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Irak am 1379sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
32 Tote bei Selbstmordanschlag auf Beerdigung in Bagdad. Zahl der im
Irak getöteten Zivilpersonen gestiegen
Mi.02.01.08 - Im Osten Bagdads sprengte sich am Dienstag ein
Selbstmordattentäter während der Beisetzung eines
schiitischen Offiziers in die Luft. Dabei kamen nach Polizeiangaben 32
Menschen ums Leben, 34 wurden verletzt. Der Offizier war selbst mit
mindestens 13 weiteren Menschen bei einem Bombenanschlag getötet
worden. In der Provinz Dijala nordöstlich der Hauptstadt wurden am
Dienstag die Leichen eines sunnitischen Polizisten und vier seiner
Familienmitglieder aufgefunden, die kurz zuvor entführt worden
waren. In Bakuba sprengte sich am Montag eine
Selbstmordattentäterin in der Nähe einer Polizeipatrouille in
die Luft. Dabei wurden fünf Polizisten und vier Passanten verletzt.
Trotz neuer Sicherheitsoffensiven ist die Zahl der im Irak
getöteten Zivilpersonen 2007 weiter gestiegen. Die Regierung in
Bagdad vermeldete am Montagabend 16.232 Tote nach 12.371 im Jahr davor.
Des weiteren kamen demnach 432 irakische Soldaten und rund 1.300
Polizisten ums Leben. Die Vergleichszahlen von 2006 betrugen 603 und
1.224.
Im Großen und Ganzen decken sich diese Angaben mit den Erhebungen
der Nachrichtenagentur AP. Danach wurden 2007 insgesamt 18.610 Iraker
getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. Diese Zahl umfasst
sowohl Zivilpersonen als auch Sicherheitskräfte. Die Zahl der
zivilen Opfer entwickelte sich im Jahresverlauf rückläufig
von 2.155 im Mai auf 710 im Dezember.
Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das verlustreichste Jahr seit Beginn des Krieges vor fast
fünf Jahren. Auch hier ging die Opferzahl von Mai bis Dezember
zurück - von 126 auf 21. Insgesamt kamen seit der US-Invasion im
März 2003 mindestens 3.902 US-Soldaten ums Leben.
Den Rückgang in der zweiten Jahreshälfte führen
Beobachter nicht zuletzt auf zwei wesentliche Entwicklungen
zurück: die einseitig verkündete Feuerpause einer
großen schiitischen Miliz und der gemeinsame Kampf sunnitischer
Stämme mit den irakischen und US-Streitkräften gegen
aufständische Extremisten. Die Bildung so genannter
Erweckungsräte aus Sunniten, die sich gegen Al Kaida im Irak
gestellt haben und von den USA für örtliche
Sicherungsaufgaben bezahlt werden, gilt als entscheidender Faktor
für einen Rückgang der Anschläge seit Juni um rund 60
Prozent.
In den Provinzen Anbar, Bagdad und anderen Regionen mit hohem
sunnitischen Bevölkerungsanteil haben sich mehr als 70.000
Menschen diesen Erweckungsräten angeschlossen. Ihre Mitglieder
werden allerdings immer häufiger selbst zur Zielscheibe von
Attentaten. Zwölf von ihnen wurden am Montag bei einem
Selbstmordanschlag auf eine Kontrollstelle in der Stadt Mischada
nördlich von Bagdad getötet.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 02.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Nahost-Konflikt: Israel erlaubt 550 Palästinensern Rückkehr
nach Gaza. - Sieben Tote nach Kämpfen zwischen Hamas und Fatah
Mi.02.01.08 - Israel erlaubt offenbar rund 550 in Ägypten festgehaltenen
Palästinensern die Rückkehr in den Gazastreifen über
Israel: Die Reisedokumente der Palästinenser, die rund vier Monate
in Ägypten festgehalten worden seien, würden beim
Grenzübergang in Rafah abgefertigt, verlautete aus
ägyptischen Sicherheits- und Grenzkontrollkreisen am Dienstag.
Später werde die Gruppe mit dem Bus zu dem von den Israelis
kontrollierten Grenzpunkt Kerem Shalom gebracht. Sie könnten dann
über Erez in Israel in den Gazastreifen zurückkehren.
Über schätzungsweise weitere 1500 Palästinenser, die
heimkehren könnten, verlautete indes nichts. Davon sind rund 1100
Pilger auf dem Rückweg von einer Wallfahrt in Mekka.
Am Montag hatte Israel nach Angaben aus Kreisen 132 Palästinensern
die Rückkehr ermöglicht. Einige von ihnen seien auf
Polizeistationen in Ägypten festgehalten worden, weil sie sich
geweigert hätten, über Israel in den Gazastreifen
zurückzukehren. Israel besteht darauf, dass alle Pilger
israelische Sicherheitskontrollen durchlaufen. Das Land
befürchtet, die Rückkehrer könnten Waffen oder Geld
für die radikal-islamische Hamas bei sich tragen, die den
Gazastreifen unter Kontrolle hat. Einige Pilger waren aus dem
Gazastreifen nach Ägypten gelangt, ohne eine israelische Kontrolle
zu passieren. Auf ihrem Rückweg wollten sie diese Kontrollen
ebenfalls umgehen.
Ein Hamas-Sprecher forderte Ägypten auf, die Pilger direkt in den
Gazastreifen ohne den Umweg über Israel zu lassen. Ägyptens
Staatschef Husni Mubarak sagte indes, er wolle eine Lösung auf
Verhandlungsbasis.
Bei Kämpfen zwischen den Palästinensergruppen Fatah und Hamas
im Gazastreifen sind über den Jahreswechsel sieben Menschen ums
Leben gekommen: Bei den Auseinandersetzungen wurden Krankenhaus-Angaben
vom Dienstag zufolge drei Anhänger der moderaten Fatah von
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas und vier
Unterstützer der islamistischen Hamas getötet. Hintergrund
der Kämpfe waren die Feiern zum 43. Gründungsjubiläum
der Fatah.
Die radikalislamische Hamas hat im Juni die Macht in dem
Küstengebiet übernommen und öffentliche Versammlungen
von Fatah-Anhängern untersagt. Das Verbot war am Montag
offensichtlich unterlaufen worden.
