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Irak am 1389sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Irakische Regierung will ab 2009 selbst für Sicherheit im Land
sorgen. US-Präsident Bush: USA könnten noch zehn Jahre in
Irak sein. Türkische Artillerie beschießt den Nordirak.
Strafe gegen Offizier in Abu-Ghraib-Prozess aufgehoben
Sa.12.01.08 - US-Präsident George W. Bush hat am Freitag Hoffnungen auf einen
schnellen vollständigen Abzug der USA aus dem Irak eine Absage
erteilt: Es sei sehr gut möglich, dass die USA langfristig in dem
Land präsent seien, sagte er dem US-Sender NBC News. Auf die
Frage, ob er dabei an einen Zeitraum von zehn Jahren denke, sagte Bush:
"Das könnte leicht sein." Voraussetzung für eine
US-Präsenz müsse jedoch eine Einladung der Regierung in
Bagdad sein.
Iraks Regierung will ab dem Jahr 2009 die Verantwortung für die
Sicherheit im Land selbst übernehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt
könnten die Sicherheitskräfte soweit ausgebildet und
einsatzfähig sein, dass sie die Verantwortung von den US-Truppen
übernähmen, sagte Verteidigungsminister Abdel Kader el Obeidi
in Washington nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Robert Gates.
In der Ortschaft Arab Dschabur im Süden Bagdads kamen mindestens
21 Angehörige des Terrornetzwerkes El-Kaida bei einem
US-Luftangriff ums Leben, wie die dortige Anti-Terror-Organisation
"Erweckung" mitteilte.
Als Beispiel für die Fortschritte in der irakischen
Sicherheitslage nannte Obeidi die Provinz Anbar. Die Region sei "die
heißeste Gegend" im Irak gewesen, inzwischen seien dort keine
Truppen mehr nötig, da es seit Monaten keine Anschläge mehr
gegeben habe. Allerdings seien vier Provinzen trotz eines
Rückgangs der Gewalttaten noch immer als Hochburgen des
Widerstandes zu bezeichnen, sagte der Verteidigungsminister. Die
Regierung arbeite daran, auch diese Gegenden unter Kontrolle zu
bekommen. Es sei seine "persönliche Überzeugung", dass dies
bis zum Ende des Jahres gelinge, sagte Obeidi. In den irakischen
Institutionen gebe es noch Schwächen im administrativen Bereich,
räumte Obeidi ein, "aber unsere Truppen machen schnelle
Fortschritte".
Bislang hat die US-Armee die Kontrolle in neun der 18 Provinzen des
Landes an irakische Sicherheitskräfte übergeben. Er hoffe,
dass dieser Prozess weiter vorankomme, sagte Gates. Inzwischen
stünden 100.000 irakische Soldaten unter Waffen. Die USA seien auf
dem bestem Wege, die Zahl ihrer Soldaten bis zum Sommer auf 130.000 zu
reduzieren. Derzeit sind rund 160.000 US-Soldaten im Irak stationiert.
Bei einem Luftangriff der US-Armee in der südlich der irakischen
Hauptstadt Bagdad gelegenen Ortschaft Arab Dschabur seien am Donnerstag
mindestens 21 El-Kaida-Kämpfer getötet worden, sagte Scheich
Mustaf el Dschaburi, Stammesführer und Chef der
Anti-Terror-Organisation "Erweckung". Unter den Toten ist demnach auch
der für den südlichen Ring um Bagdad zuständige
El-Kaida-Chef Walid Chudair, bei den anderen Toten handele es sich um
Chudairs Mitstreiter.
Die US-Streitkräfte konnten zunächst nicht bestätigen,
dass bei den Luftangriffen El-Kaida-Kämpfer getötet wurden.
US-Kampfflugzeuge hatten bei dem Blitzangriff rund 21.500 Kilogramm
Sprengstoff auf 47 Ziele abgeworfen.
Die türkische Artillerie hat nach offiziellen kurdischen Angaben
Ziele im autonomen Norden des Irak beschossen: Bei dem
zweistündigen Beschuss der Provinz Dahuk sei am Freitagmorgen
niemand verletzt worden, teilte ein Vertreter der irakischen
Sicherheitskräfte mit. Das Fernsehen der irakischen Kurden hatte
zunächst gemeldet, die türkische Luftwaffe habe Ziele im
Nord-Irak bombardiert.
Die türkischen Streitkräfte haben seit Dezember wiederholt
vermutete Stellungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK vornehmlich aus
der Luft angegriffen. Bodentruppen unternehmen gelegentlich kleinere
Vorstöße in den Norden des Nachbarlandes. Die Türkei
hat bis zu 100.000 Soldaten an der gemeinsamen Grenze stationiert. Die
Führung in Ankara macht die für einen unabhängigen Staat
kämpfende PKK für den Tod von fast 40.000 Menschen
verantwortlich.
Unterdessen stuften die USA die Untergrundorganisation Freiheitsfalken
Kurdistans (TAK) als Terrorgruppe ein. Die TAK stehe der PKK nahe und
sei für mehrere Anschläge in der Türkei verantwortlich,
sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Bei einem Besuch
seines türkischen Kollegen Abdullah Gül hatte
US-Präsident George W. Bush am Dienstag die Zusammenarbeit beider
Länder im Kampf gegen kurdische Untergrundorganisationen
bekräftigt. Bush betonte aber auch, dass die Türkei
langfristig eine politische Lösung des Problems finden müsse.
Die US-Armee hat das Urteil gegen den einzigen angeklagten Offizier im
Militärprozess um Folterungen im irakischen Gefängnis Abu
Ghraib aufgehoben: Oberstleutnant Steven Jordan habe keine Straftat
begangen, entschied der Kommandeur des Heeresbezirks Washington, Richard
Rowe, nach Militärangaben vom Donnerstag. Angesichts des Vergehens
- Befehlsverweigerung - und der Beweislage reiche ein
verwaltungsrechtlicher Verweis.
