Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am 1393sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Außenministerin Rice berät in Bagdad über nationale
Aussöhnung im Irak. Irakischer Verteidigungsminister: Brauchen
US-Militär zum Schutz der Landesgrenzen bis 2018. US-Rechnungshof:
Falsche Zahlen in Regierungsbericht zum Irak
Mi.16.01.08 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat am Dienstag in Bagdad mit
Regierungsvertretern über den anlaufenden Versöhnungsprozess
im Irak beraten. Neben Ministerpräsident Nuri al-Maliki traf sie
bei ihrem nicht angekündigten Besuch auch mit Außenminister
Hoschijar Sebari zusammen. Nach dem jüngsten Abflauen der Gewalt im
Irak fordert die US-Regierung auch Fortschritte beim Zusammenleben der
schiitischen Mehrheit und der sunnitischen Minderheit. Rice begleitete
bislang Präsident George W. Bush auf seiner Nahost-Reise.
Am Samstag hatte das irakische Parlament eine Reihe von Gesetzen
verabschiedet, die die Konfliktparteien miteinander aussöhnen
sollen. Unter anderem wurde es Tausenden ehemaligen Mitgliedern der
Baath-Parei des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein gestattet, in
den öffentlichen Dienst zurückzukehren. Das Gesetz soll die
Sunniten, die unter Saddam das Sagen hatten, enger an den politischen
Prozess anbinden. Die Sunniten sind seit dem Auszug ihrer Minister nicht
mehr im Kabinett Al-Malikis vertreten.
Der Irak benötigt nach eigenen Angaben noch für mindestens
zehn Jahre die Hilfe ausländischer Soldaten zur Verteidigung seiner
Landesgrenzen: "Nach unseren Berechnungen werden wir nicht vor 2018 oder
2020 in der Lage sein, aus eigener Kraft auf Bedrohungen von
Außen zu antworten", sagte Verteidigungsminister Abdul Kadir der
"New York Times" laut Internetseite vom Montag. US-Präsident George
W. Bush hatte jüngst gesagt, US-Truppen müssten wohl noch
jahrelang im Irak bleiben. Die meisten
Präsidentschaftsanwärter, vor allem Demokraten, würden
das US-Militär jedoch gerne viel schneller aus dem Land abziehen.
Im Inneren kommen die Iraker Kadir zufolge indes deutlich schneller
voran. "Nach unseren Berechnungen und Zeitlinien denken wir, dass wir
zwischen dem ersten Quartal 2009 und 2012 in der Lage sind, die volle
Kontrolle über die innereren Angelegenheiten zu übernehmen",
sagte der Minister.
Kadir ist derzeit zu Besuch in den USA. Auf seiner Agenda steht der
Waffenkauf für die neue, von den USA ausgebildete irakische Armee.
Der Zeitung zufolge sollen Fahrzeuge, Hubschrauber, Tanker,
Geschütze und gepanzerte Transporter gekauft werden.
Die US-Regierung hat nach Angaben des Rechnungshofes ihrem
jüngsten Bericht zu Fortschritten der irakischen Regierung
fragwürdige Zahlen zu Grunde gelegt. Bagdad habe tatsächlich
nur einen Bruchteil der Summe in Projekte in der Hauptstadt investiert,
die in dem Bericht vom September genannt sei, heißt es in einer
am Dienstag veröffentlichten Studie des Rechnungshofes.
In dem Irak-Bericht hatte es geheißen, die irakischen Ministerien
hätten bis zum 15. Juli vergangenen Jahres 24 Prozent des
betreffenden Budgets für 2007 ausgegeben. Diese Zahl stehe nicht
im Einklang mit den offiziellen Berichten im Irak, erklärte der
Rechnungshof (GAO). Daraus gehe hervor, dass bis August lediglich 4,4
Prozent des Etats verwendet worden seien. Das für Projekte in
Bagdad bestimmte Budget soll dem Aufbau der Infrastruktur und der
Verbesserung des Gesundheitswesens zugute kommen. In den US-Bericht
seien teilweise Zahlen aus dem Jahr 2006 eingeflossen, erklärte
der Rechnungshof. Aufgrund dieser Daten sollten keine sicheren
Schlussfolgerungen über Fortschritte der irakischen Regierung
gezogen werden.
Der vom US-Kongress angeforderte Bericht sollte die Fortschritte
Bagdads in insgesamt 18 wirtschaftlichen und politischen Bereichen
beleuchten. Damit sollte geprüft werden, ob das innenpolitische
Engagement der Iraker weitere Unterstützung durch die USA
rechtfertige.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 16.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhunderteinunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.16.01.07 - Erste zusätzliche US-Soldaten im Irak eingetroffen +++ Zwei Vertraute
Saddam Husseins in Bagdad gehängt +++ Irakischer Vizepräsident
kritisiert Hinrichtungen +++ Deutsche Regierung unterstützt
SPD-Forderung nach einer Irak-Konferenz +++ Türkische Opposition
fordert Vorbereitung auf Irak-Einmarsch...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701160.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
|
US-Präsident will Saudi-Arabien mit Waffen gegen Iran stärken
- Bush beschert sich über hohe Ölpreise
Mi.16.01.08 - Die US-Regierung will der militärischen Macht des Iran mit
Waffenlieferungen an Saudi-Arabien entgegentreten: Ein Sprecher des
Außenministeriums sagte am Montag, die Regierung habe den Kongress
über das Vorhaben unterrichtet, welches Teil von geplanten
milliardenschweren Waffenlieferungen an die arabischen Golfstaaten sei.
Bei der angestrebten Lieferung an Saudi-Arabien handele es sich um 900
Nachrüstsätze für ungelenkte Bomben (JDAMs) im Wert von
rund 120 Millionen Dollar. Unterdessen traf US-Präsident George W.
Bush in Saudi-Arabien mit König Abdullah zu Gesprächen
zusammen. Bush hat während seiner Nahost-Reise vor der Bedrohung
der weltweiten Sicherheit durch den Iran gewarnt und die
verbündeten Golfstaaten dazu aufgefordert, sich dieser Gefahr zu
stellen.
Ob der Kongress das Vorhaben der Regierung billigen wird, ist noch
unklar. Die Abgeordneten haben nun 30 Tage Zeit, um die angestrebten
Waffenlieferungen zu blockieren. Als das Vorhaben im vergangenen Jahr
bekannt wurde, hatten sich mehrere Abgeordnete aus Sorge um die
Sicherheit Israels dagegen ausgesprochen.
Bush bezeichnet den Iran als Bedrohung, obwohl das Land laut einem
US-Geheimdienstbericht ein geheimes Atomwaffenprogramm 2003 eingestellt
haben soll. Die arabischen US-Verbündeten teilen zwar Bushs Sorge
über einen zunehmenden regionalen Einfluss der Islamischen
Republik, wollen diesen aber ohne militärische Gewalt
eindämmen.
Die JDAMs, die an Saudi-Arabien geliefert werden sollen, werden von
Boeing gebaut. Sie verwandeln ungelenkte Bomben mit Hilfe von
eingebauten Satelliten und Navigationssystemen in Präzisionswaffen.
Bei seinem Besuch in Saudi-Arabien hat sich US-Präsident George W.
Bush über die derzeit hohen Ölpreise beschwert. Bei einem
runden Tisch mit saudiarabischen Unternehmern sagte Bush am Dienstag in
Riad, er werde am Abend bei einem Treffen mit König Abdallah die
Tatsache zur Sprache bringen, "dass die Ölpreise sehr hoch sind und
dass das sehr hart für unsere Wirtschaft ist".
Im Gespräch mit dem Staatschef des weltweit größten
Ölproduzenten wolle er die Hoffnung ausdrücken, dass die
Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) bei ihrer
Diskussion um eine Änderung der Fördermengen eins
berücksichtige: "Wenn die Wirtschaft eines ihrer größten
Abnehmer leidet, bedeutet das weniger Absatz."
