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Irak am 1380sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Das neue Jahr beginnt mit Selbstmordanschlägen - 36 Todesopfer
Do.03.01.08 - Der Irak ist mit zwei Selbstmordanschlägen ins neue Jahr gegangen.
Ein Anschlag in der Unruheprovinz Dijala kostete am Mittwoch sieben
Menschen das Leben, 22 wurden verletzt. Die Zahl der Toten nach dem
Selbstmordanschlag auf eine Beerdigung in Bagdad am Dienstag stieg auf
36.
Ein Mann mit einem Sprengstoffgürtel zündete am Mittwoch
seine todbringende Last in der Nähe eines Krankenhauses im Zentrum
der Provinzhauptstadt Bakuba, 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad.
Unter den sieben Toten waren nach Polizeiangaben auch zwei Mitglieder
eines sogenannten Erweckungsrates, einem Zusammenschluss von Sunniten,
die sich von der Aufstandsbewegung losgesagt haben und jetzt die
US-Streitkräfte bei örtlichen Sicherungsaufgaben
unterstützen.
In Bagdad versammelten sich am Mittwoch weinende Angehörige des
Anschlags vom Vortag, bei dem so viele Menschen ums Leben kamen, wie es
seit August in der Hauptstadt nicht mehr der Fall war. Neben den 36
Todesopfern wurden nach Polizeiangaben auch 37 Menschen verletzt.
US-Generalmajor Kevin Bergner bezeichnete den Anschlag als ein Werk von
Al Kaida im Irak. Der Täter zündete den Sprengsatz mitten in
einer Gruppe von Männern, die sich im Stadtteil Sajuna zur
Beerdigung eines pensionierten irakischen Offiziers versammelt hatten.
Dieser war einer von 14 Menschen, die in der vergangenen Woche bei der
Explosion einer Autobombe getötet wurden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 03.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertundachtzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.03.01.07 - Nach der Hinrichtung Saddam Husseins haben inoffizielle Filmaufnahmen
von den letzten Minuten des ehemaligen Diktators die Spannungen im Irak
geschürt. +++ Die Regierung leitet Ermittlungen ein, wer das Video mit einem
Mobiltelefon hergestellt hat...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701030.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Zahl der getöteten Journalisten in fünf Jahren mehr als
verdreifacht - Irak führt Liste der für Journalisten
gefährlichsten Länder an
Do.03.01.08 - Die Zahl der im beruflichen Einsatz getöteten Journalisten hat
sich in vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht. Die
Organisation Reporter ohne Grenzen führte die Zunahme um 244
Prozent vor allem auf den Irak-Krieg zurück. Im vergangenen Jahr
bezahlten 86 Journalisten ihre Berichterstattung mit dem eigenen Leben,
wie die Organisation am Mittwoch in Paris mitteilte.
Der Irak führt denn auch die Liste der für Journalisten
gefährlichsten Länder an. Bei den dort registrierten 47 Toten
handelt es sich um 46 Iraker und einen russischen Reporter. Seit Beginn
der US-Invasion im März 2003 kamen im Irak mindestens 207
Journalisten ums Leben. An zweiter Stelle folgte im vergangenen Jahr
Somalia mit acht Todesfällen vor Pakistan (sechs) und Sri Lanka
(drei).
Weltweit wurden 2007 nach Angaben von Reporter ohne Grenzen mindestens
887 Journalisten festgenommen. Diese Statistik wird von China
angeführt, wo im vergangenen Jahr 33 Reporter im Gefängnis
waren. Danach folgte Kuba mit 24 Inhaftierungen.
Die gewaltsamen Todesfälle von Journalisten werden auch von
anderen Organisationen erhoben, die zum Teil zu anderen Angaben kommen.
Nach einem Bericht der Internationalen Journalisten-Föderation
(IFJ) wurden im vergangenen Jahr mindestens 134 Journalisten und andere
Mitarbeiter von Medien getötet. Das Komitee zum Schutz von
Journalisten (CPJ) gibt die Zahl der 2007 getöteten Journalisten
mit 64 an.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Hisbollah fordert Vetorecht in libanesischer Regierung
Do.03.01.08 - Die schiitische Hisbollah-Miliz hat eine Lösung der
innenpolitischen Krise im Libanon davon abhängig gemacht, dass der
von ihr geführten Opposition in der künftigen Regierung ein
Vetorecht zugestanden wird. Ein solche Möglichkeit müsse in
der Verfassung garantiert werden, sagte Hisbollah-Führer Scheich
Hassan Nasrallah am Mittwoch in einem Interview des Fernsehsenders NBN.
Dem prowestlichen Regierungslager warf Nasrallah vor, für die
Krise verantwortlich zu sein, weil es eine Partnerschaft mit der Miliz
verweigere.
Die Hisbollah stehe hinter dem als Kompromisskandidat nominierten
General Michel Suleiman, betonte Nasrallah. Suleimans Wahl werde das
Problem jedoch nicht lösen, sofern es nicht eine Regierung der
nationalen Einheit mit einem Vetorecht der Opposition gebe.
Die Präsidentenwahl im Libanon war am 28. Dezember erneut
verschoben worden. Ein neuer Termin ist für den 12. Januar
angesetzt. Ursprünglich sollt das Parlament schon im September
einen Nachfolger für Präsident Emile Lahoud zu wählen.
Dessen Amtszeit endete am 24. November, seitdem hat das Land kein
Staatsoberhaupt mehr.
(Quelle: ap)
Kenias Wahlleiter: Stand unter Druck - Zweifelt am Sieg Kibakis.
Oppositionsführer verschärft Konfliktkurs - USA und
Großbritannien rufen Konfliktparteien zur Versöhnung
auf
Do.03.01.08 - Der Chef der Wahlkommission in Kenia hat Zweifel am Sieg von
Amtsinhaber Mwai Kibaki bei der Präsidentenwahl
geäußert. Er sei von beiden Seiten unter Druck gesetzt
worden, das Ergebnis schnell zu verkünden, sagte Samuel Kivuitu der
kenianischen Zeitung «The Standard». «Ich weiß
nicht, ob Kibaki die Wahl gewonnen hat», wurde er weiter zitiert.
Die Unruhen wegen des umstrittenen Ergebnisses hielten unterdessen
weiter an, nahezu 300 Menschen kamen ums Leben.
Unterdessen wurden die internationalen Bemühungen um eine
Eindämmung der Gewalt verstärkt. Der Ratsvorsitzende der
Afrikanischen Union (AU), der ghanaische Präsident John Kufuor,
wurde im Laufe des Mittwochs in Nairobi erwartet, um in dem Konflikt zu
vermitteln. Kibaki bot seinem offiziell unterlegenen Rivalen Raila
Odinga ein klärendes Gespräch an. Odinga erklärte jedoch,
er werde sich nur dann mit Kibaki treffen, wenn dieser einräume,
dass er nicht gewählt worden sei. Er machte Kibaki für die
Unruhen direkt verantwortlich und warf ihm Völkermord vor.
