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Irak am 1394sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Selbstmordattentäterin sprengt sich in die Luft - Acht Tote. Drei
US-Soldaten bei Militäraktionen getötet. Schiiten pilgern
erstmals nach Kämpfen in Massen nach Kerbela
Do.17.01.08 - Eine Selbstmordattentäterin hat am Mittwoch in der irakischen
Unruheprovinz Dijala acht Menschen mit in den Tod gerissen: Die Frau
habe sich auf einem belebten Markt in der nahe Bakuba gelegenen
Ortschaft Chan Bani Saad in die Luft gesprengt, teilte die Polizei mit.
Weitere sieben Menschen seien verletzt worden. Am 2. Januar hatte eine
Selbstmordattentäterin in Bakuba zehn Menschen getötet.
Dijala ist ein Schwerpunkt der in diesem Monat begonnenen Offensive des
US-Militärs gegen Al-Kaida-Extremisten. Am Montag erklärte die
US-Armee, binnen einer Woche seien 60 Kämpfer getötet worden.
Die Operation "Phantom Phoenix" wurde neben Dijala auch in anderen
Provinzen nördlich von Bagdad sowie im Süden der Hauptstadt
gestartet. Dorthin sollen sich versprengte Extremisten
zurückgezogen haben.
Drei US-Soldaten sind bei Militäraktionen in der irakischen
Provinz Salahuddin nördlich von Bagdad am Mittwoch getötet
worden, wie die Streitkräfte mitteilten. Zwei weitere Soldaten
wurden den Angaben zufolge von Schüssen verletzt und in
Militärkrankenhaus gebracht. Näheres wurde nicht mitgeteilt.
In der irakischen Stadt Kerbela sind erstmals seit schweren
Kämpfen im August wieder Tausende schiitische Pilger
zusammengekommen, um gemeinsam ein großes religiöses Fest zu
feiern.
Die in schwarzen Gewändern gekleideten Gläubigen kamen am
Mittwoch unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen für das
Aschura-Fest in die Pilgerstadt. Die irakischen Behörden
verhängten ein Fahrzeugverbot für Kerbela, auf den
Häuserdächern wurden Scharfschützen in Stellung
gebracht. Etwa 25.000 Soldaten und Polizisten waren im Einsatz, um
für den Schutz der Pilger zu sorgen, Sicherheitskräfte
beobachteten die Lage zudem von Flugzeugen aus.
Das Aschura-Fest, mit dem die Schiiten an den Tod des Imams Hussein -
ein Enkels des Propheten Mohammed - im Jahr 680 erinnern, dauert zehn
Tage. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist am Samstag. Insgesamt
wird mit mehreren Millionen Pilgern gerechnet. Erstmals seit Jahren
nehmen dem örtlichen Tourismusverband zufolge auch Besucher der
Golfstaaten Kuwait, Bahrain und Saudi-Arabien teil.
Kerbela war bereits mehrfach Schauplatz von Gewalt zwischen den
Bevölkerungsgruppen. Im August kam es zu schweren Kämpfen
zwischen rivalisierenden Milizen, bei denen während
religiöser Feierlichkeiten mehr als 50 Menschen getötet
wurden. Als Folge der Unruhen flohen Hunderttausende Pilger aus der
Stadt.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 17.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Journalist protestiert gegen Haftbedingungen in Guantanamo
Do.17.01.08 - Ein in Guantanamo inhaftierter Journalist hat in einem offenen Brief
gegen die Bedingungen in dem US-Gefangenenlager auf Kuba protestiert.
«Jeder von uns leidet körperliche Schmerzen, und unsere
verletzten Herzen leiden einen seelischen Schmerz, der nicht
beschrieben werden kann», schrieb der sudanesische Kameramann des
arabischen Fernsehsenders Al Dschasira, Sami al Hadsch, in dem am
Mittwoch veröffentlichten Brief.
Der 38-Jährige kritisierte, dass er seit sechs Jahren ohne Anklage
gefangen gehalten werde. Der Öffentlichkeit warf er ein mangelndes
Interesse am Schicksal der Guantanamo-Insassen vor. «All dies
findet in einer Welt statt, die weiß, was geschieht, dabei aber
schweigt und nicht viel mehr tut, als dieses bedauerliche Theater
anzuschauen», heißt es in dem Brief Al Hadschs, der nach
Angaben seines Anwalts Clive Stafford Smith bereits Ende Dezember
geschrieben wurde und vor seiner Veröffentlichung erst die
US-Militärzensur passieren musste.
Al Hadsch wurde im Dezember 2001 von den pakistanischen Behörden
an der Grenze zu Afghanistan gefangen genommen und sechs Monate
später den USA übergeben. Ihm wird vorgeworfen, in den 90er
Jahren Geld für eine Wohltätigkeitsorganisation
befördert zu haben, die militante Gruppen finanziert haben soll.
Stafford Smith sagte, sein Mandant befinde sich seit 374 Tagen im
Hungerstreik und werde zwangsernährt.
Ein Sprecher des Gefangenenlagers, Fregattenkapitän Rick Haupt,
sagte, die US-Streitkräfte gäben grundsätzlich keine
Stellungnahme ab zu den Haftbedingungen einzelner Gefangener. Alle
würden human behandelt und von Vertretern des Internationalen
Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) besucht. «Wir kümmern uns um
Sami al Hadsch, wie wir es für jeden anderen Gefangenen hier
tun», sagte Haupt.
Nachdem in den vergangenen sechs Monaten etwa 100 Gefangene
freigelassen wurden, werden in Guantanamo zurzeit 275 Männer
festgehalten. Sie werden terroristischer Aktivitäten oder
Verbindungen zur Al Kaida oder zu den Taliban verdächtigt. Zehn
Gefangene befinden sich im Hungerstreik. Am 30. Dezember starb in
Guantanamo ein 68-jähriger Afghane in Krebs. Vier Gefangene haben
ihrem Leben mit Suizid ein Ende gesetzt.
(Quelle: ap)
Nato streitet über Strategie in Afghanistan
Do.17.01.08 - Eineinhalb Jahre nach der Kommandoübernahme zeichnet sich in der
Nato offener Streit über die Strategie in Afghanistan ab.
Die USA kritisierten ihre europäischen Verbündeten am
Mittwoch scharf und hielten ihnen vor, für den Kampf gegen die
radikal-islamischen Aufständischen nicht gerüstet zu sein.
Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer wies die Bemerkungen
von US-Verteidigungsminister Robert Gates umgehend zurück.
"Die meisten europäischen Truppen, Nato-Truppen, sind für
Einsätze gegen Rebellen nicht ausgebildet", sagte Gates in einem
Interview der "Los Angeles Times". Stattdessen seien sie noch immer auf
dem Stand des Kalten Krieges, als die Soldaten auf eine sowjetische
Invasion vorbereitet wurden. Gates hielt den Nato-Schwierigkeiten im
Süden Afghanistans zudem Erfolge des US-Einsatzes in den
östlichen Grenzregionen zu Pakistan entgegen. "Unsere Männer
im Osten erledigen ihre Aufgaben großartig", sagte Gates dem
Blatt. "Sie haben das Ding im Griff. Aber ich glaube unsere
Verbündeten da drüben haben keine Erfahrung mit so etwas."
Ein Sprecher des Ministers versicherte, die Bemerkungen dürften
nicht als Kritik an einzelnen Ländern wie Großbritannien,
Kanada oder den Niederlanden missverstanden werden. Die drei Staaten
tragen die Hauptlast des Nato-Einsatzes im Süden, der auf
erheblichen Widerstand trifft. Stattdessen habe Gates sagen wollen,
dass die Allianz als Ganzes nicht die Struktur habe, gegen
Aufständische vorzugehen, erklärte der Sprecher in Washington.
De Hoop Scheffer zeigte sich überrascht von der Kritik. Weder er
noch die militärischen Kommandeure hätten Hinweise darauf,
"dass irgendein Land oder Länder ihre Aufgaben nicht auf
höchstem Niveau erfüllen", sagte er in Brüssel. Auch im
Süden seien die Nato-Mitglieder ihrem Auftrag gewachsen.
Die Nato hat 42.000 Soldaten in Afghanistan im Einsatz, rund 15.000
davon sowie den derzeitigen Oberkommandierenden stellen die USA.
Weitere 15.000 US-Soldaten kämpfen im Osten in einem separat
geführten Anti-Terror-Einsatz.
Mit dem Streit drohen sich die Gräben innerhalb des
Militärbündnisses zu vertiefen. Jahrelang haben die
Europäer kritisiert, der US-Einsatz in Afghanistan sei einseitig
militärisch ausgerichtet und vernachlässige den Wiederaufbau.
Nach dem Kommandowechsel übten die USA dann im vergangenen Jahr
vergeblich Druck auf Verbündete aus, mehr Soldaten an den
Hindukusch zu schicken. Vor kurzem forderte der britische
Premierminister Gordon Brown schließlich einen Strategiewechsel
in Afghanistan und verlangte "nüchternen Realismus". Er sprach
sich zudem dafür aus, enger mit einheimischen Kräften
zusammenzuarbeiten.
Deutschland hat die Verantwortung für den relativ ruhigen Norden
Afghanistans und dort rund 3500 Soldaten im Einsatz, darunter in
zahlreichen Wiederaufbauprojekten.