Der Rekord-Rohölpreis von fast 100 Dollar pro Barrel belastet die
von einer Rezession bedrohte US-Wirtschaft. Der US-Präsident hatte
das Thema nach Angaben des Weißen Hauses bereits bei Besuchen in
den Golfstaaten Kuweit, Bahrein und den Vereinigten Arabischen Emiraten
angesprochen.
boa (Quellen: rtr, afp)
Nahost-Konflikt: Mindestens drei Tote bei Anschlag im Libanon. 18 Tote
bei israelischer Militäraktion im Gazastreifen
Mi.16.01.08 - Bei einem Bombenanschlag auf ein Fahrzeug der US-Botschaft in Beirut
sind am Dienstag mindestens drei Libanesen getötet worden. Zwei
weitere Personen wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Dabei
handelt es sich um den einheimischen Fahrer des Wagens sowie um einen
Amerikaner, der sich zufällig in der Nähe des Explosionsortes
befand.
Über die Zahl der Toten gab es unterschiedliche Angaben.
Libanesische Sicherheitskreise und das Rote Kreuz sprachen von drei
getöteten Libanesen, US-Außenamtssprecher Sean McCormack gab
die Zahl der Toten mit vier an. Die Getöteten hätten keine
Verbindung zur US-Botschaft gehabt, sagte McCormack in Washington. In
dem gepanzerten Botschaftsfahrzeug, das beschädigt wurde,
saßen nach seinen Angaben keine Amerikaner, sondern lediglich
zwei libanesische Mitarbeiter der Botschaft.
Der Anschlag ereignete sich libanesischen Sicherheitskreisen zufolge in
dem vorwiegend von Christen bewohnten nördlichen Stadtteil
Dora-Karantina. Im libanesischen Fernsehen waren mehrere zerstörte
Autos am Tatort zu sehen. Am 12. Dezember waren bei einem
Autobombenanschlag im Beiruter Vorort Baabda drei Menschen ums Leben
gekommen, darunter ein Mitglied der libanesischen Streitkräfte.
US-Außenministerin Condoleezza Rice verurteilte den Anschlag und
sprach von einer terroristischen Tat. Sie äußerte sich
während des Besuchs von US-Präsident George W. Bush in Riad
in Saudi-Arabien. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter
Steinmeier verurteilte in einer in Berlin veröffentlichten
Erklärung den Anschlag aufs Schärfste.
Israelische Soldaten haben bei einem Einsatz gegen Extremisten im
Gazastreifen am Dienstag mindestens 18 Palästinenser getötet:
Nach Angaben der Hamas-Bewegung und von Sanitätern waren 16 der
Getöteten bewaffnete Kämpfer, 13 davon Mitglieder der Hamas.
Es war der schwerste Schlag gegen die radikal-islamische Bewegung seit
über einem Jahr. Zudem seien zwei Zivilisten ums Leben gekommen,
hieß es. Mindestens 40 Palästinenser wurden den Angaben
zufolge verletzt, fünf von ihnen schwer. Die israelische Armee
bestätigte einen Einsatz gegen "terroristische Infrastruktur" im
Norden des Gazastreifens, bei der Bewaffnete erschossen worden seien.
Die Palästinenserbehörde bezeichnete den Vorfall als "Schlag
ins Gesicht" für die Friedensbemühungen von US-Präsident
George W. Bush.
Bewohner der Stadtbezirks Seitun von Gaza berichteten, etwa zehn Panzer
und gepanzerte Fahrzeuge der israelischen Armee seien in das Gebiet
eingerückt. Unter den Todesopfern ist nach Angaben der Hamas ein
Sohn des ranghohen Hamas-Anführers Mahmud al-Sahar. Dessen
ältester Sohn war 2004 bei einem gescheiterten israelischen
Anschlag auf den Vater ums Leben gekommen.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bezeichnete den
jüngsten Militäreinsatz als Massaker. "Wir sagen der Welt,
dass unser Volk bei derartigen Verbrechen nicht schweigen wird", sagte
Abbas in der Stadt Ramallah im Westjordanland.
Israels Präsident Shimon Peres erklärte, so lange Extremisten
aus dem Gazastreifen weiterhin Raketen auf Israel abschießen
würden, bliebe seinem Land nichts anderes übrig als darauf zu
reagieren. Nach Angaben von Rettungskräften wurden am Dienstag in
einer kleinen Stadt nahe der Grenze vier Israelis durch Raketen
verletzt.
Israel, das im Jahr 2005 Soldaten und Siedler vollständig aus dem
Gazastreifen abgezogen hat, wird aus dem mittlerweile von der radikalen
Hamas kontrollierten Gebiet immer wieder mit Raketen angegriffen.
Nahe der Grenze zum Gazastreifen wurde am Dienstag ein ehrenamtlicher
Mitarbeiter eines israelischen Kibbuz von einem palästinensischen
Scharfschützen erschossen. Nach israelischen Angaben handelte es
sich um einen 20-jährigen Mann aus Ecuador. Kämpfer der Hamas
bekannten sich zu der Tat.
In Jerusalem traf der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert
mit einem Minister zusammen, der wegen der Friedensverhandlungen mit
den Palästinensern mit einem Rückzug seiner rechtsgerichteten
Partei aus der Regierungskoalition gedroht hatte. Minister Avigdor
Liebermann wollte verhindern, dass bei den Gesprächen auch die
sogenannten "Kernfragen", wie etwa der zukünftige Status
Jerusalems, verhandelt würden. Ein Sprecher Liebermanns
kündigte an, der Minister werde am Mittwoch im Parlament eine
Erklärung zur Zukunft seiner Partei abgeben.
boa (Quelle: ap, rtr)
Acht Tote bei Bombenanschlag im Süden Pakistans
Mi.16.01.08 - Bei einem Bombenanschlag in der südpakistanischen Stadt Karatschi
sind am Montag nach Behördenangaben mindestens acht Menschen ums
Leben gekommen.
Etwa 40 weitere seien bei dem Attentat verletzt worden, sagte ein
Polizeivertreter der Provinz Sindh. Es habe sich nicht um einen
Selbstmordanschlag gehandelt. Der Sprengsatz sei an einem Motorrad
befestigt gewesen.
Pakistan ist zuletzt von einer Gewaltserie erschüttert worden, in
der Hunderte Menschen umkamen. Ende Dezember wurde die
Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto bei einem Anschlag getötet.
In dem südasiatischen Land sind am 18. Februar Parlamentswahlen
geplant.
(Quelle: rtr)
Japan plant Raketenabwehr für seine Hauptstadt Tokio
Mi.16.01.08 - Japan plant angesichts der als Bedrohung empfundenen Raketenprogramme
Nordkoreas einen Raketenabwehrschild für die Hauptstadt Tokio. Das
Verteidigungsministerium ließ in der Nacht bereits in einem Park
der Stadt mobile Kommunikationsanlagen für
PAC-3-Abschussvorrichtungen testen.
Das berichtet der japanische Fernsehsender TBS. Einsatzteams der
Streitkräfte bauten unter anderem Sendemasten auf zwei Fahrzeugen
auf, um zu überprüfen, ob die Funkverbindungen mit der
Militäreinsatzzentrale durch umstehende hohe Gebäude
gestört würden.
Den Anstoß für den Aufbau einer Raketenabwehr hatte 1998 der
Test einer nordkoreanischen Taepodong-Rakete gegeben, die über
Japan hinweggeflogen und in den Pazifik gestürzt war. Nachdem das
stalinistische Nachbarregime in Pjöngjang im Juli 2006 Raketentests
vorgenommen hatte, beschleunigte die Regierung in Tokio ihre
Raketenabwehrpläne. Im vergangenen Jahr war das erste
bodengestützte Patriot-System auf einem Luftwaffenstützpunkt
nördlich der Hauptstadt installiert worden. Die Einrichtung von
PAC-3-Abschussvorrichtungen auf dem Iruma-Stützpunkt kam rund ein
Jahr eher als zunächst geplant.
