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Irak am 1378sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens zwölf Tote bei Selbstmordanschlag. US-Unteroffizier
wegen Einsatz im Irak vor Gericht
Di.01.01.08 - Ein Selbstmordattentäter hat nördlich von Bagdad mindestens
zwölf Menschen mit sich in den Tod gerissen. Drei weitere Personen
galten nach dem Anschlag in Mischada, rund 30 Kilometer von der
irakischen Hauptstadt entfernt, als vermisst, wie die Behörden am
Montag mitteilten. Der Täter fuhr seinen mit Sprengstoff beladenen
Lieferwagen in einen Kontrollpunkt, der von einer US-unterstützten
freiwilligen Sicherheitseinheit bemannt wurde. Mitglieder von
sunnitischen Gruppen, die an der Seite der amerikanischen und
irakischen Truppen gegen Al Kaida im Irak vorgehen, sind in letzter
Zeit immer häufiger Ziele von Terroranschlägen geworden.
Zwei Jahre nach einem Einsatzes im Irak, bei dem in der Stadt Haditha
24 Menschen getötet wurden, muss sich ein 27-jähriger
Stabsunteroffizier vor einem Militärgericht verantworten. In dem
Verfahren gegen Frank Wuterich geht es um die Anklagepunkte Totschlag,
schwere Körperverletzung, Pflichtvernachlässigung und
Behinderung der Justiz, wie die US-Streitkräfte am Montag in Los
Angeles mitteilten.
Die Einheit Wuterichs ging im November 2005 massiv gegen Bewohner von
Haditha vor, nachdem ihr Militärkonvoi auf einen Sprengsatz
gefahren war. Zunächst wurden fünf Männer aus einem
Fahrzeug heraus erschossen. Danach gingen die Marineinfanteristen von
Haus zu Haus und töteten 19 Bewohner. Von insgesamt acht
Ermittlungsverfahren wurden bislang vier wieder eingestellt.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 01.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertundsechzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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16 afghanische Polizisten bei Taliban-Angriff getötet
Di.01.01.08 - Bei einem Angriff von Taliban-Kämpfern auf einen Polizeiposten im
Süden Afghanistans sind 16 afghanische Polizisten getötet
worden. Der Überfall habe sich bereits am Samstag in der Provinz
Kandahar zugetragen, teilte das Innenministerium in Kabul am Montag mit.
Bislang sei es noch nicht möglich gewesen, die Leichen der
Getöteten zu bergen, fügte ein Sprecher hinzu. Die Taliban
bekannten sich zu dem Angriff im Bezirk Majwand.
(Quelle: ap)
Wahl in Pakistan wird allem Anschein nach verschoben
Di.01.01.08 - Die Durchführung der für 8. Januar geplanten Wahl in Pakistan
wird immer unwahrscheinlicher. Der Sekretär der Wahlkommission,
Kanwar Dilashad, erklärte am Montag in Islamabad, man habe der
Regierung eine Empfehlung zur Verschiebung übermittelt. Eine
endgültige Entscheidung werde aber erst am (morgigen) Dienstag
bekanntgegeben. Ein ranghoher Regierungsbeamter, der nicht genannt
werden wollte, sprach von einer möglichen Verschiebung um etwa
sechs Wochen, damit sich die Lage im Lande wieder beruhigen könne.
Anzeige
Die Opposition hat sich für eine ordnungsgemäße
Durchführung der Abstimmung am 8. Januar ausgesprochen. Vielerorts
wurde jedoch die Befürchtung geäußert, dass die
gewaltsamen Zusammenstöße nach der Ermordung von
Oppositionsführerin Benazir Bhutto eine freie und faire Wahl
unmöglich machen könnten.
Unterdessen wurde über das Attentat neues Videomaterial
veröffentlicht, das abermals Zweifel an der Regierungsversion
über den Tathergang aufkommen ließ. Der Film, der dem
britischen Fernsehsender Channel 4 zugänglich gemacht wurde, zeigt
einen Mann, der aus nächster Nähe aus einer Handfeuerwaffe
Schüsse auf Bhutto abgibt, die auf ihrem offenen Kampagnenwagen
steht. Sie bewegt sich ruckartig nach oben, was deutlich an ihrem Haar
und ihrem Schal zu sehen ist und darauf schließen lässt, dass
sie getroffen wurde. Dann fällt sie in sich zusammen, und
unmittelbar darauf wird ihr Fahrzeug von einer gewaltigen Explosion
erschüttert.
Die Regierung hat dagegen mitgeteilt, Bhutto sei nicht von Kugeln
getroffen worden. Todesursache sei vielmehr gewesen, dass ihr Kopf
infolge der Bombenexplosion vehement gegen das Sonnendach ihres
Fahrzeugs geprallt sei. Bhuttos Familie und Anhänger haben dagegen
von Anfang an erklärt, sie sei von Schüssen in den Kopf und
Hals getötet worden.
An der pakistanischen Börse führte die politische
Unsicherheit nach der Ermordung Bhuttos am Montag zu schweren
Kursverlusten. Der Karachi 100 Stock Index brach am Montag im
frühen Verlauf des Handels um 4,7 Prozent ein. Es war einer der
größten Tagesverluste in der Geschichte der Börse. Die
Finanzmärkte hatten am Montag erstmals nach einer Pause von drei
Tagen nach dem Attentat auf Bhutto wieder geöffnet.
(Quelle: ap)
Laut USA hat Nordkorea Atom-Zusagen nicht eingehalten
Di.01.01.08 - Nordkorea hat nach US-Angaben seine Zusage nicht eingehalten, bis zum
Jahresende sein Atomprogramm lückenlos offenzulegen.
