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Irak am neunhundertunddreizehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush sieht Fortschritte bei Entwicklung von neuer
Irak-Strategie. Irakische Regierung will Todesurteil gegen Saddam
Hussein rasch vollstrecken. Mindestens 28 Tote bei Anschlägen.
Fünf US-Soldaten im Irak getötet. US-Armee nimmt in Bagdad
Chef von El-Kaida-Zelle fest
Fr.29.12.06 - Die Beratungen der US-Regierung über eine neue Irak-Strategie
kommen nach Darstellung von Präsident George W. Bush gut voran.
Einzelheiten nannte Bush am Donnerstag nicht. An den Beratungen des
Nationalen Sicherheitsrat auf Bushs Ranch in Texas nahmen auch
Vizepräsident Dick Cheney, Außenministerin Condoleezza Rice,
Verteidigungsminister Robert Gates und der Generalstabsvorsitzende
Peter Pace teil.
Auf Fragen von Journalisten ging Bush nicht ein. Vor der Vorstellung
eines endgültigen Plans seien weitere Gespräche notwendig,
sagte er. Dazu werde er auch Mitglieder des Kongresses sowie die
irakische Regierung konsultieren. Bei all seinen Überlegungen habe
er stets das Wohl der US-Truppen im Irak vor Augen. Notwendig sei vor
allem eine irakische Regierung, die die Gewalt in den Griff bekommen
könne. «Wir wollen ihr helfen, erfolgreich zu sein»,
sagte Bush.
Nach Verlautbarungen aus dem Pentagon hat der neue
Verteidigungsminister Gates mehrere Empfehlungen für einen
Kurswechsel im Irak erstellt. Zur Debatte steht nach Ansicht von
Beobachtern insbesondere eine kurzfristige Aufstockung der US-Truppen,
um nach der Niederschlagung der Aufständischen einen umso
schnelleren Abzug vorzubereiten. Das Weiße Haus hat die
Bekanntgabe einer neuen Irak-Strategie für Anfang Januar
angekündigt. Zuletzt hieß es, Bush werde sich zwischen
Neujahr und seiner Rede zur Lage der Nation am 23. Januar
äußern.
Die irakische Regierung erklärte unterdessen, sie wolle das
Todesurteil gegen den ehemaligen Staatschef Saddam Hussein
möglichst rasch vollstrecken. Die Frist von 30 Tagen werde nicht
voll ausgeschöpft, sagte ein Vertrauter von Ministerpräsident
Nuri al-Maliki. Bis zum Tag der Hinrichtung werde der gestürzte
Präsident in US-Gewahrsam bleiben.
Saddam Husseins Anwalt Chalil al Dulaimi appellierte an
Spitzenpolitiker und politische Organisationen in aller Welt, die
Übergabe seines Mandaten an die irakischen Behörden zu
verhindern. Saddam Hussein sei ein Kriegsgefangener der Amerikaner und
dürfe gemäß internationaler Konventionen nicht an seine
Feinde ausgeliefert werden. Wegen eines Massakers an Schiiten in den
80er Jahren wurde der frühere Machthaber am 5. November zum Tod
durch den Strang verurteilt. Ein irakisches Berufungsgericht
bestätigte das Urteil am Dienstag.
Der Vatikan kritisierte die Entscheidung und äußerte die
Hoffnung, dass die Todesstrafe nicht vollstreckt werde. Sie
widerspreche der Lehre der katholischen Kirche, sagte Kardinal Renato
Martino der Zeitung «La Repubblica». Das Leben müsse
bis zu seinem natürlichen Ende geschützt werden, und eine
Hinrichtung sei kein natürlicher Tod. Sie bedeute, ein Verbrechen
mit einem anderen Verbrechen zu bestrafen.
Die anhaltende Gewalt im Irak riss am Donnerstag wieder mindestens 28
Menschen in den Tod. Allein der Anschlag eines
Selbstmordattentäters nahe einer Warteschlange für
Heizöl kostete zehn Zivilpersonen das Leben, etwa 20 wurden
verletzt. Bei der Explosion zweier Bomben nahe eines Parks im
Süden von Bagdad wurden neun Menschen getötet und 43 verletzt.
Die US-Streitkräfte meldeten den Tod von fünf weiteren
Soldaten in Bagdad und der Provinz Anbar. Damit sind im Dezember
bereits 100 US-Soldaten im Irak ums Leben gekommen.
US-Soldaten und die irakische Armee haben in Bagdad einen Führer
einer El-Kaida-Zelle festgenommen, der hinter der Entführung und
Ermordung von zwei US-Soldaten im Juni stecken soll. Der
Verdächtige sei am Dienstag im südlichen Stadtteil Jusifijah
von US-Ausbildern und Mitgliedern einer irakischen Spezialeinheit
gestellt worden, erklärte die US-Armee. Der Führer einer
"terroristischen Zelle" sei wahrscheinlich für die Entführung
von zwei US-Soldaten an einer Straßensperre in dem Gebiet im Juni
verantwortlich.
Die beiden Entführten waren einige Tage später tot gefunden
worden. Bilder der von Folter entstellten Leichname wurden auch im
Internet verbreitet. Der Festgenommene wird laut US-Armee zudem
verdächtigt, hinter "mehreren Entführungen, Anschlägen
und Gewaltverbrechen in Jusifijah" zu stecken.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 29.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertneunundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.29.12.05 - UN sehen keinen Grund für Neuwahl im Irak +++ Präsident Talabani
trifft sich mit konservativen Schiiten +++ Häftling richtet Blutbad in
Bagdader Gefängnis an +++ Interpol sucht mit internationalem
Haftbefehl nach Sarkawi...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512290.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Ägypten liefert offenbar Waffen an die Fatah. Israelische
Außenministerin stellt Plan für einen Frieden zwischen
Israel und Palästinensern vor. Israel weist Berichte über Bau
neuer Siedlung zurück. Israels Armee tötete 2006 laut
Menschenrechtlern l660 Palästinenser
Fr.29.12.06 - Zur Stärkung der gemäßigten palästinensischen
Kräfte im Machtkampf mit der Hamas hat Ägypten nach
israelischen Angaben Waffen an die Fatah geliefert. Der Transport
erfolgte am Donnerstag über israelisches Territorium, wie aus
Sicherheitskreisen in Jerusalem verlautete. Eine offizielle
Bestätigung gab es nicht. Der Sprecher des palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas, Nabil Abu Rdeneh, dementierte die
Waffenlieferung.
Gleichwohl berichteten Augenzeugen, sie hätten beobachtet, wie von
einem voll beladenen Lastwagen der Fatah-Sicherheitskräfte eine
von vielen Kisten heruntergefallen und auseinandergebrochen sei.
