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Irak am 1390sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Präsident Bush sieht Trendwende bei Sicherheitslage im Irak.
Irakisches Parlament lockert Einschränkungen für
Ex-Baathisten. Blackwater- Ermittlungen weiter erschwert - Wichtige
Spuren nach Schießerei in Bagdad nicht mehr vorhanden.
Deutschland unterstützte Irak-Wiederaufbau mit fünf Milliarden
So.13.01.08 - Der US-Strategiewechsel im Irak hat nach Einschätzung von
Präsident George W. Bush die Zuspitzung der Sicherheitslage in dem
Golfstaat gestoppt: "Es bleibt noch viel harte Arbeit zu tun, aber das
Ausmaß der Gewalt ist deutlich gesunken", sagte Bush am Samstag
in Kuwait nach Gesprächen mit dem Kommandeur der US-Truppen im
Irak, David Petraeus, und dem US-Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker.
Mit ihrem Vorhaben zum Abzug von 20.000 Soldaten aus dem Irak bis zur
Jahresmitte lägen die Vereinigten Staaten im Plan. Petraeus
schloss weitere Truppenreduzierungen in diesem Jahr nicht aus.
Bush zeigte sich überzeugt, dass die vorübergehende
Aufstockung der US-Truppen im Irak, die er gegen Widerstände im
eigenen Land durchgesetzt hatte, eine Trendwende eingeleitet habe. Mit
Blick auf die Situation bis zum vergangenen Jahr räumte er ein:
"Unsere Strategie funktionierte einfach nicht." Die
Truppenverstärkung und eine Konzentration auf die
Terrorismusbekämpfung zeige aber Wirkung. "Der Irak ist heute ein
anderer Ort als noch vor einem Jahr", sagte er. "Die Hoffnung kehrt
nach Bagdad zurück, und die Hoffnung kehrt in die Städte und
Dörfer im ganzen Land zurück."
Der Irak-Krieg ist in den USA äußerst unpopulär, doch
der Rückgang der Gewalt hat der Kritik der Demokraten im
US-Kongress an Bushs Kurs zuletzt die Luft aus den Segeln genommen.
Nach Militärangaben sank die Zahl der getöteten Zivilisten
dort 2007 im Vergleich zum Vorjahr um drei Viertel.
Bush betonte, ob es nach dem Sommer zu einer weiteren
Truppenreduzierung komme, werde von den Empfehlungen der Militärs
abhängen. Diese würden ausschließlich von der Lage vor
bestimmt. Petraeus soll dem Kongress im März dazu Vorschläge
machen. Bislang sei noch nichts entschieden. Ende Dezember hatten die
USA rund 158.000 Soldaten im Irak. Am Freitag hatte Bush gesagt, die
US-Präsenz in dem Land könne ohne weiteres noch ein Jahrzehnt
andauern. An den Iran und Syrien appellierte er, mehr zur
Eindämmung der Gewalt im Irak zu tun.
Das irakische Parlament hat am Samstag ein Gesetz verabschiedet, das
Tausenden ehemaligen Mitgliedern der Baath-Partei von Ex-Machthaber
Saddam Hussein die Rückkehr in den Staatsdienst ermöglichen
soll: Das von den USA seit geraumer Zeit geforderte Gesetz löst
ein deutlich strengeres Regelwerk zur Entbaathifizierung ab, das viele
Sunniten als Kollektivstrafe gegen ihre Gemeinschaft abgelehnt hatten.
Es soll die sunnitische Minderheit, die unter Saddam das Sagen hatte,
enger an den politischen Prozess anbinden.
Nach der Reform können sich tausende Ex-Parteimitglieder für
Stellen in der Verwaltung oder dem Militär bewerben. Einige
ehemals hochrangige Baath-Anhänger haben nun Anspruch auf
Pensionszahlungen, wenngleich sie weiterhin aus dem öffentlichen
Leben ausgeschlossen werden.
Nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 durch die US-geführten
Truppen verloren durch die Entbaathifizierung Tausende Sunniten ihre
Arbeitsplätze bei Behörden oder in der Armee. Dies hatte den
Aufstand der Sunniten gegen die von Schiiten dominierte Regierung und
die US-geführten Koalitionstruppen angeheizt. Auch wenn sich die
Sicherheitslage inzwischen verbessert hat, sind beide Gruppen immer
noch tief zerstritten. Die USA hoffen nun, dass das neue Gesetz dazu
beiträgt, das Misstrauen zu lindern.
Vier Monate nach den tödlichen Schüssen auf 17 Bewohner von
Bagdad durch Wachleute der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater
kommen die Ermittlungen weiterhin nur schleppend voran. Erschwert
werden die Untersuchungen dadurch, dass wichtige Spuren, die Aufschluss
über das Geschehen am 16. September vorigen Jahres liefern
könnten, schon kurz nach dem Zwischenfall beseitigt wurden, wie
jetzt Gewährsleute aus dem Umfeld der Ermittlungen der
Nachrichtenagentur AP sagten.
Demnach ließ Blackwater die beschädigten Lastwagen aus dem
in den Vorfall verwickelten Konvoi schon wenige Tage später
reparieren und neu lackieren, ohne dass zuvor FBI-Ermittler die
Fahrzeuge untersuchen konnten. Damit wurde wichtiges Beweismaterial
für einem möglichen Strafprozess gegen die an der
Schießerei beteiligten Wachleute zerstört. Aber auch
Blackwater hat es schwerer, seine Darstellung zu belegen, wonach die
Angestellten des Unternehmens bei der Sicherung des Konvois angegriffen
wurden und sie sich verteidigten.
Ermittler der US-Streitkräfte hatten in einer ersten Untersuchung
keine Hinweise auf feindliche Aktivitäten gefunden. Und die
irakische Regierung kam zu dem Schluss, dass die Wachleute von
Blackwater grundlos auf Menschen geschossen hätten. Auch ein hoher
FBI-Beamter hatte im November gesagt, es gebe Hinweise, die darauf
hindeuteten, dass die Schüsse zumindest in 14 der 17
Todesfälle ungerechtfertigt gewesen seien. Schlussfolgerungen
könnten daraus aber noch nicht gezogen werden.
Blackwater-Sprecherin Anne Tyrrell erklärte, alle Reparaturen
erfolgten auf Anordnung der US-Regierung. In dem Vertrag mit dem
Außenministerium sei festgelegt, dass Blackwater seine Fahrzeuge
in Ordnung halten müsse und dass sie einsatzbereit sein
müssten. Das Außenministerium in Washington wollte sich
nicht dazu äußern, ob es die Reparatur der an dem Vorfall in
Bagdad beteiligten Fahrzeuge angeordnet habe.
Blackwater ist die größte von drei privaten
Sicherheitsfirmen, die Aufträge zum Schutz von Diplomaten im Irak
erhalten haben. Die Arbeit dieser Unternehmen war nach dem Vorfall vom
September ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.
Seit 2003 hat Deutschland den Wiederaufbau im Irak mit fast fünf
Milliarden Euro unterstützt. Diese Zahl ergibt sich aus einer am
Donnerstag vom Bundestag veröffentlichten Antwort der
Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion.
Größter Posten darin war der von Deutschland gewährte
Schuldenerlass für den Irak im Rahmen des sogenannten
«Pariser Clubs» in Höhe von mehr als 4,3 Milliarden
Euro. Direkte Unterstützung von 289 Millionen Euro wurde
schwerpunktmäßig gewährt für die Ausbildung der
Sicherheitskräfte, die Vorbereitung demokratischer Wahlen, die
Beratung im Verfassungsprozess, Medienarbeit, Berufsbildung, sowie den
Aufbau demokratischer Institutionen und einer effizienten Verwaltung.