Gemäß einer Vereinbarung, die als Gegenleistung für die
Stilllegung des Programms Hilfslieferungen für das verarmte Land
vorsieht, sollte die Regierung bis Montag 17 Uhr MEZ die Einzelheiten
seiner Atomaktivitäten auflisten. Dies war im Rahmen der
sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche vereinbart worden, an denen
auch Südkorea, China, Russland und Japan beteiligt sind. Die USA
und Südkorea verlangen insbesondere Informationen über die
Menge des vom Norden hergestellten Plutoniums und Antworten auf den
Verdacht, das Land unterhalte ein geheimes Uran-Anreicherungsprogramm
zum Bau von Atomwaffen.
"Es ist bedauerlich, dass Nordkorea noch nicht seinen Zusagen
nachgekommen ist und eine vollständige und zutreffende
Erklärung seiner Atomprogramme vorgelegt hat", teilte
US-Außenamtssprecher Tom Casey am Sonntag mit. Zugleich bedauerte
er die Verzögerungen bei der Stilllegung des Nuklearreaktors in
Yongbyon.
(Quelle: rtr)
Menschenrechtsgruppe: 2007 weniger Tote im Nahost-Konflikt -
Palästinenserpräsident Abbas: Verhandlungen mit Israel nur
ohne Siedlungsbau - Israels Ministerpräsident Olmert schränkt
Siedlungsbau im Westjordanland ein - Tote bei Zusammenstößen
im Gazastreifen
Di.01.01.08 - Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern hat einer
Menschenrechtsgruppe zufolge im zu Ende gehenden Jahr deutlich weniger
Menschen das Leben gekostet als 2006.
Bis zum 29. Dezember hätten israelische Soldaten im Westjordanland
und dem Gazastreifen 2007 insgesamt 373 Menschen getötet,
hieß es im Jahresbericht der israelischen Organisation B'Tselem,
der am Montag veröffentlicht wurde. Vergangenes Jahr seien es 657
gewesen. 35 Prozent der Getöteten seien nicht an Kampfhandlungen
beteiligt gewesen, während dieser Anteil 2006 noch bei mehr als der
Hälfte gelegen habe.
Durch Gewalttaten von Palästinensern kamen 2007 dem Bericht
zufolge sieben israelische Zivilisten - die geringste Zahl seit dem
Ausbruch der zweiten Intifada im Jahr 2000 - und sechs Soldaten ums
Leben. Vergangenes Jahr seien noch 17 israelische Armeeangehörige
durch palästinensische Gewalt getötet worden.
Trotz der geringeren Zahl an Todesopfern habe sich die
Menschenrechtslage in den Palästinensergebieten verschlechtert,
berichtete B'Tselem weiter. Als Gründe nannte die Organisation die
israelische Blockade des Gazastreifens, ein Anwachsen der Zahl
jüdischer Siedler im Westjordanland um 4,5 Prozent und eine um 13
Prozent gestiegene Zahl von Palästinensern, die ohne
Gerichtsverfahren gefangengehalten würden. Auch habe Israeli nicht
seine Zusagen eingehalten, im Westjordanland Straßensperren und
Kontrollpunkte abzubauen und dadurch mehr Bewegungsfreiheit zu
gewähren.
Durch die Kämpfe um den Gazastreifen, den die islamistische Hamas
im Frühsommer der Kontrolle der rivalisierenden Fatah entrissen
hatte, seien bei interner Gewalt so viele Palästinenser wie zuletzt
vor der Intifada getötet worden, hieß es weiter.
Friedensverhandlungen mit Israel sind nach den Worten von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nur dann möglich,
wenn das Land den Siedlungsbau in den besetzten Gebieten einstellt.
"Ein ernsthafter Verhandlungsprozess mit diesem Ziel (des Friedens)
kann nicht fortgesetzt werden, wenn der Siedlungsbau nicht
aufhört", sagte Abbas in Ramallah in einer Rede zum 43. Jahrestag
der Gründung seiner Fatah-Organisation. Der Siedlungsbau sowie die
Errichtung des Sperrzauns behinderten die Gründung eines
Palästinenserstaates sowie die Umsetzung der international
unterstützten Zwei-Staaten-Lösung, fügte Abbas hinzu.
Abbas und der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hatten im
November in Annapolis in den USA die Aufnahme von Friedensverhandlungen
beschlossen. Bei ihrem ersten Treffen danach am 27. Dezember konnten
die beiden in der zentralen Frage des Siedlungsbaus jedoch keine
Annäherung erzielen.
Mit Blick auf die innerpalästinensischen Differenzen sagte Abbas,
die Fatah sei bereit, "eine neue Seite" in den Beziehungen zur
radikalislamischen Hamas-Organisation aufzuschlagen. Als Bedingung
nannte er einen Machtverzicht der Hamas im Gazastreifen. Ohne diesen
Schritt sei die Fatah nicht zu einem Dialog bereit. Abbas rief zur
Einheit aller Palästinenser auf. "Keine Partei darf die andere
ausstechen", mahnte er. "Ich sehe diesen Aufruf als Initiative im Namen
des gesamten palästinensischen Volkes an." Für den Fall, dass
es zwischen Fatah und Hamas keine Einigung geben sollte, sprach sich
Abbas erneut für vorgezogene Parlamentswahlen aus. Die Hamas hatte
Ende Juni gewaltsam die Macht im Gazastreifen übernommen.
