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Irak am 1395sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zehn Tote bei Selbstmordanschlag auf irakische Moschee
Fr.18.01.08 - In einer Moschee der pakistanischen Stadt Peshawar hat sich am
Donnerstag ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und neun
Menschen mit in den Tod gerissen. 20 weitere wurden verletzt, wie die
Behörden erklärten. Ein Augenzeuge sagte, ein etwa 18 Jahre
alter Mann habe in der Moschee zuerst um sich geschossen und dann einen
Sprengsatz gezündet.
Polizeichef Tanvir Sipra erklärte, unter den Todesopfern sei ein
Polizist, der versucht habe, den Attentäter zu stoppen. Hunderte
Schiiten versammelten sich nach dem Anschlag vor dem Krankenhaus, in
dem die Verletzten behandelt wurden. In Erwartung des schiitischen
Aschura-Festes in wenigen Tagen wurden in Peshawar und anderen
pakistanischen Städten die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.
In den vergangenen Jahren war es während des Festes immer wieder
zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit sunnitischen Gläubigen
gekommen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 18.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertdreiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.18.01.07 - UN-Generalsekretär Ban lehnt Bushs Wunsch nach stärkerer
UN-Präsenz im Irak ab +++ Mindestens 17 Tote bei Anschlag in Bagdader
Armenviertel +++ 100 Aufständische im Irak laut
Fernseh-Bericht getötet +++ Früherer US-Botschafter Holbrooke:
Merkel soll Rice mit Kritik an Irakpolitik konfrontieren...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701180.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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USA schicken weitere Soldaten in Kampf gegen die Taliban - Nach Kritik
an NATO ist Washington um Schadensbegrenzung bemüht
Fr.18.01.08 - Angesichts des andauernden Widerstands der Taliban-Rebellen in
Südafghanistan verstärken die USA ihre
Militärpräsenz am Hindukusch auf den höchsten Stand seit
2001. Bereits in den kommenden Monaten sollen 2.200 Marineinfanteristen
in den Kampf gegen die Aufstandsbewegung geschickt werden. Weitere
1.000 Marineinfanteristen sollen die Ausbildung der afghanischen
Streitkräfte beschleunigen. Damit steigt die
Militärpräsenz der USA in Afghanistan auf rund 30.000.
US-Verteidigungsminister Robert Gates verband die Entscheidung mit
Kritik an den NATO-Verbündeten. Die Truppen der anderen
NATO-Staaten seien nicht angemessen für den Kampf gegen
Aufständische ausgebildet, erklärte Gates am Mittwoch in
mehreren Zeitungsinterviews.
Die Äußerungen des Ministers stießen bei der NATO auf
Ablehnung. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte:
«Alle Staaten, die im Süden Truppen haben, leisten einen
hervorragenden Job. Punkt.» Das niederländische
Verteidigungsministerium bestellte den US-Botschafter ein und forderte
ihn zu einer Erläuterung der Äußerungen von Gates auf.
Ein britischer Abgeordneter, Patrick Mercer, bezeichnete die Kritik aus
Washington als empörend und sagte: «Ich bitte die Amerikaner
darum zu verstehen, dass wir ihre engsten Verbündeten sind und
dass unsere Männer in großer Zahl bluten und sterben.»
Der Vorsitzende des US-Generalstabs, Marineadmiral Mike Mullen,
bemühte sich daraufhin um Schadensbegrenzung. Die Entscheidung zur
Verstärkung der US-Truppen in Afghanistan sei kein
Misstrauensvotum, sagte Mullen. Der Kampf gegen die Aufstandsbewegung
im Süden des Landes sei aber eine größere
Herausforderung als erwartet.
Die Bundeswehr ist in Afghanistan vor allem im Norden stationiert. Das
Verteidigungsministerium in Berlin prüft zurzeit eine Anfrage der
NATO zur Entsendung von weiteren 240 Soldaten für eine
Schnelleingreiftruppe. Der neue Verband soll die Aufgaben von
norwegischen Soldaten übernehmen, in diesem Jahr abgezogen werden
sollen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Ministerpräsident Olmert nennt Israels Kampf im
Gazastreifen Krieg - Hamas ruft Palästinenserpräsident Abbas
zu Abbruch von Friedensgesprächen auf
Fr.18.01.08 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat die laufenden
Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen als Krieg bezeichnet: "Im
Süden ist ein Krieg im Gange, jeden Tag und jede Nacht", sagte
Olmert am Donnerstag. Der von den "tapfersten und kühnsten
israelischen Soldaten und Sicherheitskräften" geführte Kampf
werde die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen beenden. Der
Küstenstreifen wird seit dem Sommer von der radikal-islamischen
Hamas kontrolliert, die den Friedensprozess mit Israel ablehnt.
Olmert sicherte in seiner Rede zu, die palästinensische
Zivilbevölkerung so weit wie möglich zu schonen. Der Einsatz
werde sich mit der größtmöglichen Präzision gegen
jene richten, "die uns angreifen wollen". Militante Palästinenser
haben in den vergangenen Tagen etwa 70 Raketen auf Israel abgefeuert.
Olmert ließ offen, ob er im Gazastreifen eine großangelegte
Bodenoffensive plant, die für beide Seiten verlustreich werden
könnte.
Wenige Minuten vor Olmerts Ansprache wurden bei einem israelischen
Luftangriff ein militanter Palästinenser und dessen Frau
getötet. Die Hamas identifizierte den Toten als Raed Abu al-Ful,
einen der Führer der Volkswiderstandskomitees (PRC). Die Komitees
kündigten Vergeltung an. In den vergangenen Tagen hat die
israelische Luftwaffe mehr als 20 Palästinenser getötet.
Die im Westjordanland residierende Regierung von
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hat die israelischen
Angriffe im Gazastreifen verurteilt. Die Militäraktionen, zu denen
auch die Festnahmen militanter Palästinenser im Westjordanland
gehörten, gefährdeten die Friedensverhandlungen.