Die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte hatten im
vergangenen Monat erfolgreich ein von den USA entwickeltes Raketen-
Abfangsystem über dem Pazifik getestet. Dabei war eine Zielrakete
über dem Pazifik von einer Abfangrakete eines japanischen
Zerstörers vor Hawaii getroffen und zerstört worden. Experten
sehen den Test als einen wichtigen Schritt hin zum Aufbau eines
Raketenschilds. Wie der Sender TBS am Montag weiter berichtete, soll ein
weiterer Test für PAC-3-Abschussanlagen auch am Hafen von Tokio
durchgeführt w
(Quelle: dpa)
Australien stoppt Uranverkauf an Indien
Mi.16.01.08 - Australiens neue Regierung hat den Verkauf von Uran an Indien gestoppt:
Voraussetzung für die Wiederaufnahme sei, dass Indien den
Atomwaffensperrvertrag unterzeichne, sagte Außenminister Stephen
Smith am Dienstag nach einen Gespräch mit dem indischen
Sondergesandten Shyam Saran. Damit löse die Regierung ihr
Wahlversprechen ein, den Verkauf an Nichtmitglieder des Sperrvertrages
zu stoppen. Indien, das über Atomwaffen verfügt, hat den
Vertrag nicht unterzeichnet.
Erst im vergangenen Jahr hatte Saran die inzwischen abgelöste
konservative Regierung Australiens davon überzeugt, die Lieferungen
wieder aufzunehmen. Australien verfügt über 40 Prozent der
bekannten Uranvorkommen der Erde. Es exportiert den Rohstoff in 36
Länder der Erde.
(Quelle: rtr)
Indischer Ministerpräsident Singh: Genug Platz für Indien und
China in Asien
Mi.16.01.08 - Indien hat nach den Worten von Ministerpräsident Manmohan Singh
nicht die Absicht, den Einfluss Chinas in Asien einzudämmen: Es
gebe genug Platz für die Entwicklung beider Länder, sagte
Singh am Dienstag während seines Besuchs in Peking. Frieden und
Stabilität lägen im gemeinsamen Interesse. "Die Hauptaufgabe
unserer Außenpolitik besteht darin, ein äußeres Umfeld
zu schaffen, dass unserer raschen Entwicklung förderlich ist",
sagte Sing bei einer Rede vor der Chinesischen Akademie der
Sozialwissenschaften. Als die weltweit am schnellsten wachsenden
Volkswirtschaften streiten China und Indien um die Rolle als regionale
Führungsmacht.
Die Regierung in Peking hat sich in der Vergangenheit besorgt über
die aufkeimende Freundschaft Indiens mit den USA gezeigt. Im vergangenen
Jahr nahm die indische Marine an Übungen mit Streitkräften der
USA, Australiens und Japans teil. Am Montag hatte Singh mit seinem
chinesischen Kollegen Wen Jiabao konferiert.
(Quelle: rtr)
Brasiliens Präsident Lula zur Unterzeichnung mehrerer Abkommen in
Kuba
Mi.16.01.08 - Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist
am Dienstag zu seinem ersten Staatsbesuch in Kuba seit 2003
eingetroffen. Zunächst war ein Treffen mit dem kubanischen
Parlamentspräsidenten Ricardo Alarcón und anschließend
mit Übergangsstaatschef Raúl Castro vorgesehen. Während
des Besuchs sollten mehrere Abkommen unterzeichnet werden, unter
anderem in den Bereichen Öl, Handel, Gesundheit und Bildung. Vor
seiner Reise nach Havanna hatte Lula erklärt, Brasilien wolle Kuba
bei der Suche nach möglichen Ölvorkommen vor der Küste
des Karibikstaates helfen.
Offen blieb zunächst, ob Lula auch den erkrankten kubanischen
Präsidenten Fidel Castro treffen werde. Der 81-jährige
Staatschef, der die Amtsgeschäfte nach einer Darmoperation im
Sommer 2006 "vorübergehend" an seinen jüngeren Bruder
Raúl übergab, ist seitdem nicht mehr in der
Öffentlichkeit aufgetreten. Allerdings strahlt das Fernsehen
gelegentlich vorab aufgezeichnete Beiträge mit ihm aus. Die beiden
Castro-Brüder sind für die Wahl zur Nationalversammlung am 20.
Januar nominiert. Aus den 614 Mandatsträgern werden die 31
Mitglieder des Staatsrats gewählt, dessen Vorsitzender wiederum
Staatschef ist.
Lula hatte vor seinem Eintreffen in Kuba am Montag in Guatemala-Stadt
an der Amtseinführung des neuen guatemaltekischen Präsidenten
Alvaro Colom teilgenommen, der wie er eine sozialdemokratisch
ausgerichtete Politik verfolgt. Mit Fidel Castro verbindet den aus der
linken Gewerkschaftsbewegung stammenden Lula eine alte Freundschaft, die
in jüngster Zeit jedoch etwas eingetrübt ist.
(Quelle: afp)
EU droht mit Kürzung der Entwicklungshilfe für Kenia - Kenias
Opposition setzt Parlamentspräsident durch
Mi.16.01.08 - Die EU-Kommission hat wegen der mutmaßlich gefälschten Wahl
in Kenia mit der Kürzung ihrer Entwicklungshilfe für das
ostafrikanische Land gedroht: "Es ist schwierig, die Finanzhilfe auf dem
selben Niveau fortzuführen, wenn wir sehen, dass die Wahl nicht
vollkommen anerkannt wird", sagte Entwicklungshilfekommissar Louis
Michel am Montag einem Ausschuss des Europäischen Parlaments in
Straßburg.
Einem weiteren EU-Mitarbeiter zufolge erwägt die Union einen
vollständigen Stopp ihrer Hilfe und die Verhängung von
Sanktionen. So wolle die EU reagieren, falls internationale
Vermittlungsversuche zwischen Präsident Mwai Kibaki und
Oppositionsführer Raila Odinga scheitern sollten. Die EU hat bisher
Hilfen in Höhe von 383 Millionen Euro für die Jahre 2008 bis
2013 vorgesehen. Damit ist sie einer der größten Geber Kenias.
Bei der ersten Parlamentssitzung seit der umstrittenen
Präsidentschaftswahl im Dezember hat die kenianische Opposition
einen Sieg errungen. Der Kandidat der Partei Orange Democratic Movement
(ODM), Kenneth Marende, setzte sich bei der Wahl zum neuen
Parlamentspräsidenten im dritten Durchgang mit 105 Stimmen durch.
Gegenkandidat Ole Kaparo aus dem Lager von Präsident Mwai Kibaki
unterlag mit 101 Stimmen. Unterdessen verschob der frühere
UN-Generalsekretär Kofi Annan wegen Krankheit seine Reise nach
Kenia. Die Opposition kündigte für den heutigen Mittwoch neue
Massenproteste an.
Auf die Wahl Marendes reagierten die ODM-Abgeordneten und Anhänger
des Kandidaten für das Amt des Staatschefs, Raila Odinga, mit
Jubelrufen. "Wir sind dazu verpflichtet, die Demokratie aufrecht zu
erhalten", sagte der 52-jährige Anwalt aus Mombasa nach seinem
Sieg. Die Opposition und Odinga beanspruchen, bei der
Präsidentschaftswahl Ende Dezember den Sieg davongetragen zu
haben. Präsident Kibaki blieb jedoch im Amt. Aus Protest gegen
Kibaki trugen die OMD-Abgeordneten bei der live im Fernsehen
übertragenen Sitzung orangene Einstecktücher.
Da weder das Bündnis um die PNU von Kibaki noch die OMD im
Parlament über eine Mehrheit verfügen, zogen die beiden
Parteien für die Wahl zum Parlamentspräsidenten zahlreiche
Abgeordnete kleinerer Formationen auf ihre Seite. In den beiden ersten
Durchgängen erzielte keiner der Kandidaten die erforderliche
Zwei-Drittel-Mehrheit. Im dritten Wahlgang reichte die einfache
Mehrheit.
Die Sicherheitsvorkehrungen in Nairobi waren vor der Sitzung nochmals
verstärkt worden. Das Stadtzentrum blieb komplett abgeriegelt.
Eine paramilitärische Eliteeinheit war im Einsatz, um
Demonstrationen zu verhindern. Besonders gespannt war die Lage im
Mathare-Slum, wo es nach den Wahlen schwere Kämpfe gegeben hatte.
