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+++ Mi.02.01.08, 06:30         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am 1379sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

32 Tote bei Selbstmordanschlag auf Beerdigung in Bagdad. Zahl der im Irak getöteten Zivilpersonen gestiegen

Mi.02.01.08 - Im Osten Bagdads sprengte sich am Dienstag ein Selbstmordattentäter während der Beisetzung eines schiitischen Offiziers in die Luft. Dabei kamen nach Polizeiangaben 32 Menschen ums Leben, 34 wurden verletzt. Der Offizier war selbst mit mindestens 13 weiteren Menschen bei einem Bombenanschlag getötet worden. In der Provinz Dijala nordöstlich der Hauptstadt wurden am Dienstag die Leichen eines sunnitischen Polizisten und vier seiner Familienmitglieder aufgefunden, die kurz zuvor entführt worden waren. In Bakuba sprengte sich am Montag eine Selbstmordattentäterin in der Nähe einer Polizeipatrouille in die Luft. Dabei wurden fünf Polizisten und vier Passanten verletzt.

Trotz neuer Sicherheitsoffensiven ist die Zahl der im Irak getöteten Zivilpersonen 2007 weiter gestiegen. Die Regierung in Bagdad vermeldete am Montagabend 16.232 Tote nach 12.371 im Jahr davor. Des weiteren kamen demnach 432 irakische Soldaten und rund 1.300 Polizisten ums Leben. Die Vergleichszahlen von 2006 betrugen 603 und 1.224.

Im Großen und Ganzen decken sich diese Angaben mit den Erhebungen der Nachrichtenagentur AP. Danach wurden 2007 insgesamt 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. Diese Zahl umfasst sowohl Zivilpersonen als auch Sicherheitskräfte. Die Zahl der zivilen Opfer entwickelte sich im Jahresverlauf rückläufig von 2.155 im Mai auf 710 im Dezember.

Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das verlustreichste Jahr seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Auch hier ging die Opferzahl von Mai bis Dezember zurück - von 126 auf 21. Insgesamt kamen seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 US-Soldaten ums Leben.

Den Rückgang in der zweiten Jahreshälfte führen Beobachter nicht zuletzt auf zwei wesentliche Entwicklungen zurück: die einseitig verkündete Feuerpause einer großen schiitischen Miliz und der gemeinsame Kampf sunnitischer Stämme mit den irakischen und US-Streitkräften gegen aufständische Extremisten. Die Bildung so genannter Erweckungsräte aus Sunniten, die sich gegen Al Kaida im Irak gestellt haben und von den USA für örtliche Sicherungsaufgaben bezahlt werden, gilt als entscheidender Faktor für einen Rückgang der Anschläge seit Juni um rund 60 Prozent.

In den Provinzen Anbar, Bagdad und anderen Regionen mit hohem sunnitischen Bevölkerungsanteil haben sich mehr als 70.000 Menschen diesen Erweckungsräten angeschlossen. Ihre Mitglieder werden allerdings immer häufiger selbst zur Zielscheibe von Attentaten. Zwölf von ihnen wurden am Montag bei einem Selbstmordanschlag auf eine Kontrollstelle in der Stadt Mischada nördlich von Bagdad getötet.

boa (Quelle: ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2006 bis 02.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am neunhundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Di.02.01.07 - Nach Bagdader Angaben mehr als 16.000 Iraker im Jahr 2006 getötet +++ US-Flugzeug bombardierte Parteigebäude in Bagdad +++ Anhänger pilgern zum Grab von Saddam Hussein ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0701020.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 
 
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt: Israel erlaubt 550 Palästinensern Rückkehr nach Gaza. - Sieben Tote nach Kämpfen zwischen Hamas und Fatah

Mi.02.01.08 - Israel erlaubt offenbar rund 550 in Ägypten festgehaltenen Palästinensern die Rückkehr in den Gazastreifen über Israel: Die Reisedokumente der Palästinenser, die rund vier Monate in Ägypten festgehalten worden seien, würden beim Grenzübergang in Rafah abgefertigt, verlautete aus ägyptischen Sicherheits- und Grenzkontrollkreisen am Dienstag. Später werde die Gruppe mit dem Bus zu dem von den Israelis kontrollierten Grenzpunkt Kerem Shalom gebracht. Sie könnten dann über Erez in Israel in den Gazastreifen zurückkehren. Über schätzungsweise weitere 1500 Palästinenser, die heimkehren könnten, verlautete indes nichts. Davon sind rund 1100 Pilger auf dem Rückweg von einer Wallfahrt in Mekka.

Am Montag hatte Israel nach Angaben aus Kreisen 132 Palästinensern die Rückkehr ermöglicht. Einige von ihnen seien auf Polizeistationen in Ägypten festgehalten worden, weil sie sich geweigert hätten, über Israel in den Gazastreifen zurückzukehren. Israel besteht darauf, dass alle Pilger israelische Sicherheitskontrollen durchlaufen. Das Land befürchtet, die Rückkehrer könnten Waffen oder Geld für die radikal-islamische Hamas bei sich tragen, die den Gazastreifen unter Kontrolle hat. Einige Pilger waren aus dem Gazastreifen nach Ägypten gelangt, ohne eine israelische Kontrolle zu passieren. Auf ihrem Rückweg wollten sie diese Kontrollen ebenfalls umgehen.

Ein Hamas-Sprecher forderte Ägypten auf, die Pilger direkt in den Gazastreifen ohne den Umweg über Israel zu lassen. Ägyptens Staatschef Husni Mubarak sagte indes, er wolle eine Lösung auf Verhandlungsbasis.

Bei Kämpfen zwischen den Palästinensergruppen Fatah und Hamas im Gazastreifen sind über den Jahreswechsel sieben Menschen ums Leben gekommen: Bei den Auseinandersetzungen wurden Krankenhaus-Angaben vom Dienstag zufolge drei Anhänger der moderaten Fatah von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas und vier Unterstützer der islamistischen Hamas getötet. Hintergrund der Kämpfe waren die Feiern zum 43. Gründungsjubiläum der Fatah.