(Quelle: rtr)
Taliban überfallen Militärstützpunkt in Pakistan
Do.17.01.08 - Hunderte Taliban-Kämpfer haben einen pakistanischen
Militärstützpunkt angegriffen und etwa 30 Soldaten
getötet. Die schwer bewaffneten Aufständischen griffen nach
pakistanischen TV-Berichten das Lager im Nordwesten Pakistans an der
Grenze zu Afghanistan am späten Dienstagabend an.
Bei dem Überfall starben auch sechs Taliban, mehrere Kämpfer
wurden während des mehr als fünfstündigen Kampfes
gefangen genommen. «Die Kommunikation mit den Soldaten brach gegen
2.00 Uhr morgens (Ortszeit) zusammen», sagte ein
Behördensprecher dem Fernsehsender BBC.
Das pakistanische Militär bestätigte, dass mehr als 400
Kämpfer den Stützpunkt angegriffen haben. Es widersprach
jedoch Berichten über eine Niederlage der Regierungstruppen.
«Wir kontrollieren die Militärbasis und die schweren
Kämpfe dauern immer noch an», sagte ein hochrangiger
Militärsprecher am Morgen.
(Quelle: dpa)
Bundeswehr will Kampfverband nach Afghanistan schicken
Do.17.01.08 - Die Bundeswehr bereitet sich einem Zeitungsbericht zufolge auf die
Entsendung eines Kampfverbandes nach Nordafghanistan mit bis zu 250
zusätzlichen Soldaten vor.
«Diese Aufgabe wird im Sommer auf Deutschland zukommen»,
sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion,
Rainer Arnold, der «Passauer Neuen Presse». Damit werde eine
«neue Qualität» des Bundeswehr-Engagements in
Afghanistan erreicht. Bisher seien im nordafghanischen Mazar-i-Sharif
nur «Stabilisierungstruppen», aber keine Kampfverbände
stationiert. Diese unterschieden sich durch Ausrüstung, Ausbildung
und Auftrag und könnten «auch zur Jagd von Terroristen»
eingesetzt werden.
Der Verband solle eine schnelle Eingreiftruppe mit rund 350
norwegischen Soldaten ersetzen, die bisher im deutschen
Verantwortungsbereich im Norden stationiert ist. Norwegen wolle diese
Truppe im Juli zurückziehen, sagte Arnold. Da die Bundeswehr ihre
bereits vorhandene Logistik in Nordafghanistan nutzen könne,
reichten bis zu 250 deutsche Soldaten aus, um die Norweger zu ersetzen.
Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte dazu der Zeitung:
«Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen.» Eine
Entsendung des Kampfverbandes bliebe im Rahmen des vom Bundestag
beschlossenen ISAF- Mandats.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt: Sorge über israelischen Militäreinsatz im
Gazastreifen
Do.17.01.08 - Nach dem blutigsten israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen
seit mehr als einem Jahr hat sich die EU tief besorgt über die Lage
geäußert.
In einer am Dienstag in Ljubljana verbreiten Erklärung der
slowenischen EU- Ratspräsidentschaft wurden die Konfliktparteien
aufgefordert, «größtmögliche Zurückhaltung zu
üben und den Einsatz von Gewalt zu unterlassen». Vor allem
angesichts der wieder aufgenommenen Friedensverhandlungen zwischen
Israelis und Palästinensern mahnte die EU zur Ruhe. Israelis und
Palästinensische Autonomiebehörde wurden ermuntert,
«ihre Gespräche in Übereinstimmung mit den
Vereinbarungen von (der Nahost-Konferenz in) Annapolis
fortzuführen».
Bei dem israelischen Armee-Einsatz waren 19 Palästinenser
getötet und mehr als 40 verletzt worden. Bei den Toten handelte es
sich nach Krankenhausangaben überwiegend um Mitglieder militanter
Organisationen.
US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte die arabischen
Staaten unterdessen bei einem Besuch in Saudi-Arabien auf, im Interesse
des Nahost-Friedensprozesses auf Israel zuzugehen. Es sei wichtig, dass
die arabischen Staaten der Region «alles tun, um den
Friedensprozess zu ermutigen... sie sollten tatsächlich
Anstrengungen machen, auf Israel zuzugehen», sagte Rice am
Dienstagabend in Riad.
Der saudische Außenminister Saud Al-Faisal forderte Israel auf,
den Ausbau der Siedlungen zu stoppen. Der Siedlungsbau wecke Zweifel an
der Ernsthaftigkeit des israelischen Friedenswillens. Saudi- Arabien
hätte wie andere arabische Staaten auch Israel schon lange eine
Normalisierung angeboten, wenn Israel die besetzten Gebiete und die
illegalen Siedlungen aufgeben würde. Es liege vor allem an Israel,
ob der Friedensprozess erfolgreich sein könne. «Ich
weiß nicht, wie wir noch mehr auf Israel zugehen
können», sagte der saudische Minister.
(Quelle: dpa)
Bushs Nahost-Rundreise endet ohne greifbaren Erfolg
Do.17.01.08 - Die einwöchige Rundreise von US-Präsident George W. Bush
durch den Nahen Osten ist ohne greifbaren Erfolg zu Ende gegangen. Bush
vermied es, den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak bei
einem Kurz-Besuch im Badeort Scharm el Scheich öffentlich auf
Menschenrechtsverletzungen und Demokratie-Defizite anzusprechen. In
Saudi-Arabien, der vorletzten Station, erzielte Bush allem Anschein
nach keine Erfolge beim Werben um Verbündete gegen den Iran, um
eine Erhöhung der Ölfördermengen und um verstärkte
Kooperation zur Überwindung des israelisch-palästinensischen
Konflikts.
Während Bush noch im vergangenen Jahr die Freilassung mehrerer
ägyptischer Oppositioneller - und insbesondere des
43-jährigen Anwalts Aiman Nur - forderte, verzichtete er in Scharm
el Scheich auf solche Erklärungen. Der US-Präsident sagte
lediglich, Ägypten müsse in der weltweiten Bewegung für
Freiheit und Gerechtigkeit seine Rolle spielen.
In Riad verhallte Bushs Forderung nach einer Erhöhung der
Ölfördermengen. US-Präsidentensprecherin Dana Perino
sagte lediglich, es gebe eine "Hoffnung", dass sich die Organisation
erdölexportierender Länder (OPEC) zu einer Erhöhung der
Fördermengen ermuntert sehe. Zusagen Saudi-Arabiens wurden nicht
bekannt.
Unter Hinweis auf den Konflikt zwischen Israelis und
Palästinensern sagte Außenminister Prinz Saud El Faisal, er
wisse nicht, was Saudi-Arabien "zusätzlich tun könnte". Bush
hatte zu Beginn seiner Nahost-Reise bei Besuchen in Israel und im
palästinensischen Westjordanland klar gemacht, dass er bis zum
Ende seiner Amtszeit in weniger als einem Jahr einen Friedensvertrag
zwischen Israel und den Palästinensern erreichen will. Bushs
wiederholte Hinweise auf eine von dem Iran ausgehende Bedrohung
quittierte der saudische Außenminister mit der Bemerkung, der
Iran sei ein "wichtiges Land" und sein Land habe "nichts gegen den
Iran".
Kurz vor dem Abschluss seiner Rundreise forderte Bush die "sofortige"
Abhaltung der wiederholt verschobenen Präsidentschaftswahl im
Libanon. Die Wahl müsse "ohne Vorbedingung" vonstatten gehen,
sagte Bush in Scharm el Scheich. Er warf Syrien und dem Iran vor, sich
in das Wahlverfahren im Libanon eingemischt zu haben. Seit dem Ende der
Amtszeit von Präsident Emile Lahoud am 23. November besteht im
Libanon ein Machtvakuum. Die Präsidentschaftswahl im libanesischen
Parlament soll nach zwölfmaliger Verschiebung nun am 21. Januar
stattfinden.
(Quelle: afp)
Opec-Generalsekretär - Sind zur Erhöhung der Fördermenge
bereit
Do.17.01.08 - Das Ölförderkartell Opec ist nach Angaben seines
Generalsekretär zur Erhöhung der Fördermengen bereit,
sollten die weltweiten Lagerbestände zu niedrig sein: Allerdings
sei dies derzeit nicht der Fall, sagte Abdullah al-Badri am Mittwoch.
"Die Lagerbestände in den OECD-Staaten liegen im
Fünf-Jahres-Durchschnitt", sagte der Generalsekretär zu
Journalisten in der zypriotischen Hauptstadt Nicosia.
Das nächste Treffen der Organisation erdölexportierender
Länder (Opec) findet am 1. Februar in Wien statt. Weitere
Beratungen über die Ölfördermenge sind für den 5.
März geplant. Bei ihrem letzten Treffen im Dezember trotzten die 13
Mitgliedsländer Beschwerden in den Industrieländer über
die hohen Ölpreise und ließen die Fördermengen
unverändert. Die Opec kontrolliert rund ein Drittel der weltweiten
Erdöl-Produktion.
Die Ölpreise liegen derzeit bei etwa 90 Dollar je Barrel (159
Liter). Mitte November war der Ölpreis auf fast 100 Dollar
gestiegen. Experten zufolge könnte der hohe Ölpreis die
Weltwirtschaft abbremsen.