Abbas hatte die radikalislamische Hamas zuvor aufgefordert,
vorgezogenen Neuwahlen zuzustimmen. "Ich verspreche, mein Bestes zu
tun, dass diese Wahlen das Ergebnis einer tiefen und brüderlichen
Verständigung sein werden", sagte er in einer Rede zum
Jubiläum seiner Fatah-Bewegung. Der Präsident hatte die
Abstimmung bereits vorgeschlagen, nachdem die Hamas im Juni die Macht
im Gazastreifen übernahm. Seit Monaten hat er aber nicht mehr
öffentlich über diese Option gesprochen. Die Hamas hat es
abgelehnt, die eigentlich für 2010 geplanten Wahlen vorzuziehen.
Sie begründet ihre Meinung mit Hinweis auf die Verfassung.
(Quelle: rtr)
Opposition in Kenia wirft Regierung Völkermord vor - Fast 300
Menschen bei Unruhen getötet - Anhaltende Proteste gegen Wahlsieg
Kibakis - USA, Großbritannien und EU-Beobachter fordern
Untersuchung der umstrittenen Wahl
Mi.02.01.08 - Kenia wird nach dem umstrittenen Wahlsieg von Amtsinhaber Mwai Kibaki
bei der Präsidentenwahl von einer Welle der Gewalt überrollt.
Den Unruhen fielen bis zum Dienstag fast 300 Menschen zum Opfer.
Westlich der Hauptstadt Nairobi wurde eine Kirche in Brand gesetzt, in
der mehrere hundert Menschen Zuflucht gesucht hatten. Eine
Mitarbeiterin des Roten Kreuzes sagte, mindestens 50 Menschen seien
getötet worden. Der unterlegene Oppositionführer Raila Odinga
warf der Regierung Völkermord vor.
Kibaki richtete angesichts der Unruhen einen Appell an die politischen
Parteien des Landes. Diese sollten sich unverzüglich treffen und
öffentlich zur Ruhe aufrufen, erklärte Kibaki. Er hatte sich
am Sonntag unmittelbar nach Verkündigung seines knappen Wahlsiegs
mit einem Vorsprung von 231.728 Stimmen für eine zweite Amtszeit
vereidigen lassen. Odinga will das Wahlergebnis nicht anerkennen.
Die EU und die USA lehnten es ab, Kibaki zu seiner Wiederwahl zu
gratulieren. Während Odinga zum Verlierer der Präsidentenwahl
vom vergangenen Donnerstag erklärt wurde, gewann seine Partei bei
der gleichzeitigen Parlamentswahl die meisten Stimmen.
Aufgebrachte Anhänger der Opposition lieferten sich
Straßenschlachten mit der Polizei und griffen Angehörige vom
Stamm der Kikuyu an. Zu dieser größten
Bevölkerungsgruppe gehört auch Kibaki. Am Neujahrstag flauten
die schweren Unruhen nach vier Tagen etwas ab. Aus den Elenssiedlungen
am Rande der Hauptstadt wurden noch vereinzelte
Zusammenstöße gemeldet. Ansonsten glich Nairobi am Dienstag
einer Geisterstadt. Mehr als 33.000 Menschen wurden nach Polizeiangaben
im ganzen Land aus ihren Häusern vertrieben. Wegen
Plünderungen und der Zerstörung von Geschäften wurden
Nahrungsmittel knapp.
Kibaki kündigte in seiner Neujahrsbotschaft ein entschiedenes
Vorgehen gegen Unruhestifter an. Odinga bezeichnete den
Präsidenten als einen Militärherrscher, der nur noch mit der
Gewalt der Gewehre regiere. Für Donnerstag kündigte der
Oppositionsführer eine Demonstration mit einer Million Teilnehmern
an: «Wir werden mit schwarzen Armbändern marschieren, weil
wir trauern.» Ein Polizeisprecher sagte, dass es für eine
Kundgebung im Uhuru-Park von Nairobi keine Genehmigung gebe.
Die USA, Großbritannien und EU-Wahlbeobachter haben eine
Untersuchung der umstrittenen Wahl in Nairobi gefordert.
Der Streit um das Ergebnis sollte im Rahmen der Verfassung und der
Gesetze gelöst werden, hieß es am Montag aus Washington. Ein
Sprecher der britischen Regierung forderte die Regierung und die
Opposition auf, zum Wohle des Volkes zusammenzuarbeiten.
Die EU-Wahlbeobachter in Kenia haben sich für eine
unabhängige Untersuchung des Ergebnisses der umstrittenen
Präsidentenwahl in Kenia ausgesprochen. Bei der
Stimmenauszählung sei es zu «schweren Anomalien»
gekommen, sagte Alexander Graf Lambsdorff, der deutsche Leiter der
Beobachtermission, in Nairobi. Amtsinhaber Mwai Kibaki hatte sich zum
Wahlsieger erklärt.
Oppositionskandidat Raila Odinga wies das Wahlergebnis als
gefälscht zurück und forderte eine Neuauszählung.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief Regierung
und Opposition in Kenia dazu auf, eine friedliche Lösung des
Konflikts auf dem Boden der geltenden Verfassung zu finden.
«Weitere Gewalt muss unter allen Umständen vermieden
werden», sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin. Die
«offenkundigen Unstimmigkeiten bei der Wahl» bedürften
der Aufklärung.
«Die Wahlen haben internationale und regionale Standards für
demokratische Wahlen nicht erfüllt», resümierte der
deutsche Leiter der EU-Beobachterdelegation, Alexander Graf Lambsdorff.
Vier von 22 Mitgliedern der Wahlkommission forderten eine
unabhängige Überprüfung der Ergebnisse. Es seien
gewichtige Einwände vorgebracht worden, sagte Jack Tumwa der
Nachrichtenagentur AP. Die Wahlkommission könne sich aber nicht
selbst untersuchen, so dass eine externe Prüfung erforderlich sei.
Der Konflikt ist auch Ausdruck tiefer ethnischer Ressentiments. Odinga
gehört dem Stamm der Luo an, der sich in Kenia lange Zeit als
unterdrückt empfand. Kibaki hingegen ist ein Kikuyu - dieser
größte Stamm in Kenia dominiert Politik und Wirtschaft seit
der Unabhängigkeit im Jahr 1963.
boa (Quellen: dpa, ap, rtr)
18 Tote bei Angriffen mutmaßlicher Rebellen in Nigeria
Mi.02.01.08 - Bei einer Serie von Angriffen mutmaßlicher Rebellen auf die
nigerianische Ölhafenstadt Port Harcourt sind am Dienstag 18
Menschen getötet worden.
