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Irak am 1385sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens 18 Tote bei Anschlagsserie in Bagdad
Di.08.01.08 - Bei einer Anschlagsserie in Bagdad sind mindestens 18 Menschen
getötet worden, unter ihnen ein wichtiger Verbündeter der
US-Truppen im Kampf gegen das Terrornetzwerk El Kaida. Nach Angaben der
irakischen Sicherheitskräfte wurde außerdem ein
Granatenangriff auf das Bagdader Schiitenviertel Sadr City verübt,
bei dem zwei weitere Menschen getötet wurden. Bei einer Explosion
in einer der wichtigsten irakischen Ölraffinerien im Nordirak kam
ein Ingenieur ums Leben. Das irakische Ölministerium konnte
zunächst keine Angaben über die Explosionsursache machen.
Rijad el Sammarai, einer der Anführer der sunnitischen Miliz mit
dem Namen Erwachen von Adhamija wurde von einem
Selbstmordattentäter getötet. Wie Abu Abed, Kommandeur der im
Stadtviertel Adhamija im Norden Bagdads gegen El Kaida kämpfenden
Miliz, sagte, trug der Attentäter eine mit Sprengstoff
präparierte Weste und zündete den Sprengsatz in den
Räumen der Organisation Sunnitische Stiftung. Kurze Zeit
später sprengte sich ein weiterer Attentäter am Anschlagsort
in einem Auto in die Luft, als ein Krankenwagen die Verletzten
abtransportieren wollte. Bei beiden Anschlägen kamen den Angaben
zufolge zusammen mindestens 14 Menschen ums Leben.
Bei einem Bombenanschlag in der Nähe der Technischen
Universität im Osten Bagdads wurden drei Menschen getötet und
acht weitere verletzt, unter ihnen mehrere Studenten. Nach Angaben der
Sicherheitskräfte detonierte am Montag ein weiterer Sprengsatz vor
der Bagdader Universität im Süden der Stadt. Bei der
Explosion kam ein Mensch ums Leben, vier weitere wurden verletzt.
Die Raffinerie in der Stadt Baidschi 200 Kilometer nördlich von
Bagdad musste die Produktion vorübergehend einstellen, wie ein
Sprecher des Ölministeriums mitteilte. Mehrere Menschen
hätten Brandverletzungen erlitten. Der Sprecher sagte weiter, dass
eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Der Vorfall habe sich in
einem Abschnitt ereignet, in dem derzeit Wartungsarbeiten
stattfänden.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 08.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertdreiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Nahost-Konflikt: Israel lehnt Veröffentlichung von
Siedlungsbericht ab
Di.08.01.08 - Die israelische Regierung lehnt laut einem Pressebericht die
Veröffentlichung eines offiziellen Berichts über die
Siedlungen im Westjordanland ab. Aus dem fraglichen Dokument gehe
hervor, dass zahlreiche Baumaßnahmen im Westjordanland ohne
Genehmigung erfolgt seien, berichtete die Zeitung "Haaretz". Davon
betroffen seien sowohl offiziell anerkannte als auch illegale
Siedlungen. Aus Sorge um die "Sicherheit des Staates und die
außenpolitischen Beziehungen" habe das Verteidigungsministerium in
der vergangenen Woche das Bezirksgericht von Tel Aviv aufgefordert, ein
Zurückhalten des Berichts zu unterstützen, berichtete
"Haaretz". Eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus.
Das Gericht war von der Anti-Siedlungs-Bewegung "Frieden jetzt" und der
Gesellschaft zur Informationsfreiheit angerufen worden, die beide die
Veröffentlichung des 2006 erstellten Berichts fordern. Das
israelische Verteidigungsministerium lehnt die Veröffentlichung des
Berichts unter anderem aus Sorge um die Beziehungen zur US-Regierung
ab, die einen Siedlungsstopp fordert. Die internationale Gemeinschaft
betrachtet ausnahmslos
(Quelle: afp)
Mehr als 600 Tote durch Gewaltwelle in Kenia
Di.08.01.08 - Bei der Welle der Gewalttaten in Kenia sind seit den
Präsidentschaftswahlen am 27. Dezember mindestens 600 Menschen
getötet worden. Dies sagten Polizeivertreter in Nairobi. Die von
der UNO mitgetragene Konferenz der Großen Seen sieht Elemente von
Völkermord gegeben. Der kenianische Oppositionsführer Raila
Odinga ist derweil zur Bildung einer Einheitsregierung mit dem
Präsidenten Mwai Kibaki bereit. "Wir bieten eine
Übergangsregierung zwischen Kibakis und meiner Partei an. Die
Koalition soll drei Monate dauern", sagte er.
In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung", sagte
Odinga, in dieser Zeit müsse die Wiederholung der
Präsidentenwahl vorbereitet werden. Kibaki hatte der Opposition am
Samstag eine Einheitsregierung angeboten, was Odinga aber zunächst
ablehnte. Von seiner Bereitschaft, eine Neuauszählung der Stimmen
vorzunehmen, rückte Odinga hingegen ab: "Die Dokumente sind in den
vergangenen Tagen gefälscht worden. Sie noch einmal auszuwerten,
macht keinen Sinn."
Odinga warnte auch vor einem drohenden Bürgerkrieg in Kenia. "Es
besteht zurzeit eine große Gefahr, denn im ganzen Land herrschen
Unruhen. Viele Kenianer sehen die Demokratie bedroht", sagte Odinga.
Kenia müsse "eine Situation wie in der Elfenbeinküste im Jahr
2000 nach den Wahlen" vermeiden. Dort war es nach gefälschten
Wahlen ebenfalls zu Unruhen gekommen. "Die Wirtschaft der
Elfenbeinküste ist vernichtet. Und es gibt dort immer noch einen
Bürgerkrieg", erklärte Odinga.
