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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1391sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Präsident Bush begrüßt Gesetz zur nationalen
Versöhnung im Irak. Irakische Ölproduktion weiter gestiegen
Mo.14.01.08 - US-Präsident George W. Bush hat das neue irakische Gesetz zur
Reintegration von Mitgliedern der Baath-Partei von Saddam Hussein in den
Staatsdienst als "wichtigen Schritt zur Versöhnung"
begrüßt. Die Verabschiedung des Gesetzes am Samstag im
Parlament in Bagdad sei ein "wichtiges Zeichen" dafür, dass die
politischen Führer im Irak zusammenarbeiten müssten, um den
Volkswillen zu erfüllen, sagte Bush während eines Treffens mit
dem König von Bahrain, Hamad Ben Issa el Chalifa, in Manama.
Washington hatte von Bagdad die Annahme des Gesetzes zur nationalen
Versöhnung seit langem gefordert. Bahrain, ein wichtiger
Verbündeter der USA, ist eine Station auf Bushs achttägiger
Nahostreise.
Der Irak hat seine Ölproduktion im Dezember gegenüber dem
Vormonat erneut steigern können. Gegenüber Januar 2007 wurde
ein Wachstum von rund 25 Prozent erzielt, wie die staatliche
Erdölgesellschaft am Samstag mitteilte. Die durchschnittliche
Fördermenge pro Tag lag im Dezember demnach bei 2,475 Millionen
Barrel. Dies ist eine tägliche Steigerung gegenüber November
um 73.000 Barrel. Auf das gesamte Jahr 2007 gerechnet betrug die
durchschnittliche Fördermenge pro Tag 2,181 Millionen Barrel. Damit
wurde die durchschnittliche Tagesproduktion gegenüber 2006 um
28.000 Barrel erhöht. Vor dem Irak-Krieg 2003 förderte der
Irak nach Angaben der Internationalen Energieagentur pro Tag
durchschnittlich 2,58 Millionen Barrel Rohöl. Ein Barrel entspricht
159 Litern.
boa (Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 14.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertneunundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.14.01.07 - US-Präsident will Truppenverstärkung auch gegen den Willen
des Kongresses +++ Bush fordert Demokraten auf, eigenen Plan zu Irak
vorlegen +++ Iraks Ministerpräsident Al-Maliki stellt sich hinter
Bushs neue Irak-Strategie...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701140.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
|
US-Regierung dringt auf schnelle Nahost-Fortschritte
Mo.14.01.08 - Die US-Regierung dringt nach dem Nahost-Besuch von Präsident
George W. Bush offenbar auf rasche Fortschritte in den festgefahrenen
Friedensgesprächen zwischen Israel und den Palästinensern:
Beide Seiten müssten sich sehr bald einigen, ob sie bis zum
Jahresende einen Friedensvertrag oder nur Rahmenbedingungen für
einen künftigen Palästinenserstaat erreichen wollten, sagte
ein hochrangiger US-Vertreter am Wochenende. Zugleich kündigte er
an, Bush und US-Außenministerin Condoleezza Rice würden sich
aktiv in die Bemühungen einschalten. Unterdessen stritten Israel
und die Palästinenser darüber, in wessen Sinne sich Bush
während seines am Freitag zu Ende gegangenen Besuchs
geäußert habe.
Die Palästinenser hoffen auf einen endgültigen
Friedensvertrag, auf dessen Basis sie bis zum Jahresende einen eigenen
Staat ausrufen könnten. Dagegen betonen israelische
Regierungsvertreter, so lange Palästinenserpräsident Mahmud
Abbas die Sicherheit Israels vor Angriffen extremistischer Gruppen
nicht garantieren könne, sei nur eine Einigung auf
Rahmenbedingungen für einen Palästinenserstaat möglich.
Dessen Verwirklichung müsse dagegen warten.
"Die Seiten müssen sich ziemlich schnell darüber einigen,
woran sie arbeiten wollen", sagte am Samstag der US-Vertreter, der
ungenannt bleiben wollte. Bis Ende des Jahres solle eine Vereinbarung
erreicht werden. Bush hatte das Zieldatum bei der Friedenskonferenz von
Annapolis ausgerufen. Damit würde ein Nahost-Abkommen noch in
seine Amtszeit fallen, die Anfang 2009 endet.
Der US-Vertreter sagte, Rice werde schon bald in die Region
zurückkehren und dieses Jahr insgesamt ebenso häufig dorthin
reisen wie 2007, als sie acht Mal Israel und die
Palästinensergebiete besuchte. Man habe bereits damit begonnen,
die Fortschritte bei der Umsetzung der sogenannten Roadmap zu
überwachen. Darin wird unter anderem ein israelischer
Siedlungsstopp und die Eindämmung militanter
Palästinensergruppen gefordert.
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sagte am Sonntag bei einer
Kabinettssitzung, Bush habe ihm versichert, dass es ohne die
Bedingungen der Roadmap kein Abkommen mit den Palästinensern geben
werde. Die darin enthaltene Forderung, gegen Extremisten vorzugehen,
umfasse auch den Gazastreifen. Dort hatte die militanten
Islamistengruppe Hamas der Fatah von Abbas vergangenen Sommer gewaltsam
die Macht entrissen.
Palästinenser-Vertreter entnahmen Bushs Äußerungen bei
dessen Gesprächen im Westjordanland nach eigenen Angaben, dass er
sich nicht mit einer Nahost-Rahmenvereinbarung zufriedengeben werde.
Allerdings seien sie skeptisch, ob der US-Präsident Israel seine
Vorstellungen aufzwingen werde.
(Quelle: rtr)
Franzosen wollen Atomkraftwerke in Arabischen Emiraten bauen
Mo.14.01.08 - Französische Konzerne wollen sich einem Fernsehbericht zufolge am
Bau zweier Atomkraftwerke in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE)
beteiligen: Es handle sich dabei um die Unternehmen Areva, Total und
Suez, berichtete der Sender Al-Dschasira am Sonntag. Frankreichs
Präsident Nicolas Sarkozy wird am Dienstag in den VAE erwartet, wo
er ein Rahmenabkommen über die zivile Nutzung der Atomenergie
unterzeichnen will. Er wird von Areva-Chefin Anne Lauvergeon und deren
Total-Kollegen Christophe de Margerie begleitet.