Menschenrechtsorganisationen hatten schon das im August gefällte
Urteil als zu milde kritisiert. Damals erhielt Jordan lediglich einen
strafrechtlichen Verweis und keine Hafstrafe. Der Offizier habe zwar
keine Schuld an den Misshandlungen, aber er habe entgegen einem Befehl
mit anderen Soldaten über die Ermittlungen gegen das
Gefängnispersonal gesprochen, befand das Truppengericht.
Wegen des Folterskandals sind nur Soldaten mit Mannschaftsdienstgraden
verurteilt worden. Kritiker bemängeln, dass keine hochrangigen
Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden seien.
Der Skandal wurde 2004 durch die Veröffentlichung von Fotos
ausgelöst, auf denen misshandelte Häftlinge des
US-Gefängnisses zu sehen waren. Sie sorgten weltweit für
Empörung.
boa (Quellen: afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 12.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.12.01.07 - US-Präsident Bush wirbt vor US-Truppen für neue
Irak-Strategie +++ Demonstrationen gegen Irak-Politik in den USA +++ 70
Prozent der Amerikaner gegen weitere Truppenentsendung in den Irak +++ 18
Jahre Haft für US-Soldaten wegen Tötung von Irakern...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701120.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Weltweite Proteste für Schließung von Guantánamo
Sa.12.01.08 - Am sechsten Jahrestag der Belegung des US-Gefangenenlagers
Guantánamo haben in aller Welt hunderte Menschen für die
Schließung der umstrittenen Einrichtung demonstriert. Auf
Initiative der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai)
demonstrierten in Washington rund 200 Menschen für die
Schließung des Gefangenenlagers, in London versammelten sich rund
hundert Guantánamo-Gegner vor der US-Botschaft. Auch in anderen
europäischen Städten wie Kopenhagen, Rom, Athen und Istanbul
fanden Protestaktionen statt.
In Washington versammelten sich die Demonstraten vor dem
Kongressgebäude. Die Mehrzahl von ihnen trug orangefarbene
Kleidung in Anlehnung an die auf Guantanamo üblichen Overalls der
Gefangenen. Einem Aufruf von ai und zahlreichen weiteren
Menschenrechtsorganisationen folgend marschierten sie zum Obersten
Gerichtshof der USA, der in den kommenden Monaten über die
Rechtmäßigkeit der Sondertribunale gegen die
Guantánamo-Insassen urteilen soll.
In London stellten die Demonstranten vor der US-Botschaft Szenen nach,
wie sie sich nach ihren Erkenntnissen in Guantanamo
regelmäßig abspielen. Demonstranten in Armeeuniformen
spielten Aufseher, die die Demonstranten in der Rolle der Gefangenen
zum Teil mit Hunden in Schach hielten und ihnen fortwährend
Befehle zubrüllten.
In Rom demonstrierten etwa 40 Menschen und hielten Transparente mit den
Aufschriften "Guantánamo sofort schließen" und "Beendet
die illegalen Inhaftierungen" hoch. Vor dem Parlamentsgebäude in
Athen versammelten sich etwa ein Dutzend Demonstranten, die zum Teil
Augenbinden und Fesseln trugen. Auch in Kopenhagen und Istanbul wurde
demonstriert.
Im Zentrum der australischen Metropole Sydney versammelten sich
hunderte Demonstranten und riefen immer wieder die Zahl 275. So viele
Gefangene werden derzeit nach Schätzungen noch in Guantanamo
festgehalten. Auch der Vater des Austaliers David Hicks, der von
US-Truppen in Afghanistan gefangengenommen und mehr als fünf Jahre
im Stützpunkt Guantanamo festgehalten worden war, sprach sich im
Namen seines Sohns für eine Schließung des Lagers aus.
Vier britische Ex-Gefangene scheiterten unterdessen vor einem
Berufungsgericht in Washington mit ihrer Schadenersatzklage. Die
zuständige Richterin wies die auf Foltertvorwürfen basierende
Klage der Männer gegen den früheren Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld und Befehlshaber des Lagers zurück. Die
Beschuldigten hätten lediglich ihre dienstliche Pflicht
erfüllt und könnten deshalb nicht persönlich belangt
werden.
(Quelle: afp)
Afghanistan: USA fordern mehr Engagement der Verbündeten
Sa.12.01.08 - Vor der Entscheidung über die Aufstockung der US-Truppen in
Afghanistan hat sich US-Verteidigungsminister Robert Gates besorgt
über die mögliche Reaktion der NATO-Verbündeten gezeigt.
"Es beunruhigt mich, dass damit womöglich der Druck auf unsere
Verbündeten nachlassen würde, ihre Zusagen einzuhalten", sagte
Gates in Washington. Sollte er sich dafür entscheiden, 3000
zusätzliche US-Soldaten an den Hindukusch zu schicken, entbinde
dies die NATO nicht von ihrer Verpflichtung, sich in Afghanistan
stärker zu engagieren.
Gates wollte nach eigenen Angaben "in den nächsten Tagen"
über die Entsendung zusätzlicher Truppen nach Afghanistan
entscheiden. Er habe einige Fragen gestellt und wolle die Antworten
abwarten, bevor er sich äußere. Er sorge sich einerseits um
die Folgen einer Verstärkung in Afghanistan für die US-Armee,
die durch den Krieg im Irak schon stark belastet sei. Andererseits
müsse die erfolgreiche Strategie in Afghanistan fortgesetzt und die
Taliban-Rebellen in der Defensive gehalten werden, betonte Gates.
Die USA haben rund 26.000 Soldaten in Afghanistan im Einsatz, die
meisten stehen unter dem Kommando der NATO-geführten Schutztruppe
ISAF mit insgesamt 40.000 Streitkräften. Andere NATO-Staaten haben
ihre Zusagen bislang nicht eingehalten, wegen der Zunahme von
Taliban-Angriffen mehr Streitkräfte zu schicken.