Die radikal-islamische Hamas hat Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas zum Abbruch der Friedensgespräche aufgerufen: Es
reiche nicht, die Aggression Israels zu verurteilen, sagte
Hamas-Führer Chaled Maschaal am Mittwoch im syrischen Damaskus. Die
Palästinenserbehörde müsse die nutzlosen Verhandlungen
stoppen. Maschaal erklärte zudem, der Militärschlag Israels
habe alle Aussichten auf einen Gefangenenaustausch mit dem 2006
gefangengenommenen Soldaten Gilad Schalit zunichtegemacht.
(Quelle: rtr)
Kanada setzt USA und Israel auf Folter-Liste
Fr.18.01.08 - Ein offizielles kanadisches Regierungsdokument hat die USA und Israel
auf die Liste jener Länder gesetzt, in denen Gefangene Folter
riskieren.
Das Handbuch sei Teil eines Lehrgangs für Diplomaten, in dem sie
lernen sollten zu erkennen, ob Häftlinge gefoltert wurden,
hieß es in dem Dokument, das der Nachrichtenagentur Reuters am
Donnerstag vorlag. Unter anderem wird auf das US-Gefangenenlager
Guantanamo Bay verwiesen. Dort würden Verhörtechniken wie
"gezwungene Nacktheit, Isolierung und Schlafentzug" eingesetzt. Auf der
Folter-Liste stehen demnach auch der US-Erzfeind Iran, Syrien, China
und Afghanistan.
Ein Sprecher des Außenministeriums versuchte, die Regierung in
Ottawa von dem Dokument zu distanzieren. "Das Trainings-Handbuch ist
kein Dokument zur Politik, und es spiegelt nicht die Ansichten der
Regierung wider", sagte er. Eine Sprecherin der US-Botschaft sagte, sie
prüfe das Dokument. Bei der israelischen Botschaft war
zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
In Guantanamo Bay ist auch ein Kanadier inhaftiert. Omar Khadr wird
vorgeworfen, 2002 einen US-Soldaten getötet zu haben. Damals war
er 15 Jahre alt. Menschenrechtsgruppen setzen sich dafür ein, dass
Khadr nach Kanada zurückgebracht wird. Die Regierung in Ottawa
lehnt dies jedoch ab.
(Quelle: rtr)
Mindestens zehn Tote bei Zusammenstößen in Kenia
Fr.18.01.08 - Beim gewaltsamen Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten in Kenia sind
am Donnerstag nach Angaben von Oppositionschef Raila Odinga mindestens
sieben Menschen getötet worden: Die Polizei habe wahllos in die
Menge gefeuert und dabei Demonstranten im Stadtteil Kasarani am Rande
der kenianischen Hauptstadt Nairobi getroffen, sagte Odinga. Ein
Augenzeuge berichtete von drei weiteren Toten in der Stadt Kisumu,
einer Hochburg der Opposition. Die beiden Männer und die Frau
seien von Polizisten erschossen worden.
Bislang seien bei Protesten seit der Präsidentenwahl vom 27.
Dezember mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen, die meisten seien
erschossen worden, sagte Odinga. Die Polizei setze die Schusswaffen auf
Anweisung der Regierung ein, die das Land in ein Schlachtfeld
verwandelt habe. Er hoffe auf internationale Hilfe, um eine Katastrophe
in Kenia zu verhindern, sagte Odinga.
Die Polizei ging auch am zweiten Tag der gegenwärtigen
Protestwelle an mehreren Orten mit Tränengas und Schusswaffen
gegen Demonstranten vor. In der Stadt Eldoret feuerte die Polizei
Tränengas in die Notaufnahme eines Krankenhauses, wie Mitarbeiter
berichteten. In Nairobi und Kisumu blockierten nach
Augenzeugenberichten Hunderte von Anhängern Odingas aus Protest
gegen Präsident Mwai Kibaki trotz eines Demonstrationsverbots
Straßen und Gebäude.
Bereits am Mittwoch waren Hunderte Menschen dem Aufruf der
Oppositionsbewegung ODM gefolgt und hatten gegen das Ergebnis der Wahl
protestiert. Polizisten erschossen an dem Tag mindestens drei Personen.
Ein zehnjähriger Junge erlag nach Angaben von Verwandten am
Donnerstag seinen Verletzungen.
Die Opposition wirft Präsident Kibaki vor, sich durch
betrügerische Machenschaften die Wiederwahl gesichert zu haben und
fordert eine neue Abstimmung. Auch international war der Wahlausgang
auf Kritik gestoßen. Das Europäische Parlament forderte am
Donnerstag in einer Resolution, dass die EU bis zur Lösung der
Krise alle finanziellen Hilfen für Kenias Regierung einfrieren
solle. Die EU ist einer der größten Geldgeber des Landes.
Für die nächsten fünf Jahre sind Zahlungen in Höhe
von 383 Millionen Euro geplant.
(Quelle: rtr)
Somalia - 16 Tote bei Gefechten in Mogadischu
Fr.18.01.08 - Schwere Gefechte in der somalischen Hauptstadt Mogadischu haben am
Donnerstag mindestens 16 Menschen das Leben gekostet. Augenzeugen
sagten, islamistische Aufständische hätten die somalischen
Regierungstruppen und ihre äthiopischen Verbündeten
angegriffen. Beide Seiten feuerten Mörser und Granaten ab. Unter
den Toten waren den Angaben zufolge auch mindestens vier Soldaten. Die
äthiopischen Truppen unterstützen die somalische
Übergangsregierung und bekämpfen seit einem Jahr
islamistische Aufständische. Die Kämpfe kosteten im
vergangenen Jahr tausende Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Sicherheitsrat enttäuscht über Entwicklung in Birma
Fr.18.01.08 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat sich enttäuscht
über politische Entwicklung in Birma geäußert. Fast
vier Monaten nach der gewaltsamen Niederschlagung der
Demokratiebewegung gebe es kaum Fortschritte bei den Bemühungen um
einen Dialog zwischen Militärjunta und Opposition, hieß es
in einer Erklärung des Rats vom Donnerstag. Darin wird auch die
Forderung nach einem möglichst baldigen Birma-Besuch des
UN-Beauftragten Ibrahim Gambari zum Ausdruck gebracht. Dieser sagte
nach den Beratungen im Sicherheitsrat vor Journalisten, er habe die
birmanische Regierung um einen Besuch bis Ende Januar gebeten. Diese
habe jedoch geantwortet, dass sie einen Termin im April vorziehe und
die Reise zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für angebracht
halte.
