Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertundfünfzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Bilder von Saddams Hinrichtung im Fernsehen. Gegner der Todesstrafe
kritisieren Vollstreckung des Todesurteils - Auch in Deutschland breite
Kritik. Mindestens 68 Tote bei Bombenanschlägen im Irak
So.31.12.06 - Rund sechs Stunden nach Hinrichtung des ehemaligen irakischen
Machthabers Saddam Hussein hat das Staatsfernsehen
«Al-Irakija» Videobilder von der Exekution ausgestrahlt. Sie
zeigten zwei mit Henkersmützen maskierte Männer, wie sie dem
69-Jährigen ein schwarzes Tuch um den Hals binden und ihn dann mit
auf dem Rücken gefesselten Händen in einen Raum zum Galgen
führen.
Die Scharfrichter, die ihm offensichtlich die Prozedur erläutern,
legen ihm dann die Schlinge um den Hals und ziehen sie an. Danach wurde
die Ausstrahlung abgebrochen. Saddam, der in einen schwarzen Mantel
gekleidet war und dessen Kopf unverhüllt blieb, wirkte gefasst und
nachdenklich. Einige Male schluckte er.
US-Präsident George W. Bush begrüßte die Hinrichtung
Saddams durch den Strang als Meilenstein auf dem Weg zu einem
demokratischen Irak.
Dagegen verurteilte der Vatikan die Hinrichtung scharf. Es bestehe
«das Risiko, dass dies den Geist der Rache noch anstachelt und
neue Gewalt sät», sagte Vatikansprecher Federico Lombardi.
Die finnische EU-Ratspräsidentschaft hat nach der Hinrichtung
Saddam Husseins an die grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe in
der Europäischen Union erinnert. Sie hätte auch in diesem Fall
nicht angewendet werden sollen, in dem es keine Zweifel an der Schuld
des früheren irakischen Präsidenten wegen schwerer
Menschenrechtsverletzungen gegeben habe, erklärte
Außenminister Erkki Tuomioja am Samstag. Auch gegen das
Gerichtsverfahren gebe es ernsthafte Einwände, sagte der Minister,
ohne dies auszuführen.
Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat die
Hinrichtung des früheren irakischen Staatschefs verurteilt. Saddam
Hussein sei verantwortlich für zahlreiche und schreckliche
Verletztungen der Menschenrechte, die trotz ihrer Brutalität aber
keine Hinrichtung rechtfertigten, erklärte Richard Dicker von Human
Rights Watch in Bagdad. Die Todesstrafe sei grausam und unmenschlich.
Die Achtung einer Regierung für die Menschenrechte sei an ihrem
Umgang mit jenen zu erkennen, die diese am schwersten verletzt
hätten, fügte er hinzu.
Auch in Deutschland ist die Hinrichtung des früheren irakischen
Machthabers auf breite Kritik gestoßen. Die deutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte ihre
grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe. Die deutsche Regierung
rief zugleich zu fairen Gerichtsverfahren im Irak auf. Auch die
deutschen Oppositionsparteien verurteilten die Vollstreckung des
Todesurteils.
«Wir respektieren dieses Urteil, aber es ist bekannt, dass die
Bundesregierung gegen die Todesstrafe ist», sagte Merkel. Sie sei
jedoch an diesem Tag mit ihren Gedanken vor allem bei den vielen
unschuldigen Opfern Saddams. Dem irakischen Volk wünsche sie, dass
es seien Weg «in Frieden gehen kann».
Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD),
betonte, für die Bundesregierung bestehe zwar an den Verbrechen
Saddams kein Zweifel. «Aber wir wenden uns gegen die Todesstrafe,
egal wo sie angewandt wird.»
Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erinnerte daran, dass Saddams
Regime über Jahrzehnte die eigene Bevölkerung brutal
unterdrückt, Tausende Unschuldige getötet und gefoltert sowie
den Krieg gegen Iran begonnen habe. Die Aufarbeitung leiste einen
wichtigen Beitrag zur Versöhnung. Allerdings müssten dabei
stets «die Grundsätze eines fairen Verfahrens»
beachtet werden.
Der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Werner
Hoyer, kritisierte die Hinrichtung als «Schande, Niederlage und
verpasste Chance für die beteiligten westlichen
Demokratien». Sie sei auch «kurzsichtig und dumm», da
Millionen Iraker den Ex-Diktator nun weniger wegen seiner grausamen
Verbrechen, sondern wegen seines vermeintlichen Märtyrertods in
Erinnerung behielten. Der FDP-Außenpolitiker Wolfgang Gerhardt
bezeichnete die Tötung Saddams als «nicht vertretbar».
Grünen-Chefin Claudia Roth betonte ebenfalls, die Todesstrafe
für Saddam sei nicht gerechtfertigt. «Es bleibt zu
befürchten, dass ihr Vollzug nun nur noch mehr Hass, Chaos und Tod
im Irak erzeugen wird», warnte sie. Ähnlich
äußerte sich der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Fritz
Kuhn, der mahnte: «Man muss die Kette von Tod und Rache
beenden.»
Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, sprach von einem «menschenrechtswidrigen Akt der
Gewalt». «Die Vollstreckung des Todesurteils ist kein
Zeichen für Rechtsstaatlichkeit, sondern ein Symbol von Rache und
Gewalt», sagte Beck. Es sei zudem fragwürdig, ob die
Auslieferung Saddams durch die USA an den Irak zum Zweck der
Hinrichtung mit dem Völkerrecht für Kriegsgefangene vereinbar
sei.
Nach Auffassung von Links-Fraktionschef Gregor Gysi war die Hinrichtung
«keine juristische, sondern eine politische Entscheidung - mehr
des amerikanischen Präsidenten als irgendeiner anderen politischen
Figur». Ein Anfang für mehr Demokratie im Irak sei damit
keineswegs gemacht.
Ein Sondertribunal hatte das Todesurteil gegen Saddam Hussein wegen
Verbrechen gegen die Menschlichkeit bereits Anfang November
verhängt. Der Prozess hatte mehr als ein Jahr gedauert.
Drei Bombenanschläge haben im Irak am Samstag mindestens 68
Menschen das Leben gekostet. Im Nordwesten von Bagdad explodierten
nacheinander zwei geparkte Autos, dabei wurden 37 Menschen
getötet. 76 erlitten Verletzungen, wie die Polizei erklärte.
Weitere 31 Menschen kamen bei einem Bombenanschlag auf einen Fischmarkt
in der schiitischen Stadt Kufa ums Leben. Nach Angaben von
Krankenhausmitarbeitern wurden 58 weitere Menschen verletzt, als der in
einem Kleinbus versteckte Sprengsatz detonierte.
Die aufgebrachte Menge stellte den mutmaßlichen Attentäter
und tötete ihn. Der Anschlag in der Stadt rund 160 Kilometer
südlich von Bagdad ereignete sich kurz vor Beginn des islamischen
Opferfestes Eid al Adha, Hinweise auf einen Zusammenhang mit der
Hinrichtung von Saddam Hussein kurz zuvor gab es nicht. Fernsehbilder
zeigten, wie hunderte Männer den zerstörten Kleinbus umringen.
In einigen sunnitischen Gebieten verhängte die Polizei
Ausgehverbote, um Unruhen zu verhindern, darunter in der Heimatstadt
von Saddam Hussein, Tikrit, und in Samarra. In mehreren Orten kam es zu
friedlichen Protesten gegen die Hinrichtung. Hunderte Menschen trugen
irakische Flaggen, Bilder des Gehängten und Plakate durch die
Straßen. Trotz des Ausgehverbots schossen in Tikrit Männer
in die Luft und forderten Rache.
Für die US-Truppen im Irak war der Dezember der tödlichste
Monat in diesem Jahr. Bis Samstag meldeten die US-Streitkräfte 109
in diesem Monat getötete Soldaten. Der Monat mit der bislang
höchsten Opferzahl war der Oktober mit 105 Toten. Seit Beginn der
US-Invasion im Irak im März 2003 kamen bereits fast 3.000
amerikanische Soldaten ums Leben: Nach einer Statistik der
Nachrichtenagentur AP waren es bislang mindestens 2.998.
(Quellen: dpa, ddp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 01.01.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhunderteinundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.31.12.05 - Ehemaliger irakischer Ministerpräsident Allawi erhebt schwere
Betrugsvorwürfe nach Parlamentswahl +++ Präsident Talabani
für Regierung der nationalen Einheit +++ Sechs Iraker und zwei
US-Soldaten bei Anschlägen getötet +++ Südkorea zieht 1.000
Soldaten aus dem Irak ab...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0512310.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Sudans Luftwaffe bombardiert offenbar Ziele in Darfur
So.31.12.06 - Die sudanesische Luftwaffe hat zwei Ziele im Norden der Unruheprovinz
Darfur angegriffen. Wie die von der Afrikanischen Union (AU)
geführte Friedensmission (AMIS) mitteilte, bombardierten zwei
Maschinen vom Typ Antonow Ziele bei Anka und Um Rai. Die AMIS forderte
die Regierung in Khartum auf, die Einsätze zu stoppen, um die
Waffenruhe nicht aufs Spiel zu setzen. Die Entwicklung sei "sehr
beunruhigend". Aus der Erklärung ging nicht hervor, ob es bei den
Angriffen Opfer oder Sachschäden gab.
In Darfur bekämpfen sich seit dem Frühjahr 2003
regierungsnahe Milizen und Rebellen. Nach UN-Angaben kamen dabei etwa
200.000 Menschen um.
(Quelle: afp)
Somalische Regierungstruppen verfolgen Islamisten in den Süden -
Rotes Kreuz: Hunderte Tote bei Kämpfen in Somalia
So.31.12.06 - In Somalia bereitet sich die Übergangsregierung auf die letzte
Konfrontation mit den Islamisten vor. Mehrere tausend somalische und
äthiopische Soldaten waren am Samstag auf dem Weg in die
südliche Hafenstadt Kismayo, wohin sich die Kämpfer des Rates
der Islamischen Gerichte zurückgezogen haben. In der Region
zwischen der kenianischen Grenze und dem Indischen Ozean wurden rund
3.000 islamistische Milizionäre vermutet.