Trotz der anhaltenden Gewalt hält Odinga an einem geplanten
Protestmarsch gegen die Regierung fest. Odinga kündigte am
Mittwoch an, dass sich die Oppositionsbewegung über das Verbot der
Behörden hinwegsetzen und am (heutigen) Donnerstag den
«Marsch der Million» durch Nairobi anführen werde.
In einer gemeinsamen Erklärung riefen die Außenminister der
USA und Großbritanniens, Condoleezza Rice und David Miliband, die
Konfliktparteien in Kenia zur Versöhnung auf. Beide Staaten wollten
einen solchen Prozess diplomatisch und politisch unterstützen, um
die nationale Einheit des Landes zu erhalten.
Kenia galt bislang als eines der stabilsten Länder Afrikas.
Angesichts der Kämpfe, die nicht zuletzt tiefe ethnische
Ressentiments widerspiegelten, wurden jedoch Befürchtungen laut,
die Situation könnte ins Chaos abgleiten wie in Ruanda, wo 1994
rund eine halbe Million Menschen umkamen. Insgesamt gibt es in Kenia
mehr als 40 Stämme, die schon oft von ehrgeizigen Politikern
gegeneinander ausgespielt wurden.
Die jüngsten Unruhen haben dem florierenden Tourismusgeschäft
einen herben Dämpfer versetzt. Viele Touristen trauen sich aus
Sorge vor Krawallen nicht mehr aus dem Hotel. Kenia gehört zu den
beliebtesten Urlaubszielen in Afrika.
boa (Quelle: ap)
Pakistan: Britische Ermittler untersuchen Attentat auf Bhutto
Do.03.01.08 - Britische Experten unterstützen die Ermittlungen zur Ermordung der
pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto. Der britische
Außenminister David Miliband erklärte am Mittwoch, ein
kleines Team von Scotland-Yard-Mitarbeitern werde Ende der Woche nach
Islamabad reisen. Die Wahlkommission in Pakistan beschloss unterdessen,
die Parlamentswahl um sechs Wochen auf den 18. Februar zu verschieben.
Die pakistanische Regierung hatte nach dem Attentat auf Bhutto
zunächst erklärt, sie benötige keine Hilfe bei den
Ermittlungen. Präsident Pervez Musharraf erklärte jedoch am
Mittwoch in einer Fernsehansprache, er habe Großbritannien um
Hilfe gebeten. Möglicherweise will er damit Rufe nach einer
unabhängigen, internationalen Untersuchung verstummen lassen. So
forderte Bhuttos Witwer Asif Ali Zardari eine Untersuchung des
Attentats durch die Vereinten Nationen.
Musharraf bezeichnete die Ermordung der Oppositionsführerin in
seiner Rede als Tragödie für Pakistan und wandte sich auch an
ihre Anhänger. «Dies ist die Zeit für Versöhnung
und nicht für Konfrontation», sagte er. Er teile das Ziel
Bhuttos, die Demokratie voranzubringen und den Terrorismus zu
bekämpfen. Musharraf erklärte, Bhutto sei am Mittwoch
vergangener Woche von Terroristen ermordet worden.
Die pakistanische Wahlkommission erklärte, die Einhaltung des
ursprünglichen Wahltermins am 8. Januar sei unmöglich. Die
Opposition kritisierte die Entscheidung, kündigte jedoch
gleichzeitig an, sie werde an der Wahl teilnehmen.
Musharraf erklärte, er habe die Parlamentswahl am 8. Januar
durchführen wollen. Die Wahlkommission habe allerdings anders
entschieden. «Wir werden freie, faire, transparente und
friedliche Wahlen erleben», sagte der Präsident.
Bhuttos Pakistanische Volkspartei (PPP) kündigte an, sie werde an
der Wahl teilnehmen. «Wir werden das Feld unter keinen
Umständen der Partei des Königs überlassen», sagte
PPP-Sprecher Ahsan Iqbal. Auch die Pakistanische Muslimliga (PML-N) des
früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif erklärte, sie
werde sich an der Wahl beteiligen. Die Opposition hatte bis zuletzt
gefordert, die Wahl wie geplant am 8. Januar durchzuführen.
Die beiden großen Oppositionsparteien warfen der Regierung vor,
mit dem Aufschub eine sonst zu erwartende Niederlage abwenden zu
wollen. Viele Beobachter glauben, dass Bhuttos PPP bei einer Wahl in
der nächsten Woche von einem Sympathieschub hätte profitieren
können.
Die deutsche Regierung rief die Parteien in Pakistan dazu auf,
miteinander zu verhandeln. Es sei nötig, «dass sich die
verschiedenen Seiten und politischen Kräfte in Pakistan an einen
Tisch setzen», sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amts,
Julia Gross, am Mittwoch in Berlin. Die Bundesregierung betrachte die
Lage mit Sorge und dringe darauf, dass es zu einer Deeskalation in dem
Land komme.
Nach der Entführung von vier Soldaten im pakistanischen
Grenzgebiet zu Afghanistan töteten Regierungstruppen 25 islamische
Rebellen, wie ein Militärsprecher am Mittwoch mitteilte. Die
Gefechte fanden nach Angaben von Generalmajor Waheed Arshad in einer
zerklüfteten Gebirgsregion in Süd-Waziristan statt. Zuvor
waren nach Informationen aus Geheimdienstkreisen vier Soldaten auf dem
Weg zu ihrer Kaserne entführt worden.
(Quelle: ap)
Sri Lanka kündigt Waffenstillstand mit Tamilen auf
Do.03.01.08 - Nach einem Bombenanschlag auf einen Armeebus in Colombo hat die
Regierung Sri Lankas die Waffenruhe mit den Tamilen-Rebellen
aufgekündigt. Das Kabinett habe entschieden, aus dem
Waffenstillstand auszusteigen, sagte ein Präsidentensprecher. Das
Militär hatte zuvor tamilische Separatisten für den Anschlag
verantwortlich gemacht, bei dem laut Polizei mindestens fünf
Menschen ums Leben kamen. In Sri Lanka schwelt seit mehreren
Jahrzehnten ein Konflikt zwischen der singhalesischen
Bevölkerungsmehrheit und der Tamilen-Minderheit.
Die Feuerpause war vor knapp sechs Jahren unter Vermittlung von
Norwegen ausgehandelt worden. Entsprechend der Vereinbarung haben beide
Seiten die Möglichkeit, die Waffenruhe zu beenden. Sie müssen
Oslo diesen Schritt jedoch melden, damit die Feuerpause zwei Wochen
später offiziell enden kann. Der Präsidentensprecher sagte,
das rechtliche Verfahren werde eingeleitet.
Nach Polizeiangaben war die Bombe in der Nähe eines Hotels in der
Hauptstadt Sri Lankas explodiert, als der Armeebus gerade vorbeifuhr.
"Wir nehmen an, dass die Bombe am Straßenrand platziert war",
sagte ein Polizist. Demnach wurden 28 Menschen verletzt. Nach Angaben
von Rettungskräften sind die meisten Opfer Zivilisten.