Im abgelaufenen Jahr 2007 waren die Beträge aber vergleichsweise
gering: So flossen aus Mitteln des Auswärtigen Amts 4,2 Millionen
Euro für Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge im Irak.
Außerdem bekam laut der Mitteilung der Hohe
Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen zwei Millionen Euro
für die Versorgung von Binnenvertriebenen und von
Irak-Flüchtlingen in Syrien und Jordanien. Das Internationale Rote
Kreuz habe ebenfalls 1,5 Millionen Euro erhalten, das Deutsche Rote
Kreuz 205.000 Euro.
dpa (Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 13.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertachtundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.13.01.07 - Der Plan von US-Präsident George W. Bush zur Entsendung von
zusätzlichen 21 500 Soldaten in den Irak stößt in den
USA auf immer heftigeren Protest. Nach Umfrageergebnissen vom Freitag
lehnt eine große Mehrheit der Bevölkerung das Konzept ab...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701130.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Nahost-Konflikt: US-Präsident Bush setzt Nahostreise in Bahrain
fort. Palästinensischer Chefunterhändler schließt
Palästinenserstaat bis Ende 2008 aus. Präsident der
Arabischen Liga scheitert vorerst mit Vermittlungsbemühungen im
Libanon
So.13.01.08 - US-Präsident George W. Bush hat seine Nahostreise am Samstag mit
einem Abstecher in den Golfstaat Bahrain fortgesetzt. «Unsere
beiden Nationen haben eine gemeinsame Vision für die Zukunft des
Nahen Ostens», sagte Bush bei seiner Ankunft. Er lobte die freien
Wahlen in dem Königreich vor zwei Jahren und die Wahl einer
weiblichen Parlamentsabgeordneten. Bush wurde von König Hamad bin
Isa al Chalifa mit militärischen Ehren empfangen.
Bahrain, eine Insel im Persischen Golf, ist einer der engsten
Verbündeten der USA in der Region und Stützpunkt der 5.
US-Flotte. Weitere Stationen auf Bushs Nahost-Reise sind die
Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Ägypten.
Am Vorabend von Bushs Ankunft protestierten rund 300 Menschen gegen den
Besuch. Die Demonstranten verbrannten amerikanische und israelische
Flaggen und riefen «Nieder mit Israel und Amerika» sowie
«Bush ist nicht willkommen». Auch am Samstag demonstrierten
rund 300 Menschen in der Nähe der US-Botschaft in Manama gegen
Bush.
Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat hat die
Ausrufung eines unabhängigen Palästinenserstaates bis zum
Jahresende ausgeschlossen. In diesem Jahr rechne er nur mit einem
Friedensabkommen mit Israel, das die Lösung der Kernprobleme des
Nahost-Konfliktes regele, so Erekat.
Während des Besuches von US-Präsident George W. Bush hatten
sich Palästinenser wie Israelis optimistisch gezeigt, bis zum Ende
der Amtszeit von Bush in gut zwölf Monaten einen Friedensvertrag
zu unterzeichnen. Bush hatte jedoch deutlich gemacht, dass die
Umsetzung dieses Friedensabkommens samt Gründung eine
Palästineserstaates von der vorherigen Erfüllung des
Nahost-Friedensplanes abhängt. Dieser «road map»
zufolge müssen die Palästinenser zuerst gegen Terror und
Gewalt vorgehen sowie Terrorgruppen auflösen, bevor sie einen
eigenen Staat bekommen.
Zu den Kernproblemen des Nahost-Konfliktes, die jetzt bis Jahresende
gelöst werden sollen, gehören die Grenzen eines
künftigen Palästinenserstaates, das Schicksal von 4,4
Millionen palästinensischen Flüchtlingen und Vertriebenen,
der politische Status von Jerusalem sowie die Sicherheit Israels.
Bushs jüngste Äußerungen zur Lösung des
palästinensischen Flüchtlingsproblems sind bei führenden
Politiker der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas auf Ablehnung gestoßen. Bush verstoße gegen
Resolution 194 des Weltsicherheitsrates über die Rückkehr von
Palästinensern, sagte Fatah-Fraktionschef Assam al- Ahmed.
Nach Vorstellung des US-Präsidenten muss ein
palästinensischer Staat Heimat der Palästinenser und Israel
Heimat der Juden sein. Bush schlug erstmals vor, dass ein
internationaler Mechanismus einschließlich
Entschädigungszahlungen zur Lösung des
Flüchtlingsproblems gefunden werden müsse.
Der Präsident der Arabischen Liga hat seine
Vermittlungsbemühungen zur Beilegung der innenpolitischen Krise im
Libanon vorerst erfolglos beendet. Amr Mussa sagte am Samstag nach
viertägigen Gesprächen in Beirut, die Lage sei immer noch
ernst. Er werde die Ergebnisse seiner Gespräche erst einmal mit
den arabischen Außenministern erörtern und dann zu weiteren
Beratungen mit Vertretern der libanesischen Regierung und der
Opposition nach Beirut zurückkehren.
Der Libanon ist seit Ablauf der Amtszeit von Präsident Emile
Lahoud Ende November ohne Staatsoberhaupt. Die ursprünglich schon
im September geplante Wahl eines Nachfolgers im Parlament wurde
inzwischen zum zwölften Mal verschoben. Parlamentspräsident
Nabih Berri setzte am Freitag einen neuen Wahltermin am 21. Januar an.
Vor der neuerlichen Wahlverschiebung war Berri mit dem Präsidenten
der Arabischen Liga zusammengetroffen. Mussa führte seit Mittwoch
Gespräche mit den rivalisierenden Lagern über einen Plan der
Liga zur Lösung der innenpolitischen Krise im Land. Der Plan sieht
eine Wahl von General Michel Suleiman als Kompromisskandidaten vor
sowie die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit und die
Einführung eines neuen Wahlrechts.
boa (Quellen: ap, dpa)
Internationale Aufrufe an Kenia zu friedlicher Einigung
So.13.01.08 - Die Europäische Union, die USA und die Vereinten Nationen haben
die zerstrittenen politischen Lager in Kenia zu einer friedlichen und
demokratischen Beilegung der Krise nach der umstrittenen
Präsidentenwahl aufgerufen.
Alle Parteien müssten anerkennen, dass ein Kompromiss nötig
sei, um zu einer dauerhaften Lösung zu kommen, erklärte die
EU am Samstag. Den Zweifeln an der Rechtmäßigkeit des
Wahlergebnisses müsse "auf den angemessenen demokratischen und
rechtlichen Wegen" nachgegangen werden, hieß es in dem von
EU-Ratspräsident Slowenien verbreiteten Appell.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, ohne eine schnelle
Lösung der politischen Krise bestehe eine große Gefahr, dass
es in dem ostafrikanischen Land zu weiterem Blutvergießen kommen
werde. Die US-Afrikabeauftragte Jendayi Frazer sagte, ihre Regierung
sei "tief enttäuscht", dass sich Präsident Mwai Kibaki und
Oppositionschef Raila Odinga noch immer nicht zu einem direkten
Gespräch getroffen hätten. Beide müssten anerkennen,
dass das Wahlergebnis wegen schwerer Unregelmäßigkeiten bei
der Stimmauszählung nicht eindeutig zu klären sein werde.
Für die USA könne es vorerst keinen normalen Umgang mit Kenia
geben.
Bei den Unruhen in Kenia sind mindestens 500 Menschen getötet
worden, seit sich Präsident Kibaki nach der umstrittenen Wahl vom
27. Dezember zum Sieger ausrief und zu einer weiteren Amtszeit
vereidigen ließ. Die Opposition hat für die kommende Woche
neue Massenproteste angekündigt und damit Ängste vor einem
Wiederaufflammen der Gewalt geweckt.