(Quelle: rtr)
Polizei erschießt mindestens zwei Demonstranten in Kenia
Do.17.01.08 - Bei neuen Kundgebungen der kenianischen Opposition gegen Präsident
Mwai Kibaki hat die Polizei mindestens zwei Demonstranten erschossen,
davon einen mit Schüssen in den Rücken. "Ein Mann wurde von
hinten erschossen, als die Polizei rund tausend Jugendliche
auseinandertreiben wollte", sagte ein Polizeisprecher in der westlichen
Stadt Kisumu, einer Hochburg des Präsidentschaftskandidaten Raila
Odinga. Ein weiterer Demonstrant erlag im Krankenhaus von Kisumu seinen
Schussverletzungen.
Bei einer Kundgebung im Slum Kibera bei Nairobi wurden drei
Anhänger von Odingas Partei Orange Democratic Movement (ODM)
verletzt. "Nichts wird uns davon abhalten, derartige Kundgebungen zu
veranstalten", sagte Odinga in Nairobi. Tausende Odinga-Anhänger
gingen in mehreren Städten des Landes auf die Straße. In der
Sadt Eldoret im Westen forderten die Demonstranten, Kibaki müsse
sein Amt aufgeben.
"Ruhe in Frieden, Kibaki - in einem Sarg, lebendig begraben",
hieß es auf einem Spruchband. Odinga und seine Partei
beanspruchen den Sieg bei der Präsidentschaftswahl Ende Dezember.
Kibaki hatte sich jedoch zum Sieger erklärt und für eine
weitere Amtszeit vereidigen lassen. Bei den Unruhen nach dem
umstrittenen Urnengang kamen bislang mindestens 700 Menschen ums Leben,
200.000 ergriffen die Flucht.
In der Hauptstadt Nairobi marschierten Anhänger der ODM in kleinen
Gruppen auf das Stadtzentrum zu. Der Uhuru-Park, in dem die Opposition
eine Kundgebung abhalten wollte, wurde von Sicherheitskräften
abgeriegelt. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die
Odinga-Anhänger auseinander zu treiben. "Die Polizei setzt auf
eine Schläger-Taktik, aber die Menschen kommen auf die
Straße", sagte ODM-Generalsekretär Anyang Nyongo vor
Journalisten in Nairobi.
Am Dienstagabend hatte die ODM einen Sieg errungen, als ihr
Abgeordneter Kenneth Marende zum Parlamentspräsidenten
gewählt wurde. Die US-Regierung und die EU-Kommission
begrüßten die Wahl des Oppositionspolitikers.
Angesichts der anhaltenden blutigen Auseinandersetzungen in Kenia
drohte die EU-Kommission mit dem Aussetzen der Entwicklungshilfe. Das
UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) bezifferte den aktuellen Finanzbedarf
für die Hilfe in Kenia auf 6,4 Millionen Dollar.
(Quelle: afp)
23 Tote bei Anschlag auf Schulbus in Sri Lanka
Do.17.01.08 - Wenige Stunden vor dem Ende des Waffenstillstands in Sri Lanka sind bei
einem Anschlag auf einen Bus im Südosten der Insel mindestens 23
Menschen getötet worden. Das Verteidigungsministerium in Colombo
teilte mit, in dem Bus seien zahlreiche Kinder auf dem Weg zur Schule
gewesen.
Die Regierung machte Tamilen-Rebellen für die Tat verantwortlich.
Nach Angaben der Polizei wurden 67 Menschen bei dem Anschlag in Buttala
200 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Colombo verletzt. Die
Angreifer hätten zunächst eine Mine am Straßenrand
gezündet und dann das Feuer auf den Bus eröffnet.
Kurz darauf wurde in derselben Gegend ein Anschlag mit einer
ferngezündeten Mine auf einen Armeelastwagen verübt. Ein
Militärsprecher sagte, drei Soldaten seien verletzt worden. Im
Norden der Insel seien am Mittwoch heftige Kämpfe mit der LTTE
entbrannt. Der Waffenstillstand zwischen der Regierung und den Rebellen
der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) endet um Mitternacht
(Ortszeit/1930 MEZ).
Die Regierung hatte das von Norwegen vermittelte Abkommen vor zwei
Wochen aufgekündigt. Die Armee will die LTTE in diesem Jahr
vernichtend schlagen und den 25-jährigen Bürgerkrieg auf der
südasiatischen Insel gewaltsam beenden.
(Quelle: dpa)
Südkorea will Ministerium für Wiedervereinigung abschaffen
Do.17.01.08 - Unter dem designierten südkoreanischen Präsidenten Lee Myung
Bak zeichnet sich eine härtere Linie gegenüber Nordkorea an.
Das Ministerium für Wiedervereinigung soll es künftig nicht
mehr geben, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht von
Lees Mitarbeiterstab hervorgeht. Stattdessen sollen die Beziehungen zum
kommunistischen Norden über das Außenministerium abgewickelt
werden. Beobachter maßen dieser Ankündigung vor allem eine
hohe symbolische Bedeutung bei.
Das Ministerium für Wiedervereinigung ist von südkoreanischen
Konservativen häufig kritisiert worden, eine zu sanfte Linie
gegenüber Pjöngjang zu vertreten. So wurde auch auf dem
Höhepunkt des Atomstreits immer wieder eine Aussöhnung gesucht
- eines der Hauptziele der liberalen Präsidenten der vergangenen
zehn Jahre. Unter dem neuen konservativen Präsidenten Lee sollen
nun vorrangig außenpolitische Erwägungen im Mittelpunkt der
Beziehungen zum Norden stehen, wie der Bericht unterstreicht. Dies
könnte auch eine Rücknahme von Hilfslieferungen bedeuten.
Eine grundlegende Abkehr vom Streben nach Wiedervereinigung wird
allerdings nicht erwartet.
(Quelle: ap)
Russland warnt das Kosovo vor Unabhängigkeitserklärung
Do.17.01.08 - Russland hat die Regierung der Provinz Kosovo eindringlich vor einer
einseitigen Unabhängigkeitserklärung gewarnt. Ein solcher
Schritt sollte von den Vereinten Nationen sofort für nichtig
erklärt werden, weil er gegen die UN-Charta und gegen die
Kosovo-Resolution der Vereinten Nationen von 1999 verstoßen
würde, sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin am
Mittwoch bei Beratungen im Weltsicherheitsrat.
Tschurkin machte deutlich, dass Russland sein Vetorecht im
Sicherheitsrat nutzen werde, um jeden Versuch zu blockieren, ein
unabhängiges Kosovo in die Vereinten Nationen aufzunehmen. Wenn
sich das Kosovo zu einem einseitigen Vorgehen entschließe,
könne es niemals ein allseits anerkanntes Mitglied der
internationalen Gemeinschaft werden.
Die USA und Großbritannien bekräftigten hingegen ihre
Unterstützung für eine Loslösung des Kosovos von
Serbien. Zur russischen Forderung nach weiteren Verhandlungen sagte der
britische UN-Botschafter John Sawers, diese Perspektive sei nicht mehr
gegeben.
An den Beratungen im Sicherheitsrat nahmen auch der serbische
Präsident Boris Tadic und der neue Ministerpräsident des
Kosovos, Hashim Thaci, teil. Thaci sagte, das Kosovo habe die
Grundlagen für einen demokratischen Staat gelegt. Vor Journalisten
kündigte er an, es werde schon sehr bald eine Entscheidung
getroffen, «und wir hoffen, dass die internationalen Gemeinschaft
uns sehr bald anerkennen wird». Tadic betonte, Serbien werde eine
Unabhängigkeit des Kosovos niemals anerkennen und mit allen
demokratischen, rechtlichen und diplomatischen Mitteln für seine
territoriale Unversehrtheit eintreten.
(Quelle: ap)
Spannungen im britisch-russischen Verhältnis spitzen sich zu
Do.17.01.08 - Die Spannungen im britisch-russischen Verhältnis haben sich am
Mittwoch weiter zugespitzt. Hintergrund ist der eskalierende Streit um
die von Moskau angeordnete Schließung der Kulturinstitute des
British Councils. Der russische Geheimdienst FSB befragte alle
russischen Angestellten der Einrichtungen. Daraufhin schloss das
British Council das Büro in Sankt Petersburg vorerst. Der
britische Außenminister David Miliband verurteilte in London
«jede Art von Einschüchterung oder Belästigung»
der Angestellten.
Das British Council zeigte sich in einer Erklärung tief besorgt.
«Unsere Hauptsorge gilt der Sicherheit unserer russischen und
britischen Angestellten», hieß es dazu in London. Die
Einrichtung hoffe jedoch auf eine baldige Wiedereröffnung des
Kulturinstituts. Der FSB, die Nachfolgeorganisation des KGB,
erklärte, es sei bei den Gesprächen mit den russischen
Angestellten nur darum gegangen, russische Bürger davor zu
schützen, zum Spielball der Briten zu werden.
Am Dienstag hatte der britische Botschafter in Moskau, Anthony Brenton,
Russland noch gewarnt, dass jedes Vorgehen gegen die Kultureinrichtung
der Botschaft ein Verstoß gegen internationales Recht wäre.