Die radikalislamische Hamas hat im Juni die Macht in dem Küstengebiet übernommen und öffentliche Versammlungen von Fatah-Anhängern untersagt. Das Verbot war am Montag offensichtlich unterlaufen worden.

Abbas hatte die radikalislamische Hamas zuvor aufgefordert, vorgezogenen Neuwahlen zuzustimmen. "Ich verspreche, mein Bestes zu tun, dass diese Wahlen das Ergebnis einer tiefen und brüderlichen Verständigung sein werden", sagte er in einer Rede zum Jubiläum seiner Fatah-Bewegung. Der Präsident hatte die Abstimmung bereits vorgeschlagen, nachdem die Hamas im Juni die Macht im Gazastreifen übernahm. Seit Monaten hat er aber nicht mehr öffentlich über diese Option gesprochen. Die Hamas hat es abgelehnt, die eigentlich für 2010 geplanten Wahlen vorzuziehen. Sie begründet ihre Meinung mit Hinweis auf die Verfassung.

(Quelle: rtr)
 


 

Opposition in Kenia wirft Regierung Völkermord vor - Fast 300 Menschen bei Unruhen getötet - Anhaltende Proteste gegen Wahlsieg Kibakis - USA, Großbritannien und EU-Beobachter fordern Untersuchung der umstrittenen Wahl

Mi.02.01.08 - Kenia wird nach dem umstrittenen Wahlsieg von Amtsinhaber Mwai Kibaki bei der Präsidentenwahl von einer Welle der Gewalt überrollt. Den Unruhen fielen bis zum Dienstag fast 300 Menschen zum Opfer. Westlich der Hauptstadt Nairobi wurde eine Kirche in Brand gesetzt, in der mehrere hundert Menschen Zuflucht gesucht hatten. Eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes sagte, mindestens 50 Menschen seien getötet worden. Der unterlegene Oppositionführer Raila Odinga warf der Regierung Völkermord vor.

Kibaki richtete angesichts der Unruhen einen Appell an die politischen Parteien des Landes. Diese sollten sich unverzüglich treffen und öffentlich zur Ruhe aufrufen, erklärte Kibaki. Er hatte sich am Sonntag unmittelbar nach Verkündigung seines knappen Wahlsiegs mit einem Vorsprung von 231.728 Stimmen für eine zweite Amtszeit vereidigen lassen. Odinga will das Wahlergebnis nicht anerkennen.

Die EU und die USA lehnten es ab, Kibaki zu seiner Wiederwahl zu gratulieren. Während Odinga zum Verlierer der Präsidentenwahl vom vergangenen Donnerstag erklärt wurde, gewann seine Partei bei der gleichzeitigen Parlamentswahl die meisten Stimmen.

Aufgebrachte Anhänger der Opposition lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei und griffen Angehörige vom Stamm der Kikuyu an. Zu dieser größten Bevölkerungsgruppe gehört auch Kibaki. Am Neujahrstag flauten die schweren Unruhen nach vier Tagen etwas ab. Aus den Elenssiedlungen am Rande der Hauptstadt wurden noch vereinzelte Zusammenstöße gemeldet. Ansonsten glich Nairobi am Dienstag einer Geisterstadt. Mehr als 33.000 Menschen wurden nach Polizeiangaben im ganzen Land aus ihren Häusern vertrieben. Wegen Plünderungen und der Zerstörung von Geschäften wurden Nahrungsmittel knapp.

Kibaki kündigte in seiner Neujahrsbotschaft ein entschiedenes Vorgehen gegen Unruhestifter an. Odinga bezeichnete den Präsidenten als einen Militärherrscher, der nur noch mit der Gewalt der Gewehre regiere. Für Donnerstag kündigte der Oppositionsführer eine Demonstration mit einer Million Teilnehmern an: «Wir werden mit schwarzen Armbändern marschieren, weil wir trauern.» Ein Polizeisprecher sagte, dass es für eine Kundgebung im Uhuru-Park von Nairobi keine Genehmigung gebe.

Die USA, Großbritannien und EU-Wahlbeobachter haben eine Untersuchung der umstrittenen Wahl in Nairobi gefordert.

Der Streit um das Ergebnis sollte im Rahmen der Verfassung und der Gesetze gelöst werden, hieß es am Montag aus Washington. Ein Sprecher der britischen Regierung forderte die Regierung und die Opposition auf, zum Wohle des Volkes zusammenzuarbeiten.

Die EU-Wahlbeobachter in Kenia haben sich für eine unabhängige Untersuchung des Ergebnisses der umstrittenen Präsidentenwahl in Kenia ausgesprochen. Bei der Stimmenauszählung sei es zu «schweren Anomalien» gekommen, sagte Alexander Graf Lambsdorff, der deutsche Leiter der Beobachtermission, in Nairobi. Amtsinhaber Mwai Kibaki hatte sich zum Wahlsieger erklärt.

Oppositionskandidat Raila Odinga wies das Wahlergebnis als gefälscht zurück und forderte eine Neuauszählung.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief Regierung und Opposition in Kenia dazu auf, eine friedliche Lösung des Konflikts auf dem Boden der geltenden Verfassung zu finden. «Weitere Gewalt muss unter allen Umständen vermieden werden», sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin. Die «offenkundigen Unstimmigkeiten bei der Wahl» bedürften der Aufklärung.

«Die Wahlen haben internationale und regionale Standards für demokratische Wahlen nicht erfüllt», resümierte der deutsche Leiter der EU-Beobachterdelegation, Alexander Graf Lambsdorff. Vier von 22 Mitgliedern der Wahlkommission forderten eine unabhängige Überprüfung der Ergebnisse. Es seien gewichtige Einwände vorgebracht worden, sagte Jack Tumwa der Nachrichtenagentur AP. Die Wahlkommission könne sich aber nicht selbst untersuchen, so dass eine externe Prüfung erforderlich sei.