Bei den geplanten Massenprotesten am Mittwoch werden unter anderem im
Zentrum Nairobis zehntausende Anhänger der Opposition erwartet.
Annan leidet nach Angaben der Vereinten Nationen in Genf an einer
schweren Grippe und verschob die Mission auf ärztlichen Rat hin
deshalb um "einige Tage". Der aus Ghana stammende Politiker bedauere
die Verzögerung und wolle "so schnell wie möglich" nach
Nairobi reisen, hieß es. Annan soll in Kenia im Auftrag der
Afrikanischen Union (AU) zwischen Regierung und Opposition vermitteln.
boa (Quellen: rtr, afp)
Finanzkrise dauert an - US-Geldhaus Citi mit Rekordverlust -
Abschreibungen von mehr als 18 Milliarden Dollar
Mi.16.01.08 - Die Krise an den Kreditmärkten reißt immer tiefere
Löcher in die Bilanzen der Banken und treibt viele Institute in
die Arme von Finanzinvestoren.
Erneute Abschreibungen von mehr als 18 Milliarden Dollar führten
beim größten US-Geldhaus Citigroup im Schlussquartal 2007
zum ersten Verlust seit der Verschmelzung von Citicorp und Travellers
Group 1998. Zur Stärkung der dünner gewordenen Kapitaldecke
sicherte sich das Institut nach Angaben vom Dienstag eine weitere
Finanzspritze. Zudem stehen Tausende Stellen auf der Kippe. Auch die
kriselnde Investmentbank Merrill Lynch rüstet sich für
schwere Verluste und beschafft sich frisches Kapital. Schlechte
Nachrichten kamen auch aus Deutschland: Die Hypo Real Estate ist nun
doch ebenfalls von der Krise betroffen. Anleger blieben daher am
Dienstag skeptisch und straften Bankaktien weltweit kräftig ab.
Nach wochenlangen Spekulationen über das Ausmaß der
Belastungen für die Citigroup gab der neue Bankchef Vikram Pandit
einen Quartalsverlust von knapp zehn Milliarden Dollar bekannt. Er
sprach von einem inakzeptablen Ergebnis. Neben den Abschreibungen auf
Engagements mit schlechter besicherten Hypotheken (Subprime) schlug
auch eine höhere Risikovorsorge im klassischen Kreditgeschäft
negativ zu Buche. Die US-Verbraucher kämen zunehmend in
Zahlungsschwierigkeiten, erklärte die Bank und signalisierte damit
einen neuen potenziellen Krisenherd. Die Rückstellungen für
wahrscheinliche Ausfälle stiegen daher um rund vier Milliarden
Dollar. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte daraufhin die
Bank um eine Stufe herab, mit negativem Ausblick.
Die Citigroup hat nun mit insgesamt mehr als 20 Milliarden Dollar
Abschreibungen die schwersten Belastungen im Zuge der weltweiten Krise
an den Kreditmärkten zu verkraften. Die Quartalszahlen fielen
deutlich schlechter aus als von Analysten im Schnitt erwartet. Die
Höhe der Wertberichtigungen lag zudem rund doppelt so hoch wie von
der einst größten Bank der Welt vor zwei Monaten
angekündigt. Pandit, der erst im Dezember Charles Prince an der
Spitze der Bank ablöste, kündigte umfangreiche Schritte an,
um das Institut wieder auf Kurs zu bringen. So sollen weitere 4200
Stellen abgebaut werden - zusätzlich zu der bereits
angekündigten Streichung von 17.000 der insgesamt mehr als 330.000
Arbeitsplätze. Pandit signalisierte in einer Konferenz mit
Analysten zudem Verkäufe von Randbereichen.
Kurzfristig sichert sich die Citigroup zum zweiten Mal innerhalb
weniger Monate Unterstützung durch ausländische Investoren.
Nach dem Einstieg von Abu Dhabi für 7,5 Milliarden Dollar im
November schießen nun Kuwait und Singapur frisches Geld zu. Auch
der frühere Citigroup-Chef Sanford Weill und der saudische
Großaktionär Prinz Alwalid bin Talal beteiligen sich an der
Kapitalspritze von insgesamt 14,5 Milliarden Dollar. Der Prinz sprang
dem Citigroup-Vorgängerinstitut Citicorp bereits 1991 helfend zur
Seite und ist mit weniger als fünf Prozent größter
Einzelaktionär des Geldhauses.
Auch mit einer Kürzung der Dividende um 41 Prozent, die
jährlich 4,4 Milliarden Dollar einsparen soll, will die Bank ihre
Kapitalbasis stärken. "Wir stellen die Citi so auf, dass wir uns
künftig wieder auf Ergebniswachstum konzentrieren können",
erklärte Pandit. "In diesem Umfeld werde ich aber keine
Versprechen abgeben." Die Eigenkapitalquote schmolz im Quartal auf 7,1
Prozent von 7,3 Prozent Ende September ab, liegt damit aber weiter
über der Marke von sechs Prozent, ab der US-Behörden von
einer gut kapitalisierten Bank sprechen.
Auch Merrill Lynch muss zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit
ausländische Hilfe beanspruchen. Die Bank sichert sich insgesamt
6,6 Milliarden Dollar vor allem aus Südkorea, Kuwait sowie von der
zweitgrößten japanischen Bank Mizuho Financial, die als
langfristige Investoren jedoch kein Mitspracherecht im Management
bekommen. Das US-Geldhaus wird am Donnerstag seine Geschäftszahlen
für das vierte Quartal vorlegen. Die "New York Times" hatte
vergangenen Freitag von Abschreibungen von mehr als 15 Milliarden
Dollar berichtet.
Die Anleger an den Aktienmärkten konnten die Institute am Dienstag
nicht überzeugen. Citigroup- und Merrill-Aktien gaben um mehr als
sieben beziehungsweise gut drei Prozent nach. Auch deutsche Banktitel
gerieten in den Abwärtsdruck und verloren deutlich. Hauptverlierer
war Hypo Real Estate mit minus 35 Prozent. Der Immobilienfinanzierer
räumte überraschend Belastungen aus der US-Hypothekenkrise
ein.
(Quelle: rtr)
Großbritannien: Musikkonzern EMI will bis zu 2.000 Stellen
streichen
Mi.16.01.08 - Der britische Musik-Konzern EMI will bis zu 2.000 Arbeitsplätze
abbauen und auf diese Weise rund ein Drittel seiner Belegschaft
reduzieren. Dies ist Teil eines umstrittenen Umstrukturierungsplans des
neuen Besitzers Terra Firma Capital Partners, wie britische Medien am
Sonntag berichteten. Terra Firma erwarb EMI im August für 2,4
Milliarden Pfund (3,5 Milliarden Euro). Das Unternehmen hat Megastars
wie die Rolling Stones und Kylie Minogue unter Vertrag. Den Berichten
zufolge will Terra Firma jedoch mehr selektiv sein und tausende
Künstler von der EMI-Liste streichen. Stars wie Robbie Williams und
Coldplay haben bereits angedroht, keine Alben mehr zu produzieren, wenn
die Pläne nicht zurückgenommen werden.
(Quelle: ap)
Deutschland: Nokia schließt Handy-Werk in Bochum mit 2300
Mitarbeitern
Mi.16.01.08 - Nach dem Aus für die Handyproduktion von BenQ in Deutschland
stellt nun auch der finnische Mobilfunkhersteller Nokia seine
Handy-Produktion hierzulande ein und schließt sein Werk in
Bochum. Betroffen sind davon rund 2300 der bundesweit etwa 3200
Nokia-Mitarbeiter, wie der Konzern in Düsseldorf mitteilte. Als
Grund nannte das Unternehmen fehlende Wettbewerbsfähigkeit durch
hohe Arbeitskosten und ein "generell hohes Kostenniveau" in
Deutschland. Mit Nokia gibt der letzte Handy-Hersteller seine
Produktion in Deutschland auf.