Der 62-Jährige kündigte für die geplante Demonstration
seiner Anhänger am Dienstag einen friedlichen Kurs an. "Wir haben
unseren Leuten gesagt, kommt mit einem weißen Armband als Zeichen
des Friedens", sagte Odinga der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Überrascht zeigte sich Odinga von der deutschen Ankündigung,
möglicherweise würden europäische Hilfen eingefroren,
falls Regierung und Opposition in Kenia nicht auf Vermittlungsangebote
eingingen. "Das hätte schwerwiegende wirtschaftliche Konsequenzen
für Kenia. Wenn das Geld ausfällt, könnten viele
Entwicklungsprojekte nicht verwirklicht werden", warnte der
Oppositionsführer.
Die Konferenz der Großen Seen sieht in den Gewalttaten in Kenia
Elemente von Völkermord gegeben. "Einige dieser Morde werden mit
kalter Planung vorgenommen, was an ethnische Säuberung und
Völkermord erinnert", erklärte der Chef der Konferenz,
Liberata Mulamula, in Nairobi. Dabei werde auf die "Verletzlichsten,
einschließlich Frauen und Kinder, gezielt".
(Quelle: afp)
UN-Prozess gegen ehemaligen liberianischen Präsidenten Taylor
fortgesetzt
Di.08.01.08 - Vor dem Haager UN-Tribunal ist am Montag der Prozess gegen den
früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor
fortgesetzt worden. Ihm wird zur Last gelegt, die Rebellen der
Revolutionären Vereinigten Front (RUF) in Sierra Leone
unterstützt zu haben. Diese töteten und verstümmelten
während des Bürgerkriegs von 1991 bis 2002 zehntausende
Menschen. Finanziert wurde der Krieg überwiegend aus dem
Schwarzhandel mit Diamanten.
Die Ankläger zeigten den Richtern am Montag einen Dokumentarfilm
über diese Blutdiamanten. Taylor wird vorgeworfen, sich nicht
zuletzt deshalb in die Kämpfe im Nachbarland Sierra Leone
eingemischt zu haben, um an die wertvollen Steine zu gelangen. Als
erster von 144 Zeugen der Anklage erläuterte der kanadische
Experte Ian Smillie die Vorgänge des illegalen Diamantenhandels.
Die Anwälte Taylors wiesen die Vorwürfe zurück.
Insgesamt liegen gegen den ehemaligen Staatschef elf Anklagepunkte vor,
darunter Mord, Vergewaltigung, Rekrutierung von Kindersoldaten und
weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Im Falle eines
Schuldspruchs droht dem 59-Jährigen lebenslange Haft. Der Prozess
begann vor sechs Monaten. Taylor boykottierte jedoch die
Eröffnungssitzung und feuerte seinen Anwalt, woraufhin das
Verfahren vertagt wurde.
(Quelle: ap)
Gespräche über Westsahara-Konflikt unter UN-Vermittlung
Di.08.01.08 - Marokko und die Unabhängigkeitsbewegung Polisario ringen unter der
Vermittlung der Vereinten Nationen (UN) erneut um eine Lösung des
jahrzehntealten Westsahara-Konflikts. Beide Parteien wollten am
(heutigen) Dienstag und Mittwoch in Manhasset im US-Staat New York zu
Gesprächen zusammentreffen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
appellierte am Montag auf seiner ersten Pressekonferenz des Jahres an
alle Beteiligten, diesmal schnelle und spürbare Fortschritte zur
Lösung des Konfliktes zu erzielen.
Die frühere spanische Kolonie Westsahara wurde 1975 von Marokko
annektiert. Die von Algerien unterstützten Polisario verlangen
jedoch die Unabhängigkeit. Auch die Vereinten Nationen haben die
Annexion offiziell nicht anerkannt. Ihr Vorhaben, in der Westsahara
eine Volksabstimmung abzuhalten, scheiterte jedoch am Widerstand
Marokkos. Seit einem Waffenstillstandsabkommen von 1991 sind etwa 500
UN-Friedenssoldaten in der Region stationiert.
(Quelle: ap)
Militante Islamisten töten in Pakistan acht Stammesführer
Di.08.01.08 - Mutmaßliche militante Islamisten haben in Pakistan acht
Stammesführer erschossen. Die Getöteten waren in Verhandlungen
eingebunden, um im Nordwesten des Landes einen Waffenstillstand
zwischen Aufständischen und Sicherheitskräften zu erreichen,
wie ein Behördensprecher mitteilte. Die Männer seien bei
verschiedenen Angriffen am späten Sonntag und frühen Montag
in der Bergregion Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan
getötet worden.
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Ein Selbstmordattentäter zündete unterdessen in der Region
Swat in der Nähe eines Gästehauses, in dem Offiziere
übernachteten, eine Bombe. Dabei kam der Attentäter nach
Militärangaben ums Leben, ein weiterer Mensch wurde verletzt. Der
Attentäter zündete seinen Sprengsatz, als er an einem
Kontrollposten von Soldaten angehalten wurde. In der Region Swat
kämpfen Regierungstruppen gegen Anhänger des radikalen
Predigers Maulana Fazlullah, der den Taliban nahesteht.
(Quelle: ap)
US-Marines untersuchen Tod von Zivilpersonen in Afghanistan
Di.08.01.08 - Zur Aufklärung eines tödlichen Zwischenfalls in Afghanistan
haben die US-Marines am Montag zum ersten Mal seit über 50 Jahren
ein spezielles Untersuchungsgericht eingerichtet. Dabei geht es darum,
die Schuld von zwei leitenden Marine-Infanteristen am Tod von 19
afghanischen Zivilpersonen zu klären. Nach einem
Sprengstoffanschlag auf ihren Konvoi hatten Soldaten der Einheit in der
Provinz Nangahar am 4. März über eine Strecke von 16
Kilometern mutmaßlich wahllos auf Zivilpersonen gefeuert. Dabei
sollen auch mindestens 50 Menschen verletzt worden sein.
