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Irak am 1387sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
150.000 Iraker seit US-Einmarsch getötet. US-Offensive in vier
Provinzen nördlich von Bagdad. Neun amerikanische Soldaten im Irak
getötet. US-Diplomaten sehen Bushs Irak-Politik kritisch
Do.10.01.08 - In den drei Jahren nach der US-Invasion im März 2003 sind im Irak
rund 150.000 Zivilpersonen getötet worden. Nach einer Studie der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der irakischen Regierung
hieß es, die genaue Zahl liege wahrscheinlich zwischen 104.000
und 223.000 Todesopfern. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch in der
Onlineausgabe der Zeitschrift «New England Journal of
Medicine» veröffentlicht.
Für die Studie besuchten Mitarbeiter des irakischen
Gesundheitsministeriums Ende 2006 und Anfang 2007 Haushalte in allen 18
Provinzen. Sie fragten rund 10.000 Familien, ob es bei ihnen
Todesfälle gegeben habe und ob Gewalt die Ursache gewesen sei.
Mehr als 100 Stadtteile, die meisten in Bagdad und Anbar, konnten die
Behördenmitarbeiter aus Sicherheitsgründen nicht besuchen. Im
Irak leben 26 Millionen Menschen.
Die USA konzentrieren ihre jüngste Offensive gegen muslimische
Extremisten im Irak auf vier Provinzen nördlich von Bagdad. Hier
hätten Anhänger der radikalen Organisation Al-Kaida
Unterschlupf gefunden, nachdem sie im vergangenen Jahr aus der
Hauptstadt und der westlichen Extremisten-Hochburg Anbar vertrieben
worden seien, sagte der US-Kommandeur für den Nordirak,
General-Major Michael Hertling am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.
Seinen Angaben zufolge sind bei der Offensive 24.000 US-Soldaten und
50.000 irakische Soldaten im Einsatz. Der Einsatz "Eiserne Ernte" ist
demnach Teil der Offensive "Phantom Phoenix", deren Beginn die US-Armee
am Tag zuvor angekündigt hatte.
Die Einheiten griffen den Angaben zufolge zunächst vor allem in
der Provinz Dijala an, die als Brotkorb der Region gilt. Eine Brigade
mit rund 5000 US-Soldaten und eine irakische Division nahmen Ziele in
der Nähe von Mukdadija unter Beschuss, das im fruchtbaren Teil des
Dijala-Tales liegt. Der Widerstand sei geringer ausgefallen, als
erwartet, sagte Hertling. Die irakischen Einheiten gaben die Zahl der
Toten auf der gegnerischen Seite mit 20 bis 30 an.
Außer nach Dijala sollen sich die Extremisten auch in die
Provinzen Salahuddin und Ninive zurückgezogen haben. In Hertlings
Kommandobereich fällt zudem die Provinz Kirkuk.
In den ersten beiden Tagen der Großoffensive sind insgesamt neun
US-Soldaten getötet worden. Sechs von ihnen wurden nach
Militärangaben am Mittwoch in einem Haus in der Provinz Dijala
Opfer von Sprengfallen. Vier weitere Soldaten wurden verletzt. Drei
weitere US-Soldaten wurden bei Beginn der Offensive am Dienstag in der
Provinz Salahuddin getötet.
In Kirkuk setzte sich die Serie von Anschlägen auf christliche
Kirchen fort. Vor zwei Gotteshäusern im Zentrum und im Norden der
Stadt explodierten Autobomben. Dabei wurden nach Polizeiangaben drei
Menschen verletzt. Die Gebäude wurden leicht beschädigt. Drei
Prozent der 27 Millionen Iraker sind Christen unterschiedlicher
Konfessionen. Die bisherigen Anschläge wurden in den vergangenen
Tagen in Bagdad und dem nordirakischen Mossul verübt und richteten
sich außer gegen Kirchen auch gegen ein Waisenheim und ein
Kloster der chaldäischen Kirche.
Ein Großteil der US-Diplomaten sieht die Irak-Politik von
Präsident George W. Bush kritisch: Fast die Hälfte der
Diplomaten, die einen Einsatz in dem Golfstaat ablehnen, begründete
dies in einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage damit, dass sie
nicht hinter dem Kurs der Regierung in Washington stünden. Aus der
Erhebung der Diplomaten-Vereinigung American Foreign Service
Association ging zudem hervor, dass die meisten Angehörigen des
diplomatischen Dienstes frustriert seien, weil ihrer Meinung nach zu
wenig Ressourcen zur Verfügung stünden. Zudem fühlten
sich vier von zehn Befragten von Außenministerin Condoleezza Rice
nicht ausreichend unterstützt.
Die Vereinigung repräsentiert das einfache diplomatische Korps,
nicht die politischen Gesandten. In der Erhebung wurden 4311 von
insgesamt 11.500 Mitarbeitern des diplomatischen Dienstes der USA
befragt; wie repräsentativ die Ergebnisse sind, blieb unklar. Die
Zahlen dürften aber die wachsende Unzufriedenheit der einfachen
Angestellten im diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten
widerspiegeln. Als besonders umstritten galt die Ankündigung von
Rice im vergangenen Jahr, Mitarbeiter notfalls eventuell auch gegen
ihren Willen in den Irak zu entsenden, wo es zunehmend
Personalengpässe gibt. Das Außenministerium erklärte zum
Ergebnis der Umfrage, wer sich für den diplomatischen Dienst
bewerbe, von dem werde auch erwartet, dass er hinter der
Außenpolitik der Regierung stehe.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 10.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertfünfundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Nahost-Konflikt: Bush drängt Israel und Palästinenser zum
Frieden
Do.10.01.08 - US-Präsident George W. Bush hat Israel und die Palästinenser
bei seinem ersten offiziellen Besuch im Nahen Osten zum Frieden
gedrängt: Er sehe eine neue Chance zur Lösung des
jahrzehntealten Konfliktes, betonte Bush am Mittwoch bei einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit Israels Ministerpräsident Ehud
Olmert. Er verlangte von seinem engen Verbündeten aber auch, den
Palästinensern entgegenzukommen und Außenposten seiner
Siedlungen im Westjordanland wie versprochen aufzugeben.