Die russische Regierung hatte zuvor gedroht, eine Wiedereröffnung
der Regionalbüros des British Council nach dem 1. Januar werde die
ohnehin von dem Mordfall Litvinenko belasteten Beziehungen weiter
verschlechtern. Die Büros in St. Petersburg und Jekaterinburg
öffneten am Montag zunächst ohne Zwischenfall, Moskau sprach
aber von einer Provokation und bestellte den Botschafter ein.
Moskau wirft dem British Council vor, die Regionalbüros ohne
Erlaubnis zu betreiben. Präsident Wladimir Putin und der
FSB-Direktor Nikolai Patruschew hatten sich angesichts der Arbeit
ausländischer Organisationen in Russland wiederholt besorgt
gezeigt und ihnen vorgeworfen, der Regierung schaden zu wollen.
(Quelle: ap)
Allianz der Zivilisationen will Vorurteile abbauen - Dialog zwischen
westlicher und islamischer Welt
Do.17.01.08 - Mit der Einigung auf ein Dutzend Projekte zur Förderung des
Dialogs zwischen der westlichen und der islamischen Welt ist am
Mittwoch in Madrid das erste internationale Forum der von den Vereinten
Nationen unterstützten Allianz der Zivilisationen zu Ende
gegangen. Die Allianz konzentriert sich dabei nach eigenem Bekunden vor
allem auf die Bereiche Jugend, Bildung, Medien und Migration. Eines der
Projekte, für das 100 Millionen Euro bereitgestellt werden, soll
Filme fördern, in denen gegenseitige Vorurteile abgebaut werden.
Der UN-Beauftragte Jorge Sampaio würdigte die Allianz der
Zivilisationen zum Abschluss der zweitägigen Veranstaltung als ein
besonderes Beispiel dafür, wie gut die Vereinten Nationen in der
Lage seien, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte am Dienstag in seiner
Eröffnungsrede im Kampf gegen den Terrorismus zu einem dringenden
Dialog zwischen den Kulturen aufgerufen. Niemals zuvor sei ein
konstruktiver und engagierter Dialog nötiger gewesen, sagte Ban.
Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez
Zapatero hatte im September 2004 als Reaktion auf die
Bombenanschläge von Madrid vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen den Anstoß zu der Initiative gegeben. Die Türkei
und die UN schlossen sich später an. Die Initiative, die
inzwischen von mehr als 80 Staaten unterstützt wird, soll dazu
beitragen, Brücken zwischen der islamischen und der westlichen
Welt zu bauen.
(Quelle: ap)
Verschärfung des Jugendstrafrechts in Frankreich: Wirkungslose
Abschreckung
Do.17.01.08 - Die aufgeregte Debatte über eine Verschärfung des
Jugendstrafrechts in Deutschland wirkt in Frankreich wie ein
Déjà-vu-Erlebnis: Im Präsidentschaftswahlkampf
überboten sich der konservative Nicolas Sarkozy und die Sozialistin
Ségolène Royal mit Vorschlägen im Kampf gegen
minderjährige Straftäter und Bandenkriminalität. Anders
als in Deutschland stammte der kühnste Vorstoß dabei von der
linken Kandidatin: Royal wollte junge Delinquenten durch eine Erziehung
in Militärcamps zurück auf den Weg der Tugend bringen.
Bekanntlich gewann Sarkozy die Wahl. Schon als
Law-and-Order-Innenminister hatte er versprochen, die unter dramatischer
Kriminalität leidenden Vorstädte «mit dem Kärcher
vom Gesindel zu befreien». Tatsächlich setzte er drei Monate
nach seiner Wahl eine Verschärfung des Jugendstrafrechts durch.
Doch das Prinzip Abschreckung hat bislang nicht verhindert, dass die
Gewalt weiter eskalierte.
Das Gesetz trat am 10. August 2007 in Kraft. Es schreibt Mindeststrafen
für Wiederholungstäter vor. Wenn Jugendliche von 13 bis 18
Jahren schwere Straftaten zum dritten Mal begehen, sollen sie nach
Erwachsenenrecht verurteilt werden. In einem Fall wie in München
könnten sie für 15 Jahre hinter Gitter wandern, würde
ihnen besondere Grausamkeit angelastet. Eine Anwendung des
Jugendstrafrechts bleibt zwar möglich, muss von den Richtern aber
besonders begründet werden. Voraussetzung ist die Chance auf eine
rasche Resozialisierung.
Für Kinder aus problematischen sozialen Verhältnissen wird es
daher besonders schwierig. Das ist auch die Intention des Gesetzes, mit
der Sarkozy auf ein breites Gefühl der Unsicherheit in der
Gesellschaft reagierte. Selbst drei Viertel der jungen Erwachsenen sind
für mehr Autorität des Staates. Hintergrund ist die immer
wieder aufflammende Gewalt in den Vorstädten. Trotz
Stadtentwicklungsprogrammen in Milliardenhöhe und einer massiven
Förderung lokaler Initiativen haben sich viele Jugendliche dort
weiter radikalisiert.
Dass der Staat mit einer knallharten Justiz reagiert, greift bislang
nicht: Ende November, also drei Monate nach Inkrafttreten des neuen
Gesetzes, schossen Randalierer in Villiers-le-Bel erstmals mit
Schrotflinten auf Polizisten. Für sie gilt offenbar nicht, was
Hessens Ministerpräsident Roland Koch vermutet, wenn er sagt,
Jugendliche fürchteten den Knast wie der Teufel das Weihwasser.
In Frankreich hat das harte Durchgreifen der Sicherheitskräfte die
Spannungen noch angeheizt, das Katz-und-Maus-Spiel mit den Polizisten
liefert nicht nur einen Nervenkitzel im trostlosen Alltag. Für die
jungen Männer, die jede Perspektive auf Anerkennung in der
bürgerlichen Gesellschaft verloren haben, sind brutale Attacken
gegen die Staatsmacht zur perversen Quelle für Ansehen und
Selbstwertgefühl geworden.
In Justizkreisen wird die Gesetzesänderung daher skeptisch
beurteilt. «Das neue Gesetz ist ein Ergebnis des Wahlkampfes, die
Antworten auf die Krise sind wenig nuanciert», sagt
Jean-François Launay, ein Mitarbeiter von Justizministerin
Rachida Dati. Die Kriminalitätsrate sei weiter gestiegen,
offizielle Zahlen liegen noch nicht vor. Das Gesetz, eine Nebelkerze?
Seit dem Inkrafttreten wurden nur 105 Jugendliche als
Mehrfachstraftäter zu den vorgesehenen Mindeststrafen verurteilt,
für 16 von ihnen wurde das Erwachsenrecht angewendet, acht
minderjährige Kriminelle mussten hinter Gitter.
«Um die Rückfälligkeit von Jugendlichen zu verhindern,
haben sich Alternativen zu Gefängnissen besser bewährt»,
sagt Launay. Als besonders erfolgreiches Beispiel nennt er einen
Bauernhof in Deutschland, wo junge Delinquenten aus Frankreich mit
einem vielseitigen Erziehungsprogramm wieder zur Vernunft gebracht
würden. Vergleichbare Projekte werden nun in Frankreich aufgebaut.
Vor einem Strategiewechsel im Umgang mit der Vorstadtkriminalität
stehen die Sicherheitskräfte: Sarkozy hatte als Innenminister die
von den Sozialisten eingeführte «Nachbarschaftspolizei»
abgeschafft und auf Razzien, Kontrollen und Verhaftungen gesetzt. Seine
Nachfolgerin Michèle Alliot-Marie erklärte am Montag der
verblüfften Öffentlichkeit, sie wolle die Nähe der
Polizei zu den Menschen in den Problemvierteln wieder herstellen. Bis
zum Juni sollten die ersten hundert Polizisten in den prekärsten
Wohngebieten nördlich von Paris Präsenz zeigen, als
Kontaktbeamte und Vertrauensleute. Das wiederentdeckte Motto: Vorbeugen
statt provozieren.
(Quelle: ap)
Deutschland
Bundesregierung lehnte schärfere Jugendstrafen 2006 ab
Do.17.01.08 - Die Bundesregierung hat bereits vor knapp zwei Jahren die von der Union
geforderte Verschärfung des Jugendstrafrechts offiziell abgelehnt.
In einer Stellungnahme zu einer Entschließung des Bundesrates
wurden die Pläne aufgrund «breiter fachlicher Kritik»
vom Kabinett als «nicht unterstützungsfähig»
zurückgewiesen. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas
Oppermann betonte am Mittwoch in Berlin, auch Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) habe im März 2006 nach einer einstimmigen
Kabinettsentscheidung das Nein unterschrieben.
In der offiziellen Stellungnahme der Regierung von Frühjahr 2006
heißt es, Experten erachteten die Vorschläge «als eher
kontraproduktiv für eine wirksame Bekämpfung der
Jugenddelinquenz». Das Kabinett befand damals: «Das geltende
Jugendstrafrecht hat sich grundsätzlich bewährt.»
Für die vorgeschlagenen Änderungen bestehe «kein
dringender politischer Handlungsbedarf». Dies gelte umso mehr, da
vor allem die Gewaltkriminalität unter Jugendlichen sich nach 1998
nicht so fortgesetzt habe wie zu Beginn der 90er Jahre.