Daraufhin seien zahlreiche Maschinengewehre zum Vorschein gekommen. Den
Gewährsleuten in Jerusalem zufolge wurden insgesamt 2.000
automatische Waffen mit Munition an die Sicherheitskräfte des
palästinensischen Präsidenten geliefert.
Die israelische Regierung hat solche Lieferungen stets verboten, weil
ein Einsatz der Waffen gegen Israel befürchtet wurde. Nun jedoch
erschien es der Regierung offenbar wichtiger, Abbas im Machtkampf mit
der radikalislamischen Hamas-Regierung zu stärken. Der Zeitung
«Haaretz» zufolge wurde der Deal beim Treffen zwischen
Abbas und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert am
vergangenen Wochenende ausgehandelt.
Ein ranghoher Beamter des Verteidigungsministeriums, Amos Gilad,
bestätigte dies zumindest indirekt. Man habe Hilfe geleistet, um
die Kräfte des Friedens zu unterstützen gegen die Kräfte
der Dunkelheit, die die Zukunft des Nahen Ostens bedrohten, sagte er
dem Sender Israel Radio. Wie Abbas-Sprecher Rdeneh wies auch Ahmed
Jussef, ein Berater von Ministerpräsident Ismail Hanija, dies
zurück. Ägyptische Regierungsbeamte hätten ihm
versichert, dass keine Waffenlieferungen an die Palästinenser
stattgefunden hätten. Offenbar verbreite Israel Gerüchte, um
die Spannungen anzuheizen. Dem Machtkampf zwischen Fatah und Hamas sind
in den vergangenen Wochen mindestens 17 Menschen zum Opfer gefallen.
Hanija hatte wegen der Kämpfe eine Reise durch mehrere islamische
Länder abgebrochen. Am Donnerstag setzte er sie fort und reiste
zunächst nach Saudi-Arabien. Anschließend wollte er Kuwait
und Katar besuchen und schließlich Jordanien. Der jordanische
König Abdullah II. hat Hanija und Abbas zu einem
Versöhnungstreffen nach Amman eingeladen.
Die israelische Außenministerin Zipi Livni stellte derweil ihren
eigenen Plan für einen Frieden zwischen Israel und den
Palästinensern vor. Demnach soll nach Verhandlungen mit moderaten
Kräften schon bald ein palästinensischer Staat auf dem Gebiet
des Gazastreifens und Westjordanlands entstehen, wie die Zeitung
«Haaretz» die Kadima-Politikerin zitierte. Eine der Grenzen
dieses Staates solle vorläufig von dem umstrittenen
Sicherheitszaun zwischen Israel und dem Westjordanland gebildet werden.
Alle anderen strittigen Fragen wie der endgültige Grenzverlauf,
der Status von Jerusalem und das Schicksal der palästinensischen
Flüchtlinge könnten dann zu einem späteren Zeitpunkt
verhandelt werden.
Ministerpräsident Olmert signalisierte unterdessen Bereitschaft zu
Friedensverhandlungen mit Syrien. Israel werde auf jeden Laut
reagieren, der Friedensabsichten seiner Feinde bekunde, sagte Olmert
vor Absolventen der Luftwaffenakademie. Dies wurde als klares Zeichen
an die Regierung in Damaskus gewertet.
Israel hat Berichte über den geplanten Bau einer neuen Siedlung im
Westjordanland zurückgewiesen. Eine Sprecherin des israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert bestätigte am Donnerstag, 30
Familien sollten in das ehemalige Militärlager Maskiot im Jordantal
ziehen.
Die Ortschaft bestehe jedoch bereits seit 1981 und sei damals mit dem
Ziel gegründet worden, sie mit israelischen Zivilisten zu
besiedeln. In den vergangenen fünf Jahren hätten dort zudem
Schüler eines Internats gelebt, das Schulabsolventen auf den
Militärdienst vorbereitet.
«Dies ist keine neue Siedlung», betonte Olmerts Sprecherin
Miri Eisin. Die EU und die USA hatten die Ankündigung eines
israelischen Siedlungsneubaus im Westjordanland scharf kritisiert. Er
verstoße gegen den als Road Map bekannten Nahostfriedensplan,
sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Gonzalo Gallegos, am
Mittwoch in Washington. Zuvor hatte bereits die finnische
EU-Ratspräsidentschaft ihre «tiefe Besorgnis» über
die Entscheidung der israelischen Regierung geäußert.
Ein Sprecher der israelischen Friedensorganisation «Schalom
Achschaw» (Frieden Jetzt) bestätigte am Donnerstag, die
Ortschaft Maskiot erscheine auf der Liste bereits bestehender
israelischer Siedlungen im Westjordanland. Dennoch handele es sich aus
Sicht der Organisation faktisch um eine neue Siedlung, weil der Ort -
der eher einem Militärlager ähnele - nun mit Zivilisten
besiedelt werden solle. «Die Tatsache, dass dies im Jahr 2006
geschieht, wo jeder weiß, dass wir in die Richtung einer
Zwei-Staaten-Lösung gehen, wirft ernsthafte Fragen auf»,
erklärte der Sprecher. «Wir sind ganz klar gegen diese neue
Siedlung». Bei den 30 Familien, die in Maskiot angesiedelt werden
sollen, handelt es sich um ehemalige Einwohner der im Sommer 2005
geräumten Siedlungen im Gazastreifen.
Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem sind
im zu Ende gehenden Jahr im israelisch-palästinensischen Konflikt
insgesamt 683 Menschen getötet worden. Mit 660 Toten waren die
weitaus meisten Opfer Palästinenser, darunter auch 141
Minderjährige. Sechs israelische Zivilisten wurden Opfer der
Gewalt militanter Palästinenser, heißt es in der
Jahresstatistik. Insgesamt habe sich die Menschenrechtslage 2006 in den
Palästinensergebieten deutlich verschlechtert.
(Quellen: ap, dpa)
Somalia: Islamisten ziehen sich aus Mogadischu zurück
Fr.29.12.06 - Mit Rückendeckung der äthiopischen Armee hat die
Übergangsregierung in Somalia die islamischen Milizen aus der
Hauptstadt Mogadischu vertrieben. Der Rat der islamischen Gerichte habe
seine Kämpfer aus der Stadt zurückgezogen, bestätigte der
Chef des Gremiums, Scheich Scharif Scheich Ahmed. Bewaffnete
Anhänger der Übergangsregierung besetzten wichtige
Einrichtungen in Mogadischu wie den Flughafen. Die internationale
Gemeinschaft blieb in ihrer Bewertung des Konfliktes weiter gespalten.