Bush lobte beide Seiten für ihre Bereitschaft, Frieden zu
schließen. Damit eröffneten sich neue Chancen für das
Heilige Land und für Freiheit in der ganzen Region, sagte der
Präsident. Seine Nahost-Reise sei der Versuch, beiden Seiten einen
Anstoß zu geben. "Mein Besuch war ein ziemlich wichtiger Schubs",
fügte er bei der Pressekonferenz hinzu. Die härteste Arbeit
müsse aber von den Konfliktparteien geleistet werden, mahnte er
nach seinem Gespräch mit dem israelischen Präsidenten und
Friedensnobelpreisträger Schimon Peres.
Der im Januar 2009 aus dem Amt scheidende US-Präsident strebt noch
in diesem Jahr ein Abkommen über die Bildung eines
palästinensischen Staates an. Am Donnerstag trifft er
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas.
"Wir werden über unseren innigen Wunsch nach Sicherheit, Freiheit
und Frieden im gesamten Nahen Osten reden", kündigte Bush bei
seiner Ankunft in Tel Aviv an, wo er von Peres und Olmert empfangen
wurde. Unmittelbar nach der Begrüßung flog er im
Hubschrauber nach Jerusalem.
Ein weiteres Thema der neuntägigen Reise durch die Region ist der
Konflikt mit dem Iran. Israel wolle den Atom-Streit mit der Islamischen
Republik zum wichtigsten Beratungsgegenstand machen, hieß es in
Regierungskreisen. "Der Iran sollte unsere Entschlossenheit zur
Selbstverteidigung nicht unterschätzen", sagte Peres bei der
Begrüßung Bushs. Bush will zudem auf seinen Stationen in
Kuwait, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und
Ägypten für seinen Kurs gegen den Iran werben.
Die Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern
waren im November beim Nahost-Gipfel in Annapolis in den USA vereinbart
worden, aber schon zu Beginn ins Stocken geraten. Allerdings zeigte
sich selbst Bush Sicherheitsberater Stephen Hadley bemüht, die
Erwartungen an den Besuch herunterzuspielen. Bush werde seine
Vorstellungen von einer Lösung der Kernfragen während der
Reise nicht darlegen, sagte er. Dabei geht es um die Grenzen eines
palästinensischen Staates, die Zukunft Jerusalems und das
Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge. Erschwerend
kommt hinzu, dass Bush in Israel als der beste Freund des
jüdischen Staates gilt. Viele Araber sind deshalb überzeugt,
dass der Präsident ein Feind der Palästinenser sei.
(Quelle: rtr)
Verhandlungen über Westsahara-Konflikt ergebnislos beendet
Do.10.01.08 - Die jüngsten Verhandlungen zwischen Marokko und der
Unabhängigkeitsbewegung Polisario über den
Westsahara-Konflikt sind am Mittwoch ohne Ergebnis zu Ende gegangen.
Der UN-Vermittler Peter van Walsum erklärte, es bestünden
noch immer große Differenzen in wichtigen Fragen zwischen beiden
Seiten. Man habe sich jedoch darauf geeinigt, die Gespräche im
März fortzusetzen.
Die frühere spanische Kolonie Westsahara wurde 1975 von Marokko
annektiert. Die von Algerien unterstützten Polisario verlangen
jedoch die Unabhängigkeit. Auch die Vereinten Nationen haben die
Annexion offiziell nicht anerkannt. Ihr Vorhaben, in der Westsahara
eine Volksabstimmung abzuhalten, scheiterte jedoch am Widerstand
Marokkos. Seit einem Waffenstillstandsabkommen von 1991 sind etwa 500
UN-Blauhelme in der Region stationiert.
(Quelle: ap)
UN können Mandat in Darfur vorerst nicht erfüllen - Mittel
und Personal fehlen
Do.10.01.08 - Die Vereinten Nationen verfügen nicht über ausreichend Mittel
und Personal, um die Lage in der sudanesischen Krisenregion Darfur in
den kommenden Monaten deutlich zu verbessern. Der für
Friedensmissionen zuständige stellvertretende Generalsekretär
Jean-Marie Guehenno sagte am Dienstag vor Mitgliedern des
Sicherheitsrats, derzeit werde mit der Ukraine und Russland über
einen Beitrag verhandelt. Außerdem werde erwogen, die notwendigen
Ausrüstungsgegenstände von anderen Missionen abzuziehen.
«Die Mission wird weder das Personal noch die Mittel haben, um
ihr Mandat selbst im besten Fall in den kommenden Monaten erfüllen
zu können», sagte Guehenno. Die Sollstärke der Mission
beträgt 26.000 Mann. Bislang sind jedoch nur wenig Soldaten in der
Region angekommen. Westliche Staaten haben die zugesagten Hubschrauber
und Militärfahrzeuge noch nicht geliefert.
Ein Erfolg von UNAMID gilt jedoch als wesentlich, um die Gewalt in
Darfur einzudämmen. In der westsudanesischen Region kämpfen
mehrere Rebellengruppen gegen die arabische Reitermiliz der
Dschandschawid und die islamische Regierung in Khartum. Dem seit fast
fünf Jahren anhaltenden Konflikt sind schon 200.000 Menschen zum
Opfer gefallen, etwa 2,5 Millionen wurden zu Flüchtlingen.
(Quelle: ap)
Neue Unruhen in Kenia - Erneut Hunderte auf der Flucht - AU-Chef
beginnt Vermittlungsgespräche
Do.10.01.08 - Neue Gewalt wegen der politischen Krise in Kenia hat am Mittwoch wieder
hunderte Menschen in die Flucht getrieben. Verzweifelte Mütter
drängten sich in der Stadt Kisumu im Westen des Landes mit ihren
Kindern und gepackten Koffern in Busse und Autos, um in die Hauptstadt
Nairobi zu gelangen. Die Fahrpreise verdoppelten sich über Nacht.
Die gewaltsamen Übergriffe auf die ethnische Gruppe der Kikuyu
würden nun auch die Kamba treffen, fürchtete ein Einwohner.
«Unsere Leben sind in Gefahr», sagte Isaac Notuva.
