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Irak am 1392sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Gesetz für Saddams Ex-Funktionäre muss Hürde nehmen.
Richter bei Anschlag getötet
Di.15.01.08 - Das am Samstag vom irakischen Parlament verabschiedete Gesetz für
die Rehabilitierung der Mitglieder der Baath-Partei von Saddam Hussein
muss noch eine Hürde nehmen.
Parlamentarier verschiedener Fraktionen erklärten am Montag in
Bagdad, weil viele Politiker mit dem Gesetz unzufrieden seien,
könne es sein, dass es der dreiköpfige
Präsidentschaftsrat nicht in seiner jetzigen Form absegnen werde.
US-Präsident George W. Bush hatte die Verabschiedung des Gesetzes
als Fortschritt im politischen Prozess begrüßt.
«Das Gesetz ist für die Familien der Baathisten sehr
vorteilhaft, trotzdem befürchten wir, dass es vom
Präsidentschaftsrat nicht so einfach akzeptiert werden wird»,
sagte Salim Abdullah von der Schiiten-Allianz. Taha al-Luhaibi von der
sunnitischen Nationalen Dialogfront erklärte, «einige
Paragrafen des neuen Gesetzes sind schlimmer als das, was in dem alten
Entbaathifizierungsgesetz stand».
Das Gesetz für Verantwortlichkeit und Gerechtigkeit regelt die
Rückkehr aller ehemaligen Parteifunktionäre in den
Staatsdienst, wenn diese in der Ära von Ex-Präsident Saddam
Hussein keine «Verbrechen gegen das irakische Volk»
verübt haben. Es löst das sogenannte Enbaathifizierungsgesetz
ab, mit dem nach dem Sturz des Saddam-Regimes durch die Amerikaner im
Frühjahr 2003 Zehntausende von Parteifunktionären in die
Arbeitslosigkeit geschickt worden waren.
Ein irakischer Richter ist am Montag in Bagdad einem Mordanschlag zum
Opfer gefallen. Auch der Fahrer von Amir Dschaudat al Najeib wurde nach
Angaben des Justizministeriums wurde bei dem Feuerüberfall im
Stadtteil Mansur im Westen der Hauptstadt getötet. Der ranghohe
Richter, der auch Mitglied des Obersten Justizrates ist, war auf dem Weg
in Büro, als er aus zwei Autos heraus von Unbekannten beschossen
wurde.
boa (Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 15.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.15.01.07 - Chefanklägerin am internationalen Strafgerichtshof,
Del Ponte, kritisiert Prozess gegen Saddam Hussein +++ Zehn Tote
bei Gefechten zwischen Soldaten und Aufständischen +++ Festgenommene
Iraner sollen Aufständische Irak unterstützt haben.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701150.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Neun Tote bei Taliban-Anschlag auf Luxushotel in Kabul
Di.15.01.08 - Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Luxushotel in Kabul haben
Taliban-Kämpfer am Montag mindestens sieben Menschen in den Tod
gerissen. Sechs Personen wurden verletzt, wie das afghanische
Innenministerium mitteilte. Ziel des Anschlags war nach Angaben von
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon der norwegische Außenminister
Jonas Gahr Stoere, der im «Serena»-Hotel an einer Konferenz
der norwegischen Botschaft teilnahm. Stoere blieb unverletzt. Ein
Taliban-Sprecher erklärte, vier schwer bewaffnete Kämpfer mit
Sprengstoffwesten hätten das Hotel angegriffen.
Einer von ihnen habe sich in die Luft gesprengt, die anderen
hätten mehrere Salven aus Schusswaffen abgegeben, Handgranaten
geworfen und seien dann geflohen, sagte Taliban-Sprecher Sabjullah
Mudschahid der Nachrichtenagentur AP. Ein Angreifer wurde nach Angaben
des Innenministeriums erschossen. Der Angriff um 18.12 Uhr Ortszeit war
offenbar der erste auf ein Hotel in Kabul seit dem Sturz der Taliban im
Jahr 2001.
Unter den Todesopfern war nach Angaben des Außenministeriums in
Washington mindestens ein US-Bürger. Auch ein Reporter der
norwegischen Zeitung «Dagbladet» kam ums Leben, wie das
Blatt in Oslo mitteilte. Ein weiterer Norweger, ein Mitarbeiter des
Außenministeriums, wurde schwer verletzt.
Außenminister Stoere sagte dem Fernsehsender TV-2, er habe das
Treffen im «Serena» gerade eröffnen wollen, als sich
die Explosionen ereigneten. Alle Teilnehmer seien angewiesen worden,
sich auf den Boden zu legen. Sicherheitskräfte hätten sie
anschließend in Sicherheit gebracht. Der afghanische
Präsident Hamid Karsai habe seine Besorgnis wegen des Anschlags
ausgedrückt und Unterstützung angeboten, erklärte Stoere
weiter.
Eine amerikanische Augenzeugin sagte, sie habe die Leiche einer Frau
gesehen, als sie und weitere Frauen in Sicherheit gebracht worden seien.
Eine zweite Amerikanerin sagte, sie glaube, eine Leiche und mehrere
Blutlachen in der Eingangshalle des Hotels gesehen zu haben.
Ein norwegischer Fotograf berichtete, die Attentäter hätten
mehrere Bomben gezündet. «Es war komplettes Chaos»,
sagte Stian Solum dem Sender NRK. Der Journalist Tor Arne Andreassen von
der Zeitung «Aftenpostens» sagte, eine Hotelangestellte sei
schwer verletzt worden. Das ganze Gebäude habe gebebt und er habe
gesehen, wie auf die Wachposten am Eingangstor Schüsse abgegeben
worden seien.
Die Explosion war so stark, dass sie fast in der ganzen Stadt zu
spüren war. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab.
Rettungswagen und US-Soldaten in Panzerwagen eilten zu dem Hotel.
Das «Serena» ist das beliebtestes Luxushotel in Kabul und
wird häufig von ausländischen Botschaften für
Gesprächsrunden und Feiern genutzt. Es liegt in der Innenstadt von
Kabul in der Nähe des Präsidentenpalastes und verschiedenen
Ministerien. Im Jahr 2003 hat in der Nähe des Intercontinental
Hotels in Kabul eine Rakete explodiert, verletzt wurde niemand.