Der vom CDU-regierten Baden-Württemberg initiierte, abgelehnte
Gesetzentwurf sah vor, den sogenannten Warnschussarrest
einzuführen, die Höchststrafe für Heranwachsende zwischen
18 und 21 Jahren auf 15 Jahre anzuheben und das Fahrverbot als
vollwertige Hauptstrafe im Jugendstrafrecht auszubauen. Zudem sollte bei
18- bis 21-Jährigen in der Regel Erwachsenen- statt
Jugendstrafrecht angewandt werden.
(Quelle: ddp)
Schlagabtausch zur Jugendkriminalität im Bundestag
Do.17.01.08 - Union und SPD haben sich am Mittwoch im Bundestag einen Schlagabtausch
über die Bekämpfung der Jugendgewalt geliefert.
Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) verteidigte im Parlament
ausdrücklich die Forderungen von Hessens Ministerpräsident
Roland Koch (CDU) nach einem schärferen Jugendstrafrecht. "Sie
diktieren uns nicht, worüber wir in Wahlkämpfen sprechen",
hielt er den Sozialdemokraten entgegen. Auch der CSU-Innenexperte
Hans-Peter Uhl sagte, das Thema Jugendkriminalität bewege die
Menschen in ganz Deutschland. "Wir dürfen das nicht mehr
totschweigen."
Der SPD-Rechtsexperte Joachim Stünker hielt der Union vor, sie
mache Wahlkampf "wider jede politische Vernunft". Die von der Union
erhobenen Forderungen seien nicht neu und würden seit Jahrzehnten
abgelehnt. Das Strafrecht eröffne bereits jetzt die
Möglichkeit, in den Einzelfällen differenziert zu
entscheiden. Er verwis zudem darauf, dass über den Strafvollzug
die Länder zu entscheiden hätten. "Löst das Problem in
den Landtagen", sagte Stünker.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warnte vor
möglichen Folgen der Debatte über Jugendkriminalität.
"Wir dürfen nicht zulassen, dass das, was wir an Integration
angefangen haben, zur Hetze und zur Spaltung der Gesellschaft wird",
sagte sie in der Debatte. Koch spalte die Gesellschaft, Hessen trage
die "rote Schlusslaterne" bei der Erledigung der Jugendstrafverfahren.
Die FDP-Abgeordnete Mechthild Dyckmanns sprach sich gegen
Strafverschärfungen aus. Vielmehr müsse das Vollzugsdefizit
abgebaut werden. Sie plädierte zugleich für geschlossene
Einrichtungen, in denen "strafunmündige intensivkriminelle Kinder"
untergebracht werden sollten. Der Linken-Abgeordnete Jörn
Wunderlich warf Koch vor, um Stimmen vom rechten Rand zu buhlen. Er
habe bei der Bekämpfung der Kriminalität auf ganzer Linie
versagt und versuche, die Schuld dafür den Migranten
aufzubürden.
Für Turbulenzen im Parlament sorgte die Aktion einiger
Linken-Abgeordneten, die sich kurzzeitig Masken mit dem Konterfei Kochs
und langen Nasen im Stile der Holzpuppe Pinocchio aufgesetzt hatten.
Unterdessen bekräftigte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil die
Bereitschaft der Sozialdemokraten, mit der Union über die
Umsetzung von Gesetzen zu reden. Die bestehenden Gesetze seien
ausreichend, müssten aber konsequent umgesetzt werden, sagte er im
RBB.
(Quelle: afp)
EU verlangt von Deutschland drastischen Ausbau erneuerbarer Energien
Do.17.01.08 - Die EU-Kommission will Deutschland einem Zeitungsbericht zufolge eine
Verdoppelung des Anteils erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch auf 18
Prozent bis 2020 vorschreiben.
Das sehe der Gesetzentwurf zum Ausbau der erneuerbaren Energien vor,
den die EU-Kommission am 23. Januar vorlegen will, berichtet das
«Handelsblatt». Ende 2007 hätten regenerative
Energiequellen wie Wasser, Wind, Sonne und Biomasse 9 Prozent des
gesamten Energieverbrauchs in Deutschland abgedeckt.
Für andere EU-Staaten sollen nach dem Bericht zum Teil deutlich
höhere Quoten gelten. Schweden müsse nach den Plänen der
Kommission bis 2020 die Hälfte seines Energiebedarfs aus
regenerativen Quellen decken, Österreich einen Anteil von 34
Prozent. Frankreich müsse die Nutzung erneuerbarer Energien auf 23
Prozent seines gesamten Energieverbrauchs steigern, Spanien auf 20
Prozent, Großbritannien und Polen müssten jeweils 15 Prozent
schaffen. Die Niederlande müssten bis 2020 eine Quote von 14
Prozent erfüllen.
Die EU-Kommission will mit einem Stufenplan bis 2020 erreichen, dass 20
Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt
werden. Außerdem will die EU bis zum Jahr 2020 den Ausstoß
gefährlicher Treibhausgase um mindestens 20 Prozent verringern und
den Energieverbrauch um 20 Prozent senken.
(Quelle: dpa)
Stahlbranche droht mit Entlassungen wegen Klimaschutzzielen
Do.17.01.08 - Die deutsche Stahlindustrie droht bei einer Umsetzung der
EU-Emissionshandelspläne mit Massenentlassungen. "Sollten bis 2020
hundert Prozent der Emissionsrechte ersteigert werden müssen, sind
mindestens 50.000 Arbeitsplätze in der deutschen Stahlindustrie in
Gefahr", sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl,
Dieter Ameling, der Tageszeitung "Die Welt". Mit der von der EU
angestrebten Lösung wären die europäischen Hersteller
klare Verlierer im globalen Stahlwettbewerb.
"Sollte das Gesetz zum Zertifikatehandel für
Kohlendioxidemissionen wie von Brüssel geplant umgesetzt werden,
wird kein Stahlproduzent mehr in Europa investieren", fügte
Ameling hinzu.
Die EU-Kommission will am Mittwoch kommender Woche Details zur
Ausgestaltung ihres Energie- und Klimapaketes vorlegen. Umweltkommissar
Stavros Dimas will unter anderem vorschlagen, dass Betriebe, die das
klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) ausstoßen,
ab 2012 dafür Berechtigungsscheine, so genannte
Emissionszertifikate, in einer Auktion ersteigern müssen. Bis 2020
soll der Anteil der zu ersteigernden Berechtigungsscheine stufenweise
auf 100 Prozent ausgedehnt werden. Bislang wurden den
Industriebetrieben die Emissionszertifikate kostenlos zugeteilt.
Um die Klimaziele der EU-Kommission zu erreichen, schlägt die
deutsche Stahlindustrie eine andere Lösung vor: "Statt eines
sektorübergreifenden Emissionshandels sprechen wir uns für
ein Branchenmodell aus", sagte Ameling. Dabei werde ein Mittelwert der
Kohlendioxidemissionen aller europäischen Stahlhersteller
gebildet: "Wer besser ist als der Durchschnitt, darf CO2-Zertifikate
verkaufen, wer schlechter ist, muss zukaufen. Das wäre ein Anreiz
für die Stahlproduzenten, in umweltschonendere Anlagen zu
investieren."
(Quelle: afp)
Vattenfall darf AKW-Laufzeit von Brunsbüttel nicht verlängern
Do.17.01.08 - Der Energiekonzern Vattenfall darf die Laufzeit seines umstrittenen
Atomkraftwerks Brunsbüttel nicht verlängern. Das
Oberverwaltungsgericht in Schleswig wies eine entsprechende Klage des
Unternehmens gegen das Bundesumweltministerium ab. Nun will Vattenfall
vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen, um die Übertragung von
Strommengen aus dem Kontingent des bereits stillgelegten Kernkraftwerks
Mülheim-Kärlich auf Brunsbüttel durchzusetzen.
Laut Bundesumweltministerium begründete das Verwaltungsgericht
seine Entscheidung damit, dass Reststrommengen nur auf bestimmte, im
Atomgesetz aufgeführte Kraftwerke übertragen werden
können. Dies sei bei Brunsbüttel nicht der Fall.
Laut dem Atomausstiegsgesetz soll Brunsbüttel Ende 2009 vom Netz
gehen. Das Umweltministerium hatte im August vergangenen Jahres eine
Verlängerungsantrag von Vattenfall abgewiesen. Vattenfall hatte
darin die Übertragung von 15 Terawattstunden aus dem
Stromproduktionskontingent von Mülheim-Kärlich auf
Brunsbüttel gefordert. Dadurch könnte das Kernkraftwerk rund
zweieinhalb Jahre länger betrieben werden, erklärte
Vattenfall.
Vattenfall versucht nach Angaben des Umweltministeriums derzeit noch
mit einem weiteren Antrag, die Laufzeit von Brunsbüttel zu
verlängern. Das Unternehmen habe beantragt, eine Strommenge von
dem nach einem Störfall abgeschalteten Atomkraftwerk Krümmel
zu übertragen. Die Prüfung dieses Antrags sei noch nicht
abgeschlossen. Brunsbüttel war nach mehreren Pannen im Sommer 2007
abgeschaltet worden.