Anzeige
In Kisumu gingen am Dienstag jugendliche Demonstranten auf die
Straße, die Polizei feuerte Warnschüsse in die Luft ab. Ein
Mann wurde nach Angaben eines Augenzeugens im Magen getroffen.
Präsident Mwai Kibaki hatte zuvor einen Teil seines Kabinetts
vorgestellt, die meisten Ämter gingen an Mitglieder seiner Partei.
Für Vertreter der Opposition waren zunächst keine Posten
vorgesehen. Dies könne sich aber noch ändern, erklärte
die Regierung am Abend. Allerdings wurde ein weiterer
Präsidentschaftskandidat, Kalonzo Musyoko von der ethnischen Gruppe
der Kamba, zum Vizepräsidenten ernannt.
Der als Vermittler nach Kenia gereiste ghanaische Präsident und
Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), John Kufuor, traf am
Mittwochmorgen mit Kibaki zusammen. Später wollte er auch mit dem
bei der Präsidentenwahl Ende Dezember unterlegenen
Oppositionspolitiker Raila Odinga sprechen. Odingas Lager wirft der
Regierung Wahlbetrug vor. Seit der umstrittenen Abstimmung
erschüttern Unruhen das ostafrikanische Land, das bislang als
relativ stabil galt. Insgesamt sollen dabei nach offiziellen Angaben
knapp 500 Menschen ums Leben gekommen sein. Nach Schätzungen von
Hilfsorganisationen und der Opposition könnte dies Zahl jedoch
deutlich höher liegen.
boa (Quellen: ap, rtr)
Erneut mehr als 40 Tote bei Kämpfen in Sri Lanka
Do.10.01.08 - Die anhaltenden Kämpfe im Norden Sri Lankas haben nach
Militärangaben erneut mehr als 40 Menschen das Leben gekostet.
Wenige Stunden nach einem tödlichen Bombenanschlag auf ein
Regierungsmitglied kam es zu neuen Gefechten, wie die Streitkräfte
am Mittwoch mitteilten. Die Truppen hätten dabei ein etwa ein
Quadratkilometer großes Gebiet von den Separatisten der
Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) zurückerobert. Zudem
erschoss die Polizei einen ranghohen Rebellenführer.
Im Bezirk Mannar wurden nach Angaben eines Militärsprechers am
Dienstag 19 Rebellen und ein Soldat getötet, bei einem weiteren
Gefecht kamen fünf Aufständische ums Leben. Im Bezirk Vavuniya
und auf der Halbinsel Jaffna wurden insgesamt 16 Separatisten
getötet.
Der als Shankar identifizierte Rebellenführer habe sich unter
Zivilpersonen versteckt gehalten, erklärte ein
Militärsprecher. Er sei am Mittwoch im Osten des Landes
getötet worden.
Die Gewalt in Sri Lanka hat damit in den fünf Tagen seit der
Aufkündigung des Waffenstillstandes durch die Regierung rund 120
Menschen das Leben gekostet. Am Dienstag war Bauminister D.M.
Dassanayake bei einem Bombenanschlag nahe der Hauptstadt Colombo seinen
schweren Verletzungen erlegen. Eine weitere Person wurde ebenfalls
getötet, zehn Menschen wurden verletzt.
In Sri Lanka kämpfen die LTTE für einen eigenen Staat. In dem
seit 1983 andauernden Bürgerkrieg haben mehr als 70.000 Menschen
ihr Leben verloren.
(Quelle: ap)
Wahlbeobachter spricht von Wahlfälschungen in Georgien
Do.10.01.08 - Bei der Präsidentenwahl in Georgien sind laut dem deutschen Leiter
des OSZE-Wahlbeobachterteams eine Reihe Unregelmäßigkeiten
vorgekommen. Es gab «grobe, fahrlässige und
vorsätzliche Fälschungen bei der Auszählung der Wahl,
die auch von unseren Beobachtern berichtet werden, wie der Diplomat
Dieter Boden der «Frankfurter Rundschau»
(Donnerstagausgabe) sagte. Er sprach ferner von «chaotischen
Verhältnissen in der Zentralen Wahlkommission» Georgiens.
Der deutsche Wahlbeobachter Manfred Grund wies diese
Äußerungen zurück. Die Aussagen Bodens deckten sich
nicht mit den Feststellungen, wie sie in der Abschlussbesprechung der
Mission getroffen worden seien, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete der
in Erfurt erscheinenden «Thüringer Allgemeine»
(Donnerstagausgabe). Bei dieser Besprechung habe keiner der Beobachter
über grobe, fahrlässige oder vorsätzliche
Fälschungen berichtet.
Insgesamt hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (OSZE) jedoch erklärt, dass die Wahl im Großen und
Ganzen nach demokratischen Standards verlaufen sei. Die Opposition in
Georgien lehnt es aber weiter ab, das Ergebnis anzuerkennen.
Oppositionsführer Lewan Gatschetschiladse sagte am Mittwoch vor
300 bis 400 Anhängern in der Hauptstadt Tiflis: «Wir haben
die Wahl gewonnen, aber die Ergebnisse sind gefälscht
worden.» Für Sonntag kündigte er eine große
Protestkundgebung an.
Zuvor bestätigte die Wahlkommission nach Auszählung fast
aller Stimmen den Sieg von Amtsinhaber Michail Saakaschwili. Auf den
Staatschef entfielen bei der Abstimmung am Samstag demnach 52,2
Prozent, sein Rivale Gatschetschiladse kam auf 25,3 Prozent. Bis auf 30
seien alle 3.512 Stimmbezirke ausgezählt, sagte Kommissionsleiter
Lewan Tarchnischwili. Die noch ausstehenden Zahlen könnten das
jetzige Ergebnis nicht mehr entscheidend beeinflussen.
(Quelle: ap)
Polen nennt Bedingungen für Ja zum Raketenschild
Do.10.01.08 - Polen will nach den Worten von Verteidigungsminister Bogdan Klich die
Stationierung von Komponenten des US-Raketenschilds auf seinem
Territorium nur unter Bedingungen erlauben: Ohne eine Erneuerung der
polnischen Luftverteidigung etwa mit modernen Patriot- und
THAAD-Raketen sei eine Zustimmung zu den US-Plänen nur schwer
vorstellbar, sagte Klich in einem am Dienstagabend geführten
Reuters-Interview. Auf diesen Punkten sowie auf eine engere
militärische Zusammenarbeit beider Staaten werde er bei seinem
USA-Besuch Mitte Januar dringen.