Der UN-Sicherheitsrat konnte sich den zweiten Tag in Folge nicht auf
eine Erklärung zu Somalia verständigen.
Mit der Einnahme der Ortschaft Afgoye 20 Kilometer westlich von
Mogadischu schlossen die Soldaten der Übergangsregierung die
Hauptstadt praktisch ein. Nach Berichten von Anwohnern wurden sie von
hunderten gepanzerten Fahrzeugen der äthiopischen Armee
unterstützt. Die ohne schweres Militärgerät
ausgerüsteten Islamisten zogen sich aus Mogadischu zurück:
"Wir haben die Stadt verlassen, um ein heftiges Bombardement durch die
äthiopischen Streitkräfte abzuwenden", sagte Scheich Ahmed. Er
warf der äthiopischen Armee vor, "Völkermord am somalischen
Volk" zu begehen.
Die Truppen der siegreichen Koalition wollen nun in Mogadischu
einmarschieren, wie ein Sprecher am Sitz der Übergangsregierung in
Baidoa sagte. Um Konflikte mit der Bevölkerung zu vermeiden, will
Interims-Ministerpräsident Ali Mohammed Gedi zuvor die
Stammesältesten der Ortschaften in der Umgebung Mogadischus zu
Gesprächen treffen. Der somalischen Übergangsregierung
ergebene lokale Milizen besetzten noch vor dem Einzug der regulären
Truppen den Flughafen und den Präsidentenpalast in der Hauptstadt.
In den Stunden des Machtvakuums nach der Flucht der Islamisten gab es
in Mogadischu Plünderungen und Schießereien. Die somalische
Übergangsregierung verhängte einen Ausnahmezustand. Bewaffnete
Anhänger der Interimsführung töteten Augenzeugen zufolge
vier Plünderer in einem Waffengeschäft. Ein Zivilist kam
durch einen Streifschuss ums Leben.
Wie in den Tagen zuvor scheiterte die internationale
Staatengemeinschaft bei dem Versuch, eine einheitliche Position zu dem
Konflikt zu finden. Der UN-Sicherheitsrat in New York beendete seine
Dringlichkeitssitzung ohne Konsens über einen von Katar
eingebrachten Text, der den umgehenden Abzug aller ausländischen
Streitkräfte aus dem nordostafrikanischen Land, das sofortige Ende
der dortigen Kämpfe und die unverzügliche Aufnahme von
Friedensverhandlungen forderte.
(Quelle: afp)
UNICEF: Kinder in Somalia brauchen dringend Hilfe
Fr.29.12.06 - Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF macht nach dem Ausbruch der
Feindseligkeiten in Somalia auf das wachsende Leid und Elend der
Zivilbevölkerung aufmerksam. Die Organisation, die ihren Hauptsitz
in Genf hat, verwies darauf, dass 15 Jahre nach dem Ausbruch des
Bürgerkrieges in Somalia 1,8 Millionen Menschen auf Hilfe von
außen angewiesen sind, darunter 340 000 Kinder unter fünf
Jahren.
Teile des Landes waren in diesem Jahr zuerst von einer schweren
Dürre und dann seit November von extremen Überschwemmungen
heimgesucht worden. Weil dadurch die hygienischen Bedingungen sehr
schlecht sind, seien Cholera und schwerer Durchfall ausgebrochen,
erklärte die Organisation.
In Somalia erlebten von 1000 Neugeborenen 133 nicht ihren fünften
Geburtstag. Jedes vierte Kind in Somalia leidet laut UNICEF an
Unterernährung. Gefährliche Infektionskrankheiten sind weit
verbreitet. Im vergangenen Jahr breitete sich erneut die
Kinderlähmung aus. Nur 28 Prozent der Kinder gehen in die Schule.
(Quelle: dpa)
China bekennt sich zu Friedenssicherung
Fr.29.12.06 - China hat sich zur internationalen Friedenssicherung bekannt und
etwaigem Wettrüsten eine Absage erteilt: In einem am Freitag
veröffentlichten Weißbuch betont die Regierung in Peking,
dass China einer friedlichen Entwicklung verpflichtet sei und keine
militärische Bedrohung für andere Länder darstellen
werde. «China ist entschlossen, eine zuverlässige Kraft
für den globalen Frieden, Sicherheit und Stabilität zu
bleiben.» Zugleich bekräftigt der 91-seitige Bericht ein
Festhalten an der Modernisierung der Streitkräfte, um unter
anderem dem Unabhängigkeitsstreben Taiwans entgegenzutreten. Die
Volksrepublik China, die über ein 2,3 Millionen Mann starkes
Militär verfügt, betrachtet Taiwan als abtrünnige
Provinz.
(Quelle: ap)
Klimawandel wird Naturkatastrophen in China verschärfen
Fr.29.12.06 - China drohen durch den Klimawandel mehr Naturkatastrophen,
verschärfter Wassermangel und eine sinkende Getreideproduktion. Das
sind einige Ergebnisse der ersten umfassenden Studie von zwölf
Ministerien über die Auswirkungen der globalen Erwärmung im
bevölkerungsreichsten Land der Erde.
«Der Ausstoß von Treibhausgasen durch menschliche
Aktivitäten wird zu immer ernsteren Problemen führen»,
warnte das Wissenschaftsministerium am Mittwoch. Der weltweite
Klimawandel könnte auch die Entwicklung des Landes bedrohen.
Wegen der massiven Energieverschwendung in China rief Staats-und
Parteichef Hu Jintao im Politbüro zu verstärkten Anstrengungen
auf, Energieeffizienz und Umweltschutz zu verbessern und sparsam mit
Rohstoffen umzugehen. Partei und Gesellschaft müssten erkennen,
dass es um die Grundlagen des «Überlebens und der
Entwicklung» gehe, zitierte ihn die «Volkszeitung».
China ist der größte Kohleverbraucher der Erde und
dürfte durch sein schnelles Wirtschaftswachstum schon in drei
Jahren die USA als größter Kohlendioxidproduzent
überholen.
Die Klimastudie sagt «extremeres» Wetter in China voraus.
Die steigenden Temperaturen werden dem häufig unter Dürre
leidenden Norden zwar stärkere Regenfälle bringen, doch werde
das Wasser schneller verdunsten, so dass sich der Wassermangel noch
verschärfen werde.
Der Vizedirektor des nationalen Klimazentrums, Luo Yong, warnte vor
einem landesweiten Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion,
die direkt durch die Erwärmung betroffen sei. «Der
Klimawandel wird den Druck auf die Produktion von Getreide und anderen
landwirtschaftlichen Gütern verschärfen», zitierte ihn
der China News Service.