In einem Interview der arabischen Zeitung "Al-Hajat" sagte Sarkozy, die
islamische Welt habe das Recht zur zivilen Nutzung der Atomenergie im
Einklang mit dem Völkerrecht.
Mit der Situation vertraute Personen hatten der Nachrichtenagentur
Reuters am Freitag in Paris gesagt, die ölreichen VAE wollten den
teuren Rohstoff lieber verkaufen als ihn zur
Elektrizitätsgewinnung verfeuern. Deshalb habe der Golfstaat
Gespräche mit Firmen wie Areva aufgenommen.
(Quelle: rtr)
Iran will binnen vier Wochen Atomprogramm offenlegen
Mo.14.01.08 - Die Überprüfung des iranischen Atomprogramms seitens der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) soll in den kommenden
vier Wochen abgeschlossen werden. Bis dahin will die iranische
Führung alle noch offenen Fragen beantworten, wie IAEA-Sprecherin
Melissa Fleming am Sonntag in Wien mitteilte. Wenige Stunden zuvor war
IAEA-Chef Mohamed ElBaradei aus Teheran zurückgekehrt, wo er
erstmals mit dem geistlichen Oberhaupt des Irans, Ayatollah Ali
Chamenei, sowie mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad
zusammengetroffen war.
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In Teheran habe ElBaradei auch weitere Informationen zu der
«neuen Generationen von Zentrifugen» im Iran erhalten,
erklärte Fleming. Dieses Thema spiele eine wichtige Rolle bei der
Bewertung des iranischen Atomprogramms. Der Iran hätte die von den
Vereinten Nationen angeforderten Informationen eigentlich schon bis
Mitte Dezember bereitstellen müssen. Die Verzögerung
löste im Westen Verärgerung und Rufe nach weiteren Sanktionen
gegen Teheran aus.
Vor allem die USA wollen den Druck aufrechterhalten, obwohl die
US-Geheimdienste zu dem Schluss gelangten, dass die iranische Regierung
trotz ihrer Fortsetzung der Urananreicherung kein Atomwaffenprogramm
mehr verfolgt. US-Präsident George W. Bush bezeichnete den Iran
bei seinem Besuch in Abu Dhabi am Sonntag erneut als eine Bedrohung
für den Weltfrieden und rief die Verbündeten auf der ganzen
Welt dazu auf, gegen Teheran zusammenzustehen, ehe es zu spät sei.
Ayatollah Chamenei erklärte gegenüber ElBaradei, der
Weltsicherheitsrat habe angesichts der Kooperationsbereitschaft
Teherans keinerlei Recht mehr, sich überhaupt noch mit dem
iranischen Atomprogramm zu befassen. Stattdessen solle nur noch die
IAEA eine Klärung der offenen Fragen suchen. Allerdings werde der
Iran sein Programm für die friedliche Nutzung der Atomenergie
niemals aufgeben. Ahmadinedschad äußerte im Gespräch
mit ElBaradei die Hoffnung, dass sich die IAEA nicht dem «Druck
von Großmächten» beugen werde, womit er offensichtlich
auf die USA anspielte.
Der IAEA-Generaldirektor erklärte bei seiner Rückkehr nach
Wien, die Gespräche in Teheran seien insgesamt sehr gut verlaufen.
Seine Sprecherin Fleming fügte hinzu, es sei dabei auch um die
Umsetzung eines Zusatzprotokolls sowie um weitere vertrauensbildende
Maßnahmen gegangen, um den Sicherheitsrat von den friedfertigen
Absichten des iranischen Atomprogramms zu überzeugen.
(Quelle: ap)
London rechnet mit Afghanistan-Mission über Jahrzehnte -
NATO-Soldaten in Afghanistan von eigenen Leuten getötet
Mo.14.01.08 - Die internationale Afghanistan-Mission kann nach Einschätzung des
britischen Verteidigungsministers Des Browne noch mehrere Jahrzehnte
dauern. "Wir dürfen nicht riskieren, dass Afghanistan wieder zu
einem Trainingslager für Terroristen wird, die
Großbritannien bedrohen", sagte er der Wochenzeitung "The
People".
Das Engagement könne noch Jahrzehnte dauern, selbst wenn die
multinationalen Truppen nach und nach abgezogen würden, sagte
Browne. Er bekräftigte damit Armee-Angaben und Aussagen von
Ex-Premierminister Tony Blair, nach denen der "Anti-Terrorkampf" noch
Generationen dauern könne. Derzeit sich rund 60.000
ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert, darunter etwa
8000 Briten.
Niederländische NATO-Soldaten in Afghanistan haben versehentlich
zwei ihrer Landleute sowie zwei befreundete afghanische Rekruten
getötet. Dies teilte das Verteidigungsministerium in Amsterdam am
Sonntagabend mit. Stabschef General Dick Berlijn sprach von einer
«schrecklichen Nachricht».
Demnach kam es zu dem Zwischenfall am Samstagabend bei Kämpfen in
der südlichen Provinz Urusgan. Wegen der Dunkelheit und schlechten
Wetters hätten die Schützen ihre eigenen Kameraden mit
Aufständischen verwechselt. Die befreundeten Afghanen seien
getötet worden, weil sie aufgrund ihrer Zivilkleidung für
Angreifer gehalten worden seien. Bei einem weiteren Zwischenfall sei
auch noch ein niederländischer Soldat verwundet worden.
Die Niederlande haben im Rahmen der NATO-Mission rund 1.650 Soldaten in
Urusgan stationiert. Seit Beginn des Einsatzes im vergangenen Jahr sind
bereits 14 von ihnen ums Leben gekommen.
In der Provinz Helmand riss ein Selbstmordattentäter am Sonntag
einen Polizisten mit in den Tod. Acht Menschen, darunter zwei Kinder,
wurden nach Polizeiangaben bei dem Anschlag in der Stadt Laschkar Gah
verletzt. Der Attentäter versuchte demnach, das Haus des
örtlichen Polizeichefs zu betreten und zündete seinen
Sprengsatz, als er von Wachleuten aufgehalten wurde.