Um Raketenangriffe aus Staaten wie dem Iran und Nordkorea abzuwehren,
wollen die USA in Polen zehn Raketen und in Tschechien eine
Radarstation installieren. Das Vorhaben ist in Russland auf massive
Kritik gestoßen, das in dem Schild eine direkte Bedrohung seiner
Sicherheit sieht. Die frühere national-konservative Regierung
Polens hatte Gespräche mit Russland über das Thema abgelehnt.
Klich betonte, die neue liberal-konservative Regierung sei zum Dialog
mit Russland bereit und wolle die Führung in Moskau zu
überzeugen versuchen, dass sie nichts zu befürchten habe.
"Ein Dialog mit Moskau ist notwendig, um das dort bestehende
subjektives Gefühl einer Bedrohung zu zerstreuen." Gelegentliche
Warnungen russischer Generäle vor Gegenmaßnahmen würden
die polnische Entscheidung aber nicht beeinflussen. "Ich
persönlich kann sagen, dass die Entscheidung im Lichte nationaler
Interessen in Polen getroffen wird", sagte der Minister.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Bahn reicht Verfassungsbeschwerde gegen GDL ein
Do.10.01.08 - Neuer Krach im Tarifkonflikt bei der Bahn: Trotz der laufenden
Verhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL hat der Konzern
wegen der generellen Zulässigkeit von Streiks Beschwerde beim
Bundesverfassungsgericht eingereicht.
Dies sei schon am 24. Dezember und «pro forma» geschehen,
um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, sagte ein Bahnsprecher am
Mittwoch auf Anfrage in Berlin und bestätigte Informationen der
«Süddeutschen Zeitung». Der Konzern gehe davon aus,
dass die Beschwerde in der aktuellen Tarifauseinandersetzung keine
praktische Relevanz mehr haben werde. Der GDL-Vorsitzende Manfred
Schell reagierte verärgert. Eine für diesen Donnerstag
geplante Verhandlungsrunde solle aber stattfinden.
Schell sagte am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur dpa, es sei
unverständlich, dass die Bahn auf der einen Seite mit der GDL
über einen eigenständigen Tarifvertrag verhandele und
zugleich eine Verfassungsbeschwerde gegen das Recht auf einen Streik
einlege, der genau diesen Tarifvertrag erzwingen wollte. Die Bahn habe
die GDL nicht über diesen Schritt informiert. Er selbst habe erst
am Mittwoch von der Beschwerde erfahren. ««Sie können
sich vorstellen, was das für das Vertrauensverhältnis
bedeutet», fügte er hinzu. Die GDL bleibe aber in der
laufenden Tarifrunde am Verhandlungstisch. «Wir werden aber die
Tarifverhandlungen nicht verlassen, das werden wir nicht machen»,
versicherte Schell.
Mit der Beschwerde, die am 24. Dezember - dem letztmöglichen Tag -
in Karlsruhe eingereicht wurde, geht die Bahn gegen ein Urteil des
Sächsischen Landesarbeitsgerichts vor. Es hatte der GDL auf dem
Höhepunkt des Rechtsstreits um die Zulässigkeit von
Arbeitskämpfen Anfang November ein umfassendes Streikrecht auch im
Güter- und Fernverkehr zugebilligt.
Für ihre Verhandlungen am Donnerstag haben sich beide Seiten
vorgenommen, einen wichtigen Schritt voranzukommen. Man wolle
«Eckpflöcke» einschlagen, sagte GDL-Sprecherin Gerda
Seibert. Der eigentliche Tarifvertrag für die Lokführer
über Einkommen und Arbeitszeitregelungen solle dann bis Ende
Januar ausgehandelt werden. Die Bahn-Verhandlungsführerin,
Personalvorstand Margret Suckale, warb noch «um etwas
Geduld», bis ein Tarifvertrag vorgelegt werden könne. Schell
hatte am Dienstag die Erwartung geweckt, dass am Donnerstag eine
Tarifeinigung verkündet werden könnte. «Ich gehe davon
aus, dass wir am Donnerstag alles in trockenen Tüchern
haben», hatte er gesagt.
Tarifexperten von Bahn und GDL rechneten am Mittwoch Varianten einer
Einkommenserhöhung durch. «Wir sind noch auseinander»,
sagte die GDL-Sprecherin. Wie Suckale äußerte sie sich nicht
dazu, wie weit Forderung und Angebot noch auseinanderliegen. Die GDL
hatte zuletzt mindestens zehn Prozent mehr Geld gefordert, die Bahn ein
Volumen von acht Prozent angeboten. Auch bei einigen Punkten der
Arbeitszeit gab es nach GDL-Angaben vom Dienstag noch Differenzen. Die
Frage eines eigenständigen Tarifvertrages sei hingegen kein
Streitpunkt mehr.
Künftig soll es im Konzern einen Basis-Tarifvertrag geben. Dieser
soll die Bestandteile enthalten, die für alle
Beschäftigtengruppen gleichermaßen zutreffen.
Zusätzlich sind mindestens sechs spezifische
Zusatztarifverträge für einzelne Tätigkeitsgruppen
vorgesehen. Einer davon soll jener Vertrag sein, den die GDL derzeit
für die Lokführer aushandelt. In den spezifischen
Verträgen sollen Eingruppierung, Zulagen und Arbeitszeit
festgeschrieben werden.
Die größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA verhandelten
am Mittwoch über Details zur neuen Entgeltstruktur bei der Bahn,
deren Grundzüge Ende November vereinbart worden waren. Bis 2010
sollen alle tarifgebundenen Bahner mindestens zehn Prozent mehr Geld
bekommen.
(Quelle: dpa)
CSU kündigt Richtungswahl 2009 an und ruft FDP zur Räson
Do.10.01.08 - Die CSU will die Bundestagswahl 2009 zur Richtungsentscheidung zwischen
linkem und bürgerlichem Lager machen.
