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Irak am 1388sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Amerikanische Luftwaffe fliegt Großangriffe auf Al-Kaida-Ziele bei
Bagdad. USA geben Kontrolle über die Provinz Anbar im März an
Iraker zurück
Fr.11.01.08 - Die US-Armee hat südlich von Bagdad mehrere Großangriffe
gegen die islamistische Al-Kaida geflogen: Es seien rund 40 Ziele unter
Beschuss genommen worden, teilte die Armee am Donnerstag weiter mit. Die
Bomben hatten demnach ein Gewicht von insgesamt 40.000 Pfund. An den
Angriffen waren den Angaben zufolge zwei B-1-Bomber und vier
F-16-Kampfjets beteiligt. Sie richteten sich gegen drei
größere Ziele im Gebiet von Arab Dschabur, wo Palmen
gezüchtet werden und das zuletzt von Al-Kaida-Kämpfern als
Rückzugsgebiet benutzt wurde.
Die US-Armee hat Anfang der Woche eine neue Offensive gegen muslimische
Extremisten begonnen, die sich nach der massiven Verstärkung der
Sicherheitskräfte in Bagdad und der westlichen Provinz Anbar neu
gruppiert haben.
Die USA werden die Kontrolle über die irakische Provinz Anbar
wegen der verbesserten Sicherheitslage im März an den Irak
abgeben. Die irakischen Sicherheitskräfte seien in den vergangenen
Monaten zahlenmäßig stark angewachsen und gleichzeitig habe
die Gewalt in der westlichen Provinz deutlich abgenommen, erklärte
General Walter Gaskin der Nachrichtenagentur AP am Telefon. Anbar war
bis vor 18 Monaten die Provinz, aus der Al Kaida mit am heftigsten
gegen die US-Armee kämpfte. Allianzen mit sunnitischen Gruppen
haben es jedoch ermöglicht, die radikalen Islamisten
zurückzutreiben.
Bis März seien die Iraker bereit, die Verantwortung selbst zu
übernehmen, erklärte Gaskin auf seinem Stützpunkt in
Falludscha, rund 40 Kilometer westlich von Bagdad. Der General
befehligt in der Region etwa 35.000 Soldaten. Mit Anbar geht die neunte
Provinz in die Verantwortung der Iraker zurück. Im Dezember hatten
sich die Briten aus Basra zurückgezogen.
boa (Quelle: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 11.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Nahost-Konflikt: US-Präsident rechnet mit Friedensvertrag vor Ende
seiner Amtszeit. Bush kritisiert Israel für Angriffe auf
Abbas-Sicherheitskräfte
Fr.11.01.08 - US-Präsident George W. Bush hat bei seinem ersten Besuch im
palästinensischen Ramallah die Hoffnung auf einen Nahost-Frieden
noch vor Ende seiner Amtszeit bekräftigt: Er sei überzeugt,
dass es bis Januar 2009 einen unterzeichneten Vertrag zwischen Israelis
und Palästinensern geben werde, sagte Bush bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. Auch
ein Staat Palästina werde entstehen.
Bush hatte am Vortag Israel besucht und die Regierung in Jerusalem zu
Zugeständnissen im Streit um die illegalen Siedlungen im besetzten
Westjordanland gedrängt.
Die USA seien nicht einverstanden damit, dass israelische
Maßnahmen die Effektivität der palästinensischen
Einheiten oder die Autorität des Staates gegenüber dem
Bürger beeinträchtigen, sagte Bush am Donnerstag bei seinem
ersten Besuch im palästinensischen Ramallah. Er habe diese Position
auch gegenüber Israel deutlich gemacht, fügte er hinzu.
Zugleich forderte der US-Präsident Israel auf, sicherzustellen,
dass der künftige Staat Palästina ein zusammenhängendes
Staatsgebiet erhalten und nicht von jüdischen Siedlungen oder
Sicherheitskontrollen zerstückelt werde. "Ein Schweizer Käse
wird nicht funktionieren", sagte Bush mit Abbas an seiner Seite. "Ich
verstehe die Enttäuschungen. Ich verstehe aber auch die Menschen in
Israel, die wissen möchten, ob es einen Schutz vor den wenigen
Gewalttätern geben wird, die morden", sagte Bush.
Abbas lobte Bush als den ersten US-Präsidenten, der sich voll und
ganz hinter das Ziel eines palästinensischen Staates gestellt habe.
Er forderte den US-Präsidenten auf, bei Israel eine
größere Bewegungsfreiheit im Westjordanland durchzusetzen.
boa (Quelle: rtr)
AU-Vermittlungsbemühungen in Kenia gescheitert - Kofi Annan soll
in Krise vermitteln
Fr.11.01.08 - Die Vermittlungsbemühungen der Afrikanischen Union (AU) in der
politischen Krise in Kenia sind gescheitert.: räsident Mwai Kibaki
und Oppositionsführer Raila Odinga machten sich am Donnerstag
gegenseitig für den Fehlschlag verantwortlich. AU-Chef John Kufuor
sagte nach seinen Beratungen lediglich, beide Seiten hätten sich
bereit erklärt, mit einer Vermittlergruppe unter Vorsitz des
ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan zusammenzuarbeiten. Im
Mittelpunkt des Konflikts steht der Streit um die
Rechtmäßigkeit der Präsidentenwahl vom 27. Dezember,
die Kibaki nach offiziellen Angaben für sich entscheiden konnte.
Die Opposition wirft der Regierung jedoch Wahlbetrug vor.
Eine Einigung sei wegen der Unnachgiebigkeit des Präsidenten nicht
zustande gekommen, sagte der Generalsekretär der Oppositionspartei
ODM, Anyang' Nyong'o. Kufuor habe Kibaki einen Vorschlag unterbreitet,
der eine Untersuchung der umstrittenen Wahl und, falls nötig,
Neuwahlen vorgesehen habe. Der Präsident habe es jedoch abgelehnt,
die Vereinbarung zu unterzeichnen. "Dies ist ein Schlag ins Gesicht
für die AU-Mission", sagte Nyong'o. Dagegen warf Kibakis Amt der
Opposition vor, die Verhandlungen blockiert zu haben. Sie habe auf das
Dialogangebot der Regierung nicht reagiert. Kibaki bekräftigte
bereits am Mittwoch, das Wahlergebnis bleibe, wie es sei.