Der Zwischenfall erregte in Afghanistan große Aufmerksamkeit. Die
120 Mann starke Spezialeinheit der US-Marines wurde aus dem Land
abgezogen, nun müssen sich ihre Chefs verantworten. Zuletzt hatte
die Marine-Infanterie 1956 ein solches Untersuchungsgericht
eingerichtet, damals ging es um das Fehlverhalten eines Vorgesetzten,
das sechs Soldaten das Leben kostete.
(Quelle: ap)
US-Präsidentschaftswahlkampf: Obama liegt in zwei Umfragen
deutlich vor Clinton
Di.08.01.08 - Kurz vor den Vorwahlen im US-Bundesstaat New Hampshire liegt der
demokratische Sieger der Vorwahlen in Iowa, Barack Obama, in zwei
Umfragen jeweils in einem zweistelligen Bereich vor seiner Mitstreiterin
für die Präsidentschaftskandidatur, Hillary Clinton. In einer
Gallup-Umfrage für die Zeitung "USA Today" schob sich der Senator
aus Illinois mit 13 Punkten vor Clinton. In einer Umfrage für die
Sender CNN und WMUR lag Obama mit zehn Punkten vor der ehemaligen First
Lady. In beiden Umfragen kam bei den Republikanern der Senator aus
Arizona, John McCain, auf den ersten Platz.
Laut der Gallup Umfrage, bei der von Freitag bis Sonntag 778 Demokraten
in New Hampshire befragt wurden, bekam Obama 41 Prozent
Unterstützung, Clinton nur 28. Der frühere Senator John Edward
kam auf 19 Prozent. Bei der CNN/WMUR-Umfrage kam Obama auf 39, Clinton
auf 29 Prozent. Hier wurden 268 Demokraten befragt. Die Fehlerquote lag
bei fünf Prozent. "Die Ergebnisse der Vorwahlen in Iowa hat eine
wachsende Anzahl von Wählern in New Hampshire überzeugt, dass
es Obama wirklich schaffen kann", sagte Keating Holland, der bei CNN
zuständig für die Umfragen ist.
In der Gallup-Umfrage überholte bei den Republikanern John McCain
den Mormonen Mitt Romney. McCain lag bei 34 Prozent, Romney bei 30. Bei
einer Gallup-Umfrage vom Dezember war Romney noch auf Platz eins. Der
Sieger von Iowa, Mike Huckabee, lag jetzt bei 13 Prozent, im Dezember
hatte er neun Prozent. Der ehemalige Kongressabgeordnete Ron Paul aus
Texas und der frühere New Yorker Bürgermeister Rudi Giuliani
lagen beide bei acht Prozent. Es wurden insgesamt 776 Republikaner
befragt. Die Fehlerquote liegt bei vier Prozent.
In der Umfrage für die Sender CNN und WMUR lag McCain mit 32
Prozent vorne, Romney bekam 26 Prozent. Huckabee lag auf Platz drei mit
14 Prozent. In New Hampshire wurden 341 Republikaner befragt, die
Fehlerquote lag bei sechs Prozent.
Am Dienstag stimmt der Bundesstaat New Hampshire als zweiter über
die Bewerber der Parteien für die Präsidentschaftskandidatur
ab. Bei den Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa hatten sich die
Anhänger der Demokraten und Republikaner deutlich für
Vertreter eines politischen Neuanfangs entschieden. Senkrechtstarter
Obama lag bei der Demokratischen Partei im Rennen um die
Spitzenkandidatur mit 38 Prozent vor Edwards mit 30 Prozent und der als
Favoritin gehandelten Clinton mit 29 Prozent. Bei den Republikanern
setzte sich in Huckabee (34 Prozent) ebenfalls ein Vertreter des Wandels
durch. Konkurrent Romney erhielt 25 Prozent.
(Quelle: afp)
Arbeitslosenquote in der Eurozone weiter bei 7,2 Prozent
Di.08.01.08 - Die Arbeitslosenquote in der Eurozone hat sich im November wie im
Vormonat auf 7,2 Prozent belaufen. Volkswirte hatten im Konsens mit
einem leichten Rückgang auf 7,1 Prozent im gemeinsamen
Währungsgebiet gerechnet. Weiteren Angaben der europäischen
Statistikbehörde Eurostat vom Montag zufolge blieb auch für
die gesamte EU die Arbeitslosenquote im November unverändert und
belief sich auf 6,9 Prozent. Nach Schätzungen von Eurostat waren
in der Eurozone 11,0 Millionen Menschen und in der gesamten EU 16,4
Millionen Menschen arbeitslos.
Bei den Eurostat-Zahlen handelt es sich um saisonbereinigte Daten, die
gemäß den Kriterien der International Labour Organization
(ILO) ermittelt werden.
(Quelle: ddp)
Italiens Regierung will bei Müllkrise in Neapel radikal
durchgreifen
Di.08.01.08 - Die italienische Regierung hat für Dienstag "radikale"
Maßnahmen gegen die Müllkrise in Neapel angekündigt.
"In 24 Stunden werden wir so weit sein, der Situation auf radikale
Weise zu begegnen", erklärte ein Sprecher von
Ministerpräsident Romano Prodi Medienberichten zufolge nach einer
Sondersitzung auf Ministerebene. Für Dienstagmorgen wurde ein
weiteres Treffen angesetzt. Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio
forderte, die Armee zum Einsammeln des Mülls einzusetzen. Die
Polizei ging mit Gewalt gegen Demonstranten an der Deponie von Pianura
vor.