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hat den Bau neuer Siedlungen
im Westjordanland ohne seine Zustimmung ausgeschlossen: In einem Brief
an die Minister für Verteidigung, Wohnungsbau und Landwirtschaft
machte Olmert deutlich, dass die Planung und der Bau neuer Häuser
im Westjordanland nur dann fortgesetzt werden könnten, wenn zuvor
eine Erlaubnis bei ihm und dem Verteidigungsminister eingeholt
würden. Der Brief, der Reuters vorliegt und der auf den 30.
Dezember datiert ist, schließt jedoch nicht aus, dass diese
Genehmigungen erteilt werden können.
Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern der
rivalisierenden Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas im
Gazastreifen sind mindestens vier Menschen getötet worden. Weitere
22 Palästinenser wurden verletzt, berichteten Augenzeugen und
Krankenhausärzte. Bei den Toten handele es sich um zwei Hamas-
Sicherheitskräfte und zwei Fatah-Anhänger.
boa (Quellen: rtr, afp, dpa)
Mindestens 135 Tote bei Unruhen in Kenia - Kibaki kündigt
entschiedenes Vorgehen an - Oppositionsführer Odinga ruft zu
Massendemonstration auf
Di.01.01.08 - Bei schweren Unruhen nach dem Wahlsieg des kenianischen
Präsidenten Mwai Kibaki sind mindestens 135 Menschen ums Leben
gekommen. Der neue und alte Staatschef kündigte in seiner
Neujahrsansprache ein entschiedenes Vorgehen gegen die gewaltsamen
Proteste an. Die Sicherheit im ganzen Land werde verstärkt.
In den Elendssiedlungen der Hauptstadt Nairobi ebenso wie in Mombasa,
dem Tourismus-Zentrum an der Küste, gingen Polizisten gegen
Anhänger des unterlegenen Oppositionsführers Raila Odinga
vor. In Nairobi schossen Bereitschaftspolizisten mit Tränengas in
Häuser und Geschäfte. Ein weiterer Schwerpunkt ist die 300
Kilometer nordwestlich von Nairobi gelegene Stadt Kisumi
Oppositionsführer Odinga bezeichnete Kibaki am Montag als einen
Militärherrscher, der nur noch mit der Gewalt der Gewehre regiere.
Für Donnerstag rief er zu einer Massendemonstration im Uhuru-Park
von Nairobi auf. «Wir rufen zu Massenaktionen auf», sagte
Odinga. «Wir werden mit schwarzen Armbändern marschieren,
weil wir trauern.» Odinga verglich die Situation mit der Lage der
Elfenbeinküste im Jahr 2002 - das bis dahin exemplarisch stabile
Land wurde damals durch einen Militärputsch in einen
Bürgerkrieg gerissen.
Kibaki ließ sich am Sonntag unmittelbar nach Verkündigung
seines knappen Wahlsiegs mit einem Vorsprung von 231.728 Stimmen
für eine zweite Amtszeit vereidigen. Minuten später
eskalierte die Gewalt in den Slum-Siedlungen von Nairobi. «Wir
sind ausgebootet worden, wir werden die Niederlage nicht
akzeptieren», sagte am Montag der 24-jährige James Onyango
in der Slum-Siedlung Kibera. «Wir sind bereit zu sterben, und wir
sind bereit zu töten.»
Mehrere hohe Polizeioffiziere teilten unabhängig voneinander in
Nairobi der Nachrichtenagentur AP mit, sie hätten den Befehl
bekommen, mit Tötungsabsicht zu schießen. Dies führte
offenbar zu Spannungen innerhalb der Polizei, da viele Beamte mit der
Opposition sympathisieren. Ein Regierungssprecher dementierte, dass es
einen Schießbefehl mit Tötungsabsicht gebe.
Der Konflikt ist auch Ausdruck tiefer ethnischer Ressentiments. Odinga
gehört dem Stamm der Luo an, der sich in Kenia lange Zeit als
unterdrückt empfand. Kibaki hingegen ist ein Kikuyu - dieser
größte Stamm in Kenia dominiert Politik und Wirtschaft seit
der Unabhängigkeit im Jahr 1963.
Internationale Wahlbeobachter äußerten sich besorgt
über die Entwicklung. «Wir bezweifeln die Genauigkeit der
Ergebnisse», sagte der deutsche Leiter der
EU-Beobachterdelegation, Alexander Graf Lambsdorff. Das
US-Außenministerium sprach am Montag von
Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung der Stimmen. Die
Vereinigten Staaten seien daher nicht bereit, einen Wahlsieger
anzuerkennen.
(Quelle: ap)
Acht Tote nach Angriff auf Flüchtlingslager in Somalia
Di.01.01.08 - In Somalia sind Augenzeugen zufolge bei einem Granatenangriff auf ein
Flüchtlingslager acht Mitglieder einer Familie ums Leben gekommen.
"Meine Frau, fünf Kinder und zwei meiner Verwandten sind bei der
Explosion getötet worden", sagte Madey Sufi Moalim nach dem Vorfall
am Sonntag nördlich von Mogadischu. Seine Ehefrau sei schwanger,
seine Kinder zwei bis acht Jahre alt gewesen.
In dem Land am Horn von Afrika kämpfen von Islamisten
geführte Rebellen gegen eine Übergangsregierung.
(Quelle: rtr)
Simbabwe zieht wegen Inflation Banknoten ein
Di.01.01.08 - Mit einem Banknoten-Wechsel zum Jahreswechsel hat die simbabwische
Zentralbank für Unmut unter der Bevölkerung gesorgt. Vor den
Banken in der Hauptstadt Harare bildeten sich am Montag lange Schlangen,
weil die Menschen 200.000-Dollar-Scheine der Landeswährung (5,50
Euro) umtauschen wollten. Diese wurden ab Mitternacht ungültig.