(Quelle: ap)
Drei Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Unterernährung
Fr.18.01.08 - Mehr als drei Millionen Kinder sterben jedes Jahr noch vor ihrem
fünften Geburtstag an den Folgen von Unterernährung. Damit sei
Mangelernährung weltweit für mehr als ein Drittel aller
Todesfälle in dieser Altersgruppe verantwortlich, heißt es in
einer Untersuchung.
Das britische Medizinjournal «The Lancet» stellte die
Ergebnisse am Mittwoch in London vor. 80 Prozent aller
unterernährten Kinder lebten in nur 20 Ländern, vor allem in
Afrika und Asien, betonte «Lancet»-Chefredakteur Richard
Horton. Rund ein Viertel aller Todesfälle von Kindern in armen
Gemeinden ließe sich einer weiteren Untersuchung zufolge mit
verfügbaren Maßnahmen verhindern.
Besonders betroffen seien Birma, Uganda, Indien, China und
Südafrika, betonte Horton. Den größten Erfolg
hätten Hilfen in der Zeit von der Schwangerschaft der Mutter bis
zum zweiten Geburtstag des Kindes. «Nach einem Alter von zwei
Jahren hat Unterernährung einen unabänderlichen Schaden
für die künftige Entwicklung angerichtet.»
Allein 1,4 Millionen Kinder sterben jedes Jahr, weil sie nicht
ausreichend gestillt werden können, heißt es in einer Studie
von Wissenschaftlern um Robert Black von der Johns Hopkins School of
Public Health in Baltimore (US-Staat Maryland).
Entwicklungsstörungen durch Mangelernährung im Mutterleib,
Auszehrung und Unterentwicklung seien zusammen für mehr als 2
Millionen Todesfälle verantwortlich. Darüber hinaus habe die
Unterernährung von Kindern und ihren Müttern auch für
Überlebende gravierende Gesundheitsfolgen.
Einfache Maßnahmen wie Stillberatung und Vitamin-A-Präparate
könnten in den 36 am schlimmsten von Unterernährung
betroffenen Ländern ein Viertel aller Todesfälle bei Kindern
verhindern, schreiben Mediziner um Zulfiqar Bhutta von der
pakistanischen Aga-Khan-Universität in Karachi in einer weiteren
«Lancet»-Studie. Allein mit solchen Ernährungshilfen
sei das Problem allerdings nicht in den Griff zu bekommen. «Obwohl
verfügbare Maßnahmen auf kurze Sicht die Situation eindeutig
verbessern können, sind zur Eliminierung körperlicher
Unterentwicklung langfristige Investitionen nötig.» So
müssten vor allem Frauen als «volle Mitglieder der
Gesellschaft» anerkannt werden und Zugang zu Bildung und
Wirtschaft bekommen.
(Quelle: dpa)
Serbien wirbt bei UNO um Unterstützung in Kosovo-Frage
Fr.18.01.08 - Serbiens Präsident Boris Tadic hat an den UN-Sicherheitsrat
appelliert, eine einseitige Unabhängigkeitserklärung des
Kosovo nicht anzuerkennen. In der 1999 von dem Gremium verabschiedeten
Resolution 1244 sei die "Souveränität und territoriale
Integrität Serbiens" garantiert worden, betonte Tadic in New York.
Der Ministerpräsident des Kosovo, Hashim Thaci, kündigte eine
baldige Unabhängigkeit der Provinz an. Der UN-Botschafter der USA,
Zalmay Khalilzad, sagte nach der Sitzung, der Sicherheitsrat sei in der
Frage immer noch uneinig. Der slowenische EU-Vorsitz hatte sich vorab
für eine schnelle Unabhängigkeit des Kosovo ausgesprochen.
Unter Berücksichtigung der Resolution 1244 zur territorialen
Integrität Serbiens dürfe das Kosovo nicht zur
Unabhängigkeit ermutigt und eine einseitige Abspaltung der Provinz
auch nicht anerkannt werden, forderte Tadic. Vielmehr sollten Belgrad
und Pristina eine für beide Seiten akzeptable Lösung finden.
"Wir müssen jede Anstrengung unternehmen, die
Missverständnisse und Konflikte in unserem Teil Europas friedlich
und einzig durch Vereinbarungen zu lösen, nicht durch einseitige
Schritte", betonte Serbiens Staatschef im Rahmen einer offenen
Diskussion des Sicherheitsrats über die UN-Mission im Kosovo
(UNMIK).
Tadic sicherte zu, dass sein Land im Kosovo-Streit nicht auf Gewalt
zurückgreifen werde. Wenn allerdings Gewalt im Kosovo ausbreche und
die NATO-Schutztruppe KFOR die serbische Minderheit in der Provinz
nicht in angemessener Weise schützen könne, sei Serbien
bereit, sich am Schutz der Bevölkerung zu beteiligen.
Der neue Regierungschef im Kosovo sagte, er und Tadic hätten sich
in New York "als Führer von zwei unabhängigen Staaten" die
Hand gegeben. Das Kosovo sei "bereit für eine endgültige
Lösung", betonte Thaci hinsichtlich der geplanten
Unabhängigkeitserklärung der mehrheitlich von Albanern
bewohnten Provinz. Das Kosovo werde ein "Land mit gleichen
Möglichkeiten für alle Bürger" sein, sicherte der
ehemalige Unabhängigkeitskämpfer mit Blick auf die serbische
Minderheit zu. Die Provinz wird sich voraussichtlich Anfang Februar von
Serbien lossagen.
Der UN-Sicherheitsrat sei in der Kosovo-Frage "immer noch blockiert",
sagte US-Botschafter Khalilzad. Er begrüßte Thacis Zusage,
alle Menschen im Kosovo vertreten zu wollen. Zugleich warnte Khalilzad
Serbien davor, durch sein Verhalten seine Beziehungen zu Europa und den
USA langfristig zu belasten. Der russische UN-Botschafter Witali
Tschurkin bekräftigte Moskaus Unterstützung Serbiens. Die
slowenische EU-Ratspräsidentschaft hatte sich vor der
Sicherheitsratssitzung für eine schnelle Unabhängigkeit des
Kosovo ausgesprochen.