(Quelle: ap)
US-Präsident Bush wirbt bei Golfstaaten für Front gegen Iran
Di.15.01.08 - US-Präsident George W. Bush hat am Wochenende bei den arabischen
Golf-Anrainern für ein geschlossenes Vorgehen gegen den Iran
geworben: "Der Iran ist heute der weltweit führende
Unterstützerstaat des Terrorismus", sagte Bush bei einer Rede in
Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Die
Islamische Republik müsse rechtzeitig in die Schranken gewiesen
werden. Unterdessen sagte der Iran dem Chef der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei, eine zügige
Beantwortung der bislang ungeklärten Fragen zu Art und Umfang
seines Atomprogramms zu.
Auf der dritten Station seiner Golf-Reise beschuldigte Bush die
Islamische Republik, Extremistengruppen wie die Hisbollah im Libanon,
die palästinensische Hamas und Schiiten-Milizen im Irak zu
unterstützen. "Die Aktivitäten des Iran bedrohen überall
die Sicherheit der Nationen", sagte er. Deshalb stärkten die USA
ihre Sicherheitsversprechen für ihre Freunde am Golf und sammelten
weltweit Verbündete, "um dieser Gefahr entgegenzutreten, bevor es
zu spät ist". Zuvor hatte Bush in Bahrain die Fünfte Flotte
der US-Marine besucht.
Die IAEA teilte nach der Rückkehr ihres Generaldirektors von
zweitägigen Gesprächen in Teheran mit, der Iran wolle die
offenen Fragen zu seinen Atom-Aktivitäten binnen vier Wochen
aufklären. Dies wäre rechtzeitig vor der nächsten Sitzung
des IAEA-Gouverneursrats, bei der ElBaradei einen neuen Iran-Bericht
vorlegen soll. Regierungsvertreter in Teheran hätten dem IAEA-Chef
bereits Informationen über ein Programm zu modernen
Uran-Zentrifugen übergeben, hieß es weiter. Mit solchen
Geräten, zu deren Entwicklungszentren die IAEA bislang keinen
Zugang hat, könnte der Iran wesentlich schneller Uran anreichern
als mit den bisher verwendeten Zentrifugen, die im Zentrum des
Atomstreits mit dem Westen stehen.
ElBaradei war im Iran unter anderem mit der höchsten politischen
Instanz des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, sowie mit Präsident
Mahmud Ahmadinedschad zusammengetroffen. Dabei warb er nach IAEA-Angaben
auch dafür, dass der Iran umfangreichere Inspektionen seiner
Atomanlagen zulassen und andere Forderungen des UN-Sicherheitsrats
erfüllen solle, um die friedlichen Absichten seiner
Urananreicherung zu beweisen. Westliche Regierungen verdächtigen
die Islamische Republik, nach Atomwaffen zu streben, was die Regierung
in Teheran bestreitet.
Bush bezeichnet den Iran trotz eines US-Geheimdienstberichts vom
vergangenen Monat, demzufolge der Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm
2003 eingestellt haben soll, weiterhin als Bedrohung. Die arabischen
US-Verbündeten teilen zwar seine Sorge über einen zunehmenden
regionalen Einfluss der Islamischen Republik, wollen diesen aber ohne
militärische Gewalt eindämmen. So hat Kuwait wiederholt
erklärt, keine Angriffe auf den Iran von seinem Boden aus
zuzulassen. Saudi-Arabien erklärte vor Bushs Ankunft am Golf, es
werde ihm zwar zuhören, stehe aber in direktem Kontakt mit dem Iran
und könne eventuelle Probleme selbst ansprechen.
(Quelle: rtr)
Israels Ministerpräsident Olmert hält sich im Atomstreit mit
Iran alle Optionen offen
Di.15.01.08 - Israel hält sich nach Worten von Ministerpräsident Ehud
Olmert alle Optionen offen, um den Iran am Bau von Atomwaffen zu
hindern. Sein Land werde sich nicht mit einer Atommacht Iran abfinden,
sagte Olmert am Montag vor dem Parlamentsausschuss für
Außenpolitik und Verteidigung, wie ein Teilnehmer der Sitzung
mitteilte. Der Informant wollte anonym bleiben, weil die Sitzung nicht
öffentlich war. Alle Optionen, mit denen der Iran an einem
Atomwaffenprogramm gehindert werden könne, seien legitim, zitierte
der Gewährsmann den Regierungschef.
Es ist Olmerts bisher klarster Hinweis darauf, dass er auch
militärische Mittel einsetzen würde, um den Irans am Bau von
Atomwaffen zu hindern. Israel betrachtet den Iran als seinen
gefährlichsten Feind. Der iranische Präsident Mahmud
Ahmadinedschad hat mehrfach erklärt, Israel müsse von der
Landkarte ausradiert werden. Der Iran ist wegen seines Atomprogramms
international unter Druck. Die Regierung in Teheran betont, dass das
Programm ausschließlich der friedlichen Nutzung der Atomenergie
dient.
(Quelle: ap)
Israelis und Palästinenser erörtern Hauptstreitpunkte
Di.15.01.08 - Mit gedämpften Erwartungen haben Israelis und Palästinenser
Beratungen über die besonders strittigen Fragen des
Nahost-Konflikts aufgenommen. Drei Tage nach dem Besuch von
US-Präsident George W. Bush in der Region legten Israels
Außenministerin Zipi Livni und der palästinensische
Unterhändler, Ex-Ministerpräsident Ahmed Kureia, bei einem
Treffen in Jerusalem den Grundstein für weitere
Gesprächsrunden "in einem intensiven Rhythmus", wie Livnis Sprecher
Arjeh Mekel sagte. Israels Regierungschef Ehud Olmert
äußerte sich jedoch skeptisch über die
Erfolgsaussichten. Im Atomstreit mit dem Iran zeigte sich Olmert zu
allen Mitteln entschlossen.
Die Gespräche über eine "dauerhafte Regelung" des Konflikts
seien "in einem konstruktiven Klima" verlaufen, sagte Mekel nach dem
Treffen. Die schwierigsten Streitfragen seien zur Sprache gekommen.
Beide Seiten hätten verabredet, sich in schneller Folge
regelmäßig zu treffen. Die palästinensische Delegation
äußerte sich zunächst nicht zu dem Treffen.