(Quelle: afp)
Pakistan: Präsident Musharraf warnt USA vor
Militärschlägen ohne seine Zustimmung
Sa.12.01.08 - Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat die USA davor gewarnt,
ohne seine Zustimmung gegen Muslimextremisten in seinem Land vorzugehen.
Ungenehmigte Militäraktionen an der Grenze zu Afghanistan
würden als Invasion betrachtet, sagte Musharraf der Singapurer
Zeitung "Straits Times" (Freitagausgabe). "Ich fordere jeden heraus,
der in unsere Berge kommt. Sie würden diesen Tag bereuen,"
erklärte der Staatschef.
Die Zeitung "New York Times" hatte am Sonntag berichtet, dass die
US-Regierung eine Ausweitung der Befugnisse des Geheimdienstes CIA und
des Militärs für verdeckte Einsätze in Pakistan
erwäge. Grund seien Geheimdiensthinweise, dass die
Islamistenorganisation Al-Kaida und die mit ihr verbündeten Taliban
aus Afghanistan verstärkt an einer Destabilisierung der Atommacht
interessiert seien, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise.
(Quelle: rtr)
ElBaradei fordert vom Iran schnelle Klärung offener Fragen
Sa.12.01.08 - Der Leiter der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA), Mohamed
ElBaradei, hat den Iran am Freitag in Teheran zu einer schnelleren und
intensiveren Zusammenarbeit aufgefordert. Bevor seine Organisation im
März einen weiteren Bericht an den UN-Sicherheitsrat über das
iranische Nuklearprogramm veröffentlichen werde, solle Teheran
alle noch offenen Fragen zügig klären, sagte ElBaradei.
Die Gespräche mit dem iranischen Vizepräsidenten Gholam Resa
Aghasadeh, der gleichzeitig auch der Leiter der iranischen
Atomenergieorganisation ist, seien ein offener Meinungsaustausch
gewesen, sagte ElBaradei. Zwischen beiden Seiten gebe es eine
«neue Phase» der Zusammenarbeit, hatte der
Vizepräsident der iranischen Atomenergieorganisation, Mohammed
Saidi, bei der Ankunft ElBaradeis erklärt. Zwischen Teheran und
der IAEA gebe es eine «aktive Zusammenarbeit» und es seien
«fundamentale und wichtige Themen zum iranischen
Atomprogramm» geklärt worden, wurde Saidi von der amtlichen
Nachrichtenagentur IRNA zitiert.
ElBaradei sollte während seines zweitägigen Besuchs in
Teheran mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad zusammentreffen.
Herausragend war ein für den (morgigen) Samstag geplantes
erstmaliges Zusammentreffen mit dem geistigen Oberhaupt des Irans,
Ayatollah Ali Chamenei. Er hat im Iran das letzte Wort und zieht im
Hintergrund die Fäden. Aghasadeh bezeichnete ElBaradeis Treffen
mit Chamenei denn auch als entscheidend.
Der Iran hat sich bereits zu verschiedenen Anfragen der IAEA zu seinem
Nuklearprogramm geäußert, einige Fragen sind aber noch immer
nicht geklärt. Der Besuch ElBaradeis soll als Grundlage für
den Bericht an den UN-Sicherheitsrat dienen, der offenbar auf Wunsch
der iranischen Regierung von Dezember auf März verschoben wurde.
Die USA und auch europäische Staaten drohten dem Iran wiederholt
mit weiteren Sanktionen, falls der IAEA nicht alle Vorgänge des
Nuklearprogramms vorbehaltlos offengelegt würden.
(Quelle: ap)
Srilankas Regierung lehnt Fortsetzung von Waffenruhe ab
Sa.12.01.08 - Die Regierung in Sri Lanka will den in der vergangenen Woche
aufgekündigten Waffenstillstand mit den tamilischen Rebellen nicht
fortsetzen. Die Separatisten der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)
hätten das 2002 vereinbarte Abkommen dazu genutzt, ihre
militärische Stärke auszubauen und «ihre terroristischen
Aktivitäten fortzuführen», erklärte das
Verteidigungsministerium am Freitag zur Begründung. Die LTTE hatte
sich am Donnerstag bereit erklärt, die Waffenruhe weiterhin
einzuhalten.
Regierungstruppen griffen am Freitag erneut eine Bunkerstellung der
Rebellen im umkämpften Norden des Landes an. Aus Kreisen der
Streitkräfte verlautete, Kampfflugzeuge hätten den
Stützpunkt in der Region Nayaru bombardiert. Im Bezirk Mannar
drangen Soldaten nach Militärangaben weiter in Territorium der
Rebellen vor. Die Gefechte kosteten insgesamt 26 LTTE-Rebellen das
Leben. In dem seit 1983 andauernden Kampf der Separatisten für
einen eigenen Staat kamen bislang mehr als 70.000 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
Sicherheitsrat droht mit neuen Sanktionen gegen den Sudan
Sa.12.01.08 - Der Weltsicherheitsrat droht mit neuen Sanktionen gegen den Sudan. Der
Rat verurteilte einen Angriff auf einen Nachschubkonvoi der
UN-Friedensmission durch «Elemente der sudanesischen
Streitkräfte» scharf. Ein solcher Angriff sei inakzeptabel.
Der Sicherheitsrat erklärte in einer Stellungnahme, man sei
bereit, gegen jede Partei einzuschreiten, die den Friedensprozess,
Hilfslieferungen oder die Stationierung der UN-Truppe INAMID behindere.
Der Rat zeigte sich außerdem besorgt über die
Verschlechterung der Sicherheitslage in Darfur. Die Sollstärke der
Mission von UN und Afrikanischer Union (AU) beträgt 26.000 Mann.
Bislang sind jedoch erst rund 9.000 Soldaten stationiert. Dem seit fast
fünf Jahren anhaltenden Konflikt in Darfur sind schon 200.000
Menschen zum Opfer gefallen, etwa 2,5 Millionen wurden zu
Flüchtlingen.