(Quelle: ap)
Mindestens 40 Extremisten bei Kämpfen in Pakistan getötet
Mo.14.01.08 - Bei schweren Kämpfen im Nordwesten Pakistans sind nach
Militärangaben mindestens 40 Extremisten getötet worden.
Ein Armeesprecher sagte am Sonntag, bis zu 300 den radikalislamischen
Taliban nahestehende Aufständische hätten bereits Mitte der
Woche im halbautonomen Stammesgebiet Süd-Wasiristan einen
Stützpunkt der Armee angegriffen.
Daraufhin hätten die Sicherheitskräfte eine Gegenoffensive
gestartet, bei der «40 bis 50» Extremisten getötet
worden seien. Der Sprecher berief sich bei der Opferzahl auf
Geheimdienstberichte. Die Region im Grenzgebiet zu Afghanistan gilt als
Rückzugsraum für Taliban-Kämpfer und El-Kaida-Terroristen.
Unterdessen hat der pakistanische Präsident Pervez Musharraf in
einem Interview gesagt er würde zurücktreten, wenn er merke,
dass die Bevölkerung ihn nicht länger stütze. «Nach
den Ereignissen der vergangenen sieben, acht Monate wäre der
Rückzug das Einfachste», sagte Musharraf in einem Interview
des Hamburger Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». «An
dem Tag, an dem ich zu der Überzeugung komme, dass die Mehrheit
des Volkes mich nicht mehr will, warte ich keine Sekunde und
gehe.»
Musharraf sprach sich gegen eine Untersuchung des Mordes an der
Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto aus, die ihr Witwer gefordert
hatte. Bhutto trifft nach Musharrafs Ansicht eine Mitschuld an ihrem
Tod. «Sie war gewarnt. Aber sie setzte sich darüber hinweg.
Nur sie richtete sich auf und reckte sich aus dem Wagen. Jemand
hätte sie davon abhalten müssen.» Bhutto fiel am 27.
Dezember in der pakistanischen Garnisonsstadr Rawalpindi einem Attentat
zum Opfer.
Der pakistanische Präsident will nach eigenem Bekunden alles tun,
um die für den 18. Februar angesetzte Wahl fair durchzuführen.
«Ich verspreche, dass alles korrekt ablaufen wird. Die Fanatiker
werden niemals die Macht in Pakistan übernehmen.» Musharraf
nannte US- Präsident George W. Bush einen «Freund»,
den er «sehr vermissen» werde. Weder diesem noch der
kommenden US-Regierung will Musharraf allerdings erlauben,
militärische Aktionen auf pakistanischem Boden durchzuführen.
«Militäreinsätze werden von uns durchgeführt, von
sonst niemandem», sagte Musharraf dem «Spiegel».
(Quelle: dpa)
Viele Pakistaner sehen Regierung hinter Mord an Bhutto
Mo.14.01.08 - Nahezu jeder zweite Pakistaner geht einer Umfrage zufolge davon aus,
dass die Regierung hinter dem Mord an Oppositionsführerin Benazir
Bhutto steckt: Nur 17 Prozent der 1300 Befragten waren nach der
Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag zugänglich gemachten
Erhebung von Gallup Pakistan der Ansicht, dass die zweimalige
Regierungschefin Opfer der Islamistengruppe Al-Kaida oder der Taliban
wurde. Zwölf Prozent machten die USA, vier Prozent den Nachbarn
und Erzrivalen Indien für den Tod Bhuttos verantwortlich.
Die Oppositionsführerin war am 27. Dezember am Ende einer
Wahlkundgebung bei einem Schusswaffen- und Bombenattentat getötet
worden. Präsident Pervez Musharraf machte militante Islamisten
für den Anschlag verantwortlich und wies Vermutungen als "Witz"
zurück, er selbst, das Militär oder Sicherheitsdienste
stünden hinter dem Anschlag.
(Quelle: rtr)
29 Tote bei Gefechten in Sri Lanka
Mo.14.01.08 - Die anhaltenden Kämpfe zwischen Regierungstruppen und tamilischen
Rebellen im Norden Sri Lankas haben am Samstag mindestens 29 Menschen
das Leben gekostet. Zu den Gefechten kam es in den Bezirken Vavuniya und
Mannar, wie die Streitkräfte am Sonntag mitteilten. Unter den
Toten sind demnach 26 Separatisten der Befreiungstiger von Tamil Eelam
(LTTE) und zwei Soldaten. Am Freitag hatte die Militärführung
60 Tote bei neuen Gefechten gemeldet.
Die LTTE kämpfen seit 1983 für einen eigenen tamilischen
Staat im Nordosten der Insel Ceylon. In dem Bürgerkrieg wurden mehr
als 70.000 Menschen getötet. Die Gewalt ist in den letzten Tagen
eskaliert, nachdem die Regierung am 3. Januar einen Waffenstillstand
aus dem Jahr 2002 aufkündigte.
(Quelle: ap)
46 Todesurteile in Japan im vergangenen Jahr
Mo.14.01.08 - In Japan sind im vergangenen Jahr so viele Menschen zum Tod verurteilt
worden wie seit fast drei Jahrzehnten nicht. Es seien 46 neue
Todesurteile ergangen, zwei mehr als im Jahr zuvor, berichtete die
Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag. Insgesamt saßen im Jahr 2007
mindestens 106 Verurteilte in der Todeszelle, mehr als jemals zuvor seit
dem Beginn entsprechender Statistiken im Jahr 1980. Neun Verurteilte
wurden hingerichtet, ebenfalls so viele wie seit 1980 nicht.
Im Dezember wurden in Japan drei verurteilte Mörder hingerichtet,
und das Justizministerium nannte erstmals die Namen der Getöteten.
Wegen seiner Praxis, Einzelheiten zu Hinrichtungen geheim zu halten, ist
Japan von Menschenrechtsaktivisten scharf kritisiert worden.