Zu den Hauptstreitfragen des Konflikts zählen der Status von
Jerusalem, die palästinensischen Flüchtlinge und der
Grenzverlauf eines künftigen Palästinenserstaates sowie die
jüdischen Siedlungen. Es war das erste Treffen zwischen Israelis
und Palästinensern seit dem Besuch von Bush in Israel und dem
Westjordanland in der vergangenen Woche.
Olmert sagte in Jerusalem vor dem parlamentarischen Außen- und
Verteidigungsausschuss, er sei "nicht sicher, ob wir ein Abkommen
erreichen und es umsetzen können". Er beginge aber eine
Pflichtverletzung als Regierungschef, wenn er es nicht versuchen
würde.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sind durch die
De-facto-Spaltung der Palästinensergebiete in ein von seiner
gemäßigten Fatah regiertes Westjordanland und einen von der
radikalislamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen die Hände noch
stärker gebunden. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri erklärte, die
Gespräche zwischen Livni und Abbas' Gesandtem Kureia seien wegen
der israelischen "Verbrechen" von vornherein "zum Scheitern bestimmt".
(Quelle: afp)
Zwei Palästinenser bei israelischem Luftangriff getötet
Di.15.01.08 - Bei einem Luftangriff der israelischen Armee sind am Sonntag zwei
palästinensische Extremisten im Gazastreifen ums Leben gekommen:
Einer der beiden Männer sei für den Abschuss von Raketen nach
Israel verantwortlich gewesen, erklärte das Militär. Der
andere war demnach "in Aktionen gegen Israelis" verwickelt.
Palästinensische Krankenhausmitarbeiter identifizierten eines der
Opfer als den Chef der Extremistengruppe "Armee des Islam" in Gaza,
Maher al-Mabhuh. Die Gruppe war dort an der Entführung des
israelischen Soldaten Gilad Schalit im Juni 2006 beteiligt. Der Rekrut
gilt immer noch als verschleppt. Der andere Getötete, Nidal
al-Amudi, hatte den Al-Aksa-Brigaden angehört. Die israelische
Armee nannte die gleichen Namen.
(Quelle: rtr)
UN rufen zu baldiger Wahl in der Elfenbeinküste auf - Einigung auf
Resolution im Weltsicherheitsrat
Di.15.01.08 - Die Vereinten Nationen dringen auf eine Präsidentenwahl in der
Elfenbeinküste bis Juni, um den Friedensprozess in dem
westafrikanischen Land zu befestigen. Der Sicherheitsrat in New York
verständigte sich auf eine Resolution, die das Mandat der
UN-Friedenstruppe verlängert. Alle Mitglieder des Rats hätten
einem von Frankreich eingebrachten Resolutionsentwurf zugestimmt, sagte
am Montag der amtierende Vorsitzende Giadalla Ettalhi aus Libyen. Die
Abstimmung ist für den (heutigen) Dienstag geplant.
Der UN-Gesandte für die Elfenbeinküste, Choi Young Jin,
unterrichtete den Sicherheitsrat über die gegenwärtige Lage in
dem westafrikanischen Land. Nach einem Putschversuch im Jahr 2002 kam
es zum Bürgerkrieg und zur faktischen Zweiteilung des Landes. Ein
Friedensabkommen im März vergangenen Jahres beendete den Konflikt
und leitete einen langwierigen politischen Prozess ein. So
verzögerten sich die Wahlen, die ursprünglich bis zum 31.
Oktober 2007 hätten stattfinden sollen.
Die Resolution verlängert das Mandat für die 9.200 Mann der
UN-Friedenstruppe und für 3.500 französische Soldaten. Es
unterstützt einen am 28. November vereinbarten Zeitplan, wonach bis
Ende Juni dieses Jahres eine Präsidentenwahl stattfinden soll. Bei
den Beratungen am Montag sei deutlich geworden, dass die Wahl eine
sorgfältige Vorbereitung erfordere, sagte die stellvertretende
britische UN-Botschafterin Karen Pierce.
Der Entwurf der Entschließung fordert die Parteien des Landes
auf, ihre Bemühungen für die Wahlen zu verdoppeln. Die
geplante Resolution verlangt außerdem die Entwaffnung aller
Milizen, die Vereinigung und Umstrukturierung der Streitkräfte und
die Wiederherstellung der staatlichen Autorität im gesamten Land.
(Quelle: ap)
Kasachstan: Einigung über Erschließung von
Kaschagan-Ölfeld
Di.15.01.08 - Der kasachische Energiekonzern KazMunaiGas hat sich mit einem vom
italienischen Eni-Konzern geführten Konsortium über die
Erschließung des riesigen Ölfeldes Kaschagan im Kaspischen
Meer geeinigt.
Alle in dem Konsortium vertretenen Firmen hätten dem Geschäft
zugestimmt, teilte Kazmunaigas am Sonntag mit.
In mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen hieß es, der Anteil
von KazMunaiGas werde sich auf 16,51 Prozent verdoppeln, während
die bisherigen Großaktionäre ihre Anteile auf ein
ähnliches Niveau reduzierten. Die größten Anteilseiger
der Gruppe, Eni, Royal Dutch Shell, Exxon Mobil und Total hielten
bislang jeweils 18,52 Prozent.
Kasachstan hatte eine Erhöhung des Anteils des Staatsunternehmens
verlangt. Kasachstan folgt damit dem Beispiel von Ländern wie
Venezuela, die angesichts steigender Rohstoffpreise die natürlichen
Ressourcen des Landes unter verstärkte staatliche Kontrolle
bringen. Ursprünglich sollte mit der Ölförderung in
Kaschagan 2005 begonnen werden. Jetzt wird als Beginn 2010 angepeilt.
Die Gesamtkosten stiegen von anfangs 57 Milliarden Dollar auf nunmehr
136 Milliarden Dollar.
(Quelle: rtr)
Russland bestellt britischen Botschafter ein
Di.15.01.08 - Moskau hat den britischen Botschafter in Russland, Anthony Brenton, ins
Außenministerium einbestellt. Grund sei die Öffnung zweier
russischer Filialen des Kulturinstituts British Council entgegen dem
Verbot der Behörden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter
Berufung auf einen hochrangigen Beamten des Außenministeriums. Das
russische Außenministerium hatte Anfang Dezember die
Schließung aller Regionalbüros des Instituts ab dem 1. Januar
angeordnet.