Der Konflikt ist auch Ausdruck tiefer ethnischer Ressentiments. Odinga gehört dem Stamm der Luo an, der sich in Kenia lange Zeit als unterdrückt empfand. Kibaki hingegen ist ein Kikuyu - dieser größte Stamm in Kenia dominiert Politik und Wirtschaft seit der Unabhängigkeit im Jahr 1963.

boa (Quellen: dpa, ap, rtr)
 


 

18 Tote bei Angriffen mutmaßlicher Rebellen in Nigeria

Mi.02.01.08 - Bei einer Serie von Angriffen mutmaßlicher Rebellen auf die nigerianische Ölhafenstadt Port Harcourt sind am Dienstag 18 Menschen getötet worden.

Die Bewaffneten hätten zwei Polizeistationen, einen Nachtclub und ein Luxushotel attackiert, teilte die Polizei mit. Bei den Toten handle es sich vor allem um Polizisten, Zivilisten und einige Angreifer. In Port Harcourt war mit dem Gegenschlag des dort bekannten Milizführers Ateke Tom gerechnet worden, nachdem das Militär kürzlich vermutete Verstecke seiner Anhänger nahe der Metropole im Niger-Delta bombardiert hatte.

Vier Polizisten starben bei der Attacke auf zwei Polizeistationen, sagte eine Sprecherin. Nahe einer Polizeiwache gerieten Zivilisten ins Kreuzfeuer - sieben von ihnen wurden getötet. In dem Nachtclub "Skippers" tötete die Polizei eigenen Angaben zufolge sechs Rebellen.

Zudem kam ein Wachmann kam zu Tode, als die Angreifer in der Lobby des "Presidential Hotel" das Feuer eröffneten. Das teilte ein Polizeikommissar der staatlichen nigerianischen Nachrichtenagentur zufolge mit. In den Wänden des Hoteleingangs waren Einschusslöcher zu sehen. Nahe des Hotels wurden mehrere weitere Zivilisten von Irrläufern verletzt. Die Opfer kehrten Augenzeugen zufolge am Neujahrstag aus der Mitternachtsmesse zurück, als sie in den Kugelhagel gerieten.

Im Niger-Delta kämpfen mehrere bewaffnete Gruppen für eine größere Beteiligung an den Einnahmen aus der Ölförderung, Schadensersatz für die Verschmutzung durch ausgelaufenes Öl und für mehr Autonomie. Die Gruppen beschädigen immer wieder Ölanlagen und entführen ausländische Arbeiter, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

(Quelle: rtr)
 


 

Gemeinsame Friedensmission von UN und AU in Darfur begonnen

Mi.02.01.08 - Mit der Übergabe der Befehlsgewalt hat die gemeinsame Friedensmission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union (AU) in der sudanesischen Krisenregion Darfur begonnen. Der Kommandeur der bisherigen AU-Truppe, General Martin Agwai, tauschte am Montag in der Stadt El Fascher die grüne Kopfbedeckung der AU-Uniform gegen die blaue der UN ein. Das Kontingent der neuen Mission UNAMID ist vorerst allerdings kaum größer als das des weitgehend wirkungslosen AU-Einsatzes.

Nach UN-Angaben dürfte es noch Monate dauern, bis die Friedenstruppe ihre geplante Stärke von 26.000 Mann erreicht. Zurzeit besteht sie lediglich aus den 7.000 Soldaten der bisherigen AU-Einheit plus 800 UN-Mitarbeitern und 1.200 Polizisten. Auch die Ausrüstung lässt zu wünschen übrig. Westliche Staaten haben die zugesagten Hubschrauber und Militärfahrzeuge noch nicht geliefert. Ein Erfolg von UNAMID gilt jedoch als wesentlich, um die Gewalt in Darfur einzudämmen.

In der westsudanesischen Region kämpfen mehrere Rebellengruppen gegen die arabische Reitermiliz der Dschandschawid und die islamische Regierung in Khartum. Dem seit fast fünf Jahren anhaltenden Konflikt sind schon 200.000 Menschen zum Opfer gefallen, etwa 2,5 Millionen wurden zu Flüchtlingen. Die Friedensmission hat sich immer wieder verzögert, weil der sudanesische Präsident Omar el Baschir ständig neue Vorbehalte gegen UN-Soldaten auf seinem Territorium vorbrachte.

In Khartum wurde am Dienstag ein US-Diplomat erschossen. Der Mitarbeiter der Behörde für Internationale Entwicklung sei gemeinsam mit seinem Fahrer im Auto unterwegs gewesen, sagte ein Sprecher der US-Botschaft. Das sudanesische Innenministerium erklärte, der Diplomat habe fünf Schusswunden erlitten. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und erlag dort seinen Verletzungen. Die amtliche Nachrichtenagentur SUNA berichtete unter Berufung auf das Außenministerium in Khartum, die Tat habe keinen politischen Hintergrund. Die US-Botschaft erklärte dagegen, es sei noch zu früh, um ein politisches Attentat auszuschließen.

US-Präsident George W. Bush unterzeichnete derweil ein Gesetz, das einzelnen US-Staaten und Städten den Abbruch von Investitionen im Sudan ermöglicht. Begründet wird dies mit der anhaltenden Gewalt in Darfur. Das vom Kongress verabschiedete Gesetz erlaubt es, Investitionen in Unternehmen rückgängig zu machen, die an der Ölproduktion, der Energiegewinnung, im Bergbau oder an Rüstungsgeschäften mit dem Sudan beteiligt sind.

(Quelle: ap)
 


 

Parlamentswahl in Pakistan wird um einen Monat verschoben

Mi.02.01.08 - Nach dem Attentat auf die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto wird die geplante Parlamentswahl um einen Monat verschoben. Aus Kreisen der Wahlkommission verlautete am Dienstag, das Gremium habe ein neues Datum festgelegt. Ein Gewährsmann deutete an, abgestimmt werde nicht vor der zweiten Februarwoche. Weitere Einzelheiten wollte er vor der offiziellen Verkündigung am (heutigen) Mittwoch nicht nennen. Die Opposition kündigte Proteste für den Fall einer Verschiebung an.

Sollte die Regierung die für Dienstag nächster Woche geplante Abstimmung tatsächlich verschieben, werde seine Partei zu Massenprotesten aufrufen, sagte der ehemalige Ministerpräsident Nawaz Sharif von der Muslimliga (PML-N) und fügte hinzu: «Wir werden diese Verschiebung nicht akzeptieren.» Die Pakistanische Volkspartei (PPP) der ermordeten Bhutto warf Präsident Pervez Musharraf vor, er wolle die Wahl nur deshalb verschieben, damit sich die Empörung über den Mordanschlag in der vergangenen Woche abkühle.