(Quelle: ap)
Zahl der Toten durch Gewalt in Kenia steigt auf fast 700
Mo.14.01.08 - Bei den blutigen Unruhen in Kenia sind nach offiziellen Angaben fast
700 Menschen getötet worden. In den vergangenen fünf Tagen
seien weitere 89 Leichen im Westen des Landes entdeckt worden, sagte ein
ranghoher Polizeivertreter. Ein Vertreter des Roten Kreuzes in Kenia
bestätigte diese Angaben. Derweil starben nach Polizeiangaben vier
weitere Menschen bei Kämpfen im von den Unruhen besonders
betroffenen Rift Valley im Westen des ostafrikanischen Landes.
Die Unruhen wurden durch den unklaren Ausgang der Präsidentenwahl
vom 27. Dezember ausgelöst, nach der sowohl Staatschef Mwai Kibaki
als auch Oppositionsführer Raila Odinga den Wahlsieg für sich
beanspruchen. Internationale Vermittlungsbemühungen sind bislang
gescheitert. Nun soll der frühere UN-Generalsekretär Kofi
Annan vermitteln.
(Quelle: afp)
Zehntausende Georgier protestieren gegen Wahl Saaakaschwilis
Mo.14.01.08 - Etwa 35.000 Menschen haben am Sonntag gegen die ihrer Ansicht nach
manipulierte Wiederwahl des georgischen Präsidenten Michail
Saakaschwili protestiert: Der Kampf gehe bis zur Wiederholung der Wahl
weiter, rief Oppositionsführer Lewan Berdsenischwili der friedlich
demonstrierenden Menge zu. Viele Demonstranten hatten sich weiße
Schals als Symbol ihres Widerstandes gegen eine zweite Amtszeit des
Präsidenten um den Hals gebunden. Die Proteste fanden nicht die
erhoffte Resonanz. So blieb die Zahl der Demonstranten erheblich unter
den erwarteten 100.000 Menschen.
Die staatliche Wahlkommission der früheren Sowjetrepublik hatte
Saakaschwili mit einem Stimmenanteil von 53 Prozent zum Sieger
erklärt. Westliche Beobachter erklärten die Wahl vom 5.
Januar trotz einiger Unregelmäßigkeiten für weitgehend
fair und demokratisch. Der pro-westliche Saakaschwili hatte die
Abstimmung im November nach der Verhängung des Ausnahmezustandes
angesetzt. Er war 2003 nach einer friedlichen Revolution an die Macht
gekommen.
(Quelle: rtr)
Europäische Linke will EU-weite Mindestlöhne
Mo.14.01.08 - Die Partei der Europäischen Linken (EL) will sich für die
Einführung gesetzlicher Mindestlöhne in allen EU-Ländern
einsetzen. Das beschloss der EL-Vorstand am Sonntag auf seiner Tagung
in Berlin. An dem Treffen hatte auch ver.di-Chef Frank Bsirske
teilgenommen. Nach Vorstellung der EL soll der Mindestlohn in jenen
Ländern, in denen es noch keinen gibt, mindestens 50 Prozent des
Durchschnittseinkommens des jeweiligen Landes betragen.
EL-Vorsitzender Lothar Bisky wies darauf hin, dass es mittlerweile in
20 der 27 EU-Mitgliedsstaaten bereits gesetzliche Mindestlöhne in
unterschiedlicher Höhe gebe. Er kritisierte, dass seit dem Vertrag
von Maastricht Lohn- und Sozialdumping «zum Alltag in der
EU» gehöre.
(Quelle: ddp)
Kinderarmut in Deutschland: 1,9 Millionen Kinder leben unter
Hartz-IV-Bedingungen - Experten prangern Versagen der Politik an
Mo.14.01.08 - Sozialexperten haben mehr Chancen- und Bildungsgleichheit für
Kinder und Jugendliche in Deutschland angemahnt. Angesichts von 1,9
Millionen Kindern, die unter Hartz-IV-Bedingungen lebten, müsse ein
Versagen der Politik angeprangert werden, sagte der Bonner
Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge in Hamburg auf einem
Symposium zum Thema "Kinderarmut und Bildung". Eine Spaltung der
Gesellschaft sei bereits bittere Realität, so der Professor.
Armut sei nicht das Ergebnis fehlender individueller
Bildungsanstrengungen, sondern das Resultat profitbestimmter
Verteilungsverhältnisse, sagte Butterwegge weiter. Allein in
Hamburg habe die Kinderarmut extrem zugenommen: In 2003 seien noch 15
Prozent aller Kinder abhängig von staatlichen Transferleistungen
gewesen. Drei Jahre später waren es danach schon 23 Prozent.
Über 67.000 Kinder und Jugendliche in der Elbmetropole seien arm.
Wer in den Regelsätzen 1,57 Euro pro Monat für Bildung
ansetze, der schließe Menschen von jeglicher kultureller Teilhabe
aus, rügte der Experte.
Aufwachsen in Armut bedeute für Kinder vielfältige
Benachteilungen, sagte Helga Treeß von der "Patriotischen
Gesellschaft", die das zweitägige Symposium gemeinsam mit der
Universität Hamburg veranstaltete. Die Folgen seien gesundheitliche
Belastungen, Ausgrenzung und Beeinträchtigungen der emotionalen
und schulischen Entwicklung.
Dringend erforderlich sei eine neue Prioritätensetzung bei den
öffentlichen Ausgaben, so Treeß und warb für eine
Grundsicherung für Kinder und Jugendliche. Außerdem
dürfe Kindergeld nicht auf Hartz-IV- Leistungen angerechnet werden,
Kindertagesstätten und Ganztagsschulen müssten kostenfrei
sein. "Bei uns verhungern Kinder, weil der Staat sich entschlossen hat,
schlank zu bleiben", sagte die Hamburger Sonderpädagogin
Christiane Metlau.
Es müsse Schluss gemacht werden mit dem "entwürdigenden
Umgang mit armen Menschen", heißt es in einem Aufruf des
Symposiums, der an die Hamburgische Bürgerschaft und den Senat
verschickt werden soll. Betroffene dürften nicht länger
sanktioniert und kriminalisiert werden.
