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Irak am neunhundertundvierzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Ehemaliger irakischer Präsident Saddam Hussein hingerichtet. Neun
Tote bei Selbstmordanschlag nahe Bagdad. Dezember tödlichster
Monat dieses Jahres für US-Truppen im Irak. US-Präsident Bush
will Irak-Truppen um bis zu 20.000 Soldaten aufstocken
Sa.30.12.06 - Saddam Hussein ist tot. Der ehemalige irakische Präsident wurde
nach Berichten des staatlichen Fernsehens am Samstagmorgen
hingerichtet. Der Exstaatschef sei den Tod durch den Strang gestorben,
hieß es in einer vom Sender Irakija ausgestrahlten
Erklärung. Im Bild war ein Schriftzug mit den Worten zu sehen:
«Saddams Hinrichtung markiert das Ende einer dunklen Ära in
der irakischen Geschichte.»
Die Hinrichtung erfolgte gegen 06.00 Uhr (04.00 Uhr MEZ). Diese Zeit
hatte am Freitagabend ein irakischer Regierungsbeamter als Frist
für die Exekution genannt. Die Hinrichtung sei von einem
Kameramann auf Film festgehalten worden, berichtete die frühere
Abgeordnete Mariam al Reyes dem Sender Irakija. Ministerpräsident
Nuri al-Maliki sei bei der Exekution nicht dabei gewesen sei. Er habe
einen Vertreter geschickt.
Zusammen mit Saddam Hussein wurden laut Irakija auch der ehemalige
Geheimdienstchef Barsan Ibrahim - ein Halbbruder des 2003
gestürzten Präsidenten - und der frühere Vorsitzende des
Revolutionsgerichts, Awad Hamed al Bandar, hingerichtet. Sie waren am
5. November gemeinsam mit Saddam Hussein im Prozess um ein Massaker
1982 in der Ortschaft Dudschail zum Tode verurteilt worden. In
Dudschail wurden 148 Schiiten offenbar als Vergeltung für einen
Attentatsversuch auf Saddam Hussein getötet. Das Verfahren begann
bald nach der Gefangennahme Saddam Husseins im Dezember 2003.
Mit einem Eilantrag vor einem US-Gericht versuchten Saddam Husseins
Anwälte noch in letzter Minute, die Überstellung ihres
Mandanten an die irakischen Behörden zu verhindern. Das Gericht
wies den Antrag am Freitagabend jedoch zurück.
In Washington teilte das Pentagon mit, dass die US-Truppen im Irak auf
gewaltsame Reaktionen nach der Hinrichtung vorbereitet seien. Die
Soldaten seien in hoher Alarmbereitschaft.
Ein Selbstmordanschlag hat am Freitag nördlich von Bagdad
mindestens neun Zivilpersonen das Leben gekostet. Die irakische Polizei
erklärte, zwölf weitere Menschen seien verletzt worden. Der
Attentäter zündete seinen Sprengsatz in Chalis, rund 80
Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad.
Für die US-Truppen im Irak war der Dezember der tödlichste
Monat in diesem Jahr. Bis Freitag meldeten die US-Streitkräfte 106
in diesem Monat getötete Soldaten. Der Monat mit der bislang
höchsten Opferzahl war der Oktober mit 105 Toten. Seit Beginn der
US-Invasion im Irak im März 2003 kamen bereits fast 3.000
amerikanische Soldaten ums Leben: Nach einer Statistik der
Nachrichtenagentur AP waren es bislang mindestens 2.993.
US-Präsident George W. Bush erwägt einem Zeitungsbericht
zufolge, die US-Truppen im Irak um 17.000 bis 20.000 Soldaten
aufzustocken. Dies sei eine der Optionen, die Bush bei einem Treffen
mit hohen Regierungsbeamten besprochen habe, berichtete die "New York
Times". Das Blatt beruft sich dabei auf Mitarbeiter des
US-Verteidigungsministeriums, nach deren Angaben der Großteil der
zusätzlichen Truppen für die Bekämpfung der Gewalt in
und um Bagdad eingesetzt werden solle.