"LTTE-Terroristen haben einen feigen Bombenanschlag auf Zivilisten und
einen Armeebus, der kranke Militärangehörge transportierte,
verübt", teilte das Verteidigungsministerium mit. Nach
Polizeiangaben wurde noch mindestens ein anderer Bus von der Detonation
getroffen. Der Anschlag ereignete sich demnach in einer Gegend, in der
die Armee viele Gebäude besitzt.
Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit
Jahrzehnten für eine Unabhängigkeit des Nordens und
Nordostens Sri Lankas. Bei einem ähnlichen Bombenanschlag in
Anuradhapura im Norden des Landes starben am 5. Dezember 16 Menschen.
(Quelle: afp)
China will Gesundheitssystem nicht dem freien Markt überlassen
Do.03.01.08 - China will sein Gesundheitssystem auch nach umfassenden Reformen nicht
ganz den Kräften des freien Marktes überlassen: Eine zu starke
Liberalisierung des Gesundheitswesens führe sonst zu ungleichen
Bedingungen für die Menschen, erklärten führende
Politiker in dem politischen Magazin "Qiu Shi". Vor allem die arme
Landbevölkerung würde benachteiligt, weil die besten
Ärzte und Behandlungen hauptsächlich in großen Kliniken
in den Metropolen zu finden wären. Viele Chinesen können sich
einen Arztbesuch oder einen Krankenhausaufenthalt finanziell nicht
leisten.
Seit dem Beginn umfangreicher Wirtschaftsreformen in China vor drei
Jahrzehnten hat der Staat weitgehend das frühere Gesundheitssystem
abgeschafft, das eine lebenslange Rundumversorgung für jeden
vorsah. Für Millionen Chinesen führte dies zu großen
Belastungen, und nach Einschätzung der Weltgesundheitsbehörde
(WHO) hat sich der Gesundheitszustand von Teilen der
Landbevölkerung trotz steigender Einkommen verschlechtert.
Seit den Reformen sei das medizinische System in China erfolgreich
entwickelt worden und die Gesundheit der Menschen habe sich spürbar
verbessert, schrieben Gesundheitsminister Chen Zhu und der für das
Ressort zuständige Politiker der kommunistischen Partei, Gao
Qiang, in dem einflussreichen Magazin, das am Dienstag erschien. Das
vorrangige Streben nach Profit und die Schwächung der
öffentlichen Hand in der Gesundheitsversorgung belaste aber die
Bevölkerung. Dies missachte das Prinzip der sozialen Gleichheit
und Gerechtigkeit. Deshalb müsse die Regierung vielmehr die
Reformen steuern und mehr Geld in die Gesundheitspolitik investieren,
forderten beide Politiker.
(Quelle: rtr)
Öl-Preis steigt erstmals auf 100 Dollar
Do.03.01.08 - Der Ölpreis ist am Mittwoch erstmals auf die Rekordmarke von 100
Dollar gestiegen: Ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl zur Lieferung
im Februar verteuerte sich um rund vier Prozent auf exakt diese Marke.
Händler verwiesen zur Begründung auf Ängste vor
Engpässen bei der Versorgung nach gewalttätigen Unruhen in
den Opec-Ländern Nigeria und Algerien. Auch der gesunkene
Dollar-Kurs und geringere Lagerbestände hätten viele
Spekulanten zu Käufen veranlasst, sagte Nauman Barakat von
Macquarie Futures USA. "100 Dollar sind erst der Anfang", sagte der
Händler Zachary Oxman von Wisdom Financial voraus. "Das ist nur
der Startschuss für das, was wir 2008 sehen werden: Es wird
große Bewegungen beim Preis für Rohöl und auch für
Gold geben."
Im Kalenderjahr 2007 war der Ölpreis bereits um nahezu 58 Prozent
und damit so deutlich wie noch nie in diesem Jahrzehnt geklettert. Auch
der Preis für die führende Nordseesorte Brentstieg am
Mittwoch auf ein Allzeithoch von 97,74 Dollar.
"Eine Kombination von Dingen hat den Preis hochgetrieben - vor allem
geopolitische Ereignisse", sagte der Experte Jim Ritterbusch von
Ritterbusch & Associates. "Da sind die verschobenen Wahlen in
Pakistan und die Unruhen in Nigeria." Zudem gebe es Spekulanten, die
auf weiter steigende Preise setzten. "Das ist ein Bullen-Markt. Es
scheint so, als ob es noch Luft für einen weiteren Anstieg um
einige Dollar gibt."
Dem pflichtete auch Mark Matthias von Dawnay Day Quantum bei. Derzeit
ziehe der Rohstoff-Markt die Investoren an wie ein Magnet. "Es kommt
definitiv frisches Geld in den Markt und der Aktienmarkt sieht derzeit
nicht gerade attraktiv aus." Ob es aber deutlich über 110 Dollar
gehen werde, sei fraglich.
Bei einer Serie von Angriffen mutmaßlicher Rebellen auf den
nigerianischen Ölhafen Port Harcourt waren am Neujahrstag 18
Menschen getötet worden. Aus dem Opec-Land Algerien wurde ein
Anschlag gemeldet. Am Donnerstag wird zudem mit neuen Zahlen zu den
Öl-Lagerbeständen in den USA gerechnet. Analysten sagen einem
Rückgang voraus.
(Quelle: rtr)
Australien überarbeitet umstrittenen Einbürgerungstest
Do.03.01.08 - Australien will seinen umstrittenen Einbürgerungstest über
Landesgeschichte und das nationale Wertesystem noch einmal
überarbeiten. Bei dem im vergangenen Oktober eingeführten Test
war bislang jeder fünfte Einwanderer durchgefallen, wie die
Zeitung "Sydney Morning Herald" unter Berufung auf den
Einwanderungsminister Chris Evans berichtete. Die Prüfung verlangt
von den Bewerbern, dass sie 20 Fragen über die australische Kultur
beantworten und dabei auch ihre Englischkenntnisse unter Beweis stellen.
Der Test war vor allem kritisiert worden, weil er zu viel Gewicht auf
das Wissen über Kultur und Sport lege. An dem
Einbürgerungstest können Menschen teilnehmen, die seit vier
Jahren in Australien leben. Im Falle eines Scheiterns kann er beliebig
oft wiederholt werden. Der Test war noch unter der alten Regierung von
Premierminister John Howard eingeführt worden.
(Quelle: afp)
126 Flüchtlinge vor Kanarischen Inseln aufgegriffen
Do.03.01.08 - Die spanische Küstenwache hat vor den Kanarischen Inseln drei
Boote mit insgesamt 126 Flüchtlinge aufgegriffen. Wie die
Seerettungsbehörde mitteilte, wurde unter anderem ein Fischerboot
aus Holz mit 40 afrikanischen Flüchtlingen an Bord vor Teneriffa
entdeckt. Es wurde von einem Rettungsschiff in den Hafen von Los
Cristianos im Süden der Insel geschleppt. Ein zweites Boot mit 28
Menschen zog die Wasserpolizei den Angaben zufolge an das Ufer der
Hauptstadt von Lanzarote, Arrecife. Das dritte Schiff mit 58
Flüchtlingen aus Afrika wurde vor Gran Canaria entdeckt.