(Quelle: afp)
Wirtschaftsweise erwarten Ausweitung der US-Finanzmarktkrise
Do.17.01.08 - Der Höhepunkt der vom US-Immobilienmarkt ausgegangenen
Finanzmarktkrise steht nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen
Wolfgang Franz und Peter Bofinger erst noch bevor. «Die
Zinsanpassungen für die Käufer von US-Immobilien kommen jetzt
erst so richtig zum Tragen, und das erhöht ständig den Druck
auf die Immobilienmärkte», sagte der Würzburger
Professor Bofinger der «Berliner Zeitung» (Mittwochausgabe).
«Den Höhepunkt der Finanzkrise erwarte ich erst für
Mitte des Jahres.»
Auch Franz sagte der Zeitung: «Ich fürchte, dass wir bei der
Finanzmarktkrise noch nicht über den Berg sind.» Die
anstehenden Zinserhöhungen würden noch «einige Schuldner
in Schwierigkeiten bringen, so dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten
dieser Kredite und damit der Abschreibungsbedarf bei den Banken auch
hierzulande steigen» werde.
Die im DAX notierte Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate hatte
am Dienstag den Wert ihrer US-Anlagen überraschend um 390 Millionen
Euro nach unten korrigiert und einen Gewinneinbruch bekannt gegeben.
Die Aktie stürzte darauf um über 30 Prozent ein.
Aktionäre drohen nun mit Schadenersatzklagen. Der auf Anlegerschutz
spezialisierte Frankfurter Anwalt Klaus Nieding sagte am Mittwoch,
seine Kanzlei prüfe im Auftrag von HRE-Aktionären, ob wegen
fehlerhafter Informationen Schadenersatzansprüche gegen die Bank,
den Vorstand oder den Aufsichtsrat bestünden.
«Es ist nur schwer vorstellbar, dass der Vorstand seit Beginn der
Subprime-Krise bis zum heutigen Tag nicht gewusst hat, dass er einen
solch signifikanten Wertberichtigungsbedarf hat», sagte Nieding,
der auch Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung
für Wertpapierbesitz (DSW) in Hessen ist. Der HRE-Vorstand hatte
über Monate hinweg erklärt, die Bank sei von der
US-Immobilienkrise praktisch nicht betroffen.
(Quelle: ap)
Land und Bund wollen um Nokia-Werk in Bochum kämpfen - Offenbar
4300 Stellen in Gefahr
Do.17.01.08 - Die Bundesregierung und die nordrhein-westfälische Landesregierung
wollen den Kampf um den von der Schließung bedrohten
Nokia-Standort Bochum nicht aufgeben.
Wirtschafts-Staatssekretär Hartmut Schauerte sagte der
Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch: "Wir versprechen ein ganz, ganz
ernsthaftes Engagement in dieser Angelegenheit." Nordrhein-Westfalens
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers forderte den
Handy-Konzern nach Gesprächen mit dem Betriebsrat in Bochum auf,
seine Entscheidung zur Schließung zurückzunehmen. Die
Landesregierung prüft zudem, ob Nokia Millionen-Hilfen
zurückzahlen muss, die für die Ansiedlung in Bochum gezahlt
wurden. Durch die Werksschließung könnten nach
Einschätzung der IG Metall über 4000 Stellen wegfallen.
Schauerte wurde von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos damit
beauftragt, sich um das Thema Nokia zu kümmern. Er bemühte
sich nach eigenen Worten mit Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben
und dem Betriebsrat um ein gemeinsames Gespräch mit der
Nokia-Spitze. SPD-Chef Kurt Beck erklärte, auch seine Partei trete
dafür ein, den Standort Bochum zu erhalten.
Nokia hatte am Vortag völlig überraschend die
Schließung des Werks mit rund 2300 fest angestellten Mitarbeitern
zur Jahresmitte bekannt gegeben. Nach Gewerkschaftsangaben sind zudem
bis zu 1000 Leiharbeiter betroffen. Zudem könnten bis zu 1000
weitere Jobs bei Zulieferern wegfallen.
Nokia will aus Kostengründen die Produktion nach Rumänien,
zum Teil auch nach Ungarn und Finnland verlagern. Das Aus für
Nokia in Bochum ist nach der Pleite von BenQ Mobile vor gut einem Jahr
ein weiterer Schlag für die Mobilfunkbranche und bedeutet zugleich
das Aus für die Handy-Produktion in Deutschland. Eine
Schließung trifft zudem die Ruhrgebietsstadt Bochum hart, in der
die Belegschaft des Opel-Werks seit Jahren um ihre Arbeitsplätze
kämpft.
Beschäftigte anderer Betriebe nahmen dementsprechend an Protesten
gegen die Schließungspläne in Bochum teil. Hunderte Menschen
machten ihren Unmut mit einer zeitweisen Blockade des Nokia-Werks Luft.
Die Verärgerung der Nokia-Mitarbeiter ist groß. Viele
erfuhren nach eigenen Worten erst aus den Medien, dass sie bald keine
Arbeit mehr haben. Umsonst hätten sie Extra-Schichten gefahren,
klagten sie. "Wer nicht kämpft, hat schon verloren", hieß es
auf einem Transparent. Von der Politik forderten sie vor allem eins:
Den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.
"Wir wollen kämpfen, um den Standort fortzuführen", sagte
Rüttgers. Die Entscheidung von Nokia gegen Bochum sei in eine
Phase gefallen, in der es Gespräche darüber gegeben habe, wie
der Standort noch kosteneffizienter aufgestellt werden könne.
Darauf sei die Geschäftsleitung gar nicht eingegangen, kritisierte
er. Mit Investitionen von 14 Millionen Euro könnten die
Produktionskosten in Bochum auf das Niveau etwa in Ungarn gedrückt
werden, betonte Rüttgers. Nokia solle investieren und nicht "platt
machen". Die Landesregierung hatte bereits im Fall BenQ vergeblich
versucht, eine Werksschließung zu verhindern.
Deutschland sei ein wichtiger Markt für Nokia, unterstrich
Rüttgers. Es könne dem Unternehmen nicht egal sein, wenn der
Eindruck entstehe, dass Nokia nur produziere, wenn Subventionen
flössen. Nokia hatte nach früheren Angaben der
Landesregierung knapp 60 Millionen Euro Hilfen bei der Ansiedlung in
Bochum erhalten. Thoben lässt prüfen, ob diese
zurückgefordert werden können. Nokia hatte diese
Möglichkeit bestritten. Schauerte sagte dazu: "Die Frage, welche
Fördermittel Nokia bekommen hat, ist eher zweitrangig." "Ich habe
nicht den Eindruck, dass es sich hier um Abzocke handelt", fügte
er hinzu. Nokia habe zwar zwischen 1995 bis 1999 die knapp 60 Millionen
Euro erhalten, im gleichen Zeitraum an dem Standort aber 378 Millionen
Euro investiert.
Die EU-Kommission machte unterdessen deutlich, dass sie nicht für
die Verlegung der Arbeitsplätze zahle. "Natürlich wäre
es nicht akzeptabel, Fördermittel der Europäischen Union
für Verlagerungen innerhalb der EU einzusetzen", sagte
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Die "Westdeutsche
Allgemeine Zeitung" berichtete indes, der neue Nokia-Standort in
Rumänien werde mit 33 Millionen Euro öffentlicher
Fördermittel unterstützt.
(Quelle: rtr)
Bundesregierung will Reste des VW-Gesetzes retten
Do.17.01.08 - Die Bundesregierung will den Arbeitnehmern des VW-Konzerns weiter
gesetzliche Sonderrechte zugestehen: Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries (SPD) stellte am Mittwoch in Berlin Eckpunkte für eine
Novelle des VW-Gesetzes vor, wie das Ministerium mitteilte. «Die
gute Nachricht für alle Beschäftigten: Über die
Einrichtung oder Verlegung von Produktionsstätten von VW wird auch
in Zukunft in Deutschland entschieden - und das wie bisher nur mit
Zustimmung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat», sagte
Zypries.
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte im Herbst 2007
festgestellt, dass Bestimmungen des VW-Gesetzes von 1960 gegen
europäisches Recht verstoßen. Dieses Urteil muss die
Bundesregierung umsetzen.
Laut Zypries sollen Regelungen aus dem VW-Gesetz, die der EuGH nicht
beanstandet hatte, bestehen bleiben. Das gelte vor allem für einen
Abschnitt, wonach der Bau oder die Schließung von Werken die
Zustimmung von zwei Dritteln des Aufsichtsrats benötigt. Da der
Aufsichtsrat bei VW zur Hälfte mit Arbeitnehmervertretern besetzt
ist, können damit VW-Fabriken auch in Zukunft nicht gegen den
Willen der Arbeitnehmer geschlossen werden. Zypries folgt mit ihrem
Vorstoß Forderungen der IG Metall und des VW-Betriebsrates.
Das Luxemburger Gericht hatte im Oktober erklärte, das VW-Gesetz
wirke abschreckend auf Großinvestoren und beschränke den
freien Kapitalverkehr. Das VW-Gesetz sicherte bis dahin dem Land
Niedersachsen als Aktionär erheblichen Einfluss auf den
Autohersteller. Zugleich schränkte das Gesetz die
Mitbestimmungsrechte privater Großaktionäre wie Porsche ein.