Die Aufstockung der zurzeit rund 134.000 US-Soldaten im Irak
könnte nach Angaben der Zeitung über einen späteren
Abzug von zwei in der westirakischen Provinz El Anbar eingesetzten
Marineinfanterie-Regimentern erreicht werden. Das Pentagon wollte den
Zeitungsbericht nicht bestätigen.
Bush hatte am Donnerstag bei Gesprächen mit seinen wichtigsten
Sicherheitsberatern "gute Fortschritte" bei der Ausarbeitung der
künftigen Irak-Strategie gemacht, wie er selbst sagte. Es seien
aber noch weitere Beratungen nötig. Mitarbeiter des
Präsidenten gaben an, die neue Ausrichtung der Irak-Politik solle
kurz nach der Jahreswende bekanntgemacht werden.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 30.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.30.12.05 - Wahlkommission will Ergebnis irakischer Parlamentswahl prüfen
lassen +++ Anhaltende Gewalt im Irak kostet mindestens 15 Menschen das
Leben +++ Zehn Tote bei US-Luftangriff auf irakisches Dorf +++ Al Kaida im
Irak droht mit Ermordung von fünf entführten Sudanesen +++ Paris
fordert Freilassung von entführtem Franzosen im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512300.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Siedler weiten Außenposten im Westjordanland aus
Sa.30.12.06 - Israelische Siedler haben in den vergangenen sechs Monaten
Außenposten von Siedlungen im Westjordanland kräftig
ausgebaut. Mindestens 200 neue Campingwagen seien aufgestellt worden,
berichtete die israelische Zeitung «Haaretz» am Freitag
unter Berufung auf Behördenangaben.
Im ersten Halbjahr seien es nur einige Dutzend gewesen. In dem auf Eis
liegenden internationalen Friedensplan «Road Map» hatte sich
Israel verpflichtet, rund 60 der 100 neuen Siedlungsaußenposten
im Westjordanland aufzugeben. Bei der Räumung des illegalen
Außenpostens Amona nahe Ramallah war es im Februar zu schweren
Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gekommen. Seither
hatte es keine derartigen Aktionen mehr gegeben.
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert ist einem Zeitungsbericht
zufolge zu Gesprächen «hinter den Kulissen» mit
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas über eine dauerhafte
Friedenslösung bereit. Wie die Zeitung «Jediot
Achronot» unter Berufung auf Olmert nahe stehende Kreise
berichtete, hat der Regierungschef zustimmend auf einen entsprechenden
Vorschlag von Abbas für Gespräche von Vertretern beider Seiten
reagiert.
Olmerts Sprecherin Miri Eisin wollte den Bericht weder bestätigen
noch dementieren. Abbas hatte den Vorschlag offenbar bei seinem Treffen
mit Olmert am vergangenen Samstag in Jerusalem zur Sprache gebracht. Bei
einem Besuch in Kairo hatte er danach erklärt, daran könnten
auch eine oder alle Parteien des so genannten Nahostquartetts (die USA,
Russland, die UN und die EU) teilnehmen.
Bei dem ersten Treffen mit Abbas seit Monaten hatte Olmert
Zugeständnisse gemacht, um dem moderaten
Palästinenserführer im Machtkampf mit der radikalen
Hamas-Regierung den Rücken zu stärken, darunter die Freigage
eingefrorener Gelder and die Palästinenser. Er stellte zudem in
Aussicht, die Freilassung einer begrenzten Anzahl von
Palästinensern in Erwägung zu ziehen. Olmerts Sprecherin
erklärte jedoch am Freitag, dazu gebe es bislang keine
Entscheidung. Der israelische Minister Seew Boim sagte, eine solche
Geste vor der Freilassung des von militanten Palästinensern
verschleppten israelischen Soldaten Gilad Shalit würde von der
Hamas «falsch interpretiert».