Kufuor bemühte sich nach den zweitägigen Bemühungen um
Schadensbegrenzung. Beide Seiten hätten ihre Bereitschaft zum
Dialog erklärt und sich für ein Ende der Gewalt
ausgesprochen, sagte Kufuor vor Journalisten. Dem ghanaischen
Präsidenten zufolge soll sich die Vermittlergruppe, der
führende afrikanische Persönlichkeiten angehören sollen,
auch um Lösungen in anderen Streitfragen wie die Verfassungs- und
die Wahlreform bemühen. In die Gespräche hatten sich neben
Kufuor auch die US-Afrikabeauftragte Jendayi Frazer sowie Gesandte aus
Großbritannien und Frankreich eingeschaltet. Im Stil einer
Pendeldiplomatie beriet Kufuor am Mittwoch abwechselnd mit Kibaki und
Odinga.
Bei Unruhen nach der Wahl wurden etwa 500 Menschen getötet, mehr
als 250.000 flohen vor der Gewalt. Neue Unruhen löste am Dienstag
die vom Kibaki vorgelegte Kabinettsliste aus. Am Donnerstag wurden
einige der Minister hinter verschlossenen Türen vereidigt. So
hatte auch Kibaki am 30. Dezember seinen Amtseid abgelegt.
(Quelle: rtr)
Frankreich will EU-Friedenstruppe für Tschad retten
Fr.11.01.08 - Frankreich will mit einer deutlichen Aufstockung seines Kontingents die
Stationierung der lange blockierten EU-Friedenstruppe für den
Tschad und die Zentralafrikanische Republik ermöglichen.
«Wir sind zu neuen Anstrengungen bereit, um die bisher fehlenden
Mittel für EUFOR aufzubringen», sagte ein
Ministeriumssprecher am Donnerstag. Die Zeitung «Le Figaro»
berichtete, Paris werde rund zehn Helikopter, ein Transportflugzeug
sowie ein zusätzliches Kontingent von 500 Mann entsenden.
Die Einzelheiten bestätigte Ministeriumssprecher Laurent Teisseire
nicht. Aber Frankreich suche nach einem Weg, die Blockade in der EU zu
lösen, sagte er der AP. Am (morgigen) Freitag soll das neue
Angebot auf einer Truppenstellerkonferenz in Brüssel vorgelegt
werden. Bislang fehlten der EUFOR zehn Hubschrauber und 800 Soldaten.
Kommen die notwendigen Beiträge zusammen, könnte die EU Ende
des Monats die Autorisierung geben und die Stationierung Anfang Februar
beginnen.
Ursprünglich sollten die ersten Truppen schon im November im Osten
des Tschads und in der Zentralafrikanischen Republik an der Grenze zum
Sudan stationiert werden. Wegen mangelnder Transportmöglichkeiten
blieb das Projekt im Sande stecken. In der Region haben mehr als
200.000 Vertriebene aus der sudanesischen Krisenregion Darfur Zuflucht
gesucht. Hinzu kommen 170.000 Binnenflüchtlinge, die wegen der
Kämpfe zwischen Streitkräften und Rebellen im Tschad selbst
ihre Heimat verloren. Die Spannungen zwischen dem Sudan und dem Tschad
haben in den vergangenen Wochen zugenommen.
Seit mehr als einem halben Jahr wird über die Beiträge der
EU-Staaten zu der EUFOR-Mission gerungen. Berlin will sich nur mit
einigen Offizieren in der Pariser Kommandozentrale beteiligen, deshalb
ist man in Frankreich laut «Le Figaro» verärgert.
Deutschland hätte «erhebliche Mittel zur
Verfügung», zitierte die Zeitung aus Militärkreisen.
Dennoch habe die Bundesregierung alles versucht, um während ihrer
EU-Ratspräsidentschaft Fortschritte bei der Mission zu verhindern.
Ein weiterer Sprecher des französischen Verteidigungsministeriums
sagte der Nachrichtenagentur AP dazu nur, Deutschland wolle sich
bislang nicht engagieren, was sich aber noch ändern könne.
Insgesamt soll die Truppe 3.500 Mann stark werden, der
französische Beitrag werde über die ursprünglich
geplanten 2.000 Mann hinaus gehen, hieß es in dem
Zeitungsbericht. Neben Frankreich entsenden Irland, Polen, Schweden,
Belgien, Österreich und Spanien Soldaten. Italien will der Zeitung
zufolge am Freitag ein bislang fehlendes Feldkrankenhaus zusagen.
Das Kommando der Truppe soll der irische Generalmajor Pat Nash
übernehmen. Den Feldkommandeur für den Tschad stellt
Frankreich. Die Truppe hat den Auftrag, das Grenzgebiet zum Sudan zu
befrieden. Darüber hinaus wird die Stationierung einer 26.000 Mann
starken Friedenstruppe der UN und der Afrikanischen Union für
Darfur vorbereitet.
(Quelle: ap)
Dutzende Tote bei Kämpfen im Jemen
Fr.11.01.08 - Ein halbes Jahr nach der Vereinbarung eines Waffenstillstandes sind im
Jemen neue Kämpfe zwischen schiitischen Rebellen und
Regierungstruppen ausgebrochen. Mehr als 30 Menschen seien bei den
Gefechten im Norden des Landes getötet worden, teilten die
Behörden am Donnerstag mit.
Die Streitkräfte hätten in der vergangenen Woche begonnen,
Dörfer in der Provinz Saada zu bombardieren, einer Hochburg der
Rebellen, verlautete aus Regierungskreisen. Am Mittwoch hätten
sich die Kämpfe verstärkt, die Truppen hätten dabei
Artillerie und Kampfhubschrauber eingesetzt. Von Seiten der
Aufständischen hieß es, mindestens zwölf Schiiten seien
getötet worden, darunter auch Zivilpersonen.
Beide Seiten hatten sich nach dreijährigen Kämpfen im Juni
2007 unter Vermittlung Katars auf eine Waffenruhe geeinigt. Der
Aufstand begann im Juni 2004, nachdem ein Geistlicher zur Rebellion
gegen die Regierung aufgerufen hatte.