Auf den Straßen der Region Kampanien stapelten sich mittlerweile
mehr als 110.000 Tonnen Abfälle. Prodi traf am Montagabend
zunächst mit Staatschef Giorgio Napolitano zusammen, der selbst
aus Neapel stammt, um das Problem zu erörtern. Später fand
ein Treffen mit Behördenvertretern der Region in Neapel statt.
Am Morgen war der Streit um die Mülldeponie in Neapels Vorort
Pianura nach tagelangen Protesten eskaliert. Hunderte Demonstranten
versuchten, Müllwagen mit Straßensperren die Zufahrt zu der
Kippe verwehren. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein,
Demonstranten warfen Steine. Es gab drei Verletzte. Am Abend zog sich
die Polizei aus Pianura zurück. Gegner der Deponie feierten das
als Sieg, ein Polizeisprecher sagte jedoch der Nachrichtenagentur AFP,
die Anlage werde keineswegs aufgegeben.
Die Deponie war vor elf Jahren wegen Gesundheitsgefahren geschlossen
worden, wurde aber inzwischen offiziell wieder in Betrieb genommen.
Nach dem Willen der Behörden sollen dort weitere zehntausende
Tonnen Müll gelagert werden. Anwohner wehren sich dagegen, weil
sie Gestank und Gesundheitsrisiken befürchten.
Neapel und die gesamte Region leiden seit mehr als einem Jahrzehnt
unter einem Entsorgungsproblem. Deponien und Wiederaufbereitungsanlagen
sind chronisch überlastet, außerdem wurden von der
örtlichen Mafia betriebene Müllhalden geschlossen. Das
Geschäft mit der Müllentsorgung ist nach Ansicht von Experten
nach dem Drogenschmuggel die wichtigste Einnahmequelle der Camorra, die
öffentliche Gebühren für die Entsorgung unterbietet und
illegale Deponien betreibt. Seit 1994 herrscht in Kampanien daher ein
"Dauer-Müllnotstand". Der Staat gab bereits mehr als eine
Milliarde Euro aus und ernannte acht Kommissare in Folge, um die Krise
zu beizulegen - bislang jedoch ohne Erfolg.
(Quelle: afp)
Deutschland
Kampf gegen Jugendgewalt wird Wahlkampfthema
Di.08.01.08 - Mit heftigen Schuldzuweisungen haben Union und SPD ihre gegenseitigen
Attacken mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen fortgesetzt.
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck warf der CDU zum Abschluss einer
Vorstandsklausur seiner Partei in Hannover
«Rechtspopulismus» vor.
Beck griff vor allem den hessischen Ministerpräsidenten Roland
Koch (CDU) scharf an, der den Streit mit seiner Forderung nach einer
deutlichen Verschärfung des Jugendstrafrechts ausgelöst
hatte. Die CSU-Bundestagsabgeordneten forderten auf ihrem Treffen im
bayerischen Wildbad Kreuth die SPD zum Einlenken auf.
«Das, was gerade geschieht, ist Rechtspopulismus und hat mit der
Mitte nichts mehr zu tun», sagte Beck in der
niedersächsischen Landeshauptstadt. CDU-Generalsekretär
Ronald Pofalla wies den Vorwurf als «absurd» zurück.
Er warf der SPD vor, sie habe «aus ideologischen Gründen ein
Problem mit der inneren Sicherheit». In Hessen und Niedersachsen
werden am 27. Januar neue Landtage gewählt. Am 24. Februar steht
in Hamburg die Wahl zur Bürgerschaft an.
Beck hatte der CDU vorgeworfen, bei den Landtagswahlen nach rechten
Wählerstimmen zu fischen. Die SPD-Spitze verabschiedete einen
Beschluss, in dem sie statt härterer Gesetze schnellere
Gerichtsverfahren bei Gewaltdelikten verlangt. Es gebe «kein
Gesetzes-, sondern ein Vollzugsdefizit». Die Forderung nach einem
«Warnschussarrest», wobei kriminelle Jugendliche
zusätzlich zu einer Bewährungsstrafe für bis zu vier
Wochen weggesperrt werden könnten, griff die SPD nicht auf.
CSU-Chef Erwin Huber sagte zum Auftakt der Winterklausur der CSU-
Landesgruppe in Wildbad Kreuth, die jüngsten Gewalttaten zeigten,
dass die geltenden Gesetze nicht ausreichten. «Wenn die SPD sich
verweigert, dann macht sie sich schuldig an der inneren Sicherheit in
Deutschland.» Landesgruppenchef Peter Ramsauer warf der SPD vor,
bei einem weiteren Nein zu schärferen Gesetzen werde sie selbst
zum «Sicherheitsrisiko». Die Präsidentin des
Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, warnte vor einer
Stärkung der rechtsextremen Szene durch die laufende Debatte.
Ungeachtet ihrer massiven Differenzen über Mindestlöhne will
die große Koalition an diesem Mittwoch das weitere Verfahren
ausloten. Der SPD-Vorstand bekräftigte in einem Positionspapier
die Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn. Einem
Mindesteinkommen, wie es die Union und Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) vorgeschlagen hatten, erteilte die SPD eine klare Absage. Bei
einem Mindesteinkommen würden Niedriglöhne bei Bedarf mit
staatlichen Zuschüssen kombiniert. Der Vorsitzende der
Linksfraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine, begrüßte den
SPD-Beschluss zum Mindestlohn. Er forderte die Sozialdemokraten auf,
den Worten endlich Taten folgen zu lassen.
Streit zwischen den Koalitionspartnern gibt es auch in der
Steuerpolitik. Die SPD wies Forderungen aus den Reihen der Union nach
raschen Steuersenkungen zurück. Bundesfinanzminister Peer
Steinbrück (SPD) warnte allerdings erneut vor zu frühen
Steuersenkungen und damit neuen Belastungen für den Haushalt.