Flüchtlinge aus Afrika versuchen immer wieder, trotz aller
Gefahren per Boot nach Spanien zu gelangen. Allein in den ersten elf
Monaten des Jahres 2007 seien mehr als 17.000 illegale Einwanderer an
spanischen Küsten angekommen, berichtete die Nachrichtenagentur
Europa Press unter Berufung auf eine Statistik der Regierung. Die
meisten Flüchtlinge steuerten demnach die Kanarischen Inseln an.
Die Behörden fürchten, dass auf dem Weg nach Spanien jedes
Jahr tausende Flüchtlinge sterben.
(Quelle: ap)
Neue Umweltgesetze bringen Europas Autokäufer ins Grübeln -
Autokäufer lassen sich zunehmend von Umweltaspekten leiten
Do.03.01.08 - Autokäufer in ganz Europa lassen sich in ihren Kaufentscheidungen
zunehmend von Umweltaspekten leiten - zumindest wenn sie ihren
Geldbeutel treffen.
Das zeigen die ersten Verkaufsstatistiken aus mehreren Ländern
für das Jahr 2007, die am Mittwoch vorgelegt wurden. In
Frankreich, einem der größten europäischen
Pkw-Märkte, nutzten Autokäufer im Dezember vielfach die
letzte Chance vor der Einführung von Strafgebühren für
großmotorige Fahrzeuge, so dass der Absatz 2007 insgesamt um 3,2
Prozent auf 2,064 Millionen zulegte. Dort werden Autos, die die Umwelt
stark verschmutzen, staatlicherseits künftig um bis zu 2600 Euro
verteuert, die Käufer saubererer Autos erhalten dafür einen
Bonus von 200 Euro, für Elektroautos sogar 5000 Euro.
In den Niederlanden, wo der Kauf von Fahrzeugen mit hohem
Treibstoffverbrauch - wie Geländewagen - von Februar an mit einer
Strafsteuer ("Gulptax") belegt werden, wuchsen die Verkaufszahlen 2007
noch um vier Prozent auf 504.000. In Italien beflügelten
Steuererleichterungen für neue und sauberere Modelle den Absatz im
vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 2,49 Millionen, wovon die
Kleinwagen von Platzhirsch Fiat überdurchschnittlich profitierten.
Dagegen gingen die Auto-Verkaufszahlen in Spanien 2007 um 1,2 Prozent
auf 1,614 Millionen zurück, nachdem die Steuern dort erhöht
worden waren.
Der deutsche Autoherstellerverband VDA will seine Jahresbilanz erst am
heutigen Donnerstag veröffentlichen, rechnet jedoch mit einem
Rückgang um rund neun Prozent auf 3,16 Millionen PkW. Die Debatte
um den Klimaschutz verunsichere die Käufer. Vor einem Jahr hatte
noch die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung die Käufer in
die Salons der Autohändler gelockt.
Und auch für das neue Jahr haben die europäischen Autobauer
und -händler wenig Hoffnung. In Deutschland sind Fahrverbote in
vielen Innenstädten für die größten "Stinker"
geplant. Der VDA rechnet nur mit einem leichten Absatzzuwachs auf 3,2
Millionen Stück, die spanischen Hersteller erwarten 1,6 Millionen.
In den Niederlanden rechnen die beiden Branchenverbände mit einem
Rückgang um 3,4 Prozent. Autoanalyst Stephen Cheetham von Sanford
C. Bernstein teilt den Pessimismus: "Wir erwarten einen Rückgang
der Verkaufszahlen, da sich das Wachstum in den großen
Ländern verlangsamt." Europaweit rechne er mit einem Minus von
einem Prozent.
(Quelle: rtr)
Deutsche Wirtschaft erringt Spitzenplatz in Europa - Bei
Wettbewerbsfähigkeit weltweit auf Rang zwei hinter China - Umfrage
des 'Handelsblatts' unter Spitzenmanagern
Do.03.01.08 - Gute Noten für die deutsche Wirtschaft: Spitzenmanager aus sechs
europäischen Nationen sehen Deutschland bei der
Wettbewerbsfähigkeit unter den großen Volkswirtschaften
Europas auf dem ersten Platz, wie aus dem «Handelsblatt
Business-Monitor International» hervorgeht. Im weltweiten
Vergleich liegt Deutschland unter den zehn betrachteten
Wirtschaftsräumen zusammen mit der Schweiz auf Rang zwei. Nur China
schätzen Europas Führungskräfte als
wettbewerbsfähiger ein.
Weit mehr als die Hälfte aller rund 1.200 im Auftrag des
«Handelsblatts» und der Unternehmensberatung Droege &
Comp. befragten Top-Manager (59 Prozent) hält die
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands für «sehr gut»
oder «gut» und gibt der Bundesrepublik auf einer Skala von
eins (»sehr gut») bis fünf (»sehr
schlecht») eine Durchschnittsbewertung von 2,3. Damit hat sich das
Ansehen des Standorts Deutschland seit dem Jahr 2003 in den Augen der
Manager Jahr für Jahr um insgesamt mehr als einen Notenpunkt
gesteigert.
«Die deutsche Wirtschaft ist in den letzten Jahren in der Tat
stets wettbewerbsfähiger geworden vor allem dank der Unternehmen,
aber auch dank der Tarifvertragsparteien und der Politik»,
unterstreicht der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert
Rürup, laut «Handelsblatt». Die Unternehmen hätten
durchweg ihre Organisationsstrukturen neu aufgestellt und gemeinsam mit
den Gewerkschaften moderate und flexible Tarifabschlüsse
vereinbart.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsweise verlangen moderate Lohnabschlüsse
Do.03.01.08 - Wirtschaftsexperten haben die Tarifparteien vor zu hohen
Lohnabschlüssen in diesem Jahr gewarnt: Mit Tarifforderungen von
bis zu acht Prozent riskierten die Gewerkschaften Arbeitsplätze,
sagte der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard der "Westdeutschen
Allgemeinen Zeitung" vom Mittwoch. Die Gewerkschaften könnten sich
auch nicht auf die Inflationsrate stützen, weil deren aktuelle
Höhe auf dem Einmaleffekt der Mehrwertsteueranhebung beruhe. "Die
Lohnforderungen von bis zu acht Prozent sind gemessen an der
Produktivität übertrieben", warnte Wiegard. Es dürfe auch
nicht aus dem Blick geraten, dass trotz des Aufschwungs immer noch 3,5
Millionen Menschen arbeitslos seien.
Der Wirtschaftsweise und Präsident des Zentrums für
Europäische Wirtschaftsforschung, Wolfgang Franz, mahnte, bei den
Tarifverhandlungen müsse die konjunkturelle Entwicklung mit
berücksichtigt werden. "Maßlose Lohnforderungen sind gerade
jetzt Gift für Wachstum und Arbeitsplätze", sagte er der
"Bild"-Zeitung. Sollten die Gewerkschaften den Pfad der in den
vergangenen Jahren gemäßigten Tarifabschlüsse verlassen,
drohe Schaden bei der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. "Der
Aufschwung darf nicht verfrühstückt werden", warnte Franz.