(Quelle: ap)
Afghanistan begrüßt Pläne für
US-Truppenverstärkung
Fr.11.01.08 - Die afghanische Regierung hat Pläne der USA zur Entsendung von
3000 zusätzlichen Soldaten in das Land am Hindukusch
begrüßt. "Im Moment brauchen wir ausländische
Streitkräfte für Frieden und Sicherheit", sagte ein Sprecher
des Verteidigungsministeriums in Kabul der Nachrichtenagentur AFP. Daher
werde eine Truppenverstärkung gern gesehen. Langfristig müsse
jedoch die Qualität und Zahl der einheimischen Streitkräfte
erhöht werden, betonte er. Auch dafür brauche sein Land
Unterstützung.
Die USA hatten zuvor angekündigt, die Truppenverstärkung
werde in Erwartung einer Offensive der radikalislamischen
Taliban-Rebellen im Frühjahr erwogen. US-Verteidigungsminister
Robert Gates solle am Freitag eine entsprechende Empfehlung vorgelegt
werden, sagte ein Pentagon-Sprecher. Eine Entscheidung sei dann
allerdings noch nicht zu erwarten.
Im Rahmen des NATO-geführten ISAF-Einsatzes sind derzeit rund
40.000 Soldaten in Afghanistan stationiert. Die USA haben rund 26.000
Soldaten vor Ort. Das Land kommt nicht zur Ruhe: Seit dem Sturz der
Taliban 2001 war 2007 das blutigste Jahr.
(Quelle: afp)
Pakistan: Mindestens 22 Tote bei Selbstmordanschlag in Lahore
Fr.11.01.08 - Bei einem Selbstmordanschlag vor dem Obersten Gericht der
pakistanischen Großstadt Lahore sind am Donnerstag mindestens 22
Menschen getötet worden. Der Täter brachte den Sprengsatz
inmitten einer Gruppe von Polizisten zur Explosion, die in Erwartung
einer Kundgebung oppositioneller Anwälte vor dem
Gerichtsgebäude stationiert waren. Mehr als 50 Menschen wurden nach
Polizeiangaben verletzt.
Der Täter sei zu einem Absperrung der Polizei gelaufen und habe
sich dort in die Luft gesprengt, teilte Einsatzleiter Aftab Cheema mit.
Bei den Toten handle es sich um 20 Polizisten und zwei Passanten. Der
Anschlag ereignete sich nach seinen Angaben etwa eine Viertelstunde vor
Beginn der geplanten Kundgebung. Rund 200 Anwälte befanden sich
noch in dem Gerichtsgebäude, weitere Teilnehmer der Kundgebung
gegen die Regierung von Präsident Pervez Musharraf waren auf dem
Weg zum Veranstaltungsort.
Die Wucht der Explosion löste zahlreiche
Tränengasbehälter aus, die von den Polizisten mitgeführt
wurden. Dies erschwerte es Passanten in den ersten Minuten nach der
Explosion, sich um die Verletzten zu kümmern, wie Augenzeugen
berichteten. Die Polizei riegelte den Tatort ab und rief Schaulustige
auf, sich besser ins Krankenhaus zu begeben, um Blut zu spenden, anstatt
den Einsatz zu behindern.
Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtete, er habe Verletzte
gesehen, die in einer Blutlache liegend um Hilfe gerufen hätten.
Einem Mann, bei dem es sich möglicherweise um den
Selbstmordattentäter handle, sei der Kopf abgerissen worden.
Staatschef Pervez Musharraf verurteilte den Anschlag und
bekräftigte seine Entschlossenheit, den Kampf gegen Terrorismus und
Extremismus fortzusetzen. Die Behörden vermuten, dass der Anschlag
von Tätern aus dem Umkreis der Taliban und des Terrornetzwerks Al
Kaida verübt wurde. Am Freitag beginnt der islamische Monat
Muharram, in dem es in Pakistan wiederholt zahlreiche
Bombenanschläge sowie Zusammenstöße zwischen Sunniten
und Schiiten gegeben hat.
(Quelle: ap)
Sri Lankas Rebellen drohen Regierung mit Bürgerkrieg
Fr.11.01.08 - In Sri Lanka haben die tamilischen Rebellen nach der Aufkündigung
des Waffenstillstands durch die Regierung mit einem offenen
Bürgerkrieg gedroht: Sollte die Führung in Colombo einen
solchen Konflikt provozieren, würden sich die Befreiungstiger von
Tamil Eelam (LTTE) dem stellen, sagte ein Vertreter der Gruppe am
Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Regierungstruppen werde
dann das gleiche Schicksal ereilen wie vor etwa zehn Jahren, sagte er
weiter unter Anspielung auf die blutigsten Kämpfe in dem etwa
25-jährigen Konflikt. Gleichzeitig riefen die Rebellen die
norwegische Vermittlermission auf, trotz der jüngsten Zuspitzung
des Konflikts weiter im Land zu bleiben. Sie würden sich
bemühen, alle Bedingungen des Waffenstillstandsabkommens zu
erfüllen.
Die Regierung hatte vergangene Woche den brüchigen
Waffenstillstand mit der LTTE aufgekündigt und erklärt, die
Rebellen mit Gewalt ausmerzen zu wollen. Schon zuvor hatten beide immer
wieder gegen das Abkommen verstoßen. Seitdem der Waffenstillstand
aufgekündigt wurde, hat die Gewalt in dem südasiatischen Land
jedoch zugenommen. Allein in diesem Zeitraum kamen etwa 150 Menschen ums
Leben. Die norwegischen Vermittler, die den Waffenstillstand
überwachen sollten, bereiteten daraufhin ihre Ausreise vor.
(Quelle: rtr)
Japan will zehn Milliarden Dollar für Klimaschutz einsetzen
Fr.11.01.08 - Mit Hilfen in Milliardenhöhe will Japan nach einem Zeitungsbericht
in den kommenden fünf Jahren den Klimaschutz in
Entwicklungsländern unterstützen. Regierungschef Yasuo Fukuda
werde das Hilfspaket in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Dollar
(6,8 Milliarden Euro) auf dem Weltwirtschaftsforum im kommenden Monat in
Davos vorstellen, berichtete die Wirtschaftszeitung "Nikkei" ohne
Angabe von Quellen. Dem Bericht zufolge sollen die Gelder für
Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen, zur
Förderung der Sonnenenergie sowie zur Bekämpfung von durch die
Erderwärmung verursachten Naturkatastrophen verwendet werden.