Parteichef Erwin Huber gab als Wahlkampfmotto den Slogan "Freiheit
statt Sozialismus" aus, auf den die Schwesterpartei CDU vor über
30 Jahren gesetzt hatte. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer rief die
angeschlagene FDP als Wunschpartner für 2009 zur Ordnung. "Unser
strategisches Ziel bleibt, eine Mehrheit mit der FDP zu erringen",
sagte er zum Abschluss der Klausur seiner Bundestagsabgeordneten am
Mittwoch in Wildbad Kreuth. Dafür müssten CDU, CSU und FDP
ihr gesamtes Spektrum aber voll ausnutzen. "Gerade die FDP hat hier
Reserven."
"Wir warnen vor einem Volksfront-Bündnis", sagte Ramsauer. Sowohl
ein Bündnis aus SPD, Linkspartei und Grünen als auch eine so
genannte Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen würde einen
unfinanzierbaren Umverteilungsstaat bringen. Er forderte die FDP auf,
im Bundestagswahlkampf eine eindeutige Koalitionsaussage zugunsten der
Union zu treffen und ihre Querelen zu beenden. "Darüber muss sich
die FDP Gedanken machen - wo sie ihr Wählerpotenzial noch
stärker ausschöpft."
Die FDP hat derzeit mit einer Debatte um die
Führungsqualitäten von Partei- und Fraktionschef Guido
Westerwelle zu kämpfen. In den Umfragen pendelt die Liberalen um
die Zehn-Prozent-Marke.
CSU-Parteichef Huber will mit "Freiheit statt Sozialismus" Anleihen bei
der CDU-Wahlkampfstrategie von 1976 nehmen. Er betonte, ein
Bündnis mit den Grünen, wie die CDU es für die
Bürgerschaftswahl in Hamburg Ende Februar ins Auge fasst, sei
für die CSU kein Thema.
Die CSU will sich Huber zufolge im Bundestagswahlkampf als
Steuersenkungspartei profilieren und noch in diesem Jahr erste
Eckpunkte für Entlastungen auf breiter Front vorlegen. Wann die
Steuersenkungen nach der Wahl greifen können, ließ er offen.
Die große Schwesterpartei CDU peilt Leitlinien für eine
umfassende Steuerreform für Anfang 2009 an und rechnet für
2011 mit einer Umsetzung. Für das Wahlprogramm der Union sollen
die Konzepte dann zusammengeführt werden.
Huber kündigte an, dass Familien bereits zum 1. Januar 2009 durch
eine Kindergelderhöhung und höhere Kinderfreibeträge
entlastet würden. "Das Ausmaß muss erst noch verhandelt
werden. Diese Entscheidungen werden im Herbst fallen."
(Quelle: rtr)
Kanzlerin Merkel will an Gesundheitsfonds nicht rütteln
Do.10.01.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt ein Aufschnüren der
Gesundheitsreform und damit eine Abkehr vom umstrittenen Kassenfonds
strikt ab: "Die Bundeskanzlerin hat heute in der Kabinettssitzung
unmissverständlich festgestellt: der Gesundheitsfonds wird zum 1.
Januar 2009 kommen", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am
Mittwoch in Berlin und fügte hinzu: "Es gibt in der
Bundesregierung nicht die Absicht, die Gesetzeslage zu ändern."
Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck unterstrich, an dem Beschluss werde
festgehalten.
Gleichwohl kündigte die FDP an, sie werde in der kommenden Woche
einen Antrag auf Stopp des Gesundheitsfonds in den Bundestag
einbringen. Dies sei "ein faires Angebot zum Neuanfang in der
Gesundheitspolitik", erläuterte Gesundheitsexperte Daniel Bahr.
Streit zeichnet sich in der Koalition über die Höhe des von
der Regierung bis November festzusetzenden Beitragssatzes für die
gesetzlichen Krankenkassen ab.
Nach der Prognose von Wissenschaftlern und mehrerer
Kassen-Vorstände, wonach der Beitrag beim Start des Fonds von
aktuell 14,8 auf bis zu 15,5 Prozent steigen könnte, war in der
Koalition Kritik am Fonds laut geworden. Unions-Politiker hatten eine
Verschiebung ins Gespräch gebracht. In der SPD gibt es generelle
Vorbehalte gegen den Finanzpool.
Steg nannte die Spekulationen über die Höhe des von der
Bundesregierung festzusetzenden Beitragssatzes unaufrichtig. "Was dort
im Moment passiert ist schlicht unseriös und unverantwortlich."
Prognosen könnten frühestens im Herbst aufgestellt werden.
Merkels Sprecher wandte sich direkt gegen die im Auftrag der
"Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" erstellte Expertise des
Münchner Instituts für Gesundheitsökonomik (IFG), die
den Stein ins Rollen gebracht hatte. Dabei handele es sich weniger um
"Science" als um "Science Fiction", schilderte Steg den Eindruck des
Kabinetts. Das Gesundheitsressort habe zu Recht auf methodische und
rechnerische Fehler hingewiesen. Auch SPD-Fraktionschef Struck sagte
der "Frankfurter Rundschau", die Studien zum Gesundheitsfonds seien
realitätsfern und "Wortgeklingel, um Unruhe zu schaffen".
Das Bundesgesundheitsministerium schließt höhere
Beiträge allerdings nicht aus. Der medizinische Fortschritt und
die älter werdende Gesellschaft machten Gesundheit tendenziell
teurer, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin, Marion
Caspers-Merk, in der ARD. Wie Steg machte sie deutlich, der Satz
hänge von verschiedenen Faktoren ab, wie der Ausgabenentwicklung
oder der Beschäftigung, nicht aber von dem Fonds an sich. Dieser
soll ab 2009 die Beitragseinnahmen zwischen den Kassen verteilen und
für mehr Transparenz sorgen.
Konflikte zwischen Union und SPD werden über die Höhe des
Beitrags erwartet, den die Regierung bis November festlegen muss.