Ein Sprecher der Wahlkommission sagte am Dienstag in Islamabad, es sei unmöglich, den Termin am 8. Januar noch einzuhalten. So seien bei den Unruhen im Anschluss an den Mordanschlag die Büros der Kommission in zehn Bezirken der Provinz Sindh in Brand gesetzt worden. Dabei seien zum Teil auch wichtige Wahlunterlagen zerstört worden, die erst erneuert werden müssten. Vor einer endgültigen Entscheidung seien aber noch Beratungen mit den Parteien notwendig, sagte Kommissionssprecher Kanwar Dilshad.

Unterdessen wurde über das Attentat neues Videomaterial veröffentlicht, das Zweifel an der Regierungsversion über den Tathergang aufkommen ließ. Der Film, der dem britischen Fernsehsender Channel 4 vorliegt, zeigt einen Mann, der aus nächster Nähe aus einer Handfeuerwaffe Schüsse auf Bhutto in ihrem offenen Wagen abgibt. Sie bewegt sich ruckartig nach oben, was deutlich an ihrem Haar und ihrem Schal zu sehen ist und darauf schließen lässt, dass sie getroffen wurde. Dann fällt sie in sich zusammen, und unmittelbar darauf wird ihr Fahrzeug von einer gewaltigen Explosion erschüttert. Die Regierung hat mitgeteilt, Bhutto sei nicht von Kugeln getroffen worden.

Ein Berater der Politikerin teilte am Dienstag mit, Bhutto habe sich am Abend ihres Todestages mit Abgeordneten aus den USA treffen wollen, um ihnen ein Dossier über Vorbereitungen auf Wahlfälschungen zu übergeben. Der PPP-Abgeordnete Latif Khosa sagte, er habe den 160-seitigen Bericht selbst erstellt. Bhutto habe ihn persönlich Senator Arlen Specter und dem Abgeordneten Patrick Kennedy übergeben wollen. Khosa warf der Wahlkommission unter anderem vor, absichtlich drei Millionen Wahlberechtigte nicht in das Wählerregister aufgenommen zu haben.

Unterdessen traf der neue Vorsitzende der PPP, der 19-jährige Sohn von Benazir Bhutto, wieder in Dubai ein. Bilawal Bhutto Zardari wurde auf dem Flug in die Vereinigten Arabischen Emirate von seinen zwei Schwestern begleitet. Der Student der Oxford University will den Vorsitz nur in seinen repräsentativen Aufgaben übernehmen, die politische Leitung liegt offenbar bei Asif Ali Zardari, dem Witwer von Bhutto.

An der pakistanischen Börse führte die politische Unsicherheit nach der Ermordung Bhuttos zu hohen Kursverlusten. Der Karachi 100 Stock Index brach am Montag um 4,7 Prozent ein. Es war einer der größten Tagesverluste in der Geschichte der Börse.

(Quelle: ap)
 


 

Lockheed Martin liefert F-16 US-Kampfflugzeuge an Pakistan

Mi.02.01.08 - Lockheed Martin hat vom US-Verteidigungsministerium den Auftrag erhalten, 18 F-16 Kampfflugzeuge an Pakistan zu liefern.

Dies teilte das Ministerium am Montag mit. Das Geschäft hat einen Umfang von etwa 500 Millionen Dollar. Ein Liefertermin wurde nicht angegeben. Die USA will Pakistan bis zu 36 Kampfflugzeuge dieses Typs liefern. Demokratische Kongressabgeordnete hatten zuletzt gefordert, einige Rüstungslieferungen zu stoppen, bis der Verbündete die Notstandsgesetze wieder aufhebt. Seit 2001 hat Pakistan etwa zehn Milliarden Dollar Unterstützung von den USA erhalten.

(Quelle: rtr)
 


 

Oppositionspolitiker in Sri Lanka ermordet - Mehrere Tote bei Kämpfen im Norden des Landes

Mi.02.01.08 - Ein tamilischer Oppositionspolitiker in Sri Lanka ist während eines hinduistischen Neujahrsgottesdienstes nahe der Hauptstadt Colombo erschossen worden. Thyagaraja Maheswaran hatte paramilitärischen Regierungseinheiten in einem Fernsehinterview Entführungen, Erpressungen und Morde von Tamilen auf der nördlichen Halbinsel Jaffna vorgeworfen und die Bekanntgabe von Namen angekündigt. Bei dem Attentat wurde noch eine weitere Person getötet, etwa zehn Menschen wurden verletzt, darunter auch der mutmaßliche Schütze.

Die Vereinigte Nationalpartei, der Maheswaran angehörte, machte die Regierung für den Mord an dem Politiker verantwortlich, weil sie die Zahl seiner Leibwächter unlängst von zehn auf zwei verringert habe. Ein Präsidentensprecher wies dies zurück.

Unterdessen gingen die Kämpfe im Norden Sri Lankas weiter, wo die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) de facto ein eigenes Staatswesen errichtet haben. Dabei wurden nach Militärangaben vom Montag abermals neun tamilische Rebellen und zwei Regierungssoldaten getötet. Die Tamilen kämpfen für einen eigenen Staat im Norden und Osten der Insel Ceylon. Der Bürgerkrieg, dem schon mehr als 70.000 Menschen zum Opfer fielen, begann 1983 nach jahrzehntelanger Diskriminierung der tamilischen Minderheit.

(Quelle: ap)
 


 

Interkulturelles Zentrum im Iran geschlossen

Mi.02.01.08 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat zum Jahreswechsel ein Institut geschlossen, das den Austausch der Kulturen fördern sollte. Das Internationale Zentrum für den Dialog der Zivilisationen wurde 1999 vom damaligen reformorientierten Präsidenten Mohammad Chatami gegründet. Das Institut sollte ein Gegengewicht schaffen zu der vor allem in den USA einflussreichen Theorie vom «Clash of Cultures», die auf ein 1996 erschienenes Buch von Samuel Huntington zurückgeht.

