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Irak am 1383sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zwei US-Militärs von irakischem Soldaten offenbar gezielt
erschossen. Bei Bombenanschlag nördlich von Bagdad sechs Menschen
getötet
So.06.01.08 - Zwei US-Militärs sind von einem irakischen Soldaten während
einer gemeinsamen Patrouille erschossen worden: Die Soldaten seien am
26. Dezember in der Provinz Mossul im Nordirak unterwegs gewesen, als
sie von Aufständischen angegriffen worden seien, sagte der
irakische General Mutaa al-Chasradschi am Samstag der Nachrichtenagentur
Reuters. Der Iraker habe dann in dem Tumult seine beiden Kollegen
erschossen. "Der Soldat war von Aufständischen in die Armee
geschleust worden", sagte Al-Chasradschi. Er sei unmittelbar nach dem
Vorfall festgenommen worden und werde nun verhört. "Es war kein
Unfall", sagte General Nur al-Din Hussein.
Ein Sprecher des US-Militärs bestätigte die Angaben. Zudem
seien drei weitere Militärangehörige sowie ein Übersetzer
bei dem Vorfall verletzt worden. Er sprach von zwei inhaftierten
irakischen Soldaten. Es dürfte sich um das erste Mal handeln, dass
US-Soldaten von einem irakischen Kollegen bewusst angegriffen wurden
und dies bekanntwurde.
Bei einem Bombenanschlag wurden am Samstag in der Stadt Mukdadija
nördlich von Bagdad sechs Menschen getötet. Die Opfer
saßen in einem vorbeifahrenden Minibus, wie die örtlichen
Behörden erklärten. In Bakuba, 60 Kilometer nordöstlich
der Hauptstadt, verletzte eine weitere Bombe drei Zivilpersonen. In
Bagdad war eine irakische Militärpatrouille Ziel eines
Bombenanschlags. Vier Zivilpersonen wurden verletzt.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 06.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhunderteinundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Nahost-Konflikt: Hamas-Chef bietet Fatah Gespräche an - Kein
Verzicht auf Kampf
So.06.01.08 - Hamas-Chef Chaled Meschaal hat die rivalisierende
Palästinenser-Gruppe Fatah von Präsident Mahmud Abbas zu
Gesprächen aufgerufen: Die Einigkeit der Nation müsse durch
einen Dialog ohne Vorbedingungen wiederhergestellt werden, sagte er am
Freitag im syrischen Exil. Gleichzeitig betonte Meschaal, seine
Organisation werde weiter an dem bewaffneten Kampf gegen Israel
festhalten. Die radikale Hamas hatte im Sommer die Macht im Gazastreifen
an sich gerissen. Abbas verlangt von den Islamisten, die Kontrolle
wieder an die Regierung zu übergeben und Neuwahlen zuzustimmen.
(Quelle: rtr)
US-Gesandte startet Vermittlungsversuch in Kenia - Kibaki zeigt sich
offen für Einheitsregierung
So.06.01.08 - In Kenia hat die US-Gesandte Jendayi Frazer begonnen, im Konflikt
zwischen Präsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer Raila
Odinga zu vermitteln.
Der kenianische Staatschef Mwai Kibaki hat sich nach einem Treffen mit
der US-Afrikabeauftragten offen für eine Regierung der nationalen
Einheit gezeigt.
Mit diesem Schritt wolle er nach den umstrittenen
Präsidentschaftswahlen zur Beruhigung der Lage beitragen,
hieß es in einer Mitteilung Kibakis vom Samstag. Bei Protesten
waren mindestens 300 Menschen ums Leben gekommen.
Vor ihrem Treffen mit Kibaki war Frazer auch mit dem kenianischen
Oppositionsführer Raila Odinga zusammengekommen. Dieser
bekräftigte bei der zweistündigen Begegnung einem Sprecher
zufolge seine Forderung nach Neuwahlen. Die Opposition sei aber bereit,
Staatschef Mwai Kibaki zu treffen, falls das Gespräch unter
internationaler Vermittlung zustande komme.
Kibaki hatte am Freitag Bereitschaft signalisiert, die umstrittene Wahl
zu wiederholen, falls dies durch ein Gericht angeordnet werde. Die
Opposition reagierte darauf skeptisch. Das Verfahren könne sich
über Jahre hinziehen, argumentierte sie.
Die Vereidigung Kibakis zu einer zweiten Amtszeit nach einer
umstrittenen Wahl hatte zu Unruhen in den ostafrikanischen Land
geführt. Die Opposition wirft Kibaki Wahlfälschung vor und
beansprucht den Sieg für sich. Nach Schätzungen der Vereinten
Nationen sind seit der Wahl am 27. Dezember rund 250.000 Menschen und
damit wesentlich mehr als bisher bekannt auf der Flucht vor den
Ausschreitungen. Die örtlichen Hilfsorganisationen warnten vor dem
Ausbruch von Krankheiten in den Notunterkünften. Wegen der
schlechten Sicherheitslage seien diese nur schwer zu erreichen. Bei den
Ausschreitungen in Kenia waren bislang mindestens 360 Menschen ums Leben
gekommen.
In der Oppositionshochburg Kisumu im Westen des Landes hob die Polizei
unterdessen eine seit Montag verhängte Ausgangssperre während
des Tages wieder auf. Die Sicherheitslage habe sich dort verbessert,
erklärte ein Polizeivertreter der Nachrichtenagentur AFP. Allein in
Kisumu, der drittgrößten Stadt des Landes, waren in den
vergangenen Tagen über 100 Menschen getötet worden.
boa (Quellen: rtr, afp)
Witwer Bhuttos beschuldigt pakistanische Regierung
So.06.01.08 - Der Witwer von Benazir Bhutto hat Mitglieder der pakistanischen
Regierung für die Ermordung der Oppositionsführerin
verantwortlich gemacht. Asif Ali Zardari sagte der Zeitung «The
Washington Post» vom Samstag, die Ermittlungen der pakistanischen
Behörden seien daher unglaubwürdig. «Man macht nicht den
Bock zum Gärtner», erklärte er.