(Quelle: rtr)
Pakistan: Präsident Musharraf lehnt UN-Untersuchung im Mordfall
Bhutto ab
So.13.01.08 - Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat Ermittlungen der
Vereinten Nationen zur Aufklärung des Mordes an
Oppositionsführerin Benazir Bhutto ausgeschlossen: Eine
internationale Untersuchung sei schon deshalb nicht nötig, weil
kein anderes Land hinter dem Attentat stecke, sagte Musharraf in einem
am Freitag veröffentlichten Interview der französischen
Zeitung "Le Figaro". "Pakistan ist nicht der Libanon", ergänzte der
Staatschef.
Bhuttos Partei hatte eine UN-Untersuchung wie die im Mordfall des
ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri
gefordert. Viele Libanesen beschuldigen Syrien wegen des Attentats im
Jahr 2005. Die Führung in Damaskus hat die Vorwürfe
zurückgewiesen.
(Quelle: rtr)
Haushoher Sieg der Opposition bei Parlamentswahl in Taiwan
So.13.01.08 - Die oppositionellen Nationalisten haben die Parlamentswahl in Taiwan
haushoch gewonnen. Nach dem Endergebnis errangen sie 81 der 113
Parlamentsmandate, wie die Wahlkommission am Samstagabend mitteilte. Es
war ein herber Schlag für die bislang regierende Demokratische
Fortschrittspartei (DPP) von Präsident Chen Shui Bian. Sie kam auf
lediglich 27 Mandate Vier weitere Sitze gingen an Unabhängige, die
den Nationalisten nahe stehen. Ein Mandat fiel an eine Satellitenpartei
der Nationalisten.
Chen trat als DPP-Chef zurück. Er übernehme die volle
Verantwortung für die Niederlage seiner Partei, erklärte er
in Taipeh. Er schäme sich dafür und wolle sich entschuldigen.
Der Präsident war in der letzten Zeit wegen seines
Abgrenzungskurses gegenüber Peking immer stärker in die
Kritik geraten. Ihm wurde zur Last gelegt, mit seinen Plänen
für eine formelle Unabhängigkeitserklärung der
taiwanischen Wirtschaft zu schaden, da Investoren angesichts einer
schärferen Auseinandersetzung mit China abgeschreckt würden.
China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz.
Die Nationalistische Partei will nach eigenem Bekunden konstruktiv mit
Peking verhandeln und schließt eine Wiedervereinigung nicht aus.
Ihr klarer Sieg gilt auch als Stimmungstest für die
Präsidentenwahl am 22. März, bei der der Nationalist Ma Ying
Jeou gegen den DPP-Kandidaten Frank Hsieh antritt. In den Umfragen
liegt Ma 20 bis 30 Prozentpunkte vorn. Er warnte am Samstag jedoch
davor, mit Blick auf die Präsidentenwahl schon siegessicher zu
sein. Noch müsse diese Wahl gewonnen werden. Dann aber könne
seine Partei alle Reformen durchsetzen, die das taiwanische Volk sich
wünsche.
(Quelle: ap)
Präsident Chavez erwägt neues Referendum über Wiederwahl
in Venezuela
So.13.01.08 - Venezuelas Präsident Hugo Chavez erwägt ein weiteres
Referendum, um ihm die unbegrenzte Wiederwahl zu erlauben:
Möglicherweise werde er 2010 eine zweite Volksabstimmung zu der
Verfassungsänderung anberaumen, sagte Chavez in seiner Rede zur
Lage der Nation am Freitag. In dem Plebiszit solle es nur um die
Beschränkungen für die Wiederwahl des Präsidenten gehen.
In einem Referendum im Dezember hatte Chavez nicht nur die
Wiederwahl-Beschränkungen aufheben, sondern auch den Sozialismus
als Staatsziel festschreiben und das Privateigentum schwächen
wollen. Der Linkspolitiker kassierte damals seine erste schwere
Abstimmungsniederlage seit seinem Amtsantritt vor neun Jahren. Bei einem
Plebiszit ausschließlich über die Möglichkeit zur
unbegrenzten Wiederwahl des Staatsoberhauptes könnten die Chancen
des populären Präsidenten höher sein.
(Quelle: rtr)
Wirtschaft wichtigstes Thema für US-Wähler
So.13.01.08 - Die Lage der amerikanische Wirtschaft ist einer neuen Umfrage zufolge
die größte Sorge der US-Wähler. Mehr als ein Drittel
erklärte, das Thema spiele für sie bei der Wahl des
nächsten amerikanischen Präsidenten im November die
wichtigste Rolle, noch vor dem Irak-Krieg und der
Gesundheitsfürsorge.
Die am Freitag veröffentlichte Umfrage sah landesweit Hillary
Rodham Clinton bei den Demokraten und John McCain bei den Republikanern
vorn. Clinton führte in ihrer Partei mit 49 Prozent vor ihrem
Hauptrivalen Barack Obama mit 36 Prozent. Der frühere Senator John
Edwards kam auf eine Zustimmung von zwölf Prozent. Bei den
Republikanern war das Rennen offener. McCain kam auf 34 Prozent,
gefolgt von Mike Huckabee mit 21 und Rudolph Giuliani mit 18 Prozent.
Mitt Romney erzielte eine Zustimmung von 14 Prozent.
Clinton stellte am Freitag ein 70 Milliarden Dollar (47 Milliarden
Euro) schweres Konjunkturprogramm vor. Damit soll eine drohende
Rezession abgewendet werden, nachdem die US-Wirtschaft infolge der
Immobilienkrise immer mehr absackt. Clintons Aktionsplan umfasst
fünf Teilbereiche.
Hausbesitzern, die von der Immobilienkrise betroffen sind, soll mit
rund 30 Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen werden. Mit 25
Milliarden Dollar soll bedürftigen Familien bei der Bezahlung
ihrer Strom- und Heizkosten geholfen werden. Außerdem sollen
Arbeitslose mit rund zehn Milliarden Dollar besser unterstützt
werden. Die Senatorin des US-Staates New York und ehemalige First Lady
fordert darüber hinaus auch eine Förderung von
«grünen Jobs» und eine gezielte Finanzierung von
ökologischen Technologien.
Falls sich die Wirtschaftsentwicklung nicht verbessere, fordert Clinton
noch zusätzlich eine vom Kongress zu beschließende
Steuersenkung in Höhe von 40 Milliarden Dollar. Mit der
Präsentation ihres Wirtschaftsprogramms in Kalifornien wollte
Clinton im Rennen um die Kandidatur für das Präsidentenamt
ihre Wirtschaftskompetenz herausstellen.
Die Lage der Wirtschaft spielt auch bei der nächsten Vorwahl am
kommenden Dienstag in Michigan eine wichtige Rolle. Der Staat im
Nordosten der USA hatte im November mit 7,4 Prozent die landesweit
höchste Arbeitslosenquote. Die Zahl liegt etwa 50 Prozent
höher als der landesweite Durchschnitt.
Der frühere Gouverneur von Massachusetts Romney hofft in Michigan
auf seinen ersten Vorwahlsieg. Sein Vater George Romney war in den 60er
Jahren Gouverneur des Staates. Er selbst wurde 1947 in Michigan geboren
und wuchs dort auf. Bei den beiden ersten Vorwahlen in Iowa und New
Hampshire wurde Romney jeweils zweiter hinter Exgouverneur Huckabee aus
Arkansas beziehungsweise Senator McCain aus Arizona.
Die Entscheidung über die Präsidentschaftskandidatur beider
Parteien wird wohl am 5. Februar, am sogenannten Superdienstag fallen,
wenn in mehr als 20 Staaten Vorwahlen stattfinden.
(Quelle: ap)
Frankreich verbietet Anbau von Genmais
So.13.01.08 - Frankreich hat den Anbau von Genmais bis auf Weiteres verboten.