Begleitet von 16 äthiopischen Panzern, weiteren Panzerfahrzeugen
und Artillerie standen die Truppen rund 120 Kilometer nördlich der
Front. «Wir werden aus verschiedenen Richtungen vorrücken, um
die Stadt zu umstellen und die Islamisten zu zwingen, zivile Opfer zu
minimieren», sagte Regierungssprecher Abdirahman Dinari der
Nachrichtenagentur AP. Die Übergangsregierung und ihre
äthiopischen Verbündeten hofften, die Islamisten einzukreisen,
bevor sie aus Somalia fliehen können. Die Milizionäre hatten
sich angesichts der somalisch-äthiopischen Übermacht am
Donnerstag aus der Hauptstadt Mogadischu zurückgezogen.
Der Vorsitzende des Rates der Islamischen Gerichte, Sheik Sharif Sheik
Ahmed, kündigte eine Fortsetzung des Kampfes an. «Die
Islamischen Gerichte sind lebendig und bereit, gegen den Feind Allahs zu
kämpfen», sagte Ahmed am Samstag in Kismayo. «Wir
haben Mogadischu verlassen, um ein Blutvergießen in der Hauptstadt
zu vermeiden, aber das heißt nicht, dass wir den heiligen Krieg
gegen unseren Feind verloren haben.»
Die USA riefen derweil die somalische Übergangsregierung zum
Dialog mit den Islamisten auf. Die islamischen Milizen und deren
Unterstützer müssten in den politischen Prozess eingebunden
werden, erklärte US-Außenamtssprecher Tom Casey in
Washington. Eine militärische Lösung könne es nicht
geben. Die USA wollten, dass Somalia den "langen Zeitraum der
Instabilität" beende. Die US-Regierung stehe deshalb in Kontakt mit
der somalischen Übergangsregierung.
Der somalische Präsident Abdullahi Yusuf traf sich unterdessen in
einem Außenbezirk von Mogadischu mit ranghohen somalischen
Delegierten, um den reibungslosen Ablauf der Machtübernahme in der
Stadt zu organisieren. Er kündigte die Stationierung weiterer
Truppen an, um die Lage in der Region zu stabilisieren. Die
Übergangsregierung hatte ihren Sitz bisher in Baidoa, rund 250
Kilometer von Mogadischu entfernt.
Bei den Kämpfen in Somalia sind in den vergangenen Tagen nach
Angaben des Roten Kreuzes "mehrere hundert" Menschen ums Leben gekommen.
Bei Gefechten zwischen islamischen Milizen und Regierungstruppen, die
unterstützt von äthiopischen Soldaten die Hauptstadt
Mogadischu einnahmen, seien zudem mehr als 800 Menschen verletzt
worden, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in
Genf mit.
Unter den Opfern sind laut IKRK sowohl Zivilisten als auch Kämpfer
beider Seiten. Tausende Zivilisten hätten zudem aus Angst vor
Gewalt vor allem in Mogadischu vorübergehend ihre Häuser
verlassen.
(Quellen: ap, afp)
Lybien: Gaddafi verteidigt Justiz seines Landes gegen Kritik
So.31.12.06 - Nach der Bestätigung der umstrittenen Todesurteile gegen
bulgarische Krankenschwestern im Aidsprozess hat der libysche Staatschef
Muammar Gaddafi die Justiz seines Landes verteidigt. Wer ein Verbrechen
begehe, müsse die Konsequenzen tragen, sagte Gaddafi vor
arabischen und westlichen Diplomaten sowie religiösen Vertretern.
Er wies dabei "Einmischungen und Druck" des Westens "in dieser
Angelegenheit" zurück und betonte die "Unabhängigkeit des
libyschen Rechtssystems".
Das libysche Außenministerium hatte dem Westen zuvor ebenfalls
vorgeworfen, Druck auszuüben. Gleichzeitig betonte das Ministerium,
dass das Urteil bei einer Revision vom Obersten Gerichtshof aufgehoben
werden könne.
Trotz entlastender Aussagen von Experten und wissenschaftlichen Studien
hatte ein Berufungsgericht in Tripolis am 19. Dezember die Todesurteile
gegen die fünf Krankenschwestern und einen palästinensischen
Arzt bestätigt. Den Verurteilten wird vorgeworfen, mehr als 400
Kindern in einem libyschen Krankenhaus bewusst Aids-verseuchte
Transfusionen verabreicht zu haben. 50 der Kinder starben mittlerweile.
Internationale Gutachter hatten nachgewiesen, dass das Virus bereits vor
der Ankunft der sechs Angeklagten aufgrund der miserablen hygienischen
Bedingungen in dem Krankenhaus grassierte. Die Verteidigung
kündigte Berufung an.
(Quelle: afp)
Zahl der Internetnutzer in China um 30 Prozent gestiegen
So.31.12.06 - In China ist die Zahl der Internetnutzer auf 132 Millionen Menschen
gestiegen. In diesem Jahr hatten damit 30 Prozent mehr Chinesen Zugang
zum Internet als im Jahr davor, wie die Nachrichtenagentur Xinhua unter
Berufung auf das chinesische Internet-Informationszentrum berichtete.
China ist damit die zweitgrößte Internetnation nach den USA.