«Ich sehe Risiken bei der Konjunktur, die darauf hinweisen: Es
wird aller Kräfte bedürfen, die Neuverschuldung weiter zu
senken», sagte er dem «Handelsblatt».
Die CDU will bereits 2009 Eckpunkte für eine Steuerreform
vorlegen. Die CSU strebt Steuersenkungen spätestens 2011 an. Beck
sagte: «Es ist weder notwendig noch machbar, jetzt über
Steuersenkungen zu sprechen.» Ramsauer meinte, wenn die
Neuverschuldung 2010 auf Null reduziert sein würde,
«könnten sich die Bürger auf Steuerentlastungen
freuen.»
(Quelle: dpa)
Justizministerin Zypries sieht Defizite der Justiz bei
Jugendkriminalität
Di.08.01.08 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sieht bei der Bekämpfung
der Jugendkriminalität auch Defizite bei Richtern:
"Selbstverständlich kann auch die Justiz, was die Frage nach der
Schnelligkeit der Verfahren anbelangt, noch deutlich besser werden",
sagte die SPD-Politikerin am Montag in der ARD. Es sei bei Jugendlichen
besonders wichtig, dass die Strafe nach der Tat besonders schnell
erfolge. Der Vorteil des Jugendstrafrechts sei eine ganze Palette von
Sanktionsmöglichkeiten. Diese müssten möglichst schnell
verhängt und vollstreckt werden und sie müssten so gestaltet
sein, dass die Jugendlichen etwas lernen würden.
Der Richterbund wies Vorwürfe aus der SPD zurück, für
die Jugendgewalt seien zum Teil zu lasche Richter verantwortlich. Dies
sei eine "Diffamierung der Kollegen und ihrer gesetzlichen Aufgabe, im
Jugendrecht Opfer und Täter gerade in besonderer Weise in den Blick
zu nehmen", sagte der Vorsitzende des Richterbundes, Christoph Frank,
der Online-Ausgabe des Magazins "Focus". Berlins Innensenator Ehrhart
Körting hatte der Print-Ausgabe des Magazins gesagt,
mitverantwortlich für die Kriminalität unter Jugendlichen
ausländischer Herkunft seien jene Richter, die jeden dieser
Täter als "armes Opfer spätkapitalistischer Produktionsweise"
sähen. Die Psyche der Opfer sei "etlichen Richtern
scheißegal".
Zypries wies erneut Vorstöße der Union für
schärfere Gesetze - wie von Hessens Ministerpräsident Roland
Koch - als "völlig populistisch" zurück. Alle Fachleute
hätten sich in der Vergangenheit gegen Erwachsenenstrafrecht ab 18,
schnellere Ausweisung oder Warnschussarrest ausgesprochen. Mit einem
Warnschuss-Arrest werde keine kriminelle Karriere verhindert.
Nötig sei mehr Prävention und eine bessere Integration.
(Quelle: rtr)
Grünen-Chefin Roth: Schwarz-Grün in Hamburg keine Perspektive
Di.08.01.08 - Grünen-Parteichefin Claudia Roth sieht in den Avancen des
Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust für eine
schwarz-grüne Koalition nach der Bürgerschaftswahl Ende
Februar keine Ernst zu nehmende Offerte: "Das ist ein Angebot, das eher
von Nervosität zeugt statt von einer tatsächlichen
Perspektive", sagte Roth am Montag in Berlin. "Die Perspektive ist
Rot-Grün." Von Beust werde angesichts der Umfragen nervös.
Die Umfragen sagen derzeit einen Verlust der absoluten Mehrheit
für die CDU voraus. Ein Einzug der FDP in die Bürgerschaft
ist demnach fraglich. Außer in einer Koalition mit der SPD
könnte sich die CDU eine Regierungsbeteiligung daher nach
derzeitigen Umfragen nur mit den Grünen sichern.
Eine am Montag veröffentlichte Umfrage von Infratest-Dimap
für den NDR ergab 40 Prozent für die CDU, 35 Prozent für
die SPD, elf Prozent für die Grün-Alternative Liste (GAL) und
sechs Prozent für die Linke. Die FDP würde demnach mit vier
Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Gegenüber
der Dezember-Umfrage hätten CDU, GAL und Linke je einen Punkt
verloren, während SPD und FDP einen Punkt hinzugewonnen
hätten.
Von Beust hatte bei der Vorstandsklausur der Bundes-CDU in Wiesbaden um
Unterstützung für das erste schwarz-grüne
Regierungsbündnis auf Länderebene geworben, wenn die CDU bei
der Wahl am 24. Februar ihre absolute Mehrheit verlieren sollte.
Derzeit regieren die Grünen nur in einem Bundesland mit. In Bremen
bilden sie ein Regierungsbündnis mit der SPD.
Rot-Grün ist auch das Ziel der Hamburger GAL, wenngleich die
Umfragen bisher keine Mehrheit ergeben. Ihre Spitzenkandidatin Christa
Goetsch sagte dem "Hamburger Abendblatt", von Beust glaube nicht mehr
an einen eigenen Wahlsieg: "Uns motiviert das, weiter für ein
rot-grünes Bündnis zu kämpfen."
(Quelle: rtr)
Versicherten drohen hohe Kosten durch Gesundheitsfonds
Di.08.01.08 - Auf mehr als 44 Millionen gesetzlich Krankenversicherte kommen einer
Studie zufolge mit der Einführung des Gesundheitsfonds 2009
deutlich höhere Kosten zu.
Ihnen stehen nach Berechnungen des Münchner Instituts für
Gesundheitsökonomik (IfG) im Auftrag der Initiative "Neue soziale
Marktwirtschaft" Beitragserhöhungen von bis zu 700 Euro pro Jahr
ins Haus. Eine Sprecherin von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sprach
von unseriösen Mutmaßungen. Der Gesundheitsökonom und
SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach zog das Ergebnis in Zweifel. FDP und
Linkspartei forderten die Regierung auf, den Gesundheitsfonds
fallenzulassen.