Zardari forderte erneut eine Untersuchung des Attentats vom 27.
Dezember durch die Vereinten Nationen. Die «Freunde der
Demokratie», besonders die USA und Großbritannien,
müssten diese Forderung unterstützen. «Die
Verantwortlichen innerhalb und außerhalb der Regierung müssen
zur Rechenschaft gezogen werden.» Die pakistanische Regierung hat
eine internationale Untersuchung bereits abgelehnt und auch Washington
deutete an, dafür bestehe keine Notwendigkeit. Bereits am Freitag
waren britische Antiterrorexperten in Pakistan eingetroffen, die die
Ermittlungen unterstützen sollen. Die pakistanische Regierung
macht die radikalislamischen Taliban und das Terrornetzwerk Al Kaida
für den Mord an Bhutto verantwortlich.
(Quelle: ap)
Neun Tote bei Gefechten in Sri Lanka
So.06.01.08 - Bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und tamilischen Rebellen
sind im Norden Sri Lankas neun Menschen ums Leben gekommen, wie die
Streitkräfte am Samstag mitteilten. Im nördlichen Bezirk
Mannar wurden demnach sechs Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam
(LTTE) getötet, bei einem weiteren Gefecht starben zwei
Separatisten und ein Soldat. Die srilankische Regierung hatte am
Mittwoch beschlossen, den im Februar 2002 unterzeichneten
Waffenstillstand mit den LTTE aufzukündigen, weil er durch die
ausufernde Gewalt gegenstandslos geworden sei.
In Sri Lanka kämpfen tamilische Separatisten für einen
eigenen Staat im Norden und Osten der Insel Ceylon. Der Bürgerkrieg
begann 1983 nach jahrzehntelanger Diskriminierung der tamilischen
Minderheit. Dem Konflikt sind schon mehr als 70.000 Menschen zum Opfer
gefallen.
(Quelle: ap)
Malaysia: Protest von Bürgerrechtlern gewaltsam beendet
So.06.01.08 - Mit einem massiven Polizeiaufgebot und dem Einsatz eines Wasserwerfers
haben die Behörden in Malaysia am Samstag eine Demonstration von
mehreren hundert Bürgerrechtlern aufgelöst. Die Demonstranten
forderten die Abschaffung eines Jahrzehnte alten Gesetzes, das der
Polizei erlaubt, festgenommene Personen ohne Prozess zeitlich
unbegrenzt in Gewahrsam zu behalten.
Die Kundgebung der Demonstranten, die mit Kerzen eine Mahnwache
hielten, war friedlich verlaufen. Die Polizei löste die Kundgebung
auf, weil sie nicht genehmigt worden war. In Malaysia braucht man
für öffentliche Versammlungen von mehr als vier Leuten eine
behördliche Genehmigung.
Oppositionelle und Menschenrechtsgruppen in dem südostasiatischen
Staat fordern seit langem die Abschaffung des noch aus der Kolonialzeit
stammenden Gesetzes, mit dem ihrer Ansicht nach unliebsame Stimmen
mundtot gemacht werden sollen. Die Regierung begründet ihr
Festhalten an dem Gesetz mit dem Schutz der nationalen Sicherheit.
(Quelle: ap)
China begrenzt Videos und Podcasts im Internet
So.06.01.08 - China wird Videos, Podcasts oder andere audiovisuelle Angebote im
Internet künftig streng kontrollieren. Nur staatliche Webseiten
dürfen von Februar an solche Filme und Radio- Programme verbreiten
oder Video-Tauschbörsen anbieten.
Das verfügte die Staatliche Verwaltung für Radio, Film und
Fernsehen (SARFT) nach Angaben der amtlichen Medien. Die Betreiber
dürften kein Material verbreiten, das Sex, Gewalt und Spielsucht
fördert, gegen die soziale Moral verstößt oder
«die Interessen und das Ansehen des Staates schädigt».
Die Vorschriften richten sich vor allem gegen die immer beliebter
werdenden Webseiten, auf denen Nutzer ihre Videos austauschen
können. China hat heute rund 150 Millionen Internetnutzer und wird
die USA bald als größten Online-Markt der Welt ablösen.
Verboten sind auch Videos oder Programme, die gegen die Einheit des
Landes, seine Souveränität und territoriale Integrität
gerichtet sind. Damit sind meist die Unabhängigkeitsbestrebungen in
Tibet, Taiwan oder Xinjiang gemeint. Auch der Verrat von - in China
sehr allgemein definierten - «Staatsgeheimnissen» ist
verboten. Alle verbreiteten Programme und Filme, einschließlich
Cartoons, müssen vorher von zuständigen Behörden
genehmigt werden. Videos, die auf Webseiten geladen werden und gegen die
Vorschriften verstoßen, müssen vom Betreiber gelöscht
werden. Sonst drohen Strafen.
Die vielen privaten Videoanbieter in China sind künftig aus dem
Rennen, da künftig nur Webseiten, die ganz oder zumindest
mehrheitlich in Staatsbesitz sind, Filme und andere audiovisuelle
Produkte anbieten dürfen. Welche Auswirkungen die Regeln für
internationale Anbieter wie YouTube, die ihre Server außerhalb
Chinas stehen haben, oder die größte in China ansässige
und populäre Website Tudou.com haben werden, war zunächst
unklar. YouTube war in den vergangenen Monaten in China immer wieder
zeitweise gesperrt worden.
Die neuen Kontrollen spiegeln die bereits geltenden Vorschriften
für andere Angebote im Internet wider. China sperrt außerdem
schon viele ausländische Seiten wie die des britischen
Rundfunksenders BBC, das chinesische Angebot der Deutschen Welle oder
Informationen von Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International oder
exiltibetischen Organisationen. Die großen internationalen
Suchmaschinen wie Google oder Yahoo zensieren sich in China wie ihre
chinesischen Konkurrenten selber und zeigen chinakritische Informationen
gar nicht erst an, um auf dem boomenden Internetmarkt in China
mitmischen zu können.
