneur der Provinz sei unterrichtet
gewesen und habe eingewilligt.
Am Dienstag gab es Burbridge zufolge zunächst nicht mehr Angriffe
auf Stützpunkte britischer Truppen. Großbritannien hat rund
7.000 Soldaten im Irak stationiert, die meisten davon in Umkreis von
Basra.
Saddam Hussein droht binnen 30 Tagen der Tod durch Erhängen. Ein
Berufungsgericht in Bagdad bestätigte die Todesstrafe gegen den
früheren irakischen Machthaber wegen eines Massakers an Schiiten
im Jahr 1982. Nach irakischem Gesetz läuft damit eine Frist von 30
Tagen bis zur Vollstreckung des Todesurteils. Ein Richter des
Berufungsgerichts bekräftigte, dass Saddam Hussein ab sofort
gehängt werden könne. Der Chefverteidiger des zum Tode
Verurteilten nannte die Entscheidung des Berufungsgerichtes
vorhersehbar und sprach von einem "politischen Prozess".
Ein Sprecher des Berufungsgerichtes wollte kein Datum für eine
Hinrichtung nennen. Dies sei eine Angelegenheit für die
Staatsführung. Nach Angaben eines Mitglieds des Tribunals, Richter
Arif Schaheen, soll Saddam Hussein jedoch tatsächlich innerhalb
von 30 Tagen hingerichtet werden. Die neunköpfige Kammer des
Berufungsgerichtes fällte ihre Entscheidung nach Angaben Schaheens
einstimmig.
Anfang November hatte ein Sondertribunal in Bagdad Saddam Hussein nach
rund einjährigem Prozess wegen des Massakers an 148 schiitischen
Bewohners des Dorfs Dudschail im Jahr 1982 zum Tode durch den Strang
verurteilt. Auch gegen zwei weitere Angeklagte wurde die Todesstrafe
verhängt, gegen vier Mitangeklagte wurden Haftstrafen zwischen 15
Jahren und lebenslänglich ausgesprochen.
Das Berufungsgericht bestätigte auch die Todesstrafen für den
früheren Geheimdienstschef Barsan el Tikriti und den
Ex-Präsidenten des Revolutionsgerichtes Awad el Bandar. Im Falle
des zu lebenslanger Haft verurteilten Ex-Vize-Präsidenten Taha
Jassin Ramadan forderten die Berufungsrichter eine härtere Strafe.
Er sei von der Entscheidung des Berufungsgerichtes nicht
überrascht, sagte der Chef des Verteidigerteams für Saddam
Hussein, Chalid el Dulaimi, in der jordanischen Hauptstadt Amman.
"Dieses Urteil steht auf den Agenden der USA und des Irans, mit dem
Ziel den Irak zu teilen und in einen Bürgerkrieg zu treiben."
Keine Auswirkung auf die Verhängung der Todesstrafe wird ein
zweiter Prozess haben, der derzeit gegen Saddam Hussein läuft.
Gemeinsam mit sechs früheren Getreuen muss er sich wegen der
"Operation Anfal" juristisch verantworten, bei der laut Anklage 1987
und 1988 mehr als 180.000 Kurden getötet wurden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 27.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertsiebenundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Israel billigt neue Siedlung im Westjordanland. Zwei Israelis bei
palästinensischem Raketenangriff verletzt
Mi.27.12.06 - Entgegen seiner Zusagen an die internationale Gemeinschaft hat Israel
eine neue Siedlung im Westjordanland genehmigt. Wie ein
Behördensprecher am Dienstag bekannt gab, wurde der Bau der
Siedlung Maskiot in der vergangenen Woche vom Verteidigungsministerium
abschließend gebilligt. Die Arbeiten für den Ort, in dem
Einwohner geräumter Siedlungen aus dem Gazastreifen leben sollen,
begannen bereits vor mehreren Monaten.
Dem Nahost-Quartett aus USA, EU, UN und Russland hatte Israel zugesagt,
den Bau von Siedlungen im Westjordanland einzufrieren. Ein enger
Vertrauter des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas,
Sajeb Erakat, rief die israelische Regierung auf, die Genehmigung
für den Siedlungsbau rückgängig zu machen.
Bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser auf die
israelische Grenzstadt Sderot sind am Dienstagabend nach Angaben des
Rettungsdienstes zwei Israelis schwer verletzt worden. Das vom
Gazastreifen aus abgefeuerte Geschoss schlug den Angaben zufolge in
einem Haus ein. Insgesamt seien am Dienstag sieben Raketen auf Israel
abgeschossen worden, teilten die Streitkräfte mit.
Eine Ende November zwischen Israel und den Palästinensern
ausgehandelte Waffenruhe sollte diese Angriffe stoppen. In den
vergangenen Tagen begannen militante Palästinenser jedoch wieder
mit dem Raketenbeschuss. Israel hat die Angriff bislang nicht erwidert.
Der frühere Verteidigungsminister Schaul Mofas forderte am vorigen
Sonntag einen Militäreinsatz, um den Raketenbeschuss zu beenden.
Die Regierung müsse sobald wie möglich einen breit angelegten
Einsatz anordnen, sagte der jetzige Verkehrsminister nach Angaben aus
Kabinettskreisen.
(Quelle: ap)
Blutige Kämpfe in Somalia - Laut Berichten mehr als 1.000 Tote
Mi.27.12.06 - Mit der militärischen Intervention Äthiopiens sind die
Kämpfe in Somalia eskaliert. Es gebe Berichte über
möglicherweise mehr als 1.000 Tote und 3.000 Verletzte,
erklärte der äthiopische Ministerpräsident Meles Zenawi
am Dienstag vor Journalisten in Addis Abeba. Nach dem Eingreifen seiner
Truppen auf Seiten der somalischen Übergangsregierung seien die
islamistischen Kämpfer inzwischen geschwächt und hätten
einen taktischen Rückzug eingeleitet.
Bei vielen der Opfer handele es sich nicht um Somalier, sagte Meles,
ohne Einzelheiten zu nennen. Zuvor hatte er aber den islamischen
Milizen in Somalia vorgeworfen, zahlreiche ausländische
Kämpfer rekrutiert zu haben. Äthiopien räumte am
Wochenende offiziell ein, in die Kämpfe eingegriffen zu haben. An
Weihnachten griffen äthiopische Kampfflugzeuge auch die
internationalen Flughäfen in Mogadischu und Baledogle an.
Die international anerkannte somalische Übergangsregierung
forderte die Miliz am Dienstag zur Kapitulation auf und bot den
Kämpfern eine Amnestie an. «Wir fordern die Miliz der
islamischen Gerichte auf, sich der Regierung zu ergeben, bevor sie von
ihr bestraft wird», sagte Regierungssprecher Abdirahman Dinari in
Baidoa, wo die Übergangsregierung ihren Sitz hat.
Der Führer des Rats der Islamischen Gerichte, Sheik Sharif Sheik
Ahmed, gab sich jedoch unbeugsam und sagte, die Miliz habe sich
lediglich zu einem taktischen Rückzug entschlossen. «Der
Krieg tritt in eine neue Phase ein», sagte Ahmed. «Wir
werden sehr lange gegen Äthiopien kämpfen und erwarten, dass
sich der Krieg auf alle Orte ausweitet.» Die Miliz hat seit dem
Sommer weite Teile des Landes mit der Hauptstadt Mogadischu in ihrer
Hand.
Der äthiopische Ministerpräsident Meles erklärte, er
wolle seine Truppen so schnell wie möglich wieder
zurückziehen. Bislang hätten sie etwa die Hälfte ihrer
Mission erreicht. Augenzeugen berichten schon seit Wochen, dass
äthiopische Soldaten in Somalia im Einsatz sind. Meles
begründete die Intervention mit dem Kampf gegen internationale
Terroristen und der Wahrung äthiopischer Interessen. Die USA gehen
davon aus, dass auch ehemalige Al-Kaida-Führer zur
Führungsspitze der Miliz gehören.
An der Hauptfront nahe der im Westen gelegenen Stadt Baidoa verlegten
die Einheiten des Rats der Islamischen Gerichte ihre Stellungen mehr
als 50 Kilometer nach Südosten, wie Augenzeugen berichteten.