(Quelle: afp)
US-Immobilienkrise verschärft sich - Wohnbaubeginne brechen ein
Fr.18.01.08 - Der US-Immobilienmarkt rutscht immer tiefer in die Krise: Im Dezember
brach die Zahl der Wohnbaubeginne unerwartet um mehr als 14 Prozent ein
und fiel auf den tiefsten Stand seit 1991, wie das Handelsministerium
am Donnerstag mitteilte. Bereits im November wurden rund acht Prozent
weniger Häuser gebaut und damit deutlich weniger als bislang
angenommen. Der Dollar reagierte mit Verlusten auf die schwachen Daten
vom US-Immobilienmarkt.
Im Dezember belief sich die Zahl der Wohnbaubeginne auf das Jahr
hochgerechnet auf 1,006 Millionen Häuser - Volkswirte hatten im
Schnitt mit 1,140 Millionen gerechnet. Die Zahl der Baugenehmigungen -
ein Barometer für den zukünftigen Häuserbau - brach um
acht Prozent ein und erreichte damit das tiefste Niveau seit 1993.
(Quelle: rtr)
Frankreich dämpft Wachstumserwartungen
Fr.18.01.08 - Die französische Regierung hat die Erwartungen in Hinblick auf das
Wirtschaftswachstum gedämpft: Das Wachstum werde wohl eher am
unteren Ende der zuvor genannten Spanne von 2,0 bis 2,5 Prozent liegen,
sagte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am Donnerstag. Grund
dafür sei, dass sich das internationale Umfeld verschlechtert
habe. "Die endogenen Faktoren in Frankreich sind solide", betonte sie.
Zuletzt hatten die Krise an den Kreditmärkten, die
Abschwächung der US-Wirtschaft, der starke Euro und die hohen
Ölpreise einen Schatten auf das Wachstum in Europa geworfen. Die
Äußerungen Lagardes sind das bisher deutlichste Anzeichen
dafür, dass die französische Regierung in absehbarer Zeit
keine deutliche Belebung der Wirtschaft erwartet. Präsident
Nicolas Sarkozy sagte, dass alles dafür vorbereitet sei, das
Haushaltsdefizit abzubauen. Er ließ jedoch offen, bis wann dieses
Ziel erreicht sein könnte. Für 2007 rechnet die Regierung mit
einem Defizit von 2,4 Prozent, in diesem Jahr soll es 2,3 Prozent
erreichen.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Regierung sagt deutlich schwächeres Wachstum voraus
Fr.18.01.08 - Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Bundesregierung
in diesem Jahr deutlich schwächer wachsen als 2007.
Im Jahreswirtschaftsbericht rechne sie nur noch mit einem Zuwachs des
Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,7 Prozent nach 2,5 Prozent im
Vorjahr, berichteten mehrere Zeitungen am Donnerstag vorab. Damit
fällt die Prognose um 0,3 Prozentpunkte niedriger aus als im
Herbst. Die Konjunktur werde immer mehr vom privaten Konsum getragen,
und nicht mehr so stark von den Investitionen der Unternehmen und vom
Außenhandel.
Mit ihrer Vorausschau liegt die Regierung im Bereich der Vorhersagen
von Forschungsinstituten, Banken und internationalen Organisationen.
Das Kabinett will den Jahreswirtschaftsbericht am Mittwoch
beschließen. Wegen der von den USA ausgehenden Finanzkrise, der
Euro-Aufwertung und der hohen Energiepreise hatten Wirtschaftsminister
Michael Glos und Finanzminister Peer Steinbrück eine
Prognosesenkung angekündigt. Bereits im Oktober war die
Schätzung von 2,4 auf zwei Prozent gesenkt worden.
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, in dem Bericht rechne die
Regierung nicht damit, dass die Eintrübung der Aussichten auf den
Arbeitsmarkt durchschlagen werde. Sie rechne mit einer
Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent. Das wäre der niedrigste Wert
seit 1992. Mit den Löhnen der Beschäftigten gehe es
aufwärts: Die Arbeitnehmerentgelte sollten um 2,7 Prozent steigen.
Damit steigen auch die Chancen, dass der private Konsum anzieht: Die
Regierung erwartet ein Plus von 3,1 nach 1,4 Prozent 2007.
(Quelle: rtr)
Staat verfügt über Finanzvermögen von 228 Milliarden Euro
Fr.18.01.08 - Die öffentlichen Haushalte haben Ende 2006 über ein
Finanzvermögen in Höhe von 228 Milliarden Euro verfügt.
Das entspricht 2771 Euro je Einwohner, teilte das Statistische
Bundesamt am Donnerstag weiter mit. Bund, Länder, Gemeinden und
kommunale Zweckverbände vermehrten ihren Vermögen damit binnen
Jahresfrist um acht Milliarden Euro oder vier Prozent. Gleichzeitig ist
der Staat aber auch hoch verschuldet: Er steht mit rund 1,5 Billionen
Euro in der Kreide.
Das größte Finanzvermögen besaßen der Bund und
seine Sondervermögen mit 102,8 Milliarden Euro. Es folgten die
Länder mit 66,3 Milliarden Euro vor den Gemeinden und
Zweckverbänden mit 58,9 Milliarden Euro.
Vergebene Kredite machen den größten Anteil am
Finanzvermögen der staatlichen Haushalte aus: Sie beliefen sich auf
83,8 Milliarden Euro. Der Bestand an Bargeld und Einlagen betrug 60,4
Milliarden Euro und an Wertpapieren 9,5 Milliarden Euro. Die sonstigen
Forderungen beliefen sich auf 74,4 Milliarden Euro. Nicht enthalten in
der Statistik sind Anteilsrechte wie Aktien und Investmentzertifikate
und sonstige Beteiligungen.
(Quelle: rtr)
Politik will Gespräch mit Nokia über Schließungsplan
Fr.18.01.08 - Trotz der Weigerung des Nokia-Konzerns, von seinen Plänen zur
Schließung des Werks in Bochum abzurücken, drängt die
Bundesregierung auf rasche Gespräche mit der finnischen
Konzernführung: "Ich habe mit der finnischen Seite verabredet,
dass wir noch in dieser Woche Gespräche führen ohne
Vorbedingungen", sagte Wirtschafts-Staatssekretär Hartmut
Schauerte am Donnerstag Reuters TV. Zu den Aussichten und dem
Teilnehmerkreis wollte sich der von Bundeswirtschaftsminister Michael
Glos mit dem Fall beauftragte Staatssekretär nicht
äußern.