Der Grund für die Mehrkosten für knapp 90 Prozent aller
Beitragszahler ist den Wissenschaftlern zufolge die Mechanik des neuen
Gesundheitsfonds. Er ist Bestandteil der Gesundheitsreform und soll ab
2009 das Geld zwischen den Kassen verteilen. Erstmals legt die
Regierung im Herbst einen bundeseinheitlichen Beitragssatz fest. Nach
Berechnungen des IfG wird dieser 15,5 Prozent betragen. Im Vergleich
zum geltenden Durchschnittssatz wäre dies ein Anstieg um 0,7
Prozentpunkte.
Zurzeit klaffen die Sätze der 210 Kassen mit einer Spanne von 12,2
bis 16,7 Prozent erheblich auseinander. Die 22,8 Millionen Mitglieder
von Kassen, die einen Beitrag von 14,9 Prozent oder niedriger haben,
müssten am tiefsten in die Tasche greifen - nach Berechnungen der
Forscher um bis zu 712,80 Euro.
Für rund 22 Millionen Versicherte liegt der Satz derzeit zwischen
14,9 und 15,4 Prozent - so etwa bei der Barmer als bundesweit
größter Kasse. Diese Versicherten müssten bis zu 108
Euro mehr zahlen. 5,5 Millionen Beitragszahler, die aktuell mehr als
15,5 Prozent zahlen, würden hingegen entlastet. Mitglieder einiger
Ortskrankenkassen (AOK) könnten pro Jahr bis zu 259,20 Euro sparen.
Ministeriums-Sprecher Klaus Vater nannte die Berechnungen falsch. Die
Wissenschaftler hätten den von 2,5 auf vier Milliarden Euro
steigenden Bundeszuschuss in ihrer Erhebung vergessen. Weiter
hieß es vom Ministerium, die Bundesregierung werde den Satz zum
1. November auf Grundlage der Ausgaben der Kassen festlegen. "Die
Krankenkassen bekommen genau das, was sie benötigen." In die
Entscheidung werde das Ergebnis des neu zu gründenden
Schätzerkreises einfließen.
Lauterbach zweifelte das Ergebnis der Erhebung an. Auch sein Institut
sei noch vor einiger Zeit von einem Beitragssatz des Fonds von 15,6
Prozent ausgegangen. Durch die gute Konjunktur und die höhere Zahl
sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sei der Wert
korrigiert worden. "Der Beitragssatz aufgrund unserer Prognosen wird
irgendwo zwischen 15,0 und 15,4 Prozent liegen", sagte er Reuters.
Berücksichtige man, dass auch ohne Fonds der durchschnittliche
Satz um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen müsse, werde der Fonds
die Beitragssätze unter dem Strich nicht erhöhen, aber auch
nicht senken. Allerdings müssten Mitglieder von
Betriebskrankenkassen mit höheren Kosten rechnen, während sie
für AOK-Mitglieder geringer würden. Für letztere bestehe
aber die Gefahr zusätzlicher Prämien, die die Kassen erheben
dürfen, sagte Lauterbach.
FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr erklärte, das IfG
bestätigte die Vorhersagen seiner Fraktion. Der Gesundheitsfonds
komme die Bürger teuer zu stehen. Die Koalition müsse diese
"bürokratische Geldumverteilungsbehörde" aufgeben. Frank
Spieth von der Linksfraktion monierte, die Reform sei fehlgeschlagen.
Alternative müsse eine solidarische Bürgerversicherung sein.
(Quelle: rtr)
Vorerst keine Pläne zur Steuersenkung
Di.08.01.08 - Die Bundesregierung plant keine Steuersenkungen vor der Bundestagswahl
2009, obwohl die CSU zumindest eine Debatte darüber fordert.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte am Montag in Berlin, die
Haushaltssanierung habe Vorrang. Auch SPD-Vorsitzender Kurt Beck und
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) machten deutlich, dass
vor 2011 nicht über Steuersenkungen zu reden sei.
Steinbrück sagte dem «Handelsblatt»: «Ich sehe
Risiken bei der Konjunktur, die darauf hinweisen: Es wird aller
Kräfte bedürfen, die Neuverschuldung weiter zu senken. Erst
bei einer Null reden wir wieder über Steuersätze, vorher
nicht.»
Sein Sprecher Torsten Albig sagte, neue Spielräume im Bundesetat
entstünden erst 2011, wenn die Neuverschuldung auf Null abgesenkt
sei. Erst dann könne entschieden werden, ob Einnahmen für
Steuersenkungen oder Investitionen genutzt werden könnten. Dieser
Zeitpunkt liege vor der übernächsten Bundestagswahl.
Auch SPD-Chef Beck wies Forderungen nach Steuersenkungen entschieden
zurück. Er sagte nach einer Klausurtagung der SPD-Spitze in
Hannover, mit den bereits umgesetzten und beschlossenen Steuerreformen
sei Deutschland im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt. Die
Lohnzusatzkosten seien deutlich gesenkt worden. Es komme jetzt darauf
an, den Konsolidierungskurs fortzusetzen. «Das wollen wir in
aller Klarheit tun», betonte Beck.
Zuvor hatte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) für eine
Senkung der Steuerbelastung von unteren und mittleren
Einkommensbeziehern plädiert. CSU-Chef Erwin Huber hatte vor der
traditionellen CSU-Winterklausur im oberbayerischen Wildbad Kreuth eine
Debatte über mögliche Steuersenkungen im kommenden Jahr
verlangt.