Zwischen 2030 und 2050 werde die Getreideproduktion sogar um bis zu
zehn Prozent sinken. Die chinesische Bevölkerung wisse nur wenig
über die Gefahren für die Nahrungsmittelsicherheit. Der
Klimawandel werde zu Schwankungen in der Nahrungsmittelproduktion
führen und die Struktur und Verteilung der Landwirtschaft im Lande
verändern. Steigende Temperaturen begünstigten
Pflanzenkrankheiten und Insektenplagen. Entsprechend mehr Pestizide
müssten genutzt werden. Schon heute muss China ein Fünftel der
Weltbevölkerung mit nur sieben Prozent der landwirtschaftlichen
Fläche ernähren.
Durch den Anstieg der Temperaturen könnten auch von Mücken
übertragene Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber zunehmen.
Stärkere Niederschläge im Süden des Landes dürften
die häufigen Überschwemmungen und Erdrutsche noch
verstärken, warnt die Studie. Die Regenfälle sollen bis 2020
jährlich um zwei bis drei Prozent zulegen, heißt es in der
Studie, von der erst Auszüge veröffentlicht sind. Nach Angaben
des Wetteramts wird der vollständige Bericht erst in einigen
Monaten veröffentlicht. Im Vergleich zum Jahr 2000 sollen die
Temperaturen in China laut Studie schon bis 2020 zwischen 1,3 und 2,1
Grad Celsius steigen und bis 2030 um 1,5 bis 2,8 Grad.
Experten warnen seit langem, dass der Kampf gegen die globale
Erwärmung nur Wirkung zeigen kann, wenn auch aufstrebende
Länder wie China oder Indien einbezogen werden. China ist zwar
Unterzeichner des Kyoto-Protokolls, muss aber als Entwicklungsland seine
Treibhausgase nicht reduzieren. Aus Angst, dass es seine Entwicklung
bremsen könnte, lehnt China auch freiwillige Begrenzungen ab und
sieht vor allem die entwickelten Industriestaaten wie die USA oder
Europa am Zuge, den Ausstoß zu verringern.
Nach einer Studie des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) ist
allerdings die Erderwärmung kaum mehr aufzuhalten. Selbst wenn der
Ausstoß sämtlicher Treibhausgase sofort eingestellt werden
könnte, würden die Temperaturen noch mehr als ein Jahrhundert
lang steigen, berichtete die spanische Zeitung «El
País» über den bislang vertraulichen IPCC-Report, der
im Februar veröffentlicht werden soll. Demzufolge wird sich die
Erde im 21. Jahrhundert um 2 bis 4,5 Grad Celsius erwärmen. Der
wahrscheinlichste Wert liege bei 3 Grad. Dies werde das Schmelzen des
Polareises, den Rückgang der Gletscher, Hitzewellen, Dürre und
andere extreme Klimaphänomene zur Folge haben.
(Quelle: dpa)
Sorge in Europa über russischen Gas-Streit
Fr.29.12.06 - Der Streit zwischen dem russischen Energiekonzern Gazprom und
Weißrussland löst immer mehr Sorge in Europa aus. Der
EU-Energiekommissar Andris Piebalgs appellierte am Donnerstag an die
Konfliktparteien, zu einer schnellen Lösung zu gelangen, um die
Gaslieferungen nach Europa nicht zu gefährden. Sorge über den
Konflikt äußerte auch der deutsche Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos. Die Ukraine bot an, mit Lieferungen über ihr
Territorium auszuhelfen.
Der Gazprom-Konzern will Weißrussland den Gashahn abstellen,
falls das Nachbarland nicht bis zum 1. Januar einem neuen Vertrag mit
höheren Preisen zustimmt. Laut Piebalgs will die so genannte
Gaskoordinationsgruppe am 4. Januar in Brüssel zusammentreten, um
über mögliche Konsequenzen zu beraten. Der Gruppe
gehören Vertreter der Energiekonzerne und Verbraucherverbände
in der Europäischen Union an. Sie wurde im vergangenen Winter
angesichts eines ähnlichen Gasstreits zwischen Russland und der
Ukraine gegründet.
Der ukrainische Energieminister Jurij Bojko erklärte, sein Land
sei in der Lage, mit einer Ausweitung seiner Transitlieferungen an
Europa etwaigen Engpässen vorzubeugen. Nach dem erbitterten
Gasstreit vor einem Jahr hat sich die neue Regierung unter dem
prorussischen Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch diesmal
schon früh mit Gazprom über den Preis für 2007 geeinigt.
Demnach wird Kiew 130 Dollar (rund 100 Euro) für 1.000 Kubikmeter
Gas zahlen. Dies ist ein Anstieg um 40 Prozent gegenüber 2006,
aber nur etwa die Hälfte des Preises, den Russland von anderen
ehemaligen Sowjetrepubliken verlangt.
Weißrussland dagegen soll auch künftig weitaus weniger
bezahlen. Der geforderte Preis von 105 Dollar pro 1.000 Kubikmeter
bedeutet allerdings mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2006.
Außerdem soll die Regierung in Minsk 50 Prozent ihrer Anteile am
Erdgas- Verteilsystem an Gazprom abtreten.
Wirtschaftsminister Glos erklärte, die betroffenen deutschen
Gasversorger hätten zugesichert, «alle erforderlichen
Maßnahmen getroffen zu haben, um auf mögliche
Lieferengpässe adäquat zu reagieren». Auf Grund der
geringen Liefermengen über die Gaspipeline durch
Weißrussland sei in Deutschland eine Gefährdung der
Versorgungssicherheit nicht zu befürchten.
Tadschikistan hat nahezu verdoppelten Preisen für Gaslieferungen
aus Usbekistan zugestimmt. Demnach wird die Regierung in Duschanbe im
Jahre 2007 insgesamt 700 Millionen Kubikmeter Gas für 100 Dollar
pro 1.000 Kubikmeter aus dem Nachbarland beziehen. Bislang wurden
dafür 55 Dollar entrichtet, wie die Firma Tajikgaz am Donnerstag
mitteilte. Usbekistan ist nach Russland und Turkmenistan der
drittgrößte Erdgaslieferant der früheren Sowjetunion.
(Quelle: ap)
Euro wird stärkste Bargeld-Währung der Welt
Fr.29.12.06 - Fünf Jahre nach Einführung der Euro-Banknoten hat die
europäische Währung den US-Dollar als wichtigste
Bargeldwährung der Welt verdrängt. «Zum ersten Mal hat
der Euro den Dollar wertmäßig überholt», sagte ein
Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB).