Ahmadinedschad gab am vergangenen Sonntag ein Dekret heraus, wonach das Institut in einem neu gegründeten Nationalen Zentrum für Globalisierungsstudien aufgeht. Das Institut hatte seine Arbeit bereits nach dem Antsantritt von Ahmadinedschad im Jahr 2005 weitgehend eingestellt. Die jetzt verfügte Schließung gilt als Signal an die Reformer um Chatami, der sich nach langem Schweigen kürzlich kritisch über die Regierung Ahmadinedschads geäußert hat

(Quelle: ap)
 


 

Japan übernimmt von Deutschland G-8-Vorsitz

Mi.02.01.08 - Japan hat am Dienstag von Deutschland für ein Jahr den Vorsitz der Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) übernommen. Das während der Präsidentschaft übliche Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs will Japan an einem abgelegenen See in einem Nationalpark im Westen der japanischen Hauptinsel Hokkaido abhalten. Bei dem Treffen im Juli in Toyako soll es vor allem um den Klimaschutz gehen.

Japan wolle die "weltweiten Diskussionen" zum Wohle künftiger Generationen vorantreiben, sagte Regierungschef Yasuo Fukuda in seiner Neujahrsansprache. Als weitere Schwerpunkte ihrer Präsidentschaft nannte die Regierung in Tokio die globale Wirtschaft und Sicherheit sowie die Entwicklung Afrikas.

Unter deutschem Vorsitz hatten sich die Staats- und Regierungschefs im vergangenen Sommer Heiligendamm an der Ostsee getroffen. Auch dabei war der Klimaschutz das wichtigste Thema. Eine Verpflichtung auf Ziele zum CO2-Abbau gab es aber nicht. Den G-8 gehören neben Japan und Deutschland die USA, Kanada, Italien, Großbritannien, Frankreich und Russland an. China hat gewöhnlich einen Gaststatus.

(Quelle: afp)
 


 

Auch Zypern und Malta zahlen jetzt mit dem Euro

Mi.02.01.08 - Die Europäische Union hat zwei neue Euro-Länder: Die Mittelmeerinseln Zypern und Malta, die zusammen etwa 1,2 Millionen Einwohner haben, sind das 14. und 15. Land der EU, in denen der Euro als Zahlungsmittel gilt. Auf Zypern fiel der Startschuss für die neue Währung am Montag um 23.00 Uhr MEZ, Malta folgte gestern um Mitternacht. Slowenien übernahm als erstes osteuropäisches Land die EU-Ratspräsidentschaft. Gestern um Mitternacht übergab der portugiesische Außenminister und amtierende EU-Ratspräsident Luis Amado in Madeira das Amt an seinen slowenischen Kollegen Dimitrij Rupel.

Mit dem Beitritt Zyperns und Maltas zur Euro-Zone leben damit insgesamt rund 318 Millionen Menschen in dem Gebiet der Gemeinschaftswährung. Obwohl die Inseln, die einst zu Großbritannien gehörten, nur 0,17 Prozent (Zypern) und 0,06 Prozent (Malta) des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone ausmachen, erforderte die Übernahme der Währung doch die Ausgabe von 100 Millionen Euro in Scheinen sowie mehr als 500 Millionen Münzen, wie die Zentralbanken mitteilten. Die beiden Inselstaaten sind seit knapp vier Jahren EU-Mitglieder.

Nach den Erfahrungen auf dem europäischen Festland 2002 wurde die Euro-Einführung auf Malta und Zypern von "Teuro"-Furcht begleitet. Fast drei Viertel der Zyprer und zwei Drittel der Malteser rechneten mit Preissteigerungen bei der Umstellung von Pfund und Lira, wie die EU-Kommission Ende November in ihrem Abschlussbericht zum Stand der Vorbereitungen erklärte. In Deutschland hatten vor allem Restaurants und Dienstleister die Euro-Einführung 2002 zu Preisaufschlägen genutzt.

Zum Euro-Start hoben die Regierungschefs beider Inselstaaten die Vorzüge der neuen Währung hervor. Beide EU-Länder setzen auf eine größere Attraktivität bei Investoren und hoffen auf einen Schub für Wirtschaft und Tourismus.

"2008 wird ein entscheidendes Jahr", sagte der slowenische Außenminister Rupel nach der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft. Vor der EU liege "eine Offensive" der Freundschaft, des Dialogs und der Solidarität. "Die EU-Präsidentschaft zieht vom Atlantik zum Mittelmeer, an die slowenische Adria, von West nach Ost", fügte er hinzu. Slowenien hält die Präsidentschaft für die ersten sechs Monate des Jahres, im zweiten Halbjahr übernimmt Frankreich.

(Quelle: afp)
 


 

Millionen Menschen feiern neues Jahr mit Musik und Feuerwerk

Mi.02.01.08 - Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben den Jahreswechsel gefeiert. In Berlin zog es am Montag rund eine Million Menschen an die Partymeile vom Brandenburger Tor bis zum Großen Stern. In New York, wo die berühmte leuchtende Kugel am Times Square zum hundertsten Mal den Countdown bis 00.00 Uhr begleitete, feierten Hunderttausende Menschen. 50.000 Moskowiter lauschten auf dem Roten Platz in der russischen Hauptstadt den Kreml-Glocken, die das Jahr 2008 einläuteten. Im Irak wagten sich die Einwohner Bagdads nach draußen und sangen und tanzten in den Straßen.

Das erste Riesenfeuerwerk zur Begrüßung des neuen Jahres gab es in Sydney, wo der Jahreswechsel schon um 14.00 Uhr MEZ eintrat. Mehr als eine Million Menschen kamen dort zusammen, um einem Riesenfeuerwerk am Hafen beizuwohnen. Das nach Angaben der Veranstalter größte Feuerwerk der Geschichte wurde von zwölf Computern gesteuert. Auch in mehreren Metropolen Asiens versammelten sich Hunderttausende, um das neue Jahr zu begrüßen. Lediglich in Japan war die Feierlaune durch schlechtes Wetter getrübt. 71 Flüge wurden wegen Schneefällen abgesagt, rund 7000 Passagiere saßen dadurch an den Flughäfen fest.