Die Bewaffneten hätten zwei Polizeistationen, einen Nachtclub und
ein Luxushotel attackiert, teilte die Polizei mit. Bei den Toten handle
es sich vor allem um Polizisten, Zivilisten und einige Angreifer. In
Port Harcourt war mit dem Gegenschlag des dort bekannten
Milizführers Ateke Tom gerechnet worden, nachdem das Militär
kürzlich vermutete Verstecke seiner Anhänger nahe der
Metropole im Niger-Delta bombardiert hatte.
Vier Polizisten starben bei der Attacke auf zwei Polizeistationen,
sagte eine Sprecherin. Nahe einer Polizeiwache gerieten Zivilisten ins
Kreuzfeuer - sieben von ihnen wurden getötet. In dem Nachtclub
"Skippers" tötete die Polizei eigenen Angaben zufolge sechs
Rebellen.
Zudem kam ein Wachmann kam zu Tode, als die Angreifer in der Lobby des
"Presidential Hotel" das Feuer eröffneten. Das teilte ein
Polizeikommissar der staatlichen nigerianischen Nachrichtenagentur
zufolge mit. In den Wänden des Hoteleingangs waren
Einschusslöcher zu sehen. Nahe des Hotels wurden mehrere weitere
Zivilisten von Irrläufern verletzt. Die Opfer kehrten Augenzeugen
zufolge am Neujahrstag aus der Mitternachtsmesse zurück, als sie
in den Kugelhagel gerieten.
Im Niger-Delta kämpfen mehrere bewaffnete Gruppen für eine
größere Beteiligung an den Einnahmen aus der
Ölförderung, Schadensersatz für die Verschmutzung durch
ausgelaufenes Öl und für mehr Autonomie. Die Gruppen
beschädigen immer wieder Ölanlagen und entführen
ausländische Arbeiter, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.
(Quelle: rtr)
Gemeinsame Friedensmission von UN und AU in Darfur begonnen
Mi.02.01.08 - Mit der Übergabe der Befehlsgewalt hat die gemeinsame
Friedensmission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union (AU)
in der sudanesischen Krisenregion Darfur begonnen. Der Kommandeur der
bisherigen AU-Truppe, General Martin Agwai, tauschte am Montag in der
Stadt El Fascher die grüne Kopfbedeckung der AU-Uniform gegen die
blaue der UN ein. Das Kontingent der neuen Mission UNAMID ist vorerst
allerdings kaum größer als das des weitgehend wirkungslosen
AU-Einsatzes.
Nach UN-Angaben dürfte es noch Monate dauern, bis die
Friedenstruppe ihre geplante Stärke von 26.000 Mann erreicht.
Zurzeit besteht sie lediglich aus den 7.000 Soldaten der bisherigen
AU-Einheit plus 800 UN-Mitarbeitern und 1.200 Polizisten. Auch die
Ausrüstung lässt zu wünschen übrig. Westliche
Staaten haben die zugesagten Hubschrauber und Militärfahrzeuge
noch nicht geliefert. Ein Erfolg von UNAMID gilt jedoch als wesentlich,
um die Gewalt in Darfur einzudämmen.
In der westsudanesischen Region kämpfen mehrere Rebellengruppen
gegen die arabische Reitermiliz der Dschandschawid und die islamische
Regierung in Khartum. Dem seit fast fünf Jahren anhaltenden
Konflikt sind schon 200.000 Menschen zum Opfer gefallen, etwa 2,5
Millionen wurden zu Flüchtlingen. Die Friedensmission hat sich
immer wieder verzögert, weil der sudanesische Präsident Omar
el Baschir ständig neue Vorbehalte gegen UN-Soldaten auf seinem
Territorium vorbrachte.
In Khartum wurde am Dienstag ein US-Diplomat erschossen. Der
Mitarbeiter der Behörde für Internationale Entwicklung sei
gemeinsam mit seinem Fahrer im Auto unterwegs gewesen, sagte ein
Sprecher der US-Botschaft. Das sudanesische Innenministerium
erklärte, der Diplomat habe fünf Schusswunden erlitten. Er
wurde ins Krankenhaus gebracht und erlag dort seinen Verletzungen. Die
amtliche Nachrichtenagentur SUNA berichtete unter Berufung auf das
Außenministerium in Khartum, die Tat habe keinen politischen
Hintergrund. Die US-Botschaft erklärte dagegen, es sei noch zu
früh, um ein politisches Attentat auszuschließen.
US-Präsident George W. Bush unterzeichnete derweil ein Gesetz, das
einzelnen US-Staaten und Städten den Abbruch von Investitionen im
Sudan ermöglicht. Begründet wird dies mit der anhaltenden
Gewalt in Darfur. Das vom Kongress verabschiedete Gesetz erlaubt es,
Investitionen in Unternehmen rückgängig zu machen, die an der
Ölproduktion, der Energiegewinnung, im Bergbau oder an
Rüstungsgeschäften mit dem Sudan beteiligt sind.
(Quelle: ap)
Parlamentswahl in Pakistan wird um einen Monat verschoben
Mi.02.01.08 - Nach dem Attentat auf die pakistanische Oppositionsführerin
Benazir Bhutto wird die geplante Parlamentswahl um einen Monat
verschoben. Aus Kreisen der Wahlkommission verlautete am Dienstag, das
Gremium habe ein neues Datum festgelegt. Ein Gewährsmann deutete
an, abgestimmt werde nicht vor der zweiten Februarwoche. Weitere
Einzelheiten wollte er vor der offiziellen Verkündigung am
(heutigen) Mittwoch nicht nennen. Die Opposition kündigte Proteste
für den Fall einer Verschiebung an.
Sollte die Regierung die für Dienstag nächster Woche geplante
Abstimmung tatsächlich verschieben, werde seine Partei zu
Massenprotesten aufrufen, sagte der ehemalige Ministerpräsident
Nawaz Sharif von der Muslimliga (PML-N) und fügte hinzu:
«Wir werden diese Verschiebung nicht akzeptieren.» Die
Pakistanische Volkspartei (PPP) der ermordeten Bhutto warf
Präsident Pervez Musharraf vor, er wolle die Wahl nur deshalb
verschieben, damit sich die Empörung über den Mordanschlag in
der vergangenen Woche abkühle.