Die Politik müsse durch die Senkung von Steuern und Abgaben dazu
beitragen, dass der wirtschaftliche Aufschwung «noch mehr bei den
Menschen ankommt», sagte Huber. CSU-Landesgruppenchef Peter
Ramsauer machte deutlich, dass man «im nächsten und
übernächsten Jahr» darüber sprechen müsse,
«wie wir für die Menschen die Einkommens- und Lohnsteuer ab
dem Jahr 2011 senken können.»
Der finanzpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hermann Otto
Solms, forderte Huber im «Handelsblatt» zum Handeln auf:
«Herr Huber sollte beim Thema Steuersenkung nicht nur den Mund
spitzen, sondern auch pfeifen.» Der CSU-Chef könne das Thema
sofort in den nächsten Koalitionsausschuss einbringen und für
Entscheidungen sorgen. Sonst entpuppe sich Huber als
«Papiertiger», sagte Solms.
(Quelle: ap)
Karmann verschickt am Stammsitz Osnabrück 500 Kündigungen
Di.08.01.08 - Der Cabriohersteller Karmann will am Stammsitz Osnabrück noch im
Januar die ersten 500 Kündigungen verschicken, die durch den
Verlust von Produktionsaufträgen notwendig geworden sind.
«Der Abbau der dann noch verbleibenden 290 Planstellen wird im
Herbst 2008 stattfinden», erklärte Firmensprecher Christian
Eick am Montag.
Eine Transfergesellschaft solle den gekündigten Mitarbeitern den
Übergang in ein neues Beschäftigungsverhältnis
erleichtern, sagte Eick. Das sei in einem Sozialplan mit dem Betriebsrat
vereinbart worden. Am ebenfalls von Stellenverlusten betroffenen Werk
Rheine laufen laut Eick die Verhandlungen mit den
Arbeitnehmervertretern noch. Insgesamt will Karmann 1.770 Stellen
streichen.
Bei Karmann lief die Produktion eines Chrysler-Cabrios aus, im Herbst
2008 endet außerdem die Auftragsherstellung des Audi A4 Cabrios.
Für beide Modelle fehlen Folgeaufträge. Am Stammsitz
Osnabrück muss nach Firmenangaben außerdem bis Juli 2008 ein
Folgeauftrag für das Mercedes CLK Cabrio her. Ansonsten droht ein
noch höherer Stellenabbau von 600 bis 700 zusätzlichen
Arbeitsplätzen, wie Karmann schon früher erklärt hatte.
Die Karmann-Unternehmensgruppe beschäftigt bisher rund 7.000
Mitarbeiter an weltweit sechs Standorten und erzielte 2006 einen Umsatz
von rund 1,9 Milliarden Euro. Karmann baut im Auftrag von
Fahrzeugherstellern Cabrios, bietet aber auch fertige Dachsysteme an.
Die Dachfertigung ist von der Krise nicht betroffen. Zuletzt hatte sich
Karmann Hoffnungen auf den Bau der Geländeversion des Mini gemacht,
die Mini-Mutter BMW dann aber zu Magna Steyr in Graz vergab.
(Quelle: ap)
SPD will gegen Niedriglohnsektor vorgehen
Di.08.01.08 - Die SPD hat sich in einem Strategiepapier klar für
Mindestlöhne und eine Ausweitung des Arbeitnehmerentsendegesetzes
auf weitere Branchen ausgesprochen. Außerdem sollen die
Arbeitnehmerrechte gestärkt, mehr Ausbildungsplätze geschaffen
und Mitarbeiterbeteiligungen ausgebaut werden, wie es in dem am Montag
in Hannover vom Vorstand beschlossenen Papier mit dem Titel «Gute
Arbeit» heißt.
«Die Lohnspreizung hat in Deutschland in den vergangenen Jahren
zugenommen», heißt es darin. «Viele Menschen werden
nicht fair bezahlt und erzielen kein Einkommen, das ihren
Lebensunterhalt sichert.» Die SPD verweist deshalb auf
Vereinbarungen in der Koalition, nach dem ein Mindestlohn nach den
Postdiensten für weitere Branchen umgesetzt werden soll.
Außerdem habe sich die Koalition auf einen Ausbau des
Mindestarbeitsbedingungsgesetzes verständigt. Das seien wichtige
Schritte, um angemessene Arbeitsbedingungen und Löhne zu sichern.
«Jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet im
Niedriglohnbereich, die Mehrzahl Frauen. Derzeit sind rund 738.000
sozialversicherungspflichtig beschäftigte Menschen in Deutschland
auf ergänzende öffentliche Unterstützung durch das
Arbeitslosengeld II angewiesen», schreibt die SPD. Diese
Dumpinglöhne führten dazu, dass der Staat dauerhaft einen Teil
der Löhne zahle, was nicht hinnehmbar sei.
Die SPD verwies darauf, dass in 20 von 27 EU-Mitgliedstaaten ein
gesetzlicher Mindestlohn existiert. Nur in Zypern und Deutschland gebe
es bisher keine derartige Lohnuntergrenze. «Aber auch in
Deutschland ist der Fortschritt unaufhaltsam», erklärt die
SPD.
(Quelle: ap)
Wirtschaft kritisiert Politiker-Forderungen nach Lohnerhöhungen
Di.08.01.08 - In der Wirtschaft sind Forderungen aus der Bundesregierung nach
deutlichen Lohnsteigerungen auf Kritik gestoßen: "In der
Tarifpolitik befindet sich ein Teil der Politik auf erkennbar
populistischen Kurs, der das Finden von Lösungen erschwert und
nicht erleichtert", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes
Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, der "Financial Times Deutschland" vom
Montag. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hatte am Wochenende nach
Jahren der Zurückhaltung eine "ordentliche" Lohnsteigerung in den
diesjährigen Tarifrunden gefordert. Auch Bundeskanzlerin Angela
Merkel sprach sich für Einkommenssteigerungen aus. Sie
schränkte jedoch ein, dafür müssten Spielräume
vorhanden sein.