52 Millionen haben einen Breitbandanschluss.
Nach Angaben des Ministeriums für Informationsindustrie haben zum
Jahresende außerdem 830 Millionen Chinesen ein Telefon, elf
Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Für das kommende Jahr
erwartet das Ministerium einen Anstieg auf 900 Millionen Telefonnutzer.
Das Internet in China unterliegt einer strengen Zensur. Hunderte
Internetseiten wie die Nachrichten des britischen Radiosenders BBC oder
von Menschenrechtsorganisationen sind blockiert.
(Quelle: dpa)
Klimawandel könnte Amazonas-Regenwald in Savanne verwandeln
So.31.12.06 - Die globale Erwärmung könnte den Regenwald im brasilianischen
Amazonas-Becken bis Ende dieses Jahrhunderts in eine trockene
Gras-Savanne verwandeln. Diese Prognose stellte am Freitag der
brasilianische Meteorologe José Antonio Marengo. Das
Worst-Case-Szenario gehe bis zum Jahr 2100 von einem Temperaturanstieg
um fünf bis acht Grad aus, während die Regenfälle
gleichzeitig um 15 bis 20 Prozent zurückgingen, sagte Marengo der
Nachrichtenagentur AP. Eine solche Entwicklung werde aus dem Regenwald
eine savannenähnliche Landschaft machen. Ein solcher Kollaps
könnte nach Angaben des Wissenschaftlers verhindert werden, wenn
Umweltverschmutzung und Rodungen eingedämmt werden. Dann
könnte das nicht ganz so dramatische Szenario eines
Temperaturanstiegs von fünf Prozent eintreten. Marengos Prognose
ist Teil einer vor zwei Jahren begonnenen Studie, die von der Weltbank
und der britischen Regierung finanziert wird.
(Quelle: ap)
Russland und Weißrussland nehmen Gasverhandlungen wieder auf
So.31.12.06 - Ohne Anzeichen für eine Einigung im Gasstreit in letzter Minute
haben Russland und Weißrussland ihre Verhandlungen wieder
aufgenommen. Die Gespräche hätten wieder begonnen,
erklärte der Sprecher des staatlichen russischen Gaskonzerns
Gazprom, Sergej Kuprijanow, in Moskau. Er habe zwar die Hoffnung auf
einen Durchbruch, fügte Kuprijanow hinzu. So lange aber der
wichtigste Verhandlungsführer der weißrussischen Seite,
Vize-Regierungschef Wladimir Semaschko, nicht an den Gesprächen
teilnehme, seien Fortschritte kaum möglich. Aus Minsk gab es
bislang keine Angaben über Semaschkos Pläne.
Am Vorabend waren die Verhandlungen abgebrochen worden, ohne dass es
Fortschritte gegeben hatte. Russland will den Gaspreis für
Weißrussland zum Jahreswechsel von 46 Dollar (knapp 35 Euro) auf
200 Dollar pro tausend Kubikmeter erhöhen und droht, am 1. Januar
um 08.00 Uhr MEZ den Gashahn zuzudrehen. Weißrussland droht im
Gegenzug, russisches Erdgas nicht mehr durch seine Pipelines nach
Deutschland, Polen und Lettland zu leiten. Rund 20 Prozent der
russischen Lieferungen für Westeuropa fließen über
weißrussische Leitungen.
Die deutsche Regierung hatte am Freitag betont, sie sehe keine
unmittelbaren Auswirkungen des Gasstreites auf Deutschland. Die Preise
für russisches Erdgas seien durch die Ölpreisbindung
festgelegt, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.
Zudem seien die Speicher bei allen Energieversorgern wegen des warmen
Wetters gut gefüllt. Die Menge reiche rechnerisch für ein
Jahr, um mögliche Ausfälle russischer Gaslieferungen über
weißrussische Pipelines auszugleichen.
(Quelle: afp)
Deutschland, Portugal und Slowenien verabreden EU-Innenpolitik
So.31.12.06 - Deutschland, Portugal und Slowenien wollen den innenpolitischen
Zusammenhalt der Europäischen Union (EU) in den kommenden
anderthalb Jahren stärken. Zu diesem Zweck erarbeiteten die
Innminister der drei Länder, Wolfgang Schäuble (CDU), Antonio
Costa und Dragutin Mate, ein Programm für die am 1. Januar
beginnenden, aufeinander folgenden EU-Präsidentschaften der drei
Staaten. In einem gemeinsamen Beitrag in der «Welt am
Sonntag» nannten die Minister laut Vorabbericht drei
Arbeitsschwerpunkte für diese so genannte
Triopräsidentschaft: den Kampf gegen den Terrorismus und die
grenzüberschreitende Kriminalität verbunden mit der
Verbesserung der polizeilichen Zusammenarbeit, die gemeinsame
Bekämpfung von illegaler Migration und Menschenhandel sowie das
Voranbringen des interkulturellen Dialogs in der Union.
Zur Sicherung der Außengrenzen und zur Abwehr terroristischer
Gefahren soll die Grenzschutzagentur Frontex ausgebaut werden. Deutlich
stärken wollen die Innenminister die Polizeibehörde Europol.