(Quelle: dpa)
US-Präsidentenwahlkampf: Vorsprung von Clinton und McCain schwindet
So.06.01.08 - Drei Tage vor den Vorwahlen in New Hampshire zum
US-Präsidentenwahlkampf schwindet einer Umfrage zufolge der
Vorsprung für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton und den
Republikaner John McCain: Wie aus der am Samstag veröffentlichten
Erhebung der von Reuters, C-Span und Zogby hervorgeht, lag Clinton mit
einer Zustimmung von 32 Prozent nur noch vier Prozentpunkte vor ihrem
schärfsten Konkurrenten in der eigenen Partei, dem bei der ersten
Vorwahl in Iowa erfolgreichen Barack Obama. Der ehemalige Senator von
North Carolina, John Edwards, belegte mit 20 Prozent den dritten Platz
unter den Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur der
Demokraten.
Im Lager der Republikaner kam McCain der Erhebung zufolge mit 32
Prozent nur noch auf zwei Prozentpunkte Vorsprung vor Mitt Romney. Der
in Iowa siegreiche Ex-Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, lag mit
zwölf Prozent an dritter Stelle. New Yorks früherer
Bürgermeister Rudolph Giuliani kam nur auf neun Prozent.
Für die Umfrage wurden von Dienstag bis Freitag vergangener Woche
jeweils knapp 900 Unterstützer von Republikanern und Demokraten
befragt. Damit wurden die Daten zum größeren Teil noch vor
der Vorwahl in Iowa am Donnerstag erhoben. Nach Einschätzung von
Meinungsforscher John Zogby war dennoch bereits ein erster Aufschwung
für die in Iowa siegreichen Kandidaten feststellbar. Die
Fehlermarge lag bei 3,3 Prozentpunkten.
(Quelle: rtr)
Präsident Saakaschwili vor zweiter Amtszeit in Georgien - Laut
Umfrage absolute Mehrheit im ersten Wahlgang - Opposition spricht von
Wahlbetrug - Aufruf zu Protesten
So.06.01.08 - Der georgische Präsident Michail Saakaschwili steht vor einer
weiteren Amtszeit. Bei der Wahl am Samstag stimmten einer
Wählernachfrage zufolge 53,8 Prozent der Wähler für ihn.
Damit hätte er bereits in der ersten Runde die Wahl für sich
entschieden. Nur etwa 28,3 Prozent gaben demnach dem wichtigsten
Gegenkandidaten, Lewan , ihre Stimme. Gatschetschiladses
Parteienkoalition warf der Regierung Wahlbetrug vor.
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Der mögliche Fehlerquotient der Umfrage unter 10.000 Wählern,
die von mehreren Instituten vorgenommen wurde, lag bei 3
Prozentpunkten. Mit ersten offiziellen Ergebnissen wurde für (den
morgigen) Sonntag gerechnet.
Gatschetschiladse, der von einem Bündnis von neun
Oppositionsparteien unterstützt wurde, sprach in einem
Fernsehinterview am frühen Sonntagmorgen von Wahlbetrug. Die
Wählernachfrage sei ebenfalls gefälscht. Er habe in den
meisten Wahlbezirken gewonnen. Gatschetschiladse sprach von einer
«Terrorisierung» während der Stimmenauszählung.
Er rief für Sonntagnachmittag zu Protesten auf, zu der alle
Georgier kommen sollten, «damit wir sicherstellen, dass wir unser
Land nicht verlieren».
Insgesamt bewarben sich sieben Kandidaten um das Amt. Saakaschwili war
als klarer Favorit ins Rennen gegangen. Er hatte die vorgezogene
Neuwahl anberaumt, nachdem das Land in eine politische Krise geraten
war und er vorübergehend den Ausnahmezustand verhängt hatte.
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE), die die Wahl mit insgesamt 1.000 Beobachtern genau verfolgt,
hatte bereits vor der Wahl von einzelnen Unregelmäßigkeiten
berichtet. Ihr abschließendes Urteil wird für die
Legitimität der Wahl entscheidend sein.
Georgien solle ein Leuchtfeuer der Demokratie in der Region werden,
sagte hingegen Saakaschwili, als er in Tiflis seine Stimme abgab. Seine
Kritiker werfen ihm vor, er ignoriere das Leid der Armen und neige zu
einer autoritären Regierungsführung. Sie protestierten im
November fünf Tage gegen den Präsidenten. Die Behörden
lösten schließlich die Proteste gewaltsam auf, während
Saakaschwili den Notstand ausrief.
Saakaschwili muss in der ersten Runde der Präsidentenwahl die
absolute Mehrheit der etwa 3,5 Millionen Wahlberechtigten gewinnen, um
eine Stichwahl in zwei Wochen zu vermeiden. Sollte ihm das nicht
gelingen, könnte die Opposition, die mit sechs Herausforderern
antrat, sich geschlossen hinter einen Kandidaten stellen.
Um sich erneut bewerben zu können, hatte Saakaschwili Ende
November entsprechend den Verfassungsbestimmungen seinen Rücktritt
erklärt und seine Aufgaben an Parlamentspräsident Nino
Burdschanadse übertragen. Ein weiterer wichtiger Kandidat bei der
Wahl vom Samstag war der Medienunternehmer Badri Patarkazischwili, der
als reichster Mann Georgiens gilt.
(Quelle: ap)
Opec-Präsident rechnet mit weiterem Ölpreis-Anstieg
So.06.01.08 - Der Ölpreis wird nach Einschätzung der Opec im ersten Quartal
2008 vermutlich weiter steigen: Erst ab April sei mit einer
Stabilisierung zu rechnen, sagte Opec-Präsident Chakib Khelil am
Samstag der staatlichen algerischen Nachrichtenagentur APS. Khelil
führte den anhaltenden Preisanstieg auf die politische Spannung in
Pakistan, die Eskalation der Gewalt in Nigeria und den Rückgang
der US-Lagerbestände zurück. Am Mittwoch hatte ein Fass (159
Liter) US-Leichtöl erstmals die Marke von 100 Dollar erreicht.
Experten schlossen nicht aus, dass Öl noch teurer werden
könne.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Kanzlerin Merkel schließt sich Kritik an Atomausstieg an
So.06.01.08 - Angesichts von Rekord-Ölpreisen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel
ein hartes Vorgehen gegen überzogene Strompreise angekündigt
und den Atomausstieg kritisiert.