Die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Beamtenbund haben acht Prozent
mehr Lohn für die rund 1,3 Millionen Beschäftigten bei Bund
und Kommunen gefordert. Mit dieser Forderung liegen Verdi und
Beamtenbund auf einer Linie mit der Stahlindustrie. Die Chemie-Branche
verlangt bis zu sieben Prozent.
Verdi-Chef Frank Bsirske hatte die Forderungen damit begründet,
dass sich der öffentliche Dienst an der Erhöhung der
Abgeordneten-Diäten von 9,4 Prozent orientiere. Nach jahrelanger
Zurückhaltung und angesichts einer Inflationsrate von derzeit rund
drei Prozent müssten die Weichen für eine deutliche
Einkommenssteigerung gestellt werden.
(Quelle: rtr)
Zahl der Beschäftigten stieg 2007 auf Rekordniveau
Do.03.01.08 - Der Aufschwung hat die Zahl der Erwerbstätigen 2007 auf ein
Rekordniveau steigen lassen: Sie erreichte im Jahresschnitt mit rund
39,7 Millionen den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung, wie
das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das waren 649.000 oder
1,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Zur positiven Entwicklung hat
insbesondere die anhaltend gute konjunkturelle Lage beigetragen",
hieß es. Davon profitierten alle Branchen. Die milde Witterung zu
Beginn des Jahres 2007 sowie das Ende 2006 eingeführte
Saison-Kurzarbeitergeld wirkten sich ebenfalls positiv aus.
Die Zahl der Arbeitnehmer erhöhte sich um 595.000 oder 1,7 Prozent
auf fast 35,3 Millionen. Damit wurde der Höchststand von 2001 knapp
verfehlt. "Der wirtschaftliche Aufschwung erreichte dabei vor allem die
voll sozialversicherungspflichtige Beschäftigung", erklärten
die Statistiker. Die Zahl der Selbstständigen einschließlich
mithelfender Familienangehöriger kletterte um 54.000 oder 1,2
Prozent auf rund 4,4 Millionen.
Die positive Entwicklung verteilte sich erstmals seit der
Wiedervereinigung auf fast alle Branchen. So wuchs die
Erwerbstätigkeit im Baugewerbe (plus 40.000), im Bereich der Land-,
Forstwirtschaft und Fischerei (plus 9000) und im Produzierenden Gewerbe
ohne Bau (plus 96.000). Die Baubranche hatte zuvor elf Jahre in Folge
Jobs abgebaut, der Bereich Land und Forstwirtschaft sowie Fischerei
acht Jahre und das Produzierende Gewerbe fünf Jahre.
In der Dienstleistungsbranche stieg die Zahl der Erwerbstätigen
mit gut einer halben Million am kräftigsten. Hier sind inzwischen
72,4 Prozent aller Erwerbstätigen tätig. 1991 waren es 59,5
Prozent. Im Produzierenden Gewerbe einschließlich Bau verringerte
sich der Anteil auf 25,4 Prozent (1991: 36,6 Prozent). In der Land-,
Forstwirtschaft und Fischerei halbierte er sich in etwa auf 2,1 Prozent.
(Quelle: rtr)
Koalition unterstützt Rürup-Vorschlag zu Sockelrente
Do.03.01.08 - Der Vorschlag des Wirtschaftsweisen Bert Rürup zur Einführung
einer Sockelrente für Geringverdiener stößt in den
Koalitionsfraktionen auf Unterstützung. "Das ist ein kluger
Vorschlag zur rechten Zeit", sagte SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach
dem "Handelsblatt". Auch der CDU-Rentenexperte Peter Weiß nannte
die Überlegungen, Geringverdiener nach langer Berufstätigkeit
nicht in der Grundsicherung enden zu lassen, prinzipiell richtig. Die
Regierung äußerte sich hingegen ablehnend zu Rürups
Vorstoß.
Rürup hatte im "Handelsblatt" vom Mittwoch die Einführung
einer steuerfinanzierten Sockelrente gefordert. Jeder Versicherte mit
mehr als 35 Beitragsjahren solle eine Rente von mehr als 660 Euro
erhalten. Geringere beitragserworbene Ansprüche müssten vom
Staat aufgestockt werden, ohne dass andere Einkünfte des
Versicherten verrechnet würden.
Lauterbach sagte, nach seinen Schätzungen werde in 25 Jahren jeder
Dritte einen Renten-Anspruch nur noch unter Sozialhilfeniveau besitzen.
Daher bestehe Handlungsbedarf. Eine stärkere Steuerfinanzierung
der Altersbezüge sei wegen der geringeren Lebenserwartung von
Geringverdienern "sozial sehr gerecht". Allerdings müsse mit einer
solchen Sockelrente auch eine "Rentenversicherungspflicht für
alle" eingeführt werden, forderte Lauterbach.
Das derzeitige System setze "Fehlanreize" und schrecke Menschen mit
geringem Einkommen von privater Vorsorge ab, sagte Weiß. Er teile
das Anliegen von Rürup, hege aber Bedenken wegen der
möglichen Milliardenkosten für den Staat, sagte der
CDU-Politiker. Deshalb schlage er vor, prinzipiell am bisherigen System
der Grundsicherung festzuhalten. Doch sollten Einkünfte aus
Riester-Policen oder Betriebsrenten nur noch zur Hälfte statt
bislang ganz mit dem Sozialleistung verrechnet werden.
Demgegenüber sagte eine Sprecherin von Bundesarbeitsminister Olaf
Scholz (SPD), es gebe derzeit keine Überlegungen zur
Einführung einer Sockelrente. Es seien bereits die Grundsicherung
sowie die Instrumente zur betrieblichen und privaten Altersvorsorge
eingeführt worden, sagte sie.
(Quelle: afp)
Regierung will besseren Kreditschutz für Hausbauer
Do.03.01.08 - Die Koalition will Hausbauer besser vor aggressiven Finanzinvestoren in
Schutz nehmen: So sollen für den zunehmenden Weiterverkauf von
Immobilienkrediten erstmals Spielregeln aufgestellt werden, wie aus den
am Mittwoch bekanntgewordenen Plänen für einen Gesetzentwurf
hervorgeht. Allerdings streiten Union und SPD noch darüber, ob
Schuldnern bei der Veräußerung ihres Darlehens an einen
anderen Gläubiger ein Sonderkündigungsrecht zugestanden wird.
Experten sind sich zudem uneins, wie der Kündigungsschutz
ausgebaut werden soll.
Die Vorschläge aus dem Justiz- und aus dem Finanzministerium
bilden die Grundlage für eine Expertenanhörung am 23. Januar
im Bundestag. Danach will die Koalition das Thema Kreditverkäufe
noch im Frühjahr im sogenannten Risikobegrenzungsgesetz regeln.
In den vergangenen Jahren hatten vor allem US-Investoren wie Lone Star
riesige Kreditportfolios von deutschen Banken und Sparkassen gekauft.