Olmerts Außenministerin Zipi Liwni stellte unterdessen einen
eigenen Friedensplan vor, der einen provisorischen
Palästinenserstaat mit der umstrittenen israelischen Sperranlage
als Grenze im Westjordanland vorsieht. In einem Interview mit der
Zeitung «Haaretz» sagte sie: «Ich denke, ich kann mit
Abu Masen (Abbas) einen Dialog führen.» Dabei solle
«geklärt werden, wohin wir uns mit der Vision einer
Zwei-Staaten-Lösung bewegen». Neue Hoffnungen auf eine
politische Lösung würden auch die Chancen verbessern, dass bei
der nächsten Palästinenserwahl moderate Kräfte an die
Macht kämen. Obwohl unklar blieb, inwiefern ihr Plan von den
Vorstellungen Olmerts abweicht, sagte Lwini, sie werde nicht
zögern, bei Wahlen gegen den Regierungschef anzutreten, falls sie
von ihm keine Rückendeckung erhalte.
(Quelle: dpa)
Neue Herrscher in Mogadischu lehnen Friedensverhandlungen ab -
Islamisten in Somalia kündigen Guerillakrieg an
Sa.30.12.06 - Die somalische Übergangsregierung hat nach der Einnahme der
Hauptstadt Mogadischu Friedensverhandlungen mit den vertriebenen
Islamisten abgelehnt. Nach all dem Blutvergießen können wir
nicht von Frieden sprechen, sagte Ministerpräsident Mohamed Ali
Gedi am Freitag der Nachrichtenagentur AP.
Mehrere tausend Bewohner der Hauptstadt jubelten Gedi am Freitag bei
seiner Ankunft zu. «Heute fängt ein neues Leben an, neue
Stabilität und eine neue Zukunft für Somalia», rief
Gedi ihnen zu. Seine Regierung wolle Recht und Ordnung
wiederherstellen. Einheiten schwer bewaffneter somalischer und
äthiopischer Soldaten bezogen Stellungen an
Schlüsseleinrichtungen wie Flughafen und Hafen.
In anderen Teilen der Hauptstadt protestierten allerdings mehrere
tausend Menschen gegen die Präsenz äthiopischer Truppen. Sie
warfen mit Steinen und setzten Autos in Brand. Äthiopische Panzer
gaben Warnschüsse ab.
Die islamischen Freischärler in Somalia haben nach ihrem Abzug aus
der Hauptstadt Mogadischu einen Guerillakrieg angekündigt. Die
Milizen würden die Regierungstruppen und ihre äthiopischen
Verbündeten aus dem Hinterhalt angreifen, sagte Sheikh Mohamed
Ibrahim Bilal, einer ihrer Anführer. Der Krieg sei mit dem Abzug
der Islamisten aus Mogadischu noch nicht zu Ende. "Ich sage, innerhalb
weniger Tage wird sich das ändern". Seine Einheiten würden
sich den Regierungstruppen und den Äthiopiern "niemals" ergeben.
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen kritisierte das Vorgehen der
Regierungstruppen in Somalia. Somalische Soldaten seien in eine Klinik
in Diinsor in der Provinz Bay eingedrungen und hätten einheimische
Mitarbeiter bedroht sowie Patientenakten beschlagnahmt, kritisierte
Ärzte ohne Grenzen. Die Hilfsorganisation forderte alle
Konfliktparteien dringend auf, "sich an weltweit geltendes Recht zu
halten und die Sicherheit medizinischer Einrichtungen zu garantieren".
Besonders die Patienten und das medizinische Personal bräuchten
Schutz.
Die Vereinten Nationen wollen ihre Hilfe für die notleidende
Bevölkerung Somalias am Wochenende wieder aufnehmen. Nachdem die
Lieferung von Hilfsgütern aus der Luft wegen der jüngsten
Kämpfe gestoppt worden waren, gab die somalische
Übergangsregierung am Donnerstag grünes Licht für die
Wiederaufnahme der Flüge. Somalia habe den Luftraum für
geöffnet erklärt, sagte eine Sprecherin des UN-Büros
für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in
New York. Die UN versorgen rund zwei Millionen Somalier, die wegen des
militärischen Konflikts sowie nach Dürre und
Überschwemmungen auf Hilfe angewiesen sind.