CSU-Chef Erwin Huber drängte auf einen möglichst niedrigen
Satz. Die SPD hatte hingegen deutlich gemacht, der Satz müsse die
Ausgaben zu 100 Prozent abdecken. Die Sozialdemokraten wollen
verhindern, dass Kassen zusätzliche Gelder von ihren Mitgliedern
einziehen müssen. Diese gesetzliche Möglichkeit hatte die
Union durchgesetzt.
Huber und CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer wollten sich nicht
festlegen, ob der Fonds pünktlich starten kann. Der zeitgleich
geplante Finanzausgleich zwischen den Kassen, die Ausgestaltung der
Finanzströme zwischen Regionen und Bundesländern sowie die
Umstellung des Honorarsystems für Ärzte seien noch nicht
geregelt, sagte Ramsauer. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt müsse
Rechtsklarheit schaffen.
(Quelle: rtr)
Union offen für Mindestlohn auf Hartz-IV-Niveau
Do.10.01.08 - In der Union bröckelt die Front gegen einen gesetzlichen
Mindestlohn. Auch der CDU/CSU-Wirtschaftsflügel rückt nun von
der Fundamentalopposition ab, wie die «Passauer Neue Presse»
schreibt. «Es könnte gesetzlich festgeschrieben werden, dass
Löhne dann sittenwidrig sind, wenn sie unterhalb der
Grundsicherung von Hartz IV für Alleinstehende liegen»,
sagte Michael Fuchs, CDU-Vorstandsmitglied und Chef des
Parlamentskreises Mittelstand, der Zeitung. Dem Bericht zufolge
würde dies einen Mindestlohn von 4,50 Euro bedeuten.
Fuchs sagte, auf diese Weise könne die Sittenwidrigkeit von
Löhnen definiert werden. Laut ihrer am Wochenende verabschiedeten
«Wiesbadener Erklärung» will die CDU sittenwidrige
Löhne per Gesetz verbieten, schreibt die Zeitung. Fuchs betonte
demnach aber, es müsse eine nicht wettbewerbsfeindliche Lösung
geben.
Bei Wirtschaft und Gewerkschaften sind Mindestlöhne weiter
umstritten. Der Präsident des Industrie- und Handelskammertages,
Ludwig Georg Braun, warnte vor falschen Anreizen durch
Mindestlöhne: «Mit flächendeckenden Mindestlöhnen
über zahlreiche Branchen hinweg erweist man dem Standort
Deutschland einen Bärendienst - und fördert letztlich nur die
Schwarzarbeit», sagte Braun der «Passauer Neuen
Presse».
Aber auch immer mehr Gewerkschaftsvertreter melden sich in der
Diskussion kritisch zu Wort. «Wir können die
Mindestbedingungen besser selbst in unseren Tarifverträgen
gestalten», sagte der Landesbezirksleiter Nordrhein der
Chemiegewerkschaft IG BCE, Peter Hausmann, der «Rheinischen
Post». Der vom Deutschen Gewerkschaftsbund verlangte Mindestlohn
von 7,50 Euro könne zu einer «Lohnspirale nach unten»
führen. Zuvor hatte sich bereits der Leiter des IG-Metall-Bezirks
Nordrhein-Westfalen, Oliver Burkhard, skeptisch zum gesetzlichen
Mindestlohn geäußert.
(Quelle: ap)
Qualifizierungsinitiative gegen Fachkräftemangel beschlossen
Do.10.01.08 - Mit einem millionenschweren Maßnahmenpaket zur Aus- und
Weiterbildung will die Bundesregierung dem Fachkräftemangel
entgegenwirken. Das Kabinett beschloss eine Qualifizierungsinitiative
mit dem Titel "Aufstieg durch Bildung", für die laut
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) in den nächsten drei
Jahren insgesamt 500 Millionen Euro vorgesehen sind. So sollen
Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsplätze für schwer
vermittelbare Jugendliche schaffen, bis zu 6000 Euro erhalten.
Während SPD-Generalsekretär Hubertus Heil den so genannten
Ausbildungsbonus als Idee seiner Partei lobte, kritisierten ihn
Grüne und Linke wegen möglicher Mitnahmeeffekte.
"Wir müssen gemeinsam alles tun, um die Fachkräftebasis
für morgen zu sichern", sagte Schavan. Drei von zehn Unternehmen
sagten schon heute, dass es schwer sei, den Bedarf zu decken. Bis 2010
sollten insgesamt 100.000 zusätzliche Ausbildungsplätze
für "Altbewerber" geschaffen werden, sagte die Ministerin. Diese
Plätze seien für Jugendliche, die in den beiden vorangegangen
Jahren keine Lehrstelle erhalten hätten. Die Arbeitgeber sollten
dafür je nach Ausbildungsvergütung zwischen 4000 und 6000
Euro pro Lehrstelle erhalten. Die Integrationsbeauftragte der
Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), betonte, durch die Initiative
würden sich die Ausbildungschancen von Jugendlichen mit
Migrationshintergrund verbessern.
Die Initiative sieht auch eine stärkere Förderung der
frühkindlichen Bildung vor. So werde zur Unterstützung des
geplanten Ausbaus der Betreuungsplätze für unter
dreijährige Kinder eine Fortbildungsinitiative für 80.000
Erzieherinnen und Erzieher und das Tagespflegepersonal gestartet, sagte
Schavan. Daneben soll es unter anderem auch Aufstiegsstipendien
für junge Erwachsene geben, die eine berufliche Ausbildung mit
hervorragenden Ergebnissen abgeschlossen haben.
Die Linke forderte statt des Ausbildungsbonus eine Umlage, nach der
Unternehmen, die nicht ausbilden, zahlen müssen. Die
bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Priska Hinz, kritisierte
zudem: "Kein Wort über Schulreformen oder Lehrerweiterbildung,
kein Wort über Zuwanderung gegen den Fachkräftemangel."
Die Spitzenverbände der Wirtschaft nannten die
Qualifizierungsinitiative hingegen "einen wichtigen Schritt zur
Verbesserung der Bildung und damit zur Fachkräftesicherung in
Deutschland". Den Ausbildungsbonus kritisierten sie aber als "viel zu
weit gefasst". Sie befürchten Fehlanreize und Mitnahmeeffekte.