Die Währungshüter des Landes im Südosten Afrikas wollen
auf diese Weise der galoppierenden Inflation, die zuletzt bei fast 8000
Prozent lag, Schranken setzen und die Bargeld-Knappheit bekämpfen.
Daher begann die Zentralbank vor zwei Wochen, die 200.000-Scheine durch
Scheine über 250.000, 500.000 und 750.000 "Simdollar" zu ersetzen.
Die Wirtschaft Simbabwes liegt am Boden. Die Inflationsstatistik wurde
im September kurzerhand ausgesetzt. Devisen werden zunehmend schwarz
gewechselt.
(Quelle: afp)
Deutsche Werften sind für dreieinhalb Jahre ausgebucht
Di.01.01.08 - Die deutschen Werften blicken zufrieden auf das Jahr 2007 und noch viel
zuversichtlicher in die Zukunft. «Wir haben in den vergangenen
drei Jahren einen Auftragszuwachs wie seit 1990 nicht mehr», sagte
der Hauptgeschäftsführer des Verbands für Schiffbau und
Meerestechnik (VSM), Werner Lundt, im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP. Und für die nächsten dreieinhalb Jahre
seien die Werften auch schon ausgebucht.
Bis Ende September dieses Jahres konnten die deutschen Werften
Aufträge im Wert von insgesamt 14,7 Milliarden Euro akquirieren.
Ende 2006 hatten die Aufträge laut VSM ein Gesamtvolumen von 13,4
Milliarden Euro. Ende 2005 waren es 11,11 Milliarden Euro, die Jahre
zuvor nur einstellige Milliardenbeträge.
Für die kommenden Jahre sieht es noch besser aus: Derzeit stehen
235 Schiffe in den Auftragsbüchern. «Damit sind die deutschen
Werften im Durchschnitt für die nächsten dreieinhalb Jahre
ausgelastet», sagte Lundt. Rund 70 Schiffe können
durchschnittlich im Jahr abgearbeitet werden. Damit liegt Deutschland
im Hinblick auf die Baukapazitäten im weltweiten Vergleich auf
Platz vier hinter Marktführer Korea sowie Japan und China.
Doch der Verband, in dem 57 Werften vertreten sind, betont, dass diese
Zahlen die Schiffsbauer «nur zu dreiviertel glücklich»
machen. Anders als in der Schifffahrt habe der Schiffbau seine Margen
nicht verbessern können. Zwar seien die Schiffspreise gestiegen,
aber ebenso die Kosten für Energie und besonders für
Materialien wie Stahl und Kupfer. «Der Preis für ein Schiff
umfasst zu 70 bis 75 Prozent Materialkosten», erklärte Lundt.
Außerdem belaste der schwache Dollar die deutschen Schiffbauern
merklich: «Wir rechnen in Euro, aber die Schiffspreise
orientieren sich am Dollar.»
Der VSM-Geschäftsführer kritisierte, dass die deutschen
Reeder ihre Schiffe überwiegend im Ausland - teilweise sogar in
Billig-Ländern - bestellen. Nur rund 40 Prozent der in Deutschland
gebauten Schiffe gingen ins eigene Land. «Die deutsche
Schiffbauindustrie ist immer wieder gefordert, technologisch bessere
Produkte zu entwickeln, damit die Reeder bei uns kaufen», sagte
Lundt.
Das Portfolio der deutschen Werften ist laut Verband immer stärker
auf Spezialschiffe ausgerichtet. Vor allem Fährschiffe,
Kreuzfahrtschiffe und Mega-Yachten aber auch Forschungsschiffe,
Schlepper und Marineschiffe zählen dazu.
(Quelle: ap)
Kanzlerin Merkel kündigt in Neujahrsrede Fortsetzung der Reformen
an
Di.01.01.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in ihrer Neujahrsansprache eine
Fortsetzung des Reform- und Konsolidierungskurses angekündigt. "Wir
dürfen uns trotz aller Erfolge keinesfalls zurücklehnen",
sagte sie laut Vorabveröffentlichung der Ansprache, die am
Silvesterabend ausgestrahlt wurde. "Zu groß sind die Risiken
für unsere Konjunktur und unser Wirtschaftswachstum, insbesondere
durch weltweite Einflüsse." Merkel nannte vor allem hohe Energie-
und Lebensmittelpreise, aber auch die Arbeitslosigkeit.
Zwar habe Deutschland auch beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit "einen
guten Schritt nach vorne getan", sagte die Kanzlerin. "Eine Million
weniger Arbeitslose, eine Million Erwerbstätige - wer hätte
diese Entwicklung vor zwei Jahren für möglich gehalten?!".
Dennoch mahnten noch immer 3,5 Millionen Arbeitslose zum Handeln. "Mein
Ziel ist und bleibt deshalb unverändert, die Arbeitslosigkeit zu
bekämpfen. Das heißt, bestehende Arbeitsplätze zu
erhalten und Voraussetzungen zu schaffen, damit neue entstehen
können", sagte Merkel.