Gleichzeitig wollen sie bewährte Polizeizusammenarbeit zwischen
Mitgliedstaaten europaweit einführen. Die während der
Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer in Deutschland praktizierte
Übertragung exekutiver Befugnisse auf Gastbeamte bei
Großveranstaltungen solle europaweit eingeführt werden.
Im Kampf gegen Menschenhandel und illegale Zuwanderung streben die
Minister eine umfassende europäische Politik gegenüber
Nachbar- und anderen Herkunftsländern an. Diese müsse
Verhandlungen über legale Einreisequoten, Rückführungen
und eigene Anstrengungen der Staaten zur Verminderung der Zahl der
Ausreisewilligen ebenso einbeziehen wie Entwicklungshilfe, Handel und
diplomatischen Druck.
Außerdem sei es wichtig, mit den über 15 Millionen Muslimen,
die in Europa leben, besser ins Gespräch zu kommen, schrieben die
Minister. Hier könnten die Mitgliedstaaten voneinander lernen. So
gebe es in Frankreich eine Vertretung des Islams, die offizielle
Ansprechpartnerin der Regierung ist. «Im Mai 2007 werden wir eine
europäische Integrationskonferenz zum gegenseitigen Austausch
bester Praktiken zu Fragen der Integration und des interkulturellen
Dialogs veranstalten», versicherten die Ressortchefs.
(Quelle: ddp)
Spanien: Ministerpräsident Zapatero setzt nach Anschlag
Gespräche mit ETA aus
So.31.12.06 - Mit ihrem ersten Anschlag nach neun Monaten Waffenruhe hat die
baskische Untergrundorganisation ETA den Friedensgesprächen mit
der Regierung einen schweren Schlag versetzt. Ministerpräsident
José Luis Rodriguez Zapatero legte die Gespräche zur
Fortsetzung des Friedensprozesses mit der ETA auf Eis. Zapatero
verurteilte den Anschlag scharf, der "vollkommen unverträglich"
mit der am 22. März von der ETA erklärten dauerhaften
Waffenruhe sei. Vertreter der Basken forderten dagegen eine Fortsetzung
des Dialoges. Bei dem Anschlag wurden 19 Menschen leicht verletzt. Zwei
Menschen werden noch vermisst.
Bedingung für einen Dialog sei und bleibe der "eindeutige Wille"
der ETA zu einem Gewaltverzicht, sagte Zapatero. Auch Innenminister
Alfredo Perez Rubalcaba verurteilte den Anschlag scharf. Damit sei der
vor neun Monaten verkündete Waffenstillstand der
Untergrundorganisation gebrochen worden. "In jeder Demokratie ist die
Gewalt unvereinbar mit dem Dialog", sagte Rubalcaba vor Journalisten in
Madrid.
Vertreter der Basken wollten den Dialog fortsetzen. "Der Prozess ist
nicht unterbrochen, das ist es, was wir mit absoluter Klarheit
übermitteln wollen", sagte Arnaldo Otegi, Chef der ETA-nahen
Batasuna-Partei, in San Sebastian. Auch der Sprecher der Regierung des
autonomen Baskenlandes, Miren Azkarate, sagte, man könne und wolle
den Friedensprozess nicht unterbrechen. Die baskische Regierung
"missbilligt" den Anschlag, fügte der Sprecher hinzu.
Bei dem Autobombenanschlag auf ein Parkhaus des größten
Flughafens von Madrid wurden nach offiziellen Angaben 19 Menschen
leicht verletzt. Zuvor hatte ein anonymer Anrufer "im Namen der ETA"
vor dem Attentat gewarnt, wie das baskische Innenministerium mitteilte.
Laut dem Ministerium werden noch zwei Menschen vermisst. Es handele
sich um zwei ecuadorianische Staatsbürger. Auf dem Madrider
Flughafen lief der Betrieb ab dem Nachmittag wieder normal.
Die schwere Detonation gegen 09.00 Uhr morgens war noch in einer
Entfernung von mehreren Kilometern zu hören. Das Parkhaus sei
durch die "sehr große, sehr starke" Explosion stark
beschädigt worden, sagte Innenminister Rubalcaba. Vier Menschen,
darunter zwei Polizisten, wurden offenbar von Glassplittern verletzt
und im Krankenhaus behandelt. 15 weitere Menschen seien vor allem wegen
Hörschäden aufgrund des Knalls direkt vor Ort versorgt worden.
(Quelle: afp)
Frankreich stockt Obdachlosen-Hilfen nach Protesten auf
So.31.12.06 - Nach heftigen Protesten und ersten Kältetoten in Frankreich stockt
die bürgerliche Regierung ihre Hilfsprogramme für Obdachlose
auf. Die Beigeordnete Ministerin für sozialen Zusammenhalt,
Catherine Vautrin, kündigte am Donnerstag an, Hilfsorganisationen
zusätzliche 70 Millionen Euro an öffentlichen Subventionen zu
geben. Mit dem Geld sollen unter anderem die Aufnahmezeiten der
Notunterkünfte für Obdachlose ausgeweitet und die Zahl der gut
tausend Plätze in betreuten Heimen zur Wiedereingliederung
innerhalb von zwei Monaten vervierfacht werden. Hilfsvereinigungen
begrüßten den Schritt. Weitere Mittel seien aber nötig,
sagte der Vizechef der Abbé-Pierre-Stiftung, Patrick Doutreligne,
in einer Radiosendung mit Vautrin.