(Quelle: ap)
EU-Schutztruppe für Darfur-Flüchtlinge ist gesichert
Sa.12.01.08 - Der von der Europäischen Union geplante Militäreinsatz zum
Schutz der Darfur-Flüchtlinge im Tschad und der
Zentralafrikanischen Republik ist nun doch gesichert. Entsprechende
Zusagen für Soldaten und Material hat die EU bei einer
Truppenstellerkonferenz in Brüssel bekommen, wie Diplomaten
mitteilten. Polen, Frankreich und Belgien wollen demnach noch fehlende
Transportflugzeuge und Hubschrauber beisteuern. Russland und die
Ukraine wollen prüfen, ob sie sich ebenfalls am Lufttransport
beteiligen. Frankreich will mit bis 2100 Soldaten den Hauptteil der
Truppe stellen.
Gehen die Vorbereitungen wie geplant weiter, soll die Mission Ende des
Monats stehen. Wegen fehlender Zusagen sowohl für Soldaten wie vor
allem auch für den Lufttransport musste die ursprünglich
bereits für November vorgesehene Stationierung immer wieder
verschoben werden. Die EU-Truppe, die ein Mandat des UN-Sicherheitsrats
hat, soll mit rund 3500 Soldaten hunderttausende Flüchtlinge aus
der sudanesischen Krisenregion Darfur schützen. In den
verschiedenen Flüchtlingslagern der Region leben rund 234.000
Menschen aus Darfur sowie 178.000 Binnenflüchtlinge aus dem
östlichen Tschad und 43.000 Zentralafrikaner.
"Wir haben, was wir brauchen", sagte ein Diplomat nach dem
Brüsseler Treffen. Der Kommandeur für den Einsatz, der
irische General Pat Nash, könne nun den endgültigen
Operationsplan entwerfen. Die nächsten Etappen für solche
EU-Einsätze sind der EU-Militärausschuss und der
Sicherheitspolitische Ausschuss des Ministerrats. Endgültig
grünes Licht für solche Einsätze geben normalerweise die
EU-Außenminister. Deren nächstes Treffen in Brüssel ist
am 28. Januar.
Neben Frankreich stellen auch Irland und Polen mit jeweils 400 Soldaten
wichtige Truppenkontingente. Österreich, Belgien, Spanien, die
Niederlande, Portugal, Rumänien, Slowenien und Schweden schicken
ebenfalls Soldaten. Deutschland steuert dem Einsatz lediglich vier
Offiziere für das Hauptquartier in Paris bei.
Dass sich Haupttruppensteller Frankreich unzufrieden über den
deutschen Beitrag geäußert hätte, kann sich die
Bundesregierung aber "nicht vorstellen". Deutschland habe sich von
Anfang an "engagiert beteiligt", aber auch von Anfang an deutlich
gemacht, "dass wir uns militärisch vor Ort nicht beteiligen
werden", sagte der Sprecher von Bundesaußenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD), Martin Jäger, in Berlin.
(Quelle: afp)
Opposition in Kenia plant dreitägige Massenproteste
Sa.12.01.08 - Kenia kommt auch weiterhin nicht zur Ruhe: Die Opposition hat für
kommende Woche drei Tage dauernde und landesweite Massenproteste gegen
die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mwai Kibaki
angekündigt. Die Polizei erklärte daraufhin am Freitag, dass
sie keine Demonstrationen zulassen werde. Ein massives Aufgebot der
Sicherheitskräfte verhinderte seit Ende Dezember bereits mehrmals
geplante Protestaktionen. Die gewaltsamen Unruhen nach der Wahl vom 27.
Dezember haben mindestens 500 Menschen das Leben gekostet, mehr als
250.000 Menschen flüchteten vor der Gewalt.
Die Orangene Demokratische Bewegung (ODM) von Oppositionsführer
Raila Odinga kündigte an, dass es an mehr als 20 Orten
Demonstrationen geben solle. Die Kenianer seien berechtigt, friedlich
gegen die Verletzung ihrer grundlegenden Rechte zu demonstrieren, sagte
ODM-Generalsekretär Anyang Nyongo. Laut ODM werden bei den
Kundgebungen hochrangige Parteimitglieder erwartet. Die ODM rief die
Polizei zur Unterstützung auf. Die Sicherheitskräfte waren
bisher mit Tränengas und Warnschüssen gegen Demonstranten
vorgegangen.
Der AU-Vorsitzende John Kufour reiste am Freitag nach zweitägigen
Vermittlungsversuchen aus Kenia ab. Kufour hatte sich vergeblich
bemüht, den kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki und
Oppositionsführer Raila Odinga zu einem direkten Treffen
zusammenzubringen. Die Opposition erklärte die bisherigen
diplomatischen Bemühungen daraufhin für gescheitert. Die
Leitung der Gespräche übernimmt nun der frühere
UN-Generalsekretär Kofi Annan.
Kibaki hatte die Debatte über die Wahl in dieser Woche für
beendet erklärt. Zu Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des
Ergebnisses trug am Freitag auch eine Erklärung des Vorsitzenden
der Wahlkommission bei: Das Gremium sei nicht verantwortlich für
eine amtliche dreiseitige Anzeige in führenden Zeitungen zu den
Wahlergebnissen, wurde Samuel Kivuiti am Freitag in der Zeitung
«The Standard» zitiert. Offenbar habe jemand
Außenstehender auf die Veröffentlichung gedrungen. Kivuiti
hatte Kibaki zunächst zum Wahlsieger erklärt, später
aber betont, er sei dazu gedrängt worden.
Die Vereinigten Staaten spenden fünf Millionen Dollar (3,4
Millionen Euro) für die Opfer der Unruhen in Kenia. Ein Sprecher
des Außenministeriums, Tom Casey, erklärte am Donnerstag in
Washington, das Geld der US-Behörde für Internationale
Entwicklung (USAID) fließe an regierungsunabhängige
Organisationen und andere Gruppen, die obdachlose Kenianer mit
Nahrungsmitteln, Wasser, sanitären Einrichtungen und
Unterkünften versorgen wollten.