Premierminister François Fillon erklärte in Paris, die
Regierung werde eine Schutzklausel der Europäischen Union anwenden,
die Mitgliedstaaten bei Gesundheits- und Umweltrisiken die
Möglichkeit eines Verbotes einräumt. Das Verbot gelte so
lange, bis die EU-Behörden die Anbauerlaubnis für eine zuvor
in Frankreich angebaute Genmais-Sorte überprüft habe.
Umweltorganisationen begrüßten die Entscheidung der
Regierung. Der französische Bauernführer José
Bové unterbrach umgehend seinen Anfang Januar gegen den
Genmais-Anbau begonnenen Hungerstreik.
In der EU ist der Anbau von gentechnisch veränderten Mais erlaubt.
Am Mittwoch hatte jedoch ein französischer Regierungsausschuss
"schwerwiegende Bedenken" gegen den Anbau von Genmais angemeldet.
Demnach belegten neue wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Genpflanzen
sich auf die Tier- und Pflanzenwelt negativ auswirkten. Auf seiner
Neujahrspressekonferenz am Dienstag hatte Staatspräsident Nicolas
Sarkozy bereits ein verlängertes Anbauverbot für den Genmais
nicht ausgeschlossen. Er sei bereit, die EU-Schutzklausel in Anspruch zu
nehmen, wenn es "ernsthafte Zweifel" an der Sicherheit gebe.
Die konservative Regierung hatte bei einer großen Umweltkonferenz
im Oktober verkündet, dass bis Februar kein Genmais mehr angebaut
werden darf - wohlwissend, dass derzeit ohnehin nicht ausgesät
wird. Zwischenzeitlich sollte ein neues Gesetz erarbeitet werden.
Französische Landwirte hatten zuletzt auf knapp einem Prozent ihrer
Felder Genmais des US-Konzerns Monsanto angebaut, im vergangenen Jahr
waren es 22.000 Hektar.
(Quelle: afp)
Deutschland
Seehofer will Gentechnikgesetz aufweichen
So.13.01.08 - Landwirtschaftsminister Horst Seehofer will einem Magazinbericht
zufolge das Gentechnikgesetz aufweichen: Fleisch, Milch und Eier
sollten künftig auch dann als gentechnikfrei etikettiert werden
dürfen, wenn die Tiere mit gentechnisch hergestellten Medikamenten
und Futterzusätzen aufgezogen wurden, berichtete der "Spiegel" am
Samstag vorab. Dies sehe Seehofers neuer Entwurf des Gentechnikgesetzes
vor. Bisher seien die Bedingungen für den Aufdruck "ohne
Gentechnik" sehr weitreichend, so dass er kaum verwendet werde.
Seehofer stelle sich damit gegen Forderungen aus den eigenen Reihen
nach strengeren Kriterien, berichtete das Magazin. Der CSU-Politiker
wolle unter anderem Vitaminzusätze im Futter gestatten, die von
genveränderten Bakterien produziert wurden. Nutztiere müssten
dann auch nicht mehr ihr ganzes Leben lang mit gentechnikfreiem Futter
versorgt werden.
(Quelle: rtr)
Strategietreffen von Union und FDP am Montag
So.13.01.08 - Bundestagsabgeordnete von Union und FDP wollen am Montag über
Kooperationen auf Landes- und Bundesebene beraten.
Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Zeitungen soll dabei
auch über die Möglichkeit für ein schwarz-gelbes
Bündnis nach der Bundestagswahl 2009 gesprochen werden. Als
Teilnehmer der Runde in der FDP-Zentrale wurden rund 20 Fachpolitiker
von Union und Liberalen sowie die Generalsekretäre Ronald Pofalla
(CDU) und Dirk Niebel (FDP) genannt. Deren CSU-Kollegin Christine
Haderthauer komme nicht, weil sie an der Klausur der bayerischen
CSU-Landtagsfraktion in Kreuth teilnehme, meldete die Zeitung "Die
Welt".
Den Berichten zufolge soll über eine gemeinsame Strategie zur
Sicherung oder Erneuerung bürgerlicher Bündnisse auf Landes-
und Bundesebene gehen. In Niedersachsen und Hessen wird am 27. Januar,
in Hamburg am 24. Februar gewählt. Ein FDP-Sprecher sagte dem
Berliner "Tagesspiegel", das "informative Gespräch" sei
langfristig angesetzt gewesen. Ziel sei auch die Klimapflege. Ein
erstes Treffen dieser Art im September vergangenen Jahres hatte bei der
SPD für Verärgerung gesorgt. Auch die CSU war etwas
verstimmt, weil sie nicht eingeladen worden sei.
Dem FDP-Sprecher zufolge gibt es keine feste Tagesordnung. Schwerpunkt
soll den Zeitungen zufolge die Steuer- und Wirtschaftspolitik sein
sowie die Reform des Arbeitsgesetzes. "Für Union und FDP geht es
darum, wie die bürgerlichen Mehrheiten der Mitte bei den kommenden
Wahlen angesprochen werden können", sagte der Sprecher.
(Quelle: rtr)
Grünen-Vorsitzende Roth gegen Bündnisse mit Union oder
Linkspartei
So.13.01.08 - Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat Bündnissen ihrer
Partei sowohl mit der Linken als auch der Union eine Absage erteilt.
Eine Reihe jüngerer Bundestagsabgeordneter von CDU und CSU
äußerte sich dagegen am Samstag aufgeschlossen für ein
Bündnis mit den Grünen in Hamburg, wo am 24. Februar ein
neuer Landtag gewählt wird.
«In Bremen ist mit der Linken eine vollkommen
politikunfähige Truppe ins Parlament eingezogen. Und wenn ich mir
anschaue, wie die Linke in Niedersachsen aufgestellt ist, oder ich
erlebe einen laut schreienden Populisten wie Oskar Lafontaine, dann
sehe ich da keine Chance für eine Zusammenarbeit», sagte
Roth der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse». Und mit
CDU und CSU gebe es zu wenig inhaltliche Gemeinsamkeiten: «Die
Union unterstützt derzeit unisono Herrn Koch bei einer
populistischen Kampagne, die ein Thema missbraucht, anstatt ein Problem
ernst zu nehmen», kritisierte die Grünen-Parteichefin.
Weiter warf sie der Union vor, sie setze auf Atomkraft. Innenminister
Wolfgang Schäuble benutze die Verfassung wie einen Steinbruch und
wolle «aus unserem Rechtsstaat einen präventiven
Überwachungsstaat machen». Roth fügte mit Blick auf
schwarz-grüne Koalitionen hinzu: «Wenn ich mir das alles vor
Augen führe, dann muss ich sagen: Das ist ein ziemlich langer
Weg.»
Jüngere Politiker von CDU und CSU äußerten sich dagegen
aufgeschlossen für Gedankenspiele über eine
schwarz-grüne Koalition in der Hansestadt. «Hamburg als
Stadtstaat und Stadt mit einer bürgerlichen Mitte bis weit in die
Grünen-Wählerschaft hinein ist ein reizvoller Ort für
die Option Schwarz-Grün», sagte die
CDU-Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner dem Nachrichtenmagazin
«Focus». Ihr Parteifreund Günter Krings erklärte:
«Für die strategische Aufstellung wäre es gut, wenn wir
in nächster Zeit einen Versuch starten könnten.»
Der Parlamentarische Staatssekretär im
Verbraucherschutz-Ministerium, Gerd Müller (CSU), zeigte sich
sogar offen für eine Koalition mit den Grünen im Bund:
«Schwarz-Grün sollte man auf Bundesebene für die
Zukunft nicht ausschließen.» Es gebe nur noch bei dem Thema
Energie unüberbrückbare Unterschiede.