Die Landesregierung in Düsseldorf sprach mit Blick auf die
Entscheidung des finnischen Konzerns von einer "außerordentlich
schmerzhaften Ankündigung für die Stadt und für die
Region". "Angesichts erheblicher öffentlicher Gelder, die in die
Weiterentwicklung des Nokia-Standortes in Bochum geflossen sind, stellt
sich für die Landesregierung unter anderem die Frage, ob die
Entscheidung wirklich unumstößlich ist", erklärte die
Düsseldorfer Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU). Zudem
setze Nokia nun anscheinend EU-Mittel ein, um einen neuen Standort in
Rumänien aufzubauen. "Auch hier stellen sich Fragen", betonte
Thoben.
Nokia-Vorstand Veli Sundbäck sagte dazu in Düsseldorf, der
finnische Konzern habe "keine direkten Subventionen" durch die
rumänische Regierung oder die Europäische Union erhalten. Die
Schließung des Bochumer Werks nannte Sundbäck "notwendig, um
die Wettbewerbsfähigkeit von Nokia langfristig zu sichern".
Sundbäck betonte, Nokia habe in den vergangenen Jahren wiederholt
versucht, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Bochum zu
verbessern. Trotz gemeinsamer Anstrengungen mit den
Arbeitnehmervertretern sei dies jedoch nicht gelungen. Die
Kostendifferenz zwischen Bochum und Nokia-Standorten im Ausland nannte
der Nokia-Manager "signifikant". So seien die Arbeitskosten in der
Ruhrgebietsstadt "beinahe zehnmal höher als in Rumänien".
"Der heutige Tag ist für uns alle kein leichter Tag", sagte der
Nokia-Manager. Der Konzern sei sich bewusst, dass die Schließung
des Werks eine "tiefe Enttäuschung" für die betroffenen
Mitarbeiter und ihre Familien darstelle. Nokia werde nun
schnellstmöglich Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern
aufnehmen, "um eine für alle betroffenen Parteien
zufriedenstellende Lösung zu erzielen". Sundbäck betonte, die
deutsche Vertriebszentrale von Nokia bleibe in Düsseldorf, die
Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Ulm. Hinzu kämen
Köln, Frankfurt am Main und Berlin als Standorte für
Internet-Aktivitäten des Unternehmens.
(Quelle: afp)
Bahn will Stellen abbauen und Preise erhöhen - Verkehrsminister
Tiefensee weist Mehdorn zurecht - Neue Streikdrohungen
Mi.16.01.08 - Bahnchef Hartmut Mehdorn hat mit seiner Drohung, über Stellenabbau
und Preiserhöhungen die Mehrkosten für die
Lokführergehälter aufzufangen, am Dienstag einen scharfen
Rüffel von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee erhalten. Auch die
Gewerkschaften Transnet und GDBA kritisierten Mehdorn und drohten mit
neuen Arbeitskämpfen. Der Fahrgastverband Pro Bahn rechnet mit
einer Preiserhöhung für Bahnfahrkarten von höchstens
drei bis vier Prozent.
Anzeige
Mehdorn nannte die Einigung, die unter anderem elf Prozent
Entgelterhöhung vorsieht, eine «Niederlage, nicht nur
für die Bahn, sondern für den Standort Deutschland».
Der Abschluss gehe weit über das wirtschaftlich vertretbare
Maß hinaus, sagte Mehdorn am Montagabend in Berlin. Den
jährlichen Schaden bezifferte er auf 200 Millionen Euro, für
die kommenden fünf Jahre ergebe sich eine «Belastung in
Milliardenhöhe». Das gelte es aufzufangen, und «das
wird uns auch gelingen», sagte der Bahnchef.
Tiefensee erklärte dagegen, der Abschluss sei ein guter
Kompromiss, «der den Belangen der Beschäftigten, des
Unternehmens und der Volkswirtschaft Rechnung trägt». Es
gebe keinen Grund für ein wirtschaftlich so starkes Unternehmen
wie die DB AG, «sofort mit der Entlassung von Beschäftigten
und der Verlagerung von Arbeitsplätzen zu drohen oder gar den
Beschäftigungspakt aufzukündigen».
Mehdorn hatte angekündigt, «darüber nach(zu)denken, ob
wir das Beschäftigungsbündnis aufrechterhalten
können». Der Beschäftigungspakt, der bis 2010 gilt und
von den Gewerkschaften Transnet und GDBA 2006 unter anderem mit Streiks
erzwungen worden war, steht unter der Bedingung «maßvoller
Tarifabschlüsse». «Im Ergebnis werden wir alle
Möglichkeiten zur Rationalisierung einschließlich der
Verlagerung in Billiglohngebiete nutzen müssen», sagte
Mehdorn.
Der Sprecher von Pro Bahn, Joachim Kemnitz, sagte der
«Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» in Essen, der
Preisschub läge mit drei bis vier Prozent auf dem
Durchschnittsniveau der Vorjahre. Die «WAZ» zitierte
Kemnitz mit den Worten: «Mehdorn tauscht eigentlich nur die
Begründungen für die Preiserhöhungen aus. Waren es
bisher die Energiekosten, so wären es demnächst die
Belastungen durch den Tarifabschluss.» Selbst wenn die beiden
anderen Bahn-Gewerkschaften die gleichen Einkommensverbesserungen
bekämen, hält es Kemnitz für illusorisch, dass die Bahn
Preiserhöhungen von zehn Prozent oder mehr durchsetzen könne.
Transnet und GDBA nannten Mehdorns Drohungen verantwortungslos und
erklärten, sie seien kampfbereit, um das
Beschäftigungsbündnis zu verteidigen. Transnet-Vorstand
Alexander Kirchner und GDBA-Vize Heinz Fuhrmann sagten, der Bahnchef
provoziere «einen Klimawandel im Konzern».
GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel drohte mit Streik für den Fall, dass
die Bahn nach der Einigung mit der GDL die Forderungen der GDBA nicht
berücksichtigen sollte. Er erklärte der in Hannover
erscheinenden «Neuen Presse» zudem, er fürchte, dass
die GDL 2009 «ihren Krawallkurs fortsetzt».
GDL-Chef Manfred Schell will sich derweil nicht zu einer Kooperation
mit den anderen Bahngewerkschaften verpflichten lassen. «Wir sind
nicht an Abstimmungen mit anderen Bahngewerkschaften gebunden. Anders
lautende Äußerungen entsprechen nicht den Tatsachen»,
sagte Schell der «Welt». Über den Manteltarifvertrag
werde sich die GDL mit Transnet und der GDBA verständigen.
«Ich habe zudem immer gesagt, dass, vorausgesetzt, wir erzielen
einen vernünftigen Abschluss, wir vor der nächsten Tarifrunde
2009 durchaus mit den anderen Gewerkschaften klären können,
ob wir gemeinsame Forderungen stellen.»
(Quelle: ap)
Deutschland hat erstmals seit 1969 ausgeglichenen Haushalt
Mi.16.01.08 - Deutschland weist erstmals seit 1969 wieder einen ausgeglichenen
Staatshaushalt auf. Dank des Konjunkturaufschwungs und sprudelnder
Steuern nahmen Bund, Länder, Kommunen und Sozialkassen im
vergangenen Jahr insgesamt 70 Millionen Euro mehr ein als sie ausgaben.
Durch den Mini-Überschuss schrumpfte das Staatsdefizit auf rund
0,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach einem Minus von 1,6
Prozent im Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in
Frankfurt mit.
Den leichten Überschuss verdankte der Staat den sprudelnden
Einnahmen, die um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr kletterten.
Gleichzeitig stiegen die Ausgaben nur moderat um 1,0 Prozent. Alle
staatlichen Ebenen machten beim Defizitabbau mit: Der Bund verringerte
sein Defizit um 13 auf 21,7 Milliarden Euro, und die Länder
halbierten es auf 5 Milliarden Euro. Die Gemeinden und die
Sozialversicherung konnten ihre Überschüsse aus dem Vorjahr
verbessern.
Für das laufende Jahr rechnet die Bundesregierung allerdings
wieder mit einem leichten Defizit. Das Minus wird vor allem mit
Einnahmeausfällen durch die Reform der Unternehmenssteuern sowie
die stärkere Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
begründet. Das Finanzierungssaldo werde aber auch auf
Länderseite verschlechtert durch eine erwartete Tarifsteigerung im
öffentlichen Dienst. Damit könnte der zuletzt etwas
geschrumpfte Schuldenberg Deutschlands von rund 1482 Milliarden Euro in
diesem Jahr erneut anwachsen.