(Quelle: ap)
2007 reales Rentenminus von 1,93 Prozent - Seit 2003 rund 6,5 Prozent
Kaufkraftverlust
Sa.12.01.08 - Die 20 Millionen Rentner in Deutschland haben laut einem
Zeitungsbericht 2007 bei der gesetzlichen Rente Einbußen hinnehmen
müssen. Wie die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf
Berechnungen des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft
(IWG) berichtet, sanken die Bezüge trotz einer leichten
Erhöhung real um 1,93 Prozent. Grund sei dem Institut zufolge die
hohe Inflation von 2,2 Prozent. Laut IWG sei dies die vierte Minusrunde
in Folge.
Dem Bericht zufolge büßte die gesetzliche Rente seit 2003
rund 6,5 Prozent an Kaufkraft ein. Auch für 2008 sei das Institut
pessimistisch und rechne angesichts der erwarteten Inflation von rund
zwei Prozent erneut mit einem realen Einkommensverlust für die
Rentner. «Es ist daher wahrscheinlich, dass es für die
Rentner wieder ein reales Minus gibt», zitiert die Zeitung den
IWG-Wissenschaftler Martin Schulte.
(Quelle: ap)
Sozialverband VdK gegen Verrechnung der Riester-Rente
Sa.12.01.08 - Der Sozialverband VdK fordert eine Änderung der umstrittenen
Regelung, wonach die Riester-Rente mit der Sozialhilfe von Rentnern
verrechnet wird. VdK-Präsident Walter Hirrlinger sagte der
«Berliner Zeitung»: «Wenn man bedenkt, dass
künftig vermehrt die Gefahr von Altersarmut besteht, ist es
paradox, die Einkünfte aus Riester-Renten mit der Grundsicherung
zu verrechnen. Deshalb muss hier eine Änderung eintreten.»
Zumindest müsse ein hoher Freibetrag festgesetzt oder aber ganz
auf die Anrechnung verzichtet werden, forderte Hirrlinger.
«Menschen dürfen nicht das Gefühl bekommen, jahrelang
umsonst vorzusorgen.»
Der VdK-Präsident kritisierte außerdem, dass viele Rentner
zurzeit von einem Kaufkraftverlust betroffen seien. Er verwies auf
geringe Rentenanpassungen, steigende Kranken- und
Pflegeversicherungsbeiträge sowie höhere Kosten für
Energie und Lebensmittel. «Als nächsten Einschnitt sollen
Rentner als einzige Gruppe eine Erhöhung des
Pflegeversicherungsbeitrags um 0,25 Prozent schultern, während
Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch die Senkung des
Arbeitslosenversicherungsbeitrags entlastet werden», sagte
Hirrlinger. «Das ist sozial ungerecht.»
(Quelle: ap)
Bahn-Tarifverhandlungen in der Sackgasse
Sa.12.01.08 - Im Tarifkonflikt bei der Bahn flammt die Gefahr neuer Streiks wieder
auf. Nach erfolglosen Verhandlungen will die Gewerkschaft Deutscher
Lokomotivführer (GDL) an diesem Sonntag über ihr weiteres
Vorgehen entscheiden.
Es gebe dabei auch die «Option Streik», sagte ein
Gewerkschaftssprecher am Freitag. Der GDL- Vorsitzende Manfred Schell
schloss ein Scheitern der Gespräche nicht aus, die kurz vor
Weihnachten auf Druck der Bundesregierung wieder in Gang gekommen
waren. Die GDL hatte zuletzt Anfang November gestreikt und Mitte
Dezember noch einmal mit Arbeitsniederlegungen gedroht.
Schell nannte die Angebote des Konzerns «nach wie vor
unzureichend». Bahnchef Hartmut Mehdorn sprach dagegen von
Einvernehmen «in wesentlichen Punkten». Er halte eine
Einigung in der nächsten Woche für möglich. Die Bahn
will nun erst einmal abwarten, was die GDL am Sonntag beschließt.
Die GDL hatte nach einer mehrstündigen Verhandlungsrunde am
Donnerstagabend mitgeteilt, weder beim Entgelt noch bei
Arbeitszeitfragen habe es eine Annäherung der Positionen gegeben.
Die Gewerkschaft bleibe bei ihrer Forderung von «mindestens zehn
Prozent mehr Geld». Die Bahn lehne es zudem weiterhin ab, die
Wochenarbeitszeit von 41 auf 40 Stunden zu reduzieren. In den
vergangenen Tagen hatte die GDL noch mehrmals die Erwartung auf einen
baldigen Durchbruch geäußert und eine Streikdrohung
ausgesetzt.
Mehdorn verwies darauf, dass sich beide Seiten beim seit Monaten
umstrittenen Thema eines eigenständigen Tarifvertrags und neuer
Entgeltstrukturen für Lokführer einig geworden seien. In der
Frage höherer Einkommen sei der bundeseigene Konzern nunmehr zudem
«bereits über die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren
gegangen». Demnach wurden der GDL am Donnerstag individuelle
Einkommensverbesserungen von 7 bis 15 Prozent angeboten. «Im
Schnitt entspricht dies bis 2009 einem Plus von elf Prozent - und zwar
ohne Mehrarbeit», teilte Mehdorn mit. Diese Darstellung wollte
der GDL-Sprecher nicht kommentieren.
Der schwerste Tarifkonflikt in der Unternehmensgeschichte der Deutschen
Bahn schwelt bereits seit März 2007. Die ersten Warnstreiks gab es
im Juli. Am vergangenen Samstag hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang
Tiefensee (SPD) bekanntgegeben, dass die GDL nicht wie zunächst
angekündigt erneut flächendeckende Streiks im Zugverkehr
aufnimmt.