Als Erfolg des vergangenen Jahres verbuchte Merkel zudem den
"verstärkten Ausbau der Kinderbetreuung für unter
3-Jährige" und das Elterngeld, das "von so vielen Müttern und
gerade auch Vätern angenommen wird." Einen Schatten auf diese
erfreuliche Entwicklung falle jedoch durch die Nachrichten über
Fälle von Kindesmisshandlungen, Verwahrlosung und Todesfälle
von Kindern. "Jeder einzelne Fall von Kindesmisshandlung ist und bleibt
einer zu viel", sagte Merkel. Sie forderte in diesem Zusammenhang eine
"Kultur des Hinsehens, nicht des Wegschauens. Das heißt konkret:
Da, wo Eltern ganz eindeutig mit der Erziehung ihrer Kinder
überfordert sind, muss der Staat sich einmischen".
(Quelle: afp)
Yanomami-Indianer bitten Bundesregierung um Hilfe
Di.01.01.08 - Die Yanomami-Indianer im brasilianischen Amazonas-Gebiet bitten die
Bundesregierung um Unterstützung im Kampf für ihren
Lebensraum. Der Sprecher des Yanomami-Volkes, Davi Kopenawa, verwies in
der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Montagausgabe) auf die
Umweltzerstörung in seiner Heimat. Kopenawa sagte: «Der
Himmel ist dunkel und voller Rauch, weil die Weißen den Wald
abbrennen.» Er fügte hinzu: «Wir sind sehr besorgt,
dass das Feuer uns Menschen, alle Tiere und Vögel des Waldes
tötet.» Er wolle Politiker und Unternehmen davon
überzeugen, «dass die Welt ohne das natürliche Kraftwerk
Wald zugrunde geht.»
(Quelle: ddp)
BA-Vorstandsvorsitzender Weise fordert Ausbau der Kinderbetreuung
Di.01.01.08 - Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA),
Frank-Jürgen Weise, sieht im Ausbau der Kinderbetreuung ein
wichtiges Instrument zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit in
Deutschland. Derzeit gebe es etwa 600.000 Menschen, die wegen der
Betreuung ihrer Kinder nicht arbeiten könnten, sagte Weise der
Nachrichtenagentur AP. Rund ein Drittel davon sei vermutlich länger
als zwölf Monate ohne Job. Hier seien nun die Kommunen gefordert,
ihren Beitrag zu leisten.
«Bei all diesen Anstrengungen und der Aufmerksamkeit für das
Thema müsste sich 2008 eigentlich etwas bewegen», sagte er.
Zahlen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung (IAB) zufolge bezogen im August dieses Jahres 664.000
Alleinerziehende Arbeitslosengeld II. Ungefähr 20 Prozent davon
gingen einer Erwerbstätigkeit nach und waren als sogenannte
Aufstocker registriert.
Weise zeigte sich zuversichtlich, dass die Langzeitarbeitslosigkeit im
kommenden Jahr weiter abnehmen wird. «Wir gehen für 2008 von
einem Rückgang der Arbeitslosigkeit auf 3,5 Millionen aus, von 3,8
Millionen in diesem Jahr.» Das sei eine Verbesserung um knapp acht
Prozent, die auch die betreffen werde, die es schwer auf dem
Arbeitsmarkt hätten.
Im September 2007 lag die Zahl der Langzeitarbeitslosen einer
BA-Analyse zufolge bei knapp 1,3 Millionen und damit um 380.000 unter
dem Vorjahresmonat. Damit ging ihr Anteil an den Arbeitslosen insgesamt
von 42 auf 39 Prozent zurück. Gleichzeitig erhöhte sich aber
der Anteil der Frauen an den Langzeitarbeitslosen um zwei Punkte auf 53
Prozent.
Neben dem Ausbau der Kinderbetreuung sieht Weise in einer intensiveren
Betreuung ehemaliger Sozialhilfeempfänger eine weitere Chance, die
Langzeitarbeitslosigkeit zu verringern. «Hier ist das Ziel, sie
entweder über Arbeitsgelegenheiten oder
Qualifizierungsmaßnahmen zu erfassen oder über ein gutes
Fallmanagement zu sehen, was sie überhaupt an einer Arbeit
hindert», erklärte er. In den meisten Fällen sei diese
Gruppe hoch verschuldet oder stehe dem Arbeitsmarkt aufgrund von
Drogenproblemen oder Krankheiten nicht zur Verfügung.
Angesichts der weiterhin guten Konjunktur sollten laut Weise aber auch
diese Menschen 2008 leichter als bisher eine Arbeitsstelle finden. Es
werde auch Arbeit in einem wenig qualifizierten Bereich angeboten.
Derzeit gebe es 200.000 offene Stellen mit sehr geringem
Qualifikationsprofil für Hilfsarbeiter.
Auch Jugendliche unter 25 Jahren, die bisher keinen Ausbildungs- oder
Arbeitsplatz gefunden haben, dürften nach Weises Einschätzung
2008 leichter vermittelt werden. So habe zum einen der Verwaltungsrat
das Budget für die Zahl überbetrieblicher
Ausbildungsplätze noch einmal deutlich erhöht. Zum andere habe
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz inzwischen einen Bonus für die
Ausbildung schwer vermittelbarer Jugendlicher angekündigt.
«Ich bin sicher, in der Summe wird das helfen, diese Welle an
Altbewerbern abzubauen», sagte Weise.
Der BA-Analyse zufolge waren im September zwei Prozent aller
Langzeitarbeitslosen jünger als 25 Jahre und 36 Prozent älter
als 50 Jahre. Außerdem hatten 19 Prozent aller Menschen, die
länger als zwölf Monate ohne Job waren, keinen Schulabschluss.