Außerdem gaben sie ihre Stellung in Bur Hakaba auf. «Wir
sind heute morgen aufgewacht, und die Stadt war leer, kein einziger
islamischer Kämpfer ist noch da», sagte ein Bewohner. Im
Norden des Landes zogen Regierungstruppen und äthiopische
Einheiten in der Stadt Bulo Barde ein. Dort hatte ein islamischer
Geistlicher vor zwei Wochen mit der Hinrichtung all jener gedroht, die
sich nicht fünf Mal am Tag zum Gebet niederließen.
Somalia hat seit dem Sturz von Staatschef Mohamed Siad Barre im Jahr
1991 keine funktionierende Zentralregierung mehr. Von der
Machtübernahme der Islamisten versprachen sich viele Somalier
zunächst zumindest Ruhe und Stabilität. Experten
befürchten unterdessen, dass Somalia zum Schauplatz eines
regionalen Kriegs am Horn von Afrika werden könnte. Nach einem
UN-Bericht beliefern zehn Staaten die Konfliktparteien in Somalia mit
Waffen und Ausrüstung.
Die Afrikanische Union (AU), die Arabische Liga und die regionale
IGAD-Gruppe beriefen für Mittwoch Gespräche über die
Krise in Somalia ein. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
zeigte sich besorgt über die Eskalation. Das Auswärtige Amt
sagte der Diakonie Katastrophenhilfe 250.000 Euro für die
Erstversorgung von Flüchtlingen zu. Bereits in den letzten Wochen
hatte das Auswärtige Amt Hilfsprojekte in Somalia und zu Gunsten
somalischer Flüchtlinge in Kenia mit 1,2 Millionen Euro
unterstützt.
(Quelle: ap)
USA signalisieren Zustimmung zu äthiopischem Einsatz in Somalia
Mi.27.12.06 - Die USA haben ihre Unterstützung der militärischen
Intervention Äthiopiens in Somalia signalisiert. Wegen des
Erstarkens islamistischer Kräfte in dem Nachbarland folge
Äthiopien eigenen Sicherheitsbelangen, sagte
Außenamtssprecher Gonzalo Gallegos am Dienstag in Washington. Er
verwies ferner darauf, dass die äthiopischen Streitkräfte auf
Wunsch der international anerkannten somalischen
Übergangsregierung in den Konflikt mit den islamistischen Milizen
eingegriffen hätten.
(Quelle: ap)
UN-Sicherheitsrat vertagt Beratungen zu Somalia
Mi.27.12.06 - Der UN-Sicherheitsrat hat sich am Dienstag nicht auf eine
Erklärung zu Somalia einigen können und seine Beratungen auf
(den heutigen) Mittwoch vertagt. Ein Entwurf Katars, das die
Ratspräsidentschaft innehat, stieß bei anderen Mitgliedern
auf Ablehnung. Zuvor hatte sich der UN-Sondergesandte für Somalia,
François Lonseny Fall, in der Dringlichkeitssitzung für
einen sofortigen Waffenstillstand in dem Land am Horn von Afrika
ausgesprochen.
In dem Entwurf Katars wurde ein sofortiger Abzug aller
ausländischen Truppen aus Somalia gefordert. Namentlich wurde
Äthiopien genannt. Andere Ratsmitglieder, darunter alle
Vetomächte und die afrikanischen Staaten Ghana und Tansania,
erklärten, vor einem Abzug ausländischer Truppen müssten
Friedensgespräche aufgenommen und mit einer politischen
Vereinbarung Stabilität geschaffen werden.
Der französische UN-Botschafter Jean-Marc de La Sablière
sagte, wichtig seien ein Waffenstillstand und die Wiederaufnahme eines
Dialogs. Der amtierende US-Botschafter bei den UN, Alejandro Wolff,
sagte, die Erklärung dürfe sich nicht auf ein einzelnes Land
konzentrieren.