Neben den Metall-Arbeitgebern warnte auch der Deutsche Industrie- und
Handelstag (DIHK), eine Ende der Bescheidenheit könne auch das Ende
des Aufschwungs bedeuten. DIHK-Präsident Ludwig-Georg Braun
forderte im "Handelsblatt" die Tarifpartner zu maßvollen
Abschlüssen auf. Kannegiesser sagte, durch ein Aufblähen der
Nettolöhne werde die Weltmarktfähigkeit aufs Spiel gesetzt. Er
appellierte: "Statt sich gegenseitig zu beschimpfen, sollten Politik
und Sozialpartner die Brutto-Netto-Schere speziell im Bereich der
mittleren Einkommen ein Stück weit zu schließen."
Kurz vor dem Auftakt der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst
sprach sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck für deutliche
Lohnerhöhungen für die Staatsbediensteten aus. "Eine Anhebung
von mindestens 200 Euro im Monat ist angemessen", sagte er der
"Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Der Vorsitzende der
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, bekräftigte im
"Handelsblatt" die Forderung nach einer Lohnerhöhung von acht
Prozent und betonte, dies sollte nötigenfalls auch mit Streiks
durchgesetzt werden.
(Quelle: rtr)
Bundesweit erste Jugendberufsagentur nimmt in Mainz ihre Arbeit auf
Di.08.01.08 - Mit Fragen rund um das Thema Ausbildung und Jobsuche können sich
junge Menschen ab sofort an die bundesweit erste Jugendberufsagentur in
Mainz wenden. Unter dem Dach der Agentur für Arbeit werde in der
neuen Einrichtung das Beratungsangebot der Arbeitsagentur, der
Stadtverwaltung und des Job-Centers für Menschen zwischen 15 und
25 Jahren gebündelt, sagte der Vorsitzende
Geschäftsführer der Arbeitsagentur, Peter Weißler, bei
der Eröffnung am Montag in Mainz.
Vorteil des neuen Angebots sei, dass Jugendliche bei allen Fragen rund
um Ausbildung und Beruf nur noch eine Anlaufadresse statt vieler Wege
hätten, betonte Weißler. Zugleich würden
Doppelstrukturen abgeschafft und die einzelnen Angebote besser vernetzt.
Als «Patchworkfamilie», die sich zusammengefunden habe, um
Jugendliche schneller in Arbeit zu vermitteln, bezeichnete der Leiter
des Mainzer Job-Centers, Martin Kehrein, die Jugendberufsagentur.
Besonderes Augenmerk werde auf junge Menschen gerichtet, die etwa
aufgrund mangelnder Ausbildung schwer vermittelbar seien. Kehr betonte
zugleich, dass jede der beteiligten Institutionen ihre Aufgaben und
Kompetenzen behalte. Zusammengelegt sei lediglich das Beratungsangebot.
Insgesamt wurden den Angaben zufolge 25 Stellen aus allen beteiligten
Institutionen in der Jugendberufsagentur zusammengezogen, darunter
Mitarbeiter des Job-Centers, Berufsberater, ein Mitarbeiter des
Jugendamts und ein sogenannter Jugendscout.
(Quelle: ddp)
Bayerns Innenminister blockiert Volksbegehren gegen Transrapid
Di.08.01.08 - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann will das Volksbegehren gegen den
Bau des Transrapids nicht zulassen: "Ich bin zu der klaren Bewertung
gekommen, dass dieses Volksbegehren verfassungswidrig ist, weil es
unzulässig in das Budgetrecht des Parlaments eingreift", sagte der
CSU-Politiker dem "Münchener Merkur" (Dienstagausgabe). "Hier
sollen dem Parlament Ausgaben verboten werden." In Bayern sind
Volksabstimmungen über Haushaltsthemen des Landtags nicht
zulässig. Das Volksbegehren "Contra Transrapid" richtet sich gegen
die finanzielle Beteiligung des Freistaats an der Trasse. Herrmann
werde am Dienstag dem Kabinett berichten.
Der Innenminister will sich zudem richterlicher Rückendeckung
für sein Verbot vergewissern. Sein Haus werde "innerhalb der
nächsten 14 Tage" einen Schriftsatz an den Verfassungsgerichtshof
fertigstellen. "Das wird zügig vorangetrieben." Herrmann erwartet,
dass seine Entscheidung Bestand hat. "Ich bin zuversichtlich, dass wir
obsiegen werden. Der Verfassungsgerichtshof hat bisher das Budgetrecht
des Parlaments immer sehr hochgehalten."
Bayern plant, sich an der Transrapid-Strecke zwischen Münchener
Hauptbahnhof und Flughafen sich mit knapp 500 Millionen Euro zu
beteiligen. Die gesamten Baukosten betragen nach Planungen der
Befürworter des Prestigeprojekts gut 1,8 Milliarden Euro. In
Bayern und München regt sich massiver Widerstand gegen die
Hochgeschwindigkeitstrasse. Ein breites Bündnis aus Parteien,
Verbänden und Gewerkschaften hatte ein Volksbegehren zum Stopp
Transrapids auf den Weg gebracht. Die Gegner führen ins Feld, die
anvisierten Baukosten seien nicht einzuhalten. Sie favorisieren eine
schnelle S-Bahnverbindung zum Flughafen. Umfragen zufolge sind rund
zwei Drittel der Bayern gegen den Transrapid, der federführend von
Siemens und ThyssenKrupp gebaut wird. Die oppositionelle SPD und die
Grünen haben die umstrittene Magnetschwebebahn bereits zum
Wahlkampfthema für die Landtagswahl im Herbst gemacht.
(Quelle: rtr)