Auch die Belegschaft des Werks will versuchen, das Management des
Handy-Herstellers mit weiteren Zugeständnissen umstimmen. "Wir
wollen den Standort erhalten. Dafür wollen wir in Finnland
Vorschläge machen", kündigte Betriebsratschefin Gisela
Achenbach in Bochum an.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers warnte Nokia vor einem Image-Schaden, sollte sich das
Management Gesprächen über die Werksschließung
verweigern. Nokia habe noch immer keine plausiblen Gründe für
die Schließungspläne zur Jahresmitte angeführt, sagte
der CDU-Politiker. Die Landesregierung werde alles unternehmen, um das
Werk in Bochum zu erhalten. "Die Diskussion beginnt erst."
Nokia-Sprecherin Arja Suominen hatte in Helsinki erklärt, das
Unternehmen sei bereit, seine Pläne zu erörtern. Nokia werde
die Entscheidung aber nicht revidieren. "Unser Beschluss beruht auf
einer sorgfältigen Prüfung und Fakten. Wir sind einfach zu
der Überzeugung gekommen, dass Bochum als Standort nicht
wettbewerbsfähig ist." Aus Kostengründen solle die Produktion
daher nach Rumänien, zum Teil auch nach Ungarn und Finnland
verlagert werden. Auch die Geschäftsführung von Nokia in
Deutschland sieht keinen Spielraum, von der Entscheidung
abzurücken. Nokia wolle mit dem Betriebsrat aber über
Abfindungen und die Gründung einer Auffanggesellschaft beraten,
sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Klaus Goll, der
"Bild"-Zeitung.
Neben den rund 2300 fest angestellten Mitarbeitern sind nach
Gewerkschaftsangaben von der Schließung bis zu 1000 Leiharbeiter
betroffen. Ferner könnten bis zu 1000 weitere Jobs bei Zulieferern
gefährdet sein.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verurteilte die geplante
Werksschließung "auf Schärfste", da es dafür
offensichtlich keine zwingenden wirtschaftlichen Gründe gebe. Die
Unternehmensleitung müsse sich jetzt zu Gesprächen mit der IG
Metall bereiterklären, betonte ein Sprecher am Abend in Berlin.
Betriebsratschefin Achenbach sagte, sie habe "die Achtung vor meinem
Unternehmen verloren". Die IG Metall kündigte eine
Verschärfung der Proteste für den Fall an, dass es keine
Gespräche mit der Konzernleitung geben sollte. Für Dienstag
plant die Gewerkschaft eine Großdemo in Bochum.
Auch aus der Bundesregierung kamen kritische Stimmen. Arbeitsminister
Olaf Scholz nannte das Vorgehen von Nokia in der "Frankfurter
Rundschau" (Freitagausgabe) "nicht anständig". Wenn ein
Unternehmen über Jahre gemeinsam mit den Beschäftigten
Wohlstand schaffe und Gewinn mache, dürfe es nicht "wegen eines
minimalen Lohnkostenvorteils" den Betrieb einfach aufgeben.
Empörung über die Pläne wurde auch im Bundestag laut. In
der Debatte über überhöhte Managergehälter sagte
der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach,
Vertrauensbruch und Raffgier seien nicht akzeptabel. FDP-Chef Guido
Westerwelle drohte: "Dass das politische Konsequenzen haben muss, indem
diese ganze Subventionspolitik hinterfragt wird, das ist klar." Nokia
hat nach früheren Angaben der NRW-Landesregierung knapp 60
Millionen Euro Subventionen bei der Ansiedlung in Bochum erhalten.
Die EU-Kommission bekräftigte, dass Nokia in Rumänien keine
direkte Förderung aus dem Regionalentwicklungsfonds erhalte. Es
habe keine gezielte Förderung von Nokia gegeben, sagte Sprecherin
Eva Kaluzynska.
(Quelle: rtr)
Experten plädieren für drastische Einschränkung von
Subventionen: Fördermittel können Arbeitsplätze nicht
dauerhaft sichern
Fr.18.01.08 - Angesichts der geplanten Schließung des Nokia-Werkes in Bochum
plädieren Wirtschaftsexperten für eine drastische
Einschränkung der bisherigen Subventionspraxis. Die
«Bild»-Zeitung zitierte den Subventionsexperten des Kieler
Instituts für Weltwirtschaft (IfW) Alfred Boss mit den Worten:
«Grundsätzlich müsste das Ziel sein, innerhalb von
fünf bis zehn Jahren die Subventionen komplett abzuschaffen.»
Denn Subventionen seien in der Regel verlorenes Geld, da sie
beispielsweise Arbeitsplätze nicht dauerhaft sichern könnten.
Im Gegenzug könnten die Steuern im gleichen Umfang gesenkt werden,
sagte der Experte. Boss bezifferte die Finanzhilfen und
Steuervergünstigungen in Deutschland für 2007 auf 145
Milliarden Euro.
Auch der stellvertretende FDP-Parteivorsitzende Rainer Brüderle
befürwortete eine deutliche Reduzierung der Subventionszahlungen.
«Je weniger der Staat mit Subventionen hantiert, umso
besser», sagte er der «Bild»-Zeitung. Der Fall Nokia
zeige, dass der Staat auch mit teueren Subventionen nicht langfristig
Arbeitsplätze garantieren könne.
Nach Informationen der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung»
(WAZ) war das vor der Schließung stehende Nokia-Werk Spitzenreiter
beim Abschöpfen von Fördergeldern in Nordrhein-Westfalen.
Unter Berufung auf das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium
berichtete die Zeitung, insgesamt habe es in den vergangenen zehn
Jahren 120 Förderfälle dieser Art im Land gegeben. Dafür
seien insgesamt 443 Millionen Euro ausgezahlt worden. Der
größte Betrag sei mit 60 Millionen Euro an Nokia gegangen.