(Quelle: afp)
SPD-Fraktionschef Struck kritisiert Merkels Haltung in
Strafrechtsdebatte
Do.10.01.08 - In der Debatte um ein schärferes Jugendstrafrecht hat
SPD-Fraktionschef Peter Struck das Verhalten von Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) als "erschreckend" bezeichnet. Merkel habe sich den
"unanständigen" Parolen des hessischen Ministerpräsidenten
Roland Koch (CDU) angeschlossen, sagte er der "Frankfurter Rundschau".
Koch stehe "mit dem Rücken an der Wand" und greife "nach jedem
Strohhalm", um die Landtagswahl nicht zu verlieren.
Mit Blick auf die heftige Auseinandersetzung der Koalitionspartner
forderte Struck Merkel auf, in erster Linie als Regierungschefin und
nicht als Parteivorsitzende zu agieren. In Wahlkampfzeiten dürfe es
keine Auszeit der Regierung geben, sagte Struck. CSU-Vorwürfe,
wonach die SPD die innere Sicherheit gefährde, nannte Struck
"blanken Unsinn". Zentral in der Debatte um den Umgang mit
straffällig gewordenen Jugendlichen sei es, mehr Polizisten,
Richter und Sozialarbeiter einzustellen. "Das müssen die
Länder machen", sagte Struck. In einigen Bundesländern bestehe
diesbezüglich Nachholbedarf.
(Quelle: afp)
Koch fordert Abschiebung krimineller Jugendlicher auch in
EU-Länder - Innenminister der Union beraten in Wiesbaden über
Jugendgewalt
Do.10.01.08 - Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat gefordert, auch
schwerkriminelle Jugendliche aus EU-Ländern in ihre Heimat
zurückzuführen. «Das ist bei schweren unzumutbaren
Verstößen gegen die öffentliche Ordnung möglich.
Das EU-Recht steht dem nicht entgegen», sagte der CDU-Politiker
der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstagausgabe).
Die Innenminister der unionsregierten Länder kommen am Abend
(19.00 Uhr) zu einer Sonderkonferenz in Wiesbaden zusammen, um
über weitere Schritte gegen Jugendgewalt zu beraten. An dem
Treffen nimmt auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)
teil. Der hessische Ressortchef Volker Bouffier will einen
Maßnahmenkatalog zum Schutz vor Gewalt durch Jugendliche und
Heranwachsende vorlegen.
«Wir werden den Katalog von Roland Koch gegen
Jugendkriminalität noch verdichten und ergänzen», sagte
der CDU-Politiker der «Neuen Osnabrücker Zeitung.» So
sei man sich einig, dass die Videoüberwachung in U- und S-Bahnen,
Bussen oder an Bahnhöfen deutlich ausgebaut werden müsse. Das
gelte ebenso für das Wachpersonal im Nahverkehr. Zur Finanzierung
schloss Bouffier einen kleinen Sicherheitszuschlag von den
Fahrgästen nicht aus.
In der Zeitung «Die Welt» forderte er,
Bewährungsstrafen stets mit «fühlbaren
Maßnahmen» zu kombinieren. «Dazu sollten
Arbeitsaufträge, Aufenthaltsverbote und -gebote gehören.
Jugendliche Straftäter müssen dann ab 20.00 Uhr zu Hause
bleiben, dürfen nicht mehr in die Disko», sagte Bouffier. Im
geschlossenen Strafvollzug müssten inhaftierte ausländische
Jugendliche dazu verpflichtet werden, Deutsch zu lernen.
Einer aktuellen Meinungsumfrage zufolge sind 64 Prozent der Deutschen
der Ansicht, dass der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU)
das Thema Jugendkriminalität aus rein wahltaktischem Kalkül
in den Vordergrund gerückt habe. In der für das Hamburger
Magazin "Stern" vorgenommenen Befragung erklärten nur 25 Prozent,
Koch sei es ein echtes, ehrliches Anliegen, wenn er jetzt härteres
Durchgreifen gegen straffällig gewordene jugendliche
Ausländer fordere. Bei den Unions-Anhängern hielten 54 Prozent
Kochs Vorgehen für ein Wahlkampfmanöver.
boa (Quelle: ap)
Angeblich weitere Ermittlungspannen zum Halberstädter Überfall
Do.10.01.08 - Im Prozess um den Überfall von Rechtsextremisten auf eine Gruppe
Theaterschauspieler im Juni 2007 in Halberstadt sind nach Angaben der
Nebenkläger wesentliche polizeiliche Ermittlungsergebnisse den
Prozessbeteiligten vorenthalten worden. Erst am 20. Dezember vorigen
Jahren habe die Staatsanwaltschaft vom Staatsschutz beim Polizeirevier
Halberstadt einen Aktenordner mit bislang unbekannten Ergebnissen
erhalten, teilte die Nebenklage am Mittwoch mit. Der Aktenordner
enthalte unter anderem Zeugenaussagen, Fotos und die Auswertungen von
Tatortspuren wie Blut und Speichel. Der Ordner sei erst am Montag dem
Gericht übergeben worden, beklagten die Anwälte.
Vier Männer müssen sich seit Oktober 2007 wegen
gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihnen wird
vorgeworfen, im Juni vorigen Jahres 14 Schauspieler und Tänzer des
Nordharzer Städtebundtheaters überfallen und fünf von
ihnen teils schwer verletzt zu haben.
«Es ist eine Verhöhnung der Opfer des Neonaziangriffs und
der Justiz, wenn die Polizei nicht nur unmittelbar nach der Tat, sondern
auch noch im laufenden Prozess offensichtlich eine vollständige
Aufklärung der Tatumstände unmöglich macht, indem sie
dem Gericht wesentliche Ermittlungsergebnisse nicht zur Verfügung
stellt», betonte Rechtsanwältin Frauke Steuber für die
Nebenkläger. Aus ihrer Sicht ist das Verfahren ist von Anfang an
von polizeilichen Schlampereien begleitet gewesen. Mit diesem Verhalten
verhindere die Polizei eine juristische Aufarbeitung des
Neonaziangriffs.