Seitdem machen die Wähler Druck auf ihre Abgeordneten: "In jedem
Wahlkreis gibt es mittlerweile Dutzende von Beschwerden über die
rabiaten Methoden der neuen Gläubiger", sagte ein
CDU-Abgeordneter. So würden Kredite nicht verlängert und
bereits bei einem geringfügigem Ratenverzug gekündigt.
In ihren Formulierungsvorschlägen setzen die Ministerien
zunächst auf Transparenz: Darlehensgeber sollen ihren Kunden schon
drei Monate vor dem Auslaufen einer Zinsbindung mitteilen, ob und zu
welchen Konditionen sie den Kredit verlängern wollen. Das gleiche
soll für einen neuen Gläubiger gelten, wenn die
ursprüngliche Bank den Kredit bereits veräußert hat.
Über einen Verkauf muss der Darlehensnehmer außerdem sofort
informiert werden. Eine Ausnahme gilt nur bei "stillen Zessionen", bei
denen die alte Bank weiter als der alleinige Gläubiger auftritt.
Während über die Informationspflichten weitgehend Einigkeit
herrscht, scheiden sich am Sonderkündigungsrecht die Geister.
Einige SPD-Experten wollen den Verbrauchern einen Ausstieg aus dem
Kreditvertrag zubilligen, wenn das Darlehen verkauft wird. Eine sonst
übliche Vorfälligkeitsentschädigung soll es nicht geben.
"Solche Vorschläge haben wenig Chancen auf eine Mehrheit bei der
Union", sagte deren finanzpolitischer Sprecher, Otto Bernhardt. Die
Schäden für die Kreditkultur wären enorm, weil kaum eine
Bank noch ein zehnjähriges Darlehen vergeben würde.
Das Justiz- und das Finanzministerium versuchen nun einen Mittelweg,
indem sie ein Sonderkündigungsrecht an Bedingungen knüpfen.
So muss die Bank im Grundbuch stehen und ein echter Wechsel des
Vertragspartners stattgefunden haben. Eine bloße Abtretung der
Kreditforderung an ein anderes Institut reicht nicht aus.
Schließlich muss der Kreditverkauf ohne Zustimmung des
Darlehensnehmers geschehen sein. In der Koalition wird außerdem
erwogen, Banken zu verpflichten, auch solche Kredite anzubieten, deren
Forderungen nicht verkauft werden dürfen. Bernhardt sagte,
angesichts des großen Konkurrenzdrucks würden diese Darlehen
voraussichtlich nur unwesentlich teurer sein.
Mit dem Gesetz soll außerdem der Kündigungsschutz verbessert
werden. Gerät ein Darlehensnehmer in Verzug, soll der Kredit erst
gekündigt werden dürfen, wenn der Zahlungsrückstand
einen gewissen Prozentsatz der ausstehenden Teilzahlungen erreicht hat.
Der Kündigung müsse zudem ein Mahnverfahren
einschließlich eines Schlichtungsgespräches vorausgehen.
Damit soll Investoren der Riegel vorgeschoben werden, die nicht an
einer langfristigen Kundenbeziehung interessiert sind, sondern beim
geringsten Anlass kündigen, um die Restschuld vollstrecken zu
können. Bernhardt zufolge ist aber noch umstritten, wie der Schutz
ausgebaut werden kann, ohne den Banken nachhaltig zu schaden.
(Quelle: rtr)
Aktionärsschützer wollen Siemens-Spitze Entlastung verweigern
Do.03.01.08 - Aktionärsschützer wollen der Siemens-Spitze wegen der
Korruptionsaffäre einem Bericht zufolge bei der kommenden
Hauptversammlung die Entlastung verweigern. Wie die «Financial
Times Deutschland» (FTD) am Mittwoch berichtete, möchten die
beiden größten Interessensvereinigungen für
Kleinaktionäre, die Deutsche Schutzvereinigung für
Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger
(SdK), bei der Aktionärsversammlung am 24. Januar Vorstand und
Aufsichtsrat nicht entlasten.
Die DSW möchte der Zeitung zufolge einen Antrag auf Vertagung der
Abstimmung über die Entlastung stellen. Bislang gebe es keinen
abschließenden Bericht der von Siemens selbst engagierten
Ermittler zur Korruptionsaffäre, begründeten die
Aktionärsschützer ihr Vorhaben. «Solange man keine
abschließende Klarheit hat, tut es keine Not, direkt für eine
Entlastung zu votieren», sagte DSW-Geschäftsführer
Carsten Heise der FTD.
SdK-Vorstand Harald Petersen sagte der Zeitung, der Verband wolle
voraussichtlich direkt gegen die Entlastung von Vorstand und
Aufsichtsrat stimmen. «Die endgültige Entscheidung ist noch
nicht gefallen, auch eine Vertagung der Entlastung ist
möglich», erklärte Petersen. Bei der Höhe der
bisher aufgedeckten Zahlungen sei es unwahrscheinlich, dass der Vorstand
davon keine Kenntnis gehabt habe, begründete Petersen die
Überlegungen der SdK.
Eine Nichtentlastung hätte für die Siemens-Spitze keine
rechtlichen Konsequenzen, gilt aber als harter Vertrauensentzug der
Aktionäre. Siemens hatte im November eingeräumt, in den
Bilanzen seien fragwürdige Zahlungen in Höhe von 1,3
Milliarden Euro entdeckt worden.
(Quelle: ap)
Bayerischer Grünen-Fraktionschef Dürr hält
Schwarz-Grün im Bund für möglich
Do.03.01.08 - Der bayerische Grünen-Fraktionschef Sepp Dürr sieht Chancen
für ein Bündnis seiner Partei mit der Union nach der
Bundestagswahl 2009. «Wir werden uns Koalitionsgesprächen
nicht verweigern», sagte Dürr der Nachrichtenagentur ddp in
München und fügte hinzu: «Ich denke schon, dass es da
gemeinsame Ziele gibt.»
Dürr begrüßte in diesem Zusammenhang
Äußerungen des bayerischen JU-Vorsitzenden Stefan
Müller, der in einem ddp-Interview eine Offenheit der Union
für eine Koalition mit den Grünen gefordert und vor
Denkverboten gewarnt hatte. «Das finde ich einen sehr
vernünftigen Gedanken», sagte der Grünen-Fraktionschef.
Er sehe Koalitionen ganz pragmatisch. Sie seien keine Frage der
Ideologie, vielmehr gehe es darum, was sich für Deutschland
erreichen lasse. Er fügte hinzu: «Wenn es genügend Ziele
gibt, die man festklopfen kann, ist es vernünftig, es zu
versuchen.»
Die gegenwärtigen Spannungen zwischen der Grünen-Bundesspitze
und der Union hält Dürr nicht für ein Hindernis für
eine mögliche künftige Zusammenarbeit. «In dem Moment,
wenn man ein gemeinsames Handlungsprogramm entwickelt hat, das
verlässlich ist, wird sich auch die Stimmung entsprechend
verändern», sagte er.