Ein Sprecher der Wahlkommission sagte am Dienstag in Islamabad, es sei
unmöglich, den Termin am 8. Januar noch einzuhalten. So seien bei
den Unruhen im Anschluss an den Mordanschlag die Büros der
Kommission in zehn Bezirken der Provinz Sindh in Brand gesetzt worden.
Dabei seien zum Teil auch wichtige Wahlunterlagen zerstört worden,
die erst erneuert werden müssten. Vor einer endgültigen
Entscheidung seien aber noch Beratungen mit den Parteien notwendig,
sagte Kommissionssprecher Kanwar Dilshad.
Unterdessen wurde über das Attentat neues Videomaterial
veröffentlicht, das Zweifel an der Regierungsversion über den
Tathergang aufkommen ließ. Der Film, der dem britischen
Fernsehsender Channel 4 vorliegt, zeigt einen Mann, der aus
nächster Nähe aus einer Handfeuerwaffe Schüsse auf
Bhutto in ihrem offenen Wagen abgibt. Sie bewegt sich ruckartig nach
oben, was deutlich an ihrem Haar und ihrem Schal zu sehen ist und
darauf schließen lässt, dass sie getroffen wurde. Dann
fällt sie in sich zusammen, und unmittelbar darauf wird ihr
Fahrzeug von einer gewaltigen Explosion erschüttert. Die Regierung
hat mitgeteilt, Bhutto sei nicht von Kugeln getroffen worden.
Ein Berater der Politikerin teilte am Dienstag mit, Bhutto habe sich am
Abend ihres Todestages mit Abgeordneten aus den USA treffen wollen, um
ihnen ein Dossier über Vorbereitungen auf Wahlfälschungen zu
übergeben. Der PPP-Abgeordnete Latif Khosa sagte, er habe den
160-seitigen Bericht selbst erstellt. Bhutto habe ihn persönlich
Senator Arlen Specter und dem Abgeordneten Patrick Kennedy
übergeben wollen. Khosa warf der Wahlkommission unter anderem vor,
absichtlich drei Millionen Wahlberechtigte nicht in das
Wählerregister aufgenommen zu haben.
Unterdessen traf der neue Vorsitzende der PPP, der 19-jährige Sohn
von Benazir Bhutto, wieder in Dubai ein. Bilawal Bhutto Zardari wurde
auf dem Flug in die Vereinigten Arabischen Emirate von seinen zwei
Schwestern begleitet. Der Student der Oxford University will den
Vorsitz nur in seinen repräsentativen Aufgaben übernehmen,
die politische Leitung liegt offenbar bei Asif Ali Zardari, dem Witwer
von Bhutto.
An der pakistanischen Börse führte die politische
Unsicherheit nach der Ermordung Bhuttos zu hohen Kursverlusten. Der
Karachi 100 Stock Index brach am Montag um 4,7 Prozent ein. Es war
einer der größten Tagesverluste in der Geschichte der
Börse.
(Quelle: ap)
Lockheed Martin liefert F-16 US-Kampfflugzeuge an Pakistan
Mi.02.01.08 - Lockheed Martin hat vom US-Verteidigungsministerium den Auftrag
erhalten, 18 F-16 Kampfflugzeuge an Pakistan zu liefern.
Dies teilte das Ministerium am Montag mit. Das Geschäft hat einen
Umfang von etwa 500 Millionen Dollar. Ein Liefertermin wurde nicht
angegeben. Die USA will Pakistan bis zu 36 Kampfflugzeuge dieses Typs
liefern. Demokratische Kongressabgeordnete hatten zuletzt gefordert,
einige Rüstungslieferungen zu stoppen, bis der Verbündete die
Notstandsgesetze wieder aufhebt. Seit 2001 hat Pakistan etwa zehn
Milliarden Dollar Unterstützung von den USA erhalten.
(Quelle: rtr)
Oppositionspolitiker in Sri Lanka ermordet - Mehrere Tote bei
Kämpfen im Norden des Landes
Mi.02.01.08 - Ein tamilischer Oppositionspolitiker in Sri Lanka ist während
eines hinduistischen Neujahrsgottesdienstes nahe der Hauptstadt Colombo
erschossen worden. Thyagaraja Maheswaran hatte paramilitärischen
Regierungseinheiten in einem Fernsehinterview Entführungen,
Erpressungen und Morde von Tamilen auf der nördlichen Halbinsel
Jaffna vorgeworfen und die Bekanntgabe von Namen angekündigt. Bei
dem Attentat wurde noch eine weitere Person getötet, etwa zehn
Menschen wurden verletzt, darunter auch der mutmaßliche
Schütze.
Die Vereinigte Nationalpartei, der Maheswaran angehörte, machte
die Regierung für den Mord an dem Politiker verantwortlich, weil
sie die Zahl seiner Leibwächter unlängst von zehn auf zwei
verringert habe. Ein Präsidentensprecher wies dies zurück.
Unterdessen gingen die Kämpfe im Norden Sri Lankas weiter, wo die
Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) de facto ein eigenes Staatswesen
errichtet haben. Dabei wurden nach Militärangaben vom Montag
abermals neun tamilische Rebellen und zwei Regierungssoldaten
getötet. Die Tamilen kämpfen für einen eigenen Staat im
Norden und Osten der Insel Ceylon. Der Bürgerkrieg, dem schon mehr
als 70.000 Menschen zum Opfer fielen, begann 1983 nach jahrzehntelanger
Diskriminierung der tamilischen Minderheit.
(Quelle: ap)
Interkulturelles Zentrum im Iran geschlossen
Mi.02.01.08 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat zum
Jahreswechsel ein Institut geschlossen, das den Austausch der Kulturen
fördern sollte. Das Internationale Zentrum für den Dialog der
Zivilisationen wurde 1999 vom damaligen reformorientierten
Präsidenten Mohammad Chatami gegründet. Das Institut sollte
ein Gegengewicht schaffen zu der vor allem in den USA einflussreichen
Theorie vom «Clash of Cultures», die auf ein 1996
erschienenes Buch von Samuel Huntington zurückgeht.