(Quelle: dpa)
Einigung bei Tarifrunde im öffentlichen Dienst in weiter Ferne
Sa.12.01.08 - Die erste Tarifrunde im öffentlichen Dienst in Potsdam hat
großes Konfliktpotenzial offenbart. Die Standpunkte lägen
weit auseinander, erklärten die Verhandlungsführer von
Arbeitgebern und Gewerkschaften übereinstimmend am Freitag nach
der Vertagung der Gespräche auf Ende Januar. Hauptstreitpunkte
seien die Fragen von Einkommenserhöhungen und
Arbeitszeitverlängerungen. «Im Moment besteht Anlass zu
Skepsis», erklärte ver.di-Chef Frank Bsirske mit Blick auf
die Einigungschancen.
Die Gewerkschaft ver.di und die zum Beamtenbund gehörende dbb
Tarifunion wollen für rund 1,3 Millionen Angestellten von Bund und
Kommunen acht Prozent mehr Lohn erstreiten, mindestens aber 200 Euro
mehr pro Monat. Die Arbeitgeber lehnen dies als nicht
verhandlungsfähige Forderung ab, haben aber selbst noch kein
Angebot vorgelegt.
«Die Kommunen bestehen auf Arbeitszeitverlängerungen und dem
Ausbau der Leistungsbezahlung, beides Punkte, bei denen ich keine
Bewegung bei den Gewerkschaften erkennen kann», sagte der
Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände
(VKA), Thomas Böhle. «Dass die Beschäftigten ihre
Lohnerhöhung durch Arbeitszeitverlängerung am besten selbst
finanzieren, das ist ein Verfahren, das mit uns nicht zu machen ist,
weil es Rosstäuscherei ist», erklärte Bsirske.
«Wir brauchen eine deutliche Entgelterhöhung mit einer
deutlichen sozialen Komponente für die Beschäftigten im
öffentlichen Dienst nach Jahren des Reallohnverlusts.»
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble betonte die gemeinsame
Verantwortung der Tarifparteien. «Wir haben dafür Sorge zu
tragen, dass die gute Entwicklung, die wir in Wirtschaft, Finanzen und
auf dem Arbeitsmarkt haben, sich fortsetzt und dass sie den
Beschäftigten angemessen zu Gute kommt», sagte der
Verhandlungsführer des Bundes.
«Die Arbeitszeit ist für die Arbeitgeber eine zentrale
Frage», erklärte Schäuble. Durch Einkommenssteigerungen
steige der Rationalisierungsdruck, um Spielräume für die
öffentlichen Haushalte zu bewahren. «Damit sich die
Qualität der Dienstleistung nicht verschlechtert, müssen wir
Bewegung bei der Arbeitszeit erzwingen.»
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte die
Arbeitgeber unterdessen auf, ein verhandlungsfähiges Angebot
vorzulegen. In den bisherigen Gesprächen haben die Arbeitgeber
null Verhandlungsbereitschaft gezeigt. Wir werden diese Blockadehaltung
der Arbeitgeber durchbrechen», erklärte die
GEW-Tarifexpertin Ilse Schaad. Sie kündigte an, dass die
Gewerkschaften kampfbereit sind und auch streiken würden».
Die am Donnerstag in Potsdam begonnenen und am Freitag fortgesetzten
Verhandlungen bilden die erste von fünf Tarifrunden. Bis Anfang
März wurden vier weitere Termine vereinbart. Der laufende
Tarifvertrag endete am 31. Dezember 2007. Für die Angestellten und
Beamten der Länder gilt eine tarifliche Übereinkunft noch bis
Ende dieses Jahres.
(Quelle: ap)
Koalitionsstreit über Umgang mit Jugendgewalt eskaliert
Sa.12.01.08 - Der Streit in der großen Koalition über den Umgang mit
Jugendgewalt eskaliert. SPD-Fraktionschef Peter Struck griff
zunächst Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) scharf
an und legte wenig später nochmals nach. Auf die Frage, ob er der
Forderung des Koalitionspartners nach einer Entschuldigung nachkommen
werde, sagte Struck an die Adresse der CDU gerichtet: "Die kann mich
mal." Die Unions-Innenminister sprachen sich unterdessen für eine
Reihe von Maßnahmen gegen Jugendkriminalität aus.
Struck hatte im Deutschlandfunk gesagt: "Ich glaube, dass Roland Koch
ja eigentlich von Herzen froh war, dass dieser schreckliche Vorfall in
München in der U-Bahn passiert ist." Es stelle sich die Frage, ob
er das Thema auch so hochgezogen hätte, wenn die beiden Angreifer
nicht türkischer und griechischer, sondern deutscher Herkunft
gewesen wären. Daraufhin forderte die CDU eine Entschuldigung.
"Strucks Unterstellung schlägt dem Fass den Boden aus. Hier ist
endgültig eine Grenze überschritten", kritisierte
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in Berlin. "Das hat mit
demokratischer Streitkultur nichts mehr zu tun." Struck habe "einen
schwerwiegenden Fehler begangen" und müsse diesen "schnell und
unmissverständlich ausräumen".
Die hessische Landesregierung bezeichnete das Deutschlandfunk-Zitat
Strucks als "abstoßend, perfide und geschmacklos und auch in
Wahlkampfzeiten nicht entschuldbar". Ein Regierungssprecher sprach von
einer "Entgleisung" Strucks.
Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) wehrte sich erneut gegen
den Vorwurf, das Thema nur für den Wahlkampf zu benutzen. "Das
allermeiste, was wir hier als Forderung erheben, ist nicht neu", sagte
er. "Roland Koch hat die Nummer nicht erfunden." Das Thema werde auch
nach der Landtagswahl am 27. Januar aktuell bleiben.