Er bestätigte damit einen Bericht der «Financial Times
Deutschland». Stückmäßig liege aber weiterhin der
Dollar vorn, der mit 1-Dollar-Scheinen über kleinere Noten als der
Euro verfügt. Mitte Dezember waren nach EZB-Angaben Euro-Scheine im
Wert von 614 Milliarden Euro weltweit im Umlauf. Dem standen zeitgleich
Dollar-Scheine im Wert von umgerechnet 588 Milliarden Euro (776 Mrd
Dollar) gegenüber, wie aus der Internet-Seite der US-Notenbank
Federal Reserve hervorgeht.
Die EZB wollte diese Entwicklung nicht kommentieren. Die Notenbank, die
über die Versorgung der Wirtschaft mit Euro wacht, betont stets
ihre neutrale Position zur internationalen Rolle der europäischen
Gemeinschaftswährung und will den Gebrauch weder fördern noch
behindern. Experten sehen in den nackten Zahlen aber eine Verzerrung zu
Gunsten des Euro. «In Europa ist Bargeld sehr populär,
während man in den USA schon den Zeitungskauf mit Kreditkarte
bezahlt und gar keine Scheine mehr in der Geldbörse hat»,
sagt Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank. Deshalb sei in den
USA viel weniger Bargeld im Umlauf.
Obwohl der Euro im Bargeldverkehr aufholt, bleibt der Dollar nach
Expertenansicht unangefochten die Weltleitwährung. Bei der
Wirtschaftskraft liegen die USA weiter vor Europa, und der
US-Finanzmarkt ist sehr viel größer als der im Euro-Raum.
Auch als Anlagewährung steht der Dollar immer noch mit großem
Abstand an erster Stelle.
Nach Zahlen der EZB hielten die Zentralbanken der Welt 2005 rund 66
Prozent ihrer Reserven in Dollar und nur 24,3 Prozent in Euro. Dennoch
legt der Euro zu, denn Ende 1999 betrug sein Anteil an den weltweiten
Reserven erst 18 Prozent. Immer mehr Staaten kündigen an, statt
Dollar Euro in ihr Portfolio zu nehmen, zuletzt die Vereinigten
Arabischen Emirate.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Arbeitslosigkeit größte Zukunftsangst der Deutschen
Fr.29.12.06 - Ungeachtet der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist die Angst
vor Arbeitslosigkeit die mit Abstand größte Zukunftsangst der
Deutschen. In einer Umfrage von TNS-Emnid im Auftrag des
Bundesarbeitgeberverbandes Chemie nannten 73 Prozent der Befragten die
«Arbeitslosigkeit» als das Gebiet, auf dem «in Zukunft
die größten Probleme» auf Deutschland zukommen. An
zweiter Stelle rangierten mit 40 Prozent «fehlende
Ausbildungsplätze» und an dritter mit 33 Prozent die
«Belastung mit Abgaben und Steuern».
Die Befragten waren aufgefordert worden, unter 18 vorgegebenen
Möglichkeiten drei Gebiete auszuwählen. Die
«Entscheidungsunfähigkeit der Politiker» wurde mit 23
Prozent bereits an vierter Stelle genannt. Damit hat das Thema das
gleiche Gewicht wie «sichere Renten» (23 Prozent). Vor
«Kriminalität» (12 Prozent) und
«Terrorismus» (8 Prozent) fürchten sich die Deutschen
dagegen deutlich weniger. Eine untergeordnete Rolle spielen inzwischen
frühere Top-Themen wie die Sorge um die Umwelt (8 Prozent) und die
Inflationsangst (3 Prozent).
Angesichts des internationalen Wettbewerbs waren 58 Prozent der
Meinung, dass die Deutschen wieder länger arbeiten und beim Lohn
Verzicht üben müssten. Mit 60 Prozent war diese Auffassung bei
Angestellten stärker ausgeprägt als bei Arbeitern (54
Prozent).
TNS-Emnid befragte 3098 Bürger.
(Quelle: ddp)
Die meisten Branchen gehen optimistisch ins neue Jahr
Fr.29.12.06 - Die meisten Branchen starten einer Umfrage zufolge optimistisch in das
neue Jahr. 32 von 45 Wirtschaftsverbänden sind zuversichtlicher als
zum vergangenen Jahreswechsel.
Bei der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des
arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW)
berichteten lediglich vier Branchen von einer verschlechterten
Geschäftslage, darunter der von der Mehrwertsteuererhöhung
besonders stark betroffene Einzelhandel. Neun Verbände gaben eine
unveränderte Situation an. "Dies ist eine äußerst
positive Entwicklung für Deutschland", sagte IW-Direktor Michael
Hüther.
Gründe für den größeren Optimismus sind die starke
Nachfrage nach deutschen Exporterzeugnissen bei gleichzeitig
verbesserter Binnenkonjunktur. "Es sollte damit zu einem selbsttragenden
Aufschwung kommen, auf den wir seit Jahren gewartet haben", sagte
Hüther. Während bei Produktion und Investitionen mehr
Verbände mit einer Ausweitung rechnen als mit einem Rückgang,
ist das Verhältnis bei der Beschäftigung umgekehrt: Neun
Branchen halten einen Anstieg der Beschäftigtenzahl für
möglich, elf kalkulieren jedoch mit einem Personalabbau. Die
meisten Wirtschaftsbereiche - insgesamt 25 - gehen von einer
unveränderten Mitarbeiterzahl aus.
(Quelle: rtr)
BenQ-Mitarbeiter verklagen früheren Arbeitgeber Siemens
Fr.29.12.06 - Die Pleite des Handyherstellers BenQ Mobile hat ein juristisches
Nachspiel. Zehn Beschäftigte hätten mit Unterstützung der
IG Metall Klagen beim Arbeitsgericht München gegen ihren
ehemaligen Arbeitgeber Siemens eingereicht, teilte die Gewerkschaft in
München mit.
Weitere Klagen sollen im Januar folgen. Es gehe um die gerichtliche
Feststellung, dass das Arbeitsverhältnis bei Siemens fortbesteht,
weil die Mitarbeiter im vergangenen Jahr nicht richtig über den
Übergang ihres Arbeitsverhältnis informiert worden seien.