(Quellen: afp, ap)
Verheugen wirbt für eine radikale Reform der EU
Sa.30.12.06 - Der deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen hat sich für tief
greifende Änderungen in der Arbeit der Europäischen
Kommission ausgesprochen. Die Mitglieder der Brüsseler
Zentralbehörde sollten künftig nicht mehr von den nationalen
Regierungen benannt werden, sagte Verheugen im Interview der
«Berliner Zeitung».
«Die europäische Exekutive sollte direkt aus einem
demokratischen Prozess entstehen», forderte Verheugen.
Außerdem plädierte er für eine Stärkung der
Kommissare durch volle Personal- und Finanzhoheit. Der für
Industriepolitik zuständige Verheugen mahnte außerdem im
Konflikt mit Berlin über den Klimaschutz Kompromisse an, um eine
Abwanderung von Unternehmen aus Europa zu verhindern.
Verheugens Vorschläge für eine kleinere und neu zu
bestimmende Kommission gehen weit über den bisherigen
Verfassungsentwurf hinaus. «Ich bin für einen mutigeren
Schritt», sagte er. So solle der Kommissionspräsident, den
derzeit die Mitgliedstaaten bestimmen, aus den Wahlen zum
Europäischen Parlament hervorgehen. Er könne sich dann
«seine Kommissare selber aussuchen, ohne nationalen
Proporz», argumentierte Verheugen.
(Quelle: ap)
Evangelische Kirche fordert Gottesbezug in EU-Verfassung
Sa.30.12.06 - Wenige Tage vor Beginn der deutschen EU-Präsidentschaft hat die
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) einen klaren Bezug der
künftigen EU-Verfassung zu den christlichen Wurzeln Europas
gefordert. Auch die Verantwortung der Menschen vor Gott müsse darin
deutlich werden, heißt es in einer am Freitag in Hannover
veröffentlichten Erklärung. Die Bürger würden sich
nur mit der EU identifizieren, wenn sie sich auf die Achtung ihrer
Kultur, Religion und Geschichte verlassen könnten, erklärte
der Rat der EKD.
«Die christlich-jüdische Tradition hat die Entwicklung der
Grundwerte der Europäischen Union wesentlich geprägt.»
Diese Grundlagen müssten immer wieder verdeutlicht und
verstärkt ins Bewusstsein gehoben werden. Dazu gehöre auch die
Menschenwürde, die für den christlichen Glauben unbedingten
Charakter habe. «Sie bezieht sich auch auf die, die sich nicht
artikulieren können: Ungeborene, Behinderte, Sterbende.»
Menschen dürften deshalb in keiner Lebensphase nur unter dem
Gesichtspunkt der Nützlichkeit oder Brauchbarkeit betrachtet
werden.
Zudem forderte die Kirche eine faire, effektive und transparente
Zuwanderungspolitik. Eine Verbesserung der Rechtsstellung von
Flüchtlingen, Einwanderern und Menschen ohne regulären
Aufenthaltsstatus sei dringend notwendig, heißt es in der
Erklärung. Als weitere Aufgaben einer menschenwürdigen Politik
nannte der Rat die globale Armutsbekämpfung und den Klimaschutz.
(Quelle: ap)
Pro Asyl übt heftige Kritik an EU-Flüchtlingspolitik
Sa.30.12.06 - Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat in ihrer Jahresbilanz 2006
heftige Kritik an der Flüchtlingspolitik Deutschlands und der
anderen Mitgliedsstaaten der EU geübt. "2006 ist das Jahr mit der
höchsten Todesrate an den europäischen Außengrenzen und
einem neuen historischen Tiefstand bei den Asylsuchenden", kritisierte
Pro Asyl. Nach Angaben der spanischen Behörden seien 2006 rund
6000 Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg von Westafrika zu den
kanarischen Inseln ums Leben gekommen.
"Europa trägt maßgeblich Verantwortung für das
Massensterben", erklärte Pro-Aysl-Europareferent Karl Kopp. Die EU
setze auf Flüchtlingsabwehr um jeden Preis und sei bereit,
dafür elementare Menschenrechtsstandards aufzugeben.