Ahmadinedschad gab am vergangenen Sonntag ein Dekret heraus, wonach das
Institut in einem neu gegründeten Nationalen Zentrum für
Globalisierungsstudien aufgeht. Das Institut hatte seine Arbeit bereits
nach dem Antsantritt von Ahmadinedschad im Jahr 2005 weitgehend
eingestellt. Die jetzt verfügte Schließung gilt als Signal an
die Reformer um Chatami, der sich nach langem Schweigen kürzlich
kritisch über die Regierung Ahmadinedschads geäußert hat
(Quelle: ap)
Japan übernimmt von Deutschland G-8-Vorsitz
Mi.02.01.08 - Japan hat am Dienstag von Deutschland für ein Jahr den Vorsitz der
Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8)
übernommen. Das während der Präsidentschaft übliche
Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs will Japan an einem
abgelegenen See in einem Nationalpark im Westen der japanischen
Hauptinsel Hokkaido abhalten. Bei dem Treffen im Juli in Toyako soll es
vor allem um den Klimaschutz gehen.
Japan wolle die "weltweiten Diskussionen" zum Wohle künftiger
Generationen vorantreiben, sagte Regierungschef Yasuo Fukuda in seiner
Neujahrsansprache. Als weitere Schwerpunkte ihrer Präsidentschaft
nannte die Regierung in Tokio die globale Wirtschaft und Sicherheit
sowie die Entwicklung Afrikas.
Unter deutschem Vorsitz hatten sich die Staats- und Regierungschefs im
vergangenen Sommer Heiligendamm an der Ostsee getroffen. Auch dabei war
der Klimaschutz das wichtigste Thema. Eine Verpflichtung auf Ziele zum
CO2-Abbau gab es aber nicht. Den G-8 gehören neben Japan und
Deutschland die USA, Kanada, Italien, Großbritannien, Frankreich
und Russland an. China hat gewöhnlich einen Gaststatus.
(Quelle: afp)
Auch Zypern und Malta zahlen jetzt mit dem Euro
Mi.02.01.08 - Die Europäische Union hat zwei neue Euro-Länder: Die
Mittelmeerinseln Zypern und Malta, die zusammen etwa 1,2 Millionen
Einwohner haben, sind das 14. und 15. Land der EU, in denen der Euro als
Zahlungsmittel gilt. Auf Zypern fiel der Startschuss für die neue
Währung am Montag um 23.00 Uhr MEZ, Malta folgte gestern um
Mitternacht. Slowenien übernahm als erstes osteuropäisches
Land die EU-Ratspräsidentschaft. Gestern um Mitternacht
übergab der portugiesische Außenminister und amtierende
EU-Ratspräsident Luis Amado in Madeira das Amt an seinen
slowenischen Kollegen Dimitrij Rupel.
Mit dem Beitritt Zyperns und Maltas zur Euro-Zone leben damit insgesamt
rund 318 Millionen Menschen in dem Gebiet der Gemeinschaftswährung.
Obwohl die Inseln, die einst zu Großbritannien gehörten, nur
0,17 Prozent (Zypern) und 0,06 Prozent (Malta) des
Bruttoinlandsprodukts der Eurozone ausmachen, erforderte die
Übernahme der Währung doch die Ausgabe von 100 Millionen Euro
in Scheinen sowie mehr als 500 Millionen Münzen, wie die
Zentralbanken mitteilten. Die beiden Inselstaaten sind seit knapp vier
Jahren EU-Mitglieder.
Nach den Erfahrungen auf dem europäischen Festland 2002 wurde die
Euro-Einführung auf Malta und Zypern von "Teuro"-Furcht begleitet.
Fast drei Viertel der Zyprer und zwei Drittel der Malteser rechneten mit
Preissteigerungen bei der Umstellung von Pfund und Lira, wie die
EU-Kommission Ende November in ihrem Abschlussbericht zum Stand der
Vorbereitungen erklärte. In Deutschland hatten vor allem
Restaurants und Dienstleister die Euro-Einführung 2002 zu
Preisaufschlägen genutzt.
Zum Euro-Start hoben die Regierungschefs beider Inselstaaten die
Vorzüge der neuen Währung hervor. Beide EU-Länder setzen
auf eine größere Attraktivität bei Investoren und hoffen
auf einen Schub für Wirtschaft und Tourismus.
"2008 wird ein entscheidendes Jahr", sagte der slowenische
Außenminister Rupel nach der Übernahme der
EU-Ratspräsidentschaft. Vor der EU liege "eine Offensive" der
Freundschaft, des Dialogs und der Solidarität. "Die
EU-Präsidentschaft zieht vom Atlantik zum Mittelmeer, an die
slowenische Adria, von West nach Ost", fügte er hinzu. Slowenien
hält die Präsidentschaft für die ersten sechs Monate des
Jahres, im zweiten Halbjahr übernimmt Frankreich.
(Quelle: afp)
Millionen Menschen feiern neues Jahr mit Musik und Feuerwerk
Mi.02.01.08 - Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben den Jahreswechsel
gefeiert. In Berlin zog es am Montag rund eine Million Menschen an die
Partymeile vom Brandenburger Tor bis zum Großen Stern. In New
York, wo die berühmte leuchtende Kugel am Times Square zum
hundertsten Mal den Countdown bis 00.00 Uhr begleitete, feierten
Hunderttausende Menschen. 50.000 Moskowiter lauschten auf dem Roten
Platz in der russischen Hauptstadt den Kreml-Glocken, die das Jahr 2008
einläuteten. Im Irak wagten sich die Einwohner Bagdads nach
draußen und sangen und tanzten in den Straßen.
Das erste Riesenfeuerwerk zur Begrüßung des neuen Jahres gab
es in Sydney, wo der Jahreswechsel schon um 14.00 Uhr MEZ eintrat. Mehr
als eine Million Menschen kamen dort zusammen, um einem Riesenfeuerwerk
am Hafen beizuwohnen. Das nach Angaben der Veranstalter
größte Feuerwerk der Geschichte wurde von zwölf
Computern gesteuert. Auch in mehreren Metropolen Asiens versammelten
sich Hunderttausende, um das neue Jahr zu begrüßen. Lediglich
in Japan war die Feierlaune durch schlechtes Wetter getrübt. 71
Flüge wurden wegen Schneefällen abgesagt, rund 7000
Passagiere saßen dadurch an den Flughäfen fest.
In Berlin zog es rund eine Million Menschen an die Partymeile.