(Quelle: ap)
Ver.di lehnt SPD-Vorstoß für Ausbildungsbonus ab - Bsirske
verweist auf rund 400.000 fehlende Fachkräfte - Gewerkschaften
bestehen auf Ausbildungsumlage
Di.01.01.08 - Der SPD-Vorschlag zur Einführung eines Ausbildungsbonus
stößt bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf
Ablehnung. «Ich halte das für ein sehr problematisches
Vorgehen und bestehe nachdrücklich auf einer
Ausbildungsumlage», sagte ver.di-Chef Frank Bsirske im
AP-Interview. Mit einem solchen Bonus werde ohne Not auf dringend
benötigte Steuereinnahmen für gesellschaftliche Aufgaben
verzichtet, sagte Bsirske.
Arbeitsminister Olaf Scholz hatte vorgeschlagen, dass für
Unternehmen, die zusätzlich Lehrstellen bereitstellen, der Staat
einen Teil der Ausbildungsvergütung übernimmt.
Gleichzeitig zog Bsirske eine negative Bilanz des zwischen Regierung
und Wirtschaft geschlossenen Ausbildungspaktes. Der DIHK habe
festgestellt, dass rund 400.000 Fachkräfte fehlten. «Eine
solche Feststellung dokumentiert das Scheitern und belegt das Desaster
des Ausbildungspakts», sagte Bsirske. «Deutlicher
können Notwendigkeit und Berechtigung der von den Gewerkschaften
geforderten Ausbildungsumlage nicht unterstrichen werden.»
Denn mit der Umlage würden auch diejenigen Betriebe in die
Verantwortung genommen, die nicht ausbildeten, aber von den
ausgebildeten Fachkräften profitierten. Bsirske verwies auf
Beispiele in europäischen Ländern, in denen schon seit Jahren
ein Umlageverfahren praktiziert werde. «Die Franzosen haben eine
entsprechenden Umlage für den Weiterbildungsbereich, wo sie
deutlich besser sind als wir», sagte Bsirske. Und in
Dänemark werde seit Jahren erfolgreich eine Ausbildungsplatzumlage
finanziert.
(Quelle: ap)
Höhere Strom- und Gaspreise für Millionen Haushalte -
Höchste Stromteuerung in Bayern - Für Gas müssen viele
Berliner ab 1. Januar deutlich mehr zahlen
Di.01.01.08 - Rund ein Viertel der Verbraucher in Deutschland muss ab 1. Januar 2008
mit steigenden Strompreisen rechnen. Das berichtet die
«Bild»-Zeitung unter Berufung auf das
Internet-Verbraucherportal Verivox. Auf der Homepage von Verivox
heißt es, gemessen an einem Musterhaushalt (4.000 Kilowattstunden
pro Jahr) betrage die Teuerung durchschnittlich 7,5 Prozent oder 61 Euro
pro Jahr. Auch für Gas müsse tiefer in die Tasche gegriffen
werden: Bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden pro Jahr liege
die Preiserhöhung bei 5,8 Prozent oder 74 Euro im Jahr.
«Die deutlichste Strompreiserhöhung müssen rund 2
Millionen Haushalte in Bayern hinnehmen», berichtete Verivox
weiter. Für sie steige der Preis zum Jahreswechsel um
durchschnittlich 9,7 Prozent oder 75 Euro pro Jahr. Verivox verweist
aber zugleich darauf, dass die Strompreise der drei großen
Regionalversorger E.ON Bayern, N-Ergie und LEW wegen einer Vereinbarung
mit der Landesregierung 2007 nicht erhöht worden seien.
Ein deutlicher Preisanstieg steht dem Verbraucherportal zufolge auch in
Hessen (8,9 Prozent für eine Million Haushalte), Thüringen
(8,2 Prozent für rund 500.000 Haushalte) und Brandenburg (7,9
Prozent für rund 350.000 Haushalte) an.
Die Gaspreise steigen laut Verivox am deutlichsten in Berlin. Rund
800.000 Haushalte in der Hauptstadt müssten mit einer
Preissteigerung von durchschnittlich 7,8 Prozent oder 95 Euro im Jahr
rechnen. Auch in Rheinland-Pfalz (6,5 Prozent), Bayern (6,4 Prozent) und
Sachsen (5,7 Prozent) seien Millionen von Haushalten betroffen.
(Quelle: ap)
Ärzte strikt gegen finanzielle Anreize für Organspender
Di.01.01.08 - Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich
Hoppe, hat sich strikt gegen finanzielle Anreize zur Förderung der
Organspendebereitschaft in Deutschland ausgesprochen. Die Organspende
sei ein Akt der Nächstenliebe und der Solidarität, sagte Hoppe
der Nachrichtenagentur AP: «Geld für das Spenden eines
Organs anzubieten, wäre ein fataler Schritt in Richtung
Kommerzialisierung der Organspende und würde letztlich auch die
Tür zum Organhandel öffnen.» Auch eine Reform des
Transplantationsgesetzes von 1997 lehnte Hoppe ab. Stattdessen forderte
er, flächendeckend Transplantationsbeauftragte an den Kliniken
einzuberufen.
In Deutschland warten derzeit nahezu 12.000 schwer kranke Menschen auf
ein lebensrettendes Organ. Schätzungen zufolge sterben täglich
drei Patienten, weil nicht genügend Spenderorgane zur
Verfügung stehen. Angesichts dieser Zahlen mehren sich die Rufe
nach einer Reform des Transplantationsgesetzes. Zuletzt hatte die
Medizinethikerin Alena Buyx von der Universität Münster
vorgeschlagen, die Spendebereitschaft über Steuervorteile oder
einen Versicherungsbonus für Träger von Spenderausweisen,
über Zuschüsse zu Beerdigungskosten oder Zuwendungen an
Angehörige zu steigern.