"Wir werden alles tun, um die Energiepreise im Zaum zu halten", sagte
die CDU-Vorsitzende am Freitagabend bei einem Wahlkampfauftritt für
die hessische Union in Wiesbaden. Vor allem werde sie auf mehr
Wettbewerb in der Energiebranche dringen. Zudem kritisierte die
Kanzlerin den noch von der rot-grünen Vorgängerregierung
vereinbarten Atomausstieg. Niemand auf der Welt habe Verständnis
dafür, dass Deutschland mit seinen sicheren Atomkraftwerken in
Zeiten hoher Energiepreise aus der Kernenergie aussteigen werde, sagte
Merkel. Zwar mehren sich in der Union die Stimmen für eine
Weiternutzung der Atomkraft, doch hatte auch Merkel selbst stets
klargestellt, dass sie sich an die Koalitionsvereinbarung gebunden
fühlt, der keine Abkehr vom Atomausstieg vorsieht. Vor allem
Wirtschaftsminister Michael Glos versucht, die hohen Energiepreise
für seine Forderung nach Rücknahme des Atomkraftausstiegs zu
nutzen.
Der Preis für ein Fass Rohöl war am Donnerstag
vorübergehend auf den Rekordwert von knapp über 100 Dollar
geklettert.
(Quelle: rtr)
Biobranche boomt weiter
So.06.01.08 - Trotz höherer Preise boomt die Biobranche weiter: Auch im
vergangenen Jahr griffen die Verbraucher verstärkt zu
Biomöhren und Ökofleisch. Nach vorläufiger Schätzung
stieg der Umsatz der Biobranche insgesamt um 15 Prozent auf mehr als
fünf Milliarden Euro, wie der Berliner «Tagesspiegel»
unter Berufung auf die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle der
Agrarwirtschaft (ZMP) berichtete. Auch für das neue Jahr werden
hohe Zuwachsraten erwartet.
«Der Biomarkt wird 2008 garantiert wieder zweistellig
wachsen», sagte der Chef der ZMP-Marktforschung, Paul Michels, dem
Blatt. Verbraucher müssten sich wie bei konventionellen
Lebensmitteln auch aber auf langfristig steigende Preise einstellen.
Nach Angaben des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) brachte es
auch der Fachhandel 2007 auf ein Umsatzwachstum von 14 Prozent auf 1,7
Milliarden Euro. «Für 2008 rechnen wir wieder mit
zweistelligem Zuwachs», sagte BNN-Sprecherin Annette Mörler.
Schon jetzt kommen die deutschen Biobauern dem Bericht zufolge mit der
Produktion nicht mehr hinterher. Die Zahl der Landwirte, die auf Bio
umstellten, steige seit dem vergangenen Jahr zwar wieder an. «Aber
das reicht bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu decken»,
sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundes für Ökologische
Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Loewenstein. Immer mehr Waren
müssten aus dem Ausland importiert werden. «Der Anteil wird
steigen», sagte zu Loewenstein. Bei Biogemüse wird schon
jetzt mehr als die Hälfte aus dem Ausland importiert, bei Obst
sind es sogar 70 Prozent.
(Quelle: ap)
83 Millionen Buchungen - Deutsche bleiben Reise-Weltmeister
So.06.01.08 - Die Deutschen bleiben auch im neuen Jahr Reiseweltmeister. Das
berichtet die «Bild»-Zeitung unter Berufung den Deutschen
Reiseverband. Demnach erreicht die Zahl der Pauschalreise-Buchungen mit
einem Anstieg um 3,5 Prozent einen neuen Rekordwert von mehr als 83
Millionen.
Damit planen in diesem Jahr nach DRV-Einschätzung 64,2 Millionen
beziehungsweise 72 Prozent aller Bundesbürger eine Reise von
fünf Tagen Dauer oder mehr. Wie «Bild» weiter
berichtet, wird der Umsatz der Branche 2008 nach bisheriger Hochrechnung
erstmals die 30-Milliarden-Euro-Marke überschreiten. Laut
Fachverband haben im vergangenen Jahr 30,2 Millionen Bundesbürger
Urlaub in Deutschland verbracht, während 9 Millionen nach Spanien,
7 Millionen nach Italien, 5,7 Millionen nach Österreich sowie 4,1
Millionen in der Türkei reisten.
(Quelle: dpa)
Immer mehr hilfsbedürftige Arbeitnehmer in Deutschland
So.06.01.08 - Die Zahl der hilfsbedürftigen Arbeitnehmer in Deutschland ist nach
einem Bericht der «Frankfurter Rundschau» um mehr als ein
Drittel auf 1,3 Millionen gestiegen. Wie die Zeitung unter Berufung auf
aktuelle Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes berichtete,
waren im September 2005, also vor Beginn der konjunkturellen Erholung am
Arbeitsmarkt, 949.000 Berufstätige auf Hartz IV angewiesen. Bis
Mai 2007 sei ihre Zahl um 27 Prozent gestiegen, bis August vergangenen
Jahres um gut 33 Prozent.
Laut DGB gehen somit immer mehr Menschen «einer
sozialversicherten oftmals vollzeitnahen Beschäftigung nach, und
trotzdem reicht ihr Lohn nicht aus, um den Lebensunterhalt zu
bestreiten». Die Untersuchung widerlegt dem Blatt zufolge auch die
Vermutung, dass Mini-Jobber die ganz große Mehrheit unter den
Aufstockern stellten. Tatsächlich sei ihr Anteil auf rund die
Hälfte gefallen. Deutlich stärker geweitet habe sich der Kreis
der Hartz-IV-Bezieher, die mehr als 400 Euro im Monat verdienten und
damit Sozialabgaben zahlten.
Diese Fakten belegen aus Sicht des Gewerkschaftsbundes, «dass
sich Menschen mit einer Kombination von Hartz IV und Mini-Job
keinesfalls einrichten und zufrieden geben». Vielmehr
bemühten sie sich um einen vollen Arbeitsplatz.