(Quelle: ap)
Jeder Dritte arbeitet in Teilzeit
Fr.18.01.08 - Jeder dritte Beschäftigte in Deutschland arbeitet in einem
Teilzeitjob. Im laufenden Jahr wird die Zahl der
Teilzeitbeschäftigten nach Berechnungen des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg erstmals die
Marke von 12 Millionen überschreiten.
Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Vollzeitjobs um knapp 300 000
auf 23,45 Millionen, berichtete ein IAB-Sprecher am Donnerstag. Die Zahl
der Teilzeitbeschäftigten erhöhte sich ebenfalls um knapp 300
000 auf 11,83 Millionen. Die Teilzeitquote liegt damit bei 33,5 Prozent.
Die durchschnittliche Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten lag
nach Angaben des IAB nahezu unverändert bei knapp 38,3 Stunden. Die
Teilzeitbeschäftigten arbeiteten im Schnitt rund 14 Stunden und 20
Minuten. Das waren rund fünf Minuten mehr als im Jahr 2006. Auch
die Zahl der Nebenjobs hat im vergangenen Jahr mit 2,2 Millionen einen
neuen Höchststand erreicht.
Vor zehn Jahren lag die Teilzeitquote erst bei 21,6 Prozent. Damals
standen knapp 26,5 Millionen Vollzeitjobs erst knapp 7,3 Millionen
Teilzeitjobs gegenüber. Im Jahr 1997 registrierte das IAB lediglich
1,3 Millionen Nebenjobs. Die durchschnittliche Arbeitszeit hat sich
dagegen im vergangenen Jahrzehnt mit knapp 38,3 Stunden bei Vollzeit
und gut 14,3 Stunden bei Teilzeit kaum verändert. Gleiches gilt
für die Urlaubstage von durchschnittlich 30,9. Der Krankenstand
ist dagegen um rund ein Drittel 3,24 Prozent zurückgegangen.
(Quelle: dpa)
Leistungsschwache Mitarbeiter nicht ohne weiteres kündbar
Fr.18.01.08 - Arbeitgeber können leistungsschwache Mitarbeiter nicht ohne
weiteres entlassen: Liegen die Leistungen dauerhaft deutlich unter dem
Durchschnitt, kann dies aber ein Hinweis darauf sein, dass der
Arbeitnehmer seine vertraglichen Pflichten verletzt, urteilte das
Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt auf die Klage einer Packerin bei
einem Versandhandel in Sachsen. Allerdings bekräftigte das BAG,
dass schlechte Leistungen einem Arbeitnehmer nicht als
Pflichtverletzung angekreidet werden können, wenn er "unter
angemessener Ausschöpfung seiner persönlichen
Leistungsfähigkeit arbeitet".
Die Packerin arbeitet seit 1995 bei dem Unternehmen im so genannten
Sorter-Versand, wo die Warensendungen entsprechend der
Kundenbestellungen zusammengestellt werden. Nach Angaben des
Versandhauses machte die Klägerin bei vier bis 5,44 Promille der
Sendungen Fehler; beispielsweise fehlten Teile, oder Kunden wurden
verwechselt. Bei den Kolleginnen und Kollegen lag die durchschnittliche
Fehlerquote dagegen nur bei 1,34 Promille. Wegen der deutlich
überhöhten Fehlerquote mahnte der Arbeitgeber die Packerin
zunächst zwei Mal ab und kündigte schließlich. Zur
Begründung erklärte das Versandhaus, die Fehler schadeten dem
Ruf des Hauses und dem Vertrauen der Kunden, und die Nachbearbeitung
verursache erhebliche Kosten.
Wie das BAG entschied, reicht eine dauerhafte Minderleistung noch nicht
automatisch aus, um eine Kündigung zu rechtfertigen. Sie
könne aber durchaus ein Anzeichen für eine Pflichtverletzung
des Arbeitnehmers sein. Lege der Arbeitgeber überhöhte
Fehlerquoten dar, sei es daher Sache des Arbeitnehmers, sich zu
rechtfertigen und zu begründen, warum er dennoch seine
Leistungsfähigkeit ausschöpfe. Die Packerin soll dazu nun vor
dem Sächsischen Landesarbeitsgericht Gelegenheit bekommen.
(Quelle: afp)
Umweltminister Gabriel verlangt bundesweiten Energie-Sozialtarif
für Arme
Fr.18.01.08 - Angesichts der drastisch gestiegenen Energiekosten hat
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel niedrigere Strom- und Gaspreise
für arme Haushalte gefordert: "Alle Energieversorger sollten
dauerhaft einen solchen Sozialtarif in der Grundversorgung anbieten",
sagte Gabriel am Donnerstag im Bundestag bei seiner
Regierungserklärung zum Klimagipfel von Bali.
"In einem so reichen Land wie Deutschland darf es keine Energie- oder
Brennstoffarmut geben", sagte der SPD-Politiker. Klimaschutz werde nur
auf diese Weise weiter die Unterstützung der Menschen haben. Einige
Unternehmen böten bereits einen solchen Tarif in beschränktem
Umfang an. Dem müssten aber weitere Schritte folgen.
Seit dem Jahr 2000 seien die monatlichen Ausgaben für Energie um
75 Euro gestiegen. Dies sei für ärmere Haushalte eine
große Belastung. Gabriel verwies darauf, dass durch die kostenlose
staatliche Zuteilung von Verschmutzungsrechten, deren Börsenpreis
die Versorger in die Stromrechnung eingerechnet hätten,
milliardenschwere Zusatzgewinne gehabt hätten.
Der SPD-Abgeordnete Reinhard Schultz sprach von 800.000 Haushalten,
denen jedes Jahr die Anschlüsse von Gas- und Stromversorgern
gesperrt würden. In den Genuss von billigerem Gas und Strom
könnten etwa Haushalte kommen, denen auch die Rundfunkgebühren
wegen Armut erlassen würden.
(Quelle: rtr)
Agrarbündnis kritisiert Energiepolitik der Regierung
Fr.18.01.08 - Das ökologisch orientierte Agrarbündnis hat der Koalition
eine verfehlte Energiepolitik vorgeworfen. «Mit Kraftstoffquoten
setzt die Bundesregierung Prioritäten im ineffizientesten Bereich
der Nutzung nachwachsender Rohstoffe», kritisierte Bernd Voß
von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft am
Donnerstag zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin.