Den Mitarbeitern sei verschwiegen worden, dass die BenQ Deutschland
eine GmbH faktisch ohne Eigenkapital sei und schon daher gar nicht in
der Lage war, die Versprechungen zu Standort- und
Beschäftigungssicherung zu erfüllen. Siemens hatte seine
ehemalige Handy-Sparte im vergangenen Jahr an den taiwanesischen
Elektrokonzern BenQ abgegeben. Den Klagen sieht der Konzern gelassen
entgegen. «Wir sind der Meinung, dass wir die Mitarbeiter bei der
Betriebsübergabe ordnungsgemäß informiert haben»,
sagte ein Sprecher. Dies sei auch durch mehrere Rechtsgutachten belegt.
Die deutsche BenQ Mobile musste Ende September Insolvenzantrag stellen,
nachdem ihr die taiwanesische Mutter kein Geld mehr geben wollte. Zwei
Drittel der 3000 Beschäftigten verloren dadurch ihre Jobs. Die
restlichen Mitarbeiter hoffen noch immer auf eine Rettung in letzter
Minute. Wenn der Insolvenzverwalter Martin Prager bis Sonntag (31.
Dezember) keinen Investor für BenQ Mobile findet, will er den
Betrieb schließen.
(Quelle: dpa)
CSU-Landesgruppe droht mit Nein zur Gesundheitsreform
Fr.29.12.06 - Die CSU will der Gesundheitsreform in jetziger Fassung nicht zustimmen.
Dies sagte Landesgruppenchef Peter Ramsauer der
«Bild»-Zeitung. Damit eskaliert der Koalitionsstreit
über das Projekt weiter. SPD-Fraktionsvizechef Ludwig Stiegler
sprach vom «typischen Theaterdonner der CSU».
Ramsauer sagte: «In der jetzt vorliegenden Form können wir
als CSU-Landesgruppe im Bundestag dem Gesetz nicht zustimmen.» Er
fügte hinzu: «Im Moment enthält die Vorlage zum Beispiel
einen Passus, der faktisch das Ende der privaten Krankenversicherung
bedeutet. Das machen wir nicht mit.» Die Regelung verstoße
klar gegen die im Koalitionsausschuss vereinbarten Eckpunkte.
Der CSU-Politiker sagte voraus: «Bei der Gesundheitsreform kann
es noch zu ganz massiven Belastungsproben in der großen Koalition
kommen.» Er stellte auch erneut den Zeitplan in Frage.
«Qualität geht hier einfach vor Schnelligkeit. Kein Zeitplan
ist ein Dogma.» Eigentlich soll die Reform am 1. April 2007 in
Kraft treten. Mitte Januar soll sie im Bundestag, Mitte Februar im
Bundesrat verabschiedet werden.
Unklar blieb, welchen Passus zur privaten Krankenversicherung Ramsauer
genau meint. CSU-Chef Edmund Stoiber und die bayerische Sozialministerin
Christa Stewens hatten bereits Mitte Dezember im Bundesrat umfassende
Änderungen beim «gesamten Bereich der privaten
Krankenversicherung» gefordert.
Mit der Reform soll den Privatversicherern unter anderem vorgeschrieben
werden, einen Basistarif anzubieten, der allen Gutverdienern
unabhängig von ihren Krankheitsrisiken offen steht, der Leistungen
etwa im Umfang der gesetzlichen Krankenversicherung bietet und nur eine
bestimmte Summe kosten darf. Die Privatversicherer laufen dagegen Sturm.
Eines der größten Unternehmen, die Allianz, hat seinen Sitz
in Bayern.
SPD-Politiker Stiegler kritisierte Ramsauers Äußerung im
«Kölner Stadtanzeiger» scharf. «Das ist der
typische Theaterdonner der CSU: Die schlägt sich jetzt wie ein
Orang-Utan auf die Brust, und am Schluss hat sie ein Komma im
Gesetzestext versetzt.» Offensichtlich mäkele Ramsauer an der
Gesundheitsreform herum, um von der CSU-internen Affäre um die
Fürther Landrätin Gabriele Pauli abzulenken.
Zwar werde es noch intensive Verhandlungen mit der Unionsseite geben,
aber keine substanziellen Veränderungen am Entwurf. «Die CSU
wird bis an die Grenze der Koalitionskrise gehen, aber nicht
weiter», meinte Stiegler. «Der bayerische Löwe
brüllt, aber durch den brennenden Reifen springt er nicht.»
Rückendeckung bekam Ramsauer hingegen von der Arbeitsgemeinschaft
Selbständiger Unternehmer. ASU-Präsident Patrick Adenauer
sagte am Donnerstag der AP in Berlin, die große Koalition habe
sich bei ihrer so genannten Gesundheitsreform verrannt: «Deshalb
wäre es kein Schaden, wenn das Gesetz im Bundestag scheitert.»
Das zentrale Reformziel haben die Koalitionäre aus seiner Sicht
ohnehin verfehlt, nämlich die Abkopplung der Gesundheitskosten von
den Arbeitskosten. «Stattdessen droht mit der privaten
Krankenversicherung der einzige zukunftsfeste Teil des Systems
untergepflügt zu werden. Wenn Herr Ramsauer jetzt die Notbremse
ziehen will, tut er das einzig Richtige», erklärte der
ASU-Chef.
(Quelle: ap)
Umwelthilfe will Akteneinsicht zu AKW Brunsbüttel einklagen
Fr.29.12.06 - Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will auf dem Gerichtsweg sofortige
Akteneinsicht in Prüfungsunterlagen zum Atomkraftwerk
Brunsbüttel erlangen. Die Öffentlichkeit solle
«offensichtlich in einer jahrelangen Hängepartie bewusst in
Unkenntnis über den wahren Sicherheitszustand des Altreaktors
gehalten werden», sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer
Baake am Donnerstag in Berlin.
Die Einsicht in eine Liste mit «Hunderten offener Punkte»
im Zusammenhang mit der Sicherheit des Atomkraftwerks sei vom Kieler
Sozialministerium zwar bereits Anfang November grundsätzlich
gebilligt worden, werde aber noch nicht gewährt.
Hintergrund ist eine Sicherheitsüberprüfung des
Siedewasserreaktors an der Elbe. Der Stromkonzern Vattenfall als
Betreiber des 1977 in Betrieb genommenen Meilers hatte beim
Verwaltungsgericht Klage gegen den Bescheid auf Akteneinsicht
eingereicht. Daraufhin hatte Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta
Trauernicht (SPD) die Aushändigung der Akten bis zur gerichtlichen
Klärung untersagt.
(Quelle: ddp)
Regierung gegen Tempo 120 auf Autobahnen
Fr.29.12.06 - Auf deutschen Autobahnen wird es auch auf absehbare Zeit kein
Tempolimit 120 geben. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee und
Umweltminister Sigmar Gabriel (beide SPD) wiesen am Donnerstag in
Berlin den Vorstoß des Umweltbundesamts (UBA) für eine
solche Geschwindigkeitsbegrenzung strikt zurück.