Der UN-Sondergesandte Fall sagte, der Konflikt könne nur auf dem
Verhandlungsweg gelöst werden. Mit der militärischen
Intervention Äthiopiens sind die Kämpfe in Somalia seit dem
Wochenende eskaliert. Äthiopien unterstützt mit seinen
Truppen die international anerkannte somalische Übergangsregierung
gegen die islamistischen Milizen. Fall sagte, die Kämpfe
hätten sich auf ein 400 Kilometer breites Gebiet ausgedehnt. Die
UN hätten deswegen die Versorgung von zwei Millionen Menschen im
Süden und der Mitte des Landes einstellen müssen.
(Quelle: ap)
Sudan stimmt Blauhelmen für Darfur nach UN-Stufenplan zu
Mi.27.12.06 - Die sudanesische Regierung hat ihren Widerstand gegen Soldaten der
Vereinten Nationen in der Krisenregion Darfur aufgegeben. In einem am
Dienstag in New York veröffentlichten Brief an den scheidenden
UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte der sudanesische
Präsident Omar al Baschir seine Zustimmung zu einer
UN-Verstärkung für die derzeit in Darfur stationierte Truppe
der Afrikanischen Union (AU). Er akzeptiere die UN-Vorschläge zu
Darfur und sei zu neuen Friedensgesprächen bereit.
Offen ließ Al Baschir allerdings die Frage nach Größe
und Kommando einer gemischten Friedenstruppe von AU und UN. Die
Regierung in Khartum hat wiederholt betont, dass die Truppe unter
AU-Kommando stehen müsse.
Der UN-Sicherheitsrat hatte die Stationierung von 20.000 Blauhelmen als
Ersatz der überforderten 7.000 AU-Soldaten ins Auge gefasst, nach
Widerstand aus Khartum erarbeitete die internationale Gemeinschaft aber
neue Vorschläge. Sie sehen nun eine stufenweise Aufstockung der
AU-Truppe vor. Al Baschir nannte den UN-Plan einen guten «Rahmen
für die friedliche Lösung» des Konflikts in Darfur.
Die ersten beiden Phasen des UN-Vorschlags sollten planmäßig
umgesetzt werden, erklärte Al Baschir. In einem ersten Schritt ist
die Entsendung von knapp 100 UN-Mitarbeitern sowie die Bereitstellung
von Fahrzeugen, Nachtsichtgeräten und Ortungseinrichtungen
vorgesehen. Die zweite Stufe umfasst die Entsendung hunderter weiterer
UN-Soldaten, Polizisten und zivilen Mitarbeiter.
Der Gewalt in Darfur sind in den vergangenen drei Jahren schon mehr als
200.000 Menschen zum Opfer gefallen, etwa 2,5 Millionen wurden in die
Flucht getrieben.
(Quelle: ap)
Mindestens 200 Tote bei Pipeline-Explosion in Nigeria
Mi.27.12.06 - Bei der Explosion einer Pipeline in der nigerianischen Metropole Lagos
sind am Dienstag mindestens 200 Menschen getötet worden. Der
Unglücksort sei mit verkohlten Leichen übersät und es
würden immer mehr Todesopfer gezählt, sagte ein Sprecher des
Roten Kreuzes, Ige Oladimeji. Brände behinderten die
Rettungsbemühungen, es gab zahlreiche Verletzte. Die Explosion
ereignete sich am frühen Morgen, als Augenzeugen zufolge
Plünderer an der Leitung Treibstoff auffingen.
Wegen der Flammen und der enormen Hitze könnten die
Rettungskräfte nicht nah genug an den Unglücksort herankommen,
sagte Oladimeji. Über dem Stadtviertel Adule Egba waren auch
Stunden nach der Explosion noch dichte Rauchwolken zu sehen. Die
Ursache der Explosion war zunächst nicht bekannt.
Augenzeugen berichteten, kurz nach Mitternacht habe es ein Leck in der
Pipeline gegeben und Plünderer hätten stundenlang Treibstoff
in Plastik-Kanistern aufgefangen. Schließlich sei ein Feuer
ausgebrochen.