Ein Regierungsvertreter bestätigte zwar die Existenz eines
Hilfspakets, über dessen Inhalte sei aber noch keine
abschließende Entscheidung getroffen worden, betonte Takeshi
Akamatsu vom Außenministerium. Es sei auch noch nicht entschieden,
wann Fukuda das Paket öffentlich vorstellen werde. Japan hält
in diesem Jahr die Präsidentschaft der sieben führenden
Industriestaaten und Russlands (G8) inne. Die Regierung in Tokio hat
den Kampf gegen den Klimawandel ganz oben auf die Agenda gesetzt und
will vor allem den aufstrebenden Volkswirtschaften wie China helfen,
ihren Treibhausgas-Ausstoß zu verringern.
(Quelle: afp)
Großbritannien setzt bei Klimaschutz auf Atomkraft
Fr.11.01.08 - Im Gegensatz zu Deutschland setzt Großbritannien beim Klimaschutz
ganz auf die Atomkraft: Die Labour-Regierung gab am Donnerstag
grünes Licht für eine neue Generation von Kernkraftwerken,
die auf Jahrzehnte hinaus die Energieversorgung und die geplante
Reduzierung der Treibhausgase sicherstellen soll. Die neuen AKWs sollen
in zehn bis 15 Jahren in Betrieb gehen.
Atomkraftwerke spielten im künftigen Energiemix des Landes ihre
Rolle, betonte Energie- und Wirtschaftsminister John Hutton im
Parlament. Dabei verwies er auf die günstige CO2-Bilanz der
Technik und sagte, sie solle gemeinsam mit anderen Energiequellen
eingesetzt werden, die ebenfalls wenig Treibhausgase verursachen. Er
nannte keine Quote für den Anteil der Atomenergie an der
künftigen Versorgung. Bislang werden 18 Prozent des britischen
Stroms in AKWs erzeugt. Die Werke erreichen jedoch alle bis 2035 das
Ende ihrer Laufzeit.
Die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas beendet mit der
Entscheidung ein jahrelanges Lavieren in der Frage und reiht sich in
Staaten wie Frankreich und Finnland ein, die gleichfalls einen Ausbau
der Atomkraft planen. Auch die USA haben damit begonnen, weitere
Genehmigungen für Atomkraftwerke zu erteilen. Seit der
Ölpreis auf Rekordhöhen bei 100 Dollar je Barrel gestiegen
ist, lohnt sich die teure Energieform wieder.
Dagegen lässt wie Deutschland auch Schweden die Atomkraft
auslaufen und verweist dabei auf die Sicherheitsrisiken der Technik.
Der Ausstoß erderwärmender Gase soll in Deutschland unter
anderem durch die deutlich stärkere Nutzung von erneuerbaren
Energien erreicht werden. Der Grundsatzbeschluss stammt aus der Zeit
der rot-grünen Regierung, die mit der britischen Labour-Partei
verbündet war.
Neben dem französischen Kraftwerkshersteller Areva meldete auch
der größte deutsche Energiekonzern E.ON sowie der
RWE-Konzern Interesse am Bau der britischen Werke an. E.ON wolle sich
beteiligen, es sei aber noch offen, in welcher Form, erklärte das
Unternehmen. Areva will eigenen Angben zufolge vier oder wahrscheinlich
sogar sechs Reaktoren auf der Insel bauen. Dies sei das Ziel,
erklärte Luc Oursel, Chef der Kraftwerkssparte Areva P, an der
Siemens einen Anteil von 34 Prozent hält. Der französische
Energiekonzern EDF kündigte seinerseits den Bau von vier
Atomkraftwerken in Großbritannien an. Das erste könne
bereits Ende 2017 fertiggestellt sein, teilte das Unternehmen mit.
Energieminister Hutton rechnet erst Mitte der 20er Jahre mit der
Inbetriebnahme neuer Kraftwerke. Es sei wahrscheinlich, dass bis dahin
mehrere Kraftwerke am Netz seien, betonte er im Parlament. Er legte
zudem neue Energiegesetze vor, die mit einem Klimapaket und einer
Reform der Strukturplanung im Eilverfahren durch das Parlament gebracht
werden sollen.
Die Entscheidung für die Atomkraft ist nicht unumstritten.
Lediglich 44 Prozent der Briten sind für einen Ausbau. Experten
dagegen befürworten den Schritt. "Großbritannien muss seine
Emissionen von Treibhausgasen reduzieren und gleichzeitig
sicherstellen, dass wir jeden Tag sichere Stromquellen haben", sagte
Peter Williams, Vize-Präsident der Britischen Akademie der
Wissenschaften. "Um das zu erreichen, müssen wir uns auf eine
vielfältige Mischung von Techniken stützen."
Voraussetzung für den Ausbau des Netzes ist allerdings unter
anderem, dass die Genehmigungsverfahren für neue AKWs alle
Hürden nehmen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zwang die
britische Regierung vor einem Jahr gerichtlich dazu, ihren Ausbauplan
einem vollen öffentlichen Anhörungsprozess zu unterziehen.
Sie kündigte an, die Entscheidung der Regierung von eigenen
Anwälten prüfen und eventuell anfechten zu lassen.
(Quelle: rtr)
Türkeis Ministerpräsident Erdogan will mit Merkel und Sarkozy
über EU-Beitritt sprechen
Fr.11.01.08 - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird in
Deutschland mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem
französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zu
Gesprächen über den EU-Beitritt seines Landes
zusammentreffen. Das kündigte Erdogan am Donnerstag vor
Journalisten in Ankara an, ohne das genaue Datum oder den Ort der
Begegnung zu nennen. Erdogan will dabei für den EU-Beitritt seines
Landes werben und eventuelle Vorbehalte ausräumen.
Merkel schwebt eine privilegierte Partnerschaft der Türkei mit der
EU vor, also nicht die von Ankara geforderte Vollmitgliedschaft.
Sarkozy hat sich wiederholt gegen den Beitritt des mehrheitlich
muslimischen Landes zur Europäischen Union ausgesprochen, gab sich
zuletzt aber ein wenig versöhnlicher. Die Beitrittsgespräche
begannen 2005, gerieten aber ein Jahr später zum Teil ins Stocken,
da sich die Türkei weigert, zyprische Schiffe und Flugzeuge in
seine See- und Flughäfen zu lassen. Der griechische Teil Zyperns
ist EU-Mitglied, der Nordteil der Mittelmeerinsel steht unter
türkischer Verwaltung.