Die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien hatten sich
zuvor wegen des Streits um den in London ermordeten ehemaligen
KGB-Agenten Alexander Litvinenko stetig verschlechtert. Moskau hatte von
Großbritannien erfolglos die Auslieferung eines russischen
Verdächtigen verlangt.
(Quelle: afp)
Serbien beschließt Reaktion auf Kosovo-Unabhängigkeit
Di.15.01.08 - Serbien hat als Reaktion auf eine einseitige
Unabhängigkeitserklärung des Kosovo eine Reihe von
Strafmaßnahmen verabschiedet: Das Kabinett habe seine Reaktion am
Montag in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen, teilte die
Regierung mit. Die Einzelheiten des Plans wurden geheimgehalten.
Neben einem Handels- und Lieferembargo plant Serbien Regierungskreisen
zufolge unter anderem eine Unterbrechung der Energieversorgung und die
Blockade von Überland-Stromleitungen. Die Provinz bezieht 40
Prozent ihrer Energie von Serbien. "Das Dokument ist der Ausdruck der
geeinten Politik gegenüber dem Kosovo", hieß es in der
Erklärung der Regierung.
Die Regierung in Belgrad kann zudem die Anerkennung von Pässen
verweigern, die im Kosovo ausgestellt wurden, und Reisende damit zu
langen Umwegen zwingen. Auch könnte sie ihre Botschafter aus
Ländern abberufen, die die Unabhängigkeit des Kosovo
anerkennen. Ein solcher Schritt gehört zu den üblichen
diplomatischen Druckmitteln.
Einem Regierungsvertreter zufolge hat jedes Ministerium Maßnahmen
zu dem Plan beigesteuert, darunter Vorbereitungen auf einen
möglichen Zustrom von serbischen Flüchtlingen aus der
mehrheitlich von Albanern bewohnten Provinz. "Der Plan ist vor allem
eine Demonstration der Stärke", sagte der Vertreter, der nicht
namentlich genannt werden wollte. "Das heißt nicht, dass diese
Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden."
Die Regierung in Belgrad wehrt sich gegen eine Abspaltung der von den
UN verwalteten Provinz. Nach dem Scheitern von Verhandlungen haben die
Kosovo-Albaner angekündigt, ihre Souveränität
demnächst einseitig zu erklären. Die USA und die meisten
EU-Staaten - darunter auch Deutschland - werden den Schritt
voraussichtlich anerkennen.
Nach den Worten des nationalistischen Favoriten bei der
Präsidentenwahl wird Serbien wegen des Kosovo keine internationale
Isolation riskieren. Das Kernland des ehemaligen Jugoslawien sei aber
auch nicht bereit, seine Provinz um einer Aufnahme in die
Europäische Union willen aufzugeben, sagte Tomislav Nikolic von der
rechtsextremen Radikalen Partei. Er liegt in den Umfragen zur ersten
Wahlrunde am Sonntag knapp vor dem vom Westen unterstützten,
gemäßigten Amtsinhaber Boris Tadic. Um Tadics Chancen in der
Stichwahl am 3. Februar zu verbessern, erwägt die EU, noch im
Januar mit Serbien ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen zu
unterzeichnen, das als wichtiger Schritt auf dem Weg in die
Gemeinschaft gilt.
(Quelle: rtr)
EU-Arbeitskommissar Spidla unterstützt Lohnforderungen in
Deutschland
Di.15.01.08 - Die deutschen Gewerkschaften haben in der laufenden Tarifrunde
Rückendeckung von EU-Arbeitskommissar Vladimir Spidla erhalten.
«Diejenigen, die die Wohlstandszuwächse eines Landes
erarbeiten, sollen auch daran teilhaben», sagte Spidla der
«Berliner Zeitung». Dies sei die Grundlage des
europäischen Sozialmodells. Insofern sei die Forderung der
deutschen Arbeitnehmer nach kräftigen Lohnzuwächsen legitim.
«Wirtschaftlicher Fortschritt und sozialer Fortschritt müssen
miteinander einhergehen», betonte Spidla.
Ein Anstieg der Reallöhne sei prinzipiell in ganz Europa
wünschenswert, erklärte der EU-Kommissar. Er wollte sich
jedoch nicht darauf festlegen, welcher Anstieg angemessen ist und ab
welcher Schwelle der Wirtschaftsaufschwung in Gefahr geraten
könnte. «Das haben diejenigen zu entscheiden, die die
Lohnverhandlungen führen», sagte Spidla.
Angesichts der starken Konjunktur fordern die deutschen Gewerkschaften
für ihre Mitglieder in diesem Jahr erneut deutliche
Tarifzuwächse: Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di will für
die die 1,3 Millionen Beschäftigten des Bundes und der Kommunen
mindestens acht Prozent mehr Geld durchsetzen. Die Chemie-Gewerkschaft
IG BCE fordert bis zu sieben Prozent. Auch in der Metall- und
Elektroindustrie mit ihren mehr als drei Millionen Beschäftigten
zeichnen sich harte Tarifverhandlungen ab.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsministerium kritisiert Mindestlohngesetzentwürfe
Di.15.01.08 - Die beiden neuen Mindestlohn-Gesetzentwürfe von Arbeitsminister
Olaf Scholz (SPD) stoßen im Bundeswirtschaftsministerium auf
Kritik. Die Pläne gingen "in einigen Punkten über
Vereinbarungen des Koalitionsausschusses vom Juni" hinaus oder legten
"unklare Passagen" der Absprachen zwischen Union und SPD
"mindestlohnfreundlich" aus, heißt es in einem ersten Vermerk des
Ministeriums, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" zitiert.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) werde deshalb auf eine
"restriktive Umsetzung" der Absprachen bestehen. Auch beim Deutschen
Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stießen die
Gesetzentwürfe auf heftigen Protest.
Besonders kritisch beurteilen Glos' Beamte vor allem die Neufassung des
sogenannten Mindestarbeitsbedingungengesetzes, die Branchen mit
schwachen Gewerkschaften zu Lohnuntergrenzen verhelfen soll. Auch einige
Änderungen am Arbeitnehmerentsendegesetz fielen bei ihnen durch.