Wärmenutzung und Kraftwärmekopplung, die die Bundesregierung
selbst als «schlafende Riesen» bezeichnet, lasse man weiter
schlafen, erklärte Voß. «Die effizientesten
Nutzungsmöglichkeiten werden auf diese Weise vertan.»
Das Agrarbündnis ist ein Dachverband, dem unter anderen die
ökologischen Erzeugerverbände Bioland und Demeter, der
Deutsche Tierschutzbund sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) angehören. Die Organisation stellt jährlich
den «Kritischen Agrarbericht» vor. 2008 hat er das
Schwerpunktthema «Landwirtschaft als Energieerzeuger».
Die Biomassenutzung führe in ihrer gegenwärtigen Form zu
einer Verschärfung der negativen Auswirkungen der intensiven
Landnutzung auf Klima, Umwelt, soziale Strukturen und Ernährung.
Das Agrarbündnis forderte deshalb, das die Entwicklung erneuerbarer
Energien viel stärker auf die Nutzung von Bei- und Nebenprodukten
ausgerichtet wird. Das Motto könnte lauten: «Gülle,
Mist und mehr zu Gold.»
Auch müsse die Entwicklung so voran getrieben werden, dass die
Energieerzeugung zu einer Vielfalt in der Fruchtfolge beitrage statt zu
Monokulturen. Zukunftsfähig werde nur eine Biomassenutzung sein,
die dezentral und regional angepasst sei. Das Agrarbündnis forderte
daher die gezielte Förderung der Entwicklung kleiner Anlagen bis
75 Kilowatt.
Zum geplanten «Gesundheitscheck» der EU-Agrarpolitik, wie
ihn Kommissarin Mariann Fischer Boel angekündigt hat, erklärte
die Organisation, jetzt müsse wirklich geheilt und nicht nur an
Symptomen herumgedoktert werden. Stark rationalisierte Betriebe
erhielten derzeit bis zu 120.000 Euro je Arbeitskraft, bäuerlich
organisierte Betriebe nicht einmal ein Zehntel davon. Am Markt
träfen beide aufeinander. «Das ist staatlich organisierte
Wettbewerbsverzerrung», kritisierte das Agrarbündnis.
Während die EU-Kommission vorschlage, durch eine Degression diese
Ungerechtigkeit zumindest zu verringern, torpediere die Bundesregierung
diese Ideen.
(Quelle: ap)
Stadt Frankfurt klagt gegen Flughafen-Ausbau
Fr.18.01.08 - Die Stadt Frankfurt wird gegen den kürzlich genehmigten Ausbau des
Flughafens klagen.
Die Opposition im Stadtparlament aus SPD, Bündnis der
Flughafengegner (FAG) und anderen kleinen Parteien setzte am
Mittwochabend die Klage gegen den Willen von Oberbürgermeisterin
Petra Roth (CDU) durch, wie ein Stadtsprecher am Donnerstag
bestätigte.
Die Mehrheit kam zustande, weil das Mehrheitsbündnis aus CDU und
Grünen im Frankfurter Kommunalparlament bei dem umstrittenen Thema
Flughafenausbau eine Enthaltung vereinbart hatte. Die Grünen lehnen
den Ausbau ab, die CDU unterstützt das Vorhaben, das die hessische
Landesregierung unter Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kurz vor
Weihnachten genehmigte. Die Klage soll sich vor allem gegen die
weiterhin erlaubten Nachtflüge richten.
Vom Flughafenbetreiber Fraport war ursprünglich ein absolutes
Nachtflugverbot als Entgegenkommen für die betroffenen Anwohner
beantragt worden. Mit der Genehmigung einer weiteren Landebahn erlaubte
die Landesregierung dann aufgrund der Forderungen der Lufthansa und
anderer Fluggesellschaften Ausnahmeregelungen für bis zu 24
Flüge je Nacht. Auf Landesebene will die SPD im Falles eines
Erfolgs bei den Landtagswahlen am 27. Januar mit den Grünen
ebenfalls juristische Schritte für ein schärferes
Nachtflugverbot einleiten.
Die Landebahn soll nach Fraport-Plänen 2011 in Betrieb gehen. Die
Passagierzahl in Frankfurt soll damit bis 2020 rund 90 Millionen von
derzeit 54 Millionen steigen.
(Quelle: rtr)
Greenpeace protestiert auf Grüner Woche gegen Gentechnik
Fr.18.01.08 - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat auf der Internationalen
Grünen Woche in Berlin gegen die grüne Gentechnik protestiert.
Bei einem Auftritt von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer
(CSU) entrollten Greenpeace-Aktivisten Plakate mit der Aufschrift
«Seehofers Gen-Saat überall». Zudem ließen sie
Papierschnipsel von der Decke regnen, auf denen «Genhofer»
stand.
Seehofer bezeichnete die Aktion als «nette Unterhaltung»
und verteidigte die geplante Novelle des Gentechnikgesetzes. Er gehe
davon aus, dass der Gesetzentwurf in der nächsten Woche im
Bundestag erörtert und verabschiedet wird. Er werde dabei den
Nachweis führen, dass es nie zuvor, auch nicht unter Rot-Grün,
eine so restriktive und verantwortliche Anwendung des Gentechnikrechts
gegeben habe. Das gelte für das Haftungsrecht, das
Kennzeichnungsrecht und die Abstände zu Feldern mit gentechnisch
veränderten Pflanzen. Die jüngsten Vorschläge der
Koalition zur Kennzeichnung von tierischen Produkten mit dem Label
«Ohne Gentechnik» hätten breite Unterstützung
gefunden.
(Quelle: ddp)
Bauernverband lehnt Klonen von Tieren strikt ab
Fr.18.01.08 - Der Deutsche Bauernverband (DBV) lehnt das Klonen von Tieren strikt ab.
Es sei nicht zu akzeptieren, wenn jetzt Fleisch von geklonten Tieren aus
den USA in den europäischen Lebensmittelhandel kommen dürfe,
erklärte der Verband am Donnerstag in Berlin. Denn noch sei
unklar, welche Folgen das Klonen als neue Züchtungsform für
die Landwirtschaft und ihre Tierzucht habe.