(Quelle: ap)
Deutschland
Debatte über Jugend- und Ausländerkriminalität -
Zentralrat der Juden kritisiert Merkel
Fr.11.01.08 - In der Debatte über Jugend- und Ausländerkriminalität
hat der Zentralrat der Juden die Unterstützung von Bundeskanzlerin
Angela Merkel für den hessischen Ministerpräsidenten Roland
Koch (beide CDU) kritisiert. Zentralrats-Generalsekretär Stephan
Kramer sagte am Mittwoch zu «Focus Online»: «Ich
hätte mir von der Bundeskanzlerin eine ausgewogenere Stellungnahme,
nicht auf dem Rücken ausländischer Jugendlicher
gewünscht.»
Er bekräftigte zugleich seine Vorwürfe gegenüber Koch:
«Wer die Debatte um Jugendkriminalität wider besseres Wissen
auf Ausländer oder Jugendliche mit Migrationshintergrund fokussiert
und zuspitzt, der betreibt puren Rassismus auf dem Niveau der
NPD.» Kramer äußerte die Hoffnung, dass die
Wähler «diesem Rassismus Einhalt gebieten».
(Quelle: ddp)
Migranten-Gruppen beschweren sich bei Merkel über Koch-Wahlkampf
Fr.11.01.08 - Migranten-Gruppen haben sich bei Bundeskanzlerin Angela Merkel
über den Wahlkampf von Hessens Regierungschef Roland Koch zum Thema
Ausländerkriminalität beschwert.
In einem offenen Brief von 100 Organisationen an Merkel und Koch
heißt es nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" vom
Donnerstag: "Wo offene, konstruktive Gespräche und an der Sachlage
orientierte Lösungsvorschläge nötig wären, richten
Sie durch Wahlpolemik erheblichen Schaden an." Ein kurzfristiger Gewinn
im Wahlkampf sei es nicht Wert, Vorurteile neu zu schüren und die
Gesellschaft weiter zu spalten. Absender des Briefes ist dem Bericht
zufolge das Forum für Migrantinnen und Migranten im
Paritätischen Wohlfahrtsverband.
Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bekräftigte die
Kritik der SPD an Kochs Vorgehen. "Das ist eine schreckliche
Vereinfachung die stattfindet, mit Blick auf die Landtagswahlen in
Hessen und in Niedersachsen" am 27. Januar, sagte der SPD-Vize in der
ARD. Koch habe das Problem, das er beklage, durch Kürzungen bei
Polizei, Justiz und Jugendhilfe mit erzeugt. Koch selbst räumte
eine zu langsame Bearbeitung von Straftaten Jugendlicher durch die
Gerichte in seinem Bundesland ein. "Das Problem ist da", sagte der
CDU-Politiker am Mittwochabend in der ARD. Koch bestätigte
Recherchen des Senders, nach denen die hessischen Amts- und Landgerichte
bei Jugendstrafsachen im Ländervergleich ganz hinten liegen.
(Quelle: rtr)
Geringste Asylbewerberzahl seit 30 Jahren
Fr.11.01.08 - Die Asylbewerberzahl ist 2007 auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren
gesunken. Mit 19.164 Erstanträgen war die Zahl so niedrig wie seit
1977 nicht mehr. Das berichtete das Bundesinnenministerium am
Donnerstag in Berlin. 2006 hatten noch 21.029 Menschen und damit neun
Prozent mehr einen Asylantrag in Deutschland gestellt.
Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl erklärte dazu:
«Immer weniger Menschen gelingt die Flucht nach Deutschland.
Deren Chancen auf einen Schutzstatus haben sich im letzten Jahr zwar
etwas verbessert, dennoch zeigt die Statistik hauptsächlich, dass
Deutschland seinen Verpflichtungen im Flüchtlingsschutz nach wie
vor nicht nachkommt.»
Die meisten Bewerber waren im vergangenen Jahr Iraker. In ihrem
Heimatland hat sich die Sicherheitslage verschlechtert. Die Zahl der
irakischen Asylbewerber verdoppelte sich binnen Jahresfrist von 2.117
auf 4.327. Fast die Hälfte der Antragsteller (5.576) waren Kurden.
Dass insgesamt etwa ein Drittel aller Erst- und Folgeantragsteller
Iraker waren, wirkte sich auch auf die Asylentscheidungen aus. In 25
Prozent aller Fälle wurde den Angaben zufolge entweder die
Anerkennung ausgesprochen oder Flüchtlingsschutz gewährt. Im
Jahr 2006 waren es noch 4,4 Prozent gewesen.
Die Zahl der Asylbewerber hatte 1992 den Höchststand von 438.191
erreicht und sank nach der Asylrechtsreform im Jahr darauf
kontinuierlich. Insgesamt stellten seit 1953 rund 3,2 Millionen
Menschen einen Asylantrag in Deutschland.
Pro Asyl wies darauf hin, dass knapp die Hälfte aller
Asylerstanträge von Minderjährigen beziehungsweise von Amts
wegen für Minderjährige gestellt werden. Nach wie vor
groß sei zudem die aus der Asylstatistik nicht hervorgehende Zahl
der Asylwiderrufe im Jahr 2007. Bis Ende November sei 5.756 Personen
ihr Flüchtlings- oder Schutzstatus entzogen worden.
Die relativ hohe Anerkennungsquote für irakische Flüchtlinge
belegt nach Auffassung von Pro Asyl, dass die jahrelang verfolgte
Politik, Irakern den Flüchtlingsschutz zu widerrufen,
unverantwortlich war. «Eine Bereitschaft zur Korrektur der
Fehlentscheidung in etwa 21.000 Fällen aus den letzten fünf
Jahren haben Bundesinnenministerium und Bundesamt bislang nicht
erkennen lassen», monierte die Organisation.
(Quelle: ap)
Bahntarifverhandlungen wieder auf der Kippe
Fr.11.01.08 - Doch kein Durchbruch im monatelangen Tarifstreit: Nach neuen
Gesprächen zwischen der Deutschen Bahn und der
Lokführergewerkschaft GDL stehen die Verhandlungen wieder auf der
Kippe. «Ein Scheitern der Tarifverhandlungen kann ich jetzt nicht
mehr ausschließen», erklärte der GDL-Vorsitzende
Manfred Schell am Donnerstagabend. Das von der Bahn vorgelegte Angebot
reiche nicht aus. «Weder beim Entgelt noch bei der Arbeitszeit
hat es eine Annäherung gegeben.» In den vergangenen Tagen
hatten sich die Tarifpartner optimistisch geäußert und eine
baldige Lösung des Konfliktes in Aussicht gestellt.