Die Innenminister der unionsgeführten Bundesländer stellten
sich hinter die Forderungen der Wiesbadener Erklärung, die der
CDU-Parteivorstand am vergangenen Samstag beschlossen hatte. Darin
folgte der Bundesvorstand der harten Linie Kochs und sprach sich
für höhere Haftstrafen, erleichterte Abschiebung
gewalttätiger jugendlicher Ausländer, den so genannten
Warnschussarrest und Erziehungscamps aus.
(Quelle: afp)
Richterbund wehrt sich gegen Kritik an langen Jugendstrafverfahren
Sa.12.01.08 - Hessens Richter haben sich gegen Kritik von Ministerpräsident
Roland Koch (CDU) an der überdurchschnittlich langen Dauer von
Jugendstrafverfahren gewehrt. "Wer seine Justiz plündert, darf sich
darüber nicht wundern", sagte der Vorsitzende des Hessischen
Richterbundes, Ingolf Tiefmann, der "Frankfurter Rundschau". Zwar seien
die Richter für die Qualität ihrer Arbeit selbst
verantwortlich. "Aber man kann doch nicht eine Vase zertreten und dann
hinterher sagen, sie sei selbst schuld, dass sie zerbrochen am Boden
liegt." Koch hatte gefordert, die Jugendgerichte müssten
künftig schneller werden. Daran werde man arbeiten müssen.
Tiefmann sagte, nach dem Abbau von 120 Richter- und Staatsanwaltstellen
im Jahr 2003 habe das hessische Justizministerium 2005 berechnet, dass
130 Richter fehlten. "Das spüren wir jeden Tag", sagte Tiefmann,
dessen Kollegen nach seinen Angaben durchschnittlich bis zu 50 Stunden
pro Woche arbeiten. Statt neue Richter einzustellen, habe das
Justizministerium den Gerichten jedoch zu Jahresbeginn "zusätzlich
auferlegt, dass wir 110 Minuten, also nicht einmal zwei Stunden,
für Jugendstrafverfahren aufwenden dürfen". Diese Vorgabe sei
in dem vom Erziehungsgedanken geprägten Jugendstrafrecht "einfach
tödlich", sie erfülle weder den gesetzgeberischen Auftrag noch
eigene Qualitätsansprüche.
Jugendrichter wollten "etwas erreichen und nicht nur bestrafen",
betonte der Richterbund-Vorsitzende. Deshalb bräuchten sie in den
Verfahren mehr Zeit, um mit den Jugendlichen zu reden. "Wer als Richter
junge Straftäter nur an sich vorbeirauschen lässt, macht
manchmal mehr kaputt, als dass es hilft." Dass junge Straftäter in
Hessen oft "erst Monate später" die Strafe spürten, sei
angesichts des Stellenabbaus auch bei Polizei und Staatsanwaltschaft
nicht verwunderlich. Er finde es "peinlich", sagte Tiefmann, "dass in
den Bundesländern, denen Rechtssicherheit so wichtig ist, die
jüngsten Überfälle der Jugendlichen stattfanden".
(Quelle: afp)
Mehrheit hält Jugendgewalt nicht für spezielles
Ausländerproblem
Sa.12.01.08 - Für die Mehrheit der Deutschen geht Jugendgewalt nicht vorwiegend
von ausländischen Jugendlichen aus. In einer Umfrage für das
am Freitag veröffentlichte ZDF-Politbarometer vertraten nur 31
Prozent die Ansicht, dass Jugendgewalt hauptsächlich ein Problem
bei ausländischen Jugendlichen sei. 67 Prozent sehen hier ein
Problem von deutschen und ausländischen Jugendlichen
gleichermaßen. Von Jugendgewalt bedroht fühlen sich 41
Prozent. 59 Prozent nehmen keine Bedrohung wahr. Grundsätzlich
halten 90 Prozent das Thema Jugendkriminalität aber für
wichtig.
Zur Bekämpfung der Jugendkriminalität halten 54 Prozent die
Verschärfung von Gesetzen für notwendig, 42 Prozent meinen,
dass die bestehenden Gesetze dafür ausreichen. Vor allem
jüngere Befragte sind für schärfere Gesetze. 50 Prozent
der über 60-Jährigen sind für härtere
Maßnahmen, während sich bei den unter 30-Jährigen mehr
als 60 Prozent dafür aussprechen.
Anhänger der Union plädieren zu 60 Prozent für
härtere gesetzliche Maßnahmen. Unter den FDP-Wählern
sind 52 Prozent und unter den SPD-Anhängern 45 Prozent dafür.
35 Prozent der Sympathisanten der Linken und 21 Prozent der
Grünen-Wähler sehen dies ebenso als erforderlich an.
Für das ZDF-Politbarometer wurden von der Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen vom 8. bis 10. Januar 1280 Wahlberechtigte
befragt.
(Quelle:ddp)
IG Metall beklagt massive Benachteiligung jugendlicher Migranten
Sa.12.01.08 - Die Ausbildungschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund haben
sich im vergangenen Jahrzehnt nach einer Studie der IG Metall deutlich
verschlechtert. "Selbst mit guten Schulabschlüssen haben sie
geringere Chancen auf eine qualifizierte Berufsausbildung»,
stellte die Gewerkschaft in einem Bericht über den Ausbildungsmarkt
fest, wie die «Frankfurter Rundschau» (Freitagausgabe)
berichtet.
So fänden von den Bewerbern ohne Migrationshintergrund 40 Prozent
einen betrieblichen Ausbildungsplatz, von Bewerber aus
Zuwandererfamilien aber nur 29 Prozent. Die Benachteiligungen
verschärften sich mit zunehmender Bildung sogar noch. Zwar lasse
ein guter Schulabschluss bei allen die Chancen steigen - «jedoch
in sehr unterschiedlichem Ausmaß», heißt es in der
Analyse.