(Quelle: epd)
Ministerpräsident Koch will Jugendstrafrecht auch für
Unter-14-Jährige
Mo.14.01.08 - Im Streit um härtere Strafen für kriminelle Jugendliche hat
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) eine Anwendung des
Jugendstrafrechts bei Unter-14-Jährigen gefordert. "In
Ausnahmefällen könnten Elemente des Jugendstrafrechts für
diese Zielgruppe eingesetzt werden", sagte Koch. "Wenn man betrachtet,
wie im entsprechenden Milieu solche kriminellen Karrieren entstehen,
dann muss man über die Anwendung des Jugendstrafrechts
diskutieren." Bundesaußenminister und Vizekanzler Frank-Walter
Steinmeier (SPD) warf Koch bei einer SPD-Wahlkampfveranstaltung in
Kassel einen verantwortungslosen "Wahlkampf mit der Angst" vor.
Koch betonte im Interview mit der "Bild am Sonntag", er wolle keine
Schnellschüsse. Es gebe aber eine sehr aggressive Kriminalität
einer sehr kleinen Gruppe von Menschen unter 14 Jahren. Oft würden
diese Jugendlichen auch noch von Erwachsenen benutzt, die genau auf die
Strafunmündigkeit der Täter setzten.
Außerdem warf der hessische Ministerpräsident der Justiz
fehlende Härte vor. Er sei "gelegentlich sehr verwundert über
unsere Jugendrichter, die ja eigentlich die Instrumente der Härte
zu verwalten haben", sagte Koch. Die Richter, die als einzige Strafen
aussprechen könnten, gingen mit diesem Instrument wenig
selbstbewusst um. Auch bei 20-Jährigen werde noch Jugendstrafrecht
angewendet, um mildere Strafen verhängen zu können. "Das ist
ein falsches Signal", beklagte Koch. "Diese Jugendlichen fürchten
die Haft wie der Teufel das Weihwasser. Genau diese Wirkung wird oft von
Jugendrichtern unterschätzt."
Die Debatte um die Bekämpfung der Jugendkriminalität belastet
zunehmend die große Koalition. Die SPD wirft Koch und der CDU vor,
das Thema für Zwecke des Wahlkmapfes vor der anstehenden Wahl in
Hessen zu instrumentalisieren. Steinmeier sagte bei er
SPD-Wahlkampfveranstaltung in Kassel, Koch gefährde mit seinem Kurs
die Erfolge der großen Koalition in der Integrationspolitik.
SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti sagte, Koch nehme "die Spaltung
der Gesellschaft billigend in Kauf". Zur "kalten Politik" Kochs
böten sie und ihre Partei eine Alternative "mit klarem
sozialdemokratischen Profil". Ypsilanti warf der hessischen
CDU-Landesregierung Versagen in der Schul- und Bildungspolitik vor.
Gleichzeitig habe er Anlauf- und Beratungsstellen für
Ausländer gestrichen und die Zahl der Jugendrichter und Polizisten
verringert. "Worüber redet dieser Ministerpräsident
eigentlich", fragte sie mit Blick auf Kochs Kritik an der
Kriminalität jugendlicher Ausländer.
(Quelle: afp)
Hessen hat laut Experten extremen Anstieg von Jugendgewalt
Mo.14.01.08 - Hessen hat nach einem Bericht der «Süddeutschen
Zeitung» seit dem Regierungsantritt von Ministerpräsident
Roland Koch (CDU) 1999 mit die stärkste Zunahme von Gewalttaten
Jugendlicher zu verzeichnen. Das gehe aus Berechnungen des
Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN) auf Basis der
offiziellen Polizeistatistik hervor, berichtet das Blatt in der
Montagsausgabe.
Demnach stieg die Zahl schwerer und gefährlicher
Körperverletzungen durch 14- bis 18-Jährige in Hessen
zwischen 1999 und 2006 um 66 Prozent, im restlichen Bundesgebiet
dagegen nur um 28 Prozent. Die Gewaltkriminalität Jugendlicher
insgesamt, zu der auch Raub und Vergewaltigung zählen, habe in
Hessen um 35 Prozent zugenommen, in den anderen Ländern um 12
Prozent, hieß es weiter.
(Quelle: ap)
Experte: Familiäre Gewalt oft Ursache für kriminelle
Jugendliche
Mo.14.01.08 - Die Debatte über die Jugendkriminalität sollte nach Ansicht
eines Familienexperten einhergehen mit einer Diskussion über Gewalt
zu Hause. «Die Gewalt in Familien wird in der heutigen Debatte zu
sehr vernachlässigt».
Das sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes katholischer Ehe-,
Familien- und Lebensberater, Erhard Scholl, in einem Gespräch mit
der Deutschen Presse-Agentur dpa in Schweinfurt. «Ohrfeigen werden
heute immer noch als legitimes Erziehungsmittel angesehen.»
Zugleich seien viele Kinder und Jugendliche zunehmend verbaler Gewalt
wie Demütigungen und Beschimpfungen ausgesetzt. Werde der
Nachwuchs straffällig, so liege die Ursache dafür oft im
zerrütteten Elternhaus.
«Wenn ich aus einer Familie komme, wo Konflikte mit Gewalt
gelöst werden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, kriminell zu
werden», sagte der Diplom-Psychologe. Dennoch beobachte er, dass
zunehmend auch verwöhnte Kinder trotz familiär stabiler
Verhältnisse gewalttätig werden. Die Ursache sei dann oft
Perspektivlosigkeit.
Nach Ansicht des Experten sollten kriminelle Jugendliche die
Konsequenzen ihres Handels auch zu spüren bekommen, zum Beispiel
durch Führerscheinentzug. Erziehungscamps seien nur sinnvoll, wenn
den Jugendlichen vermittelt werde, «dass sie auch Menschen sind,
die es verdient haben, geachtet zu werden». Scholl: «Ich
halte nichts davon, sie auf einen Stuhl zu setzen und zu
demütigen.»