(Quelle: afp)
Urteil: Gewerbliche Miete darf wegen Hartz-IV-Besuchern gekürzt
werden
So.31.12.06 - Gewerbliche Mieter dürfen ihre Zahlungen kürzen, wenn unter
den Besuchern eines Bürohauses zahlreiche Hartz-IV-Empfänger
sind. Dies entschied das Stuttgarter Oberlandesgericht. Eine
Mietminderung von 15 Prozent sei rechtmäßig. In dem
Bürogebäude seien eine Versicherungsgruppe, eine
Steuerberater- und Wirtschaftsprüferkanzlei und eine Arztpraxis
untergebracht.
Die Vermieterin hatte dafür geworben, dass sie Büroräume
mit exklusivem Ambiente in außergewöhnlicher Lage anzubieten
habe. Der Mietzins lag über dem Höchstsatz des örtlichen
Mietspiegels für Gewerbeobjekte. Später hat die Agentur
für Arbeit mehrere Etagen des Hauses für die Betreuung von
Langzeitarbeitslosen und arbeitsfähigen Sozialhilfeempfängern
sowie für eine Suchtberatungsstelle und eine Schuldnerberatung
angemietet. Dort verkehren täglich bis zu 500 Besucher.
Zum Schutz ihrer eigenen Mitarbeiter hat die Agentur für Arbeit
einen Sicherheitsdienst beauftragt, der auf den Fluren innerhalb der
angemieteten Stockwerke patrouilliert.
Der Mieter machte eine Mietminderung von 50 Prozent geltend, da die
Anzahl und das Verhalten der Besucher negative Auswirkungen auf das
Mietobjekt habe. Eine fehlende Zugangskontrolle führe dazu, dass
unangemeldete Besucher der Behörde auch vor den Büros und
Praxen erschienen und sich auch in der Tiefgarage aufhielten. Nach
Auffassung des Senats ist eine Mietminderung angemessen. Der Betrieb
einer Zugangskontrollanlage sei vertraglich vereinbart gewesen.
«Zwar verkennt der Senat nicht, dass ein erheblicher Teil der
Besucher dem Durchschnitt der Bevölkerung entspricht. Es
können aber auch nicht die Augen davor verschlossen werden, dass
sich unter den Besuchern des Hartz-IV-Abteilung, der
Suchtberatungsstelle und der Schuldnerberatung ein
überdurchschnittlicher Anteil von sozial auffällig gewordenen
Personen befindet.» Das Oberlandesgericht hat die Revision zum
Bundesgerichtshof zugelassen.
(Aktenzeichen: Oberlandesgericht Stuttgart 13 U 51/2006)
(Quelle: ap)
Niedersachsens Ministerpräsident Wulff verlangt Abkehr vom
Atomausstieg
So.31.12.06 - Der niedersächsische Ministerpräsidenten Christian Wulff hat
eine Abkehr vom Atomausstieg in zwei Schritten verlangt. «Bis zur
Bundestagswahl 2009 muss kein Kernkraftwerk aus Gründen des
Energiekonsenses vom Netz», sagte der CDU-Politiker der
Nachrichtenagentur AP. Nach der Wahl müsse der Energiekonsens
«unter den neuen Rahmenbedingungen, dass CO-2-Reduktion,
Klimaschutz und Ausstieg aus der Kernenergie nicht zusammen machbar
sind, neu verhandelt werden». Er sei für eine kreative
Interpretation des im Bund abgeschlossenen Koalitionsvertrages.
Um Stilllegungen von Atomreaktoren vor der Bundestagswahl 2009 zu
vermeiden, könne man die nicht ausgeschöpften
Stromerzeugungsmengen des Kraftwerks Mülheim-Kärlich auf
andere Kraftwerke übertragen, sagte Wulff. Er wolle «keinen
Ausstieg aus ideologischen Gründen, wenn alle Länder um uns
herum die Laufzeiten verlängern». Deutschland marschiere in
eine energiepolitische Sackgasse, weil die Minderung der CO-2-Emissionen
und der Ausstieg aus der Kernenergie nicht in Einklang zu bringen
seien. Bei einem Atomausstieg könnten die vorgesehenen
CO-2-Reduktionsziele nicht erreicht werden, ohne die energieintensive
Industrie aus dem Land zu vertreiben.
Der Ministerpräsident sprach sich zugleich für eine weitere
Erkundung des Salzstocks Gorleben auf dessen Eignung für ein
Atommüllendlager aus. Eine Aufhebung des Moratoriums, mit dem die
rot-grünen Bundesregierung die Erkundung unterbrochen hatte, sei
die einzig sachgerechte Entscheidung. Angesichts der Vorinvestitionen,
die dort über Jahrzehnte in Gorleben getätigt worden seien,
müsse man den Salzstock ohnehin zu Ende erkunden. Probleme, die man
jetzt lösen könne, solle man nicht in die Zukunft vertagen.
«Die Erkundung von Gorleben muss ergebnisoffen zu Ende gebracht
werden», sagte Wulff.