In Berlin zog es rund eine Million Menschen an die Partymeile. Berichte, wonach die Strecke wegen Überfüllung zeitweise für neue Besucher gesperrt werden musste, wies ein Polizeisprecher zurück. Vielmehr seien die Zugänge schrittweise vom Brandenburger Tor bis hin zum Großen Stern verlagert worden, um die Menschenmenge besser zu verteilen. "Dann konnte man vielleicht nicht an seinem gewohnten Eingang hinein, sondern nur an einer anderen Stelle", sagte ein Sprecher der Berliner Polizeidirektion.

Auch die Prachtstraße der französischen Hauptstadt Paris, die Champs-Elysées, war mit feiernden Menschen völlig überfüllt. Rund 400.000 Franzosen und ausländische Touristen kamen nach Angaben der Polizei zusammen.

In Bagdad, das fast täglich von blutigen Anschlägen erschüttert wird, kam zum ersten Mal seit dem US-geführten Einmarsch von 2003 eine große Menschenmenge zusammen. Viele junge Menschen, aber auch Familien feierten dort den Jahreswechsel . Die Polizei hatte die Zufahrtstraßen zur Innenstadt aus Sicherheitsgründen abgesperrt.

(Quelle: afp)
 


 

Deutschland

Ruf nach Gerechtigkeit

Mi.02.01.08 - Gewerkschaften und Sozialdemokraten haben über den Jahreswechsel eine Politik für mehr Gerechtigkeit in Deutschland angemahnt. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, forderte die Bundesregierung zu einem «sozial ausbalancierten Kurs» im neuen Jahr auf. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) beklagte: «Dieses Deutschland ist reich, aber es ist nicht sehr gerecht.»

Schmoldt verlangte unter anderem Regelungen gegen den Missbrauch der Leiharbeit. Notwendig sei eine gesetzliche Initiative, die dem Grundsatz «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» Geltung verschaffe. Die Einzelheiten könnten dann tarifvertraglich geregelt werden.

Außerdem müsse mehr gegen strukturelle Arbeitslosigkeit getan und jenen Menschen geholfen werden, «die einfache Tätigkeiten verrichten und an denen der konjunkturelle Aufschwung vorbei geht». Schmoldt erneuerte daher den Gewerkschaftsvorschlag für einen Kombilohn. Auch über die Rente mit 67 sei das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen. Zwar wäre es eine Illusion zu glauben, die Politik nähme die Maßnahme wieder zurück. Es gebe jedoch noch Spielraum bei der Ausgestaltung des Übergangs in den Ruhestand.

Thierse verteidigte die Gerechtigkeitsdebatte, die vor allem über die Stichworte Mindestlöhne und Managergehälter geführt wird. «Ich glaube, wir brauchen das», sagte der SPD-Politiker. Es gebe eine «beträchtliche Minderheit der Deutschen, denen es nicht gut geht», etwa Arbeitslose, «Hartz IV»-Empfänger und Rentner mit niedrigem Einkommen. «Deswegen muss die Anstrengung des kommenden Jahres sein, Politik so zu machen, dass mehr von dem wirtschaftlichen Aufschwung profitieren, dass schlicht mehr Gerechtigkeit in unserem Land herrscht», mahnte Thierse.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte, wirtschaftlicher Erfolg sei nur möglich, wenn es fair und gerecht zugehe in der Gesellschaft. Seine Partei sieht der stellvertretende Bundesvorsitzende wieder auf dem richtigen Kurs. Rüttgers lobte die Abkehr der CDU von «neoliberalen Lebenslügen» und "eine Rückkehr zu den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft». Rüttgers sprach sich zugleich für eine Generalüberprüfung der «Hartz IV»-Reformen aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte in ihrer Neujahrsansprache vor einer Reformpause. «Wir dürfen uns trotz aller Erfolge keinesfalls zurücklehnen», sagte Merkel. Sie verwies zur Begründung auf die Risiken für die Konjunktur insbesondere durch weltweite Einflüsse. Der Erhalt bestehender und die Schaffung neuer Arbeitsplätze bleibe der Maßstab des politischen Handelns, sagte Merkel.

(Quelle: ddp)
 


 

Wirtschaftsweiser Rürup fordert staatliche Mindestrente

Mi.02.01.08 - Der Wirtschaftsweise Bert Rürup plädiert für die Einführung einer steuerfinanzierten Sockelrente: Wer 35 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung nachweise, der solle im Alter auf jeden Fall "eine Rente geringfügig über dem Niveau der Grundsicherung" von etwa 660 Euro im Monat erhalten, sagte er dem "Handelsblatt" vom Mittwoch laut Vorabbericht. Niedrige Rentenansprüche müssten aus Steuermitteln aufgestockt werden, verlangte der Chef des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage. Sonstige Einkünfte, etwa aus einem Riester-Sparvertrag, dürften nicht länger verrechnet werden.

Weil die Grundsicherung nicht höher als die Sozialhilfe sei und mit anderen Einkünften verrechnet werde, gebe es für Geringverdiener keinerlei Anreize zur Eigenvorsorge, sagte Rürup zur Begründung. "Wenn jemand damit rechnet, im Alter auf die Grundsicherung angewiesen zu sein, ist es individuell durchaus rational, nicht privat vorzusorgen." Bei der Sockelrente würde hingegen auf die Bedürftigkeitsprüfung verzichtet. Die Kosten des Modells, das sich an der 2003 in Schweden eingeführten Garantierente orientiert, lassen sich laut Rürup derzeit noch nicht beziffern.