Für die Tierzucht in der europäischen Landwirtschaft sei die
große genetische Vielfalt charakteristisch, betonte der
Bauernverband. Sie werde durch Klonen eingeschränkt. Auch
bestünden erhebliche ethische Bedenken, erklärte der DBV. Man
könne nicht einseitig nach gesundheitlichen Gesichtspunkten
urteilen.
Mit der Einschätzung, dass Fleisch von geklonten Tieren für
den Verzehr unbedenklich sei, löste die US-Gesundheitsbehörde
FDA am Mittwoch in Europa große Aufregung aus. Der DBV fordert
umfassende wissenschaftliche Untersuchungen und eine eingehende
Diskussion in der Gesellschaft unter den Verbrauchern sowie in der
Landwirtschaft über die Vor- und Nachteile des Klonens von Tieren.
(Quelle: ap)
Stammzellgesetz: Abgeordnete aus allen Bundestags-Fraktionen gegen
Stichtags-Verschiebung
Fr.18.01.08 - In einem Gruppenantrag haben sich Abgeordnete aller
Bundestags-Fraktionen gegen eine Änderung der bestehenden
Stichtags-Regelung im Stammzellgesetz ausgesprochen. Der
Gesetzes-Kompromiss von 2002 sei nach wie vor gut und müsse nicht
aufgekündigt werden, sagte eine der Initiatorinnen des Antrags,
Grünen-Forschungsexpertin Priska Hinz, am Mittwoch in Berlin. Die
frühere Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) sagte, der
Antrag solle ein "ethisches und forschungspolitisches Signal setzen".
Die bisher 115 Unterzeichner sprechen sich für eine weitere
Förderung der ethisch unbedenklichen adulten Stammzellforschung
aus, etwa durch die Einrichtung von Banken, in denen Nabelschnurblut
gelagert wird. Sie sind überzeugt, dass die alten embryonalen
Stammzelllinien entgegen der Meinung vieler Forscher noch für die
Grundlagenforschung taugen.
Derzeit dürfen Forscher in Deutschland nur an embryonalen
Stammzelllinien forschen, die vor dem 1. Januar 2002 entstanden sind.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte sich für
eine einmalige Verschiebung des Stichtags ausgesprochen und war
dafür von der katholischen Kirche heftig kritisiert worden.
Für die einmalige Stichtags-Änderung kursiert ebenso einen
Gruppenantrag bei den Abgeordneten wie für die völlige
Aufhebung dieser Regelung.
Die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner betonte, die Erfolgsmeldung mit
der embryonalen Stammzellforschung seien bisher ausgeblieben. Das
Tumorrisiko sei bei der Anwendung embryonaler Stammzellen sehr hoch.
Der kirchenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Goldmann,
warnte vor dem Glauben, alle Probleme seien über Gesetze und
Forschung lösbar. Gerade in unserer älter werdenden
Gesellschaft müsse man sich davon verabschieden können,
lebenslange Gesundheit zu versprechen.
Dieser zusätzliche Antrag sei aber lediglich eine "taktische
Variante", erklärte Däubler-Gmelin. Sie solle verhindern, dass
Abgeordnete für eine Stichtags-Änderung stimmten, weil sie
die derzeitige Strafbarkeitsregelung kritisierten. Diese Strafbarkeit
sei aber "eher Sorge als Realität". Kein deutscher Forscher im
Ausland müsse sich darüber wirklich Gedanken machen.
(Quelle: epd)
Wissenschaft
US-Forscher vermelden Klon-Erfolg bei menschlichen Embryonen
Fr.18.01.08 - Ein US-Unternehmen hat für sich in Anspruch genommen, erstmals
einen menschlichen Embryo aus einer Hautzelle geklont zu haben.
Bei den Tests, ob es sich tatsächlich um echte Klone handelte,
seien die wenige Tage alten Embryonen jedoch zerstört worden,
teilte das in Kalifornien ansässige Unternehmen Stemagen am
Donnerstag mit. Die Forscher, die an einem Reproduktionszentrum
arbeiten, zeigten sich aber zuversichtlich, angesichts der zahlreich
zur Verfügung stehenden Eizellen bald Erfolg zu haben und
embryonale Stammzellen zu gewinnen. Sollten die Studienergebnisse, die
in dem Magazin "Stem Cells" veröffentlicht wurden, bestätigt
werden, wäre es ein Durchbruch für die Wissenschaft.
Die Forscher setzten nach eigenen Angaben bei ihrem Versuch die gleiche
Technik ein, mit der schon Klonschaf Dolly 1996 produziert wurde. Dabei
wird der Zellkern aus der Eizelle entfernt und die DNA aus einer
anderen Zelle eingefügt. In diesem Falle nun wurden Hautzellen von
Erwachsenen verwendet. Aus Stammzellen von wenige Tage alten Embryonen
können sich alle Typen von menschlichen Zellen entwickeln.
Wissenschaftler hoffen, mit dieser Methode etwa Organe zu züchten,
die dann kranken Menschen eingesetzt werden können.
Bereits 2004 hatte der südkoreanische Forscher Hwang Woo Suk
vermeldet, menschliche Embryonen geklont zu haben. Die
Forschungsergebnisse stellten sich jedoch bald als gefälscht
heraus.
(Quelle: rtr)
Grossbritannien - Schaffung von Embryonen aus Mensch und Tier erlaubt
Fr.18.01.08 - Die britische Regulierungsbehörde für die
Stammzellenforschung will die Schaffung von Embryonen aus menschlichen
und tierischen Zellen genehmigen. Zwei entsprechende Projekte von
Universitäten seien bewilligt worden, teilte die Human
Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) mit. Demnach dürfen
Wissenschaftler vom Londoner King's College sowie der Universität
Newcastle so genannte zytoplasmatische Embryonen züchten, die aus
der Verbindung menschlicher DNA mit tierischen Eizellen hervorgehen.
Die Anträge erfüllten alle gesetzlichen Voraussetzungen. Die
Forscher hätten jeweils eine auf ein Jahr befristete Genehmigung
für ihr Vorhaben.
(Quelle: afp)