Das Gericht kritisierte zwei zentrale Punkte des Gesetzes: Jeder
Aktionär durfte höchstens 20 Prozent der Stimmrechte
ausüben, auch wenn er mehr Aktien besaß. Das habe es dem Land
Niedersachsen möglich gemacht, mit einem vergleichsweise geringen
Anteil von 20,3 Prozent des Unternehmenskapitals «in der
Volkswagen AG wesentlichen Einfluss auszuüben». Damit
würden Privatinvestoren insbesondere auch aus dem Ausland von
Investitionen in das Unternehmen abgehalten, erklärte das Gericht.
Das Gesetz garantierte dem Land Niedersachsen außerdem zwei Sitze
im Aufsichtsrat, solange es VW-Aktien besitzt - unabhängig von
deren Anzahl. So könne das Land einen Einfluss ausüben,
«der über ihre Investitionen hinausgeht», erklärte
das Gericht.
Das VW-Gesetz hatte den größten Autobauer über
Jahrzehnte vor einer Übernahme geschützt und die Vormacht des
Landes Niedersachsen zementiert. Inzwischen ist jedoch der
Sportwagenbauer Porsche zum VW-Hauptaktionär aufgestiegen (31
Prozent) und kann nach dem Urteil seine Stimmrechte voll ausüben.
Niedersachsen (20,3 Prozent) ist der zweitgrößte
Aktionär. Der VW-Konzern wollte die Pläne von Zypries nicht
kommentieren.
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh setzt unterdessen im Streit mit
Großaktionär Porsche über die Mitbestimmung im Konzern
auf eine außergerichtliche Lösung. «Wir führen
derzeit Gespräche. Ich hätte nichts dagegen, wenn wir eine
außergerichtliche Einigung erzielen», sagte Osterloh nach
Angaben der «Zeit». Im Februar steht vor dem Arbeitsgericht
in Stuttgart die Verhandlung über den Streit an.
Der VW-Betriebsrat sieht sich durch eine Mitbestimmungsvereinbarung bei
der Gründung der Holdinggesellschaft Porsche SE in seinen Rechten
beschnitten und hatte dagegen geklagt.
(Quelle: ap)
Lebenshaltungskosten 2007 so stark gestiegen wie seit 1994 nicht mehr -
Nahrungsmittel und Energie treiben die Preise nach oben - Inflationsrate
bei 2,2 Prozent
Do.17.01.08 - Die Teuerungswelle bei Nahrungsmitteln und Energie hat die
Lebenshaltungskosten in Deutschland 2007 so stark nach oben getrieben
wie seit 13 Jahren nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt am
Mittwoch berichtete, lag die Teuerungsrate im vergangenen Jahr bei 2,2
Prozent. Zuletzt hatte sie 1994 mit 2,7 einen höheren Wert erreicht.
2006 waren die Preise um 1,7 Prozent gestiegen, 2005 um 2,0 Prozent und
2004 um 1,6 Prozent. Im Dezember 2007 lag der Preisauftrieb den vierten
Monat in Folge über der Zwei-Prozent-Marke. Damit bestätigten
sich frühere Berechnungen des Statistikamtes.
Verantwortlich für den starken Anstieg in den vergangenen
zwölf Monaten war zwar auch die Erhöhung der Mehrwert- und
Versicherungssteuer zu Anfang des Jahres. Vor allem aber beeinflussten
teurere Energieprodukte die Verbraucherpreise. Hier gab es
gegenüber 2006 ein Plus von 3,9 Prozent, ohne die Energie
hätte die Teuerung im Jahresdurchschnitt bei 1,9 Prozent gelegen.
Der Strompreis zog am stärksten an und zwar um 6,8 Prozent.
Mineralölprodukte verteuerten sich gegenüber dem Jahr zuvor im
Schnitt um 3,0 Prozent, wobei die Statistiker bei Kraftstoffen ein Plus
von 4,1 Prozent registrierten, bei leichtem Heizöl dagegen einen
Rückgang von 1,2 Prozent.
Der deutliche Anstieg der Teuerungsrate 2007 über die
Zwei-Prozent-Marke ist nach Angaben der Behörde seit der zweiten
Jahreshälfte von Preiserhöhungen bei Nahrungsmitteln
geprägt. Dort gab es ein Plus von 3,1 Prozent im Jahresmittel. Bei
einzelnen Produkten lag die Teuerungsrate im zweistelligen Bereich, etwa
bei Butter (plus 19,1 Prozent), Mehl (plus 15,4 Prozent), Speisequark
(plus 12,0 Prozent) und Vollmilch (10,3 Prozent). Auch die Preise
für alkoholfreie Getränke und Tabakwaren stiegen
überdurchschnittlich um 3,1 Prozent. Ebenfalls bemerkbar in der
Preisstatistik machte sich seit April die Einführung von
Studiengebühren in einigen Bundesländern.
Unterdurchschnittlich erhöhten sich die Preise für langlebige
Gebrauchsgüter (plus 0,9 Prozent), Bekleidung (plus 0,8 Prozent)
sowie für Nachrichtenübermittlung (plus 0,2 Prozent).
Im Dezember 2007 lagen die Verbraucherpreise 2,8 Prozent über dem
Niveau des Vorjahresmonats und damit den vierten Monat in Folge
über der Zwei-Prozent-Marke. Im November 2007 hatten die
Statistiker den Jahreshöchstwert von 3,1 Prozent ermittelt. Wie in
den Vormonaten auch wirkten Energiekosten im Dezember preistreibend.
Ohne diese hätte die Teuerung 2,2 Prozent betragen.
Mineralölprodukte verteuerten sich weit überdurchschnittlich
um 14,5 Prozent und Strom um 8,2 Prozent. Dagegen sanken die Gaspreise
um 2,4 Prozent.
Auch für Nahrungsmittel mussten Verbraucher im Dezember tiefer in
die Tasche greifen. Sie verteuerten sich um 6,0 Prozent gegenüber
Dezember 2006. Wie in den Vormonaten auch waren Speisefette und
-öle erheblich teurer (plus 25,5 Prozent). Allein Butter schlug mit
einem Preissprung von 44,9 Prozent zu Buche. Ähnliche
Entwicklungen gab es bei Milchprodukten und Eiern (plus 17,3 Prozent),
darunter Speisequark mit einem Plus von 37,8 Prozent. Auch die Preise
für Brot- und Getreideprodukte blieben im Dezember deutlich
über dem Vorjahreswert (plus 6,0 Prozent). Mehl wurde gar um 27,6
Prozent teurer.
(Quelle: ap)
Verkehrte Welt bei Gentechnik - Agrarindustrie für scharfe
Vorgaben bei Lebensmittelkennzeichnung - Verbraucherschützer
für Lockerung
Do.17.01.08 - Die Bundesbürger werden in den nächsten Monaten ein
ungewöhnliches Spektakel erleben: Die Gentechnik-Industrie setzt
sich als vehementer Verbraucherschützer bezüglich
gentechnikfreier Produkte ein, während Gentechnik-Gegner für
eine Auflockerung der Bezeichnung «Ohne Gentechnik»
kämpfen. Ursache dieser merkwürdig erscheinenden Entwicklung
ist ein geplantes Gesetz der Bundesregierung zur Kennzeichnung von
Lebensmitteln. Vor allem geht es um Umsätze in Milliardenhöhe.
Ziel der Bundesregierung ist eine Veränderung der Kennzeichnung
gentechnikfreier Fütterung bei tierischen Produkten, vor allem von
Molkereiprodukten, Eier und Fleisch. Während das EU-Gesetz die
Ausweisung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Futtermitteln
vorschreibt, müssen die Produkte, die durch diese Futtermittel
produziert wurden, nicht gekennzeichnet werden. Diese zweite Bestimmung
überlässt die EU den Mitgliedsländern.
Deutschland hat hier so strikte Anforderungen, dass die Verwendung kaum
praktikabel ist. Viele Firmen wie Hipp, der Geflügelproduzent
Wiesenhof und die Supermarktkette «tegut» bieten, trotz
höheren finanziellen Aufwandes, zwar Erzeugnisse ohne gentechnisch
veränderte Futtermittel an - aber damit zu werben ist bisher nahezu
unmöglich. Ursache ist die Gefahr, dass die Tiere mit Arzneien
oder Vitaminen, Enzymen und Zusätzen in Futtermitteln in Kontakt
kommen, die möglicherweise mit Gentechnik hergestellt wurden.
Diese Mittel sind nicht kennzeichnungspflichtig und deshalb nicht
leicht erkennbar. Doch das bisherige Gesetz fordert die
uneingeschränkte Sicherheit, dass solche Elemente mit der
Etikettierung «ohne Gentechnik» nicht in Lebensmitteln
vorhanden sind.
Am Mittwoch wurde im Bundestagsausschuss für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Gesetzesvorlage eingebracht,
die das ändern soll. Angelehnt an die EU-Verordnung sollen
Lebensmittel dann die Bezeichnung «ohne Gentechnik» tragen
dürfen, wenn sie ohne genveränderte Futterpflanzen hergestellt
werden. Die Gefahr, dass nicht kennzeichnungspflichtige Stoffe
gentechnisch hergestellt wurden, wird - anders bisher - dann nicht mehr
berücksichtigt.
Marcus Girnau, Geschäftsführer des Bundes für
Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, der als Gen-Industrie-nah gilt,
lehnt diese Lockerung vehement ab: Wenn Lebensmittel mit der
Bezeichnung «ohne Gentechnik» selbst nur »mit ein
bisschen Gentechnik«, hergestellt seien, werde die
«Glaubwürdigkeit der Lebensmittelwirtschaft
beschädigt», warnt er.