Die Bahn widersprach der Darstellung Schells: «Heute ging es bei
den mehrstündigen Verhandlungen um die Themen Entgelthöhe und
Arbeitszeit. Wir haben uns angenähert, aber bisher nicht
geeinigt», sagte Unternehmenssprecher Uwe Herz in Berlin. Bei den
letzten Gesprächen habe sich die Bahn mit der GDL auf einen
eigenständigen Tarifvertrag geeinigt und damit die Hauptforderung
der Gewerkschaft erfüllt.
Das Angebot der Bahn sieht nach Unternehmensangaben
Einkommensverbesserungen zwischen 7 und 15 Prozent im Rahmen einer
neuen Entgeltstruktur vor. Im Schnitt seien dies Verbesserungen von elf
Prozent. «Auf dieser Basis können wir uns weiterhin eine
Einigung vorstellen», sagte Herz.
Schell bezeichnete das Lohnangebot als unzureichend. Die Bahn lehne
eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 41 auf 40 Stunden ab. Der
Hauptvorstand und die Tarifkommission der GDL sollen demnach am Sonntag
in Frankfurt am Main über das weitere Vorgehen entscheiden.
Die Einigung beim Thema eigenständiger Tarifvertrag sieht nach
Medienberichten einen «funktionsgruppenspezifischen
Tarifvertrag» für die Lokführer vor, der neben
ähnlichen Verträgen für andere Berufsgruppen unter dem
Dach eines Basistarifvertrags stehen soll. Eine solche Regelung
würde sich in die Einigung einfügen, die die
Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA Ende November mit der Bahn
erzielt hatten.
Die Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA teilten indes am
Donnerstag mit, ihre Verhandlungen über die Ausgestaltung einer
neuen Entgeltstruktur bei der Deutschen Bahn kämen gut voran.
«Innerhalb der nächsten drei Monate sollen die
Tarifverträge zu den einzelnen Funktionsgruppen abgeschlossen
sein», erklärten Transnet-Vorstand Alexander Kirchner und
GDBA-Vize Heinz Fuhrmann. Die Verhandlungen darüber sollen am 22.
Januar in Hannover fortgesetzt werden.
(Quelle: ap)
Große Diskrepanzen zwischen Tarifparteien im öffentlichem
Dienst - Verdi-Chef bekräftigt Forderung nach deutlicher
Lohnerhöhung
Fr.11.01.08 - Zum Auftakt der Tarifrunde im öffentlichen Dienst hat
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Forderungen der
Gewerkschaften nach acht Prozent mehr Lohn als «nicht
verhandlungsfähig» abgelehnt. Die Arbeitgeber würden
erst ein Angebot machen, wenn es verhandlungsfähige Forderungen
gebe, sagte Schäuble als Verhandlungsführer des Bundes am
Donnerstag in Potsdam. Auch die kommunalen Arbeitgeber lehnten die
Forderungen ab. Die erste von fünf angesetzten
Gesprächsrunden dauerte am Donnerstagabend noch an.
Die Gewerkschaft ver.di und die zum Beamtenbund gehörende dbb
Tarifunion gingen mit der höchsten Tarifforderung seit 15 Jahren
in die Verhandlungen. Um acht Prozent sollen demnach die Einkommen der
rund 1,3 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen steigen,
mindestens aber um 200 Euro monatlich. Außerdem soll das Ergebnis
für die Beamten in Bund und Kommunen übernommen werden.
Ver.di-Chef Frank Bsirske sagte in der ARD: «Die Steuereinnahmen
sprudeln. Jetzt sind die Beschäftigten dran, auch teilzuhaben an
der allgemeinen Einkommensentwicklung, damit der Rückstand der
Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst auf die
Privatwirtschaft nicht noch weiter zunimmt.» Der Vorsitzende der
dbb Tarifunion, Frank Stöhr, erklärte: «Nach drei
Jahren ohne lineare Erhöhung ist unsere Forderung nach acht
Prozent Gehaltssteigerung ausgesprochen bescheiden.» Stöhr
drohte erneut mit Streiks.
Schäuble kritisierte dagegen, die Vorstellungen der Gewerkschaften
lägen jenseits dessen, was die wirtschaftliche Entwicklung und die
Haushaltslage von Bund und Kommunen erlaube. Der Präsident der
Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas
Böhle, erklärte: «Wir sind glasklar gegen 200 Euro mehr
pro Monat.» Beide Arbeitgebervertreter zeigten sich jedoch zu
moderaten Gehaltserhöhungen bereit.
Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund bezeichnete die
Gewerkschaftsforderung als überzogen. Geschäftsführer
Gerd Landsberg sagte der «Bild»-Zeitung, ein hoher
Tarifabschluss würde den Druck zum Personalabbau verstärken.
Acht Prozent mehr Geld würde nach Angaben des Städtetags
allein die kommunalen Arbeitgeber sieben Milliarden Euro kosten.
«Dazu sind viele Städte, insbesondere in schwachen Regionen,
definitiv nicht in der Lage», sagte der
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Stephan
Articus, im Deutschlandradio Kultur.
Politiker von SPD und CDU sprachen sich grundsätzlich für
deutliche Lohnzuwächse in den Tarifrunden aus.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte in der ARD: «Die
Lohnquote ist auf einem historisch niedrigen Niveau, während die
Gewinnquote sehr hoch ist. Das bedeutet, dass die Arbeitnehmer mehr
teilhaben müssen.
Die erste Runde der Tarifgespräche begann am Donnerstagnachmittag
in Potsdam und soll am heutigen Freitag fortgesetzt werden.
(Quelle: ap)
EZB droht mit Zinserhöhung bei zu kräftigem Lohnplus
Fr.11.01.08 - EZB-Präsident Jean-Claude Trichet droht in ungewohnt scharfer Form
mit steigenden Zinsen für den Fall übermäßiger
Lohnerhöhungen: Die Preisschübe bei Energie und Lebensmitteln
dürften nicht in überzogene Tarifabschlüsse münden,
sagte Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Dies könne eine Spirale
aus höheren Preisen und Löhnen in Gang setzen und die
Teuerung noch verfestigen. "Wir werden nicht dulden, dass dies
eintritt", warnte Trichet. "Wir sind bereit, vorbeugend zu handeln."