Das Thema stehe nicht auf der Tagesordnung und sei
«klimapolitisch nicht geboten», sagte ein Sprecher des
Umweltressorts, dem das Umweltbundesamt untersteht. Tiefensee sagte:
«Ich bin gegen ein generelles Tempolimit.»
UBA-Präsident Andreas Troge hatte ein Tempolimit 120 als wichtigen
Beitrag für den Klimaschutz bezeichnet. Deutschland ist das
einzige Land in Europa ohne generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf
Autobahnen.
Gabriels Sprecher sagte, die mit einem Tempolimit erreichbare
Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes sei im Vergleich zu
anderen Maßnahmen zu vernachlässigen. Tiefensee
erklärte, auf fast 40 Prozent der Autobahnen gebe es bereits
Beschränkungen. Statt auf ein generelles Tempolimit setze er auf
weitere Innovationen bei Kraftstoffen, Motoren und Antrieben. Der
Verkehrs- und Haushaltsbereich erfülle seine Klimaschutzvorgaben
schon heute. «Er hat mit einer Minderung von 15 Millionen Tonnen
bereits einen höheren Beitrag übernommen als die
Energiewirtschaft.» Auch die Automobilclubs ADAC, AvD und ACE und
die deutsche Automobilindustrie nannten ein Tempolimit nutzlos.
«Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro
Stunde lässt sich der Kohlendioxid-Ausstoß um 10 bis 30
Prozent reduzieren», sagte Troge der «Berliner
Zeitung». Aus Sicht des Umweltbundesamtes muss im Verkehrsbereich
mehr geschehen, damit die EU und Deutschland ihre Klimaschutzziele
erreichen. «In den vergangenen Jahren ist auch bei uns der Abbau
von Treibhausgasen ins Stocken geraten», sagte Troge. Der
Spritverbrauch neu zugelassener Autos müsse deutlich sinken.
«Statt Energie sparende Motoren zu entwickeln baut die Industrie
Wagen mit der Leistung mehrerer Kavallerie-Regimenter unter der
Motorhaube.»
Nötig sei auch eine bessere Kennzeichnung, damit sich Autofahrer
genauer über den Benzinverbrauch informieren könnten. Troge
forderte zudem die Einführung einer Flugbenzin-Steuer und die
Erhöhung der Autobahn-Maut für Lastwagen von 12,5 auf 30 Cent
pro Kilometer. Ein Tempolimit senke zudem die Unfallgefahr und
führe zu weniger Staus.
Die Grünen begrüßten den Vorstoß. Parteichef
Reinhard Bütikofer sagte der «Berliner Zeitung»:
«Ein Tempolimit auf Bundesautobahnen ist nachweislich ein
wirksames Instrument der Emissionsminderung.» Er freue sich, dass
das Umweltbundesamt dieses Thema aufgreife. «Klimaschutz muss
endlich ganz praktisch in der Verkehrspolitik ankommen», sagte
Bütikofer.
Auch die Deutsche Umwelthilfe unterstützte Troge. «Das muss
einfach kommen», sagte Geschäftsführer Jürgen
Resch dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitag). Das
Fehlen eines Tempolimits führe «gerade im deutschen
Automobilbau zu völligen Fehlentwicklungen». Der
Umweltforscher Thomas Saretzki von der Universität Lüneburg
sagte der dpa: «Wenn die Leute ihr Fahrzeug nicht mehr ausfahren
können, würden sie vielleicht zu Modellen mit kleineren und
sparsameren Motoren greifen.»
ADAC-Präsident Peter Meyer sagte der «Bild»-Zeitung
(Freitag): «Tempo 120 ist ein alberner Vorschlag aus der
ideologischen Klamottenkiste.» Das Durchschnittstempo auf den
Autobahnen liege bereits deutlich unter 120. «Für die
Sicherheit und die Umwelt bringt ein Tempolimit also überhaupt
nichts.»
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) erklärte, auf weniger als
20 Prozent der Autobahnen gelte freie Fahrt. Eine Verringerung des
CO2-Ausstoßes um 10 bis 30 Prozent sei nicht möglich, sagte
AvD-Sprecher Johannes Hübner in Frankfurt. Ein Tempolimit
würde den Verkehr bremsen und dadurch zu mehr Staus und
Unfällen führen. Der ACE in Stuttgart befürwortete
flexible Höchstgeschwindigkeiten, die sich streng an Erfordernisse
der Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes orientieren.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wehrte sich gegen die
Vorwürfe Troges. Die Autoindustrie habe in den vergangenen Jahren
bei Neuwagen den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch um 25 Prozent
gesenkt, erklärte der Verband in Frankfurt. Seit 1999 seien
dadurch im Straßenverkehr 15 Millionen Tonnen CO2 eingespart
worden.
(Quelle: dpa)
G8-Gegner bewerfen Luxushotel in Heiligendamm mit Farbbeuteln
Fr.29.12.06 - Gegner des G8-Gipfels haben das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm in
der Nacht zum Donnerstag mit Farbbeuteln beworfen. Die Fassade des
Hotels, das im Frühsommer 2007 Veranstaltungsort des
Weltwirtschaftsgipfels sein wird, sei mit schwarzen und roten
Farbflecken verunreinigt, sagte eine Polizeisprecherin. Eine
Mitarbeiterin des Hotels habe die Farbe in der Nacht entdeckt und die
Polizei alarmiert.
Zu dem Anschlag bekannten sich Globalisierungsgegner, die ihre Aktion
unter das Motto «We´ve marked next years target»
(«Wir kennzeichnen das Ziel des nächsten Jahres»)
stellten. Man wolle zeigen, dass bis zum Gipfel keine Ruhe herrschen
werde, hieß es.
(Quelle: ddp)
Lehrer-Gewerkschaft sieht Rückschritt bei Bildungspolitik
Fr.29.12.06 - Fünf Jahre nach dem Pisa-Schock schätzt die
Lehrer-Gewerkschaft GEW die Bildungssituation in Deutschland schlechter
als zuvor ein. Auch wenn das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung
wichtiger geworden sei, habe man tatsächlich einen Rückschritt
erlebt, sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der
Nachrichtenagentur AP. Die Föderalismusreform nehme fast jede
Möglichkeit, von der Bundesebene aus steuernd einzugreifen und
gemeinsame Ziele zu verfolgen.