Skeptisch äußerte sich der CDU-Politiker zu der
Ankündigung von Umweltminister Sigmar Gabriel, auch andere
Standorte auf eine Eignung zum Atommüllendlager zu prüfen.
«Aus unserer Sicht werden andere Standorte ernsthaft nur dann
erkundet, wenn zuvor die Erkundung in Gorleben abgeschlossen ist und
wenn dabei die Ungeeignetheit des Salzstocks festgestellt
würde», sagte er. Bundesweit herrsche die Meinung vor, dass
man zuerst wissen müsse, ob nun Gorleben geeignet sei oder nicht.
«Aber wenn die Bundesregierung sich für die Erkundung anderer
Standorte außerhalb Niedersachsens entscheidet, bin ich
einverstanden», schränkte Wulff ein.
Eine Prüfung weiterer Endlagerstandorte in Niedersachsen lehnte
der Regierungschef allerdings strikt ab: «Wir mischen uns in diese
Debatte innerhalb der Bundesregierung nur insoweit ein, als wir die
Untersuchung weiterer Standorte in Niedersachsen ablehnen. Herr Gabriel
kann suchen, wo er will - nur nicht in Niedersachsen.»
Niedersachsen habe mit dem Endlager Schacht Konrad und der Bereitschaft
zur Erkundung des Salzstockes Gorleben im nationalen Vergleich
genügend getan.
(Quelle: ap)
CSU will mehr Ökostrom und Atomkraft
So.31.12.06 - Der bayerische CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann hat einen schnelleren
Ausbau erneuerbarer Energien gefordert. Um das Klima zu entlasten und um
unabhängiger von arabischen Ölimporten und russischem Gas zu
werden, «müssen wir den Ausbau nachwachsender Rohstoffe
wesentlich verstärken», sagte Herrmann der Nachrichtenagentur
AP. Er riet zugleich mit Blick auf Russland zu Vorsicht.
Mehr eigene Solar-, Biogas- oder Holzpellet-Anlagen würden die
Abhängigkeit von ausländischen Energielieferungen ein
Stück weit verringern, sagte der CSU-Politiker. Wegen der hohen
Ölpreise sei manche regenerative Energie sogar schon wirtschaftlich
konkurrenzfähig, zum Beispiel die Holzhackschnitzel-Heizung. Die
Politik müsse bei den Bürgern mehr für solche
Alternativen werben.
Zum Klimaschutz gehöre auch, Atomkraftwerke nicht aus
ideologischen Gründen abzuschalten. «Bei der
Größenordnung, die Kernkraftwerke heute für die
Stromversorgung in unserem Land haben, ist es gar nicht möglich,
sie kurzfristig durch regenerative Energien zu ersetzen», sagte
Herrmann.
Zugleich kritisierte er Bundesumweltminister Sigmar Gabriels Suche nach
einem neuen Atommüll-Endlager. «Gorleben ist hinreichend
entwickelt, Gorleben ist geeignet», sagte Herrmann. Es sei eine
Ausflucht des SPD-Politikers, jetzt einen besseren Standort zu suchen.
«Das werden wir ihm nicht durchgehen lassen.» Gabriel
müsse seine Pflicht als Minister tun und Gorleben endlich auf den
Weg bringen, forderte der CSU-Politiker.
(Quelle: ap)
Union betont Verantwortung der Bundeswehr für Energieversorgung
So.31.12.06 - Die Union sieht die energiepolitische Versorgungssicherheit auch als
nationale und internationale militärpolitische Herausforderung
für Bundeswehr und NATO. Der außenpolitische Sprecher der
CDU/CSU-Fraktion, Eckart von Klaeden, sagte der «Leipziger
Volkszeitung» (Sonnabend-Ausgabe): «Es steht völlig
außer Frage, dass für die Bundeswehr auch die Sicherung von
Handelswegen und der Energieversorgung eine Aufgabe sein kann.»
Natürlich sei es auch «eine militärpolitische Aufgabe
der Staatengemeinschaft, zur Befreiung von Ländern mit
Energiequellen beizutragen, wenn diese völkerrechtswidrig
angegriffen wurden». Die internationalen Missionen unter
Beteiligung der Bundeswehr auch im Mittelmeer, zur
Terrorismusbekämpfung, dient laut von Klaeden bereits heute auch
schon dem Schutz der Handelswege.
Mit Blick auf den aktuellen Erdgas-Konflikt machte der
außenpolitische Experte der Unions-Fraktion deutlich, dass derzeit
Russland und Deutschland noch wechselseitig auf die Einhaltung der
geschlossenen Verträge angewiesen seien. Die Einhaltung dürfe
deshalb von keiner Seite in Frage gestellt werden. «Andererseits
müssen wir das einseitige Maß an Energie-Abhängigkeit,
insbesondere vom Gas, von russischen Quellen und von Versorgungslinien
aus Russland in Zukunft deutlich reduzieren. Das ist uns allen durch
die aktuellen Erdgas-Handelskonflikte noch klarer geworden»,
betonte der CDU-Politiker.