(Quelle: ap)
Rürup rechnet mit zunehmender Altersarmut
So.06.01.08 - Rentenexperte Bert Rürup rechnet damit, dass es künftig
vielen älteren Menschen deutlich schlechter gehen wird als heute.
«Unter den gegenwärtigen Bedingungen werden die Armutsrisiken
im Alter zunehmen», sagte der Vorsitzende des
Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung laut einer Vorabmeldung des Nachrichtenmagazins «Der
Spiegel». Altersarmut werde in spätestens 15 Jahren relevant
werden.
Der Bundesregierung warf Rürup vor, dass die staatlich
subventionierte Riester-Rente ausgerechnet an den Geringverdienern
vorbeiziele. «Für viele Bezieher niedrigerer Arbeitseinkommen
oder Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien lohnt sich der
Abschluss eines Riester-Vertrages nicht», erklärte der
Wirtschaftsweise. Er hatte in der vergangenen Woche vorgeschlagen, die
Altersbezüge speziell für schlecht bezahlte Arbeitnehmer zu
erhöhen.
(Quelle: ap)
Immer mehr Bürger bewerten eigene wirtschaftliche Lage schlecht
So.06.01.08 - Immer mehr Menschen schätzen ihre eigene wirtschaftliche Lage als
schlecht ein. Wie die Geschäftsführerin des Instituts für
Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, der
«Wirtschaftswoche» sagte, stieg der Anteil in den
vergangenen fünf Jahren von 21 auf 32 Prozent. Rund 70 Prozent der
höheren Sozialschichten seien mit ihren wirtschaftlichen
Verhältnissen zufrieden, aber nur etwa 40 Prozent der Mittelschicht
und 20 Prozent der unteren Sozialschichten.
Dabei ist laut Köcher die überwältigende Mehrheit
überzeugt, dass der Auftrag des Staates nicht in der Begrenzung von
Verdienst und Vermögen liege, sondern in der Verhinderung von
sozialem Abstieg und Armut. So sei es für knapp drei Viertel der
Bevölkerung besonders wichtig, dass der Staat alles tue, um Armut
zu verhindern und die Belastung der unteren sozialen Schichten durch
Steuern und Abgaben zu verringern. 68 Prozent plädierten für
ein gesichertes Mindesteinkommen, sei es durch Mindestlöhne oder
Kombilöhne. Die Bevölkerung denke bei Gerechtigkeitsdebatten
vor allem an die sozial Schwächeren und erwarte dort das Engagement
der Politik, folgert Köcher.
(Quelle: ap)
Bahnstreik vertagt - GDL-Vorsitzender rechnet mit rascher Einigung im
Bahn-Tarifkonflikt
So.06.01.08 - Der für kommende Woche angedrohte Bahnstreik ist vertagt: Das ist
das Ergebnis der Geheimgespräche, über die Bahn und
Lokomotivführergewerkschaft GDL am Samstag Bundesverkehrsminister
Wolfgang Tiefensee unterrichteten. Die Gespräche sollen am
Dienstag an einem geheimen Ort fortgesetzten werden. GDL-Chef Manfred
Schell hielt sich die Streikoption ausdrücklich offen, wenn die
Bahn beim Entgelt nicht nachlege.
Tiefensee räumte ein, dass die Entgeltfrage der ungelöste
Hauptstreitpunkt sei. Aber die Gespräche hätten eine Dynamik
erreicht, dass eine Lösung in dem seit zehn Monaten anhaltenden
Tarifstreit «greifbar nahe» sei. «Man wird - im Bilde
gesprochen - die Uhr anhalten,» sagte der SDP-Minister.
Auch Schell erklärte nach seiner Rückkehr aus Berlin auf dem
Flughafen Frankfurt/Main, nach Lage der Dinge gehe er nicht von einem
Scheitern der Gespräche am Dienstag aus: «Es ist aber immer
noch möglich, wenn die Bahn nicht beim Entgelt nachlegt.» Am
Montag werde die GDL die bisherigen Angebote durchrechnen und sich
damit auf die neue Gesprächsrunde vorbereiten. Ein Tarifvertrag
solle bis Ende Januar erreicht werden.
Eine Lösung wurde dagegen beim zweiten Hauptstreitpunkt eines
eigenständigen Tarifvertrages für die Lokführer
gefunden. Schell nannte keine Details. Er sagte aber: «Wir sind
absolut eigenständig. Wir sind für die Lokomotivführer
zuständig.» Er bot für kommende Tarifrunden an, dass
mit den beiden anderen Gewerkschaften gemeinsame Lohnforderungen
erhoben werden.
Die GDL hatte für Montag mit erneuten Streiks gedroht, falls es
bei den Gesprächen am Samstag zu keinem Ergebnis gekommen
wäre. Tiefensee sagte, inzwischen sei er vorsichtig optimistisch,
dass eine Lösung erreicht werde. Zwischen den beiden
Konfliktparteien sei während der Gespräche in den
Weihnachtferien genügend Vertrauen aufgebaut worden. Dazu habe er
beitragen können. Er räumte ein, dass die Streikgefahr nicht
endgültig gebannt sei. Das drücke allein das Bild von der
angehaltenen Uhr aus.
Bahn und Lokführergewerkschaft GDL verhandelten am Samstag seit
dem Vormittag. Sie fanden unter Beteiligung von Bahn-Personalvorstand
Margret Suckale, Schell und seines Vizes Claus Weselsky statt. Schell
hatte bereits am Freitag von einer deutlichen Annäherung in
einigen Fragen gesprochen.
Umstritten war zum Beispiel, ob Lokrangierführer auch zum
personellen Geltungsbereich gehören oder ob die Altersversorgung
für Lokführer gesondert geregelt werden soll. Wegen der neuen
Tarifstruktur bei der Bahn, die spezifische Interessen von
Berufsgruppen besser berücksichtigen soll, müssen die
Einzelheiten später mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und
GDBA festgelegt werden.