Berichte, wonach die Strecke wegen Überfüllung zeitweise
für neue Besucher gesperrt werden musste, wies ein Polizeisprecher
zurück. Vielmehr seien die Zugänge schrittweise vom
Brandenburger Tor bis hin zum Großen Stern verlagert worden, um
die Menschenmenge besser zu verteilen. "Dann konnte man vielleicht nicht
an seinem gewohnten Eingang hinein, sondern nur an einer anderen
Stelle", sagte ein Sprecher der Berliner Polizeidirektion.
Auch die Prachtstraße der französischen Hauptstadt Paris,
die Champs-Elysées, war mit feiernden Menschen völlig
überfüllt. Rund 400.000 Franzosen und ausländische
Touristen kamen nach Angaben der Polizei zusammen.
In Bagdad, das fast täglich von blutigen Anschlägen
erschüttert wird, kam zum ersten Mal seit dem US-geführten
Einmarsch von 2003 eine große Menschenmenge zusammen. Viele junge
Menschen, aber auch Familien feierten dort den Jahreswechsel . Die
Polizei hatte die Zufahrtstraßen zur Innenstadt aus
Sicherheitsgründen abgesperrt.
(Quelle: afp)
Deutschland
Ruf nach Gerechtigkeit
Mi.02.01.08 - Gewerkschaften und Sozialdemokraten haben über den Jahreswechsel
eine Politik für mehr Gerechtigkeit in Deutschland angemahnt. Der
Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus
Schmoldt, forderte die Bundesregierung zu einem «sozial
ausbalancierten Kurs» im neuen Jahr auf.
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) beklagte:
«Dieses Deutschland ist reich, aber es ist nicht sehr
gerecht.»
Schmoldt verlangte unter anderem Regelungen gegen den Missbrauch der
Leiharbeit. Notwendig sei eine gesetzliche Initiative, die dem Grundsatz
«Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» Geltung verschaffe.
Die Einzelheiten könnten dann tarifvertraglich geregelt werden.
Außerdem müsse mehr gegen strukturelle Arbeitslosigkeit
getan und jenen Menschen geholfen werden, «die einfache
Tätigkeiten verrichten und an denen der konjunkturelle Aufschwung
vorbei geht». Schmoldt erneuerte daher den Gewerkschaftsvorschlag
für einen Kombilohn. Auch über die Rente mit 67 sei das letzte
Wort sicher noch nicht gesprochen. Zwar wäre es eine Illusion zu
glauben, die Politik nähme die Maßnahme wieder zurück.
Es gebe jedoch noch Spielraum bei der Ausgestaltung des Übergangs
in den Ruhestand.
Thierse verteidigte die Gerechtigkeitsdebatte, die vor allem über
die Stichworte Mindestlöhne und Managergehälter geführt
wird. «Ich glaube, wir brauchen das», sagte der
SPD-Politiker. Es gebe eine «beträchtliche Minderheit der
Deutschen, denen es nicht gut geht», etwa Arbeitslose,
«Hartz IV»-Empfänger und Rentner mit niedrigem
Einkommen. «Deswegen muss die Anstrengung des kommenden Jahres
sein, Politik so zu machen, dass mehr von dem wirtschaftlichen
Aufschwung profitieren, dass schlicht mehr Gerechtigkeit in unserem Land
herrscht», mahnte Thierse.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
(CDU) sagte, wirtschaftlicher Erfolg sei nur möglich, wenn es fair
und gerecht zugehe in der Gesellschaft. Seine Partei sieht der
stellvertretende Bundesvorsitzende wieder auf dem richtigen Kurs.
Rüttgers lobte die Abkehr der CDU von «neoliberalen
Lebenslügen» und "eine Rückkehr zu den Grundsätzen
der sozialen Marktwirtschaft». Rüttgers sprach sich zugleich
für eine Generalüberprüfung der «Hartz
IV»-Reformen aus.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte in ihrer Neujahrsansprache
vor einer Reformpause. «Wir dürfen uns trotz aller Erfolge
keinesfalls zurücklehnen», sagte Merkel. Sie verwies zur
Begründung auf die Risiken für die Konjunktur insbesondere
durch weltweite Einflüsse. Der Erhalt bestehender und die Schaffung
neuer Arbeitsplätze bleibe der Maßstab des politischen
Handelns, sagte Merkel.
(Quelle: ddp)
Wirtschaftsweiser Rürup fordert staatliche Mindestrente
Mi.02.01.08 - Der Wirtschaftsweise Bert Rürup plädiert für die
Einführung einer steuerfinanzierten Sockelrente: Wer 35
Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung nachweise, der
solle im Alter auf jeden Fall "eine Rente geringfügig über
dem Niveau der Grundsicherung" von etwa 660 Euro im Monat erhalten,
sagte er dem "Handelsblatt" vom Mittwoch laut Vorabbericht. Niedrige
Rentenansprüche müssten aus Steuermitteln aufgestockt werden,
verlangte der Chef des Sachverständigenrats zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Lage. Sonstige Einkünfte, etwa aus einem
Riester-Sparvertrag, dürften nicht länger verrechnet werden.
Weil die Grundsicherung nicht höher als die Sozialhilfe sei und
mit anderen Einkünften verrechnet werde, gebe es für
Geringverdiener keinerlei Anreize zur Eigenvorsorge, sagte Rürup
zur Begründung. "Wenn jemand damit rechnet, im Alter auf die
Grundsicherung angewiesen zu sein, ist es individuell durchaus
rational, nicht privat vorzusorgen." Bei der Sockelrente würde
hingegen auf die Bedürftigkeitsprüfung verzichtet. Die Kosten
des Modells, das sich an der 2003 in Schweden eingeführten
Garantierente orientiert, lassen sich laut Rürup derzeit noch
nicht beziffern.
(Quelle: rtr)
Koalition streitet über Erziehungscamps und Warnarrest
Mi.02.01.08 - Die Forderung der Union nach Erziehungscamps und Warnarresten für
jugendliche Straftäter sorgt für heftigen Streit in der
Koalition: Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach wies die Kritik von
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) an einer solchen
Verschärfung des Jugendstrafrechts entschieden zurück. "Es
geht bei den vorgeschlagenen Erziehungscamps nicht um Einrichtungen, wo
unter menschenunwürdigen Umständen der Wille junger
Straftäter gebrochen wird, sondern es geht darum, dass sie aus
ihrem kriminellen Milieu herausgeholt werden", sagte Bosbach am
Dienstag zu Reuters. Das Bundesjustizministerium erklärte dagegen,
so genannte "boot camps", "in denen Jugendliche erniedrigt und gedrillt
werden," seien mit der Menschenwürde nicht vereinbar. Sie
bewirkten nichts und könnten sogar kontraproduktiv sein.