Auch der Landesvorsitzende der Grünen in Schleswig-Holstein,
Robert Habeck, schloss in den «Lübecker Nachrichten»
eine schwarz-grüne Koalition nicht aus. «Man muss bei der
CDU genau hinsehen. In Teilen erfindet sie sich gerade neu. Das finde
ich spannend», wird er zitiert. In Schleswig-Holstein könne
man damit Vorreiter für den Bund werden, «weil wir als
einziges West-Bundesland ebenfalls Wege aus der Großen Koalition,
der gegenseitigen Blockade von SPD und CDU, suchen müssen».
(Quelle: ap)
Lafontaine für härteren Oppositionskurs der Linken
So.13.01.08 - Linkspartei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine will seine Partei auf
einen strikteren Oppositionskurs trimmen. Lafontaine warnte nach einem
«Spiegel»-Bericht vom Samstag seine Genossen trotz stabiler
Umfrageergebnisse und kleinerer Kurswechsel bei SPD und Grünen vor
zu viel Selbstzufriedenheit: «Noch sind die Ergebnisse
bescheiden», heißt es in einem Strategiepapier des Chefs
für die Klausursitzung der Bundestagsfraktion am Montag und
Dienstag in Kassel.
Der Saarländer dringt auf eine stärkere Verankerung im Westen
der immer noch stark von der ehemaligen PDS geprägten Partei. Die
Landtagswahlen in Hessen, Niedersachsen und Hamburg sollen dabei den
Durchbruch bringen.
«Die Wahlen in den kommenden Monaten entscheiden darüber, ob
auch das Jahr 2008 ein Jahr der Linken wird», erklärte
Lafontaine. Nur wenn es gelinge, in Gemeinden und Ländern
stärker zu werden, «werden wir weiter wachsen». Hartz
IV, Renten, Verstaatlichung der Energieversorgung und vor allem den
Mindestlohn reklamiert er als Themen für Die Linke. Damit wolle er
vor allem weiter seiner ehemaligen Partei SPD zusetzen, heißt es
weiter.
(Quelle: ap)
Kommunen drohen Verdi mit Entlassungen
So.13.01.08 - Nach dem Auftakt der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst
wird der Ton schärfer. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) droht
mit Warnstreiks, während die Städte und Gemeinden klar
machten, bei einem hohen Abschluss würden sie sich zu massivem
Stellenabbau gezwungen sehen. Der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg sagte
der Zeitung «Rheinpfalz am Sonntag», die Gewerkschaften
seien diesmal fest entschlossen, ihre Forderung nach einer
achtprozentigen Lohnerhöhung, mindestens aber 200 Euro monatlich,
auch mit einem Arbeitskampf durchzusetzen.
Dabei schloss Freiberg auch Warnstreiks bei der Bundespolizei und den
Angehörigen des Bundeskriminalamts nicht aus. Die Bereitschaft der
Beschäftigten sei vorhanden. Die Arbeitgeber sollten die
Ankündigung ernst nehmen, warnte der Chef der Polizeigewerkschaft.
Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen und immer höherer
Managergehälter fehle inzwischen auch bei der Polizei das
Verständnis für die von den Arbeitgebern verlangte
Bescheidenheit. Seit drei Jahren hätten die Angehörigen der
Polizei auf Lohnerhöhungen verzichten müssen. Die
Verhandlungen werden Ende Januar fortgesetzt. Angestellte im
öffentlichen Dienst dürfen im Gegensatz zu Beamten streiken.
Der Präsident der kommunalen Arbeitgeberverbände, Thomas
Böhle, kritisierte die Forderung nach acht Prozent
Gehaltserhöhungen. «Wer das fordert, provoziert weitere
Privatisierungen und Stellenabbau im öffentlichen Dienst»,
sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Die
Gewerkschaften sollten deshalb vor weiteren Tarifgesprächen erst
einmal «verhandelbare Forderungen» vorlegen, mahnte
Böhle. Bei einem hohen Tarifabschluss drohten vor allem bei den
unteren Lohngruppen Entlassungen. «Die von den Gewerkschaften
erhobene Mindestforderung von 200 Euro bedeutet eine Steigerung in den
unteren Entgeltgruppen von 15,5 Prozent. Das ist unmöglich zu
schultern», meinte er.
Die Kommunen seien immer noch mit mehr als 80 Milliarden Euro
verschuldet. «Das engt unseren Verhandlungsspielraum ein»,
erklärte Böhle. Jetzt schon schlage sich die
abschwächende Konjunktur zudem in sinkenden Gewerbesteuereinnahmen
nieder. «Hohe Abschlüsse in der Privatwirtschaft können
deswegen für uns kein Maßstab sein», sagte er.
Am Freitag hatten die Verhandlungsführer von Arbeitgebern und
Gewerkschaften nach Abschluss der ersten Runde erklärt, die
Standpunkte lägen weit auseinander. Die Gespräche wurden auf
Ende Januar vertagt.
(Quelle: ap)
Arbeitsminister Scholz will bis Sommer neue Mindestlohn-Gesetze
So.13.01.08 - Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) will die neuen
Mindestlohn-Gesetze bis zum Sommer unter Dach und Fach bringen.
«Wir können das bis zur Sommerpause schaffen», sagte
Scholz der «Berliner Zeitung».
Am Freitag habe er überarbeitete Fassungen des Entsendegesetzes
und des sogenannten Mindestarbeitsbedingungengesetzes (Mia) zur
Abstimmung an seine Ministerkollegen weitergeleitet. Danach müsste
das Kabinett und dann der Bundestag darüber entscheiden.
«Ich will, dass alle Bürger vor Dumpinglöhnen
geschützt sind», sagte Scholz der Zeitung. Da die Union
flächendeckende Mindestlöhne ablehne, wolle er den in der
Koalition vereinbarten Weg über Branchen-Mindestlöhne gehen.
«Ich erwarte allerdings auch, dass sich nun alle an das
Vereinbarte halten und nicht ausbüxen.» Das Mia- Gesetz soll
in Branchen greifen, in denen nicht genug Arbeitnehmer über
Tarifverträge erfasst sind und daher das Entsendegesetz nicht
anwendbar ist, um vereinbarte Mindestlöhne für
allgemeinverbindlich zu erklären.
«Es gibt Branchen, wo weit und breit kein kein Arbeitgeberverband
und keine Gewerkschaft die Beschäftigten vor schlimmster Ausbeutung
schützen», erläuterte Scholz. «Das müssen
wir etwas tun.» SPD- Parteivize Andrea Nahles sagte der in Essen
erscheinenden «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung»:
«Mit der Änderung des Mindestarbeitsbedingungs- und des
Entsendegesetzes wird prinzipiell ein Mindestlohn in allen Branchen
möglich.» Die Union hat sich bisher gegen eine solche
Interpretation gewehrt. Sie will bei jeder Branche prüfen, ob ein
Mindestlohn überhaupt angebracht ist. Mehrere
Wirtschaftsverbände hatten am Freitag den Stopp der von Scholz
vorgesehenen Änderungen gefordert.
(Quelle: ddp)
Teile der Union für Umbau des Rentenversicherungssystems
So.13.01.08 - Die Unionsarbeitnehmergruppe will die jüngste Debatte um die
Anrechnung der Riester-Rente auf die soziale Grundsicherung zu einem
grundsätzlichen Umbau des Rentensystems nutzen. Der
Bundestagsabgeordnete und Vizevorsitzende der Unionsarbeitnehmergruppe
im Bundestag, Uwe Schummer, sagte, nötig sei ein "neues
Drei-Säulen-Modell für die Altersversorgung". Der
CDU-Rentenpolitiker Peter Weiß verlangte mehr Anreize zur
Privatvorsorge für Arbeitnehmer mit geringem Einkommen. Der
Sozialverband VdK sprach sich für Änderungen bei der staatlich
geförderten Altersvorsorge aus.