(Quelle: dpa)
Nur jeder fünfte Betrieb bildet laut IG Metall aus
Mo.14.01.08 - Die IG Metall hat die Bundesregierung aufgefordert, härter gegen
Betriebe ohne Auszubildende vorzugehen. Es sei «unerträglich
und volkswirtschaftlich nicht hinnehmbar, wenn nur 20 Prozent der
Unternehmen ausbilden, aber alle nach qualifizierten Fachkräften
schreien».
Das sagte IG-Metall-Hauptvorstandsmitglied Regina Görner in einem
Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Statt diese
entscheidende Strukturfrage der beruflichen Bildung endlich
aufzugreifen, kuriere die Bundesregierung wieder einmal nur an Symptomen
herum. Die Beitragszahler der Bundesagentur für Arbeit
müssten für neue Lehrstellenhilfsprogramme «wieder mit
Millionenbeiträgen einspringen».
Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche im Rahmen ihrer
Qualifizierungsinitiative auch die Schaffung von 100 000
zusätzlichen Ausbildungsplätzen für sogenannte
Altbewerber angekündigt. Betriebe, die einen Jugendlichen
einstellen, der sich seit längerem vergeblich um eine Lehrstelle
bemüht, sollen danach Prämien zwischen 4000 und 6000 Euro
erhalten - je nach Lohnsumme des Auszubildenden.
Bei solchen Programmen habe bisher noch niemand «Mitnahmeeffekte
ausschließen können», kritisierte Görner, die der
CDU angehört. Auch die Bundesländer hätten bislang
«allesamt schlechte Erfahrung mit der Subventionierung von
Ausbildungsplätzen gemacht».
Insgesamt seien jedoch die verschiedenen Maßnahmen der
Qualifizierungsinitiative ein Schritt in die richtige Richtung, sagte
Görner. Sie sei eine erste Antwort auf die sich abzeichnenden
Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. «Die Probleme der Zukunft
werden in jedem Fall nicht mit weniger, sondern nur mit mehr Bildung zu
lösen sein.»
Allerdings seien dem Bund seit der Föderalismusreform in der
Bildungspolitik die Hände gebunden. «Während sich Europa
immer mehr als einheitlicher Bildungsraum begreift, balkanisieren wir
in Deutschland unsere Bildungsstrukturen immer weiter.» Die
Bundesregierung habe jetzt ihre Fachkräfteinitiative vorgelegt.
Darüber könne mit den Ländern erst im Herbst geredet
werden. Bis tatsächlich etwas geschehe, werde wieder ein Jahr
verstreichen. Görner: «Das ist ein Trauerspiel.»
(Quelle: dpa)
GDL und Bahn einigen sich auf elf Prozent mehr Lohn
Mo.14.01.08 - Nach ihrem monatelangen Tarifkampf haben sich die Deutsche Bahn und die
Gewerkschaft GDL auf einen eigenständigen Vertrag für
Lokführer und eine Lohnerhöhung von elf Prozent geeinigt.
Neue Streiks seien mit 99-prozentiger Sicherheit ausgeschlossen,
verkündete GDL-Chef Manfred Schell am Sonntag in Frankfurt am
Main. Die Lokführer erhalten neben der Lohnerhöhung eine
Einmalzahlung von 800 Euro und müssen nur noch 40 statt 41 Stunden
in der Woche arbeiten. Auch die Bahn und Bundesverkehrsminister
Wolfgang Tiefensee äußerten sich erleichtert. Die
Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA hielten sich mit einer
Bewertung zurück.
Den Durchbruch brachte ein Gespräch zwischen Schell und Bahnchef
Hartmut Mehdorn am Samstagnachmittag im Bundesverkehrsministerium. Die
Verhandlungen waren zuvor ins Stocken geraten, weil die GDL mit dem
Bahnangebot zu Lohn und Arbeitszeit nicht zufrieden war. Die
Streitigkeiten wurden aber überraschend schnell gelöst und
damit neue Streiks abgewendet.
Hauptvorstand und Tarifvorstand der GDL billigten die Einigung am
Sonntag einstimmig, wie Schell sagte. Der eigenständige
Tarifvertrag soll bis 31. Januar geschlossen sein. «Wir haben
einen guten Abschluss erzielt und schauen jetzt hoffnungsvoll in die
Zukunft.» Auch er habe in den GDL-Gremien um Zustimmung geworben.
Bahn-Personalvorstand Margret Suckale erklärte, die Grenze des
wirtschaftlich Vertretbaren sei überschritten worden. Sie zeigte
sich aber erleichtert, dass die Streikgefahr endgültig abgewendet
sei. «Die jetzt noch offenen Punkte können wir schnell
lösen.» Die Verhandlungen sollten in den kommenden Tagen
fortgesetzt werden, erklärte die Managerin.
Über die wichtigsten Punkte herrscht Einigkeit: Rückwirkend
vom 1. Juli 2007 an sollen die Lokführer eine Einmalzahlung von
800 Euro erhalten. Ab 1. März steigen die Gehälter
zunächst um acht Prozent. Ab September kommen weitere drei Prozent
hinzu, die bis zum Ende der Laufzeit des Tarifvertrags im Januar 2009
gelten. Insgesamt ergibt sich damit eine Anhebung um elf Prozent.
Die Spannbreite der Lohnerhöhungen liegt zwischen 7 und 15
Prozent, wie Schell sagte. «Jeder Lokomotivführer wird netto
mehr haben.» Die 40-Stunden-Woche gilt ab Februar 2009. Eine
Verfassungsbeschwerde der Bahn gegen die Aufhebung eines Streikverbotes
hat laut Schell keine Auswirkungen auf die Einigung.
Die Hauptforderung der GDL war ein eigenständiger Tarifvertrag.
Die Gewerkschaft wollte anfangs bis zu 31 Prozent mehr Lohn,
rückte aber schnell davon ab.
Tiefensee zeigt sich erfreut über die Einigung. «Ich bin
hoch zufrieden, dass wir die letzte Hürde in diesem Tarifkonflikt
genommen haben», sagte der SPD-Politiker in Berlin. Noch am
Samstagmittag hätten die Zeichen auf Streik gestanden. Dann habe
er in stundenlangen Verhandlungen mit den Spitzen der Tarifparteien
eine Einigung erzielt. «Wir haben alles Erdenkliche getan, um die
Blockade zu lösen», sagte Tiefensee zum Engagement seines
Ministeriums. «Das ist die Verantwortung, die der Eigentümer
hat.» Der Durchbruch sei von großer Bedeutung für das
Unternehmen, die Beschäftigten und die Volkswirtschaft.