Die Bahn hatte am 9. Juli 2007 mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA
einen Tarifvertrag geschlossen. Danach erhalten die Beschäftigten
4,5 Prozent mehr Geld und eine Einmalzahlung von 600 Euro. Der alte,
auch für die GDL-Mitglieder vereinbarte Tarifvertrag lief Ende
Juni 2007 ab. Die GDL hatte ursprünglich bis zu 31 Prozent
verlangt, im Lauf der Verhandlungen aber erklärt, dass sie nicht
auf der Maximalforderung bestehe.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsforscher für Tarifabschlüsse bis maximal 3,5
Prozent
So.06.01.08 - Bei den Tarifrunden 2008 sollten nach Ansicht führender
Wirtschaftswissenschaftler maximal 3,5 Prozent mehr Lohn plus
erfolgsabhängige Einmahlzahlungen vereinbart werden. Roland
Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für
Wirtschaftsforschung (RWI) hält für Stahl und Chemie 3 bis
3,5 Prozent mehr Geld für angemessen, wie er der «Welt am
Sonntag» sagte. Zu diesem dauerhaft festgeschriebenen Lohnzuwachs
könnten erfolgreiche Firmen Boni zahlen. Im öffentlichen
Dienst sollte laut Döhrn die Erhöhung 2,9 Prozent betragen:
«Dies ist nach Jahren der Zurückhaltung wohl auch
angemessen.»
Sein Kollege Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für
Weltwirtschaft (IfW) empfahl nominal ebenfalls deutlich unter 3,5
Prozent für den öffentlichen Dienst. Über alle
Wirtschaftsbereiche sei bei Produktivitätszuwächsen von 1 bis
1,5 Prozent eine Nominallohnsteigerung von rund 3,5 Prozent zu
verkraften. Wichtiger als die absolute Zahl seien aber flexible
Komponenten.
Auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, sagte:
«Wir müssen die Beschäftigten immer mehr nach ihrer
Leistung und dem Erfolg des Unternehmens bezahlen.» Speziell der
öffentliche Dienst, der mit Privaten um Köpfe konkurriere,
müsse Fachkräfte zudem mit Zulagen locken können.
(Quelle: ap)
Union setzt Mindesteinkommen gegen Mindestlohn
So.06.01.08 - Im Koalitionsstreit um die angemessene Bezahlung von Geringverdienern
setzt die Union das Modell staatlicher Zuschüsse gegen die
SPD-Forderung nach einem Mindestlohn: CSU-Chef Erwin Huber rief die
Unionsparteien auf, mit eigenen Vorschlägen aus der Defensive zu
kommen. "Wir dürfen den Mindestlohn nicht einfach alternativlos
ablehnen", sagte Huber in der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag.
"Wir müssen unser Modell eines Mindesteinkommens dagegensetzen."
Die Menschen müssten sich auf garantiertes Einkommen verlassen
können. "Wenn der Lohn dazu nicht reicht, muss der Staat es
aufstocken."
Auch Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel sagte, ihr sei
lieber, wenn ein junger Mensch ohne Abschluss eine Arbeit etwa mit
einem staatlichen Zuschuss habe, als dass er seine Arbeit wegen eines
zu hohen Mindestlohns verliere. Zugleich bekräftigte sie die
Ablehnung flächendeckender Mindestlöhne: "Ein allgemeiner,
flächendeckender Mindestlohn ist nicht die Antwort auf die
Probleme in Deutschland", sagte sie der "Bild am Sonntag".
Wie Merkel führte auch Huber das Argument drohender Jobverluste
gegen den Mindestlohn ins Feld. Die von der SPD geforderte einheitliche
Lohnuntergrenze von 7,50 Euro pro Stunde vernichte Arbeitsplätze,
bekräftigte Huber. Allerdings müsse die Union nun aktiver
für ihre Vorstellungen werben. "Wir dürfen uns nicht von der
sehr stark wahltaktisch motivierten Kampagne der SPD in die Defensive
drängen lassen", sagte er. Ein vom Staat garantiertes
Mindesteinkommen werde nicht zu Lohndumping führen. Dies lasse die
große Nachfrage nach Arbeitskräften nicht zu. Über
einen zu hohen Mindeststundenlohn würden die Menschen dagegen
völlig in die Abhängigkeit vom Sozialstaat getrieben. "Wir
brauchen in bestimmten Bereichen eine Kombination aus Einkommen und
staatlichen Leistungen."
SPD-Chef Kurt Beck kündigte an, den politischen Druck auf die
Union in der Mindestlohn-Debatte hoch zu halten. Dem "Spiegel" sagte
er, die Union habe bei diesem Thema ordnungspolitisch versagt. "Im
Prinzip ist die Weigerung der Union, Mindestlöhne durchzusetzen,
doch Verrat an den ehrlich arbeitenden Menschen und den ehrlich
wirtschaftenden Unternehmen in diesem Land", sagte er. "Wer
vollschichtig arbeitet, für den sollte sich diese Leistung
mindestens so sehr lohnen, dass er ohne staatliche Zuschüsse leben
kann."
Der SPD-Vorstand will am Montag in Hannover einen Zehn-Punkte-Plan zum
Thema "Gute Arbeit" verabschieden, in dem erneut flächendeckende
Mindestlöhne gefordert werden. Die Koalition hatte sich als
Kompromiss nur branchenbezogene Mindestlöhne geeinigt, die die
Tarifparteien bis Ende März beantragen müssen. Im hessischen
Landtagswahlkampf hat die SPD eine Unterschriftenaktion für den
Mindestlohn gestartet.
(Quelle: rtr)
Bund der Steuerzahler wirft Finanzbehörden zunehmende
Überwachung der Bürger vor
So.06.01.08 - Der Bund der Steuerzahler hat den Finanzbehörden eine zunehmende
Gängelung und Überwachung der Bürger vorgeworfen. Der
Steuerpflichtige verkomme immer mehr zum gläsernen Steuerzahler.
Das sagte Steuerzahlerpräsident-Präsident Karl Heinz Däke
der «Neuen Osnabrücker Zeitung». «Der Marsch in
den Überwachungsstaat ist unaufhaltsam.» Als Beispiel nannte
Däke die im Juli eingeführte Steuer-Identifikationsnummer,
die bei der Geburt vergeben und erst 20 Jahre nach dem Tod
gelöscht werden soll.