Sie entsprächen nicht den Vereinbarungen zwischen SPD und Union
und räumten dem Arbeitsminister zu weitgehende Kompetenzen bei der
Verordnung von Mindestlöhnen ein, während die Tarifparteien
geschwächt würden, hieß es laut "SZ" in dem
Ministeriumsvermerk.
In der "Financial Times Deutschland" bezeichnete DIHK-Präsident
Ludwig Georg Braun die Pläne als "schwerwiegenden
wirtschaftspolitischen Fehler". Als Folgen drohten eine Zunahme der
Schwarzarbeit und der Verlust von "dringend benötigten Jobs im
Niedriglohnsektor."
Die SPD dringt gemeinsam mit den Gewerkschaften weiter auf einen
gesetzlichen Mindestlohn. Dafür sprachen sich SPD-Chef Kurt Beck
und der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber nach einer gemeinsamen
Sitzung des SPD-Präsidiums mit der Gewerkschaft in Frankfurt am
Main aus. Dieser Mindestlohn müsse klar über den
Sozialleistungen liegen, sagte Beck. Die Höhe soll nach den
Vorstellungen der SPD durch eine Kommission aus Vertretern von
Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Wissenschaft erarbeitet werden. Als
mögliche Größenordnung nannte Beck sieben bis 7,50 Euro.
Die Union ist weiter gegen einen flächendeckenden Mindestlohn. In
den nächsten Monaten gehe es um die Abstimmung des Entwurfs von
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) auf Kabinettsebene, sagte
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nach einer
Präsidiumssitzung in Berlin. Er hob hervor, es gebe bis heute
keinen Antrag einer weiteren Branche auf Aufnahme ins Entsendegesetz.
Scholz hatte Gesetzentwürfe erarbeiten lassen, um
Branchen-Mindestlöhne über das Entsendegesetz festlegen zu
können und um das Mindestarbeitsbedingungengesetz anzupassen.
(Quelle: afp)
Arbeitsminister Scholz plant neue Hürde für Investoren aus
dem Ausland
Di.15.01.08 - Bundesarbeitsminister Olaf Scholz drängt einer Zeitung zufolge auf
eine Verschärfung der Regierungspläne zum Schutz deutscher
Unternehmen vor ausländischen Beteiligungen.
Der SPD-Politiker fordere, bei der geplanten Prüfung
ausländischer Investitionen auch die "Interessen der Arbeitnehmer
zu berücksichtigen", zitierte das "Handelsblatt" (Montagsausgabe)
laut Vorabbericht Regierungskreise. Damit könnte eine
Regierungsgenehmigung auch vom Erhalt von Arbeitsplätzen
abhängig gemacht werden.
Mit seiner Forderung torpediert Scholz nach dem Bericht die Pläne
der Regierung zur Kontrolle ausländischer Investitionen.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) lehne die Forderung des
Arbeitsministers als "protektionistischen Eingriff" kategorisch ab. Auch
das Finanzministerium und das Bundeskanzleramt hielten von einer solchen
Ausweitung der Investitionskontrolle wenig. Nach dem bisher
vorliegenden Gesetzentwurf wolle sich die Regierung ein Mitspracherecht
für Beteiligungen vorbehalten, durch die die öffentliche
Sicherheit und Ordnung gefährdet sein könnte.
(Quelle: rtr)
Rücklagen der Rentenkassen auf 11,7 Milliarden gestiegen
Di.15.01.08 - Die gesetzlichen Rentenversicherungen haben im vergangenen Jahr einen
Milliardenüberschuss erzielt. Die Rücklagen der Rentenkassen
hätten sich 2007 um 2,1 Milliarden Euro auf 11,7 Milliarden Euro
erhöht, berichtete das "Handelsblatt". Vor einem Jahr hatte die
Bundesregierung noch ein Abschmelzen der Rücklagen auf 5,8
Milliarden Euro vorhergesagt und deswegen den Beitragssatz von 19,5 auf
19,9 Prozent angehoben.
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Grund für die positive Finanzentwicklung sei nun neben der
Beitragserhöhung vor allem die gute Konjunktur, heißt es in
dem "Handelsblatt"-Bericht. Der Anstieg war auch wegen des Vorziehens
der Fälligkeitsfristen erwartet worden, durch die eine
Monatseinnahme mehr hinzu kam.
Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) teilte auf Anfrage in Berlin
mit, die Beitragseinnahmen der Rentenversicherung hätten 2007 bei
insgesamt 173,8 Milliarden Euro gelegen. Zum Jahresende verfügte
die Rentenversicherung demnach über liquide Mittel in Höhe von
rund zwölf Milliarden Euro. Die endgültigen Werte zur
Nachhaltigskeitsrücklage und damit zum Jahresüberschuss der
Rentenversicherung lägen noch nicht vor.
(Quelle: afp)
Union und FDP für Steuersenkungen in nächster
Legislaturperiode - Zweites Strategietreffen in Berlin
Di.15.01.08 - Union und FDP sind sich am Montagabend bei einem Strategietreffen in
Berlin näher gekommen. Vertreter von CDU, CSU und Liberalen
sprachen sich übereinstimmend für Steuersenkungen in der
nächsten Legislaturperiode aus. Darüber hinaus sei man sich
einig, dass bei den in knapp zwei Wochen anstehenden Landtagswahlen in
Hessen und Niedersachsen eine «bürgerliche Mehrheit»
aus CDU und FDP erreicht werden müsse, erklärten
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und FDP-Generalsekretär
Dirk Niebel.
Sie kündigten an, die «freundschaftlichen»
Gespräche fortsetzen zu wollen. Das Treffen in der FDP-Zentrale in
Berlin, zu dem Niebel und Pofalla eingeladen hatten, war das zweite
dieser Art. Erstmals hatten sich Bundestagsabgeordnete von Union und FDP
im Konrad-Adenauer-Haus im September getroffen. Anders als beim ersten
Mal waren am Montag auch Abgeordnete der CSU eingeladen.
Pofalla sagte, man sei sich einig, dass die Leistungsträger in
Deutschland durch eine Steuerreform gestärkt und entlastet werden
müssten. Dazu sei eine Steuerreform nach der nächsten
Bundestagswahl nötig. Darüber hinaus müssten die
Lohnnebenkosten gesenkt werden, damit die Menschen mehr Netto vom Brutto
bekämen. Bei den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen
müsse eine rot-rot-grüne Koalition verhindert werden, sagte
Pofalla.