Auf Landesebene schließt Dürr dagegen derzeit
Schwarz-Grün aus. In Bayern sei es wichtig, endlich grüne
Ideen umzusetzen - insbesondere in der Klima- und der Bildungspolitik.
«Dass wir das mit der CSU machen, kann ich mir eigentlich nicht
vorstellen.»
(Quelle: ddp)
CSU-Vorstandsmitglied: Union und Grüne müssen koalieren
können
Do.03.01.08 - Nach dem bayerischen JU-Vorsitzenden Stefan Müller verlangt auch
CSU-Vorstandsmitglied Bernd Posselt eine grundsätzliche Offenheit
der Union für ein Bündnis mit den Grünen nach der
Bundestagswahl 2009. «Ich bin schon der Meinung, dass man die
Koalitionsfähigkeit zwischen den Unionsparteien und den
Grünen herstellen müsste, weil man sich sonst zum
babylonischen Gefangenen der FDP macht, denn die große Koalition
kann und soll nur eine Ausnahme sein», sagte der
CSU-Europaabgeordnete am Mittwoch der Nachrichtenagentur ddp in
München.
Im europäischen Parlament, wo es keine festen Koalitionen gebe,
stelle er «mit den grünen Kollegen in vielen Fragen mehr
Übereinstimmung fest» als mit FDP-Politikern. Das betreffe
insbesondere Fragen der Bioethik, der menschenrechtsorientierten
Außenpolitik sowie Umweltthemen. Es gebe allerdings auch
schwerwiegende Meinungsunterschiede in der Gesellschaftspolitik sowie
eine tiefe Kluft bei Fragen von Ehe und Familie. «Da gibt´s
aber auch keine Übereinstimmung mit FDP und SPD», sagte
Posselt.
Der CSU-Politiker warnte allerdings zugleich vor Illusionen. Es gebe
einen Unterschied zwischen der Berliner Grünen-Spitze und
«gewissen wertorientierten Grünen, mit denen wir in
Straßburg zu tun haben». Posselt sieht derzeit eine
«ganz bewusste Politik in der Grünen-Spitze» gegen ein
mögliches Bündnis mit der Union in der Zukunft. Insbesondere
Grünen-Chefin Claudia Roth gehe «bewusst auf
Konfrontationskurs zu Schwarz-Grün» und versuche, eine Kluft
offenzuhalten.
(Quelle: ddp)
Lafontaine beklagt mangelnde Präsenz der Linken im Westen
Do.03.01.08 - Linke-Chef Oskar Lafontaine beklagt die geringe Präsenz seiner
Partei in den alten Bundesländern. «Abgesehen vom Saarland,
wo die Linke mit 2000 Mitgliedern drittstärkste Partei ist, haben
wir großen Nachholbedarf», sagte Lafontaine der
«Saarbrücker Zeitung» (Donnerstagausgabe).
«Neben den 50 000 Mitgliedern im Osten brauchen wir mindestens 30
000 im Westen, um ein dauerhafter Faktor im deutschen Parteiensystem zu
sein», erläuterte Lafontaine. Dazu müsse die
Mitgliederwerbung forciert werden. Gegenwärtig gebe es in den
alten Ländern nur 20 000 Parteimitglieder.
Darüber hinaus setzt Lafontaine auf eine Erweiterung des
politischen Profils seiner Partei. Die Linke werde bisher
ausschließlich als Partei der sozialen Gerechtigkeit
wahrgenommen. "Unsere wirtschaftlichen Vorstellungen sind dagegen fast
unbekannt", bedauerte Lafontaine.
(Quelle: ddp)
Ehemaliger Parteivorsitzender Gerhardt kritisiert Westerwelles
Führungsstil
Do.03.01.08 - Wenige Tage vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP hat
der ehemalige Partei- und Fraktionsvorsitzende, Wolfgang Gerhardt, den
Führungsstil von FDP-Chef Guido Westerwelle kritisiert. «Man
kann nicht als One-Man-Show kurz vor der Bundestagswahl Kaninchen aus
dem Hut zaubern», sagte Gerhardt dem «Handelsblatt»
(Donnerstagausgabe).
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Der FDP-Politiker forderte eine Verbreiterung des personellen Angebots.
Westerwelle könne diese Aufgabe nicht allein schultern. Vor allem
die sehr guten jungen Abgeordneten aus der zweiten Reihe müsse
Westerwelle öffentlich nennen, sie loben und bei ihrer Arbeit
unterstützen, sagte Gerhardt.
Der Liberalen-Politiker appelliert laut mehrerer Zeitungsberichte in
einem eigenen Strategiepapier mit dem Titel «Für Freiheit
und Fairness» an seine Partei, die «liberalen
Kernthemen» wie Marktwirtschaft, Bildung, Außenpolitik,
Bürgerrechte besser als bisher zu präsentieren.
Der «Süddeutschen Zeitung» sagte Gerhardt: «Die
FDP wird Wahlen nur gewinnen, wenn sie eine innere Philosophie
vorlegt.» In der «Welt» kritisierte er, die FDP
schöpfe derzeit «das Potenzial, das eine freiheitliche
Partei in Deutschland erreichen kann, nicht aus». Er fügte
hinzu: «Die Partei weiß, was verbessert werden muss. Das
weiß die Spitze ebenso wie ich selbst und die Mitglieder.»
Der Vorsitzende der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung kündigte
zugleich an, 2009 wieder für den Bundestag kandidieren zu wollen.
(Quelle: ddp)
FDP hofft bei Datenspeicherung auf Verfassungsgericht
Do.03.01.08 - Das umstrittene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wird nach Ansicht
der FDP keinen Bestand haben. «Ich denke, dass das
Bundesverfassungsgericht die Regelung aufheben wird», sagte der
FDP-Rechtsexperte Max Stadler der «Financial Times
Deutschland». Seit 1. Januar müssen Telefonunternehmen die
Verbindungsdaten sammeln und ein halbes Jahr lang aufbewahren. Bei
strafrechtlichen Ermittlungsverfahren müssen sie an Polizei und
Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Gegner des Gesetzes wollen die
Neuregelung mit einer Verfassungsbeschwerde stoppen.
Stadler sprach von einem Eingriff in die Privatsphäre «von
ganz neuer Qualität». Bisher hätten nur Verdächtige
mit der Kontrolle ihrer Daten rechnen müssen, nun würden
erstmals Daten von gänzlich Unverdächtigen für
polizeiliche Zwecke gespeichert. Damit verliere die elektronische
Kommunikation die Unbefangenheit und ihren grundgesetzlich garantierten
Schutz. Stadler sagte, der Bundestag verabschiede immer häufiger
Gesetze, bei denen mit einer Korrektur durch das Verfassungsgericht
gerechnet werden müsse.
Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, kritisierte das Gesetz grundsätzlich. Zum ersten Mal
würden Unternehmen gezwungen, Daten ihrer Kunden zu erheben und
auszuwerten, ohne dass der geringste Verdacht vorliegt. «Bisher
war für jede Grundrechtseinschränkung immer ein qualifizierter
Verdacht notwendig», sagte Beck der Zeitung. Aus den großen
Mengen sensibler Daten könnten künftig auch Informationen
über die persönliche Neigungen oder Krankheiten von Menschen
abgeleitet werden, hier drohe Missbrauch.