Für 2006 hatten die Staatskassen noch einen Fehlbetrag von 36,96
Milliarden Euro ausgewiesen. Von 2002 bis 2005 hatte Deutschland das
Maastricht-Kriterium des Euro-Stabilitätspaktes überschritten
und 2006 erstmals wieder die zulässige Obergrenze von 3,0 Prozent
des BIP eingehalten. Die EU-Kommission hatte das Defizitverfahren gegen
Deutschland im vergangenen Juni eingestellt. Für 2008 rechnet das
Finanzministerium mit einer Defizitquote von rund 0,5 Prozent. Im
nächsten Jahr wird laut dem Stabilitätsprogramm eine
«rote Null» und für 2010 wieder ein Überschuss in
den Staatskassen erwartet.
Die Neuverschuldung des Bundes ist 2007 auf den niedrigsten Stand seit
der Wiedervereinigung gesunken. Nach früheren Angaben des
Finanzministeriums nahm der Bund rund 14,4 Milliarden Euro an neuen
Krediten auf. Der Betrag war im Nachtragshaushalt 2007 eingeplant.
Aufgrund überplanmäßiger Ausgaben für
Langzeitarbeitslose und an die EU sowie zuletzt weniger üppig
sprudelnder Steuereinnahmen dürfte die Neuverschuldung am Ende
allenfalls nur minimal unterschritten werden. 2008 soll die
Nettokreditaufnahme auf 11,9 Milliarden sinken.
Spätestens 2011 will Finanzminister Peer Steinbrück (SPD)
beim Bund ohne neue Schulden auskommen und mit dem Abbau der Altlasten
beginnen. Der Bund schiebt einen seit Jahrzehnten angehäuften
Schuldenberg von mehr als 900 Milliarden Euro vor sich her.
(Quelle: dpa)
Handwerk fordert schnelle Steuerentlastung des Mittelstandes
Mi.16.01.08 - Das Handwerk drängt die große Koalition zu einer schnellen
Reform der Einkommensteuer: Der Zeitpunkt für eine Entlastung der
Leistungsträger mit mittleren Einkommen sei jetzt gekommen, sagte
Handwerks-Präsident Otto Kentzler dem Redetext zufolge am Dienstag
in Berlin. Wenn heute 80 Prozent der Bürger sagten, bei ihnen komme
der Aufschwung nicht an, dann liege eine zentrale Ursache dafür
nicht bei ihren Brutto-, sondern bei ihren Nettolöhnen. Zudem
sprach er sich dafür aus, den Solidaritätszuschlag zu senken.
Nur 60 Prozent davon würden noch für die neuen Länder
verwendet.
Der Mittelstand mit einer Million Handwerksbetrieben und fünf
Millionen Beschäftigten müsse auch zum Mittelpunkt der
Steuerpolitik werden, forderte der Präsident des Zentralverbands
des Deutschen Handwerks (ZDH). Kritik übte Kentzler vor allem an
der kalten Progression bei der Einkommensteuer. Der Effekt tritt auf,
wenn Arbeitnehmer zwar mehr verdienen, ihnen aber mehr vom Brutto-Lohn
weggesteuert wird, weil sie in eine höhere Einkommensklasse
rutschen. Durch den Automatismus wächst die Gesamtheit der
Steuerzahler allein durch den Inflationsausgleich allmählich in
Einkommensbereiche mit immer höheren Steuersätzen.
Kentzler forderte deshalb einen "Steuertarif auf Rädern". Dabei
würden der steuerfreie Grundbetrag und der Betrag, von dem an der
Spitzensteuersatz greift, parallel zur allgemeinen Einkommensentwicklung
angehoben. Kentzler sagte, während vor 50 Jahren noch das 20-fache
des Durchschnittseinkommens benötigt worden sei, um den
Spitzentarif zu erreichen, sei es heute nur das 1,2-fache. Der
Steuertarif reicht nach dem Grundfreibetrag von 15.000 Euro für
Verheiratete derzeit von 15 bis 42 Prozent, Hochverdiener zahlen noch
drei Punkte einer Art Reichensteuer mehr.
Die steigende Belastung mit der Einkommensteuer schlägt auch auf
den Solidaritätszuschlag durch, der 5,5 Prozent auf die Einkommen-
oder Körperschaftsteuerschuld beträgt. Er beschert dem Bund
jährlich Einnahmen von rund zwölf Milliarden Euro. Kentzler
sagte, mit dem Anteil, das für den Aufbau Ost nicht mehr
benötigt werde, könnte der Zuschlag auf 3,3 Prozent sinken.
Der Soli war 1998 von 7,5 Prozent gesenkt worden.
(Quelle: rtr)
Kanzlerin Merkel sieht Koalition trotz Streits handlungsfähig
Mi.16.01.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Handlungsfähigkeit der
Koalition trotz der Zerwürfnisse im Wahlkampf betont: "2008 ist
ein Schlüsseljahr", sagte die CDU-Chefin am Dienstag vor
Journalisten Berlin. "Aber das schließt nicht aus, dass wir mit
Leidenschaft die Unterschiede benennen." Zugleich nahm Merkel Hessens
Ministerpräsident Roland Koch erneut gegen die heftige Kritik der
SPD an seinem Wahlkampf mit dem Thema Jugendkriminalität in
Schutz. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, bis 2009 werde das
Regierungsbündnis halten. "Aber danach muss mit dieser Koalition
dann auch Schluss sein."
Merkel stellte bei ihrer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz die
Aufgaben für das neue Jahr in den Mittelpunkt, nachdem sich Union
und SPD in den vergangenen Tagen mit immer persönlicheren Attacken
überzogen hatten. Die Regierung müsse sich den
gedämpften Wachstumserwartungen stellen, sagte sie. Als Aufgaben
nannte sie zudem die stockende Privatisierung der Deutschen Bahn, die
umstrittene Erbschaftsteuerreform, Neuerungen im Niedriglohnsektor, die
Föderalismusreform und die Vorbereitungen für den
Gesundheitsfonds, der zum Jahreswechsel starten soll.
Doch beim Wahlkampfthema Jugendkriminalität erklärten beide
Koalitionspartner die Suche nach einem Kompromiss für gescheitert.
Beim Jugendstrafrecht "kommen wir nicht zusammen", sagte Struck.
Gesetzesänderungen werde es mit der SPD nicht geben. Die
SPD-Bundestagsfraktion habe sich einem Gespräch verweigert,
beklagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder. "Wir werden aber an dem
Thema dranbleiben." Kauder und Merkel forderten erneut schärfere
Gesetze etwa für einen "Warnschuss-Arrest" oder ein leichteres
Ausweisen jugendlicher ausländischer Krimineller.
Merkel ging nicht auf den scharfen Ton zwischen Koch und Struck in den
vergangenen Tagen ein, nahm den Ministerpräsidentan aber in
Schutz. Das Thema Jugendkriminalität sei nicht neu, habe die
Menschen nach den Bildern vom Überfall in der Münchner U-Bahn
aber sehr beschäftigt. "Deshalb hat Roland Koch das auf die
Tagesordnung gebracht, und deshalb hat er die Unterstützung der
ganzen CDU dafür."
Auch beim Mindestlohn als zweitem großen Streitthema betonte die
Kanzlerin knapp zwei Wochen vor den Landtagswahlen in Hessen und
Niedersachsen die Differenzen zum Partner. Angesichts der
gedämpften Konjunkturerwartungen müssten Mindestlöhne
mit noch größerer Vorsicht angepackt werden. Maßgabe
bleibe: "Nicht Arbeitsplätze vernichten, sondern
Arbeitsplätze schaffen und für faire Bezahlung eintreten
natürlich."
Indirekt warf sie Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) vor, er habe die
Koalitionsbeschlüsse zu Mindestlöhnen einseitig ausgelegt.