Er wies darauf hin, dass die Arbeit in der großen Koalition mit
der SPD «das eine» sei, Kontaktpflege mit der FDP
«etwas anderes». «Das ist ein schöner Abend, den
ich gerne an anderer Stelle wiederholen möchte.» Pofalla
hatte am Montagmittag bereits nach einer Sitzung des CDU-Präsidiums
deutlich gemacht, dass das Gespräch nichts mit dem aktuellen Krach
in der großen Koalition zu tun habe.
Niebel sagte, man sei sich über das Ziel einig, Mehrheiten links
der Mitte verhindern zu wollen. Zudem müsse das Steuersystem in
Deutschland reformiert werden. Es sei ein sehr freundschaftliches
Gespräch gewesen.
Der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im
Bundestag, Hartmut Koschyk, erklärte, man sei sich einig, dass sich
Haushaltskonsolidierung und weitere Steuerentlastungen durchaus
vertrügen. Das nächste Treffen werde in der Bayerischen
Vertretung in Berlin stattfinden. Da Generalsekretärin Christine
Haderthauer wegen der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion in Kreuth
nicht nach Berlin kommen konnte, wurde die Gruppe der Christsozialen von
Koschyk angeführt.
Bereits nach ersten Strategiegespräch im September hatten Pofalla
und Niebel ausdrücklich betont, es habe sich nicht um Verhandlungen
über eine künftige Koalition gehandelt, sondern um ein
Treffen zwischen demokratischen Parteien. Damals war die CDU Gastgeber
gewesen.
(Quelle: ap)
Linke will mit Alltagsthemen punkten
Di.15.01.08 - Mit Themen wie Mindestlohn und Bekämpfung von Alters- und
Kinderarmut will die Linke in den kommenden Monaten bei den Wählern
punkten und auch im Westen zulegen. Knapp zwei Wochen vor den
Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen traf sich die
Bundestagsfraktion am Montag zu einer Klausur in Kassel, um den Kurs
für den «Dauerwahlkampf» bis zur Bundestagswahl 2009
abzustecken. Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine warnte davor,
sich mit dem bisher Erreichten zufrieden zu geben. «Noch sind die
Ergebnisse bescheiden», mahnte er.
2007 habe die Linke zwar Erfolge verzeichnet, «aber wir sind erst
am Anfang», hieß es in einer Botschaft an die Abgeordneten.
Die Wahlen in den kommenden Monaten entschieden darüber, ob auch
2008 ein Jahr der Linken werde. Nur wenn es gelinge die Wähler zu
überzeugen, dass ein Erstarken der Linken in Gemeinden und
Ländern das tägliche Leben von Rentnern, Arbeitnehmern und
Empfängern sozialer Leistungen verbessere, «werden wir weiter
wachsen».
Als große Aufgaben nannte er in dem Papier faire Löhne,
armutsfeste Renten, die Rekommunalisierung der Energieversorgung und
eine neue Außenpolitik, die das Völkerrecht beachte. Beim
Mindestlohn warf Lafontaine der SPD Unglaubwürdigkeit vor.
«Mit uns hätte sie sofort den Mindestlohn», sagte er
dem ZDF. Zudem sprach er sich in Interviews für ein Gesetz gegen
Lohnsenkungen aus, um zu verhindern, dass Arbeitgeber die Löhne auf
Mindestniveau senken. Auch mit Blick auf die Anrechnung von
Riester-Renten auf die Grundsicherung im Alter warf er der
Bundesregierung Rentenbetrug vor. Angesichts des «Skandals»
wachsender Kinderarmut müssten Kinderzuschlag und -geld angehoben
werden. Gegen die «Abzocke der Großkonzerne» forderte
er, die Energieversorgung wieder in kommunale Hände zu nehmen.
Nach dem Wahlerfolg in Bremen voriges Jahr könnte die Linke
Umfragen zufolge am 27. Januar erstmals in einem westdeutschen
Flächenland den Einzug ins Parlament schaffen. Ko-Fraktionschef
Gregor Gysi hofft in Hessen auf sechs und in Niedersachsen auf fünf
Prozent, wie er dem Deutschlandradio sagte. Über eventuelle
Regierungsbeteiligungen wollte er nicht spekulieren. «Wenn wir
überhaupt in einen Landtag einziehen, bin ich schon
zufrieden.» Niederlagen wären «ein Rückschlag
für uns», räumte Lafontaine ein. Persönliche
Konsequenzen verneinte er jedoch.
Für den Montagabend waren eine Reihe von Wahlkampfveranstaltungen
in Hessen und Niedersachsen vorgesehen. Gysi wollte in Kassel,
Lafontaine in Langenselbold bei Hanau auftreten.
Am heutigen Dienstag berät die Fraktion mit den Spitzenkandidaten
Tina Flauger und Willi van Ooyen über den Schlussspurt im
niedersächsischen und hessischen Wahlkampf. Mittags berichten
Fraktionschefs und Kandidaten gemeinsam auf einer Pressekonferenz
über die Ergebnisse der Klausur.
(Quelle: ap)
Ministerpräsident Koch mit neuem Vorstoß zu Jugendgewalt
isoliert
Di.15.01.08 - Hessens Ministerpräsident Roland Koch ist mit seinem Vorstoß
zur Anwendung von Jugendstrafrecht auf Kinder auch in der eigenen Partei
auf Widerstand gestoßen.
Die CDU-Spitze distanzierte sich am Montag in Berlin von Kochs
Vorschlag, in Einzelfällen auch unter 14-Jährige nach
Jugendstrafrecht zu verurteilen. "Kein Mensch in der CDU will Kinder in
Gefängnissen", sagte Generalsekretär Ronald Pofalla. Eine
Absenkung der Strafmündigkeit werde es nicht geben, sagten Pofalla
und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff
(CDU). SPD, FDP und Grüne forderten Kanzlerin Angela Merkel auf,
Koch zur Ordnung zu rufen.
Merkel selbst machte sich Kochs Vorschlag nicht zu eigen. In der von
ihr vertretenen Wiesbadener Erklärung der CDU sei zur
Strafmündigkeit nichts enthalten, sagte Vize-Regierungssprecher
Thomas Steg. Für Dienstag kündigte Merkel überraschend
eine Pressekonferenz in Berlin an. Pofalla sagte, für 12- oder
13-Jährige müssten Lösungen außerhalb des
Strafrechts gefunden werden, etwa über die Jugendhilfe. Wulff
betonte: "Kinder sind Kinder und da stellt sich die Frage vor allem nach
den Eltern."