In Nigeria versuchen Menschen häufig, aus Pipelines Öl
für den Eigengebrauch oder den Verkauf auf dem Schwarzmarkt
abzuzapfen. Dabei sind in den vergangenen Jahren mehr als 1.000 Menschen
ums Leben gekommen, erst im Mai wurden bei einer ähnlichen
Explosion in Lagos mehr als 150 Menschen in den Tod gerissen.
(Quelle: ap)
Verfolgungen an Armeniern auf Tagesordnung im neuen US-Kongress
Mi.27.12.06 - Die traditionell guten Beziehungen zwischen den USA und der Türkei
stehen im neuen Jahr wahrscheinlich vor einer Belastungsprobe: Gegen den
Willen von Präsident George W. Bush will die neue Kongressmehrheit
der Demokraten eine Erklärung verabschieden, in der die
Verfolgungen an den Armeniern in den Jahren von 1915 bis 1917 als
Völkermord eingestuft werden. Damals wurden vor dem Hintergrund
des Ersten Weltkriegs und der Parteinahme von Armeniern für den
türkischen Kriegsgegner Russland bis zu 1,5 Millionen
Angehörige der armenischen Minderheit getötet.
Die historische Debatte hat auch in Washington höchst aktuelle
politische Implikationen: Die Demokraten im Senat blockieren bislang die
Berufung des Diplomaten Richard Hoagland zum neuen Botschafter in
Armenien, weil Bushs Kandidat für dieses Amt die
Völkermord-Bezeichnung für die Massaker ablehnt. Das
Weiße Haus hat davor gewarnt, dass bereits eine Debatte der
Völkermordfrage im Kongress die Beziehungen zum strategisch
wichtigen NATO-Partner Türkei beeinträchtigen könnte. So
hat die Türkei beschlossen, die Militärbeziehungen zu
Frankreich auszusetzen. Anlass war die Entscheidung der
Nationalversammlung im Oktober, die Völkermord-Leugnung unter
Strafe zu stellen.
Die Türkei hat die Darstellung einer geplanten Verfolgung der
Armenier durch das Osmanische Reich als haltlos zurückgewiesen und
spricht lediglich von zivilen Unruhen während des Zusammenbruchs
des Osmanischen Reichs. Auch wird die Zahl von 1,5 Millionen Toten als
übertrieben zurückgewiesen.
In Washington dringen Amerikaner mit armenischer Abstammung seit Jahren
auf eine Völkermord-Resolution. Der Ausschuss des
Repräsentantenhauses für internationale Beziehungen sprach
sich im vergangenen Jahr für die Einstufung der Verfolgungen als
Völkermord aus. Die republikanische Mehrheit der Parlamentskammer
verhinderte damals jedoch eine Abstimmung im Plenum.
Nach der Wahl im November sieht dies jetzt völlig anders aus. Die
designierte demokratische Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi hat
ihre Unterstützung für eine Völkermord-Erklärung
bekundet. An dieser Haltung habe sich nichts geändert, sagt ihr
Sprecher Drew Hamill. «Ich denke, wir haben wahrscheinlich die
beste Chance des Jahrzehnts, eine Resolution zum Völkermord an den
Armeniern zu verabschieden», erklärt der demokratische
Abgeordnete Adam Schiff, der sich dafür besonders eingesetzt hat.
In der zweiten Parlamentskammer riefen die beiden Senatoren Robert
Menendez und Harry Reid Außenministerin Condoleezza Rice auf, die
Nominierung von Hoagland zum Botschafter in Armenien
rückgängig zu machen. In dem der Nachrichtenagentur AP
vorliegenden Antwortschreiben von Staatssekretär Nicholas Burns
wird dies zurückgewiesen. Weder Hoagland noch die Regierung
hätten die Tatsache der Vernichtung und Vertreibung von bis zu 1,5
Millionen Armeniern in den letzten Jahren des Osmanischen Reichs
bestritten, heißt es in dem Brief. Es wäre daher «eine
Schande für den gesamten Auswärtigen Dienst», wenn dem
erfahrenen Diplomaten Hoagland die Anerkennung verweigert werden sollte.