(Quelle: ddp)
Eingeschränkte Überwachungspflicht für Inhaber von
Internetanschlüssen
Do.10.01.08 - Der Inhaber eines Internetanschlusses muss andere Benutzer nicht ohne
weiteres beim Surfen überwachen, um Missbrauch
auszuschließen. Vielmehr müssten konkrete Anhaltspunkte
für Rechtsverstöße vorliegen. Zu diesem Ergebnis kam das
Oberlandesgericht Frankfurt am Main in einem am Dienstag
veröffentlichten Beschluss. Geklagt hatte ein Musikverlag, der
behauptete, über den Internetanschluss einer Familie seien fast 300
Audiodateien im MP3-Format illegal ins Internet gestellt worden. Das
Unternehmen machte für einige Titel seine Urheberrechte geltend
und ließ im Rahmen eines Strafverfahrens den Anschlussinhaber
ermitteln.
Der Beklagte sagte dem Gericht zufolge, weder er noch seine Ehefrau
oder seine Kinder im Alter zwischen 17 und 31 Jahren hätten den
Verstoß begangen. Nach Ansicht des Senats lässt sich nicht
feststellen, dass der Beklagte selbst für dieses
«Filesharing» verantwortlich gewesen sei. Wegen der
vorliegenden Indizien sei es zwar nahe liegend, dass ein
Familienmitglied den Verstoß begangen habe. Der Beklagte habe
hierfür aber nicht einzustehen, entschieden die Frankfurter Richter.
Ein Anschlussinhaber, der anderen Personen die Internetnutzung
ermöglicht, muss diese nur dann instruieren und überwachen,
wenn er konkrete Anhaltspunkte dafür hat, dass die Nutzer den
Anschluss missbrauchen könnten, wie das Gericht befand. Solche
Hinweise lägen aber grundsätzlich nicht vor, solange keine
früheren Verstöße oder eine Absicht dazu bekannt seien.
Auch dass Urheberrechtsverletzungen im Internet häufig
vorkämen oder darüber in Medien umfangreich berichtet werde,
zwinge den Anschlussinhaber nicht zu einer Überwachung. Die
Entscheidung ist rechtskräftig. (Aktenzeichen: Oberlandesgericht
Frankfurt am Main 11 W 58/07)
(Quelle: ap)
Alternative Suchmaschine Wikia startet
Do.10.01.08 - Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat am Montag seine offene
Suchmaschine Wikia Search online geschaltet. Wie bei dem
Internet-Lexikon Wikipedia sollen die Nutzer auch bei Wiki Search
(http://search.wikia.com) an der Entwicklung mitarbeiten.
Wales betonte, dass es sich bislang um eine vorläufige Version
handle, die nur 50 bis 100 Millionen Internet-Seiten durchsuche. Das ist
ein Bruchteil des Datenbestandes der Konkurrenten Google, Yahoo oder
MSN. Wie beim Online-Lexikon Wikipedia setzen die Wikia-Betreiber auf
die Mitarbeit der Nutzer. Diese sollen Suchergebnisse bewerten und
ergänzen.
Wales begründet seine Initiative gegenüber der Wochenzeitung
«Die Zeit» kürzlich damit, dass alle Suchmaschinen
geschlossene Systeme seien und jeweils einer Firma gehörten. Als
«Bürger des Internets» müsse man jedoch
«Transparenz und Offenheit» gewährleisten. Anders als
Wikipedia ist die Suchmaschine aber ein kommerzielles Projekt. Betreiber
ist die Firma Wikia.com, die Wales 2004 gründete. Die Suchmaschine
soll sich über Werbung finanzieren, an der die freiwilligen
Mitarbeiter jedoch nicht beteiligt werden sollen.
Als Beispiel für die Mitarbeit nannte Wales, wenn etwa mehrere
Surfer eine Seite als Spam (Müll) markierten, erscheine diese nicht
mehr in den Ergebnislisten. Zudem handelt es sich bei Wikia um eine
Open-Source-Software. Der Quellcode ist - anders als etwa bei Google -
frei verfügbar. Somit können Nutzer mit
Programmierkenntnissen nachvollziehen, wie die Suchergebnisse zustande
kommen und die Software selbst weiterentwickeln.
Der Suchmaschinenbetreiber Google hatte im Dezember angekündigt,
eine neue Wissensdatenbank mit dem Namen «Knol» zu testen,
in direkter Konkurrenz zu Wikipedia.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Astronomen entdecken 'Vorfahren' der Milchstraße
Do.10.01.08 - US-Astronomen haben in den Tiefen des Alls die «Vorfahren»
von Spiralgalaxien wie der Milchstraße erspäht. Die neu
entdeckten Galaxien sind nur ein Zehntel so groß wie die
Milchstraße und haben lediglich ein Zwanzigstel ihrer Masse sowie
40 Mal weniger Sterne.
Das berichtete einer der Leiter der Forschergruppe, Eric Gawiser von
der Rutgers-Universität in New Brunswick (US-Staat New Jersey), am
Dienstag auf der Jahrestagung der Amerikanischen Astronomengesellschaft.
Das Team stieß auf Bildern des
«Hubble»-Weltraumteleskops auf die Galaxien. Die jungen
Welteninseln sind so weit entfernt, dass sie mit Teleskopen auf der Erde
nicht von Sternen zu unterscheiden seien, erläuterten die
Astronomen. Erst mit dem Weltraumteleskop habe sich die wahre Natur
dieser Objekte offenbart. Die große Entfernung bedeutet auch einen
Blick weit zurück in der Geschichte des Universums: Das Licht der
jungen Galaxien ist rund zwölf Milliarden Jahre unterwegs gewesen,
die Astronomen sehen die Objekte damit zu einer Zeit, als das Universum
erst knapp zwei Milliarden Jahre alt war. Heute ist das Universum 13,7
Milliarden Jahre alt.
Jeweils mehrere dieser kleinen Galaxien, manchmal mehr als zehn, haben
sich im Laufe der Jahrmilliarden zu den großen Spiralgalaxien wie
der Milchstraße vereinigt. Die Entdeckung dieser Vorläufer-
Galaxien sei für das Verständnis des Kosmos «wie der
Fund eines Schlüssel-Fossils im Pfad der menschlichen
Evolution», sagte Gawiser.
(Quelle: dpa)