Koch selbst relativierte seine Äußerung. "Die Zuspitzung,
die das Ganze erfahren hat, hat mich selbst überrascht." Er wolle
keine Kinder ins Gefängnis stecken. In Betracht kämen aber
Erziehungsheime. "Wie müssen uns etwas einfallen lassen, wie wir
mit Jugendbanden umgehen und insbesondere auch mit dem Umstand, dass
versucht wird, sich die Strafunmündigkeit von 12- und
13-Jährigen zunutze zu machen", sagte er.
Zunächst gehe es um die jüngsten Unionsforderungen aus
Wiesbaden. Dazu zählen die Erhöhung der Höchststrafe von
zehn auf 15 Jahre und die Verhängung eines Warnarrests parallel zur
Bewährungsstrafe. Die Diskussion darüber, was mit Kriminellen
unter 14-Jährigen geschehen solle, müsse langfristig mit
Fachleuten geführt werden, sagte Koch.
Scharfe Kritik kam von der SPD. "Wer fordert, 12-Jährige ins
Gefängnis zu schicken, verletzt jedes menschliche Maß", sagte
Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier zu Reuters. Grünen-Chef
Reinhard Bütikofer nannte Koch den "Hetzer der Woche". Er warf ihm
zudem vor, sich in der Debatte über den Umgang mit
ausländischen Kriminellen "astreiner NPD-Sprache" zu bedienen.
FDP-Fraktionsvize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, Koch habe
sich vollkommen vergaloppiert.
Die CDU setzte der SPD in der Debatte über Maßnahmen gegen
kriminelle Jugendliche der SPD eine Frist bis Ende der Woche. Die
Sozialdemokraten müssten bis dahin "klipp und klar" ihre Position
darlegen, forderte Pofalla. Noch vor den Landtagswahlen in Hessen und
Niedersachsen am 27. Januar müsse deutlich werden, ob die Koalition
an einem Strang ziehe und wo es Unterschiede gebe. Wenn die SPD wie die
CDU gesetzlichen Änderungsbedarf sehe, könnten noch diese
Woche Initiativen in Gang kommen. Das CDU-Präsidium setzte eine
Arbeitsgruppe "Sicherheit im öffentlichen Raum" aus Vertretern von
Bund, Ländern und Kommunen ein, die Praxisvorschläge
erarbeiten soll.
Steinmeier warnte die CDU davor, die weitere Koalitionsarbeit zu
gefährden. Wer Jugendgewalt als Wahlkampfthema instrumentalisiere,
bringe die Menschen gegeneinander auf und wecke böse Geister, "die
sich nach dem Wahltag kaum noch vertreiben lassen". SPD-Chef Kurt Beck
forderte Merkel auf, ihre Positionen schrittweise zu korrigieren und die
Chance für Sachdebatten zu öffnen. Die SPD sei bereit,
über die bessere Anwendung bestehender Gesetze gegen
Jugendkriminalität zu reden.
Bayern legte ein eigenes Programm zur Bekämpfung der
Jugendkriminalität vor, das auf den Ausbau von Sozialarbeit, eine
frühere Anwendung des Erwachsenenstrafrechts und schärfere
Jugendstrafen setzt.
(Quelle: rtr)
Juristenvereinigung gegen härtere Jugendstrafen
Di.15.01.08 - Mehr als 600 Juristen und Kriminologen haben sich in einer Resolution
der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und
Jugendgerichtshilfen gegen ein schärferes Jugendstrafrecht gewandt.
Härtere Strafen würden nach wissenschaftlichen Erkenntnissen
die Rückfallquote junger Straftäter erhöhen, heißt
es laut «Spiegel» in der vom Konstanzer Kriminologen
Wolfgang Heinz ausgearbeiteten Stellungnahme. Eine Verschärfung des
Jugendstrafrechts führe damit zu mehr Kriminalität.
Die von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU)
angestoßene Debatte sei deshalb kontraproduktiv. Ursächlich
für Jugendkriminalität seien häufig soziale Probleme, die
nicht mit den Mitteln des Strafrechts beseitigt werden könnten.
(Quelle: dpa)
Regierung sieht sich trotz Streits handlungsfähig
Di.15.01.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter
Steinmeier (SPD) haben sich angesichts des Koalitionsstreits
bemüht, Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Regierung zu
zerstreuen: "Diese Regierung ist handlungswillig und
entscheidungsstark", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Montag
in Berlin.
"Das hat für die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung keine
Konsequenz", sagte Steg mit Blick auf den Streit über die
Jugendkriminalität. "Sie können davon ausgehen, dass im
Kabinett die Bereitschaft zur Zusammenarbeit unverändert groß
ist", betonte auch Steinmeiers Sprecher. Steinmeiers selbst warnte die
CDU im Gespräch mit Reuters davor, die Arbeit in der Koalition zu
gefährden und mahnte sie zur Besonnenheit. Merkel kündigte
überraschend an, sie werde sich am Dienstag auf einer
Pressekonferenz allen Fragen stellen.
Am Wochenende hatte der Streit über Forderungen von Hessens
Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nach härteren Strafen
für kriminelle Jugendliche und Kinder an Schärfe gewonnen.
Steg vermied es jedoch, die Ankündigung von Merkels Pressekonferenz
damit in Zusammenhang zu bringen. Es sei seit längerem geplant
gewesen, dass Merkel in Berlin noch vor den Landtagswahlen in Hessen
und Niedersachsen Ende des Monats vor die Presse gehe. Steg räumte
aber ein, noch am Freitag sei von dem Termin nicht die Rede gewesen.
Dabei werde es um innen- wie außenpolitische Themen gehen, wobei
die Kanzlerin keiner Frage ausweichen werde, versprach Steg. Merkel
werde zudem deutlich machen, dass es noch eine Fülle wichtiger
politischer Aufgaben der Regierung für 2008 gebe. Ihre politische
Agenda sei noch nicht erschöpft.