Auslöser der Debatte ist der Überfall auf einen Rentner in
München kurz vor Weihnachten, bei dem die beiden
mutmaßlichen Täter, ein 20-jähriger Türke und ein
17 Jahre alter Grieche, das Opfer fast zu Tode geprügelt hatten.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hatte daraufhin ein
härteres Vorgehen gegen kriminelle Ausländer und eine
verstärkte Anwendung des Erwachsenenstrafrechts gefordert. SPD,
Grüne und FDP warfen ihm daraufhin Populismus vor, während
sich die Unions-Spitze hinter Koch versammelte. Unions-Fraktionschef
Volker Kauder hatte sich in diesem Zusammenhang dafür
ausgesprochen, junge Täter auch bei einer Bewährungsstrafe in
kurzfristigen Warnarrest zu nehmen. Für harte Fälle
müssten Erziehungscamps eingerichtet werden.
Bosbach sagte, von menschenunwürdigen Einrichtungen könne bei
solchen Camps keine Rede sein. Es gehe unter anderem darum, dass die
Täter lernten, einen fest strukturierten Tagesablauf und Regeln
einzuhalten, "ohne die sie ansonsten nicht resozialisiert werden
können".
Der CDU-Innenexperte monierte zudem, viele junge Straftäter
empfänden eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe oft
nicht als Bestrafung. Ein zusätzlicher Arrest von vier bis sechs
oder acht Wochen könne eine heilsame Wirkung haben. "Der junge
Mensch soll spüren, was der Verlust der Freiheit für ihn ganz
persönlich bedeutet", unterstrich Bosbach. Der
niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sagte,
durch einen Warnarrest werde dem Jugendlichen der Ernst der Lage
spürbar vor Augen geführt. Das Bundesjustizministerium
betonte dagegen, ein "Warnschussarrest" sei kriminologischen Studien
zufolge kontraproduktiv. Durch einen "Schnupper-Knast" ließen
sich die Straffälligen nicht beeindrucken. Die Statistik belege,
dass Jugendliche nach einer Haft häufiger rückfällig
würden.
Wulff schloss sich der Forderung Kochs an, bei Heranwachsenden zwischen
18 und 21 Jahren häufiger das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden und
einen höheren Strafrahmen zuzulassen. Die Politik müsse alles
tun, damit es gar nicht zu Gewalttaten komme, sagte der CDU-Politiker
der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Notwendig sei eine bessere
Verzahnung von Integration, Prävention und Repression. Sowohl in
Hessen wie auch in Niedersachsen finde Ende Januar Landtagswahlen statt.
Vehemente Forderungen nach einem härteren Vorgehen kommen aus
Bayern. Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sprach sich
dafür aus, für straffällige junge Ausländer "jede
Chance zur Ausweisung" zu nutzen. Justizministerin Beate Merk sagte,
die Höchststrafe im Jugendstrafrecht müsse von 10 auf 15
Jahre angehoben werden.
(Quelle: rtr)
Rechte attackieren afghanische Familie
Mi.02.01.08 - Eine Gruppe, deren Mitglieder nach Polizeiangaben offensichtlich der
rechten Szene angehören, hat in der Neujahrsnacht in
Berlin-Lichtenberg eine fünfköpfige afghanische Familie
angegriffen. Die 15 Schläger hätten sie gegen 1.15 Uhr in der
Weitlingstraße attackiert und ausländerfeindliche Parolen
skandiert, teilte ein Polizeisprecher am Dienstag mit. Die Familie
konnte in ihre Wohnung flüchten.
Verletzt wurde niemand. Die Angreifer beschädigten aber nach
Polizeiangaben den Hauseingang und Fensterscheiben der Wohnung der
Familie. Anschließend flüchteten sie. Der Staatsschutz
ermittelt wegen schweren Landfriedensbruchs.
Der Kiez um die Weitlingstraße wird zu den Hochburgen der rechten
Szene in Berlin gezählt. Dort gab es in den vergangenen Jahren
immer wieder Übergriffe auf Migranten und Linke. Zu den Opfern
gehörte unter anderen der kurdischstämmige Linke-Abgeordnete
Giyasettin Sayan, der im Frühjahr 2006 nach eigenen Angaben von
Rechten überfallen und verletzt wurde. Er lag mehrere Tage im
Krankenhaus.
(Quelle: ddp)
In ersten deutschen Städten gelten Umweltzonen
Mi.02.01.08 - Seit dem Jahreswechsel gelten in den ersten deutschen Städten so
genannte Umweltzonen. In Berlin, Köln und Hannover dürfen nur
noch Autos in die Innenstadt, die bestimmte Umweltstandards
erfüllen. Das Fahren im Zentrum ist dort nur noch mit einer
Plakette möglich, die gekauft werden muss. Während diese
für Benziner mit Katalysator recht leicht erhältlich ist,
gelten für Diesel-Pkws unterschiedliche Abstufungen je nach
Schadstoffausstoß. Durch die Umweltzonen soll der Schutz vor
Feinstaub erhöht werden.
Rund 20 weitere Städte wollen in den kommenden Monaten solche
Zonen einführen. Eine Liste der Städte findet sich auf der
Internetseite des Umweltbundesamts. Die Umweltzonen werden mit
Schildern gekennzeichnet. Ein darunter angebrachtes Zusatzschild
informiert darüber, welche Plaketten nötig sind, um die Zone
zu befahren. Die Plaketten können für fünf bis zehn Euro
bei Zulassungsstelle, Tüv oder Dekra gekauft werden. Welche
Plakette für das jeweilige Auto notwendig ist, ergibt sich aus der
Emissionsschlüsselnummer in den Fahrzeugpapieren.