Thöne kritisierte, dass der Bildungshaushalt von 2002 bis 2004 um
fünf Milliarden Euro geschrumpft sei. «Anstatt zu
investieren, wie es nötig wäre, ist man genau in die
entgegengesetzte Richtung marschiert.» Auch für die Zukunft
rechnet er trotz sinkender Schülerzahlen nicht mit mehr
Investitionen in die Bildung: Im Osten gebe es diese Entwicklung schon
länger, und dort hätten die Landesregierungen bei der Bildung
gespart. «Deshalb habe ich nicht unbedingt die Hoffnung, dass
sinkende Schülerzahlen zur Weiterentwicklung der Qualität von
Bildungsprozessen genutzt werden», sagte Thöne. Zwar
plädierten viele Politiker und auch die Kultusministerkonferenz
dafür. «Aber das wird ein heftiger Verteilungskampf.»
Trotz der Mittelschulen im Osten und der Pläne zur Zusammenlegung
von Haupt- und Realschule in Norddeutschland sieht die GEW bundesweit
keine Zeichen für eine Überwindung des von ihr kritisierten
gegliederten Schulsystems. Eine Zweigliedrigkeit mit einem Gymnasium
für die Elite zementiere die Unterschiede noch, kritisierte
Thöne. «Gerade vor dem Hintergrund sinkender
Schülerzahlen und damit wegbrechender Schulstandorte muss endlich
die Barriere überwunden werden, dass man Schule in Deutschland nach
dem Auslesesystem organisiert.»
Die Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig setzt als
Konsequenz aus den Pisa-Ergebnissen auf mehr Freiheit an Schulen.
«Der jetzige Unterricht krankt daran, dass wir zu sehr in
Schubladen denken», sagte die CDU-Politikerin. Man denke in
Fächern, Klassen und 45 Minuten-Einheiten. «Schulen
müssen freier werden.»
Frontalunterricht, der im Rahmen der Pisa-Nachfolgestudie in die Kritik
geraten war, sei nicht per se schlecht, sagte die Senatorin der AP. Er
sei nur dann schlecht, wenn er ausschließlich gehalten werde.
Oberstufenschüler müssten lernen, auch mal 90 Minuten
zuzuhören und mitzuschreiben.
Die Hansestadt will im Kampf gegen Gewalt und schlechte Leistungen an
Schulen vom kommendem Jahr an verstärkt Kinder in sozial schwachen
Vierteln fördern. Eine aktive Bildungspolitik solle diesen Kindern
ein besseres Umfeld und Zukunftsperspektiven bieten, sagte
Dinges-Dierig. Die Senatorin kündigte für Hamburg die
Einführung eines zweigliedrigen Schulsystems an. Derzeit berate
eine Enquetekommission, die im nächsten Sommer dem Senat die
Ergebnisse vorstellen wolle.
Als Konsequenz aus den Amokläufen von Erfurt und Emsdetten
forderte Gewerkschaftschef Thöne zudem mehr Psychologen und
Sozialarbeiter an Schulen. «Tatsache ist, dass die Länder
seit Erfurt die Stellen für Schulpsychologen zusammengestrichen
haben - mit Ausnahme von Thüringen.» Gerade in der
Pubertät könnten Misserfolge ganz besonders schwerwiegend
sein. Die Schulen müssten Jugendlichen daher mehr
Gesprächsmöglichkeiten bieten, damit diese Misserfolge und
Probleme friedlich bewältigen könnten.
(Quelle: ap)
Immer mehr Schüler an Privatschulen
Fr.29.12.06 - In Deutschland besuchen immer mehr Schüler eine Privatschule. Im
Schuljahr 2006/2006 gingen 873.000 Kinder und Jugendliche auf eine
Privatschule, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden
mitteilte. Dies waren 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr und 52 Prozent
mehr als 1992. Damit wurde dort im vergangenen Schuljahr etwa jeder 14.
Schüler unterrichtet, im Schuljahr 1992/93 war es nur jeder
zwanzigste Schüler gewesen. Die Zahl der Privatschulen stieg seit
1992 um 43,5 Prozent auf 4637 im Schuljahr 2005/2006.
Zwischen den Bundesländern gibt es allerdings erhebliche
Unterschiede: Während der Anteil der Schüler an Privatschulen
etwa in Schleswig-Holstein nur bei 3,3 Prozent liegt, beläuft er
sich in Sachsen auf 11,4 Prozent. An Privatschulen gibt es zudem mehr
Schülerinnen als Schüler. Während 5,9 Prozent aller
Schüler Privatschulen besuchten, lag der Anteil bei den
Schülerinnen mit 8,4 Prozent deutlich höher.
Der größte Teil der 639.000 Schüler an
allgemeinbildenden Privatschulen besuchte ein Gymnasium (40,4 Prozent),
gefolgt von Realschulen (17,3 Prozent), Freien Waldorfschulen
(zwölf Prozent) und Förderschulen (10,4 Prozent). Von den
233.000 Schülern an beruflichen Schulen gingen die meisten zu
Berufsfachschulen (52,2 Prozent), gefolgt von Fachschulen (19,9 Prozent)
und Teilzeit-Berufsschulen (17,4 Prozent).
(Quelle: afp)
Winnacker beklagt 'Trägheit' des deutschen Wissenschaftssystems
Fr.29.12.06 - Der scheidende Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, hat die Hochschulen angegriffen.
«Ich habe die Trägheit des deutschen Wissenschaftssystems
unterschätzt», sagte er der Wochenzeitung «Die
Zeit» in einer Bilanz seiner neunjährigen Amtszeit als
DFG-Präsident.
So gebe es die Habilitation als «ein Herrschaftsinstrument alt
gedienter Professoren» immer noch. Viel zu zaghaft hätten die
Hochschulen die Chance der Juniorprofessur ergriffen: «Wir sind
trotz einiger Verbesserungen nicht fit für den Nachwuchs»,
kritisierte Winnacker, der am 1. Januar als Generalsekretär zum
neu geschaffenen Europäischen Forschungsrat nach Brüssel
wechselt.
Die vollständige Ablösung der Habilitation durch die
Juniorprofessur war an einer erfolgreichen Verfassungsklage mehrerer
unionsgeführter Bundesländer gescheitert. Weltweit gibt es nur
noch in Deutschland und zum Teil in Österreich das aufwendige
Habilitationsverfahren als Weg in den Professorenberuf.
Winnacker sagte, die schlechte Förderung des wissenschaftlichen
Nachwuchses sei das größte Problem der Forschung in Europa.
Sie sei «das Stiefkind des Systems... Es gelingt uns nicht,
Forscherkarrieren so zu gestalten, dass sie für den Nachwuchs
interessant sind.» In diesem Punkt seien die USA den
europäischen Ländern «weit voraus».
(Quelle: dpa)