Hoppe kritisierte solche Überlegungen scharf: «Es
gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, wie Menschen
durch finanzielle Anreize zu einer Organspende gedrängt werden
können.» Kommerzialisierung als Schlüssel zur Verteilung
von Gesundheitsleistungen widerspreche nicht nur dem
Solidaritätsprinzip, sondern auch der ärztlichen
Überzeugung, dass der menschliche Körper keine
veräußerbare Ware sein dürfe: «Finanzielle Anreize
sind der falsche Weg», betonte der Ärztepräsident. Der
Schlüssel für eine höhere Organspendebereitschaft sei
vielmehr umfassende Information.
Das Transplantationsgesetz habe sich bewährt und die notwendige
Rechtsklarheit bewirkt, sagte Hoppe. Es sei kein Organbeschaffungsgesetz
und habe nicht den Sinn gehabt, die Zahl der Spenden zu erhöhen:
«Das kann nur durch Aufklärung und Überzeugung
geschehen.» Es müsse vielmehr darum gehen, Transparenz zu
schaffen und den Menschen zu erklären, nach welchen Kriterien die
Organe tatsächlich verteilt würden. Zugleich müssten die
Voraussetzungen an den Kliniken verbessert werden. «Wir brauchen
flächendeckend Transplantationsbeauftragte in den
Krankenhäusern, die darauf achten, dass potenzielle Organspender
dem zuständigen Transplantationszentrum gemeldet werden»,
forderte der Präsident der Bundesärztekammer.
(Quelle: ap)
Justizministerin Zypries lehnt Erziehungslager für jugendliche
Straftäter ab
Di.01.01.08 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat die in der Union
geforderten Erziehungslager für jugendliche Straftäter
abgelehnt. "Camps, in denen Jugendliche gedemütigt und erniedrigt
werden sollen, sind nicht mit der Menschenwürde vereinbar", sagte
ein Ministeriumssprecher in Berlin. Auch ein zusätzlicher Arrest
zur Abschreckung sei nicht zielführend. Aus der Union kamen erneut
Forderungen nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts und der
Einrichtung von Erziehungscamps. Das Opfer des brutalen Überfalls
in der Münchner U-Bahn, der Auslöser für die aktuelle
Diskussion war, schilderte erstmals selbst den Hergang der Ereignisse.
Erziehungslager dienten nicht dazu, Jugendliche von weiteren Straftaten
abzuhalten, sagte der Ministeriumssprecher. Vielmehr müsse eine
"positive Veränderung des Verhaltens" bei den Jugendlichen
herbeigeführt werden". Der Sprecher wies außerdem darauf
hin, dass eine Verschärfung des Jugendstrafrechts bereits Thema
der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD gewesen seien.
Damals habe Einigkeit darüber bestanden, dass lediglich eine
nachträgliche Sicherungsverwahrung eingeführt werden solle.
Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen,
Christian Pfeiffer, zog die Wirksamkeit von härteren Strafen und
Erziehungscamps ebenfalls in Zweifel. "Das sind alles teure Illusionen
mit extrem hohen Rückfallquoten", sagte er der in Hannover
erscheinenden "Neuen Presse".
Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU),
sagte der "Bild"-Zeitung: "Wenn wir ausländische Serientäter
nicht abschieben können, müssen wir ihre kriminellen
Karrieren unterbrechen - noch bevor ein Mord begangen wird." Dafür
sei "eine geschlossene Erziehungsanstalt die einzige Lösung". Die
bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) forderte, der Strafrahmen
im Jugendstrafrecht müsse von zehn auf 15 Jahre erhöht werden.
Das Opfer des brutalen Überfalls in einer Münchner U-Bahn,
Bruno N., sagte der "Bild"-Zeitung, er habe dabei einen dreifachen
Schädel- und einen Jochbeinbruch erlitten. Die Angreifer
hätten in seinen Augen aus "Hass auf mich, auf München und
das Leben" gehandelt", sagte er. Bereits in der U-Bahn sei er von einem
der späteren Angreifer mit Zigarettenrauch angeblasen worden. Er
habe gesagt, dass in der U-Bahn nicht geraucht werde, woraufhin er
unter anderem als "deutsches Arschloch" beschimpft worden sei. Ein
Jugendlicher habe ihn außerdem angespuckt, worauf er sich
weggesetzt habe. Nach dem Aussteigen aus der U-Bahn seien die Angreifer
auf ihn losgegangen.
(Quelle: afp)
30.000 Bürger legen Klage gegen Vorratsdatenspeicherung ein
Di.01.01.08 - Rund 30.000 Menschen haben Verfassungsbeschwerde gegen die umstrittene
Vorratsdatenspeicherung eingelegt. Der Berliner Rechtsanwalt Meinhard
Starostik legte am Verfassungsgericht in Karlsruhe die angekündigte
Massenklage gegen die umstrittene Neuregelung ein, mit der ab 2008 die
Verbindungsdaten aller Telekommunikationsnutzer gespeichert werden
sollen. Starostik äußerte sich optimistisch über die
Erfolgschancen der Klage. Es gebe "gewichtige Gründe" gegen das
Gesetz, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
Voraussetzung war die kürzlich erfolgte Verkündung der
umstrittenen Regelung im Bundesgesetzblatt. Die 150-seitige Klageschrift
beinhaltet auch den Antrag, die durch das Gesetz ermöglichte
Datensammlung durch eine Einstweilige Anordnung sofort auszusetzen. Der
Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung erklärte, es stelle einen
gravierenden Eingriff in die Grundwerteordnung des Rechtsstaates dar,
das Verhalten von 80 Millionen Bundesbürgern ohne jeden Verdacht
einer Straftat aufzeichnen zu lassen. Zum anderen drohe mit dem Gesetz
zur Telekommunikationsüberwachung Journalisten der Abbruch von
Informantenkontakten, Beratungsangeboten wie der Telefonseelsorge die
Abnahme von Anrufen und E-Mails, Strafverfolgern der Wegfall anonymer
Anzeigen.