(Quelle: ap)
Suche nach neuen Strategien gegen Rechtsextremismus
So.31.12.06 - Angesichts der steigenden Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten mehren
sich die Forderungen nach neuen Strategien gegen Fremdenfeindlichkeit.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte, die demokratische
Mehrheit der Gesellschaft müsse etwa in der Vereinsarbeit
mindestens so aktiv sein wie die Rechtsextremisten. Auch der
sächsische Innenminister Albrecht Buttolo rief Parteien, Kirchen
und Vereine dazu auf, sich mehr um junge Menschen zu kümmern. Der
frühere Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye forderte bessere
Bildung als Prävention gegen Rechts.
«Warum haben es Sportvereine schwerer, Leute zu finden, die
Jugendleiter machen?», fragte Schäuble in einem Interview
der «Süddeutschen Zeitung». «Oder Leute, die
eine Mannschaft Woche für Woche zu ihren Spielen fahren? Es gibt
so viele Aufgaben, die man machen kann.» Dass die Neonazis in
einigen Teilen Deutschlands engagierter seien als die demokratische
Mehrheit, sei nicht nur eine Frage des Geldes. «Die
Rechtsextremen haben doch auch keine Staatsknete», sagte
Schäuble.
Auch der sächsische Innenminister Buttolo betonte die Rolle von
Vereinen und anderen ehrenamtlichen Organisationen im Kampf gegen
Fremdenfeindlichkeit. «Dort, wo Jugendliche zum
Müßiggang verurteilt sind, müssen wir Alternativen
anbieten», sagte der CDU-Politiker der «Sächsischen
Zeitung». Die NPD spreche insbesondere junge Menschen an, die
geführt werden und wenig selbst denken wollten. Zudem warnte
Buttolo davor, sich bei der Bekämpfung von Rechtsextremismus nur
auf die Spitzenpolitiker der NPD zu beschränken. Den
NPD-Anhängern gehe es weniger um die Köpfe der Partei,
sondern um die Themen.
Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Petra Pau, rief die
demokratischen Parteien zur Zusammenarbeit gegen Rechtsextremismus auf.
«Wir brauchen einen Marathon der Demokraten sowie eine partei-
und ressortübergreifende Gegenstrategie, die sich auf Fachwissen
stützt und die Zivilgesellschaft stärkt», sagte Pau in
Berlin. Noch immer fehle in Deutschland jedoch eine unabhängige
Beobachtungsstelle für Rechtsextremismus. «Sie wurde schon
vor Jahren vom Bundestag beschlossen, aber bislang nicht
eingerichtet», kritisierte sie.
Heye sagte, eine der Ursachen für Fremdenfeindlichkeit sei die
Wanderung der Bevölkerung von Ost- nach Westdeutschland.
«Die, die zurück bleiben, haben das Gefühl, als
Verlierer abgestempelt zu sein», erklärte der Vorsitzende
des Vereins «Gesicht zeigen» im Deutschlandradio Kultur.
«Es entsteht ein Gefühl des Verlassenseins, das auch zu
Kurzschlüssen und falschen Reaktionen führt.» Notwendig
sei deshalb mehr Bildung und Ausbildung vor allem für ostdeutsche
Kinder und Jugendliche. So könne verhindert werden, dass sie in
ideologische Ecken abglitten.
(Quelle: ap)
Nur ein Drittel der Handys umweltverträglich
So.31.12.06 - Nur 30 Prozent der auf dem deutschen Markt befindlichen Handys
könnte mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" ausgezeichnet werden.
Alle anderen erfüllen nur die laschere Empfehlung der
Strahlenschutzkommission mit zwei Watt pro Kilogramm (W/kg).
In einer regelmäßigen Untersuchung prüft das Bundesamt
für Strahlenschutz die sogenannten SAR-Werte marktüblicher
Handys. Diese Werte geben an, wie viel Strahlung vom menschlichen
Körper beim Telefonieren mit dem Handy aufgenommen wird. Bei der
aktuellen Erhebung wurden 814 Geräte von 26 verschiedenen
Herstellern getestet. Die hieraus ermittelten SAR-Werte liegen zwischen
0,1 Watt pro Kilogramm und 1,6 W/kg.
Die strengen Kriterien des "Blauen Engels" verlangen einen maximalen
Wert von 0,6 W/kg, der vom strahlungsärmsten Gerät Samsung
SGH-Z560 mit 0,1 W/kg deutlich unterschritten wird. Allerdings
müssen für die Verleihung des Umweltzeichen noch weitere
Kriterien wie umwelt- und recyclingfreundliche Produktion erfüllt
werden.
Das aktuelle Gerät Blackberry Pearl 8100 mit der in diesem
Testfeld höchsten Strahlung von 1,6 W/kg bleibt ebenfalls noch
deutlich unter den allgemeinen Bedingungen der Strahlenschutzkommission.
Der Anwender hat verschiedene Möglichkeiten, um selbst die
Strahlenbelastung in Kopfnähe deutlich zu reduzieren. So sollten
Autofahrer das Handy nur über eine Außenantenne betreiben,
damit das Gerät nicht ständig auf die höchste
Sendeleistung gehen muss. Auch die Verwendung einer
Freisprecheinrichtung oder eines Headsets hält die Strahlenquelle
recht weit vom Kopf fern.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)