Tiefensee zeigte sich zuversichtlich, dass es nun auch zu einer
Einigung mit den anderen Bahngewerkschaften kommen wird. Die
Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA äußerte sich
zurückhaltend und will erst eine Bewertung abgeben, wenn konkrete
Zahlen vorliegen. Die Gewerkschaften forderten den Erhalt des
Sozialverbundes im Unternehmen. Tarifverträge dürften nicht
in Widerspruch zueinander stehen.
Transnet und GDBA hatten im Juli mit der Bahn einen Tarifvertrag
geschlossen. Danach erhalten die Beschäftigten 4,5 Prozent mehr
Lohn und eine Einmalzahlung von 600 Euro. Bestandteil dieses Tarifwerks
ist eine Revisionsklausel, die die Gewerkschaften anwenden können,
wenn die Bahn mit einer anderen Organisation bessere Konditionen
vereinbart.
(Quelle: ap)
Unions- und SPD-Politiker fordern Stopp des Gesundheitsfonds
Mo.14.01.08 - Ungeachtet des Machtworts von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
fordern mehrere Politiker der Großen Koalition, die
Gesundheitsreform auszusetzen. "Es wäre besser, die
Gesundheitsreform vorübergehend auszusetzen - und nach der
Bundestagswahl neu zu diskutieren", sagte der Vorsitzende der
SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Ottmar Schreiner,
der "Bild am Sonntag". Es bringe nichts, 2009 den Gesundheitsfonds
einzuführen, wenn dann die Beiträge deutlich stiegen.
Der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union,
Josef Schlarmann (CDU), nannte den Gesundheitsfonds "ein
bürokratisches Monster" und forderte: "Wer den Weg in die
Staatsmedizin stoppen will, muss endgültig auf den Fonds
verzichten." Ähnlich äußerte sich der
Bundestagsabgeordnete und oberfränkische CSU-Bezirksvorsitzende
Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg: "Der Gesundheitsfonds und
seine Auswirkungen sind und bleiben undurchsichtig". Bevor die Koalition
mit einem unausgegorenen Konzept Schiffbruch erleide, sollten es
ausgesetzt werden.
Baden-Württembergs Gesundheitsministerin Monika Stolz (CDU)
plädierte dafür, zunächst die wichtigsten Fragen zu
klären. So müsse erst feststehen, wie groß die Belastung
für die Bürger und die Bundesländer tatsächlich sei.
(Quelle: afp)
Geldanlage - Abzocker haben Hochkonjunktur
Mo.14.01.08 - Das vergangene Jahr hat Anlegern am Grauen Kapitalmarkt Rekordverluste
beschert. Rund 500.000 Investoren wurden nach Angaben des Deutschen
Instituts für Anlegerschutz (DIAS) Opfer betrügerischer
Anbieter. Sie verloren ihr Geld insbesondere durch sogenannte stille
Beteiligungen und Inhaberschuldverschreibungen. Hier registrierte das
Institut eine Zunahme von über 100 Prozent. «Es handelt sich
um eine Abzocke mit System, und den Anlegern sind die enormen
Verlustrisiken meist nicht bewusst», sagt DIAS-Vorstand Volker
Pietsch.
Allein durch den Zusammenbruch verschiedener Anlagegesellschaften
entstand Anlegern laut DIAS ein Schaden von mehr als 1,5 Milliarden
Euro. Für 2008 wird laut Pietsch eine weitere Zunahme erwartet.
Grund dafür sei die Abgeltungssteuer, die 2009 in Kraft tritt.
Schon jetzt würden dubiose Immobilienfonds zur Steuerersparnis
angeboten. Zudem sei zu erwarten, dass künftig vermehrt
«Schrottimmobilien» auf den Markt kämen.
«Altersvorsorge und Abgeltungssteuer sind die Stichworte, mit
denen derzeit die meisten Abzocker arbeiten», sagt Pietsch.
Verbreitet sind weiterhin sogenannte atypisch stille Beteiligungen, bei
denen die Anleger hohe Renditen in Aussicht stellen. Allerdings sind sie
sowohl am Gewinn als auch am Verlust des jeweiligen Unternehmens
beteiligt, und unterliegen unter Umständen sogar einer
Nachschusspflicht, das heißt, sie müssen bei einem
Firmenzusammenbruch noch Geld nachzahlen. Bei Vertragsabschluss werden
zudem oft hohe Gebühren fällig, und eine Kündigung der
bis zu 30 Jahre laufenden Verträge ist nicht möglich.
Äußerst risikoreich sind auch Inhaber-Schuldverschreibungen,
deren Seriosität von Anlegern nur schwer eingeschätzt werden
kann. Am Grauen Markt würden solche festverzinslichen Anleihen oft
von dubiosen Unternehmen angeboten, die keine Bankkredite erhielten,
entsprechend hoch sei das Verlustrisiko, warnt Pietsch.
Während die Produkte der Banken der behördlichen Aufsicht
unterliegen, wird der Graue Kapitalmarkt nicht kontrolliert. Die
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät Anlegern daher zu
größter Vorsicht. Das gelte insbesondere dann, wenn sichere
jährliche Renditen von fünf Prozent und mehr versprochen
würden. In jedem Fall sei es wichtig, sich die Produkte genau
erklären zu lassen, die konkrete Verwendung der Gelder und die
Vertragslaufzeit zu erfragen und die Angebote von neutraler Stelle
prüfen zu lassen.
Anleger, die falsch informiert wurden, sollten sich wehren und ihr Geld
zurückverlangen. Zumal die dreijährige Verjährungsfrist
erst dann beginnt, wenn der Beratungsfehler bemerkt wurde.