Schummer sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Wir brauchen ein neues
Drei-Säulen-Modell für die Altersversorgung: eine über
das Steuersystem und Abgaben finanzierte Grundrente für alle, die
paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragene klassische
Sozialversicherungsrente und als dritte Säule die Riester-Rente
für alle." Das "wäre der ehrlichste Weg auch mit Blick auf
die in Zukunft drohende Altersarmut".
Der CDU-Rentenpolitiker Weiß sagte der "Stuttgarter Zeitung", er
befürchte, dass gerade bei Geringverdienern und Menschen mit langer
Arbeitslosigkeit die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge erlahmen
könne. Diesen Menschen müsse ein Teil der Riester-Vorsorge
bleiben, wenn sie im Alter auf die staatliche Grundsicherung angewiesen
seien. Nach dem Modell des Unionspolitikers sollen 50 Prozent der
Einkünfte aus der Riester-Rente auf jeden Fall an die Rentner
ausbezahlt werden, die im Ruhestand auf staatliche Unterstützung
angewiesen sind.
VdK-Präsident Walter Hirrlinger warnte in der "Berliner Zeitung",
die Altersarmut werde ein zunehmendes Problem für künftige
Generationen. Daher sei es "paradox, die Einkünfte aus
Riester-Renten mit der Grundsicherung zu verrechnen". "Deshalb muss hier
eine Änderung eintreten." Er plädierte dafür, auf die
Anrechnung der Riester-Rente ganz zu verzichten oder zumindest einen
hohen Freibetrag vorzusehen. In der "Passauer Neuen Presse" forderte
Hirrlinger, es müsse sichergestellt werden, dass sich die
Riester-Rente "für jeden lohnt, der sie abschließt".
Die Deutsche Versicherungswirtschaft forderte die Freistellung der
Riester-Rente von der Anrechnung auf die Grundsicherung. Der
Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen
Versicherungswirtschaft (GDV), Freiherr Frank von Fürstenwerth,
sagte: "Es sind schnelle politische Maßnahmen erforderlich um
sicherzustellen, dass sich Eigenvorsorge immer lohnt." Es sei
"unverantwortlich, nun von der Riester-Rente abzuraten".
(Quelle: afp)
DGB: Regierung soll Gesundheitsreform aussetzen
So.13.01.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert eine Aussetzung der Pläne
zur Gesundheitsreform: Die Große Koalition sollte den
Gesundheitsfonds und damit auch die Zusatzbeiträge aussetzen, sagte
der DGB-Chef Michael Sommer der "Bild am Sonntag" laut Vorab-Bericht.
Stattdessen müsse eine "echte Finanzreform des Gesundheitswesens"
in Angriff genommen werden. Der Gesundheitsfonds sei eine
bürokratische Missgeburt. Die geplanten Zusatzbeiträge seien
vor allem für Geringverdiener eine unzumutbare Belastung.
Ab Januar 2009 soll der Gesundheitsfonds die Beitragseinnahmen zwischen
den gesetzlichen Krankenkassen verteilen. Dabei erhält jede Kasse
pro Versicherten eine Grundpauschale. Hinzu kommt ein Zuschlag, dessen
Höhe am Gesundheitszustand des Mitglieds ausgerichtet ist und der
mehr Gerechtigkeit zwischen den Kassen schaffen soll.
(Quelle: rtr)
Leo Kirch fordert angeblich nun 3,7 Milliarden von Deutscher Bank
So.13.01.08 - Der Medienunternehmer Leo Kirch hat seine gerichtlichen
Schadensersatzforderungen gegen die Deutsche Bank nach Informationen der
«Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe) von 1,6 auf
3,7 Milliarden Euro erhöht. Er macht das Kreditinstitut für
den Zusammenbruch seines Film- und Fernsehkonzerns im Jahr 2002
verantwortlich. Die Deutsche Bank äußere sich dazu nicht,
heißt es in dem Vorabbericht.
Die «SZ» beruft sich auf Angaben aus dem Kreis der
Kirch-Gläubiger. Demnach macht der 81 Jahre alte Medienunternehmer
in dem seit Jahren währenden Rechtsstreit mit der Deutschen Bank
bei Gericht nun zusätzlich 2,1 Milliarden Euro für seine
Anteile an der ProSiebenSat.1 Media AG geltend. Kirch hatte die aus den
Sendern Sat1, ProSieben, Kabel1 und dem Nachrichtenkanal N24 bestehende
TV-Familie aufgebaut und war bis zu seiner Pleite Mehrheitsaktionär
gewesen.
In einem Ende 2007 beim Landgericht München eingereichten
Schriftsatz rechne Kirch vor, seine damaligen Anteile seien 2,1
Milliarden Euro wert gewesen, berichtet die «Süddeutsche
Zeitung». Zwischen dem Medienunternehmer und den meisten
Gläubigern sei verabredet, dass man eventuelle
Schadensersatzzahlungen des Finanzinstituts untereinander aufteile. Im
Gegenzug unterstützen diese Gläubiger das Vorgehen gegen die
Deutsche Bank.
Beim Münchner Landgericht sei bereits eine Klage Kirchs über
1,6 Milliarden Euro abhängig. Diesen Betrag fordere der
Medienhändler für seinen früheren Anteil von 40 Prozent
am Springer-Verlag. Die Springer-Beteiligung war durch die Insolvenz
ebenfalls verloren gegangen. Kirchs Springer-Aktien hatten der Deutschen
Bank als Sicherheit für einen an Großkredit für Kirch
gedient.
Beim Bundesgerichtshof hatte Kirch gegen die Deutsche Bank vor zwei
Jahren einen grundsätzlichen Schadensersatzanspruch erstritten.
Anlass war ein Fernsehinterview vom Februar 2002, in dem sich der
damalige Bankchef Rolf Breuer kritisch über die finanzielle Lage
des Münchner Medienunternehmers geäußert hatte. Zwei
Monate später war Kirch pleite und schob die Schuld auf Breuer,
weil der Vorstandssprecher der Deutschen Bank die Kreditfähigkeit
der Film- und Fernsehgruppe bezweifelt habe. Der BGH entschied, das
Finanzinstitut habe mit Breuers TV-Interview seine vertraglichen
Pflichten gegenüber dem Kreditkunden Kirch verletzt. Das Gericht
riet allerdings dazu, sich außergerichtlich über die
Höhe des Schadensersatzes zu einigen. Nun macht der
Medienhändler offenbar Schadensersatz geltend.
(Quelle: ap)
Zwiespältige Bilanz: Produktionsrekord der Autohersteller -
Zugleich schlechtester Inlandsabsatz seit Wiedervereinigung
So.13.01.08 - Zwiespältiger konnte die Bilanz 2007 am deutschen Pkw-Markt kaum
ausfallen: Neuen Rekorden der heimischen Autobauer bei Produktion und
Export stehen empfindliche Einbußen insbesondere der
Volumenhersteller beim Inlandsabsatz gegenüber. In den deutschen
Werken rollten über 5,7 Millionen Pkw vom Band, sechs Prozent mehr
als im Vorjahr. Die Ausfuhren nahmen sogar um elf Prozent auf 4,3
Millionen Autos zu. Zugleich sackten die Neuzulassungen in Deutschland
um 9,2 Prozent auf 3,148 Millionen Pkw und Kombi ab, den niedrigsten
Stand seit der Vereinigung.
Experten führen die Kaufzurückhaltung vor allem auf die stark
gestiegenen Kraftstoffpreise und die anhaltende Unsicherheit über
künftige Kfz-Steuern und CO2-Abgaben zurück. Viele potenzielle
Käufer von Klein- und Mittelklassewagen wollten vor einer
Neuanschaffung Klarheit, was sie künftig an Kosten erwarte.