Bei seinen Gesetzentwürfen bestehe "an vielen Stellen noch
erheblicher Diskussionsbedarf". Der Minister habe die von der Koalition
im Juni vereinbarten Eckpunkte so umgesetzt, "wie es ihm richtig
erscheint" und die Gesetzentwürfe "nach seinen Vorstellungen"
niedergeschrieben. Dazu gebe es noch viel Diskussionsbedarf. Scholz hat
zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, die den Weg für
Mindestlöhne in allen Branchen ebnen sollen.
Merkel schlug einen betont sachlichen Ton an und lobte auch sie
Zusammenarbeit Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD). Mit dem
Außenminister hatte sie zuletzt über die China-Politik
gestritten. Demnächst wollten beide gemeinsam vor der Presse
auftreten, kündigte sie an. Zugleich betonte sie ein Festhalten am
Sparkurs von Finanzminister Peer Steinbrück. Sie erteilte
Forderungen nach einer großen Steuerreform eine Absage. "Wir
haben eine klare Abrede, von der wir nicht abweichen." Erst müsse
der Haushaltsausgleich geschafft werden, der für den Bund 2011
anvisiert sei und nicht früher.
Die Grünen warfen Merkel vor, sie stehe mit leeren Händen da.
"Die Bevölkerung beginnt sich danach zu sehen, dass dieses
Schauerstück endet", sagte Fraktionschefin Renate Künast.
(Quelle: rtr)
Grüne beraten mit SPD Alternative zur großen Koalition
Mi.16.01.08 - Wie Union und FDP beraten auch SPD und Grüne über eine
mögliche Alternative zur großen Koalition nach der
nächsten Wahl. «Es gibt eine systematische
Gesprächsfolge zwischen führenden Politikern von Grünen
und SPD», sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der
«Leipziger Volkszeitung» vom Dienstag.
Sie verwies auf ein «fast zweistündiges Gespräch»
zwischen SPD-Fraktionschef Peter Struck und ihr kurz vor Weihnachten.
«Dabei haben wir uns unter anderem darüber unterhalten, wie
wir eine Bewegung hinbekommen, die zur Ablösung der großen
Koalition führt.» Insofern verfolge sie Gespräche
zwischen Union und FDP «mit ganz großer Gelassenheit».
Union und FDP hatten am Montagabend nach einem mehrstündigen
Strategietreffen in Berlin eine Annäherung festgestellt. So
sprachen sich beide Seiten für Steuersenkungen in der nächsten
Legislaturperiode aus und bekannten sich zur «bürgerlichen
Mehrheit» nach den anstehenden Landtagswahlen in Hessen und
Niedersachsen. Sie kündigten auch an, die
«freundschaftlichen» Gespräche fortzusetzen.
(Quelle: ap)
Mogelpackung? Kritik an Lücken im Gentechnikgesetz
Mi.16.01.08 - Trotz Kritik aus der Opposition soll das umstrittene Gentechnikgesetz
schon in der kommenden Woche vom Bundestag und Mitte Februar vom
Bundesrat verabschiedet werden. Damit gibt es bereits in der kommenden
Aussaat-Periode Rechtssicherheit für die Landwirte.
Das sagte Agrarstaatssekretär Gert Lindemann am Montag in Berlin.
Das Gesetz, auf das sich die Koalition am Vorabend verständigt
hatte, regelt unter anderem die Sicherheitsabstände bei der Aussaat
von Genmais. Darüber hinaus sollen Lebensmittelhersteller ihre
Produkte unter bestimmten Voraussetzungen auch dann als gentechnikfrei
kennzeichnen dürfen, wenn bei der Herstellung genveränderte
Zusatzstoffe verwendet wurden.
Während die Parlamentarische Staatssekretärin im
Agrarministerium, Ursula Heinen (CDU), von einer guten Regelung für
die Verbraucher sprach, warf die FDP-Expertin Christel Happach-Kasan der
Koalition «Verbrauchertäuschung» vor. Auch die
Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast nannte das Vorhaben
«ein dreistes Täuschungsmanöver». Während
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) für die
Kennzeichnung genfreier Lebensmittel werbe, bereite er in Wahrheit die
Gen-Anbau-Saison 2008 vor.
Mit dem neuen Gesetz soll für tierische Lebensmittel die
Kennzeichnung «ohne Gentechnik» eingeführt werden, wenn
bei der Herstellung keine gentechnisch veränderten Futtermittel -
wie etwa Gensoja - eingesetzt wurden. Allerdings darf auch dann mit
Gentechnikfreiheit geworben werden, wenn bei der Herstellung der
Futtermittel gentechnisch veränderte Zusatzstoffe wie Enzyme oder
Vitaminzusätze verwendet wurden.
Voraussetzung ist allerdings, dass diese Zusatzstoffe nach der
EU-Öko-Verordnung zugelassen und im Endprodukt nicht mehr
nachweisbar sind. Eine Verwendung ist zudem nur dann zulässig, wenn
keine gentechnikfreien Alternativen vorhanden sind. Vor allem für
die Herstellung gentechnikfreier Aminosäuren gebe es derzeit nicht
genügend Rohstoffe, erklärte Lindemann.
Trotz dieser Einschränkung begrüßten Verbraucher- und
Umweltverbände das Vorhaben. Die Kunden hätten künftig
«die Wahl, Erzeugnisse von Tieren zu kaufen, die ohne gentechnisch
veränderte Pflanzen gefüttert wurden», sagte Gerd Billen
vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.
Das neue Gesetz enthält auch klare Regeln für den Anbau von
Genmais. So muss es zu benachbarten Feldern einen Sicherheitsabstand
zwischen 150 und 300 Metern geben. Die Untergrenzen können durch
verbindliche Absprachen zwischen benachbarten Bauern allerdings umgangen
werden. Diese Regelung ist nach Ansicht von Künast «ein
heimtückischer Frontalangriff auf Verbraucher, Umwelt und Bauern,
die auch in Zukunft gentechnikfreie Produkte anbauen und konsumieren
wollen».
(Quelle: dpa)
Baden-württembergs Verbraucherminister Hauk fordert schnelle
Regelung gegen unlautere Telefonwerbung
Mi.16.01.08 - Die Bundesregierung sollte nach Ansicht des
baden-württembergischen Verbraucherministers Peter Hauk endlich
ihren Gesetzentwurf zum besseren Schutz vor unlauterer Telefonwerbung
vorlegen. Der CDU-Politiker sagte der Nachrichtenagentur AP in
Stuttgart: «Es muss nun gehandelt werden.» Man brauche
endlich einen effektiven Schutz gegen belästigende und
unerwünschte Werbeanrufe. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries
(SPD) müsse aktiv werden, ansonsten müssten die Länder
selber über den Bundesrat handeln. Zypries hatte einen Entwurf
für Anfang 2008 angekündigt.
Hauk forderte, dass telefonisch geschlossene Verträge noch
schriftlich bestätigt werden müssen, um gültig zu sein.
«Das kann per E-Mail oder auf dem Postweg passieren.» Die
schriftliche Bestätigung ist auch ein Anliegen von
Verbraucherschutzorganisationen: Sie beklagen, dass gerade ältere
Menschen am Telefon oft überrumpelt oder ausgetrickst werden und
aus unüberlegt abgeschlossenen Verträgen später nur
schwer wieder herauskommen. Eine schriftliche Bestätigung hatte die
Justizministerin bislang abgelehnt.
Hauk sagte, oftmals sei es auch Praxis der Unternehmen, dass
Widerrufsrechte geschickt umgangen würden. Oftmals sei die
Telefonhotline überlastet oder der Verbraucher habe mit einem
Sprachautomaten zu tun. «In manchen Fällen reagieren die
Unternehmen einfach auch nicht auf den Widerruf des Kunden.» Hauk
erklärte, natürlich müsse man eine Pizza-Bestellung nicht
schriftlich bestätigen. «Da wird man als Kunde selber
aktiv.»
Zu Spitzenzeiten gab es in Deutschland täglich bis zu 900.000
Werbeanrufe, berichtete er. Es seien etwas weniger geworden. Die Branche
spüre den öffentlichen Druck. Er müsse aufrechterhalten
bleiben. «Es kann nicht unser Bestreben sein, Arbeitsplätze
zu schützen, die in einem illegalen Bereich liegen.» Generell
sei nämlich unerbetene Telefonwerbung unzulässig,
erklärte der baden-württembergische Verbraucherminister.