Gleichzeitig habe die Bundesrepublik mit 20.000 im Jahr 2006
eingereichten Asylanträgen den niedrigsten Stand seit 1977
erreicht. Insgesamt seien in der EU weniger als 200.000 Anträge
eingegangen. Drittstaaten wie Libyen, Marokko, Mauretanien, der Ukraine
und der Türkei werde in einer "zynischen Arbeitsteilung" eine
Türsteherfunktion vor den Toren der "Festung Europa" zugewiesen,
heißt es in der Bilanz weiter. Nach Angaben der EU-Agentur
für den Schutz der Außengrenzen (Frontex) gelangten in
diesem Jahr bislang mehr als 31.000 Flüchtlinge auf die zu Spanien
gehörenden kanarischen Inseln. Damit sei das bisherige Rekordhoch
aus dem Jahr 2002 bereits um mehr als Dreifache überschritten
worden.
(Quelle: afp)
Bundesagentur mit Rekord-Überschuss von 11,16 Milliarden
Sa.30.12.06 - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) schließt das Jahr 2006 mit
einem in der BA-Geschichte nie da gewesenen Überschuss in
Höhe von 11,16 Milliarden Euro ab. Zugleich schreibt die
Bundesbehörde erstmals seit dem Jahr 1985 wieder schwarze Zahlen.
2005 war sie noch auf einen Zuschuss des Bundes in Höhe von rund
400 Millionen Euro angewiesen. 2004 lag er sogar bei 4,2 Milliarden
Euro. Zu dem positiven Ergebnis in diesem Jahr hätten neben
deutlich höheren Einnahmen stark gesunkene Ausgaben wegen der
geringeren Arbeitslosigkeit beigetragen, sagte der
BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise am Freitag der
Nachrichtenagentur dpa.
«Rund zwei Drittel dieses hohen Überschusses sind auf das
gute wirtschaftliche und politische Umfeld, ein Drittel auf die gute
Leistung der Bundesagentur zurückzuführen», betonte
Weise. Ursprünglich hatte der BA-Vorstand für 2006 nur mit
einem Überschuss von 1,8 Milliarden Euro gerechnet. Das starke
Wirtschaftswachstum habe den BA-Vorstand aber im Laufe des Jahres
wiederholt zu einer Korrektur der ursprünglichen Finanzplanung
gezwungen. Aber auch die gestiegene Effizienz der BA zahle sich
zunehmend aus, sagte Weise.
Das Überspringen der Elf-Milliarden-Euro-Grenze sei vor allem auf
die witterungsbedingt niedrige Arbeitslosigkeit im November und
Dezember zurückzuführen. Auch sei die letzte Rate des so
genannten Aussteuerungsbetrags - eine Art Strafzahlung an den Bund
für nicht vermittelte Arbeitslose - geringer ausgefallen als
erwartet. «Im gesamten Jahr haben wir rund zwei Milliarden Euro
weniger an Berlin überweisen müssen als geplant», sagte
Weise. Mit 328 000 seien rund 200 000 Jobsucher weniger ins so genannte
Arbeitslosengeld II gewechselt als zunächst erwartet.
Nach Weises Angaben lagen die Einnahmen der Bundesagentur im zu Ende
gehenden Jahr um 1,5 Milliarden Euro über dem veranschlagten Wert.
«Es sind weniger Menschen arbeitslos. Und wenn Menschen ihre
Arbeit verlieren, kommen sie wieder schneller in Arbeit als in den
zurückliegenden Jahren. Dadurch steigen die
Beitragseinnahmen», erläuterte Weise. Zugleich hätten
die Ausgaben für das Arbeitslosengeld I um 3,6 Milliarden Euro
unter Plan gelegen. Stark zurückgegangen seien im Zuge einer
Neuordnung der Ich-AG-Regelung beispielsweise die
Existenzgründungszuschüsse - und zwar um 700 Millionen Euro
in 2005 auf 2,5 Milliarden Euro in 2006.