Das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung bestimmt, dass die
Telekommunikationsdaten aller Bürger zur Bekämpfung von
Terrorismus und Kriminalität für sechs Monate gespeichert
werden. Telekommunikationsunternehmen müssen festhalten, wer mit
wem am Telefon gesprochen hat, oder wer wann das Internet benutzt und an
wen E-Mails verschickt hat. Beim Handy wird auch der Standort
gespeichert.
(Quelle: afp)
Deutschland beim Schutz der Privatsphäre abgerutscht
Di.01.01.08 - Beim Schutz der Privatsphäre ist Deutschland innerhalb nur eines
Jahres nach Einschätzung der Organisation Privacy International
drastisch abgerutscht. «Der allgemeine Trend geht dahin, dass die
Privatsphäre Land für Land ausgelöscht wird»,
sagte der Direktor der Organisation, Simon Davies, bei der Vorstellung
des Berichts am Samstag in London.
«In den letzten fünf Jahren erleben wir eine Litanei von
Überwachungsinitiativen», erklärte Davies.
«Selbst diejenigen Länder wie Deutschland und Kanada, bei
denen wir weiter einen starken Schutz der Privatsphäre erwartet
haben, versinken im Sumpf.» Im vergangenen Jahr, als Privacy
International erstmals ein Ranking der Staaten erstellte, war
Deutschland noch in der zweithöchsten Kategorie, kenntlich gemacht
mit der Farbe dunkelgrün. In diesem Jahr wird Deutschland zwei
Kategorien tiefer eingestuft, die Farbkennung gelb steht für
«einige Schutzvorkehrungen, aber abgeschwächte
Sicherung».
Von den 47 untersuchten Ländern erhielten Griechenland,
Rumänien und Kanada die besten Noten. Beim Schutz der
Privatsphäre wurden auch Luxemburg, Portugal, Slowenien und Ungarn
besser bewertet als Deutschland. Am unteren Ende der Skala liegen die
USA und Großbritannien, die Farbkategorie schwarz steht für
die «endemischen Überwachungsstaaten». Die Studie
bezog unterschiedliche Faktoren ein wie gesetzliche Grundlagen für
den Schutz der Privatsphäre, die Umsetzung in der Praxis, der
Umgang mit persönlichen Daten sowie der Einsatz biometrischer
Sicherungssysteme und von Überwachungskameras.
(Quelle: ap)
AOL lässt Internet-Browser Netscape Navigator sterben
Di.01.01.08 - Der Internet-Browser Netscape Navigator, der die Anfänge der
Web-Revolution prägte, ist am Ende. Der Internet-Konzern AOL wird
von Februar an keine Sicherheitsupdates mehr veröffentlichen.
Der neue AOL-Fokus auf Internet-Werbung lasse wenig Spielraum für
Investitionen, die nötig seien, um den Netscape Navigator auf hohem
Niveau zu halten, hieß es in einem offiziellen Blog-Eintrag am
Freitag. Aus Netscape war auch die offene Browser- Software Firefox
hervorgegangen, die heute der stärkste Konkurrent von Microsofts
Internet Explorer ist.
Die erste Version des Netscape Navigator kam 1994 auf den Markt. Mitte
der 90er Jahre hatte das Unternehmen einen Marktanteil von bis zu 85
Prozent. Der Netscape-Börsengang im Jahr 1995 gilt als der
Startpunkt der New-Economy-Euphorie, die zum Beginn dieses Jahrzehnts im
Platzen der Internet-Blase mündete. Der Kurs der Netscape-Aktie
schoss am ersten Tag vom Ausgabepreis von 28 Dollar auf 75 Dollar hoch.
Allerdings wurde Netscape in den folgenden Jahren im sogenannten
«ersten Browser-Krieg» vernichtend von Microsoft geschlagen:
Der weltgrößte Software-Konzern veröffentlichte 1995
seinen Internet Explorer als Beigabe zum dominierenden
Computer-Betriebssystem Windows. 1999 übernahm Microsoft die
Führung im Browser-Markt, einige Jahre später erreichte der
Marktanteil mit mehr als 95 Prozent einen Höhepunkt. Netscape
wurde 1998 von AOL aufgekauft, der Marktanteil schrumpfte auf einen
Prozent.
Das Netscape-Team setzte in der Zwischenzeit allerdings das
Mozilla-Projekt in Gang, aus dem der Internet-Browser Firefox
hervorging, dem heute in verschiedenen Schätzungen ein Marktanteil
zwischen 15 und 35 Prozent zugesprochen wird. Sein Quellcode ist offen.
Auch die letzten Versionen des Netscape Navigator setzten auf der
Mozilla-Software auf.
Die Verknüpfung von Windows und Internet Explorer war einer der
Gründe für ein jahrelanges Kartell-Verfahren gegen Microsoft,
bei dem eine Zeit lang auch die Forderung nach einer Zerschlagung des
Software-Riesen im Raum stand.
(Quelle: dpa)