(Quelle: dpa)
Regierung plant Ausbildungsbonus von bis zu 6000 Euro
So.06.01.08 - Die Bundesregierung will die betriebliche Ausbildung von schwer
vermittelbaren Jugendlichen mit einem Zuschuss von 4000 bis 6000 Euro
belohnen.
Einen entsprechenden Ausbildungsbonus werde das Kabinett am kommenden
Mittwoch auf den Weg bringen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am
Samstag aus Kreisen der Regierungskoalition. Den Einmalbetrag sollen
Betriebe erhalten, die zusätzliche Lehrstellen schaffen und diese
mit besonders förderbedürftigen Altbewerbern besetzen.
Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) erhofft sich davon, dass in den
nächsten drei Jahren rund 90.000 bereits länger suchende
Ausbildungsbewerber eine Lehrstelle finden.
Die Bonuszahlung richte sich nach der Höhe der monatlichen
Ausbildungsvergütung, hieß es in den Koalitionskreisen. Bei
Vergütungen unter 500 Euro betrage der Einmalbonus 4000 Euro. Bei
Lehrlingsvergütungen zwischen 500 und 750 Euro liege der Bonus bei
5000 Euro. Danach steige er auf 6000 Euro. Gezahlt werde aber nur, wenn
der Betrieb die Lehrstelle zusätzlich zu bestehenden
Ausbildungsplätzen anbiete. Das Programm ist bis 31. Dezember 2010
befristet.
(Quelle: rtr)
Hamburgs Bürgermeister hält Schwarz-Grün für
möglich
So.06.01.08 - Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) kann sich ein
schwarz-grünes Bündnis in der Hansestadt vorstellen. Wie die
«Berliner Zeitung» (Samstagausgabe) berichtet, erklärte
Ole von Beust am Freitagabend auf der CDU-Klausurtagung in Wiesbaden,
er rechne nach der Landtagswahl in Hamburg im Februar zwar fest mit
einer absoluten Mehrheit für die Union. Sollte er dieses Ziel aber
verfehlen, wolle er «das schwarz-grüne Experiment»
wagen. Die Hamburger Bürgerschaft wird am 24. Februar neu
gewählt. Beust regiert in der Hansestadt seit 2004 mit absoluter
Mehrheit. Schwarz-Grüne Koalitionen gibt es bislang nur auf
kommunaler Ebene.
(Quelle: ddp)
FDP streitet weiter über ihr Erscheinungsbild
So.06.01.08 - Die FDP streitet weiter über ihr Führungspersonal und ihre
Präsentation in der Öffentlichkeit. Die stellvertretende
Parteivorsitzende Cornelia Pieper sagte dem Nachrichtenmagazin
«Focus»: «Die FDP braucht eine bessere Vermarktung
ihrer Politik.» Dazu gehöre auch ein «sichtbares,
breites Personalangebot». Parteichef Guido Westerwelle bleibe
«das beste Pferd im Stall».
Pieper reagierte damit auf das Grundsatzpapier des früheren
Partei- und Fraktionschefs Wolfgang Gerhardt, der kurz vor dem
traditionellen Dreikönigstreffen der Liberalen in Stuttgart eine
Diskussion über Westerwelles Führungsstil ausgelöst
hatte. Sein Vorwurf: Mit einer Ein-Mann-Schau könne man nicht
«kurz vor der Bundestagswahl Kaninchen aus dem Hut zaubern».
Der stellvertretende Parteivorsitzende Rainer Brüderle verlangte
mehr Disziplin: «Programmarbeit ist gut, Streit wäre
schlecht», sagte er laut «Focus». Wähler
könnten zwischen beidem gut unterscheiden. Laut «Hamburger
Abendblatt» sagte Brüderle: «Niemand kann bezweifeln,
dass Guido Westerwelle wie Wolfgang Gerhardt den Erfolg der FDP wollen.
Es ist jetzt wichtig, als Team gemeinsam an einem Strang in die richtige
Richtung zu ziehen.» Oberstes Ziel müsse es sein, in Hessen
und Niedersachsen handlungsfähige Reformmehrheiten zu erreichen.
Zu den umstrittenen Äußerungen von FDP-Generalsekretär
Dirk Niebel, der die Arbeit der Großen Koalition mit
DDR-Verhältnissen verglichen hatte, sagte Brüderle: «Das
war sicher kein guter Vergleich. Es ist wichtig, dass Niebel
öffentlich sein Bedauern geäußert hat.»
Unterdessen widersprach FDP-Präsidiumsmitglied Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger dem Vorwurf sozialer Kälte ihrer
Partei. Es sei auch Ziel liberaler Politik, soziale Gerechtigkeit
herzustellen, sagte sie am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Als
Beispiel nannte sie ein Mindesteinkommen für jeden Bürger
anstelle eines gesetzlichen Mindestlohns. Dabei müsse die FDP
deutlich machen, dass sie mit ihrem Setzen auf Instrumente der sozialen
Marktwirtschaft und des Wettbewerbs nicht den einzelnen Menschen aus den
Augen verliere.
Die baden-württembergische FDP kommt am Samstagvormittag zu einem
eintägigen Landesparteitag zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen
der Delegierten stehen die Bildungs- und die Wirtschaftspolitik. Die
Zusammenkunft findet immer einen Tag vor dem traditionellen
Dreikönigstreffen der Bundespartei statt.
(Quelle: ap)
CDU will Jugendstrafrecht drastisch verschärfen
So.06.01.08 - Der CDU-Bundesvorstand hat sich auf eine drastische Verschärfung
des Jugendstrafrechts festgelegt. Auf einer Vorstandsklausur am Samstag
in Wiesbaden beschloss die Parteiführung einstimmig einen
Forderungskatalog, der unter anderem härtere Strafen für
Jugendliche, die Einführung von Erziehungscamps sowie die
schnellere Abschiebung krimineller Ausländer enthält.
Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die SPD auf, bereits in der
übernächsten Woche mit der Beratung entsprechender
Gesetzesänderungen im Bundestag zu beginnen.