Zuvor ließ der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) den
Leitzins wie erwartet bei vier Prozent.
Dabei wurde nach den Worten Trichets auch über eine
Zinserhöhung diskutiert. Aus Sorge um die Konjunktur verzichteten
die Währungshüter aber erneut darauf. "Die Risiken für
die Wirtschaft haben zugenommen", begründete Trichet. Der
Aufschwung sei zwar noch intakt, doch werde er von der Finanzkrise,
hohen Ölpreisen und dem starkem Euro bedroht. Höhere
Kreditkosten würden die Wirtschaft noch mehr belasten, weil damit
auch Darlehen für Unternehmen und Verbraucher teurer werden. Das
dämpft Investitionen und Konsum. Die EZB hat deshalb den
Schlüsselzins - zu dem sich Geschäftsbanken bei ihr Geld
leihen können - seit einem halben Jahr nicht angetastet.
Mit Argwohn blickt die Notenbank auf die anstehenden Lohnrunden in
Deutschland. Nach Jahren der Lohnzurückhaltung fordern die
Gewerkschaften bis zu acht Prozent mehr - etwa für die
Beschäftigten im öffentlichen Dienst und in der
Stahlindustrie. Auch in anderen Ländern werden kräftige
Aufschläge verlangt, befeuert auch von deutlich gestiegenen
Lebenshaltungskosten. "Wir beobachten die Tarifverhandlungen mit
besonderer Aufmerksamkeit", sagte Trichet. "Jede Ankoppelung der
Löhne an die Preisentwicklung sollte ausgeschlossen bleiben."
Die Teuerungsrate im Euro-Raum verharrte im Dezember mit 3,1 Prozent
auf dem höchsten Stand seit Mai 2001. Die EZB sieht stabile Preise
nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gesichert. Sie sagt aber
einen allmählich nachlassenden Preisdruck voraus. "Wir werden
absolut wachsam bleiben", sagte Trichet.
Ungeachtet solcher Warnungen prognostizieren viele Experten bis
Jahresende niedrigere Zinsen. "Trichet bellt lauter", sagte Analyst
Stephan Rieke von der BHF-Bank zu den Drohungen des EZB-Chefs. Wegen
der Risiken für die Konjunktur werde die Notenbank aber die Zinsen
senken, sobald der Preisdruck nachlasse. Die Frankfurter Geldpolitiker
würden damit dem Vorbild ihrer angelsächsischen Kollegen
folgen. Die US-Notenbank Fed wird Ende Januar ihren Leitzins
voraussichtlich zum vierten Mal seit Beginn der Immobilienkrise im
Sommer zurücknehmen, um ein Abgleiten in die Rezession zu
vermeiden. Die Bank of England ließ ihren Leitzins am Donnerstag
zwar bei 5,5 Prozent, Experten rechnen aber im Februar mit einer
Senkung.
Der Euro legte nach Trichets Drohung vor einer strafferen Geldpolitik
bis auf 1,4752 Dollar zu. Zuvor hatte er um 1,4670 Dollar notiert. Die
Rentenmärkte reagierten dagegen kaum. Der Aktienindex DAX
verharrte leicht im Minus.
(Quelle: rtr)
Unionspolitiker für höheres Schonvermögen bei
Arbeitslosen
Fr.11.01.08 - Das Vermögen von Arbeitslosen soll nach dem Willen von
Unionspolitikern besser vor dem Zugriff des Staates geschützt
werden. «Die bestehenden Freibeträge sind zu niedrig. Wir
sind dafür, dass man den Schutz des Vermögens für das
Alter verbessert», sagte der stellvertretende CSU-Vorsitzende
Horst Seehofer dem «Münchner Merkur» laut
Vorabmeldung. Altersvorsorge und Vermögensbildung seien nur
unzureichend gesichert.
Seehofer kritisierte die Politik als widersprüchlich: «Wer
Vorsoge fürs Alter trifft, darf nicht der Dumme sein. Auf der
einen Seite sagt die Politik den Leuten, sie sollen mehr sparen, um
Altersarmut zu vermeiden. Auf der anderen Seite muss aber im Fall von
Arbeitslosigkeit zum erheblichen Teil das Ersparte eingesetzt
werden.» Seehofer sagte, ein Freibetrag von 700 Euro pro
Lebensjahr sei das Mindeste.
Auch der CDU-Politiker Gerald Weiß sprach sich für eine
deutliche Erhöhung des Schonvermögens aus. Er warnte davor,
dass immer weniger Bürger fürs Alter vorsorgen, «wenn
sie befürchten müssen, dass ihnen bei längerer
Arbeitslosigkeit ihre Ersparnisse weggenommen werden».
(Quelle: ap)
Millionen gehen bei Riester-Rente leer aus - Wirtschaftsweiser
Rürup fordert Gesetzesänderung
Fr.11.01.08 - Millionen zukünftige Rentner laufen nach einem Bericht des
ARD-Magazins «Monitor» Gefahr, trotz Riester-Rente im Alter
keinen Euro zusätzlich in der Tasche zu haben. Das berichtete das
Fernsehmagazin am Donnerstag vorab unter Berufung auf interne Zahlen
der Deutschen Rentenversicherung.
«Monitor» zitierte den Renten-Experten und
langjährigen Regierungsberater Winfried Schmähl mit den
Worten, «Millionen» müssten damit rechnen, «dass
sich ihre Riester-Förderung gewissermaßen in Luft
auflöst». Schuld sei das seit Jahren sinkende
Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung und eine
gesetzliche Regelung, die bislang selbst Experten kaum bekannt sei: Die
Anrechnung der Riester-Ersparnis auf die Grundsicherung.
Davon betroffen sei jeder, der im Alter so wenig habe, dass er auf
Sozialhilfe angewiesen sei. Denn in die Berechnung des
Grundsicherungsanspruchs fließe auch die private Riester-Vorsorge
ein, berichtete das Magazin. Die staatliche Unterstützung werde
dann genau um den Betrag der angesparten Riester-Rente gekürzt.
Das Bundesarbeitsministerium wies den Bericht zurück. Die
«Monitor»-Behauptungen basierten auf einer völligen
Verzerrung der Situation der gesetzlichen Rentenversicherung.