Erneut widersprach Weise Behauptungen, die Bundesagentur würde
durch Kürzungen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik bei den
Arbeitslosen sparen. Der dafür im Jahr 2006 vorgesehene Etat liege
zwar mit 2,45 Milliarden Euro um rund 350 Millionen Euro unter den
entsprechenden Ausgaben im Jahr 2005. Im Verhältnis zur gesunkenen
Zahl der Erwerbslosen seien die Ausgaben für Aus- und Fortbildung,
Trainingsmaßnahmen und Vermittlungsgutscheine aber
unverändert, betonte Weise. «Wir hatten schließlich im
zu Ende gehenden Jahr 15 Prozent weniger Arbeitslose. Das führt
zwangsläufig zu einem Rückgang bei den
Maßnahmen», sagte der BA-Chef.
(Quelle: dpa)
Ostdeutsche lehnen Westen immer stärker ab
Sa.30.12.06 - Die Gefühle der Deutschen gegenüber den Landsleuten im
jeweils anderen Teil des Landes haben sich in den zurückliegenden
zehn Jahren teilweise gegenläufig entwickelt. Während sich bei
den Westdeutschen die Solidarität mit den Ostdeutschen noch
verstärkt habe, sei bei den Ostdeutschen die Ablehnung der
Westdeutschen gewachsen. Dies sind Ergebnisse einer
Repräsentativumfrage von TNS-Emnid im Auftrag des
Bundesarbeitgeberverbandes Chemie, die 2006 mit den gleichen Fragen
vorgenommen wurde wie 1996.
Vor zehn Jahren hatten sich 40 Prozent der Westdeutschen dazu bekannt,
dass Solidarität ihr stärkstes Gefühl gegenüber den
Ostdeutschen sei, 2006 waren es 44 Prozent. An zweiter Stelle der
Gefühle der Westdeutschen für die Ostdeutschen rangiert
Ärger (25 Prozent), gefolgt von Anerkennung (23 Prozent),
Hilfsbereitschaft (19 Prozent) und Ablehnung (12 Prozent).
Bei den Ostdeutschen war das am häufigsten genannte Gefühl
für die Westdeutschen Anerkennung (23 Prozent), gefolgt von
Solidarität (21 Prozent). Auf ebenfalls 21 Prozent kam 2006 das
Gefühl der Ablehnung, das 1996 nur 13 Prozent der Befragten
angeführt hatten.
TNS-Emnid hatte 3098 Menschen befragt, 2469 aus Westdeutschland und 629
aus Ostdeutschland.
(Quelle: ddp)
Beitragseinnahmen der Rentenkassen sprudeln - Renten-Rendite sinkt mit
Rente ab 67
Sa.30.12.06 - Die gesetzliche Rentenversicherung steht zum Jahresende voraussichtlich
besser da als erwartet.
Im November verbuchten die Rentenkassen mit 17,9 Milliarden Euro das
höchste Beitragswachstum der vergangenen Jahre, wie die Deutsche
Rentenversicherung Bund am Freitag bestätigte. Dies waren 4,3
Milliarden Euro mehr als im Oktober. Der Anstieg gehe auf
Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld zurück. Bis Ende November
seien seit Jahresbeginn rund 164,7 Milliarden Euro eingegangen. Die
Rentenversicherung geht nun davon aus, dass die Prognose des
Schätzerkreises übertroffen wird. Dieser hatte für das
Gesamtjahr mit Beitragseinnahmen von rund 178 Milliarden Euro gerechnet.
"Wir erwarten, dass mindestens das Schätzergebnis erreicht wird",
sagte eine Sprecherin.
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung steigt zum Jahresanfang um 0,4
Punkte auf 19,9 Prozent des Bruttolohns. Der Schätzerkreis hielt
eine Anhebung um nur 0,2 Punkte für notwendig. Die Bundesregierung
beharrte aber auf einem stärkeren Anstieg, um den Beitragssatz
mittelfristig stabil zu halten.