Autofahrer müssen sich im neuen Jahr außerdem auf
höhere Bußgelder einstellen. Für Raser, Drängler
und Fahrer mit Alkohol oder Drogen im Blut wird es ab dem Frühjahr
teurer. Wer in der Stadt mehr als 25 Kilometer pro Stunde zu schnell
ertappt wird, zahlt statt bisher 60 Euro nunmehr 100 Euro. Wer mit mehr
als 0,5 Promille am Steuer erwischt wird, muss künftig doppelt so
viel zahlen: Beim ersten Mal werden 500 Euro fällig, im
Wiederholungsfall bis zu 1500 Euro.
Der Präsident des Umweltbundesamts, Andreas Troge, rechtfertigte
die Fahrverbote zum Schutz vor Feinstaub. Niemand habe das Recht, "die
Gesundheit anderer vorsätzlich oder fahrlässig zu
gefährden", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Durch ein
Fahrverbot für alte Dieselfahrzeuge ohne entsprechenden
Schadstofffilter könne innerhalb der Umweltzonen die
Feinstaub-Belastung für die Bewohner um bis zu zehn Prozent sinken.
Es sei jedoch ein Bündel von Maßnahmen nötig, "um das
Risiko wirklich zu verringern und nicht nur zu verlagern", sagte Troge.
Dazu zähle auch der "effizientere Einsatz von moderner Technik"
und erneuerbaren Energien in europäischen Industrieanlagen.
(Quelle: afp)
Hintergrund: Feinstaub
Die feinen Staubpartikel in der Großstadtluft stammen vor allem
aus Dieselruß, Heizungen und Industrieanlagen. Die Staubteile sind
so klein, dass sie in Nase und Rachen nicht hängen bleiben, sondern
ungehindert in die Lunge gelangen.
Dort können sie Entzündungen, Asthma und sogar Krebs
auslösen. Laut einer EU-Studie sterben europaweit jährlich
rund 310 000 Menschen an den Folgen von Feinstaub - davon 65 000 in
Deutschland.
Seit 2005 sollen laut einer EU-Richtlinie in einem Kubikmeter Luft
höchstens 50 Mikrogramm sogenannter «PM 10»-Partikel
vorkommen. Das sind Teilchen mit einem Durchmesser von weniger als 10
Mikrometern (0,01 Millimetern). An höchstens 35 Tagen im Jahr darf
der Grenzwert überschritten werden.
Die Städte, die für die Einhaltung der Grenzwerte
verantwortlich sind, haben unter anderem mit Einschränkungen
für den Verkehr in den Innenstädten reagiert. Derzeit sind in
rund 20 deutschen Städten Umweltzonen geplant, in denen nur
schadstoffarme Fahrzeuge mit einer Plakette fahren dürfen. Kritiker
bemängeln aber, dass das Problem so nicht gelöst, sondern
lediglich in die Randbezirke verlagert werde. Außerdem trägt
der Innenstadt-Verkehr nur rund 20 bis 30 Prozent zur Feinstaubbelastung
bei.
Quelle: dpa 01.01.2008
|
ÖPNV kritisiert Klimaschutzprogramm der Bundesregierung
Mi.02.01.08 - Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat der Bundesregierung
vorgeworfen, beim Klimaschutz das enorme Potenzial des öffentlichen
Nahverkehrs zu vernachlässigen. «Wir sind maßlos
enttäuscht», sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Adolf
Müller-Hellmann in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Im
ehrgeizigen Klimaschutzprogramm der Regierung seien Busse und Bahnen
gar nicht erwähnt.
Er schlug vor, die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs mit einem
Bonussystem massiv zu fördern: «Jeder Fahrgast, der mit uns
fährt, müsste von der Bundesregierung eine Prämie
bekommen, weil er signifikant CO2 einspart. Wir müssen einen
Mechanismus erfinden, dass die Leute sagen: 'Ich muss wieder ÖPNV
fahren, dann krieg ich wieder eine Klimarabattmarke.'» Wer mit
Bus und Bahn fahre und das Auto stehen lasse, leiste einen enormen
Beitrag zum Klimaschutz.
«Wir können die Mobilität der Menschen mit weniger als
einem Drittel der CO2-Emissionen des Individualverkehrs
realisieren», sagte Müller-Hellmann. Im morgendlichen
Berufsverkehr sei das Verhältnis sogar noch günstiger.
«Wenn ein Pendler in einen fast vollen Bus steigt und das Auto
stehen lässt, verursacht er nicht einmal ein Zehntel der
Emissionen.»
Dank guter PR-Arbeit der Auto-Lobby werde das aber in der
Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. «Dagegen sind die Pkw
plötzlich grün gewaschen, obwohl sie in Deutschland im
Durchschnitt je gefahrenen Kilometer tatsächlich mindestens 220 bis
240 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.» Der
VDV-Geschäftsführer kündigte an, der Busverkehr werde mit
technischen Innovationen seine Klimabilanz nochmals deutlich
verbessern. Pro Bus und Jahr könnten 4.000 Liter Diesel eingespart
werden, wenn wie bei U-Bahnen schon üblich die beim Bremsen
freiwerdende Energie gespeichert und beim Anfahren wiedereingesetzt
werde.
Dieses Hybrid-System - eine Kombination aus Dieselmotor und
Elektroantrieb - werde 2009 erstmals im größeren
Maßstab von Verkehrsunternehmen in Deutschland eingesetzt. Es gebe
Hinweise, dass die Politik sich an der Anschubfinanzierung beteiligen
wolle, sagte Müller-Hellmann. «Dann gehen die
Stückzahlen hoch und die Kosten runter.» Mit der neuen
Technik «haben wir Einsparmöglichkeiten von 15 bis 25 Prozent
Kraftstoff und damit von CO2.»
Viel effizienter für den Klimaschutz wäre es aber, mit
Attraktivitätssteigerungen mehr Menschen für den ÖPNV zu
gewinnen. Da sei die Bundesregierung gefordert, Schwerpunkte bei den
Investitionen zu setzen und Mittel vom Straßenbau umzuschichten.
Frankreich etwa habe beschlossen, keine weiteren Autobahnen zu bauen.
Trotz allem sei es den Verkehrsunternehmen gelungen, die Fahrgastzahlen
in den vergangenen Jahren kontinuierlich um etwa 1,5 Prozent zu
steigern. Nach einem Plus von sogar 1,9 Prozent 2006, das
Müller-Hellmann unter anderem auf die Fußball-WM
zurückführte, lag die Steigerungsrate in diesem Jahr jedoch
unter einem Prozent.
(Quelle: ap)