Von der Kaufzurückhaltung am stärksten betroffen waren die
deutschen Volumenhersteller VW (-11,7 Prozent zum Vorjahr), Opel10,0
Prozent, Toyota/Lexus 10,4 Prozent und Peugeot gar 16,0 Prozent).
Die Premiumanbieter kamen mit Zulassungsrückgängen im Inland
von vier bis fünf Prozent noch relativ gut weg (Mercedes -4,4
Prozent; BMW samt Mini -4,2 Prozent; Audi -5,0 Prozent). Dank hoher
Exporte erzielten sie insgesamt sogar neue Bestwerte. Die BMW Group (mit
Mini und Rolls Royce) fuhr dabei mit einem weltweiten Absatzanstieg um
9,2 Prozent auf 1,5 Millionen Verkäufe dem Hauptkonkurrenten aus
Stuttgart deutlich davon. Die weißblaue Kernmarke steigerte ihren
Absatz um 7,7 Prozent auf 1,277 Millionen Wagen. Der Daimler-Konzern
legte um zwei Prozent auf 1,285 Millionen Mercedes-Benz, smart- und
Maybach-Pkw zu. Die Marke mit dem Stern wuchs international um 3
Prozent auf 1,185 Millionen Verkäufe.
In Deutschland platzierte sich Mercedes-Benz mit 327 742
Jahreszulassungen dagegen vor den Münchnern (284 889
Neuanmeldungen) auf Rang zwei. Klarer Spitzenreiter blieb Volkswagen mit
608 820 Wagen - trotz Zulassungsrückgängen von 11,7 Prozent.
Gegen den rückläufigen Inlandstrend stemmten sich von den
deutschen Herstellern nur Porsche (+1,0 Prozent auf 17 663 Sport- und
Geländewagen) und die weiter zulegende Daimler-Kleinwagentochter
smart (+5,6 Prozent auf 31 947 Anmeldungen). Auch die tschechische
VW-Tochter Skoda kam mit 118 682 Wagen auf ein Plus: knappe 0,1 Prozent
zum Vorjahr. Sie war der einzige Anbieter unter den Top Ten der
Neuzulassungsliste mit einem Zuwachs.
Bei den einzelnen Pkw-Modellen war der VW Golf/Vento einmal mehr nicht
zu schlagen. Der kompakte Bestseller aus Wolfsburg schloss mit 214 367
Zulassungen ab und kam damit auf mehr als das Doppelte der beiden
Nächstplatzierten - des VW-Mittelklasse-Pkw Passat (105 308) und
des BMW 3er (100 550) zusammen. Beliebtester Kleinwagen wurde der Opel
Corsa. Er schob sich dank eines starken Jahresendspurts von fast 16 000
Zulassungen im November/Dezember auf insgesamt 79 098 Anmeldungen noch
am VW Polo (76 983) vorbei und rückte damit zugleich auf Rang 6 der
bundesweiten Bestseller-Liste vor.
Bei den Minis baute der smart fortwo mit 31 171 Anmeldungen seinen
November-Vorsprung auf den VW Fox (27 104) noch aus. Das
Kopf-an-Kopf-Rennen in der Oberen Mittelklasse entschied die Mercedes
E-Klasse (56 695) knapp vor dem Audi A6/S6 (55 301) für sich.
Jahressieger in den anderen Pkw-Segmenten wurden wie schon lang vorher
absehbar VW Passat (Mittelklasse), Mercedes S-Klasse (Oberklasse), BMW
X3 (Geländewagen), Audi TT (Sportwagen), Mercedes B-Klasse
(Mini-Vans), VW Touran (Großraum-Vans), VW Transporter Caravelle
(Utilities) und als einziges ausländisches Modell der Fiat Ducato
(Wohnmobile).
(Quelle: ddp)
Umweltministerium nun doch für Tempolimit
So.13.01.08 - Angesichts der Erderwärmung geht nun auch das
Bundesumweltministerium offensiver mit der Forderung nach einem
Tempolimit auf deutschen Autobahnen um. «Auf den
Klimaschutzbeitrag eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen
können wir meines Erachtens auf Dauer nicht verzichten»,
heißt es in einem Brief von Umweltstaatssekretär Matthias
Machnig an die SPD im Bundestag, aus dem die «Berliner
Zeitung» zitierte. Verkehrsclub VCD und die Grünen
begrüßten am Freitag diese «überfällige
Wende».
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hatte auf dem SPD-Parteitag Ende
Oktober noch aktiv versucht, einen Beschluss seiner Partei für
Tempo 130 zu verhindern. «Ich begrüße den Kurswechsel
des Ministers außerordentlich», sagte die
SPD-Verkehrspolitikerin Heidi Wright dem Blatt. Ein Tempolimit
nütze dem Klima und wirke sich auch positiv auf die
Unfallstatistiken aus.
Der Bundesvorsitzende des ökologisch orientierten Verkehrsclubs
VCD, Michael Gehrmann, forderte Gabriel auf, «seine bisherigen
Versäumnisse auf diesem Gebiet wettzumachen und jetzt in der
Koalition entschlossen für die Umsetzung des
SPD-Parteitagsbeschlusses zum Tempolimit zu kämpfen».
Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter erklärte, ein
Tempolimit bringe 2,5 Millionen Tonnen CO2-Einsparung mehr als die mit
Milliarden Euro geförderte CO2-Gebäudesanierung, die
jährlich nur eine Million Tonnen Kohlendioxid einspare.
Nach einer Umfrage der Berliner «BZ» halten sich nur zwei
von acht SPD-Bundesministern explizit an das vom Parteitag geforderte
Tempolimit. Gabriel habe seinen Fahrer «entsprechend der Forderung
des SPD-Parteitags gebeten, Tempo 130 nicht zu
überschreiten». Entwicklungshilfeministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul fahre «seit jeher grundsätzlich nicht
schneller als 130 Stundenkilometer».
Die Bundesminister Olaf Scholz (Arbeit), Wolfgang Tiefensee (Verkehr),
Ulla Schmidt (Gesundheit) und Finanzminister Peer Steinbrück
(Finanzen) halten die Verkehrsvorschriften ein. Justizministerin
Brigitte Zypries legt Wert auf «einen sehr gemäßigten
Fahrstil». Für Fahrten mit Dienstwagen des Auswärtigen
Amts von Vizekanzler Walter Steinmeier gilt: «Die
Straßenverkehrsordnung ist einzuhalten und es soll möglichst
umweltschonend gefahren werden.»
(Quelle: ap)
Dämpfer für Schäubles Abschusspläne vom
Verfassungsgerichts-Chef
So.13.01.08 - Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier hat
Bestrebungen einen Dämpfer erteilt, den Abschuss gekaperter
Passagierflugzeuge per Grundgesetzänderung doch noch zu
ermöglichen: Die Menschenwürdegarantie könne selbst
durch eine Verfassungsänderung nicht eingeschränkt werden,
sagte Papier dem "Spiegel" nach einem Vorabbericht vom Samstag. Der
oberste deutsche Richter wandte sich damit gegen Bestrebungen von
Innenminister Wolfgang Schäuble, per Grundgesetzänderung
einen "Angriff auf das Gemeinwesen" zu definieren und auf diesem Wege
den Abschuss gekaperter Passagierflugzeuge zu gestatten.
Papier sagte, das Verfassungsgericht habe in seinem Urteil zum
Luftsicherheitsgesetz zwar offengelassen, ob im Falle eines Angriffs,
der "auf die Beseitigung des Gemeinwesens und der freiheitlichen
Rechtsordnung" gerichtet sei, von den Bürgern verlangt werden
könne, ihr Leben zu opfern. Der Abschuss einer Passagiermaschine,
die von Terroristen als Tatwaffe benutzt werde, sei aber kein solcher
Fall, bekräftigte Papier.