«Wir sollten das nicht auf die lange Bank schieben», sagte
Merkel. Die CDU-Vorsitzende verwies darauf, dass der Bundesrat in den
vergangenen Jahren bereits eine Vielzahl der nun geforderten
Rechtsverschärfungen gebilligt habe. Im Bundestag seien
härtere Sanktionen gegen kriminelle Jugendliche aber stets am
Widerstand der SPD gescheitert. Merkel begrüßte es, dass der
SPD-Vorsitzende Kurt Beck in einem «Spiegel»-Interview
Gesprächsbereitschaft signalisiert habe.
«Es darf nicht nur geredet werden», mahnte Merkel
allerdings zugleich. Es werde sich zeigen, ob die Sozialdemokraten zu
Änderungen im Jugendstrafrecht wirklich bereit seien. Der
hessische Ministerpräsident Roland Koch sagte, die Union werde es
in den laufenden Wahlkämpfen zum Thema machen, wenn die SPD nicht
auf die Linie der CDU einschwenke: «Die Wählerinnen und
Wähler werden in einem solchen Wahlkampf beobachten, ob Herr Beck
nur Zeit gewinnen will.»
Nach der «Wiesbadener Erklärung» sollen Jugendliche
künftig im Fall einer Bewährungsstrafe zusätzlich einen
sogenannten «Warnschussarrest» absitzen müssen. Zudem
fordert das Papier die Anhebung der Höchststrafe für
Jugendliche von 10 auf 15 Jahre und die konsequente Anwendung des
Erwachsenenstrafrechts bei allen Tätern über 18 Jahre. Auch
sollen kriminelle Ausländer künftig schon bei Verurteilung zu
einer Haftstrafe von einem Jahr zwingend in die Heimat abgeschoben
werden. Bislang liegt die Grenze bei drei Jahren.
Darüber hinaus tritt die CDU dafür ein, Führerschein-
oder Fahrverbote als eigenständige Sanktion im Jugendstrafrecht zu
verankern. Jugendliche Straftäter sollen frühzeitig
Erziehungscamps mit therapeutischem Gesamtkonzept absolvieren
müssen. Nach schweren Straftaten sollen künftig auch
Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren in Sicherungsverwahrung
geschickt werden können.
Auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung am Freitagabend hatte Merkel
erstmals öffentlich eine drastische Verschärfung des
Jugendstrafrechts gefordert. «Es kann doch nicht sein, wenn eine
Minderheit der Mehrheit Angst macht», sagte Merkel in Wiesbaden.
(Quelle: ap)
Mutter des Münchner U-Bahn-Schlägers entschuldigt sich
So.06.01.08 - Die Mutter des Münchner U-Bahn-Schlägers Serkan A. hat sich
für ihren Sohn entschuldigt. «Ich bitte alle Deutschen um
Verzeihung», sagte die 62-Jährige der
«Bild»-Zeitung zufolge. Sie sei sehr wütend auf Serkan.
«Aber er ist trotzdem mein Kind», sagte die Frau, die seit
fast 45 Jahren in Deutschland lebt. Zugleich erklärte sie:
«Mein Sohn soll eine gerechte Strafe bekommen, aber wir wollen
weiter hier in Ruhe leben.» Der 76-jährige Rentner, den
Serkan A. zusammen mit einem Komplizen zusammengeschlagen, lehnte eine
Entschuldigung unterdessen ab.
Die Mutter von Serkan A. gab sich eine Mitschuld an dem Verhalten ihres
Sohnes. «Ich hatte zu wenig Zeit für ihn. Ich musste
arbeiten, das Geld war knapp. Ich konnte ihm nie teure Dinge kaufen, die
er sich wünschte», sagte sie. Als Kind sei Serkan
schüchtern gewesen. Sein Vater hat ihn schwer misshandelt, deshalb
sei sie in ein Frauenhaus gegangen. «Danach wurde es schwierig. Er
hat nicht mehr auf mich gehört. Wir waren oft bei der Polizei,
beim Jugendamt. Aber die wussten auch nicht, was sie machen
sollten», berichtete sie. Serkan habe keinen Schulabschluss und
keine Ausbildung.
Er habe am 15. Januar seine deutsche Freundin heiraten wollen,
erklärte die Mutter. «Er wollte immer eine deutsche
Frau», habe fast nur deutsche Freunde. «Deutschland ist
unsere Heimat. Wir wollen nicht zurück», sagte die
Türkin.
Das Tatvideo habe sie sich mehrfach im Fernsehen angeschaut. «Ein
älterer Herr wird geschlagen und getreten. Das hätte auch ich
sein können. Ich habe mich gefragt, was ist das für ein Junge?
Man sollte die Psyche meines Sohnes untersuchen», erklärte
die Mutter. Sie sei froh, dass es dem Opfer wieder besser gehe, und
würde ihn gerne besuchen.
Auch Serkan A. hatte angekündigt, er wolle sich bei seinem Opfer
entschuldigen. Der Rentner dagegen wies dies zurück. «Ich
will von den Totschlägern keine Entschuldigung. Auch nicht von
ihren Eltern», sagte er der «Bild»-Zeitung zufolge.
Denn es sei keine ehrliche Entschuldigung. Den Eltern des
20-jährigen Serkan A. und des 17-jährigen Griechen Spiridon L.
machte er schwere Vorwürfe. «Wenn sie sich um die Erziehung
ihrer Kinder von Anfang an richtig gekümmert hätten,
wäre es wahrscheinlich nicht zu den vielen Straftaten
gekommen», erklärte er.
Die mehrfach Vorbestraften hatten den pensionierten Schulrektor am 20.
Dezember brutal zusammengeschlagen und ihm den Schädel eingetreten,
nachdem er sie aufgefordert hatte, in der U-Bahn nicht zu rauchen. Wie
das Nachrichtenmagazin «Focus» berichtete, belasten sich
die beiden Täter, die kurz nach dem Vorfall festgenommen wurden,
gegenseitig. Der Angriff hat bundesweit für Aufsehen gesorgt und
eine Debatte über das Jugendstrafrecht ausgelöst.
(Quelle: ap)