(Quelle: ap)
Aufruf zu Frieden und Mitmenschlichkeit bestimmt Weihnachtspredigten -
Papst hofft auf Annäherung in Nahost
Mi.27.12.06 - Die christlichen Kirchen haben an Weihnachten zu Frieden sowie
Mitmenschlichkeit und Kinderfreundlichkeit aufgerufen. Papst Benedikt
XVI. setzte in seiner Weihnachtsbotschaft die Hoffnung vor allem auf
eine Annäherung zwischen Israel und Palästinensern. Der
Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl
Lehmann, rief zu menschlicherem Umgang miteinander im Alltag auf. Und
der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof
Wolfgang Huber, appellierte an die Bundesbürger, die
Gleichgültigkeit gegenüber Kindern zu überwinden.
Der Papst richtete auf dem Petersplatz in Rom den Blick mit
großer Sorge, aber auch neuer Hoffnung auf Bethlehem, den
Geburtsort Jesu im palästinensischen Westjordanland. Nach den
jüngsten Zeichen einer Annäherung zwischen Israel und den
Palästinensern hoffe er auf weitere «ermutigende
Entwicklungen» im Nahen Osten, sagte das Oberhaupt der
katholischen Kirche am Weihnachtstag. Es gehe darum, «mit gutem
Willen, mit Vernunft und Mäßigung eine Verschärfung der
Kontroversen zu verhindern», mahnte der aus Deutschland stammende
Papst und wies auch auf die Ungewissheit der weiteren Entwicklung im
Libanon hin. Ausdrücklich nannte er zudem noch den Krieg im Irak
sowie die Gewalt im Libanon, in Sri Lanka und in der sudanesischen
Krisenregion Darfur.
Trotz der technischen Möglichkeiten und Errungenschaften wie das
Internet sei die Welt weiter auf Erlösung angewiesen, betonte
Benedikt XVI. Die Menschheit des 21. Jahrhunderts trete «als
souveräner und sich selbst genügender Schöpfer des
eigenen Schicksals auf, als begeisterter Macher unbestrittener
Erfolge». Auf der anderen Seite aber gebe es weiter Hungertod,
Armut, Ausbeutung und Verfolgung. Nach seiner Ansprache
übermittelte der Papst unter dem Jubel von mehreren zehntausend
Menschen Weihnachtsgrüße in mehr als 60 Sprachen und
spendete den traditionellen Segen «Urbi et Orbi».
In Bethlehem selbst kamen an Weihnachten nur einige hundert christliche
Pilger zusammen. Bei der traditionellen Christmette in der
Geburtskirche rief der Lateinische Patriarch Michel Sabbah in
Anwesenheit von Palästinenserpräsident Mahdmud Abbas zur
Einstellung der Gewalt im Nahen Osten auf.
Kardinal Lehmann beklagte bei seiner Weihnachtspredigt im Mainzer Dom,
das Denken und Handeln der Menschen werde immer stärker von der
Frage nach dem bloßen Nutzen der Dinge beherrscht. Der wahre Sinn
des Weihnachtsfests könne nur mit «der Ruhe der Besinnung
und des Nachdenkens» erfasst werden. An Weihnachten gehe es nicht
um Geld und Macht, sondern um selbstlose Hingabe und Menschlichkeit.
Der EKD-Ratsvorsitzende Huber rief an Heiligabend zu mehr Kinder- und
Familienfreundlichkeit auf. In seiner Predigt im Berliner Dom sagte der
Bischof, man dürfe nicht die Geburt des Kindes als wichtigstes
Fest begehen und zugleich die Gleichgültigkeit gegenüber
Kindern fortsetzen. Es sei Zeit für einen Mentalitätswechsel,
und Weihnachten sei das richtige Fest, um damit zu beginnen. Kinder
bräuchten eine Familie, um Liebe zu erfahren. Jesu Geburtsort in
einem Stall sei zwar armselig gewesen, aber nicht das Niemandsland, in
das heute bisweilen Kinder ausgesetzt würden, um buchstäblich
zu verhungern oder zu verdursten.