«Für einen Schaden haftbar gemacht werden können die
Initiatoren einer Geldanlage, die beteiligten Kreditinstitute sowie
Anlagevermittler oder -berater», sagt Ariane Lauenburg vom Magazin
«Finanztest». Zuvor empfiehlt sich jedoch eine Prüfung
durch die Verbraucherzentrale, wo eine Erstberatung 25 bis 60 Euro
kostet oder einen Rechtsanwalt, der dafür 100 bis 300 Euro
verlangt. Wenig Gedanken um die Kosten müssen sich Anleger mit
einer Rechtsschutzversicherung machen, sofern der Versicherer die Kosten
übernehmen will. Am besten kümmert sich ein Anwalt um die
Deckungszusage beim Versicherer. «Das klappt oft besser, als wenn
der Kunde dort nachfragt», weiß Lauenburg.
Nach Angaben des Deutschen Anlegerschutzbundes (DASB) kann sich
juristische Hilfe auch dann lohnen, wenn ein Vermittler bankrott ist
oder seinen Sitz im Ausland hat. Allerdings raten die Experten davon ab,
auf Werbung von Unternehmen zu vertrauen, die verlorenes Geld
«zurückholen» wollen oder sich Interessengemeinschaften
Geschädigter anzuschließen. Häufig würden sich
dahinter trickreiche Betrüger verbergen oder es handle sich gar um
ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens.
(Quelle: ap)
Verbraucherportal: Strompreise steigen um 7,2 Prozent
Mo.14.01.08 - Deutsche Stromkunden müssen sich nach Erhebungen des
Verbraucherportals «Verivox.de» im neuen Jahr auf
Stromerhöhungen im Schnitt um 7,2 Prozent einstellen.
Nach einer Mitteilung vom Samstag in Heidelberg haben 437
Grundversorger die Strompreise zum 1. Januar erhöht oder werden sie
zum 1. Februar erhöhen. Gemessen an einem Musterhaushalt mit 4000
Kilowattstunden pro Jahr steigen die Preise demnach für die
Grundversorgung von 813 auf 876 Euro pro Jahr. Die Heidelberger
Energieexperten schätzen, dass rund ein Viertel aller Haushalte von
Strompreiserhöhungen betroffen ist.
Mit insgesamt 138 betroffenen Grundversorgern soll es die meisten
Strompreiserhöhungen in Bayern geben. Es folgen Nordrhein-Westfalen
(73 Erhöhungen), Niedersachsen (47 Erhöhungen),
Baden-Württemberg (41 Erhöhungen), Hessen (32
Erhöhungen) und Rheinland-Pfalz (25 Erhöhungen). Lediglich in
Berlin, Bremen und Hamburg müssten die Verbraucher vorerst nicht
mit höheren Preisen rechnen. «Verivox.de» bezeichnet
sich als das «größte unabhängige
Verbraucherportal für Energie und Telekommunikation in
Deutschland».
(Quelle: dpa)
Massenhaft gefälschte USB-Sticks im Handel
Mo.14.01.08 - Im Handel sind derzeit einem Bericht zufolge viele professionell
gefälschte USB-Speichersticks im Umlauf. Diese gaukeln eine
deutlich höhere Speicherkapazität vor, als tatsächlich
verbaut wurde, und löschen ohne Vorwarnung gespeicherte Daten, wie
der Hessische Rundfunk am Samstag vorab berichtete. Das habe das
«ct magazin» bei Testkäufen herausgefunden. Betroffen
sind demnach große Elektronikmärkte, aber auch
Supermarktketten. Dem Bericht zufolge räumte ein Hersteller ein,
Opfer eines Betruges geworden zu sein. Ein anderer sprach laut HR von
einem Produktionsfehler. Die Sendung soll am 19. Januar ausgestrahlt
werden.
(Quelle: ap)
Zehntausende erinnerten in Berlin an Luxemburg und Liebknecht
Mo.14.01.08 - Zehntausende Anhänger der Linken haben am Sonntag in Berlin der
vor 89 Jahren ermordeten Sozialisten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg
gedacht. Eine Demonstration linker Gruppen mit bis zu 10.000 Teilnehmern
verlief nach Angaben der Polizei störungsfrei. Darüber hinaus
ehrten die Spitze der Linkspartei und bis zu 70.000 Anhänger
Luxemburg und Liebknecht an deren Gräbern an der Gedenkstätte
der Sozialisten in Friedrichsfelde.
Zur traditionellen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration aufgerufen hatte
ein Bündnis von 50 linken Gruppen. Motto der Veranstaltung war
«Nichts und niemand ist vergessen - Aufstehen und
widersetzen». Anschließend zog der Sprecher der
Veranstalter, Sebastian Lorenz, eine positive Bilanz. Man sei sehr
zufrieden mit der Resonanz. Allerdings kritisierte er die Polizei, die
den Demonstranten Auflagen gemacht und den Zug mehrfach gestoppt habe.
Fünf Teilnehmer seien teils «sehr rabiat» festgenommen
worden.
Die Polizei bestätigte fünf «freiheitsentziehenden
Maßnahmen» wegen Verstößen gegen das
Versammlungsrecht und einem Fall von Körperverletzung. Dies
ändere aber nichts an der Einschätzung eines
störungsfreien Verlaufs, sagte ein Sprecher. Bei den
Teilnehmerzahlen verwies er auf Angaben der Veranstalter. Zu
befürchteten Zusammenstöße mit rechten
Gegendemonstranten kam es nicht. Eine NPD-Demonstration war vorab
verboten worden.
Bereits am Morgen hatten die Linkspolitiker Lothar Bisky, Gregor Gysi,
Oskar Lafontaine und Petra Pau der Sozialisten an deren Gräbern
gedacht. Im Lauf des Tages kamen Zehntausende, von denen viele Nelken
niederlegten. Die beiden KPD-Führer waren am 15. Januar 1919 von
rechten Freikorpssoldaten ermordet worden.
Die Gedenkdemonstration hatte bereits zu DDR-Zeiten Tradition. Sie
findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im Januar statt. Die Veranstalter
wollen nach eigenen Angaben deutlich machen, dass der Kampf gegen
Ausbeutung und Unterdrückung immer noch aktuell sei. Die
Demonstration verstehe sich als «Zeichen gegen den neoliberalen
Mainstream».
(Quelle: ap)