(Quelle: ap)
Vor 60 Jahren: Ministerialbeamte Hitlers vor Gericht
Do.03.01.08 - Knapp drei Jahre nach dem Sturz der Nazi-Diktatur ging in Nürnberg
eines der bemerkenswertesten Gerichtsverfahren gegen
Schreibtischtäter Hitlers über die Bühne:
US-Chefankläger Telford Taylor eröffnete am 6. Januar 1948 den
sogenannten Wilhelmstraßenprozess - benannt nach dem Sitz des
Auswärtigen Amtes und anderer Ministerien des Reiches in Berlin.
Es war der zeitlich längste und umfangreichste der zwölf
Nürnberger Nachfolgeprozesse. In ihnen hatten sich kurz nach
Beendigung des Hauptkriegsverbrecher-Tribunals weitere Stützen des
nationalsozialistischen Terrorapparates vor amerikanischen Richtern zu
verantworten.
Angeklagt waren 21 einflussreiche Vertreter der zivilen
Regierungsbürokratie der Wilhelmstraße - Minister,
Staatssekretäre, Ministerialbeamte, SS-Führer und Vertreter
der Reichskanzlei. Die Mehrheit bildete eine Gruppe von hohen Beamten
des Reichsaußenministeriums, angeführt vom Hauptangeklagten
Ernst von Weizsäcker, der von 1938 bis 1943 als Staatssekretär
und Vize-Außenminister fungiert hatte.
Ihnen allen warf die Anklageschrift vor, die Angriffskriege der
Wehrmacht mitgeplant, ferner Raub, Plünderung und Zwangsarbeit,
Misshandlungen und Morde und damit Verbrechen gegen die Menschlichkeit
mit vorbereitet zu haben. Die einstigen Chefs der Diplomaten,
Außenminister Joachim von Ribbentrop und sein Vorgänger
Konstantin Freiherr von Neurath, waren dafür bereits im
Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess zum Tode beziehungsweise zu
15 Jahren Haft verurteilt worden.
«Ohne die Hilfe dieser grauen Eminenzen», so führte
der Chefankläger Taylor am Tag der Prozess-Eröffnung aus,
«hätten kein Hitler und kein Göring Angriffskriege
planen können, hätte Himmler nicht sechs Millionen Juden und
andere Opfer auslöschen können, hätten die kleinen
Scharfrichter in den Konzentrationslagern nicht die mörderischen
Befehle erhalten.» Er forderte für alle Angeklagten die
Todesstrafe.
Doch das Urteil fiel letztlich sehr differenziert aus. Neunzehn der
Beschuldigten wurden im April 1949 zu Haftstrafen zwischen 25 und 4
Jahren verurteilt, zwei freigesprochen. Der Hauptangeklagte v.
Weizsäcker, der sich als Gegner des Nationalsozialismus -
«ein Regimegegner, der sich dem Regime zur Verfügung
stellte» - dargestellt hatte, erhielt sieben Jahre, die
später auf fünf reduziert wurden.
Wie alle Verurteilten dieser Tribunale kamen auch die Vertreter der
NS-Regierungsbürokratie in der Wilhelmstraße dank starkem
westdeutschen Druck auf die Amerikaner in den 50er Jahren wieder auf
freien Fuß. Nach der Gründung der Bundesrepublik hatte sich
eine breite Amnestielobby formiert, die von der CDU und der FDP
über die SPD bis zu den beiden christlichen Kirchen reichte.
Die Agitation gegen die vermeintliche «Sieger-Justiz»
verhinderte, dass im neu etablierten Auswärtigen Amt, in dem zwei
Drittel der höheren Beamten als ehemalige Mitglieder der NSDAP
galten, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit
in Gang gesetzt werden konnte. Die Erkenntnis, dass die Nürnberger
Prozesse für die Entwicklung des internationalen Strafrechts und
des Völkerrechts neue Maßstäbe setzten, sollte sich
erst Jahre später durchsetzen.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Gesamtschulen bringen nicht mehr Bildungsgerechtigkeit - Entscheidend
ist der soziale Status des Elternhauses
Do.03.01.08 - An Gesamtschulen geht es einer Studie zufolge nicht gerechter zu als in
anderen Bildungseinrichtungen. Entscheidend für den beruflichen
Werdegang von Kindern ist vielmehr auch dort der soziale Status des
Elternhauses, wie der Züricher Erziehungswissenschaftler Helmut
Fend in der Wochenzeitung «Die Zeit» darlegt. Ein
Arbeiterkind habe gegenüber einem Kind aus der sogenannten
Bildungsschicht nur ein zwölftel der Chance auf einen
Hochschulabschluss.
Fend verglich die Lebenswege ehemaliger Gesamtschüler und
Absolventen anderer Schularten in Hessen. Dabei habe sich gezeigt, dass
die Gesamtschulen Kindern aus unterprivilegierten Schichten nicht
besser zu Erfolgen in Bildung und Beruf verhelfen können als
andere Schularten.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes besuchten 2005/2006 rund 598
000 Kinder und Jugendliche insgesamt 898 integrierte Gesamtschulen und
freie Waldorfschulen in Deutschland. Die meisten Schulen dieser Art gab
es mit 256 in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Brandenburg (178) und
Hessen (96).
(Quelle: ddp)
Auch Affen kennen käuflichen Sex
Do.03.01.08 - Der allgemein als ältestes Gewerbe der Welt betrachtete
käufliche Sex hat womöglich tiefe evolutionäre Wurzeln:
Auch Affenweibchen akzeptieren Gegenleistungen für sexuelle
Dienste, wie ein Forscher der Universität in Singapur in einer
Langzeitstudie herausfand. Im Durchschnitt hatten die Weibchen der
beobachteten Gruppe pro Stunde 1,5 Mal Sex. Diese Rate stieg auf 3,5
Mal bei den Affenweibchen, die zuvor - gewissermaßen als
vorweggenommene Entlohnung - von einem Männchen gelaust worden
waren.
Zwanzig Monate lang beobachtete Michael Gumert von der Technischen
Universität Nanyang eine Herde von 50 Langschwanz-Makaken in der
indonesischen Provinz Kalimantan Tengah. Gumert fand heraus, dass es
bei den Makaken einen regelrechten "Markt" für
Sex-Dienstleistungen gibt: Wenn nur ein Weibchen da war, musste ein
Affe dieses durchschnittlich 16 Minuten lausen, bevor ihm
Geschlechtsverkehr offeriert wurde. Waren viele Weibchen anwesend,
hätten mitunter acht Minuten Lausen ausgereicht, um ein
Affenweibchen zum Sex zu bewegen. Nach Angaben der Zeitschrift "New
Scientist", in der die Studie erscheint, bestätigt die
Untersuchung die These, dass Marktmechanismen auch in der Tierwelt
soziales Verhalten beeinflussen.
(Quelle: afp)