Huber kritisierte insbesondere mangelnde Kinderfreundlichkeit in
Unternehmen: «So lange junge berufstätige Frauen den Vorhalt
ihres Vorgesetzten fürchten müssen, ein Schwangerschaft komme
gerade jetzt zum falschen Zeitpunkt, so lange hat die aktivste
Familienpolitik kaum eine Chance.»
(Quelle: ap)
Deutscher Naturschutzring mahnt energische Schritte beim Klimaschutz an
Mi.27.12.06 - Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat energische Schritte beim
Klimaschutz angemahnt. «Die Klimaveränderung kommt schneller,
als wir geahnt haben. Wir sind mittendrin», erklärte
DNR-Präsident Hubert Weinzierl am Dienstag in seinem
Jahresausblick. Dringend nötig sei eine neue
«Umwelt-Außenpolitik»; hier übernehme die
Bundesregierung 2007 mit dem G-8-Vorsitz und der
EU-Ratspräsidentschaft viel Verantwortung.
Ziel der deutschen EU-Politik im ersten Halbjahr sollte die
Durchsetzung eines zukunftsweisenden europäischen Energiekonzepts
sein, sagte er. «Ein solches Konzept - ohne Atomstrom - muss ein
CO2-Minderungsziel für den Zeitraum nach 2012 von mindestens 30
Prozent bis 2020 enthalten.». Die Steigerung der Energieeffizienz
und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien im Strom- und im
Wärmesektor müssten ebenfalls als wesentliche Punkte im
europäischen Aktionsplan verankert werden.
(Quelle: ap)
Grüne fordern Umstieg aller Ministerien auf Ökostrom
Mi.27.12.06 - Die Grünen haben die Bundesregierung aufgefordert, alle
Bundesministerien auf Ökostrom umzustellen. Einen entsprechenden
Antrag stellten die Fraktion im Bundestag. Zur Begründung
erklärte der energiepolitische Sprecher Hans-Josef Fell am Dienstag
in Berlin, wer beim Klimaschutz glaubhaft sein wolle, dürfe selbst
keinen Strom aus «klimaschädlichen Kraftwerken und
terrorgefährdeten Atomkraftwerken» mehr beziehen.
«Wir fordern mit einem Bundestagsantrag die Bundesregierung auf,
in allen Bundesliegenschaften auf Ökostromlieferanten
umzusteigen», erklärte er. «Dies wäre auch ein
wichtiger Denkzettel an die Atomstromproduzenten, die jüngst erst
wie EnBW einseitig den mit der Bundesregierung vereinbarten Atomausstieg
mit Anträgen zu Laufzeitverlängerungen vertragswidrig
aufkündigen.»
(Quelle: ap)
Kommunen fordern mehr Mitwirkung an Föderalismusreform
Mi.27.12.06 - Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert eine stärkere
Beteiligung an der Reform der Finanzbeziehungen zwischen Bund und
Ländern. Es sei kurzsichtig, bei der Kommission zur
Föderalismusreform II den Städten und Gemeinden kein volles
Mitspracherecht zu geben, sondern sie nur bei Bedarf anzuhören,
sagte der Hauptgeschäftsführer der Organisation, Gerd
Landsberg, der Chemnitzer «Freien Presse» (Mittwochausgabe).
Auf den Erfahrungsschatz der Kommunen, die die meisten Dienstleistungen
für die Bürger erbringen würden, könne nicht
verzichtet werden, erklärte Landsberg. Ein nationaler Schuldenpakt
ohne eine gleichberechtigte Mitarbeit der Städte und Gemeinden sei
nicht vorstellbar.
Es sei eine Illusion, dass man Schulden per Gesetz verbieten
könne. «Wer die Kredite verringern will, muss die
gesetzlichen Aufgaben zurückführen oder ganz
einstellen», meinte der DStGB-Hauptgeschäftsführer. Das
gelte auch für die medizinischen Leistungen. Es sei ein Irrglaube,
anzunehmen, «dass die medizinische Versorgung immer besser, immer
umfangreicher und dabei auch noch immer billiger werden kann».
Die Menschen sollten sich darauf einstellen, künftig für ihre
Gesundheit deutlich mehr Geld ausgeben zu müssen, sagte Landsberg.