Christoph Then, der im Ausschuss als Sachverständiger vortragen
wird und zu den Kritikern der Gentechnik zählt, verteidigt die
Auflockerung. Damit werde die Transparenz erhöht und den
Verbrauchern mehr Auswahl gegeben. Denn Firmen, die auf Gen-Futtermittel
verzichten, könnten dies dann durch das Etikett «ohne
Gentechnik» dokumentieren. Zudem habe das gentechnisch
veränderte Futtermittel-Saatgut Gefahren für die Umwelt.
Diese seien «erhöhter Pestizideintrag, Kontamination,
Auskreuzung und Gefährdung von Ökosystemen».
Auch Thilo Bode von der Verbraucherschutzorganisation foodwatch setzt
darauf, dass durch die neue Kennzeichnung die Verwendung gentechnisch
veränderter Futtermittel künftig erkennbar wird. «Die
Futtermittel werden im Freiland angebaut und haben den
größten potenziellen negativen Effekt». Diese Gefahren
wollen die Gentechnik-Kritiker nun reduzieren.
Doch für die Gen-Industrie geht es um viel Geld. Jedes Jahr
importiert die Bundesrepublik Futtermittel in Höhe von rund
fünf Milliarden Euro. Laut Toepfer International, einer
internationalen Agrarhandelsgesellschaft, werden rund 90 bis 95 Prozent
davon als gentechnisch verändert gekennzeichnet. Viele deutsche
Lebensmittel gälten daher künftig als mit Gentechnik
hergestellt. Da laut verschiedener Umfragen rund drei Viertel aller
Deutschen genveränderte Lebensmittel grundsätzlich ablehnen,
könnte dies empfindliche Umsatzverluste für die Gen-Industrie
bedeuten.
(Quelle: ddp)
Parteiübergreifend scharfe Kritik an neuen
Abhör-Vorschlägen - Abhörschutz weiterer Berufsgruppen
soll einschränkt werden
Do.17.01.08 - Auf scharfe Kritik beim Koalitionspartner SPD sowie bei allen
Oppositionsparteien im Bundestag sind die neuesten Pläne aus dem
Bundesinnenministerium gestoßen, dem Bundeskriminalamt (BKA) auch
das Abhören von Abgeordneten, Strafverteidigern und Geistlichen zu
erlauben. SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz kündigte in
Berlin an: "Wir werden uns das nicht zu eigen machen."
Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte, der
"Überwachungswahn" von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) kenne keine Grenzen.
Nach dem neuesten Entwurf des Bundesinnenministeriums für das
BKA-Gesetz soll die Behörde künftig auch Abgeordnete,
Strafverteidiger und Geistliche abhören können. Im Einzelfall
sollen Telefone und Räume dieser bislang besonders
geschützten Berufsgruppen abgehört werden können,
"soweit die Maßnahme zur Abwehr einer Gefahr für Leib, Leben
oder Freiheit einer Person erforderlich ist".
Das Bundesjustizministerium, dem der Entwurf zuging, wollte sich dazu
nicht direkt äußern. Ein Sprecher verwies allerdings auf ein
Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum niedersächsischen
Polizeigesetz. Der Gesetzgeber habe daher Seelsorger und
Strafverteidiger explizit bei der Strafprozessordnung ausgenommen.
Wiefelspütz hob in der "Stuttgarter Zeitung" hervor, er habe
"äußerste verfassungsrechtliche Bedenken" gegen die
Neuregelung. "Das ist nicht mit uns abgestimmt", sagte er. Ein Sprecher
Schäubles versuchte, die Wogen zu glätten. Er verwies in
Berlin darauf, dass es sich zunächst um einen Referentenentwurf
handle, der auf Fachebene abgestimmt werden solle. "Insofern gibt es
hier keine Entscheidung des Ministers", hob er hervor. Erst nach der
Ressortabstimmung gehe die Vorlage ins Kabinett und dann ins Parlament.
Grünen-Chefin Roth kritisierte: "Wenn nun auch Geistliche,
Abgeordnete und Verteidiger abgehört werden sollen, dann ist das
ein weiterer Versuch, Bürger- und Freiheitsrechte brutal
auszuhebeln." Der Minister nehme bewusst in Kauf, dass "elementare
Vertrauensverhältnisse" zerstört würden. Die
Berufsgruppen seien auf ein großes Vertrauen ihrer
Gesprächspartner angewiesen."
Auch die FDP-Innenpolitikerin Gisela Piltz kritisierte, damit werde ein
"Fundament unseres Rechtsstaates auf dem Altar der
Überwachungsphantasien von Schäuble" geopfert. Die Linke
verwies auf die Vorgaben im Grundgesetz.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Bronchoskopische Ventilimplantation - Neue Hilfe für Lungenkranke
Do.17.01.08 - Das erste Symptom ist ein scheinbar harmloser Raucherhusten, aus dem
sich eine chronische Bronchitis entwickelt. Schließlich verengt
die dauerhafte Entzündung die Atemwege starker Raucher so sehr,
dass eine chronisch obstruktive (verstopfende) Lungenerkrankung (chronic
obstructive pulmonary disease, COPD) entsteht. Die verbrauchte Luft
bleibt durch die Verengungen in der Lunge gefangen, frische Atemluft
kann kaum noch nachströmen, das empfindliche Lungengewebe verliert
an Elastizität und wird überbläht. Aus kleinen
funktionstüchtigen Bläschen werden große, schlaffe,
funktionsuntüchtige Blasen (vergleichbar mit einem groben Schwamm),
ein Lungenemphysem (Lungenblähung) entsteht.
Die Betroffenen leiden immer stärker an Atemnot, denn die
überblähten und schlaffen Lungenbläschen können
nicht mehr am Gasaustausch teilnehmen. Ganze Lungenabschnitte verlieren
ihre Funktion und müssen manchmal sogar in aufwendigen Operationen
entfernt werden. Im Endstadium der Erkrankung bleibt als letzte Option
nur noch die Lungentransplantation. Das kommt nur bei wenigen Patienten
in Frage.
Ein neues Verfahren macht vielen Betroffenen Hoffnung. Lungenchirurgen
setzen dabei im Rahmen einer Spiegelung der Bronchien winzige
Titan-Ventile ein (Bronchoskopische Ventilimplantation) - ganz ohne
Schnitt. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten. Anschließend
sorgt das Ventil dafür, dass beim Einatmen keine weitere Luft in
den bereits überblähten Lungenabschnitt eindringt,
während beim Ausatmen die darin enthaltene Luft ausströmen
kann. So wird der funktionsuntüchtige Lungenabschnitt immer
kleiner, der übrige gesunde Teil der Lunge kann sich wieder
ausdehnen und mehr Luft aufnehmen. Eine Heilung ist zwar auch mit dieser
neuen Methode nicht möglich, die Ventile können aber das
Fortschreiten der Erkrankung aufhalten und die quälende Atemnot
lindern.
(Quelle: ndr)
Mehr zum Thema unter:
http://www.bdo-ev.de/front_content.php?
idcat=1424&idart=5447
Ausgestorbene Monster-Maus war größer als Stier
Do.17.01.08 - Sie wurde vermutlich rund 1000 Kilogramm schwer und war
größer als ein Stier: In Uruguay haben Forscher die
Überreste einer ausgestorbenen «Monster-Maus» entdeckt.
Die Fossilien gehörten dem größten Nagetier, das jemals
gefunden worden sei.
Das berichten die Wissenschaftler in den «Proceedings» der
britischen Royal Society (online vorab veröffentlicht). Die
Überreste wurden als bislang unbekannte Art eingestuft. Heute
lebende Nagetiere wiegen normalerweise nicht mehr als ein Kilogramm. Als
größtes lebendes Nagetier gilt das südamerikanische
Wasserschwein (Hydrochoerus hydrochaeris), das 60 Kilogramm schwer
werden kann.
Andrés Rinderknecht vom staatlichen Naturkundemuseum in
Montevideo und sein Kollege Ernesto Blanco waren am Ufer des Rio de la
Plata auf den 53 Zentimeter langen Schädel des urzeitlichen
Riesennagers gestoßen. Der Schädel sei
außergewöhnlich gut und fast vollständig erhalten,
berichten die Forscher. Sie gaben dem gigantischen Nagetier den
wissenschaftlichen Artnamen Josephoartigasia monesi. Die
Abschätzung des Körpergewichts ergebe einen Mittelwert von
1211 Kilogramm, allerdings mit einem großen Unsicherheitsbereich
von plusminus 753 Kilogramm.
Der Riesennager lebte vermutlich vor zwei bis vier Millionen Jahren in
den Zeitaltern des Pliozäns und des Pleistozäns als Mitglied
einer teils bizarren Tierwelt, die damals das heutige Südamerika
bevölkerte. Dazu gehörten gigantische, jagende
«Terrorvögel» mit einem mehr als 40 Zentimeter langen,
scharfen Schnabel, Säbelzahnkatzen und gepanzerte Säugetiere.
Das Fossil liefere neue Einzelheiten, um die Erscheinung solcher
gigantischen ausgestorbenen Tiere zu rekonstruieren.
(Quelle: dpa)