«Sie sind unseriös und werden wider besseres Wissen
aufgestellt», sagte Ministeriumssprecher Christian Westhoff. Die
Behauptung, für Geringverdiener sei der Abschluss einer
Riester-Rente nicht sinnvoll, sei falsch: Gerade Geringverdiener
könnten von einer hohen staatlichen Förderung profitieren.
Nach Angaben von «Monitor» geht aus internen Berechnungen
der Rentenversicherung hervor, dass selbst ein Durchschnittsverdiener,
der 32 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, im Jahr 2030 voraussichtlich
keinen Nutzen von Riester wegen der Anrechnung auf die Grundsicherung
haben werde.
Die Deutsche Rentenversicherung bezeichnete diese Aussagen in einer
ersten Stellungnahme als sehr irreführend. Denn bei den zitierten
Zahlen werde nur auf das Einkommen aus der gesetzlichen
Rentenversicherung abgestellt. Doch bloß 65 Prozent des
Brutto-Einkommens der Menschen über 65 Jahre kämen daher.
Anderes Einkommen bleibe bei den Berechnungen außen vor.
Die staatlich geförderte Riester-Rente ermögliche es gerade
Personengruppen, die sonst keine private Altersvorsorge
abschließen könnten, sich mit geringen Eigenbeiträgen
ab fünf Euro im Monat eine zusätzliche Altersvorsorge
aufzubauen, teilte die Rentenversicherung weiter mit. Gerade für
Geringverdiener lägen die Förderquoten bei bis zu 90 Prozent.
Der Wirtschaftsweise Bert Rürup fordert «Monitor»
zufolge eine Änderung der Gesetzeslage. Wer für die
Riester-Rente einzahle, müsse das Geld später
tatsächlich zusätzlich in der Tasche haben.
(Quelle: ap)
Reichstagsbrand: Nazi-Urteil 63 Jahre nach Hinrichtung aufgehoben
Fr.11.01.08 - 63 Jahre nach der Hinrichtung von Marinus van der Lubbe wegen des
Reichstagsbrandes hat die Bundesanwaltschaft das Urteil gegen den
Niederländer aufgehoben: Demnach ist Lubbe zu Unrecht wegen
Hochverrat und Brandstiftung verurteilt worden, teilte die Behörde
an Donnerstag mit. Dem Niederländer war zur Last gelegt worden, am
27. Februar 1933 den Reichstag und andere öffentliche Gebäude
in Berlin in Brand gesetzt zu haben. Das Reichsgericht hatte ihn
deshalb im so genannten Reichstagsbrandprozess am 23. Dezember 1933 zum
Tode verurteilt. Er wurde am 10. Januar 1934 hingerichtet.
Das Urteil sei auf Grundlage des Gesetzes zur Aufhebung
nationalsozialistischer Unrechtsurteile von 1998 aufgehoben worden,
hieß es. Ein Berliner Rechtsanwalt habe den Anstoß dazu
gegeben. Das Urteil ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft kassiert
worden, weil die Verhängung der Todesstrafe auf zwei spezifisch
nationalsozialistischen Unrechtsvorschriften beruhte. Diese seien zur
Durchsetzung des nationalsozialistischen Regimes geschaffen worden und
ermöglichten Verstöße gegen Grundvorstellungen von
Gerechtigkeit.
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Embryonale Stammzellen ohne Tod des Embryos gewonnen
Fr.11.01.08 - Die Stammzellforschung steht möglicherweise vor einem Durchbruch:
Wissenschaftlern ist die Gewinnung embryonaler Stammzellen ohne
Schädigung von Embryonen gelungen. Ähnlich wie bei Tests
für Fehlbildungen bei künstlicher Befruchtung entnahmen sie
einem Embryo eine einzelne Stammzelle und hielten diese mittels eines
Proteins namens Laminin in ihrem pluripotenten Zustand, wie die
Fachzeitschrift "Cell Stem Cell" berichtete.
Der Embryo wurde dabei nach Angaben der Forscher nicht beschädigt
und entwickelte sich normal weiter. Bislang war die Gewinnung der
für therapeutische Zwecke begehrten Stammzellen lediglich mittels
des Tods von Embryonen möglich.
Stammzellen können sich zu jeder beliebigen Zellform des
menschlichen Körpers entwickeln und sollen eines Tages
Schäden an menschlichem Gewebe und Organen beheben helfen. Die
Stammzellforschung ist jedoch wegen des damit einhergehenden
Tötens von Embryonen ethisch hoch umstritten.
Vor kurzem war zwei Teams von Wissenschaftlern die Herstellung von
Stammzellen aus Hautzellen gelungen. Die Methode birgt jedoch das
Risiko potentiell tödlicher genetischer Veränderungen,
weshalb ihre klinische Anwendung in Kürze nicht zu erwarten ist.
Die embryonalen Stammzellen stellen derzeit die einzige
Möglichkeit für eine direkte therapeutische Anwendung dar.
Robert Lanza, Vizepräsident für Forschung und Entwicklung der
US-Biotechnologie-Firma Advanced Cell Technology (ACT), der die neue
Methode mitentwickelte, sagte: "Innerhalb der kommenden Monate
könnten wir so viele dieser Zellen herstellen, wie wir wollen.
(Quelle: afp)
Silizium-Poet: Japanischer Computer dichtet Haikus
Fr.11.01.08 - Ein japanischer Forscher hat seinem Computer das Dichten traditioneller
Haiku-Verse beigebracht. Der Rechner benötigt nur zwei oder drei
Stichwörter und schmiedet einen der klassischen japanischen
Dreizeiler darum, wie der britische «New Scientist» (Nr.
2638, S. 21) berichtet.
Um das Versmaß von fünf, sieben und wieder fünf Silben
(«Die Schmetterlinge - was sie wohl träumen mögen - beim
Flügelspreizen») zu treffen, durchkämmt die Software
verschiedene Datenbanken, die ähnlich klingende Wörter und
solche aus demselben Bedeutungskreis miteinander verbinden. Eine
weitere Datenbank hilft dem Computer, die Wörter in die richtige
Reihenfolge zu bringen. Änderungen, die der Benutzer an der
Computerlyrik vornehmen kann, schulen den Silizium-Poeten.
(Quelle: dpa)