(Quelle: rtr)
 


 

Koalition streitet über Erziehungscamps und Warnarrest

Mi.02.01.08 - Die Forderung der Union nach Erziehungscamps und Warnarresten für jugendliche Straftäter sorgt für heftigen Streit in der Koalition: Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach wies die Kritik von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) an einer solchen Verschärfung des Jugendstrafrechts entschieden zurück. "Es geht bei den vorgeschlagenen Erziehungscamps nicht um Einrichtungen, wo unter menschenunwürdigen Umständen der Wille junger Straftäter gebrochen wird, sondern es geht darum, dass sie aus ihrem kriminellen Milieu herausgeholt werden", sagte Bosbach am Dienstag zu Reuters. Das Bundesjustizministerium erklärte dagegen, so genannte "boot camps", "in denen Jugendliche erniedrigt und gedrillt werden," seien mit der Menschenwürde nicht vereinbar. Sie bewirkten nichts und könnten sogar kontraproduktiv sein.

Auslöser der Debatte ist der Überfall auf einen Rentner in München kurz vor Weihnachten, bei dem die beiden mutmaßlichen Täter, ein 20-jähriger Türke und ein 17 Jahre alter Grieche, das Opfer fast zu Tode geprügelt hatten. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hatte daraufhin ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Ausländer und eine verstärkte Anwendung des Erwachsenenstrafrechts gefordert. SPD, Grüne und FDP warfen ihm daraufhin Populismus vor, während sich die Unions-Spitze hinter Koch versammelte. Unions-Fraktionschef Volker Kauder hatte sich in diesem Zusammenhang dafür ausgesprochen, junge Täter auch bei einer Bewährungsstrafe in kurzfristigen Warnarrest zu nehmen. Für harte Fälle müssten Erziehungscamps eingerichtet werden.

Bosbach sagte, von menschenunwürdigen Einrichtungen könne bei solchen Camps keine Rede sein. Es gehe unter anderem darum, dass die Täter lernten, einen fest strukturierten Tagesablauf und Regeln einzuhalten, "ohne die sie ansonsten nicht resozialisiert werden können".

Der CDU-Innenexperte monierte zudem, viele junge Straftäter empfänden eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe oft nicht als Bestrafung. Ein zusätzlicher Arrest von vier bis sechs oder acht Wochen könne eine heilsame Wirkung haben. "Der junge Mensch soll spüren, was der Verlust der Freiheit für ihn ganz persönlich bedeutet", unterstrich Bosbach. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sagte, durch einen Warnarrest werde dem Jugendlichen der Ernst der Lage spürbar vor Augen geführt. Das Bundesjustizministerium betonte dagegen, ein "Warnschussarrest" sei kriminologischen Studien zufolge kontraproduktiv. Durch einen "Schnupper-Knast" ließen sich die Straffälligen nicht beeindrucken. Die Statistik belege, dass Jugendliche nach einer Haft häufiger rückfällig würden.

Wulff schloss sich der Forderung Kochs an, bei Heranwachsenden zwischen 18 und 21 Jahren häufiger das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden und einen höheren Strafrahmen zuzulassen. Die Politik müsse alles tun, damit es gar nicht zu Gewalttaten komme, sagte der CDU-Politiker der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Notwendig sei eine bessere Verzahnung von Integration, Prävention und Repression. Sowohl in Hessen wie auch in Niedersachsen finde Ende Januar Landtagswahlen statt.

Vehemente Forderungen nach einem härteren Vorgehen kommen aus Bayern. Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sprach sich dafür aus, für straffällige junge Ausländer "jede Chance zur Ausweisung" zu nutzen. Justizministerin Beate Merk sagte, die Höchststrafe im Jugendstrafrecht müsse von 10 auf 15 Jahre angehoben werden.

(Quelle: rtr)
 


 

Rechte attackieren afghanische Familie

Mi.02.01.08 - Eine Gruppe, deren Mitglieder nach Polizeiangaben offensichtlich der rechten Szene angehören, hat in der Neujahrsnacht in Berlin-Lichtenberg eine fünfköpfige afghanische Familie angegriffen. Die 15 Schläger hätten sie gegen 1.15 Uhr in der Weitlingstraße attackiert und ausländerfeindliche Parolen skandiert, teilte ein Polizeisprecher am Dienstag mit. Die Familie konnte in ihre Wohnung flüchten.

Verletzt wurde niemand. Die Angreifer beschädigten aber nach Polizeiangaben den Hauseingang und Fensterscheiben der Wohnung der Familie. Anschließend flüchteten sie. Der Staatsschutz ermittelt wegen schweren Landfriedensbruchs.

Der Kiez um die Weitlingstraße wird zu den Hochburgen der rechten Szene in Berlin gezählt. Dort gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Übergriffe auf Migranten und Linke. Zu den Opfern gehörte unter anderen der kurdischstämmige Linke-Abgeordnete Giyasettin Sayan, der im Frühjahr 2006 nach eigenen Angaben von Rechten überfallen und verletzt wurde. Er lag mehrere Tage im Krankenhaus.

(Quelle: ddp)
 


 

In ersten deutschen Städten gelten Umweltzonen

Mi.02.01.08 - Seit dem Jahreswechsel gelten in den ersten deutschen Städten so genannte Umweltzonen. In Berlin, Köln und Hannover dürfen nur noch Autos in die Innenstadt, die bestimmte Umweltstandards erfüllen. Das Fahren im Zentrum ist dort nur noch mit einer Plakette möglich, die gekauft werden muss. Während diese für Benziner mit Katalysator recht leicht erhältlich ist, gelten für Diesel-Pkws unterschiedliche Abstufungen je nach Schadstoffausstoß. Durch die Umweltzonen soll der Schutz vor Feinstaub erhöht werden.

Rund 20 weitere Städte wollen in den kommenden Monaten solche Zonen einführen. Eine Liste der Städte findet sich auf der Internetseite des Umweltbundesamts. Die Umweltzonen werden mit Schildern gekennzeichnet. Ein darunter angebrachtes Zusatzschild informiert darüber, welche Plaketten nötig sind, um die Zone zu befahren. Die Plaketten können für fünf bis zehn Euro bei Zulassungsstelle, Tüv oder Dekra gekauft werden. Welche Plakette für das jeweilige Auto notwendig ist, ergibt sich aus der Emissionsschlüsselnummer in den Fahrzeugpapieren.