Auch kostenlose Kindergartenplätze hält Landsberg für
nicht finanzierbar. Die Erwartungen des Bundes, die Kommunen
könnten 1,5 Milliarden Euro jährlich zusätzlich in die
Kinderbetreuung investieren, werde so nicht in Erfüllung gehen.
Der Gemeindebund meint laut Landsberg, es wäre besser, in die
Infrastruktur der Kinderbetreuung zu investieren, als bei Familien
nicht erfüllbare Erwartungen zu wecken.
(Quelle: ap)
CSU und SPD in Bayern für mehr Ganztagsschulen
Mi.27.12.06 - Das Angebot an Ganztagsschulen in Bayern soll nach dem Willen von
CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann ausgebaut werden. Herrmann
kündigte am Dienstag in einem ddp-Interview entsprechende Schritte
an. Er könne sich zwar vorstellen, dass es hierüber in seiner
Partei noch Diskussionen geben werde. Für die Ganztagsschulen
sprächen aber gute Argumente.
SPD-Fraktionschef Franz Maget sagte, der Mangel an Ganztagsschulen in
Bayern sei «eines der größten Versäumnisse der
CSU-Bildungspolitik». Er fügte hinzu: «Wir sind hier
Tabellenletzter in Deutschland - und das darf so nicht bleiben.»
Die Menschen litten derzeit unter den Folgen einer «ideologischen
Bildungs- und Familienpolitik der CSU». Hiervon müsse man
schleunigst wegkommen.
Herrmann betonte, manche Eltern könnten sich wegen
Berufstätigkeit nicht mehr in dem Maße am Nachmittag um ihre
Kinder kümmern, wie dies vielleicht vor 30 Jahren noch der Fall
gewesen sei. Außerdem seien einige Eltern mit der Aufgabe
überfordert, den Kindern die notwendige Unterstützung bei den
Hausaufgaben zu geben. Der CSU-Fraktionschef fügte hinzu:
«Gerade wenn es um eine größere Unabhängigkeit des
Bildungslebenslaufes von Kindern vom sozialen Status ihrer Eltern geht,
ist es umso wichtiger, dass es entsprechende Bildungsangebote für
den ganzen Tag gibt.»
Herrmann verwies ferner darauf, dass «ein nicht unerheblicher
Teil der Kinder in unserem Land von Zuwanderern stammt». Die
Ganztagsschule sei «ein wichtiges Instrument, um bestmögliche
Integration von Ausländerkindern in unserer Gesellschaft zu
erreichen». In der Schule könnten sie «in deutscher
Sprache auf den Weg in unsere Gesellschaft geleitet werden».
Insgesamt will die CSU-Landtagsfraktion im neuen Jahr die Weichen
für eine «kinderfreundlichere Gesellschaft» stellen.
Bei diesem Thema müsste es deutliche Fortschritte geben, sagte
Herrmann. Deshalb werde die CSU im Januar einen
«Kinderkongress» im Landtag veranstalten. Dabei gehe es auch
um die Frage, durch welche Rahmenbedingungen jungen Leuten Mut für
die Entscheidung für Kinder gemacht werden könne.
Auch die SPD will im neuen Jahr ihr Profil in der Bildungs- und
Familienpolitik schärfen. Maget betonte, die Menschen suchten nach
Alternativen zur CSU. Die SPD müsse deshalb künftig mit zwei
bis drei «zentralen Botschaften» erkennbar sein. Das
wichtigste Thema sei, «dass wir Bayern gerechter ausgestalten
wollen». Es sei «die Identität der Sozialdemokratie,
für sozialen Zusammenhalt zu sorgen und eine solidarische
Gesellschaft zu schaffen - auch in Zeiten wie diesen».
Maget fügte hinzu: «Und das bedeutet für uns: Gerechte
Bildungschancen schaffen, die Familien in den Mittelpunkt rücken,
auch den Frauen gleiche Rechte in der Gesellschaft eröffnen und die
älteren Menschen nicht zum alten Eisen zu werfen.»
Außerdem müssten die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer im
Betrieb gestärkt werden.
(Quelle: ddp)