Unter Jugendlichen mit Hauptschulabschluss fänden Bewerber aus
Migrantenfamilien mit 23 Prozent kaum seltener eine betriebliche
Lehrstelle als die Einheimischen mit 24 Prozent. Bei Realschülern
lägen beide Gruppen mit 32 Prozent gegenüber 43 Prozent
deutlich weiter auseinander. Auch bei Abiturienten seien die Chancen mit
44 Prozent versus 53 Prozent ungleich verteilt.
(Quelle: ddp)
Umweltminister Gabriel hält an Atomausstieg fest
Sa.12.01.08 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht in der Entscheidung der
britischen Regierung für den Bau neuer Kernkraftwerke "keinen
Anlass" zur Änderung des deutschen Kurses bei der Atomkraft. "Im
Gegensatz zu Großbritannien, wo die Entwicklung verschlafen wurde,
haben wir für den Ausbau erneuerbarer Energien gesorgt. Wir haben
deshalb eine echte Alternative zur Kernenergie", bekräftigte
Gabriel im Berliner "Tagesspiegel" das Festhalten am Atomausstieg.
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Bis zum Jahr 2020 könne Deutschland den Anteil der erneuerbaren
Energien an der Stromerzeugung auf 30 Prozent steigern, sagte der
SPD-Politiker. Mit dem Ausbau der regenerativen Energien werde
außerdem der Wettbewerb auf dem Strommarkt gestärkt.
Das Deutsche Atomforum wertete die britische Entscheidung für den
Ausbau der Kernenergie indes als "Trendwende" in der europäischen
Energiepolitik. "Fakt ist, dass sich Deutschland in der Atomfrage immer
stärker isoliert", sagte ein Sprecher der "Berliner Zeitung". In
anderen Ländern werde erkannt, dass Klimaschutz nur mit Atomenergie
gelinge. Der Spitzenverband der Atomindustrie erwartet aber nicht,
"dass vor der Bundestagswahl 2009 der Atomausstieg revidiert wird".
Doch spätestens nach Überprüfung der
Klimaschutzmaßnahmen im Jahr 2010 werde deutlich sein, dass ohne
Kernkraft die Ziele nicht erreicht würden, sagte der Sprecher
weiter. "In der Bevölkerung gibt es einen Stimmungsumschwung. Vor
einem Jahr lehnte eine Mehrheit den Ausstieg aus dem Ausstieg ab. Das
ist nicht mehr so."
(Quelle: afp)
Hunderte kleiner Biodiesel-Hersteller von Pleite bedroht
Sa.12.01.08 - Wegen einer Steuererhöhung zu Jahresbegin sind hunderte
Biodiesel-Hersteller nach einem Zeitungsbericht von der Pleite bedroht.
Der Direktabsatz für den Ökosprit sei zusammengebrochen,
berichtet die «Welt» (Freitagausgabe) unter Berufung auf
Vertreter von Branchenverbänden. Über Tankstellen werde kaum
noch Biodiesel abgesetzt. Nach einer Steuererhöhung von sechs auf
15 Cent pro Liter Kraftstoff Anfang Januar ist der Verkauf laut Bericht
vor allem bei kleineren Herstellern eingebrochen.
Dutzende Firmen haben nach Informationen der Zeitung bereits die
Produktion eingestellt. Bislang seien über das deutsche
Tankstellennetz rund eine Million Tonnen Biodiesel direkt abgesetzt
worden. Durch die gesetzlich vorgeschriebene Beimischung von fünf
Prozent Biodiesel in fossile Treibstoffe sei zusätzlich der Verkauf
von 1,5 Millionen Tonnen garantiert. In den vergangenen Jahren seien
allerdings Kapazitäten zur Produktion von etwa fünf Millionen
Tonnen Biodiesel aufgebaut worden.
Auf dem Markt setze nun offensichtlich die Konsolidierung ein, schreibt
das Blatt. Größere Unternehmen, die an der Börse notiert
seien, litten weniger unter den wegfallenden Absatzmärkten.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Weltraumteleskop 'Hubble' erspäht 'doppelten
Einstein-Ring'
Sa.12.01.08 - Das Weltraumteleskop «Hubble» hat ein extrem seltenes
Phänomen in den Tiefen des Alls erspäht.
Im Sternbild Löwe stießen Astronomen mit dem Fernrohr
erstmals auf einen doppelten sogenannten Einstein-Ring, wie das
europäische «Hubble»-Zentrum am Donnerstag in Garching
bei München mitteilte. Bei einem Einstein-Ring handelt es sich um
ein Phänomen der Allgemeinen Relativitätstheorie. Die
Schwerkraft einer Galaxie im Vordergrund lenkt ähnlich einer Linse
das Licht einer dahinter liegenden Galaxie so ab, dass es
ringförmig um die Vordergrundgalaxie verzerrt erscheint.
Einfache derartige Einstein-Ringe sind bereits häufiger gefunden
worden. Bei der jüngsten «Hubble»-Entdeckung liegen
aber zwei Galaxien genau hinter der Vordergrundgalaxie, so dass um den
ersten Einstein-Ring noch ein zweiter liegt. Die Chance, auf so eine
spezielle Konstellation zu stoßen, sei mit eins zu zehntausend
geringer, als zweimal hintereinander mit derselben Zahl im Roulette zu
gewinnen. Dank der seltenen Anordnung waren die Forscher erstmals in der
Lage, die Masse einer weit entfernten Zwerggalaxie zu bestimmen. Denn
die Geometrie der Lichterscheinung erlaubt einen Rückschluss auf
die Schwerkraft und damit die Masse der ablenkenden Galaxie.
Die Vordergrundgalaxie ist rund drei Milliarden Lichtjahre entfernt,
die mittlere Galaxie sechs, und die hinterste Galaxie elf Milliarden
Lichtjahre. Die Masse der mittleren Galaxie ließ sich auf eine
Milliarde Sonnen bestimmen, wie Raphael Gavazzi und Tommaso Treu von der
Universität von Kalifornien auf der Jahrestagung der
Amerikanischen Astronomengesellschaft in Austin (US- Staat Texas)
berichteten.
(Quelle: dpa)