Nach Vorstellungen von Zypries soll es unter anderem
Bußgeldregelungen für nicht vorher ausdrücklich
gestattete Telefonwerbung geben. Auch wenn Call-Center ihre Rufnummer
unterdrücken, sollen sie mit einem Bußgeld belangt werden
können. Auch sollen Verbraucher mehr Möglichkeiten bekommen,
am Telefon geschlossene Verträge widerrufen zu können.
Hauk sprach sich auch für einen besseren Schutz vor Abzocke im
Internet aus. Hier seien oft Kinder und Jugendliche die Opfer. Viele
Anbieter lockten Nutzer mit vermeintlich kostenlosen Angeboten. Dahinter
steckten oft teure Dienste oder Abonnements, deren Kosten nur versteckt
angegeben seien. Als Beispiele nannte er SMS-Dienste,
Partnerschaftsvermittlungen oder Hausaufgabendienste.
Der CDU-Politiker appellierte an die Internetnutzer, genau zu
überlegen, welche Daten sie preisgeben. Denn oftmals werde mit den
Angaben dann gezielt Werbung von den Dienstanbietern gemacht. «So
etwas ist kommerziell hoch interessant.»
(Quelle: ap)
Unerbetene Telefonwerbung ist unzulässig - Verhalten bei
unerwünschtem Werbeanruf
Unerwünschte Werbeanrufe sind für viele Verbraucher
mittlerweile zu einer Plage geworden. Grundsätzlich gilt:
Unerbetene Telefonwerbung ist unzulässig und wettbewerbswidrig. Nur
wer zugestimmt hat, darf auch angerufen werden. Nach Angaben von
Verbraucherschützern versuchen unseriöse Anbieter immer
wieder, dieses Einverständnis mit geschickt gestellten Fragen zu
konstruieren.
Um auch künftige Anrufe möglicherweise zu verhindern,
empfehlen die Verbraucherschützer einen offensiven Umgang: Zuerst
nach dem Namen des Anrufers und des Unternehmens fragen, notfalls
buchstabieren lassen. Dann um eine Begründung für den Anruf
bitten, schließlich Datum und Uhrzeit des Anrufs notieren.
Liegt kein Einverständnis für einen Anruf vor, ist es
sinnvoll, Folgendes zu sagen: «Dann darf ich Sie darauf hinweisen,
dass ihr Anruf unerwünscht ist. Ich fordere Sie auf, meine von
Ihnen gespeicherten persönlichen Daten umgehend zu löschen.
Ich werde die Einleitung eines wettbewerbsrechtlichen Verfahrens gegen
ihre Firma veranlassen. Zudem behalte ich mir eine Unterlassungsklage
gegen Sie vor.»
Wurde zuvor ein Einverständnis erteilt, schlagen die Fachleute
folgende Antwort vor: «Dann darf ich Sie darauf hinweisen, dass
Ihr Anruf unerwünscht ist. Ich fordere Sie auf, meine von Ihnen
gespeicherten Daten zu löschen, und untersage jegliche weitere
Nutzung.»
Wer sich von Anrufen mit Bandansagen belästigt fühlt, kann
sich unter bundesnetzagentur.de an die Bundesnetzagentur wenden. In
einem Faltblatt, das im Internet heruntergeladen werden kann, hat die
Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz alles rund um das Thema
unerwünschte Telefonwerbung zusammengestellt. Generell raten die
Experten, bei der Weitergabe der Telefonnummer vorsichtig zu sein und
sie beispielsweise nicht bei jedem Gewinnspiel anzugeben.
Mehr Information zum Thema: unter:
ttp://www.verbraucherzentrale-rlp.de/mediabig/22192A.pdf
http://www.bundesnetzagentur.de
http://www.bmj.bund.de/cold-calling
Quelle: ap, 14.01.2008
|
Deutscher Wetterdienst: 2007 - Extrem warm und sehr feucht
Mi.16.01.08 - 2007 war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) extrem warm
und sehr feucht. Das Vorjahr geht als eines der niederschlagreichsten
seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte ein, wie die am
Dienstag veröffentlichte endgültige DWD-Bilanz in Offenbach
ergab. «Mit einem Gebietsmittel von 941,8 Millimetern Niederschlag
lag 2007 fast 20 Prozent über dem Durchschnitt der Referenzperiode
von 1961 bis 1990», sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche der
Nachrichtenagentur ddp. Das Vorjahr sei das «fünfnasseste
seit Beginn des 20. Jahrhunderts».
Es gab extreme Schwankungen: Auf den trockensten April seit 1901 folgte
nach DWD-Angaben direkt der nasseste Mai seit Beginn des 20.
Jahrhunderts. Insgesamt wurden 2007 aber nur drei Monate mit
unterdurchschnittlicher Niederschlagshöhe und neun Monate, die mehr
Niederschlag als in der Referenzperiode brachten, registriert. Daher
sei das Jahr in dieser Hinsicht nicht außergewöhnlich
gewesen, sagte Kirsche.
Aus Temperatursicht zählt 2007 jedoch nach allen nun vorliegenden
Zahlen zu den Rekordjahren: Mit durchschnittlich 9,83 Grad Celsius ist
es das zweitwärmste seit Beginn des 20.Jahrhunderts. «Es war
mit 1,6 Grad über dem normalen Mittel unglaublich warm»,
sagte der Meteorologe. An der Spitze bleibe das Jahr 2000 mit 9,89 Grad.
Nur der September, Oktober und November wiesen leicht
unterdurchschnittliche Mitteltemperaturen auf, während die
übrigen Monate zu warm ausfielen. Das erste Jahresdrittel mit dem
wärmsten Winter 2006/07 und dem wärmsten Frühling seit
1901 sei extrem gewesen, sagte der DWD-Sprecher.
Das Jahr war auch sehr sonnenscheinreich. Zwar standen sechs
überdurchschnittlich sonnenscheinreiche Monate sechs mit Defiziten
gegenüber. «Die Überschüsse waren aber meist
erheblich höher als die Defizite, wobei der April als
sonnenscheinreichster April seit 1951 besonders hervortrat», so
die Bilanz. Als Mittel für Deutschland ergab sich eine
Sonnenscheindauer von 1690 Stunden. Das waren 162 Stunden oder zehn
Prozent mehr als im Zeitraum 1961 bis 1990.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Italienische Studenten protestieren gegen Papst-Besuch an Uni
Mi.16.01.08 - Mit einem Sitzstreik haben italienische Studenten in Rom gegen eine
bevorstehende Rede von Papst Benedikt XVI. in der
prestigeträchtigen Universität La Sapienza demonstriert.
Die Studenten besetzten das Büro des Universitätsrektors und
forderten, während des für Donnerstag geplanten Besuch des
Papstes auf dem Universitätsgelände demonstrieren zu
dürfen. "Der Papst nimmt La Sapienza zur Geisel. Befreit die
Denker", hieß es auf einem Spruchband der Protestierenden.
Die Studenten werfen dem Papst reaktionäre Ansichten
gegenüber der Wissenschaft vor. Die Kontroverse begann mit einem
von 67 Professoren unterzeichneten Brief, in dem auf eine Rede des
Papstes vor nahezu 20 Jahren Bezug genommen wurde. Nach Ansicht der
Professoren stellte der Papst in der Ansprache damals den Ketzerprozess
im 17. Jahrhundert gegen Galileo Galilei in ein positives Licht. Dieser
musste sich wegen seiner Erkenntnisse rechtfertigen, wonach sich die
Erde um die Sonne dreht. Die Professoren forderten, dass der
Papst-Besuch abgesagt werde. Anhänger Benedikts wiesen die
Vorwürfe zurück. Hochschulvertreter verwiesen zudem darauf,
dass an der vor über 700 Jahren von einem Papst gegründeten
Universität etwa 5000 Professoren arbeiteten und es sich bei den
Protestierenden um eine Minderheit handele.
(Quelle: rtr)