Die Bundesregierung bestätigte in einer Antwort auf eine
parlamentarische Anfrage der FDP, dass mit der Einführung der Rente
ab 67 die Rendite der Rentenbeiträge sinkt. Dazu kommt es, weil
die Versicherten länger Beiträge zahlen und sich die
Rentenbezugszeit dadurch verkürzt. Laut Berechnungen des
Ministeriums werde sich die Rendite der Rentenbeiträge
alleinstehender Männer, die 2020 in Ruhestand gingen, von 3,5 auf
2,7 Prozent verringern, berichtete der "Spiegel".
Entsprechende Zahlen hatte die Deutsche Rentenversicherung bereits vor
zwei Wochen vorgelegt. Die Berechnungen gelten für
Durchschnittsverdiener, die 45 Jahre lang Beiträge in die
Rentenversicherung gezahlt haben. Demnach sinkt die Renten-Rendite
für alleinstehende Frauen von derzeit 4,1 Prozent bis 2020 auf 3,2
Prozent. Die Renten-Rendite von Frauen ist bei gleichem Einkommen
höher, weil sie auf Grund der höheren Lebenserwartung
länger Rentenzahlungen erhalten. Die reale, preisbereinigte Rendite
ist deutlich geringer, weil bei den Berechnung die Teuerungsrate nicht
berücksichtigt wird. Die Rentenversicherung wie auch der
Wirtschaftsweise Bert Rürup hatten damals erklärt, dass sich
die Beitragsrenditen zwar verringerten, aber auch künftig positiv
blieben.
Die große Koalition will vom Jahr 2012 an bis zum Jahr 2029 das
gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre
anheben. Arbeitnehmer können dann nur noch ab 67 Jahren oder nach
45 Beitragsjahren ohne Abschläge in Rente gehen.
(Quelle: rtr)
Pharma-Unternehmen erhöhen kurzfristig Preise für Generika
Sa.30.12.06 - Im Zuge des Arzneimittelsparpakets, das die Ausgaben für
Medikamente reduzieren soll, haben einige Herstellerfirmen die Preise
offenbar kurzfristig erhöht. Der eine oder andere Produzent von
Nachahmerpräparaten habe die Preise angehoben, sagte eine
Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin. Es werde durch
das Gesetz aber dennoch zu Einsparungen kommen. Zuvor hatte die
"Bild"-Zeitung berichtet, insgesamt 14 Pharmafirmen hätten die
Preise für 2777 Produkte um mehr als zehn Prozent erhöht, um
sie dann wie durch das neue Gesetz vorgeschrieben zum 1. Januar wieder
um zehn Prozent zu senken.
Die Hersteller der so genannten Generika erfüllten damit zwar
formal die Sparauflagen der Regierung, unter dem Strich blieben die
Preise aber fast konstant, hieß es in dem Bericht. Dadurch
entstünden den gesetzlichen Krankenkassen Mehrkosten von mehreren
hundert Millionen Euro. Diese Zahl ist nach Ansicht des
Gesundheitsministeriums aber "überhaupt nicht nachvollziehbar", wie
die Sprecherin sagte.
(Quelle: afp)
Milli Görüs baut laut Bericht Netz an deutschen Unis aus
Sa.30.12.06 - Die islamische Organisation Milli Görüs baut einem Bericht
zufolge ihr Netz an deutschen Universitäten aus. Dazu gehörten
Studentenkongresse und Stipendien für strengreligiöse Frauen,
die wegen des Kopftuchverbotes an türkischen Hochschulen zum
Studieren nach Deutschland kommen, schreibt das Nachrichtenmagazin
«Der Spiegel». Europaweit vergibt demnach die vom
Verfassungsschutz beobachtete Organisation insgesamt 250 Stipendien im
Jahr.
Im März solle außerdem ein Studententreffen in Hagen in
Westfalen stattfinden. «Wir erwarten rund 1.500 Studenten
überwiegend aus Deutschland - allesamt Mitglieder oder
Sympathisanten», sagte Milli-Görüs-Vertreter Mesud
Gülbahar dem Vorabbericht zufolge.
Milli Görüs hat in Deutschland etwa 26.500 Mitglieder und
steht wegen islamistischer Tendenzen unter Beobachtung der
Behörden. Die Organisation setzt sich für eine islamische
Gesellschaftsordnung ein.
(Quelle: ap)