Die Kanzlerin wie ihr Vize Steinmeier führten die erbitterte Form
des Streits auf die Wahlkampfsituation zurück. In Zeiten
verstärkter parteipolitischer Profilierung werde die Sprache
manchmal etwas holzschnittartig, sagte Steg. Steinmeiers Sprecher sagte:
"Der Vize-Kanzler hofft sehr, dass die Zusammenarbeit in der Regierung
durch diese Debatte nicht gefährdet wird".
Steinmeier selbst warnte die CDU davor, mit ihrer Kampagne für
härtere Strafen für straffällige Jugendliche die Arbeit
der Koalition zu gefährden. "Die CDU sollte Formen finden, zu einer
besonnenen Debatte zurückzukehren", sagte er. "Das gilt auch mit
Blick auf die Aufgaben, die Union und SPD in der großen Koalition
in Berlin bis 2009 gemeinsam lösen wollen." Zu Koch sagte
Steinmeier, Jugendgewalt dürfe kein Wahlkampfthema sein. "Wer es
dafür instrumentalisiert, bringt die Menschen gegeneinander auf
und weckt böse Geister, die sich nach dem Wahltag kaum noch
vertreiben lassen.
(Quelle: rtr)
Vom Finanzamt vorgeschrieben, von der Arge verboten - Für
Selbstständige gelten bei der Einkommensberechnung neue Regeln
Di.15.01.08 - Auch Selbstständige haben Anspruch auf Arbeitslosengeld II (ALG
II), wenn ihr Einkommen nicht zum Leben reicht. Zum 1. Januar 2008 haben
sich die Vorschriften, nach denen Arbeitsgemeinschaften und
Sozialbehörden die Einkünfte berechnen, allerdings deutlich
geändert.
So spielt das Steuerrecht bei der Ermittlung von Einnahmen, Ausgaben
und Nettoeinkünften keine Rolle mehr. Vielmehr kommt es auf die
tatsächlich erzielten Umsätze und angefallenen Kosten an.
Außerdem kann die Arge die Anerkennung von Betriebsausgaben
verweigern, wenn diese vermeidbar wären oder «nicht den
Lebensumständen während des Bezuges von Arbeitslosengeld II
entsprechen», wie das Bundessozialministerium in einer Mitteilung
zu den Neuregelungen hervor hebt.
Die Abkehr vom Steuerrecht hat unter anderem die negative Folge, dass
Selbstständige von ihren Einkünften keine Rücklagen mehr
für größere Anschaffungen oder Reparaturen ansparen
können. Wer innerhalb des Bewilligungszeitraums von sechs Monaten
400 Euro für die bald anstehende Inspektion seines Pkw anspart,
muss damit rechnen, dass die Arge die 400 Euro dennoch zu den
Einkünften zählt und das ALG II kürzt.
Auf der anderen Seite können Hilfebedürftige davon
profitieren, dass Ausgaben sofort und in voller Höhe als
Betriebsausgaben zählen und nicht mehr entsprechend den
steuerlichen Abschreibungsfristen von den Einnahmen abgesetzt werden
müssen. Wer beispielsweise einen Laptop für 900 Euro
anschafft, musste bislang die Kosten wie in der Steuererklärung auf
drei Jahre aufteilen. Von den Einnahmen durften entsprechend nur 25 Euro
pro Monat (900 Euro geteilt durch 36 Monate) abgezogen werden. Jetzt
kann die Arge die tatsächliche Belastung berücksichtigen.
Wurde der Computer gegen Ratenzahlung auf ein Jahr angeschafft,
zählt nunmehr die Monatsrate von 75 Euro bei der
Einkommensermittlung voll als Betriebsausgabe.
Allerdings haben Selbstständige von der großzügigeren
Berechnung der Betriebsausgaben nur dann etwas, wenn der zuständige
Sachbearbeiter die anfallenden Kosten auch als notwendig anerkennt. Die
aktualisierten Durchführungshinweise der Bundesarbeitsagentur zum
ALG II machen hier strenge Vorgaben. So soll Leistungsmissbrauch dadurch
vermieden werden, dass «betriebliche Ausgaben für
überteuerte oder Luxusartikel» ungeprüft abgesetzt
werden.
Unnötig sind dem Schreiben zufolge sowohl der Oberklasse-Pkw
für den Handelsvertreter als auch der
«Hochleistungs-PC», auf dem lediglich Geschäftsbriefe
getippt werden. Im Zweifelsfall sollten sich Selbstständige vor dem
Kauf bestätigen lassen, dass ihre Investition eine Betriebsausgabe
ist. Denn wer erst kauft und dann nachfragt, riskiert eine
Rückforderung der Arge. Diese entscheidet nämlich in der Regel
vorläufig über den ALG-II-Anspruch von Selbstständigen.
Nach Ablauf von sechs Monaten haben Unternehmer zwei Monate Zeit, um
ihre Einnahmen und Ausgaben zu belegen. Erst dann befindet die Arge
endgültig über den Leistungsanspruch
(Quelle: ddp)
Internetseite über Rechte Pflegebedürftiger
Di.15.01.08 - Auf der neuen Internetseite http://www.pflege-charta.de können sich
Institutionen, Verbände und Interessierte ab sofort über die
"Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen"
informieren. Schon jetzt setzten bundesweit zahlreiche Einrichtungen und
Organisationen die Charta um, sagte der Parlamentarische
Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues, am
Montag in Berlin. Auf der Internetseite ist es auch möglich, die
Charta symbolisch zu unterzeichnen. Anlässlich der ersten
bundesweiten Fachtagung zur Umsetzung der Charta rief Kues alle Akteure
im Bereich Pflege zur Unterstützung des Rechtekatalogs auf.
Bei der Charta handelt es sich um einen Rechtekatalog und Leitfaden,
der Kriterien menschenwürdiger Hilfe und Pflege definiert. Im
Mittelpunkt stehen dabei Werte wie Würde, Selbstbestimmung und
Respekt. Die Charta geht zurück auf den "Runden Tisch Pflege".
Dieser wurde von 2003-2005 vom Bundesfamilienministerium und vom
Bundesgesundheitsministerium einberufen, um die Lebenssituation hilfe-
und pflegebedürftiger Menschen in Deutschland zu verbessern. Bis
Herbst 2005 erarbeitete der Runde Tisch Empfehlungen zur Verbesserung
der häuslichen und stationären Pflege und formulierte die
"Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen".
(Quellen: epd)