Das Verfassungsgericht hatte 2006 das noch unter der rot-grünen
Regierung verabschiedete Luftsicherheitsgesetz gekippt, das unter dem
Eindruck der Anschläge vom 11. September 2001 entstanden war und
den Abschuss gekaperter Maschinen ermöglichte. Seither haben sich
Union und SPD nicht auf ein neues Gesetz einigen können.
Papier wandte sich zugleich gegen Überlegungen Schäubles,
Terroristen als Feinde der Rechtsordnung teilweise rechtlos zu stellen.
Er halte die ganze Diskussion über einen rechtsfreien Status und
eine Feindstellung von Personen für völlig unangebracht,
sagte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Die
Terrorlisten der UN und der EU nannte er ein heikles ungelöstes
Problem. Wer auf den Listen als Terrorverdächtiger geführt
werde, könne "im Grund gar nichts mehr machen". Dabei würden
die Betroffenen nicht vorher angehört, ihnen würden keine
Beweise mitgeteilt und sie hätten keinen effektiven Rechtsschutz.
Ausdrücklich wies Papier darauf hin, dass das Verfassungsgericht
entschieden habe, sich beim Grundrechtsschutz gegenüber EG-Recht
nur so lange zurückzuhalten, wie auf europäischer Ebene
gleichwertiger Rechtsschutz gewährleistet sei. Das setze in der
Regel Individualrechtsschutz durch unabhängige Gerichte voraus.
"Daran fehlt es hier", bemängelte Papier.
(Quelle: rtr)
'Heimliche Blicke auf Festplatten'
So.13.01.08 - Geheimdienstexperten hoffen noch im Laufe dieses Jahres auf eine
generelle Klärung der Rechtsgrundlage für
Online-Durchsuchungen. «Angesichts der weiter zunehmenden Gefahren
durch islamistische Terroristen müssen wir bei einer akuten
Bedrohungslage endlich die Möglichkeit für heimliche Blicke
auf Festplatten von Gefährdern erhalten», war aus
Geheimdienstkreisen und von Strafverfolgungsbehörden am Wochenende
in Berlin zu hören. Politiker, Geheimdienstler und Polizei warten
mit Ungeduld auf den klärenden Spruch des Bundesverfassungsgerichts
im Frühjahr. Verfassungsjuristen sagen ein «Ja» der
Richter in der heftig umstrittenen Frage für vorbeugende
Online-Durchsuchungen voraus.
Die Karlsruher Verfassungsrichter müssen über die Beschwerden
der FDP-Mitglieder Burkhard Hirsch, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
und Gerhart Baum gegen das nordrhein-westfälische
Landesverfassungsschutzgesetz entscheiden. Es hat zum ersten Mal einem
Inlandsgeheimdienst in Deutschland, dem Verfassungsschutz von
Nordrhein-Westfalen, Online-Ermittlungen gestattet. Das Gesetz wird von
den Beschwerdeführern als «rechtlich unzulässig und als
unpräzise formuliert» angeprangert. Der Präsident des
Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, versprach,
«Klarheit zu schaffen».
Karlsruher Juristen erwarten, dass das Gesetz der Düsseldorfer
Landesregierung «kassiert wird». Berliner Politiker erhoffen
von diesem Gerichtsverfahren aber «höchstrichterliche
Argumentationshilfe» für den Streit zwischen den
Bundespolitikern über die von Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) favorisierte gesetzliche Regelung der
Online-Durchsuchung auf Bundesebene, die unter Innenminister Otto
Schily (SPD) bereits auf der Grundlage einer Dienstanweisung
praktiziert worden war. So hatte Papier unterstrichen, dass die
Überlegungen des Gerichts zu den von einer Spionage-Software
betroffenen Grundrechten «weit über die konkret
streitgegenständlichen Vorschriften des
nordrhein-westfälischen Gesetzes hinaus Bedeutung erlangen
könnten».
Papier und seine Richterkollegen müssen schwierige Fragen
klären - zum Beispiel: Auf welche informationstechnischen Systeme
soll mit der Online-Durchsuchung zugegriffen werden? Nur auf die
Kommunikation oder auch auf die Festplatte? Wie weit reicht dabei der
verfassungsrechtliche Schutz der Privatsphäre? Berliner
Parlamentarier betonten, für den bundesdeutschen Gesetzgeber
würden die Aussagen der Verfassungsrichter «ein
Grundsatzurteil über Zulässigkeit und Grenzen der
Online-Durchsuchung sein». Sie könne danach
«wahrscheinlich noch bis Ende des Jahres, im Sinne der
Verfassungsrichter in das Gesetz über das Bundeskriminalamt (BKA)
aufgenommen und damit geltendes Recht werden».
Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte der
Nachrichtenagentur ddp, «innerhalb der Regierungskoalition
zeichnet sich eine breite Mehrheit für das Gesetzesvorhaben zur
Online-Durchsuchung ab». Es gehe ausschließlich darum,
«schwerste terroristische Fälle zu vermeiden».
Schäuble hatte bereits im November vergangenen Jahres dem BKA freie
Hand für die Entwicklung einer funktionsfähigen Software zum
«Einschleusen von Trojanern» in verdächtige Computer
gegeben.
Nach ddp-Informationen hat das BKA für Online-Razzien
«bereits alles im Griff». Seine Fachleute haben einen
«Trojaner» entwickelt, der neben PCs auch Blackberrys,
Smartphones und Handcomputer aus größerer Entfernung
durchforsten kann. BKA-Chef Jörg Ziercke hatte wissen lassen, es
gehe in der Praxis «eigentlich nur um wirklich wenige Fälle,
fünf bis zehn pro Jahr». Gegenwärtig herrscht für
verdeckte Digital-Durchsuchungen noch ein absoluter Stopp. Der
Bundesgerichtshof (BGH) hatte vor einem Jahr entschieden, dass für
die heimliche «Festplatten-Fernabfrage» für die
Strafverfolgungsbehörden eine rechtliche Grundlage fehle.
Besonders Schäuble und Ziercke hoffen jetzt, dass der nach dem
BGH-Urteil zwischen den Parteien entflammte Streit über
Online-Fahndungen im Frühjahr «endlich beigelegt werden
kann». In dem geplanten neuen Gesetz seien «alle
Sicherheitsstandards zur Beachtung der Rechte der Bürger
eingearbeitet», war aus dem Bundesinnenministerium zu erfahren.
(Quelle: ddp)
Gedenken an Liebknecht und Luxemburg
So.13.01.08 - Mit einem stillen Gedenken wird am heutigen Sonntag in
Berlin-Friedrichsfelde an die vor 89 Jahren ermordeten
Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erinnert. Zu der
traditionellen Kranzniederlegung an der «Gedenkstätte der
Sozialisten» auf dem Zentralfriedhof hat Die Linke aufgerufen. Im
vergangenen Jahr zogen rund 60 000 Menschen an den Gräbern vorbei.
Die Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD)
waren am 15. Januar 1919 von Freikorpssoldaten getötet worden. Sie
sind auf dem Zentralfriedhof beerdigt. Seit der Wende nahmen
jährlich mehrere zehntausend Menschen an dem stillen Gedenken teil.
In der DDR war die Veranstaltung ein staatlich verordnetes Ritual, bei
dem vor allem den Größen von SED und Staat gehuldigt werden
sollte.
Rund 50 linke Initiativen und Parteien haben für heute ebenfalls
zu einer Gedenkdemonstration aufgerufen. Sie soll um 10.00 Uhr am
Frankfurter Tor in Berlin-Friedrichshain beginnen und über die
Frankfurter Allee und die Gudrunstraße zum Zentralfriedhof
führen. Die Veranstalter rechnen mit Störungen durch
Mitglieder der rechten Szene. Eine geplante NPD-Gegenkundgebung war im
Vorfeld allerdings verboten worden.
(Quelle: ddp)