Autofahrer müssen sich im neuen Jahr außerdem auf höhere Bußgelder einstellen. Für Raser, Drängler und Fahrer mit Alkohol oder Drogen im Blut wird es ab dem Frühjahr teurer. Wer in der Stadt mehr als 25 Kilometer pro Stunde zu schnell ertappt wird, zahlt statt bisher 60 Euro nunmehr 100 Euro. Wer mit mehr als 0,5 Promille am Steuer erwischt wird, muss künftig doppelt so viel zahlen: Beim ersten Mal werden 500 Euro fällig, im Wiederholungsfall bis zu 1500 Euro.

Der Präsident des Umweltbundesamts, Andreas Troge, rechtfertigte die Fahrverbote zum Schutz vor Feinstaub. Niemand habe das Recht, "die Gesundheit anderer vorsätzlich oder fahrlässig zu gefährden", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Durch ein Fahrverbot für alte Dieselfahrzeuge ohne entsprechenden Schadstofffilter könne innerhalb der Umweltzonen die Feinstaub-Belastung für die Bewohner um bis zu zehn Prozent sinken.

Es sei jedoch ein Bündel von Maßnahmen nötig, "um das Risiko wirklich zu verringern und nicht nur zu verlagern", sagte Troge. Dazu zähle auch der "effizientere Einsatz von moderner Technik" und erneuerbaren Energien in europäischen Industrieanlagen.

(Quelle: afp)


 

 

Hintergrund: Feinstaub

Die feinen Staubpartikel in der Großstadtluft stammen vor allem aus Dieselruß, Heizungen und Industrieanlagen. Die Staubteile sind so klein, dass sie in Nase und Rachen nicht hängen bleiben, sondern ungehindert in die Lunge gelangen.

Dort können sie Entzündungen, Asthma und sogar Krebs auslösen. Laut einer EU-Studie sterben europaweit jährlich rund 310 000 Menschen an den Folgen von Feinstaub - davon 65 000 in Deutschland.

Seit 2005 sollen laut einer EU-Richtlinie in einem Kubikmeter Luft höchstens 50 Mikrogramm sogenannter «PM 10»-Partikel vorkommen. Das sind Teilchen mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometern (0,01 Millimetern). An höchstens 35 Tagen im Jahr darf der Grenzwert überschritten werden.

Die Städte, die für die Einhaltung der Grenzwerte verantwortlich sind, haben unter anderem mit Einschränkungen für den Verkehr in den Innenstädten reagiert. Derzeit sind in rund 20 deutschen Städten Umweltzonen geplant, in denen nur schadstoffarme Fahrzeuge mit einer Plakette fahren dürfen. Kritiker bemängeln aber, dass das Problem so nicht gelöst, sondern lediglich in die Randbezirke verlagert werde. Außerdem trägt der Innenstadt-Verkehr nur rund 20 bis 30 Prozent zur Feinstaubbelastung bei.

Quelle: dpa 01.01.2008

 


 


 

ÖPNV kritisiert Klimaschutzprogramm der Bundesregierung

Mi.02.01.08 - Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat der Bundesregierung vorgeworfen, beim Klimaschutz das enorme Potenzial des öffentlichen Nahverkehrs zu vernachlässigen. «Wir sind maßlos enttäuscht», sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Adolf Müller-Hellmann in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Im ehrgeizigen Klimaschutzprogramm der Regierung seien Busse und Bahnen gar nicht erwähnt.

Er schlug vor, die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs mit einem Bonussystem massiv zu fördern: «Jeder Fahrgast, der mit uns fährt, müsste von der Bundesregierung eine Prämie bekommen, weil er signifikant CO2 einspart. Wir müssen einen Mechanismus erfinden, dass die Leute sagen: 'Ich muss wieder ÖPNV fahren, dann krieg ich wieder eine Klimarabattmarke.'» Wer mit Bus und Bahn fahre und das Auto stehen lasse, leiste einen enormen Beitrag zum Klimaschutz.

«Wir können die Mobilität der Menschen mit weniger als einem Drittel der CO2-Emissionen des Individualverkehrs realisieren», sagte Müller-Hellmann. Im morgendlichen Berufsverkehr sei das Verhältnis sogar noch günstiger. «Wenn ein Pendler in einen fast vollen Bus steigt und das Auto stehen lässt, verursacht er nicht einmal ein Zehntel der Emissionen.»

Dank guter PR-Arbeit der Auto-Lobby werde das aber in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. «Dagegen sind die Pkw plötzlich grün gewaschen, obwohl sie in Deutschland im Durchschnitt je gefahrenen Kilometer tatsächlich mindestens 220 bis 240 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.» Der VDV-Geschäftsführer kündigte an, der Busverkehr werde mit technischen Innovationen seine Klimabilanz nochmals deutlich verbessern. Pro Bus und Jahr könnten 4.000 Liter Diesel eingespart werden, wenn wie bei U-Bahnen schon üblich die beim Bremsen freiwerdende Energie gespeichert und beim Anfahren wiedereingesetzt werde.

Dieses Hybrid-System - eine Kombination aus Dieselmotor und Elektroantrieb - werde 2009 erstmals im größeren Maßstab von Verkehrsunternehmen in Deutschland eingesetzt. Es gebe Hinweise, dass die Politik sich an der Anschubfinanzierung beteiligen wolle, sagte Müller-Hellmann. «Dann gehen die Stückzahlen hoch und die Kosten runter.» Mit der neuen Technik «haben wir Einsparmöglichkeiten von 15 bis 25 Prozent Kraftstoff und damit von CO2.»

Viel effizienter für den Klimaschutz wäre es aber, mit Attraktivitätssteigerungen mehr Menschen für den ÖPNV zu gewinnen. Da sei die Bundesregierung gefordert, Schwerpunkte bei den Investitionen zu setzen und Mittel vom Straßenbau umzuschichten. Frankreich etwa habe beschlossen, keine weiteren Autobahnen zu bauen.

Trotz allem sei es den Verkehrsunternehmen gelungen, die Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich um etwa 1,5 Prozent zu steigern. Nach einem Plus von sogar 1,9 Prozent 2006, das Müller-Hellmann unter anderem auf die Fußball-WM zurückführte, lag die Steigerungsrate in diesem Jahr jedoch unter einem Prozent.

(Quelle: ap)
 
 
 
 

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